1. Wochenabschnitte
  2. Bereschit
  3. Bereschit

בְּרֵאשִׁית

Bereschit

die Erschaffung der Welt und der Mensch

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
1 von 54
Verse
Bereschit 1,1–6,8
Teile
13
Lesezeit
3 Std. 11 Min.
Hörfassung
4 Std. 58 Min.

markiert Stellen, an denen die Übersetzung bewusst vom russischen Original abweicht. Antippen zeigt den Hinweis.

Bereschit ist der erste Wochenabschnitt der Tora, der der Erschaffung der Welt und dem Beginn der menschlichen Geschichte gewidmet ist. Im Stenogramm von Alex Blend geht es um Adam und Chawa, Eden, die erste Tragödie, Kajin und Hewel, Geschlechterfolgen und die Bedeutungen hebräischer Wörter. Der Text wird von einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original heißt es, der Text werde von einer russischen Übersetzung begleitet. Da diese Seite deutsch ist, steht hier neutral „einer Übersetzung“. und der Auslegung des Autors begleitet, die danach strebt, die Schrift „wie zum ersten Mal“ zu lesen.

Lesen wie zum ersten Mal

Bereschit 1,1–31

Wir beginnen mit dem hochinteressanten ersten Abschnitt der Tora – dem Abschnitt des Buches Bereschit, über den zu sprechen mir, ich gestehe, sehr schwerfällt, und zwar aus folgendem Grund. Es gibt zum Beispiel Wochenabschnitte, die aus einer Liste von Gaben bestehen, die die Häupter der Stämme in den Tempel brachten, oder aus irgendwelchen Geschlechterfolgen. Und du sitzt lange da, liest es wieder und wieder, überlegst, wie du das dem Zuhörer vermitteln kannst, damit es für ihn interessant ist, damit diese Tora süß ist und nicht irgendeine langweilige Liste. Und diese Vorbereitung braucht viel Zeit, bis sich etwas erschließt, was man den Menschen erzählen und womit man sie teilhaben lassen kann.

Im Gegensatz zu diesen Abschnitten zeichnet sich der Wochenabschnitt Bereschit dadurch aus, dass es eine Unmenge an Kommentaren zu ihm gibt! Man kann von Geheimnissen erzählen, von Verborgenem, und wohin man auch schaut und welche Lektionen man sich auch ansieht: „Verborgene Bedeutungen des Wochenabschnitts Bereschit“, „Der Maschiach im Wochenabschnitt Bereschit“, „Geheimnisse des Wochenabschnitts Bereschit“. Und eine endlose, endlose Menge solcher Lektionen.

Ich aber möchte den allereinfachsten, den allerursprünglichsten Sinn des Abschnitts Bereschit erschließen. Ich war immer überzeugt und bin es auch jetzt, dass der Höchste, der uns die Tora gegeben hat, der Genialste aller Autoren und Schriftsteller aller Zeiten und Völker ist. Und wenn Er uns die Tora gibt, will Er, dass wir sie wenigstens ein Mal Abschnitt für Abschnitt lesen; dass wir, wenn wir den ersten Abschnitt lesen, nicht in den zweiten hineinschauen und nicht schon das Ende kennen. Uns aber verführt das. Selten können wir die Schrift wie zum ersten Mal lesen. Wer ist heute dazu fähig – so zu lesen, als hätte man es nie gelesen? Das ist sehr schwer. Wir wollen immer etwas sehen, wovon wir wissen, was wir ahnen, wir wollen es sofort in den Text „hineinlesen“, mit dem Finger darauf zeigen. Das ist wunderbar. Und es ist so weit gekommen, dass über das allererste Wort בְְּרֵאשִׁית‏‎ (bereschít) ganze Bücher geschrieben wurden. Es gab also Menschen, die so tief in die Schrift eingetaucht sind, in ihre Geheimnisse, in ihre verborgenen Bedeutungen, dass sie dem ersten Wort ganze Bücher gewidmet haben. Recht ernsthafte und recht interessante Kommentare gibt es zum ersten Wort – בְְּרֵאשִׁית‏‎ (bereschít). Das ist wunderbar, das ist sehr interessant. Und ich selbst, ich gestehe, liebe diese Bücher sehr. Mir gefällt es, wenn jemand darüber nachdenkt, warum die Tora mit dem Buchstäbchen ב (bet) beginnt, oder darüber, dass das Buchstäbchen ב‏‎ (bet) zu einer Seite hin offen ist und uns gleichsam eröffnet, was sein wird, und nicht eröffnet, was davor war, wobei es ein kleines, kleines Schwänzchen übrig lässt, das dorthin, in die Vergangenheit, schaut, durch das man in die Vergangenheit hineinschauen kann. Jemand hat darüber nachgedacht, jemandem hat sich das so erschlossen. Und es ist unwichtig, ob das so beabsichtigt war (die Buchstaben der Tora waren ja ursprünglich andere) oder ob es nicht beabsichtigt war, aber der Gedanke ist interessant. Nur kann man sich mit diesem Gedanken auch sehr stark irren.

Ich zeige euch so ein absichtlich dummes Beispiel, wobei ich die Tora mir zurechtbiege. Hier zum Beispiel: בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת (bereschít bará elohím et). Die ersten zwei Wörter beginnen mit dem Buchstäbchen ב (bet). Das ist der erste Buchstabe meines Familiennamens. Die zweiten zwei Wörter beginnen mit dem Buchstäbchen א (álef). Das sind die ersten Buchstaben meines Vornamens. Hier ist schon eine Andeutung: bet, alef – Blend Alexander. Gehen wir weiter. Das Wort ‏אֱלֹהִים (elohím) ergibt nach der Gematria 86. Und das ergibt nach der Gematria auch mein Familienname – Blend. Da habe ich mich also ganz leicht hier hineingeschrieben, in den allerersten Vers der Schrift! Was natürlich nicht einmal annähernd darin steht.

Und es ist gut, wenn die Idee dumm ist und offensichtlich ist, dass sie hier hineingeschrieben wurde. Es gibt Ideen, die wir hier sehen wollen. Wir wollen sie sehr gern erkennen. Und es ist gut, wenn wir sie erkennen. Nehmen wir das Wort אֶת (et). Es besteht aus א (álef) und ת (taw) – dem ersten und dem letzten Buchstaben des Alphabets. Und man kann sagen: Da ist es – Alpha und Omega! Ja, das ist gut so gesagt, es ist gut, diesen Gedanken weiterzuentwickeln. Das ist interessant, aber man sollte auch den allereinfachsten, den allerursprünglichsten Sinn der Tora nicht vernachlässigen, nicht übersehen, den der Text niemals verliert. Es gibt eine solche Regel beim Lesen der Tora, dass der einfache Sinn niemals verschwindet. Man kann nicht sagen, es steht so geschrieben, im einfachen Sinn, aber in Wirklichkeit bedeutet es etwas anderes. Nein, der einfache Sinn ist in Wirklichkeit immer auch vorhanden. Deshalb schlage ich euch eine Reise vor (die vielleicht manchem auch ganz und gar uninteressant erscheinen wird) in den allereinfachsten, ursprünglichen Sinn des Wochenabschnitts Bereschit. Wir werden so lesen, wie ihn ein Mensch lesen würde, der dieses Buch zum ersten Mal aufgeschlagen hat und noch nicht so recht ahnt, wovon es handelt.

בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ׃

Bereschít baráIn der russischen Umschrift steht das Betonungszeichen hier versehentlich auf einem Konsonanten. Nach dem Hebräischen liegt die Betonung auf der letzten Silbe: bará. Elohím et haschamájim we'ét ha'árez

1 Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.

Das Wort bereschít besteht aus der Präposition ב (bet), die man übersetzen kann als in, und dem Wort רֵאשִׁית (reschít) – Anfang, also „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“. Die Präposition bet kann man auch übersetzen als mit Hilfe von etwas, zum Beispiel mit einem Eispickel oder einer Spitzhacke. Und dann sagen wir: „Mit dem Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“. Man kann es auch übersetzen als im Namen und um … willen: „Um des Anfangs willen schuf Gott den Himmel und die Erde“. Und die Kommentatoren haben sich natürlich in die eine, in die andere und in die dritte Richtung aufgemacht. Diese Richtungen zu suchen, zwingt sie auch die Tatsache, dass das Wort reschít (Anfang) nicht für sich allein gebraucht wird. Wenn wir sagen im Anfang, fragt sich: im Anfang wovon? im Anfang der Saison? im Anfang des Seins? Und man erwartet irgendein Substantiv, das beschreibt, um den Anfang wovon es geht. Deshalb neigen einige dazu, den übrigen Teil des Satzes als mit dem Anfang verbunden zu übersetzen, also: „Im Anfang der Erschaffung von Himmel und Erde durch Gott“. Man kann es auch so übersetzen. Aber wenn wir doch vom Verständnis des Pschat als des einfachen Sinnes sprechen, dann werden wir beim Lesen verstehen, dass das wahrscheinlichste Verständnis ist: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde, und so ist es geschehen“.

Bis zum Ende des dritten Tages werden wir die angekündigte Beschreibung sehen. Wir werden sehen, wie das entstand, was Erde genannt werden wird, und wie das entstand, was Himmel genannt werden wird: et haschamájim we'et ha'árez – den Himmel und die Erde. Sehr viel wird über diese Partikel את (et) gesprochen, die in Wirklichkeit eine Kasuspräposition ist, und man kann einfach übersetzen: den Himmel und die Erde. Aber es gibt eine Lesart der Tora, die sagt: Das Wort את (et) bedeutet immer auch das, was dazu hinzukommt, das, was sich darin befindet. Zum Beispiel ist et hadirá die Wohnung und das, was in ihr ist, irgendein Innenausbau und noch etwas anderes. Und dann kann man zum Beispiel et haschamájim verstehen als die Himmel und ihr ganzes Heer, alle Engel und all jene, die zum Dienst im Himmel bestimmt sind. Das ganze, sagen wir es so, himmlische Komplettpaket.

Ich denke, darauf muss man nicht tiefer eingehen, und man kann es so sagen: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“. Und weiter werden Erklärungen folgen, die uns ausmalen, wie das vor sich ging, warum und was an welchen Tagen erschaffen wurde.

וְהָאָרֶץ הָיְתָה תֹהוּ וָבֹהוּ וְחֹשֶׁךְ עַל־פְּנֵי תְהוֹם וְרוּחַ אֱלֹהִים מְרַחֶפֶת עַל־פְּנֵי הַמָּיִם׃

Weha'árez hajetá tóhu wawóhu wechóschech al-pené tehóm werúach Elohím merachéfet al-pené hammájim

2 Und die Erde war leer, und Dunkelheit über dem Abgrund, und der Geist Gottes schwebt über dem Wasser.

Und die Erde war tóhu wawóhu. Diese Wortverbindung – tóhu wawóhu – ist gar nicht so leicht zu verstehen. Abgesehen davon, dass sie schon durch ihren bloßen Klang eine gewisse Chaotik, ein „Durcheinandergemischtsein“ von allem vermittelt, wird tohu im Weiteren zur Bezeichnung von Leere, Wüste, etwas Leblosem, Sinnlosem und so weiter gebraucht. Die Bedeutung des Wortes wóhu hat sich in späteren semitischen Sprachen erhalten. Zum Beispiel bedeutet wóhu auch in arabischen Sprachen so etwas wie Leere, Verwahrlosung, Ungeordnetheit. Und hier ist höchstwahrscheinlich eben die Leere, die Leblosigkeit gemeint.

Wechóschech al-pené tehóm – und Dunkelheit über dem Abgrund. Abgrund – das ist so eine russische Übersetzung, also „ohne Boden“Das russische Wort für „Abgrund“ (besdna) ist aus „ohne“ und „Boden“ gebildet; darauf bezieht sich der Autor. Das deutsche Wort ist anders gebildet.. Einen Boden gab es in Wirklichkeit schon, aber über den Tiefen der Wasser war Dunkelheit, weil es noch kein Licht gab.

Werúach elohím merachéfet al-pené hammájim – und der Geist Gottes schwebt über dem Wasser. Man kann es so übersetzen. Rúach elohím ist in diesem Fall der Geist Gottes. Man kann es auch übersetzen als starker Wind. Tatsächlich wird das Wort elohím in der Bedeutung stark gebraucht, sowohl in Bezug auf den Wind als auch auf Lärm und auf Aufruhr. Und das Wort rúach kann, wie das wohl schon alle wissen, sowohl Geist als auch Wind bedeuten. Deshalb kann man den ganzen Ausdruck auch übersetzen als ein starker Wind schwebt über dem Wasser. Was der Autor gemeint hat, können wir schwer eindeutig sagen (wieder gibt es Kommentare in die eine wie in die andere Richtung). Und uns als Gläubigen gefällt es, dass die Kommentatoren sagen: „Rúach elohím, der Geist Gottes – das ist der Geist des Maschiach“. Aber wenn wir diesen Text zum ersten Mal lesen, dann wissen wir noch nichts vom Maschiach, wir haben noch nichts über ihn gelesen, und deshalb lesen wir hier einfach: „Der Geist Gottes schwebt über dem Wasser“.

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יְהִי אוֹר וַיְהִי־אוֹר׃

Wajomer Elohím jehí or wajehi-ór

3 Und Gott sprach: „Sei Licht!“ Und es wurde Licht.

Es gibt eine Schwierigkeit in der russischen Übersetzung. Diese Schwierigkeit betrifft sowohl die vorliegenden Verse der Tora als auch besonders die Segenssprüche. Gott sagt nicht: „Möge Licht sein!“ Gott sagt: „Licht, sei!“ Und wenn ein Mensch segnet und sagt: „Möge Gott dir Gesundheit geben!“, „Möge der HERR dir Segen senden…“, dann gibt es im Original dieses „möge“ nicht, im Original steht: „Gott wird dir Gesundheit geben!“, „Gott wird dir Segen senden!“ Ich erkläre meinen Glauben! Ich verkünde, dass dies nach meinem Verständnis der Weltordnung geschehen wird! Ich behaupte das! Damit segne ich, verbinde ich dich mit der göttlichen Quelle, damit du es empfängst. Hier zeigt der Höchste Seine schöpferische Kraft, und Er gebietet dem Licht zu sein. Einfach: „Und der Höchste sprach: ‚Licht, sei!‘ Und es erschien Licht“.

וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת־הָאוֹר כִּי־טוֹב וַיַּבְדֵּל אֱלֹהִים בֵּין הָאוֹר וּבֵין הַחֹשֶׁךְ׃

Wajár Elohím et-haór ki-tów wajawdél Elohím ben haór uwén hachóschech

4 Und der Höchste sah das Licht, dass es gut ist, und der Höchste trennte das Licht und die Dunkelheit.

Hier sprechen wir von einem Licht, das uns nicht bekannt ist. Das ist irgendein besonderes Licht, ein substanzielles Licht, das wir nach der Erschaffung der Leuchten nicht mehr sehen. Irgendein besonderes Licht, das man von der Dunkelheit hätte trennen können. Mit dem Licht, das wir kennen, das Welle oder Teilchen ist, ist das schwer zu machen, obwohl Physiker und kreationistische Wissenschaftler verschiedene Lösungen dieser Frage vorschlagen. Hier waren Licht und Dunkelheit wie Substanzen, die der Höchste trennen konnte. Er trennte sie in der Zeit, wie wir weiter sehen werden, das heißt, Er gab dem Licht eine gewisse Zeit und der Dunkelheit eine gewisse Zeit. Woher wissen wir das? Weil wir im 5. Vers lesen:

וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָאוֹר יוֹם וְלַחֹשֶׁךְ קָרָא לָיְלָה וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם אֶחָד׃

Wajikrá Elohím laór jom welachóschech kára lájla wajhi-érew wajhi-bóker jom echád

5 Und der Höchste nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte Er Nacht. Und es war Abend, und es war Morgen: ein Tag.

Das Wort érew bedeutet Vermischung, Verschmelzung. Von dem Moment an, als der Höchste sagte: „Hier – Licht, hier – Dunkelheit“, geschieht zwischen ihnen eine Diffusion, die Grenze zwischen ihnen ist verschwommen, nicht streng. Und es gab eine Vermischung an der Nahtstelle von Tag und Nacht, wenn sich die Dunkelheit mit dem Licht vermischt. Genau das nennt man érew – Vermischung; learbéw – das ist mischen auf Hebräisch. Wajhi-bóker – es gab ein Durchpicken. Und es war Morgen, wenn das Licht durchsticht, durch die Dunkelheit hindurchgeht.

Jom echád – ein Tag. Ihr und ich haben noch nicht weitergelesen, und deshalb ist jom echád – ein Tag, nicht der erste Tag (jom rischón), wie es wäre, wenn wir zählen würden, sondern ein Tag. Warum so? In den alten Sprachen der semitischen Gruppe sagte man so: Tag, zweiter Tag, dritter Tag. In der späten Periode begann man zu sagen: erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag. Und irgendwo dazwischen, gerade etwa als die Tora gegeben wurde, war es üblich zu sagen: ein Tag, zweiter Tag, dritter Tag. Wir erfassen hier die Sprache beim Übergang von einem Stil zum anderen.

Also, der erste Tag – jom echád. Und es war Abend, und es war Morgen: ein Tag. Das ist das Ende des ersten Tages. Was haben wir gesehen? Dass der Höchste am ersten Tag das Licht schuf, das Licht und die Dunkelheit trennte und das Licht Tag nannte, die Dunkelheit aber Nacht nannte.

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יְהִי רָקִיעַ בְּתוֹךְ הַמָּיִם וִיהִי מַבְדִּיל בֵּין מַיִם לָמָיִם׃

Wajomer Elohím jehí rakía betóch hammájim wihí mawdíl ben májim lamájim

6 Und Gott sprach: „Es sei rakía inmitten des Wassers, und sie scheide zwischen Wassern und Wassern.“

Das Wort rakía ist ein sehr schwer zu verstehendes Wort. Oft deutet man es auf Grundlage des Wortes lerakéa – prägen, herausprägen. Es sei gleichsam ein herausgeprägtes Gewölbe inmitten des Wassers. Dennoch greife ich vor und sage es, um die Bedeutung des Wortes zu verstehen. Wir wissen, dass es (das Gewölbe) dem Eis ähnlich ist, dass es leuchtet, und man kann sagen, dass das irgendein Eisgewölbe ist, man könnte es so verstehen. Aber das Wort lerakéa bedeutet auch verdünnten Raum schaffen. Lerakéa – das heißt nicht, nach außen oder nach innen gewölbtes Eisen zu schaffen, sondern diese Höhlung selbst zu schaffen, diese Leere. Daher zum Beispiel das Wort merkua, das auf Hebräisch Biskuit bedeutet, irgendein luftiger, aufgehender Teig. Also eine gewisse Verdünnung, Verdünntheit. Man kann das übersetzen als Atmosphäre: Es sei Atmosphäre, es sei verdünnter Raum inmitten des Wassers.

וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת־הָרָקִיעַ וַיַּבְדֵּל בֵּין הַמַּיִם אֲשֶׁר מִתַּחַת לָרָקִיעַ וּבֵין הַמַּיִם אֲשֶׁר מֵעַל לָרָקִיעַ וַיְהִי־כֵן׃

Wajá'as Elohím et ha-rakía wajawdél ben hammájim aschér mittáchat larakía uwén hammájimIn der russischen Umschrift ist das zweite Wort für „die Wasser“ durch vertauschte Buchstaben verschrieben. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: hammájim. aschér me'ál larakía wajhi-chén

7 Und Gott machte rakía und trennte die Wasser, die unter rakía sind, und die Wasser, die über rakía sind. Und es wurde so.

Sehr viel kann man auch darüber sprechen. Nun, wenn wir die Physik kennen, können wir hier das System des Wasserkreislaufs in der Natur anwenden. Wenn wir losgehen, wieder einmal hinüberlaufen auf den Boden der Metaphern, können wir sagen: „Es gibt die Tora, die eine irdische Tora ist, die zur Offenbarung der Erde auf der Erde bestimmt ist. Es gibt die himmlische Tora, die vorerst dort aufbewahrt wird, beim Höchsten, oben. Denn auch in Bezug auf das Licht, das erste Licht (wir werden noch darauf zurückkommen), gibt es ebenfalls einen Midrasch, dass genau dieses ursprüngliche Licht der Höchste dort aufbewahrt hat, in den Himmeln, unter Seinem Thron.

וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָרָקִיעַ שָׁמָיִם וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם שֵׁנִי׃

Wajikrá Elohím larakía schamájim wajhi-érew wajhi-bóker jom-schení

8 Und Gott nannte rakía Himmel. Und es war Abend, und es war Morgen: der zweite Tag.

Somit können wir den zweiten Tag den Tag nennen, an dem die Himmel erschaffen wurden. Was können wir noch über den zweiten Tag sagen, wenn wir wieder vorgreifen oder in moderner Sprache lesen? Der zweite Tag nach dem Schabbat ist der Montag. Und an diesem Tag sah der Höchste, im Unterschied zum vorhergehenden Tag, nicht, dass es „gut“ ist. Vom zweiten Tag ist nicht gesagt, dass das gut ist, was gemacht wurde. Daher entstand so ein christlicher Gedanke, dass „der Montag ein schwerer Tag ist“. Auf dem Montag liegt kein solcher Segen wie auf dem Sonntag oder dem Dienstag.

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יִקָּווּ הַמַּיִם מִתַּחַת הַשָּׁמַיִם אֶל־מָקוֹם אֶחָד וְתֵרָאֶה הַיַּבָּשָׁה וַיְהִי־כֵן׃

Wajomer Elohím jikkawú hammájim mittáchat haschamájim el-makóm echád wetera'é hajabbaschá wajhi-chén

9 Und Gott sprach: „Es sollen sich die Wasser, die unter den Himmeln sind, an einen Ort sammeln, und es zeige sich das Trockene.“ Und es wurde so.

Das Wort jikkawú – sie fließen in ein Gefäß zusammen. Das Wort kaw – das ist in Wirklichkeit Linie; kawé – das ist etwas, das in eine Pfütze, in ein Gefäß zusammengeflossen ist; tikwá (Hoffnung) stammt von genau demselben Wort. Tikwá – das ist das Streben, diesen Faden nicht aus den Augen zu lassen, an dem entlang wir gehen, den Faden, den der Höchste uns gibt, den Faden der Führung des Höchsten.

Also geschieht die Formung, eigentlich die endgültige Formung jetzt schon der Erde. Das Wasser legt einen bestimmten Teil des Trockenen frei. Es erscheinen Grenzen zwischen dem Wasser und dem Trockenen.

וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לַיַּבָּשָׁה אֶרֶץ וּלְמִקְוֵה הַמַּיִם קָרָא יַמִּים וַיַּרְא אֱלֹהִים כִּי־טוֹב׃

Wajikrá Elohím lajabbaschá érez ulmikwé hammájim kará jammím wajár Elohím ki-tów

10 Und der HERR nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte Er Meere. Und der HERR sah, dass das gut ist.

Die Erde ist fast, fast fertig. Schon ist der Himmel über ihr geformt. Schon sind die Festländer geboren. Es bleibt nur, die letzten Verzierungen anzubringen.

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים תַּדְשֵׁא הָאָרֶץ דֶּשֶׁא עֵשֶׂב מַזְרִיעַ זֶרַע עֵץ פְּרִי עֹשֶׂה פְּרִי לְמִינוֹ אֲשֶׁר זַרְעוֹ־בוֹ עַל־הָאָרֶץ וַיְהִי־כֵן׃

Wajomer Elohím tadsché ha'árez désche éssew masría séra ez perí ósse perí leminó aschér sar'o-wó al ha'árez wajhi-chén

11 Und Gott sprach: „Es wachse auf der Erde Gras (die Erde ‚begrase sich‘ mit Gras), das Samen sät, und Baum-Frucht, der Frucht schafft nach seiner Art, in welcher (in der Frucht) innen Same sein wird. All das wird auf der Erde sein.“ Und es wurde so.

Das Wort désche kann man als allgemeines Wort für allerlei Pflanzenwuchs verstehen – es entstehe auf der Erde Pflanzenwuchs. Das heißt, der Höchste sagt: „Es wachse auf der Erde Gras, das Samen sät, und Baum-Frucht in all seinen Arten, in welcher (in der Frucht) innen Same sein wird“.

Im 12. Vers werden wir zum ersten Mal in einer halben Andeutung lesen, dass mit der Erde etwas schiefgegangen ist. Lasst uns auf die Details achten.

וַתּוֹצֵא הָאָרֶץ דֶּשֶׁא עֵשֶׂב מַזְרִיעַ זֶרַע לְמִינֵהוּ וְעֵץ עֹשֶׂה־פְּרִי אֲשֶׁר זַרְעוֹ־בוֹ לְמִינֵהוּ וַיַּרְא אֱלֹהִים כִּי־טוֹב׃

Wattozé ha'árez désche éssew masría séra leminéhu we'éz osse-perí aschér sar'o-wó leminéhu wajár Elohím ki-tów

12 Und die Erde zog Gras heraus, das Samen sät nach seiner Art, und Baum, der Frucht macht, in der Same ist. Und Gott sah, dass das gut ist.

Der Höchste gebot, dass ez perí ósse perí sei – Baum-Frucht, der Frucht macht. Man kann das so verstehen, dass der Höchste wollte, dass auch der Baum selbst den Geschmack der Frucht hat und eine ähnliche Frucht gibt. Die Erde aber macht ez ossé-perí, das heißt Baum, der Frucht gibt. Es scheint nur ein ausgelassenes Wort zu sein, aber das wird vermerkt als ein Ausdruck seitens der Erde, sei es von „Überhören“, sei es von Ungehorsam, was ein Problem für den Menschen anlegt, der aus Erde gemacht werden wird (übrigens greifen wir wieder vor).

Also, der dritte Tag ist zu Ende. Trotz einer gewissen Ungenauigkeit sah der Höchste, dass das – gut ist.

וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם שְׁלִישִׁי׃

Wajhi-érew wajhi-wóker jom schelischí

13 Und es war Abend, und es war Morgen: der dritte Tag.

Am dritten Tag endet die Erschaffung der Erde: erstens – die Formung der Kontinente, als der Höchste das erste Mal „ki tow“ sagte – wie gut das ist, und zweitens – die abschließenden Ausbauarbeiten, als der Höchste der Erde gebot, sich mit Pflanzenwuchs zu bedecken.

Also wurde die Erde bereit als Wohnort. Jetzt eben haben wir von dem erfahren, wovon wir in den ersten Versen des Kapitels gelesen haben: Im Anfang der Erschaffung von Erde und Himmel wurde rakía erschaffen, das Himmel genannt wurde, und es wurden die Kontinente geboren, die der Höchste Erde nannte. Die Tora hat angekündigt, dass es eine Erzählung über Erde und Himmel geben wird, und da hat sie sie erzählt: im Anfang, in den ersten drei Tagen geschah die Erschaffung von Erde und Himmel.

Gerade ein solches Lesen des einfachen Sinnes, wenn etwas angekündigt wird und die Tora sagt: „Jetzt beschreibe ich euch das“ – und es beschreibt, ist mir ziemlich nahe. Ich weiß und verstehe, dass es Kommentatoren gibt, die sagen: „Dieses bereschit – im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde – steht überhaupt außerhalb der Schöpfungstage, und das war vorher, und Erde und Himmel standen da und warteten auf den Beginn der Schöpfung“. Auch ein solches Verständnis gibt es. Aber gerade das Lesen im Ganzen bringt mich zu dem Verständnis, dass im ersten Vers angekündigt, erzählt wird: „Jetzt wird die Rede sein von der Erschaffung der Erde und des Himmels“. Und in den ersten drei Tagen wird die Erschaffung der Erde und des Himmels beschrieben. Klar ist, dass es ein weiteres Lesen, eine weitere Entfaltung geben wird, dass die Wörter nicht zufällig gewählt sind, und im Evangelium nach Jochanan wird im Anfang auch nicht zufällig sein. Aber wir ziehen uns, zurückkehrend, hier wieder auf den einfachen Sinn zusammen, wir lesen ja zum ersten Mal.

Der 14. Vers – der Beginn des vierten Tages. Jetzt – so wie der Höchste die Welt schuf – macht Er gleichsam die abschließenden Ausbauarbeiten. Seht, wie parallel das sein wird: der vierte Tag und der erste Tag. Am ersten Tag wurde das Licht erschaffen, alles begann mit dem Licht. Über den vierten Tag lesen wir:

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יְהִי מְאֹרֹת בִּרְקִיעַ הַשָּׁמַיִם לְהַבְדִּיל בֵּין הַיּוֹם וּבֵין הַלָּיְלָה וְהָיוּ לְאֹתֹת וּלְמוֹעֲדִים וּלְיָמִים וְשָׁנִים׃

Wajomer Elohím jehí me'orót birkía haschamájim lehawdíl ben hajom uwén hallájla wehajú le'otót ulmo'adím uljamím weschaním

14 Und Gott sprach: „Es sollen Lichter sein am himmlischen Rakía (oder im himmlischen Rakía), um den Tag und die Nacht zu scheiden, und sie sollen Zeichen sein für die Zeiten, und für die Tage, und für die Jahre;

In Gang gesetzt ist der Prozess der Zeit, die durch Dynamik gemessen wird. Das Licht, das statisch war, wurde zu beweglichem Licht. Und das Licht schaltete um, wurde lebendig durch diese Lichter: So ist der vierte Tag parallel zum ersten. Die Lichter wurden, kann man sagen, zu Glühbirnen des ursprünglichen Lichts auf der erschaffenen, schon fertigen Erde. Genau diesen Grundsatz über die 6 Tage der Schöpfung möchte ich vermitteln: die ersten 3 Tage und die zweiten 3 Tage. Der erste Tag in der zweiten Dreiergruppe ist parallel zum ersten Tag in der ersten Dreiergruppe von Tagen. Und diese Parallelen werden wir gemeinsam im Weiteren noch sehen.

Und der 15. Vers erzählt weiter von der Erschaffung und der Bestimmung der Lichter:

וְהָיוּ לִמְאוֹרֹת בִּרְקִיעַ הַשָּׁמַיִם לְהָאִיר עַל־הָאָרֶץ וַיְהִי־כֵן׃

Wehajú lim'orót birkía haschamájim leha'ír al-ha'árez wajhi-chén

15 Und sie sollen Lichter sein an den Himmeln, um auf der Erde zu leuchten.“ Und es wurde so.

וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת־שְׁנֵי הַמְּאֹרֹת הַגְּדֹלִים אֶת־הַמָּאוֹר הַגָּדֹל לְמֶמְשֶׁלֶת הַיּוֹם וְאֶת־הַמָּאוֹר הַקָּטֹן לְמֶמְשֶׁלֶת הַלַּיְלָה וְאֵת הַכּוֹכָבִים׃

Wajá'as Elohím et-schené hamme'orót haggedolím et-hammaór haggadól lememschélet hajom we'et-hammaór hakkatón lememschélet hallájla we'ét hakkochawím

16 Und der HERR machte zwei große Lichter: das große Licht zum Leuchten am Tag, und das kleine Licht als Licht in der Nacht, und die Sterne.

Natürlich entsteht die Frage: Es steht geschrieben „zwei große“, und dann steht geschrieben „ein großes und ein kleines“. Wie soll man das denn verstehen? Es gibt einen berühmten Midrasch, der davon spricht, dass der Mond sagte: „Wie kann das sein? Sollen zwei Könige mit einer Krone sein?“ Und der Höchste sagte zu ihm: „Du wirst abnehmen, damit es so etwas nicht gibt.“ Der Mond empörte sich und sagte: „Wie kann das sein? Weil ich etwas Kluges gesagt habe, werde ich bestraft!“ Und obwohl das so ein interessanter Midrasch ist, geht es jetzt nicht um Midraschim. Zwei große Lichter am Himmelsgewölbe – das sind zwei Lichter, die im Vergleich zu den Sternen groß sind. Das eine etwas größer, das andere etwas kleiner. Aber vor dem Hintergrund, wie wir die Sterne sehen, sind sie beide zweifellos groß.

וַיִּתֵּן אֹתָם אֱלֹהִים בִּרְקִיעַ הַשָּׁמָיִם לְהָאִיר עַל־הָאָרֶץ׃

WajitténDie russische Umschrift beginnt hier mit „we“; das Hebräische hat jedoch „wa“ mit verdoppeltem t. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: wajittén. otám Elohím birkía haschamájim leha'ír al-ha'árez

17 Und der HERR setzte sie an das Gewölbe des Himmels, damit sie auf der Erde leuchteten.

וְלִמְשֹׁל בַּיּוֹם וּבַלַּיְלָה וּלֲהַבְדִּיל בֵּין הָאוֹר וּבֵין הַחֹשֶׁךְ וַיַּרְא אֱלֹהִים כִּי־טוֹב׃

Welimschól bajom uwallájla ulhawdíl ben haór uwén hachóschech wajár Elohím ki-tów

18 Und sie herrschten über Tag und Nacht, schieden zwischen dem Licht und der Finsternis. Und der HERR sah, dass es gut ist.

וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם רְבִיעִי׃

Wajhi-érew wajhi-bóker jom rewi'í

19 Und es war Abend, und es war Morgen: der vierte Tag.

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יִשְׁרְצוּ הַמַּיִם שֶׁרֶץ נֶפֶשׁ חַיָּה וְעוֹף יְעוֹפֵף עַל־הָאָרֶץ עַל־פְּנֵי רְקִיעַ הַשָּׁמָיִם׃

Wajomer Elohím jischrezú hammájim schérez néfesch chajá weóf jeoféf al-ha'árez al-pené rekía haschamájim

20 Und Gott sprach: „Es wimmle das Wasser vom Gewimmel des Lebens; und die Vögel sollen fliegen über der Erde am himmlischen Rakía.“

וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת־הַתַּנִּינִם הַגְּדֹלִים וְאֵת כָּל־נֶפֶשׁ הַחַיָּה הָרֹמֶשֶׂת אֲשֶׁר שָׁרְצוּ הַמַּיִם לְמִינֵהֶם וְאֵת כָּל־עוֹף כָּנָף לְמִינֵהוּ וַיַּרְא אֱלֹהִים כִּי־טוֹב׃

Wajiwrá Elohím et-hattanniním haggedolím we'ét kol-néfesch hachajá haromésset aschér scharezú hammájim leminehém we'ét kol-óf kanáf leminéhu wajár Elohím ki-tów

21 Und der HERR schuf große Echsen (große Krokodile, irgendwelche großen Tiere), und jede lebendige kriechende Seele, wovon das Wasser wimmelte, und jeden geflügelten Vogel nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut ist.

Viele versuchen, hier Dinosaurier zu finden. Man kann schwer bestreiten, dass es auch Dinosaurier sein können, aber hier wird beschrieben, dass der Höchste Tiere aller Größen erschuf, im Wasser und am Himmel.

וַיְבָרֶךְ אֹתָם אֱלֹהִים לֵאמֹר פְּרוּ וּרְבוּ וּמִלְאוּ אֶת־הַמַּיִם בַּיַּמִּים וְהָעוֹף יִרֶב בָּאָרֶץ׃

Wajwárech otám Elohím lemór perú urwú umil'ú et-hammájim bajammím wehaóf jírew ba'árez

22 Und Gott segnete sie und sprach: „Seid fruchtbar und mehrt euch, und füllt die Wasser der Meere, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde.“

וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם חֲמִישִׁי׃

Wajhi-érew wajhi-bóker jom chamischí

23 Und es war Abend, und es war Morgen: Der fünfte Tag.

Wenn am zweiten Tag die Himmel erschaffen wurden, dann wurden am fünften Tag die himmlischen Tiere erschaffen, das heißt Tiere, die fähig sind, den Himmel zu erreichen. Weder der Mensch noch irgendwelche irdischen Tiere fliegen von ihrer Natur her. Und da die Himmel eine gewisse Dreidimensionalität darstellen, bewegen sich auch die an diesem Tag erschaffenen Tiere nicht nur rückwärts-vorwärts und rechts-links, sondern sind auch fähig, sich nach oben und nach unten zu bewegen. Auf der einen Seite die Vögel, die die Höhen der Himmel erreichen, auf der anderen Seite die Fische, die die Tiefen der Meere erreichen. Das ist eine Parallele zum zweiten Tag und wiederum die Scheidung von Oben und Unten: Da habt ihr die Wasser, die unter den Himmeln sind, in die die Fische eintauchen. Und das ist der Unterschied aller Lebewesen, die am fünften Tag der Schöpfung erschaffen wurden, zu denen, die am sechsten Tag erschaffen werden. Am fünften Tag wurden die erschaffen, die sich dreidimensional bewegen, die Höhe und Tiefe kennen.

Es gibt noch ein wichtiges Detail des fünften Schöpfungstages, das man nicht unerwähnt lassen kann – das ist der Segen. Der Höchste segnet die Fische und die Vögel. Er segnet sie, fruchtbar zu sein und sich zu mehren. Ich sage sehr oft, dass im Russischen Segen so etwas wie ein gutes Wort ist, ähnlich dem lateinischen benedictio – GutsprechenDas russische Wort für „Segen“ ist aus „gut“ und „Wort“ zusammengesetzt, ähnlich wie das lateinische benedictio. Das deutsche Wort „Segen“ ist anders gebildet; der Satz ist trotzdem wörtlich übersetzt.. Im Hebräischen ist Segen – wie ein Anschluss an die Steckdose. Der Höchste hat diese Tiere gleichsam in Sein Bionetz, Energienetz eingeschaltet und sagt ihnen: „Jetzt seid fruchtbar und mehrt euch.“ Zum ersten Mal erhielt jemand nicht nur einen Segen, sondern auch eine Aufgabe. Und das geht immer zusammen – Aufgabe und Segen. Und das ist die Besonderheit des fünften Tages. Wir werden das auch an den folgenden Tagen sehen. Und den Segen werden wir im Verlauf der ganzen Schrift wiederholt sehen.

Der sechste Tag:

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים תּוֹצֵא הָאָרֶץ נֶפֶשׁ חַיָּה לְמִינָהּ בְּהֵמָה וָרֶמֶשׂ וְחַיְתוֹ־אֶרֶץ לְמִינָהּ וַיְהִי־כֵן׃

Wajomer Elohím tozé ha'árez néfesch chajá leminá behemá warémes wechajto-érez leminá wajhi-chén

24 Und Gott sprach: „Es ziehe heraus, ES HOLE AUS SICH HERVOR DIE ERDE lebendige Seele nach ihrer Art, Vieh und Kriechtiere und wilde Tiere nach ihrer Art.“ Und es wurde so.

וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת־חַיַּת הָאָרֶץ לְמִינָהּ וְאֶת־הַבְּהֵמָה לְמִינָהּ וְאֵת כָּל־רֶמֶשׂ הָאֲדָמָה לְמִינֵהוּ וַיַּרְא אֱלֹהִים כִּי־טוֹב׃

Wajá'as Elohím et-chaját ha'árez leminá we'et-habbehemá leminá we'ét kol-rémes ha'adamá leminéhu wajár Elohím ki-tów

25 Und der HERR schuf alle Tiere der Erde nach ihrer Art, und das Vieh nach seiner Art, und alle Kriechtiere auf der Erde nach ihrer Art. Und der HERR sah, dass es gut ist.

Wir haben also gesagt, dieser sechste Tag ist parallel zum letzten Schliff bei der Erschaffung der Erde. Und Er bevölkert an diesem Tag diese geschliffene, fertiggestellte Erde mit Tieren, die auf der Erde gehen werden. Sie werden nicht die Möglichkeit haben zu fliegen, sie werden nicht die Möglichkeit haben zu schwimmen. Das heißt, schwimmen können sie, aber sie sind keine Wassertiere, sie können nicht in die Tiefen des Wassers hinabsteigen, ihnen ist bestimmt, an die Oberfläche der Erde „gebunden“ zu sein.

Die Welt ist also fast, fast fertig. Und der ganze göttliche Plan in Bezug auf die Schöpfung ist fast verwirklicht. Es fehlt dieser Welt nur… nur der Mensch.

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים נַעֲשֶׂה אָדָם בְּצַלְמֵנוּ כִּדְמוּתֵנוּ וְיִרְדּוּ בִדְגַת הַיָּם וּבְעוֹף הַשָּׁמַיִם וּבַבְּהֵמָה וּבְכָל־הָאָרֶץ וּבְכָל־הָרֶמֶשׂ הָרֹמֵשׂ עַל־הָאָרֶץ׃

Wajomer Elohím na'assé adám bezalménu kidmuténu wejirdú widgát hajám uw'óf haschamájim uwabbehemá uwchol-ha'árez uwchol-harémes haromés al-ha'árez

26 Und Gott sprach: „lasst uns den Menschen erschaffen mit unserem Bild, wie Unsere Ähnlichkeit, damit er herrsche über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die kriechen auf der Erde“.

Na'assé adám – lasst uns den Menschen erschaffen. Das Wort na'assé steht im Plural – Wir werden machen. Wie viel ist dazu nicht schon alles gesagt worden! Jemand hat darin sofort die Dreifaltigkeit erblickt, gesehen und gesagt: „Da, seht ihr, es sind doch drei!“ Jemand sagt, dass na'assé der Pluralis Majestatis ist, wie seinerzeit der russische Zar schrieb: „Wir, Nikolaus II.“ Eine solche Form – der Pluralis Majestatis – kommt im Tanach noch einige Male vor, und deshalb kann man sie hier durchaus annehmen. So sagt zum Beispiel Daniel: „Die Bedeutung des Traums werden wir dem König sagen“, ebenfalls im Plural. Obwohl sich das größtenteils gerade auf Gott bezieht. In den benachbarten semitischen Sprachen, bei anderen semitischen Völkern ist es ebenfalls üblich, dass Gott von Sich im Plural spricht. Derselbe Koran, den wir hier ausschließlich als Quelle der Grammatik anführen, als Beispiel der Sprache, keinesfalls als maßgeblichen Text, sagt náchnu (wir). Das heißt, ein solcher Gebrauch, eine solche Form ist durchaus zulässig.

Noch eine Variante – eine gewisse feierliche Form: „Achtung! Achtung! Möge die ganze Schöpfung, alles, was soeben erschaffen wurde, auf das schauen, was jetzt geschehen wird!“ Die Feierlichkeit des Augenblicks, in dem die ganze Welt als Wohnung vorbereitet ist, und nicht nur als Wohnung, sondern auch als Ort der Herrschaft Adams. Man kann sagen, dass Wir na'assé im Namen des ganzen Weltalls gesagt ist, seines himmlischen Teils und seines irdischen, das ist einfach ein Fest des Weltalls.

Noch ein Verständnis von na'assé adám: lasst uns erschaffen zusammen mit dem Menschen selbst. Das heißt, der Mensch, der Willensfreiheit besitzt, Wahlfreiheit besitzt, schöpferisches Potenzial besitzt, ist Mitbeteiligter des Schöpfers an seiner eigenen Erschaffung (wir werden später, wenn wir über den Begriff dmút (Ähnlichkeit) sprechen, das etwas ausführlicher berühren). Der Mensch gestaltet sich als Mensch, macht sich menschlicher oder göttlicher, man kann es so und so betrachten, aber das ist doch schon nicht mehr der einfache Sinn des Textes.

Der Höchste verkündet und sagt: „Na'assé adám (Lasst uns den Menschen erschaffen) bezalménu (mit Unserem Bild) kidmuténu (hier bedeutet die Präposition כִּ (ki) wie) wie Unsere Ähnlichkeit oder nach Unserer Ähnlichkeit oder damit er Unsere Ähnlichkeit sei“. Oft übersetzt man „nach Unserem Bild und nach Unserer Ähnlichkeit“. Beachtet, hier sind zwei verschiedene Präpositionen. Die erste, בְּ (be), bezalménu, über sie haben wir schon ganz am Anfang gesprochen. Das kann „mit Unserem Bild als Werkzeug“ sein, also „mit Hilfe Unseres Bildes“, mit Hilfe eines gewissen Geräts, das zélem heißt, vielleicht so eine Schablone oder irgendein Förmchen zum Ausstechen von Mürbeteig. Man kann sich alles Mögliche zusammenfantasieren. Aber tatsächlich kann man hier übersetzen – mit Unserem Bild, nach Unserer Ähnlichkeit. Wieder sagen wir (wir sind es gewohnt zu sagen): „Der Mensch ist nach Unserem Bild und Unserer Ähnlichkeit geschaffen“. Hier gibt es kein „und“! Hier kann man sagen „mit dem Bild, wie mit der Ähnlichkeit“, man kann sagen „im Bild, wie in der Ähnlichkeit“. Und man kann das verschieden übersetzen.

Zélem – das ist Form. Semantisch nahe Wörter zum Wort zélem sind zum Beispiel zel (Schatten) oder zaláf (Scharfschütze) – der, der den nötigen Punkt trifft. Das heißt, zélem ist die genau wiedergegebene Form irgendeines Gegenstands oder die genau bewahrte, genau bestimmte Form von etwas.

Dmut – das ist Ähnlichkeit, Kongruenz, die Fähigkeit, ähnlich zu sein. Wenn wir vom Wort adám sprechen, kann man auch darin genau diese Wurzel finden. Adam – das ist der, der ähnlich werden wird, also: „Lasst uns einen ‚Ähnlichwerder‘ erschaffen“. Den Namen Adám, den haben wir jetzt eben so leicht gelesen. Wenn wir ihn zum ersten Mal lesen, kann man Adám in der allereinfachsten Bedeutung übersetzen (wie es Bibelkritiker gewöhnlich lieben) – rotwangig. Adám kann man übersetzen als der, der ähnlich werden wird. Adám kann man übersetzen als der, der fähig sein wird zu fantasieren. Fantasieren – das heißt erschaffen, sich etwas Neues ausdenken. So viel steckt darin!

 Man kann sagen: „Wir werden einen Menschen erschaffen, der Uns ähnlich sein wird, und fantasieren wird, ein Schöpfer sein wird, genauso wie Wir“. Hier ist gerade jener Fall, in dem der einfache Sinn selbst zulässt, eine Masse verschiedener Auslegungen anzunehmen.

Man kann sagen: „Wir werden einen Menschen-Schöpfer erschaffen, einen Menschen nach Unserem Bild, wie Unsere Ähnlichkeit, Uns ähnlich, damit er, wie auch Wir, was tue? – herrsche!“

Die Aufzählung der potenziellen Untertanen des Menschen geht in der Reihenfolge, in der sie erschaffen wurden. Schon ganz am Anfang, bei der Erschaffung der Himmelslichter, bei der Erschaffung der Zeit, sah der Höchste den Rahmen der Existenz des Menschen vor, denn gerade der Mensch wird ja diese Zeichen der Tage und Fristen haben. Und bei der Erschaffung der Tiere erschuf Er sie dazu, dass der Mensch über sie herrsche. Und da sehen wir, die Tiere werden in der Reihenfolge aufgezählt, in der sie erschaffen wurden.

Der Höchste sagt: „Ich werde ihn als König einsetzen über die Fische und über die Vögel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die kriechen auf der Erde“. Das ist das Ziel der Erschaffung des Menschen.

Im zweiten Kapitel werden wir alles sehr-sehr-sehr-sehr ausführlich lesen – wie es war und warum es so war und nicht anders. Aber wir, ihr und ich, haben das zweite Kapitel ja bisher noch nicht gelesen und nicht einmal aus dem Augenwinkel hineingeschaut, so haben wir es ja abgemacht. Deshalb sagt der Höchste vorerst so: „Ich werde den Menschen erschaffen, damit er Hausverwalter sei in genau diesem allerwunderbarsten Haus, das Ich in zwei Etappen erschaffen habe. Zuerst habe Ich es gebaut, dann habe Ich es in derselben Reihenfolge geschmückt“. Wir haben über diese Ebenen gesprochen. Hier ist der Abschluss, das Kirschlein auf der Torte des Universums. Das ist Adam, der all das verwalten wird.

וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת־הָאָדָם בְּצַלְמוֹ בְּצֶלֶם אֱלֹהִים בָּרָא אֹתוֹ זָכָר וּנְקֵבָה בָּרָא אֹתָם׃

Wajiwrá Elohím et-ha'adám bezalmó bezélem Elohím bará oto sachár unkewá bará otám

27 Und der HERR schuf den Menschen nach Seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf Er ihn; Mann und Frau schuf Er sie.

 Wir haben schon gesagt, dass bezalmó – das heißt mit Hilfe Seines zélem oder nach Seinem zélem. Sehr wichtig ist, dass die Absicht im 26. Vers ja war, bezélem kidmút zu erschaffen, also mit dem Bild (oder nach dem Bild) zu erschaffen, wie eine Ähnlichkeit. In diesem Vers ist nicht gesagt wie eine Ähnlichkeit. Und viele sagen, dass wie eine Ähnlichkeit möglicherweise das ist, was der Mensch noch zeigen muss. Der HERR schuf ihn bezélem, damit der Mensch selbst beschließt, kidmút zu sein, selbst beschließt, dem Höchsten ähnlich zu werden. In seinem ursprünglichen Potenzial ist das nicht erzwungen, das ist nicht festgeschrieben: Das ist eine Frage seiner Wahl.

Zu diesen Begriffen, bezélem und kidmút (oder wie es anders klingen wird – bedmút und kizelém), werden wir im 5. Kapitel zurückkehren. Dort werden wir diese Wörter, je nachdem wie sie gebraucht werden, wieder auseinandernehmen und die Frage beantworten, warum hier so geschrieben steht und dort anders, warum sich dort die Wortfolge geändert hat und warum die Präpositionen gewechselt haben. Aber wieder: Wir, ihr und ich, haben das fünfte Kapitel ja bisher noch nicht gelesen.

Ursprünglich ist Adam kein Junge, das ist nicht der Ehemann Chawas. Ursprünglich ist Adam Junge und Mädchen, Mann und Frau zusammen. Im zweiten und dritten Kapitel (wieder greife ich vor, was soll man machen) werden wir sehen, wie sie sich getrennt haben, aber vorerst lesen wir: sachár unkewá bará otám – Mann und Frau schuf Er sie. Ursprünglich schuf Er sie – Mann und Frau. Es gibt einen Adam, und das ist Mann und Frau. Das ist es, was wir jetzt lesen. Was weiter sein wird, erfahren wir weiter.

וַיְבָרֶךְ אֹתָם אֱלֹהִים וַיֹּאמֶר לָהֶם אֱלֹהִים פְּרוּ וּרְבוּ וּמִלְאוּ אֶת־הָאָרֶץ וְכִבְשֻׁהָ וּרְדוּ בִּדְגַת הַיָּם וּבְעוֹף הַשָּׁמַיִם וּבְכָל־חַיָּה הָרֹמֶשֶׂת עַל־הָאָרֶץ׃

Wajwárech otám Elohím wajomer lahém Elohím perú urwú umil'ú et-ha'árez wechiwschúha urdú bidgát hajám uw'óf haschamájim uwchol-chajá haromésset al-ha'árez

28 Und schon jetzt segnete Gott sie, und Gott sprach zu ihnen: „seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und unterwerft sie und herrscht über den Fisch und über den Vogel des Himmels und über jedes Tier, das auf der Erde kriecht“.

Die Erde wird sich nicht von selbst unterwerfen, unterwerft sie, das heißt, gestaltet sie nach eurer Art um. Wir werden das noch sehen, aber es gibt da so ein interessantes Beispiel: Je weiter die Zivilisation voranschreitet, desto mehr gerade Formen. Der Höchste hat eine Welt erschaffen, in der es praktisch keine geraden Linien gibt. Weder in der Tierwelt noch in der Pflanzenwelt. Man sollte meinen, die einfachste Lösung ist die Gerade. Nein, beim Höchsten gibt es das nicht. Und der Mensch, indem er die Erde füllt, die Erde umgestaltet (nach einer der Versionen, nach einer der Sichtweisen), füllt sie mit seinen geraden Linien. Und auf diese Weise unterwirft er sie. Das heißt, die Schöpfung muss sich dem Menschen erst noch unterwerfen. Wir werden im 2. Kapitel noch einmal darauf zurückkommen, ausführlicher. Urdú bidgát hajám – regiert, herrscht als Diktatoren, regiert mit eiserner Hand. Das Wort lerdót bedeutet ernsthafte, harte, dominierende Herrschaft. Rodán (Diktator) – stammt von derselben Wurzel.

Also, alles ist vollendet: Es gibt eine Welt, es gibt einen Herrn dieser Welt. Jetzt braucht es Benzin, Treibstoff, Batterien, um diesen ganzen Mechanismus in Gang zu halten.

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים הִנֵּה נָתַתִּי לָכֶם אֶת־כָּל־עֵשֶׂב זֹרֵעַ זֶרַ אֲשֶׁר עַל־פְּנֵי כָל־הָאָרֶץ וְאֶת־כָּל־הָעֵץ אֲשֶׁר־בּוֹ פְרִי־עֵץ זֹרֵעַ זָרַע לָכֶם יִהְיֶה לְאָכְלָה׃

Wajomer Elohím hinné natátti lachém et-kol-éssew soréa séra aschér al-pené chol-ha'árez we'et-kol-ha'éz ascher-bó feri-éz soréa sára lachém jihjé le'ochlá

29 Und Gott sprach: „Siehe, Ich habe euch alles Gras gegeben, das Samen sät, das auf der ganzen Erde ist, und jeden Baum, in dem Frucht des Baumes ist, der Samen sät, euch wird es zur Speise sein.

Warum sagt man: das Samen sät? Das Gras wird sich erneuern. Das System ist so eingerichtet, dass man keinen Treibstoff nachfüllen muss. Das Gras wird sich auf der ganzen Erde erneuern.

וּלְכָל־חַיַּת הָאָרֶץ וּלְכָל־עוֹף הַשָּׁמַיִם וּלְכֹל רוֹמֵשׂ עַל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־בּוֹ נֶפֶשׁ חַיָּה אֶת־כָּל־יֶרֶק עֵשֶׂב לְאָכְלָה וַיְהִי־כֵן׃

Ulchol-chaját ha'árez ulchol-óf haschamájim ulchól romés al-ha'árez ascher-bó néfesch chajá et-kol-jérek éssew le'ochlá wajhi-chén

30 Und für alle Tiere und für alle Vögel des Himmels und für alles Kriechende auf der Erde, in denen eine lebendige Seele ist, – alles grüne Gewächs zur Speise“. Und es wurde so.

Und es wurde so – das heißt, die Tierwelt passte sich an, ihre Energie und ihre Kraft von den Pflanzen zu bekommen. Davor haben sie sich offenbar einige Tage nicht direkt ernährt, und zumindest einige Stunden ernährten sie sich von der Kraft, der Energie Gottes. Wir sprechen darüber viel, als so einen Midrasch, dass der Mensch nicht vom Brot selbst lebt, sondern vom Wort Gottes (so kam in der Wüste das man vom Himmel herab). Davor, im Prozess der Erschaffung, erhielten die Tiere Nahrung durch eben jene Worte, durch die sie erschaffen worden waren.

וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת־כָּל־אֲשֶׁר עָשָׂה וְהִנֵּה־טוֹב מְאֹד וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם הַשִּׁשִּׁי׃

Wajár Elohím et-kol-aschér assá wehinne-tów me'ód wajhi-érew wajhi-bóker jom haschischí

31 Und der HERR sah alles, was Er geschaffen hatte, und siehe, all das ist sehr gut. Und es war Abend, und es war Morgen: der sechste Tag.

Das ist eine kurze, gehaltvolle, lebendige Beschreibung des Kapitels. Wie ich versprochen habe, habe ich mich bemüht, nicht tief in die verborgenen Bedeutungen zu gehen, sondern über den einfachen Sinn zu sprechen. Ich hoffe, auch der einfache Sinn hat sich für euch als interessant erwiesen.

Bürger und Gäste Edens

Bereschit 2,1–25

In Kapitel 1, das wohl alle kennen und in Erinnerung haben, ging es um die sechs Tage der Schöpfung, um die Erschaffung all dessen, was wir Natur nennen, und um die Erschaffung des Menschen. Die ersten Verse unseres zweiten Kapitels schließen gleichsam ab, was im ersten gesagt wurde.

וַיְכֻלּוּ הַשָּׁמַיִם וְהָאָרֶץ וְכָל־צְבָאָם:

wajchullú haschamájim weha'árez wechol-zewa'ám

1 Und vollendet wurden (oder und es vollendeten sich) der Himmel und die Erde und ihr ganzes Heer.

Das Wort wajchullú bedeutet wurden vollendet, wie das Passiv wurde geboren, aber man kann es auch übersetzen als kam zur Welt, hier gibt es so einen eigenartigen Übergang: Einerseits wurden sie vollendet, andererseits erhielten sie eine gewisse Selbstständigkeit oder Abgeschlossenheit. Wenn ich sage geboren-sich, trotz dieses -sich am Ende, habe ich nicht mich selbst geboren, aber von diesem Moment an schalte ich mich als „Ich“ ein und beginne, ich selbst zu sein. Und, kehren wir zu unserem Vers zurück, auf den Himmel und die Erde bezogen: Sie erlangten Ganzheit, erlangten Existenz – der Himmel und die Erde und ihr ganzes Heer.

וַיְכַל אֱלֹהִים בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי מְלַאכְתּוֹ אֲשֶׁר עָשָׂה וַיִּשְׁבֹּת בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי מִכָּל־מְלַאכְתּוֹ אֲשֶׁר עָשָׂה׃

wajchál elohim bajom haschewi'í melachtó aschér assá wajischbót bajom haschewi'í mikkol-melachtó aschér assá

2 Und Gott vollendete am siebten Tag all seine Arbeit, die Er tat. und ruhte, Hörte am siebten Tag mit jeder Arbeit auf, die Er tat.

Die überwältigende Mehrheit übersetzt hier ungenau: bis zum siebten Tag vollendet. Denn natürlich drückt auf uns die Fortsetzung dieses Verses, die sagt: „Und der HERR ruhte sich am siebten Tag aus“ oder „Und der HERR ruhte am siebten Tag“. Aber in Wirklichkeit sagt der Text (und gibt keinen Anlass zu diesem zweiten Verständnis): „Am siebten Tag vollendete der HERR all seine Arbeit, die Er tat“. Gerade der siebte Tag als Tag der Ruhe vollendet, vollbringt die ganze Schöpfung. Ohne diesen Tag der Ruhe, ohne den siebten Tag, der die Schöpfung krönen wird, ist sie nicht vollendet, deshalb vollendete der Höchste gerade am siebten Tag die ganze Arbeit, die Er tat. Das Wort schwitá bedeutet heutzutage Streik, Arbeitsniederlegung. Hier gibt es keine Ruhe, die einer Müdigkeit entspräche, das Wort lischbót heißt gerade die Arbeit einstellen, das heißt, Er ruhte nicht aus, entspannte sich nicht auf irgendeine Weise, Gott bewahre. Er hörte eben mit jeder Arbeit auf, die Er tat.

וַיְבָרֶךְ אֱלֹהִים אֶת־יוֹם הַשְּׁבִיעִי וַיְקַדֵּשׁ אֹתוֹ כִּי בוֹ שָׁבַת מִכָּל־מְלַאכְתּוֹ אֲשֶׁר־בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת׃

wajwárech elohím et-jom haschewi'í wajkaddésch otó ki wo schawát mikkol-melachtó ascher-bará elohím la'assót

3 Und der HERR segnete den siebten Tag und heiligte ihn, und war in ihm, denn an ihm hörte Er auf zu tun, hielt alle Arbeit an, die der HERR schuf.

Hielt alles an, was geschaffen und getan wurde, oder alles, was geschaffen wurde, um zu tun. Das heißt, der Höchste hat einen Mechanismus geschaffen, der anlaufen soll. Bará – schuf etwas, das im Weiteren la'assót – tun wird, das heißt, setzte einen arbeitenden Mechanismus in Gang. Und deshalb segnete Er diesen Tag, und im Segen dieses Tages liegt auch der Segen der ganzen Schöpfung, denn wir haben gesagt, dass der Schabbat die Krone der Schöpfung ist, die ganze Schöpfung ist im Schabbat gesegnet. Es gibt Gefährten-Brüder und einfach Gefährten, die sagen: „Wir werden am siebten Tag ruhen, und das wird der Sonntag sein, wir wählen den Sonntag.“ Und man kann wählen, so viel man will, wie man so sagt, wie ihr wollt, aber der Höchste sagt: „Ich habe den siebten Tag gesegnet.“ Erstens – gesegnet, zweitens – geheiligt, das heißt, ihn für Sich ausgesondert. Ihn ausgesondert als das, was Er als Ergebnis sehen will, als Wesen der Schöpfung, als Gipfel der Verbindung der Schöpfung mit dem Schöpfer. Man kann sagen, dass der Tag, an dem der Schöpfer mit der Schöpfung zufrieden ist, der Tag der Einheit von Schöpfung und Schöpfer ist. Dieser Tag ist also ein gesegneter, geheiligter und von Gott bestimmter Tag. Man kann jeden beliebigen anderen Tag wählen und ihn segnen, ihn heiligen, aber Gott segnet und heiligt gerade den Sabbattag. Ob wir das wollen oder nicht wollen, und welche anderen Tage wir auch plötzlich, Gott behüte, feiern wollten, der Höchste sagt: „Ich habe den Sabbattag gesegnet, Ich habe den Sabbattag geheiligt. Ich komme zu dir zum Stelldichein, zu dir zur Begegnung an Meinen Sabbaten. Das ist nicht dein Sabbat, nicht euer Sabbat, er ist euch gegeben, aber er ist Mein Sabbat, das ist der Tag der Begegnung mit Mir. Ich habe mit euch ein Stelldichein am Sabbat verabredet, und wenn ihr an einem anderen Tag kommt – nun, wie ihr wollt.“

Das ist der 3. Vers des 2. Kapitels, und er krönt eigentlich das Thema des ersten Kapitels. Sieben Tage – die ganzheitliche Erschaffung der Welt. Bei sehr vielen Völkern sind Spuren davon geblieben, wir lesen oft in der Mythologie Babylons, Sumers, Akkads von diesen oder jenen Göttern, die in sechs Tagen etwas bauen und am siebten ruhen und so weiter. Für manche ist das ein Anlass, die Juden des Plagiats zu beschuldigen und zu sagen: Na also, ihr habt das von den Akkadern gestohlen, von den Sumerern oder vielleicht noch von jemand anderem. Aber das zeigt, dass die Menschheit sich an den Sabbat erinnerte. Wie viel Zeit verging von Adam bis zur Gabe der Tora? 26 Generationen. Das ist nicht so viel, dass man die ganze Geschichte, die ganze Überlieferung hätte verlieren können. Natürlich ist manches zur Mythologie geworden, manches wurde verzerrt, manches ist mit Verzerrungen überwuchert, aber dennoch ist die Erinnerung geblieben. Sieben Tage – das ist ein solcher Zeitabschnitt, der im ganzen Nahen Osten geheiligt wurde; in der ganzen Region sehen wir Spuren der Erinnerung daran, dass sieben Tage ein besonderer Zeitraum sind.

Mit dem vierten Vers beginnt ein ganz anderes Thema, auch wenn es uns wie eine Wiederholung des vorigen erscheinen mag. Lasst uns lesen.

אֵלֶּה תוֹלְדוֹת הַשָּׁמַיִם וְהָאָרֶץ בְּהִבָּרְאָם בְּיוֹם עֲשׂוֹת יְהוָה אֱלֹהִים אֶרֶץ וְשָׁמָיִם:

élle toledót haschamájim weha'árez behibbare'ám bejom assót adonáj elohím érez weschamájim

4 Dies ist die Geschlechterfolge (die Hervorbringung) des Himmels und der Erde zur Zeit ihrer Erschaffung, an dem Tag, als der HERR Gott die Erde und den Himmel machte.

Wenn wir im vorigen Kapitel nur elohim gelesen haben – nur Gott, so erscheint hier zum ersten Mal der HERR. Gott offenbart Sich im vierbuchstabigen Namen, den die Juden traditionell HaSchém nennen – einfach der Name. In Wirklichkeit ist das das einzige Wort, das man in der hebräischen Sprache nicht aussprechen darf. Wir haben keinen irgendwie tabuisierten heiligen Wortschatz, es gibt nur dieses Wort, das der Priester aussprach, wenn er ins Allerheiligste eintrat. Und wer euch sagt, dass er Jehova hieß, und wer euch sagt, dass er Jahwe oder irgendwie anders hieß, – sie alle irren sich und kennen die richtige Aussprache nicht, und wer sie kennt, der wird ihn einfach nicht sagen. Es ist üblich, sich beim Aussprechen dieses Namens zurückzuhalten, deshalb hat man ihn im Neuen Testament, in den griechischen Texten, immer HERR oder Adonaj genannt (was auch wir tun werden), und in der Umgangssprache nennt man ihn HaSchém – Eben jener Name.

Im ersten Teil lesen wir: dies ist die Geschlechterfolge. Die Geschlechterfolge sagt, dass schon eine Art Schema der Entwicklung über viele Geschlechter entstanden ist. Hier sehen wir, dass hier die Schöpfung schon mit dem Blick des Menschen beschrieben wird, aus der Sicht des Platzes, den der Mensch in ihr einnimmt. Warum lesen wir am Ende des Verses Erde und Himmel und nicht Himmel und Erde, wie am Anfang des Verses? Weil für den Menschen die Erde viel näher ist, wir leben auf der Erde, das ist unser Lebensraum, und nicht nur unser Lebensraum, sondern auch unser Arbeitsplatz, der Ort des Dienstes. Deshalb folgt jetzt für den Menschen die Erzählung darüber, welchen Platz der Mensch in all dem hat. Selbstverständlich gibt es verschiedene Ansätze dazu, warum diese und andere Geschichten, die die Tora erzählt, zweimal wiederholt werden. Und um diese Wiederholung zu erklären, sagen einige Erforscher der Tora (hauptsächlich Ungläubige), dass die Tora mehrere Autoren hat, dass sie aus mehreren verschiedenen, vielleicht sogar aus mehreren Dutzend verschiedenen Quellen besteht. Und da gibt es einen Autor, der den Namen Elohim verwendet, und es gibt einen Autor, der den Namen HERR Elohim verwendet. Jemand hat diese Quellen kompiliert und aus mehreren Büchern so ein Buch zusammengeklebt, in dem sich durch seine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit die Handlungen wiederholen. Was man nicht alles sagt! Ich glaube zutiefst daran, dass die Tora einen einzigen Autor hat, und wenn die Tora etwas zweimal wiederholt, dann liegt darin ein irgendwie verborgenerer Sinn als eine Kompilation. In diesem Fall kann man sagen, dass dies aus der Sicht des Menschen geschrieben ist. Man kann auch davon sprechen, dass es einen Plan und die Verwirklichung des Plans gibt, und wir werden im Laufe der Lektüre des Kapitels noch darüber sprechen.

וְכֹל שִׂיחַ הַשָּׂדֶה טֶרֶם יִהְיֶה בָאָרֶץ וְכָל־עֵשֶׂב הַשָּׂדֶה טֶרֶם יִצְמָח כִּי לֹא הִמְטִיר יְהוָה אֱלֹהִים עַל־הָאָרֶץ וְאָדָם אַיִן לַעֲבֹד אֶת־הָאֲדָמָה׃

wechól sijách hassadé térem jihjé wa'árez, wechól-éssew hassadé térem jizmách, ki lo himtír adonáj elohím al-ha'árez we'adám ájin la'awód et-ha'adamá

5 Kein Strauch des Feldes war auf der Erde, und kein Gras wuchs noch, denn der HERR Gott bewässerte die Erde nicht mit Regen (regnete nicht auf die Erde, wenn man wörtlich übersetzt). und es gibt keinen Menschen, um die Erde zu bearbeiten.

Hier lesen wir sofort, dass die Erde ihre Früchte gibt, wenn der Mensch sie bearbeitet. Wenn der Mensch die Erde nicht bearbeitet, dann wächst, wie man es hier verstehen kann, überhaupt nichts. Nicht, dass nur Löwenzahn, Feld-, Heilpflanzen oder Klette oder noch etwas anderes wüchsen – nichts wuchs, solange es den Menschen nicht gab. Das widerspricht teilweise dem, was wir vorher gelesen haben. Vorher haben wir gelesen, dass die Pflanzen vor dem Menschen erschaffen wurden und die Tiere vor dem Menschen erschaffen wurden. Warum lesen wir hier so? Das klären wir unterwegs, lasst uns vorerst weiterlesen.


וְאֵד יַעֲלֶה מִן־הָאָרֶץ וְהִשְׁקָה אֶת־כָּל־פְּנֵי־הָאֲדָמָה׃

we'éd ja'alé min-ha'árez wehischká et-kol-pené ha'adamá

6 Und Dampf stieg von der Erde auf und bedeckte die ganze Oberfläche des Bodens (der Erde).

Es gab also irgendwelche Unterwasserquellen, die ständig Dampf aufsteigen ließen, es gab eine ständige Wasserversorgung von unten. Was ist der Unterschied zwischen árez und adamá? Árez ist die Erde als Planet, als Weltgebäude; adamá ist das Material, das ist eher Boden, Erdreich.

Wir haben also davon gelesen, dass Gott die Erde erschuf, auf der nichts wächst, weil es auf ihr keinen Regen gibt und keinen Menschen, der sie bearbeiten wird. Und, so sollte man meinen, wenn ich ein Leser bin, der zum ersten Mal die Tora aufgeschlagen hat, ich weiß, was ringsum geschieht, dann werde ich jetzt davon lesen, wie Gott den Menschen erschuf und Regen machte, der Mensch begann, auf der Erde zu arbeiten, und alles kam ins Rollen und lief so, wie ich es kenne. Aber entgegen unseren Erwartungen lesen wir etwas ganz anderes.

וַיִּיצֶר יְהוָה אֱלֹהִים אֶת־הָאָדָם עָפָר מִן־הָאֲדָמָה וַיִּפַּח בְּאַפָּיו נִשְׁמַת חַיִּים וַיְהִי הָאָדָם לְנֶפֶשׁ חַיָּה׃

wajízer adonáj elohím et-ha'adám afár min-ha'adamá wajippách be'appáw nischmát chajím wajhí ha'adám lenéfesch chajá

7 Und der HERR Gott bildete den Menschen, Staub von der Erde, und blies in ihn den Atem des Lebens, und Adam wurde eine lebendige Seele.

Das Wort jizár bedeutet Form geben, formen. Das heißt, der Höchste hat den Körper Adams aus dem Staub der Erde geformt, der offenbar vom Dampf benetzt war, aus heißer, nasser Erde den Menschen geformt. Das war das irdische Prinzip, der irdische Rohling. Er hauchte ihm den Atem des Lebens ein, im Grunde hauchte Er ihm Seinen Geist ein, in seine Nasenlöcher blies Er Sein inneres Wesen. Der Mensch wird sich von allen Tieren dadurch unterscheiden, dass er nicht nur an die Lebenserhaltung denkt. Er kann Schönheit sehen, kann von etwas begeistert sein, sich über etwas freuen, kann das erschaffen, was für ihn zum Leben nicht notwendig ist. Der Mensch ist ein Schöpfer, er hat eine Ästhetik, er hat den Wunsch, sich irgendwie zu verändern und die Welt umzugestalten, und darin liegt die Besonderheit des Menschen. Der Mensch ist das einzige Wesen, so weit wir bisher gelesen haben, in das der Höchste Seinen Geist eingehaucht hat. Auf diese Weise wurde der Mensch zu einem Wesen, das zwei Naturen in sich vereint. Wenn die Engel, über die wir überhaupt noch nichts gelesen haben, völlig himmlisch sind, und die Tiere, über die wir gesprochen haben, völlig irdisch, so vereint der Mensch in sich das Himmlische und das Irdische. Was also weiter? Vielleicht wird der Höchste zum Menschen sagen: „Nun, geh jetzt, bearbeite die Erde, und es wird Regen geben.“ Das heißt, wie wir vorher gelesen haben, wuchs nichts, weil es keinen Regen gab, weil es keinen Menschen gab, der gekommen wäre, die Erde zu bearbeiten. Jetzt gibt es den Menschen, und folglich kann man erwarten, dass man ihn jetzt gleich zu diesen Arbeiten schicken wird.

וַיִּטַּע יְהוָה אֱלֹהִים גַּן־בְּעֵדֶן מִקֶּדֶם וַיָּשֶׂם שָׁם אֶת־הָאָדָם אֲשֶׁר יָצָר׃

wajittá adonáj elohím gan-be'éden mikkédem wajássem scham et-ha'adám aschér jazár

8 Und der HERR Gott pflanzte einen Garten in Eden von Osten her und setzte (wörtlich: legte) dorthin den Menschen, den Er erschaffen hatte.

Das Wort éden steht dem modernen hebräischen Wort éden oder édna nahe – Wonne, Feuchtigkeit, Zartheit; alles stammt von ein und derselben Wurzel. Aber éden bezeichnete in den alten Sprachen eher Steppe, irgendwelche weiten offenen Räume, ziemlich feucht, aber mit karger Vegetation. Eigentlich, von welcher Vegetation ist die Rede, wenn man uns schon vorgewarnt hat, dass es keinerlei Vegetation gibt? Also hat der HERR Gott eine Oase in der Steppe von Osten her gebaut, eingerichtet.

Beachtet (das wird auch im Weiteren für das Verständnis sehr wichtig sein): Der Mensch ist kein Bürger Édens, der Mensch wurde nicht im Garten Eden geboren, er wurde dorthin versetzt.


וַיַּצְמַח יְהוָה אֱלֹהִים מִן־הָאֲדָמָה כָּל־עֵץ נֶחְמָד לְמַרְאֶה וְטוֹב לְמַאֲכָל וְעֵץ הַחַיִּים בְּתוֹךְ הַגָּן וְעֵץ הַדַּעַת טוֹב וָרָע׃

wajazmách adonáj elohím min-ha'adamá kol-éz nechmád lemar'é wetów lema'achál we'éz hachajím betóch haggán we'éz haddá'at tow wará

9 Und der HERR ließ aus der Erde jeden Baum wachsen, angenehm anzusehen und geeignet zur Speise, und den Baum des Lebens inmitten des Gartens, und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Wir haben im vorigen Kapitel davon gesprochen, dass die Erde die Bäume nicht so hervorbrachte, wie Gott es wollte, dass der Geschmack des Baumes selbst nicht wie der Geschmack der Frucht war. Hier sprechen wir davon, dass der Höchste einen Baum wachsen ließ, angenehm zur Speise, das heißt, der Baum selbst war schmackhaft. In ebendiesem Garten, den der Höchste pflanzte, war der Baum, im Unterschied zu allem, so, wie es geplant war.

Wie viele verschiedene Varianten und Vermutungen sind vorgeschlagen und vermutet worden hinsichtlich dessen, was der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ist. Der Ausdruck selbst Gut und Böse kennen wird im Tanach noch einige Male gebraucht. Zum Beispiel sagt im zweiten Buch Schmu'el (19,32) Barsillai der Giladiter: „Ich bin schon zu alt, um Gut und Böse zu kennen.“ Und davon ausgehend und von anderen Details, die wir im Weiteren lesen werden, schlossen einige Kommentatoren, dass dies der Baum des Begehrens ist, der Baum des sexuellen Begehrens, das erwacht, wenn man von ihm isst, so eine Art paradiesisches Aphrodisiakum.

Andere Kommentatoren sagten, weil gesagt ist: „Du bist wie ein Engel, der Gut und Böse kennt“, sei der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse einfach ein Baum der Allwissenheit, ein Baum der Erkenntnisse, die dem Menschen auch eine gewisse Verantwortung auferlegen. Es gibt keine eindeutige Antwort darauf, was das ist. Ich neige dazu zu denken, dass es tatsächlich ein Baum der Bewertung der eigenen Taten ist, der Fähigkeit, schlecht oder gut zu handeln, die Urteilskraft, die die natürliche Neigung des Menschen ersetzen wird. Damit der Mensch, mit der Tora, die aufs Herz geschrieben ist, instinktiv, auf der Ebene des Reflexes, dem Willen Gottes gemäß handelt. Anstatt die Entscheidung auf sich zu nehmen, den Willen Gottes mit seinem gesunden Menschenverstand zu bewerten, was eine Idee ist, die in eine Sackgasse führt. Selbstverständlich, denke ich, gibt es so viele Meinungen wie Menschen darüber, was das für ein Baum ist. Ich will mit niemandem streiten, und es ist durchaus möglich, dass ich in einem Jahr diese Geschichte völlig anders verstehen werde, so wie ich sie vor einigen Jahren anders verstanden habe. Dafür lesen wir ja die Tora ständig, um sie ständig neu zu durchdenken.

Also hat der Höchste Selbst den Garten gepflanzt, anstatt dass, wie wir erwartet haben, der Mensch das tun würde. Und der Höchste pflanzte in den Garten eine Menge verschiedener Bäume, die entweder angenehm anzusehen sind (das heißt, man kann dort im Schatten sitzen, ein Baum als Laube) oder angenehm im Geschmack, oder vielleicht vereint jeder Baum in sich das eine wie das andere. Es gibt keine unbequemen Bäume, es gibt nichts Unnötiges, keine Pappelwolle, die bei irgendwem eine Allergie auslöst – nichts dergleichen gibt es. Alles ist sehr bequem, ein sehr schöner Paradiesgarten. Um vorzugreifen: Was gibt es in diesem Paradiesgarten noch nicht, was es aber in der Schöpfung als solcher gibt? In diesem Paradiesgarten sehen wir weder Sonne noch Mond noch Sterne. Im Buch Dewarim (4,19) lesen wir: „Sonst blickst du zum Himmel auf und siehst die Sonne und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und lässt dich verführen und wirst dich vor ihnen niederwerfen und wirst dem dienen, womit der HERR, dein Gott, alle Völker unter dem Himmel bedacht hat.“ Und hier sehen wir eine Andeutung darauf, dass die Sterne und die Heere des Himmels irgendwie mit den Völkern der Welt zu tun haben. Im Buch des Propheten Jeschajahu (60,19–20) ist über das Volk Israel gesagt, dass es für es keine Sonne und kein Sonnenlicht geben wird: „Nicht mehr wird die Sonne dir Licht am Tag sein, und der Glanz des Mondes wird dir nicht leuchten, sondern der HERR wird dir ewiges Licht sein, und Elohim wird deine Pracht sein. Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, und dein Mond wird sich nicht verbergen, denn der HERR wird dir ewiges Licht sein, und die Tage deiner Trauer werden enden.“ Wenn wir das Urbild der kommenden paradiesischen Erde in diesem Paradiesgarten sehen und (wie wir im Weiteren sehen werden) das Urbild von érez Jisrael in diesem kommenden Paradiesgarten, dann fällt für uns vieles an seinen Platz. Wir haben von der allgemeinen Erschaffung der ganzen Erde gesprochen, vom Planeten Erde. Jetzt sprechen wir von der besonderen Fürsorge, die der Höchste für einen besonderen Winkel der Erde hat, wo es nichts gab, bis dort der Mensch erschien, wo der Mensch erscheint, der in sich das Himmlische und das Irdische vereint, wo der Ort selbst, den Gott erwählt hat, das Himmlische und das Irdische in sich vereinen wird. Wir werden noch auf diesen Vergleich zurückkommen: was es im Garten Eden gibt und was nicht und in der Schöpfung, wie sie im ersten Kapitel des Buches Bereschit beschrieben ist.

וְנָהָר יֹצֵא מֵעֵדֶן לְהַשְׁקוֹת אֶת־הַגָּן וּמִשָּׁם יִפָּרֵד וְהָיָה לְאַרְבָּעָה רָאשִׁים׃

wenahár jozé me'éden lehaschkót et-haggán umischám jipparéd wehajá le'arba'á raschím

10 Und ein Fluss geht aus Eden hervor, um den Garten zu bewässern, und von dort teilt er sich in vier Arme.

Nicht genug damit, dass der Höchste keine Regenfälle eingerichtet hat, die vom Verhalten des Menschen abhängig wären, der Höchste gab einen Fluss, der aus Eden hervorgehen wird. Wieder: Was gibt es im Garten Eden nicht? Es gibt kein Meer, das heißt, alles Wasser ist süß, salzlos, trinkbar. Erinnert ihr euch, mit welcher Bitterkeit Kohelet ausruft: „Alle Flüsse gehen ins Meer, und das Meer wird nicht voll!“ Alles süße Wasser wird salzig, und das ist ein endloser, trostloser, trauriger Prozess. Hier sehen wir, dass es im Paradiesgarten nur süßes Wasser gibt, in dieser Welt gibt es auch kein Meer, früher aber haben wir gelesen, dass die Ansammlung der Wasser Meer genannt wurde. Diese Arme, diese vier Flüsse werden uns die Grenze des Paradiesgartens beschreiben, umreißen. Und wieder: Im ersten Kapitel haben wir von keinerlei Grenzen gelesen, dort ist nichts umrissen, nicht begrenzt. Dort geht es um die Schöpfung als Ganzes. Hier sehen wir zum ersten Mal klar umrissene Grenzen.

שֵׁם הָאֶחָד פִּישׁוֹן הוּא הַסֹּבֵב אֵת כָּל־אֶרֶץ הַחֲוִילָה אֲשֶׁר־שָׁם הַזָּהָב׃

schem ha'echád pischón hu hassowéw et kol-érez hachawilá ascher-schám hassaháw

11 Der Name des ersten Flusses ist Pischon, er umfließt das Land Chawila, in dem Gold ist.

Es gibt viele verschiedene Versionen darüber, was das für ein Fluss ist – vom Ganges bis zum Blauen Nil; man nennt auch irgendwelche anderen Flüsse. Wo hat man den Paradiesgarten nicht überall gefunden, darunter sogar auf Fidschi. Mir liegt die Version nahe, dass Pischon und Gichon, zwei Flüsse, die man hier geografisch schwer erraten kann, der Blaue und der Weiße Nil sind, die zu einem Nil zusammenfließen, dem Strom Ägyptens. Diese Meinung vertreten sowohl religiöse Kommentatoren als auch Erforscher der Geschichte Israels. Man kann sich auch darauf stützen, dass in der frühen arabischen Literatur der Weiße Nil Dschihon genannt wird und der Blaue Nil Fisan genannt wird, und das heißt, wir haben Parallelen zu dieser Bestimmung. Dann ergibt sich, dass die Flüsse, die uns das Gebiet umreißen, zwei Arme eines Flusses, uns die Grenze des Verheißenen Landes umreißen, das heißt ebenjenes Landes, das später Israel verheißen werden wird – vom Fluss Ägyptens bis zum Fluss Euphrat. Wir begegnen oft dem Wort árez nicht einfach in der Bedeutung Erde, sondern in der Bedeutung des Landes Israel, und dafür kann man viele Beispiele anführen. Und wenn wir alles hier und weiter oben Gesagte analysieren, dann kann man sehen, dass der Paradiesgarten das Urbild, möglicherweise auch das geografische, des Landes Israel ist, des Ortes, wo das Volk zum ersten Mal in den Dienst des Höchsten gestellt werden wird. Deshalb, solange dort der Mensch nicht erschienen war, erschienen dort auch die Pflanzen nicht, das ist eine besondere Natur, eine besondere Vorsehung des Höchsten für das Land Israel. Deshalb ist dort auch mit den Tieren alles anders als im ersten Kapitel des Buches Bereschit.

Also, der Name des ersten Flusses ist Pischon. Und wieder bezüglich der geografischen Begriffe, die hier verwendet werden. Es gibt viele verschiedene Versionen, Theorien und, ich scheue dieses Wort nicht, Spekulationen. Ich neige dazu zu meinen, dass Chawíla ein Teil der Arabischen Halbinsel ist, gerade dort, wo auch einer der Arme des Nils fließt.

וּזֲהַב הָאָרֶץ הַהִוא טוֹב שָׁם הַבְּדֹלַח וְאֶבֶן הַשֹּׁהַם׃

usaháw ha'árez hahí tow scham habbedólach we'éwen haschóham

12 Und das Gold jenes Landes ist gut, dort ist Bdolach, und der Stein Jaspis befindet sich dort auch.

Im modernen Hebräisch bedeutet das Wort bdólach Kristall, im biblischen Hebräisch bedeutet es höchstwahrscheinlich irgendein aromatisches Harz, eines der teuren aromatischen Harze.

וְשֵׁם־הַנָּהָר הַשֵּׁנִי גִּיחוֹן הוּא הַסּוֹבֵב אֵת כָּל־אֶרֶץ כּוּשׁ׃

weschem-hannahár haschení gichón hu hassowéw et kol-érez kusch

13 Und der Name des zweiten Flusses ist Gichon, Und er umgeht das ganze Land Kusch.

Wie ich schon gesagt habe, ist Gichon nach Vermutungen, denen ich zuzustimmen geneigt bin, der zweite Arm des Nils. Sie fließen später zu einem Strom zusammen. Wieder: Es gibt sehr viele verschiedene Versionen, so ist es oft, wenn niemand die richtige Antwort weiß, und deshalb sehe ich keinen Sinn darin, darüber zu streiten. Es gibt andere Meinungen, und es ist unmöglich, auf irgendeine Weise die Richtigkeit zu beweisen oder zu widerlegen.

Der Weiße Nil, von dem wir gesprochen haben, beginnt in Äthiopien, fließt aus Äthiopien und fließt mit dem übrigen Teil des Nils zusammen, und unter dem Land Kusch kann man hier durchaus Äthiopien verstehen oder ein anderes Land gerade aus jener Region, weil die Namen oft vermischt wurden. Mir gefällt die Idee sehr (deshalb halte ich mich beim Lesen an sie), dass es gerade um die Grenzen des Verheißenen Landes geht.

וְשֵׁם הַנָּהָר הַשְּׁלִישִׁי חִדֶּקֶל הוּא הַהֹלֵךְ קִדְמַת אַשּׁוּר וְהַנָּהָר הָרְבִיעִי הוּא פְרָת׃

weschém hannahár haschelischí chiddékel hu haholéch kidmát aschúr wehannahár harewi'í hu ferát

14 Und der Name des dritten Flusses ist Chiddékel (das ist der Tigris, wir wissen, wo er sich befindet), er geht östlich von Aschur. und der vierte Fluss – das ist der Efrat.

Wir haben ungefähr die Grenzen des Paradiesgartens umrissen.


         וַיִּקַּח יְהוָה אֱלֹהִים אֶת־הָאָדָם וַיַּנִּחֵהוּ בְגַן־עֵדֶן לְעָבְדָהּ וּלְשָׁמְרָהּ׃

wajikkách adonáj elohím et-ha'adám wajannichéhu wegan-éden le'owdá ulschomrá

15 Und der HERR Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Edens, um diesen Garten zu bearbeiten und ihn zu bewahren.

Bearbeiten – das ist verständlich, der Garten erfordert Bearbeitung. Aber vor wem bewachen, wer konnte denn den Garten des Höchsten überfallen? Nun, natürlich heißt den Garten hüten, ihn zu bewahren, zu erhalten, sich um jedes Bäumchen zu kümmern und darauf zu achten, dass alle Bäume wachsen, genug Licht haben, Äste zu beschneiden vielleicht und so weiter. Das heißt, der Mensch ist, so kann man es in moderner Sprache sagen, als „Gastarbeiter“ genommen, als Lohnarbeiter, genommen als Verwalter des Paradiesgartens, als so ein eingeladener Verwalter. Aber der Begriff hüten hat, denke ich, noch eine solche Schicht, die man herausheben kann. Die Sache ist die, dass alles ja damit begann, dass der Mensch die Erde selbst bearbeiten sollte. Hier ist ein Garten gepflanzt; und zwar, wenn wir von den Bäumen dieses Gartens sprechen, ist hier kein Wort von Samen – wieder im Unterschied zum ersten Kapitel. In diesem Garten gibt es kein Säen, die Bäume und alles Übrige wachsen von selbst – bewahre das einfach. Das heißt, der Mensch ist als eine Art Geschenk in ein besonderes Land versetzt, in die besondere Gnade des Höchsten. Er ist schon in die göttliche Natur hineinversetzt, und man kann seine Teilhabe an dieser Natur hüten, dieses Geschenk der göttlichen Gegenwart auf der Erde hüten, das Vorhandensein des göttlichen Gartens auf der Erde, sich selbst in diesem Garten hüten, um nicht aus ihm vertrieben zu werden, wie es am Ende ja auch geschah (wieder greife ich vor, weil dieses leider traurige Ende alle kennen).

וַיְצַו יְהוָה אֱלֹהִים עַל־הָאָדָם לֵאמֹר מִכֹּל עֵץ־הַגָּן אָכֹל תֹּאכֵל׃

wajzáw adonáj elohím al-ha'adám lemór mikkól ez-haggán achól tochél

16 Und der HERR Gott gebot Adam und sprach: „Von jedem Baum des Gartens iss als Speise.

Das ist, was das Interessanteste ist, das allererste Gebot, das der Höchste dem Menschen gab. Gewöhnlich, wenn man fragt, welches das erste Gebot ist, sagt man: „Seid fruchtbar und mehrt euch.“ Seid fruchtbar und mehrt euch – das ist ein Segen. Andere sagen, dass das allererste Gebot, das der HERR dem Menschen gab, „iss nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ ist. Das ist auch nicht richtig. Wie wir lesen, ist das erste Gebot „iss!“ Zum Beispiel, wenn Chaim eine Apfelsine gegessen hat, dann ist die Apfelsine auf die Ebene Chaims aufgestiegen, ist zu Chaim geworden. Und genauso soll der Mensch Adam von jedem Baum im Garten essen, um alles Lebendige auf seine Ebene zu heben. Und was für eine Ebene hat er? Er hat die Ebene eines Wesens, das mit dem Höchsten in Kontakt steht, und dadurch beginnt alles, mit dem Höchsten in Kontakt zu treten, gerade Adam ist als so eine Art Brücke gedacht. Und der Höchste, wie ein guter Hausherr der Welt (wie eine Großmutter, zu der ihr gekommen seid, und sie hat fünfunddreißig Salate zubereitet, und sie wird gekränkt sein, wenn ihr, Gott bewahre euch, vierunddreißig probiert und den fünfunddreißigsten nicht probiert), sagt in seiner Gastfreundschaft zu diesem Gastarbeiter Adam: „Probier, Adamchen, probier, mein Lieber, von jedem der Bäume.“

וּמֵעֵץ הַדַּעַת טוֹב וָרָע לֹא תֹאכַל מִמֶּנּוּ כִּי בְּיוֹם אֲכָלְךָ מִמֶּנּוּ מוֹת תָּמוּת׃

ume'éz haddá'at tow wará lo tochál mimménnu ki bejom acholchá mimménnu mot tamút

17 Und (nicht „aber“ als Gegensatz, sondern doch „und“) VOM Baum der Erkenntnis von Gut und Böse iss nicht von ihm, denn an dem Tag, an dem du von ihm isst, wirst du des Todes sterben.“

Wir können vorerst, wenn wir das lesen, nicht verstehen, was des Todes sterben bedeutet. Wir werden darüber ausführlicher im dritten Kapitel sprechen. Es ist noch nicht verständlich, und Adam selbst weiß noch nicht, was der Tod ist, den er sterben wird, wenn er, Gott bewahre, von diesem Baum isst. Und es gibt scheinbar einen solchen Widerspruch: von allen Bäumen iss und von diesem Baum iss nicht. Am wahrscheinlichsten ist, dass man vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse hätte essen können, nachdem Adam vom Baum des Lebens gekostet hätte. Er wird erst zur Speise bereit sein, nachdem der Mensch die Tora erkannt hat. Wenn wir sagen, dass der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse der Baum ist, der es erlaubt, mit Hilfe seines Verstandes Taten zu vollbringen und Entscheidungen zu treffen, dann braucht man, um das richtig zu tun, ein solches Werkzeug wie die Tora, und es ist durchaus möglich, dass hier eine solche Absicht des Höchsten liegt. Wir werden noch darüber sprechen, aber vorerst bleibt so ein unverständliches Element der Handlung.

Also, der Mensch ist in den Paradiesgarten versetzt, ihm ist die Arbeit gegeben, ihn zu hüten und ihn zu bearbeiten. Es ist die Erlaubnis gegeben, das Gebot gegeben, von allen Bäumen des Gartens zu essen, und verboten (oder er ist vorübergehend in der Möglichkeit eingeschränkt), vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֱלֹהִים לֹא־טוֹב הֱיוֹת הָאָדָם לְבַדּוֹ אֶעֱשֶׂהּ־לּוֹ עֵזֶר כְּנֶגְדּוֹ׃

wajomer adonáj elohím lo-tów hejot ha'adám lewaddó e'esse-ló éser kenegdó

18 Und der HERR Gott sprach: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist, Ich werde ihm aus ihm selbst eine Helferin machen.“

Oft übersetzt man das als es ist nicht gut für den Menschen, allein zu sein. Aber dem Menschen ist es in Wirklichkeit gut, allein zu sein. Ich kenne viele Menschen, die sich in der Einsamkeit sehr gut einrichten. Und ich kenne Menschen, die sich in Familien quälen. Dem Menschen ist es von seiner Natur her, wie er es selbst will, gut, allein zu sein, aber, wenn wir uns erinnern, besteht der Mensch aus Männlichem und Weiblichem (bisher ist das alles, was wir über den Menschen gelesen haben). Der Mensch besteht aus Mann und Frau, und wir haben bisher nichts anderes gelesen. Das Wort lewaddó kann man als in Verbindung, in Verklammerung verstehen, und deshalb kann man so sagen: „Es ist nicht gut für den Menschen, im zusammengefügten, im geschlossenen Zustand zu sein, lasst uns ihn in die männliche und die weibliche Komponente zerlegen.“

Das Wort kenegdó kann man übersetzen als ihm entsprechend, und man kann es übersetzen als sich ihm widersetzend. Natürlich haben die Weisen das kommentiert und gesagt: „Wenn der Mensch würdig ist, ist sie ihm eine Helferin, wenn er nicht würdig ist, ist sie ihm eine Gegnerin, sie ist gegen ihn.“ Aber hier werden wir höchstwahrscheinlich sehen, jetzt sehen und im Weiteren sehen, dass es um eine Helferin geht, dass der Höchste den Umfang der Arbeit sieht, der vor dem Menschen steht (im Licht jener Aufgaben, die Gott ihm gegeben hat), und sagt, dass es gut wäre, ihm eine Helferin zu geben. Bevor das geschieht, ereignet sich eine völlig unerwartete Wendung der Ereignisse, in Vers 19.

וַיִּצֶר יְהוָה אֱלֹהִים מִן־הָאֲדָמָה כָּל־חַיַּת הַשָּׂדֶה וְאֵת כָּל־עוֹף הַשָּׁמַיִם וַיָּבֵא אֶל־הָאָדָם לִרְאוֹת מַה־יִּקְרָא־לוֹ וְכֹל אֲשֶׁר יִקְרָא־לוֹ הָאָדָם נֶפֶשׁ חַיָּה הוּא שְׁמוֹ׃

Wajízer adonáj elohím min-ha'adamá kol-chaját hassadé we'ét kol-óf haschamájim wajawé el-ha'adám lir'ót ma-jikra-ló wechól aschér jikra-ló ha'adám néfesch chajá hu schemó

19 Und der HERR schuf (formte) aus der Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zum Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen wird, und jeder Name, den der Mensch einer lebendigen Seele geben wird, das wird auch sein Name sein.

Wir stoßen wieder auf einen ernsten Widerspruch zwischen dem, was wir hier, im zweiten Kapitel, lesen, und dem, was wir ein Kapitel früher gelesen haben. Aber lasst uns nicht nur auf die Chronologie achten, sondern auch auf andere Unterschiede. Hier gibt es zum Beispiel keine Kriechtiere auf der Erde, hier gibt es keine Fische, nichts dergleichen erschafft der Höchste hier – nur Vögel und nur Tiere, unter denen eine Hilfe für den Menschen gesucht wird. Und wieder, eines der möglichen Verständnisse: Im Land Israel, in diesem Paradiesgarten, in diesem Modell des Dienstes, im Urbild des ersten, man kann sagen, paradiesischen Tempels gibt es eine besondere Fürsorge des Höchsten und eine etwas andere Chronologie. Das heißt, der Mensch in der Natur – er ist ein Inkubator-Mensch, „aufgezogen“ in so einem Inkubator, der „Paradiesgarten“ genannt wird, und in ihm sind auch die Tiere „aufgezogen“. Möglicherweise nur jene Tiere, die zur Domestizierung bestimmt sind, unter denen man auch eine gewisse Partnerschaft suchen kann. Und deshalb führt uns dieser Widerspruch wieder zu dem Gedanken, dass wir von einer gewissen regionalen Fürsorge sprechen, von einem menschlichen Winkel in dieser großen grenzenlosen Natur, von einem durch völlig klare Grenzen umrissenen Winkel für den Menschen.

Also bringt der Höchste eigens für Adam, der zum Dienst in den Gan Éden (Paradiesgarten), gestellt wurde, aus der Erde des Paradiesgartens bestimmte Tiere hervor.

Der Höchste lehrt den Menschen, das Wesen aus der Vielfalt herauszulösen. Im ersten Kapitel haben wir gelesen: Die Pflanzenwelt ist erschaffen, die Tierwelt ist erschaffen – Tiere, Pflanzen. „Wie ist die Tierwelt Australiens?“ – „Dort leben Tiere.“ „Und wie ist die Pflanzenwelt Australiens?“ – „Dort wachsen Pflanzen.“ So kann der reden, der nicht lebt, nicht in Berührung kommt und nicht weiß, nicht bereit ist, sich damit zu befassen und zu lenken. Um zu lenken, muss man unterscheiden, man muss von jedem Tierchen einzeln erzählen, es betrachten, auf seine Eigenschaften schauen. Der Mensch kommt in eine Zoo-Schule, in der er konkrete Tiere aus der Masse der Tierwelt herauslöst, schaut, was sich nach welchen Wesenheiten unterscheidet. Und jedem Tier muss er einen Namen geben, das heißt schauen, was zu ihm passt, was mit ihm im Einklang ist. Wer gibt noch seinen Untergebenen Namen? Der König. Wir lesen viel in der Schrift, dass der König, wenn er sich einen Gefangenen oder einen Untertanen nimmt, ihm irgendeinen neuen Namen gibt. Einen Namen, der den Kriterien des Dienstes dieses Menschen im Königreich entsprechen wird. Und hier dasselbe: Adam wird aufgetragen, das Wesen jedes Tieres in dem Königreich zu offenbaren, das er auf sich genommen hat.

וַיִּקְרָא הָאָדָם שֵׁמוֹת לְכָל־הַבְּהֵמָה וּלְעוֹף הַשָּׁמַיִם וּלְכֹל חַיַּת הַשָּׂדֶה וּלְאָדָם לֹא־מָצָא עֵזֶר כְּנֶגְדּוֹ׃

wajikrá ha'adám schemót lechol-habbehemá ul'óf haschamájim ulchól chaját hassadé ul'adám lo-mazá éser kenegdó

20 Und Adam gab allen Tieren Namen, und dem Vogel des Himmels, und jedem Tier des Feldes. und indem er all diese Wesenheiten herauslöste, fand Adam keinen Partner für sich.

Auch Adam lernt, die Welt zu lenken, lernt zu verstehen, womit man nur teilweise zusammenwirken kann und womit in ganzer Fülle. Man kann sich natürlich mit einem Hund, einem Pferd, einem Kamel oder einer Kuh anfreunden und sie im Dienst gebrauchen, aber eine Zusammenarbeit mit ihnen wird nicht gelingen. Indem er all diese Wesenheiten offenbarte, sah Adam, dass keines der Tiere zu ihm passt. Das ist kein Prozess, in dem der Höchste einen Partner für Adam sucht, das ist eine Demonstration für Adam, dass es möglich ist, irgendwelche Beziehungen mit der Tierwelt aufzubauen, mit jemand anderem, der nicht er ist. Und wenn er diese Schule durchläuft, ist er, man kann sagen, schon bereit für das Familienleben, und dann führt der Höchste eine chirurgische Operation durch.

וַיַּפֵּל יְהוָה אֱלֹהִים תַּרְדֵּמָה עַל־הָאָדָם וַיִּישָׁן וַיִּקַּח אַחַת מִצַּלְעֹתָיו וַיִּסְגֹּר בָּשָׂר תַּחְתֶּנָּה׃

wajappél adonáj elohím tardemá al-ha'adám wajischán wajikkách achát mizzal'otáw wajisgór bassár tachténna

21 Und der Höchste warf einen Schlummer auf den Menschen, und er schlief ein, und nahm eine von seinen Zela und verschloss hinter ihm das Fleisch.

Traditionell wird das Wort zéla als Rippe übersetzt. Höchstwahrscheinlich ist das das Ergebnis eines Fehlers, und das Allerletzte, was das Wort zéla bedeutet, ist eben Rippe. Es gibt verschiedene Versionen. In alten Übersetzungen wird das Wort aléja oder Fettschwanz verwendet (das ist so ein Fettanhang am Schwanz eines Widders). Natürlich kann ein solcher Aspekt unangenehm erscheinen, dass die Frau eben aus diesem kleinen Stückchen erschaffen ist. Aber das ist der süßeste, der kalorienreichste, der weichste Teil des Schlachtkörpers, der weichste Teil des Körpers des Menschen, Adams. Heute gibt es einen solchen Teil nicht. Das heißt, aus dem „Schwänzchen“ Adams wurde die Frau erschaffen. Eine andere Version sagt, dass das Wort zéla einfach Seite bedeutet, als ob sie verschmolzen gewesen wären, wie siamesische Zwillinge. Der Höchste trennte das eine vom anderen und ließ dieses Fleisch zuwachsen. Es gibt noch einige verschiedene Versionen. Ich würde bei der Version bleiben, und ich halte mich an sie im Gefolge des Talmud, im Gefolge des klassischen Verständnisses des Wortes zéla, dass das irgendein Fettstückchen ist, das Adam hatte. Nun, und die Frau ist ja nicht hart wie ein Knochen (immerhin, die Schwestern – sie sind weich), und das sollte man auch nicht vergessen. Kurz, über das Wort zéla werden Diskussionen geführt, beeilt euch nicht zu denken, dass das eine Rippe ist.

וַיִּבֶן יְהוָה אֱלֹהִים אֶת־הַצֵּלָע אֲשֶׁר־לָקַח מִן־הָאָדָם לְאִשָּׁה וַיְבִאֶהָ אֶל־הָאָדָם׃

wajíwen adonáj elohím et-hazzelá ascher-lakách min-ha'adám le'ischá wajwi'éha el-ha'adám

22 Und der HERR Gott konstruierte die Zela, die Er vom Menschen genommen hatte, zu einer Frau um und brachte sie zum Menschen.

Ein interessantes Wort: jíwen – konstruierte um, schuf. Das weist auf eine sehr komplizierte Art von Arbeit hin, eben so eine Konstrukteursarbeit beim Bauen. Wenn der Mensch, der Mann (adam), einfach geknetet ist, dann ist die Frau konstruiert, sie ist eingerichtet, sie ist sehr kompliziert und wunderbar eingerichtet, und der Mechanismus ihres Aufbaus ist viel komplizierter als beim adam.

Noch eine Auslegung des Wortes jíwen, auch sehr interessant: flocht einen Zopf. Tatsächlich bedeutet liwnót einen Zopf flechten. Das klingt sehr interessant und schön, meiner Meinung nach, dass den ersten Zopf auf der Erde der Frau der Höchste selbst geflochten hat.

Hier möchte ich bei zwei wichtigen Details verweilen. Wie ich ganz am Anfang sagte, ist Adam eine Art Gastarbeiter, er ist in den Gan Éden genommen. Die Frau dagegen ist im Gan Éden geboren, sie hat dort die Staatsbürgerschaft. Was bedeutet das? Wenn der Gastarbeiter sich nicht sehr gut benimmt, kann man ihn aus dem Gan Éden hinauswerfen. Die Frau kann man aus dem Gan Éden nicht hinauswerfen, sie hat dort die Staatsbürgerschaft. Das heißt, wenn ich in meinem Land irgendein Verbrechen begehe, kann man mich mit einer Geldstrafe belegen, ins Gefängnis stecken, sogar, Gott bewahre, mancherorts auf den elektrischen Stuhl bringen, aber die Staatsbürgerschaft entziehen, mich aus dem Land werfen, das kann man nicht – im Unterschied zum Gastarbeiter. Und dasselbe mit der Frau und dem Mann. Der Mann, er ist ein „Zugereister“ im Gan Éden, die Frau aber, sie ist dort geboren. Das ist das erste wichtige Detail.

Das zweite interessante und wichtige Detail: Eigentlich steht nirgends geschrieben, dass Adam aufwachte, als der Höchste den Schlaf über ihn brachte. Nun, natürlich können wir als Leser erraten, dass er aufwachte, aber es steht nirgends geschrieben, und darüber kann man auch nachdenken: Träumt er nicht etwa von der Frau? Also führt der Höchste die Frau zu Adam, und Adam beginnt, ein freudiges Lied zu singen.

וַיֹּאמֶר הָאָדָם זֹאת הַפַּעַם עֶצֶם מֵעֲצָמַי וּבָשָׂר מִבְּשָׂרִי לְזֹאת יִקָּרֵא אִשָּׁה כִּי מֵאִישׁ לֻקֳחָה־זֹּאת׃

wajómer ha'adám sot happá'am ézem me'azamáj uwassár mibbesarí lesót jikkaré ischá ki me'ísch lukocha-sót

23 Und Adam sprach: „Siehe, diesmal ist es Knochen von meinem Knochen und Fleisch von meinem Fleisch. diese wird Ischa heißen, denn vom Isch ist diese genommen.“

In der Übersetzung geht das völlig verloren, aber Adam spricht hier in alten Versen, das ist wirklich ein freudiges Lied.

Also sagt Adam: „Das ist Knochen von meinem Knochen, Fleisch von meinem Fleisch, sie wird mit dem Wort ischá (Frau) genannt werden, denn sie ist vom isch (Mann) genommen.“ Wenn auf Hebräisch, sagen wir, Stier – das ist par, dann ist Kuh – das ist pará, oder zum Beispiel Widder – das ist kéwes, und Schaf – das ist kiwsá, und man kann sagen, dass so eben mit dem Buchstäbchen ה (hej) das weibliche Geschlecht gebildet wird, und deshalb wird eben die Frau so vom Mann gebildet, das ist einfach die Bildung des weiblichen Geschlechts. In Wirklichkeit ist das nicht ganz eine Wortbildung, das ist eher ein Wortspiel. Das Wort isch stammt von der Wurzel oschésch (stark oder Kraft geben); das Wort ischá stammt von der Wurzel anúsch (schwach und schwach sein), und ein solcher Gleichklang, ein solches Wortspiel ist hier entstanden, dass diese Wörter isch und ischá zusammen als Bezeichnung für Junge und Mädchen vorkommen. Aber im Grunde sagt Adam, dass sie den Wunsch weckt, sie zu beschützen: „Ich werde sie beschützen, sie wird schwach sein, weil sie vom Starken genommen ist. Und mein erster Wunsch ist, sie zu beschützen, mein erstes Streben ihr gegenüber ist, sie zu schützen, zu behüten, zu bewahren, zärtlich mit ihr umzugehen, und alles Übrige.“ Das sind wirklich zwei verschiedene Wörter, zwei verschiedene Wurzeln: anaschím und naschím, im Plural. Und das Interessanteste ist, dass das Wort enoschút (Menschheit) wörtlich als „Schwachheit“ übersetzt wird, das heißt, die ganze Versammlung der Menschen ist nicht nach den Männern benannt, nicht nach der Bezeichnung der Männer, sondern nach der Bezeichnung der Frauen.

Und die Tora sagt weiter:

עַל־כֵּן יַעֲזָב־אִישׁ אֶת־אָבִיו וְאֶת־אִמּוֹ וְדָבַק בְּאִשְׁתּוֹ וְהָיוּ לְבָשָׂר אֶחָד׃

al-kén ja'asow-ísch et-awíw we'et-immó wedawák be'ischtó wehajú lewassár echád

24 Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.

וַיִּהְיוּ שְׁנֵיהֶם עֲרוּמִּים הָאָדָם וְאִשְׁתּוֹ וְלֹא יִתְבֹּשָׁשׁוּ׃

wajihjú schenehém arummím ha'adám we'ischtó weló jitboscháschu

25 Und sie waren beide nackt, Adam und seine schwache Hälfte, und schämten sich nicht.

Was gibt es hier nicht im Vergleich zu dem, was im ersten Kapitel war? Hier gibt es kein seid fruchtbar und mehrt euch. Wenn das erste Kapitel die Natur ist, deren Einrichtung selbst es mit sich bringt, fruchtbar zu sein und sich zu mehren, dann hier – schaut doch mal, was für eine Romantik hier ist: „Ich erlaube ihr, schwach zu sein, weil ich stark bin. Sie ist Bein von meinem Bein, Fleisch von meinem Fleisch. Und wir werden uns verbinden und zu einem Fleisch zurückkehren.“

Sie waren beide nackt, er und seine Frau, und schämten sich nicht – die einen sagen, dass sie natürlich im Paradies keinerlei intimes Leben haben konnten, denn was für eine Leidenschaft gibt es schon im Paradies, und ohne Leidenschaft kann es auch kein intimes Leben geben. Andere sagen, dass sie im Paradies ein Geschlechtsleben hatten, aber genau so war es eben – leidenschaftslos, nur um das Gebot zu erfüllen, ohne irgendeine solche falsche Sinnlichkeit. Diese Kommentare kommen mir seltsam vor. Mir liegt ein dritter Ansatz nahe, der sagt, dass sie sowohl Liebe als auch Leidenschaft und Romantik und Anziehung zueinander hatten. Und warum schämten sie sich denn nicht voreinander, woher kommt diese Freiheit – sich nicht zu bedecken? Das kommt daher, dass es keinerlei Messlatten gab, nichts, was sie erreichen oder nicht erreichen konnten, keine Anforderung, kein Kriterium, dem sie hätten entsprechen oder nicht entsprechen können: denn genau das bringt das Wissen von tow we ra (Gut und Böse). hervor. Und deshalb mussten sie sich der Nacktheit des anderen nicht schämen. Und den Gesang Adams „Diesmal ist es Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ kann man das erste romantische Lied nennen. Ja, ich habe auch vorgegriffen, ich weiß, was im vierten Kapitel geschrieben sein wird: „Adam erkannte seine Frau.“ Wir werden zu Ende lesen und dort noch einmal darüber sprechen. Beeilt euch nicht, mir dieses Zitat anzuführen, ich erinnere mich, dass von „erkannte“ genau dort geschrieben steht.

Das ist die Geschichte des zweiten Kapitels. Ich denke, dass das das Urbild des Landes Israel ist, das Urbild des heiligen Volkes im heiligen Dienst, aber wir haben vereinbart, nicht vorzugreifen. Wir lesen hier die romantische Geschichte der Menschheit, die Geschichte davon, wie gut alles hätte sein können, wie romantisch gut alles begann.

Die erste Tragödie

Bereschit 3,1–24

Das dritte Kapitel des Buches Bereschit hat ein ungewöhnliches Schicksal. Wahrscheinlich sage ich von jedem Kapitel, dass es ungewöhnlich ist. In der Tora gibt es Verse und Kapitel, die mit Moos oder Staub bedeckt sind, weil niemand sie gern zitiert, man erinnert sich selten an sie. Es gibt in der Schrift Verse, die zu Steinen geworden sind, man benutzt sie oft, um mit ihnen nach Feinden, Sündern und allerlei sonstigen Gottlosen zu werfen. Das sind sehr bequeme Verse, wie Kieselsteine, sie liegen gut in der Hand und fliegen weit. Es gibt Verse, die zu Säbeln geworden sind: Mit blankem Säbel kann man sich auf theologische Gegner stürzen, auf Gegner in theologischen Streitigkeiten. Für feinsinnigere Menschen gibt es Verse, die zu Karten von diesem oder jenem Trumpfgrad geworden sind, und in einem theologischen Streit kann man mit einer ernsthaften, gewichtigen Trumpfkarte ausspielen und viele Stiche machen, sozusagen den theologischen Streit gewinnen. Verschiedene Verse werden für verschiedene Zwecke benutzt und entsprechend in diesem oder jenem Maß kommentiert, mehr oder weniger.

Das dritte Kapitel des Buches Bereschit beschreibt zweifellos die tragischste Situation, die tragischsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit. Diese Ereignisse haben auch auf euch und mich eingewirkt, und wirken ein, und werden noch weiter und weiter einwirken. Zweifellos wurde dieses Kapitel zum Fundament für viele Glaubensrichtungen und für viele Lehren. Es ist so sehr überwuchert, bedeckt mit Kommentaren und Auslegungen (und wie soll man hier nicht auslegen und nicht kommentieren, wenn die Ereignisse wirklich wichtig sind?), man hat darin schon so vieles gesehen, so viele allerlei Bilder und Gemälde, dass es schwer ist, hinter all diesem Gewand, dieser Einkleidung dieses Kapitels – bei aller Achtung vor den Schneidern, die es bekleidet und eingekleidet haben – schwer ist, hinter alldem den einfachsten, den ursprünglichsten Sinn zu sehen. Es ist schwer, auf alle Kleidchen zu verzichten, auf alle Kommentare, die wir gerade über dieses, so wichtige Kapitel schon kennen. Und dennoch, obwohl man sich über mich beschwert, dass ich den verborgenen Sinn nicht enthülle, und den Maschiach in der Tora nicht enthülle, und dass man mehr über den Maschiach und weniger über den einfachen Sinn sprechen müsste, weil der einfache Sinn nur ein Zuchtmeister ist (ich weiß das alles, ich erinnere mich an all das), und dennoch, ich wiederhole: Ich bin der Meinung, dass man ohne den einfachen Sinn nicht auskommt. Wenn man über den einfachen Sinn nachdenkt, findet jeder sowohl den Maschiach als auch irgendwelche verborgenen Bedeutungen – all das wird sich zeigen. Wir aber wollen es trotzdem versuchen, und ich schlage euch vor, alles zu vergessen, was ihr zuvor über das dritte Kapitel gelesen habt, alles zu vergessen, was ihr gedacht habt, auf die Erwartung zu verzichten, darin den Satan zu sehen, oder den Papst, oder Putin, oder den Teufel, oder sonst jemanden, und es so zu lesen, als hätten wir nur die ersten zwei Kapitel der Tora gelesen. Zu einer solchen Reise schlage ich euch vor aufzubrechen. Gefällt es euch nicht, dann hört, wie man so sagt, nicht zu, und wir beginnen mit dem allerersten Vers.

וְהַנָּחָשׁ הָיָה עָרוּם מִכֹּל חַיַּת הַשָּׂדֶה אֲשֶׁר עָשָׂה יְהוָה אֱלֹהִים וַיֹּאמֶר אֶל־הָאִשָּׁה אַף כִּי־אָמַר אֱלֹהִים לֹא תֹאכְלוּ מִכֹּל עֵץ הַגָּן׃

wehannachásch hajá arúm mikkól chaját hassadé aschér assá adonáj elohím wajomer el-ha'ischá af ki-amár elohím lo tochelú mikkól ez haggán

1 Die Schlange aber war die klügste von allen Tieren, die der HERR Gott gemacht hatte. Und sie sprach zur Frau: „Hat der HERR so gesagt: ‚Esst von keinem der Bäume im Garten‘?

Schauen wir es uns etwas ausführlicher an. Wir erinnern uns aus dem vorigen Kapitel, dass Adam den Tieren die Namen gab. Der Höchste brachte die Tiere zu ihm, und offenbar gab Adam aufgrund einer gewissen Bekanntschaft mit dem Wesen der Tiere diesen Tieren Namen. Das sind nicht einfach zufällige Namen. Der Name nachásch (Schlange) stammt von derselben Wurzel wie das Verb lenachésch – nachsinnen, durchschauen, in das Wesen der Dinge eindringen, etwas erraten, eine gewisse Tiefe des Gedankens erreichen. Nachdem Adam die Schlange kennengelernt hatte, gab er ihr einen solchen Namen – „Schlaumeier“ oder „Verstehmeier“. Und wiederum, da diese Tiere dazu berufen waren, irgendwie mitzuarbeiten, dem Menschen irgendwie im Dienst zu helfen, obwohl sie ihm nicht ganz ein Gegenstück sind, so war auch die Schlange zum Dienst berufen, vielleicht mit ihrem Verstand. Sie war listiger als alle Tiere des Feldes, listiger oder klüger. Das Wort arúm wird in aramäischen Texten an dieser Stelle mit chákim übersetzt – einfach weise. Im vorigen Kapitel, als wir von Adam und seiner Frau lasen, dass sie nackt waren, wird dasselbe Wort im Plural verwendet – arummím (nackt), und man könnte hier so übersetzen: Die Schlange aber war die nackteste von allen Tieren. Aber wir haben in den ersten Kapiteln des Buches Bereschit schon mehrfach Kalauer oder Wortspiele gesehen. Und deshalb ist es vernünftig, ein anderes Verständnis dieses Wortes zu verwenden, das es auch gibt: die Schlange – die klügste von allen Tieren. Das ist – der Anfang.

Es gibt eine Besonderheit der grammatischen Form. Man könnte so sagen: wajih́í nachásch – und die Schlange war die klügste von allen Tieren. Aber hier steht eine grammatische Form, die gleichsam Vergangenheit in der Vergangenheit ist: die Schlange aber war die klügste von allen Tieren. Das heißt, auch vor dieser ganzen Geschichte war die Schlange die klügste, und sie wäre König gewesen, wäre „wie ein Gockel“ herumstolziert, hätte von allen Bäumen des Gartens gegessen, vielleicht hätte man auch ihr eine Frau erschaffen, wenn nicht der Mensch erschienen wäre. Natürlich möchte die Schlange aufrecht gehen wie der Mensch, und vielleicht von allen Bäumen des Gartens essen, über alle Tiere herrschen und auch mit der Frau Umgang habenIm Russischen steht nur „mit Frau Umgang haben“, ohne Artikel; gemeint sein kann eine eigene Frau der Schlange oder die Frau Adams. Übersetzt ist wörtlich mit „mit der Frau“., sie ist doch die klügste – wenn nicht der Mensch wäre. Da habt ihr gesunde Konkurrenz.

Und die Schlange beginnt ein Gespräch mit der Frau und sagt zu ihr: „Hat der HERR so gesagt – esst von keinem der Bäume im Garten?“ Hat Gott etwa gesagt, dass man überhaupt nicht essen darf? Wovon ist hier die Rede? Wie das – man darf überhaupt nicht essen? Wie das – Gott hat verboten zu essen? Gott hat gerade geboten zu essen, und ich habe versucht, das Wesen davon zu erklären, indem ich sagte, dass, wenn der Mensch etwas isst, dieses Etwas ein Teil des Menschen wird. Weiter: Wenn der Mensch einen Apfel gegessen hat, und der Apfel ist zum Menschen geworden, und der Mensch wendet sich mit einem Gebet an den Höchsten oder bearbeitet sogar die Erde, wozu Gott ihn ja hingestellt hat, dann dient er mit eben diesem Apfel dem Höchsten, und auf diese Weise wird der Apfel erhöht und emporgehoben. Man hätte den Menschen direkt an die Batterien des Höchsten anschließen können, und der Mensch würde sich direkt vom Wort Gottes ernähren, ohne diesen ganzen Kreislauf des Wortes Gottes zu brauchen. Hat diese Welt Funktionen für den Höchsten? – Das ist es eigentlich, was die Schlange gefragt hat. Muss man sich überhaupt ernähren, braucht man überhaupt diese Welt, um Menschen zu sein? Muss man in dieser Welt ein Gottmensch sein, einer, der sich von den Bäumen des Gartens ernährt und dem HERRN dient? Oder wie die Engel sein, und essen muss man überhaupt nicht? Oder wie die Tierchen sein, und dem Höchsten nicht auf irgendeine besondere Weise dienen, mit irgendwelchen besonderen Weisungen? Die Frage nach der Zusammenarbeit einerseits des rationalen Verstandes und der Philosophie – mit der Prophetie, mit dem Dienst für den Höchsten, mit dem göttlichen Verstand andererseits. Vielleicht hat Gott gesagt: „Seid rein geistig, lebt ausschließlich von Geistigkeit“? Die Schlange wendet den Menschen, in diesem Fall die Frau, dem rationalen, sozusagen, Verstand zu. Die Schlange ist weise, aber sie ist ein Tier, sie hat keine Verbindung mit dem Göttlichen. Ich wiederhole noch einmal: Das ist der Anfang des Dialogs zwischen dem rationalen tierischen Verstand und dem göttlichen Verstand, zwischen dem gesunden Menschenverstand und der Prophetie, der Verbindung mit dem Höchsten. Die Schlange sagt: „Braucht man diese Welt überhaupt? Wenn ihr schon solche Propheten seid, braucht ihr dann diese Welt?“

וַתֹּאמֶר הָאִשָּׁה אֶל־הַנָּחָשׁ מִפְּרִי עֵץ־הַגָּן נֹאכֵל׃

wattómer ha'ischá el-hannachásch mipperí ez-haggán nochél

2 Die Frau antwortet der Schlange: „Von den Früchten des Baumes des Gartens werden wir essen.

וּמִפְּרִי הָעֵץ אֲשֶׁר בְּתוֹךְ־הַגָּן אָמַר אֱלֹהִים לֹא תֹאכְלוּ מִמֶּנּוּ וְלֹא תִגְּעוּ בּוֹ פֶּן־תְּמֻתוּן׃

umepperí ha'éz aschér betoch-haggán amár elohím lo tochelú mimménnu weló tigge'ú bo pen temutún

3 Aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: „Esst nicht von ihm und berührt ihn nicht, damit ihr nicht sterbt.“

Achtet auf das, wovon die Frau spricht, und zwar auf einige, sagen wir so, kleine Ungenauigkeiten. In Vers 9 des vorigen Kapitels haben wir davon gelesen, dass der Höchste einen Garten pflanzte und in ihm den Baum des Lebens pflanzte, ganz in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Ganz in der Mitte des Gartens wächst nicht der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, sondern der Baum des Lebens. Und die Frau sagt hier, dass der Höchste verboten hat, gerade von den Früchten des Baumes zu essen, der in der Mitte des Gartens ist. Das heißt, erstens: In der Mitte des Gartens ist der Baum des Lebens.

Zweitens. In Bereschit (2,17) steht geschrieben: „… und vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, iss nicht von ihm.“ Hier aber sagt uns die Frau: „Von den Früchten des Baumes, iss nicht von ihm.“ Wieder, schon zum wiederholten Mal, begegnen uns im Text der Baum und die Früchte des Baumes durcheinander. Wir erinnern uns an die Geschichte des allerersten Kapitels, Verse 11 und 12, als die Erde das Wort Gottes nicht so erfüllt, wie der HERR es ihr sagt, als der Höchste sagte: „Mache ez perí óse perí“ – „Mache Baum-Frucht, die Frucht bringt“. Die Erde aber macht einfach einen Baum, der Frucht bringt. Im Unterschied zu dem, was der Höchste der Erde im ersten Kapitel befahl, fallen der Geschmack des Baumes und der Geschmack der Frucht verschieden aus, der Baum ist geschmacklos geworden. Als wir im zweiten Kapitel lasen, dass der Höchste den Garten pflanzte, da war der Geschmack des Baumes und der Geschmack der Frucht gleich, das haben wir auch festgestellt. Und der Höchste verbot, vom Baum zu essen. Hier aber lesen wir, dass die Frau sagt: von den Früchten des Baumes. Und das ist nicht irgendeine Kleinigkeit, über die wir hinwegspringen können.

Das Dritte, was die Frau sagt, sie sagt: „Und diesen Baum anzurühren ist verboten“, obwohl niemand das Anrühren verboten hatte. Das heißt, die Frau erweitert auch die Grenzen des Verbots.

Und wieder, was den Baum betrifft. Welcher Baum wächst denn nun in der Mitte des Gartens – der Baum des Lebens oder der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse? Man kann sagen, dass der Baum in der Mitte des Gartens nicht streng geometrisch irgendein einzelner kleiner Punkt ist, der die Mitte des Gartens darstellt, und dass in der Mitte des Gartens zwei Bäume wachsen und die Frau einfach den anderen Baum meint. Ein anderes Verständnis: Andere Kommentatoren sagen, dass in Wirklichkeit der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ein und derselbe Baum sind, die ganze Frage ist, mit welcher Haltung, sozusagen, mit welchem inneren Anliegen du von diesem Baum isst. So oder so bleibt das Problem, denn in diesem ganzen Kapitel wird der Baum weder Baum des Lebens noch Baum der Erkenntnis von Gut und Böse genannt werden, die ganze Zeit wird von „jenem Baum“ die Rede sein. Das ist auch so eine nicht unwichtige Tatsache.

Also, die Frau sagte: „Von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat man uns verboten zu essen und hat uns verboten, ihn anzurühren, damit wir nicht sterben.“ Der letzte Zusatz „und nicht anrühren“ ist möglicherweise eine Verschärfung, die Adam ihr gesagt hat, und möglicherweise eine Verschärfung, die sie sich selbst ausgedacht hat. Die Weisen legten das aus und sagten: „Seht, wie gefährlich es ist, Zusätze zur Tora zu machen.“ Und sie sagten, dass in diesem Moment die Schlange die Frau stieß, sie an den Baum drückte und sagte: „Siehst du, du berührst ihn, und nichts geschieht.“ So oder so ändert die Frau aus irgendeinem Grund sehr vieles an dem, was der Höchste Adam befohlen hat.

וַיֹּאמֶר הַנָּחָשׁ אֶל־הָאִשָּׁה לֹא־מוֹת תְּמֻתוּן׃

wajomer hannachásch el-ha'ischá lo-mót temutún

4 Und die Schlange sagte zur Frau: „Nein, nicht des Todes werdet ihr sterben.

כִּי יֹדֵעַ אֱלֹהִים כִּי בְּיוֹם אֲכָלְכֶם מִמֶּנּוּ וְנִפְקְחוּ עֵינֵיכֶם וִהְיִיתֶם כֵּאלֹהִים יֹדְעֵי טוֹב וָרָע׃

ki jodéa elohím ki bejom acholchém mimménnu wenifkechú enechém

wihjitém kelohím jode'é tow wará

5 Aber Gott weiß, dass an dem Tag, an dem ihr von ihm essen werdet, und eure Augen werden sich öffnen, und ihr werdet sein wie Gott, Gut und Böse kennend.“

Tatsächlich, Gott hat euch an Seinen Tisch gesetzt, ihr seid am Tisch beim Höchsten. Aber ihr seid nicht verpflichtet, an Seinem Tisch zu sitzen: Ihr könnt sein wie Er, könnt euren eigenen Tisch decken und werdet sein wie Er, wenn ihr von diesem Baum esst. Die Schlange sagte hier nicht zur Frau: „Iss, probier! Eine schmackhafte Frucht, eine schmackhafte Speise! Was für ein guter Baum!“ Die Schlange wies die Frau einfach darauf hin, ließ in ihr die Möglichkeit entstehen, – vom Standpunkt des rationalen Verstandes, des gesunden Menschenverstandes – das Gebot des Verbots, vom Baum zu essen, abzuwägen. So funktioniert die Sünde. Der Mensch wird im Grunde von seiner eigenen Begierde verführt. Wenn er auf etwas blickt, trifft er selbst die Entscheidung, man führt ihn nur heran, bringt ihn dazu, auf jenen Gegenstand zu schauen, der ihn verführen kann, und in diesem Moment wählt er selbst – sich verführen zu lassen oder sich nicht verführen zu lassen. Im sechsten Vers lesen wir, was mit der Frau geschah.

וַתֵּרֶא הָאִשָּׁה כִּי טוֹב הָעֵץ לְמַאֲכָל וְכִי תַאֲוָה־הוּא לָעֵינַיִם וְנֶחְמָד הָעֵץ לְהַשְׂכִּיל וַתִּקַּח מִפִּרְיוֹ וַתֹּאכַל וַתִּתֵּן גַּם־לְאִישָׁהּ עִמָּהּ וַיֹּאכַל׃

wattére ha'ischá ki tow ha'éz lema'achál wechí ta'awa-hu la'enájim wenechmád ha'éz lehaskíl wattikkách mippir'jo wattochál wattittén gam-le'ischá immá wajochál

6 Und die Frau sah, dass dieser Baum gut zur Speise ist (das heißt, das ist die Begierde des Fleisches), dass er angenehm ist, begehrenswert für die Augen (die Begierde der Augen), und sie (die Frucht) ist angenehm für den Erfolg (sie gibt Verstand und die Fähigkeit, Erfolg zu haben, erfolgreich zu sein – der Hochmut des Lebens), und sie nahm von seinen Früchten und aß. und gab auch ihrem Mann, zusammen mit ihr, und auch er aß.

Das heißt, das ist die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen, sie (die Frucht) gibt Verstand und die Fähigkeit, Erfolg zu haben, erfolgreich zu sein – der Hochmut des Lebens. Im Buch des Propheten Jeschajahu (52,13) ist über den Maschiach gesagt: „Hiné jaskíl awdí“ – „Siehe, Mein Knecht ist erfolgreich geworden“. Hier will auch die Frau erfolgreich sein. Sie sah, dass der Baum ihr helfen kann. Das hatte die Schlange ihr nicht gesagt, das sagten ihr ihre Augen, ihr Sehen, sie hat es selbst gesehen. Die Schlange gab ihr nur die Möglichkeit, darauf zu schauen, ließ sie in ihrem Herzen zulassen, dass sie darauf schauen kann.

Beachtet, hier hat sie wieder „von seinen Früchten“ genommen, obwohl sie gerade wusste und sagte, dass man von den Früchten nicht essen darf (obwohl es das Verbot gab, vom Baum zu essen, darauf werden wir noch zurückkommen).

Adam, beachtet, isst vom Baum und fragt überhaupt nichts. Er fragt nicht, vielleicht weil er überhaupt keinen Kontakt zu seiner Frau hat, der Kontakt zwischen ihnen hat sich nicht ergeben, oder er fragt nicht, vielleicht aus dem Grund, den wir etwas weiter verstehen werden.

וַתִּפָּקַחְנָה עֵינֵי שְׁנֵיהֶם וַיֵּדְעוּ כִּי עֵירֻמִּם הֵם וַיִּתְפְּרוּ עֲלֵה תְאֵנָה וַיַּעֲשׂוּ לָהֶם חֲגֹרֹת׃

wattippakáchna ené schenehém wajede'ú ki erummím hem wajitperú alé te'ená waja'asú lahém chagorót

7 Und es öffneten sich die Augen bei beiden, und sie sahen, dass sie nackt sind, und nähten Feigenblätter zusammen und machten sich Riemen, Umgürtungen.

Das Wort chagorá bedeutet tatsächlich Riemen. Man kann verstehen und sehen, dass die Menschen, Adam und seine Frau, irgendeine Unreinheit im unteren Teil ihres Körpers spürten und sich eine Umgürtung machten, einen Gürtel, der den unteren Teil des Körpers und den oberen trennt – nicht so sehr, um die Nacktheit zu bedecken, als vielmehr, um die Unreinheit abzutrennen, wenn man das wörtlich versteht. Also, ihre Augen öffneten sich, sie sahen irgendeine Unreinheit und machten sich Umgürtungen oder Gürtel oder Riemen, wie man das auch immer verstehen will. Hatten sie vorher geschlossene Augen? Das ist so eine Frage, die sich natürlich aufdrängt. Das Wort tifakáchna (vom Verb lifkóach) bedeutet aufmerksam schauen, genau hinsehen, angespannt hinsehen auf etwas; pikéach – das ist ein wachsamer Mensch. Und hier kann man sagen, dass, als sie von der Prophetie zur Vernünftigkeit umschalteten, zum gesunden, physischen, tierischen Verstand, sich auch das einschaltete, was pikchút genannt wird – das heißt irgendeine Wachsamkeit, die Notwendigkeit, sich zu schützen, sich zu examinieren und sich ständig zu überprüfen, irgendeine Skala, mit der man sich abgleichen musste. In diesem Sinn wurden ihre Augen wachsam.

וַיִּשְׁמְעוּ אֶת־קוֹל יְהוָה אֱלֹהִים מִתְהַלֵּךְ בַּגָּן לְרוּחַ הַיּוֹם וַיִּתְחַבֵּא הָאָדָם וְאִשְׁתּוֹ מִפְּנֵי יְהוָה אֱלֹהִים בְּתוֹךְ עֵץ הַגָּן׃

Wajischme'ú et-kól adonáj elohím mithalléch baggán lerúach hajom

wajitchabbé ha'adám we'ischtó mippené adonáj elohím betóch ez haggán

8 Und sie hörten die Stimme des HERRN Gott, die Stimme, die ging, die im Garten erklang, im Tageswind. Und es versteckte sich adam und seine Frau vor dem HERRN Gott im Baum, der im Garten ist.

Die düstersten Kommentare sagen, dass dies ein Urbild des hölzernen Sarges ist, in dem der Mensch landen wird. Der Mensch versteckte sich im Baum wie in einem Sarg. Die rationalsten Kommentare sagen, dass hier „im Baum, der im Garten ist“ – das ist „unter den Bäumen, die im Garten sind“. Es gibt noch solche Varianten: Vielleicht war im Baum irgendeine Höhlung. So oder so versteckte sich der Mensch im Baum, der im Garten ist.

וַיִּקְרָא יְהוָה אֱלֹהִים אֶל־הָאָדָם וַיֹּאמֶר לוֹ אַיֶּכָּה׃

wajikrá adonáj elohím el-ha'adám wajomer lo ajékka

9 Und der HERR Gott rief den Menschen und sprach zu ihm: „Wo bist du?“

וַיֹּאמֶר אֶת־קֹלְךָ שָׁמַעְתִּי בַּגָּן וָאִירָא כִּי־עֵירֹם אָנֹכִי וָאֵחָבֵא:

wajomer et-kolechá schamá'ti baggán wa'irá ki-eróm anóchi wa'echawé

10 Und er antwortete ihm: „Ich hörte Deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich, weil ich nackt bin, und versteckte mich.“

Diese Unreinheit spürend, kann der Mensch nicht mehr vor dem Höchsten erscheinen und versteckt sich deshalb, und so sagt er es Ihm auch.

וַיֹּאמֶר מִי הִגִּיד לְךָ כִּי עֵירֹם אָתָּה הֲמִן־הָעֵץ אֲשֶׁר צִוִּיתִיךָ לְבִלְתִּי אֲכָל־מִמֶּנּוּ אָכָלְתָּ׃

wajomer mi higgíd lechá ki eróm átta hamin-ha'éz aschér ziwwitícha lewiltí achól-mimménnu achálta

11 Und sprach (der HERR sagt zum Menschen): „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Es sei denn, du hast von dem Baum, über den Ich dir geboten habe, dass du nicht von ihm essen sollst, gegessen.“

Hier spricht der Höchste nicht von den Früchten des Baumes, sondern vom Baum: „Etwa von dem Baum, über den Ich dir geboten habe, nicht von ihm zu essen, hast du gegessen.“

וַיֹּאמֶר הָאָדָם הָאִשָּׁה אֲשֶׁר נָתַתָּה עִמָּדִי הִוא נָתְנָה־לִּי מִן־הָעֵץ וָאֹכֵל:

wajomer ha'adám ha'ischá aschér natátta immadí hi natená-lí min-ha'éz wa'ochél

12 Und Adam sprach: „Die Frau, die Du bei mir sein ließest, sie hat mir von diesem Baum gegeben, und ich aß.“

Möglicherweise hat die Frau selbst die Früchte gegessen, Adam aber vom Baum gegeben. Man kann es so verstehen. Aber wie dem auch sei, wir können diesen Unterschied nicht übergehen – dass die Frau von den Früchten aß und vom Verbot sprach, von den Früchten zu essen, der Mann aber vom Baum aß. Und wichtig: Was ist eine Frucht? Sie ist das Ziel der Existenz des Baumes. Und der Stamm? Er ist das Mittel zur Hervorbringung der Frucht. Das heißt, der Stamm ist Mittel, die Frucht ist Ziel. Die Frau trägt die Frucht aus, die Frau ist mehr mit den Früchten verbunden, der Mann ist mehr mit den Mitteln verbunden. Eine solche Parallele kann man ziehen.

Also antwortet Adam dem Höchsten und sagt: „Die Frau, die Du mir gegeben hast, sie hat mir diese Frucht gegeben, und ich aß.“ Man kann sagen, dass das ein Finger ist, der auf die Frau gerichtet ist: „Sie ist schuld!“ Man kann es so erklären und darin den ersten Verrat der Geschichte sehen: So hat Adam seine Frau verraten. Man kann es auch anders sagen, dass Adam zum Höchsten sagt: „Du hast mir diese Frau gegeben, ich vertraue ihr völlig, da Du sie mir gegeben hast.“ Das ist so, wie wenn ihr in ein fremdes Land kommt und euer Freund sagt: „Meine Tochter wird mit euch spazieren gehen, sie wird mit euch herumgehen, damit man euch nicht betrügt, damit man euch nicht übers Ohr haut.“ Und ihr werdet danach diesem Mädchen vertrauen. Der Höchste gab Adam (wir haben gesagt: Adam ist ein „Gastarbeiter“ im Paradies), der Höchste machte ihm eine Ureinwohnerin des Paradieses. Frau Ischá, die künftige Chawa (noch nicht Chawa, einfach ischá – Frau), sie ist „Made in Gan Éden“, sie ist dort eine Ureinwohnerin. Der Höchste gab sie ihm und sagte: „Hier hast du eine Gehilfin.“ Adam vertraut ihr natürlich ganz und gar – und was würdet ihr tun, wenn Gott euch eine Gehilfin gäbe? Und er sagt: „Wie kann das sein? Du hast mir doch diese Frau gegeben! Und sie hat mir gegeben, und ich aß!“

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֱלֹהִים לָאִשָּׁה מַה־זֹּאת עָשִׂית וַתֹּאמֶר הָאִשָּׁה הַנָּחָשׁ הִשִּׁיאַנִי וָאֹכֵל:

wajomér adonáj elohím la'ischá ma-sót assít wattómer ha'ischá hannachásch hassi'éni wa'ochél

13 Der Höchste fragt die Frau sogleich: „Was hast du da getan, wie hast du so etwas getan?“ Und die Frau sprach: „Die Schlange hat mich verführt (man kann sagen, mich angestiftet), und ich aß.“

Das Wort hassi'éni kann man übersetzen (und viele übersetzen es so) als die Schlange hat um mich geworben oder die Schlange hat mich geheiratet. Denn in Wirklichkeit, und damit haben wir begonnen, will die Schlange ... Was will die Schlange denn? Die Klügste im Garten, die man durch Adam ersetzt hat, will von allen Bäumen im Garten essen, vielleicht aufrecht gehen wie Adam, über alle Tiere herrschen und nebenbei seine Frau mitnehmen – soll diese Frau jetzt ihre Sekretärin sein, wozu braucht Adam sie. Wo war Adam während all dessen? Nun, wo soll er schon sein – er ist doch angestellt, die Erde zu bearbeiten, er ist dort im Garten bei der Arbeit, seine Frau ist zu Hause. Die Schlange begann den Umgang mit ihr mit eben solchen Zielen, und hier ist die Frau in verwirrten Gefühlen, sagt: „Die Schlange hat mich angestiftet, sie ist doch klug, sie ist ein ‚Alleswisser‘, und dieser Name zwingt sozusagen dazu, das zu berücksichtigen, was sie sagt.“ Außerdem hat sie möglicherweise versucht, sich der Frau zu bemächtigen, und davon sprechen auch sehr viele Midraschim, sehr viele Überlieferungen. Und der direkte Text lässt sich hier auch so verstehen: „Die Schlange hat mich zur Frau genommen“ oder „Hat um mich geworben, und ich aß.“ Danach fragt der Höchste nicht mehr, warum die Schlange das tat. Warum sie das tat, das werden wir an der Strafe selbst sehen.

וַיֹּאמֶר יְהוָֹה אֱלֹהִים אֶל־הַנָּחָשׁ כִּי עָשִׂיתָ זֹּאת אָרוּר אַתָּה מִכָּל־הַבְּהֵמָה וּמִכֹּל חַיַּת הַשָּׂדֶה עַל־גְּחֹנְךָ תֵלֵךְ וְעָפָר תֹּאכַל כָּל־יְמֵי חַיֶּיךָ׃

wajomer adonáj elohím el-hannachásch ki assíta sot arúr attá mikkól-habbehemá umikkól chaját hassadé al-gechonechá teléch we'afár tochál kol-jemé chajécha

14 Und der HERR Gott sprach zur Schlange: „Weil du dies getan hast, bist du verflucht mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes. auf deinem Bauch wirst du kriechen, und Staub wirst du essen alle Tage deines Lebens.

Was bedeutet das? Der Nachásch, der über alle Tiere herrschen wollte, erwies sich als verfluchter, verstoßener, verachteter als alle Tiere. Du wolltest aufrecht gehen – wir reißen dir auch die Beinchen ab, die du hattest. Hatte die Schlange tatsächlich Beinchen? Wenn wir wieder zum zweiten Kapitel zurückkehren, wo von den Tieren erzählt wird, die der Höchste erschuf und zu Adam brachte, so werden dort die Kriechtiere nicht aufgezählt. Im ersten Kapitel haben wir von den Kriechtieren gelesen, im zweiten Kapitel gibt es unter den Tieren des Gan Éden keine Kriechtiere. Die Schlange war ursprünglich kein Kriechtier, sie hatte irgendwelche Beinchen-Füße. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie das alles aussah, aber offenbar gab es sie, weil die Schlange hier einen solchen Fluch erhält – auf ihrem Bauch zu gehen.

Die Schlange, die alles probieren und alle Geschmäcker anstelle des Menschen genießen wollte, wird jetzt nur Erde essen, was sie auch isst. Die Schlange hat tatsächlich keine Geschmacksrezeptoren, und was sie auch isst, alles wird nach Staub schmecken. Heute sprechen die Forscher davon, dass die Schlange Geschmäcker nicht spürt, nicht unterscheidet. Das ist noch eine Strafe, möglicherweise für den Wunsch, von allen Früchten des Gartens zu essen.

וְאֵיבָה אָשִׁית בֵּינְךָ וּבֵין הָאִשָּׁה וּבֵין זַרְעֲךָ וּבֵין זַרְעָהּ הוּא יְשׁוּפְךָ רֹאשׁ וְאַתָּה תְּשׁוּפֶנּוּ עָקֵב׃

wa'ewá aschít benechá uwén ha'ischá uwén sar'achá uwén sar'á hu jeschufechá rosch we'attá teschufénnu akéw

15 Und Feindschaft werde Ich setzen zwischen dir und zwischen der Frau, und zwischen deinem Samen und zwischen ihrem Samen. ihr Samen wird dich auf den Kopf schlagen, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“

Mit dem Samen der Frau ist nicht irgendein besonderer Samen gemeint: Die Eizellen der Frau werden ebenfalls Samen genannt, sowohl in der Tora als auch in der Überlieferung. Deshalb gibt es wiederum solche, die hier messianische Parallelen heraussuchen; man kann sie heraussuchen, aber man muss bedenken, dass séra sich auch an anderen Stellen der Tora auf die Frau bezieht.

Interessant ist, dass die Wörter jeschufechá und teschufénnu nicht ein und dasselbe Verb sind, obwohl sie ähnlich sind. Das eine bedeutet auf den Kopf schlagen oder von oben schlagen, das andere bedeutet stechen. Das heißt, der Höchste sagt: „Ich werde dich auf ewig zum Feind der Frau machen“, und man kann sagen: „Mein Junge, du wolltest dich der Frau bemächtigen? Du wirst bei der Frau Abscheu erregen alle Tage deines Lebens.“ Und das ist bis heute so. Auch erwachsene Männer fürchten sich vor Schlangen, aber die Angst vor Schlangen wird gewöhnlich mit Frauen in Verbindung gebracht. Obwohl es wiederum natürlich zahlreiche Ausnahmen gibt, und die Tora spricht hier von einem allgemeinen Prinzip.

אֶל־הָאִשָּׁה אָמַר הַרְבָּה אַרְבֶּה עִצְּבוֹנֵךְ וְהֵרֹנֵךְ בְּעֶצֶב תֵּלְדִי בָנִים וְאֶל־אִישֵׁךְ תְּשׁוּקָתֵךְ וְהוּא יִמְשָׁל־בָּךְ׃

el-ha'ischá amár harbá arbé izzewonéch weheronéch be'ézew teledí waním we'él-ischéch teschukatéch wehú jimschól bách

16 Und zur Frau sprach Er: „mehrend werde Ich mehren deinen Kummer und deine Schwangerschaft, in Traurigkeit wirst du Kinder gebären, nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, und er wird über dich herrschen.“

Natürlich ist der erste Gedanke, der einem in den Kopf kommt, und das ist auch ein richtiges Verständnis, dass das die Schmerzen sind, die mit der Geburt verbunden sind. Frauen sagen, dass es so wehtut, dass man meint, noch ein klein wenig, noch ein Tröpfchen, und ich sterbe überhaupt, das heißt, ein sehr starker Schmerz. Ich werde das nicht ausführlich nacherzählen, den Schwestern geht das natürlich näher. Aber möglicherweise geht es hier auch nicht um den Schmerz bei der Geburt, es gibt Frauen, die auch schmerzlos gebären. Möglicherweise geht es hier darum, dass die Welt sich so sehr verändern wird, dass die Frau darüber trauern wird, dass sie Kinder in diese unvollkommene Welt des Leidens gebiert, wo es unmöglich ist, ihnen Sicherheit und Glück zu gewährleisten, wo kein angepflanzter Garten ist, in dem es heißt „kau Kokosnüsse, iss Bananen“, sondern ein Ort, wo man schwer arbeiten muss. Als Antwort auf das Argument „die Schlange, nachásch, hat mich angestiftet“ oder „hat mich verführt“, oder, noch schlimmer, „hat um mich geworben“, sagt der Höchste: „Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein.“ Teschuká ist ein unbändiges Verlangen, der Wunsch, mit jemandem zusammen zu sein. Es entsteht in der Welt eine solche Situation: Wenn ich (egal, ob ich Mann oder Frau bin) den Wunsch habe, das zu bekommen, was jemand anderes besitzt, dann bekommt dieser Jemand Macht über mich. Ich bin von ihm abhängig, wenn er das hat, was ich sehr brauche, was ich mir sehr wünsche. Wenn eine Frau sich sehr wünscht, einen Mann zu haben, bekommt der Mann Macht über sie. Der Höchste richtet die Beziehungen so ein. Ist das für immer so? Wir lesen später, im Buch Schir haSchirim (wieder erlaube ich mir vorzugreifen), wie das Mädchen sagt: „Aní ledodí we'aláj teschukató“ – „Ich gehöre meinem Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen.“ Das heißt, diese Situation kann sich auch ändern, wenn tatsächlich Liebe entsteht, Einheit zwischen Mann und Frau, zwischen Adam und Gott, zwischen dem rationalen Verstand und der Offenbarung, zwischen Philosophie und Prophetie.

וּלְאָדָם אָמַר כִּי־שָׁמַעְתָּ לְקוֹל אִשְׁתֶּךָ וַתֹּאכַל מִן־הָעֵץ אֲשֶׁר צִוִּיתִיךָ לֵאמֹר לֹא תֹאכַל מִמֶּנּוּ אֲרוּרָה הָאֲדָמָה בַּעֲבוּרֶךָ בְּעִצָּבוֹן תֹּאכֲלֶנָּה כֹּל יְמֵי חַיֶּיךָ׃

ul'adám amár ki schamáta lekól ischtécha wattóchal min-ha'éz aschér ziwwitícha lemór lo tochál mimménnu arurá ha'adamá ba'awurécha be'izzawón tochalénna kol jemé chajécha

17 Und zu Adam sprach Er: „Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem Ich dir geboten habe mit den Worten: ‚Iss nicht davon‘, ist die Erde um deinetwillen verflucht, mit Gram wirst du dich nähren alle Tage deines Lebens.

Die Erde ist der Ort, an dem der Mensch dient. Da die Frau eine Gehilfin ist und eine ihrer Aufgaben die Hervorbringung der Generation ist, erhält sie die Strafe in diesem Bereich, in der Beziehung zum Mann. Genauso auch Adam. Er ist gesandt, auf der Erde zu arbeiten, und als Strafe erweist sich ihm die Erde um seinetwillen als verflucht. Außerdem haben wir ja eine Andeutung darauf gelesen, dass mit der Erde etwas schiefgelaufen ist (1,12), als sie die Frucht nicht so hervorbrachte, wie es nötig war. Und hier kehrt dieser Fluch zur Erde zurück. Wir werden darüber später noch einmal lesen.

Hier ist es dasselbe Wort – azwút (Traurigkeit, Kummer), das wir im 16. Vers auch in Bezug auf die Frau gelesen haben. Daraus ziehe ich den Schluss, dass höchstwahrscheinlich bei „mit Gram wirst du dich nähren“ nicht von körperlichem Schmerz die Rede ist.

וְקוֹץ וְדַרְדַּר תַּצְמִיחַ לָךְ וְאָכַלְתָּ אֶת־עֵשֶׂב הַשָּׂדֶה׃

wekóz wedardár tazmíach lach we'achaltá et-éssew hassadé

18 Kletten und Dornen wird sie dir hervorbringen, und du wirst das Gras des Feldes essen.

Der HERR Gott sagt: „Anstelle des Gartens, den Ich gepflanzt habe, wird jetzt sie dir Dornen und Kletten sprießen lassen. Du wirst nicht mehr nur die Bäume haben, die zu dir passen, nur Fruchtbäume, du wirst diesen Luxus nicht mehr haben, sondern sie wird dir Klette und Dorn hervorbringen.“

בְּזֵעַת אַפֶּיךָ תֹּאכַל לֶחֶם עַד שׁוּבְךָ אֶל־הָאֲדָמָה כִּי מִמֶּנָּה לֻקָּחְתָּ כִּי־עָפָר אַתָּה וְאֶל־עָפָר תָּשׁוּב:

bese'át appécha tóchal léchem ad schuwechá el-ha'adamá ki mimménna lukkáchta ki-afár átta we'él-afár taschúw

19 Im Schweiß deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zur Erde zurückkehrst, denn du bist von ihr genommen, weil du Staub bist, und du wirst zum Staub zurückkehren.“

Indem der Mensch sich vom göttlichen Verstand, von der Prophetie, man kann so sagen, von der „Gottmenschheit“ abgeschaltet und sich, wiederum, man kann so sagen, auf die „Schlangenmenschheit“, auf den rationalen Verstand umgeschaltet hat, hat er das göttliche Prinzip verloren, oder es ist so schwach geworden, dass dort nur ein Stück Erde übrig blieb, nur ein Stück Staub. Nicht nur der Mensch hat sich auf diese Weise vom Höchsten getrennt, sondern auch die ganze Welt. Denn der Mensch war die einzige kleine Brücke, deshalb ist auch die Erde verflucht, deshalb kommen auch die Dornen: Das ganze Weltgebäude wird sich verändern, weil in Wirklichkeit gilt: „Du bist Staub, und du wirst zum Staub zurückkehren. Du hättest ein Gottmensch sein können, hättest in dir das Göttliche und das Irdische verbinden können, aber du bist ein rein irdischer Adam geblieben.“

וַיִּקְרָא הָאָדָם שֵׁם אִשְׁתּוֹ חַוָּה כִּי הִוא הָיְתָה אֵם כָּל־חָי:

wajikrá ha'adám schem ischtó chawwá ki hi hajetá em kol-cháj

20 Und Adam nannte den Namen seiner Frau Chawa, weil sie die Mutter alles Lebendigen war.

Das Wort chawá, den Namen Chawá, kann man am einfachsten natürlich als die Leben Gebende im wörtlichen Sinn verstehen, vom Wort chajím (Leben), und man kann hier irgendeine grammatische Form hineinzwängen: Chawá als die Leben Gebende; man kann es, aber es muss nicht unbedingt so sein. Eine andere interessante Form drängt sich auf, wenn wir ein klein wenig zum ersten Kapitel zurückkehren, wo gesagt ist, dass Adam zu einer lebendigen Seele wurde. Der aramäische Targum übersetzt das als „wurde zu einer sprechenden Seele“. Gerade die Fähigkeit zu sprechen macht Adam zu einer lebendigen Seele, die Äußerung des Lebens in der Seele ist ihre Fähigkeit zu sprechen. Das Wort chawá kann man vom aramäischen chiwá her übersetzen, von der gemeinsemitischen Wurzel die Sprechende – die, die zum Sprechen bringt, die die Gabe der Rede gibt, die die Rede lehrt. Und da die Welt durch den Logos, das Wort des Höchsten, erschaffen ist, kann man es so verstehen, dass das Sprechen Adams, das Vorhandensein sprechender Wesen in der Welt, allem Lebendigen Leben gibt. Es gibt solche, die im Namen Chawá auch eine Parallele zum aramäischen, altsemitischen Wort Schlange, sehen, was schwer hierher passt, in unser Schema als „die allem Lebendigen Leben Gebende“. Ich würde sagen, hier ist es sowohl „die Leben Gebende als auch die Rede Gebende“. Wir lesen wieder eine komplizierte Verflechtung, ein kompliziertes Wortspiel.

וַיַּעַשׂ יְהוָה אֱלֹהִים לְאָדָם וּלְאִשְׁתּוֹ כָּתְנוֹת עוֹר וַיַּלְבִּשֵׁם:

wajá'as adonáj elohím le'adám ul'ischtó kotnót or wajalbischém

21 Und der HERR Gott machte Adam und seiner Frau Kleider aus Haut (Hemdchen aus Haut), und kleidete sie.

Da sie begannen, sich ihrer Nacktheit zu schämen, musste man sie kleiden, und der Höchste machte ihnen Kleider aus Haut. Einige Kommentatoren sagen (das ist vielleicht ein mystischerer Zugang, aber er passt auch in den einfachen Sinn), dass der Höchste hier Adam und Chawa Körper gemacht hat. Ihre Kleider aus Haut, das „Umnähen“ mit Haut – das ist der endgültige Erwerb physischer Körper, und davor waren sie nicht in einem physischen Körper. Man kann es auch so verstehen. Aber man kann es auch einfach verstehen, dass der Höchste der erste Schneider ist. Man kann es auch so sagen, wie man es sieht, dass der Höchste für sie Tiere opferte und aus der Haut dieser Tiere ihnen Kleider machte. In jedem Fall wurden zum ersten Mal irgendwelche Tiere getötet, damit aus ihrer Haut Kleider für Adam und Chawa gemacht würden.

Der 22. Vers ist sehr, sehr schwer zu verstehen.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֱלֹהִים הֵן הָאָדָם הָיָה כְּאַחַד מִמֶּנּוּ לָדַעַת טוֹב וָרָע וְעַתָּה פֶּן־יִשְׁלַח יָדוֹ וְלָקַח גַּם מֵעֵץ הַחַיִּים וְאָכַל וָחַי לְעֹלָם׃

wajomer adonáj elohím hen ha'adám hajá ke'achád mimménnu ladá'at tow wará we'attá pen-jischlách jadó welakách gam me'éz hachajím we'achál wacháj le'olám

22 Und der HERR Gott sprach: „Siehe, Adam ist geworden wie einer von Uns, Gut und Böse wissend; jetzt aber, damit er nicht seine Hand ausstrecke zum Baum des Lebens, und esse, und ewig lebe.“

„Adam ist geworden wie einer von Uns“ – meistens wird es genau so übersetzt. Man kann es auch so sagen: „Adam hat sich von Uns getrennt, ist selbstständig geworden, Gut und Böse wissend“. Wenn man mimménnu auf Adam selbst bezieht, dann ergibt sich, dass Adam, Gut und Böse wissend, anfing, die Welt zu regieren, indem er sich vom Höchsten trennte. Man kann auch sagen, dass Adam der Erste wurde, von dem das Weitere ausgehen wird, von dem die Tradition der Gut und Böse Wissenden ausgehen wird.

Bevor man diesen Vers auslegt, muss man ihn richtig übersetzen. Die traditionelle Übersetzung – Adam ist geworden wie einer von Uns – ist in Wirklichkeit nicht die einzig richtige Variante. Es ist verständlich, dass viele Anhänger verschiedener Lehren darin eine Vielheit der Personen Gottes und dergleichen sehen wollen, aber lasst uns wieder daran denken, dass das nicht die einzig mögliche Übersetzung ist. Und höchstwahrscheinlich kann man davon sprechen, dass Adam sich irgendwie vom Höchsten getrennt hat oder Adam eine neue Tradition begründet hat, der Erste in irgendeiner Kette der Gut und Böse Wissenden wurde. Denn später werden wir lesen, dass Adam schon nach seinem Bild und Gleichnis zeugte.

Warum darf der Mensch nicht ewig leben? Nicht weil der Höchste irgendeine Konkurrenz von Seiten des Menschen fürchtet, sondern weil der Mensch zu herrschen begann, sich anschickte, die Welt mit einem rein rationalen Verstand zu regieren. Der Höchste sagte, dass der rationale Verstand über die ganze Erde zu herrschen begann. Derjenige, der Herrscher der ganzen Erde war, hat sich der Vorherrschaft des rationalen Verstandes ergeben. Jetzt aber darf er nicht ewig leben, weil der rationale Verstand nicht unsterblich sein kann, denn die Welt an sich ist materiell, und die Materie muss sterblich sein. Und deshalb sagt der Höchste, dass Adam in diesem Zustand nicht ewig leben darf.

וַיְשַׁלְּחֵהוּ יְהוָה אֱלֹהִים מִגַּן־עֵדֶן לַעֲבֹד אֶת־הָאֲדָמָה אֲשֶׁר לֻקַּח מִשָּׁם:

wajschallechéhu adonáj elohím miggán-éden la'awód et-ha'adamá aschér lukkách mischám

23 Und der Höchste schickte ihn fort aus dem Paradiesgarten, damit er die Erde bearbeite, aus der er genommen ist.

Wieder möchte ich daran erinnern, dass wir davon gesprochen haben, dass Chawa (oder Ischá), die Frau Adams, – sie ist Bürgerin des Paradiesgartens, niemand vertreibt sie, sie geht selbst. Über Adam ist gesagt: „wajschallechéhu (und schickte ihn fort) der HERR Gott aus dem Paradiesgarten“. Das alles hat mit Chawa überhaupt nichts zu tun, sie ist nicht eingesetzt, die Erde zu bearbeiten, sie ist nicht aus der Erde genommen, und man kann sie nirgendwohin ausweisen, weil das Paradies ihre Heimat ist. Ausgewiesen wird Adam. Chawa geht als seine Begleiterin mit, auch sie hat gesündigt, und sie bleibt die „kleine Brücke“ des Menschen – der paradiesische Mensch in unserer Welt. Chawa und ihre ganze Nachkommenschaft, alle Frauen – sie sind die Vertreterinnen des Paradieses in unserer irdischen Welt. Sie sind, in Männersprache gesagt, ein klein wenig nicht von dieser Welt, sie sind völlig anders als wir (Männer), gerade deshalb, weil sie irgendwo dort im Kosmetiktäschchen oder in der Handtasche oder tief im Schrank, unter den Kleidern, den Pass einer Bürgerin des Paradieses verstecken.


וַיְגָרֶשׁ אֶת־הָאָדָם וַיַּשְׁכֵּן מִקֶּדֶם לְגַן־עֵדֶן אֶת־הַכְּרֻבִים וְאֵת לַהַט הַחֶרֶב הַמִּתְהַפֶּכֶת לִשְׁמֹר אֶת־דֶּרֶךְ עֵץ הַחַיִּים׃

wajgáresch et-ha'adám wajaschkén mikkédem legán-éden et-hakkeruwím we'ét láhat hachérew hammithappéchet lischmór et-dérech ez hachajím

24 Und trieb den Menschen hinaus, und stellte östlich (oder vor) Gan Eden die Keruwim auf und das sich drehende Schwert, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

Das sich drehende Schwert, dessen Klinge sich dreht und gleichsam den Umlauf des natürlichen Lebens bildet, den Kreislauf des Jahres und überhaupt den Kreislauf von allem, ein Symbol der menschlichen Moral, ein Symbol der Einteilung der Welt in Schlechtes, Gutes und Verschiedenes.

Der Baum des Lebens ist, wie wir uns erinnern, die Tora. Wir haben schon darüber gesprochen, das hat seine tiefen Bedeutungen. Es werden 26 Generationen vergehen, bevor die Tora dem Menschen gegeben wird, und dort wird es auch eine Art Gegenüberstehen, Entgegenwirken geben – die Begegnung des Baumes des Lebens und des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse.

Und obwohl mehr Fragen geblieben sind als Antworten, beenden wir das Studium des dritten Kapitels des Buches Bereschit.

Erstgeburt und Starrsinn

Bereschit 4,1–26

וְהָאָדָם יָדַע אֶת־חַוָּה אִשְׁתּוֹ וַתַּהַר וַתֵּלֶד אֶת־קַיִן וַתֹּאמֶר קָנִיתִי אִישׁ אֶת־יְהוָה׃

weha'adám jadá et-chawwá ischtó wattáhar wattéled et-kájin wattómer kaníti isch et-adonáj

1 Adam aber erkannte Chawa, seine Frau, und sie wurde schwanger und gebar Kajin, Und sie sprach: „Ich habe dem HERRN einen Mann gemacht (oder: ich habe zusammen mit dem Höchsten erschaffen, einen Menschen gemacht).“

Wie auch im ersten Vers des vorigen, dritten Kapitels in Bezug auf die Schlange sehen wir hier eine ungewöhnliche, für das Hebräische seltene grammatische Form, die eine Vergangenheit in der Vergangenheit bedeutet. Das heißt, zu jenem Zeitpunkt hatte Adam Chawa, seine Frau, schon erkannt, und man kann hier verstehen, richtiger wird es sein zu verstehen, dass Adam Chawa schon im Paradies erkannt hat. Darüber, sage ich noch einmal, habe ich schon beiläufig gesprochen, es gibt einen großen philosophischen Streit: Gab es ein intimes Leben im Paradies, ist das Paradies irgendein Ort, zu dem die Menschheit zurückzukehren streben soll, oder ist es irgendeine Kinderwiege, wo es kein Erwachsenenleben geben soll. Wenn man das Wort erkannte in dieser grammatischen Form liest und sich auch daran erinnert, dass der Höchste zu Adam und Chawa „seid fruchtbar und mehrt euch“ gesagt hat, noch lange vor der Vertreibung, kann man annehmen, dass es im Paradies doch ein intimes Leben gab.

Also hatte Adam zu dieser Zeit Chawa, seine Frau, schon erkannt. Höchstwahrscheinlich war Chawa zum Zeitpunkt der Vertreibung schwanger, und nach der Vertreibung gebiert sie Kajin. Sie sagte 4 Wörter, mit denen sie den Namen Kajin kommentierte. Jedes dieser Wörter für sich ist uns verständlich, aber das alles zusammen zu verknüpfen ist viel schwieriger. Kaníti ist ein Verb in der ersten Person der Vergangenheit, das bedeutet: ich habe gekauft, ich habe gemacht oder ich habe geschaffen. Isch ist Mann oder Mensch, Ehemann. Et-adonáj ist dem HERRN. Man kann verstehen: „Ich habe dem HERRN einen Mann gemacht“ oder „Ich habe zusammen mit dem Höchsten einen Menschen erschaffen (oder einen Menschen gemacht)“. Zum ersten Mal in der Geschichte wird ein Mensch geboren. Kajin ist das erste Erzeugnis, das Chawa zusammen mit dem Höchsten hergestellt hat, wie sie darüber sagt. Außerdem kann man das Wort kájin, das vom Wort kaníti (machen oder wirtschaften) kommt, auch als der Wirtschaftende übersetzen, denn der Mensch ist ja dazu geschaffen, letztendlich die Erde zu verwalten. Also wird der Name Kajin sehr feierlich verkündet, als ein gemeinsames Erzeugnis mit dem Höchsten, als jemand, der erwerben und besitzen wird. Über den anderen Bruder aber wird gleichsam im Vorbeigehen gesprochen.

וַתֹּסֶף לָלֶדֶת אֶת־אָחִיו אֶת־הָבֶל וַיְהִי־הֶבֶל רֹעֵה צֹאן וְקַיִן הָיָה עֹבֵד אֲדָמָה׃

wattóssef lalédet et-achíw et-háwel wajhí-héwel ró'e zon wekájin hajá owéd adamá

2 Und sie fuhr fort (und außerdem), gebar seinen Bruder Hewel. und Hewel war ein Hirte des Viehs, Kajin aber war ein Ackerbauer.

Der Name Hewel wird hier in keiner Weise kommentiert. Das Wort héwel bedeutet Nichtigkeit, Dampf, der aus dem Mund kommt, etwas Vergängliches und Lebloses. Wozu gibt man einem Kind einen solchen Namen? Es gibt auch eine andere Bedeutung in älteren semitischen Sprachen, die Chawa möglicherweise bekannt waren: Das ist die Bedeutung Hirte, und sie passt hier viel besser.

Es scheint, Kajin ist viel „menschlicher“ als Hewel, denn er setzt die Arbeit fort, die Adam aufgetragen war – die Erde zu bearbeiten. Wir haben sowohl im ersten Kapitel als auch im zweiten und im dritten gelesen, dass Adam mit der Bearbeitung der Erde verbunden ist. Wer setzt hier diese Tradition fort? Kajin. Zugleich sind in der Welt gewisse Veränderungen geschehen, und Adam befindet sich nicht mehr im Garten, den der Höchste gepflanzt hat, Adam lebt jetzt auf der verfluchten Erde. Und er muss wählen zwischen der Welt des Höchsten, zwischen dem, „Brückchen“ dorthin, nach oben, zu bauen und irgendwie dorthin hinaufzuklettern, und dem, auf dieser Erde zu wirtschaften. Kajin ist Grundbesitzer und Ackerbauer, er lebt sesshaft – Ackerbau setzt eine sesshafte Lebensweise voraus. Der Mensch bindet sich an das Stück Land, das er bearbeitet, baut dort später Städte oder besät es jedenfalls und kümmert sich um dieses Stück Land. Im Unterschied dazu ist der Hirte eine Art Steppenroller, ein Wanderer, der kein eigenes Erbteil hat. Wer noch, das wissen wir aus der Geschichte, wird später kein Erbteil haben? Die Leviten, das heißt die, die dem Höchsten dienen. Unsere Vorfahren waren hauptsächlich Hirten, und die Propheten hatten in der Regel keine Erbteile an ihrem Land. Das heißt, hier ist nicht nur ein Zusammenstoß von Ackerbau und Viehzucht, hier ist auch ein Zusammenstoß zweier Ansätze im Verhältnis zur Erde und zum Höchsten. Und wir werden jetzt sehen, wie sich das weiter entwickelt.

וַיְהִי מִקֵּץ יָמִים וַיָּבֵא קַיִן מִפְּרִי הָאֲדָמָה מִנְחָה לַיהוָה:

wajhí mikkéz jamím wajawé kájin mipperí ha'adamá minchá ladonáj

3 Und es war am Ende der Tage: und Kajin brachte von den Früchten der Erde dem HERRN ein Opfer,

Kajin ist der Erstgeborene, ihm sind, sozusagen, auch die Opfer in die Hände gelegt. Und er bringt von den Früchten der Erde minchá ladonáj (eine Opfergabe für den HERRN). Nun, Hewel sieht das auch, und er möchte auch.

וְהֶבֶל הֵבִיא גַם־הוּא מִבְּכֹרוֹת צֹאנוֹ וּמֵחֶלְבֵהֶן וַיִּשַׁע יְהוָה אֶל־הֶבֶל וְאֶל־מִנְחָתוֹ:

wehéwel hewí gam-hú mi bechorót zonó umechelwehén wajíscha adonáj el-héwel we'el-mincható

4 und Hewel brachte auch (achtet darauf: Kajin ist der Urheber der Idee, Hewel aber brachte auch) von den Erstlingen seines Viehs und von ihrem Fett. und der HERR sah an (hob empor) Hewel und sein Opfer,

וְאֶל־קַיִן וְאֶל־מִנְחָתוֹ לֹא שָׁעָה וַיִּחַר לְקַיִן מְאֹד וַיִּפְּלוּ פָּנָיו:

we'él-kájin we'él-mincható lo scha'á wajíchar lekájin

me'ód wajippelú panáw

5 aber auf das Opfer Kajins sah Er nicht. Und das wurde für Kajin sehr bitter, und sein Gesicht fiel.

Von niemandem sonst in der Tora steht geschrieben, dass es bitter wurde und das Gesicht fiel, nur von Kajin. Warum kam es so, dass der HERR das Opfer Hewels annahm und das Opfer Kajins nicht annahm? Viele sagen: Hier steht geschrieben (und das ist völlig zutreffend), dass Hewel von den Erstlingen seines Viehs und vom Besten seines Viehs brachte, Kajin aber einfach von den Früchten brachte, nicht vom Besten, sondern einfach von den Früchten brachte er. Aber die Menschen opfern mit unterschiedlichem Maß an Opferbereitschaft, warum nicht beide Opfer annehmen? Was ist falsch an Kajins Opfer? Kann man denn nur vom Besten ein Opfer bringen? Tatsächlich, genau so ergibt es sich. Der Höchste sagt: „Die Opfergabe ist nicht Essen, das ihr Mir bringt, sie ist nicht ein Anteil, den ihr Mir vorbeibringt. Sie ist ein Zeugnis dafür, dass Ich der Herr dieser Welt bin, dass der ganze Segen, eure ganze Arbeit und alle Ergebnisse eurer Arbeit Mein Segen sind. Deshalb bringt ihr das Erste von den Früchten, das Beste von den Früchten bringt ihr Mir. Nicht weil Ich so wählerisch bin, sondern weil das ein Zeugnis ist, das ihr gebt.“ Kajin ist die Frucht, sozusagen, der Zusammenarbeit, der Partnerschaft von Mensch und Gott, was zum Teil schon in seinem Namen angelegt ist, bei seiner Benennung als Kajin verkündet wurde, und hier verhält er sich zum Höchsten wie zu einem Partner: als bringe er Seinen Anteil an ihrer gemeinsamen Arbeit. Er bringt Ihm von den Früchten der Erde, so wie man sich einem Partner gegenüber verhalten soll, er bringt dem Höchsten Seinen Anteil vorbei. Hewel brachte wirklich eine Gabe, so wie man eine Gabe bringen soll. Und deshalb sah der Höchste die Gabe Hewels an, die Opfergabe Kajins aber sah Er nicht an. Nicht weil sie schlechter war, sondern weil sie im Grunde genommen gar keine Opfergabe war. Das kränkte Kajin sehr, er ist doch schließlich der Erstgeborene: er ist der Erstgeborene, er ist der Erste, er ist die Wurzel im Paradies, der, der noch im Paradies empfangen wurde, die Frucht der Zusammenarbeit von Mensch und Gott – der Erste, der Erste, der Erste… Und da nimmt man irgendeinen Bruder, mit einem überhaupt unverständlichen Namen, und seine Opfergabe wird angenommen. Kränkend bis zum Gehtnichtmehr.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־קָיִן לָמָּה חָרָה לָךְ וְלָמָּה נָפְלוּ פָנֶיךָ:

wajomer adonáj el-kájin lámma chára lach welámma nafelú fanécha

6 Und der HERR sprach zu Kajin: „Warum ist es dir denn so bitter, warum bist du so gekränkt, warum ist dein Gesicht gefallen?

הֲלוֹא אִם־תֵּיטִיב שְׂאֵת וְאִם לֹא תֵיטִיב לַפֶּתַח חַטָּאת רֹבֵץ וְאֵלֶיךָ תְּשׁוּקָתוֹ וְאַתָּה תִּמְשָׁל־בּוֹ׃

haló im-tetíw se'ét we'ím lo tetíw lappétach chattát rowéz we'elécha teschukató we'attá timschól-bó

7 Denn wenn du dich besserst (ein schwer zu übersetzendes Verb, tetíw), wenn du Gutes tun wirst, wirst du das Gesicht erheben können. und wenn du dich nicht bessern wirst, dann wird an deiner Tür die Sünde lagern (die Sünde wird dich jagen, die Sünde wird dir auflauern). nach dir ist sein Verlangen, du kannst über ihn herrschenIm Russischen sind „Sünde“ und „Bruder“ beide männlich, daher kann sich „sein Verlangen“ und „über ihn“ auf beide beziehen, wie der Autor anschließend erklärt. Deshalb steht hier „sein“ und „ihn“, obwohl „Sünde“ im Deutschen weiblich ist..“

Wenn du dich besserst – se'ét, du wirst das Gesicht erheben können. Andererseits kann das Wort se'ét bedeuten (so sagen manche) – deine Sünde wird getragen werden. Aber eine Sünde hat bisher noch gar keine stattgefunden; es gab vielleicht eine falsche Handlung, aber das ist noch keine Sünde. Die dritte Variante, se'ét zu verstehen, lesen wir am Ende des Buches Bereschit. Als Jaakow seine Söhne segnet, sagt er zu Re'uwen: „Du bist mehr se'ét, in dir ist mehr Erstgeburt.“ Und dann kann man verstehen: „Wenn du dich besserst, wirst du der Erstgeborene sein. Jetzt ist es so gekommen, dass Mir das Opfer deines jüngeren Bruders lieber ist, und er kommt eher für den Dienst eines Kohen in Frage. Aber wenn du dich besserst, wird alles anders sein, und du wirst wieder den ersten Platz einnehmen.“ Man kann es auch verstehen als du wirst das Gesicht erheben oder als deine Sünde wird getragen werden. Aber, wie ich schon gesagt habe, dieses letzte Verständnis ist nicht sehr wahrscheinlich. Es wird sich jemand finden, der widerspricht. Streitet.

Den letzten Teil des Satzes kann man ebenfalls verschieden verstehen, und ich möchte hier einige Worte zur Verteidigung der Übersetzer sagen. Sehr oft verurteilen Leute diese oder jene Übersetzung und sagen: „Ach, wie falsch, wie verzerrt ist das alles übersetzt. Wie unverständlich das alles ist.“ Wir begegnen oft solchen Stellen – ich begegne solchen Stellen, denen ich zwei, drei Übersetzungen zu geben versuche, und es kann davon viel mehr geben. Also kann man sagen, dass es um die Sünde geht. Du bist es, den sie braucht, nicht sie dich. Sie ist an dir interessiert, nicht du an ihr, und deshalb kannst du über sie herrschen. Sie ist es, die dich jagt, aber du brauchst sie nicht, du bist es, den sie braucht – die Sünde. Man kann verstehen, dass der Höchste über die Sünde schon gesprochen hat und jetzt über den Bruder spricht, über Hewel: „Dein Bruder will mit dir sein, will mit dir in Frieden sein, er liebt dich, und deshalb wirst du über ihn herrschen, du wirst ihn lenken. Er erkennt dich als Erstgeborenen an, und wegen dieses Opfers wird er nicht hochmütig werden und sich nicht für den älteren Bruder halten.“ Diese zwei Verständnisse gibt es. Sie ergänzen einander, sie sind verschieden, und beide Verständnisse kann man im Text sehen, und da kann man nichts machen. Das erste Verständnis – die Sünde hat Verlangen nach dir, du bist es, den sie braucht, deshalb wirst du über sie herrschen. Das zweite Verständnis – die Sünde wird an deiner Tür lagern. Möglicherweise ist hier die Versuchung gemeint, zu töten, irgendwie mit dem Bruder abzurechnen. Aber der Höchste sagt über den Bruder: „Zugleich musst du verstehen, dass der Bruder Frieden mit dir will, und du wirst über ihn herrschen.“ Der Höchste ruft hier, was auch immer die übrigen Worte des Verses bedeuten mögen, Kajin zur Buße auf und sagt: „Du kannst besser werden.“

וַיֹּאמֶר קַיִן אֶל־הֶבֶל אָחִיו וַיְהִי בִּהְיוֹתָם בַּשָּׂדֶה וַיָּקָם קַיִן אֶל־הֶבֶל אָחִיו וַיַּהַרְגֵהוּ:

wajomer kájin el-héwel achíw wajhí bihjotám bassadé wajákom kájin el-héwel achíw wajahargéhu

8 Und Kajin sprach zu seinem Bruder. Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kajin gegen Hewel, seinen Bruder, und tötete ihn.

Beginnen wir damit, zu verstehen, was Kajin denn nun zu Hewel gesagt hat. Einige Kommentatoren und sogar einige Übersetzungen, darunter auch die samaritanische Tora (die samaritanischen Handschriften der Tora), fügen hier den Satz lass uns aufs Feld gehen hinzu, das heißt, Kajin sagte zu Hewel: „Komm, lass uns hinausgehen und reden.“ Und auf dem Feld ist dann alles geschehen. Andere versuchen zu sagen, dass Kajin, statt hier, an dieser Stelle, Buße zu tun, statt dem Höchsten zu sagen: „Vergib, HERR, vergib, dass ich neidisch bin, vergib, dass ich mich nicht bessere, vergib, dass ich nicht an die Erstgeburt heranreiche“, hinging und anfing, mit Hewel zu reden. Und es ist unwichtig, was er sagt. Dritte sagen, dass Kajin gekommen ist, um all diese Worte zu Hewel zu sagen: „Ich werde mich noch bessern, ich werde trotzdem über dich herrschen, ich bin trotzdem der Priester, ich bin trotzdem, trotzdem, trotzdem …“ Ich neige zu der Ansicht, dass tatsächlich, da die Tora hier nicht enthüllt, was Kajin sagt, der Kern darin liegt, dass Kajin, statt mit dem Höchsten zu reden, hinging, um mit seinem Bruder zu reden. Sie gingen hinaus aufs Feld. Das Feld ist ein neutraler Ort, dieser Ort ist eine Grenze zwischen den besiedelten Orten und der wilden Natur überhaupt. Das Feld ist der Ort, an dem Hewel sein Vieh weidet, an dem Kajin Ackerbau treibt. Es ist auch der Ort, woher die Schlange stammt, die klüger ist als alle Tiere des Feldes. Es ist der Ort, an dem ihre Natur am stärksten zum Vorschein kommt, ihre Natur ist hier zusammengestoßen, und es geschah, was geschah. Eine Tragödie geschah, Kajin erhob sich gegen seinen Bruder und tötete ihn.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־קַיִן אֵי הֶבֶל אָחִיךָ וַיֹּאמֶר לֹא יָדַעְתִּי הֲשֹׁמֵר אָחִי אָנֹכִי:

wajomer adonáj el-kájin e héwel achícha wajomer lo jada'ti haschomér achí anóchi

9 Und der HERR sprach zu Kajin: „Wo ist Hewel, dein Bruder?“ Und er sprach zu Ihm: „Ich weiß nicht. Bin ich etwa der Hüter meines Bruders?“

Wir haben davon gesprochen, dass Kajin in einem solchen Zustand lebt, dass er gleichsam ein Partner des Höchsten ist. Und deshalb sagt er hier: „Warte mal, steht etwa in meinem Vertrag, dass ich auch noch meinen Bruder hüten muss? Ich bearbeite hier die Erde, frag mich nach der Erde, dann antworte ich Dir.“ Wenn ein Mensch sich als Partner des Höchsten fühlt, erhebt er nicht nur sich selbst über die Brüder, über seine ganze Familie, sondern zieht auch den Höchsten auf jene Ebene herab, auf der er, wie ihm scheint, den Höchsten wie einen Partner übers Ohr hauen kann. Und hier sagt Kajin: „Ich weiß von nichts. Was hast Du denn?“ Der Höchste wendet sich an Kajin genauso, wie Er sich an Adam gewandt hat. „Wo bist du?“, fragte Er Adam, damit auch Adam die Möglichkeit hätte, seine Reue auszudrücken, und hier bietet der Höchste Kajin zum zweiten Mal an, Buße zu tun. Man kann sagen: „Vergib, HERR, ich habe getan, begangen, ich bereue …“ Aber das ist nicht, was Kajin sagt.

וַיֹּאמֶר מֶה עָשִׂיתָ קוֹל דְּמֵי אָחִיךָ צֹעֲקִים אֵלַי מִן־הָאֲדָמָה:

wajomer me assíta kol demé achícha zo'akím eláj min-ha'adamá

10 Und der HERR sprach: „Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu Mir aus der Erde.

Me assíta – das ist das, was Er im vorigen Kapitel zur Frau gesagt hat: „Was hast du getan?“

וְעַתָּה אָרוּר אָתָּה מִן־הָאֲדָמָה אֲשֶׁר פָּצְתָה אֶת־פִּיהָ לָקַחַת אֶת־דְּמֵי אָחִיךָ מִיָּדֶךָ:

we'attá arúr átta min-ha'adamá aschér pazetá et-píha lakáchat et-demé achícha mijadécha

11 Nun aber bist du verfluchter als die Erde, die ihren Mund auftun musste, das Blut deines Bruders aus deinen Händen zu nehmen (das ist natürlich eine Metapher, so beschreibt der Höchste diese Tragödie).

Wenn wir im vorigen Kapitel gelesen haben, dass die Erde verflucht ist, so ist jetzt Kajin noch mehr verflucht als die Erde.

כִּי תַעֲבֹד אֶת־הָאֲדָמָה לֹא־תֹסֵף תֵּת־כֹּחָהּ לָךְ נָע וָנָד תִּהְיֶה בָאָרֶץ:

ki ta'awód et-ha'adamá lo-tosséf tet-kochá lach na wanád tihjé wa'árez

12 Nun aber, wenn du die Erde bearbeiten wirst, wird sie dir keine Kraft mehr geben. Ein Umherirrender und ein Landstreicher wirst du auf der Erde sein.“

Vielleicht kann Kajin hier jetzt bereuen und sagen: „Vergib mir, Höchster“? Nein, das geschieht wieder nicht.

וַיֹּאמֶר קַיִן אֶל־יְהוָה גָּדוֹל עֲוֹנִי מִנְּשֹׂא:

wajomer kájin el-adonáj gadól awoní minnesó

13 Und Kajin sprach zum HERRN: „Meine Strafe ist größer, als man tragen kann.

הֵן גֵּרַשְׁתָּ אֹתִי הַיּוֹם מֵעַל פְּנֵי הָאֲדָמָה וּמִפָּנֶיךָ אֶסָּתֵר וְהָיִיתִי נָע וָנָד בָּאָרֶץ וְהָיָה כָל־מֹצְאִי יַהַרְגֵנִי:

hen geráschta otí hajom me'ál pené ha'adamá umippanécha essatér wehajíti na wanád ba'árez wehajá chol-moze'í jahargéni

14 Siehe, heute hast Du mich vom Angesicht der Erde vertrieben, und vor Deinem Angesicht werde ich mich verbergen, und ich werde wandern und umherirren, umherstreifen auf der Erde, und jeder, der findet, wird mich töten.“

Wovor fürchtet sich Kajin eigentlich? Wer kann ihn töten? Nach der Überlieferung sagt man: Wen haben sie denn geheiratet? – die Schwestern. Vielleicht wird eine der Schwestern, möglicherweise die Schwester Hewels, für die er als Ehemann bestimmt war, Blutrache üben und Kajin nach der noch nicht entstandenen Tradition der Blutrache töten. Oder Adam wird irgendwann ein Sohn heranwachsen, der diesen Kajin einholt, findet und tötet: Dauert es dort etwa lange, bis Kinder heranwachsen? Oder irgendein Tier wird ihn zerreißen, den schutzlosen Kajin. Und der Höchste erweist Kajin wieder Gnade.

וַיֹּאמֶר לוֹ יְהוָה לָכֵן כָּל־הֹרֵג קַיִן שִׁבְעָתַיִם יֻקָּם וַיָּשֶׂם יְהוָה לְקַיִן אוֹת לְבִלְתִּי הַכּוֹת־אֹתוֹ כָּל־מֹצְאוֹ:

wajomer lo adonáj lachén kol-horég kájin schiw'atájim jukkám wajássem adonáj lekájin ot lewiltí hakkot-otó kol-moze'ó

15 Und der HERR sprach zu ihm: „Darum: Jeder, der Kajin tötet, an dem wird es siebenfach gerächt werden.“ Und der HERR machte Kajin ein Zeichen, damit ihn nicht jeder töte, der ihn findet.

Viele Midraschim, Überlieferungen sprechen über dieses Zeichen. Die einen sagen, dass es irgendein Horn ist; andere sagen, dass es irgendein Siegel auf der Stirn ist, das der Höchste ihm gemacht hat. Man kann allerlei vermuten. Das ist dem sehr ähnlich, was später mit den Zufluchtsstädten sein wird, wohin ein Mensch fliehen kann, wo er unter Schutz gerät. Das heißt, der Höchste hat Kajin die Strafe umgewandelt: Statt der Strafe für vorsätzlichen Mord erhält er die Strafe als unvorsätzlicher Mörder. Und verschieden kann die Antwort auf die Frage sein, warum Kajin hier nicht sofort getötet wird, warum Kajin, der Mörder, den Tod nicht verdient. Manche sagen: „Weil die ganze Menschheit ausgerottet würde.“ Nun, wieso denn die ganze Menschheit? Es gibt doch noch Adam und Chawa, sie werden noch gebären. Andere sagen: „Weil das Verbot des Tötens noch nicht verkündet war, deshalb kann man auch die Todesstrafe nicht anwenden.“ Dritte sagen: „Wir haben doch im vorigen Kapitel auch von einem Menschen gelesen, der sterben sollte, aber nicht starb oder nicht sofort starb, und hier geht es darum, dass auch Kajin in diesem Moment irgendwelche Lebenskräfte verloren hat.“ So oder so, eine solche Strafe mit einer solchen eingebauten Gnade wird Kajin verkündet. Was tut Kajin nun?

וַיֵּצֵא קַיִן מִלִּפְנֵי יְהוָה וַיֵּשֶׁב בְּאֶרֶץ־נוֹד קִדְמַת־עֵדֶן:

wajéze kájin millifné adonáj wajéschew be'érez-nód kidmát-éden

16 Kajin ging hinaus vom Angesicht des Höchsten und ließ sich sesshaft nieder im Land Nod, vor Eden.

Wer ging danach, viel später, vom Angesicht des Höchsten hinaus? Das war der Prophet Jona, der vor dem Angesicht des Höchsten floh. Was tat der Prophet Jona, als der Höchste ihm sagte, in die Stadt Ninwe zu gehen, was Fisch bedeutet? Jona sagte: „Und ich fliehe nach Tarschisch“, was Thunfisch bedeutet. Das heißt, statt nach Rybinsk fahre ich nach Rybnoje. Ich habe sozusagen gewissermaßen den Willen des Höchsten erfüllt, da gibt es nichts zu beanstanden. So ein Wortspiel ist das. Der Höchste schickt Jona, wie wir wissen, dann auch einen Fisch und sagt: „Du willst, Jona, mit Worten spielen? Na, dann lass uns mit Worten spielen.“

Was tut Kajin? Er geht hinaus vom Angesicht des Höchsten. Aber statt nad (ein Umherirrender, ein Landstreicher) zu sein, wurde er ein Bewohner des Landes Nod (Umherirren). Er ließ sich nieder, es steht gerade wajéschew geschrieben, er wurde sesshaft im Land Nod. Wir wissen nicht, wer diesen Ländern die Namen gab. Wie dem auch sei, der Name des Landes Nod bedeutet Umherirren oder Landstreicherei, und dort ließ sich Kajin nieder. Von diesem Land wird gesagt, dass es vor Eden liegt, das heißt, er kehrte sogar noch zurück, bewegte sich in die Richtung, aus der man ihn vertrieben hatte. Kajin handelt entgegen dem Gebot des Höchsten, nimmt die Strafe des Höchsten nicht an. Statt ein Umherirrender zu werden, wird er ein sesshafter Bewohner.

Im 17. Vers lesen wir die Geschlechterfolge Kajins. Wir werden sie wohl erst ganz verstehen, wenn wir schon das 5. Kapitel lesen und sie mit der Geschlechterfolge eines anderen Sohnes Adams vergleichen, wo sehr ähnliche Namen stehen. Alles ähnlich, und doch nicht ähnlich! Und auf diese Unterschiede werden wir achten.

וַיֵּדַע קַיִן אֶת־אִשְׁתּוֹ וַתַּהַר וַתֵּלֶד אֶת־חֲנוֹךְ וַיְהִי בֹּנֶה עִיר וַיִּקְרָא שֵׁם הָעִיר כְּשֵׁם בְּנוֹ חֲנוֹךְ:

wajéda kájin et-ischtó wattáhar wattéled et-chanóch wajhí bóne ir wajikrá schem ha'ír keschém benó chanoch

17 Und Kajin erkannte seine Frau, und sie wurde schwanger und gebar Chanoch. Und er baute eine Stadt und nannte den Namen der Stadt wie den Namen seines Sohnes, Chanoch.

Wir haben schon gesagt, dass die Frau Kajins möglicherweise eine Schwester ist, die zusammen mit ihm geboren wurde. Den Namen Chanóch kann man übersetzen als Erzieher, Lehrer, Mentor, Anführer. Im fünften Kapitel werden wir von einem anderen Chanoch lesen, der vor dem HERRN wandelte und den der HERR zu Sich nahm. Hier lesen wir auch von Chanoch, die Namen sind ja dieselben, aber die Taten völlig andere. Indem er die Landwirtschaft verließ, dem Wandern, dem Umherirren und der Arbeit auf dem unfruchtbaren, nicht ertragreichen Boden entfloh, wird Kajin zum Begründer einer solchen „städtischen“ Kultur. Und er zeugt einen Sohn, und baut eine Stadt, und nennt diese Stadt nach dem Namen seines Sohnes. Statt ein Umherirrender zu sein, zeugt er einen Sohn. Und die Stadt und der Sohn werden in gleichem Maße sein Werk. Scheinbar ein schöner Name, Chanoch (Erzieher), aber dieser Name, der zuerst der Name eines Menschen wurde, wird später zum Namen einer Stadt. Und wie kann man über die Bewohner dieser Stadt sprechen? So wie man über einen Menschen sagt: Mich hat die Straße erzogen. So beginnt die Stadt die Menschen zu erziehen, irgendeine Struktur der Erziehung.

וַיִּוָּלֵד לַחֲנוֹךְ אֶת־עִירָד וְעִירָד יָלַד אֶת־מְחוּיָאֵל וּמְחִיּיָאֵל יָלַד אֶת־מְתוּשָׁאֵל וּמְתוּשָׁאֵל יָלַד אֶת־לָמֶךְ:

wajiwwaléd lachanóch et-irád we'irád jalád et-mechuja'él umchijja'él jalád et-metuscha'él umetuscha'él jalád et-lámech

18 Und dem Chanóch wurde Irád geboren, und Irad zeugte Mechuja'él, und Mechuja'él zeugte Metuscha'él, und Metuscha'él zeugte Lémech.

Irad kann man übersetzen als ir rad – eine heruntergekommene, herunterkommende oder „herunterbringende“ Stadt. Mechuja'el – dieser Name besteht aus zwei Wörtern: mechu – löscht aus, wischt weg und el – Gott, das heißt der, der Gott auslöschen wird. Metuscha'el – diesen Namen kann man übersetzen als der, der Gott vergessen wird. Über den Namen Lemech ist es schwer, etwas zu sagen. Im modernen Hebräisch ist lámech oder lémech irgend so ein Einfaltspinsel, Dummkopf, Tropf, aber das sind natürlich späte Bedeutungen. Manche deuten das Wort lámech von lomáku her – so eine Art Kohen, ein Vertreter der Gottheit auf Erden, vielleicht als Beginn des Heidentums, ein Mensch, der sich selbst zum Gott ausruft.

וַיִּקַּח־לוֹ לֶמֶךְ שְׁתֵּי נָשִׁים שֵׁם הָאַחַת עָדָה וְשֵׁם הַשֵּׁנִית צִלָּה:

wajikkach-ló lémech scheté naschím schem ha'achát adá weschém haschenít zillá

19 Lemech nahm sich zwei Frauen: der Name der einen Ada und der Name der anderen Zilla.

Die eine Frau wurde in der Regel genommen, um dem Mann intim nahe zu sein, und die zweite Frau wurde genommen, um sich um den Haushalt zu kümmern. Obwohl, wie wir im Weiteren sehen werden, das nur eine der Versionen ist, oder es kamen auch allerlei Fehlgriffe vor. Im Allgemeinen gibt es dazu verschiedene Ansichten. Erstaunlich ist, dass wir hier zum ersten Mal lesen, wie jemand sich zwei Frauen nahm.

וַתֵּלֶד עָדָה אֶת־יָבָל הוּא הָיָה אֲבִי יֹשֵׁב אֹהֶל וּמִקְנֶה:

wattéled adá et-jawál HU hajá awí joschéw óhel umikné

20 Ada gebar Jawal, er war der Vater aller, die mit dem Vieh in Zelten sitzen.

Das heißt, er war der Vater aller Viehhändler. Dieser Name, Jawal, klingt dem Namen Hewel sehr ähnlich, wie eine Art, vielleicht, Andenken an Hewel, vielleicht aber auch ein gewisser Hohn. Das, womit Hewel sich beschäftigte, verwandelte sich bei den Nachkommen Kajins in eine Art industrielles Geschäft.

וְשֵׁם אָחִיו יוּבָל הוּא הָיָה אֲבִי כָּל־תֹּפֵשׂ כִּנּוֹר וְעוּגָב:

weschém achíw juwál HU hajá awí kol-tofés kinnór we'ugáw

21 Und der Name seines Bruders Juwal, er war der Stammvater aller Musiker, derer, die auf der Harfe und auf dem (höchstwahrscheinlich) Blasinstrument spielen (möglicherweise ist es eine Flöte oder etwas Ähnliches).

In den Kommentaren vermeidet man oft, Blasinstrumente Blasinstrumente zu nennen, weil das Spielen auf Blasinstrumenten ziemlich schändlich war. Die Wurzel ugáw selbst ist gewissermaßen mit einer Art Werben verbunden: la'agów bedeutet flirten, jemandem den Hof machen. Daher übrigens auch die Bezeichnung der Geschlechtskrankheit agéwet, und daher, so seltsam es ist, auch agwanijá – „Liebesapfel“, oder Tomate. So dreht sich ein Wort in der Sprache. In diesem Namen, Juwal, kann man ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Namen Hewel sehen, unbedingt. Und wieder kann man sagen: Wenn Hewel als Hirte für sich zu seinem Vergnügen auf Musikinstrumenten spielte, so verwandelt sich hier, in der städtischen Version Kajins, die Musik in eine Industrie. So entsteht also Kultur, Handel, Musikinstrumente.

וְצִלָּה גַם־הִוא יָלְדָה אֶת־תּוּבַל קַיִן לֹטֵשׁ כָּל־חֹרֵשׁ נְחֹשֶׁת וּבַרְזֶל וַאֲחוֹת תּוּבַל־קַיִן נַעֲמָה:

wezillá gam-hí jaledá et-túwal kájin lotésch kol-chorésch nechóschet uwarsél wa'achót tuwal-kájin na'amá

22 Und Zilla gebar ebenfalls Túwal-Kájin. Er war ein Bearbeiter von Metallen, Kupfer und Eisen. Und die Schwester von Túwal-Kájin – Na'amá.

Na'amá bedeutet die Liebenswürdige oder die Angenehme. Über sie sagen manche, gestützt auf ihren Namen, dass sie die Begründerin der Unterhaltungsindustrie wurde. Nach den Namen wie nach der Verhaltensweise zu urteilen, ist Gott in der Familie Lemechs schon nicht einmal mehr als Erinnerung vorhanden.

וַיֹּאמֶר לֶמֶךְ לְנָשָׁיו עָדָה וְצִלָּה שְׁמַעַן קוֹלִי נְשֵׁי לֶמֶךְ הַאְזֵנָּה אִמְרָתִי כִּי אִישׁ הָרַגְתִּי לְפִצְעִי וְיֶלֶד לְחַבֻּרָתִי:

wajomer lémech lenascháw adá wezillá schemá'an kolí nesché lémech ha'asénna imratí ki isch harágti lefiz'í wejéled lechabburatí

23 Und Lemech sprach zu seinen Frauen Ada und Zilla: „Hört meine Stimme, Frauen Lemechs, hört meine Reden: Wenn einer von den Männern mich verwundet, den werde ich töten; wenn einer mich verletzt, werde ich auch einen solchen Knaben töten.

Auch hier lesen wir einen sehr schwer zu übersetzenden Text. Er wird unterschiedlich verstanden, Midraschim dazu gibt es eine Unmenge, und ich führe nur eine Auslegung dieses Verses an. Lemech sagt: „Für mein ‚Wehwehchen‘ töte ich einen Menschen, und für mein Wündchen töte ich einen Knaben.“

כִּי שִׁבְעָתַיִם יֻקַּם־קָיִן וְלֶמֶךְ שִׁבְעִים וְשִׁבְעָה:

ki schiw'atájim jukkam-kajin welémech schiw'ím weschiw'á

24 Denn für Kajin wird siebenfach gerächt, für Lémech aber siebzigmal siebenfach“

Die Kühnheit wächst und wächst. In diesen Worten liegt auch eine Art Erlaubnis: „Töten darf man jetzt, jedenfalls mir, Lemech, ist es erlaubt. Kajin tötete wegen einer Opfergabe, ich kann wegen eines Kratzerchens, wegen eines Wündchens sowohl einen erwachsenen Mann als auch ein kleines Kind töten. Und wie für Kajin ein Schutz gesetzt ist, so wird auch für mich ein Schutz gesetzt werden.“ Unterdessen entsteht ein völlig neues Geschlecht, eine neue Linie der Menschheit, eine Linie, über die wir im fünften Kapitel mehr sprechen werden.

וַיֵּדַע אָדָם עוֹד אֶת־אִשְׁתּוֹ וַתֵּלֶד בֵּן וַתִּקְרָא אֶת־שְׁמוֹ שֵׁת כִּי שָׁת־לִי אֱלֹהִים זֶרַע אַחֵר תַּחַת הֶבֶל כִּי הֲרָגוֹ קָיִן:

wajéda adám od et-ischtó wattéled ben wattíkra et-schemo schet ki schat-lí elohím séra achér táchat héwel ki haragó kájin

25 Adam aber erkannte noch einmal seine Frau, und sie gebar einen Sohn und nannte seinen Namen Schet: „Gelegt hat mir der HERR einen anderen Samen anstelle Hewels, den Kajin getötet hat.“

Der Name Schet bedeutet hineingelegt oder gelegt.

Von der Feierlichkeit und dem Pomp des Kapitelanfangs bleibt nichts übrig, von solchem Streben, solcher Kühnheit, Zusammenarbeit mit dem Höchsten bleibt hier auch schon nichts übrig, außer allenfalls, wie wir gesagt haben, dass hier die Geschlechterfolge Kajins steht, zu der wir noch zurückkehren werden.

וּלְשֵׁת גַּם־הוּא יֻלַּד־בֵּן וַיִּקְרָא אֶת־שְׁמוֹ אֱנוֹשׁ אָז הוּחַל לִקְרֹא בְּשֵׁם יְהוָה:

ulschét gam-hú jullád-bén wajikrá et-schemó enósch as huchál likró beschém adonáj

26 Auch dem Schet wurde ein Sohn geboren, und sein Name wurde Enosch genannt. damals begann man, den Namen des HERRN anzurufen.

Enósch bedeutet menschlich, schwach, daher auch die Bezeichnung der Menschheit – enoschút, die Nachkommen Enoschs.

Was ist das? Was bedeutet man begann, den Namen des HERRN anzurufen? So viele Menschen, so viele Meinungen. Man kann es so sagen: Damals begann man, den HERRN beim Namen zu rufen. Aber der HERR sagt im Buch Schemot, dass Er sich unter diesem Namen nicht offenbart hatte. Damals begann man, den Menschen „theophore“ Namen zu geben – Namen, die den Namen des Höchsten in sich enthalten, so kann man es auch verstehen. Oder damals begann man, zum Höchsten zu beten, das heißt, nachdem sie den Dritten hervorgebracht hatte, begann die ganze Menschheit, in Gestalt der übrig gebliebenen Menschen und des irgendwohin vertriebenen Kajin, vielleicht zum Höchsten zu rufen, Ihn anzurufen und Ihn um Schutz zu bitten. Es gibt auch andere Kommentatoren, die sagen: „Damals begann man, alles Mögliche mit dem Namen des Höchsten zu benennen“, das heißt, damals entstand der Götzendienst. Wieder stoßen wir auf eine Situation, in der irgendein kurzer, schwieriger, nicht sehr verständlicher Satz im Text viele verschiedene Übersetzungen hervorruft, und sie alle haben ein Recht auf Existenz. Und ich lasse diese Vielfalt der Varianten bei euch, damit ihr nachdenken und selbst entscheiden könnt, wie das übersetzt wird.

Rätsel über Rätsel

Bereschit 5,1–6,8

Bevor wir mit dem Lesen des fünften Kapitels beginnen, möchte ich sagen, dass es in gewisser Weise gleichsam in Klammern steht und die Haupthandlung des Buches Bereschit unterbricht. Es ist sowohl Teil der Handlung als auch zugleich ein gewisser erläuternder Exkurs. Denkt daran.

זֶה סֵפֶר תּוֹלְדֹת אָדָם בְּיוֹם בְּרֹא אֱלֹהִים אָדָם בִּדְמוּת אֱלֹהִים עָשָׂה אֹתוֹ:

se séfer toledót adám bejom beró elohím adám bidmút elohím assá otó

1 Dies ist das Buch des Stammbaums Adams am Tag, da Gott den Menschen schuf, in der Ähnlichkeit Gottes ihn schuf.

Das Wort toledót wird ins Russische gewöhnlich übersetzt als Stammbaum. Im Russischen erwarten wir, wenn wir Stammbaum sagen, eine Liste der Vorfahren. Das Wort toledót bedeutet auf Hebräisch Zeugungen, vom Wort leholíd – zeugen. Deshalb werden wir, wenn wir dem Wort toledót, begegnen, meistens eine Liste der Nachkommen sehen.

In Bereschit (1,26.27) haben wir gelesen, dass, als der Höchste sich anschickt, den Menschen zu erschaffen, Er beabsichtigt, ihn bezalménu (in Unserem Bild) kidmuténu (nach Unserer Ähnlichkeit) zu erschaffen; kidmút – nach der Ähnlichkeit. Hier lesen wir, dass der Mensch bidmút erschaffen ist – in der Ähnlichkeit Gottes. Das heißt, der Akzent wird darauf liegen, dass der Mensch eine in ihm angelegte Funktion hat, danach zu streben, dem Höchsten ähnlich zu werden, danach zu streben, wie der Höchste zu sein. Das kann im guten Sinn sein, das kann auch im schlechten Sinn sein. Im schlechten Sinn haben wir davon gelesen, als Chawa sein wollte wie Gott, der Gut und Böse kennt, und die Hand nach der Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ausstreckte. Und als Kajin sich ebenfalls als Grundbesitzer dachte, und als Herrscher auf der Erde, und als Partner, ebenbürtig dem Höchsten. Und wieder wird in unserem Kapitel, in unserer Geschichte, von dieser Ähnlichkeit die Rede sein.

זָכָר וּנְקֵבָה בְּרָאָם וַיְבָרֶךְ אֹתָם וַיִּקְרָא אֶת־שְׁמָם אָדָם בְּיוֹם הִבָּרְאָם:

sachár unkewá bera'ám wajwárech otám wajikrá et-schmám adám bejom hibbare'ám

2 Als Mann und Frau schuf Er sie, und segnete sie, und nannte ihren Namen (das heißt zusammen) Adam am Tag ihrer Erschaffung.

Die Wörter sachár unkewá bedeuten Männchen und Weibchen im modernen Hebräisch, das Männliche und das Weibliche. Wir kehren zum Thema des ersten Kapitels zurück: Adam (der Mensch) als ganzheitliche Schöpfung schloss Mann und Frau in sich ein, das Männliche und das Weibliche.

וַיְחִי אָדָם שְׁלֹשִׁים וּמְאַת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בִּדְמוּתוֹ כְּצַלְמוֹ וַיִּקְרָא אֶת־שְׁמוֹ שֵׁת:

wajchí adám scheloschím um'át schaná wajoled bidmutó kezalmó wajikrá et-schemó schet

3 Und Adam lebte 130 Jahre, und zeugte in seiner Ähnlichkeit, nach seinem Bild, Und nannte seinen Sohn mit dem Namen Schet.

Wieder, lasst uns auf die kleinen Details und auf die Präpositionen achten: wajoled bidmutó kezalmó – zeugte in seiner Ähnlichkeit, nach seinem Bild. Das heißt, Adam selbst war ursprünglich dazu geplant, erschaffen zu werden im Bild nach der Ähnlichkeit, hier aber – in der Ähnlichkeit nach dem Bild. Zuallererst wird der Wunsch kopiert, dem Bild zu entsprechen, und dann erst, an zweiter Stelle, das Bild selbst.

Der Name Schet bedeutet Grundlage sein, zur Grundlage gelegt sein, in die Grundlage hineingelegt sein. Und das, worauf der Mensch sitzt, wird ebenfalls mit dem Wort schet bezeichnet.

 Hier ist es Zeit für einen gewissen lyrischen, kommentierenden Exkurs. Vor einigen Jahren ist im Netz ein solcher Text aufgetaucht, ein solcher Midrasch, in dem die Namen der zehn Patriarchen aus genau diesem fünften Kapitel des Buches Bereschit in Form eines Evangeliums dargeboten werden – hier werde angeblich die Vorbereitung der Welt auf das Kommen des Maschiach beschrieben. Leider erfordert das ein sehr starkes Zurechtbiegen des Textes und zuweilen Gewalt am Text. Das heißt, ich halte dieses Evangelium in Anführungszeichen, sagen wir so, für in diesen Text „hineingelesen“, es ist ursprünglich nicht darin. Ich glaube zutiefst, ich glaube von ganzer Seele, dass die Tora und die ganze Schrift vom Maschiach sprechen. Und deshalb, wenn man diesen Text einfach aufrichtig liest, versucht, in seinen Sinn einzudringen, dann werden wir in ihm den Maschiach sehen. Sehen – nicht erfinden, sondern eben sehen – indem wir eben in den Text schauen und nicht in unsere Fantasie. Deshalb stehe ich Versuchen immer misstrauisch gegenüber, in den Text „hineinzulesen“, den Maschiach dort zu erkennen, wo Er nicht so direkt gezeigt ist. Denn das diskreditiert unseren Glauben. Wenn wir gezwungen sind, uns Beweise auszudenken, wenn wir die Beweise lieb gewonnen haben, und letzten Endes sogar wenn wir einfach ständig, ständig uns selbst „evangelisieren“ und ständig, ständig irgendwelche Beweise brauchen, was sagt das dann über unseren Glauben? Deshalb lasst uns die Namen der Patriarchen lesen, versuchen, die Tora zu verstehen, ihren einfachen Sinn, ihre geheime Andeutung, ihren Kommentar, ihre Auslegung, und darin den Maschiach sehen, dort, wo Er ist, uns bemühen, nicht zu fantasieren, nicht zu träumen, nicht „hineinzulesen“, was in der Tora nicht ist. Ich versichere euch, wir werden den Maschiach in ihr aufrichtig und ehrlich sehen. Das ist – wir schließen die Klammern – das Ende des lyrischen Exkurses.

וַיִּהְיוּ יְמֵי־אָדָם אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־שֵׁת שְׁמֹנֶה מֵאֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajihjú jeme-adám acharé holidó et-schét schemoné me'ót schaná wajoled baním uwanót

4 Und die Tage Adams nach der Geburt Schets waren 800 Jahre, und er zeugte Söhne und Töchter.

Es gibt eine recht alte jüdische Quelle – den Midrasch Aggada, der davon spricht, dass Adam insgesamt 56 Kinder zeugte: 33 Söhne und 23 Töchter. Manche berufen sich, wenn sie diese Zahlen anführen, auf Josef Flavius. Bei Josef Flavius habe ich das unter ihrem Verweis nicht gefunden. Der Midrasch Aggada ist zwar alt, aber doch ein Midrasch. Diese Zahlen gehen um, wandern von Text zu Text – 33 Söhne, 23 Töchter, viele-viele-viele Söhne und Töchter, aber diejenigen, die diesen Zahlen begegnen, sollten doch daran denken, dass das ein Midrasch ist, ungeprüfte Information, und wir wissen nicht, wie viele Söhne und Töchter Adam in Wirklichkeit gezeugt hat.

וַיִּהְיוּ כָּל־יְמֵי אָדָם אֲשֶׁר־חַי תְּשַׁע מֵאוֹת שָׁנָה וּשְׁלֹשִׁים שָׁנָה וַיָּמֹת:

wajihjú kol-jemé adám ascher-chájDie russische Umschrift hat hier ein gehauchtes h statt ch. Nach dem Hebräischen lautet das Wort „chaj“ (er lebte), so steht es auch hier. teschá me'ót schaná uschloschím schaná wajamót

5 Und alle Tage Adams, die er lebte, waren 900 Jahre und 30 Jahre, und er starb.

וַיְחִי־שֵׁת חָמֵשׁ שָׁנִים וּמְאַת שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת־אֱנוֹשׁ:

wajchi-schét chamésch schaním um'át schaná wajoled et-enósch

6 Und Schet lebte 5 Jahre und 100 Jahre (das heißt 105 Jahre), und zeugte Enósch.

Wir haben schon über den Namen Enosch gesprochen. Man kann ihn übersetzen als schwach, schutzbedürftig. Man kann ihn einfach als menschlich übersetzen. Wir haben auch gesagt, dass die Menschheit (enoschút) die „Enóschheit“ ist, die Nachkommen des Enosch oder die Schwächlinge.

וַיְחִי־שֵׁת אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־אֱנוֹשׁ שֶׁבַע שָׁנִים וּשְׁמֹנֶה מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajchi-schét acharé holidó et-enósch schéwa schaním uschmoné

me'ót schana wajoled baním uwanót

7 Und Schet lebte nach der Geburt Enoschs 7 Jahre und 800 Jahre (das heißt 807 Jahre), und zeugte Söhne und Töchter.

וַיִּהְיוּ כָּל־יְמֵי־שֵׁת שְׁתֵּים עֶשְׂרֵה שָׁנָה וּתְשַׁע מֵאוֹת שָׁנָה וַיָּמֹת:

wajihjú kol-jeme-schét schetém esré schaná utschá me'ót schaná wajamót

8 Und alle Tage Schets waren 912 Jahre, und er starb.

וַיְחִי אֱנוֹשׁ תִּשְׁעִים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת־קֵינָן:

wajchí enósch tisch'ím schana wajoled et-kenán

9 Und Enosch lebte 90 Jahre, und zeugte Kenan.

Wir haben den Namen Kajin ein wenig berührt in der Bedeutung Hersteller, Meister, Besitzer – derjenige, der macht, und derjenige, der besitzt. Kenan stammt von derselben Wurzel, und in den meisten semitischen Sprachen bedeutet dieser Name Schmied. Man kann ihn auch hier so übersetzen.

וַיְחִי אֱנוֹשׁ אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־קֵינָן חֲמֵשׁ עֶשְׂרֵה שָׁנָה וּשְׁמֹנֶה מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajchí enósch acharé holidó et-kenán chamésch esré schaná uschmoné me'ót schaná wajoled baním uwanot

10 Und Enósch lebte nach der Geburt Kenáns 815 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.

וַיִּהְיוּ כָּל־יְמֵי אֱנוֹשׁ חָמֵשׁ שָׁנִים וּתְשַׁע מֵאוֹת שָׁנָה וַיָּמֹת:

wajihjú kol-jemé enósch chamésch schaním utschá me'ót schaná wajamót

11 Und alle Tage Enoschs waren 5 Jahre und 900 Jahre (das heißt 905 Jahre), und er starb.

וַיְחִי קֵינָן שִׁבְעִים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת־מַהֲלַלְאֵל:

wajchí kenán schiw'ím schaná wajoled et-mahalal'él

12 Und Kenan lebte 70 Jahre, und zeugte Mahalalel.

Der Name Mahalalel besteht aus der Wurzel halel (preisen), daher auch das allen bekannte Alleluja, und dem Wort El – Gott. Das heißt der Gott Preisende, oder man kann es übersetzen als strahlender, gepriesener Gott. Dieser Name klingt natürlich sehr ähnlich wie jener Name, den wir in der Nachkommenschaft Kajins gelesen haben – Mechujael. Dort bedeutet er der den Höchsten auslöscht, derjenige, der den Namen des HERRN auslöscht. Hier sehen wir ihn in völlig umgekehrtem Kontext – der Gott Preisende.

Da wir hier das Wort halel, berühren, was Preisung, bedeutet, möchte ich eine Bemerkung machen, mit der ich wohl schon vielen ein wenig lästig geworden bin. Wenn Menschen das Wort Alleluja aussprechen, dann möchte man und es scheint einem, dass es auf hebräische Art wäre, chalelú oder challelúja zu sagen. In Wirklichkeit ist alelú – das ist preist, und chalelú – das ist entehrt. Chillul HaSchem – das ist die Verunglimpfung, die Entehrung Gottes. Deshalb, wenn jemand, Gott bewahre, chalelú sagt, dann wird das bedeuten verunglimpft, entehrt. Es ist doch besser, entweder auf Russisch AllelujaGemeint ist die im Russischen übliche Form ohne h. Die im Deutschen gewohnte Form „Halleluja“ entspricht der zweiten, vom Autor empfohlenen Aussprache mit leicht gehauchtem h. zu sagen oder mit einem kaum merklichen ה (Hej) zu sprechen – haleluja, aber nicht chalelú zu sagen, denn das Ergebnis wird ein völlig anderes sein.

Also, Mahalalel wurde geboren.

וַיְחִי קֵינָן אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־מַהֲלַלְאֵל אַרְבָּעִים שָׁנָה וּשְׁמֹנֶה מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת

wajchí kenán acharé holidó et-mahalal'él arba'ím schaná uschmoné me'ót schaná wajoled baním uwanót

13 Und Kenán lebte nach der Geburt Mahalalels 840 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.

וַיִּהְיוּ כָּל־יְמֵי קֵינָן עֶשֶׂר שָׁנִים וּתְשַׁע מֵאוֹת שָׁנָה וַיָּמֹת:

wajihjú kol-jemé kenán ésser schaním utschá me'ót schaná wajamót

14 Und alle Tage des Lebens Kenans waren 910 Jahre, und er starb.

וַיְחִי מַהֲלַלְאֵל חָמֵשׁ שָׁנִים וְשִׁשִּׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת־יָרֶד:

wajchí mahalal'él chamésch schaním weschischím schaná wajoled et-járed

15 Und Mahalalel lebte 65 Jahre, und zeugte Járed.

Wir haben über Irad gelesen, und hier lesen wir über Jarad. Das Verb larédet ist mit dem Hinabsteigen verbunden, und auch hier ist die Bedeutung des Namens mit dem Hinabsteigen verbunden – mit dem, der hinabsteigt, sich senkt, die Knie beugt. In diesem Fall ein gemeinsemitisches, altes Wort, das Knecht bedeutet – Knecht Gottes oder Diener Gottes –, einen solchen Namen hat der Mensch, der der Sohn Mahalalels war. Wieder eine Ähnlichkeit, fast Homonyme, fast ähnlich im Klang. So, und doch nicht so.

וַיְחִי מַהֲלַלְאֵל אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־יֶרֶד שְׁלֹשִׁים שָׁנָה וּשְׁמֹנֶה מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajchí mahalal'él acharé holidó et-jéred scheloschím schaná uschmoné me'ót schaná wajoled baním uwanót

16 Und Mahalalel lebte nach der Geburt Jareds 830 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.

וַיִּהְיוּ כָּל־יְמֵי מַהֲלַלְאֵל חָמֵשׁ וְתִשְׁעִים שָׁנָה וּשְׁמֹנֶה מֵאוֹת שָׁנָה וַיָּמֹת׃

wajihjú kol-jemé mahalal'él chamésch wetisch'ím schaná uschmoné me'ót schaná wajamot

17 Und alle Tage Mehalalels waren 895 Jahre, und er starb.

וַיְחִי־יֶרֶד שְׁתַּיִם וְשִׁשִּׁים שָׁנָה וּמְאַת שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת־חֲנוֹךְ:

wajchí-jéred schetájim weschischím schana um'at schaná wajoled et-chanóch

18 UND LEBTE Járed 162 Jahre, und zeugte Chanóch.

Chanoch ist in der russischen Tradition als Enoch bekanntIn der russischen Bibeltradition heißt Chanoch „Enoch“; so steht es hier wörtlich. In deutschen Bibeln ist die übliche Form „Henoch“., und wir kommen nicht drum herum. Wir werden auch über ihn sprechen müssen.

וַיְחִי־יֶרֶד אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־חֲנוֹךְ שְׁמֹנֶה מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajchí-jéred acharé holidó et-chanóch schemoné me'ót schaná wajoled baním uwanót

19 Und Jared lebte, nachdem er Chanoch gezeugt hatte, 800 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.

וַיִּהְיוּ כָּל־יְמֵי־יֶרֶד שְׁתַּיִם וְשִׁשִּׁים שָׁנָה וּתְשַׁע מֵאוֹת שָׁנָה וַיָּמֹת:

wajihjú kol-jemé-jéred schetájim weschischim schaná utschá me'ót schaná wajamót

20 Und alle Tage Jareds waren 962 Jahre, und er starb.

וַיְחִי חֲנוֹךְ חָמֵשׁ וְשִׁשִּׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת־מְתוּשָׁלַח:

wajchí chanóch chamésch weschischím schaná wajoled et-metuschálach

21 Und Chanóch lebte 65 Jahre, und zeugte Metuschálach.

Wenn wir uns erinnern: chanóch – das ist Lehrer, Mentor, einer, der erzieht, oder der ein neues Haus weiht, so kann man dieses Wort übersetzen. Die einfachste, die sich am meisten aufdrängende Übersetzung des Namens Metuschalach – der, der seinen Tod fortgeschickt hat: metó – seinen Tod, schelách – hat fortgeschickt. Aber das ist vom Standpunkt des modernen Hebräisch oder zumindest des mittelalterlichen Hebräisch aus. Da wir über eine alte Sprache sprechen, kann man auch eine ältere Deutung annehmen: metój – Mensch oder Mann, schelách – schel elohim, das heißt Gottesmann, großer Mann, Mann Gottes. Man kann es auch so verstehen. Da es Argumente sowohl in die eine als auch in die andere Richtung gibt und die Übersetzung nicht so grundsätzlich ist, möchte ich nicht streiten und mir das Hemd zerreißen, deshalb lasse ich zwei Übersetzungen stehen, so wie sie sind. Übrigens mache ich das ja immer gern so.

וַיִּתְהַלֵּךְ חֲנוֹךְ אֶת־הָאֱלֹהִים אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־מְתוּשֶׁלַח שְׁלֹשׁ מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajithalléch chanóch et-ha'elohím acharé holidó et-metuschálach schelósch me'ót schaná wajoled baním uwanót

22 Und Chanoch wandelte vor Gott (das heißt, er lebte nicht einfach) nach der Geburt Metuschálachs 300 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.

וַיְהִי כָּל־יְמֵי חֲנוֹךְ חָמֵשׁ וְשִׁשִּׁים שָׁנָה וּשְׁלֹשׁ מֵאוֹת שָׁנָה:

wajhí kol-jemé chanóch chamésch weschischím schaná uschlósch me'ót schaná

23 Und es waren alle Tage des Lebens Chanochs 365 Jahre.

Das kann auch eine Anspielung auf eine gewisse Fülle sein. 365 – sofort drängt sich die Anzahl der Tage auf, ein ganzes Jahr, was eine ziemlich symbolische Zahl ist.

וַיִּתְהַלֵּךְ חֲנוֹךְ אֶת־הָאֱלֹהִים וְאֵינֶנּוּ כִּי־לָקַח אֹתוֹ אֱלֹהִים:

wajithalléch chanóch et-ha'elohím we'enénnu ki-lakách otó elohím.

24 Und Chanóch wandelte vor Gott, und er war nicht mehr, denn Gott nahm ihn.

Nun, einfach ein sehr interessanter Vers! Natürlich ist das viel Nahrung für Nachdenken, Fantasien, Vermutungen, Offenbarungen und so weiter. Was ist denn mit Chanoch geschehen, und wohin hat der Höchste ihn genommen? Viele Kommentatoren sagen, dass Chanoch zum Engel der Engel wurde, zu so einem Lehrmeister in der Schule der Engel, der mit dem Namen Metatron genannt wird. Übrigens ist dieser Name selbst, Metatron, griechischer Herkunft, und das spricht dafür, dass die Idee in der Epoche des Hellenismus entstand. Es gibt sehr viele Bücher, die henochische Literatur genannt werden. Die Bücher Chanochs, von denen es mehrere gibt, erschienen und kamen einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung in Umlauf. Diese Bücher erzählen teilweise die Geschichte des Weltalls, den Aufbau der oberen, höchsten Welten und vieles andere. Verschiedene Bücher Chanochs erzählen verschiedene Geschichten, das ist eine ganze Literatur. Ein Teil von ihnen ist in griechischer Übersetzung auf uns gekommen, ein Teil in aramäischer, ein Teil sogar in altslawischen oder äthiopischen Übersetzungen; diese Bücher haben verschiedenen Umfang, verschiedenes Format. Sehr oft werde ich gefragt: „Wie soll man sich zu den Büchern Chanochs verhalten?“ Seltener fragt man: „Und was, ist Chanoch für Sie keine Autorität?“ Ich antworte gleich: Chanoch ist für mich eine Autorität, unbedingt. Die Bücher Chanochs sind, nach ihrer Sprache und ihrem Inhalt zu urteilen, wenn sie überhaupt auf Grundlage irgendwelcher Zeugnisse, irgendwelcher Geschichten über Chanoch geschrieben sind, sehr spät geschrieben, in der Zeit des zweiten Tempels. Geschrieben auf Griechisch, auf Aramäisch, und kaum ist das etwas, das unmittelbar aus der Feder Chanochs kam (obwohl sie möglicherweise irgendwelche Prophezeiungen Chanochs enthalten). Wie soll man sich dazu verhalten? Als zu etwas, das uns bezeugt und erzählt, woran die Juden in jener Zeit glaubten, was sie im Kopf hatten, was sie beunruhigte, das heißt als zum historischen Hintergrund des Kommens des Maschiach. Das ist sehr wichtig. Muss man alles aus diesen Büchern annehmen und aufnehmen? Ich denke, Gott bewahre. Wir wissen nicht, von wem diese Bücher redigiert wurden, durch wessen Hände sie gegangen sind, und viele Gedanken dort sind zweifelhaft, und es gibt viele Widersprüche zwischen den verschiedenen Büchern Chanochs. Deshalb sie lesen – ja, natürlich. Wenn ihr die Geschichte des Glaubens kennen wollt, wenn ihr verstehen wollt, wovon die Juden lebten, wovon Israel lebte, dann natürlich lesen. Wenn ihr in ihnen göttliche Offenbarung sehen wollt, dann seid vorsichtig. Es gibt noch eine weitere Versuchung. Wenn Menschen das eine oder andere Buch finden (das kann das Buch des Gerechten sein, oder ein Buch irgendwelcher Offenbarungen, oder irgendein weiteres Evangelium, oder irgendein weiterer Text), sagen sie: „Da ist sie, die Wahrheit, die man immer vor uns versteckt hat! Da ist das, was man vor uns verbirgt!“ Wir möchten die Wahrheit irgendwo anders finden, irgendeine exklusive, vor allen verborgene, aber nur uns offenbarte, das möchten wir sehr. Man möchte sehr gern wissen, was andere nicht wissen. Und oft kommt das von der Unlust, in dem zu graben, was wir haben, das heißt unmittelbar in der Schrift, die wir besitzen. Und die Unlust, in ihr zu graben, kann daher entstehen, dass man uns gleichsam schon alles erzählt hat, dass wir in ihr schon alles kennen, dass uns in ihr schon alles verständlich ist, und es scheint, als gäbe es nichts mehr, wohin man sich wenden könnte, und man müsste wohl etwas Neues studieren. Aber denkt die Schrift neu durch, studiert die Schrift, studiert das, was schon da ist, und das Buch Chanóchs soll euch bei diesem Studium helfen – nicht stören, nicht ein Gegengewicht bilden, sondern eben helfen, damit ihr die Geschichte besser versteht.

Dasselbe betrifft auch solche Bücher wie die Bücher Malkizedeks, das Buch Noachs, das Buch des Engels Rasiel, das Adam zugeschrieben wird, und eine Menge anderer Pseudepigraphen, das heißt Bücher, deren Autorschaft einem anderen Menschen zugeschrieben wird. Natürlich ist Chanoch eine sehr rätselhafte Gestalt. Natürlich möchte man eine Lösung des Rätsels, was das für eine Gestalt ist. Und natürlich war es für viele Autoren, Denker, verlockend, sich in die Haut Chanochs oder Noachs zu versetzen, ihren geistlichen Zustand zu durchleben (oder sich selbst darin zu täuschen, dass sie sich in diesem Zustand befinden). So entstand diese Literatur, aber das sind keine Bücher von Betrügern. Das sind eher Bücher von Träumern, Revisionisten, „Visionierern“ und so weiter. Dennoch muss man daran denken, dass das von Menschen geschriebene Bücher sind – sowohl das Buch Chanochs als auch das Buch Adams und das Buch Noachs und allerlei Literatur, die Malkizedek zugeschrieben wird. Chanoch und Malkizedek sind einfach so rätselhafte Gestalten, dass sie selbst um sich herum eine eigenartige Aufregung erzeugen. Die Bücher waren in der Epoche der Apostel bekannt. Wir wissen, dass der Apostel Jehuda sich auf das Buch Chanochs beruft, als auf ein gängiges. Er stellte sich gar nicht die Frage, wer der Autor dieser Bücher ist, und möglicherweise sagte er das, wovon das Buch spricht, und es stützt sich tatsächlich auf die Prophezeiung Chanochs. Aber wir haben keine Möglichkeit, das zu bestimmen, in diesen Büchern die Körner von der Spreu zu trennen. Deshalb als historische Quelle – unbedingt ja, als Quelle zum Nachdenken – ja, als göttliche Offenbarung – ich denke, nein. Und ich möchte nicht, ich warne im Voraus, in irgendwelche Streitigkeiten in Bezug auf das Buch Chanochs geraten. Ich äußere nur meine Meinung.

וַיְחִי מְתוּשֶׁלַח שֶׁבַע וּשְׁמֹנִים שָׁנָה וּמְאַת שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת־לָמֶךְ:

wajchí metuschálach schewá uschmoním schaná um'át schaná wajoled et-lámech

25 Und Metuschalach lebte 180 Jahre, und zeugte LAmech.

Wir haben über den Namen Lemech gesprochen, haben ihn vom Wort lomaku, abgeleitet, das priesterlich dienend, sich für einen Priester haltend, sich für einen großen Menschen haltend bedeutet. So kann man das übersetzen.

וַיְחִי מְתוּשֶׁלַח אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־לֶמֶךְ שְׁתַּיִם וּשְׁמוֹנִים שָׁנָה וּשְׁבַע מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajchí metuschálach acharé holidó et-lémech schetájim uschmoním schaná uschwá me'ót schaná wajoled baním uwanót

26 Und Metuschálach lebte nach der Geburt Lámechs 782 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.

וַיִּהְיוּ כָּל־יְמֵי מְתוּשֶׁלַח תֵּשַׁע וְשִׁשִּׁים שָׁנָה וּתְשַׁע מֵאוֹת שָׁנָה וַיָּמֹת:

wajihjú kol-jemé metuschalach téscha weschischím schaná utschá me'ót schaná wajamót

27 Und alle Tage Metuschalachs waren 969 Jahre, und er starb.

Metuschalach ist der Langlebigste in der ganzen Schrift: der Mensch, der länger lebte als irgendjemand in der biblischen Geschichte.

וַיְחִי־לֶמֶךְ שְׁתַּיִם וּשְׁמֹנִים שָׁנָה וּמְאַת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בֵּן:

wajchi-lémech schetájim uschmoním schaná um'át schaná wajoled ben

28 Und Lemech lebte 182 Jahre und zeugte einen Sohn.

Hier wird der Name des Sohnes nicht sofort genannt, weil, wie wir schon wissen, das Genre des Stammbaums uns zum eigentlichen Gipfel hinführt, um dessentwillen er eigentlich geschrieben wurde.

וַיִּקְרָא אֶת־שְׁמוֹ נֹחַ לֵאמֹר זֶה יְנַחֲמֵנוּ מִמַּעֲשֵׂנוּ וּמֵעִצְּבוֹן יָדֵינוּ מִן־הָאֲדָמָה אֲשֶׁר אֵרְרָהּ יְהוָה:

wajikrá et-schemó nóach lemór sé jenachaménu mimma'assénu ume'izzewón jadénu min-ha'adamá aschér ererá adonáj

29 Und er nannte ihn mit dem Namen Noach, indem er sagte: „Dieser ist es, der uns trösten wird (oder uns ‚bereuen lassen‘ wird) von unseren Taten und von dem Kummer unserer Hände, von der Erde, die der HERR verflucht hat.“

Also bekommt der Junge den Namen Noach, weil er vor allem jenachém ist – er wird trösten, befreien, „bereuen lassen“. Aber jeder Mensch, der Hebräisch kann, wird sagen, dass das Wort noach vom Verb lanúach (ruhen) stammt, und das Verb lenachém (trösten oder bereuen lassen) – das ist ein völlig anderes Verb. Wie kann Noach mit lenachém verbunden sein? Und hier gibt es eine sehr interessante Erscheinung. Tatsächlich wird im modernen Hebräisch der Name Noach als Noach gelesen. Im tiefen Altertum aber, lange vor Mosche, gab es einen solchen Begriff wie die Memation, wenn am Ende eines Wortes (im Nominativ) der Buchstabe מ (Mem) hinzugefügt wurde, ich sage das jetzt vereinfacht. Deshalb wurde Noach als Nochm gelesen, und dementsprechend konnte Nochm durchaus von lenachém stammen, das wäre ein passendes Wortspiel. Wenn die Schreiber die Tora im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung oder sogar im zehnten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung selbst erfunden hätten, wären sie nie und nimmer darauf gekommen, sie hätten nichts von der Memation gewusst. Und das spricht dafür, dass die Tora nicht erfunden ist. Noch ein Beweis dafür, dass die Tora nicht erfunden ist. Das hier Versteckte, das hier Übriggebliebene – ein Zeugnis dafür, dass das Wortspiel, obwohl es schon nicht mehr verständlich ist, trotzdem erhalten bleibt. Übrigens verwandelt genau diese Memation, die den Buchstaben מ (Mem) in die Endung der Wörter einführt, durchaus möglicherweise das Wort Eloha – Gott in Elohim, und es scheint uns, dass das ein Plural ist, aber in Wirklichkeit ist das eine solche Wortform, so etwas wie ein gewisser Artikel, eine Form des Nominativs. Es gibt darüber Arbeiten, es gibt diejenigen, die damit streiten, aber dennoch hat eine solche Version ein Recht auf Existenz.

Das Wort izzewón ist genau das Wort aus dem dritten Kapitel des Buches Bereschit, in dem wir das zu Adam Gesagte gelesen haben: „…verflucht ist die Erde deinetwegen, in Kummer wirst du dich ernähren alle Tage deines Lebens.“ Noach wird, nach Meinung Lemechs, diesen Fluch aufhalten. Warum kann Noach das tun? Weil man, wenn man sich ein wenig mit Mathematik beschäftigt, sehen kann, dass Noach der erste Mensch ist, der nach dem Tod Adams geboren wurde, der erste Vertreter einer völlig neuen Generation, die Adam nicht kennt, und gerade er kann die Mission auf sich nehmen, die Erde zu berichtigen und den Fluch Adams aufzuheben. Lemech weiß vielleicht noch nicht, wie.

וַיְחִי־לֶמֶךְ אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת־נֹחַ חָמֵשׁ וְתִשְׁעִים שָׁנָה וַחֲמֵשׁ מֵאֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:

wajchi-lémech acharé holidó et-nóach chamésch wetisch'ím schaná wachamésch me'ót schaná wajoled banímDie russische Umschrift schreibt hier ein doppeltes i. Nach dem Hebräischen heißt es „baním“ (Söhne), dem folgt die deutsche Umschrift. uwanót

30 Und Lemech lebte nach der Geburt Noachs 590 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.

וַיְהִי כָּל־יְמֵי־לֶמֶךְ שֶׁבַע וְשִׁבְעִים שָׁנָה וּשְׁבַע מֵאוֹת שָׁנָה וַיָּמֹת:

wajhí kol-jemé-lémech schéwa weschiw'ím schaná uschwá me'ót schaná wajamót

31 Und es waren alle Tage Lemechs 777 Jahre, und er starb.

וַיְהִי־נֹחַ בֶּן־חֲמֵשׁ מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד נֹחַ אֶת־שֵׁם אֶת־חָם וְאֶת־יָפֶת:

wajhí-nóach ben-chamésch me'ót schaná wajoled nóach et-schém et-chám we'et-jáfet

32 Und Noach war 500 Jahre alt, und Noach zeugte Schem, Cham und Jefet.

Damit endet eigentlich das fünfte Kapitel, und wir gehen zum sechsten Kapitel über. Wohin ich auch fahre und wo ich auch, wie man so sagt, eine Rede halten muss, am Ende des Gesprächs, während der Fragen und Antworten, wird ständig eine Frage zu den folgenden vier Versen gestellt, die wir lesen werden. Diese Frage ist für die Leute sehr interessant, sie ist schon sprichwörtlich geworden: Wer ist denn zu den Töchtern der Menschen eingegangen? Ich maße mir nicht an zu sagen, dass ich nach 2000 Jahren verschiedener Kommentare, ach was 2000, nach 3000 Jahren verschiedener Kommentare, komme und die endgültige Antwort auf diese Frage sage, aber einiges werden wir zu erzählen versuchen.

וַיְהִי כִּי־הֵחֵל הָאָדָם לָרֹב עַל־פְּנֵי הָאֲדָמָה וּבָנוֹת יֻלְּדוּ לָהֶם:

wajhí ki-hechél ha'adám larów al-pené ha'adáma uwanót julledú lahém

1 Und es geschah, als der Mensch begann, sich auf der Oberfläche der Erde zu vermehren, und ihnen Töchter geboren zu werden begannen.

Wörtlich steht hier – „auf dem Angesicht“ der Erde. Die Oberfläche von etwas kann Angesicht genannt werden. Vor jemandem stehen kann auch vor dem Angesicht stehen heißen; von jemandem weggehen – vom Angesicht weggehen. Das verwirrt und verunsichert die Übersetzer oft: Muss man hier „Angesicht“ wörtlich übersetzen oder mit irgendeiner russischen (oder einer der jeweiligen anderen Sprache entsprechenden) festen Wendung, hat „Angesicht“ hier eine Bedeutung oder ist es eine Redensart. Und jedes Mal fällt es dem Übersetzer schwer zu entscheiden. Wir erinnern uns, dass ständig die Rede war von – „auf der Oberfläche der Erde sein, von der Oberfläche der Erde weggehen“, wie Kajin sagt: „Du vertreibst mich von der Oberfläche der Erde“, und das ist – der Tod. Hier hat sich der Mensch vermehrt, der Mensch begann auf der Oberfläche der Erde, auf der Erde, zu gedeihen.

Es begannen Töchter geboren zu werden. Nicht dass früher keine Töchter geboren worden wären, woher wären sonst die Kinder gekommen? Aber das männliche Übergewicht in der Bevölkerung verringerte sich, und es begannen mehr Töchter geboren zu werden. Oder es ist einfach erwähnt: je mehr Menschen, desto mehr Töchter, gute und verschiedene.

וַיִּרְאוּ בְנֵי־הָאֱלֹהִים אֶת־בְּנוֹת הָאָדָם כִּי טֹבֹת הֵנָּה וַיִּקְחוּ לָהֶם נָשִׁים מִכֹּל אֲשֶׁר בָּחָרוּ:

wajir'ú wene-ha'elohím et-benót ha'adám ki towót hénna wajikchú lahémIn der russischen Umschrift ist das Wort „lahém“ (für sich) mit einem falschen Buchstaben und einem überzähligen Betonungszeichen geschrieben. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. naschím mikkól aschér bacharu

2 Und die Söhne Gottes sahen die Töchter der Menschen, dass sie gut sind, und nahmen (begannen zu nehmen) sich Frauen, allerlei, welche sie auswählten.

Bevor wir in die Tiefen verschiedener Auslegungen eintauchen: Woran erinnert dieser Vers? Sehr oft haben wir im ersten Kapitel gelesen, dass der Höchste im Moment der Erschaffung über seine Schöpfung sagt, dass sie gut ist. Zum Beispiel wajár elohím et-haór ki-tów (und der HERR sah das Licht, dass es gut ist). Und praktisch über die ganze Schöpfung sagt Gott, dass sie gut ist, und als sie vollendet ist, sagt der HERR, dass sie sehr gut ist. Über wen ist nicht gesagt ki tow (dass er gut ist)? Über den Menschen ist es nicht gesagt. Warum? Weil dem Menschen eine Wahl gegeben ist: ob er in jedem konkreten Moment der Zeit gut oder schlecht sein soll, der Mensch hat das Recht, zwischen Gutem und Schlechtem zu wählen. Deshalb kann man über den Menschen nicht sagen, dass er gut ist – Gott hat über den Menschen nicht gesagt, dass er gut ist. Aber die Söhne Gottes (wir klären noch nicht, wer das ist) sahen die Töchter der Menschen, dass sie gut sind – das ist ein deutlicher Anklang an das erste Kapitel des Buches Bereschit.

Und wer hat noch „gesehen und genommen“? Das ist Chawa, zu jenem Zeitpunkt noch einfach die Frau (im dritten Kapitel des Buches Bereschit), als sie den Baum sah und die Hand nach der Frucht ausstreckte – sie sah und nahm.

Also, einige bnej elohím (Söhne Gottes) sahen die Töchter der Menschen, sahen, dass sie gut sind, und begannen sie zu nehmen, jeder, welche er auswählt. Ein sehr scharfer Vers. So scharf stellt sich die Frage der Kommentierung dieses Verses, dass es in der frühen jüdischen Geschichte, im 3.–4. Jahrhundert, einmal einen gewissen Rabbi Schimon Bar Jochai gab, einen sehr bekannten Rabbiner, dem die Verfasserschaft des Buches Sohar, die Begründung der Kabbala und noch vieles mehr zugeschrieben wird. Dieser Rabbiner verfluchte all jene, die hier wirklich echte Söhne Gottes sehen. Er sagte, dass bnej elohim die Söhne der Richter sind. Und die Richter werden tatsächlich elohim, genannt, das kommt in Tehillim einige Male vor. Das heißt, das sind Söhne der Richter, die sich Töchter der Menschen nahmen, vielleicht indem sie irgendeine persönliche Stellung ausnutzten. Mir scheint, und ich wage es, den Fluch Rabbi Schimon Bar Jochais nicht zu fürchten, dass hier von etwas anderem die Rede ist.

Es gibt noch die Variante, dass hier möglicherweise von den Kindern Adams die Rede ist. Die erste Generation nach Adam – das sind, man kann sagen, solche supercoolen Menschen. Diejenigen, die später geboren werden, – das ist schon der Niedergang der Generationen, und nicht das, ganz und gar nicht das. Und die Namen der Nachkommen Adams, die nach der Ähnlichkeit Adams und nach dem Bild Adams erschaffen sind, stehen ihm näher, und man kann auch so denken: Da sind sie doch, die bnej elohim, die Söhne Gottes. Aber es ist unklar, wozu die Tora so verschnörkelt darüber geschrieben hat. Es gibt allerdings eine Version, dass man die Söhne Adams zu jenem Zeitpunkt schon zu vergöttlichen begann, und genau das sagt Vers 26 von Kapitel 4: „man begann, mit dem Namen Gottes zu nennen“, das heißt, man begann, Menschen mit dem Namen Gottes zu nennen von dem Moment an, als Schet geboren wurde. Und angeblich begann man auch andere Söhne Adams mit dem Namen Gottes zu nennen, es kam ein solcher Status von „Göttern-Supermenschen“ und „einfachen“ Menschen auf. Eine solche Erklärung gibt es auch, aber auch sie bin ich nicht bereit anzunehmen.

Eine andere Bedeutung ist meiner Ansicht nach näher an der Wahrheit: bnej elohim – das sind Engel. Im Buch Ijow und in anderer Literatur sind bnej elohim die Diener Gottes, das ganze Gefolge Gottes, das sind jene Engel Gottes, die auf der Erde dienen: Schutzengel der Menschen, allerlei andere Engel, die von der Erde in die Himmel aufsteigen. Wir erinnern uns, dass Jeschua von den Engeln sprach, die die Kinder behüten, und dass der Satan selbst einer der Söhne Gottes ist, der ebenfalls auf der Erde hin und her ging. Also, möglicherweise sind das irgendwelche Engel, die auf der Erde lebten, die Möglichkeit hatten, die Fähigkeit hatten, menschliche Gestalt anzunehmen. Vielleicht ist es so.

Noch eine Variante, die uns aus dem Buch Chanoch bekannt ist: dass die Engel Gottes die Töchter der Menschen sahen, auf dem Berg Hermon (der auch seinen Namen als „Bann“ erhielt) eine Verschwörung eingingen, und von hier begann die Geschichte, die wir als die Geschichte von den gefallenen Engeln kennen. Im Midrasch Pirkej de-Rabbi Elieser gibt es auch eine andere Geschichte. Als der Höchste den Menschen ganz am Anfang erst erschaffen wollte und den Engeln verkündete: „Lasst uns den Menschen erschaffen!“, teilten sich die Engel in zwei Gruppen. Die eine Gruppe sagte: „Natürlich, hurra, und es lebe der Mensch! Erschaffe den Menschen!“ Die anderen sagten: „Nein, auf keinen Fall erschaffe den Menschen! Nichts Gutes wird daraus werden. Er wird ständig sündigen, er wird verkommen, und von diesem Menschen wird es nur Unannehmlichkeiten geben.“ Als tatsächlich die Zeit kam und der Mensch zu verkommen begann, kamen eben jene gegnerischen Engel zum Höchsten und sagten Ihm den klassischen Satz: „Wir haben es doch gesagt!“ Der Höchste sagte: „Hättet ihr jenen jézer, jene Neigung zum Bösen, die der Mensch bekommen hat, ihr hättet auch nicht standgehalten.“ Die Engel begannen zu streiten: „Nein, wir hätten standgehalten!“ Und der Höchste sandte sie auf die Erde, sie sahen die Töchter der Menschen und begannen, zu ihnen einzugehen. Hier sei auch erwähnt, dass dieser Midrasch auch von jener Naama erzählt, der Schwester Tuwal-Kajins. Die erste Frau, der die Engel auf ihrem Weg begegneten (eben jene, die der Höchste auf die Erde gelassen hatte), war Naama. Sie sagten zu ihr: „Gib dich uns hin.“ Sie sagte: „Nein, so einfach gebe ich mich euch nicht hin. Gebt mir den Großen Göttlichen Namen, offenbart mir den Namen des Höchsten, und ich gebe mich euch hin.“ Sie offenbarten ihr den Namen, und sie flog von ihnen davon, indem sie diesen Namen benutzte. Deshalb heißt sie Naama (die Freundliche).

Aber all das sind Midraschim und Kommentare, Versuche, einzudringen, hineinzuschauen, unser Bewusstsein zu erweitern, schöne Bilder zu malen. Was können wir denn hier im buchstäblichen Text sehen? Am Anfang der Geschichte haben wir gelesen, wie der Mensch von der Erde in den Himmel durchbrechen will. Die ganze Schöpfung war durch eine Grenze geteilt: Erde und Himmel, Tag und Nacht, Licht und Finsternis, Festland und Meer. Die ganze Schöpfung beruht auf Grenzen. Der Mensch sollte tatsächlich Himmel und Erde verbinden, aber nicht von der Erde in den Himmel übersiedeln – das, woran der Mensch ständig krankt: den Platz des Höchsten einzunehmen. Das geschah vor allem mit Chawa, die sein wollte wie Gott, das geschah, wie wir gesagt haben, mit Kajin, der Partner des Höchsten sein wollte. Der Mensch wollte von der Erde in den Himmel durchbrechen. Hier sehen wir eine andere Geschichte, wo das Himmlische zum Irdischen durchbrechen will, wo das Himmlische Schönheit im Irdischen findet. Die Verderbnis ist so weit gegangen, dass schon auch die Engel begannen, sich von den Töchtern der Menschen verführen zu lassen. Vielleicht Engel, die auf der Erde leben, Engel-Boten, vielleicht himmlische Engel, aber so oder so entstand eine solche Versuchung in den Himmeln, und sie begannen, Töchter auszuwählen und zu ihnen einzugehen.

וַיֹּאמֶר יְהוָה לֹא־יָדוֹן רוּחִי בָאָדָם לְעֹלָם בְּשַׁגַּם הוּא בָשָׂר וְהָיוּ יָמָיו מֵאָה וְעֶשְׂרִים שָׁנָה:

wajomer adonáj lo-jadón ruchí wa'adám le'olám beschaggám hu wassár wehajú jamáw me'á we'esrím schaná

3 Und der HERR sprach: „Nicht soll ewig rechten (oder sich abplagen) mein Geist im Menschen, denn auch er ist Fleisch. Und seine Tage sollen 120 Jahre sein.“

Was für ein erstaunlicher Satz, und wie passt er in unseren Kontext? Natürlich, wenn das Himmlische ins Irdische einzudringen beginnt, das Himmlische in der irdischen Natur zu wirken beginnt, kann man an ewiges Leben denken. Wir erinnern uns, dass der Mensch den Weg zum Baum des Lebens verloren hat, und hier auf einmal – Engel, die zu den Töchtern der Menschen eingehen (oder meinetwegen Söhne Gottes). Vielleicht wird das eine noch unglaublichere Lebensdauer hervorbringen. Der Höchste sagt, dass sogar diejenigen, die aus der Verbindung mit Engeln geboren wurden, sogar sie – trotzdem Fleisch sind, obwohl es uns scheint oder von außen scheinen mag, dass sie eine übernatürliche Natur besitzen. Aber wenn Kinder Gottes mit dem Geist Gottes in den Menschen herabsteigen, dann ist das nicht für ewig. Der Höchste hat genau dieser Art, sagen wir so, von Lebewesen eine Grenze von 120 Jahren gesetzt.

הַנְּפִלִים הָיוּ בָאָרֶץ בַּיָּמִים הָהֵם וְגַם אַחֲרֵי־כֵן אֲשֶׁר יָבֹאוּ בְּנֵי הָאֱלֹהִים אֶל־בְּנוֹת הָאָדָם וְיָלְדוּ לָהֶם הֵמָּה הַגִּבֹּרִים אֲשֶׁר מֵעוֹלָם אַנְשֵׁי הַשֵּׁם:

hannefilím hajú wa'árez bajamím hahém wegám acharé-chén aschér jawóu benéj ha'elohím el-benót ha'adám wejaledú lahém hémma haggibborím aschér me'olám anschéj haschém

4 Es gab Riesen zu jener Zeit, in jenen Tagen auf der Erde, und auch später, weil die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen. und sie gebaren ihnen Helden (oder starke Männer), die immer starke (oder bekannte) Leute waren (die immer bekannt wurden).

Gut möglich, dass die Töchter der Menschen aus dieser erstaunlichen Verbindung mit den Söhnen Gottes Überwesen gebaren, irgendwelche Giganten, irgendwelche unverhältnismäßig großen Menschen. Und auch später kam so etwas vor. Und uns scheint (vielleicht als Lektion), dass wir, wenn wir einen Menschen mit irgendwelchen übernatürlichen Fähigkeiten sehen, irgendeinen besonders begabten Menschen, plötzlich denken und sagen können: „Oh, was für ein großer Mensch er ist! Vielleicht ist er halb Engel, vielleicht ist er überhaupt ein Gottmensch?“ Aber jeder Mensch aus Blut und Fleisch ist sterblich; obwohl in ihm der Geist Gottes wohnt, ist er doch Fleisch, und der Geist Gottes wird nicht ewig in ihm wohnen. Sein Leben wird 120 Jahre sein. Und das betrifft auch jene Hünen, die in jenen Tagen auf der Erde waren.

Das Wort nafíl bedeutet nicht nur Hüne, sondern auch „Herabgefallener“, vom Wort linpól – fallen (nafál, zum Beispiel, bedeutet Fehlgeburt, „Ausgeworfener“, derjenige, der gefallen ist, ausgeworfen wurde, einen Fall vollzogen hat). Es gab, kann man sagen, auch Gefallene auf der Erde zu dieser Zeit. Das eröffnet uns das schwere Thema der gefallenen Engel, ihrer Existenz oder Nichtexistenz. Da das nicht im Text steht und das etwas ist, womit der Text überwuchert wurde, werde ich auf diese Frage nicht eingehen, außer dass ich ohnehin schon eine ausreichende Anzahl verschiedener Kommentare angeführt habe.

Starke, bekannte Leute wird wörtlich übersetzt als Leute des Namens. Das heißt, es gab, sagen wir so, Celebrities, Medienfiguren jener Zeit, Menschen, die aus den Verbindungen der Töchter der Menschen mit den Söhnen Gottes geboren wurden. So war die Geschichte.

Also, die Grenzen begannen zu zerreißen, nicht nur von der Erde zum Himmel, sondern auch vom Himmel zur Erde.

וַיַּרְא יְהוָה כִּי רַבָּה רָעַת הָאָדָם בָּאָרֶץ וְכָל־יֵצֶר מַחְשְׁבֹת לִבּוֹ רַק רַע כָּל־הַיּוֹם:

wájar adonáj ki rabbá ra'át ha'adám ba'árez wechól-jézer machschewót libbó rak ra kol-hajom

5 Und der HERR sah, dass das Böse des Menschen groß war auf der Erde und alles, was die Gedanken seines Herzens hervorbringen, – nur Böses den ganzen Tag.

Wenn die Engel das Gute der Töchter der Menschen sahen und dass sie gut sind, so sieht Gott das hier ganz anders an und sagt, dass sie schlecht sind auf der Erde. Alle seine Wünsche, der adam, der Mensch, bei dem schon im Namen „Adam“ das Ähnlichwerden mit dem Höchsten angelegt ist, – all das ist zum Bösen, und der Mensch funktioniert nicht, arbeitet nicht als jene Brücke, als die er gedacht ist. Und diese Brücke wiederherzustellen, hat er auch nicht vor. Alles läuft falsch.

וַיִּנָּחֶם יְהוָה כִּי־עָשָׂה אֶת־הָאָדָם בָּאָרֶץ וַיִּתְעַצֵּב אֶל־לִבּוֹ:

wajinnachém adonáj ki-assá et-ha'adám ba'árez wajit'azzéw el-libbó.

6 Und der HERR bereute, den Menschen auf der Erde erschaffen zu haben, und wurde traurig in Seinem Herzen.

Hier sehen wir ebenfalls dieselbe Wurzel, die, wie wir sagten, mit dem Wort nóach – jenachém (bereute) verbunden ist. Was ist das für ein seltsamer Satz: „Der HERR bereute, überlegte es sich anders“? Der, Der Allwissenheit, Allsicht, Voraussicht von allem besitzt – bereute? Der HERR liebte den Menschen, und die Reue liegt nicht darin, dass Er den Menschen erschuf, sondern darin, dass Er die Erde mit dem Menschen verband, darin, dass Er diese Mission in Seiner Liebe und Seiner Gnade dem Menschen auferlegte, und der Mensch hielt nicht stand, wurde mit dieser Funktion nicht fertig. Das ist keine Enttäuschung Gottes über Sich mit dem Gedanken: „Was für ein nichtsnutziger Gott war Ich doch, all das ‚zusammengepfuscht‘ zu haben.“ Das ist die Enttäuschung Gottes über den Menschen und über Sein Vertrauen in den Menschen. Aber auch von dieser Idee rückt der Höchste hier nicht ab, und daran hat sich nichts geändert, es muss einfach etwas in der Schöpfung geändert werden, damit die Menschheit und das ganze Projekt „Erde“ eine neue Chance bekommen. Gott hat Seinen Plan nicht aufgegeben. Der Mensch mit all seinen Problemen hat Gott nicht an Starrsinn übertroffen, hat Ihn nicht gezwungen, irgendwelche Seiner Ideen aufzugeben. Das ist eine Lektion auch für uns: Wie sehr wir auch versuchen mögen, diese Welt und unser Leben zu verderben und zu zerbrechen, Gott wird es uns nicht zerbrechen lassen, und es gibt immer die Möglichkeit der Berichtigung, Er wird uns nicht aufgeben. Vielleicht wird der Preis hoch sein, aber Gott gibt Seine Pläne nicht auf.

Wir haben über die Verletzung der Grenzen gesprochen. Die ersten Grenzen in der irdischen Welt sind die Grenzen, die entstanden, als das Wasser zurückwich und das trockene Land erschien, es entstanden Grenzen zwischen dem Wasser und dem trockenen Land, es erschienen Wassertiere und Tiere, die auf dem trockenen Land leben. Und jetzt, da die Erde aus dem Wasser hervorgegangen, herausgekommen ist, soll gerade das Wasser die Erde reinigen. Der Höchste bereitet die Sintflut vor. Wir werden darüber noch lesen, das wird im nächsten Kapitel sein.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶמְחֶה אֶת־הָאָדָם אֲשֶׁר־בָּרָאתִי מֵעַל פְּנֵי הָאֲדָמָה מֵאָדָם עַד־בְּהֵמָה עַד־רֶמֶשׂ וְעַד־עוֹף הַשָּׁמָיִם כִּי נִחַמְתִּי כִּי עֲשִׂיתִם:

wajomer adonáj emché et-ha'adám ascher-baráti me'ál penéj ha'adamá me'adám ad-behemá ad-rémes we'ád-óf haschamájim ki nichámti ki assitím

7 Und der HERR sprach: „Auslöschen werde Ich den Menschen, den Ich erschaffen habe, vom Angesicht der Erde, vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Kriechtier und bis zum Vogel des Himmels, denn Ich bin enttäuscht.“

Der Mensch, so haben wir am Anfang des Kapitels gelesen, hat sich auf der Erde vermehrt. Jetzt sagt der Höchste: „Ich werde ihn vom Angesicht der Erde auslöschen. Ich bin enttäuscht, sie erschaffen zu haben.“ Hier wieder ein Wort mit der Wurzel nacham, wie auch in Bereschit (5,29), als wir sagten, dass Lemech über Noach prophezeit.

Wen plant der Höchste nicht zu entfernen, wer gehört nicht zu dieser Liste? Nun, natürlich die Fische. Möglicherweise gibt es hier noch einen alten, schon früher erwähnten Aspekt. Der Höchste sagt: „Ich habe den Menschen erschaffen, ihn auf die Erde gesetzt.“ Und mit der Erde gab es von Anfang an Probleme, noch vor der Erschaffung des Menschen. Wir haben, als wir Bereschit (3,3) studierten, über die Baum-Frucht gesprochen, den Baum, der Frucht bringt, und jetzt sagt der Höchste, dass man alles von Neuem beginnen muss, bei der Erde selbst. „Ich werde alles auslöschen, was auf der Erde ist, alles, was die Erde hervorgebracht hat“ – aber nicht die Fische; die Fische werden nicht umkommen. Wer wird noch nicht umkommen?

וְנֹחַ מָצָא חֵן בְּעֵינֵי יְהוָה:

wenóach máza chen be'enéj adonáj

8 Aber Noach fand Gnade in den Augen des Höchsten.

Hier endet der Wochenabschnitt Bereschit. In Wirklichkeit wird der Leser hier in Spannung gehalten. Wir wissen ja, wie das alles enden wird, aber für den Leser ist hier natürlich ein großes Rätselraten. Was wird weiter geschehen, wird Noach es schaffen, wird die Welt vernichtet werden? All das endet für den Leser, der zum ersten Mal liest, an der spannendsten Stelle.

Das Rätsel des Wortes „Elohim“

Wir werden die ersten Worte der Tora lesen:

בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ׃

bereschít bará elohím et haschamájim we'ét ha'árez

1 Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.

Dieselben Worte kann man übersetzen als im Anfang der Erschaffung von Himmel und Erde durch Gott, und die Erzählung wird sich ein wenig unterscheiden. Schon in den allerersten Versen der Tora, in den allerersten Worten der Tora sind unterschiedliche Lesarten im Verständnis möglich, und das ist sehr wichtig für das Durchdenken des Wochenabschnitts Bereschit. Er ist so lakonisch, so kurz, und enthält Informationen über unglaublich wichtige Ereignisse, über die grundlegendsten Ereignisse unseres Glaubens, über die für das Verständnis des Weltgebäudes entscheidendsten Ereignisse. Und natürlich hat das eine Vielzahl von Kommentaren hervorgebracht, eine Vielzahl weiser Betrachtungen über diesen Abschnitt. Und zugleich besteht ständig die Gefahr, dass wir in dem Bestreben, diese Symbole zu verstehen, unser Verständnis in die Deutung dieser Symbole hineinschreiben wollen, dass wir uns selbst betrügen und uns nicht mehr auf der Grundlage der Tora aufbauen, indem wir die Tora studieren, sondern selbst die Tora schreiben, indem wir in sie jene Auffassungen hineinschreiben, die unserem Glauben am meisten entsprechen und am besten zu unseren Vorstellungen vom gesunden Menschenverstand passen. Das ist sehr gefährlich. Und gerade bei der Auslegung des Wochenabschnitts Bereschit können wir mit dem Finger zeigen: „Da ist es doch! Da ist doch das, was auf das hinweist, woran ich glaube!“ Und das wird ein großer Fehler sein. Das ist eine große Versuchung beim Lesen des Wochenabschnitts. Deshalb, wenn wir irgendeinem Kommentar begegnen, der uns sehr gefällt und uns sehr am Herzen liegt, lohnt es sich immer zu prüfen: Schreibt unser Herz die Tora, oder wird die Tora auf unser Herz geschrieben. Das gilt für die ganze Schrift und gilt besonders für den Wochenabschnitt Bereschit.

Und wir beginnen nun das Gespräch über das dritte Wort in der Tora. Die Tora beginnt mit den Worten bereschít bará Elohím. Bereschit (im Anfang) – ein Wort für sich, über das man viel sprechen kann; bara (schuf); Elohim (Gott). Und eben über das Wort Elohim werden wir sprechen.

Die Sache ist die, dass jeder Mensch, der auch nur ein wenig mit der Grammatik des Hebräischen vertraut ist, euch sagen wird, dass das Wort Elohim einem Wort in der Mehrzahl ähnelt. Tatsächlich erhält ein Substantiv männlichen Geschlechts im Hebräischen in der Mehrzahl in der Regel die Endung -im. Zum Beispiel: bajt (Haus) – batim (Häuser); sefer (Buch) – sfarim (Bücher). Und es ist logisch anzunehmen, dass man das Wort elohim als Götter verstehen könnte. Dann würde es lauten: „Im Anfang der Erschaffung von Himmel und Erde durch Götter“ oder: „Im Anfang schuf Götter den Himmel und die Erde“.

Natürlich besteht, wenn wir eine so erstaunliche Erscheinung sehen, die Versuchung, ihr die Bedeutung zuzuschreiben, die wir gern hätten. Deshalb sagen zum Beispiel die Anhänger der trinitarischen Theorie: „Na da ist es doch! Die Mehrzahl des Wortes elohim weist darauf hin, dass Gott eine Dreieinigkeit ist. Warum sehen diese sturen Juden das denn nicht in der Tora?“ Andere sagen: „Na da ist doch der Beleg dafür, dass die Juden nicht immer Monotheisten waren! Da habt ihr einen Beleg für den alten Polytheismus – die Mehrzahl des Wortes elohim.“

Wie soll man es nun doch verstehen? Warum steht dieses Wort, das doch das Monotheistische (die Einzigkeit) symbolisieren sollte, gerade dieses Wort, dieses erste Substantiv, das in der Tora vorkommt, in der Form der Mehrzahl. Warum ist es so gekommen?

Das Wort Elohim stammt tatsächlich vom Singular Eloha – starker Gott; der Kraft besitzt; der die Quelle der Kraft ist. Tatsächlich gab es Götter, zum Beispiel, des Weinanbaus, des Linsenanbaus, es gab sehr lustige Götter, Götter des Spotts oder sogar Götter der Darmwinde, es gab Götter der Jagd und Götter des Fischfangs. Jeder Gott besaß Kraft in irgendeinem seiner engen Bereiche, alle Götter der Heiden waren enge Spezialisten, und das war für sie etwas Natürliches. Elohim weist darauf hin, dass Gott, der den Himmel und die Erde geschaffen hat – Er ist der Allmächtige. Der Allmächtige bedeutet nicht der Stärkste unter den Göttern, mit keinen Göttern, mit keinen Kräften gedenkt Er sich an Kraft zu messen. Elohim – das ist die Quelle alles Starken, die Quelle, die Leben gibt, die allem Kraft gibt, Er ist der, der Kraft gibt, die Quelle der Kraft. Deshalb kann nichts stark sein ohne Ihn, nichts kann natürlich stärker sein als Er, und keine andere Kraft existiert außerhalb von Ihm. Der allmächtige Gott ist der Gott aller Kräfte.

Es gibt noch einen ähnlichen Namen des Höchsten. Er wird Zwaót genannt – Gott der himmlischen Heerscharen. Der Singular zawá (Heerschar), der Plural zwaót (Heerscharen), in der russischen Übersetzung klingt das wie SawaofSawaof ist die russische Form dieses Namens. In deutschen Bibeln heißt er Zebaoth.. Zwaót – Gott der Heerscharen. Nur bei Ihm gibt es himmlische Heerscharen, keine anderen himmlischen Heerscharen gibt es, Er ist der Gott, der die Heerscharen lenkt, Er ist der Gott, dem alle Kräfte gehören, Er ist die Quelle aller Kraft auf der Erde. Das ist die passendste Deutung des Wortes Elohim, wenn wir es in der Mehrzahl verstehen.

Es gibt auch eine andere Variante. Das Wort Elohim, stellt, obwohl es wie ein in der Mehrzahl gebrauchtes Wort erscheint, überhaupt keine Mehrzahlform dar. Als Noach geboren wird, wird über ihn eine Prophezeiung gesagt, dass er mit dem Namen Noach genannt werden wird, denn „…er wird trösten (jenachem) vom Kummer unserer Hände“. Warum ist das Wort noach mit dem Wort jenachem verbunden? Woher kommt das zusätzliche Buchstäbchen ם (Mem)? In den alten semitischen Sprachen gab es die Erscheinung der Mimation: Ein Kehllaut schloss das Wort nicht ab, der Mensch konnte nicht noach sagen, er sagte noachm. Und dieses -em wurde in vielen Sprachen in der Schrift nicht festgehalten. Heute existiert es in vielen Dialekten des Arabischen, wird aber nicht transliteriert, nicht in der Schrift festgehalten. Und es gibt die Erscheinung der Mimation, wenn ein ם (Mem) hinzugefügt wird, es gibt die Erscheinung der Nunation, wenn ein -Nun hinzugefügt wird – das sind Besonderheiten der Phonetik semitischer Sprachen. Und es ist durchaus möglich, dass das Wort Elohim eine mimierte Form des Singulars des Wortes eloha ist, das heißt eine der Formen des Wortes Eloha in den semitischen Dialekten Kanaans jener Zeit. Man kann es auch so verstehen, dass dieses Wort ein Wort im Singular mit Mimation ist. Darüber gibt es viele Streitigkeiten, ob es dort Mimation gab, ob es dort Nunation gab, aber ein solches Verständnis ist ebenfalls möglich.

Wir werden versuchen, noch eine Erscheinung zu verstehen auf der Grundlage dessen, was wir über das Wort Elohim als Wort der Mehrzahl gesagt haben – Quelle aller Kräfte. Lasst uns Vers 27 aus Kapitel 1 lesen, der ebenfalls von Elohim spricht.

וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת-הָאָדָם בְּצַלְמוֹ בְּצֶלֶם אֱלֹהִים בָּרָא אֹתוֹ זָכָר וּנְקֵבָה בָּרָא אֹתָם:

wajiwrá elohím et-ha'adám bezalmó bezélem elohím bará otó sachár unkewá bará otám

27 Und Gott schuf den Menschen nach Seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf Er ihn, Mann und Frau schuf Er sie.

Die erstaunlich lakonische Tora, die, stellt euch vor, in nur ein paar Dutzend Versen die Grundlagen des Weltgebäudes darlegt, enthält plötzlich unerwartet eine solche Wiederholung: Wajiwrá elohím et-ha'adám bezalmó bezélem elohím bará otó – Und Gott schuf den Menschen nach Seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf Er ihn. Wenn geschrieben steht, dass Er nach Seinem Bild schuf, ist dann etwa nicht klar, dass Er nach dem Bild Gottes ihn schuf? Man kann das anders übersetzen, und dann verschwindet die Wiederholung: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild (das heißt nach dem Bild Adams), nach dem Bild Gottes schuf Er ihn.“ Als ob Adam, so wie er ist, jeder Adam, jeder Mensch nach seinem Bild geschaffen ist, nach dem für ihn bestimmten Bild, und nur im Potenzial bezélem elohím bará otó – nach dem Bild Gottes schuf Er ihn. Tatsächlich hat Adam, der einfachste Mensch, ein Atheist, ein primitiver Mensch, ein Mensch, der Gott nicht kennt, Macht über die Tiere, wie man sagt: Der Mensch zähmt die Tiere, aber die Tiere zähmen nicht den Menschen; der Mensch dressiert die Tiere, aber die Tiere dressieren nicht den Menschen; der Mensch bezwingt die Natur, passt die Natur an sich an, aber die Natur passt nicht den Menschen an sich an. Das heißt, im Menschen selbst, im Bild des Menschen selbst ist das Bild Gottes verborgen, und wenn wir auf das Bild des Menschen schauen, sehen wir in ihm das Bild Gottes dadurch, wie der Mensch über die Erde herrscht. Der Mensch ist nach dem Bild des Menschen und nach dem Bild Gottes geschaffen.

Weiter werden wir darüber sprechen, wie Adam seine Kinder zeugte, nach welchem Bild. Aber es gibt im Menschen ein Potenzial geistlicher Macht, geistlicher Umgestaltung der Welt: die Welt nicht nur zu verändern, indem er in ihr Städte baut und sich die Natur unterwirft, sondern auch die Natur zu verändern, sie auf eine völlig andere geistliche Ebene zu heben. Darin bestand die ursprüngliche Bestimmung des Menschen – zélem elohím – das Bild Gottes zu verwirklichen. Aber alles hat sich verändert, und geblieben ist adám bezalmó – nach seinem Bild, der in verborgener Form das Bild Gottes in sich enthält.

Das kann eine Einführung in eine andere Geschichte über das Bild des Menschen und das Bild Adams sein, darüber werden wir mit Gottes Hilfe noch sprechen, und das Thema der Mehrzahl des Wortes Elohim schließen wir hiermit ab.

Ich füge hinzu, dass es tatsächlich Stellen in der Tora und in der Schrift gibt, wo das Wort Elohim mit Verben in der Mehrzahl verwendet wird, es gibt noch viele andere Beispiele, die einen über das Wort Elohim nachdenken lassen, und im Laufe des Lesens werden wir unbedingt zu ihnen zurückkehren, das hier aber können wir als eine gewisse allgemeine Einführung betrachten.

Denn vom Mann genommen

Wir werden über die erste Begegnung Adams mit seiner Frau sprechen. Als Adam seine Frau sah, als der Höchste sie ihm brachte, sagt Adam unter anderem:

לְזֹאת יִקָּרֵא אִשָּׁה כִּי מֵאִישׁ לֻקֳחָה־זֹּאת׃

 lesót jikkaré ischá ki me'ísch lukocha-sót

23 diese wird Ischa heißen, Denn sie ist vom Isch genommen.

Traditionell übersetzen wir so (und das ist eine recht richtige Übersetzung): „Diese wird Frau heißen, denn sie ist vom Mann genommen.“ Hier ist klar, dass Adam, der den Tieren schon Namen gegeben hat, der Frau den Namen אשה (ischa) gibt. Das ist ein gewisses Wortspiel, und wir werden noch darauf zurückkommen.

Heute aber werden wir darüber sprechen, wie Adam sich selbst nennt. Sich selbst nennt Adam mit dem Wort איש (isch). Offenbar ist das, da wir diesem Wort vorher nicht begegnet sind, tatsächlich ein Name, den Adam sich selbst gegeben hat. Was bedeutet das Wort איש (isch – Mann)? An verschiedenen Stellen des Tanach kommt dieses Wort in der Bedeutung des ähnlichen Wortes יש (jesch – es gibt) vor – derjenige, der existiert. Zum Beispiel lesen wir im Buch Micha (6,10): „Gibt es noch im Haus des Sünders“. Das Wort es gibt יש steht hier genau in der Form, in der Bedeutung, die Adam verwendet. Im zweiten Buch Schmu'el (4,19), als die weise Frau dem König antwortet, verwendet auch sie das Wort isch: „Es gibt keine Möglichkeit, es existiert keine Möglichkeit auszuweichen“. Der Name des Vaters Davids – Jischaj wird gewöhnlich ישי (Jud-Schin-Jud) geschrieben, aber im Buch Diwre haJamim begegnen wir der Schreibung mit dem Buchstaben Alef. Wir sehen, dass die Bedeutung des Namens isch – das ist es gibt (der Seiende), wie Adam sich nennt. Einen sehr grandiosen, pompösen Namen hat er sich selbst ausgesucht. Davor haben wir im 2. Kapitel des Buches Bereschit gelesen: „Es gibt keinen Menschen, die Erde zu bearbeiten“ – Weadam ajin. אין (ajin) – es gibt nicht. Dieser Gegensatz, das Antonym des Wortes יש jesch (es gibt) – אין (es gibt nicht) kann sich in eine gewisse Ähnlichkeit von jesch verwandeln, wenn man die Buchstäbchen im Wort אין Alef-Jud-Nun (es gibt nicht) umstellt. Wenn man die zwei letzten Buchstaben vertauscht, erscheint das Wort אני (ani) – ich (Ego). Das kann ein Existierender sein, der nicht existiert, der einfach sein Fehlen beschönigt hat. Also, es gibt יש jesch – das echte Wesen, und es gibt אין ajin – das falsche, ausgedachte Wesen. Und Adam meint, dass er real existiert, das heißt real die Existenz des Schöpfers in dieser Welt fortsetzt, deshalb sagt er so eine grandiose und pompöse Sache: „Sie wird אשה ischa heißen (über die Bedeutung des Wortes ischa sprechen wir gesondert), denn sie ist vom Seienden genommen. Und ich, Adam, – der Seiende, von mir ist sie genommen.“

Es wird ein wenig Zeit vergehen, ein Kapitel, und der Höchste wird die Frau fragen, wie es kam, dass sie sich verführen ließ und sündigte, indem sie von der Frucht des Baumes aß. Und die Frau wird antworten: „hanachasch (die Schlange) hischiani“. הישיאני (hischiani) – das ist ein erstaunliches Wort, ein vieldeutiges. Und viele übersetzen es als nahm zur Frau, ich selbst wende diese Auslegung oft an. Aber wenn wir heute in die Buchstaben eintauchen, die in den Wörtern drinstecken, dann werden wir sehen, dass das Wort hischiani aus dem Buchstäbchen ה (Hej) vorne besteht, das auf ein Fragezeichen hinweist. Das heißt, יש (jesch) bedeutet es gibt, und wenn wir fragen היש (ha-jesch), wird das bedeuten gibt es? Das heißt, das Buchstäbchen ה (Hej) kann man als Fragezeichen verstehen. Es bleiben die Buchstäbchen יש (Jud-Schin) – es gibt und אני ani – ejn, das heißt: „…die Schlange hat mich vor die Wahl gestellt, ob ich existiere, ob es mich יש (jesch) wirklich gibt oder ob ich – אני (ani) – ein ‚Es gibt‘ bin, das aus nichts gemacht istDieser Satz über das „leere Ego“ ist schon im Russischen grammatisch nicht eindeutig. Er wurde wörtlich übersetzt., nur ein leeres Ego. Vor eine solche Prüfung hat mich die Schlange gestellt: ob ich wirklich eine Seiende bin. Und ich habe gegessen. Ich habe diese Prüfung nicht bestanden.“ Das ist es, was die Frau dem Höchsten antwortet. „Nachasch (die Schlange) hat mich vor die Prüfung gestellt, ob ich wirklich an den Titel יש (jesch) heranreiche, an den Titel einer Seienden, oder ob ich einfach אני (ani) bin, das heißt ein gewisses Wesen, das einfach von meiner Einbildung gemalt ist.“

Und gleich danach lesen wir, dass Adam sich für die Frau einen neuen Namen ausdenkt und sie nun mit dem Wort Chawa nennt – die allem Lebendigen Leben gibt. Über den Namen Chawa sprechen wir ein anderes Mal, auch er hat sehr viele Bedeutungen, es gibt sehr viele Fragen, die mit diesem Namen verbunden sind, aber jetzt ist es wichtig zu verstehen, dass Adam die Frau umbenannt hat. Obwohl der Name אשה (Ischa) der Frau erhalten blieb, gab Adam ihr doch einen neuen Namen, denn er begriff, nachdem er gefallen war, dass er all dem Pathos und all dem Deklaratorischen seiner Existenz, seines Wesens, nicht gewachsen war. Alles begann mit dem Stolz, und eben der Stolz hat Adam auch in sehr großem Maß im Stich gelassen.

Letztes Mal haben wir mit euch über die Begegnung Adams und seiner Frau gesprochen. Adam, der sich selbst mit dem Wort isch nannte, was Mann bedeutet, sagte, dass seine Frau ischa heißen wird. ki me'ísch lukocha-sót (denn vom Mann genommen ist diese). Das Wort lukacha (genommen) – eine sehr seltene Form des Verbs lakachat (nehmen) – kommt selten in der Schrift vor, aber noch ein Mal werden wir dieses Verb sehr bald sehen, wenn der Höchste Adam die Strafe und das Urteil verkündet. Er sagt: „(Du wirst zurückkehren) el-haadamá (in die Erde), ki mimména lukáchta (denn du bist aus ihr genommen)“. Beachtet, das ist nicht Grammatik – das ist einfach ein Wortspiel: adám (Mensch) ist aus adamá (Erde) genommen, adám – adamá, ischá (genommen) von isch.

Wie ähnlich das alles ist! Und wie man Adam in die Schranken gewiesen hat, wie man ihm erklärt hat, dass man nicht sagen sollte, dass du jemandem das Leben gegeben hast – von dir ist sie genommen, und durch dein Wesen hat sie das Leben empfangen! Adam hat die Lektion gelernt. Und sofort lesen wir, buchstäblich nachdem der Höchste Adam das Urteil verkündet hat: wajikrá haadám (und nannte Adam) schem ischtó (den Namen seiner Frau Chawwa) – Chawá, ki hi hajetá em kol-cháj (denn sie war die Mutter alles Lebendigen).

Der Name Chawá wird in alten Texten als Cheuua transkribiert, weil „wwa“ eher wie ein englisches w gelesen wurde. Aber heute wollen wir nicht auf die Phonetik achten, sagen wir einfach Chawwa oder Chawa im modernen Hebräisch, die die Mutter alles Lebendigen wurde.

Was bedeutet der Name Chawa? Wenn die Tora von Leuten geschrieben worden wäre, die zur Zeit des Zweiten Tempels lebten, hätten sie sicher geschrieben, dass Chawa, die Frau Adams, Chaja hieß – die Leben Gebende, oder Chajim – Leben, und dann wäre klar gewesen, welche Verbindung zwischen dem Namen Chawa und em kol-chaj (Mutter alles Lebendigen) besteht. Aber die Tora wurde viel früher geschrieben, und deshalb war schon zur Zeit des Zweiten Tempels die Verbindung zwischen dem Namen Chawa und dem Wort chajim fast verloren gegangen, so sehr verloren, dass die Übersetzer der Septuaginta, diejenigen, die die Tora ins Griechische übersetzten, diese Verbindung nicht aufzeigen konnten; deshalb übersetzten sie das Wort Chawwa als Wort und nicht als Namen, und es entstand Zoe. „Adam nannte seine Frau mit dem Namen Zoe – was Leben bedeutet“. Der heutige Name Zoe, der bei den Slawen beliebt ist, – das ist eine Übersetzung des Namens Chawa oder Chawwa.

Was bedeutet denn nun der Name Chawa? Tatsächlich bedeutet der Name Chawa in alten Texten Leben. Jud geht oft in Waw über, und in den altsemitischen Sprachen klang der Name genau so: Chawa, oder Chewa, oder Chewat, und dann war alles klar. Aber allmählich entfernte sich der Name ein wenig vom Wort chajim, und das erlaubte, einige andere Bedeutungen in diesem Namen zu erschließen. Einige Kommentatoren sagen, dass Adam der Frau den Namen Chawa absichtlich gab, wobei er unter anderem auch ein gewisses Wortspiel mit dem Namen Chewja (Schlange auf Aramäisch) im Sinn hatte, damit Chawa ihr ganzes Leben lang daran denkt, dass da so eine trübe Geschichte mit der Schlange war, und damit dieses Ereignis sie beinahe ihr ganzes Leben lang verfolgt. Das ist eine der Deutungen des Namens Chawa. Mir fällt es schwer, eine solche Auslegung anzunehmen; ich sage oft, dass die Kommentare mehr über die Kommentatoren selbst sagen als über den Text der Tora. Mir scheint, dass Adam, der erste Mensch, seine Frau doch schützen wollte, und sie schützen selbst nach dem Fall, sie nicht bestrafen mit so einem, so einem Abstempeln.

Was bedeutet denn nun der Name Chawa, wie kann man ihn noch verstehen? Der bekannte Kommentator Baal haTurim verbindet die Auslegung dieses Namens mit dem, was in Tehillim (19,3) geschrieben steht:

יוֹם לְיוֹם יַבִּיעַ אֹמֶר וְלַיְלָה לְּלַיְלָה יְחַוֶּה-דָּעַת׃

jom lejom jabbia omer welajla lelajla jechawwe da'at

3 Tag für Tag führen sie Rede, und Nacht für Nacht enthüllen sie Wissen.

Eben dieses Letzte, das Wissen Enthüllende oder das Verstehen Aussprechende, wenn man wörtlich übersetzt, das verständlich Machende, das klar Machende, das offensichtlich Machende – das ist die Bedeutung des Namens Chawa.

Es gibt eine gewisse Parallele, die man in den aramäischen Übersetzungen sehen kann. Wenn die Tora davon erzählt, dass der Höchste Adam die Seele einhauchte und Adam zu einer lebendigen Seele wurde, sagt die aramäische Übersetzung: „Adam wurde zu einer redenden Seele“. So ist auch Chawa eine Frau, die die Fähigkeit zu reden besitzt. Was bedeutet das? Derselbe Baal haTurim sagt: „Von den zehn Maß an Gespräch, an Reden, die in diese Welt gefallen sind, haben sich 9 die Frauen genommen“. Im einfachen Verständnis, im allerprimitivsten Verständnis kann man sagen: „Na, was sind diese Frauen doch alle für Plaudertaschen. Sie reden aber gern“. Das ist wahr, Schwestern, Frauen reden gern, aber darum geht es nicht. Was ist überhaupt Rede? Was ist überhaupt Gespräch? Wenn die Luft aus der Lunge des Menschen kommt, durch die Stimmbänder geht, durch die Zunge, durch die Lippen, durch den ganzen Sprechapparat, durch die ganze Artikulation, wird der Laut gleichsam in Stückchen zerschnitten, es entsteht eine solche Detaillierung, die den einfachen Lufthauch, der keinerlei Information in sich enthält, informativ macht, ihn so zerschneidet, dass er verständlich wird, der Atem des Menschen verwandelt sich in Rede. Der Same des Mannes enthält, wenn er in die Frau gelangt, nichts in sich. Im Inneren der Frau entstehen zuerst drei Röhrchen – der Anfang des Embryos. Dann entwickeln sich immer mehr und mehr Teilchen, und alle Organe des Menschen, alle Organe des kleinen Kindes bilden sich im Inneren des Mutterleibs der Frau, die Details werden gleichsam ausgesprochen, und auch das Kind wird auf diese Weise ausgesprochen und wird zu einem lebendigen Wesen. Dieses Reden der Frau ist ihre Fähigkeit zu gebären, die Fähigkeit, die Ideen des Mannes zu realen Ideen zu machen, die Fähigkeit, jede Idee real zu machen. Die Frau gebiert nicht nur Kinder, die Frau gebiert die Ideen und Pläne ihres Mannes. Sie ist das Werkzeug ihrer Verwirklichung im Leben, selbst wenn sie selbst sich dessen nicht bewusst ist. Das ist die Natur Chawas. Deshalb sind die Frauen mit der Eigenschaft Bina verbunden – der Fähigkeit zu trennen, verständlich zu machen.

Als der Höchste die Frau macht, ist gesagt, dass der Höchste wejawén. Es wird das Verb „und richtete ein, machte sie zu einer Vorrichtung“ verwendet. Die Frau kann irgendwelche Mechanismen schaffen, irgendwelche zusammenwirkenden Vorrichtungen, die es den Ideen erlauben, real zu sein, mit dieser Welt in Berührung zu kommen und sich in dieser Welt zu verkörpern. Deshalb ist über die Frau namens Chawa, die allererste Frau, gesagt, dass sie die Mutter alles Lebendigen wurde. Wie das – alles Lebendigen? Alles Lebendigen – das heißt nicht nur des Menschen, sondern auch des Krokodils, des Nilpferds, des Affen, des Pottwals und des grünen Papageis. Warum ist das so? Weil die Frau Chawa der Welt eben diese Eigenschaft gegeben hat, das Einfache umzuwandeln, es in Details zu zerteilen, die Eigenschaft gegeben hat, dass die Heiligkeit des Höchsten zur Heiligkeit des alltäglichen, routinemäßigen Lebens wird. Darin liegt die Einzigartigkeit der Natur Chawas. Darin liegt die Besonderheit, der tiefe Sinn von die Leben Gebende. Das Leben des Menschen ist die Detaillierung seines inneren Wesens in dieser Welt, und darüber werden wir noch sprechen, vielleicht, wenn wir über die Namen im Allgemeinen sprechen. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass der ganzen Welt sowohl die Frau Chawa in ihrer Gestalt als auch alle Frauen die Fähigkeit geben zu gebären, die Fähigkeit, Ideen zu verkörpern.

Tora in 5 Minuten

Im ersten Kapitel des Buches Bereschit lesen wir:


וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת-הָאוֹר כִּי-טוֹב וַיַּבְדֵּל אֱלֹהִים בֵּין הָאוֹר וּבֵין הַחֹשֶׁךְ׃

Wajár Elohím et-haór ki-tów wajawdél Elohím ben haór uwén hachóschech

4 Und Gott sah das Licht, dass es gut ist, und Gott trennte das Licht von der Finsternis.

Am ersten Tag der Schöpfung geschieht nicht nur die Schöpfung selbst, sondern auch noch eine Abtrennung: Gott trennt das Licht von der Finsternis. Und auch am zweiten Tag geschieht eine Trennung. Wir lesen in Vers 6:

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יְהִי רָקִיעַ בְּתוֹךְ הַמָּיִם וִיהִי מַבְדִּיל בֵּין מַיִם לָמָיִם׃

Wajómer Elohím jehí rakía betóch hammájim wihí mawdíl ben májim lamájim

6 Und Gott sprach: „Es sei ein Gewölbe inmitten des Wassers, und es trennt das Wasser vom Wasser.“

Das Wasser, das über dem Gewölbe ist, wird sich von dem Wasser trennen, das unter dem Gewölbe ist. Wieder ist ein wichtiger Teil der Schöpfung die Abtrennung.

Ab Vers 14 lesen wir:

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יְהִי מְאֹרֹת בִּרְקִיעַ הַשָּׁמַיִם לְהַבְדִּיל בֵּין הַיּוֹם וּבֵין הַלָּיְלָה וְהָיוּ לְאֹתֹת וּלְמוֹעֲדִים וּלְיָמִים וְשָׁנִים׃

Wajómer Elohím jehí me'orót birkía haschamájim lehawdíl ben hajóm uwén hallájla wehajú le'otót ulmo'adím uljamím weschaním

14 Und Gott sprach: „Es sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um den Tag von der Nacht zu trennen. Sie werden auch Zeichen sein, sowohl für Zeiten als auch für Tage und Jahre.

וְהָיוּ לִמְאוֹרֹת בִּרְקִיעַ הַשָּׁמַיִם לְהָאִיר עַל-הָאָרֶץ וַיְהִי-כֵן׃

Wehajú lim'orót birkía haschamájim leha'ír al-ha'árez wajhi-chén

15 Und sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um auf die Erde zu leuchten.“ Und es wurde so.

Und in Vers 17 lesen wir:

וַיִּתֵּן אֹתָם אֱלֹהִים בִּרְקִיעַ הַשָּׁמָיִם לְהָאִיר עַל-הָאָרֶץ׃

Wejittén otám Elohím birkía haschamájim leha'ír al-ha'árez

17 Und Gott setzte sie in das Himmelsgewölbe, auf die Erde zu leuchten und den Tag und die Nacht zu lenken und das Licht von der Finsternis zu trennen. Und Gott sah, dass es gut ist.

Wir sehen, wie wichtig im Vorgang der Weltschöpfung der Vorgang der Einrichtung ist. Gott erschafft nicht nur, Er ordnet auch das Erschaffene, trennt einen Teil der Schöpfung vom anderen ab. Dabei wird nicht vernichtet, nicht etwas aus der Schöpfung als etwas Unnötiges entfernt, sondern eben abgetrennt, Ordnung geschaffen. Das ist das Verb ulhawdil – trennen.

Und was kann uns das erzählen, uns, die wir die Tora lesen, die ersten Kapitel lesen, die Geschichte der Schöpfung? In unserem Leben sehen wir oft etwas Chaotisches, etwas Vermischtes. Die Welt wird uns gegeben, und die Welt ist das Feld, auf dem wir dem Höchsten dienen. Ein Teil unseres Dienstes ist die Berichtigung der Welt, und die Berichtigung der Welt ist manchmal die Trennung des Lichts von der Finsternis, des Guten vom Bösen, des Alltäglichen vom Heiligen. Trennen ist ein Teil der Zusammenarbeit mit dem Schöpfer. Der Schöpfer als Schöpfer erschafft nicht nur, sondern trennt auch. Und indem wir mit dem Schöpfer zusammenarbeiten, müssen wir das Trennen lernen, nicht das Wegwerfen, nicht das Entfernen von etwas aus unserem Leben. Es gibt das Fleischliche, es gibt das Seelische, es gibt das Geistliche – alles hat seinen Platz. Man darf nicht etwas nehmen, das eine behalten und das andere wegwerfen. Wir müssen alles, was wir haben, in Harmonie anordnen, alles an seinen Platz stellen, trennen und verteilen. Das ist ein Teil unserer Zusammenarbeit mit dem Schöpfer, ein Teil unserer Teilnahme an der Erschaffung der Welt, das, was wir oft vergessen, wenn wir streng in Schwarz und Weiß teilen, manchmal das wegwerfen, was man einfach an seinen Platz stellen muss, manchmal umgekehrt das an seinen Platz stellen, was man hätte wegwerfen sollen. Und wenn wir die Geschichte der Schöpfung von neuem lesen, wäre zu wünschen, dass wir daran denken, dass die Schöpfung auch Trennung ist.

Gott meines Vaters

Der allererste, der bekannteste Kommentator der Tora, kann man sagen, war Rabbi Schlomo Jizchaki (Raschi), der im Jahr 1040 geboren wurde und im Jahr 1105 starb, also vor etwa tausend Jahren lebte. Gerade sein Kommentar wird heute praktisch in allen Ausgaben der Tora gedruckt. Gerade sein Kommentar ist der erste, mit dem die Schüler gewöhnlich beginnen, die Kommentare zur Tora zu studieren. Und man kann sagen, dass er der Stammvater aller Kommentatoren der Tora ist. Der allererste Kommentar zum allerersten Vers der Tora vom allerersten Kommentator bespricht das Wort im Anfang, bespricht eigentlich, warum die Tora mit der Erzählung von der Erschaffung der Welt beginnt?

Am Anfang sagt Raschi so: „Rabbi Jizchak sagte: ‚Man hätte die Tora mit dem Vers beginnen sollen: dieser Monat ist für euch das Haupt der Monate, der das erste Gebot ist, das den Söhnen Israels gegeben wurde‘.“

Es gibt so ein Hindernis im Verständnis der Tora: Wozu braucht man all diese Erzählungen über die Familie Adams, Awrahams, Jizchaks, Jaakows? Wenn die Tora ein Buch der Gebote ist, dann gib sie als Buch der Gebote, schreib erstens, zweitens, drittens, wie eine Einkaufsliste, mach das hier, mach das hier, mach das hier? Warum beginnt sie denn mit bereschit, mit der Erschaffung der Welt? „Weil“, fährt Rabbi Jizchak fort, „Er die Kraft Seiner Taten seinem Volk kundgetan hat, um ihnen den Besitz der Völkerschaften zu geben, denn wenn die Völker der Welt zu Israel sagen: ‚Räuber seid ihr, die ihr die Länder der sieben Völker erobert habt‘, dann werden die Söhne Israels zu ihnen sagen: ‚Die ganze Erde gehört dem Heiligen, gepriesen sei Er. Er hat sie erschaffen und sie nach dem Willen dem gegeben, der Ihm wohlgefällig ist. Nach Seinem Willen hat Er sie ihnen gegeben, nach Seinem Willen hat Er sie ihnen weggenommen und uns gegeben‘.“

Das ist so ein Kommentar. Von Anfang an versucht Raschi zu erklären, warum die Tora nicht nur aus einer Liste von Geboten besteht, warum man, wie sich herausstellt, hier noch die Geschichte des jüdischen Volkes hinzufügen muss. Viele Kommentatoren streiten mit Raschi und sagen, es sei hier klar, dass man schreiben musste, wer Gott ist, was Gott ist, warum Er Gott ist. Und andererseits ist klar, dass es die Notwendigkeit gibt zu glauben. Jede Grundlage des Glaubens besteht darin, dass Gott absolut allgewaltig ist. Deshalb muss man keinen besonderen Vers zum Beweis dieser Allgewalt schreiben. Und über diesen Streit ist sehr viel Tinte vergossen, sind sehr viele Federn zerbrochen, ist sehr viel Pergament verbraucht worden.

Aber das hier ist interessant: Wir finden diese Aussage von Rabbi Jizchak nirgends außer im Kommentar Raschis. Mehr noch, es ist überhaupt unklar, wer dieser Rabbi Jizchak ist und warum der Kommentar Raschis mit den Worten des wenig bekannten Rabbi Jizchak beginnt? Rabbi Jizchak ist der Vater Raschis, darum heißt er ja Rabbi Schlomo Jizchaki, Rabbi Schlomo, Sohn Jizchaks. Dieser Mann war gerecht, aber er war nicht so bewandert in der Tora wie sein Sohn. Dennoch beschloss der Sohn, ihn in der Tora zu verewigen, und begann seinen Kommentar mit einer Frage an den Papa.

Für mich ist es eine sehr lebhafte Erinnerung, wie ich an der Hand meines Vaters gehen und ihm Fragen stellen konnte. Es gab eine Zeit, in der Papa in meinen Augen alles wusste. Ich konnte ihn überhaupt alles fragen, was ich wollte. Ich denke, für sehr viele Menschen gab es solche Zeiten, gab es solche Erlebnisse, als Papa auf alles eine Antwort gab. Und manchmal möchte man sogar jetzt bei irgendwelchen schwierigen, komplizierten Gedanken, bei irgendwelchen komplizierten Fragen innerlich sagen: „Könnte ich jetzt doch Papa fragen.“ Obwohl ich verstehe, dass mein Papa sich in den Fragen, mit denen ich heute zu tun habe, überhaupt nicht auskannte. Aber da ist dieses Gefühl der Ehrfurcht, wenn du Papa eine Frage stellst, dem allwissenden Papa, und der allwissende Papa dir eine Antwort gibt. Und da ist Dankbarkeit dafür, dass wir diese Zeit hatten, in der Papa auf eure Fragen antwortete. Und als Zeichen der Dankbarkeit dafür, als Zeichen der Ehrerbietung, denn unser Gott – Er ist nicht nur mein Gott, nicht nur mein Gott der Weisen oder der Erzväter, sondern auch unmittelbar der Gott meines Vaters, auch wenn er kein großer Gelehrter war, kein großer Schriftkundiger in der Tora. Auch wenn er mich einfach nur lehrte, den Leuten danke zu sagen, Frauen in Bus und Bahn den Platz zu überlassen, höflich und gütig zu sein. Auch wenn der Vater ungläubig war, verdient er trotzdem Ehrerbietung. Und für Raschi ist der Vater, der ihn unterwies, so gut er konnte (vielleicht hätte das Wissen des Vaters nur für das Wissen der allerersten Grundschulklassen gereicht), für Raschi ist das so wichtig, dass er seinen Kommentar zur Tora, den allerersten Kommentar zum allerersten Vers, damit beginnt, dass er Papa fragt, Papa diese Frage stellt oder Papa bittet, sich irgendeine Frage und Antwort zur Tora auszudenken, um mit seinen Worten zu beginnen. Hier liegt ein Thema von gewaltiger Bedeutung, das Achtung heißt, Ehrerbietung gegenüber dem Vater. Dankbarkeit gegenüber dem Vater – das ist eine gewaltige Schule der Dankbarkeit, der Erinnerung daran, woher du gekommen bist. Und ich denke, dass das nicht weniger wichtig ist als der Inhalt dessen, was Rabbi Jizchak sagt.

Ach, wie gut!

Und Gott sah das Licht, dass es – gut ist.

Sehr oft stellt man mir Fragen zu diesem Vers und fragt streng: „Wusste Gott denn nicht im Voraus, dass das Licht gut ist? Besitzt Er denn nicht die Gabe der Voraussicht? Warum war es plötzlich eine solche Überraschung für Ihn, dass das Licht gut ist? Und dabei lesen wir im ganzen Kapitel mehrmals: ‚Und Gott sah, dass es gut ist‘, und wieder: ‚Und Gott sah, dass es gut ist‘ oder am Ende: ‚Und Gott sah, dass es sehr gut ist‘. Wie passt das zusammen, wie lässt sich das mit der göttlichen Allwissenheit vereinbaren?“

Das ist wie bei einem Kind, das ein Fläschchen für Seifenblasen in die Hand nimmt, pustet, sieht, wie die Seifenblasen herausfliegen, seine Augen leuchten auf, und es sieht, dass es gut ist. Wusste es denn nicht, als es das Fläschchen nahm, dass es gut sein wird? Wusste es denn nicht, wie schön es ist, Seifenblasen steigen zu lassen? Natürlich wusste es das, aber dieses Erlebnis lässt einen spüren, dass es – gut ist, lässt die Augen aufleuchten und sich mit dem Gefühl füllen: „Wow, toll! Wie schön das geworden ist. Hurra! Es ist mir gelungen! Eine Welt ist Mir gelungen!“

Es ist sehr freudig zu erkennen, dass unsere Welt der Begeisterte erschuf, der Höchste, Der zu staunen, sich zu verwundern, sich zu begeistern vermag, mit Augen, die wie bei einem Kind leuchten. Nicht nur ist es freudig, das zu erkennen, sondern es ist freudig, in dieser Welt zu leben, wenn Gott nicht einfach sagt: „Na gut. Hat geklappt. Das wusste Ich doch.“ Wenn Er Seiner Schöpfung nicht gleichgültig gegenübersteht, sondern sie bewundert und sagt: „Mir ist eine wunderbare Welt gelungen! Ich habe sie angeschaut, und Ich habe verstanden: Eine Welt zu erschaffen – das ist sehr gut! Die Welt – das ist sehr gut!“ Genauso versteht eine Mutter, die ein Kind austrägt, natürlich, wie gut dieses Kind sein wird, und wenn sie es zur Welt bringt, schaut sie es an, versteht, begreift, dass es gut ist, und ihr Herz füllt sich mit Liebe. Es ist herrlich, in einer Welt zu leben, deren Schöpfer Gott ist, Der sich zu freuen, zu bewundern vermag, Der mit der Begeisterung eines Kindes zu erschaffen vermag. Es ist wirklich herrlich, in einer solchen Welt zu leben!

Aber da ist das zweite Kapitel, und Gott spricht die Worte: „Nicht gut!“ Gewöhnlich übersetzt man das so: „Es ist nicht gut für den Menschen, allein zu sein!“ In Wirklichkeit steht es so nicht geschrieben. Geschrieben steht: „Nicht gut, dass der Mensch allein ist!“ Der Mensch hat keinen Partner. Der Mensch arbeitete den ganzen Tag, gab den Tieren Namen: „Du wirst ein Häschen sein, du wirst ein Desman sein, du wirst ein australisches TartönchenIm Russischen steht hier eine Verkleinerungsform, die kein bekanntes Tier bezeichnet und wohl scherzhaft erfunden ist. Im Deutschen ist sie lautlich als „Tartönchen“ nachgebildet. sein.“ Jedes Tierchen bekam seinen Namen, jedes Tier bekam seinen Namen. Alle Tiere zogen an Adam vorüber, das ist eine lange Arbeit – jedem muss man einen Namen geben. Und ein Name – das ist auch noch das Erlangen von Macht. So sehen wir es in der Tora: Wenn man jemandem einen Namen gibt, erhält der Mensch Macht über ihn.

Über alle Tiere erhielt Adam Macht, und deshalb, gerade deshalb fand sich für ihn kein Partner: Man kann keine Familie bekommen, man kann kein Paar bilden, indem man Macht über einen Menschen erlangt. Eine Frau wird nicht in die Sklaverei gekauft, wird nicht in die Unterordnung gekauft.

Und als der Höchste einen Schlaf über den Menschen kommen lässt und die Frau zu ihm bringt, gibt Adam ihr tatsächlich einen Namen. Aber beachtet, wie das geschieht: „Diese wird Frau heißen, denn sie ist vom Mann genommen.“

Zuallererst nennt Adam sich selbst Mann. Er denkt sich zum ersten Mal einen Namen für sich selbst aus, und dieser Name entsteht dadurch, dass die Frau von ihm genommen ist. Sie gibt ihm einen Namen, indem sie ihren Namen empfängt. Sie bestimmen einander gegenseitig. Ohne ihn ist sie gewissermaßen keine Frau, ohne sie ist er gewissermaßen kein Mann. Sie geben einander Namen. „Diese wird Frau heißen, denn ich werde Mann heißen.“ Und so verschwindet in einem solchen Zusammenwirken dieses es ist nicht gut für den Menschen, allein zu sein, nicht gut, dass der Mensch allein ist verschwindet.

Und das ist wohl der Unterschied zwischen gut und nicht gut, den wir in diesem Kapitel sehen. Es ist einfach interessant festzuhalten, wie der Höchste diese Wörter gebraucht.

Und es war Abend, und es war Morgen

Lesen wir den 5. Vers aus dem ersten Kapitel des Buches Bereschit:

וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָאוֹר יוֹם וְלַחֹשֶׁךְ קָרָא לָיְלָה וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם אֶחָד׃

Wajikrá elohim laór jom welachóschech kára lájla wajhi-érew wajhi-wóker jom echád

5 Und Gott nannte das Licht Tag, und die Dunkelheit nannte Er Nacht. und es war Abend, und es war Morgen. ein Tag.

Viele Fragen kann man natürlich zu diesem Vers stellen. Sie sind gestellt worden, und die Antworten darauf sind verschieden und in ihren Ansätzen sehr vielfältig, wie man das auch von jedem beliebigen Vers unseres Wochenabschnitts sagen kann. Wir halten nur bei einem kleinen Stückchen dieses Verses an, bei den Worten wajhi-érew – und es war Abend, wajhi-wóker – und es war Morgen. Was bedeutet das? Da wir doch ganz am Anfang gelesen haben, dass der Höchste das Licht Tag und die Dunkelheit Nacht nannte, warum schreibt man nicht: „Und es war Tag, und es war Nacht. Ein Tag“ oder „Und es war Nacht, und es war Tag. Ein Tag“ oder: „Und es war Dunkelheit, und es war Licht. Ein Tag“? Warum fügt die Tora hier für uns irgendwelche Begriffe hinzu und sagt: „Und es war Abend, und es war Morgen“?

Was sind Abend und Morgen? Lasst uns versuchen, tiefer einzutauchen in diese Wörter ערב (érew) und בקר(wóker) – Abend und Morgen.

Das Wort ערב (érew). Die Wurzel ajin-resch-wet. Ein Wort derselben Wurzel ist das Wort Vermischung, gleichsam eine Vermischung von Dunkelheit und Licht. Wir haben gelesen, dass der Höchste das Licht von der Finsternis trennte. Und davor war érew, war eine Vermischung von Licht und Finsternis. Das Wort érew bedeutet außerdem etwas Angenehmes, etwas, das sich gut unter unsere Seele mischt, etwas, mit dem sich unsere Seele mit Zuneigung verbindet. Zum Beispiel heißt angenehmer Gesang schira riwa oder kol uriw – angenehme Stimme. Eine Stimme, die sich bequem, angenehm in unsere Ohren hineinschraubt, etwas, mit dem es uns angenehm ist, uns zu verbinden. Eine harmonische Vermischung – das ist das Wort érew.

Das Wort בקר (wóker). So seltsam es auch ist, ein Wort derselben Wurzel ist bakar (Rinder). Das ist noch seltsamer, wenn man bedenkt, dass auch das russische Wort für Morgen nach einigen Versionen (und da gibt es Streitigkeiten, in die ich mich als Nicht-Slawist und nicht slawischer Linguist nicht einmischen will) von einem Wort herkommt, das bedeutet – die Zeit, die Rinder in Herden zu sammeln, die Zeit, die Rinder vor ihrer Einführung in die Herde zu prüfen. Auch im Hebräischen kommt das Wort wóker her, ist verbunden mit dem Wort bakar – Großvieh, Rinder, ist verbunden mit dem Wort lewoker – besuchen oder kritisieren, das Gute vom Schlechten absondern. Bikoret – das ist Kritik, bikoret – das ist Qualitätskontrolle, das heißt die Fähigkeit, das Gute vom Schlechten zu trennen. Wieder: das Licht von der Finsternis absondern, das Gute aus dem Vermischten trennen, das Große aus dem Nichtigen herausholen. Und auch so kann man das auslegen. Nicht derselben Wurzel, aber in der semantischen Bedeutung nahe ist das Wort לבקוע (liwkoa) – aus dem Ei schlüpfen – die ersten zwei Buchstaben der Wurzel בק (bet-kof) sind gleich. Das sagt, dass diese Wörter einen gemeinsamen Sinn haben. Da habt ihr die Antwort auf die traditionelle philosophische Frage: Was war zuerst: das Huhn oder das Ei? Das Licht schlüpft gleichsam, trennt sich aus der Hülle der Finsternis, und hier sehen wir, dass zuerst – das Ei, und dann – das Küken, das aus ihm schlüpft, in diesem Fall das Licht.

In einem weiteren Verständnis können wir sagen, dass zuerst Jischmael erscheint, dann erscheint Jizchak. Zuerst erscheint Esaw, dann erscheint Jaakow. Und das ist die Finsternis, aus der sich das Licht absondert, das mit ihr vermischt ist. Die Absonderung des Lichts, das mit der Finsternis vermischt ist, aus dieser Mischung – der Morgen, der auf den Abend folgt. Der Morgen ist weiser als der Abend, weil aus ihm das Licht hervorgetreten ist. Genau das ist das allgemeine Prinzip des Weltgebäudes, nicht nur für diese Verse hier, sondern auch weiter werden wir das sehen: wie das Trockene hervorkommt aus, hervorschlüpft unter dem Wasser und viele-viele-viele andere solche Beispiele sowohl in der Schrift als auch in der ganzen Geschichte der Menschheit. Und im Leben jedes Menschen gibt es wajhi-érew (und es war Abend), und es gibt wajhi-wóker (und es war Morgen). Und jeder Abend hat seinen Morgen, und jeder Morgen hat seinen Abend. So richtet der Höchste Seine Welt ein. Und das, was wir hier sehen, das sind nicht einfach irgendwelche chronologischen Elemente. Jede Periode, jeder menschliche Tag besteht im geistlichen Sinn aus Abend und Morgen. Und genau darum geht es.

Natürlich kann man aus Sicht der Chronologie, aus Sicht der Beobachtung der Erde sagen: „Es war doch nie so, dass auf der ganzen Erde Abend war, es war doch nie so, dass auf der ganzen Erde Morgen war.“ Aber im Potenzial der Schöpfung kann es so etwas geben. Deshalb ist das vom Moment der Trennung des Lichts von der Finsternis an der erste Abend und der erste Morgen. Damit begann dieses Prinzip des Wechsels von Abend und Morgen zu wirken. Genauso wie es das Prinzip des Wechsels von Tag und Nacht gibt. Der Morgen entspricht, kann man sagen, dem ganzen Tag und wird in der Schrift entgegengesetzt, oft der Nacht entgegengesetzt. Zum Beispiel lesen wir: „Zu sagen am Morgen Deine Gnade und Deinen Glauben in der Nacht“. Und hier sind Morgen und Nacht Antonyme. Das heißt, Morgen bedeutet die Bewegung zum Licht, die Enthüllung, die Absonderung des Lichts und den darauf folgenden Tag. Und Nacht bedeutet Vermischung, wenn das Licht sich innerhalb der Dunkelheit befinden muss, um sich selbst innerhalb dieser Dunkelheit zu erkennen und aus ihr zu schlüpfen.

So ein nicht einfacher Sinn ist in diesen vier einfachen Wörtern angelegt. Von Anfang an, sobald Licht und Finsternis getrennt sind, entsteht genau dieser Zyklus: und es war Abend, und es war Morgen. Er ist aktuell für sehr viele in der Schrift beschriebene Geschichten aus der Geschichte des jüdischen Volkes. Und jeder von uns kann, wenn er ein klein wenig in sich hineinschaut, sehen, dass das auch für sein Leben aktuell ist. Unter einem solchen Blickwinkel kann man diese wenigen Wörter aus der Tora betrachten.

Bereschit: das Studium fortsetzen

Schaut euch auch die Wochenabschnitte der Tora, die Stenogramme der Gespräche und die Besprechung des Abschnitts Lech Lecha an.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    1. 1Lesen wie zum ersten Mal 1,1–3100:40
    2. 2Bürger und Gäste Edens 2,1–2552:42
    3. 3Die erste Tragödie 3,1–241:47:02
    4. 4Erstgeburt und Starrsinn 4,1–262:34:29
    5. 5Rätsel über Rätsel 5,1–6,83:11:47
    6. 6Das Rätsel des Wortes „Elohim“ 4:04:51
    7. 7Denn vom Mann genommen 4:17:16
    8. 8Und Adam nannte den Namen seiner Frau Chawa 4:23:31
    9. 9Tora in 5 Minuten 4:33:24
    10. 10Gott meines Vaters 4:37:47
    11. 11Ach, wie gut! 4:44:21
    12. 12Und es war Abend, und es war Morgen 4:49:38
    13. 13Bereschit: das Studium fortsetzen 4:57:33

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