- Wochenabschnitte
- Wajikra
- Mezora
מְצֹרָע
Mezora
Reinigung und Rückkehr in die Gemeinde
- Wochenabschnitt
- 28 von 54
- Verse
- Wajikra 14,1–15,33
- Teile
- 8
- Lesezeit
- 1 Std. 36 Min.
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Mezora ist der Wochenabschnitt über die Reinigung des Menschen nach Zara'at, den Befall von Häusern und die rituelle Unreinheit. Im Stenogramm von Alex Blend werden die Kapitel 14–15 des Buches Wajikra behandelt: der hebräische Text, eine Transliteration, eine ÜbersetzungIm Original ist hier von einer russischen Übersetzung die Rede, gemeint ist die Übersetzung auf dieser Seite. Auf der deutschen Seite steht deshalb neutral „eine Übersetzung“. und die religiöse Auslegung des Autors. Besonderes Augenmerk gilt der Rolle des Kohen, der Rückkehr in die Gemeinde und den Beziehungen zwischen den Menschen.
In die Freiheit lasse ich ein Vöglein
Wajikra 14,1–32
Im vorigen Wochenabschnitt Tasria haben wir darüber gelesen, wie ein Mensch für unrein erklärt wurde im Fall eines Befalls mit Zara'at. Der unreine Mensch wurde aus dem Lager hinausgeschickt und blieb dort bis zur Heilung. Die Familie musste für ihn sorgen, ihm Essen bringen. Wenn es keine Familie gab, dann kümmerten sich wohltätige Organisationen darum. Seine freie Zeit (und freie Zeit hatte ein solcher Mensch viel) musste er dem Nachdenken darüber widmen, wie er zu so einem Leben gekommen war und wie er sein Leben in Ordnung bringen kann. Wenn er sah, dass die Zara'at ihn verlassen hatte, konnte er den Kohen rufen. Und darüber werden wir lesen, beginnend mit Vers 1 von Kapitel 14.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
1 Und der HERR sprach zu Mosche und sagte:
זֹאת תִּהְיֶה תּוֹרַת הַמְּצֹרָע בְּיוֹם טָהֳרָתוֹ וְהוּבָא אֶל־הַכֹּהֵן׃
sot tihjé torát hammezorá bejóm tahorató wehuwá el-hakkohén
2 „Dies wird die Lehre über den von Zara'at Befallenen sein am Tag seiner Reinigung, und er wird zum Kohen gebracht werden.
וְיָצָא הַכֹּהֵן אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה וְרָאָה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה נִרְפָּא נֶגַע־הַצָּרַעַת מִן־הַצָּרוּעַ׃
wejazá hakkohén el-michúz lammachané wera'á hakkohén wehinné nirpá nega-hazzará'at min-hazzarúa
3 Und der Kohen wird hinausgehen außerhalb des Lagers, und der Kohen wird sehen, dass der Befall der Zara'at den Befallenen verlassen hat.
Der Kohen, der zum Dienst im Heiligen bestimmt ist, der eine besondere Kleidung für das Eintreten ins Heilige hat, kann hinausgehen und ins Unreine hinabsteigen. Im Chassidismus nennt man das das Emporheben der Funken der Heiligkeit aus der Unreinheit. Man kann hinabsteigen, aus dem Lager hinausgehen, um diejenigen ins Lager zurückzubringen, die sich außerhalb des Lagers wiedergefunden haben. Das ist eine der Eigenschaften der Heiligkeit: das Unreine sehen, mit dem Unreinen in Berührung kommen können und dabei nicht unrein werden. Das betrifft auch uns. Wenn wir etwas Unreines sehen, kann man sich mit dieser Unreinheit anstecken: in irgendeinem Zorn entbrennen, in Verurteilung, und sofort außerhalb des Lagers landen, neben dem, den wir zurechtweisen oder kritisieren, wenn diese Zurechtweisung unrein ist. Der Kohen geht nicht aus dem Lager hinaus, um Steine auf die von der Krankheit Befallenen zu werfen, sondern um sie aufzurichten, um sie zurückzubringen.
וְצִוָּה הַכֹּהֵן וְלָקַח לַמִּטַּהֵר שְׁתֵּי־צִפֳּרִים חַיּוֹת טְהֹרוֹת וְעֵץ אֶרֶז וּשְׁנִי תוֹלַעַת וְאֵזֹב׃
weziwwá hakkohén welakách lammittahér schete-zipporím chajót tehorót wa'éz éres uschní tolá'at we'esów
4 Und man nahm für den zu Reinigenden zwei lebende reine Vögel und Holz der Zeder und Karmesinfaden und Ysop (Oregano).
Was sind das für Vögel? Es steht nicht geschrieben, dass es Tauben oder Turteltauben sind. Höchstwahrscheinlich sind einfach reine Vögel gemeint, wie zum Beispiel Stare. Holz der Zeder – das ist natürlich nicht der ganze Baum der Zeder, nicht eine ganze Zeder musste man nehmen, einfach einen Span vom Holz der Zeder. Also, was ist das für eine Zusammenstellung, die der Kohen nimmt? Vöglein sind solche Wesen, die viel zwitschern, viel schwatzen. Vöglein sind das Bild eines schwatzenden Getiers, und Zara'at wird einem Menschen oft zur Strafe für Geschwätz gegeben, dafür, dass er sich mit Gerede eingemischt hat, wo er nicht sollte. Und deshalb werden wir ihn auch mit Vöglein zurechtbringen. Tolá'at (Karmesinfaden) lehrt Bescheidenheit, nach dem Grundsatz ich bin ein Wurm und kein Mensch, wie David sagt (Tehillim 22,7), der dasselbe Wort verwendet: „We'anochí tolá'at weló isch“. Holz der Zeder, ein Span der Zeder – das ist ein Span vom höchsten Baum, der in der Gegend bekannt ist, nicht vom höchsten der Welt, aber vom höchsten in der Vorstellung des durchschnittlichen Bewohners Israels. Ysop ist ein kleiner Halbstrauch. Die Lehre von der Bescheidenheit – wo man groß sein darf, wo man klein sein muss – lehrt den Menschen, seine eigenen Maße abzuwägen. Das ist also die Zusammenstellung, die Hausapotheke des Kohen für den Menschen, der von Zara'at gereinigt wird.
וְצִוָּה הַכֹּהֵן וְשָׁחַט אֶת־הַצִּפּוֹר הָאֶחָת אֶל־כְּלִי־חֶרֶשׂ עַל־מַיִם חַיִּים׃
weziwwá hakkohén weschachát et-hazzippór ha'echát el-keli-chéres al-májim chajím
5 Und der Kohen gebot, und man tötete, schlachtete einen der Vögel über einem Tongefäß mit lebendigem Wasser.
Man schöpfte Wasser aus einer Quelle, füllte es in ein Tongefäß, und über diesem Gefäß tötete man das Vöglein.
אֶת־הַצִּפֹּר הַחַיָּה יִקַּח אֹתָהּ וְאֶת־עֵץ הָאֶרֶז וְאֶת־שְׁנִי הַתּוֹלַעַת וְאֶת־הָאֵזֹב וְטָבַל אוֹתָם וְאֵת הַצִּפֹּר הַחַיָּה בְּדַם הַצִּפֹּר
הַשְּׁחֻטָה עַל הַמַּיִם הַחַיִּים׃
et-hazzippór hachajá jikkách otá we'et-éz ha'éres we'et-schení hattolá'at we'et-ha'esów wetawál otám we'ét hazzippór hachajá bedám hazzippór haschechutá al hammájim hachajím
6 Das lebende Vöglein, er wird es nehmen und den Span vom Zedernholz und den Karmesinfaden und den Ysop, und tauchte sie und das lebende Vöglein in das Blut des Vögleins, das über dem Gefäß mit lebendigem Wasser getötet wurde.
In die Mischung aus Blut und Wasser taucht der Kohen diese ganze Zusammenstellung. Irgendein Teil des Menschen, der sich von Zara'at gereinigt hat, muss sterben. Der alte Mensch hat eine Seele, die von der Sünde befallen ist, wie der Leib, der von der Krankheit befallen ist. Damit der Mensch rein wird, muss dieser sündige Teil sterben, und den Tod dieses Teils symbolisiert das Vöglein, das getötet wird. Und wozu taucht man das lebende Vöglein ins Blut? Damit der Teil des Menschen, der lebendig bleibt, versteht, dass er sich mit Blut beschmiert hat, versteht, was eigentlich geschehen ist, dass von ihm gleichsam ein lebendiger Teil abgeschnitten wurde.
וְהִזָּה עַל הַמִּטַּהֵר מִן־הַצָּרַעַת שֶׁבַע פְּעָמִים וְטִהֲרוֹ וְשִׁלַּח אֶת־הַצִּפֹּר הַחַיָּה עַל־פְּנֵי הַשָּׂדֶה׃
wehissá al hammittahér min-hazzará'at schéwa pe'amím wetiharó weschillách et-hazzippór hachajá al-pené hassadé
7 Und er wird auf den von Zara'at zu Reinigenden sieben (wieder eine bedeutsame Zahl) Mal sprengen, und er reinigte ihn und schickte das lebende Vöglein aufs Feld hinaus.
Das lebende Vöglein fliegt davon. Das ist ein Symbol der Befreiung des Körpers, der von Zara'at befallen war, von der Zara'at: was gestorben ist – ist gestorben; was am Leben geblieben ist – geht in die Freiheit.
וְכִבֶּס הַמִּטַּהֵר אֶת־בְּגָדָיו וְגִלַּח אֶת־כָּל־שְׂעָרוֹ וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָהֵר וְאַחַר יָבוֹא אֶל־הַמַּחֲנֶה וְיָשַׁב מִחוּץ לְאָהֳלוֹ שִׁבְעַת יָמִים׃
wechibbés hammittahér et-begadáw wegilláchIn der russischen Umschrift steht bei diesem Wort („und er soll scheren“) ein Tippfehler. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. et-kol-se'aró weracház bammájim wetahér we'achár jawó el-hammachané wejascháw michúz le'aholó schiw'át jamím
8 Und der sich Reinigende wusch seine Kleider und schor alle seine Haare ab und badete sich im Wasser und wurde rein. Danach darf er ins Lager hineingehen (in die Stadt zurückkehren) und wird außerhalb seines Zeltes sieben Tage sitzen.
Wenn wir das lesen, kann es scheinen, dass der Mensch nach Hause gekommen ist, aber ins Haus nicht hineingehen kann: im Hof, auf einer Matte, auf den Stufen wird er 7 Tage übernachten. Nein, so ist das nicht. Der außerhalb seines Zeltes Sitzende, Wohnende – das ist der, der noch nicht zu seiner Frau eingehen kann, sich noch nicht mit seiner Frau vereinigen kann. Er hat noch 7 Tage der Reinigung, genau so, wie es 7 Tage der Reinigung bei einer Frau nach der Geburt gibt, wie es 7 Tage der Weihe bei den Kohanim gibt. Das ist die Zeit der Rehabilitation, in der der Mensch genest: eigentlich ist er schon gesund, aber man muss ihn ständig im Auge behalten.
וְהָיָה בַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי יְגַלַּח אֶת־כָּל־שְׂעָרוֹ אֶת־רֹאשׁוֹ וְאֶת־זְקָנוֹ וְאֵת גַּבֹּת עֵינָיו וְאֶת־כָּל־שְׂעָרוֹ יְגַלֵּחַ וְכִבֶּס אֶת־בְּגָדָיו וְרָחַץ אֶת־בְּשָׂרוֹ בַּמַּיִם וְטָהֵר׃
wehajá wajóm haschewi'í jegallách et-kol-se'aró et-roschó we'et-sekanó we'ét gabbót enáw we'et-kol-se'aró jegalléjach wechibbés et-begadáw weracház et-besaró bammájim wetahér
9 Und es wird sein, am siebten Tag wird er alle seine Haare abscheren, seinen Kopf und seinen Bart und die Augenbrauen, und alle seine Haare wird er abscheren, wieder wäscht er seine Kleidung, und wieder badet er seinen schon geschorenen Körper, und wird rein.
Es gibt einen Streit darüber, ob man die Haare an unsichtbaren Stellen abscheren muss. Unsichtbare Stellen nennt man die Stellen, die nicht zu sehen sind, wenn der Mensch bei der Untersuchung durch den Kohen nackt dasteht. Also die Haare in den Achselhöhlen, die Haare dort, wo sie schwer abzurasieren sind. Einige der Weisen sagen: „Die Haare muss man vollständig abrasieren, absolut alle Haare entfernen.“ Andere sagen: „Nur an der Stelle, die der Kohen sieht.“ Die Tora sagt, und das ist am wahrscheinlichsten, dass alle Haare abrasiert werden müssen. Wozu die Haare abrasieren? Wir werden später erfahren, dass auch die Leviten bei der Vorbereitung auf den Dienst die Haare abscheren. Und auch dort kann man diese Frage stellen. Was geschieht mit den Haaren, wenn sie abrasiert werden? Wenn ein Mensch die Haare abrasiert, beginnen sie wieder zu wachsen – das ist eine Eigenschaft der Haare. Wenn es die Haare des Bartes sind, dann wird das als Weisheit des Menschen gewertet, als seine Kraft. Die Haare am Körper werden als Äußerung des Menschen von innen nach außen gewertet, das ist das, was aus dem Menschen nach außen tritt, aus ihm nach außen hinaustreten will: seine Aggressivität, sein Streben, sich in dieser Welt zu zeigen.
Im Talmud gibt es eine Geschichte über Sanherib, den König von Aschur, der, nachdem er sich zur Genüge ausgekämpft hatte, beschloss, sich dem Friedensprozess zu widmen, Frieden in der ganzen Welt herzustellen, und in dieser Sache eine sehr stürmische Tätigkeit entfaltete. Der Talmud erzählt darüber eine lange Geschichte und sagt, dass der Höchste es so fügte, dass ihm die Haare am Körper ausfielen, seine Haare abschor, und der Mensch kraftlos wurde. Menschen, die sich mit irgendeiner Magie und allerlei Unreinem beschäftigen, haben ebenfalls oft mit Haaren zu tun; Haare galten seit alters als Wohnort von etwas Unreinem. Aber in diesem Fall geht es nicht darum. Der Mensch, der sich eingemischt hat, wo er nicht sollte, der Grenzen verletzt hat, lernt, Grenzen neu zu bauen. Von allem, was an ihm gewachsen ist in der Zeit, als er von der Krankheit befallen war, muss er sich befreien. Als wir sagten, dass der Befall mit Zara'at selbst, dass er gleichsam eine Delle am Körper ist, so ist das ebenfalls eine Art Zusammenpressen des Menschen in seinen Grenzen. Deshalb schert der Mensch bei der Reinigung die Haare ab, wäscht wieder seine Kleidung und badet wieder seinen schon geschorenen Körper, der jener Aggressivität beraubt ist, jener negativen Kraft, die nach außen drängt, und wird rein.
וּבַיּוֹם הַשְּׁמִינִי יִקַּח שְׁנֵי־כְבָשִׂים תְּמִימִים וְכַבְשָׂה אַחַת בַּת־שְׁנָתָהּ תְּמִימָה וּשְׁלֹשָׁה עֶשְׂרֹנִים סֹלֶת מִנְחָה בְּלוּלָה בַשֶּׁמֶן וְלֹג אֶחָד שָׁמֶן׃
uwajóm hascheminí jikkách schene-chewassím temimím wechawsá achát bat-schenatá temimá uschloschá esroním sólet minchá belulá waschémen welóg echád schámen
10 Und am achten Tag wird er zwei reine, makellose Lämmer nehmen und ein einjähriges makelloses Schaf und drei Zehntel Efa Mehl Solet (Mehl ohne Beimischungen, von höchster Qualität), das wird eine Mincha sein (Speiseopfer, Gabe), vermischt mit Öl, und noch ein Log Öl.
Ein Log – das sind 0,35 Liter. Also, der zu Reinigende muss zwei Lämmer bringen. Das eine Lamm wird zum Opfer Ascham (Schuldopfer), das zweite Lamm zum Opfer Ola (Ganzopfer). Das Schäfchen, der einzige Fall, in dem eindeutig ein Tier weiblichen Geschlechts als Opfer dargebracht wird – das ist das Chatat (Reinigungsopfer), das ein einzelner Mensch bringt (darüber steht in Kapitel 4 unseres Buches geschrieben). Und zusammen mit jedem der Opfer muss er eine Mincha (Speiseopfer) bringen. Das ist ebenfalls der einzige Fall, in dem ein Speiseopfer zusammen mit dem Opfer Ascham dargebracht wird. Warum? Weil das Brot in diesem Fall die Äußerung des Leibes des Menschen symbolisiert: das Wort Brot (léchem) kann man auch als das Wort Leib und als das Wort Fleisch übersetzen.
וְהֶעֱמִיד הַכֹּהֵן הַמְטַהֵר אֵת הָאִישׁ הַמִּטַּהֵר וְאֹתָם לִפְנֵי יְהוָה פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃
wehe'emíd hakkohén hamtahér et ha'ísch hammittahér we'otám lifné adonáj pétach óhel mo'éd
11 Und der reinigende Kohen wird den zu reinigenden Menschen und seine Opfer beim Eingang des Zeltes der Begegnung nehmen.
Das heißt, der Kohen nimmt den Menschen mit seinen zwei Lämmern und mit dem Schaf und führt sie zum Eingang des Zeltes der Begegnung.
וְלָקַח הַכֹּהֵן אֶת־הַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד וְהִקְרִיב אֹתוֹ לְאָשָׁם וְאֶת־לֹג הַשָּׁמֶן וְהֵנִיף אֹתָם תְּנוּפָה לִפְנֵי יְהוָה׃
welakách hakkohén et-hakkéwes ha'echád wehikríw otó le'aschám we'et-lóg haschámen weheníf otám tenufá lifné adonáj
12 Und der Kohen nahm ein Lamm und brachte es als Schuldopfer dar und nahm ein Log Öl und erhob (hob hoch) sie vor dem HERRN.
Also, die Prozedur der Reinigung beginnt mit dem Schuldopfer – dem Opfer für eine bewusste Sünde.
וְשָׁחַט אֶת־הַכֶּבֶשׂ בִּמְקוֹם אֲשֶׁר יִשְׁחַט אֶת־הַחַטָּאת וְאֶת־הָעֹלָה בִּמְקוֹם הַקֹּדֶשׁ כִּי כַּחַטָּאת הָאָשָׁם הוּא לַכֹּהֵן קֹדֶשׁ קָדָשִׁים הוּא׃
weschachát et-hakkéwes bimkóm aschér jischchát et-hachattát we'et-ha'olá bimkóm hakkódesch ki kachattát ha'aschám hu lakkohén kódesch kadaschím hu
13 Und er schlachtete das Lamm am gewöhnlichen Ort, wo man das Chatat und das Ganzopfer schlachtet, an heiligem Ort, denn nur der Kohen wird sie essen – heilig für den Heiligen sind sieIm Original steht wörtlich „heilig für den Heiligen sind sie“. Ob mit „dem Heiligen“ der Kohen oder das Heilige gemeint ist, bleibt offen; die Übersetzung folgt dem Wortlaut..
Warum heißt es hier am gewöhnlichen Ort, wo man schlachtet, Chatat und Ola? Später werden wir lesen, dass man mit dem Blut dieses Opfers nicht so verfährt wie mit dem Blut eines gewöhnlichen Opfers. Und deshalb könnten wir denken, dass es auch irgendwo an einem anderen Ort geschlachtet wird, nicht dort, wo gewöhnlich, und deshalb spricht die Tora so ausführlich, bis in Kleinigkeiten, darüber.
וְלָקַח הַכֹּהֵן מִדַּם הָאָשָׁם וְנָתַן הַכֹּהֵן עַל־תְּנוּךְ אֹזֶן הַמִּטַּהֵר הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן יָדוֹ הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן רַגְלוֹ הַיְמָנִית׃
welakách hakkohén middám ha'aschám wenatán hakkohén al-tenúch ózen hammittahér hajmanít we'al-bóhen jadó hajmanít we'al-bóhen ragló hajmanít
14 Und der Kohen nahm vom Blut des Schuldopfers, und der Kohen trug es auf das Läppchen des rechten Ohres des zu Reinigenden auf und auf den Daumen seiner rechten Hand und auf die große Zehe seines rechten Fußes.
Im Kommentar zu Vers 23 von Kapitel 8 unseres Buches haben wir besprochen, warum man gerade auf diese Weise mit dem Blut des Opfers verfährt, als Mosche die Kohanim weihte. Den Menschen reinigt man, man hebt ihn auf die Stufe der Heiligkeit, und alles beginnt mit dem Blut. Der Mensch wird zuerst mit Blut gesalbt, das Blut des Opfers auf ihm reinigt ihn von der Unreinheit. Zuerst muss er vom Zustand unrein in den Zustand neutral übergehen, und danach wird man ihm eine kleine Brücke der Heiligkeit bauen.
וְלָקַח הַכֹּהֵן מִלֹּג הַשָּׁמֶן וְיָצַק עַל־כַּף הַכֹּהֵן הַשְּׂמָאלִית׃
welakách hakkohén millóg haschámen wejazák al-káf hakkohén hassemalít
15 Und der Kohen nahm vom Log (Maß) Öl und goss es auf die Handfläche der linken Hand des Kohen.
Warum wiederholt die Tora zweimal Kohen? Damit wir nicht denken, dass der Kohen das Öl auf die linke Hand des zu Reinigenden gießen wird; in Wirklichkeit gießt er es um. Das Umgießen des Öls „belebt“ es gleichsam, und das Öl symbolisiert schon den inneren Bestandteil des Menschen. Wenn das Blut das Leben des Menschen wiederherstellt, das Blut mit den Lebenskräften verbunden ist, dann symbolisiert das Öl die Gesundheit, die Fähigkeit, sich in der Gesellschaft aufzuhalten, es gibt dem Körper Säfte. Der Kohen gießt es auf die Handfläche der linken Hand um. Wie viel Öl passt auf die Handfläche einer Hand? Nicht gar so viel, viel weniger als ein Log (0,35 Liter). Der übrige Teil des Öls wird dem Kohen als Gabe gehören, das ist sein Anteil.
וְטָבַל הַכֹּהֵן אֶת־אֶצְבָּעוֹ הַיְמָנִית מִן־הַשֶּׁמֶן אֲשֶׁר עַל־כַּפּוֹ הַשְּׂמָאלִית וְהִזָּה מִן־הַשֶּׁמֶן בְּאֶצְבָּעוֹ שֶׁבַע פְּעָמִים לִפְנֵי יְהוָה׃
wetawál hakkohén et-ezbaó hajmanít min-haschémen aschér al-kappó hassemalít wehissá min-haschémen be'ezbaó schéwa pe'amím lifné adonáj
16 Mit dem Zeigefinger der rechten Hand nimmt der Kohen das Öl von der Handfläche der linken Hand und sprengt sieben Mal mit dem Öl vor dem Höchsten.
Im Hebräischen wird mit dem Wort ézba gerade der Zeigefinger bezeichnet.
וּמִיֶּתֶר הַשֶּׁמֶן אֲשֶׁר עַל־כַּפּוֹ יִתֵּן הַכֹּהֵן עַל־תְּנוּךְ אֹזֶן הַמִּטַּהֵר הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן יָדוֹ הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן רַגְלוֹ הַיְמָנִית עַל דַּם הָאָשָׁם׃
umijéter haschémen aschér al-kappó jittén hakkohén al-tenúch ózen hammittahér hajmanít we'al-bóhen jadó hajmanít we'al-bóhen ragló hajmanít al dam ha'aschám
17 Und die Reste des Öls, die auf seiner Hand sind, wird der Kohen auf das rechte Ohr des zu Reinigenden geben und auf den Daumen seiner rechten Hand und auf die große Zehe seines rechten Fußes, über
dem Blut des Opfers Ascham.
Ich wiederhole, dass das Blut das Leben des Menschen symbolisiert, und das Öl symbolisiert das, womit dieses Leben gefüllt wird: Gesundheit, den Wunsch zu leben und so weiter.
וְהַנּוֹתָר בַּשֶּׁמֶן אֲשֶׁר עַל־כַּף הַכֹּהֵן יִתֵּן עַל־רֹאשׁ הַמִּטַּהֵר וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן לִפְנֵי יְהוָה׃
wehannotár baschémen aschér al-káf hakkohén jittén al-rósch hammittahér wechippér aláw hakkohén lifné adonáj
18 Den übrigen Teil des Öls, das auf der Hand des Kohen ist, wird er auf den Kopf des zu Reinigenden gießen, damit wird ihn der Kohen vor dem HERRN sühnen.
Also, wiederholen wir den ganzen Vorgang: Der Kohen nimmt das Öl, gießt es in die Handfläche der linken Hand um und sprengt mit dem Zeigefinger der rechten Hand zuerst vor dem Höchsten, dann salbt er das Läppchen des rechten Ohres, den Daumen der rechten Hand, die große Zehe des rechten Fußes – genauso wie bei der Weihe der Kohanim. Dadurch wird dem Menschen eine kleine Brücke zur Heiligkeit gebaut. Längst nicht immer lädt man uns ein oder erhebt uns sofort in die Heiligkeit. Hier öffnet sich dem Menschen ein Pfad, öffnet sich ein Weg zur Heiligkeit. Er kann ihn gehen oder nicht gehen, das ist seine Wahlfreiheit. Das heißt, von diesem Moment an erhält der Mensch Zugang, einen Passierschein ins Heilige, und nur von seiner Entscheidung hängt es ab, ob er diesen Passierschein nutzt.
וְעָשָׂה הַכֹּהֵן אֶת־הַחַטָּאת וְכִפֶּר עַל־הַמִּטַּהֵר מִטֻּמְאָתוֹ וְאַחַר יִשְׁחַט אֶת־הָעֹלָה׃
we'assá hakkohén et-hachattát wechippér al-hammittahér mittum'ató we'achár jischchát et-ha'olá
19 Und der Kohen brachte das Reinigungsopfer dar und sühnte den zu Reinigenden von seiner Unreinheit, und danach bringt er das Ganzopfer dar.
Ich erinnere daran, dass das Verb lechaté, von dem das Wort Chatat abstammt, Sterilisation, Reinigung bedeutet. Wenn der Mensch schon gereinigt ist, kann er das Ganzopfer darbringen. Das ist das letzte Opfer in der Reihe der Opfer des von Zara'at zu Reinigenden.
וְהֶעֱלָה הַכֹּהֵן אֶת־הָעֹלָה וְאֶת־הַמִּנְחָה הַמִּזְבֵּחָה וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן וְטָהֵר׃
wehe'elá hakkohén et-ha'olá we'et-hamminchá hammisbécha wechippér aláw hakkohén wetahér
20 Und der Kohen brachte das Ganzopfer und die Mincha auf den Altar hinauf, und der Kohen sühnte ihn und reinigte ihn.
Auf jeder der Etappen gibt es eine Reinigung, auf jeder der Etappen wird ein bestimmter Teil des geheilten Menschen gereinigt. Und wenn alle Opfer dargebracht sind, ist die Reinigung abgeschlossen.
Aber was tun, wenn der Mensch kein Geld hat, keine Mittel, um zwei Widder und ein Schaf darzubringen, und das alles ziemlich teuer ist, und der Mensch sich nach der Quarantäne stark verausgabt hat und nicht einmal Geld für Kleinvieh hat? Darüber lesen wir in Vers 21:
אִם־דַּל הוּא וְאֵין יָדוֹ מַשֶּׂגֶת וְלָקַח כֶּבֶשׂ אֶחָד אָשָׁם לִתְנוּפָה לְכַפֵּר עָלָיו וְעִשָּׂרוֹן סֹלֶת אֶחָד בָּלוּל בַּשֶּׁמֶן לְמִנְחָה וְלֹג שָׁמֶן׃
we'im-dál hu we'én jadó masséget welakách kéwes echád aschám litnufá lechappér aláw we'issarón sólet echád balúl baschémen leminchá welóg schámen
21 Und wenn er arm ist und seine Hand nicht hinreicht – nahm er ein Lamm zum Schuldopfer zur Erhebung, um sich zu sühnen, und ein Issarón (den zehnten Teil eines Efa) Mehl Solet, vermischt mit Öl für die Mincha (Brotgabe), und ein Log Öl.
Der zehnte Teil eines Efa – das sind 2,2 Liter Mehl Solet, Mehl von höchster Qualität. Und was man anstelle eines weiteren Lammes und anstelle des Schafes nehmen soll, lesen wir in Vers 22:
וּשְׁתֵּי תֹרִים אוֹ שְׁנֵי בְּנֵי יוֹנָה אֲשֶׁר תַּשִּׂיג יָדוֹ וְהָיָה אֶחָד חַטָּאת וְהָאֶחָד עֹלָה׃
uschté torím o schené bené joná aschér tassíg jadó wehajá echád chattát weha'echád olá
22 Und zwei Tauben oder zwei Turteltauben, die er kaufen kann, und eine wird zum Reinigungsopfer sein und eine – zum Ganzopfer.
וְהֵבִיא אֹתָם בַּיּוֹם הַשְּׁמִינִי לְטָהֳרָתוֹ אֶל־הַכֹּהֵן אֶל־פֶּתַח אֹהֶל־מוֹעֵד לִפְנֵי יְהוָה׃
wehewí otám bajóm haschemini letahorató el-hakkohén el-pétach ohel-mo'éd lifné adonáj
23 Und er wird sie am achten Tag seiner Reinigung zum Kohen bringen, zum Eingang des Zeltes der Begegnung vor dem HERRN.
וְלָקַח הַכֹּהֵן אֶת־כֶּבֶשׂ הָאָשָׁם וְאֶת־לֹג הַשָּׁמֶן וְהֵנִיף אֹתָם הַכֹּהֵן תְּנוּפָה לִפְנֵי יְהוָה׃
welakách hakkohén et-kéwes ha'aschám we'ét-lóg haschámen weheníf otám hakkohén tenufá lifné adonáj
24 Und der Kohen wird das Lamm des Schuldopfers und das Log Öl nehmen, und der Kohen wird sie hochheben (mit ihnen schwenken) vor dem HERRN.
וְשָׁחַט אֶת־כֶּבֶשׂ הָאָשָׁם וְלָקַח הַכֹּהֵן מִדַּם הָאָשָׁם וְנָתַן עַל־תְּנוּךְ אֹזֶן־הַמִּטַּהֵר הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן יָדוֹ הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן רַגְלוֹ הַיְמָנִית׃
weschachát et-kéwes ha'aschám welakách hakkohén middám ha'aschám wenatán al-tenúch osen-hammittahér hajmanít we'al-bóhen jadó hajmanít we'al-bóhen ragló hajmanít
25 Und er wird das Lamm des Schuldopfers schlachten und vom Blut des Schuldopfers nehmen und das Läppchen des rechten Ohres des zu Reinigenden salben, den Daumen der rechten Hand und die große Zehe des rechten Fußes.
וּמִן־הַשֶּׁמֶן יִצֹק הַכֹּהֵן עַל־כַּף הַכֹּהֵן הַשְּׂמָאלִית׃
umin-haschémen jizók hakkohén al-káf hakkohén hassemalít
26 Und vom Öl wird der Kohen auf die Handfläche der linken Hand des Kohen gießen.
וְהִזָּה הַכֹּהֵן בְּאֶצְבָּעוֹ הַיְמָנִית מִן־הַשֶּׁמֶן אֲשֶׁר עַל־כַּפּוֹ הַשְּׂמָאלִית שֶׁבַע פְּעָמִים לִפְנֵי יְהוָה׃
wehissá hakkohén be'ezbaó hajmanít min-haschémen aschér al-kappó hassemalít schéwa pe'amím lifné adonáj
27 Und der Kohen wird mit dem Finger seiner rechten Hand vom Öl, das auf seiner linken Handfläche ist, sieben Mal vor dem HERRN sprengen.
Alles genauso wie im vorigen Fall. Der Kohen pfuscht nicht, macht sich keinerlei Erleichterungen. Der Mensch, der zu ihm gekommen ist, ist nicht nur von Zara'at geheilt, sondern er ist obendrein auch noch arm. Und obwohl er kein Geld für Lämmer hat und für den Kohen dabei wenig abfällt, macht der Kohen doch ehrlich seine Arbeit.
וְנָתַן הַכֹּהֵן מִן־הַשֶּׁמֶן אֲשֶׁר עַל־כַּפּוֹ עַל־תְּנוּךְ אֹזֶן הַמִּטַּהֵר הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן יָדוֹ הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן רַגְלוֹ הַיְמָנִית עַל־מְקוֹם דַּם הָאָשָׁם׃
wenatán hakkohén min-haschémen aschér al-kappó al-tenúch ózen hammittahér hajmanít we'al-bóhen jadó hajmanít we'al-bóhen ragló hajmanít al-mekóm dam ha'aschám
28 Und der Kohen wird vom Öl, das auf seiner Hand ist, auf das rechte Ohrläppchen des zu Reinigenden geben und auf den Daumen seiner rechten Hand und auf die große Zehe seines rechten Fußes, an die Stelle, wo das Blut des Schuldopfers ist.
וְהַנּוֹתָר מִן־הַשֶּׁמֶן אֲשֶׁר עַל־כַּף הַכֹּהֵן יִתֵּן עַל־רֹאשׁ הַמִּטַּהֵר לְכַפֵּר עָלָיו לִפְנֵי יְהוָה׃
wehannotár min-haschémen aschér al-káf hakkohén jittén al-rósch hammittahér lechappér aláw lifné adonáj
29 Und das übrige Öl, das auf der Handfläche des Kohen ist, wird er auf den Kopf des zu Reinigenden gießen, um ihn vor dem HERRN zu reinigen.
וְעָשָׂה אֶת־הָאֶחָד מִן־הַתֹּרִים אוֹ מִן־בְּנֵי הַיּוֹנָה מֵאֲשֶׁר תַּשִּׂיג יָדוֹ׃
we'assá et-ha'echád min-hattorím o min-bené hajoná me'aschér tassíg jadó
30 Und er wird eine von den Tauben oder Turteltauben nehmen, wie er kaufen kann,
אֵת אֲשֶׁר־תַּשִּׂיג יָדוֹ אֶת־הָאֶחָד חַטָּאת וְאֶת־הָאֶחָד עֹלָה עַל־הַמִּנְחָה וְכִפֶּר הַכֹּהֵן עַל הַמִּטַּהֵר לִפְנֵי יְהוָה׃
et ascher-tassíg jadó et-ha'echád chattát we'et-ha'echád olá al-hamminchá wechippér hakkohén al hammittahér lifné adonáj
31 Wie er kaufen kann, eine wird er zum Reinigungsopfer machen und eine wird er zum Ganzopfer machen, zusammen mit der Mincha (Brotgabe). Und so wird der Kohen den zu Reinigenden vor dem HERRN sühnen.
אֵת אֲשֶׁר־תַּשִּׂיג יָדוֹ אֶת־הָאֶחָד חַטָּאת וְאֶת־הָאֶחָד עֹלָה עַל־הַמִּנְחָה וְכִפֶּר הַכֹּהֵן עַל הַמִּטַּהֵר לִפְנֵי יְהוָה׃
sot torát ascher-bó néga zará'at aschér lo-tassíg jadó betahorató
32 Das ist die Lehre über den von Zara'at Befallenen, der nicht genug Mittel hat, um seine Reinigung zu bezahlen.
Wir sehen, dass ein von Zara'at befallener Mensch kein verlorener Mensch ist; der Höchste schlägt, um wiederherzustellen. Der Kohen sorgt für ihn ganz am Anfang seines Weges, wenn er für befallen erklärt wird, wenn sich bei ihm diese Krankheit gerade erst zeigt. Der Kohen sorgt für den Befallenen und geht zu ihm hinaus außerhalb des Lagers, um ihn zu reinigen. Der Befallene erhält die Möglichkeit, sich zu reinigen, selbst wenn ihm dafür die Mittel fehlen. Der Höchste sorgt für die Sündigenden, bei Ihm gibt es keine verlorenen Seelen, keine Seelen außerhalb Seiner Fürsorge. Und der Kohen ist angewiesen, bereit zu sein, über die Grenzen des Lagers hinauszugehen, Darbringungen zu vollziehen, die Reinigung außerhalb der Grenzen des Lagers zu vollziehen, angewiesen, bereit zu sein, sich mit jeder kranken Seele abzumühen. Und auch für den Kohen darf es keine unnötigen und nutzlosen Seelen geben. Wahrscheinlich ist das die wichtigste Lektion von Kapitel 14.
Ein Haus zu führen ist kein Bastschuhflechten
Wajikra 14,33–57
Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Mezora fort. Wir haben schon über verschiedene Arten von Zara'at gelesen, die es am Menschen und an seiner Kleidung gibt, und werden weiter über noch eine Art des Befalls lesen.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל־אַהֲרֹן לֵאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché we'el-aharón lemór
33 Und der HERR redete mit Mosche und Aharon und sagte:
כִּי תָבֹאוּ אֶל־אֶרֶץ כְּנַעַן אֲשֶׁר אֲנִי נֹתֵן לָכֶם לַאֲחֻזָּה וְנָתַתִּי נֶגַע צָרַעַת בְּבֵית אֶרֶץ אֲחֻזַּתְכֶם׃
ki tawó'u el-érez kena'án aschér aní notén lachém la'achusá wenatattí néga zará'at bewét érez achusatchém
34 „Wenn ihr in das Land Kanaan kommt, das Ich euch zum Besitz gebe, dann werde Ich den Befall Zara'at auf eure Häuser schicken am Ort eures Erbes.
Im Land Israel, in dem Land, in das das Volk kommen wird, wird es noch eine Art von Zara'at geben, die nicht nur Menschen und Kleidung befallen wird, sondern auch Häuser. Sehr viele verschiedene Theorien gibt es über die Reihenfolge: Beginnt es mit dem Haus, dann – die Kleidung, dann – der Mensch, oder beginnt es mit dem Menschen, dann – die Kleidung, dann – das Haus? Ich neige mehr dazu, es so zu verstehen, dass der Höchste den Menschen schrittweise warnt und sich dabei an sein Fleisch heranarbeitet, und zuallererst erscheint die Zara'at am Haus des Menschen.
Darüber, was in diesem Fall geschieht, wird nun die Rede sein.
וּבָא אֲשֶׁר־לוֹ הַבַּיִת וְהִגִּיד לַכֹּהֵן לֵאמֹר כְּנֶגַע נִרְאָה לִי בַּבָּיִת׃
uwá ascher-ló habbájit wehiggíd lakkohén lemór kenéga nir'á li babbájit
35 Und der, dem das Haus gehört, wird kommen und dem Kohen sagen: „Etwas, das einem Befall ähnlich ist, hat sich an meinem Haus gezeigt.“
Warum sagt er nicht: „Ein Befall hat sich an meinem Haus gezeigt“, sondern sagt: „Etwas, das ihm ähnlich ist“? Weil er sich nicht selbst behandelt: nur der Kohen kann eine solche Diagnose stellen wie Néga, wie Befall, deshalb sagt er auch zum Kohen: „Bei mir besteht der Verdacht auf Néga. Bitte führe eine Diagnose durch.“
וְצִוָּה הַכֹּהֵן וּפִנּוּ אֶת־הַבַּיִת בְּטֶרֶם יָבֹא הַכֹּהֵן לִרְאוֹת אֶת־הַנֶּגַע וְלֹא יִטְמָא כָּל־אֲשֶׁר בַּבָּיִת וְאַחַר כֵּן יָבֹא הַכֹּהֵן לִרְאוֹת אֶת־הַבָּיִת׃
weziwwá hakkohén ufinnú et-habbájit betérem jawo hakkohén lir'ót et-hannéga weló jitmá kol-aschér babbájit we'áchar ken jawó hakkohén lir'ót et-habbájit
36 Und der Kohen gebot, und man räumte das ganze Haus leer (das heißt, man trug alles aus dem Haus hinaus), bevor der Kohen kommt, um diesen Befall zu sehen, damit nicht alles unrein wird, was sich im Haus befindet. Und danach wird der Kohen kommen, um das Haus anzusehen.
Und was wird sein, wenn das, was sich im Haus befindet, unrein wird? Jedes Gefäß, das unrein wird – aus Kupfer, aus Glas, aus Zinn, aus Holz – kann man ins Wasser tauchen, und es wird rein sein; ein Bett, das unrein wird, kann man ins Wasser tauchen, und es wird rein; eine Matratze kann man ebenfalls eintauchen, trocknen, und sie wird rein sein. Was von dem, was sich im Haus befindet, wird man ganz sicher auf keine Weise reinigen können? Das sind die Tontöpfe: Wenn sie unrein werden, kann man sie nur zerschlagen, weil Ton porös ist und Stoffe in sich aufsaugt, aber das ist ein physischer Grund. Es gibt noch einen geistigen Grund, der ebenfalls seine Wurzel in der physischen Welt hat: Ein Holzgefäß kann man beschneiden, in einen anderen Gegenstand verwandeln – aus einem Topf einen Löffel schnitzen oder etwas anderes. Ein Keramikgefäß kann man in nichts umarbeiten. Kupfer kann man umschmelzen, und Zinn kann man umschmelzen, und Glas kann man umschmelzen, aber gebrannter Ton – das ist schon endgültig. Genauso wie er sich in der physischen Welt nicht umarbeiten lässt, lässt er sich auch in der geistigen Welt nicht umarbeiten. Damit ein Mensch sich verändert, sollte er auch nicht zu einer Tonscherbe werden.
Also, der Kohen gebietet, alles aus dem Haus herauszuholen, bevor er ins Haus kommt, damit es nicht unrein wird. Und warum auf einmal eine solche Fürsorge? Na, die Tontöpfe, Teller, wenn sie unrein werden, dann kauft der Mensch neue, zerschlägt diese – na wenn schon, was für ein Kummer: Der Preis von Tongefäßen sind manchmal ein paar Kopeken. Man kann sagen, dass das das Mitgefühl der Tora mit dem Besitz des Menschen ist. Es gibt ein solches Verständnis, dass die Tora oft Fürsorge für den Besitz des Menschen zeigt (wir haben darüber in Bezug auf die Kleidung gesprochen). Aber es gibt noch einen wichtigen Aspekt: Man sollte die Unreinheit nicht vermehren. Wenn irgendwelche Gegenstände unrein werden, und selbst wenn wir sie danach reinigen, dann ist das nicht sehr gut. Es ist nicht sehr gut, dass die Menge der Unreinheit in der Welt zunimmt, deshalb, wenn man das vermeiden kann, indem man vorher alle Gefäße nach draußen herausholt, dann ist das gut und nützlich.
Wenn der Kohen kommt, werden alle Sachen schon draußen sein. Das bedeutet auch, dass die Leute schauen werden: „Aha… ein Fleischwolf! Und er hat mir letzte Woche gesagt, ich habe ihn gebeten, mir den Fleischwolf zu leihen, und er hat mir gesagt, dass er keinen hat. Aha… ein Buch über Harry Potter! Und ich dachte, er ist ein anständiger Mensch, und er liest so was da“, na und so weiter. Man wird den Besitz des Menschen betrachten können: Wie auch er (wenn wir von laschón hará, von übler Nachrede sprechen) jemandes schmutzige Wäsche zur Schau gestellt hat, so wird auch er es erleben müssen, dass sein ganzes Privatleben zur Schau gestellt wird, bis der Kohen kommt.
וְרָאָה אֶת־הַנֶּגַע וְהִנֵּה הַנֶּגַע בְּקִירֹת הַבַּיִת שְׁקַעֲרוּרֹת יְרַקְרַקֹּת אוֹ אֲדַמְדַּמֹּת וּמַרְאֵיהֶן שָׁפָל מִן־הַקִּיר׃
wera'á et-hannéga wehinne hannéga bekirót habbájit scheka'arurót jerakrakkót o adamdammót umar'ehén schafál min-hakkír
37 Und er sah den Befall, und siehe, dieser Befall ist an den Wänden des Hauses, wie eine Delle, grünlich oder rötlich.
Das Wort scheka'arurót kommt im Tanach nur hier vor, und, wie es in einem solchen Fall ist, ist es schwer zu verstehen, was es bedeutet, wir können nur aufgrund ähnlicher Wörter raten. Einige sagen, dass es rau bedeutet, andere sagen, dass es nass, sickernd bedeutet. Es gibt noch die Meinung, dass es in einer Ecke befindlich oder in den Ecken bedeutet. Ein solches Verständnis ist auch relevant, denn an einem runden Haus kann es keine Zara'at geben, alle runden Linien sind mit der Natur verbunden, sie sind natürlich. Bei vielen Völkern gibt es runde Behausungen, die gerade aufgrund der Nähe dieser Völker zur Natur gebaut sind. Mit ihrer Entwicklung gehen die Völker zu geraden Linien über (so sagen die jüdischen Weisen), und die menschliche Behausung wird schon nach geraden Linien gebaut. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Höchsten, im „Orchester des Universums“, spielt der Höchste den Part der runden Linien, und der Mensch spielt den Part der geraden Linien, und wenn sie in der menschlichen Welt, im Menschen, zum Zusammenklang kommen, dann wird sich in den geraden Linien der Schöpfer offenbaren.
Kehren wir zur Beschreibung des Befalls zurück. Jerakrakkót o adamdammót (grünlich oder rötlich) – das ist die zehnte Art des Befalls. Vom Anfang des Wochenabschnitts Tasria an haben wir gelesen, dass es sechs Arten des Befalls am Körper des Menschen gab: se'ét (Schwellung), sapáchat (Flechte), bahéret (Fleck), schechín (Geschwür), nétek (Grind), maritá (Haarausfall) am Kopf. Und ebenso drei Arten des Befalls außerhalb des Körpers des Menschen: an Wollkleidung, an Leinenkleidung, an Lederkleidung. Hier lesen wir über den vierten Befall außerhalb des Körpers des Menschen – den Befall der Wände des Hauses. Und natürlich drängt sich eine Parallele zu den Zehn Geboten auf: Wenn der Mensch eines der Zehn Gebote nicht hält, ereilt ihn der Befall Zara'at.
Es gibt eine sehr wichtige Nuance darin, wie der Kohen das Haus untersucht, davon spricht die Tradition. Die meisten Häuser waren in jenen Zeiten klein und innen halbdunkel, die Menschen konnten kein Haus bauen, in dem viel Licht ist, da ein großes Fenster große Ausgaben für die Heizung bedeutete. Und wenn im Haus Halbdunkel ist, dann entsteht die Frage: Muss man die Fenster öffnen, um mehr Licht ins Haus zu lassen, um besser hinzusehen? Muss der Kohen, wenn man es in heutige Verhältnisse übersetzt, mit einem Ultraschall-Defektoskop kommen, mit einem Festigkeitsmesser (einem Schmidt-Hammer), mit einem Bewehrungsanalysator, mit einem Betonhärteprüfer, und die Wände auf ihre Qualität prüfen? Oder untersucht er das Haus unter den Bedingungen, unter denen der Mensch lebt? Und das Gesetz sagt, dass der Kohen das Haus unter den Bedingungen untersuchen muss, unter denen der Mensch lebt, bei derselben Beleuchtung: Wenn im Haus Halbdunkel ist, dann im Halbdunkel. Wir sollen nicht mit Laternen, mit Mikroskopen, mit Defektoskopen kommen, um im Menschen Sünde aufzuspüren. Wenn der Befall ihm unter seinen Lebensbedingungen sichtbar wurde, dann ist das eine Sünde, die auf seiner Ebene sichtbar ist.
Es gibt eine interessante Erzählung bei Jonathan Swift in seinen „Gullivers Reisen“, als Gulliver in das Land der Riesen gerät. Und dort leben Männer und Frauen von gewaltigem Wuchs, und die Frauen sind wahrscheinlich schön. Aber weil Gulliver selbst so groß ist wie eine Pore ihrer Haut, scheint es ihm, dass sie Gestank verbreiten, dass sie unrein sind. Und die Herangehensweise der Tora lehrt uns, aus denen, die der Kohen zu heilen versucht, keine Riesen zu machen, keine speziellen Instrumente zur Entdeckung des Befalls zu verwenden. Der Kohen untersucht das, was für den im Haus Wohnenden mit bloßem Auge sichtbar ist, und keinerlei technische Mittel. Und genauso, wenn die Sünde sich im Leben des Menschen zeigt, braucht es keine Mikroskope und Defektoskope, um sie größer zu sehen, als sie sich gezeigt hat. Man muss das heilen, was sich gezeigt hat.
Also, der Kohen hat diesen Befall gesehen.
וְיָצָא הַכֹּהֵן מִן־הַבַּיִת אֶל־פֶּתַח הַבָּיִת וְהִסְגִּיר אֶת־הַבַּיִת שִׁבְעַת יָמִים׃
wejazá hakkohén min-habbájit el-pétach habbájit wehisgír et-habbájit schiw'át jamím
38 Und der Kohen ging aus dem Haus hinaus zum Eingang des Hauses und verschloss das Haus für sieben Tage.
Der Kohen muss aus dem Haus hinausgehen, bevor er irgendeine Entscheidung trifft: Wenn der Kohen das Haus für unrein erklärt, während er selbst sich noch im Haus befindet, dann wird auch der Kohen unrein. Wenn wir jemandes Unreinheit feststellen, müssen wir uns in diesem Moment als getrennt von dem begreifen, dessen Unreinheit wir feststellen.
וְשָׁב הַכֹּהֵן בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי וְרָאָה וְהִנֵּה פָּשָׂה הַנֶּגַע בְּקִירֹת הַבָּיִת׃
wescháw hakkohén bajom haschewi'í wera'á wehinné passá hannéga bekirót habbájit
39 Und der Kohen kehrte am siebten Tag zurück, und siehe, der Befall hatte sich an den Wänden des Hauses ausgebreitet.
Das Haus ist also doch offensichtlich von Zara'at befallen, und die Frage ist, wie tief. Hier geschieht der erste chirurgische Eingriff.
וְצִוָּה הַכֹּהֵן וְחִלְּצוּ אֶת־הָאֲבָנִים אֲשֶׁר בָּהֵן הַנָּגַע וְהִשְׁלִיכוּ אֶתְהֶן אֶל־מִחוּץ לָעִיר אֶל־מָקוֹם טָמֵא׃
weziwwá hakkohén wechillezú et-ha'awaním aschér bahén hannága wehischlíchu ethén el-michúz la'ír el-makóm tamé
40 Und der Kohen gebot, und man holte die Steine heraus, die befallen sind (zuerst Chirurgie), und warf sie außerhalb der Stadt an einen unreinen Ort.
Hier wirft man die Steine nicht außerhalb des Lagers hinaus, sondern außerhalb der Stadt, weil das nicht jetzt geschieht, so wird es erst im Land Kanaan sein.
Unreiner Ort – es gibt irgendeinen Ort außerhalb der Stadt, wo eine Müllhalde unreiner Dinge sein wird, die keiner Reinigung bedürfen. Dort liegen sie dann, und wer dort nichts zu suchen hat, geht nicht dorthin.
וְאֶת־הַבַּיִת יַקְצִעַ מִבַּיִת סָבִיב וְשָׁפְכוּ אֶת־הֶעָפָר אֲשֶׁר הִקְצוּ אֶל־מִחוּץ לָעִיר אֶל־מָקוֹם טָמֵא׃
we'et-habbájit jakzía mibbájit sawíw weschafechú et-he'afár aschér hikzú el-michúz la'ír el-makóm tamé
41 Und das Haus wird man ringsum vom Putz säubern (abreißen), und den ganzen abgerissenen Putz wird man außerhalb der Stadt hinauswerfen, an einen unreinen Ort.
Das heißt, als erste chirurgische Maßnahme gegenüber dem befallenen Haus nimmt man gerade die befallenen Steine heraus (entfernt die befallenen Organe des Hauses), wirft sie hinaus und den ganzen Putz. Der Putz – das ist das, was das Haus zu einem einheitlichen Ganzen macht, man kann sagen, das ist die Haut des Hauses, denn der Putz kleidet das Haus, wie die Haut den Menschen kleidet.
וְלָקְחוּ אֲבָנִים אֲחֵרוֹת וְהֵבִיאוּ אֶל־תַּחַת הָאֲבָנִים וְעָפָר אַחֵר יִקַּח וְטָח אֶת־הַבָּיִת׃
welakechú awaním acherót wehewíu el-táchat ha'awaním we'afár achér jikkách wetách et-habbájit
42 Und man nahm andere Steine und legte sie anstelle jener Steine, und er wird anderen Mörtel nehmen und das Haus verputzen.
Das heißt, eine „Prothetik“ des Hauses mit anderen Steinen und anderem Putz.
וְאִם־יָשׁוּב הַנֶּגַע וּפָרַח בַּבַּיִת אַחַר חִלֵּץ אֶת־הָאֲבָנִים וְאַחֲרֵי הִקְצוֹת אֶת־הַבַּיִת וְאַחֲרֵי הִטּוֹחַ׃
we'im-jaschúw hannéga ufarách babbájit achár chilléz et-ha'awaním we'acharé hikzót et-habbájit we'acharé hittóach.
43 Und wenn der Befall zurückkehrt und im Haus aufblüht, nachdem die Steine schon herausgenommen sind und nachdem das Haus vom Putz abgeschabt ist und nachdem es verputzt ist,
וּבָא הַכֹּהֵן וְרָאָה וְהִנֵּה פָּשָׂה הַנֶּגַע בַּבָּיִת צָרַעַת מַמְאֶרֶת הִוא בַּבַּיִת טָמֵא הוּא׃
uwá hakkohén wera'á wehinné passá hannéga babbájit zará'at mam'éret hi babbájit tamé hu
44 Und der Kohen kam und sah, und siehe, der Befall hat sich im Haus ausgebreitet, das heißt, das ist ein bösartiger, ätzender Aussatz im Haus, und es ist unrein.
Wenn nach all diesen Prozeduren der Befall dennoch zurückkehrt und schon keinen akuten, sondern einen chronischen Charakter hat, dann ist dem Haus nicht mehr zu helfen, dann wird schon Euthanasie angewandt, Tötung aus Barmherzigkeit.
וְנָתַץ אֶת־הַבַּיִת אֶת־אֲבָנָיו וְאֶת־עֵצָיו וְאֵת כָּל־עֲפַר הַבָּיִת וְהוֹצִיא אֶל־מִחוּץ לָעִיר אֶל־מָקוֹם טָמֵא׃
wenatáz et-habbájit et-awanáw we'et-ezáw we'et kol-afár habbájit wehozí el-michúz la'ír el-makóm tamé
45 Und er zerstörte (zerschlug, zertrümmerte) das Haus, seine Steine und sein Holz und den ganzen Putz des Hauses, und schaffte das hinaus außerhalb der Stadt, an einen unreinen Ort.
Und das ist ein Zeugnis dafür, dass als Haus, das von Aussatz befallen werden kann, nicht ein Ziegelhaus, nicht ein Plattenbau, nicht ein Betonhaus bezeichnet wird, sondern ein Haus, das aus drei Bestandteilen gemacht ist: Stein, Holz, afár (Staub, Erde, Putz).
Man kann sagen: Gut, wenn ein Ziegelhaus der Zara'at nicht unterliegt, ein Plattenbau der Zara'at nicht unterliegt, dann bauen wir eben genau so ein Haus, und die Zara'at ist für uns nicht schrecklich. Warum bauen Menschen Häuser, die für den Befall offen sein werden? Weil der Mensch Gemeinschaft mit dem Höchsten haben will, selbst wenn es ein Mensch ist, den der Höchste für die Sünden bestraft. Er will, und Er freut sich, der Höchste erwartet die Äußerung der Sündhaftigkeit des Menschen, bevor die Strafe dafür kommt. Soll zuerst das Haus bestraft werden, damit das Haus des Menschen in gewissem Sinn zum Blitzableiter für den Zorn Gottes wird.
וְהַבָּא אֶל־הַבַּיִת כָּל־יְמֵי הִסְגִּיר אֹתוֹ יִטְמָא עַד־הָעָרֶב׃
wehabbá el-habbájit kol-jemé hisgír otó jitmá ad-ha'árew
46 Und wer in dieses Haus hineinging an allen Tagen, als es unter Quarantäne war, den wird es unrein machen bis zum Abend.
Das ist nicht unbedingt der Hausherr – irgendjemand, der hineinging, wer auch immer es war.
וְהַשֹּׁכֵב בַּבַּיִת יְכַבֵּס אֶת־בְּגָדָיו וְהָאֹכֵל בַּבַּיִת יְכַבֵּס אֶת־בְּגָדָיו׃
wehaschochéw babbájit jechabbés et-begadáw weha'ochél babbájit jechabbés et-begadáw
47 Und wer im Haus übernachtete (lag), der muss auch noch seine Kleider waschen, und wer im Haus isst, der wird ebenfalls seine Kleider waschen.
Das ist eine schrecklichere Art der Unreinheit. Warum solche zwei Kategorien – schlafen und essen? Schlafen und essen – das ist das, was zum Wohnen gehört. Dort, wo der Mensch schläft und isst, dort lebt er auch, das heißt, er ist nicht zufällig dort hineingegangen. Deshalb, wenn zum Beispiel Israel Sukkot feiert, gibt der Höchste das Gebot, in der Hütte zu wohnen. Und wie wird dieses Gebot ausgelegt? In der Hütte muss man schlafen, essen und noch eines, was hier nicht erwähnt ist: die Tora lernen. Das Leben des Menschen, das Haus des Menschen – das ist der Ort, wo er schläft, isst und lernt, der Ort wird zum Haus, er braucht eine Mesusa am Eingang, und er hat den Status eines Hauses in allen seinen Bedeutungen.
Weiter lesen wir eine optimistischere Variante der Entwicklung der Ereignisse.
וְאִם־בֹּא יָבֹא הַכֹּהֵן וְרָאָה וְהִנֵּה לֹא־פָשָׂה הַנֶּגַע בַּבַּיִת אַחֲרֵי הִטֹּחַ אֶת־הַבָּיִת וְטִהַר הַכֹּהֵן אֶת־הַבַּיִת כִּי נִרְפָּא הַנָּגַע׃
we'im-bó jawó hakkohén wera'á wehinné lo-fassá hannéga babbájit acharé hittóach et-habbájit wetihár hakkohén et-habbájit ki nirpá hannága
48 Und wenn der Kohen kommt und sah, und siehe, der Befall hat sich nicht im Haus ausgebreitet, nachdem das Haus verputzt ist, so wird der Kohen das Haus reinigen, denn es ist vom Befall geheilt.
Wie wird der Kohen das Haus reinigen?
וְלָקַח לְחַטֵּא אֶת־הַבַּיִת שְׁתֵּי צִפֳּרִים וְעֵץ אֶרֶז וּשְׁנִי תוֹלַעַת וְאֵזֹב׃
welakách lechatté et-habbájit scheté zipporím we'éz éres uschní tolá'at we'esów
49 Und er nahm, um das Haus zu reinigen, zwei Vöglein und einen Span der Zeder und den Karmesinfaden und Ysop.
Das ist das, worüber wir am Anfang von Kapitel 14 gelesen und was wir besprochen haben, im Fall des Menschen, bei dem die Zara'at den Körper befallen hat. Und weiter geht alles nach demselben Plan.
וְשָׁחַט אֶת־הַצִּפֹּר הָאֶחָת אֶל־כְּלִי־חֶרֶשׂ עַל־מַיִם חַיִּים׃
weschachát et-hazzippór ha'echát el-keli-chéres al-májim chajím
50 Und er schlachtete eines der Vöglein über einem Tongefäß, über lebendigem Wasser.
Lebendiges Wasser – das ist Wasser, das aus einer Quelle fließenden Wassers oder aus einem See genommen wird, nicht aus einem anderen Gefäß.
וְלָקַח אֶת־עֵץ־הָאֶרֶז וְאֶת־הָאֵזֹב וְאֵת שְׁנִי הַתּוֹלַעַת וְאֵת הַצִּפֹּר הַחַיָּה וְטָבַל אֹתָם בְּדַם הַצִּפֹּר הַשְּׁחוּטָה וּבַמַּיִם הַחַיִּים וְהִזָּה אֶל־הַבַּיִת שֶׁבַע פְּעָמִים׃
welakách et-ez-ha'éres we'et-ha'esów we'ét schení hattola'at we'ét hazzippor hachajá wetawál otám bedám hazzippór haschechutá uwammájim hachajím wehissá el-habbájit schéwa pe'amím
51 Und er nahm den Span der Zeder und den Ysop und den Karmesinfaden und das lebende Vöglein und tauchte sie in das Blut des geschlachteten Vogels und in das lebendige Wasser (das heißt in die Mischung aus Blut und Wasser), und sprengte sieben Mal in Richtung des Hauses.
Das ist sehr wichtig: Das Haus wird so gereinigt wie das Zelt der Begegnung, denn das Haus ist für den Menschen – im Grunde sein óhel mo'éd, der Ort, an dem der Mensch sich in Heiligkeit verhalten muss. Das Gebot: „Seid heilig, denn Ich bin heilig“ wird zu Hause erfüllt, und das Haus – das ist auch das Heiligtum des Menschen. Wie der Befallene aus dem Heiligen vertrieben wird, so wird auch der Mensch aus seinem Haus vertrieben, verliert sein Heiligtum.
וְחִטֵּא אֶת־הַבַּיִת בְּדַם הַצִּפּוֹר וּבַמַּיִם הַחַיִּים וּבַצִּפֹּר הַחַיָּה וּבְעֵץ הָאֶרֶז וּבָאֵזֹב וּבִשְׁנִי הַתּוֹלָעַת׃
wechitté et-habbájit bedám hazzippór uwammájim hachajím uwazzippór hachajá uw'éz ha'éres uwa'esów uwischní hattolá'at
52 Und er reinigte das Haus mit dem Blut des Vögleins und mit dem lebendigen Wasser und mit dem lebenden Vöglein und mit dem Span vom Holz der Zeder und mit dem Ysop und mit dem Karmesinfaden.
וְשִׁלַּח אֶת־הַצִּפֹּר הַחַיָּה אֶל־מִחוּץ לָעִיר אֶל־פְּנֵי הַשָּׂדֶה וְכִפֶּר עַל־הַבַּיִת וְטָהֵר׃
weschillách et-hazzippór hachajá el-michúz la'ír el-pené hassadé wechippér al-habbájit wetahér
53 Und er schickte das lebende Vöglein hinaus außerhalb der Stadt und sühnte das Haus und reinigte es.
In Bezug auf den Menschen, der von Zara'at befallen ist, ist nicht gesagt außerhalb der Stadt, weil alle Handlungen der Reinigung außerhalb der Stadt geschehen (der Kohen geht ja aus dem Lager hinaus). Hier geschieht alles in der Stadt, aber der Kohen geht zum Rand der Stadt hinaus und schickt dort das Vöglein aufs Feld – seht, wie viel Mühe der Kohen hat.
Und, wie es gewöhnlich ist, wenn ein Thema abgeschlossen wird, erinnert uns die Tora daran, was für ein Thema das war.
זֹאת הַתּוֹרָה לְכָל־נֶגַע הַצָּרַעַת וְלַנָּתֶק׃
sot hattorá lechol-néga hazzará'at welannátek
54 Das ist die Lehre über den Befall der Zara'at, und über den Grind,
וּלְצָרַעַת הַבֶּגֶד וְלַבָּיִת׃
ulzará'at habbéged welabbájit
55 Und über die Zara'at an der Kleidung und am Haus,
וְלַשְׂאֵת וְלַסַּפַּחַת וְלַבֶּהָרֶת׃
welas'ét welassappáchat welabbeháret
56 Und über die Schwellung und über die Flechte und über den Fleck,
לְהוֹרֹת בְּיוֹם הַטָּמֵא וּבְיוֹם הַטָּהֹר זֹאת תּוֹרַת הַצָּרָעַת׃
lehorót bejom hattamé uw'jom hattahór sot torát hazzará'at
57 Um an einem Tag anzuweisen, dass dies das Unreine ist, an einem anderen Tag, dass dies das Reine ist. Das ist die Lehre über die Zara'at.“
Diese Lehre wird gegeben, damit der Kohen an jedem Tag über etwas sagen kann, dass es rein oder unrein ist, bestimmen kann, wo Zara'at ist, wo keine Zara'at ist, und von Zara'at reinigen kann. Und damit der Mensch an einem Tag unrein, an einem anderen Tag rein sein kann, damit der Mensch eine solche Möglichkeit hat, am nächsten Tag oder nach einigen Tagen rein zu werden. Die Aufgabe des Dienstes des Kohen besteht darin, dass der Mensch nicht für die ganze Zeit unrein bleibt, und dafür macht der Kohen diese ganze komplizierte und, auf den ersten Blick, unverständliche Arbeit.
Zeit, allein zu sein
Wajikra 15,1–18
Mit Gottes Hilfe lesen wir, ihr und ich, den Wochenabschnitt Mezora weiter. In Kapitel 15 wird es um ein Thema gehen, über das man gewöhnlich nicht spricht: um die rituelle Reinheit der Geschlechtsorgane und um alles, was damit zusammenhängt. Obwohl dieses Thema in der Gesellschaft als geradezu beschämend gilt und die Menschen nicht miteinander darüber sprechen, rief der Höchste Mosche und Aharon und gebot ihnen, dem Volk eine sehr ausführliche Anweisung zu geben, wie man handeln soll, wenn es irgendwelche ungewöhnlichen Erscheinungen gibt, die mit den Geschlechtsorganen zusammenhängen. Der Höchste Selbst verkündet das, spricht über dieses Thema und macht dadurch dieses Thema nicht mehr so beschämend und durchaus würdig, besprochen zu werden, wenn es in diesem Bereich irgendwelche Probleme gibt.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל־אַהֲרֹן לֵאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché we'el-aharón lemór
1 Und der HERR sprach zu Mosche und Aharon und sagte:
דַּבְּרוּ אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וַאֲמַרְתֶּם אֲלֵהֶם אִישׁ אִישׁ כִּי יִהְיֶה זָב מִבְּשָׂרוֹ זוֹבוֹ טָמֵא הוּא׃
dabberú el-bené jisraél wa'amartém alehém isch isch ki jihjé saw mibbesaró sowó tamé hu
2 „Redet mit dem Volk Israel und sagt ihnen: Ein Mann, wenn er einen Ausfluss aus seinem Fleisch hat, dieser Ausfluss ist unrein.
In diesem Fall bedeutet das Wort basár (Fleisch), das hier verwendet wird, das männliche Glied. Ein solcher Euphemismus wird auch bei den Propheten verwendet. Es geht um einen Ausfluss aus dem Geschlechtsorgan.
וְזֹאת תִּהְיֶה טֻמְאָתוֹ בְּזוֹבוֹ רָר בְּשָׂרוֹ אֶת־זוֹבוֹ אוֹ־הֶחְתִּים בְּשָׂרוֹ מִזּוֹבוֹ טֻמְאָתוֹ הִוא׃
wesót tihjé tum'ató besowó rar besaró et-sowó o-hechtím besaró missowó tum'ató hi
3 Und so wird seine Unreinheit bei seinem Ausfluss sein: wenn dieser Ausfluss wie Schleim aus seinem Fleisch fließt oder sein Fleisch verstopft hat, ist das seine Unreinheit.
Der Ausfluss hat den Samenleiter verstopft, und der Mensch hat Probleme mit dem Samenerguss bei der Intimität mit seiner Frau. Der Ausfluss, von dem hier gesprochen wird, ist kein Samenerguss, es ist irgendein anderer Ausfluss, der nicht mit dem Orgasmus verbunden ist. Die Weisen haben festgelegt, dass es bestimmte Ursachen gibt, die zu einem Ausfluss von Samen führen können, wie zum Beispiel, wenn der Mensch etwas gesehen hat, das ihn erregt hat, an etwas gedacht hat, das ihn erregt hat, also sichtbare, wahrnehmbare Ursachen des Geschehens. Wenn der Mensch weiß, warum er diesen Ausfluss hatte, und man verstehen kann, dass dieser Ausfluss eben Samen ist, dann ist das nicht der Fall, der hier beschrieben ist. Es geht um einen unwillkürlichen Ausfluss aus dem Geschlechtsorgan, der keine sichtbare und klare Erklärung hat. In diesem Zustand ist der Mensch unrein, und er macht seine Umgebung unrein.
כָּל־הַמִּשְׁכָּב אֲשֶׁר יִשְׁכַּב עָלָיו הַזָּב יִטְמָא וְכָל־הַכְּלִי אֲשֶׁר־יֵשֵׁב עָלָיו יִטְמָא׃
kol-hammischkáw aschér jischkáw aláw hassáw jitmá wechol-hakkelí ascher-jeschéw aláw jitmá
4 Jede Liegestatt, auf die sich der Absondernde legen wird, wird unrein werden. Und jeder Gegenstand, auf dem er sitzen wird, wird ebenfalls unrein sein.
Gemeint ist eben eine Liegestatt, also etwas, das zum Liegen bestimmt ist (ein Bett, ein Bettlager, ein Federbett, eine Matratze auf dem Boden, ein Schlafsack), und jeder Gegenstand, auf dem er sitzen wird, – all das wird unrein werden. Wenn der Mensch sich auf etwas setzt, das innen einen Hohlraum hat, in den man etwas hineinlegen kann (wie ein Gefäß, ein Topf, eine Vase, eine Kiste), dann wird alles, worauf er sich setzt, all das wird unrein werden.
וְאִישׁ אֲשֶׁר יִגַּע בְּמִשְׁכָּבוֹ יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
we'ísch aschér jiggá bemischkawó jechabbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
5 Und der Mensch, der die Liegestatt berührt, auf der der Absondernde gelegen hat, wird seine Kleider auswaschen und sich im Wasser baden und wird unrein bleiben bis zum Abend.
Wir haben davon gesprochen, dass jeder sich Reinigende, selbst nachdem er sich gebadet hat, unrein bleibt bis zum Abend. Hier sagt uns die Tora, dass nicht nur der Schleim Absondernde unrein ist, er macht alles unrein, was unter ihm ist. Das ist eine solche besondere Form der Unreinheit, die, möglicherweise der Wirkung der Schwerkraft nachgebend oder unter ihrem eigenen Gewicht, nach unten strebt. Deshalb macht er alles unrein, was unter ihm ist. Und der Mensch, der die Liegestatt berührt hat, auf der der Absondernde gelegen hat, hat diese Ansteckung mit Unreinheit übernommen, aber nicht in dem Maß wie der Absondernde selbst, sondern wird unrein sein bis zum Abend.
וְהַיֹּשֵׁב עַל־הַכְּלִי אֲשֶׁר־יֵשֵׁב עָלָיו הַזָּב יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wehajoschéw al-hakkelí ascher-jeschéw aláw hassáw jechabbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
6 Und wer auf dem gesessen hat, worauf der Absondernde gesessen hat, wird dieselbe Reinigung durchlaufen, wird seine Kleider auswaschen und sich im Wasser baden und wird unrein sein bis zum Abend.
וְהַנֹּגֵעַ בִּבְשַׂר הַזָּב יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wehannogé'a biwsár hassáw jechabbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
7 Und wer das Fleisch des Absondernden berührt, wird seine Kleider auswaschen und sich im Wasser baden und wird unrein sein bis zum Abend.
Auch hier wird das Wort basár (Fleisch) verwendet, von dem wir bei Vers 2 gesagt haben, dass es ein Euphemismus zur Bezeichnung des Geschlechtsorgans ist. Wir können aus bestimmten Gründen nicht eindeutig sagen, ob das so ist. Es gibt einen Streit zwischen den Kommentatoren, zwischen den Auslegern, ob hier das Wort basár ebenfalls ein Euphemismus ist und sich auf das Geschlechtsorgan bezieht (obwohl, so scheint es, wozu sollte jemand ein fremdes Geschlechtsorgan berühren?) oder ob damit das Fleisch überhaupt gemeint ist. Warum sich eine solche Frage stellt, werden wir in Vers 11 lesen und erklären.
Also, der Mensch, der das basár des Absondernden berührt, durchläuft dieselbe Reinigung.
וְכִי־יָרֹק הַזָּב בַּטָּהוֹר וְכִבֶּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechi-jarók hassáw battahór wechibbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
8 Und wenn der Absondernde auf einen Reinen spuckt, und er wird seine Kleider auswaschen und sich im Wasser baden und wird unrein sein bis zum Abend.
Gemeint ist nicht, dass der unreine Mensch hingegangen ist und angefangen hat, aus irgendwelchen Gründen auf Vorübergehende zu spucken, Gott bewahre. Das ist eine Situation, in der zwei sich unterhielten und ein Tropfen Speichel aus dem Mund des Unreinen flog und auf seinen Gesprächspartner fiel. Sein Gesprächspartner wird ebenfalls unrein und reinigt sich genau so.
וְכָל־הַמֶּרְכָּב אֲשֶׁר יִרְכַּב עָלָיו הַזָּב יִטְמָא׃
wechol-hammerkáw aschér jirkáw aláw hassáw jitmá
9 Und jeder Sattel, auf dem der Absondernde rittlings sitzen wird, wird ebenfalls unrein sein.
Das kann ein Sattel sein, der auf einem Pferd oder auf einem Esel oder auf einem Kamel verwendet wird, um zu reiten, rittlings zu sitzen (lirków).
וְכָל־הַנֹּגֵעַ בְּכֹל אֲשֶׁר יִהְיֶה תַחְתָּיו יִטְמָא עַד־הָעָרֶב וְהַנּוֹשֵׂא אוֹתָם יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechol-hannogé'a bechól aschér jihjé tachtáw jitmá ad-ha'árew wehannossé otám jechabbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
10 Und jeder, der das berührt, was unter ihm ist, wird unrein sein bis zum Abend, und wer das aufhebt, wird seine Kleider auswaschen und sich im Wasser baden und wird unrein sein bis zum Abend.
Das heißt, selbst wenn unter dem Sattel irgendwelche Kleidungsstücke oder noch etwas anderes waren, werden auch sie unrein, weil diese Unreinheit, wie wir gesagt haben, nach unten geht.
וְכֹל אֲשֶׁר יִגַּע־בּוֹ הַזָּב וְיָדָיו לֹא־שָׁטַף בַּמָּיִם וְכִבֶּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechól aschér jigga-bó hassáw wejadáw lo-schatáf bammájim wechibbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
11 Und jeder, den der Absondernde berührt, ohne seine Hände mit Wasser gewaschen zu haben, wird sich im Wasser baden, seine Kleider auswaschen müssen und wird unrein sein bis zum Abend.
Hier gibt es einen erstaunlichen Zusatz – unrein wird jeder sein, den der Absondernde berührt, der seine Hände nicht gewaschen hat. Und in Vers 7 haben wir gelesen, dass jeder, der berührt, den Absondernden, unrein sein wird, überhaupt ohne jeden Zusammenhang mit den Händen. Eben deshalb entsteht auch die unterschiedliche Lesart in Bezug auf das Wort basár. Wenn wir sagen, dass es in Vers 7 nur um das Geschlechtsorgan geht, dann ist klar, dass der Absondernde etwas mit den Händen berühren wird, und deshalb, wenn er die Hände wäscht, dann wird das genügen. Andere sagen, dass es sowohl dort als auch dort um das Fleisch geht, um das Fleisch als Ganzes. Aber die Hände sind sehr wichtig für den Menschen, sie haben gleichsam einen eigenen Status. Und damit dieser Absondernde die Möglichkeit hat, irgendwie in dieser Welt zu existieren, ist ihm eine solche Gnade gegeben, dass er, nachdem er die Hände gewaschen hat, etwas berühren, Essen für sich oder für andere zubereiten, andere berühren und irgendwelche für ihn allernotwendigsten Arbeiten verrichten kann.
וּכְלִי־חֶרֶשׂ אֲשֶׁר־יִגַּע־בּוֹ הַזָּב יִשָּׁבֵר וְכָל־כְּלִי־עֵץ יִשָּׁטֵף בַּמָּיִם׃
uchli-chéres ascher-jigga-bó hassáw jischawér wechol-keli-éz jischatéf bammájim
12 Und ein Tongefäß, das der Absondernde berührt, soll zerbrochen werden, und jedes Holzgefäß wird im Wasser gewaschen.
Wir haben gesagt, dass die besondere Eigenschaft von Tongefäßen darin besteht, dass man sie weder umschmelzen noch zu etwas anderem umarbeiten kann. Sie sind nicht zu reparieren, deshalb zerbricht man sie nur. Da man sie in der physischen Welt nicht in Ordnung bringen kann, kann man sie auch in der geistigen Welt nicht in Ordnung bringen.
Ich erinnere noch einmal daran, dass nur Tongefäße im Hinblick auf die Unreinheit nicht in Ordnung zu bringen sind, weil sie überhaupt nicht in Ordnung zu bringen sind. Ein Holzgefäß kann man zu etwas umarbeiten, es verändern, deshalb kann es gereinigt werden, und die Tora wiederholt erneut diesen Unterschied.
Aber alles geht einmal zu Ende, und diese Zeit der Ausflüsse endet. Was bedeutet Zeit der Ausflüsse? Wenn es irgendeinen einzelnen Fall gibt, dann wird das in keiner Weise eingeordnet: der Mensch hat etwas einmal gesehen, hat es sich gemerkt und hat begonnen, auf sich zu achten. Wenn der Mensch aber gesehen hat, dass sich die Absonderung wiederholt, sagen wir, zwei- oder dreimal im Lauf von zwei oder drei Tagen, dann ist das schon ein Rückfall, und genau das bedeutet, dass der Mensch Ausflüsse hat.
Noch eine Sache, über die man sprechen muss. Überhaupt niemand weiß davon, dass der Mensch ein solches Problem hat. Zum Kohen geht er nicht, mit den Nachbarn verkehrt er nicht, seine Organe zeigt er niemandem. Nur er allein weiß, dass er unrein ist. Aber wenn er alles um sich herum unrein macht, wird es ihm schwerfallen, sich zu reinigen, und höchstwahrscheinlich kann sich die Reinigung als unmöglich erweisen. Wenn er dabei andere Menschen berührt, mit ihnen Kontakt hält, dann wird er auch andere Menschen unrein machen. Wenn er in einem solchen unreinen Zustand in den Tempel hineingeht, in das Heiligtum hineingeht, dann ist Unheil zu erwarten. Und auf diese Weise liegt seine Reinigung ganz auf seinem Gewissen, wird ganz zu seiner Verantwortung. Deshalb wird eine so ausführliche, sich wiederholende Anweisung gegeben, damit der Mensch sich nicht jedes Mal mit irgendwelchen Feinheiten an Juristen, an die Kohanim wendet. Man hat ihm alles ausführlich aufgeschrieben zur eigenständigen Diagnose. In diesem Fall, im Unterschied zur Zara'at, die nur der Kohen feststellt, in diesem Fall liegt sowohl die Diagnose beim Menschen als auch die Verantwortung für die Heilung beim Menschen, und auch das Nicht-Hinnehmen seiner Unreinheit liegt beim Menschen. Der Höchste hat den Menschen zur Reinheit geneigt gemacht, hat in den Menschen den Wunsch gelegt, rein zu sein, hat dem Menschen das Gebot gegeben: „Seid heilig, denn Ich bin heilig.“ Und deshalb gibt Er ihm die Möglichkeit, selbst seine Reinheit zu kontrollieren.
Auch wir können uns jedes Mal die Frage stellen, inwieweit wir uns irgendeine Unreinheit vergeben, die für andere nicht sichtbar ist, inwieweit wir bereit sind, uns von jener Unreinheit zu reinigen, deren uns niemand, niemals und nirgends überführen wird, außer natürlich unserem himmlischen Vater.
וְכִי־יִטְהַר הַזָּב מִזּוֹבוֹ וְסָפַר לוֹ שִׁבְעַת יָמִים לְטָהֳרָתוֹ וְכִבֶּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בְּשָׂרוֹ בְּמַיִם חַיִּים וְטָהֵר׃
wechi-jithár hassáw missowó wessáfar lo schiw'át jamím letahorató wechibbés begadáw weracház bessaró bemájim chajím wetahér
13 Und wenn der Ausfließende von seinem Ausfluss rein wird, wird er sich sieben Tage für seine Reinigung abzählen. Und er wusch seine Kleider, und er wusch sein Fleisch, wusch sich in lebendigem Wasser, und er wird rein sein.
Der Mensch muss nicht einfach sieben Tage warten, nicht sieben Tage in der Unreinheit sitzen, wie es in anderen Fällen gesagt ist, sondern sieben Tage abzählen, das heißt Tag um Tag zählen. Und jeder Tag wird für ihn besonders sein. Was am Anfang schwer erreichbar scheint, teilt die Tora in Stufen ein. Wenn wir auf einer Leiter, über Stufen, auf irgendeine Höhe hinaufsteigen, können wir eine größere Höhe erreichen als bei einem Sprung aus dem Stand. Und die Tora sagt, dass diese sieben Tage, in denen der Mensch sich reinigt, sieben Etappen der Berichtigung sind. Die Weisen sahen in dieser siebentägigen Frist eine Grundlage dafür, dies als einen gewissen Prozess darzustellen.
In der ersten Etappe, am ersten Tag, gesteht sich der Mensch seine Unreinheit ein und sagt: „Es gibt ein Problem, ich werde mich isolieren. Warum werde ich mich isolieren? Weil alle, die ich berühre, unrein sein werden. Ich muss mich zurückziehen, ich muss verstehen, dass ich tame bin, dass ich unrein bin. Ich werde dieses Problem ständig spüren, und ich werde unter Berücksichtigung der Lage handeln, dass ich unrein bin. Nicht mehr mit allen kann ich Kontakt haben. Und natürlich kann ich vorerst auch nicht Menschen zu Gott führen, Zeuge von etwas Positivem sein.“ Das ist der erste Tag, an dem der Mensch erkennt, dass es gut für ihn wäre, eine Weile allein zu sein, wenigstens im geistlichen Sinn. Der Ausfließende trennt sich nicht von der Familie, er kann zu Hause sein, kann essen, was man ihm gibt, kann alles tun, was er zu Hause tun muss, aber er muss in sich die innere Arbeit in Gang setzen.
Und weiter, am zweiten Tag, spürt er die Anzeichen seiner Krankheit auf, denn dem Ausfließenden sind die Anzeichen unbekannt, er muss die Probleme klären, muss finden, was ihn hindert. Er fürchtet sich, er ärgert sich, er zürnt, er ist gekränkt. Er muss das finden, jene Situation, die die Wurzel seiner Sünden ist. Die Sünde selbst – sie ist wie eine Frucht, die an einem Baum wächst, wie ein Apfel, der an einem Apfelbaum gewachsen ist. Und der Baum hat eine Wurzel. Wenn ein Mensch nur eine konkrete Sünde bereut, konkrete Taten in dieser Welt, dann wirft er gleichsam das Fallobst des Apfelbaums aus seinem Hof. Aber die Äpfel werden wieder herabfallen, und es wird neues Fallobst geben, weil er den Baum nicht gefällt hat. Am zweiten Tag spürt er den Baum auf.
Und am dritten Tag bestimmt er diesen Baum. Er gesteht sich ein, dass er ein Gefühl der eigenen Wichtigkeit hat. Dass er habgierig ist. Dass er das eigene Vergnügen vielleicht mehr liebt als Gott. Dass die Welt so sein muss, wie er es will, und daher der Zorn. Und solcher Ursachen kann es viele geben. Das Problem zu bestimmen, sich das Problem einzugestehen – das ist das Schwierigste. Und es liegt Gnade darin, dass der Mensch das nicht vor jemand anderem tun muss, obwohl er natürlich jemanden rufen kann, der ihm hilft, es zu durchschauen, aber das ist nicht notwendig. In der Regel ist es viel schwerer, sein Problem öffentlich einzugestehen. Das kommt auch in gewöhnlichen Alltagssituationen vor. Ein Mann gab populärwissenschaftliche Bücher über verschiedene Krankheiten heraus: Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheiten und so weiter. Und alle Büchlein wurden ausverkauft, außer einem solchen wie zum Beispiel Herpes. Niemand wollte im Laden ein Büchlein nehmen, das „Herpes“ heißt, und damit zur Kasse gehen. Das ist beschämend, einen solchen Menschen kann man verstehen. Und man kann wiederum auf sich selbst schauen, irgendeinen eigenen Herpes sehen, den man nicht zeigen möchte (wie jenes Büchlein), und dem Schöpfer dafür danken, dass wir eine solche Gnade haben, dass wir auch nichts zeigen müssen, dass wir mit uns selbst ins Reine kommen können. Also, der Mensch hat das Problem bestimmt und eine Frage gestellt.
Am vierten Tag kann man auf der Grundlage dieser Frage Teschuwa tun. Auf Hebräisch bedeutet das Wort Teschuwa sowohl Antwort als auch Reue. Bereuen heißt, eine Antwort zu bekommen. Und der Mensch beginnt, eine Antwort zu suchen. Er sagt: „Ich kann nicht die Welt beschuldigen für das, was um mich herum geschieht, denn hinter allem, was in dieser Welt geschieht, steht der Schöpfer. Wenn ich die Welt beschuldige, werde ich den Schöpfer beschuldigen. Und deshalb glaube ich, dass, sobald ich alles berichtige, was von mir abhängt, Er berichtigen wird, was nicht von mir abhängt.“
Dann, am fünften Tag, wenn der Mensch das erkannt hat, muss er, wie Jeschua sagt (Lk 14,28), sich hinsetzen und die Kosten berechnen (wie ein Mensch, der einen Turm baut). Der Mensch muss sich fragen: „Will ich diese Situation überhaupt ändern?“ Und eine Wahl zugunsten ihrer Veränderung treffen.
Und am sechsten Tag tut er irgendwelche Handlungen, unternimmt irgendwelche Schritte, wenigstens symbolische, um etwas zu ändern.
Und dann, am siebten Tag (ich kann aus Erfahrung sagen, dass es meistens genau so ist), findet eine Wiederholungsprüfung statt. Wir stoßen auf irgendeine Situation, in der wir sehen, dass jene Unreinheit, die in uns war, sich nicht mehr zeigt, sie ist gegangen.
Und auf diese Weise vergehen die sieben Tage, die man abzählen muss. Man kann sich jeden anderen Plan nehmen, ein anderes Schema, ich habe einfach eines der möglichen angeführt.
Also, der Mensch hat sieben Stufen der Reinigung abgezählt und sich dann in lebendigem Wasser gewaschen. Lebendiges Wasser – das ist Wasser, das sprudelt, das sich bewegt, Wasser aus einer Quelle. Es gibt Quellen, bei denen es solche besonderen Becken gibt, im Land Israel gibt es viele davon. Dorthin muss er gehen, um sich zu reinigen, und in jede Míkwe kann er gehen, um sich zu reinigen. Das Wasser symbolisiert das fließende Leben, und das Problem des Ausfließens des Lebens ist mit dem Fließen des Lebens verbunden, und es wird dort berichtigt, wo das Leben fließt.
Der achte Tag. Schon oft haben wir darüber gesprochen, dass in der „siebenfachen“ Welt der achte Tag der kommenden Welt gehört. Der achte Tag – das ist die Errichtung des Tempels, das ist der Übergang in eine erneuerte, vollkommene Welt. Und auch für unseren sich Reinigenden ist das ein Durchbruch zur Heiligkeit, ein Durchbruch auf eine völlig andere Ebene. Der achte Tag ist der Tag seiner Wiedergeburt.
וּבַיּוֹם הַשְּׁמִינִי יִקַּח־לוֹ שְׁתֵּי תֹרִים אוֹ שְׁנֵי בְּנֵי יוֹנָה וּבָא לִפְנֵי יְהוָה אֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד וּנְתָנָם אֶל־הַכֹּהֵן׃
uwajóm hascheminí jikkach-ló scheté torím o schené bené joná uwá lifné adonáj el-pétach óhel mo'éd untanám el-hakkohén
14 Er wird sich am achten Tag zwei Tauben oder zwei Turteltauben nehmen und wird zum HERRN kommen vor den Eingang des Zeltes der Begegnung und wird sie dem Kohen geben.
וְעָשָׂה אֹתָם הַכֹּהֵן אֶחָד חַטָּאת וְהָאֶחָד עֹלָה וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן לִפְנֵי יְהוָה מִזּוֹבוֹ׃
we'assá otám hakkohen echád chattát weha'echád olá wechippér aláw hakkohén lifné adonáj missowó
15 Und der Kohen wird sie (diese zwei Turteltauben oder zwei Tauben) herrichten: eine zum Reinigungsopfer und eine zum Ganzopfer, um seine Reinigung abzuschließen. Und so wird der Kohen ihn vor dem HERRN von seinem Ausfluss sühnen.
Das Ganzopfer (Ola) wird zum Dank dafür dargebracht, dass die Reinigung vollzogen ist.
וְאִישׁ כִּי־תֵצֵא מִמֶּנּוּ שִׁכְבַת־זָרַע וְרָחַץ בַּמַּיִם אֶת־כָּל־בְּשָׂרוֹ וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
we'ísch ki-tezé mimménu schichwat-sára weracház bammájim et-kol-bessaró wetamé ad-ha'árew
16 Wenn ein Mensch einen Samenerguss (Pollution) haben wird, wird er sich in Wasser waschen und unrein sein bis zum Abend.
Bei einem Menschen kommt einfach eine Pollution vor, ein unbeabsichtigter Samenerguss, der infolge der geschlechtlichen Entwicklung sein kann (bei Jugendlichen kommt das oft vor), unter der Wirkung von etwas Gesehenem, Gehörtem und so weiter. Das heißt, wir sprechen von einem solchen Menschen, der den Samenerguss mit irgendwelchen natürlichen Ursachen erklären kann. Wenn ihm das passiert ist, dann wird er, nachdem er sich mit Wasser gewaschen hat, unrein sein bis zum Abend.
וְכָל־בֶּגֶד וְכָל־עוֹר אֲשֶׁר־יִהְיֶה עָלָיו שִׁכְבַת־זָרַע וְכֻבַּס בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechol-béged wechol-ór ascher-jihjé aláw schichwat-sára wechubbás bammájim wetamé ad-ha'árew
17 Und jedes Kleidungsstück und jedes Leder, auf die dieser ergossene Samen gelangt, wird er ebenfalls in Wasser auswaschen, und sie werden unrein sein bis zum Abend.
Das heißt, die Unreinheit erstreckt sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Kleidung, auf die der Samen gelangt. Warum gilt ein Mensch, bei dem es einen Samenerguss gibt oder bei dem es einen Ausfluss aus den Geschlechtsorganen gibt, als unrein? Was macht ihn unrein? Wir haben davon gesprochen, dass Unreinheit dort entsteht, von wo das Leben weggeht, dort, wo der Mensch, der durch seine Geschlechtsorgane Leben geben konnte, Lebenskraft verloren hat, die Kraft, die Leben gibt, hat ihn verlassen. An dieser Stelle entsteht Unreinheit, wie auch bei der Geburt, wenn das Leben selbst aus der Frau weggeht, wie auch in allen anderen Fällen.
וְאִשָּׁה אֲשֶׁר יִשְׁכַּב אִישׁ אֹתָהּ שִׁכְבַת־זָרַע וְרָחֲצוּ בַמַּיִם וְטָמְאוּ
עַד־הָעָרֶב׃
we'ischá aschér jischkáw isch otá schichwat-sára werachazú wammájim wetame'ú ad-ha'árew.
18 Und wenn mit einer Frau ein Mann mit Samenerguss liegt, dann sollen sie sich in Wasser waschen und unrein sein bis zum Abend.
Welche Schlüsse können wir ziehen? Vor allem: Wenn es irgendeinen Bereich gibt, in dem der Mensch mit sich selbst arbeiten muss, bedeutet das, dass wir nicht das Recht haben, uns dort einzumischen, nicht das Recht haben, uns in die persönlichen Angelegenheiten des Nächsten einzumischen. Der Nächste hat Grenzen seiner geistlichen Reinheit, und selbst wenn wir ein Problem sehen, haben wir nicht das Recht, ihn zurechtzuweisen, solange er sich nicht selbst mit dieser inneren Arbeit befasst. Und man muss sich Rechenschaft ablegen und sich fragen, ob wir berechtigt sind, seine Grenzen zu verletzen. Und noch etwas: Selbst wenn wir irgendein beschämendes Problem haben, über das wir nicht sprechen können, bedeutet das nicht, dass wir es nicht berichtigen können, dass wir uns nicht damit befassen können. Vor dem Höchsten gibt es keine beschämenden Themen, und aus jeder Situation gibt es einen Ausweg, aus jeder Situation gibt es einen Weg zum Höchsten.
Behütet die Frauen
Wajikra 15,19–33
Wir setzen mit Gottes Hilfe das Studium des Wochenabschnitts Mezora fort. Unser Gespräch wird sich um ein Thema drehen, über das zu sprechen fast nicht üblich ist. Wir werden über die Ausscheidungen aus den Geschlechtsorganen der Frau sprechen. Seit alten Zeiten, schon im Buch Bereschit, lesen wir, dass man darüber andeutungsweise spricht. „Das Gewöhnliche, das Weibliche“, sagte Rachel zu ihrem Vater. Heute nennt man das die kritischen Tage, diese Sachen, einfach Sachen, oder Frauensachen. Die Mädchen haben sich viele Euphemismen für diese Zeit ihres Unwohlseins ausgedacht. Aber der Höchste Selbst, wie wir am Anfang des 19. Kapitels gelesen haben, rief zwei Führer des jüdischen Volkes, Mosche und Aharon, von denen jeder über achtzig Jahre alt war, und gebot ihnen, öffentlich, vor allem Volk dem Volk von der Unreinheit zu erzählen, die mit den Geschlechtsorganen verbunden ist. Deshalb werden auch wir über dieses Thema offen sprechen, aber nach Möglichkeit taktvoll.
Wir beginnen mit dem Lesen ab Vers 19 von Kapitel 15:
וְאִשָּׁה כִּי־תִהְיֶה זָבָה דָּם יִהְיֶה זֹבָהּ בִּבְשָׂרָהּ שִׁבְעַת יָמִים תִּהְיֶה בְנִדָּתָהּ וְכָל־הַנֹּגֵעַ בָּהּ יִטְמָא עַד־הָעָרֶב׃
we'ischá ki-tihjé sawá dam jihjé sowá biwsará schiw'át jamím tihjé weniddatá wechol-hannogé'a ba jitmá ad-ha'árew
19 Eine Frau, wenn sie Blut verströmen wird (wenn sie blutend sein wird) und dies aus ihren Geschlechtsorganen fließen wird, wird sieben Tage Nidda sein (wird von der Nähe zu ihrem Mann ausgeschlossen sein), und jeder, der sie berührt, wird unrein sein bis zum Abend.
Das Wort Nidda bedeutet entfremdet, entfernt. Es ist wichtig anzumerken, dass dies nur die Blutung aus den Geschlechtsorganen der Frau betrifft. Worum geht es hier? Der weibliche Organismus ist wunderbar eingerichtet. Jeden Monat, was auch immer sei, bereitet sich eine erwachsene Frau darauf vor, Mama zu werden. In der Gebärmutter der Frau baut sich eine besondere blutig-schleimige Schicht auf, die Endometrium heißt. In ihr gibt es, wie in einem Lager, alles Notwendige für die erste Zeit des Daseins der Leibesfrucht. Wenn in die Gebärmutter eine befruchtete Eizelle gelangt, soll sie sich dem Plan nach an diesem Endometrium festhaken, und alle Vorräte, die es in der Gebärmutter gibt, werden dafür arbeiten, diese Eizelle zu ernähren. Zugleich gibt es in dieser Schicht auch bestimmte Erkennungsmerkmale. Wenn etwas nicht stimmt, etwas Fremdes versucht, sich einzunisten, bewacht das Endometrium wachsam das Haus und lässt nicht jede Eizelle an den Wänden seines Hauses haften. Wenn zum Beispiel eine Katze trächtig wird, dann beginnt sie erst, wenn die Eizelle in die Gebärmutter der Katze gelangt ist, etwas zu bauen, zu sammeln und sich in aller Eile auf ihre Trächtigkeit vorzubereiten. Bei der Frau ist alles ganz anders. Jeden Monat bereitet sich die verheiratete und die unverheiratete Frau vor, baut ein kleines Nest für das künftige Kind. Ein Monat vergeht, und die Lebensmittel in den Lagern verlieren ihre Frische, das Häuschen muss umgebaut werden. Und deshalb löst sich die alte Konstruktion in Form der Schicht des Endometriums von der Gebärmutter, strebt zur Scheide und tritt aus dem Körper der Frau aus. So entsteht das, was wir Monatsblutung nennen, weil tatsächlich hauptsächlich Blut austritt: Während der ganzen Zeit der Monatsblutung treten 100–150 Gramm Blut aus. Dieses Blut ist besonders, es ist dick, es gerinnt nicht, weil das Endometrium aus Blut und Schleim besteht. Der Schleim ist alkalisch und lässt es, wenn er ins Blut gelangt, nicht gerinnen, davon gibt es in diesen Ausscheidungen auch irgendwelche Klümpchen, Gerinnsel. Nur solches dicke Blut, das nicht oxidiert, Blut, das aus der Gebärmutter selbst austritt, nur dieses Blut macht die Frau unrein. Deshalb sprechen wir das eigens an, damit die Frau sich selbst prüfen kann.
Also, der Monatszyklus hängt damit zusammen, dass eine Generalüberholung begonnen hat, und in der Gebärmutter der Frau beginnt ein Umbau. Und da das Häuschen für ein lebendiges Kind bestimmt war, für einen Embryo, dafür bestimmt war, Leben zu geben, entsteht, wenn es aus der Gebärmutter weggeht, Unreinheit. Jedes Mal, wenn Leben weggeht, entsteht Unreinheit. Wenn dieses Blut nicht im Zusammenhang mit dem Umbau des Endometriums ausfließt, gilt es nicht mehr als Blut, das die Frau unrein macht, das ist wichtig. Wenn es irgendwelche kleinen Wunden am Gebärmutterhals oder an den Wänden der Scheide gibt, macht das die Frau nicht unrein. Es gibt Frauen, mit denen man sich in dieser Sache beraten kann, Frauen, die dafür offen sind, die in dieser Gemeinschaft erzogen sind, die bereit sind, danach zu fragen, ob irgendein Fleck sie rein oder unrein macht. Und dementsprechend gibt es diejenigen, die bereit sind, in sehr Intimes hinabzusteigen, sich mit so schwierigen und auf den ersten Blick Ekel erregenden Fragen zu befassen wie weibliche Reinheit und Unreinheit. Außerdem weiß jede erwachsene Frau, dass sie Ausscheidungen hat, die fast jeden Tag ihre Wäsche oder die Hygienemittel, die sie benutzt, beschmutzen. Diese Ausscheidungen stammen aus Drüsen, die sich im Gebärmutterhals befinden, und aus Drüsen, die sich am Eingang der Scheide befinden (Bartholin-Drüsen). Und das ist ein Sekret, das nicht in der Scheide selbst gebildet wird, aber durch die Scheide hindurchgeht und sie umspült, so ein besonderes Reinigungsmittel für die Hygiene der Geschlechtsorgane, das es ermöglicht, zufällig dorthin gelangte Bakterien, irgendwelche Pilze loszuwerden (außer jenen Bakterien, die dort auch leben sollen). Und all diese kleinen Flecken: weiße, gelbe, braune, alle Flecken, die mit der Absonderung des Sekrets zusammenhängen, machen die Frau ebenfalls nicht unrein. Nur die Ausscheidung der Monatsblutung – das ist das, worüber wir jetzt sprechen.
Also, eine Frau, bei der die Monatsblutung begonnen hat, wird sieben Tage ab dem Moment, in dem sie das Blut gesehen hat (selbst wenn sie Menstruationsblut von der Größe eines Reiskorns gesehen hat), unrein, sie ist für ihren Mann verboten. In jenen Zeiten, als es das Heiligtum gab, war es ihr verboten, ins Heilige hineinzugehen. Das bedeutet nicht, Gott bewahre, dass es ihr verboten ist, zu Versammlungen zu gehen, an Gebeten teilzunehmen, am Gottesdienst, am Lobpreis teilzunehmen und so weiter. Sie braucht mehr Schutz, mehr Liebe, mehr Anteilnahme. Der Höchste ist überall, Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Erde. Und man muss die arme unreine Frau nicht vor dem Höchsten verstecken, sie aus den Augen schaffen, sie in den Kofferraum des Autos oder aufs Dach setzen, Gott behüte. Diejenigen, die das vorschlagen, müssen daran denken, dass dann auch die Männer rein sein müssen, und das ist unmöglich, weil heute alle mit der Unreinheit des Todes unrein sind, und es gibt keine rote Kuh, damit alle sich reinigen. Und man muss die Frau nicht irgendwie wegen ihrer Unreinheit absondern, weil darin keinerlei Sünde liegt, weil das eine natürliche Eigenschaft der menschlichen Natur ist, damit wir Kinder gebären. Und nur ihrem Mann ist sie in dieser Zeit verboten. In unserer Zeit ist das Gesetz so.
Aber die Tora erzählt von jener Zeit, in der es das Zelt der Begegnung gibt, in der es den Tempel gibt. Wie und was mit der Frau während der Monatsblutung in dieser Zeit geschieht, wenn ihr Mann vom Opfer essen kann, das er dargebracht hat, oder, wenn er Kohen ist, ständig von den Opfern isst und so weiter. Und deshalb muss man die Gesetze der Reinheit und Unreinheit einhalten.
וְכֹל אֲשֶׁר תִּשְׁכַּב עָלָיו בְּנִדָּתָהּ יִטְמָא וְכֹל אֲשֶׁר־תֵּשֵׁב עָלָיו יִטְמָא׃
wechól aschér tischkáw aláw beniddatá jitmá wechól ascher-teschéw aláw jitmá
20 Und alles, worauf sie sich während ihrer Nidda legen wird, wird unrein sein, und alles, worauf sie sich setzen wird, wird ebenfalls unrein sein.
וְכָל־הַנֹּגֵעַ בְּמִשְׁכָּבָהּ יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechol-hannogé'a bemischkawá jechabbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
21 Und jeder, der ihr Lager berühren wird, soll seine Kleider auswaschen und sich in Wasser waschen, und er wird unrein sein bis zum Abend.
וְכָל־הַנֹּגֵעַ בְּכָל־כְּלִי אֲשֶׁר־תֵּשֵׁב עָלָיו יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechol-hannogé'a bechol-kelí ascher-teschéw aláw jechabbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
22 Und jeder, der irgendeine Sache (ein Gefäß) berühren wird, auf der sie gesessen hat, wird seine Kleider waschen und sich in Wasser waschen, und unrein wird er sein bis zum Abend.
Man kann noch einmal daran erinnern, dass die Unreinheit, die von den Geschlechtsorganen eines Mannes oder einer Frau ausgeht, nach unten strebt, sie macht alles unrein, was darunter ist.
וְאִם עַל־הַמִּשְׁכָּב הוּא אוֹ עַל־הַכְּלִי אֲשֶׁר־הִוא יֹשֶׁבֶת־עָלָיו בְּנָגְעוֹ־בוֹ יִטְמָא עַד־הָעָרֶב׃
we'ím al-hammischkáw hu o al-hakkelí ascher-hí joschewet-aláw benog'o-wó jitmáIn der russischen Umschrift fehlt hier das Wort „jitmá“ (er wird unrein sein), das im hebräischen Text steht. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. ad-ha'árew
23 Und wenn er sich nicht direkt auf ihr Lager gelegt oder auf ihren Sitz gesetzt hat, dann wird er unrein sein bis zum Abend.
Das heißt, wenn ein Mensch obendrauf zehn Matratzen ausgebreitet und eine Erbse zwischen sie gelegt hat oder einfach eine Decke hingeworfen und sich obendrauf gesetzt hat, dann wird er die Kleider nicht waschen müssen, hier ist die Unreinheit geringer, sondern er wird einfach unrein sein bis zum Abend.
וְאִם שָׁכֹב יִשְׁכַּב אִישׁ אֹתָהּ וּתְהִי נִדָּתָהּ עָלָיו וְטָמֵא שִׁבְעַת יָמִים וְכָל־הַמִּשְׁכָּב אֲשֶׁר־יִשְׁכַּב עָלָיו יִטְמָא׃
we'ím schachów jischkáw isch otá uthí niddatá aláw wetamé schiw'át jamím wechol-hammischkáw ascher-jischkáw aláw jitmá
24 Und wenn ein Mensch mit ihr während ihrer Monatsblutung geschlechtlich verkehren wird, wird er sieben Tage unrein sein, und jedes Lager, auf das er sich legen wird, wird unrein sein.
Dafür gibt es die Strafe Karet (Abschneidung), und an anderer Stelle werden wir das lesen. Aber hier geht es nur um die Unreinheit, von einer Strafe spricht die Tora hier nicht. So lange, wie die Frau noch in der Nidda zu bleiben hat, so lange wird auch er in dieser Unreinheit bleiben müssen. Wenn ihr fünf Tage geblieben sind, dann auch ihm fünf, wenn vier, dann muss auch er vier Tage in der Unreinheit sein.
Das ist das, was die Monatsblutung betrifft, das heißt die natürlichen Blutungen, die bei einer Frau einmal im Monat vorkommen.
Es gibt auch ein anderes Problem: bei der Verankerung des Endometriums, bei einer bestimmten Schädigung des Gebärmutterhalses, wenn dort irgendeine Wucherung entsteht, die zu bluten beginnt, und dann tritt aus der Gebärmutter Blut nicht während der Monatsblutung oder nicht nur während der Monatsblutung aus. Dieses Blut ist eben Blut aus der Gebärmutter, aber nicht jenes Blut, das aus einer zufällig irgendwo entstandenen kleinen Wunde austritt. Und gerade dieses Blut macht die Frau ebenfalls unrein. Es kommt vor, dass eine Frau viele Jahre unter solchen Blutungen leidet. Davon lesen wir in den Evangelien, als eine Frau die Kleider Jeschuas berührt, um von einer solchen Blutung geheilt zu werden. In einem solchen Fall geht es schon nicht nur darum, dass die Frau ihrem Mann nicht erlaubt ist. Das verursacht sehr viele Unannehmlichkeiten und Leiden, weil, wenn die Gebärmutter im Zusammenhang mit dem Austritt des Endometriums oder eines Teils des Endometriums oder irgendeiner Korrosion zuckt, das an allen benachbarten Nerven zerrt. Deshalb hat die Frau ständige Schmerzen – mal im Bauch, mal ein Schmerz, der in die Beine ausstrahlen kann, der wohin auch immer ausstrahlen kann, weil das ganze Nervenbündel ständig in Unruhe ist, ständig zuckt. Und das ist nicht nur rituelle Unreinheit, die Unmöglichkeit, in den Tempel, ins Heiligtum hineinzugehen, die Unmöglichkeit, mit dem Mann zusammen zu sein, das sind auch ständige wandernde Schmerzen. Das ist das, was jene Frau durchlebte, die zwölf Jahre an einer Blutung litt. Und hier ist, was die Tora darüber sagt.
וְאִשָּׁה כִּי־יָזוּב זוֹב דָּמָהּ יָמִים רַבִּים בְּלֹא עֶת־נִדָּתָהּ אוֹ כִי־תָזוּב עַל־נִדָּתָהּ כָּל־יְמֵי זוֹב טֻמְאָתָהּ כִּימֵי נִדָּתָהּ תִּהְיֶה טְמֵאָה הִוא׃
we'ischá ki-jasúw sow damá jamím rabbím beló et-niddatá o chi-tasúw al-niddatá kol-jemé sow tum'atá kimé niddatá tihjé teme'á hi
25 Eine Frau, wenn sie mit dem Ausfluss ihres Blutes viele Tage ausfließen wird, nicht zur Zeit ihrer Monatsblutung oder zusammen mit der Monatsblutung (das heißt, sie wird die Tage der Monatsblutung überdecken), alle Tage der Ausflüsse mit Unreinheit, wie zur Zeit ihrer Nidda, wird sie unrein sein.
Ich erinnere daran, dass Nidda der Zustand der Frau während der Monatsblutung ist. Und weiter lesen wir eine im Großen und Ganzen ähnliche Regel.
כָּל־הַמִּשְׁכָּב אֲשֶׁר־תִּשְׁכַּב עָלָיו כָּל־יְמֵי זוֹבָהּ כְּמִשְׁכַּב נִדָּתָהּ יִהְיֶה־לָּהּ וְכָל־הַכְּלִי אֲשֶׁר תֵּשֵׁב עָלָיו טָמֵא יִהְיֶה כְּטֻמְאַת נִדָּתָהּ׃
kol-hammischkáw aschér tischkáw aláw kol-jemé sowá kemischkáw niddatá jihje-lá wechol-hakkelí aschér teschéw aláw tamé jihjé ketum'át niddatá
26 Jedes Lager, auf dem sie während ihres Ausflusses liegen wird, wird für sie wie das Lager der Nidda sein, und jede Sache, auf die sie sich setzt, wird unrein sein wie die Tum'a (Unreinheit) ihrer Nidda.
וְכָל־הַנּוֹגֵעַ בָּם יִטְמָא וְכִבֶּס בְּגָדָיו וְרָחַץ בַּמַּיִם וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechol-hannogéa bam jitmá wechibbés begadáw weracház bammájim wetamé ad-ha'árew
27 Und jeder, der sie berührt, wird unrein sein, und er wird seine Kleider waschen und sich im Wasser reinigen, und unrein wird er sein bis zum Abend.
וְאִם־טָהֲרָה מִזּוֹבָהּ וְסָפְרָה לָּהּ שִׁבְעַת יָמִים וְאַחַר תִּטְהָר׃
we'im-tahará missowá wessafera-lá schiw'át jamím we'achár tithár
28 Wenn sie aber von ihrem Ausfluss rein wird, wird sie sich sieben Tage abzählen, und danach wird sie rein sein.
Im Kommentar zum 13. Vers unseres 15. Kapitels, wo von der Reinigung des Mannes mit Ausfluss die Rede war, habe ich ausführlich darüber erzählt, wie die sieben Tage mit der inneren Reinigung verbunden sind und was es überhaupt bedeutet, sieben Tage zu zählen.
Und wieder bricht für uns der achte Tag an.
וּבַיּוֹם הַשְּׁמִינִי תִּקַּח־לָהּ שְׁתֵּי תֹרִים אוֹ שְׁנֵי בְּנֵי יוֹנָה וְהֵבִיאָה אוֹתָם אֶל־הַכֹּהֵן אֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃
uwajóm hascheminí tikkach-lá scheté torím o schené bené joná wehewi'á otám el-hakkohén el-pétach óhel mo'éd
29 Und am achten Tag wird sie sich zwei Tauben oder zwei Turteltauben nehmen und wird sie zum Kohen bringen, zum Eingang des Zeltes der Begegnung.
וְעָשָׂה הַכֹּהֵן אֶת־הָאֶחָד חַטָּאת וְאֶת־הָאֶחָד עֹלָה וְכִפֶּר עָלֶיהָ הַכֹּהֵן לִפְנֵי יְהוָה מִזּוֹב טֻמְאָתָהּ׃
we'assá hakkohén et-ha'echád chattát we'et-ha'echád olá wechippér aléha hakkohén lifné adonáj missów tum'atá
30 Und der Kohen wird die eine als Opfer Chatat herrichten und die andere als Ganzopfer, und der Kohen sühnte sie vor dem HERRN von ihrem unreinen Ausfluss.
Nur in dem Fall, dass es ein Ausfluss außerhalb der Monatsblutung war, bringt sie dafür Opfer dar: Chatat zur Reinigung und Ola (Ganzopfer) als Dank dafür, dass der HERR sie gereinigt hat, wie auch im Fall des Mannes, der einen Ausfluss hat. Nach der gewöhnlichen Monatsblutung war natürlich kein Opfer nötig.
Es gibt einen sehr interessanten Unterschied. Wenn wir auf den Text schauen, werden wir nicht sehen, dass hier gesagt ist, die Frau müsse sich nach einer solchen Reinigung waschen, die Waschung der Frau ist hier nicht erwähnt. Obwohl sie sich nach dem Gesetz wäscht (und heute wäscht sie sich). Überhaupt muss man hier anmerken, dass das heutige Gesetz geändert ist, weil es ein Problem mit der Überprüfung gibt, ein Problem mit dem Zählen gibt, und heute verhalten sich die Frauen ein wenig anders. Aber wir lesen den einfachen Sinn der Tora. Also, hier gibt es keine Erwähnung der Waschung, obwohl die Waschung mitgemeint ist. Obwohl wir offen über irgendwelche anatomischen Dinge sprechen, die mit der Frau zusammenhängen, wollen wir nicht sagen: „Und jetzt geht sie sich waschen, und jetzt geht sie in die Míkwe“.
Es gibt Dinge, die verstanden, aber nicht besprochen werden. Darüber sagt der Talmud so: „Alle wissen, wozu die Braut unter die Chuppá geht, wozu sie sich mit dem Bräutigam zurückzieht, aber darüber wird nicht gesprochen. Wer anfängt, darüber zu sprechen, macht seinen Mund unrein, als ob er seinen Mund mit Aas füllte.“ Die Frau bemüht sich, so in die Míkwe zu gehen, dass niemand es bemerkt. Und um dies herum gibt es einen gewissen Vorhang der Intimität und Bescheidenheit. Und der Höchste Selbst erwähnt es nicht, wenn Er Anweisungen gibt. Wir wissen, dass der Höchste, dass unser Gott, Er – der Allsehende Gott ist, Er kann alles sehen. Aber das bedeutet nicht, dass Er auf alles schaut. Manchmal, wenn eine Frau sich wäscht, sich umzieht, sich hübsch macht, etwas tut, wofür sie sich geniert, wofür sie sich schämt (sie schämt sich ja schon vor einem Menschen, erst recht vor Gott), ist Gott bereit, die Augen niederzuschlagen, der Barmherzige schaut nicht darauf. Deshalb sagt Er auch nicht, dass sie sich waschen gehen muss. Gott schaut der Frau auch nicht ins Dekolleté, wenn sie sich vorbeugt: Obwohl Er der Allsehende Gott ist, der Barmherzige, ist Er auch noch der Taktvolle. Zugleich damit, dass Gott ein offenes Gespräch über das Intime anstößt, in Gang setzt, sagt Er hier nicht, wie die Überprüfung der Frau durchzuführen ist. Er sagt der Frau nicht, wie sie sich auf die Waschung vorbereiten soll. Er sagt der Frau nicht: „Geh und wasche dich“, denn es gibt Grenzen dafür, worüber man in der Gesellschaft spricht und worüber man nicht spricht. Und Gott achtet die Bescheidenheit der Frau, ihr Recht auf Intimität, ihr Recht auf Verlegenheit. Und umso mehr müssen wir, einfache Menschen, lernen, das Recht der Schwestern und Brüder zu achten und nicht immer danach zu streben, jede Blöße aufzudecken. Darüber wird die Tora noch viel sprechen.
וְהִזַּרְתֶּם אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מִטֻּמְאָתָם וְלֹא יָמֻתוּ בְּטֻמְאָתָם בְּטַמְּאָם אֶת־מִשְׁכָּנִי אֲשֶׁר בְּתוֹכָם׃
wehissartém et-bene-jisraél mittum'atám weló jamútu betum'atám betamme'ám et-mischkaní aschér betochám
31 Und entfernt die Söhne Israels von ihrer Unreinheit, und sie werden nicht an ihrer Unreinheit sterben, indem sie Mein Weilen, das in ihnen ist, beschmutzen, unrein machen.
Wenn wir etwas berühren, wenn wir unrein sind, dann beschmutzen wir dieses „Etwas“. Wenn wir versuchen, in Unreinheit den Höchsten zu berühren, können wir den Höchsten nicht beschmutzen, aber wir können an der Berührung mit Ihm in Unreinheit sterben. Deshalb sagt der Höchste: „Haltet sie von der Unreinheit fern, entfernt sie von der Unreinheit, damit sie in Meiner Gegenwart überleben können.“ Das betrifft natürlich auch uns, denn wir wollen, wir beten, dass der HERR in uns wohne, wir hoffen, dass Er in uns wohnt. Und wenn Er in uns wohnt, müssen auch wir nach Reinheit und Heiligkeit streben, Reinheit und Heiligkeit bewahren und uns von allem Unreinen fernhalten.
Und die Tora schließt das Thema, wie gewöhnlich, ab, indem sie wiederholt, wovon seit dem Anfang des 15. Kapitels die Rede war.
זֹאת תּוֹרַת הַזָּב וַאֲשֶׁר תֵּצֵא מִמֶּנּוּ שִׁכְבַת־זֶרַע לְטָמְאָה־בָהּ׃
sot torát hassáw wa'aschér tezé mimménu schichwat-séra letom'a-wá
32 Das ist die Lehre über den Ausfließenden, aus dem Samen herausgekommen ist, wodurch er sich an ihm verunreinigt hat,
וְהַדָּוָה בְּנִדָּתָהּ וְהַזָּב אֶת־זוֹבוֹ לַזָּכָר וְלַנְּקֵבָה וּלְאִישׁ אֲשֶׁר יִשְׁכַּב עִם־טְמֵאָה׃
wehaddawá beniddatá wehassáw et-sowó lassachár welannekewá ul'ísch aschér jischkáw im-teme'á
33 Und über die in ihrer Nidda Ausfließende, und die Ausfließenden, Mann oder Frau, und über den Menschen, der bei einer Unreinen gelegen hat.“
So fasst die Tora zusammen, worüber sie gesprochen hat.
Die Tora in 5 Minuten.
Das 14. Kapitel des Buches Wajikra gibt eine ausführliche Anweisung über die Reinigung eines Menschen, der von Zara'at geheilt wurde, darüber, welches Opfer genau er darbringen muss. Aber in den Versen 21–22 gibt es einen bestimmten Vorbehalt:
21. Wenn er aber arm ist und nicht das Vermögen hat, dann soll er einen Widder als Schuldopfer zum Schwingen nehmen, um sich zu reinigen, und ein Zehntel Efa Weizenmehl, mit Öl vermischt, als Speiseopfer, und ein Log Öl.
22. Und zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben, was seine Hand erreicht, den einen der Vögel als Sündopfer und den anderen – als Ganzopfer.
Es ist verständlich, dass der Höchste, modern gesprochen, für einen armen Menschen einen Rabatt machen kann. Ehre sei dem HERRN, Er verdient nicht an unseren Opfern, Er bedarf ihrer nicht. Er braucht weder unser Gold noch unser Silber, weder unsere Widder noch unsere Stiere. Deshalb kann ein armer Mensch ein bescheideneres Opfer darbringen. Aber die Tora spricht hier in einer erstaunlichen, sich wiederholenden Sprache. Gewöhnlich ist die Tora mit Worten sparsam, hier aber sagt die Tora so: „Wenn er aber arm ist und nicht das Vermögen hat…“ Es ist ja klar, dass ein Mensch, wenn er arm ist, nicht das Vermögen hat, und wenn er nicht das Vermögen hat, dann ist er arm. Worum geht es hier also doch, und wie ist diese Wiederholung zu verstehen?
Im Original verwendet die Tora für das Wort, das mit arm übersetzt ist, das Wort dál. Es bedeutet nicht nur einen armen Menschen, sondern auch einen verarmten Menschen, einen Menschen, der sein gewohntes Einkommensniveau verloren hat, man kann sagen, einen Milliardär, der Millionär geworden ist. So seltsam es ist, das wundert sehr viele, und manche empört es sogar. Aber nach der jüdischen Tradition, nach der jüdischen Weisheit, darf und soll man einem verarmten Menschen, selbst wenn er nicht bettelarm geworden ist, helfen, zum früheren materiellen Stand zurückzukehren. Denn auf seiner materiellen Ebene half er dem Volk und diente ihm, und man kann den geschehenen Fehler berichtigen, irgendeine Situation in seinem Leben berichtigen. Das ist für ihn materielle Heilung.
Aber es gibt auch eine andere Seite: Ein Mensch kann sich arm fühlen. Sobald man etwas mit Rabatt bekommen kann, entsteht sofort der Wunsch, diesen Rabatt zu nutzen. Und der Mensch kann denken: „Hurra, toll, ich muss kein großes Opfer darbringen, sondern kann ein kleines Opfer darbringen.“ Und da muss man sich wieder in den Originaltext der Tora hineinlesen. Die Tora sagt wörtlich: „Wenn er verarmt ist und seine Hand nicht hinreicht…“ Das heißt, der Mensch muss sich von jeder materiellen Ebene aus mit der Hand ausstrecken, irgendeine Anstrengung unternehmen, um wie ein reicher Mensch zu handeln. Das betrifft nicht nur das Opfern, das ist ein allgemeines Lebensprinzip für uns. Wenn es dir scheint, dass du schwach bist und etwas nicht tun kannst, versuche, mit der Hand heranzureichen. Unternimm eine Anstrengung, um mit der Hand an irgendeine Spende heranzureichen, an die Erfüllung irgendeines Gebotes, an das Schreiben irgendeines Buches, an irgendeine Handlung, an das Zeigen von Liebe zu jemandem. Es ist unglaublich schwer, sich mit der Hand auszustrecken, aber es bringt auch Freude, wenn man sagen kann: „Hurra, ich bin herangekommen, ich habe es geschafft! Mag ich arm sein und mag mir ein Rabatt zugestanden haben, aber ich bin herangekommen, ich konnte etwas tun, und dieses Etwas kann mich auf eine höhere Ebene heben. Vielleicht werde ich durch dieses Ausstrecken der Hand nach vorn, durch diesen Versuch heranzureichen, nicht mehr arm und schwach sein.“
Die Tora motiviert den Menschen, die Hand nach einer höheren Ebene auszustrecken, die Hand zur nächsten Ebene zu strecken, zum nächsten Schritt, zur Erfüllung eines anderen Gebotes, zu anderen Möglichkeiten, zu anderen Horizonten, zum Studium auf einer anderen Ebene, zur Erkenntnis auf einer anderen Ebene, zur Beziehung mit dem Höchsten auf einer anderen Ebene. Die Tora sagt dem Menschen: „Selbst wenn du arm bist, bleib nicht stehen, streck dich mit der Hand aus, vielleicht reichst du auch an etwas Größeres heran. Tu das, woran deine Hand heranreicht – nicht das, was an dem Ort ist, wo du stehst, sondern das, woran deine Hand herangereicht hat, dort wird deine Ebene sein.“
Gebe Gott uns allen, das zu verstehen, es uns anzueignen und im täglichen Leben anzuwenden.
Das ist nicht deine Sache
Der Name unseres Wochenabschnitts Mezora wird oft mit Aussätziger übersetzt, aber wir haben mehrfach gesagt, warum das falsch ist. Wenn Aussatz (Lepra) im medizinischen Sinn ansteckend ist, so hat Zara'at, über die wir sprechen werden, eine geistliche Grundlage. Das ist die einzige Krankheit, der ein ganzer Wochenabschnitt gewidmet ist, mezorá – das ist der von Zara'at Befallene. Und natürlich ist die Tora keine medizinische Enzyklopädie, aber die Krankheit Zara'at ist die einzige Krankheit, die in ihr so ausführlich beschrieben ist, und anders als andere Krankheiten wird Zara'at nicht von Ärzten geheilt. Für den Kranken hat es keinen Sinn, sich an einen Arzt zu wenden, es gibt gegen diese Krankheit keine medizinische Behandlung, weil Zara'at zu den geistlichen Krankheiten gehört; ich würde sagen, das ist Theosomatik – die Verbindung von Gott und Körper.
Wir wissen, traditionell gilt, dass die Ursache von Zara'at die sogenannte Sünde laschón hara (böse Zunge, üble Nachrede) ist. Dennoch sagt der Talmud im Traktat Arachin, Blatt 16a, dass Zara'at als Strafe für sieben Sünden kommt, für sieben geistliche Verfehlungen. Das sind üble Nachrede, Blutvergießen, falscher Schwur, Unzucht, Hochmut, Raub und Neid.
Absolut alle diese Verfehlungen sind mit der Verletzung der Grenzen eines anderen Menschen verbunden. Man kann einwenden: Gut – üble Nachrede, gut – Blutvergießen, Unzucht, Raub und Neid sind mit der Verletzung von Grenzen verbunden. Aber wie hängen Hochmut und falscher Schwur damit zusammen? Ein falscher Schwur ist im Grunde Verleumdung. Ein falscher Schwur sagt Falsches gegen einen Menschen aus, darin gleicht er der üblen Nachrede. Und Hochmut hängt damit zusammen, dass der Mensch sich gleichsam aufbläht, an Größe zunimmt und dadurch entsprechend die anderen verkleinert. Auf diese Weise verletzt auch der Hochmut Grenzen.
Der Midrasch zu unserem Wochenabschnitt nennt eine andere Ursache der Krankheit Zara'at. Er sagt, dass ja, tatsächlich Zara'at als Strafe für sieben Sünden kommt, verbindet das aber mit dem Buch Mischle (6,17–19): „Siehe, sechs sind es, die der HERR hasst, ja sieben, die Seiner Seele ein Gräuel sind: hochmütige Augen, eine lügnerische Zunge und Hände, die unschuldiges Blut vergießen, ein Herz, das böse Pläne schmiedet, Füße, die schnell zur Bosheit laufen, ein falscher Zeuge, der Lügen redet und Zwietracht zwischen Brüdern sät.“ Das Wort Gräuel ist mit der Beschreibung der Krankheit Zara'at verbunden. Obwohl die Quellen verschiedene sind, ist die Liste dennoch ähnlich. Wir sehen, dass Zara'at dadurch entsteht, dass der Mensch einen Platz einnimmt, der nicht seiner ist, sich auf irgendeine Ebene stellt, der er nicht entspricht.
Es gibt einige interessante biblische Beispiele für die Erkrankung an Zara'at, und wir werden sie betrachten. Und wir beginnen mit dem am wenigsten bekannten Fall (man sollte meinen, es ist doch der Tanach, aber trotzdem gibt es bekanntere und weniger bekannte Fälle). Und wir beginnen mit dem Fall von König Usijahu.
Also, es war einmal ein König Usijahu. Wir lesen aus dem zweiten Buch Diwre haJamim, aus Kapitel 26:
3. Sechzehn Jahre alt war Usijahu, als er König wurde, und zweiundfünfzig Jahre regierte er in Jerusalem. Der Name seiner Mutter war Jecholja aus Jerusalem.
Also, als ganz junger Bursche wurde dieser Mensch schon zum König ausgerufen und war im Großen und Ganzen sein ganzes bewusstes Leben lang auf dem Thron. Mit sechzehn Jahren wurde er König, zweiundfünfzig Jahre regierte er, das heißt, von sechzehn bis achtundsechzig regierte er in Jerusalem. Er regierte bis zu seinem Tod.
4. Und er tat, was in den Augen des HERRN wohlgefällig war, genau so, wie Amazja, sein Vater, getan hatte;
5. Und er wandte sich an Gott in den Tagen Secharjas, der in der Furcht Gottes unterwies; und in den Tagen, da er sich an Gott wandte, stand Gott ihm bei.
Man sollte meinen, eine vollkommene Idylle. Da ist endlich ein König, einer der wenigen Könige Jehudas, von dem der Tanach sagt, dass er tat, was in den Augen des HERRN wohlgefällig war, ein gerechter König. Solche Könige gibt es in Wirklichkeit gar nicht so viele. Lest die Chroniken der Könige, ihr werdet sehen, dass bei weitem nicht jeder König tat, was in den Augen des Höchsten wohlgefällig war. Also, alles begann gut. Außer dass Usijahu ein gerechter König war, tat, was in den Augen Gottes wohlgefällig war, war er auch noch Architekt. Architekten gab es im Land Israel viele. Auf uns gekommen sind Bauwerke, sagen wir, von Herodes dem Großen. Herodes der Große war überhaupt ein Megalomane (einer, der Größenwahn hat), er befestigte und baute alles aus, was möglich war, baute im Land Israel allerlei Festungen und ging auch dadurch in die Geschichte ein: Das ist einer der Gründe, weshalb er der Große genannt wird. Aber Usijahu baute, anders als Herodes, nicht für sich. Er mühte sich für sein Land.
10. Und er baute Türme in der Wüste und hieb viele Wasserbecken aus, weil er viel Vieh hatte. Und in der Niederung und in der Ebene, und Ackerbauern und Gärtner auf den Bergen und auf dem Karmel, denn er liebte den Ackerbau.
Das heißt, der Mensch baute Türme, baute offenbar Wassertürme, legte viele Wasserbecken in der Wüste an, betrieb Melioration, belebte die Wüste. Ihr wisst, dass es, wenn das Land Israel auflebt, ein Symbol dafür ist, dass ein Gerechter mit ihm in Wechselwirkung steht. Das Land Israel antwortet auf Gerechtigkeit mit Fruchtbarkeit, und das ist es, was mit Usijahu geschah. Und er liebte den Ackerbau, er liebte es, sein Land umzugestalten. Außerdem war dieser Mensch ein erstaunlich begabter Ingenieur. Davon lesen wir weiter:
15. Und er machte in Jerusalem kunstvoll erdachte Maschinen, damit sie auf den Türmen und an den Ecken stünden, um Pfeile und große Steine zu schleudern. Und sein Name drang weit hinaus, weil er sich wunderbar schützte und stark wurde.
Also, das ist auch noch ein begabter Waffenschmied, der, achtet darauf, Verteidigungsanlagen schuf. Das heißt, er zog gegen niemanden in den Krieg, erhob auf nichts Anspruch. Er schützte sich wunderbar, sagt der Tanach, und wurde stark. Er wurde dadurch stark, dass er einerseits das Land in einen blühenden Garten verwandelte und andererseits dieses Land, diesen blühenden Garten verteidigte. Er war in allem gesegnet, tat, was in den Augen des HERRN wohlgefällig war, der HERR stand ihm bei. Und man sollte meinen, was braucht der Mensch noch?
16. Aber als er stark geworden war, überhob sich sein Herz zu seinem Verderben, und er wurde zum Übertreter vor dem HERRN, seinem Gott, denn er ging in den Tempel des HERRN, um auf dem Räucheraltar Weihrauch zu räuchern.
Ein Mensch, dem alles gelingt und dem Gott tatsächlich in allem hilft, will von dieser Hilfe mehr und mehr, mehr und mehr. Und der Grund dafür ist nicht Gier, nicht Neid, sondern Hochmut, Hochmut, der Hand in Hand mit der Liebe zum Höchsten ging. Und er beschloss, dass er noch auf einem weiteren Gebiet begabt sein würde: Er beschloss, Kohen zu werden, und verletzte damit den Willen seines Gottes. Erinnert euch, wir sprachen über Nadaw und Awihu (10,1–2), dass sie fremdes Feuer darbrachten, das der HERR nicht geboten hatte. Sie taten vielleicht an sich nichts Schlechtes, aber sie brachten Feuer dar, das darzubringen der HERR nicht geboten hatte. Und ebenso ging Usijahu in den Tempel des HERRN, um auf dem Räucheraltar Weihrauch zu räuchern. Das ist ein Ort, an den der Kohen hineingeht, und nur der Kohen, und dort findet das Räuchern statt. Und selbst Usijahu, obwohl König, aber nicht Kohen, kann nicht ins Heilige hineingehen.
Obwohl natürlich im Osten sowohl die Pharaonen als auch die meisten Könige unter denen, die Usijahu umgaben, – in Sumer und in Akkad und in Ur – auch noch Priester waren. Und wenn „die Karte gut fiel“, dann nicht nur Priester, sondern auch Götter. Und es war etwas Alltägliches, dass ein König ins Heiligtum hineingeht, und erst recht ein so begabter König wie Usijahu. Und so ging Usijahu ins Heilige hinein, zum Räucheraltar. Das heißt, er zündete auf dem Räucheraltar das Räucherwerk an und wollte ins Allerheiligste hineingehen, um dort zu räuchern.
17. Und mit ihm ging Asarja, der Priester, hinein und mit ihm achtzig Priester des HERRN, vortreffliche Leute.
Die Kohanim gerieten in Aufruhr. Sie gerieten in Aufruhr nicht deshalb, weil: „Hoppla, gleich nimmt man uns die Macht weg, das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“, wie Wladimir Iljitsch Lenin gesagt hätte. Nicht das war der Grund, dass sie aufgeschreckt waren: Sie bekamen Angst um den König und um das Königreich. Wir lesen weiter, was sie zum König sagten:
18. Und sie widersetzten sich dem König Usijahu und sagten zu ihm: Nicht dir, Usijahu, steht es zu, dem HERRN zu räuchern; das ist die Sache der Priester, der Söhne Aharons, die zum Räuchern geweiht sind; geh hinaus aus dem Heiligtum, denn du hast gesetzlos gehandelt, und das wird dir beim HERRN nicht zur Ehre sein“.
Wir haben es schon gesagt und wiederholen hier jetzt diese wichtige Sache: Der Mensch muss auf den Höchsten hören. Unser Halten der Gebote ist dort gut, wo unser Wille sich vor dem Willen des Höchsten beugt. Wir können den Schabbat nicht am Mittwoch feiern und Jom Kippur nicht im Frühling. Selbst wenn wir sagen: „Wir wollen diesen Tag Gott weihen“, hat Gott Selbst den Tag erwählt, den Er gesegnet hat.
Also, die Kohanim sagten: „Usijahu, handle, wie es sich gehört. Du bist König, und du hast deine eigene Würde, deine eigene Ehre, rühre nicht an, was den Söhnen Aharons zusteht. Sogar ein einfacher Nachkomme Aharons hat das Recht, ins Heiligtum hineinzugehen, du hast es nicht.“
19. Und Usijahu wurde zornig, und in seiner Hand war eine Räucherpfanne zum Räuchern; und als er über die Priester zornig wurde, erschien Zara'at an seiner Stirn vor dem Angesicht der Priester, im Haus des HERRN, beim Räucheraltar.
20. Und Asarja, der Hohepriester, und alle Priester blickten ihn an; und siehe, er hatte Zara'at an seiner Stirn. Und sie drängten ihn, von dort hinauszugehen, und er selbst eilte auch fortzugehen, da der HERR ihn geschlagen hatte.
21. Und König Usijahu war von Zara'at befallen bis zum Tag seines Todes, und er lebte war in einem abgesonderten Haus, und war vom Haus des HERRN ausgeschlossen (das heißt, er konnte nicht in den Tempel hineingehen). Und Jotam, sein Sohn, stand dem königlichen Haus vor und regierte das Volk des Landes (das einfache Volk).
Wir wissen, dass der von Zara'at Befallene sich weit vom Lager fernhalten muss, obwohl seine Unreinheit nicht auf andere übergeht, und der Kohen ihn berühren kann und dabei nicht unrein wird, das ist Teil des Dienstes.
22. Die übrigen Taten Usijahus aber, die ersten und die letzten, hat Jesaja, der Sohn des Amos, beschrieben.
23. Und Usijahu entschlief bei seinen Vätern, und man begrub ihn bei seinen Vätern auf dem Feld der Königsgräber, denn man sagte: Er ist von Zara'at befallen. Und Jotam, sein Sohn, wurde König an seiner Stelle“.
Und so sehen wir das Ergebnis: Der Mensch ist kein Übeltäter, der Mensch lebt nicht nur in Frieden mit dem Höchsten, sondern er wird vom Höchsten über die Maßen gesegnet. Er ist nicht einfach ein Mensch, er ist König in Judäa, und trotzdem, als er die Rechte der Kohanim verletzt, nach dem Priestertum greift, bekommt er Zará'at. Im Talmud gibt es dazu eine solche Überlegung: Wenn Usijahu, der aus Liebe zum HERRN, mit guten Absichten, in das Haus des HERRN hineinging, wenn er nach dem Tempel greift und Strafe empfängt, Zará'at empfängt, um wie viel mehr wird derjenige Strafe empfangen, der mit bösen Absichten nach dem Tempel zu greifen versucht. Im Traktat Sota, auf Blatt 9, heißt es: „Usijahu und Haman (jener Haman, den wir aus der Megillat Ester kennen) warfen ein Auge auf das, was ihnen nicht zustand. Sie bekamen nicht, was sie erbaten, und was sie hatten, wurde ihnen genommen.“ Wie Jeschua sagte: „Dem, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat.“ Wer nach dem greift, was ihm nicht zusteht, der erntet die Früchte seines Übergriffs. Und das ist – Zará'at, Absonderung, das Ziehen von Grenzen um sich selbst, wenn der Mensch gezwungen ist, alle zu warnen, dass er unrein ist.
Der Midrasch Wajikra Rabba sagt, dass das Herz, das böse Pläne schmiedet, aus dem Buch Mischle (6,18) gerade über Usijahu gesagt ist, der das Priestertum berauben wollte. Aus guten Beweggründen sagte er: „Ich will auch einer fremden Frau Blumen bringen, ich will in den Tempel hineingehen: Bin ich etwa schlechter als irgendwelche Kohanim?“ Es sieht so aus, als sei der Beweggrund gut gewesen, er wollte auch dem Höchsten dienen, aber es gelang nicht, weil er versuchte, das zu tun, was zu tun der Höchste nicht geboten hatte.
Zur Heilung von Zará'at werden esów (Ysop) und éres (Zeder) verwendet – zwei völlig verschiedene Pflanzen. Die Zeder gilt als der höchste aller Bäume, die in den Wäldern Israels wachsen. Die Zeder verbindet man mit Stolz, mit Überhebung, aus dem einfachen Grund, dass sie höher ist als alle Bäume. Über die Zeder ist im Talmud gesagt, dass sie der stolzeste der Bäume ist, der König-Baum und so weiter, damit sind viele Volkssprichwörter verbunden. Über den Ysop dagegen ist gesagt, dass er eine der kleinsten, die allerbescheidenste der Pflanzen ist. So kann man sehen, dass die Heilung des von Zará'at Befallenen mit der Demütigung des Stolzes verbunden ist, damit, dass der Mensch gezwungen ist, auf seinen Stolz zu verzichten und ihn durch Demut zu ersetzen. Der Mensch, befallen von Zará'at (Mezorá), wird auf eine einzige Weise geheilt: Er wird geheilt, indem er Teschuwá (Reue) tut. Das ist im Grunde die einzige Arznei. Und obwohl die Weisen des Talmud sagten, dass jede Krankheit im Prinzip ebenfalls durch Teschuwá geheilt werden kann, durch Berichtigung geheilt werden kann, ist doch Zará'at vom Höchsten als anschauliches Beispiel für die Heilung durch Teschuwá erschaffen.
Interessant ist, dass im 14. Kapitel unseres Buches, in Vers 3, gesagt ist: „… und der Kohen wird sehen, dass der Befall von Zará'at den Befallenen verlassen hat.“
Achtet darauf: Nicht der Kranke ist geheilt von Zará'at, sagt das Original, sondern die Zará'at ist geheilt, hat sich vom Kranken befreit, als hätte sie eine Sendung, irgendwelche Funktionen, die sie erfüllt, um den Kranken zur Berichtigung zu bewegen. Sobald der an Zará'at Kranke sich berichtigt hat, befreit sich die Krankheit vom Kranken und „geht mit reinem Gewissen in die Freiheit“. Zará'at heftet sich wie ein Stock, wie ein Riemen, wie eine Krücke an den Kranken und erfüllt diese Funktionen gewaltsam für die Welt, gewaltsam für die WeltordnungDie Wendung „gewaltsam für die Welt, gewaltsam für die Weltordnung“ ist im Original ebenso knapp und mehrdeutig; gemeint ist wohl, dass Zará'at der geordneten Welt eigentlich fremd ist. Sie wurde wörtlich übersetzt.. In einer Welt, in der alles abgegrenzt ist, in der alles verteilt ist, dürfte Zará'at im Prinzip nicht existieren, wie es sie in der berichtigten Welt nicht gibt.
Interessant ist auch das Opfer selbst, das der geheilte Mensch darbringt. Er bringt zwei Vögel dar, lebende, reine (schete-zippórim chajót tehorót). Was bedeutet das? Warum Vögel? Das Bild des Vogels wird als Bild einer solchen plappernden Zwitscherin wahrgenommen. Vögel zwitschern, Vögel pfeifen leise (mezafzefím) oder plappern (mefatpetím). Solche Verben sind mit Leichtsinn verbunden, mit Einfachheit verbunden, aber sie sind rein. Das heißt, das ist, kann man sagen, ein Zeugnis für den Menschen, dass er reden kann und soll, dass das Gespräch existieren soll, erklingen soll, aber das Gespräch muss rein sein. Der Mund ist dem Menschen gegeben, um zu reden, um das Wort Gottes zu verkünden, um mit Menschen Umgang zu haben, den Menschen mit diesem Mund Gutes zu tun. Und reden darf man viel, aber das Gespräch muss rein sein.
Erinnern wir uns an noch eine Geschichte (aus dem 5. Kapitel des zweiten Buches Melachim), über den Mezorá Na'aman, der aus Syrien kam (damals war das noch möglich). Da er dort ein großer Heerführer und ein hohes Tier ist, hat er sich sicher an alle möglichen syrischen Schamanen, Hellseher, Magier, Hexen, Zauberer und Heiler gewandt, die mit Beschwörungen heilen (ich denke, dass man an ihm nicht wenige magische Prozeduren vollzogen hat). Er kam aus Syrien zum Propheten Elischa. Und nun kommt er zum Propheten und erwartet, dass der Prophet ihn gleich mit irgendeinem magischen Pulver bestreut oder über ihm herumwedelt, Rauch auf ihn fächelt, ihn irgendwohin anbläst, zu seinem Gott betet und die Krankheit von ihm weicht. Stattdessen gebietet der Prophet Na'aman, siebenmal im Jordan unterzutauchen, und darauf antwortet Na'aman: „Hat es sich gelohnt, nach Israel zu fahren – im Ganzen nicht weit, irgendwelche 350 – 400 Kilometer, aber immerhin –, um so eine Dummheit zu hören! Im Wasser untertauchen kann ich auch bei mir, bei uns gibt es, Gott sei Dank, Flüsse, und das Wasser darin ist um einiges besser als das trübe Jordanwasser.“ Worauf ihm die Diener antworten: „Was kostet es dich schon? Was kostet es dich schon, Onkelchen Na'aman? Tauch unter, schau, vielleicht wird ja was.“ Und Na'aman tauchte unter, erhielt Heilung und kam dadurch zum Glauben an den Gott Israels. Warum ist das geschehen? Warum wurde er geheilt? Weil der Gehorsam gegenüber dem Höchsten mit der Annahme der Tora verbunden ist, mit dem Sein im Gesetz, mit dem Sein an seinem Platz, auf seiner Ebene: Für jeden gibt es eine gewisse Ebene, zu der Gott ihn zugelassen hat. Der Hohepriester kann ins Allerheiligste hineingehen, der Kohen kann ins Heilige hineingehen, Israel kann in den Vorhof hineingehen. Die Frau hat andere Rechte und Pflichten als der Mann, und der Mann – als die Frau. Israel und die Heiden unterscheiden sich ebenfalls. Jeder hat seine Rechte, und jeder gehorcht dem Höchsten auf seiner Ebene, und das ist wichtig. Ohne Erfüllung der Gebote gibt es keinen Gehorsam, Na'aman hat der Gehorsam gegenüber den Geboten gerettet.
In den Versen 8–9 des 24. Kapitels des Buches Dewarim lesen wir eine interessante Bemerkung der Tora, eine Anweisung der Tora: „Sieh zu, bei der Plage der Zará'at achte genau darauf und erfülle das ganze Gesetz, das euch die Kohanim und die Leviten lehren werden. Erfüllt genau, was Ich ihnen geboten habe. Gedenke, was der HERR, dein Gott, Mirjam getan hat, als ihr aus Ägypten zogt.“ Was geschah mit Mirjam? Mirjam kam mit Anschuldigungen gegen Mosche, mischte sich, kann man sagen, in fremde Angelegenheiten ein, zeigte Ungehorsam und bekam dafür Zará'at. Die Tora spricht hier nicht davon, dass du, wenn du Zará'at hast, zum Kohen gehen und ihm gehorchen sollst. Alle Arzneien, die er dir verschrieben hat, alle Heilmethoden, die er dir verschrieben hat – tu sie. Sagt er dir, auf einem Bein zu hüpfen – hüpf, sagt er dir, auf den Händen zu stehen – steh. Nein, die Tora meint nicht das. Die Tora meint: Wenn du Zará'at hast, wenn der Höchste dich warnt, dass du etwas Unreines tust, dann komm zu den Kohanim und prüfe, worin du das Gesetz übertrittst: nicht das konkrete Gesetz über den Mezorá, sondern das Gesetz überhaupt. Erkundige dich, erkundige dich beim Kohen, worin du ungehorsam bist. Wenn Gott dich mit Zará'at schlägt, prüfe deine Taten, prüfe, worin dein Ungehorsam liegt. Als Mirjam umkehrte und ihren Weg bereute, sich damit abfand, dass Mosche und Aharon wirklich verstehen, was sie tun, wurde sie auf das Gebet Mosches hin geheilt. Das heißt, die Tora sagt nicht: Folgt der Anweisung des Arztes, sie sagt: Folgt der Anweisung des Lehrers. Und das ist es, was von Zará'at heilt.
Das Buch Sohar erzählt die Geschichte von zwei Weisen, die an einem Gewässer einen von Zará'at befallenen Menschen sahen, der Geschwüre auf der Stirn und im Gesicht hatte. Und die Weisen erörterten, dass der Höchste den Menschen allmählich warnt, wie der Geist zurechtweist. Zuerst weist der Geist ganz privat zurecht, und der Mensch wird dort befallen, wo niemand es sieht. Bei ihm erscheinen irgendwelche Verdunkelungen auf der Haut, irgendwelche Veränderungen. Vielleicht geschieht etwas mit seinem Besitz. Gott schlägt nicht sofort ihn selbst, Gott schlägt den Menschen allmählich und warnt ihn dabei. Ist irgendeine unangenehme Kleinigkeit passiert – geh, prüf dich. Hast dich nicht geprüft – ist etwas Größeres passiert. Hast dich wieder nicht geprüft – und das hat schon deinen Körper berührt, schon an deinem eigenen Körper konntest du irgendeinen Befall sehen. Wenn du auch weiter nicht hinschaust, nicht achtgibst, dann beginnt Gott, sichtbare Stellen an deinem Körper zu schlagen, und in der allerletzten Etappe lässt Er schon ein Geschwür im Gesicht des Menschen erscheinen. Oder wenn ein Mensch einen Anschlag auf das Heiligste verübt hat, wie König Usijahu, dann weist Gott, um allen zu bezeugen, wer in diesem Fall recht hat, wer schuldig ist, sofort zurecht durch das Erscheinen von Zará'at gerade im Gesicht des Königs.
Warnend handelt Gott im Leben des Menschen allmählich. Zará'at kann zuerst am Haus erscheinen, an der Kleidung, dann – am Körper an verborgenen Stellen und am Körper an offenen Stellen. Und ähnlich kann man irgendwelche Misserfolge in unserem Leben übersehen, die vor unseren Augen verborgen sind. Und erst wenn wir genau hinschauen, können wir sie erkennen. Dann werden sie uns schon offenbar, sind aber vor anderen noch verborgen. Und es kommt die dritte Etappe, wenn Gott unsere Blöße, unsere Schande allen offenbaren kann. Und das wird wie das letzte Stadium der Zurechtweisung sein. Aber es ist nie zu spät, zum Kohen zu gehen und seine Taten zu prüfen. Zum Glück haben wir heute einen solchen Hohepriester, zu dem man nicht weit fahren muss, nicht nach Jerusalem fahren muss. Und wir können Ihm bekennen, mit Ihm reden, Gemeinschaft mit Ihm haben, uns an Ihm messen. Und da wir einen solchen Hohepriester haben, können wir von unseren Krankheiten geheilt werden, obwohl es in unserer Zeit Zará'at weder im Land Israel noch außerhalb des Landes Israel mehr gibt. Und es gibt sie nicht, nicht weil wir aus ihr herausgewachsen sind, sondern im Gegenteil, weil wir nicht bis zu ihr heranwachsen, weil wir nicht fähig sind, eine solche Ebene der Zurechtweisungen anzunehmen.
So oder so: Wenn du irgendeinen Misserfolg im Leben spürst, geh, frag, sprich mit anderen, such die Antwort in der Lehre Jeschuas, bete zum Höchsten, bitte darum, dass dir gezeigt wird, wo dein Fehler ist, was du falsch machst, such in deinen Taten. Wenn du in deinen Taten herumgesucht und nichts gefunden hast, dann nimm es an als Leiden aus Liebe. Aber wenn die Leiden zunehmen und für andere offensichtlich werden, dann ist von Leiden aus Liebe schon keine Rede mehr.
Das ist also eine so wichtige Lektion, die wir aus dem Wochenabschnitt Mezora mitnehmen können.
Wofür trifft mich das alles?
Das hebräische Wort Mezora bezeichnet einen Menschen, der an einer Krankheit leidet, die auf Hebräisch Zara'at heißt. In der Tora ist Zara'at – sowohl das Weißwerden der Haut als auch der Ausfall der Haare als auch die Veränderung der Augenfarbe. Zara'at kann es sowohl an Häusern als auch an Kleidung geben. Im Allgemeinen ist Zara'at irgendeine Krankheit, die es heute nicht gibt.
Wir sehen aus dem Text der Tora, dass ein Mensch, der an dieser Krankheit erkrankt ist, sich außerhalb des Lagers entfernen muss. Oft stellten die Kommentatoren die Version auf, dass dies damit zusammenhängt, dass Zara'at eine ansteckende Krankheit ist. Wir müssen zugeben, dass eine solche Version in keiner Weise gestützt wird im Tanach. Mehr noch, wir sehen auch keinerlei Zeugnisse dafür, dass Zara'at eine Erkrankung mit tödlichem Ausgang ist, dass man an ihr stirbt. Im 5. Kapitel des zweiten Buches Melachim gibt es eine Erzählung über Na'aman (gewöhnlich wird dieser Text in den Synagogen zusammen mit unserem Wochenabschnitt gelesen). Dieser Na'aman ist ein syrischer (aramäischer) Heerführer, und dabei ist er an Aussatz erkrankt. Im 5. Kapitel, im 18. Vers steht geschrieben, dass er an den Zeremonien teilnimmt und der König sich auf seine Hand stützt. Das heißt, der König entfernt sich nicht, meidet nicht den Kontakt mit einem Menschen, der an dieser Krankheit erkrankt ist. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass Zara'at keine ansteckende Krankheit ist. Sie bereitet Na'aman, der an ihr erkrankt ist, eine Menge Unannehmlichkeiten, das ist nicht ästhetisch, das ist lästig, aber das hindert ihn nicht daran zu leben und ein wichtiges Amt zu bekleiden, das ernsthafte Tätigkeit erfordert. In demselben Buch, im 7. Kapitel, gibt es eine Erzählung über vier Menschen, die vor den Mauern der samarischen Stadt sitzen. Und diese Menschen sprechen davon, dass sie fürchten, vor Hunger zu sterben oder dadurch, dass die Aramäer kommen und sie töten. Aber sie fürchten nicht, an Zara'at zu sterben. Sie verstecken sogar Geld für die Zukunft, das heißt, sie erwarten überhaupt nicht den Tod durch diese Krankheit. Man kann sagen, dass das Gebot an den Kranken, sich zu entfernen, nicht damit zusammenhängt, dass er eine ansteckende Krankheit hat.
Die Weisen sagten, dass die Wurzel der Krankheit Zara'at die Strafe für Sünde ist, und sie nennen sieben Ursachen, sieben Vergehen, deren Strafe diese Krankheit Zara'at ist: üble Nachrede, Blutvergießen, unnütze Schwüre, Unzucht, Grobheit, Raub und Neid. Das ist nicht einfach irgendeine Erfindung der Weisen. Sie nehmen die Fälle von Erkrankung an Zara'at, sehen die Sünde, die im Tanach geschrieben steht, und systematisieren dieses Wissen. Nach Meinung der Weisen ergibt sich, dass Zara'at nicht einfach eine Krankheit ist, sie ist sogar nicht das Ergebnis der Sünde, sie symbolisiert die Sünde, das heißt, ihr Auftreten zeigt, dass der Mensch sündig ist. Deshalb heißt ein Mensch, der an dieser Krankheit erkrankt ist, tame (unrein), und diese Unreinheit wird von der Sünde hervorgebracht.
Wenn wir uns ansehen, welche Arten von Unreinheit in der Tora beschrieben werden, dann werden wir sehen, dass es drei Hauptarten der Unreinheit gibt. Die erste Art ist die Unreinheit der Toten, das heißt die Unreinheit durch die Berührung eines toten Menschen, eines toten Tieres, von Aas und von allerlei Gewürm, Insekten und so weiter. Die zweite Art der Unreinheit ist die Unreinheit, die mit verschiedenen Ausflüssen verbunden ist. Das sind alle möglichen Ausflüsse des Samens, wie Gonorrhö, oder ein unwillkürlicher Samenerguss, oder Blutungen der Frau und so weiter. Die dritte Art der Unreinheit ist die Unreinheit der Hautkrankheiten, die mit Zara'at verbunden sind. Und jedes Mal, wenn irgendein Mensch unrein wird, gibt es irgendeinen Ort, von dem er sich entfernen muss. Je nachdem, welcher Art die Unreinheit des Menschen ist, gibt es Orte, die er mit dieser Unreinheit nicht mehr betreten darf. Wenn ein Mensch durch die Berührung eines Toten unrein ist, darf er das Allerheiligste nicht betreten, das Heilige, jenen Teil des Tempels, der das Heilige ist. Im zweiten Fall, wenn ein Mensch an irgendwelchen Ausflüssen leidet, darf er jenes Erbteil nicht betreten, wo die Leviten dienen, das heißt, das ist der zweite Kreis, auf diese Weise darf man zwei Kreise schon nicht mehr betreten – weder den Tempel selbst noch dorthin, wo die Leviten dienen.
Was bezeichnen, was symbolisieren diese drei Arten der Unreinheit? Und die Weisen kommen, wiederum den Tanach erforschend, zu folgendem Schluss: Die erste Art der Tum'a, die mit dem Toten verbunden ist, symbolisiert ein Vergehen im Bereich zwischen Mensch und Gott. Das ist, wenn ein Mensch zum Beispiel im Gebet nachlässig ist oder ein anderes Gebot nicht erfüllt, was niemandem Schaden zufügt, aber die Beziehung zwischen dem Menschen selbst und Gott verdirbt. Die zweite Art der Unreinheit, die sich in Ausflüssen zeigt, ist mit einem Verbrechen des Menschen gegen sich selbst verbunden. Auf welche Weise kann das sein? Wenn zum Beispiel ein Mensch trinkt und sich bis zur Bewusstlosigkeit betrinkt oder irgendwelchen anderen Verlockungen verfällt, wird er unrein, weil er von Anfang an erwählt ist, ein heiliges Gefäß zu sein. Die dritte Art der Unreinheit ist mit Verbrechen zwischen dem Menschen und einem anderen Menschen verbunden. Und dafür ist die Strafe die schwerste, weil ein Mensch, der ein solches Verbrechen begangen hat, überhaupt aus dem Lager hinausgehen muss. Für ihn gibt es keinen Platz in Israel mit einer solchen Sünde, da jene Sünden, die er begeht, den Nächsten schaden können. Er ist gleichsam gefährlich für die Gesellschaft, und gerade deshalb befindet er sich bis zur Reinigung in Isolation.
Der Umgang mit den von Zara'at Befallenen war sehr hart. Es gab zum Beispiel Rabbiner (der Talmud erzählt davon), die, wenn sie einen solchen Menschen sahen, anfingen, Steine auf ihn zu werfen. Und solcher Fälle gab es viele, und deshalb lebte es sich für den kranken Menschen sehr schwer. Für diese Krankheit konnte es keine Heilung geben. Die Rabbiner mischten sich nicht ein und verkehrten nicht mit den von ihr Befallenen, im Unterschied zu irgendwelchen anderen Fällen von Heilung. Man erzählt zum Beispiel von Rabbi Ami, der eine Straße nicht betrat, durch die einmal ein von Zara'at Befallener gegangen war. Rabbi Schimon ben Lakisch zwang, wenn er einem solchen Menschen begegnete, seine Schüler, ihn mit Steinen zu bewerfen, und sagte: „Verschwinde aus der Stadt!“ Der Talmud erörtert: Auf welche Entfernung darf man sich dem Kranken nähern? Und die einen sagen, dass es am nächsten zwei Meter sind. Aber die endgültige Entscheidung des Talmuds ist, dass man sich ihm nicht näher als auf 50 Meter nähern darf. Und der Midrasch erzählt davon, dass ein von Zara'at Befallener für immer zugrunde gehen muss, für ihn gibt es keine Heilung. Aber wir sehen, dass im 8. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus erzählt wird, dass Jeschua den Aussätzigen nicht nur heilt, Er berührt ihn (8,2–3). Das heißt, Zara'at war eine Krankheit, die nur ein Wunder heilen konnte. Und das ist ein Beweis der übernatürlichen Kraft Jeschuas. Er verbietet dem Geheilten zu erzählen, was geschehen ist, und schickt ihn zum Kohen, weil für die Kohanim jener Zeit ein aussätziger Mensch als tot galt und ein solches Zeugnis für sie ein Zeugnis der Möglichkeit der Auferstehung von den Toten ist. Und wir sehen hier außerdem noch etwas: In unserer Zeit kann die Heilung von Unreinheit ebenfalls durch die Hinwendung zu Jeschua geschehen. Und noch eine Lektion. Im Verständnis der jüdischen Tradition gelten als die schlimmsten aller Vergehen diejenigen, die gegen Menschen gerichtet sind. Wir denken oft, dass einen Menschen zu kränken gleichsam eine leichtere Sünde ist, als ein Verbrechen gegen den Höchsten zu begehen. Aber die jüdische Tradition sieht das ganz anders. Gerade wer ein Verbrechen gegen Menschen begeht, hat keinen Platz in der heutigen Gesellschaft. Wir sehen, was in den Gemeinden gläubiger Menschen geschieht: Einen Menschen, der ständig mit seinen Nächsten streitet, lässt man zur Teilnahme am Abendmahl zu, einen Menschen aber, der raucht, lässt man nicht zum Abendmahl zu. Und hier muss man nachprüfen: Werden die Prioritäten in den Werten einer solchen Gemeinde richtig gesetzt? Nicht nur in diesem Einzelfall, sondern überhaupt, als Herangehensweise an das Leben.
Mezora: weiter studieren
Materialien zum Thema: Stenogramm des Wochenabschnitts Tasria, Audiogespräch über den Wochenabschnitt Mezora, rituelle Unreinheit und Wochenabschnitte der Tora.