1. Wochenabschnitte
  2. Wajikra
  3. Achare Mot

אַחֲרֵי מוֹת

Achare Mot

Jom Kippur und die Reinigung

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
29 von 54
Verse
Wajikra 16,1–18,30
Teile
6
Lesezeit
59 Min.

markiert Stellen, an denen die Übersetzung bewusst vom russischen Original abweicht. Antippen zeigt den Hinweis.

Achare Mot ist der Wochenabschnitt über den Dienst des Hohepriesters an Jom Kippur, über die Reinigung und die Grenzen der Heiligkeit. Im Stenogramm des Gesprächs von Alex Blend werden der Reihe nach die Kapitel 16–18 des Buches Wajikra besprochen: der Text der Tora auf Hebräisch, die Transliteration, eine ÜbersetzungIm Original ist hier von der russischen Übersetzung die Rede, weil die Seite dort russisch ist. Auf der deutschen Seite heißt es deshalb neutral „eine Übersetzung“. und die Auslegung des Autors. Eigene Teile sind den Opfern, dem Verbot des Blutes und den Beziehungen zwischen Menschen gewidmet.

ACHARE

Einmal im Jahr

Wajikra 16,1–34

Mit Gottes Hilfe beginnen wir, den Wochenabschnitt Achare Mot zu studieren, und in Kapitel 16 wird es um eines der wichtigsten jüdischen Feste gehen, um Jom Kippur, und darum, was der Hohepriester an diesem Tag im Tempel tun musste. Viele Gespräche, Lektionen, Kommentare sind zu diesem Thema geschrieben worden, zu dem Thema, was der geheime Sinn, der symbolische oder nicht sofort verständliche Sinn von Jom Kippur ist. Da wir aber in unserer Gesprächsreihe versuchen, den unmittelbaren Sinn der Tora zu lesen, werden wir versuchen, ihm so nah wie möglich zu bleiben, obwohl es zur Erweiterung des Horizonts willkommen ist, auch andere Gespräche zu hören. Beginnen wir also die Lesung mit Vers 1 von Kapitel 16.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה אַחֲרֵי מוֹת שְׁנֵי בְּנֵי אַהֲרֹן בְּקָרְבָתָם לִפְנֵי־יְהוָה וַיָּמֻתוּ׃

wajdabbér adonáj el-Mosche acharé mot schené bené Aharón bekorwatám lifne-adonáj wajamútu

1 Und der HERR redete mit Mosche nach dem Tod der zwei Söhne Aharons, als sie vor Gott traten und starben.

Hier kann man es auf zwei Arten verstehen: als sie versuchten, dem Höchsten ein Opfer darzubringen, und starben oder als sie versuchten, sich dem Höchsten zu nähern, und starben. Wir haben darüber am Anfang von Kapitel 10 gelesen. Danach begann die Tora in Klammern den Bericht über Reinheit und Unreinheit und über die Rolle des Kohen bei der Reinigung des Menschen. Jetzt werden diese Klammern geschlossen, und wir kehren zu dem zurück, worüber wir vorher gesprochen haben. Nach diesen traurigen Ereignissen redet der HERR mit Mosche.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה דַּבֵּר אֶל־אַהֲרֹן אָחִיךָ וְאַל־יָבֹא בְכָל־עֵת אֶל־הַקֹּדֶשׁ מִבֵּית לַפָּרֹכֶת אֶל־פְּנֵי הַכַּפֹּרֶת אֲשֶׁר עַל־הָאָרֹן וְלֹא יָמוּת כִּי בֶּעָנָן אֵרָאֶה עַל־הַכַּפֹּרֶת׃

wajomer adonáj el-Mosche dabbér el-Aharon achícha we'al-jawó wechol-ét el-hakkódesch mibbét lapparóchet el-pené hakkappóret aschér al-ha'arón weló jamút ki be'anán era'é al-hakkappóret

2 Und der HERR sprach zu Mosche: „Rede mit Aharon, deinem Bruder, dass er nicht zu jeder Zeit ins Allerheiligste hinter den Vorhang kommt, der vor dem Deckel ist, der auf der Lade ist, damit er nicht stirbt, denn in der Wolke werde Ich auf dem Deckel erscheinen.“

Von diesem Moment an unterweist der HERR durch Mosche Aharon darin, dass Aharon nicht mehr jedes Mal, nicht jeden Tag, nicht immer, wenn er es will, ins Allerheiligste hineingehen kann, denn der Höchste wird sich ihm nur in der Wolke offenbaren, und das wird mit dem Räuchern verbunden sein. Und wer kann immer, zu jeder Zeit ins Allerheiligste hineingehen? Mosche. Mosche hat nicht einfach eine Erlaubnis, er hat eine Anordnung, ins Allerheiligste hineinzugehen und dort die Stimme Gottes zu hören. Und sogar am Ende von Kapitel 7 des Buches Bemidbar werden wir lesen können, dass Mosche weiterhin hineinging, weiterhin dort die Offenbarungen des Höchsten hörte. Das Zelt der Begegnung hat zwei Benutzer, es ist gleichsam ein Arbeitszimmer für zwei Mitarbeiter Gottes. Nur hat Mosche keine zeitliche Beschränkung, er kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt ins Allerheiligste hineingehen, nicht nur an Jom Kippur wie Aharon. Er braucht nicht die Gewänder des Kohen, um dort hineinzugehen, er braucht keinen Kohen als Vermittler, und sogar den goldenen Altar, an dem der Hohepriester nicht vorbeigehen kann, bevor er ins Allerheiligste hineingeht, braucht Mosche nicht. Mosche steht eine Stufe höher als Aharon, was das Recht betrifft, ins Allerheiligste hineinzugehen. Es gibt ein Gebot (es wird Mosche bei der Weihe Aharons zum Kohen gegeben): „Bring Aharon nahe zu dir, hebe Aharon auf deine Stufe.“ Mosche steht eine Stufe höher, Mosche hat eine völlig andere Beziehung zum Zelt der Begegnung und zum Höchsten. Das heißt, es arbeiten gleichsam zwei Zelte der Begegnung parallel: das Zelt Mosches und das Zelt Aharons. Wenn im Zelt der Begegnung Aharons die Reinigung von der Sünde und die Zurechtbringung geschieht, so gehen aus dem Zelt der Begegnung Mosches die Richtung und die Anordnungen hervor, wie ein Mensch leben soll, der von der Sünde gereinigt ist, wie ein Mensch leben soll, der Gerechtigkeit lernt und sich auf die Heiligkeit zubewegt, wie ein Mensch sein soll, dessen Sünden vergeben sind. Und diese zwei Linien, zwei Toras, fließen natürlich zu einer Tora zusammen, denn hier erhält Aharon für sich die Anordnungen von Mosche. Aharon ist der Minister für die Zurechtbringung der Menschen im Königreich der Kohanim, zu dem auch Mosche gehört, und so ist ihr Zusammenwirken. Auch für die an Jeschua Glaubenden ist es sehr wichtig, diese Verbindung nicht zu verlieren. Wenn uns unsere Sünden vergeben werden, wir frei werden und geistlich gesund werden, dann bleibt die Frage, wofür dieser geistlich gesunde Mensch eingesetzt werden kann, was er weiter tun wird. Und die Tora eröffnet durch Mosche die Gebote des Dienstes, die Gebote des Dienstes für den Höchsten in einem solchen Zustand geistlicher Gesundheit, wenn es die Möglichkeit gibt, sie ständig wiederherzustellen. Das ist ein sehr tiefes Thema, und das ist nur eine sehr kurze Erklärung dafür, warum Aharon es nicht darf, Mosche aber darf.

Aharon erhält also durch Mosche die Anordnung, dass er nicht jeden Tag ins Allerheiligste hineingehen kann. Und wann und wie er hineingehen soll, werden wir weiter lesen.

בְּזֹאת יָבֹא אַהֲרֹן אֶל־הַקֹּדֶשׁ בְּפַר בֶּן־בָּקָר לְחַטָּאת וְאַיִל לְעֹלָה׃

besót jawó Aharon el-hakkódesch befár ben-bakár lechattát we'ájil le'olá

3 So soll Aharon ins Allerheiligste hineingehen: Er soll einen Stier als Reinigungsopfer und einen Widder als Ganzopfer bringen.

Das Wort besót (so, hiermit) kann man als auf die Tora bezogen deuten, das heißt, nach dieser Tora wird Aharon ins Allerheiligste hineingehen. Aharon untersteht dem Gesetz Mosches, und die Tora Aharons, die ganze Tätigkeit Aharons zur Wiederherstellung der Heiligkeit des Menschen, zur Reparatur des Menschen (der Tempel arbeitet unter anderem als Reparaturwerkstatt) – alles wird im Rahmen der Tora Mosches sein. Darum redete der HERR auch mit Mosche, damit Mosche Aharon gebiete, und wandte sich nicht direkt an Aharon.

כְּתֹנֶת־בַּד קֹדֶשׁ יִלְבָּשׁ וּמִכְנְסֵי־בַד יִהְיוּ עַל־בְּשָׂרוֹ וּבְאַבְנֵט בַּד יַחְגֹּר וּבְמִצְנֶפֶת בַּד יִצְנֹף בִּגְדֵי־קֹדֶשׁ הֵם וְרָחַץ בַּמַּיִם אֶת־בְּשָׂרוֹ וּלְבֵשָׁם׃

ketonet-bád kódesch jilbásch umichnese-wád jihjú al-besaró uw'awnét bad jachgór uwmiznéfet bad jiznóf bigde-kódesch hem weracházIn der russischen Umschrift sind bei diesem Wort („und er soll waschen“) zwei Laute vertauscht. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. bammájim et-besaró ulweschám

4 Ein Baumwollhemd, ein heiliges, soll er anziehen, und Hosen aus Stoff sollen an ihm sein, und einen Gürtel aus Gewebe soll er umbinden, und einen Turban aus Gewebe soll er aufsetzen – das sind seine heiligen Gewänder; und er soll seinen Leib waschen und sie anziehen.

Die Form der Kleidung: In der allereinfachsten Kleidung geht er hinein, und das symbolisiert, dass er ins Allerheiligste als Knecht hineingeht, als kleiner Arbeiter.

In unserem Abschnitt werden wir mehrmals lesen, dass Aharon sich jedes Mal, wenn er sich umzieht, wenn er die Gewänder wechselt (und er wechselt sie oft), wäscht. Das ist ein notwendiger Vorgang, und wenn man den Abschnitt aufmerksam liest, kann man fünf Umkleidungen und dementsprechend fünf Waschungen Aharons zählen.

וּמֵאֵת עֲדַת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל יִקַּח שְׁנֵי־שְׂעִירֵי עִזִּים לְחַטָּאת וְאַיִל אֶחָד לְעֹלָה׃

ume'ét adát bené jisraél jikkách schene-se'iré issím lechattát we'ájil echád le'olá

5 Und von der Gemeinde des Volkes Israel (der Söhne Israels) soll er zwei Ziegenböcke als Reinigungsopfer (chattát) und einen Widder als Ganzopfer (olá) nehmen.

Das ist also das, was Aharon für das Hineingehen ins Allerheiligste vorbereiten muss. Das bedeutet, Gott bewahre, nicht, dass er den Stier, zwei Widder, zwei Ziegenböcke nimmt und mit diesem ganzen Zoo dort hineingeht, nein, das ist nur der Vorgang der Vorbereitung.

וְהִקְרִיב אַהֲרֹן אֶת־פַּר הַחַטָּאת אֲשֶׁר־לוֹ וְכִפֶּר בַּעֲדוֹ וּבְעַד בֵּיתוֹ׃

wehikríw Aharon et-pár hachattát ascher-ló wechippér ba'adó uw'ád betó

6 Und Aharon soll den Stier des Reinigungsopfers, das für ihn ist, herannahen lassen und Sühne erwirken für sich und sein Haus.

Zuerst führt Aharon diesen Stier heran (er schlachtet ihn noch nicht) und spricht, nachdem er ihm die Hände aufgelegt hat, über ihm das widdúj (Bekenntnis): Das ist die Sühne für ihn selbst und für sein Haus. Danach lässt Aharon den Stier stehen.

וְלָקַח אֶת־שְׁנֵי הַשְּׂעִירִם וְהֶעֱמִיד אֹתָם לִפְנֵי יְהוָה פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃

welakách et-schené hasse'irím wehe'emíd otám lifné adonáj pétach óhel mo'éd

7 Und er nahm die zwei Ziegenböcke und stellte sie vor den HERRN an den Eingang des Zeltes der Begegnung.

וְנָתַן אַהֲרֹן עַל־שְׁנֵי הַשְּׂעִירִם גּוֹרָלוֹת גּוֹרָל אֶחָד לַיהוָה וְגוֹרָל אֶחָד לַעֲזָאזֵל׃

wenatán Aharon al-schené hasse'irím goralót gorál echád ladonáj wegorál echád la'asasél

8 Und Aharon machte das Los über die zwei Ziegenböcke: ein Los für den HERRN, das andere Los für asasél.

Sehr viele Federn sind zerbrochen worden, um zu erklären, was asasél ist, oder, Gott behüte, wer asasél ist. Wenn asasél ein „Jemand“ ist, dann gibt es also noch irgendeine Kraft, von der wir uns freikaufen, der wir Opfer bringen. Aber das Judentum ist eine monotheistische Religion, deshalb ist so etwas schwer anzunehmen.

Alles, was vor dem HERRN steht, heißt das vor dem Eingang Stehende. Wenn wir eine Linie (einen Vektor) vom Eingang in den óhel mo'éd (das Zelt der Begegnung), vom Tor des Tempelhofes (wenn der Tempel stehen wird) ziehen, dann wird sie sich fortsetzen, fortsetzen und weiter fortsetzen, das heißt, das vor dem Eingang Stehende endet nicht am sichtbaren Horizont. Und das, was sich befindet, was vor dem Höchsten steht in Heiligkeit, in Reinheit, im Wunsch, Ihm zu dienen (wie das himmlische Heer) – das ist das irdische Heer, das sich bei Ihm versammelt hat und vor dem Eingang steht. Aber der HERR ist der Allherrscher, und Er gibt allem Lebendigen Leben, auch dem, was sich Ihm im gegebenen Moment nicht unterordnen will oder sich irgendwie entgegenstellt. Es befindet sich außerhalb der jüdischen Welt, außerhalb der Welt des Volkes Gottes: Wie es außerhalb der Stadt ein Feld oder einen Wald mit Tieren gibt, die sich der menschlichen Ordnung nicht unterordnen, genauso gibt es wilde und öde Orte. Und der Ziegenbock mit der für öde Orte passenden Nahrung wird vom Höchsten an wilde Orte fortgeschickt, um das zu sättigen, was dort haust. Die Ziegenböcke gehen gleichsam auf einer Linie in verschiedene Richtungen auseinander. Der eine – ins Allerheiligste, der andere – ganz, ganz nach unten in der Schöpfung. Und das ist insgesamt das Reinigungsopfer für das Volk. Es ermöglicht, alle Wege zu reinigen, alle Gefäße, die das Unterste der Schöpfung mit dem Obersten verbinden. Auf diese Weise geht sowohl der eine Ziegenbock zum Höchsten als auch der zweite ebenfalls zum Höchsten. Es gibt einen Midrasch, der erzählt, dass der zweite Ziegenbock weinte und sagt: „Wir sind doch gleiche Ziegenböcke. Warum geht es ihm gut? Er wird jetzt zur Herrlichkeit des Höchsten geschlachtet. Und ich? Warum ich, warum ich in diesen asasél (das Wort asasél verstehen wir hier als irgendwelche öden, grausamen Orte, als einen unbeständigen, harten, zum Leben ungeeigneten Lebensraum), warum ich – dorthin?“ Und man beruhigt ihn: „Auch du bist zur Herrlichkeit des HERRN, denn alles, alles nährt der HERR.“

וְהִקְרִיב אַהֲרֹן אֶת־הַשָּׂעִיר אֲשֶׁר עָלָה עָלָיו הַגּוֹרָל לַיהוָה; וְעָשָׂהוּ חַטָּאת׃

wehikríw Aharon et-hassa'ír aschér alá aláw haggorál ladonáj we'assáhu chattát

9 Und Aharon führte den Ziegenbock heran, auf den das Opfer fiel, für den HERRN zu sein, und machte ihn zum Reinigungsopfer.

וְהַשָּׂעִיר אֲשֶׁר עָלָה עָלָיו הַגּוֹרָל לַעֲזָאזֵל יָעֳמַד־חַי לִפְנֵי יְהוָה לְכַפֵּר עָלָיו לְשַׁלַּח אֹתוֹ לַעֲזָאזֵל הַמִּדְבָּרָה׃

wehassa'ír aschér ala aláw haggorál la'asasél ja'omad-cháj lifné adonáj lechappér aláw leschallách otó la'asasél hammidbára

10 Und den Ziegenbock, auf den das Los fiel, an öde Orte fortgeschickt zu werden, soll er lebendig vor den HERRN stellen, um ihn zu sühnen, alle Sünden auf ihn zu laden und ihn in die Wüste zu schicken, an ungeordnete Orte, an öde Orte.

וְהִקְרִיב אַהֲרֹן אֶת־פַּר הַחַטָּאת אֲשֶׁר־לוֹ וְכִפֶּר בַּעֲדוֹ וּבְעַד בֵּיתוֹ וְשָׁחַט אֶת־פַּר הַחַטָּאת אֲשֶׁר־לוֹ׃

wehikríw Aharon et-pár hachattát ascher-ló wechippér ba'adó uw'ád betó weschachát et-pár hachattát ascher-ló

11 Und Aharon führte den Stier des Reinigungsopfers heran, der sein Stier war, und erwirkte Sühne für sich und sein Haus, und dann schlachtet er den Stier, der für ihn ist.

Achtet darauf, das ist eine sehr interessante Reihenfolge der Arbeiten. Man hat das Gefühl, dass Aharon eine Sache beginnt, sie dann liegen lässt und sich mit einer anderen beschäftigt, dann auch die zweite liegen lässt und eine dritte beginnt, und keine Sache abschließt, bevor er zwei andere begonnen hat. Die Kommentatoren haben das gesehen und waren ebenfalls über eine so komplizierte Arbeitsorganisation verwundert. Es ergibt sich gleichsam eine Kette, in der jedes Ringlein beginnt, bevor das vorige endet, das heißt, das erste Glied unserer Kette ist noch nicht zu Ende, und schon ist das zweite Glied daneben erschienen. Wie eine solche Kette sieht auch die Kette der Arbeiten Aharons aus. Deshalb bringt Aharon erst, nachdem mit den Ziegenböcken etwas gemacht worden ist, seinen Stier als Opfer dar. Es wurde eine Pause für die Ziegenböcke gemacht, und Aharon kehrte zu seinem Stier zurück.

וְלָקַח מְלֹא־הַמַּחְתָּה גַּחֲלֵי־אֵשׁ מֵעַל הַמִּזְבֵּחַ מִלִּפְנֵי יְהוָה וּמְלֹא חָפְנָיו קְטֹרֶת סַמִּים דַּקָּה וְהֵבִיא מִבֵּית לַפָּרֹכֶת׃

welakách melo-hammachtá gachale-ésch me'ál hammisbéach millifné adonáj umló chofnáw ketóret sammím dakká wehewí mibbét lapparóchet

12 Und er nahm eine volle Schaufel brennender Kohlen vom Altar, vom Angesicht des HERRN, und nahm Hände voll reinen Räucherwerks und brachte sie hinter den Vorhang.

וְנָתַן אֶת־הַקְּטֹרֶת עַל־הָאֵשׁ לִפְנֵי יְהוָה וְכִסָּה עֲנַן הַקְּטֹרֶת אֶת־הַכַּפֹּרֶת אֲשֶׁר עַל־הָעֵדוּת וְלֹא יָמוּת׃

wenatán et-hakketóret al-ha'ésch lifné adonáj wechissá anán hakketóret et-hakkappóret aschér al-ha'edút weló jamút

13 Und er gab dieses Räucherwerk auf das Feuer vor dem HERRN, und die Wolke des Räucherwerks bedeckte den Deckel, der auf der Lade des Zeugnisses ist, und er wird nicht sterben.

Da zwei Söhne Aharons gestorben sind, weil sie auf falsche Weise ins Allerheiligste hineingegangen waren, gibt der Höchste Aharon nicht nur Anweisungen, sondern beruhigt ihn auch, dass ja, Aharon wird ins Allerheiligste hineingehen können, in die Wolke, und muss keine Angst haben zu sterben, wenn er alles richtig macht.

וְלָקַח מִדַּם הַפָּר וְהִזָּה בְאֶצְבָּעוֹ עַל־פְּנֵי הַכַּפֹּרֶת קֵדְמָה וְלִפְנֵי הַכַּפֹּרֶת יַזֶּה שֶׁבַע־פְּעָמִים מִן־הַדָּם בְּאֶצְבָּעוֹ׃

welakách middám happár wehissá we'ezba'ó al-pené hakkappóret kédma welifné hakkappóret jassé schewa-pe'amím min-haddám be'ezba'ó

14 Und er nahm vom Blut des Stieres und sprengte mit dem Finger auf die Oberfläche des Deckels und vor den Deckel, sprengte siebenmal mit seinem Finger vom Blut.

וְשָׁחַט אֶת־שְׂעִיר הַחַטָּאת אֲשֶׁר לָעָם וְהֵבִיא אֶת־דָּמוֹ אֶל־מִבֵּית לַפָּרֹכֶת וְעָשָׂה אֶת־דָּמוֹ כַּאֲשֶׁר עָשָׂה לְדַם הַפָּר וְהִזָּה אֹתוֹ עַל־הַכַּפֹּרֶת וְלִפְנֵי הַכַּפֹּרֶת׃

weschachát et-se'ír hachattát aschér la'ám wehewí et-damó el-mibbét lapparóchet we'assá et-damó ka'aschér assá ledám happár wehissá otó al-hakkappóret welifné hakkappóret

15 Und er schlachtete den Ziegenbock, der zum Reinigungsopfer vom Volk ist, und brachte sein Blut hinter den Vorhang, und tat mit seinem, mit dem Blut, wie er mit dem Blut des Stieres getan hatte, und sprengte es auf den Deckel und vor den Deckel.

Geschlachtet wird der Ziegenbock, der nicht in die Wüste fortgeschickt wird, dem das Los zufiel, dem Höchsten als Opfer dargebracht zu werden.

וְכִפֶּר עַל־הַקֹּדֶשׁ מִטֻּמְאֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וּמִפִּשְׁעֵיהֶם לְכָל־חַטֹּאתָם וְכֵן יַעֲשֶׂה לְאֹהֶל מוֹעֵד הַשֹּׁכֵן אִתָּם בְּתוֹךְ טֻמְאֹתָם׃

wechippér al-hakkodésch mittum'ót bené jisraél umippisch'ehém lechol-chattotám wechén ja'assé le'óhel mo'éd haschochén ittám betóch tum'otám

16 Und er sühnte das Heiligtum von der Unreinheit der Söhne Israels und von ihren Sünden, von all ihren Vergehen. So tat er am Zelt der Begegnung, das bei ihnen weilt in ihrer Unreinheit.

Wenn ein Mensch eine Sünde begeht und unrein wird, verstopft, verschmutzt seine Unreinheit die Kanäle der Verbindung mit dem Höchsten, und der Tempel, das Heiligtum, wird durch diese Unreinheit verschmutzt. Und einmal im Jahr reinigt der Kohen diese Kanäle, erneuert sie, es findet ein Großputz statt, die Reinigung des Tempels von der dort angesammelten tum'á (Unreinheit).

וְכָל־אָדָם לֹא־יִהְיֶה בְּאֹהֶל מוֹעֵד בְּבֹאוֹ לְכַפֵּר בַּקֹּדֶשׁ עַד־צֵאתוֹ וְכִפֶּר בַּעֲדוֹ וּבְעַד בֵּיתוֹ וּבְעַד כָּל־קְהַל יִשְׂרָאֵל׃

wechol-adám lo-jihjé be'óhel mo'éd bewo'ó lechappér bakkódesch ad-zetó wechippér ba'adó uw'ád betó uw'ádIn der russischen Umschrift fehlt hier das zweite „uw'ád“ (und für), das im hebräischen Text steht. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. kol-kehál jisraél

17 Kein Mensch soll im Zelt der Begegnung sein, wenn er hineingeht, um das Heiligtum zu sühnen, und bis zu seinem Hinausgehen. Und er erwirkte Sühne für sich und sein Haus und die ganze Gemeinde Israels.

Was bedeutet es wird kein Mensch sein? Man kann es so verstehen, und so verstehen es die Kommentatoren, dass überhaupt niemand da sein wird: Auch Aharon selbst verschwindet, wenn er ins Allerheiligste hineingeht. Er löst sich dort auf, er hört auf, Aharon zu sein. Kein Mensch (adam) – das bedeutet, dass sogar die Engel, die Gesichter haben wie ein Adam, dass sogar sie nicht da sein werden. Dort ist nur der in der Wolke des Göttlichen aufgelöste Aharon, nur er ist dort anwesend. Genauso war es auch mit Awraham, als er am Eingang des Zeltes saß und drei vor sich sah. Ganz am Anfang wird sein Name nicht erwähnt, und das ist ein Hinweis darauf, dass er sich in einem besonderen Zustand befand. Erst als er ins Zelt zu Sara läuft, erst dann erscheint Awraham. Davor befand er sich in einer Art Verzückung, in einem besonderen seelischen Zustand, in dem es Awraham als Person überhaupt nicht gibt. Und Ähnliches geschieht mit Aharon: Es gibt ihn nicht, er löst sich auf. Und das ist sehr verlockend für jede Seele – zur Quelle ihres Lebens zurückzukehren, deshalb beschwor man die Kohanim zurückzukehren.

וְיָצָא אֶל־הַמִּזְבֵּחַ אֲשֶׁר לִפְנֵי־יְהוָה וְכִפֶּר עָלָיו וְלָקַח מִדַּם הַפָּר וּמִדַּם הַשָּׂעִיר וְנָתַן עַל־קַרְנוֹת הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃

wejazá el-hammisbéach aschér lifne-adonáj wechippér aláw welakách middám happár umiddám hassa'ír wenatán al-karnót hammisbéach sawíw

18 Und er ging hinaus zum Altar, der vor dem HERRN ist, und sühnte ihn, und nahm vom Blut des Stieres und vom Blut des Ziegenbocks und gab es (das Blut) an die Ecken (Hörner) des Altars ringsum.

וְהִזָּה עָלָיו מִן־הַדָּם בְּאֶצְבָּעוֹ שֶׁבַע פְּעָמִים וְטִהֲרוֹ וְקִדְּשׁוֹ מִטֻּמְאֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wehissá aláw min-haddám be'ezba'ó schéwa pe'amím wetiharó wekiddeschó mittum'ót bené jisraél

19 Und er besprengte ihn (den Altar) mit Blut, mit dem Finger, siebenmal, und reinigte ihn und heiligte ihn von der Unreinheit der Söhne Israels.

וְכִלָּה מִכַּפֵּר אֶת־הַקֹּדֶשׁ וְאֶת־אֹהֶל מוֹעֵד וְאֶת־הַמִּזְבֵּחַ וְהִקְרִיב אֶת־הַשָּׂעִיר הֶחָי׃

wechillá mikkappér et-hakkódesch we'et-óhel mo'éd we'et-hammisbéach wehikríw et-hassa'ír hecháj

20 Und er beendete das Reinigen des Allerheiligsten und des Zeltes der Begegnung und des Altars, und dann führt er den letzten Ziegenbock heran.

וְסָמַךְ אַהֲרֹן אֶת־שְׁתֵּי יָדוֹ )יָדָיו( עַל רֹאשׁ הַשָּׂעִיר הַחַי וְהִתְוַדָּה עָלָיו אֶת־כָּל־עֲוֹנֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאֶת־כָּל־פִּשְׁעֵיהֶם לְכָל־חַטֹּאתָם וְנָתַן אֹתָם עַל־רֹאשׁ הַשָּׂעִיר וְשִׁלַּח בְּיַד־אִישׁ עִתִּי הַמִּדְבָּרָה׃

wesamách aharon et-scheté jadáw al-rósch hassa'ír hacháj wehitwaddá aláw et-kol-awonót bené jisraél we'et-kol-pisch'ehém lechol-chattotám wenatán otám al-rósch hassa'ír weschillách bejadDie russische Umschrift hat hier „bed“; im hebräischen Text steht „bejad“ (durch die Hand). Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen.-ísch ittí hammidbára

21 Und Aharon legte auf ihn zwei Hände, auf den Kopf des lebendigen Ziegenbocks, und bekannte über ihm alle Sünden des Volkes Israel und alle ihre Verbrechen und alle ihre Vergehen, und übertrug sie auf den Kopf des Ziegenbocks und schickte ihn mit einem gemächlichen Menschen in die Wüste.

Den Ausdruck isch ittí kann man sehr unterschiedlich verstehen. Das kann ein passender, würdiger, auserwählter Mensch sein oder ein Mensch, der langsam geht, sich nicht hetzt, also ein ruhiger Mensch. Eine mehrdeutige Wortverbindung.

Es gibt auch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie man mit diesem Ziegenbock verfuhr: Man trieb ihn einfach in die Wüste hinaus, oder man stürzte ihn von einem Felsen hinab. Es gibt einen Midrasch, dass er, wenn man ihn hinabstürzte, noch bevor er den Grund der Schlucht erreichte, schon in Stücke zerfiel. Es gibt viele Überlieferungen darüber, wie das geschah.

וְנָשָׂא הַשָּׂעִיר עָלָיו אֶת־כָּל־עֲוֹנֹתָם אֶל־אֶרֶץ גְּזֵרָה וְשִׁלַּח אֶת־הַשָּׂעִיר בַּמִּדְבָּר׃

wenassá hassa'ír aláw et-kol-awonotám el-érez geserá weschillách et-hassa'ír bammidbár

22 Und der Ziegenbock trug auf sich alle Sünden in ein grausames Land, und dieser Ziegenbock wurde in die Wüste geschickt.

Das heißt, wir sagen, dass die Wüste ein herrenloses Gebiet ist, ein Gebiet, in dem weder Gesetze noch Satzungen gelten, und ein Teil der Schöpfung gleicht dieser Wüste, dorthin wird auch der Ziegenbock geschickt. Das ist der Punkt, durch den diese Teile der Schöpfung ihre Nahrung erhalten.

In Vers 23 lesen wir einen erstaunlichen Satz:

וּבָא אַהֲרֹן אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד וּפָשַׁט אֶת־בִּגְדֵי הַבָּד אֲשֶׁר לָבַשׁ בְּבֹאוֹ אֶל־הַקֹּדֶשׁ וְהִנִּיחָם שָׁם׃

uwá Aharon el-óhel mo'éd ufaschát et-bigdé habbád aschér lawásch bewo'ó el-hakkódesch wehinnichám scham

23 Und Aharon ging in das Zelt der Begegnung hinein und zog die Gewänder aus Gewebe aus, die er angezogen hatte, als er ins Heilige hineinging, und ließ sie dort.

Es ergibt sich, dass Aharon seine Gewänder im Heiligen ließ, sich im Heiligen umzog. Viele Kommentatoren haben über diese Kleidung gesprochen, die Aharon im Heiligen auszieht, haben versucht, die Syntax der Sätze zu ändern, haben davon gesprochen, dass sich dieser Satz auf das bezieht, was etwas später gesagt werden wird. Aharon geht zum vierten Mal ins Allerheiligste hinein, um die kleine Schaufel und die Räucherpfanne zu holen, und möglicherweise ist davon die Rede. Es gibt einen Kommentar darüber, dass Aharon in dieser Zeit in die Wolke eintaucht, in der sich der Schöpfer offenbart, und alle Gewänder von ihm abfallen, und er nackt dasteht wie Adam, der keine Haut hatte wie wir, und in den Zustand der vollen göttlichen Gegenwart eintaucht und zum Gottmenschen wird. Das ist der Höhepunkt des Aufenthalts des Kohen im Allerheiligsten, er verschmilzt mit Gott, er ist die Brücke zwischen Gott und der Menschheit, der Fürsprecher für die ganze Menschheit in dieser Zeit. Vom frühen Morgen an begann der Kohen den Dienst, sich mit Heiligkeit zu füllen, und nach und nach, Schritt für Schritt, indem er sich nähert und ins Allerheiligste hineingeht, erlangt Aharon immer größere und größere Kraft. Hätte er den Ziegenbock mit allen Sünden sofort fortgeschickt, hätte er dem Widerstand gegen diese Unreinheit möglicherweise nicht standgehalten, deshalb musste er zuerst die Luft des Heiligtums in vollen Zügen einatmen. Und der Abschluss dieses Aufladens mit Heiligem ist die völlige Auflösung Aharons, sein Eintauchen in die Wolke der göttlichen Herrlichkeit.

וְרָחַץ אֶת־בְּשָׂרוֹ בַמַּיִם בְּמָקוֹם קָדוֹשׁ וְלָבַשׁ אֶת־בְּגָדָיו וְיָצָא וְעָשָׂה אֶת־עֹלָתוֹ וְאֶת־עֹלַת הָעָם וְכִפֶּר בַּעֲדוֹ וּבְעַד הָעָם׃

weracház et-besaró wamájim bemakóm kadósch welawásch et-begadáw wejazá we'assá et-olató we'et-olát ha'ám wechippér ba'adó uw'ád ha'ám

24 Und er wusch seinen Leib mit Wasser an einem heiligen Ort und zog die Gewänder an und ging hinaus und brachte sein Ganzopfer und das Ganzopfer des Volkes dar und erwirkte Sühne für sich und das Volk.

Das heißt, Aharon legt alle Gewänder ab, zieht sich aus und wäscht sich irgendwo an einem heiligen Ort, wo das möglich ist. Aber kehren wir zu den Opfern zurück.

וְאֵת חֵלֶב הַחַטָּאת יַקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה׃

we'ét chélew hachattát jaktír hammisbécha

25 Und das Fett des Opfers chattát (des Reinigungsopfers) soll er auf dem Altar darbringen.

וְהַמְשַׁלֵּחַ אֶת־הַשָּׂעִיר לַעֲזָאזֵל יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ אֶת־בְּשָׂרוֹ בַּמָּיִם וְאַחֲרֵי־כֵן יָבוֹא אֶל־הַמַּחֲנֶה׃

wehamschalléach et-hassa'ír la'asasél jechabbés begadáw weracház et-besaró bammájim we'achare-chén jawó el-hammachané

26 Und der, der den Ziegenbock an die öden Orte fortschickte (wegführte), soll seine Kleider waschen und seinen Leib im Wasser baden, und danach darf er ins Lager kommen.

וְאֵת פַּר הַחַטָּאת וְאֵת שְׂעִיר הַחַטָּאת אֲשֶׁר הוּבָא אֶת־דָּמָם לְכַפֵּר בַּקֹּדֶשׁ יוֹצִיא אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה וְשָׂרְפוּ בָאֵשׁ אֶת־עֹרֹתָם וְאֶת־בְּשָׂרָם וְאֶת־פִּרְשָׁם׃

we'ét par hachattát we'ét se'ír hachattát aschér huwá et-damám lechappér bakkódesch jozí el-michúz lammachané wesarefú wa'ésch et-orotám we'et-besarám we'et-pirschám

27 Und die Reste des Stieres des Opfers chattát und des Ziegenbocks des Opfers chattát, deren Blut hineingebracht wurde, um das Allerheiligste zu sühnen, soll er aus dem Lager hinausbringen und sie im Feuer verbrennen: ihre Haut und ihr Fleisch und ihren Mist.

Keine Reinigung ist nötig, so wie sie sind, mit all ihren Eingeweiden, werden sie verbrannt, nachdem ihr Blut dargebracht ist. Und das alles entspricht der Anweisung in Bezug auf das Opfer chattát, die die Kohanim früher erhalten haben.

וְהַשֹּׂרֵף אֹתָם יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ אֶת־בְּשָׂרוֹ בַּמָּיִם וְאַחֲרֵי־כֵן יָבוֹא אֶל־הַמַּחֲנֶה׃

wehassoréf otám jechabbés begadáw weracház et-besaró bammájim we'achare-chén jawó el-hammachané

28 Und der, der sie verbrennen wird, wird seine Kleider auswaschen und sein Fleisch im Wasser waschen, und danach wird er ins Lager kommen.

Beachtet: Außerhalb des Heiligen arbeitet der Kohen mit zwei Helfern. Der erste ist der, der den Ziegenbock wegführt, der zweite ist der, der sich mit dem Verbrennen des Stiers befasst.

Ab Vers 29 gibt die Tora Anweisungen für alle Söhne Israels.

וְהָיְתָה לָכֶם לְחֻקַּת עוֹלָם בַּחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי בֶּעָשׂוֹר לַחֹדֶשׁ תְּעַנּוּ אֶת־נַפְשֹׁתֵיכֶם וְכָל־מְלָאכָה לֹא תַעֲשׂוּ הָאֶזְרָח וְהַגֵּר הַגָּר בְּתוֹכְכֶם׃

wehajetá lachém lechukkát olám bachódesch haschewi'í be'asór lachódesch te'annú et-nafschotechém wechol-melachá lo ta'asú ha'esrách wehaggér haggár betochechém

29 Und das soll euch ein ewiges Gesetz sein im siebten Monat (Tischri): Am Zehnten des Monats quält eure Seelen und tut keinerlei Arbeit, der Bürger und der Fremde, der bei euch wohnt.

Die Anordnung quält eure Seelen wird als Fasten und nur als Fasten verstanden. Es gibt fünf Arten von Einschränkungen: beim Essen, beim Trinken, beim Salben mit Öl, bei der geschlechtlichen Nähe und bei Lederschuhen, die es den Füßen weich machen. Das ist das, was an Jom Kippur, am Tag der Sühne, zu tun verboten ist.

כִּי־בַיּוֹם הַזֶּה יְכַפֵּר עֲלֵיכֶם לְטַהֵר אֶתְכֶם מִכֹּל חַטֹּאתֵיכֶם לִפְנֵי יְהוָה תִּטְהָרוּ׃

ki-wajom hassé jechappér alechém letahér etchém mikkól chattotechém lifné adonáj titháru

30 Denn an diesem Tag wird man für euch Sühne erwirken, euch reinigen, von allen euren Sünden vor dem HERRN werdet ihr gereinigt werden.

Es gibt eine direkte Verbindung zwischen der Reinheit des Zeltes der Begegnung und der Reinheit des Volkes. Da bei weitem nicht alle Sündopfer bringen, bei weitem nicht alle ihre Sünden im Blick behalten, hat die Unreinheit die Eigenschaft, sich anzusammeln und die Verbindung zwischen dem Höchsten und dem Volk zu verstopfen, alle Kanäle der Reinigung im Heiligtum zu verstopfen. Das Heiligtum selbst erweist sich als verschmutzt, wie wir das sehen. Und wenn das Zelt der Begegnung verschmutzt wird, dann wird entsprechend auch das Volk verschmutzt, das ganze Volk wird in diesem oder jenem Maß unrein wegen dieser Unreinheit des Heiligtums. Deshalb ist sowohl die Reinigung des Zeltes der Begegnung als auch die Reinigung des Volkes an einem Tag erforderlich, deshalb wird einmal im Jahr ein Großputz als Sühne für das ganze Volk durchgeführt.

שַׁבַּת שַׁבָּתוֹן הִיא לָכֶם וְעִנִּיתֶם אֶת־נַפְשֹׁתֵיכֶם חֻקַּת עוֹלָם׃

schabbát schabbatón hi lachém we'innitém et-nafschotechém chukkát olám

31 Das soll für euch ein Sabbat der Sabbate sein (ein Sabbat der Ruhe), und quält eure Seelen, das ist ein ewiges Gesetz.

Schabbát schabbatón bedeutet, dass alle notwendigen Arbeiten, darunter auch die Zubereitung von Speisen, völlig verboten sind.

וְכִפֶּר הַכֹּהֵן אֲשֶׁר־יִמְשַׁח אֹתוֹ וַאֲשֶׁר יְמַלֵּא אֶת־יָדוֹ לְכַהֵן תַּחַת אָבִיו וְלָבַשׁ אֶת־בִּגְדֵי הַבָּד בִּגְדֵי הַקֹּדֶשׁ׃

wechippér hakkohén ascher-jimschách otó wa'aschér jemallé et-jadó lechahén táchat awíw welawásch et-bigdé habbád bigdé hakkódesch

32 Und Sühne erwirken wird der gesalbte Kohen (der Hohepriester), der anstelle seines Vaters Kohen werden wird, und er wird die gewebten Gewänder anziehen, die heiligen Gewänder.

וְכִפֶּר אֶת־מִקְדַּשׁ הַקֹּדֶשׁ וְאֶת־אֹהֶל מוֹעֵד וְאֶת־הַמִּזְבֵּחַ יְכַפֵּר וְעַל הַכֹּהֲנִים וְעַל־כָּל־עַם הַקָּהָל יְכַפֵּר׃

wechippér et-mikdásch hakkódesch we'et-óhel mo'éd we'et-hammisbéachIn der russischen Umschrift beginnt das Wort für „den Altar“ mit einem ch-Laut; im Hebräischen steht dort ein h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. jechappér we'ál hakkohaním we'al-kol-ám hakkahál jechappér

33 Und er wird Sühne erwirken für das Heiligtum und für das Zelt der Begegnung und für den Altar, und er wird Sühne erwirken für alle Kohanim, und für das ganze Volk der Versammlung wird er Sühne erwirken.

וְהָיְתָה־זֹּאת לָכֶם לְחֻקַּת עוֹלָם לְכַפֵּר עַל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל מִכָּל־חַטֹּאתָם אַחַת בַּשָּׁנָה וַיַּעַשׂ כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֶת־מֹשֶׁה׃

wehajeta-sót lachém lechukkát olám lechappér al-bené jisraél mikkol-chattotám achát baschaná wajá'as ka'aschér ziwwá adonáj et-Mosche

34 Und das soll euch ein ewiges Gesetz sein zur Sühne für die Söhne Israels von allen ihren Sünden einmal im Jahr.“ Und es wurde getan, wie der HERR Mosche geboten hatte.

Und damit beenden wir die Lesung von Kapitel 16 unseres Buches. Wir haben nicht einmal ein Zehntel aller Aspekte berührt, die mit dem Fest Jom Kippur, mit dem Tag der Sühne, verbunden sind, das ist ein sehr schwieriges Thema. Aber den einfachen Sinn der Tora haben wir hier zu verstehen versucht.

Vorsicht, Fleisch!

Wajikra 17,1–16

Mit Gottes Hilfe setzen wir mit euch das Studium des Wochenabschnitts Achare Mot fort.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

1 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:

דַּבֵּר אֶל־אַהֲרֹן וְאֶל־בָּנָיו וְאֶל כָּל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵיהֶם זֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר־צִוָּה יְהוָה לֵאמֹר׃

dabbér el-aharón we'el-banáw we'él kol-bené jisraél we'amartá alehém se haddawár ascher-ziwwá adonáj lemór

2 „Rede mit Aharon und mit seinen Söhnen und mit allen Söhnen Israels und sage ihnen: Das ist es, was der HERR geboten hat, mit den Worten:

אִישׁ אִישׁ מִבֵּית יִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר יִשְׁחַט שׁוֹר אוֹ־כֶשֶׂב אוֹ־עֵז בַּמַּחֲנֶה אוֹ אֲשֶׁר יִשְׁחַט מִחוּץ לַמַּחֲנֶה׃

isch isch mibbét jisraél aschér jischchát schor o-chésew o-és bammachané o aschér jischchát michúz lammachané

3 Jeder Mensch (gemeint ist jeder beliebige Mensch) aus dem Haus Israel, der einen Stier oder ein Schaf oder einen Ziegenbock im Lager schlachten wird oder der außerhalb des Lagers schlachten wird,

וְאֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד לֹא הֱבִיאוֹ לְהַקְרִיב קָרְבָּן לַיהוָה לִפְנֵי מִשְׁכַּן יְהוָה דָּם יֵחָשֵׁב לָאִישׁ הַהוּא דָּם שָׁפָךְ וְנִכְרַת הָאִישׁ הַהוּא מִקֶּרֶב עַמּוֹ׃

we'el-pétach óhel mo'éd lo hewió lehakríw korbán ladonáj lifné mischkán adonáj dam jechaschéw la'ísch hahú dam schafách wenichrát ha'ísch hahú mikkérew ammó

4 und es (das Tier) nicht zum Eingang des Zeltes der Begegnung bringen wird, um es dem HERRN als Opfer darzubringen vor der Wohnung des HERRN, so wird das dem Menschen als Blutvergießen angerechnet: Blut hat er vergossen, und dieser Mensch wird aus seinem Volk abgeschnitten werden.

Wir haben in Kapitel 16 gelesen, dass an Jom Kippur ein besonderes Opfer dargebracht wird, chattát (das Reinigungsopfer), aus zwei Ziegenböcken, die man vom Eingang des Zeltes in verschiedene Richtungen entlang des Vektors der Schöpfung fortschickt: Der eine geht direkt zum Höchsten, der andere geht auch zum Höchsten, aber in die allerallerniedrigsten Schichten des Seins. Und natürlich kann das Verständnis entstehen, dass man überhaupt überall, nicht nur und nicht unbedingt am Eingang des Zeltes der Begegnung, ein Opfer darbringen kann. Und deshalb warnt der Höchste hier vor allem Aharon und seine Söhne, die Kohanim, und das ganze Volk Israel, nirgends Opfer darzubringen außer vor dem Eingang des Zeltes. Zugleich wird, wenn ein Mensch das dennoch getan hat, nicht gesagt, dass er damit den Höchsten gelästert oder dass er sich vor anderen Göttern niedergeworfen hat, nicht Götzendienst wird ihm angerechnet. Die Tora sagt hier: „Blut hat er vergossen, er ist ein Mörder.“ Den Menschen, der einen Stier als Opfer für den Höchsten geschlachtet hat, ohne es zum Zelt zu bringen, erklärt die Tora zum Mörder. Raschi, einer der bekanntesten und angesehensten Ausleger der Tora, sagt hier, dass es gerade um Opferdarbringungen geht, aber im Talmud gibt es einen Streit zwischen den Weisen. Die einen sagen, dass mit dem Wort, das hier gebraucht wird, auch einfach das Schlachten eines Tieres bezeichnet werden kann. Andere Weise sagen: „In den Zeiten, als das Volk Israel sich in der Wüste befand, während der Wanderung, war es erlaubt, ein Tier zu schlachten, nur wenn es als schelamím dargebracht wird, das heißt als Opfertier, und jedes Fleisch durfte man nur bekduschá (in Heiligkeit) essen und auf keine andere Weise. Und ein Mensch, der einfach einen Widder, einen Ziegenbock oder einen Stier schlachtete, wurde zum Mörder erklärt. Die Tora im Ganzen (und das ist das allgemeine Verständnis der Weisen) ermutigt nicht zum Verzehr von Fleisch. Das ist erlaubt, das ist lecker, das ist koscher, aber das erfordert eine entsprechende Stufe. Wenn wir eine Pflanze essen, ich habe darüber nicht nur einmal gesprochen, wenn ich einen Apfel esse, wird der Apfel ein Teil von Alex, und im Vergleich zur Pflanzenwelt ist das für den Apfel eine Beförderung, die Schöpfung ist eine Stufe etwas höher gestiegen. Wenn ich ein Lämmchen esse, dann muss ich, damit das Lämmchen ein wenig lebendiger wird, die Tora studieren, mich mit etwas Heiligem beschäftigen, sonst wird das einfach ein Mord sein. Das Lämmchen ist viel lebendiger als ein Apfel, und um das Recht zu haben, es zu essen, muss ich Gott dienen, mehr mit Leben erfüllt sein als dieses Lämmchen, sonst beende ich das Leben, statt es fortzusetzen. Auf diese Weise gibt es zwei Schichten, zwei Blickwinkel des Verständnisses dieser Gebote. Der erste sagt: „Während der Wanderung Israels in der Wüste durfte man nur in Heiligkeit essen. Wenn du ein Tier für deine Ernährung schlachtest, Frikadellen, Steaks, Schnitzel essen willst und dafür ein Tier schlachtest, mach es zu einem Opfertier, bring es als schelamím (Friedensopfer) dem Höchsten dar, tanze mit Ihm den nötigen Tanz, gib Blut und Fett auf den Altar, und dann nimm und iss dein Opfer, sonst ist das einfach ein Mord. Warum wird das ein Mord sein? Wenn du ein Tier isst, das als Opfer dargebracht wurde, wird es zu dem, was dich dem Höchsten näherbringt, du setzt das Leben fort. Wenn du es einfach tötest, dann unterbrichst du das Leben, und deshalb wird dir das als Mord angerechnet. Nicht immer ist es erlaubt, einfach so ein Tier zu töten, einfach zur Sättigung seiner fleischlichen Leidenschaften. Das ist erlaubt, aber in den Zeiten der Wanderung des Volkes durch die Wüste lag die Messlatte sehr hoch. Weiter, im Buch Dewarim (12,21), werden wir lesen: „Wenn der Ort fern von dir ist, schlachte, wie Ich geboten habe, und iss, so viel deine Seele begehrt.“ Aber die, die sich in der Wüste befanden, wussten noch nicht, was später gesagt werden wird, sie hatten das Buch Dewarim noch nicht gelesen, und das Gebot wurde so aufgefasst, wie es geschrieben ist, in seinem einfachsten Verständnis. Für unsere Generation ist natürlich aktuell, dass es ein Verbot gibt, ein Opfer außerhalb des Zeltes, außerhalb des Tempels darzubringen. Deshalb kommentiert Raschi gerade so. Aber man muss sich erinnern: Jedes Mal, wenn ihr die Kommentare Raschis lest, spricht er von dem Sinn der Tora, der für seine Generation aktuell ist. Und wenn es zwei Ebenen der Auslegung gibt, wählte Raschi immer das, was zu seiner Zeit anwendbar und aktuell war.

לְמַעַן אֲשֶׁר יָבִיאוּ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֶת־זִבְחֵיהֶם אֲשֶׁר הֵם זֹבְחִים עַל־פְּנֵי הַשָּׂדֶה וֶהֱבִיאֻם לַיהוָה אֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד אֶל־הַכֹּהֵן וְזָבְחוּ זִבְחֵי שְׁלָמִים לַיהוָה אוֹתָם׃

lemá'an aschér jawí'u bené jisraél et-siwchehém aschér hem sowechím al-pené hassadé wehewi'úm ladonáj el-pétach óhel mo'éd el-hakkohén wesawechú siwché schelamím ladonáj otám

5 Und dann (auf dass) werden die Söhne Israels ihre Opfer bringen, die sie auf dem Feld schlachten, sie werden sie dem HERRN bringen, zum Eingang des Zeltes der Begegnung, zum Kohen, und sie werden sie als Friedensopfer dem HERRN darbringen.

Das Wort lemá'an übersetzt man gewöhnlich als damit, aber hier ist es nicht das Ziel der Handlung, sondern das erwartete Ergebnis der Handlung, deshalb wird es übersetzt als auf dass sie brächten oder und dann werden sie bringen.

וְזָרַק הַכֹּהֵן אֶת־הַדָּם עַל־מִזְבַּח יְהוָה פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד וְהִקְטִיר הַחֵלֶב לְרֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה׃

wesarák hakkohén et-haddám al-misbách adonáj pétach óhel mo'éd wehiktír hachélew leréach nichóach ladonáj

6 Und der Kohen wird mit dem Blut den Altar am Eingang des Zeltes der Begegnung besprengen und wird das Fett als Feueropfer darbringen, als Wohlgeruch für den HERRN.

וְלֹא־יִזְבְּחוּ עוֹד אֶת־זִבְחֵיהֶם לַשְּׂעִירִם אֲשֶׁר הֵם זֹנִים אַחֲרֵיהֶם חֻקַּת עוֹלָם תִּהְיֶה־זֹּאת לָהֶם לְדֹרֹתָם׃

welo-jisbechú od et-siwchehém lasse'irím aschér hem soním acharehém chukkát olám tihje-sót lahém ledorotám

7 Und sie sollen nicht mehr den Zottigen Opfer bringen, denen sie nachhuren, und das wird ihnen ein ewiges Gesetz sein.

Wer sind diese Zottigen, und warum sind sie zottig? Darüber gibt es verschiedene Meinungen. Es gibt einen Streit darüber, ob es sie wirklich gibt oder nicht. Zum Beispiel sagt Maimonides (Rambam), ein großer Gelehrter und ein großer Rationalist: „All diese Teufel, Dämonen, Geister – das ist einfach eine Sprache, die der Mensch spricht, und in Wirklichkeit gibt es sie nicht, das ist so eine Fiktion, eine Erfindung.“ Aber er steht im Judentum wegen seiner Außergewöhnlichkeit für sich allein, die Mehrheit der jüdischen Gelehrten, der Weisen dagegen erkannte so oder so die Existenz irgendwelcher unreinen Geister an, denen viele Völker zu räuchern und Opfer zu bringen versuchten. Israel konnte aus alter Erinnerung, den Bräuchen der Nachbarvölker folgend, versuchen, Hausgeistern oder beliebigen anderen Geistern, wie sie sich die menschliche Fantasie nur vorstellen kann, Opfer zu bringen. Die Weisen fragen: „Warum heißen sie se'irím (die Zotteligen, die Haarigen)?“ Die einen sagen: „Weil sie zottelig erscheinen, wenn sie auftauchen, ihre sichtbare Gestalt sind irgendwelche sehr, sehr haarigen Wesen, so eine Art Schneemensch, wie der tibetische Yeti.“ Andere sagen: „Sie heißen se'irím, weil dem Menschen, wenn er sie sieht, die Haare zu Berge stehen, er wird selbst haarig, er fürchtet sie, und mit dem, den der Mensch fürchtet, kann er versuchen, sich zu einigen.“ Genau so bringt man den se'irím Opfer. Und der Höchste gebietet, überhaupt alles Fleisch, das in der Wüste gegessen wird, in Heiligkeit zu essen, das heißt als Opfer. Und nirgends irgendwelche Opfer zu bringen außer am Eingang des Zeltes der Begegnung, durch den Kohen, um in einer solchen außergewöhnlichen Zeit das Volk Israel daran zu gewöhnen, niemandem irgendwelche Opfer außerhalb des Tempels zu bringen, niemandem außer dem Höchsten Opfer im Tempel zu bringen, und damit dies ein ewiges Gesetz in den Generationen für ganz Israel sei,

וַאֲלֵהֶם תֹּאמַר אִישׁ אִישׁ מִבֵּית יִשְׂרָאֵל וּמִן־הַגֵּר אֲשֶׁר־יָגוּר בְּתוֹכָם אֲשֶׁר־יַעֲלֶה עֹלָה אוֹ־זָבַח׃

wa'alehém tomár isch isch mibbét jisraél umin-haggér ascher-jagúr betochám ascher-ja'alé olá o-sáwach

8 Und sage ihnen: Jeder Mensch aus dem Haus Israel und von den Fremdlingen, die unter ihnen wohnen werden, der ein Ganzopfer oder ein Opfer darbringt

וְאֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד לֹא יְבִיאֶנּוּ לַעֲשׂוֹת אֹתוֹ לַיהוָה וְנִכְרַת הָאִישׁ הַהוּא מֵעַמָּיו׃

we'el-pétach óhel mo'éd lo jewi'énnu la'asót otó ladonáj wenichrát ha'ísch hahú me'ammáw

9 und es nicht zum Eingang des Zeltes der Begegnung bringt, um es dem HERRN zu weihen, dessen Seele wird ausgerottet werden aus seinem Volk.

Hier kann man fragen: „Warte, warte, warte, Alex, haben wir nicht genau das gerade in den vorherigen Versen gelesen?“ Genau das ist auch der Grund für den Streit zwischen den Weisen. Zuerst ist von allem Fleisch die Rede, von allem Schlachten, und jetzt ist auch vom Opfer die Rede. Wenn ein Mensch sagt: „Ich selbst will überhaupt nicht essen, will nicht, ich brauche keine Frikadellchen, ich will einfach ein Opfer bringen, vielleicht dem Zottigen, vielleicht sogar dem HERRN, aber ich will nicht zu Aharon gehen, bei ihm ist da eine Schlange, pralle Sonne, ich will da nicht stehen, ich schlachte hier, bei mir in meinem kleinen Viertel, still und ruhig und bringe ein Opfer. Gott, Er wohnt doch nicht nur dort, bei Aharon, Er wohnt auch bei mir, Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt.“ So kann ein Mensch denken, ein Einheimischer oder ein Fremdling, und der Höchste sagt: „Wer das tun wird, wer ein Opfer schlachtet, sei es auch dem Höchsten selbst, statt sich dem Höchsten zu nähern – dessen Seele wird ausgerottet werden aus seinem Volk.“

וְאִישׁ אִישׁ מִבֵּית יִשְׂרָאֵל וּמִן־הַגֵּר הַגָּר בְּתוֹכָם, אֲשֶׁר יֹאכַל כָּל־דָּם וְנָתַתִּי פָנַי בַּנֶּפֶשׁ הָאֹכֶלֶת אֶת־הַדָּם וְהִכְרַתִּי אֹתָהּ מִקֶּרֶב עַמָּהּ׃

we'ísch isch mibbét jisraél umin-haggér haggár betochám aschér jochál kol-dám wenatattí fanáj bannéfesch ha'ochélet et-haddám wehichrattí otá mikkérew ammá

10 Jeder Mensch aus dem Haus Israel und von den Fremdlingen unter ihnen, der Blut essen wird – Ich werde Mein Angesicht dem Menschen zukehren (zuwenden), der Blut isst, Ich werde diese Seele aus dem Volk ausrotten.

Überhaupt ist es gewöhnlich gut, wenn der Höchste jemandem das Angesicht zuwendet. Im Segen Aharons heißt es: „Der HERR wende Sein Angesicht dir zu, ein lichtes Angesicht.“ Hier sagt der Höchste (das ist natürlich ein Bild): „Ich werde diesen Menschen streng und aufmerksam ansehen. Ich Selbst werde Mich mit dem Menschen befassen, der Blut isst, einem solchen Menschen werde Ich das anrechnen, Ich werde auf ihn schauen.“ Blut essen bedeutet nicht, Blut gläserweise zu trinken, es bedeutet, Fleisch mit Blut zu essen: Auch das Blut, das im Fleisch ist, wird angerechnet. In diesem Fall bedeutet das Angesicht zuwenden, sich mit dem Gesicht gegen einen solchen Menschen zu stellen, ihm den Krieg zu erklären. Warum ist der Höchste in Bezug auf das Blut so streng?

כִּי נֶפֶשׁ הַבָּשָׂר בַּדָּם הִוא וַאֲנִי נְתַתִּיו לָכֶם עַל־הַמִּזְבֵּחַ לְכַפֵּר עַל־נַפְשֹׁתֵיכֶם כִּי־הַדָּם הוּא בַּנֶּפֶשׁ יְכַפֵּר׃

ki-néfesch habbassár baddám hi wa'aní netattíw lachém al-hammisbéach lechappér al-nafschotechém ki-haddám hu bannéfesch jechappér

11 Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und Ich habe euch (erlaubt darzubringen) das Blut auf den Altar gegeben, damit es eure Seelen sühnt, denn durch die Seele sühnt es.

Das, was dem Tier, jedem Wesen, auch dem Menschen, Lebenskraft gibt, ist natürlich das Blut. Und in ihm ist néfesch. Das Wort néfesch, das man gewöhnlich mit Seele übersetzt (auch ich habe es so übersetzt: Seele), bedeutet in diesem Fall das Tier. Die Seele ist das, was ein Wesen lebendig macht, die Lebenskraft.

Niemand auf der Welt isst Blut, niemandem ist es erlaubt, Blut zu essen, außer dem Altar (wenn man diese Metapher auf ihn anwenden kann, und wir wenden sie oft an). Nur der Altar isst Blut und niemand sonst, denn Blut ist ein exklusives Produkt, es ist für die Sühne der Seele bestimmt. Das Blut erhält sühnende Kraft, wenn die Seele zusammen mit ihm ausgeht. Mit dem Blut eines lebenden Tieres kann man nicht sühnen: Nur wenn zusammen mit dem Blut die Seele austritt, kann das Blut die Seele sühnen. Auf diese Weise kehrt auf dem Altar das, was dem Lebewesen die Quelle des Lebens gibt, zur Quelle des Lebens zurück, die der Höchste ist.

עַל־כֵּן אָמַרְתִּי לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל כָּל־נֶפֶשׁ מִכֶּם לֹא־תֹאכַל דָּם וְהַגֵּר הַגָּר בְּתוֹכְכֶם לֹא־יֹאכַל דָּם׃

al-kén amartí liwné jisraél kol-néfesch mikkém lo-tóchal dam wehaggér haggár betochechém lo-jochal dam

12 Darum habe Ich zu den Söhnen Israels gesagt: Jede Seele unter euch soll kein Blut essen, und der Fremdling, der unter euch wohnt, soll es nicht essen.

Da die Seele selbst im Blut ist, wird sie kein Blut essen. Wir nähren unsere Seele nicht mit den Lebenskräften des Tieres, nicht unmittelbar mit seinem Blut (diese Lebenskraft geben wir an die Urquelle zurück), sondern wir nähren uns vom Wort Gottes, durch das dieses Tier geschaffen ist, wie auch gesagt ist: „Nicht vom Brot, nicht vom Brot selbst lebt der Mensch, sondern vom Wort Gottes, das dieses Brot erschafft.“ Dasselbe gilt auch in Bezug auf die Tiere, in Bezug auf das Fleisch.

וְאִישׁ אִישׁ מִבְּנֵי יִשְׂרָאֵל וּמִן־הַגֵּר הַגָּר בְּתוֹכָם, אֲשֶׁר יָצוּד צֵיד חַיָּה אוֹ־עוֹף אֲשֶׁר יֵאָכֵל וְשָׁפַךְ אֶת־דָּמוֹ וְכִסָּהוּ בֶּעָפָר׃

we'ísch isch mibbené jisraél umin-haggér haggár betochám aschér jazúd zed chajá o-óf aschér je'achél weschafách et-damó wechissáhu be'afár

13 Jeder Mensch von den Söhnen Israels und unter den Fremdlingen, der unter ihnen wohnt, der auf der Jagd eine Beute fängt, ein Tier oder einen Vogel zum Essen, wird sein Blut auf die Erde gießen und es oben mit Erde bestreuen.

Das heißt, die Tora verbietet, nicht nur das Blut von Haustieren (Stier, Schaf oder Ziegenbock) zu essen, sondern auch das Blut von Tieren, die wir auf der Jagd gefangen haben. Aber den Talg (chélew, Fett) wilder Tiere, unserer Jagdbeute, zum Beispiel des Hirsches oder des Elchs, die durch die wilde Natur gesegnet werden, darf man essen. Anders als bei den Tieren, die wir bei uns in der Wirtschaft großziehen, denn deren Talg wird von Gott gesegnet, wir haben das Haustier dank unseres Wohlstands gemästet. Aber das Blut der auf der Jagd gefangenen Tiere darf man trotzdem nicht essen, man muss es auf die Erde gießen. Und hier sehen wir noch ein Gebot – das ausgegossene Blut mit Erde zu bedecken. Das heißt, wenn wir das Blut einer Wachtel oder eines Elchs oder irgendeines anderen essbaren wilden Tieres auf die Erde gegossen haben, müssen wir sein Blut mit Erde bestreuen. Man muss nicht unbedingt alles vergraben, man muss es einfach nur leicht mit Erde bestreuen. Was ist der Sinn dieses Gebots? Maimonides (Rambam), den wir schon erwähnt haben, sagt Folgendes: „In uralten Zeiten gab es solche Genossen, Zauberer, die ein Grübchen in die Erde gruben, es sorgfältig herrichteten und das Blut des Tieres so dort hineingossen, dass oben keine Erde war, und auf dieses warme Blut riefen sie Geister herbei, Dämonen und was sie da nicht alles herbeiriefen.“ Und damit wir diese magischen Bräuche nicht wiederholen, hat die Tora verboten, das Blut unbedeckt zu lassen. Ein bisschen mit Erde bedeckt – und fertig, der ganze Zaubermechanismus ist schon kaputt und nicht mehr funktionsfähig. Raw Kuk, der am Anfang des vorigen Jahrhunderts lebte, stellte sich die Frage: „Müssen wir denn wirklich, um irgendein Gebot der Tora zu verstehen, uns mit Anthropologie beschäftigen, mit der Geschichte der alten Zauberei, und werden wir ohne das Studium der Geschichte der Magie nicht verstehen, wozu ein solches Gebot da ist?“ Und er sagt weiter, dass die Seele des Menschen selbst gegen das Blutvergießen eingestellt ist. Immerhin gibt es irgendwo im Inneren des Menschen ein gewisses ästhetisches Gefühl, das ihn dazu bringt, sei es auch in der Tiefe der Seele, Scham für das vergossene Blut zu empfinden. Deshalb muss der Mensch, der seine Blöße als etwas Beschämendes bedeckt, das Blut wenigstens ein wenig bedecken, bestreuen, um eben dieses ästhetische Gefühl zu befriedigen, zu entwickeln, zu nähren. Möglicherweise bezieht sich deshalb das Gebot des Bedeckens des Blutes nicht auf Haustiere. Das Haustier haben wir großgezogen und wussten von Anfang an, dass wir es zum Schlachten großziehen, deshalb schämen wir uns nicht so sehr, es zu schlachten. Man muss hier in Klammern hinzufügen, dass Raw Kuk selbst für den Vegetarismus eintrat und davon sprach, dass es in der kommenden Zeit, wenn der Tempel wiederhergestellt sein wird, in ihm keine Tieropfer geben wird, sondern Opfer nur aus Pflanzen. Und gerade im Rahmen einer solchen weiten Weltanschauung kommentierte er diesen Vers der Tora.

כִּי־נֶפֶשׁ כָּל־בָּשָׂר דָּמוֹ בְנַפְשׁוֹ הוּא וָאֹמַר לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל דַּם כָּל־בָּשָׂר לֹא תֹאכֵלוּ כִּי נֶפֶשׁ כָּל־בָּשָׂר דָּמוֹ הִוא כָּל־אֹכְלָיו יִכָּרֵת׃

ki-néfesch kol-bassár damó wenafschó hu wa'omár liwné jisraél dam kol-bassár lo tochélu ki néfesch kol-bassár damó hi kol-ocheláw jikkarét

14 Die Seele allen Fleisches ist sein Blut, seine Seele ist in ihm, und sage den Söhnen Israels: Das Blut allen Fleisches esst nicht, denn die Seele allen Fleisches ist sein Blut, jeder, der es isst, wird abgeschnitten werden.

Das gilt sowohl für Vögel als auch für Tiere. Für wen gilt es nicht? Für Fische. Warum? Weil der Fisch kaltes Blut hat.

וְכָל־נֶפֶשׁ אֲשֶׁר תֹּאכַל נְבֵלָה וּטְרֵפָה בָּאֶזְרָח וּבַגֵּר וְכִבֶּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעֶרֶב וְטָהֵר׃

wechol-néfesch aschér tochál newelá utrefá ba'esrách uwaggér wechibbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'érew wetahér

15 Und jede Seele, die Aas oder ein zerrissenes Tier essen wird, unter den Einheimischen und bei den Fremden, wird ihre Kleider reinigen müssen und wird sich im Wasser waschen, und wird unrein sein bis zum Abend, und wird rein werden.

Es ist nicht nur verboten, Aas und ein zerrissenes, zerfleischtes Tier zu essen, sondern jeder, der es essen wird, wird seine Kleider auswaschen müssen (das heißt, er wird tamé, unrein) und sich im Wasser waschen müssen, und bis zum Abend bleibt er, wie wir gesagt haben, im Stadium der Rehabilitation, der Reinigung, und mit dem Untergang der SterneIm Original steht wörtlich „mit dem Untergang der Sterne“; gemeint ist wohl das Erscheinen der Sterne am Abend. Die Stelle ist bewusst wörtlich übersetzt. wird er rein.

וְאִם לֹא יְכַבֵּס וּבְשָׂרוֹ לֹא יִרְחָץ וְנָשָׂא עֲוֹנוֹ׃

we'ím lo jechabbés uwsaró lo jircház wenassá awonó

16 Und wenn er sie nicht auswäscht und seinen Leib nicht wäscht, wird er seine Sünde tragen.“

Es gibt ein Verfahren der Reinigung für den Fall, dass ein Mensch unreine Speise gegessen hat. Und wenn er das nicht tut, wenn er sich nicht reinigt, nachdem er unrein geworden ist, wird er seine Sünde tragen, das heißt, er wird sich ständig im Zustand der Unreinheit befinden, in dem es unmöglich ist, sich dem Heiligen zu nähern. Und wenn er dennoch ins Heilige hineingeht, dann wird das für ihn Sünde sein, damit muss er leben.

Hiermit beenden wir das Studium von Kapitel 17, einem sehr vielschichtigen, mit vielen Lektionen. Ich denke, die Hauptlektion besteht darin, dass diese Welt uns nicht einfach so zur Verwaltung und zur Plünderung gegeben ist, dass wir diese Welt dem Höchsten näherbringen sollen, sogar wenn wir essen, sogar durch das Essen. Obwohl heute nicht alle strengen Einschränkungen gelten, die galten, als das Volk Israel in der Wüste war, und wir ohne Furcht Fleisch essen können, müssen wir dennoch verstehen, dass wir nicht essen, um zu leben, wir essen, um dem Höchsten zu dienen. Und das ist es, woran man sich bei jedem Mittagessen zu erinnern bemühen sollte. Das bewegt die Weisen zu sagen, dass, wenn zwei oder drei essen und zwischen ihnen keine Worte der Tora sind, sie Götzenopfer essen, weil der Tisch in gewisser Weise einem Altar ähnelt.

Verunreinigt euch nicht

Wajikra 18,1–29

Der Höchste fährt also fort, dem Volk Israel Unterweisungen darüber zu geben, wie man ein heiliges Volk ist, wie man die Reinheit bewahrt, wie man in Reinheit verweilt und welche Anforderungen an das Volk Israel gestellt werden, in dessen Mitte der HERR wohnen will, an das Volk, das der Höchste erwählt hat, um in ihm zu wohnen.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

1 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:

דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃

dabbér el-bené jisraél we'amartá alehém aní adonáj elohechém

2 „Rede mit den Söhnen Israels und sage ihnen: Ich bin der HERR, euer Gott.

Das heißt: „Ich bin euer HERR, und das verpflichtet euch. Wozu verpflichtet es? Seid heilig, denn Ich bin heilig. Ich bin euer HERR, Ich bin euer Herr, Ich gebiete, Ich lenke dieses Volk, wohne in seiner Mitte, beschütze es, behüte es, hege es und stelle deshalb bestimmte Anforderungen der Heiligkeit an es.“

כְּמַעֲשֵׂה אֶרֶץ־מִצְרַיִם אֲשֶׁר יְשַׁבְתֶּם־בָּהּ לֹא תַעֲשׂוּ וּכְמַעֲשֵׂה אֶרֶץ־כְּנַעַן אֲשֶׁר אֲנִי מֵבִיא אֶתְכֶם שָׁמָּה לֹא תַעֲשׂוּ וּבְחֻקֹּתֵיהֶם לֹא תֵלֵכוּ׃

kema'assé erez-mizrájim aschér jeschawtem-bá lo ta'asú uchma'assé erez-kená'an aschér aní mewí etchém schámma lo ta'asú uwchukkotehém lo teléchu

3 Handelt nicht nach den Taten des Landes Ägypten, in dem ihr gewohnt habt, und nach den Taten des Landes Kanaan, in das Ich euch bringe, handelt auch nicht, und geht nicht nach ihren Gesetzen.

Handelt weder nach den Gesetzen Ägyptens noch nach den Gesetzen Kanaans. Es gibt eine solche Besonderheit, dass ein Mensch, der in irgendeine Stadt umzieht und von einer jüdischen Gemeinde in eine andere wechselt, allmählich die Traditionen der neuen Gemeinde übernimmt, mit allen Besonderheiten des Gebets, der Kleidung, der Sprache und vielem anderen. Es gibt ein solches Beispiel: Als die Engel zu Awraham kamen, vom Himmel herabstiegen und einen Bewohner der Erde besuchten, verhielten sie sich wie irdische Menschen, sie aßen und tranken. Oder als Mosche auf den Berg zum Höchsten hinaufstieg und sich im Himmlischen befand, verhielt er sich wie ein Bürger des Himmels: er aß nicht und trank nicht 40 Tage und Nächte. Aber diese Regel ist nicht anwendbar auf das Volk Israel, das, wohin es auch geht und wo es sich als Volk auch befindet, ständig in der Herrlichkeit Gottes weilt. Unser HERR, unser König, Er ist immer mit uns. Deshalb, wenn wir vom Pharao zu irgendwelchen kanaanäischen Königen übergehen, wenn wir in irgendwelche anderen Länder umziehen, dürfen wir der Versuchung nicht nachgeben, Kanadier, Schwede, Amerikaner zu werden, obwohl das in gewissem Maße möglich ist. Aber wir müssen daran denken, dass unser König und HERR der Gott Israels ist und wir in erster Linie gerade Seinen Gesetzen gehorchen.

אֶת־מִשְׁפָּטַי תַּעֲשׂוּ וְאֶת־חֻקֹּתַי תִּשְׁמְרוּ לָלֶכֶת בָּהֶם אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃

et-mischpatáj ta'asú we'et-chukkotáj tischmerú laléchet bahém aní adonáj elohechém

4 Handelt nach Meinen Rechtssprüchen (in den Beziehungen zueinander, die Horizontale), und Meine Gesetze (die Beziehungen zu Mir, die Vertikale) bewahrt, um nach ihnen zu gehen: Ich bin der HERR, euer Gott.

וּשְׁמַרְתֶּם אֶת־חֻקֹּתַי וְאֶת־מִשְׁפָּטַי אֲשֶׁר יַעֲשֶׂה אֹתָם הָאָדָם וָחַי בָּהֶם אֲנִי יְהוָה׃

uschmartém et-chukkotáj we'et-mischpatáj aschér ja'assé otám ha'adám wacháj báhemDie russische Umschrift hat hier einen g-Laut; das Hebräische hat ein h (báhem). Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. aní adonáj

5 Und ihr sollt die Beziehungen zu Mir und die Beziehungen zueinander auf der Grundlage Meiner Gesetze bewahren, durch die ein Mensch, wenn er sie hält, leben wird. Ich bin der HERR.

Der HERR ist die Quelle des Lebens, und je näher am HERRN, desto mehr Leben. Deshalb ist der, der nach Gottes Gesetzen lebt, wirklich lebendig. Auf der Grundlage der Beziehung zur Quelle des Lebens sagt die Tradition, dass der Gerechte auch in seinem Tod lebendig genannt wird, der Frevler aber schon zu Lebzeiten tot genannt wird. Hier sagt der HERR: „Wer Meine Gesetze hält, der wird durch sie leben.“

Ab Vers 6 spricht der Höchste über die Anforderungen, die an die Beziehungen von Mann und Frau innerhalb einer großen Familie gestellt werden.

אִישׁ אִישׁ אֶל־כָּל־שְׁאֵר בְּשָׂרוֹ לֹא תִקְרְבוּ לְגַלּוֹת עֶרְוָה אֲנִי יְהוָה׃

isch isch el-kol-sche'ér besaró lo tikrewú legallót erwá aní adonáj

6 Jeder Mensch soll sich nicht seiner leiblichen Verwandtschaft nähern, um die Blöße zu entblößen. Ich bin der HERR.

Das Wort sche'ér bedeutet sehr nahe Blutsverwandtschaft, Verwandtschaft dem Fleisch nach, im Grunde Fleisch vom Fleisch, oder Blutströpfchen, so kann man es ins Russische übersetzenDer Autor nennt hier ein zärtliches russisches Wort für nahe Blutsverwandte, wörtlich etwa „Blutströpfchen“. Deshalb ist auch im Deutschen vom Russischen die Rede.. Geschlechtliche Beziehungen mit Menschen, die uns dem Blut nach nahe sind, oder mit den Frauen von Menschen, die uns dem Blut nach nahe sind, sind verboten. Es geht darum, dass ein Mann (isch isch – jeder Mensch, Mann,) sich nicht den Frauen seiner Verwandtschaft nähert. Selbst wenn irgendein Verwandter von uns gestorben ist oder sich hat scheiden lassen, so sind uns seine Frau, seine Witwe, seine geschiedene Frau verboten. Außerdem sind uns natürlich auch Mutter, Schwester, Enkelin verboten.

עֶרְוַת אָבִיךָ וְעֶרְוַת אִמְּךָ לֹא תְגַלֵּה אִמְּךָ הִוא לֹא תְגַלֶּה עֶרְוָתָהּ׃

erwát awícha we'erwát immechá lo tegallé immechá hi lo tegallé erwatá

7 Decke die Blöße deines Vaters und deiner Mutter nicht auf, denn sie ist deine Mutter, decke ihre Blöße nicht auf.

Hier gibt es kein Verbot einer Beziehung mit dem Vater. Es gibt ein eigenes Verbot der homosexuellen Beziehung (wir werden darüber in Vers 22 unseres Kapitels lesen), jeder Beziehung mit einem Mann, umso mehr, Gott bewahre, mit dem Vater. Hier geht es darum, dass dein Vater und deine Mutter ein Fleisch sind, du hast nicht das Recht, ihre Blöße zu entblößen, es geht um die Mutter. Zugleich muss man sagen, dass es in vielen orthodoxen Familien eine solche gute jüdische Tradition gibt, auch den ersten Teil wörtlich aufzufassen: Im wörtlichen Sinn soll der Sohn seinen Vater nicht nackt sehen. Deshalb, wenn Vater und Sohn in die Mikwe oder ins Badehaus gehen, zieht der Vater eine Badehose an und bedeckt seine Blöße. Obwohl, ich wiederhole, das nicht der unmittelbare Sinn der Tora ist.

עֶרְוַת אֵשֶׁת־אָבִיךָ לֹא תְגַלֵּה עֶרְוַת אָבִיךָ הִוא׃

erwát eschet-awícha lo tegallé erwát awícha hi

8 Und die Blöße der Frau deines Vaters decke nicht auf, das ist die Blöße deines Vaters.

Wenn der Vater außer deiner Mutter eine andere Frau hat (zum Beispiel ist er Witwer geworden und hat wieder geheiratet oder hat eine zweite Frau oder irgendeine Nebenfrau genommen, in jenen Zeiten wurde Vielweiberei praktiziert), dann sind sie dir verboten. Selbst wenn er sich von ihnen scheiden lässt oder wenn er stirbt und sie Witwen werden, sind sie dir trotzdem verboten, denn das ist eine Blöße, die sich nur deinem Vater öffnen soll.

עֶרְוַת אֲחוֹתְךָ בַת־אָבִיךָ אוֹ בַת־אִמֶּךָ מוֹלֶדֶת בַּיִת אוֹ מוֹלֶדֶת חוּץ לֹא תְגַלֶּה עֶרְוָתָן׃

erwát achotechá wat-awícha o wat-immécha molédet bájit o molédet chuz lo tegallé erwatán

9 Die Blöße deiner Schwester, der Tochter deines Vaters oder der Tochter deiner Mutter, geboren in deinem Haus oder geboren außerhalb deines Hauses, decke ihre Blöße nicht auf.

Wenn dein Vater eine Frau mit einem Kind geheiratet oder ein Kind von einer anderen Frau gezeugt hat, ist dir diese Frau verboten, du hast nicht das Recht, ihre Blöße aufzudecken.

עֶרְוַת בַּת־בִּנְךָ אוֹ בַת־בִּתְּךָ לֹא תְגַלֶּה עֶרְוָתָן כִּי עֶרְוָתְךָ הֵנָּה׃

erwát bat-bíncha o wat-bittechá lo tegallé erwatán ki erwatechá hénna

10 Die Blöße der Tochter deines Sohnes oder der Tochter deiner Tochter (deiner Enkelin) decke nicht auf, ihre Blöße, denn das wird deine Blöße sein.

Denn ihre Blöße ist das, was du selbst bedecken sollst, und nicht aufdecken. Du sollst dich um die Bedeckung ihrer Blöße so kümmern, wie du dich um die Bedeckung deiner eigenen Blöße kümmerst.

עֶרְוַת בַּת־אֵשֶׁת אָבִיךָ מוֹלֶדֶת אָבִיךָ אֲחוֹתְךָ הִוא לֹא תְגַלֶּה עֶרְוָתָהּ׃

erwát bat-éschet awícha molédet awícha achotechá hi lo tegallé erwatá

11 Die Blöße der Tochter der Frau deines Vaters, geboren von deinem Vater: Das ist deine Schwester, decke ihre Blöße nicht auf.

Wenn der Vater von einer anderen Frau eine Tochter hat und das die Tochter deines Vaters ist, dann ist sie deine Schwester, du hast nicht das Recht, ihre Blöße aufzudecken.

עֶרְוַת אֲחוֹת־אָבִיךָ לֹא תְגַלֵּה שְׁאֵר אָבִיךָ הִוא׃

erwát achot-awícha lo tegallé sche'ér awícha hi

12 Die Blöße der Schwester deines Vaters decke nicht auf, denn sie ist eine Verwandte, eine Blutsverwandte deines Vaters (die Fortsetzung des Fleisches deines Vaters).

עֶרְוַת אֲחוֹת־אִמְּךָ לֹא תְגַלֵּה כִּי־שְׁאֵר אִמְּךָ הִוא׃

erwát achot-immechá lo tegallé ki-sche'ér immechá hi

13 Decke die Blöße der Schwester deiner Mutter nicht auf, denn sie ist eine Verwandte deiner Mutter.

עֶרְוַת אֲחִי־אָבִיךָ לֹא תְגַלֵּה אֶל־אִשְׁתּוֹ לֹא תִקְרָב דֹּדָתְךָ הִוא׃

erwát achi-awícha lo tegallé el-ischtó lo tikráw dodatechá hi

14 Die Blöße des Bruders deines Vaters decke nicht auf, seiner Frau nähere dich nicht, denn deine Tante ist sie.

Wiederum geht es nicht um eine Beziehung mit dem Onkel selbst. Wir haben schon gesagt, dass eine Beziehung zwischen Männern, Gott bewahre, eindeutig verboten ist – sei es mit dem eigenen Onkel, sei es mit einem fremden. Hier, in diesem Vers, geht es um die Frau deines Onkels.

עֶרְוַת כַּלָּתְךָ לֹא תְגַלֵּה אֵשֶׁת בִּנְךָ הִוא לֹא תְגַלֶּה עֶרְוָתָהּ׃

erwát kallatechá lo tegallé éschet bíncha hi lo tegallé erwatá

15 Und die Blöße deiner Schwiegertochter decke nicht auf, denn sie ist die Frau deines Sohnes, decke ihre Blöße nicht auf.

עֶרְוַת אֵשֶׁת־אָחִיךָ לֹא תְגַלֵּה עֶרְוַת אָחִיךָ הִוא׃

erwát eschet-achícha lo tegallé erwát achícha hi

16 Und die Blöße der Frau deines Bruders sollst du nicht aufdecken, denn sie ist die Blöße deines Bruders.

Alles, was oben gesagt ist, ist das Verbot, mit einer Frau eines bestimmten Verwandtschaftsgrades eine geschlechtliche Verbindung einzugehen. Womit hängt das zusammen? Natürlich empfinden wir heute, die meisten modernen Menschen, einen beständigen Abscheu vor Inzest, vor blutschänderischen Verbindungen. Die Begierde, die zwischen Bruder und Schwester entsteht, erscheint uns unnatürlich und als völliger Gräuel. Aber es geht hier nicht nur darum, irgendwelche blutschänderischen Verbindungen zu verbieten, es geht hier in vielem um den Schutz der Frauen.

In jenen Zeiten war eine Frau, die verwitwet oder geschieden war, sich dabei aber in einem großen Haus, in einem großen Clan, in einer großen Familie befand, völlig ungeschützt. Ein Mann, von dem sie unterhalten werden kann, von dessen Gnade sie ganz und gar abhängt, kann anfangen, Gott bewahre, von ihr eheliche Beziehungen zu fordern. Ein Mensch wollte nicht und sagte: „Ich werde die Witwe meines Bruders nicht unterhalten, wie käme ich dazu? Und sogar die Witwe meines Sohnes, falls mit dem Sohn, Gott bewahre, etwas geschieht, werde ich nicht unterhalten, sie soll mir eine Frau sein.“ Um die Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen (unter anderem auch dafür), sind diese Gesetze festgelegt.

Tatsächlich verlangt die öffentliche Meinung, die Tradition der Gesellschaft, den Verwandten zu helfen, allen Verwandten, im weiten Sinn des Wortes. Aber es ist notwendig, irgendwelche Versuche zu begrenzen, eine Frau zum Zusammenleben zu bewegen, mit der Begründung, dass sie vom Mann abhängig ist. Deshalb entstehen diese Verbote aus Mitgefühl mit den Frauen, aus Sorge um die Frauen. Ein interessanter Punkt: Wir sehen in unserem Kapitel das Verbot von Beziehungen mit der Frau des Onkels, die, so scheint es, ein ganz fremder Mensch ist, und gleichzeitig sehen wir kein Verbot von Beziehungen mit der Tochter. Beziehungen mit der Tochter werden nicht verboten, mit der Enkelin werden sie verboten, mit der Tochter – nicht. Aber das ist nicht deshalb so, weil man das darf, sondern weil ein Mensch seine Tochter ohnehin unterhalten wird und sie von seiner Natur her nicht zum Zusammenleben bewegen wird, genau deshalb ist hier über die Tochter nichts gesagt. Über die Frau des Onkels aber muss man sprechen, weil ein Mensch sie keineswegs unbedingt einfach so unterhalten wird.

עֶרְוַת אִשָּׁה וּבִתָּהּ לֹא תְגַלֵּה אֶת־בַּת־בְּנָהּ וְאֶת־בַּת־בִּתָּהּ לֹא תִקַּח לְגַלּוֹת עֶרְוָתָהּ שַׁאֲרָה הֵנָּה זִמָּה הִוא׃

erwát ischá uwittá lo tegallé et-bat-bená we'et-bat-bittá lo tikkách legallót erwatá scha'ará hennáIn der russischen Umschrift beginnt „henná“ mit einem g-Laut statt mit h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. simmá hi

17 Die Blöße einer Frau und ihrer Tochter sollst du nicht aufdecken, die Blöße der Tochter ihres Sohnes und der Tochter ihrer Tochter sollst du nicht aufdecken, denn das ist ihre Verwandtschaft: Unzucht (Abscheulichkeit) ist das.

Man darf nicht eine Frau und ihre Tochter zur Frau nehmen, weil eine Frau mit Tochter in Abhängigkeit vom Mann, vom Herrn geraten kann. Wenn er sich für einen solchen hält, kann er auch eine Verbindung mit ihrer Tochter und mit ihrer Enkelin fordern, und die Tora verbietet das. Und außerdem können Mutter und Tochter zu Konkurrentinnen im Kampf um das Ehebett werden, auch deshalb verbietet die Tora das.

וְאִשָּׁה אֶל־אֲחֹתָהּ לֹא תִקָּח לִצְרֹר לְגַלּוֹת עֶרְוָתָהּ עָלֶיהָ בְּחַיֶּיהָ׃

we'ischá el-achotá lo tikkách lizrór legallót erwatá aléha bechajéha

18 Und eine Frau mit ihrer Schwester nimm nicht, sodass sie miteinander wetteifern (einander bedrängen), um zu ihren Lebzeiten ihre Blöße aufzudecken.

Hier gibt es einen Vorbehalt – zu ihren Lebzeiten. Wenn die Frau gestorben ist, dann darf man ihre Schwester heiraten, das ist ein wichtiger Vorbehalt. Es gibt die Sorge darum, dass zwei Schwestern nicht miteinander im Wettstreit stehen. Wir haben im Buch Bereschit von solchen zwei Schwestern gelesen, Rachel und Lea, und es war wenig Gutes in ihrem Leben.

וְאֶל־אִשָּׁה בְּנִדַּת טֻמְאָתָהּ לֹא תִקְרַב לְגַלּוֹת עֶרְוָתָהּ׃

we'el-ischá beniddát tum'atá lo tikráw legallót erwatá

19 Und einer Frau während ihrer Blutungen nähere dich nicht, um ihre Blöße zu entblößen (aufzudecken).

Während der Blutung ist die Frau für den Mann verboten, es gibt dafür eine sehr harte Strafe. Das hängt damit zusammen, dass die Frau sich, wie wir uns erinnern, im Zustand der Unreinheit befindet, in einem geschwächten Zustand, sie muss sich erholen, und ihr Körper braucht zusätzliche Kräfte.

וְאֶל־אֵשֶׁת עֲמִיתְךָ לֹא־תִתֵּן שְׁכָבְתְּךָ לְזָרַע לְטָמְאָה־בָהּ׃

we'el-éschet amitechá lo-tittén schechowtechá lesára letom'a-wá

20 Und mit der Frau deines Nächsten sollst du dich nicht hinlegen zum Samenerguss, um durch sie unrein zu werden.

Hier geht es um das Verbot des Ehebruchs. Unter Ehebruch versteht man die Verbindung eines Menschen mit einer Frau, die eine fremde Ehefrau ist, und die Verbindung mit einer solchen Frau verunreinigt. Man könnte denken, dass der Samenerguss zur Zeugung von Nachkommen diese Verbindung irgendwie rechtfertigen kann, aber hier sagt die Tora – nein, selbst wenn es um der Nachkommen willen ist, verunreinigst du dich durch sie, das heißt, du zeugst Nachkommen, die unrein sein werden.

Der nächste Vers bringt ein anderes Thema auf:

וּמִזַּרְעֲךָ לֹא־תִתֵּן לְהַעֲבִיר לַמֹּלֶךְ וְלֹא תְחַלֵּל אֶת־שֵׁם אֱלֹהֶיךָ אֲנִי יְהוָה׃

umissar'achá lo-tittén leha'awír lammólech weló techallél et-schém elohécha aní adonáj

21 Und gib nicht von deinem Samen (deinen Kindern), um sie vor Molech hindurchzuführen, entehre nicht den Namen deines Gottes: Ich bin der HERR.

Warum wird Molech gesondert erwähnt? Wir haben doch das Gebot: „Ich bin der HERR, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben vor Mir.“ Wir haben (in 17,7) von der Darbringung von Opfern für die Zottigen gelesen, hier wird Molech erwähnt, ein anderer Gott. Forschungen zufolge galt Molech als Gott der Hölle, Gott der Unterwelt, Gott des Höllenfeuers. Und man wandte sich an ihn, unter anderem, um die Seelen der Toten herbeizurufen, um den Schutz der Toten im Rahmen des Kults der verstorbenen Verwandten anzurufen. Wir haben die Gesetze der Familie erwähnt, das Verhältnis zur Verwandtschaft. Und so kann, wenn wir unsere Verwandtschaft achten, in unser listiges Herzchen eine Versuchung eindringen, sich einschleichen: irgendeinen von den in diesem Kapitel schon erwähnten Papas, Mamas, Omas, Opas, Onkeln oder Tanten, die in die andere Welt hinübergegangen sind, herbeizurufen und über dies und das zu sprechen, einfach aus Achtung vor ihnen. Zu diesem Zweck benutzte man das Hindurchführen von Kindern, die zu Orakeln dieser Toten wurden, durch das Feuer (so nach einigen Versionen). Andere Forscher sagen, dass die Kinder im wörtlichen Sinn geopfert wurden, das heißt, man warf sie in den Scheiterhaufen. Es gibt noch eine Version, dass man sie einfach über den Scheiterhaufen warf. Die meisten Historiker und Anthropologen stimmen der letzten Meinung zu, dass man die Kinder über das Feuer warf, hinüberschleuderte, um jemanden von den Toten herbeizurufen, oder möglicherweise, um in sein Kind die Seele eines der Verstorbenen einzupflanzen. Und der Höchste sagt, dass man das nicht tun darf: „Jene Gesetze, die Ich dir über die Achtung, möglicherweise, vor der Frau deines verstorbenen Verwandten gegeben habe, bedeuten nicht, dass man diese Verwandten herbeirufen und irgendwie mit ihnen verkehren darf.“

Noch ein wichtiger Aspekt, den man im Zusammenhang mit dem Verbot erwähnen muss, Kinder vor Molech hindurchzuführen. Oft wird der Götzendienst (sowohl in der Tora als auch im Tanach) mit Hurerei in Verbindung gebracht, mit dem Eingehen einer Verbindung, der Vereinigung mit einem fremden Gott. Und wie die Tora die geschlechtliche Verbindung zwischen Mann und Mann, zwischen Mann und Vieh verbietet, genauso verbietet die Tora, Kinder zur Verbindung mit einem fremden Gott zu zwingen, mit Molech. Und deshalb ist dieses Gesetz hier eingefügt, in die Gesetze, die, so scheint es, die geschlechtliche Intimität betreffen.

Und der Aufruf des Höchsten, Seinen Namen nicht zu entehren, bedeutet: „Du musst keine Hilfe und Unterstützung irgendwo anders suchen, damit bringst du Schande über Meinen Namen. Ich bin dein HERR, Ich kann dich mit allem versorgen.“

וְאֶת־זָכָר לֹא תִשְׁכַּב מִשְׁכְּבֵי אִשָּׁה תּוֹעֵבָה הִוא׃

we'et-sachár lo tischkáw mischkewé ischá to'ewá hi

22 Mit einem Mann lieg nicht, wie man mit einer Frau liegt: das ist ein Gräuel.

Das Wort to'ewá, das wir mit Gräuel übersetzen (nicht nur ich übersetze es so), wird zur Bezeichnung von geschlechtlichen Beziehungen zwischen Menschen als Gräuel verwendet, als das, was auch den Menschen als Gräuel erscheinen muss. Der Höchste verbietet homosexuelle Verbindungen, das ist eindeutig und außer jedem Zweifel. Die Versuche, davon zu sprechen, dass es um bestimmte Stellungen geht oder um die Schändung eines Menschen, die Versuche, David oder den Hauptmann aus den Evangelien als Beispiel anzuführen und zu verleumden, sie homosexueller Verbindungen zu beschuldigen, all diese Versuche sind eine Verzerrung der Tora, um dem Gräuel irgendeine Rechtfertigung zu geben. Der Höchste sagt mehr als eindeutig in zwei Worten to'ewá hi, ein Gräuel ist das, und das ist ein Gräuel ohne jede Alternative.

Andererseits muss man mit Menschen, die dieser Sünde unterliegen, wie mit normalen Menschen umgehen, für sie beten. Sie brauchen Hilfe, Gebet, auch sie brauchen Rettung und Umkehr zum Höchsten. Das ist ein Gräuel, aber es gibt auch viele andere Gräuel, die wir irgendwie leichter vergeben. Es gibt dafür viele Erklärungen, aber wir werden darauf nicht eingehen.

וּבְכָל־בְּהֵמָה לֹא־תִתֵּן שְׁכָבְתְּךָ לְטָמְאָה־בָהּ וְאִשָּׁה לֹא־תַעֲמֹד לִפְנֵי בְהֵמָה לְרִבְעָהּ תֶּבֶל הוּא׃

uwchol-behemá lo-tittén schechowtechá letom'a-wá we'ischá lo-ta'amód lifné wehemá leriw'á téwel hu

23 Und mit keinem Vieh lieg, um dich durch es zu verunreinigen. Und eine Frau stellt sich nicht vor ein Vieh, um es in geschlechtlichem Sinn zu befriedigen: das ist eine Abscheulichkeit.

אַל־תִּטַּמְּאוּ בְּכָל־אֵלֶּה כִּי בְכָל־אֵלֶּה נִטְמְאוּ הַגּוֹיִם אֲשֶׁר־אֲנִי מְשַׁלֵּחַ מִפְּנֵיכֶם׃

al-tittammeú bechol-élle ki wechol-élle nitmeú haggojím ascher-aní meschalléjach mippenechém

24 Verunreinigt euch nicht mit all dem, denn mit all dem haben sich die Völker verunreinigt, die Ich vor euch vertreibe.

Ihr kommt in ein Land, das dazu bestimmt ist, heilig zu sein. Aber es selbst wird niemanden heiligen, ihr müsst es heiligen. Deshalb, wenn ihr euch in ihm unangemessen verhalten werdet, kann Ich euch vertreiben, wie Ich diese Völker vertrieben habe.

וַתִּטְמָא הָאָרֶץ וָאֶפְקֹד עֲוֹנָהּ עָלֶיהָ וַתָּקִא הָאָרֶץ אֶת־יֹשְׁבֶיהָ׃

wattitmá ha'árez wa'efkód awoná aleha wattakí ha'árez et-joschewéha

25 Und das Land wird verunreinigt werden, und Ich werde ihm die Sünde anrechnen, und das Land wird die auf ihm Wohnenden ausspeien.

וּשְׁמַרְתֶּם אַתֶּם אֶת־חֻקֹּתַי וְאֶת־מִשְׁפָּטַי וְלֹא תַעֲשׂוּ מִכֹּל הַתּוֹעֵבֹת הָאֵלֶּה הָאֶזְרָח וְהַגֵּר הַגָּר בְּתוֹכְכֶם׃

uschmartém attém et-chukkotáj we'et-mischpatáj weló ta'asú mikkól hatto'ewót ha'élle ha'esrách wehaggér haggár betochechém

26 Und ihr sollt die Gesetze (chukkotáj, die Vertikale) und die Rechtsurteile (mischpatáj, die Horizontale) bewahren, tut nichts von diesen Gräueln, sowohl der Bürger (der ständige Bewohner) als auch der Fremde, der unter euch wohnt.

כִּי אֶת־כָּל־הַתּוֹעֵבֹת הָאֵל עָשׂוּ אַנְשֵׁי־הָאָרֶץ אֲשֶׁר לִפְנֵיכֶם וַתִּטְמָא הָאָרֶץ׃

ki et-kol-hatto'ewót ha'él asú ansché-ha'árez aschér lifnechém wattitmá ha'árezIn der russischen Umschrift beginnt das letzte „ha'árez“ mit einem g-Laut statt mit h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen.

27 Denn alle Gräuel vor Gott haben die Bewohner des Landes getan, die vor euch waren, und das Land wurde verunreinigt.

וְלֹא־תָקִיא הָאָרֶץ אֶתְכֶם בְּטַמַּאֲכֶם אֹתָהּ כַּאֲשֶׁר קָאָה אֶת־הַגּוֹי אֲשֶׁר לִפְנֵיכֶם׃

welo-takí ha'árez etchém betamma'achém otá ka'aschér ka'á et-haggój aschér lifnechém

28 Möge euch das Land nicht ausspeien, wenn ihr es verunreinigt, wie es das Volk ausgespien hat, das vor euch war.

כִּי כָּל־אֲשֶׁר יַעֲשֶׂה מִכֹּל הַתּוֹעֵבוֹת הָאֵלֶּה וְנִכְרְתוּ הַנְּפָשׁוֹת הָעֹשֹׂת מִקֶּרֶב עַמָּם׃

ki kol-aschér ja'assé mikkól hatto'ewót ha'élle wenichretú hannefaschótIn der russischen Umschrift beginnt „hannefaschót“ mit einem g-Laut statt mit h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. ha'ossót mikkérew ammám

29 Denn jeder, der etwas von diesen Gräueln tun wird, die Seelen, die das tun, werden aus ihrem Volk ausgestoßen werden.

 וּשְׁמַרְתֶּם אֶת־מִשְׁמַרְתִּי לְבִלְתִּי עֲשׂוֹת מֵחֻקּוֹת הַתּוֹעֵבֹת אֲשֶׁר נַעֲשׂוּ לִפְנֵיכֶם וְלֹא תִטַּמְּאוּ בָּהֶם אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃

uschmartém et-mischmartí lewiltí asót mechukkót hatto'ewót aschér na'asú lifnechém weló tittammeú bahém aní adonáj elohechém

30 Und bewahrt Meine Gebote, um nicht nach den Gesetzen der Gräuel zu handeln, die vor euch getan wurden, und verunreinigt euch nicht: Ich bin der HERR, euer Gott.

In diesem Kapitel haben wir viele Gesetze gelesen, die die Beziehungen zu den Verwandten bestimmen, die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, zwischen denen, die schützen können, und denen, die Schutz brauchen. Die Gesetze der Reinheit im geschlechtlichen Bereich, die Enthaltsamkeit dort, wo man sich enthalten muss, das Fernbleiben von abscheulichen und verdorbenen Verbindungen zwischen zwei Männern, zwischen Mensch und Vieh – das ist der Anfang der Heiligkeit, die ersten Schritte, von denen der Höchste spricht.

Die Tora in 5 Minuten

Im 2. Vers des 19. Kapitels unseres Buches lesen wir erstaunliche Worte des Höchsten: „Rede mit der ganzen Gemeinde der Söhne Israels und sage ihnen: Seid heilig, denn heilig bin Ich, der HERR, euer Gott!“

Warum sind diese Worte erstaunlich? Die heidnischen Götter wollten den Menschen nie verändern. Immer gab es irgendeinen drohenden, furchtbaren und schrecklichen Gott, vor dem alle nichtige Menschlein sind, und man muss sich auf jede Weise bemühen, ihm zu gefallen, ihn auf jede Weise durch das Darbringen eines Opfers gnädig zu stimmen, sonst wird es sehr schlimm. Einem solchen Gott war es gleichgültig, wie die Menschen sind, ihm war wichtig, was sie ihm als Gabe bringen. Man kann es so sagen: Die heidnischen Götter sind große Korruptionäre. Der Gott Israels aber sagt zum Volk: „Ich bin heilig, und nicht nur, dass Ich heilig bin, Ich will, dass ihr Träger Meiner Heiligkeit in dieser Welt seid. Ich will, dass ihr Meine Heiligkeit in der Welt offenbart und euch dadurch selbst der Heiligkeit nähert.“

In den Versen 9–10 des 19. Kapitels spricht der Höchste davon, wie sich diese Heiligkeit in den Beziehungen zwischen Mensch und Mensch zeigen soll: „Und wenn ihr die Ernte in eurem Land erntet, ernte nicht bis zum Rand deines Feldes ab, und was bei deiner Ernte heruntergefallen ist, lies nicht auf, und deinen Weinberg ernte nicht ganz kahl ab, und die übrig gebliebenen einzelnen Beeren im Weinberg lies nicht auf, dem Armen und dem Fremden lass sie, Ich bin der HERR, euer Gott.“ Und auch das ist eine erstaunliche Sache, die der Höchste hier sagt. Das ist die Antwort auf das, was ein Mensch sagen könnte: „Das ist doch mein Weinberg, mein Land, ich habe mich so sehr um ihn abgemüht, und in jedem Beerchen, in jeder kleinen Traube steckt ein Tröpfchen meines Schweißes! Wie kann es denn sein, dass irgendein Fremder oder irgendein Faulpelz und Tagedieb kommt und einen Teil der Trauben nimmt, und sei es vom Rand des Feldes, und sei es das Übriggebliebene? Warum kann ich nicht alles bis zum Ende einsammeln?“

Diese Weisungen des Höchsten enden auf dem Gipfel selbst, wenn der Höchste sagt (19,18): „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, Ich bin der HERR.“ Vielleicht liegt gerade darin der Schlüssel. Sehr oft wird dieser Vers leider abgeschnitten, und man sagt einfach: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Dieser Zusatz Ich bin der HERR bleibt gleichsam beiseite. Dabei wiederholt sich in unserem Kapitel mehrmals gerade dieser Satz: Ich bin der HERR. Was geschieht denn mit meinem geliebten Ich, damit dieses mein Ich anfängt, den Nächsten zu lieben?

Wenn ich klein bin, ist mein Ich alles in allem nur der Körper, ich liebe mich selbst. Allmählich, wenn der Mensch wächst, kann er eine junge Frau treffen, sich in sie verlieben, und dann wird sein Ich schon zu einem WIR. Sein Haus wird ihr gemeinsames Haus, seines und dieses Mädchens. Dann, wenn ein Kind geboren wird, – das ist ihr Kind, das ist schon ihr Auto, und seine Urlaubsreise ist ihre Urlaubsreise. Die Liebe vereint und erweitert den Begriff Ich. Mein Ich wird weiter, ich bin schon nicht mehr nur ich selbst, das ist Ich und MEINE EIGENE FAMILIE. Wenn ich die Liebe zum Höchsten erkenne, wenn ich erkenne, dass ich ein Teil eines großen Mechanismus bin, einer großen Welt, in der der Höchste der Hausherr ist, dann erweitert sich mein Ich bis zur Ebene der Welt, und Ich – das ist schon MEINE GROSSE FAMILIE: das ist meine Stadt, das ist mein Volk, und auf der aller-allerhöchsten Ebene ist Ich die ganze Welt. Dazu ruft uns der Höchste auf.

Wenn wir im Tauben eine Offenbarung des Höchsten sehen, wenn wir im Blinden eine Offenbarung des Höchsten sehen, welcher Spott über den Tauben oder den Blinden kann es dann geben? Wenn wir in unserem Nächsten, in unserem Lohnarbeiter den Höchsten sehen, wie können wir dann seinen Lohn zurückhalten? Dieses unser Ich wird zu einem großen, gewaltigen WIR aus dem Verständnis heraus, dass in der ganzen Welt der Eine HERR ist und wir Ihn lieben, wir lieben Seine Familie, und Seine Familie – das ist sowohl der Fremde als auch der Blinde als auch der, über den wir, Gott bewahre, tratschen wollen, und die ganze Welt. Das ist der Weg zur Heiligkeit, eine sehr hohe Messlatte, die der Höchste für uns setzt. Sie wird allmählich erreicht, aber der Höchste ruft uns auf, uns gerade nach ihr auszustrecken.

Achare Mot: verwandte Materialien

Setzt das Studium fort: Gespräch über den Wochenabschnitt Achare Mot, Jom Kippur, rituelle Unreinheit und Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    1. 1ACHARE
    2. 2Einmal im Jahr 16,1–34
    3. 3Vorsicht, Fleisch! 17,1–16
    4. 4Verunreinigt euch nicht 18,1–29
    5. 5Die Tora in 5 Minuten
    6. 6Achare Mot: verwandte Materialien

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