- Wochenabschnitte
- Bereschit
- Noach
נֹחַ
Noach
Sintflut, Arche und Bund
- Wochenabschnitt
- 2 von 54
- Verse
- Bereschit 6,9–11,32
- Teile
- 11
- Lesezeit
- 2 Std. 20 Min.
- Hörfassung
- 3 Std. 43 Min.
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Noach ist der Wochenabschnitt über die Sintflut, die Arche und den Beginn eines neuen Lebens. Im Stenogramm des Gesprächs bespricht Alex Blend Bereschit 6,9–11,32: den Bund, die Schicksale der Söhne Noachs, die Geschlechterfolgen und den Turm von Babylon. Das Material umfasst den hebräischen Text, eine Transliteration, eine Übersetzung und die Auslegung des Autors.
Noach: das Ende allen Fleisches
Bereschit 6,9–7,24
אֵלֶּה תּוֹלְדֹת נֹחַ נֹחַ אִישׁ צַדִּיק תָּמִים הָיָה בְּדֹרֹתָיו אֶת-הָאֱלֹהִים הִתְהַלֶּךְ-נֹחַ:
élle toledót nóach nóach isch zaddík tamím hajá bedorotáw et-ha'elohím hithalléch-nóach.
9 Dies ist die Geschlechterfolge Noachs: Noach war ein gerechter und einfacher Mensch in seiner Generation; Noach wandelte mit Gott.
Wir haben letztes Mal miteinander über das Wort toledót gesprochen, das Hervorbringungen oder Früchte bedeutet, und man kann übersetzen: „Dies sind die Früchte Noachs“. Das Wort tamím bedeutet einerseits makellos, arglos, andererseits vollkommen. Tam – einerseits ist das einfach, arglos, andererseits ist tom – das Ende, die Vollkommenheit. Es gibt eine Vollkommenheit, die in der Einfachheit liegt. Man kann sagen, dass Noach ein einfacher, treuherziger und gerechter Mensch in seiner Generation war. Obwohl ringsum eine verkommene Generation war, war Noach ein einfacher und gerechter Mensch. Warum wird hier gerade vermerkt, dass es in seiner Generation war? Viele Kommentatoren sagen, dass das ein Tadel für Noach ist, dass er in seiner Generation gerecht war vor dem Hintergrund der Übrigen, aber, so heißt es, in unseren Generationen würde er gar nicht so gerecht erscheinen. Andere sagen umgekehrt: Wenn Noach es sogar in seiner Generation fertigbrachte, gerecht zu sein, als die ganze Erde verderbt war, dann wäre er in unserer Generation erst recht gerecht. Das heißt, sogar in seiner Generation war Noach gerecht. Man kann es auch einfacher verstehen, sagen wir mal, arglos: Noach war gerecht in seiner Generation, in jener Generation, die nach dem Tod Adams kam, einer Generation, die den vom Höchsten erschaffenen Menschen nicht kannte, den Menschen nicht kannte, der unmittelbar mit dem Höchsten Umgang hatte. Noach war ein Hüter, ein Erbe der Gerechtigkeit, war ein gerechter Mensch.
Noch eine Einzelheit, auf die man achten sollte, bevor wir weiterlesen, ist, dass der Name Noachs hier zweimal hintereinander erwähnt wird. Und die Kommentatoren konnten natürlich an dieser doppelten Erwähnung élle toledót nóach nóach nicht vorbeigehen. Die einen sagen, dass das zum Verdienst Noachs ist, dass Noach ein friedlicher Mensch war: mit dem Höchsten ist Noach friedlich, umgänglich, und friedlich mit den Geschöpfen. Andere sagen (wiederum zum Tadel Noachs), dass er mit dem Höchsten friedlich war, aber auch mit den Menschen keinen Konflikt wollte, suchte, wo es für ihn bequemer ist, und deshalb hat er niemandem gepredigt, niemanden von irgendetwas überzeugt. Er lebte mit dem Gedanken: „Will der Höchste die Welt vernichten, Seine Welt – Seine Sache; ich werde nicht streiten.“ Hier ist wieder ein Fall, in dem der Kommentar mehr über den Menschen selbst sagt als über das, was er kommentiert. Manche sagen, dass nóach nóach bedeutet, dass es ihm bequem, gut mit Gott vor der Sintflut ist und gut mit Gott nach der Sintflut. Solche unterschiedlichen Sichtweisen gibt es also auf die doppelte Wiederholung des Namens. Und man möchte daraus nicht die richtigen auswählen oder umgekehrt manche als falsch bezeichnen.
Noach wandelte mit Gott. Später wird über Awraham gesagt werden, dass Awraham vor Gott wandelte. Noach gestaltete sein Leben in Übereinstimmung mit Gottes Willen; vielleicht ist das auch so ein bekannter Tadel, den man Noach gern vorwirft, dass er sich nicht darum kümmerte, dass auch andere so gingen, er hatte keine Predigerader, keine Predigerleidenschaft wie Awraham. Aber, was wichtig ist: Noach wandelte mit Gott, Noach verstand, dass das Wandeln mit Gott, der Frieden mit Gott, die Gerechtigkeit vor Gott die Quelle des Segens ist.
וַיּוֹלֶד נֹחַ שְׁלֹשָׁה בָנִים אֶת-שֵׁם אֶת-חָם וְאֶת-יָפֶת:
wajoled nóach scheloschá waním et-schém et-chám we'et-jáfet
10 Und Noach zeugte drei Söhne: Schem, Cham und Jefet.
Der älteste Sohn hieß Schem. Der Name Schem wird wörtlich als Name übersetzt. So kann man ein Kind nennen. In einer anderen Bedeutung ist Name – wie Namhaftigkeit, Besitztum oder, wie später die Erbauer des Turms von Babylon sagen werden, machen wir uns einen Namen. Der Name ist der Ruhm des Menschen, seine Würde, sein guter Name oder, man kann es kurz so übersetzen, Ansehen, Bekanntheit, Berühmtheit. Wenn man es auf Russisch sagtIm Russischen steht wörtlich „wenn man es auf Russisch sagt“; die Wendung kann dort auch „einfach und klar gesagt“ bedeuten. Wir haben sie wörtlich übersetzt., kann man den Namen Schem als Ruhm übersetzen.
Ein anderer Sohn trug den Namen Cham. Das Wort chám bedeutet im modernen Hebräisch heiß, in den älteren semitischen Sprachen bedeutet es Sonne, Sönnchen, in den südsemitischen Sprachen bedeutet es Sklave, Diener, oder der Allerjüngste, derjenige, der allen aufwartet. Und gerade das ist die wahrscheinlichste Variante für die Übersetzung der Bedeutung dieses Namens. Der Jüngste, dienstfertig, beflissen, immer bereit, in Haus und Alltag zu helfen.
Der Name des dritten Sohnes ist Jefet, er kommt von jiftach – er wird öffnen, er wird erweitern, das heißt, der Höchste wird seinen Raum erweitern, wird ihm ein großzügiges, freudiges, glückliches Schicksal, Los geben, sodass sich im Leben alles gut für ihn fügt. In späteren Traditionen gibt es folgende Auslegung: Schem (Name) – das ist das Verstehen des Wesens, also eine Art Ausrichtung auf das richtige Verständnis der Dinge. Cham – ein heißer, emotionaler Typ, und Jefet (vom Wort Schönheit) – ein Ästhet, Ästhetizismus, die griechische Schule der Weltanschauung. Aber das ist schon ein Midrasch der Namen. Höchstwahrscheinlich ist die ursprüngliche semitische Bedeutung dieser Namen nicht so wie in diesem Midrasch, obwohl der Midrasch selbst durchaus wunderbar ist.
Noach hat also drei Söhne. Trotz der Reihenfolge der Aufzählung ist Cham höchstwahrscheinlich der jüngste Sohn Noachs. Warum diese Reihenfolge? Weil in hebräischen Texten sehr oft ein kurzes Wort vor ein langes gestellt wird, das ist die Stilistik der Sprache. In Diwre haJamim lesen wir: „Dies sind die Söhne Awrahams: Jizchak und Jischmael.“ Das heißt, die Reihenfolge kann sich ändern. Und höchstwahrscheinlich ist Cham der jüngste Sohn, Schem der älteste Sohn, und Jefet ist der mittlere Sohn.
Noch auf Folgendes sollte man achten. Über Noach wird gesagt, dass seine erste Frucht die Einfachheit und die Gerechtigkeit ist und erst danach die Kinder. Das betrifft jeden Menschen: An erster Stelle steht nicht, wen er gezeugt hat, sondern wie er selbst ist, welche Eigenschaften er in der Welt offenbart. Das Erste, was über die Hervorbringungen Noachs gesagt wird, ist, dass er ein einfacher und gerechter Mensch war und mit Gott wandelte, und erst danach, dass er Kinder zeugte.
וַתִּשָּׁחֵת הָאָרֶץ לִפְנֵי הָאֱלֹהִים וַתִּמָּלֵא הָאָרֶץ חָמָס:
wattischachét ha'árez lifné ha'elohím wattimmalé ha'árez chamás.
11 Und die Erde wurde verderbt (oder die Erde verdarb) vor Gott, und die Erde füllte sich mit Freveltat.
Die Verderbnis ist im Buch Dewarim mit dem Götzendienst verbunden. Das heißt, verletzt wurde die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Als Ergebnis wurde das Land übervoll von Raub, das heißt, die Folge der Verletzung der Beziehung zum Höchsten ist immer die Zerstörung der Beziehungen zwischen den Menschen. Und von welchen Ursachen diese Verletzung der Beziehung zum Höchsten auch angetrieben sein mag: kultureller Atheismus, Humanismus, Kommunismus, Liebe zur ganzen Menschheit – all das wird so oder so dazu führen, dass die Erde übervoll wird von chamás, übervoll von Raub, Gewalt und so weiter. Und das ist leider eine allgemeine Regel.
Die Erde ist also in zwei Richtungen verderbt worden: zwischen Mensch und Gott und zwischen Mensch und Mensch. Wir werden sowohl hier als auch künftig sehen, dass der Höchste eine globale Strafe in die Welt bringt, die Menschheit vernichtet, ein Volk vertreibt und so weiter in den Fällen, in denen die Beziehungen zwischen Mensch und Mensch zerstört werden.
וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת-הָאָרֶץ וְהִנֵּה נִשְׁחָתָה כִּי-הִשְׁחִית כָּל-בָּשָׂר אֶת-דַּרְכּוֹ עַל-הָאָרֶץ:
wajár elohím et-ha'árez wehinné nischcháta ki-hischchít kol-bassár et-darkó al-ha'árez.
12 Und der HERR sah die Erde, und siehe, sie (die Erde selbst) erwies sich als verdorben, denn alles Fleisch (das heißt alles Lebendige) hatte seinen Weg auf der Erde verdorben.
Wir wissen, dass der Mensch eingesetzt wurde zu lirdot – als Diktator zu herrschen über die ganze Erde. Mit dem Fall des Menschen, mit diesem Niedergang, von dem wir gelesen haben, erwies sich die ganze Erde als verdorben; der Mensch ist aus Erde gemacht und mit der Erde verbunden. Im Buch des Propheten Jecheskel lesen wir im 14. Kapitel: „Menschensohn, wenn irgendein Land vor Mir treulos sündigt, so werde Ich Meine Hand über es ausstrecken und in ihm die Stütze der Nahrung zerbrechen und Hunger über es senden und Mensch und Vieh aus ihm ausrotten. Und wären in ihm drei Männer wie Noach, Daniel und Hiob, sie würden durch ihre Gerechtigkeit ihre Seelen retten – Wort des HERRN Gottes. Wenn Ich aber wilde Tiere über dieses Land sende und sie es verwüsten und es zur Wüste wird, sodass niemand es wegen dieser Tiere durchzieht, so würden diese drei Männer, so wahr Ich lebe – Wort des HERRN Gottes –, weder Söhne noch Töchter retten. Sie allein würden gerettet, dieses Land aber würde zur Wüste.“
Wir sehen beim Propheten eine Parallele zu unserer Stelle, zu unseren Ereignissen, denn auch der Name Noachs wird genannt. Die Sünde des Menschen verändert die Erde, und schon die Erde selbst wird verdorben, hört auf, als Quelle der Nahrung zu funktionieren, als Vermittler zwischen dem Menschen und dem Höchsten bei der Ernährung; der Höchste „schaltet die Erde ab“, kann aber die Seelen der Gerechten retten. Das ist eine Veranschaulichung dafür, dass die Erde infolge der Taten des Menschen verderbt wird.
וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים לְנֹחַ קֵץ כָּל-בָּשָׂר בָּא לְפָנַי כִּי-מָלְאָה הָאָרֶץ חָמָס מִפְּנֵיהֶם וְהִנְנִי מַשְׁחִיתָם אֶת-הָאָרֶץ:
wajomer elohím lenóach kez kol-bassár ba lefanáj ki-male'á ha'árez chamás mippenehém wehinení maschchitam et-ha'árez.
13 Und Gott sprach zu Noach: „Das Ende allen Fleisches ist vor Mir, denn ihretwegen ist die Erde übervoll von Raub, Gewalt. Und siehe, Ich werde sie von der Erde auslöschen (sie von der Erde vernichten).
Die Wurzel schachat, die Verderbnis bedeutet, wird hier so verwendet: „Ich werde sie in Moder verwandeln; sie zugrunde richten; sie verfaulen lassen auf der Erde.“ Seinerzeit ist die Erde aus dem Wasser hervorgegangen, die Wasser sammelten sich an einem Ort, und das Wasser legte das Trockene frei, so entstand die Erde. Wir haben über all das gelesen. Die Erde hat nicht standgehalten, die Erde ist verdorben, und jetzt muss man einerseits eine Mikwe einrichten – ein Tauchbad für den Planeten Erde, eine Reinigung durch Wasser –, und andererseits die Schöpfung in eine Art Anfangsstadium zurückversetzen. Wie gesagt ist: „Die Erde war leer und chaotisch (tohu wa-wohu), und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“ Das heißt, die ganze Erde war am Anfang der Schöpfung mit Wasser bedeckt, und der Höchste versetzt die Erde in diesen Anfangspunkt zurück. Aber der Höchste hat einen Rettungsplan, damit nicht die ganze Menschheit vernichtet wird.
עֲשֵׂה לְךָ תֵּבַת עֲצֵי-גֹפֶר קִנִּים תַּעֲשֶׂה אֶת-הַתֵּבָה וְכָפַרְתָּ אֹתָהּ מִבַּיִת וּמִחוּץ בַּכֹּפֶר:
assé lécha tewát aze-gófer kinním ta'assé et-hattewá wechafartá otá mibbájit umichúz bakkófer
14 Mach dir einen Kasten aus Zypressenholz. Im Innern der Arche mach sie unterteilt in Gänge, in allerlei Abteilungen und Kämmerchen, und verpiche die Arche innen und außen mit Pech.
Das Wort tewát (Kasten, Kästchen) wird nur hier verwendet, in Bezug auf die Arche Noachs und in Bezug auf den Kasten, in dem ein anderer Retter Israels namens Mosche auf dem Wasser treiben wird.
Das Wort kinním kann man als Zellen, Abteilungen, Kornkästen übersetzen, das heißt eine Art Aufteilung in einzelne Verschläge. Gebaut wird eine solide Arche mit allem Nötigen und mit vollständiger Abdichtung gegen Wasser. Hier sehen wir einerseits eine Art Wunder, viele Wunder wird es um die Arche herum geben, dennoch sagt der Höchste zu Noach, dass dieses Wunder unter Mitwirkung des Menschen vollbracht wird: „Du wirst diese Arche machen. Sie wird nicht auf wundersame Weise entstehen.“ Sehr oft braucht ein Wunder ein von Menschenhand gemachtes Werkzeug, in unseren Taten, um sich durch unsere Taten zu verwirklichen. Alles, was um die Arche herum geschehen wird, wird wundersam sein. Die Arche ist also mit Händen gebaut, mit den arbeitsamen, schwieligen Händen Noachs, möglicherweise ganz ohne Wunder.
וְזֶה אֲשֶׁר תַּעֲשֶׂה אֹתָהּ שְׁלֹשׁ מֵאוֹת אַמָּה אֹרֶךְ הַתֵּבָה חֲמִשִּׁים אַמָּה רָחְבָּהּ וּשְׁלֹשִׁים אַמָּה קוֹמָתָהּ:
wesé aschér ta'assé otá schelósch meót ammá órech hattewá chamischím ammá rochbá uschloschím ammá komatá
15 Und so sollst du sie machen: 300 Ellen (das sind ungefähr 150 Meter) ihre Länge, 50 Ellen (oder 25 Meter) ihre Breite und 30 Ellen (oder 15 Meter) ihre Höhe.
Es sieht ja fast ganz wie eine Truhe aus, und auch die einfache Übersetzung des Wortes tewá ist Truhe, aber wenn wir den Text aufmerksam lesen, werden wir sowohl hier als auch im Weiteren sehen, dass auf die tewá, auf diese Arche, viele Verben anwendbar sind, die mit dem Schiffswesen verbunden sind. Das heißt, diese Arche hat doch irgendeine Form, die nicht bloß die einer Truhe ist.
צֹהַר תַּעֲשֶׂה לַתֵּבָה וְאֶל-אַמָּה תְּכַלֶנָּה מִלְמַעְלָה וּפֶתַח הַתֵּבָה בְּצִדָּהּ תָּשִׂים תַּחְתִּיִּם שְׁנִיִּם וּשְׁלִשִׁים תַּעֲשֶׂהָ:
zóhar ta'assé lattewá we'él-ammá techalénna milmá'la ufétach hattewá beziddá tassím tachtijím schenijím uschlischím ta'asséhaDie russische Umschrift hat im letzten Wort ein g statt eines h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: ta'asséha..
16 Mach einen zóhar in dieser Arche und führe sie auf eine Elle zusammen (mach sie kuppelförmig, sodass sie oben eine Elle breit ist. so eine gewölbte Decke). Und die Tür der Arche mach an der Seite, mach sie für das erste, zweite und dritte Stockwerk.
Das Wort zóhar übersetzt man als Fenster. Manche übersetzen das, eher als Midrasch, so: „Häng in ihr einen Edelstein auf, der leuchten und die Arche erhellen wird.“ So ein Beispiel für elektrische Leitungen in der Arche. Aber andererseits kann man das Wort zóhar nicht nur vom Wort zóhar her als weiß, hell übersetzen, sondern auch vom Wort soar her, das Deckel bedeutet. Und wenn wir mit den Texten der Nachbarvölker vergleichen und mit den Beschreibungen der Arche, die erhalten geblieben sind, und einfach mit dem Gebrauch des Wortes, können wir sehen, dass es doch um einen Deckel geht. Warum ist das so ein wichtiges Detail? Wir wissen: Wenn das eine Arche mit Deckel ist, gibt es nur noch einen Gegenstand, der einen Deckel hat – das ist die Lade des Bundes, die mit einem anderen Wort bezeichnet wird – netiwa aaronSo steht es im Original. Vermutlich ist gemeint: nicht tewa, sondern aron, das hebräische Wort für die Lade (Schrank). Wir geben die Schreibung des Originals wieder. (Schrank). Aber das Wesen ist sehr ähnlich, und wir werden viele Parallelen zum Dienst der Kohanim in dem sehen, was hier geschehen wird.
Wir haben davon gesprochen, dass die Höhe der Arche 30 Ellen (oder 15 Meter) beträgt, vom Eingang aus gibt es einen Aufstieg gleich zu drei Stockwerken.
וַאֲנִי הִנְנִי מֵבִיא אֶת-הַמַּבּוּל מַיִם עַל-הָאָרֶץ לְשַׁחֵת כָּל-בָּשָׂר אֲשֶׁר-בּוֹ רוּחַ חַיִּים מִתַּחַת הַשָּׁמָיִם כֹּל אֲשֶׁר-בָּאָרֶץ יִגְוָע:
wa'aní hinení mewí et-hammabbúl májim al-ha'árez leschachét kol-bassár aschér-bo rúach chajím mittáchat haschamájim kol aschér-ba'árez jigwá.
17 Ich aber werde den mabbúl mit Wasser über die Erde bringen, um alles Fleisch in Moder (in Aas) zu verwandeln, in dem Atem des Lebens ist unter dem Himmel; alles, was auf der Erde ist, wird umkommen.
Das Wort mabbúl bedeutet Sintflut. So wird es traditionell übersetzt und gebraucht, eigentlich nur in der Erzählung von der Sintflut. Jeschajahu (54,9) sagt: „Denn das sind für mich die Wasser Noachs.“ Er nennt hier die Sintflut nicht mit dem Wort mabbúl, sondern mit dem Wort Wasser Noachs. „Wie Ich geschworen habe, dass die Wasser Noachs nicht mehr über die Erde gehen werden, so habe Ich geschworen, nicht über dich zu zürnen und dich nicht zu schelten.“ Hier sollte man darauf achten, dass die Wasser Noachs gleichsam zur Verfügung Noachs stehen, um Noachs willen herabkommen, nicht zum Untergang der alten Menschheit, sondern zur Rettung Noachs. Übrigens ist das so eine Bemerkung in Klammern. Ohne Klammern wiederholen wir, dass Jeschajahu das Wort mabbúl nicht verwendet, dieses Wort wird nur hier verwendet.
Lasst uns bei diesem Wort mabbúl verweilen. Man kann es vom Wort nawal her deuten – Tötung; Verwandlung in Aas. Das Wort Aas (totes Tier) heißt auf Hebräisch newela, von derselben Wurzel. Man kann es auch vom Wort nabal her übersetzen, das ein riesiges Gefäß mit Wasser bedeutet, das heißt: „Ich werde die Erde zur Mikwe machen; die Erde zu einem riesigen Wasserbecken machen.“ Und die dritte Bedeutung, und sie sind alle mit ziemlich gleicher Wahrscheinlichkeit möglich, von der Wurzel jawel – irgendwelche Quellen ausgießen.
וַהֲקִמֹתִי אֶת-בְּרִיתִי אִתָּךְ וּבָאתָ אֶל-הַתֵּבָה אַתָּה וּבָנֶיךָ וְאִשְׁתְּךָ וּנְשֵׁי-בָנֶיךָ אִתָּךְ:
wahakimotí et-berití ittách uwatá el-hattewá attá uwanécha we'ischtechá unsche-wanécha ittách
18 Mit dir aber werde Ich den Bund erneuern, und in die Arche wirst du hineingehen, du und deine Söhne und deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir.
וּמִכָּל-הָחַי מִכָּל-בָּשָׂר שְׁנַיִם מִכֹּל תָּבִיא אֶל-הַתֵּבָה לְהַחֲיֹת אִתָּךְ זָכָר וּנְקֵבָה יִהְיוּ:
umikkól-hacháj mikkól-bassár schenájim mikkól tawí el-hattewá lehachajotDie russische Umschrift teilt dieses Wort in zwei Teile und lässt das h aus. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: lehachajot. ittách sachár unkewá jihjú.
19 Und von allem Lebendigen, von allem Fleisch, zwei von jedem bring in die Arche, damit sie mit dir leben, Männchen und Weibchen werden sie sein.
מֵהָעוֹף לְמִינֵהוּ וּמִן-הַבְּהֵמָה לְמִינָהּ מִכֹּל רֶמֶשׂ הָאֲדָמָה לְמִינֵהוּ שְׁנַיִם מִכֹּל יָבֹאוּ אֵלֶיךָ לְהַחֲיוֹת:
meha'óf leminéhu umín-habbehemá leminá mikkól rémes ha'adamá leminéhu schenájim mikkól jawó'u elécha lehachajot
20 Vom Vogel nach seiner Art und vom Vieh nach seiner Art und von allem, was auf der Erde kriecht, zwei von jeder Art werden zu dir kommen, um sich mit dir zu retten.
Im 18. Vers sagt der Höchste zu Noach: „Ich werde den Bund mit dir wiederherstellen.“ Nicht aufrichten, nicht schließen, sondern wörtlich – den Bund mit dir wiederherstellen . Welchen Bund kann man wiederherstellen? Den Bund mit Adam, als Adam auf die Erde in den Garten Eden gesetzt wurde, um sie zu bearbeiten. Und noch früher, schon in der Erschaffung Adams selbst, ist er für eine solche Arbeit geschaffen, für einen besonderen Dienst, er als Einziger ist mit einer Art Aufgabe geschaffen, außer fruchtbar zu sein und sich zu mehren – er ist geschaffen, um über die Erde zu herrschen. Adam hat darin nicht standgehalten, der Höchste stellt in Noach den Bund wieder her, in dem Adam nicht standgehalten hat. Das Wort wahakim – wiederaufrichten; erheben, das heißt wie eine Erneuerung, das Wort jekum von derselben Wurzel bedeutet Geschaffenes, alles, was geschaffen ist. Es wird auch in diesem Wochenabschnitt verwendet werden. Im Unterschied zum Wort likrot brit (einen Bund schließen) – das sind verschiedene Wörter, und mit Noach wird der Bund gerade erneuert, denn ursprünglich ist das der Bund mit Adam. Ich habe darüber schon gesprochen und in einzelnen Lektionen die Geschichte der Bünde ausführlich behandelt, und das ist wichtig für diejenigen, die zu verstehen versuchen, wann genau der Bund mit den Heiden geschlossen wurde. Hier ist ein Beispiel für einen Bund mit den Heiden: der Bund mit Adam und der Bund mit Noach, und weiter in der Geschichte kann man das sehen.
Hier werden die Tiere angeführt, der Höchste spricht zu uns in diesem Kapitel von einem Paar Tiere, die von selbst kommen werden, wie Er sie im Garten zu Adam geführt hat. Und Noach muss sie nur in die Arche hineinführen. In der Arche werden die Tiere leben, ohne einander feind zu sein, der Mensch wird mit diesen Tieren auskommen. Das erinnert auch an die Prophezeiung Jeschajahus über die kommenden Zeiten, wenn der Wolf neben dem Schaf leben wird, und eigentlich an die Ereignisse oder die Geschichte des Paradiesgartens. Ein kleines Modell des Paradiesgartens, in dem Noach und seine Familie, die erweiterte Familie, gleichsam als Priester über die neue Erde eingesetzt sind. Und deshalb ist auch die Parallele zur Lade des Bundes angebracht, denn das ist gleichsam ein Vorbild der Stiftshütte Mosches und auch des ersten Tempels. Wir haben viel über die Parallelen des Tempels zum Paradiesgarten gesprochen, und hier ist Noach über alles Lebendige gesetzt im buchstäblichen Sinn, als Fürsorger für alles Lebendige. In unserem Wochenabschnitt lesen wir vorerst den Teil, in dem der Höchste von zwei Tieren spricht, die von selbst zu Noach kommen werden, und Noach muss für ihre Nahrung sorgen
וְאַתָּה קַח-לְך מִכָּל-מַאֲכָל אֲשֶׁר יֵאָכֵל וְאָסַפְתָּ אֵלֶיךָ וְהָיָה לְךָ וְלָהֶם לְאָכְלָה:
we'attá kach-lechá mikkól-ma'achál aschér je'achél we'assaftá elécha wehaja lecha welahém le'ochlá
21 Du aber nimm dir Speise, die gegessen werden wird, und nimm sie zu dir; und sie wird dir und ihnen zur Speise sein.“
וַיַּעַשׂ נֹחַ כְּכֹל אֲשֶׁר צִוָּה אֹתוֹ אֱלֹהִים כֵּן עָשָׂה:
wajá'as nóach kechól aschér ziwwá otó elohím ken assá
22 Und Noach tat alles, wie der HERR ihm geboten hatte, so tat er es.
Übrigens kann man auch in diesen Worten eine Parallele sehen: Wenn der Höchste später Mosche die Anweisungen zur Einrichtung der Stiftshütte gibt, erklingt dort genau derselbe Satz: „Und Mosche tat alles, wie der Höchste ihm befohlen hatte.“
וַיֹּאמֶר יְהוָה לְנֹחַ בֹּא-אַתָּה וְכָל-בֵּיתְךָ אֶל-הַתֵּבָה כִּי-אֹתְךָ רָאִיתִי צַדִּיק לְפָנַי בַּדּוֹר הַזֶּה:
wajomer adonáj lenóach bo-attá wechól-betechá el-hattewá ki-otechá ra'íti zaddík lefanáj baddór hassé
1 Und der HERR sprach zu Noach: „Geh hinein, du und dein ganzes Haus, in die Arche; denn dich habe Ich als Gerechten vor Mir befunden in dieser Generation.
Wir haben schon darüber gesprochen, was das bedeutet: in dieser Generation.
מִכֹּל הַבְּהֵמָה הַטְּהוֹרָה תִּקַּח-לְךָ שִׁבְעָה שִׁבְעָה אִישׁ וְאִשְׁתּוֹ וּמִן-הַבְּהֵמָה אֲשֶׁר לֹא טְהֹרָה הִוא שְׁנַיִם אִישׁ וְאִשְׁתּוֹ:
mikkól habbehemá hattehorá tikkách-lechá schiw'á schiw'á isch we'ischtó umin-habbehemá aschér lo tehorá hi schenájim isch we'ischtó
2 Von allem reinen Vieh nimm dir sieben sieben, Mann und Frau, und von dem Vieh, das unrein ist, je zwei: Männchen mit Weibchen.
Im vorigen Kapitel war von einem Paar von jedem Vieh die Rede, von allen Lebewesen, hier lesen wir plötzlich mehrere Neuerungen auf einmal. Erstens soll Noach nach diesem Gebot die Tiere selbst nehmen, zweitens taucht hier unerwartet eine Einteilung in reine und unreine Tiere auf, die es vorher überhaupt nicht gab, und es ist gesagt, von den reinen Tieren je sieben zu nehmen, von den unreinen aber wie bisher je zwei zu nehmen. Wie kann man das verstehen? Für die Fortpflanzung ist es notwendig, dass es von jedem Tier je zwei gibt, natürlich gehen aus dem Paar alle übrigen hervor. Aber da Noach nicht einfach ein Retter ist, der das Geschlecht wiederherstellen, die Menschheit wiederherstellen soll, hat Noach, wie wir gesagt haben, auch noch eine priesterliche Funktion, ihm obliegt es, Opfer darzubringen, deshalb muss er selbst noch je fünf von jedem reinen Tier nehmen und sammeln, um sie auf sieben zu ergänzen. Das ist seine Aufgabe. Die übrigen, je 2, gehen von selbst in die Arche. So kann man das am einfachsten, am nächsten am Text verstehen, obwohl auch andere Verständnisse möglich sind.
Was die reinen und unreinen Tiere betrifft, gibt es viele Gespräche darüber, ob Noach irgendwo die Tora gelernt hat, vielleicht hat er irgendwelche Offenbarungen empfangen, vieles wird zu diesem Thema gesagt. Bei den Nachbarvölkern finden wir ebenfalls die Erwähnung reiner und unreiner Tiere, tauglicher und untauglicher für Opferdarbringungen: Sie aßen ruhig unreine Speise, brachten sie aber nicht als Opfer dar. In der sumerischen Geschichte von der Sintflut nimmt ein gewisser Atrahasis, als er die Tiere in die Arche sammelt, ebenfalls mehr reine Tiere als unreine mit. Jedenfalls ist das ein Zeugnis dafür, dass es in Sumer eine Tradition in Bezug auf die Reinheit der Tiere gab. Vielleicht von Adam her, vielleicht infolge irgendwelcher Offenbarungen gab es sie schon zur Zeit Noachs. Und es ist durchaus möglich, dass das Wissen Noachs ein Wissen ist, das sozusagen durch die Erfahrung des Volkes gewonnen wurde. Aber es ist auch durchaus möglich, dass der Höchste ihn unterwiesen und ihm irgendwelche Geheimnisse eröffnet hat, denn um den Willen des Höchsten richtig zu erfüllen, muss man Sein Schüler sein. Wichtig ist auch, dass wir hier wieder sehen, dass Noach die Arche baut – sie entsteht nicht auf wundersame Weise. Die Tiere für die Opferdarbringung gebietet der Höchste Noach herbeizubringen, an diesem Dienst hat Noach Anteil. Er läuft nicht einfach als Vorgesetzter herum, er muss seine Arche versorgen können. Das ist auch die Antwort auf eine solche Frage, wie alle Tiere, eine so riesige Vielfalt von Tieren, in der Arche Platz finden konnten, die zwar groß, aber nicht unendlich groß war. Die Tora sagt: „Ja, höchstwahrscheinlich war das ein Wunder, die Arche hat auf wunderbare Weise alle aufgenommen.“ Warum dann nicht eine kleine, kompakte Arche machen, die Noach in ein paar Tagen leicht gebaut hätte? Weil es wichtig ist, dass die neue Menschheit nicht nur von Wundern lebt, sondern wirklich mitarbeitet, durch ihre Arbeit an der Lenkung der Welt mitwirkt. Und das ist ein Teil des großen Wunders.
גַּם מֵעוֹף הַשָּׁמַיִם שִׁבְעָה שִׁבְעָה זָכָר וּנְקֵבָה לְחַיּוֹת זֶרַע עַל-פְּנֵי כָל-הָאָרֶץ:
gam meóf haschamajím schiw'á schiw'á sachár unkewá lechajot séra al-pené chol-ha'árez
3 Auch von den Vögeln des Himmels nimm Männchen und Weibchen, um Samen auf der ganzen Erde zu erhalten.
Hier ist nicht gesagt isch we'ischto (Mann und Frau), sondern Männchen und Weibchen, vielleicht weil man bei den Vögeln den Unterschied zwischen Junge und Mädchen, zwischen Männchen und Weibchen nicht so sieht, deshalb ist über sie nicht Mann und Frau gesagt als etwas, das wir dem Aussehen nach bestimmen, als Männchen und Weibchen.
כִּי לְיָמִים עוֹד שִׁבְעָה אָנֹכִי מַמְטִיר עַל-הָאָרֶץ אַרְבָּעִים יוֹם וְאַרְבָּעִים לָיְלָה וּמָחִיתִי אֶת-כָּל-הַיְקוּם אֲשֶׁר עָשִׂיתִי מֵעַל פְּנֵי הָאֲדָמָה:
ki lejamím od schiw'á anochí mamtír al-ha'árez arba'ím jom we'arba'ím lájla umachíti et-kol-hajkúm aschér assíti me'ál pené ha'adamá
4 Denn nach sieben Tagen werde Ich es auf die Erde regnen lassen 40 Tage und 40 Nächte, und Ich werde die ganze Schöpfung (das ganze Weltgebäude), die Ich gemacht habe, vom Angesicht der Erde auslöschen
Wir haben vor Kurzem über den Bund (brit) gesprochen, dass der Höchste Noach versprochen hat, lehakím – aufzurichten. Hier lesen wir das Wort hajkúm (Weltgebäude) von derselben Wurzel – alles, was stand; alles Stehende wird der Höchste auslöschen, mit Noach aber den Bund wiederherstellen, als Anfang eines neuen Weltgebäudes.
Interessant ist hier noch: Als wir in der Tora über die Priester gesprochen haben, haben wir erklärt, dass sie sich auf ihren Dienst sieben Tage vorbereiten, es gab eine Zeit, in der sich die Priester darauf vorbereiteten, in ihr Priestertum einzutreten, sieben Tage bereitete sich der Hohepriester auf Jom Kippur vor. Hier sehen wir noch eine Parallele: Noach geht sieben Tage vor dem Beginn der Sintflut in die Arche, er geht seiner Arbeit wegen hinein, er muss noch alle Tiere sammeln; aber schon im ersten Vers gebietet der Höchste: „Geh in die Arche“, es beginnt eine siebentägige Zeit der Vorbereitung, wie bei den Priestern.
וַיַּעַשׂ נֹחַ כְּכֹל אֲשֶׁר-צִוָּהוּ יְהוָה:
wajá'as nóach kechól aschér-ziwwáhu adonáj
5 Und Noach tat alles, wie der HERR ihm geboten hatte.
וְנֹחַ בֶּן-שֵׁשׁ מֵאוֹת שָׁנָה וְהַמַּבּוּל הָיָה מַיִם עַל-הָאָרֶץ:
wenóach ben-schésch meót schaná wehammabbúl hajá májim al-ha'árez
6 Noach war 600 Jahre alt, und die Sintflut war eine Wasserflut auf der Erde.
וַיָּבֹא נֹחַ וּבָנָיו וְאִשְׁתּוֹ וּנְשֵׁי-בָנָיו אִתּוֹ אֶל-הַתֵּבָה מִפְּנֵי מֵי הַמַּבּוּל:
wajáwo nóach uwanáw we'ischtó unsche-wanáw ittó el-hattewá mippené me hammabbúl
7 Und Noach ging hinein, und seine Söhne, und seine Frau, und die Frauen seiner Söhne in die Arche vor den Wassern der Sintflut.
Aus dieser getrennten Schreibweise – die Männer getrennt und die Frauen gesondert – zieht man den Schluss, dass Männer und Frauen in der Arche getrennt lebten, dass es in der Arche keine intime Nähe gab. Eine der Facetten dieses Streits ist die Fortsetzung des Streits über den Paradiesgarten, denn die Arche erinnert an den Paradiesgarten, und der Streit darüber, ob es dort Nähe gab, um darüber zu streiten, ob es im Paradiesgarten Nähe gab. Die zweite Facette ist natürlich das Priestertum. Und wiederum: Inwieweit ist intime Nähe in dieser Situation zulässig? Diesen Streit zu entscheiden ist natürlich überhaupt nicht möglich, wenn man sich nur auf diesen Vers stützt, man kann sagen, dass in Zeiten eines solchen Unglücks, das ja immerhin draußen geschieht, die Frau mehr Schutz und mehr Bedeckung braucht, und man sollte sich wohl in einem solchen Moment nicht von der Frau entfernen. Andererseits ist natürlich auch das Priestertum ein Faktor. Deshalb erwähne ich diese Diskussion einfach und lasse diese Frage offen. Wir werden allerdings noch einmal auf diese Diskussion zurückkommen müssen, wenn wir über die Söhne und Enkel Noachs sprechen werden. Es geht darum, dass es einen Midrasch gibt, der sagt, dass einer der Söhne Noachs (nämlich Cham) sich nicht beherrschte, zu seiner Frau einging und dafür einen solchen Fluch erhielt, dass von ihm schwarze Nachkommen ausgingen (die Chamiten gelten als Nachkommen Chams, und das sind die Afrikaner). Wir werden darüber gesondert sprechen, wenn wir über Cham, Kanaan und diese ganze Geschichte sprechen werden, und dann werden wir diesen Midrasch bewerten und andere betrachten.
מִן-הַבְּהֵמָה הַטְּהוֹרָה וּמִן-הַבְּהֵמָה אֲשֶׁר אֵינֶנָּה טְהֹרָה וּמִן-הָעוֹף וְכֹל אֲשֶׁר-רֹמֵשׂ עַל-הָאֲדָמָה:
min-habbehemá hattehorá umín-habbehemá aschér enénna tehorá umín-haóf wechól aschér-romés al-ha'adamá
8 Und von dem reinen Vieh, und von dem unreinen Vieh, und von den Vögeln, und von allen Kriechtieren auf der Erde –
שְׁנַיִם שְׁנַיִם בָּאוּ אֶל-נֹחַ אֶל-הַתֵּבָה זָכָר וּנְקֵבָה כַּאֲשֶׁר צִוָּה אֱלֹהִים אֶת-נֹח:
schenájim schenájim báu el-nóach el-hattewá sachár unkewá ka'aschér ziwwá elohím et-nóach
9 je zwei kamen zu Noach in die Arche, Männchen und Weibchen, wie Gott Noach geboten hatte.
Die Tiere kamen also je zwei, wie wir gesagt haben, bis auf sieben sammelte Noach sie dann weiter.
וַיְהִי לְשִׁבְעַת הַיָּמִים וּמֵי הַמַּבּוּל הָיוּ עַל-הָאָרֶץ:
wajhí leschiw'át hajamím umé hammabbúl hajú al-ha'árez
10 Und es war nach Ablauf von sieben Tagen, die Wasser der Sintflut kamen auf die Erde.
בִּשְׁנַת שֵׁשׁ-מֵאוֹת שָׁנָה לְחַיֵּי-נֹחַ בַּחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי בְּשִׁבְעָה-עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ בַּיּוֹם הַזֶּה נִבְקְעוּ כָּל-מַעְיְנֹת תְּהוֹם רַבָּה וַאֲרֻבֹּת הַשָּׁמַיִם נִפְתָּחוּ:
bischnát schesch-me'ot schaná lechajé-nóach bachódesch haschení beschiw'a-assár jom lachódesch bajom hassé niwke'ú kol-ma'enót tehóm rabbá wa'arubbót haschamájim niftáchu
11 Im sechshundertsten Jahr des Lebens Noachs, im zweiten Monat, am siebzehnten Tag des Monats, an eben diesem Tag öffneten sich (als ob gleichsam ein Korken herausgesprungen wäre) alle Quellen des großen Abgrunds, und die Fenster des Himmels taten sich auf.
Es gibt einen Streit darüber, was dieser zweite Monat ist. Die einen sagen, dass, da wir traditionell im Buch Schemot lesen, dass der erste Monat der Nissan ist, entsprechend der zweite Monat der Ijar ist, ein Frühlingsmonat. Andere sagen, dass über die Herbstfeste geschrieben steht, dass sie am Ende des Jahres stattfinden, also kann man auch den Tischrej als Beginn des Jahres ansehen, je nachdem, welches Jahr wir zählen, und dann wird der zweite Monat der Monat Cheschwan sein, das heißt buchstäblich die Tage, in denen wir uns befinden. Zur Verteidigung dessen führen die Anhänger des Cheschwan, des zweiten Herbstmonats, folgendes Argument an: dass der Cheschwan in der Schrift Bul genannt wird und das an das Wort mabul anklingt, mehr noch, sie sagen, dass ma-bul – das ist Mem, 40 Tage seit Beginn des Monats Bul, und führen es so auf den Monat Bul zurück. Mir liegt der Gedanke näher, dass es doch ein Frühlingsmonat ist, obwohl auch die zweite Position gewichtig ist.
Manchmal ist es sehr wichtig, auf eine Kleinigkeit zu achten. Da sagt uns die Tora: „Im zweiten Monat, am siebzehnten Tag“, das heißt 17.02. Aber wozu an eben diesem Tag hinzufügen? Es scheint, zwei völlig überflüssige Wörter, wir verstehen auch so, dass es an diesem Tag geschah. Wenn wir zwei solchen Wörtern begegnen, die uns überflüssig erscheinen, ist das möglicherweise wie eine Markierung, wie ein Lesezeichen, es sagt uns: „Schau, wo wird dieser Ausdruck noch verwendet?“ Er wird vor allem in Schemot (19,1) verwendet. Als Israel an den Sinai herankommt, lesen wir: „Und es war im dritten Monat nach dem Auszug Israels aus Ägypten, an eben diesem Tag kamen sie an den Sinai.“ Im Buch Wajikra (8,33) lesen wir: „Und vom Eingang des Zeltes der Versammlung weicht nicht sieben Tage lang, bis die Tage eurer Bevollmächtigung erfüllt sind, denn sieben Tage soll eure Weihe vollzogen werden. Wie es an diesem Tag getan wurde, so hat der HERR geboten zu tun zu eurer Sühne.“ Wir sehen, dass das Wort dieser Tag mit der Sühne verbunden ist. Und weiter, im Buch Wajikra (16,30), lesen wir: „Denn an diesem Tag wird der Priester euch sühnen, um euch rein zu machen von all euren Sünden, vor dem HERRN werdet ihr gereinigt sein.“ Hier ist vom GerichtstagDer Autor sagt hier „Gerichtstag“. So wird im Russischen üblicherweise Jom Kippur genannt, um den es in Wajikra 16 geht. die Rede. Das heißt, es gibt eine gewisse Parallele zwischen dem Ausdruck dieser Tag und Sühne, und wenn wir dieser Markierung folgen, werden wir diese Parallele aufspüren.
Wa'arubbót haschamájim – ein sehr interessanter Ausdruck. Im modernen Hebräisch ist das ein Ofenrohr oder irgendein Rohr. In den benachbarten semitischen Sprachen sieht man, dass das Wort aruba auch als Fenster verwendet wird oder als irgendein Fensterchen, Türchen, das sich im Himmel öffnet. Wenn wir beim Propheten Malachi (3,10) nachsehen, in den oft angeführten Versen über den Zehnten, dort ist gesagt, dass der Höchste wieder arubbót haschamájim öffnen wird, derselbe Ausdruck, um Segen zu geben. Und auf der Grundlage von Malachi kann man sehen, dass arubbót haschamájim ein bildhafter Ausdruck ist, und die Beschreibung selbst entspricht hier nicht unbedingt einem physikalischen Vorgang, das ist keine Astrophysik, keine Klimageographie, sondern eine gewisse Beschreibung in Begriffen, die für den Menschen verständlich sind.
וַיְהִי הַגֶּשֶׁם עַל-הָאָרֶץ אַרְבָּעִים יוֹם וְאַרְבָּעִים לָיְלָה:
wajhí haggéschem al-ha'árez arba'ím jom we'arba'ím lájla
12 Und es war Regen auf der Erde 40 Tage und 40 Nächte.
Wir werden auch später in der Tora sehen, dass die Zahl 40 oft mit der Zahl der Reinigung verbunden ist.
בְּעֶצֶם הַיּוֹם הַזֶּה בָּא נֹחַ וְשֵׁם-וְחָם וָיֶפֶת בְּנֵי-נֹחַ וְאֵשֶׁת נֹחַ וּשְׁלֹשֶׁת נְשֵׁי-בָנָיו אִתָּם אֶל-הַתֵּבָה:
be'ézem hajom hassé ba nóach weschém-wechám wajéfet bene-nóach we'éschet noach uschlóschet nesche-wanáw ittám el-hattewá
13 Genau an diesem Tag ging Noach hinein, und auch Schem, Cham und Jefet, die Söhne Noachs, und die drei Frauen seiner Söhne mit ihnen in die Arche.
Genau an diesem Tag – dieser Ausdruck wird auch in Bezug auf die Beschneidung Awrahams verwendet (Bereschit 17,26, wir werden noch zu ihr kommen) und wird mehrmals im 12. Kapitel des Buches Schemot in Bezug auf den Auszug aus Ägypten verwendet. Das heißt, wir haben hier wieder einen Hinweis auf ein gewisses Schlüsselereignis, ein wichtiges Ereignis, das mit Rettung, Befreiung, Sühne und dem Eintritt in den Bund verbunden ist. Mehrmals wiederholt sich dieser Ausdruck in Bezug auf den Schabbattag, das Eintreten in den Schabbat, was auch sehr wichtig ist.
Leider wissen wir nichts über die Namen der wunderbaren Frauen, die die Frauen Noachs, Schems, Chams und Jefets waren, na ja, fast nichts. Im Buch der Jubiläen steht geschrieben, dass die Frau Noachs die Tochter Rakiels war. Das fügt uns im Grunde nichts hinzu, außer eben diesem interessanten Namen. Außerdem gibt es einen Midrasch darüber, dass die Schwester Tuwal-Kajins, Naama, die Frau Noachs war und dadurch Kajin gewissermaßen an der Fortsetzung der Menschheit teilhatte. Das ist ein interessanter Midrasch, aber man muss daran denken, dass es ein Midrasch ist.
הֵמָּה וְכָל-הַחַיָּה לְמִינָהּ וְכָל-הַבְּהֵמָה לְמִינָהּ וְכָל-הָרֶמֶשׂ הָרֹמֵשׂ עַל-הָאָרֶץ לְמִינֵהוּ וְכָל-הָעוֹף לְמִינֵהוּ כֹּל צִפּוֹר כָּל-כָּנָף:
hémma wechól-hachajá leminá wechól-habbehemá leminá wechól-harémes haromés al-ha'árez leminéhu wechól-ha'óf leminéhu kol zippór kol-kanáf
14 Sie, und alle Tiere nach ihrer Art, und alles Vieh nach seiner Art, und alles Kriechende, das auf der Erde kriecht, nach seiner Art, und alle Vögel nach ihrer Art, und jedes geflügelte Geschöpf.
וַיָּבֹאוּ אֶל-נֹחַ אֶל-הַתֵּבָה שְׁנַיִם שְׁנַיִם מִכָּל-הַבָּשָׂר אֲשֶׁר-בּוֹ רוּחַ חַיִּים:
wajawóu el-nóach el-hattewá schenájim schenájim mikkól-habbassár aschér-bo rúach chajím
15 Und sie kamen zu Noachs Arche, zwei zwei von jedem Fleisch, in dem der Geist des Lebens ist.
Wieder ist das eine gesonderte Verheißung, dass je zwei Tiere kommen werden, sie kamen von selbst, Noach hat sie nicht gesucht. Aber über die sieben ist Noach gesagt: „Nimm dir.“
וְהַבָּאִים זָכָר וּנְקֵבָה מִכָּל-בָּשָׂר בָּאוּ כַּאֲשֶׁר צִוָּה אֹתוֹ אֱלֹהִים וַיִּסְגֹּר יְהוָה בַּעֲדוֹ:
wehabba'ím sachár unkewá mikkól-bassár báu ka'aschér ziwwá otó elohím wajisgór adonáj ba'adó
16 Und er führte sie in die Arche, Männchen und Weibchen, von jedem Fleisch kamen sie, wie der HERR ihm geboten hatte, und der HERR schloss hinter ihm zu.
וַיְהִי הַמַּבּוּל אַרְבָּעִים יוֹם עַל-הָאָרֶץ וַיִּרְבּוּ הַמַּיִם וַיִּשְׂאוּ אֶת-הַתֵּבָה וַתָּרָם מֵעַל הָאָרֶץ:
wajhí hammabbúl arba'ím jom al-ha'árez wajirbú hammájim wajis'ú et-hattewá wattárom me'ál ha'árez
17 Vierzig Tage mehrten sich die Wasser auf der Erde, und sie trugen die Arche und hoben sie über die Erde.
Auch hier gibt es eine Parallele zum Priestertum, wir werden das im nächsten Kapitel bis zum Ende betrachten.
וַיִּגְבְּרוּ הַמַּיִם וַיִּרְבּוּ מְאֹד עַל-הָאָרֶץ וַתֵּלֶךְ הַתֵּבָה עַל-פְּנֵי הַמָּיִם
wajigberú hammájim wajirbú me'ód al-ha'árez wattélech hattewá al-pené hammájim
18 Und das Wasser nahm zu und mehrte sich sehr stark auf der Erde, und die Arche schwamm auf dem Wasser.
Hier wird das Wort télech (ging) verwendet. Seeleute sagen: „Wir schwimmen nicht, wir gehen.“ Auch hier sehen wir und die Arche ging auf dem Wasser. In Wirklichkeit ist die Verwendung dieser Begriffe – nicht schwimmen, sondern gehen – sehr alt, das ist noch sumerischer und akkadischer Seemannsjargon, und hier sehen wir genau einen solchen professionellen seemännischen Begriff: Die Arche ging auf dem Wasser. Und diese Begriffe sind hier über den Text verstreut.
וְהַמַּיִם גָּבְרוּ מְאֹד מְאֹד עַל-הָאָרֶץ וַיְכֻסּוּ כָּל-הֶהָרִים הַגְּבֹהִים אֲשֶׁר-תַּחַת כָּל-הַשָּׁמָיִם:
wehammájim gawerú me'ód me'ód al-ha'árez wajchussú kol-heharím haggewohímDie russische Umschrift hat in diesem Wort („die hohen“) ein g statt eines h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: haggewohím. aschér-táchat kol-haschamájim
19 Und das Wasser wurde sehr, sehr stark auf der Erde und bedeckte alle hohen Berge, die unter den Himmeln sind.
חֲמֵשׁ עֶשְׂרֵה אַמָּה מִלְמַעְלָה גָּבְרוּ הַמָּיִם וַיְכֻסּוּ הֶהָרִים:
chamésch esré ammá milmá'la gawerú hammájim wajchussú heharím
20 15 Ellen (oder 7,5 Meter) über die Höhe der höchsten Berge stiegen die Wasser, und die Berge wurden bedeckt.
Sehr interessant, ich habe einmal so ein Staunen eines Menschen gesehen, der lange ein weltliches Leben geführt hatte und zum Glauben an den Höchsten gekommen war, und irgendwann, als er auf den Balkon hinausging und auf das Meer schaute, sagte er: „Wie erstaunlich! Ich brauche eine halbe Stunde, um eine Badewanne zu füllen. Wie hat der Höchste denn all diese Ozeane gefüllt?“ Hier geht es nicht um Ozeane, sondern um viel mehr. Was für ein Wunder geschieht da und was für eine schreckliche Erscheinung ereignet sich: Das Wasser bedeckt alles, die Schöpfung kehrt gewissermaßen zu jenem Moment zurück, als Finsternis über dem Abgrund war und der Geist Gottes (oder ein starker Wind) über dem Wasser schwebte. Hier schwebt die Arche über dem Wasser, und wieder können wir die Verbindung zum Priestertum sehen, die Verbindung zur Lade des Bundes.
וַיִּגְוַע כָּל-בָּשָׂר הָרֹמֵשׂ עַל-הָאָרֶץ בָּעוֹף וּבַבְּהֵמָה וּבַחַיָּה וּבְכָל-הַשֶּׁרֶץ הַשֹּׁרֵץ עַל-הָאָרֶץ וְכֹל הָאָדָם:
wajigwá kol-bassár haromés al-ha'árez ba'óf uwabbehemá uwachajá uwchól-haschérez haschórez al-ha'árez wechól ha'adám
21 Und es kam alles Fleisch um, das auf der Erde wimmelte, unter den Vögeln und unter dem Vieh und unter den Tieren, den wilden Tieren, und jedes Insekt, das auf der Erde kroch, und die ganze Menschheit.
Wörtlich und der ganze Mensch (die ganze Menschheit). Alles, was eben jener ha'adám war, kam um.
כֹּל אֲשֶׁר נִשְׁמַת-רוּחַ חַיִּים בְּאַפָּיו מִכֹּל אֲשֶׁר בֶּחָרָבָה מֵתוּ:
kol aschér nischmát-rúach chajím be'appáw mikkól aschér becharawá métu
22 Alles, in dem Atem des Lebens ist, von allem, was auf dem Trockenen ist, alles starb.
וַיִּמַח אֶת-כָּל-הַיְקוּם אֲשֶׁר עַל-פְּנֵי הָאֲדָמָה מֵאָדָם עַד-בְּהֵמָה עַד-רֶמֶשׂ וְעַד-עוֹף הַשָּׁמַיִם וַיִּמָּחוּ מִן-הָאָרֶץ וַיִשָּׁאֶר אַךְ-נֹחַ וַאֲשֶׁר אִתּוֹ בַּתֵּבָה:
wajímach et-kol-hajkúm aschér al-pené ha'ádama me'adám ad-behemá ad-rémes we'ád-of haschamájim wajimmachú min-ha'árez wajischá'er ach-nóach wa'aschér ittó battewá
23 Und ausgelöscht wurde alles Geschaffene vom Angesicht der Erde, vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Kriechenden, bis zum Vogel des Himmels. Und sie wurden von der Erde vertilgt; und es blieb nur Noach übrig und wer mit ihm in der Arche war.
Wieder das Wort hajkúm – alles, was hingestellt ist, wurde ausgelöscht, aber wir erinnern uns, dass der Bund mit Noach wiederhergestellt werden wird und mit ihm die Wiederherstellung beginnt.
וַיִּגְבְּרוּ הַמַּיִם עַל-הָאָרֶץ חֲמִשִּׁים וּמְאַת יוֹם:
wajigberú hammájim al-ha'árez chamischím um'át jom
24 Und das Wasser blieb auf der Erde 150 Tage.
Das heißt, nach 40 Tagen Regen, und nach dem Regen gibt es noch Quellen, und das Wasser stieg noch und stieg noch 150 Tage, nachdem der Höchste die Sintflut begonnen hatte. Es gibt Wasser, das der Himmel istSo steht es wörtlich im Original; gemeint ist vermutlich Wasser, das vom Himmel kommt. Wir haben wörtlich übersetzt., es gibt Wasser, das von der Erde aufsteigt. Und wenn man sich an jene Parallele über die Erde erinnert, die wir schon ganz am Anfang der Schöpfung erwähnt haben, als es noch keinen rakia gab, der die Wasser oben und die Wasser unten trennt: Hier vermischen sich die Wasser oben und die Wasser unten gewissermaßen wieder, das Obere und das Untere vermischt sich – noch ein Aspekt der Rückkehr der Erde in die ursprüngliche Form. Hier beginnt das Zusammenwirken des Höchsten und des Menschen, wenn der Mensch an den Wundern teilnimmt, die der Höchste tut. Deshalb kann man den Gedanken wiederholen, der hier nicht ausdrücklich ausgeschrieben ist (und ich mache ihn keineswegs zu irgendeinem Dogma), dass Noach ein Urbild ist, das ist der erste Priester in der Geschichte der Menschheit, der erste Hohepriester in der Geschichte der Menschheit. Nicht umsonst verglich Petrus die Rettung mit der Rettung in der Arche vor der Sintflut, das ist wichtig, sich zu merken.
Noach fand Gnade in den Augen des Höchsten. Interessant ist, dass der Name Noach, wenn man seinen Namen rückwärts liest, als genau das Wort chen – Gnade gelesen wird, die Noach in den Augen des Höchsten fand. Das ist ein Spiegelwort. Es gibt so ein Wortspiel.
וַיִּזְכֹּר אֱלֹהִים אֶת-נֹחַ וְאֵת כָּל-הַחַיָּה וְאֶת-כָּל-הַבְּהֵמָה אֲשֶׁר אִתּוֹ בַּתֵּבָה וַיַּעֲבֵר אֱלֹהִים רוּחַ עַל-הָאָרֶץ וַיָּשֹׁכּוּ הַמָּיִם:
wajiskór elohím et-nóach we'ét kol-hachajá we'ét-kol-habbehemá aschér ittó battewá waja'awér elohím rúach al-ha'árez wajaschókku hammájim
1 Und Gott erinnerte sich an Noach und an alles Getier und an alles Vieh (das heißt das Hausvieh), die mit ihm in der Arche waren; und Gott führte einen Wind über die Erde, und das Wasser legte sich.
Kann Gott vergessen oder sich erinnern? Natürlich nicht, Gott ist kein Mensch, dass es bei Ihm Vergessen und Erinnern gäbe. Wenn wir davon sprechen, dass Gott sich an jemanden erinnerte, können wir sagen, dass im Ratschluss des Höchsten die Zeit gekommen ist, in Bezug auf diesen Jemand zu handeln. Das heißt, der Plan des Höchsten ist an jenem Punkt angelangt, an dem der Höchste wieder in Bezug auf Noach handeln wird, in die Vorgänge eingreifen wird, die sich im Leben Noachs abspielen.
Das Wort hachajá kommt eigentlich vom Wort chaj (lebendig), das heißt alle Tiere. Aber es bezieht sich mehr gerade auf wilde Tiere, auf wildes Getier.
Wind (ruach) bedeutet natürlich nicht nur Wind, sondern auch Geist, und das verweist uns auf den allerersten Anfang der Schöpfung, als über der chaotischen, mit Wasser bedeckten Erde ein starker Wind oder der Geist Gottes schwebte. Und hier ist die Erde in jenem Zustand des Anfangs der Schöpfung, wie in den ersten Versen des Buches Bereschit, wo die Erde mit Wasser bedeckt ist und über ihr der Geist Gottes oder ein starker Wind schwebt. Wir beginnen alles von vorn, Gott wirkt an der Wiederherstellung des Zerstörten.
וַיִּסָּכְרוּ מַעְיְנֹת תְּהוֹם וַאֲרֻבֹּת הַשָּׁמָיִם וַיִּכָּלֵא הַגֶּשֶׁם מִן-הַשָּׁמָיִם:
wajissacherú ma'enót tehom wa'arubbót haschamájim wajikkalé haggéschem min-haschamájim
2 Und es schlossen sich die Quellen der Tiefen und die Türen des Himmels, und der Regen vom Himmel hörte auf.
Das Wort sacher bedeutet Riegel. Wenn wir ganz am Anfang gelesen haben, dass sich alle Quellen der Tiefen öffneten, dann lesen wir hier nicht alle, sondern einfach es schlossen sich die Quellen der Tiefen. Das spricht dafür, dass manche Quellen offen geblieben sind, zum Beispiel die heißen Quellen, die hier und da über die Welt verstreut sind, es gibt sehr viele davon in Island, und es gibt sie in Tiberias, und es gibt sie praktisch auf der ganzen Welt, irgendwo sind sie offen geblieben.
וַיָּשֻׁבוּ הַמַּיִם מֵעַל הָאָרֶץ הָלוֹךְ וָשׁוֹב וַיַּחְסְרוּ הַמַּיִם מִקְצֵה חֲמִשִּׁים וּמְאַת יוֹם:
wajaschúwu hammájim me'ál ha'árez haloch waschów wajachserú hammájim mikzé chamischím um'át jom
3 Und das Wasser begann, von der Erde mehr und mehr abzunehmen, und das Wasser begann abzunehmen nach Ablauf von 150 Tagen.
Das heißt, für diese ganze Mathematik gibt es verschiedene Möglichkeiten des Verständnisses, und um das Gespräch nicht mit Mathematik zu überladen, bleibe ich bei einer der Möglichkeiten. 40 Tage fiel Regen, weitere 150 Tage stieg das Wasser, nach Ablauf dieser Zeit begannen die Wasser abzunehmen.
וַתָּנַח הַתֵּבָה בַּחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי בְּשִׁבְעָה-עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ עַל הָרֵי אֲרָרָט:
wattánach hattewá bachódesch haschewi'í beschiw'á-assár jom lachódesch al haré ararát
4 Und die Arche blieb stehen im siebten Monat, am siebzehnten Tag des Monats, auf den Bergen von Ararat.
Wir haben im vorigen Kapitel gelesen, dass das Wasser die höchsten Gipfel der Berge um 15 Ellen (oder um 7,5 Meter) bedeckte. Jetzt lesen wir davon, wann das Wasser zurückgeht. Und wenn man alle Daten miteinander vergleicht, kommt heraus, dass das Wasser im Lauf von 60 Tagen zurückging. In dieser Zeit ging das Wasser um eben diese 15 Ellen (oder 7,5 Meter) zurück. Wenn wir vom Monat Tischri an zählen, nach den meisten Meinungen, dann ergibt sich, dass die Arche am 17. Ijar auf den Bergen von Ararat stehen blieb. Es stellt sich eine Frage in Bezug auf die zwei Kalender und in Bezug auf den alten, althergebrachten Vorwurf, warum die Juden Rosch haSchana am Anfang des 7. Monats feiern. Die Sache ist die, dass wir im Buch Schemot im 12. Kapitel über den Frühlingsmonat Nissan lesen: „Dieser Monat ist euch der Anfang aller Monate.“ Der Höchste gibt Mosche das Gebot, wie man die Monate zählen soll, aber auch vorher hat man ja irgendwie gezählt, und wenn die Tradition sagt, dass die Welt im Tischri erschaffen wurde, dann hat man eben von der Erschaffung der Welt an den Anfang des Jahres gezählt. Deshalb war der erste Monat, bevor Nissan es wurde, der Tischri. Und das ist eine durchaus logische Meinung, die ebenfalls eine Daseinsberechtigung hat. Auch in der Tora wird ja die Zeit der Herbstfeste das Ende des Jahres genannt. Deshalb zwei Kalender und deshalb zwei verschiedene Ansätze dazu, wann das alles war, aber der Unterschied zwischen ihnen ist gering.
Also, am 17. Ijar blieb die Arche auf den Bergen Ararat stehen. Dass geschrieben steht auf den Bergen, spricht dafür, dass es nicht konkret auf dem Berg Ararat war, dort, wo Sis und Masis sind, nicht auf dem Großen und dem Kleinen Ararat, sondern überhaupt auf dem Gebirgszug der Berge von Ararat. Es gibt einen ganzen Haufen Streit darüber, wo das war, es gibt einzelne Genossen, die die Arche sogar gefunden haben, und Streit darüber gibt es sehr viel, aber wir werden uns jetzt weder auf die Archäologie noch auf ihre Fakeologie einlassen.
וְהַמַּיִם הָיוּ הָלוֹךְ וְחָסוֹר עַד הַחֹדֶשׁ הָעֲשִׂירִי בָּעֲשִׂירִי בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ נִרְאוּ רָאשֵׁי הֶהָרִים:
wehammájim hajú halóch wechassór ad hachódesch ha'assirí ba'assirí be'echád lachódesch nir'ú rasché heharímDie russische Umschrift hat im letzten Wort ein g statt eines h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: heharím (die Berge).
5 Und das Wasser nahm weiter ab bis zum 10. Monat, im zehnten Monat (das heißt Aw), am Anfang des Monats, wurden die Gipfel der Berge sichtbar.
וַיְהִי מִקֵּץ אַרְבָּעִים יוֹם וַיִּפְתַּח נֹחַ אֶת-חַלּוֹן הַתֵּבָה אֲשֶׁר עָשָׂה:
wajhí mikkéz arba'ím jom wajiftách nóach et-challón hattewá ascher assá
6 Und nach Ablauf von 40 Tagen (vom Anfang des Monats Aw bis zum 10. Tag des Monats Elul) öffnete Noach das Fenster der Arche, die er gemacht hatte.
Früher, vor diesem 6. Vers, haben wir nichts davon gelesen, dass Noach in der Arche irgendein Fenster machte. Es gab Kommentatoren, die sagten, dass das Wort zóhar, das die Tora im vorigen Kapitel verwendet, Fenster bedeutet; andere sagten, dass das ein Edelstein ist, und wir haben gesagt, dass es noch eine dritte Variante gibt – Deckel. Und wenn jemand sagte, dass das ein Edelstein ist, wie soll er jetzt damit umgehen, da hier gesagt ist, dass Noach das Fenster öffnete? Man kann es so lesen: „Noach öffnete das Fenster, das er gemacht hatte.“ Das heißt, nachdem die Arche auf den Bergen von Ararat stehen geblieben war, machte Noach ein Fenster in die Arche. Vorher wäre das Fenster einfach vom Regen überflutet worden.
וַיְשַׁלַּח אֶת-הָעֹרֵב וַיֵּצֵא יָצוֹא וָשׁוֹב עַד-יְבֹשֶׁת הַמַּיִם מֵעַל הָאָרֶץ:
wajschallách et-ha'oréw wajezé jazó waschów ad-jewóschet hammájim me'ál ha'árez
7 Und er sandte (oder schickte weg oder vertrieb sogar) den Raben, und der Rabe flog hin und her, bis die Wasser auf der Erde vertrocknet waren.
Und der Rabe flog hin und her – hier steht in Bezug auf den Raben ein sehr schwer zu übersetzender Ausdruck. Man kann hier auch verstehen, dass er für kurze Zeit hinausflog und in die Arche zurückkehrte, und man kann sagen, dass er anfing, im Kreis um die Arche zu fliegen. Eine völlig unverständliche Handlung, es ist schwer, den Ausdruck zu übersetzen, der hier verwendet wird, denn geschrieben steht wajezé – und er ging hinaus, jazó waschów – mit Hineingehen und Zurückkehren. Und diese unverständliche Handlung tat er, bis die Wasser vertrocknet waren. Das heißt, die Handlungen des Raben sind nicht ganz verständlich, außerdem ist unverständlich, wozu Noach ihn aussandte. Überhaupt gab es der Überlieferung nach bei den Seeleuten jener Zeit einen solchen Brauch, eine solche Regel, Vögel auszusenden, um zu prüfen, ob die Erde trocken geworden war. Im babylonischen Mythos von der Sintflut (es gibt sehr viele verschiedene Mythen über Sintfluten) lesen wir eine ähnliche Erzählung. Ich werde sie vorlesen, aber denkt daran, dass das ein Mythos ist: „Am siebten Tag ließ ich eine Taube hinaus und ließ sie davonfliegen, aber die Taube flog ein wenig umher und kehrte, da sie nirgends eine Zuflucht fand, zurück. Da ließ ich eine Schwalbe hinaus und ließ sie davonfliegen, die Schwalbe kreiste ein wenig, aber da sie nirgends eine Zuflucht fand, kehrte sie zurück. Da ließ ich einen Raben hinaus und ließ ihn davonfliegen, der Rabe flog davon und sah, dass das Wasser gesunken war. Er pickte Futter, watete durch die Pfützen, krächzte, kehrte aber nicht zurück. Da führte ich alle aus dem Schiff hinaus und ließ sie in alle vier Himmelsrichtungen ziehen.“
Uns ist hier der historische Hintergrund völlig unwichtig, und ich unternehme es keineswegs, die Reihenfolge aufzustellen, in der die Vögel aus der Arche flogen, ich erwähne das nur, um zu sagen, dass es überhaupt in der Tradition der Seeleute liegt, Vögel freizulassen, um zu prüfen, ob das Land weit entfernt ist. Noach hat das reichhaltigste Sortiment, man kann auch den weißschwänzigen Mauersegler schicken – das ist der schnellste Vogel auf der Erde, er kann in der Horizontalen bis zu 170 km pro Stunde erreichen. Aber Noach hat es nicht eilig, und außerdem setzt sich der Mauersegler, wie man sagt, niemals auf die Erde. Noach schickt gerade den Raben, und im Osten gibt es viele Erzählungen über Postraben, das heißt, es gibt Zeugnisse, dass im Altertum Raben, wie auch Tauben, als Boten verwendet wurden. Manche Kommentatoren sagen, dass Noach zusammen mit seinem Haus in die Arche ging, das heißt zusammen mit seinem Besitz, und er hatte Tauben und Raben, die man damals züchtete, und das stimmt: Die einen wie die anderen züchtete man für verschiedene Zwecke. Deshalb konnten bei Noach zu Hause, auf seinem Gut, Raben und Tauben sein, und vielleicht hat er seine eigenen geschickt. Unverständlich ist, warum er keinen schnelleren Vogel fand. Unverständlich ist im Text der Tora auch, wozu er den Raben schickte, er öffnete einfach das Fenster und schickte ihn, selbst wenn man wörtlich übersetzt: „Er öffnete das Fenster und jagte hinaus, vertrieb den Raben.“
Wozu wird denn der Rabe ausgesandt, wenn er keinerlei Auftrag bekommt? Man kann sich vorstellen, wenn wir es mit der Geschichte der Weltschöpfung vergleichen, dass auf der Erde vor allem zuerst die Vögel erscheinen müssen. Zuerst, am fünften Tag, erschienen die Vögel, und am sechsten Tag wurden die Tiere und der Mensch erschaffen. Deshalb ist es natürlich, dass die Fische schon da sind, die Vögel aber muss man hinauslassen, und der Rabe symbolisiert gleichsam den ersten Vogel, den Noach hinauslässt. Ein solches Verständnis wird eine Parallele zur Geschichte der Weltschöpfung sein. Man kann sagen, dass der orew (Rabe) als der frechste der Vögel gilt. Davon spricht die jüdische Tradition. Sie behauptet, dass unter den Völkern das frechste Israel ist und der frechste unter den Vögeln der Rabe. Natürlich möchte man nach all der Zeit des Lebens und Daseins in der Arche ins Freie ausbrechen, man möchte nicht einfach Freiheit, sondern einfach spazieren gehen, und Noach lässt den Raben hinaus, damit dieser sozusagen für die Arche „Dampf ablässt“. Die erste Erfahrung des Hinausgehens nach draußen seit vielen Monaten, nicht einmal der Freiheit, sondern einfach des Hinausgehens. Das ist jetzt wohl verständlich und nahe für diejenigen, die eine Quarantäne in Ländern und an Orten erlebt haben, wo man lange Zeit nicht nach draußen gehen durfte, wenn auch nicht ein ganzes Jahr. Trotzdem wird so der Wert des Hinausgehens nach draußen, über die Grenzen des Quarantäneraums hinaus, verständlicher. Und daran, dass die Taube später hinausfliegt und zurückkehren wird, hat auch der Rabe ein Verdienst, der als Erster in die Freiheit hinausgelangte, obwohl er nirgendwo ankam.
Kurz gesagt, es gibt viele Versionen davon, was mit dem Raben geschah, wozu er überhaupt ausgesandt wurde. Die Midraschim erzählen völlig seltsame Geschichten. Zum Beispiel die Geschichte davon, dass der Rabe sich fürchtete wegzufliegen, aus Sorge, dass Noach sich sein Weibchen nehmen würde. Das ist, so scheint es, eine undenkbare Sache, aber andererseits war die Erde vor der Sintflut so verderbt und zügellos, dass, wer weiß, welche Perversionen der Rabe in seinem Leben gesehen hatte und was er vom Menschen zu sehen fürchtete.
Andere Kommentatoren sagen, dass, wenn er von der Arche wegfliegt, sein Weibchen ihn nicht mehr finden kann und das Geschlecht der Raben für immer verloren geht, es sind ja nur zwei. Und wieder andere sagen, dass er fürchtete, dass ihm selbst etwas zustoßen würde, denn, geh und wisse, was dort auf der Erde vor sich geht. Verschiedene Motive schreibt man dem Raben zu, und wiederum sagt das mehr über die Kommentatoren als über den Raben. Aber am einfachsten ist es, dem Raben keine schlechten Eigenschaften zuzuschreiben, sondern einfach zu sagen, dass der Rabe um die Arche fliegt und keine anderen Missionen auf sich nimmt. Und nirgends ist ja gesagt, dass Noach ihn zu irgendeinem Zweck ausgesandt hat, im Unterschied zur Taube.
וַיְשַׁלַּח אֶת-הַיּוֹנָה מֵאִתּוֹ לִרְאוֹת הֲקַלּוּ הַמַּיִם מֵעַל פְּנֵי הָאֲדָמָה:
wajschallách et-hajoná me'ittó lir'ót hakállu hammájim me'ál pené ha'adamá
8 Und er schickte die Taube von sich, um zu sehen, ob das Wasser von der Oberfläche der Erde gewichen war.
Er schickte die Taube von sich. Man hat das Gefühl, dass es eine besondere Verwandtschaft gibt, eine besondere warme Beziehung Noachs zur Taube. Wir werden das noch sehen. Man kann zu der Idee zurückkehren, dass Noach einen Taubenschlag hielt und den ganzen Taubenschlag mit sich nahm, vielleicht hat er sich aber auch einfach gerade mit der Taube angefreundet, denn von den Vögeln ist die Taube die freundlichste gegenüber dem Menschen. Wenn der Rabe überhaupt keine Aufgabe bekam, nirgends gesagt ist, wozu er ausgesandt wurde, so sehen wir hier, dass die Taube mit einer konkreten Mission ausgesandt wurde, und außerdem ist über sie gesagt, dass Noach sie von sich schickte.
וְלֹא-מָצְאָה הַיּוֹנָה מָנוֹחַ לְכַף-רַגְלָהּ וַתָּשָׁב אֵלָיו אֶל-הַתֵּבָה כִּי-מַיִם עַל-פְּנֵי כָל-הָאָרֶץ וַיִּשְׁלַח יָדוֹ וַיִּקָּחֶהָ וַיָּבֵא אֹתָהּ אֵלָיו אֶל-הַתֵּבָה:
weló-maze'á hajoná manóach lecháfDie russische Umschrift endet hier auf w. Im Hebräischen steht kaf (Fußsohle) mit f am Ende, daher lecháf.-raglá wattáschow eláw el-hattewá ki-májim al-pené chol-ha'árez wajischlách jadó wajikkachéhaDie russische Umschrift hat am Ende dieses Wortes ein g statt eines h. Im Hebräischen steht ein He, daher wajikkachéha. wajawé otá eláw el-hattewá
9 Aber die Täubin fand keine Ruhe für ihr Füßchen und kehrte zu ihm in die Arche zurück, denn Wasser war auf der ganzen Erde. Und Noach streckte die Hand aus und nahm sie und brachte sie zu sich in die Arche hinein.
Manóach bedeutet Ruhe, aber manóach wird im Buch Rut mehrmals in der Bedeutung Ehemann verwendet, das heißt eine Art Wohnstätte der Ruhe, und natürlich noach und manoach, und ein Vogel, der von Noach (minoach) weggeflogen ist und manoach (Erholung) gefunden hat. Das ist auch ein gewisses Wortspiel. Noach war gleichsam der Besitzer, der Herrscher des Weltalls und darunter auch der Täubin, sie braucht einen anderen Ort der Ruhe, einen anderen Stützpunkt für ihr Füßchen, einen anderen Ort, wo sie sich schon auf sich selbst verlassen könnte.
Sie kehrte zu ihm in die Arche zurück. Noach schickte von sich, und die Taube kehrte zu ihm in die Arche zurück. Hier wieder eine doppelte Wiederholung zur Verstärkung. Weiter lesen wir noch von der ausgestreckten Hand. Die Tora zeigt uns die Anhänglichkeit der Täubin an Noach. Es liegt eine besondere Zärtlichkeit darin, wenn Noach die Hand ausstreckt, diese Täubin nimmt und sie in die Arche hineinbringt.
וַיָּחֶל עוֹד שִׁבְעַת יָמִים אֲחֵרִים וַיֹּסֶף שַׁלַּח אֶת-הַיּוֹנָה מִן-הַתֵּבָה:
wajáchel od schiw'át jamím acherím wajosséf schallách et-hajoná min-hattewá
10 Und er wartete noch sieben andere Tage und schickte noch einmal die Taube aus der Arche.
Wenn wir in diesem Vers lesen: „Und er wartete noch sieben Tage“, können wir sagen, dass das außerdem bedeutet, dass Noach auch nach dem Raben, bevor er die Taube schickte, sieben Tage wartete. Die Tora sagt ja, dass er noch sieben Tage wartete.
Im zweiten Teil des Verses steht nicht mehr von sich, das heißt, die Beziehung zwischen Noach und der Taube verändert sich ein wenig, sie entfernen sich voneinander.
וַתָּבֹא אֵלָיו הַיּוֹנָה לְעֵת עֶרֶב וְהִנֵּה עֲלֵה-זַיִת טָרָף בְּפִיהָ וַיֵּדַע נֹחַ כִּי-קַלּוּ הַמַּיִם מֵעַל הָאָרֶץ:
wattawó eláw hajoná le'ét érew wehinné alé-sájit taráf befíha wajéda nóach ki-kállu hammájim me'ál ha'árez
11 Und die Täubin kehrte am Abend zu ihm zurück, und siehe, ein abgerissenes Olivenblättchen in ihrem Schnabel. Und Noach erkannte, dass das Wasser von der Erde abgezogen war.
Hier steht nicht letewa (in die Arche). Gleichsam beiläufig weist uns die Tora wieder mit noch einer Markierung darauf hin, dass die jona (Täubin) gleichsam selbstständiger wird.
Was bedeutet es, dass die Täubin am Abend zurückkehrte? Das bedeutet, dass sie schon ziemlich weit zu fliegen hatte.
וַיִּיָּחֶל עוֹד שִׁבְעַת יָמִים אֲחֵרִים וַיְשַׁלַּח אֶת-הַיּוֹנָה וְלֹא-יָסְפָה שׁוּב-אֵלָיו עוֹד:
wajijáchel od schiw'át jamím acherím wajschallách et-hajoná weló-jasefá schuw-eláw od
12 Und er wartete noch andere 7 Tage und schickte die Täubin, und sie kehrte nicht mehr zu ihm zurück.
Wenn es damit begann, dass die Taube so ein zahmer Vogel ist, der in die Hand Noachs zurückkehrt, so sehen wir hier, dass die Beziehung sich verändert hat, dass auch die Taube Selbstständigkeit erlangt hat. Einerseits dient die Tierwelt dem Menschen, andererseits vollzieht sich zwischen ihnen eine gewisse Trennung.
וַיְהִי בְּאַחַת וְשֵׁשׁ-מֵאוֹת שָׁנָה בָּרִאשׁוֹן בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ חָרְבוּ הַמַּיִם מֵעַל הָאָרֶץ וַיָּסַר נֹחַ אֶת-מִכְסֵה הַתֵּבָה וַיַּרְא וְהִנֵּה חָרְבוּ פְּנֵי הָאֲדָמָה:
wajhí be'achát weschésch-me'ót schaná barischón be'echád lachódesch charewú hammájim me'ál ha'árez wajássar nóach et-michsé hattewá wajár wehinné charewú pené ha'adamá
13 Und es geschah im Jahr 601, am ersten Tag des ersten Monats (das heißt im Monat und am Tag der Erschaffung der Welt), das Wasser auf der Erde trocknete aus, und Noach nahm den Deckel der Arche ab und sah, dass, siehe, die Oberfläche der Erde trocken geworden war.
Im 601. Jahr wovon? Des Lebens Noachs. Wir haben gelesen, dass Noach in die Arche ging, als er 600 Jahre alt war.
Noach nahm den Deckel der Arche ab. Wir haben gesagt, dass es einen Deckel nur bei der Arche gibt, hier, und bei der Lade des Bundes.
Die Oberfläche der Erde war trocken geworden. Aber die Oberfläche kann noch schlammig, schmutzig sein, deshalb wartet Noach noch.
וּבַחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי בְּשִׁבְעָה וְעֶשְׂרִים יוֹם לַחֹדֶשׁ יָבְשָׁה הָאָרֶץ:
uwachódesch haschení beschiw'á we'esrím jom lachódesch jaweschá ha'árez
14 Am 27. Tag des zweiten Monats (das heißt ein Jahr und 10 Tage nach dem Beginn der Sintflut) wurde die Erde trocken.
Die Sintflut ist also zu Ende, die Erde ist trocken geworden.
וַיְדַבֵּר אֱלֹהִים אֶל-נֹחַ לֵאמֹר:
wajdabbér elohím el-nóach lemór
15 Und Gott redete zu Noach und sprach:
צֵא מִן-הַתֵּבָה אַתָּה וְאִשְׁתְּךָ וּבָנֶיךָ וּנְשֵׁי-בָנֶיךָ אִתָּךְ:
ze min-hattewá attá we'ischtechá uwanécha unsché-wanécha ittách
16 „Geh aus der Arche hinaus, du und deine Frau und deine Söhne und die Frauen deiner Söhne mit dir,
Die Kommentatoren, die, wie wir erwähnt haben, behaupteten, dass es in der Arche keinerlei intimes Leben gab, sagen, dass hier noch ein Beweis ist. Hier werden sie nicht mehr getrennt aufgezählt: Noach und die Söhne, die Frau Noachs und die Frauen der Söhne, sondern Noach mit der Frau und die Söhne mit den Frauen. Also wurde ihnen jetzt das Zusammenleben erlaubt.
כָּל-הַחַיָּה אֲשֶׁר-אִתְּךָ מִכָּל-בָּשָׂר בָּעוֹף וּבַבְּהֵמָה וּבְכָל-הָרֶמֶשׂ הָרֹמֵשׂ עַל-הָאָרֶץ הוֹצֵא (הַיְצֵא) אִתָּךְ וְשָׁרְצוּ בָאָרֶץ וּפָרוּ וְרָבוּ עַל-הָאָרֶץ:
kol-hachajá aschér-ittechá mikkól-bassár baóf uwabbehemá uwchól-harémes haromés al-ha'árez hajzé ittách wescharezú wa'árez ufarú werawú al-ha'árez
17 Jedes Tier, das bei dir ist, von allem Fleisch, unter den Vögeln und unter dem Vieh, alles Kriechende, das auf der Erde kriecht, die mit dir zusammen hinausgehen und auf der Erde wimmeln werden, und seid fruchtbar und mehrt euch auf der Erde“.
וַיֵּצֵא-נֹחַ וּבָנָיו וְאִשְׁתּוֹ וּנְשֵׁי-בָנָיו אִתּוֹ:
wajezé-nóach uwanáw we'ischtó unsché-wanáw ittó
18 Und Noach ging hinaus und seine Söhne, und seine Frau und die Frauen seiner Söhne mit ihm.
Hier sehen wir es: Die Söhne und die Frauen sind getrennt aufgezählt.
כָּל-הַחַיָּה כָּל-הָרֶמֶשׂ וְכָל-הָעוֹף כֹּל רוֹמֵשׂ עַל-הָאָרֶץ לְמִשְׁפְּחֹתֵיהֶם יָצְאוּ מִן-הַתֵּבָה:
kol-hachajá kol-harémes wechól-haóf kol romés al-ha'árez lemischpechotehém jaze'ú min-hattewá
19 Und alle Tiere und alle Kriechtiere und alle Vögel, alles, was sich auf der Erde regt, nach ihren Familien, gingen aus der Arche hinaus.
Warum steht geschrieben nach ihren Familien? Die Kommentatoren sagen, dass hier die Tierwelt versprach, die Arten nicht untereinander zu vermischen, dass jedes Tier in seiner Familie leben wird, und der Zügellosigkeit, die wegen der Zügellosigkeit des Menschen geschehen war, ein Ende gesetzt wird.
Aber wir kehren ein klein wenig zurück und stellen uns folgende Frage: Wenn Noach auf die Offenbarung des Höchsten hin hinausgeht, wenn er hinausgeht, nachdem der Höchste sich an ihn gewandt und ihm befohlen hat hinauszugehen, wozu schickt Noach dann die Vögel, um zu prüfen, ob das Wasser auf der Erde gesunken ist? Nun, warte, wenn du auf die Offenbarung des Höchsten wartest, wozu prüfst du dann selbst? Wenn wir den allereinfachsten Sinn des Textes betrachten, dann ist die Antwort auch einfach – der Höchste ermutigt Noach, aus der Arche hinauszugehen. Er sagt: „Ja, geh hinaus, Ich segne dich.“ Das ist in diesem Fall kein Befehl, das ist ein Segen, wenn Er sich an Noach wendet und ihm sagt, aus der Arche hinauszugehen. Er bestätigt seine Entscheidung, bestätigt seine Wahl. Der Mensch erhält die Möglichkeit, irgendwelche Entscheidungen in der Leitung der Arche zu treffen, in der Leitung des Lebens, sogar in der Leitung alles Lebendigen. Und der Höchste sagt dazu „ja und Amen“, kommt und sagt ihm: „Geh hinaus. Ja, die Zeit ist gekommen, aus der Arche hinauszugehen. Man kann nicht die ganze Zeit in der Arche bleiben, das Weltall kann nicht in der Arche bleiben. Du musst hinausgehen, und du musst die Erde füllen.“
וַיִּבֶן נֹחַ מִזְבֵּחַ לַיהוָה וַיִּקַּח מִכֹּל הַבְּהֵמָה הַטְּהוֹרָה וּמִכֹּל הָעוֹף הַטָּהֹר וַיַּעַל עֹלֹת בַּמִּזְבֵּחַ:
wajíwen nóach misbéjach ladonáj wajikkách mikkól habbehemá hattehorá umikkól haóf hattahórDie russische Umschrift hat im Wort für „rein“ ein g statt eines h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: hattahór. wajá'al olót bammisbéjach
20 Und Noach baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und brachte ein Ganzopfer auf dem Altar dar.
Niemand hatte Noach geboten, einen Altar zu bauen. Das ist seine eigene Entscheidung, man kann sagen, als Frucht der Vorbereitung zum Kohen, von der wir gesprochen haben, Frucht der priesterlichen Vorbereitung. Erstens ist das der erste Fall, dass jemand einen Altar baut, zweitens ist das der erste Fall, dass jemand ein Ganzopfer darbringt. Davor haben wir nicht gelesen, dass Kajin oder Hewel Altäre bauten, wir haben nur gelesen, dass sie eine Mincha darbrachten, hier geht es schon um Ganzopfer.
וַיָּרַח יְהוָה אֶת-רֵיחַ הַנִּיחֹחַ וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל-לִבּוֹ לֹא-אֹסִף לְקַלֵּל עוֹד אֶת-הָאֲדָמָה בַּעֲבוּר הָאָדָם כִּי יֵצֶר לֵב הָאָדָם רַע מִנְּעֻרָיו וְלֹא-אֹסִף עוֹד לְהַכּוֹת אֶת-כָּל-חַי כַּאֲשֶׁר עָשִׂיתִי:
wajárach adonáj et-réjach hannichóach wajomer adonáj el-libbó lo ossíf lekallél od et-ha'adamá ba'awúr ha'adám ki jézer lew ha'adám ra minne'uráw weló-ossíf od lehakkót et-kol-cháj ka'aschér assíti
21 Und der HERR roch den Duft des Wohlgeruchs, und der HERR sprach zu Seinem Herzen: „Ich werde die Erde nicht mehr verfluchen wegen des adam, denn der Anfang des Herzens des Menschen ist böse von seiner Jugend an. Und Ich werde nicht mehr alles Lebendige schlagen, wie Ich es getan habe.
Manche Kommentatoren sagen, dass es hier von den Opfern Noachs nach Awraham roch, das heißt, der HERR roch das Potenzial der Menschheit, Awraham hervorzubringen und den Aufbau eines neuen Volkes auf der Erde zu beginnen.
Ich habe schon davon gesprochen und wiederhole es noch einmal, da das so eine sehr interessante Bemerkung ist: in seinem Herzen (be-libo) spricht nur der Frevler. „Der Frevler sprach in seinem Herzen: ‚Es gibt keinen Gott.‘“ Der Frevler spricht in seinem Herzen, sein Verstand ist schon im Herzen, er nimmt sein Herz schon so an, wie es ist, und nach diesem Herzen verändert er die Welt, gestaltet sich nach seinem Herzen um. Wenn wir von den Gerechten sprechen, spricht der Gerechte le-libo (zu seinem Herzen) oder el-libo (seinem Herzen) und nur so. Die Handlungen des Gerechten sind auf die Veränderung, die Umgestaltung, die Verwandlung seines Herzens gerichtet, er spricht zu seinem Herzen, gleichsam um sein Herz zu erziehen. Dieser Unterschied ist beständig und zieht sich durch den ganzen Tanach. So spricht in seinem Herzen, gleichsam über sein Herz herrschend, der frevlerische Mensch; zu seinem Herzen spricht der gerechte Mensch, nun, und der Höchste, wobei der Höchste kein Herz als solches hat, und der Höchste spricht nicht mit Seinem Herzen, sondern das sind Bilder, die uns übermittelt werden. Aber trotzdem ist uns gesagt: zu Seinem Herzen.
Ich werde die Erde nicht mehr verfluchen wegen des adam. Das ist ungefähr dasselbe, was der HERR vor der Sintflut sagte, was hat sich denn hier verändert? Man kann diesen Satz auf mehrere Weisen verstehen.
Die erste Weise. „Ich werde die Erde nicht mehr für diesen ewig schlechten adam bestrafen, soll der adam selbst dafür einstehen, die Erde ist nicht mehr für ihn verantwortlich.“ Der neue Mensch ist nicht mehr jener Adam, der ursprünglich aus Erde gemacht war, das ist eine neue Menschheit, und die Erde ist nicht für ihn verantwortlich.
Die zweite Variante. Der Höchste sagt: „Ich werde den Menschen nicht mehr auf diese Weise für das Böse bestrafen, und die Erde werde Ich nicht mehr für das Böse des Menschen bestrafen. Nun, böse ist er, und man muss das ändern, und nicht ihn vernichten. Diese neue Menschheit werde ich lehren und verändern.“
Es gibt noch eine Weise, diese Worte des Höchsten zu betrachten. Oft ist es so, dass der Höchste die Methode des Handelns ändert. Zum Beispiel, als Israel mit der Sünde des Kalbes sündigte, sagte der Höchste: „Ihr bleibt hier vierzig Jahre.“ Das ist, sagen wir so, Plan „B“ des Höchsten. Und hier sagt der Höchste: „Ich werde die Reinheit der Erde nicht mehr aufbauen, Ich werde die Erde nicht durch irgendwelche einzelnen Gerechten verwandeln. Ja, alle haben gesündigt, aber es gibt Chanoch, es gibt Noach – sie sind gerecht, einzelne Gerechte auf der ganzen Erde, unter der ganzen Bevölkerung der Erde. Ich werde ein Volk von Heiligen schaffen, ein königliches Priestertum, und Ich werde jetzt eine Gemeinde hegen, in der Ich wohnen werde.“ Wie Jeschajahu sagte: „Das Volk, das Ich Mir zur Herrlichkeit geschaffen habe.“ Nicht konkrete Gerechte, sondern gerade eine Gemeinde. Viele verschiedene Überlegungen zu diesem Thema, und wieder kann man sagen, dass die Kommentatoren mehr über sich selbst sprechen als über das, was sie kommentieren.
Lo ossíf. Daraus, dass der Höchste das zweimal sagt, leitet man die Sprache des Schwurs ab. Wie uns der Maschiach lehrt und wie die mündliche Tora lehrt: die Sprache des Schwurs. „Ja, ja“ (die zweifache Wiederholung von „ja“) – das ist ein Schwur; die zweifache Wiederholung von nein (lo, lo) – das ist ein Schwur. Ken, ken (ja, ja) oder lo, lo – das ist die Sprache des Schwurs vor Gericht. Ossif, ossif – das ist auch die Sprache des Schwurs des Höchsten. Jeschajahu sagt: „Ich habe über die Sintflut geschworen.“ Jeschajahu führt die Worte des Höchsten an. Wo ist der Schwur? Der Schwur liegt in der zweifachen Wiederholung dieser Worte. Der Höchste sagt hier: „Ich werde nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie Ich es jetzt getan habe.“
עֹד כָּל-יְמֵי הָאָרֶץ זֶרַע וְקָצִיר וְקֹר וָחֹם וְקַיִץ וָחֹרֶף וְיוֹם וָלַיְלָה לֹא יִשְׁבֹּתוּ:
od kol-jemé ha'árez séra wekazír wekór wachóm wekájiz wachóref wejom walájla lo jischbótu
22 Alle Tage der Erde hindurch werden Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören“.
Man kann daraus den Schluss ziehen, dass in der Zeit, als die Arche da war, als die Arche fuhr, als die Sintflut war, die Jahreszeiten nicht wechselten. Und wie hätten die Jahreszeiten auch wechseln sollen, wenn es die ganze Zeit bewölkt ist und regnet? Jetzt sagt der Höchste, dass diese Ordnung, diese Einrichtung der Natur ständig wirken wird. Von den neuen Regeln werden wir noch im nächsten Kapitel lesen.
וַיְבָרֶךְ אֱלֹהִים אֶת-נֹחַ וְאֶת-בָּנָיו וַיֹּאמֶר לָהֶם פְּרוּ וּרְבוּ וּמִלְאוּ אֶת-הָאָרֶץ:
wajwárech elohím et-noách we'ét-banáw wajomer lahém perú urwú umil'ú et-ha'árez
1 Und Gott segnete Noach und seine Söhne und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar, und mehrt euch, und füllt die Erde.
Wir lesen einen feierlichen Moment, in dem eine neue Etappe im Weltall beginnt: Die erneuerte Menschheit in Gestalt von 8 Menschen und die erneuerte Tierwelt gehen aus der Arche hinaus. Wie im ersten und zweiten Kapitel des Buches Bereschit segnet der Höchste den Menschen. Das Wort perú stammt von der Wurzel perí (Frucht), das Wort rwu stammt von dem Wort raw (Menge). Tatsächlich ist die richtige russische Übersetzung seid fruchtbar und mehrt euch, aber achten wir auf ein solches Detail: Im Hebräischen gibt es eine Regel, dass, wenn 2 Buchstaben der Wurzel in Wörtern gleich sind (die zwei ersten Buchstaben), die Wörter zu derselben semantischen Zelle gehören. Wenn wir uns das Wort perú (seid fruchtbar) und die Wurzel perí (Frucht) ansehen, dann sehen wir, dass das mit dem Zerreißen von Grenzen verbunden ist, mit der Teilung in Teile, lefrít (teilen), lehafrísch (trennen), lifróm (an der Naht auftrennen), lifróa (in Stücke reißen; die Form verändern), peré (wild, keine Grenzen kennend). Und so ist die Wurzel perú oder perí – das Durchbrechen nach vorn, wie es auch im Russischen ganz zufällig mit den Buchstaben pr beginntIm Russischen beginnt das Wort für „sich durchbrechen“ (prorywatsja) tatsächlich mit pr, wie die hebräische Wurzel. Das deutsche „durchbrechen“ hat diesen Anklang nicht. – sich durchbrechen nach vorn. Hier können wir davon sprechen, dass perú qualitative Veränderungen bedeutet, das heißt werdet besser, verändert euch, und rwu sind quantitative Veränderungen – vermehrt euch: Werdet besser und werdet mehr.
וּמוֹרַאֲכֶם וְחִתְּכֶם יִהְיֶה עַל כָּל-חַיַּת הָאָרֶץ וְעַל כָּל-עוֹף הַשָּׁמָיִם בְּכֹל אֲשֶׁר תִּרְמֹשׂ הָאֲדָמָה וּבְכָל-דְּגֵי הַיָּם בְּיֶדְכֶם נִתָּנוּ:
umora'achém wechittechém jihjéDie russische Umschrift hat bei jihjé („wird sein“) ein g statt eines h. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. al kol-chaját ha'árez we'ál kol-óf haschamájim bechól aschér tirmós ha'adamá uwchól-degé hajám bejedchém nittánu
2 und Furcht vor euch, Schrecken vor euch wird auf allem Getier der Erde sein und auf jedem Vogel des Himmels und auf allem, wovon die Erde wimmelt, und auf allen Fischen des Meeres; in eure Hände sind sie gegeben.
Ganz am Anfang, als der Höchste den Menschen erschuf, sprach Er: „Ihr werdet über die ganze Tierwelt herrschen (diktatorisch herrschen).“ Aber das war ein Gesetz, das Zusammenarbeit voraussetzte. Wir erinnern uns, dass die Tiere kamen und Adam jedem der Tiere einen Namen gab. Das war ein Zusammenleben in Zusammenarbeit unter der klaren Leitung Adams. So war es bestimmt zu sein. Hier aber sehen wir, dass die Beziehungen schon unfreundlich sind, das ist keine Freundschaft zwischen Tierwelt und Mensch, sondern auf der Tierwelt liegen Furcht und Schrecken vor den Menschen. Warum? Weil wir im 3. Vers lesen:
כָּל-רֶמֶשׂ אֲשֶׁר הוּא-חַי לָכֶם יִהְיֶה לְאָכְלָה כְּיֶרֶק עֵשֶׂב נָתַתִּי לָכֶם אֶת-כֹּל:
kol-rémes aschér hu-cháj lachém jihjé le'ochlá kejérek éssew natátti lachém et-kól
3 Alles, was sich regt, was lebt, soll euch zur Speise sein; wie das grüne Kraut gab Ich euch alles.
Jetzt gibt es so eine Mode unter Vegetariern, es gibt solche Produkte, die im Geschmack an Fleisch erinnern, obwohl sie ein vegetarisches Gericht sind. Es gibt irgendeinen vegetarischen Salat mit dem Geschmack von Hühnerleber, es gibt vegetarische Schnitzel, vegetarisches Bœuf Stroganoff und vegetarische Steaks, das heißt, mit pflanzlicher Nahrung versucht man, die Geschmäcker von Fleischkost nachzubilden. Hier sagt der Höchste genau das Gegenteil: „Ich werde euch Fleisch geben wie Gras. Die Geschmackseigenschaften all eurer Kräutlein werdet ihr jetzt vom Fleisch bekommen. Jetzt werdet ihr Tiere essen.“ Die Beziehungen haben sich verändert. Daher die Furcht, da der Mensch jetzt das Tier essen kann. Ist das eine Beförderung des Menschen im Dienst oder eine Degradierung im Dienst? Ist das eine Frucht davon, dass die Menschheit sich auf eine neue Stufe erhoben hat, oder ist sie doch gesunken? Wenn wir auf den König der Könige schauen, auf den Heiligen, gepriesen sei Er, der über alles herrscht: Er bedarf keiner Sache, Er isst, Gott bewahre, keinen Seiner Untertanen, nimmt nichts von ihnen, Er isst nicht die Opfer, die wir darbringen, Er braucht nicht die Brote, die wir darbringen, Er braucht nicht das Geld, das wir darbringen, Er ernährt sich nicht und hängt nicht von uns ab. Und natürlich, glückselig ist der König, der nicht von seinen Untertanen abhängt, aber der Mensch ist hier in seiner Stufe gesunken und in Abhängigkeit von seinen Untertanen gestellt worden, indem er die Möglichkeit bekam, Tiere zu essen. Aber mit bestimmten Einschränkungen.
אַךְ-בָּשָׂר בְּנַפְשׁוֹ דָמוֹ לֹא תֹאכֵלוּ:
ach bassár benafschó damó lo tochélu
4 Aber Fleisch, in dem Blut ist, esst nicht.
Das Blut belebt das Fleisch, das Blut macht jedes lebendige Wesen lebendig, darum sagt man, dass die Nefesch – das Leben des Lebendigen selbst – im Blut ist. Und uns ist erlaubt, das Tote zu essen, das im Lebendigen ist, den toten Teil der Tiere, aber nicht das lebendige Leben der Tiere. Damit man sich nicht vom Leben der Tiere ernährt, sondern von ihrem Fleisch, und es, dieses Fleisch, auf die eigene Stufe hebt. Wir haben noch eine neue Aufgabe bekommen: Nicht nur Äpfelchen und Apfelsinen können wir schon auf unsere Stufe heben, sondern auch Tiere. Obwohl das auch eine Degradierung ist. Es entsteht die Frage: Wenn man jetzt töten darf, um zu essen, kann sich dann nicht ein so aufrührerischer, aber logischer Gedanke in den Kopf einschleichen, dass man vielleicht auch einen Menschen töten darf? Der Höchste sagt im 5. Vers:
וְאַךְ אֶת-דִּמְכֶם לְנַפְשֹׁתֵיכֶם אֶדְרֹשׁ מִיַּד כָּל-חַיָּה אֶדְרְשֶׁנּוּ וּמִיַּד הָאָדָם מִיַּד אִישׁ אָחִיו אֶדְרֹשׁ אֶת-נֶפֶשׁ הָאָדָם:
we'ách et-dimchém lenafschotechém edrósch mijád kol-chajá edreschénnu umijád ha'adám mijád isch achíw edrósch et-néfesch ha'adám
5 Euer Blut werde Ich fordern von jedem Tier und von der Hand des Menschen, von der Hand des Bruders werde Ich fordern für den getöteten Menschen.
Das heißt, das Gesetz über das Töten und Essen ist nicht gegenseitig. Der Mensch hat das Recht, Tiere zu töten und zu essen, die Tiere aber haben nicht das Recht, den Menschen zu töten und zu essen. Also bekommen auch die Tiere ihr Verbot. Später wird die Tora von einem Stier sprechen, der einen Menschen stieß und ihn tötete: Dieser Stier wird nicht einfach getötet, er wird gesteinigt, wie nach einem Gerichtsurteil. Das heißt, das Tier steht unter Gericht, wenn es einen Menschen getötet hat. Und der Höchste sagt: „Ich werde vom Tier fordern, das euch tötet.“ Weder Tiere noch Menschen dürfen Menschen töten. Dass es uns jetzt erlaubt ist, Tiere zu essen, bedeutet nicht, dass wir einander umbringen können.
שֹׁפֵךְ דַּם הָאָדָם בָּאָדָם דָּמוֹ יִשָּׁפֵךְ כִּי בְּצֶלֶם אֱלֹהִים עָשָׂה אֶת-הָאָדָם:
schoféch dam ha'adám ba'adám damó jischaféch ki bezélem elohím assá et-ha'adám
6 Und jeder, der das Blut des Menschen vergießt, durch den Menschen wird sein Blut vergossen werden, denn Gott hat den Menschen nach Seinem Bild erschaffen.
Der Höchste gibt hier so einen indirekten Hinweis und sagt, dass es ein Gericht geben wird und der Mörder, der das Blut eines Menschen vergossen hat, von Menschen gerichtet werden muss, und auch sein Blut wird vergossen werden. Wenn wir einen Menschen erschlagen, einen Menschen essen, so ist das doch das Porträt Gottes, das jeder von uns in sich trägt, und es ist nicht so einfach, es zu töten und zu essen.
וְאַתֶּם פְּרוּ וּרְבוּ שִׁרְצוּ בָאָרֶץ וּרְבוּ-בָהּ:
we'attém perú urwú schirzú wa'árez urwu-wá
7 Ihr aber, seid fruchtbar und mehrt euch, wimmelt auf der Erde und mehrt euch auf ihr“.
Das ist der Segen des Höchsten an Noach und seine Söhne, der außer allem anderen auch eine Erzählung von der neuen Ordnung des Weltalls enthält.
וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים אֶל-נֹחַ וְאֶל-בָּנָיו אִתּוֹ לֵאמֹר:
wajomer elohím el-nóach we'él-banáw ittó lemór
8 Und Gott sagte zu Noach und zu seinen Söhnen und sprach:
וַאֲנִי הִנְנִי מֵקִים אֶת-בְּרִיתִי אִתְּכֶם וְאֶת-זַרְעֲכֶם אַחֲרֵיכֶם:
wa'aní hinení mekím et-berití ittechém we'ét-sar'achém acharechém
9 „Siehe, Ich richte den Bund auf mit euch und mit eurem Samen nach euch,
Wie sich das auf den Samen erstrecken wird, werden wir in den weiteren Wochenabschnitten sehen.
וְאֵת כָּל-נֶפֶשׁ הַחַיָּה אֲשֶׁר אִתְּכֶם בָּעוֹף בַּבְּהֵמָה וּבְכָל-חַיַּת הָאָרֶץ אִתְּכֶם מִכֹּל יֹצְאֵי הַתֵּבָה לְכֹל חַיַּת הָאָרֶץ:
we'ét kol-néfesch hachajá aschér ittechém ba'óf babbehemá uwchól-chaját ha'árez ittechém mikkól joze'é hattewáDie russische Umschrift hat hier „hetewá“. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: hattewá (die Arche). lechól chaját ha'árez
10 und mit jeder lebendigen Seele, die mit euch ist: mit dem Vogel und mit dem Vieh und mit allem Getier, das mit euch ist, und allen, die aus der Arche herausgegangen sind, allen Tieren der Erde.
Das ist ein Bund nicht nur mit Noach und mit seinen Söhnen, sondern auch mit dem ganzen Weltall, mit allem Lebendigen.
וַהֲקִמֹתִי אֶת-בְּרִיתִי אִתְּכֶם וְלֹא-יִכָּרֵת כָּל-בָּשָׂר עוֹד מִמֵּי הַמַּבּוּל וְלֹא-יִהְיֶה עוֹד מַבּוּל לְשַׁחֵת הָאָרֶץ:
wahakimotí et-berití ittechém weló-jikkarét kol-bassár od mimmé hammabbúl welo-jihjé od mabbúl leschachét ha'árez
11 Ich richte mit euch den Bund auf, und nicht wird alles Fleisch künftig durch die Wasser der Sintflut vernichtet werden, und es wird keine Sintflut mehr geben, um die Erde zu vernichten“.
Das ist der Inhalt des Bundes, der Bund ist hier einseitig, der Höchste verspricht das der Menschheit und dem ganzen Weltall, ohne etwas dafür zu verlangen.
וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים זֹאת אוֹת-הַבְּרִית אֲשֶׁר-אֲנִי נֹתֵן בֵּינִי וּבֵינֵיכֶם וּבֵין כָּל-נֶפֶשׁ חַיָּה אֲשֶׁר אִתְּכֶם לְדֹרֹת עוֹלָם:
wajomer elohím sot ot-habberít aschér-aní notén bení uwenechém uwén kol-néfesch chajá aschér ittechém ledorót olám
12 Und Gott sprach: „Dies ist das Zeichen des Bundes, das Ich gebe zwischen Mir und euch und jeder lebendigen Seele, die mit euch ist, für ewige Generationen.
אֶת-קַשְׁתִּי נָתַתִּי בֶּעָנָן וְהָיְתָה לְאוֹת בְּרִית בֵּינִי וּבֵין הָאָרֶץ:
et-kaschtí natátti be'anán wehajetá le'ót berít bení uwén ha'árez
13 Meinen Regenbogen gebe Ich in die Wolke, und er wird ein Zeichen des Bundes sein zwischen Mir und zwischen der Erde.
וְהָיָה בְּעַנְנִי עָנָן עַל-הָאָרֶץ וְנִרְאֲתָה הַקֶּשֶׁת בֶּעָנָן:
wehajá be'anení anán al-ha'árez wenir'atá hakkéschet be'anán
14 Und es wird sein, wenn Ich Wolken über die Erde bringe und der Regenbogen in der Wolke erscheint,
וְזָכַרְתִּי אֶת-בְּרִיתִי אֲשֶׁר בֵּינִי וּבֵינֵיכֶם וּבֵין כָּל-נֶפֶשׁ חַיָּה בְּכָל-בָּשָׂר וְלֹא-יִהְיֶה עוֹד הַמַּיִם לְמַבּוּל לְשַׁחֵת כָּל-בָּשָׂר:
wesachartí et-berití aschér bení uwenechém uwén kol-néfesch chajá bechól-bassár weló-jihjé od hammájim lemabbúl leschachét kol-bassár
15 und gedenken werde Ich des Bundes, der zwischen mir und zwischen euch ist und zwischen jedem lebendigen Wesen und allem Fleisch, und nicht mehr werden die Wasser der Sintflut alles Fleisch vernichten.
וְהָיְתָה הַקֶּשֶׁת בֶּעָנָן וּרְאִיתִיהָ לִזְכֹּר בְּרִית עוֹלָם בֵּין אֱלֹהִים וּבֵין כָּל-נֶפֶשׁ חַיָּה בְּכָל-בָּשָׂר אֲשֶׁר עַל-הָאָרֶץ:
wehajetá hakkéschet be'anán ur'itiháIn der russischen Umschrift ist dieses Wort („ich werde ihn sehen“) verschrieben. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: ur'itihá. liskór berít olám ben elohím uwén kol-néfesch chajá bechól-bassár aschér al-ha'árez
16 Und der Regenbogen wird in der Wolke sein. Ich werde ihn sehen, um des ewigen Bundes zu gedenken zwischen Gott und zwischen jeder lebendigen Seele, zwischen allem Fleisch, das auf der Erde ist“.
וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים אֶל-נֹחַ זֹאת אוֹת-הַבְּרִית אֲשֶׁר הֲקִמֹתִי בֵּינִי וּבֵין כָּל-בָּשָׂר אֲשֶׁר עַל-הָאָרֶץ:
wajomer elohím el-nóach sot ot-habberít aschér hakimóti bení uwén kol-bassár aschér al-ha'árez
17 Und Gott sprach zu Noach: „Dies ist das Zeichen des Bundes, den Ich aufgerichtet habe zwischen Mir und zwischen allem Fleisch, das auf der Erde ist.“
Also, lasst uns zuallererst verstehen, warum gerade der Regenbogen das Symbol des Bundes ist. Es gibt, wie es immer so ist, eine Menge verschiedener Auslegungen und verschiedener Verständnisse. Das einfachste Verständnis: Der Regenbogen ist mit dem Regen verbunden. Wenn ein starker Regen beginnt, was kann dann mit einem Menschen oder mit irgendeinem Lebewesen geschehen, das ein so traumatisches Ereignis wie die Sintflut überlebt hat? Natürlich kann der Mensch und das Tier denken, dass die Sintflut wieder beginnt, dass der Höchste die Erde wieder überfluten und vernichten will. Gerade in dem Moment, wenn der Regen kommt, wenn sich eine solche Angst verstärken kann, gerade in diesem Moment erscheint der Regenbogen, und er versichert uns, dass Frieden ist zwischen uns und dem Höchsten. Hier sagt der Höchste: „Ich werde gedenken.“ Und wir haben über das Wort gedenken, gesprochen, darüber, was Er gedachte des Bundes bedeutet. Jedes Mal, wenn es regnet und der Regenbogen erscheint, ist das wie eine Markierung, wenn der Höchste Seine Gnade erweist, Frieden stiftet zwischen dem Menschen und zwischen Sich, zwischen dem Weltgebäude und zwischen Sich. Das, was früher Zerstörung war, ist jetzt ein Zeichen des Friedens zwischen dem Menschen und Gott. Es gibt viele Streitigkeiten darüber, ob es den Regenbogen vor der Sintflut gab oder ob er erst genau in diesem Moment erschaffen wurde. Oft sehen wir, dass der Höchste den Himmel und die Erde als Zeugen anruft, Er erschafft sie nicht dafür, ruft als Zeugen das an, was schon existiert. Und auch hier können wir sagen, dass dieses Zeichen, der Regenbogen, in der Welt auch schon vorher existierte, aber der Höchste machte ihn zum Zeichen des Bundes. Es gibt andere Kommentatoren, die sagen, dass der Höchste die Wirkung der Sonne, des Sonnenlichts so verstärkte, dass der Regenbogen erscheinen konnte. Das ist das, was die jüdischen Weisen sagen, unter Berufung auf die griechischen Weisen, dass sich das Sonnenlicht veränderte. Es gibt auch solche Überlegungen. Es gibt Überlegungen, die mit der Physik der Elementarteilchen verbunden sind. Sehr kurz kann man sagen, dass die Physik der Elementarteilchen davon spricht, dass das ganze Weltgebäude, alles, was der Höchste erschaffen hat, aus kleinen, kleinen Teilchen geschaffen, gewoben ist, es gibt eine Menge verschiedener Arten davon, und die meisten von ihnen verändern sich, die meisten von ihnen sind instabil und unbeständig. Aber es ist bekannt, dass es nur sechs stabile Elementarteilchen gibt, das heißt nur sechs unveränderliche Elemente der Welt, die niemand verändern und niemand spalten kann: Photon, Elektron, Quark, Graviton, Gluon und Neutrino. Von diesen sechs kann nur das Photon vom menschlichen Auge gesehen werden, nur das Photon (das lichttragende Teilchen) kann vom Menschen gesehen werden, je nachdem, welche Energie das Photon besitzt. Wenn es eine niedrige Energie besitzt, dann trägt es die rote Farbe, das ist die niedrigste Energie. Es gibt noch niedrigere, und dann ist das die infrarote Farbe, und wir sehen sie nicht. Es gibt Photonen, die eine größere Energie besitzen, und sie sind von violetter Farbe. Es gibt noch höhere, Ultraviolett, aber wir sehen es nicht. Das Photon ist ein unteilbares Teilchen, es hat seine Standardenergie, und das, was wir sehen, ist eine ständige Mischung von Photonen. Manchmal sehen wir manche Photonen nicht, und deshalb ist zum Beispiel die Sonne beim Sonnenuntergang rot, weil die blauen Photonen verschwinden. Ich erzähle das sehr vereinfacht nach. Im Regenbogen geschieht etwas Ungewöhnliches, die Photonen ordnen sich nach ihrem Niveau, als würden die grundlegenden unveränderlichen Elemente des Weltgebäudes fein säuberlich in Fächer sortiert. Und der Regenbogen kann, wenn man auf die Physik der Elementarteilchen schaut, gleichsam die Ordnung und das Weltgefüge in der ganzen Welt symbolisieren. Die ganze Vielfalt des Weltgebäudes und des Menschengebäudes, die wir sehen, alles steht in Wechselbeziehung, und der Regenbogen ist unser Fenster in das Gefüge des Universums, er umfasst die ganze sichtbare Welt in allen Farben und sortiert gleichsam alles, was wir sehen, alles, was wir über das Universum wissen, fein säuberlich in Fächer. Das war eine für meine Gespräche seltene Ecke „Tora und Wissenschaft“. Und vieles kann man natürlich noch über den Regenbogen sagen. Es gibt viele Kommentare. Ich teile nur das, was mich interessiert.
וַיִּהְיוּ בְנֵי-נֹחַ הַיֹּצְאִים מִן-הַתֵּבָה שֵׁם וְחָם וָיָפֶת וְחָם הוּא אֲבִי כְנָעַן:
wajihjú wené-nóach hajoze'ím min-hattewa schem wechám wajáfet wechám hu awí chená'an
18 Und die Söhne Noachs, die aus der Arche gingen, waren: Schem, Cham und Jefet; und Cham – er ist der Vater Kanaans.
Warum ist gesagt: „Cham – er ist der Vater Kanaans“? Wir werden versuchen, das im Weiteren zu verstehen. Das heißt, die Tora hat uns die drei Söhne Noachs aufgezählt, die aus der Arche gingen, und dabei erwähnt, dass Cham – er der Vater Kanaans ist. Es gibt viele verschiedene Antworten auf die Frage „warum“, und auch wir werden versuchen, eine Antwort zu geben.
שְׁלֹשָׁה אֵלֶּה בְּנֵי-נֹחַ וּמֵאֵלֶּה נָפְצָה כָל-הָאָרֶץ:
scheloschá élle bené-nóach ume'élle nafezá chol-ha'árez
19 Diese drei sind die Söhne Noachs, und von diesen breitete sich die ganze Erde aus.
Das heißt, die Nachkommenschaft von diesen breitete sich über die ganze Erde aus. Davon, wie sie sich ausbreitete, werden wir im nächsten Kapitel des Buches Bereschit lesen. Und die Geschichte, die wir jetzt lesen werden, wird uns davon erzählen, welche Wechselbeziehung zwischen der Nachkommenschaft der drei Söhne Noachs hergestellt werden wird und warum sie gerade so sein wird.
וַיָּחֶל נֹחַ אִישׁ הָאֲדָמָה וַיִּטַּע כָּרֶם:
wajáchel nóach isch ha'adamá wajittá kárem
20 Und Noach begann, ein Mann der Erde zu sein, und pflanzte einen Weinberg.
Offenbar hat sich die Erde erneuert, verwandelt. Möglicherweise fühlte Noach eine besondere Verbindung mit der Erde. Es gibt solche, die das Noach zum Vorwurf sagen, dass er aufhörte, isch elohím (Mann Gottes) zu sein, und isch ha'adamá (Mann der Erde) wurde, aber es ist durchaus möglich, dass Noach einfach anfing, auf der Erde zu arbeiten. Man muss bedenken: Was für ein Gerechter Noach auch war, er hat ein schreckliches Ereignis überlebt. Außer dass die ihm am nächsten stehenden Menschen gerettet wurden, sind möglicherweise irgendwelche Freunde, Bekannte gestorben. Das ist nicht so einfach zu verkraften.
וַיֵּשְׁתְּ מִן-הַיַּיִן וַיִּשְׁכָּר וַיִּתְגַּל בְּתוֹךְ אָהֳלֹה:
wajéscht min-hajájin wajischkár wajitgál betóch aholó
21 Und er trank von dem Wein und wurde betrunken, und er deckte sich auf in seinem Zelt.
Es lohnt sich, darauf zu achten, wie das Wort aholó (sein Zelt) geschrieben ist. Es ist mit dem Buchstäbchen ה am Ende geschrieben, anstatt mit dem Buchstäbchen וֹ am Ende geschrieben zu sein. Wenn wir die Vokalzeichen nicht sehen, dann sieht das eher nach ihr Zelt aus als nach sein Zelt. Wiederum, wenn wir etwas Ungewöhnliches lesen, wie hier, dass statt des Buchstäbchens וֹ das Buchstäbchen ה steht, und wozu die Tora so schreibt, dann können wir nachsehen, wo noch so geschrieben ist. Und so ist zum Beispiel im Buch Bereschit (35,21) geschrieben: „Und Israel zog weiter und schlug sein Zelt jenseits von Migdal-Eder auf. Und es geschah während des Aufenthalts Israels in jenem Land, da ging Re'uwen hin und lag bei Bilha, der Nebenfrau seines Vaters; und Israel hörte es.“ Das heißt, hier, wenn aholó (sein Zelt) gesagt wird, kann man darin einen gewissen Hinweis sehen, dass es nicht ganz sein eigenes Zelt ist, sondern das Zelt seiner Frau oder seiner Nebenfrau. Und die Tora spricht davon in reiner Sprache. Dasselbe lesen wir auch im Buch Bereschit im 12. Kapitel über Awraham: „Und er zog von dort weiter zum Berg, östlich von Bejt-El, und schlug sein Zelt auf, mit Bejt-El im Westen und Ai im Osten; und er errichtete dort einen Altar für den HERRN und rief den Namen des HERRN an.“ Die Kommentatoren fragen, warum aholó mit ה geschrieben ist? Weil das das Zelt Saras ist. Und wir können, wenn wir diese Texte vergleichen, verstehen, dass es durchaus möglich ist, dass Noach trank und seine Blöße im Zelt seiner Gattin aufdeckte.
וַיַּרְא חָם אֲבִי כְנַעַן אֵת עֶרְוַת אָבִיו וַיַּגֵּד לִשְׁנֵי-אֶחָיו בַּחוּץ:
wajár cham awí chená'an et erwát awíw wajaggéd lischné-echáw bachúz
22 Und Cham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und sagte es seinen beiden Brüdern, die draußen waren.
Wenn die Tora dem Menschen verbietet, die Blöße der Frauen des Vaters aufzudecken, sagt die Tora, dass das „die Blöße deines Vaters“ ist, das heißt, ein durchaus mögliches Verständnis ist, dass mit der Blöße des Vaters die Blöße der Mutter gemeint ist. Das ist eine Variante des Verständnisses.
וַיִּקַּח שֵׁם וָיֶפֶת אֶת-הַשִּׂמְלָה וַיָּשִׂימוּ עַל-שְׁכֶם שְׁנֵיהֶם וַיֵּלְכוּ אֲחֹרַנִּית וַיְכַסּוּ אֵת עֶרְוַת אֲבִיהֶם וּפְנֵיהֶם אֲחֹרַנִּית וְעֶרְוַת אֲבִיהֶם לֹא רָאוּ:
wajikkách schem wajéfet et-hassimlá wajassímu al-schechém schenehém wajelechú achorannít wajchassú et erwát awihém ufnehém achorannít we'erwát awihém lo ra'u
23 Schem und Jefet aber nahmen das Gewand, legten es auf die Schultern von ihnen beiden und gingen rückwärts und bedeckten die Blöße ihres Vaters, sie gingen rückwärts, und die Blöße ihres Vaters sahen sie nicht.
Was ist geschehen? Da haben die verschiedenen Kommentatoren ein weites Feld. Schon zur Zeit des Talmud gab es zwei Hauptmeinungen. Die einen Kommentatoren sagen, dass Cham mit Noach schlief, die anderen sagen, dass er ihn kastrierte. Natürlich, wenn wir wieder auf die Prosa des Nahen Ostens mit ihren verschiedenen Göttern und mit ihrer verschiedenen Mythologie schauen, dann werden wir das so sehen, aber die Mythologie des Nahen Ostens ist nicht immer eine gute Quelle, um diese oder jene Ereignisse in der Tora auszulegen. Andererseits gibt es ein Gesetz der östlichen Kultur über die Achtung vor dem Vater in denselben sumerischen Handschriften, wo gesagt wird: „Selbst wenn dein Vater sich betrunken hat, lache nicht über ihn, sondern trage ihn auf der Schulter und bring ihn nach Hause.“ Das heißt, es ist durchaus wahrscheinlich, dass nichts darüber hinaus, als die Blöße des Vaters zu sehen und loszulaufen, um den Brüdern zu erzählen, dass der Vater nackt herumliegt, nichts außer Spott dort geschehen ist. Aber auch Spott genügt, damit das eine unglaubliche Missachtung des Vaters ist. Andererseits, ausgehend davon, dass wir sagen, dass es möglicherweise darum geht, dass Noach dort mit seiner Frau war, gibt es Kommentatoren, die weit gegangen sind, und sie sagen, dass Cham in diesem Moment bei seiner Mutter lag und daraus Kanaan geboren wurde, und deshalb gerade Kanaan im Weiteren verflucht wird. Und wenn die Tora am Anfang sagt, dass Cham der Vater Kanaans ist, dann ist das gleichsam eine Einführung in die Geschichte, wie es dazu kam. Aber da die Tora den Vorhang der Bescheidenheit über diese Geschichte senkt, ist es wohl schwer, dem etwas hinzuzufügen. Mir ist das Verständnis sehr nahe, dass das ein einfacher Spott war und nicht mehr als das, und dieser Spott genügte, um alles über Cham zu sagen.
וַיִּיקֶץ נֹחַ מִיֵּינוֹ וַיֵּדַע אֵת אֲשֶׁר-עָשָׂה-לוֹ בְּנוֹ הַקָּטָן:
wajíkez nóach mijenó wajéda et aschér-ássa lo benó hakkatán
24 Und Noach erhob sich von seinem Wein (das heißt, er wurde nüchtern) und erfuhr, was ihm sein kleiner Sohn getan hatte.
Wir haben schon davon gesprochen, dass Cham der jüngste der Söhne ist, obwohl man traditionell Schem, Cham und Jefet sagt, und ich habe erklärt, warum das so ist.
וַיֹּאמֶר אָרוּר כְּנָעַן עֶבֶד עֲבָדִים יִהְיֶה לְאֶחָיו:
wajomer arúr kená'an éwed awadím jihjé le'echáw
25 Und er sprach: „Verflucht sei Kanaan, ein Knecht der Knechte wird er seinen Brüdern sein!“
Der größte Segen, den ein Mensch hat, ist seine Freiheit, der größte Fluch ist die Knechtschaft, Knechtschaft gegenüber einem anderen Menschen, Knechtschaft der Sünde, Knechtschaft unter einem Diktator, unter irgendeiner Gemeinschaft. Hier ist ein schrecklicher Fluch über Kanaan – er wird ein Knecht der Knechte sein. Weiter geht es nicht. Und es ist sehr unverständlich: Wenn Cham das getan hat, warum verflucht Noach dann Kanaan, den Sohn Chams? Warum nicht die übrigen Söhne, sondern nur diesen? Auch auf diese Frage sind viele verschiedene Antworten gegeben worden. Die einfachste ist, dass der Höchste Cham schon ganz am Anfang gesegnet hat. Man kann nicht verfluchen, was der Höchste gesegnet hat. Genauso wie man nicht segnen kann, was der Höchste verflucht hat. Und deshalb kann Noach Cham nicht verfluchen und verflucht Kanaan. Andere sagen, dass das hier überhaupt kein Fluch ist, sondern eine Prophetie, und Noach sagt, dass, wenn Cham ein solches Verhalten hat, Kanaan verflucht ist, mit so einem Papa wird er ein Knecht der Knechte seiner Brüder sein. Es gibt viele verschiedene Auffassungen darüber.
Und sogleich segnet Noach seine beiden anderen Söhne.
וַיֹּאמֶר בָּרוּךְ יְהוָֹה אֱלֹהֵי שֵׁם וִיהִי כְנַעַן עֶבֶד לָמוֹ:
wajomer barúch adonáj elohé schem wihí chená'an éwed lámo
26 Sogleich sprach er: „Gepriesen sei der HERR, der Gott Schems, und Kanaan wird ihm Knecht sein.
Gepriesen sei der HERR, der Schem einsetzte, denn Schem – wenn wir zu Vers 23 zurückgehen, dort steht wajikkách schem wajéfet (und nahm Schem und Jefet), das heißt, es ist in der Einzahl geschrieben, nicht „es nahmen Schem und Jefet“, sondern „es nahm Schem und Jefet“. Als hätte Schem diese Decke genommen und Jefet gebeten, ihm zu helfen. Und Noach segnet Schem, indem er sagt: „Gepriesen sei der Gott Schems, gepriesen sei jenes Bild Gottes, an das Schem glaubt, und Kanaan wird ihm Knecht sein.“
יַפְתְּ אֱלֹהִים לְיֶפֶת וְיִשְׁכֹּן בְּאָהֳלֵי-שֵׁם וִיהִי כְנַעַן עֶבֶד לָמוֹ:
jaft elohím lejéfet wejischkón be'aholé-schem wihí chená'an éwed lámo
27 Gott wird Jefet segnen, und er wird in den Zelten Schems wohnen, Kanaan aber wird ihnen Knecht sein!“
Wir haben gesagt, dass der Name Jefet von der Wurzel jaft (er wird erweitern, wird mehr Raum geben) kommt: Gott wird den Schönen schmücken; wird dem Prächtigen Pracht geben; wird dem Weiten Weite geben. Jefet braucht für seine Verwirklichung Schem, er ist gut, aber er braucht Schem, um dieses Gútsein zu zeigen.
Kehren wir zu jenem Midrasch zurück, von dem wir vorher gesprochen haben, in Bezug auf die Namen der Söhne Noachs. Vielleicht ist das tatsächlich ein später Midrasch, aber lasst uns seinen Sinn selbst betrachten. Schem – wörtlich Name. Wenn ein Junge am achten Tag beschnitten wird, fragt der móhel, wie man diesen Jungen nennen wird, wie sein Name sein wird. Stellt euch vor, sein Vater antwortet: „Sein Name ist Name.“ Schem ist nach dem Midrasch, den wir erwähnt haben, derjenige, der in das Wesen der Dinge eindringt. Jefet vom Wort jaffé – Ästhetik, Cham vom Wort chum (heiß, sinnlich, emotional), das bedeutet, dass Cham jener Teil des Menschen ist, der seine Inspiration aus sinnlichen Erlebnissen, aus Emotionen schöpft. Wir sehen, dass ein solcher Weg dazu führen kann, dass die Emotionen den Menschen in die falsche Richtung führen, so wie sie Cham dorthin geführt haben.
Jefet ist ein Ästhet, er braucht das Empfinden von Schönheit, Harmonie, Pracht in dieser Welt. Schem ist ein Wesen, ein klein wenig nicht von dieser Welt, das vom Wesentlichen lebt und die göttliche Weltordnung versteht, danach strebt, in sie einzudringen. Das Erbe Schems erbten später die Nachkommen Awrahams, deshalb gibt es gegenüber denen, die versuchen, nach dem Gesetz Gottes zu leben, ein „Gegen-Schemtum“ – Antisemitismus. Dieses Wort sagen wir im Rahmen des Midrasch.
Stellt euch nun vor, dass es diese drei Eigenschaften in jedem Menschen gibt: Schem, Cham und Jefet. Und genau dieses unser Sinnlichstes, Emotionalstes muss man sowohl der göttlichen Vernunft, dem Verständnis Gottes, dem Stehen vor Gott, als auch dem Gefühl für das Schöne unterordnen. Früher hat man uns gesagt: „So zu handeln ist unschön“, nicht falsch, nicht gemein, nicht abscheulich oder schlecht, sondern eben unschön. Das ist es, was zu Jefet gehört. Cham muss sich unterordnen. Zuerst gesetzwidrig, unschön – und erst dann die Gefühle. Und wenn man es auf die seelischen Eigenschaften überträgt, dann ist es das, was Noach hier sagt, wenn wir diesen Midrasch auf die Seelsorge ausdehnen.
Aber auch ohne den Namen solche Deutungen zu geben, sehen wir hier, dass es Schem gibt, der der Initiator der Handlung ist, Jefet, der ihm hilft, es gibt Cham, dem sie entgegenwirken. Und es gibt noch Kanaan, und möglicherweise (wir haben gesagt, dass es eine solche Vermutung gibt) wurde er aus einer gesetzlosen Verbindung Chams mit seiner Mutter geboren. Vielleicht verflucht Noach ihn, weil er die nicht verfluchen kann, die der Höchste gesegnet hat. Vielleicht sieht Noach, dass gerade diese schlechten Eigenschaften Chams Kanaan erbt. Man kann sich vorstellen: So wie Noach dem einen den emotionalen, dem anderen den ästhetischen, einem weiteren den geistlichen Anteil vererbt hat, so hat auch Cham etwas an Mizrajim, etwas an Kusch und etwas an Put weitergegeben, an seine drei Söhne, und etwas an Kanaan. Und Noach sieht die Fortsetzung davon in Kanaan und verflucht gerade ihn.
וַיְחִי-נֹחַ אַחַר הַמַּבּוּל שְׁלֹשׁ מֵאוֹת שָׁנָה וַחֲמִשִּׁים שָׁנָה:
wajchi-noach achár hammabbúl schelósch me'ót schaná wachamischím schaná
28 Und Noach lebte nach der Sintflut 350 Jahre.
וַיִּהְיוּ כָּל-יְמֵי-נֹחַ תְּשַׁע מֵאוֹת שָׁנָה וַחֲמִשִּׁים שָׁנָה וַיָּמֹת:
wajhí kol-jeme-noach teschá me'ót schaná wachamischím schaná wajamót
29 Und alle Tage Noachs waren 950 Jahre, und er starb.
Noach konnte länger leben als Adam, und es gibt eine gewisse Berichtigung im Leben Noachs, worauf die Kommentatoren hinweisen, die ihm erlaubte, länger zu leben, als Adam gelebt hat. Im nächsten Kapitel werden wir von den 70 Völkern lesen und davon, wie das mit den Söhnen Israels zusammenhängt, davon, wie der Höchste diese Völker zerstreute.
Das ist eines jener Kapitel, die viele einfach überblättern, und manche, besonders Hartnäckige und Disziplinierte, nehmen sich zusammen und zwingen sich zu lesen mit dem Gedanken: „Ach, wieder Stammbäume, wieder eine trockene Aufzählung von Namen.“ Hier werden tatsächlich 70 Nachkommen Noachs aufgezählt, die Söhne Schems, Chams und Jefets, die Urväter, die Urgründer der 70 Völker der Welt. Und, so scheint es, wozu brauchen wir das alles? Das Buch Dewarim sagt, dass, als der Höchste den Völkern die Grenzen festsetzte, Er sie nach der Zahl der Söhne Israels festsetzte. Hier lesen wir 70 Urväter, 70 Völker, und als Israel, die Familie Jaakows, nach Ägypten hinabzieht, besteht sie aus 70 Seelen. Der Höchste hat schon in den Nachkommen Noachs 70 Völker vorgesehen, entsprechend den 70 Seelen der Söhne Israels. Nicht Israel nach der Anzahl der Völker, sondern die Völker nach der Anzahl Israels. Das zeigt, dass der Höchste einen Plan für die ganze Geschichte der Menschheit hat, und wir wissen, dass die Krone dieses Plans der Maschiach ist. Obwohl hier die Zahl 70 nicht direkt genannt ist, und ich sage das, um zu zeigen, dass im aufmerksamen Studium des Stammbaums eine besondere Wichtigkeit liegt.
Zugleich, und das ist nicht unwichtig in Bezug auf diese Nachkommen, da wir von 70 Völkern sprechen, gibt es sehr viele verschiedene Streitigkeiten: Manche der heute bestehenden Völker beanspruchen, von jemandem der hier aufgezählten Menschen abzustammen; in Bezug auf manche der hier aufgezählten Menschen gibt es Streit, wen sie hervorgebracht haben, Vater welcher Völker dieser oder jener Mensch wurde. Dieser Theorien gibt es eine unendliche Menge. Und wenn wir lesen und man uns sagt, dass dieser Mensch Gomer der Stammvater der Kimmerier war, werden wir in die Enzyklopädie steigen und nachsehen müssen, wer die Kimmerier waren und wo sie überhaupt lebten, und dann stellt sich heraus, dass es einen anderen Gelehrten gibt, der meint, dass das überhaupt nicht die Kimmerier sind, sondern zum Beispiel Kamerun. Und das hat kein Ende.
Deshalb gehen wir einen etwas anderen Weg, versuchen wir, das mit einem etwas allgemeineren Blick zu betrachten: Wo es möglich ist, berühren wir die Herkunft der Völker, wo es möglich ist, berühren wir mehr die Geschichte. Aber ich möchte dieses Kapitel allgemeiner betrachten, nicht im Detail. Gewöhnlich mache ich das nicht so, aber heute liegt mir das so auf dem Herzen, um keine Streitigkeiten zwischen verschiedenen Völkern zu wecken, denn ich habe zum Beispiel gesehen, wie sich wegen Togarma Armenier und Georgier streiten, im Grunde befreundete Völker, wer denn genau von ihnen von ihm abstammt. Und die Freundschaft schaltet sich plötzlich aus, und bei den Menschen schaltet sich ein völlig anderer Modus ein. Da man nicht möchte, dass das zu Streit führt, und wir nichts eindeutig sagen und entscheiden können, deshalb lasst uns dieses Kapitel als einen Blick auf den Plan des Höchsten lesen und dabei nach Möglichkeit an den historischen und geografischen Spekulationen sparen, die oft mit diesem Kapitel verbunden sind. Vielleicht wird es etwas weniger reizvoll sein, dafür aber aufrichtiger.
וְאֵלֶּה תּוֹלְדֹת בְּנֵי-נֹחַ שֵׁם חָם וָיָפֶת וַיִּוָּלְדוּ לָהֶם בָּנִים אַחַר הַמַּבּוּל:
we'élle toledót bené-nóach schem cham wajáfet wajiwwaledú lahém baním achár hammabbúl
1 Dies ist die Geschlechterfolge der Söhne Noachs – Schems, Chams und Jefets: Und es wurden ihnen Söhne geboren nach der Sintflut.
בְּנֵי יֶפֶת גֹּמֶר וּמָגוֹג וּמָדַי וְיָוָן וְתֻבָל וּמֶשֶׁךְ וְתִירָס:
bené jéfet gómer umagóg umadáj wejawán wetuwál uméschech wetirás
2 Die Söhne Jefets: Gomer, Magog, Madaj, und Jawan, und Tuwal, und Meschech, und Tiras.
Wir haben die allgemeine Tendenz besprochen, dass die Söhne Jefets diejenigen sind, die vom Mittelmeer nach Norden gehen, das heißt ins heutige Europa und ins heutige Kleinasien. Ungefähr so.
Über Gomer haben wir gesagt, dass das die Kimmerier sind. Wer die Kimmerier sind, schaut in der Enzyklopädie nach. Magog – das sind die Proto-Skythen, die irgendwo in der Gegend der Schwarzmeerküste lebten, die Griechen nannten dieses Land Magogia. Magog ist dank der Prophezeiung Jecheskels zu einer sehr anziehenden Figur für die Erforscher der Schrift geworden. Gestützt auf die Erwähnungen Skythiens bei Flavius und auf andere Quellen versuchen viele, die Prophezeiung Jecheskels so auszulegen, als beziehe sie sich auf Russland. Zugleich muss man bedenken, dass die Magogia, von der Flavius spricht, den Ländern Magogs, von denen der Abschnitt Noach spricht, ganz und gar nicht entsprechen muss. Außerdem gibt es noch Maggez, aus der Gerges stammte, in einem Land, das Lydien heißt. Und es gab einen König namens Géges, mit einer sehr interessanten Geschichte, die bei Herodot erzählt wird, der gewaltigste Eroberungen machte und zum Sprichwort unter den Völkern wurde. Und möglicherweise benutzt Jecheskel sein Bild, um uns etwas über Magog zu sagen. In jedem Fall ist es wichtig, sich, wie ich schon gesagt habe, historischer und geografischer Spekulationen zu enthalten. Ja, Flavius verbindet Magog mit Skythien, andere verbinden Magog mit einem Gebiet nördlich von Deutschland, mit dem Land Dänemark. Auch die Iren halten sich für mit Magog verbunden. Urteilt also selbst, wie kompliziert alles ist und wie sehr wir ein bestimmtes Land eindeutig erkennen wollen, das nach unserer Ansicht seinen historischen und kulturellen Merkmalen nach zur Rolle Magogs passt. Man muss bedenken, dass die Tora nicht nur ein Jahrtausend alt ist, und man muss bei ihrer Auslegung vorsichtig sein.
Was Madáj ist, wissen wir – das ist MadianDer Autor deutet Madaj hier als „Madian“. Ob damit Midjan oder Medien gemeint ist, geht aus dem Text nicht hervor; der Name ist unverändert übernommen.. Jawán – das ist Griechenland. Bezüglich Tuwal und Meschech gibt es sehr viele Streitfragen, wir werden nicht darauf eingehen. Tirás bedeutet im heutigen Hebräisch Mais, weil man einst mit diesem Wort die Türkei bezeichnete, und der Mais kam aus der Türkei, und so wurde tirás zu Mais. Und in unserem Fall kommentiert zum Beispiel Raschi, dass das Persien ist, da soll sich einer auskennen, wo hier Persien ist, wo hier die Türkei. Wir haben sehr viel von der Überlieferung zur Bestimmung dieser Völker verloren, und auch diese Völker selbst haben sich verwischt und sind schon in anderen Völkern aufgegangen.
וּבְנֵי גֹּמֶר אַשְׁכֲּנַז וְרִיפַת וְתֹגַרְמָה:
uwné gómer aschkenás werifát wetogarmá
3 Und die Söhne Gomers: Aschkenas, und Rifat, und Togarma.
Im heutigen Hebräisch, in der heutigen Tradition ist Aschkenás Deutschland, aber hier ist es höchstwahrscheinlich wiederum die Krim. Rifát – das sind die kaukasischen Völker. Bezüglich Togarmá gibt es einen Streit, ich habe schon davon gesprochen, Armenier und Georgier streiten, wer dort von wem abstammt.
וּבְנֵי יָוָן אֱלִישָׁה וְתַרְשִׁישׁ כִּתִּים וְדֹדָנִים:
uwné jawán elischá wetarschísch kittím wedodaním
4 Die Söhne Jawans: Elischa, und Tarschisch, Kittim und Dodanim.
Elischá – das ist Elisea, ein Gebiet in Griechenland, in Richtung Makedonien. Tarschísch – das sind wohl die damaligen Inseln Griechenlands. Kittím und Dodaním – das sind alles Inseln Griechenlands, alle Inseln des Mittelmeers. Und hier noch eine Bemerkung, sozusagen in Klammern: Das Mittelmeer, oder jam hatichon (das zentrale Meer), befindet sich aus Sicht der Tora in der Mitte der Erde, in der Mitte des Weltalls, und alle Länder drängen sich natürlich rings um dieses Mittelmeer. Das Land Israel und die ganze Region sind der „Nabel der Erde“, und alles, was ringsum ist, ist ein Anhang. Deshalb schauen wir auf die Karte, wir sehen, dass auf unserer Karte das Mittelmeer das Zentrum unseres Weltalls ist, das Zentrum der bewohnten Welt.
מֵאֵלֶּה נִפְרְדוּ אִיֵּי הַגּוֹיִם בְּאַרְצֹתָם אִישׁ לִלְשֹׁנוֹ לְמִשְׁפְּחֹתָם בְּגוֹיֵהֶם:
me'élle nifredú ijé haggojím be'arzotám isch lilschonó lemischpechotám begojehém
5 Von diesen trennten sich die Inseln der Völker nach ihren Ländern, jeder nach seiner Sprache und nach seiner Familie in seinen Völkern.
Vorerst, zu dem Zeitpunkt, an dem wir lesen, bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem wir gelesen haben, haben sich die Sprachen noch nicht getrennt. Aber da wir hier eine historische Chronik lesen, erzählt sie uns auch das, was weiter geschehen wird, wie sich die Sprachen trennen werden, die Geschichte der Entstehung der Sprachen. Wahrscheinlich kennen sie alle gut, wir werden das im 11. Kapitel lesen.
וּבְנֵי חָם כּוּשׁ וּמִצְרַיִם וּפוּט וּכְנָעַן:
uwné cham kusch umizrájim ufút uchná'an.
6 Die Söhne Chams: Kusch, Mizrajim, Put, Kanaan.
Wenn die Söhne Jefets, wie wir gesagt haben, zur europäischen Kultur gehören, wenn die Söhne Jefets nach Norden gehen, so gehen die Söhne Chams nach Süden. Cham ist der Stammvater der afrikanischen Völker. Kusch – das ist Äthiopien, und von eben diesem Namen kommt das hebräische Wort kuschi, das einen Schwarzhäutigen bezeichnet. Mizrájim – das ist, wie wahrscheinlich alle wissen, Ägypten.
וּבְנֵי כוּשׁ סְבָא וַחֲוִילָה וְסַבְתָּה וְרַעְמָה וְסַבְתְּכָא וּבְנֵי רַעְמָה שְׁבָא וּדְדָן:
uwné chusch sewá wachawilá wesawtá wera'má wesawtechá uwné ra'má schewá udedán
7 Die Söhne Kuschs: Sawa, und Chawila, und Sawta, und Ra'ama, und Sawtecha; die Söhne Ra'amas aber: Schewa und Dedan.
Kusch, ich wiederhole es noch einmal, – das ist höchstwahrscheinlich Äthiopien, Nubien, Zentralafrika. Sewá – wir wissen, dass die Königin von Saba aus Äthiopien war. Möglicherweise sind hier ihre künftigen Besitzungen gemeint. Vielleicht werden wir weiter, wenn wir über Schewa lesen werden, über sie sprechen. Chawilá wird auch in der Beschreibung des Gartens Eden erwähnt, im zweiten Kapitel des Buches Bereschit, und das ist höchstwahrscheinlich ein Teil der Arabischen Halbinsel. Bezüglich Sawtá ist nicht klar, wo das ist. Ra'amá verbindet man mit Radschima im Jemen. Über Sawtechá ist wieder nichts bekannt. Schewá und Dedán – über diese Namen weiß ich nichts.
וְכוּשׁ יָלַד אֶת-נִמְרֹד הוּא הֵחֵל לִהְיוֹת גִּבֹּר בָּאָרֶץ:
wechúsch jalád et-nimród hu hechél lihjót gibbór ba'árez
8 Dem Kusch wurde Nimrod geboren, und er wurde ein Held auf der Erde.
Was Nimrod betrifft. Der Name Nimród bedeutet lasst uns rebellieren, lasst uns einen Aufstand erheben. In den Midraschim, in der jüdischen Tradition ist das höchstwahrscheinlich eine negative Gestalt, derjenige, der rebelliert, der Kriege gegen den Höchsten führt. Die Tradition, der Midrasch und viele jüdische Erzählungen sagen, dass Nimrod das Hemd erbte, das Gewand, das der Höchste für Adam gemacht hatte, und dieses Gewand gab ihm eine gewisse Macht über die Tiere: Die Tiere fielen gleichsam von selbst vor ihm nieder und ergaben sich ihm kampflos.
הוּא-הָיָה גִבֹּר-צַיִד לִפְנֵי יְהוָה עַל-כֵּן יֵאָמַר כְּנִמְרֹד גִּבּוֹר צַיִד לִפְנֵי יְהוָה:
hu-hajá gibbór-zájid lifné adonáj al-ken je'amár kenimród gibbór zájid lifné adonáj
9 Und er war ein Held der Jagd vor dem HERRN, deshalb sagt man auch: wie Nimrod, ein Held der Jagd von Gott.
Das Heldentum Nimrods von Gott wurde zum Begriff, wurde zum Sprichwort. Wenn man über jemanden sagen wollte: „Was für ein Riesentalent in der Jagd“ oder „Was für ein Mensch von Gott in irgendeinem Handwerk“, dann sagte man unter den Völkern: „Wie Nimrod, der Jäger.“ Wie versteht die Tradition diesen Vers, warum ist hier überhaupt davon die Rede? Das Volk ringsum glaubte, dass Nimrod gleichsam ein Jäger von Gott sei, dass Gott selbst Nimrod das Talent gegeben habe, und Nimrod genoss solchen Ruhm und solches Ansehen, in Wirklichkeit aber lag es an dem Hemd. Ich erzähle den Midrasch nach. Woher entsteht ein Midrasch? Er entsteht dort, wo es irgendeine Lücke gibt und uns etwas nicht verständlich ist. Kann das eine Erfindung sein? Sehr oft ist ein Midrasch eine Erfindung, es kann ein Versuch sein, etwas zu verstehen, an etwas heranzureichen, etwas zu erraten, oder es können einfach Überlegungen sein. Wo man die Grenze zwischen Überlegung und Erfindung, dem Versuch zu verstehen, zieht – das entscheidet jeder für sich selbst. Wenn wir miteinander sprechen, bemühe ich mich gewöhnlich, mich an den einfachen Sinn zu halten, aber wenn er nicht verständlich ist, warum sollte man dann nicht irgendwelche Erklärungen einführen, damit wir wenigstens verstehen, wie sich die Leser jener Zeit das vorstellten, die nicht nur vom Text lebten, sondern auch von der mündlichen Überlieferung. Nicht alle konnten lesen, und deshalb beherrschte die mündliche Überlieferung oft den Text.
Nimrod galt also möglicherweise als Jäger von Gott.
וַתְּהִי רֵאשִׁית מַמְלַכְתּוֹ בָּבֶל וְאֶרֶךְ וְאַכַּד וְכַלְנֵה בְּאֶרֶץ שִׁנְעָר:
wattehí reschít mamlachtó bawél we'érech we'akkád wechalné be'érez schin'ár
10 Der Anfang seiner Herrschaft war in Bawel (in Babylon), und Erech, und Akkad, und Kalne im Land Schinar.
We'akkád wechalné be'érez. Hier werden die Gebiete des Landes Schinar aufgezählt, die Nimrod eroberte, das heißt dort, wo man später den Turm zu Babel bauen wird.
מִן-הָאָרֶץ הַהִוא יָצָא אַשּׁוּר וַיִּבֶן אֶת-נִינְוֵה וְאֶת-רְחֹבֹת עִיר וְאֶת-כָּלַח:
min-ha'árez hahí jazá aschúr wajíwen et-ninewé we'ét-rechowót ir we'ét-kálach
11 Und aus jenem Land zog er nach Assyrien hinaus und baute Ninwe, und Rechowot, und Kalach,
Ninewé – das bedeutet Fischstadt; Stadt des Fisches. Rechowót – breite Stadt. Kálach – das bedeutet schon große-große Stadt.
וְאֶת-רֶסֶן בֵּין נִינְוֵה וּבֵין כָּלַח הִוא הָעִיר הַגְּדֹלָה:
we'ét-réssen ben ninewé uwén kálach hi ha'ír haggedolá
12 außerdem baute er die Stadt Ressen, er baute sie zwischen den Städten Ninwe und Kelach, das ist eine große Stadt.
Réssen – vom Wort lirassen (zurückhalten, festhalten, die Kraft begrenzen). Wahrscheinlich ist das eine Militärstadt, nach dem Namen zu urteilen. Ninwe – das ist eben jenes Ninive, in das der Prophet Jona zuerst nicht gehen wollte.
וּמִצְרַיִם יָלַד אֶת-לוּדִים וְאֶת-עֲנָמִים וְאֶת-לְהָבִים וְאֶת-נַפְתֻּחִים:
umizrájim jalád et-ludím we'ét-anamím we'ét-lehawím we'ét-naftuchím
13 Und Mizrajim brachte Völker hervor, die heißen: Lydier, Anamer, Leawimer, und Naftuchimer,
Wer die lehawím und naftuchím sind, ist schwer zu sagen.
וְאֶת-פַּתְרֻסִים וְאֶת-כַּסְלֻחִים אֲשֶׁר יָצְאוּ מִשָּׁם פְּלִשְׁתִּים וְאֶת-כַּפְתֹּרִים:
we'ét-patrussím we'ét-kasluchím aschér jaze'ú mischám pelischtím we'ét-kaftorím
14 und die Patrusäer, und die Kasluchäer, aus denen die Plischtim hervorgingen, und auch die Kaftoräer.
Das sind alles hamitische Völker, die sich aufgelöst haben und zu einem anderen Volk geworden sind. Pelischtím bedeutet auf Hebräisch Eroberer, Ankömmlinge. So nennt man die Philister, und heute nennen sich so die Palästinenser. Der Name Palästina, mit dem die Römer unser Land bezeichneten, stammt auch von hier. Das war so ein Anspruch bei den Palästinensern, bei dem heutigen Volk, das sich Palästinenser nennt, sich als Ureinwohner Palästinas zu bezeichnen. In Wirklichkeit bedeutet Palästina erobertes Land, und Palästinenser bedeutet Eroberer. So verrät ihre Sprache sie.
וּכְנַעַן יָלַד אֶת-צִידֹן בְּכֹרוֹ וְאֶת-חֵת:
uchná'an jalád et-zidón bechoró we'ét-chet
15 Und Kanaan zeugte seinen Erstgeborenen Zidon, und Chet,
וְאֶת-הַיְבוּסִי וְאֶת-הָאֱמֹרִי וְאֵת הַגִּרְגָּשִׁי:
we'ét-hajwussí we'et-ha'emorí we'ét haggirgaschí
16 und die Jewusäer, und die Emoräer, und die Girgasäer,
Jwusí – das ist das Volk, das in Jeruschalajim lebte, bevor David es eroberte.
וְאֶת-הַחִוִּי וְאֶת-הַעַרְקִי וְאֶת-הַסִּינִי:
we'ét-hachiwwí wé'et-ha'arkí we'ét-hassiní
17 und die Chiwiter, und die Arkäer, und die Sinäer,
Welche Völker von arkí und siní abstammen, wissen wir nicht. Die Kommentatoren sagen, dass auch sie sich in anderen Völkern aufgelöst haben.
וְאֶת-הָאַרְוָדִי וְאֶת-הַצְּמָרִי וְאֶת-הַחֲמָתִי וְאַחַר נָפֹצוּ מִשְׁפְּחוֹת הַכְּנַעֲנִי:
we'ét-ha'arwadí we'ét-hazzemarí we'ét-hachamatí we'achár nafózu mischpechót hakkena'aní
18 und von den Arwadäern, und den Zemeräern, und den Chamatäern zerstreuten sich die Familien der Kanaaniter.
Das heißt, sie selbst blieben nicht ein einziges Volk, sondern zerfielen in viele Familien.
וַיְהִי גְּבוּל הַכְּנַעֲנִי מִצִּידֹן בֹּאֲכָה גְרָרָה עַד-עַזָּה בֹּאֲכָה סְדֹמָה וַעֲמֹרָה וְאַדְמָה וּצְבֹיִם עַד-לָשַׁע:
wajhi gewúl hakkena'aní mizzidón bo'achá gerára ad-assá bo'achá sedóma wa'amorá we'adma uzwojím ad-láscha
19 Und dies sind die Grenzen Kanaans von Zidon bis Gerar, von Asa bis Sedom und Amora, und von Adma und Zwojim bis Lescha.
Beachtet, dass Kanaan das einzige Gebiet ist, über dessen Grenzen in diesem Kapitel gesprochen wird. Zidón – das ist eine Stadt im Süden des Libanon, das heißt ganz im Norden in Bezug auf Israel. Gerár – das ist die südliche Grenze, fast Asa, dort, wo Jizchak lebte. Das alles ist eine Beschreibung der Grenzen des Landes Israel. Wir haben früher gesagt, dass sie der Beschreibung der Grenzen des Gartens Eden ähneln. So beschreibt die Tora die Grenzen Kanaans, und das ist nicht umsonst, wie immer, in der Tora gibt es nichts umsonst. Das ist die Beschreibung des kanaanäischen Landes, das Israel gegeben werden wird. Die Länder Kanaans, jenes Kanaan, das Noach verflucht hat, werden alle dem Volk Israel übergeben werden.
אֵלֶּה בְנֵי-חָם לְמִשְׁפְּחֹתָם לִלְשֹׁנֹתָם בְּאַרְצֹתָם בְּגוֹיֵהֶם:
ellé wené-cham lemischpechotám lilschonotám be'arzotám begojehém
20 Das sind die Söhne Chams nach ihren Familien, nach ihren Sprachen, nach ihren Ländern und nach ihren Völkern.
Wen haben wir vergessen? Wir haben Schem vergessen, den ältesten der Kinder. Warum wird die Tora über den Ältesten, Schem, am Ende sprechen? Weil weiter, nach diesem Stammbaum, hauptsächlich von den Söhnen Schems die Rede sein wird, und, wie Stierlitz sagte, das Letzte bleibt mehr im Gedächtnis. Deshalb schließt die Tora mit der Aufzählung der Söhne Schems, um weiter über sie zu sprechen.
וּלְשֵׁם יֻלַּד גַּם-הוּא אֲבִי כָּל-בְּנֵי-עֵבֶר אֲחִי יֶפֶת הַגָּדוֹל:
ulschém jullád gam-hú awí kol-bené-éwer achí jéfet haggadól
21 Auch dem Schem wurden Kinder geboren, er ist der Vater aller Söhne Ewers, des älteren Bruders Jefets.
Und wer sind die Söhne Ewers? Das sind die iwrim, die Nachkommen Ewers, die Hebräer, die Ebräer.
בְּנֵי שֵׁם עֵילָם וְאַשּׁוּר וְאַרְפַּכְשַׁד וְלוּד וַאֲרָם:
bené schem elám we'aschúr we'arpachschád welúd wa'arám
22 Die Söhne Schems: Elam, und Assur, und Arpachschad, und Lud, und Aram.
Elám galt traditionell als iranisches Gebiet, aber offenbar lebte dort eine Zeit lang, da Schem der Vater aller Semiten ist, ein semitischer Volksstamm. Arpachschád – der Anführer des Volkes Kasdim.
וּבְנֵי אֲרָם עוּץ וְחוּל וְגֶתֶר וָמַשׁ
uwné arám uz wechúl wegéter wamásch
23 Die Söhne Arams: Uz, und Chul, und Geter, und Masch.
Uz – das ist das Land, in dem Ijow lebte, und auch in Bezug darauf gibt es eine Menge verschiedener Auslegungen: von Usbekistan bis zum Norden Äthiopiens. Was für ein Land Chúl ist, wissen wir nicht. Géter und Másch – das sind verschiedene semitische Völker.
וְאַרְפַּכְשַׁד יָלַד אֶת-שָׁלַח וְשֶׁלַח יָלַד אֶת-עֵבֶר:
we'arpachschád jalád et-schálach weschélach jalád et-éwer
24 Arpachschad zeugte Schelach, und Schelach zeugte Ewer.
Arpachschád – das ist derjenige, der die Kasdim hervorbrachte, von der Wurzel kaschád, dasselbe wie kasdim – Chaldäer. Schálach – das ist derjenige, der gesandt ist, derjenige, der eine Mission erhielt. Éwer ist, wie ich schon gesagt habe, der Stammvater aller Hebräer. Das Wort Hebräer stammt vom Namen Ewers. Der Name Éwer kommt vom Verb la'awor, awar – das ist die Vergangenheit, das, was vergangen ist, derjenige, der über irgendeine Grenze hinübergegangen ist. Man kann sagen, derjenige, der überlebt, derjenige, der Schwierigkeiten überwindet. Man kann spöttisch sagen – ein Hergelaufener, und man kann sagen – ein Wegbereiter.
וּלְעֵבֶר יֻלַּד שְׁנֵי בָנִים שֵׁם הָאֶחָד פֶּלֶג כִּי בְיָמָיו נִפְלְגָה הָאָרֶץ וְשֵׁם אָחִיו יָקְטָן:
ul'éwer jullád schené waním schem ha'echád péleg ki wejamáw niflegá ha'árez weschém achíw joktán
25 Dem Ewer wurden zwei Söhne geboren: der Name des einen Peleg, denn in seiner Zeit teilte sich die Erde, und der Name seines Bruders Joktan.
Péleg – Teilung. Was bedeutet in seiner Zeit teilte sich die Erde? Einige Kommentatoren sagen, dass die babylonische Teilung, über die wir im künftigen Kapitel lesen werden, in den Zeiten Pelegs geschah, und sein Name war eine Prophezeiung, dass in seiner Zeit die Erde geteilt werden wird. Andere sagen, dass Peleg 200 Jahre lebte, weniger als alle Patriarchen, und dass er der erste Mensch ist, seit dessen Geburt die Lebensdauer der Menschen abzunehmen begann. Joktán (wird sich verringern) – man kann sagen, dass auch das mit der Verringerung der Lebensdauer verbunden ist.
וְיָקְטָן יָלַד אֶת-אַלְמוֹדָד וְאֶת-שָׁלֶף וְאֶת-חֲצַרְמָוֶת וְאֶת-יָרַח:
wejoktán jalád et-almodád we'ét-schálef we'ét-chazarmót we'ét-járach
26 Dem Joktan wurden Kinder geboren: Almodad, und Schalef, und Chazarmot, und Jarach,
Almodád – derjenige, dem Gott zugemessen hat. Schálef – Laubfall, das Abfallen der Blätter. Chazár-mót kann man übersetzen als Hof des Todes; der sich im Hof beim Tod befindet; an der Schwelle des Todes; derjenige, auf dessen Hof der Tod ist, das heißt, der Tod ist schon im Hof und wird gleich ins Haus eintreten. Járach – Mond.
וְאֶת-הֲדוֹרָם וְאֶת-אוּזָל וְאֶת-דִּקְלָה:
we'ét-hadorám we'ét-usál we'ét-diklá
27 und Adoram, und Usal, und Dikla,
Adoram – derjenige, der vorübergehend als Fremdling lebt; flüchtig; in einer vorübergehenden Wohnung. Usál – derjenige, der schnell weggehen wird. Diklá – Palmzweig, derjenige, der zerbrechlich, brüchig, zart ist wie ein Palmzweig.
וְאֶת-עוֹבָל וְאֶת-אֲבִימָאֵל וְאֶת-שְׁבָא:
we'ét-owál we'ét-awima'él we'et-schewá
28 und Owal, und Awimael, und Schewa,
Das sind Söhne, über die man schwer etwas sagen kann.
וְאֶת-אוֹפִר וְאֶת-חֲוִילָה וְאֶת-יוֹבָב כָּל-אֵלֶּה בְּנֵי יָקְטָן:
we'ét-ofír we'ét-chawilá we'ét-jowáw kol-élle bené joktán
29 und Ofir, und Chawila, und Jowaw, alle diese – Söhne Joktans.
Obwohl Joktan wird sich verringern bedeutet, betrifft diese Verringerung offensichtlich nicht die Anzahl der Söhne.
וַיְהִי מוֹשָׁבָם מִמֵּשָׁא בֹּאֲכָה סְפָרָה הַר הַקֶּדֶם:
wajhí moschawám mimmeschá bo'achá sefára har hakkédem
30 Und ihre Siedlung war von Mescha, das in Acha ist, bis Sfar, das auf dem östlichen Berg ist.
Leider können wir über diese Beschreibung wenig sagen. Es gibt verschiedene Rekonstruktionen, die Verschiedenes sagen, aber konkret sagen können wir nichts.
אֵלֶּה בְנֵי-שֵׁם לְמִשְׁפְּחֹתָם לִלְשֹׁנֹתָם בְּאַרְצֹתָם לְגוֹיֵהֶם:
élle wené-schém lemischpechotám lilschonotám be'arzotám legojehém
31 Das sind die Söhne Schems nach ihren Familien, nach ihren Sprachen, in ihren Ländern, nach ihren Völkern.
Wie es oft vorkommt, gibt es in der Tora nicht nur eine Überschrift des Kapitels, sondern auch eine eigentümliche Epilog-Überschrift: Das ist es, was ihr gehört habt:
אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת בְּנֵי-נֹחַ לְתוֹלְדֹתָם בְּגוֹיֵהֶם וּמֵאֵלֶּה נִפְרְדוּ הַגּוֹיִם בָּאָרֶץ אַחַר הַמַּבּוּל:
élle mischpechót bené-nóach letoledotám begojehém ume'élle nifredú haggojím ba'árez achár hammabbúl
32 Und das sind alle Familien der Söhne Noachs nach ihren Zeugungen, nach ihren Völkern; von diesen trennten sich die Völker auf der Erde nach der Flut.
So ist es also, das nicht leicht zu lesende und, wie manch einer sagen wird, uninteressante zehnte Kapitel des Buches Bereschit.
Am Anfang dieses Kapitels unterbricht die Tora die Aufzählung der Stammbäume und erzählt uns die Geschichte (die nicht ganz wie eine Geschichte ist) vom Turm zu Babel. Der Talmud streitet darüber, worin denn das Problem dieser Menschen bestand, die den Turm bauten, und einige Lehrer sagen, dass die Tora uns überhaupt nicht offenbart, wofür diese Generation bestraft wurde, was genau sie Schlechtes getan haben. Aber was wären wir, wenn wir nicht versuchten zu verstehen? Versuchen wir zu lesen, zu durchdenken, neu zu durchdenken und zu verstehen, worum es hier geht.
וַיְהִי כָל-הָאָרֶץ שָׂפָה אֶחָת וּדְבָרִים אֲחָדִים:
wajHi CHOL-HAÁrez safá echát udwarím achadím
1 Und es war auf der ganzen Erde eine Sprache und ein und dieselben Reden (oder ein und dieselben Ideen).
Einige übersetzen, zum Beispiel die Synodalübersetzung: „eine Sprache und eine Mundart“. Warum kann man so nicht übersetzen, warum ist das eine falsche Übersetzung? Erstens, weil die Wendung dwarím achadím von der Mehrzahl spricht, man müsste übersetzen eine Sprache und eine Mundarten, aber dann ist nicht verständlich, was das bedeuten sollte. Zweitens, weil das Wort dwarím entweder Gegenstände oder Ideen oder Reden bedeutet. Der ursprüngliche Name des Buches Deuteronomium auf Hebräisch ist Dewarim. Dwarím – Reden, die Mosche zum Volk Israel sprach. Also, dwarím – das sind entweder Reden oder Ideen. Und was bedeutet es, dass auf der ganzen Erde eine Sprache war? Die Menschen benutzten ein und dieselben Worte und sagten ungefähr ein und dasselbe, alle hatten ein und dieselben Ideen. Sie waren vereint durch eine gemeinsame Ideologie, eine gleiche Weltanschauung, und überhaupt war alles gleich. Wir kennen Gesellschaften, in denen die Menschen ein und dieselben Reden führen. Und sofort, sobald ein Mensch so etwas liest, spürt er schon etwas Ungutes.
וַיְהִי בְּנָסְעָם מִקֶּדֶם וַיִּמְצְאוּ בִקְעָה בְּאֶרֶץ שִׁנְעָר וַיֵּשְׁבוּ שָׁם:
wajHÍ benos'ám mikkédem wajimzeú wik'á be'érez schin'ár wajéschewu scham
2 Und es geschah, als sie vom Westen zogen, fanden sie ein Tal im Land Schinar und ließen sich dort nieder.
Das Tal Schinar – das ist ungefähr das Gebiet des heutigen Irak, der Ort, der, wie wir heute lesen werden, später Babylon genannt werden wird.
וַיֹּאמְרוּ אִישׁ אֶל-רֵעֵהוּ הָבָה נִלְבְּנָה לְבֵנִים וְנִשְׂרְפָה לִשְׂרֵפָה וַתְּהִי לָהֶם הַלְּבֵנָה לְאָבֶן וְהַחֵמָר הָיָה לָהֶם לַחֹמֶר:
wajomerú isch el-re'éHU Háwa nilbená lewením wenisrefá lisrefá WATTEHÍ laHém HALLEWENÁ le'áwen WEHACHEMÁr Haja laHém lachómer
3 Und sie sprachen, jeder zu seinem Nächsten: „Lasst uns Ziegel ziegeln (lasst uns jede Menge Ziegel machen), und mit Brennen brennen wir sie.“ Und es wurde ihnen der Ziegel anstelle des Steins, und der Lehm wurde ihnen zum Rohstoff.
Natürlich muss man das nicht wörtlich verstehen, dass sie umhergingen und tuschelten, diesen Satz wie irgendeine Parole wiederholten. Das bedeutet einfach, dass in der Gesellschaft eine Idee heranreifte. Sie brachten irgendeine Idee immer wieder ins Gespräch, und das gefiel ihnen.
Dort, wo man gewöhnlich Stein als Baumaterial verwendete, begann man Ziegel zu verwenden. Der Fortschritt liegt auf der Hand. Der Beginn der Bauindustrie. Die durch eine gemeinsame Ideologie vereinte Menschheit entwickelt das Bauwesen, es entstehen Technologien. Was sollte daran schlecht sein? Aber Technologien, wenn es sie gibt, wäre es gut, für etwas Nützliches zu verwenden.
וַיֹּאמְרוּ הָבָה נִבְנֶה-לָּנוּ עִיר וּמִגְדָּל וְרֹאשׁוֹ בַשָּׁמַיִם וְנַעֲשֶׂה-לָּנוּ שֵׁם פֶּן-נָפוּץ עַל-פְּנֵי כָל-הָאָרֶץ:
wajomerú háwa niwné-lánu ir umigdál weroschó waschamájim wena'assé-lánu schem pen-nafúz al-pené chol-ha'árez
4 Und sie sagten: „Lasst uns für uns eine Stadt bauen und einen Turm mit dem Kopf bis zum Himmel (einen Wolkenkratzer-Turm), und machen wir uns einen Namen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.“
Sie beschlossen also, einen Turm mit einer Höhe bis zum Himmel zu bauen, und eine Stadt. Warum ist das schlecht? Wir alle kennen die Auslegungen, und oft hindern uns die Auslegungen (das, was man uns schon erklärt hat) am Lesen. Als die Kundschafter von ihrem Zug zurückkehrten und dem Volk Israel erzählten, was sie im Land gesehen hatten, berichteten sie unter anderem, dass sie Städte mit Türmen bis zum Himmel gesehen hätten. Städte mit Türmen bis zum Himmel entstehen und bestehen, und das Problem liegt nicht ganz darin. Der Midrasch sagt, dass sie einen Turm bauen und oben auf diesen Turm die Statue eines Götzen stellen wollten, eine Statue mit einem Schwert in den Händen, damit man sieht, als ob sie in den Krieg führt, eine schützende StatueDer russische Satz ist an dieser Stelle grammatisch unklar. Die Übersetzung gibt ihn möglichst wörtlich wieder.. Der Anfang des Götzendienstes. Das Wesen des Götzendienstes besteht darin, dass der Mensch bestimmt, wie Gott sein soll, was Gott gefallen wird und was Ihm nicht gefallen wird. Manchmal bestimmt der Mensch, wie Gott aussehen wird, was Er essen wird und vieles andere. Der Mensch entscheidet für Gott. Als Ergebnis will das Volk und sagt: na'assé-lánu schem (machen wir uns einen Namen). Wir haben miteinander darüber gesprochen, dass einer der Söhne Noachs Schem hieß, was übersetzt Name bedeutet, buchstäblich so, wie hier die Menschen sagen: „Machen wir uns einen Namen.“ Schem, der Sohn Noachs, ist prophetisch so genannt, weil er derjenige sein wird, der das innere Wesen der Dinge erkennen und es nach außen offenbaren kann – das ist der Name. Hier haben sich die Menschen etwas völlig anderes vorgenommen, sie haben sich vorgenommen la'assot schem (einen Namen machen). Das heißt, nicht das Wesen erkennen, sondern es festsetzen, nicht das Bild Gottes erfassen, sondern das Bild Gottes erfinden. Als Beispiel kann man diesem oder jenem Gegenstand einen Namen geben auf der Grundlage des Verständnisses seines Wesens. Wenn er leuchtet, können wir ihn Leuchte nennen, wenn er wärmt, können wir ihn Wärmflasche nennen, wenn er die Temperatur misst, können wir ihn Thermometer nennen – das ist das, was mit dem Namen Schem verbunden ist, der dem Sohn Noachs gegeben wurde. Aber hier, wenn man gerade den Midrasch versteht, geht es darum, dass die Menschen beschlossen, Gott durch die Namen, die sie ihm geben würden, ein Wesen aufzuzwingen, Ihm ein Bild, einen Charakter, ein Aussehen und alles Übrige auszudenken.
Nun, und natürlich machen wir uns einen Namen – und wir werden so sein, wie wir uns nennen. Wir müssen uns nicht ändern, müssen unser inneres Wesen nicht ändern, es nicht irgendwie neu einstellen: Mit unserem ausgedachten Gott „im Taschenformat“ werden wir auch selbst jenes Bild haben, jenes Image, das wir uns auswählen und ausdenken. So ist im Großen und Ganzen die Natur des Götzendienstes.
Damit wir uns nicht über die Erde zerstreuen. Damit wir nicht in verschiedene Enden der Erde auseinanderlaufen, dieses einheitliche, allen passende, von allen ausgedachte Bild Gottes und unserer selbst nicht verlieren. Aus der Sicht des Midrasch ist das Problem hier theologisch, das Problem liegt im Götzendienst: Wir bauen jetzt einen einzigen, einheitlichen, großen und schönen Götzen, und wir alle vereinigen uns um ihn, wer nicht zu „allen“ gehört, den bestrafen wir, damit niemand irgendwohin weggeht, sich nicht über die Erde zerstreut, sich nicht der Anbetung unseres Götzen entzieht. Wir kennen Gesellschaften, in denen man gern große hohe Statuen baut, manchmal mit Schwertern, manchmal zu Pferd, manchmal mit ausgestreckter Hand. Nichts Neues unter der Sonne.
Es gibt auch einen anderen Kommentar, einen anderen Blick. Ihn führt der Naziw aus Woloschin an, ein Schüler des Wilnaer Gaon, das ist schon fast unsere Zeit. Er sagt: „Es ist völlig unwichtig, welche Ideen es in dieser Gesellschaft gab. Jede Gesellschaft, die Einförmigkeit und Einheitlichkeit der Idee verlangt, in der es keine Möglichkeit gibt, eine andere Meinung zu äußern, die sich von der allgemein anerkannten unterscheidet – das ist eine dem Höchsten feindliche Gesellschaft, denn der Höchste hat die Welt in ihrer Vielfalt geschaffen.“
Schauen wir uns die Geschichte, sagen wir, der Französischen Revolution im September 1792 an. Es geschieht eine Revolution, die im Großen und Ganzen wunderbare Prinzipien verkündet: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Wer ist denn dagegen? Aber im Juni des folgenden Jahres 1793 tauchen viele Feinde dieser Revolution auf. Feinde, Verschwörungen, Hasser, Söldner und Spione entstehen überall, zum ersten Mal in der Geschichte entwickelt sich der Terror, auf Französisch Schrecken. Terrorismus, Massenmorde – das alles kommt von dort, aus jener Gesellschaft, die solche wunderbaren Ideen wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verkündet hat. Ein Jahr lang dauerte der Terror, alle potenziellen Feinde der Revolution wurden vernichtet, alle, die gegen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren, wurden ohne Gericht und Untersuchung getötet. Das ist leider das Problem jeder Gesellschaft, in der eine Ideologie aufgezwungen wird. Im Juli 1794 gab es, wie man das in der sowjetischen Geschichtsschreibung zu nennen pflegt, eine Konterrevolution. Robespierre selbst wurde getötet, und es begann eine andere Epoche in der Geschichte Frankreichs. Aber das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie eine aufgezwungene, einzige, gemeinsame Ideologie die Gesellschaft verdirbt und ihr erlaubt, in unglaubliche Tiefen der Niedertracht hinabzusinken.
Hier ist nicht konkret gesagt, worin diese Menschen sich schuldig gemacht haben. Sie schufen eine gemeinsame Ideologie, sie beschlossen, sie zu verewigen. Und auch atheistische, völlig atheistische Ideologien lieben Statuen ihrer Führer, irgendwelche megalomanischen Konstruktionen, die ihre Ideen verherrlichen oder verewigen, etwas Allerhöchstes, Allertiefstes, Allerbreitestes – all das wird von allen Ideologien sehr geliebt.
Auf diese Weise sehen wir zwei Ansätze dazu, was denn geschehen ist. Der erste Ansatz ist theologisch. Er sagt, dass die Menschen begannen, Götzen anzubeten, und sich dadurch dem Himmel entgegenstellten. Der zweite Ansatz sagt, dass an allem eine verdorbene Gesellschaft schuld ist, denn welche guten Ideen auch immer vorgebracht werden (sei es Humanismus, sei es Gleichheit, sei es Freiheit), die Einförmigkeit der Ideen ist immer ein Krieg mit dem Schöpfer, das führt immer dazu, dass als Ergebnis die Gesellschaft verdorben wird. Durch Verbote, durch Einschränkung der Freiheit wird der Mensch nicht gerechter und nicht reiner. Das ist noch ein Ansatz dazu, was geschehen ist. Wahrscheinlich ist das der Fall, in dem es keinen Sinn hat, die richtige Variante von zweien zu wählen, und es sind ja auch mehr als zwei, ich lege den Akzent auf zwei. Durchaus möglich, dass das eine wie das andere ein Problem dieser Gesellschaft war. Und in unserer Zeit kann das eine wie das andere ein Problem der Gesellschaft sein. Das ist es, was wir uns merken und als Lehre aus dieser Geschichte ziehen müssen.
Die Menschen wollten also entweder beginnen, Götzen anzubeten, oder sie machten irgendeine Ideologie zum Götzen.
וַיֵּרֶד יְהוָה לִרְאֹת אֶת-הָעִיר וְאֶת-הַמִּגְדָּל אֲשֶׁר בָּנוּ בְּנֵי הָאָדָם:
wajéred adonáj lir'ót et-ha'ír we'ét-hammigdál aschér bánu bené ha'adám
5 Und der HERR stieg herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die die Söhne der Menschen bauten.
Das ist natürlich eine Metapher, die das göttliche Eingreifen in die irdischen Ereignisse symbolisiert. Selbstverständlich ist der HERR nicht herabgestiegen, indem Er eine Leiter, eine Trittleiter nahm oder einen Aufzug rief, und ist nicht vom Himmel herabgekommen.
וַיֹּאמֶר יְהוָה הֵן עַם אֶחָד וְשָׂפָה אַחַת לְכֻלָּם וְזֶה הַחִלָּם לַעֲשׂוֹת וְעַתָּה לֹא-יִבָּצֵר מֵהֶם כֹּל אֲשֶׁר יָזְמוּ לַעֲשׂוֹת:
wajomer adonáj hen am echád wessafá achát lechullám wesé hachillám la'assót we'attá lo-jibbazér mehém kol aschér jasemú la'assót
6 Und der HERR sagte: „Siehe, da ist ein Volk, und alle haben eine Sprache, und das ist es, was ihnen die Kühnheit gibt (Mut hinzufügt), jetzt gibt es nichts, was sie tun wollten und nicht täten.
Ihnen ist nichts unmöglich, nicht nur im Guten, nicht nur im technologischen Fortschritt. Nicht den technologischen Prozess will Gott aufhalten und nicht den Turm, den sie bauen. Der Turm stört Gott nicht. Wird Er etwa davor erschrecken, dass jemand beschließt, in den Himmel zu klettern und mit Ihm Krieg zu führen, wir wissen doch, dass Er nicht im Himmel ist. Der Höchste sagt, dass sie weit gehen können in ihrem Angleichen aller Menschen an gemeinsame Standards oder im Aufzwingen eines Bildes Gottes. Und auch das ist eine Art Angleichen der Menschen an ein und denselben Standard in der Anbetung Gottes.
הָבָה נֵרְדָה וְנָבְלָה שָׁם שְׂפָתָם אֲשֶׁר לֹא יִשְׁמְעוּ אִישׁ שְׂפַת רֵעֵהוּ:
háwa neredá wenawelá scham sefatám aschér lo jischme'ú isch sefát re'éhu
7 Steigen wir hinab und verwirren wir die Sprachen, sodass sie die Sprache ihres Nächsten nicht hören können.“
Es gibt jedes Mal einen Streit, wenn der Höchste im Plural spricht: Lasst uns den Menschen erschaffen, oder: Steigen wir hinab. Durchaus möglich, dass hier gerade davon die Rede ist, dass der Höchste mit den Engeln herabsteigen wird, die die Engel der Völker sein werden. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass wir es wieder mit dem Pluralis Majestatis zu tun haben – einer besonderen grammatischen Form, die es in vielen semitischen Sprachen gibt, wenn ein König (oder eine wichtige Person) von sich im Plural spricht. Und zum Beispiel sagt Daniel, als er dem König den Traum nacherzählt: „Sagen wir dem König den Traum.“ Und es gibt die Variante, dass das eine solche stilistische Antwort auf das ist, was die Menschen untereinander sagen, sie sagen háwa na'assé (wir werden machen), und der Höchste antwortet im gleichen Ton, antwortet stilistisch auf ihre Redeform.
Damit sie nicht hören können. Nicht einmal, damit sie nicht verstehen können, sondern nicht hören können. Wir können ja einem Menschen widersprechen, ohne ihn zu verstehen. Wie man auch sagt: „Du hörst mir nicht zu“, „und ich will dich nicht einmal hören“. Der Höchste sagt: „Ich werde eine Trennung legen, sodass man in die persönliche Welt des Menschen, in sein Denken, in seine Weltanschauung nicht mehr wird eindringen können.“ Sie werden den Menschen nicht zwingen können, etwas in aufgezwungener Einförmigkeit zu sagen. Die Menschen sind vielfältig, die ganze Schöpfung ist vielfältig. Schaut euch an, was für eine vielfältige Welt der Höchste erschaffen hat. Und jedes Mal, wenn jemand von uns die Tora liest, ein Gebet spricht, ist das immer ein Dialog der Tora und des Menschen, der die Tora liest. Wenn Eltern ihre eigenen Kinder ansehen, die gerade erst geboren sind, haben diese schon einen gewissen vom Höchsten gegebenen Charakter, den wir weder durch Erziehung noch durch sonst etwas umformen können, das, was für immer bleibt. Das ist eine Gabe des Höchsten. Hier sagt der Höchste: „Ich werde es so machen, dass ihr die Gründe der Vielfalt nicht verstehen könnt, ihr werdet euch nicht mehr absprechen können, werdet einander nicht mehr irgendwelche Auffassungen aufzwingen können. Ihr werdet nicht einen gemeinsamen Götzen haben.“ Wenn es aber viele verschiedene Götzen gibt, selbst wenn sich der Götzendienst in der Menschheit entwickeln wird (und er wird es), dann wird das kein einheitlicher Götze sein. Die Einheit ist eine Kategorie des Schöpfers. Was euer Götze nicht haben wird – er wird nicht einheitlich sein.
וַיָּפֶץ יְהוָה אֹתָם מִשָּׁם עַל-פְּנֵי כָל-הָאָרֶץ וַיַּחְדְּלוּ לִבְנֹת הָעִיר:
wajáfez adonáj otám mischám al-pené chol-ha'árez wajachdelú liwnót ha'ír
8 Und der HERR zerstreute sie von dort über das Angesicht der ganzen Erde, und sie hörten auf, die Stadt zu bauen.
Das Problem liegt, wie wir sehen, nicht einmal im Turm, nicht den Turm hörten sie auf zu bauen, sondern die Stadt. Sie hörten auf, eine Gesellschaft zu bauen, die durch eine Ideologie vereint ist.
Versuchen wir, diese Erzählung ein klein wenig zu modernisieren. Der moderne Mensch heißt Homo sapiens (vernünftiger Mensch). Es gibt Ideen, die Humanismus heißen – das ist ein allgemeinmenschlicher Wert, der verkündet wird. In dieses Päckchen legen die Humanisten alles, was sie wollen: Toleranz gegenüber irgendwelchen Minderheiten, das Fehlen der Todesstrafe, noch irgendwelche Werte, die sie für human und unmenschlichSo steht es auch im Original: „human und unmenschlich“. Vermutlich ist „menschlich“ gemeint; der Wortlaut ist beibehalten. halten. Wer nicht bereit ist, dieses Päckchen mit sich herumzuschleppen, in der Stadt namens Humanismus (Menschlichkeit) zu leben, der ist überhaupt kein Mensch. Nun, und welche Rechte hat ein Mensch, der überhaupt kein Mensch ist? Diese scheinbare Freiheit, wie jene, die die Französische Revolution verkündete, kann sich als Unfreiheit erweisen, wenn von allen verlangt wird, gleich zu sein. Das, was der Höchste getan hat, hat Er so getan, dass die Menschheit sich nicht mehr durch eine einzige Ideologie vereinigen oder irgendeinem einzigen Götzen dienen wird. Mag es falsche Ideologien geben, mag es falsche Götzen geben, jeder kann sich irren, ganze Völker können sich irren und in Götzendienst verfallen, irgendwelche schrecklichen Ideologien übernehmen. Dafür gibt es viele Beispiele. Aber das wird nicht der ganzen Menschheit aufgezwungen werden, weil die Menschen einander nicht hören, und darin liegt ein gewisser Segen. Die Einheit der Menschheit wird auf der Erde sein, wenn sich die Prophezeiung Secharjas erfüllt: „An jenem Tag wird der HERR König über die ganze Erde sein, an jenem Tag wird der HERR einer sein und Sein Name einer.“ Es lohnt sich, wieder auf das Wort Name zu achten. Aber Secharja spricht von Seinem Namen, nicht vom Namen der Menschen, sondern vom Namen Gottes, der einer sein wird, es wird ein einziger, einiger König über die ganze Erde sein, und die ganze Vielfalt des Weltalls wird in ihrer Vielfalt dem König untergeordnet sein. Nicht in Einförmigkeit, sondern gerade in der Verschiedenartigkeit der ganzen Schöpfung.
עַל-כֵּן קָרָא שְׁמָהּ בָּבֶל כִּי-שָׁם בָּלַל יְהוָה שְׂפַת כָּל-הָאָרֶץ וּמִשָּׁם הֱפִיצָם יְהוָה עַל-פְּנֵי כָּל-הָאָרֶץ:
al-kén kará schemá bawél ki-schám balál adonáj sefát kol-ha'árez umischám hefizám adonáj al-pené kol-ha'árez
9 Darum nannte er ihren Namen Bawel (Verwirrung), weil der HERR dort die Sprache der ganzen Erde verknetete. Und von dort zerstreute sie der HERR über die ganze Erde.
Das Wort blela bedeutet im heutigen Hebräisch Teig.
Dieser Vers erinnert uns wieder an die Parallele zur Prophezeiung Secharjas, die mit der ganzen Erde verbunden ist und mit jenem Segen, den der Höchste der Menschheit ganz am Anfang und Noach gab, als dieser aus der Arche ging: sich über die Erde auszubreiten, immer vielfältiger und vielfältiger zu werden, zu einer Menge verschiedener Völker zu werden, damit über dieser ganzen Vielfalt, über dieser ganzen vielseitigen und vielfältigen Schöpfung ein einziger König zu herrschen beginnt, wenn der HERR einer sein wird über die ganze Erde und Sein Name einer sein wird.
Also ist der Plan der Menschheit, einen alternativen Namen zu schaffen, krachend gescheitert. Dem Schem, dem Sohn Noachs, etwas entgegenzusetzen, ist der Menschheit nicht gelungen. Und als dieser kontrasemitische, antisemitische Aufstand in Gestalt des Turms zu Babel niedergeschlagen war, kehrt die Tora zu Schem zurück:
אֵלֶּה תּוֹלְדֹת שֵׁם שֵׁם בֶּן-מְאַת שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-אַרְפַּכְשָׁד שְׁנָתַיִם אַחַר הַמַּבּוּל:
ellé toledót schem schem ben-me'át schaná wajoled et-arpachschád schenatájim achár hammabbúl
10 Dies ist die Geschlechterfolge Schems: Schem war 100 Jahre alt, und er zeugte Arpachschad 2 Jahre nach der Flut.
Über den Namen Arpachschad haben wir im vorigen Kapitel gesprochen.
וַיְחִי-שֵׁם אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-אַרְפַּכְשָׁד חֲמֵשׁ מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí-schém acharé holidó et-arpachschád chamésch me'ót schaná wajoled baním uwanót
11 Und Schem lebte nach der Geburt Arpachschads 500 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
וְאַרְפַּכְשַׁד חַי חָמֵשׁ וּשְׁלֹשִׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-שָׁלַח:
we'arpachschád chaj chamésch uschloschím schaná wajoled et-schálach
12 Arpachschad war 35 Jahre alt und zeugte Schalach.
Schalach – Gesandter.
וַיְחִי אַרְפַּכְשַׁד אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-שֶׁלַח שָׁלֹשׁ שָׁנִים וְאַרְבַּע מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí arpachschád acharé holidó et-schélach schalósch schaním we'arbá me'ót schaná wajoled baním uwanót
13 Und Arpachschad lebte nach der Geburt Schelachs noch 403 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
וְשֶׁלַח חַי שְׁלֹשִׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-עֵבֶר:
weschélach chaj scheloschím schaná wajoled et-éwer
14 Schelach lebte 30 Jahre, und zeugte Ewer.
Wir haben schon über Ewer gesprochen, dieser Name bedeutet der Hinübergegangene, der durch etwas hindurchgegangen ist oder der etwas hinter sich gelassen hat. Der Name iwri (Hebräer) stammt von diesem Namen.
וַיְחִי-שֶׁלַח אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-עֵבֶר שָׁלֹשׁ שָׁנִים וְאַרְבַּע מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí-schélach acharé holidó et-éwer schalósch schaním we'arbá me'ót schaná wajoled baním uwanót
15 Und Schelach lebte nach der Geburt Ewers 403 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
וַיְחִי-עֵבֶר אַרְבַּע וּשְׁלֹשִׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-פָּלֶג:
wajchí-éwer arbá uschloschím schaná wajoled et-páleg
16 Ewer lebte 34 Jahre und zeugte Peleg.
Auch über den Namen Peleg haben wir gesprochen, in seiner Zeit teilte sich die Erde.
וַיְחִי-עֵבֶר אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-פֶּלֶג שְׁלֹשִׁים שָׁנָה וְאַרְבַּע מֵאוֹת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí-éwer acharé holidó et-péleg scheloschím schaná we'arbá me'ót schaná wajoled baním uwanót
17 Und Ewer lebte nach der Geburt Pelegs 430 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
וַיְחִי-פֶלֶג שְׁלֹשִׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-רְעוּ:
wajchí-féleg scheloschím schaná wajoled et-re'ú
18 Und Peleg lebte 30 Jahre, und zeugte Re'u.
Re'u bedeutet Nächster; derjenige, der nahe sein will, oder derjenige, der weidet, derjenige, der sich kümmert.
וַיְחִי-פֶלֶג אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-רְעוּ תֵּשַׁע שָׁנִים וּמָאתַיִם שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí-féleg acharé holidó et-re'ú téscha schaním umatájim schaná wajoled baním uwanót
19 Und Peleg lebte nach der Geburt Re'us 209 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
וַיְחִי רְעוּ שְׁתַּיִם וּשְׁלֹשִׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-שְׂרוּג:
wajchí re'ú schetájim uschloschím schaná wajoled et-serug
20 Re'u lebte 32 Jahre und zeugte Srug.
Srug – das ist verbunden; geflochten; derjenige, der verflochten ist; mit dem Höchsten verbunden. Manche sagen, dass das sich rankende Reben bedeutet, und das ist der Anfang der Bezeichnung einer geografischen Gegend, das heißt, Srug ist ein Bewohner des Ortes, der Sarog heißt, einer Stadt in der heutigen Türkei.
וַיְחִי רְעוּ אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-שְׂרוּג שֶׁבַע שָׁנִים וּמָאתַיִם שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí-re'ú acharé holidó et-serúg schéwa schaním umatájim schaná wajoled baním uwanót
21 Und Re'u lebte nach der Geburt Serugs 207 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
וַיְחִי שְׂרוּג שְׁלֹשִׁים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-נָחוֹר:
wajchí serúg scheloschím schaná wajoled et-nachór
22 Serug lebte 30 Jahre und zeugte Nachor.
וַיְחִי שְׂרוּג אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-נָחוֹר מָאתַיִם שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí serúg acharé holidó et-nachór matájim schaná wajoled baním uwanót
23 Und Srug lebte nach der Geburt Nachors 200 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
Die Tora sagt jedes Mal, dass er Söhne und Töchter zeugte, wir lesen das ständig. Aber warum zählt die Tora die Söhne und Töchter nicht auf? Weil die Erzählung nicht von ihnen handelt. Die Tora konzentriert sich auf das Wesentliche.
וַיְחִי נָחוֹר תֵּשַׁע וְעֶשְׂרִים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-תָּרַח:
wajchí nachór téscha we'esrím schaná wajoled et-tárach
24 Nachor war 29 Jahre alt und zeugte Terach.
וַיְחִי נָחוֹר אַחֲרֵי הוֹלִידוֹ אֶת-תֶּרַח תְּשַׁע-עֶשְׂרֵה שָׁנָה וּמְאַת שָׁנָה וַיּוֹלֶד בָּנִים וּבָנוֹת:
wajchí nachór acharé holidó et-térach teschá-esré schaná um'át schaná wajoled baním uwanót
25 Und Nachor lebte nach der Geburt Terachs 119 Jahre, und zeugte Söhne und Töchter.
וַיְחִי-תֶרַח שִׁבְעִים שָׁנָה וַיּוֹלֶד אֶת-אַבְרָם אֶת-נָחוֹר וְאֶת-הָרָן:
wajchí-térach schiw'ím schaná wajoled et-awrám et-nachór we'et-harán
26 Und Terach lebte 70 Jahre, und zeugte Awram, Nachor und Haran.
Eigentlich arbeitete sich die Geschlechterfolge ja gerade an sie heran, wovon wir jetzt erfahren werden und worüber wir in den nächsten Kapiteln lesen werden. Und weil sich die Geschlechterfolge daran heranarbeitete, beginnt sie diese Erzählung als ein neues Kapitel, um Awraham Ehre zu erweisen, von dem die Rede sein wird.
וְאֵלֶּה תּוֹלְדֹת תֶּרַח תֶּרַח הוֹלִיד אֶת-אַבְרָם אֶת-נָחוֹר וְאֶת-הָרָן וְהָרָן הוֹלִיד אֶת-לוֹט:
we'élle toledót térach térach holíd et-awrám et-nachór we'et-harán weharán holíd et-lot
27 Und dies ist die Geschlechterfolge Terachs: Terach zeugte Awram, Nachor und Haran, und Haran zeugte Lot.
Awram, Nachor und Haran – drei Söhne Terachs, die zehnte Generation nach Noach, genauso wie Noach die zehnte Generation nach Adam war.
וַיָּמָת הָרָן עַל-פְּנֵי תֶּרַח אָבִיו בְּאֶרֶץ מוֹלַדְתּוֹ בְּאוּר כַּשְׂדִּים:
wajámatDie russische Umschrift hat hier „wajámot“. Nach dem Hebräischen lautet das Wort wajámat. harán al-pené térach awíw be'érez moladtó be'úr kasdím
28 Und Haran starb vor Terach, seinem Vater, in seinem Heimatland, in Ur Kasdim.
וַיִּקַּח אַבְרָם וְנָחוֹר לָהֶם נָשִׁים שֵׁם אֵשֶׁת-אַבְרָם שָׂרָי וְשֵׁם אֵשֶׁת-נָחוֹר מִלְכָּה בַּת-הָרָן אֲבִי-מִלְכָּה וַאֲבִי יִסְכָּה:
wajikkách awrám wenachór lahém naschím schem éschet-awrám saráj weschém éschet-nachór milká bat-harán awí-milká wa'awí jiská
29 Und Awram und Nachor nahmen sich Frauen: Der Name der Frau Awrams Saraj, und der Name der Frau Nachors Milka, die Tochter Harans, der der Vater Milkas und Jiskas war.
Viele Kommentatoren sagen, dass Jiska Saraj ist, und darüber gibt es viele Streitigkeiten, auf die wir jetzt wohl nicht näher eingehen werden.
וַתְּהִי שָׂרַי עֲקָרָה אֵין לָהּ וָלָד:
wattehí saráj akará en la walád
30 Saraj war unfruchtbar, es gibt bei ihr nicht im KeimDer Vers lautet im Original wörtlich so; der Satz wirkt unvollständig mitgeschrieben. Er ist hier wörtlich übersetzt..
Wir wissen nicht, ob Sara selbst davon wusste oder ob sie versuchte, schwanger zu werden, jedes Mal in der Hoffnung, dass sie schwanger werden kann. Und Awram wartete darauf, dass sie gebären kann. Das ist das, was die Tora den Lesern einen Spalt weit offenlegt, offenlegt, weil es ein wichtiges Element für die weitere Handlung ist. Wenn wir nur bis zu dieser Stelle gelesen haben, verstehen wir schon, dass das ein wichtiges Element der weiteren Geschichte sein wird. Wir wissen noch nichts, weder über Saraj noch über Awram, und über Sara und Awraham erst recht nicht, aber für uns ist es schon wichtig zu wissen, dass Saraj unfruchtbar ist und sie keine Kinder hat.
וַיִּקַּח תֶּרַח אֶת-אַבְרָם בְּנוֹ וְאֶת-לוֹט בֶּן-הָרָן בֶּן-בְּנוֹ וְאֵת שָׂרַי כַּלָּתוֹ אֵשֶׁת אַבְרָם בְּנוֹ וַיֵּצְאוּ אִתָּם מֵאוּר כַּשְׂדִּים לָלֶכֶת אַרְצָה כְּנַעַן וַיָּבֹאוּ עַד-חָרָן וַיֵּשְׁבוּ שָׁם:
wajikkách térach et-awrám benó we'ét-lot ben-harán ben-benó we'ét saráj kallató éschet awrám benó wajeze'ú ittám me'úr kasdím laléchet árza kená'an wajawó'u ad-charán wajéschewu scham
31 Und Terach nahm Awram, seinen Sohn, und Lot, den Sohn Harans, den Sohn seines Sohnes (seinen Enkel), und seine Schwiegertochter Saraj, die Frau Awrams, seines Sohnes, und er zog mit ihnen aus Ur Kasdim aus, um in das kanaanäische Land zu gehen, und sie gelangten bis Charan und ließen sich dort nieder.
Ausgezogen sind sie ja in das kanaanäische Land, aber bis zum kanaanäischen Land sind sie nicht gekommen. Warum sind sie nicht hingekommen? Dafür kann es eine Menge Gründe geben. Sie sind nicht hingekommen, obwohl sie losgegangen sind. Wozu sie losgegangen sind, warum sie losgegangen sind, das wissen wir auch nicht.
וַיִּהְיוּ יְמֵי-תֶרַח חָמֵשׁ שָׁנִים וּמָאתַיִם שָׁנָה וַיָּמָת תֶּרַח בְּחָרָן:
wajihjú jemé-térach chamésch schaním umatájim schaná wajámatDie russische Umschrift hat hier „wajámot“. Nach dem Hebräischen lautet das Wort wajámat. térach becharán
32 Und der Tage Terachs waren 205 Jahre, und Terach starb in Charan.
Alle wissen wahrscheinlich, dass es so ein Volk gibt, das in der Nachbarschaft des Volkes Israel lebt, das sind die Samaritaner. Ihre Geschichte ist ziemlich ausführlich beschrieben, und sie bewahren ihren Pentateuch, der sich in einigen Fragen von dem Pentateuch unterscheidet, den wir haben. In der samaritanischen Tradition lebt Terach 145 Jahre und nicht 205. Warum so ein Unterschied, und warum ist das grundsätzlich wichtig? Wenn Terach 145 Jahre lebt, dann geht Awram nach dem Tod Terachs weg, wenn Terach 205 Jahre lebt, dann geht Awram weg, während Terach noch lebt. Möglicherweise stützte sich Stephanus in der Apostelgeschichte gerade auf die samaritanische Tradition, als er davon sprach, dass Awram nach dem Tod Terachs auszog. Jedenfalls folgt aus dem masoretischen Text, aus dem Text, den wir haben, etwas ein wenig anderes.
Die Tora sagt über Noach, dass er ein Gerechter in seiner Generation war. Ein solch mehrdeutiger Ausdruck gibt den Kommentatoren Stoff. Der bekannte Tora-Kommentator Rabbi Schlomo Jizchaki (Raschi) sagt: „Manche kommentieren das als Vorzug, indem sie sagen: ‚Wenn es Noach schon in seiner Generation gelungen ist, ein Gerechter zu sein, dann wäre er in anderen Generationen erst recht ein Gerechter gewesen.‘ Andere sagen es zum Tadel: ‚Nur in seiner Generation galt Noach als Gerechter, vor dem Hintergrund all derer, die ihn umgaben, aber in unserer Generation, heißt es, hätte er als Gerechter nicht gereicht.‘ Jede abweichende Lesart kann man immer zum Vorzug und zum Tadel auslegen.“
Erstaunlich, dass Ähnliches auch mit den Söhnen Noachs geschah. Im 9. Kapitel des Buches Bereschit lesen wir ab Vers 20:
Und Noach begann, die Erde zu bebauen. Und er pflanzte einen Weinberg, und er trank von dem Wein, und wurde betrunken, und entblößte sich mitten in seinem Zelt. Und Cham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und erzählte es seinen zwei Brüdern draußen. Und Schem und Jefet nahmen ein Gewand, und, nachdem sie es beide auf ihre Schultern gelegt hatten, gingen sie rückwärts und bedeckten die Blöße ihres Vaters, und ihre Gesichter waren nach hinten gewandt, und die Blöße ihres Vaters sahen sie nicht. Und Noach erwachte von seinem Wein und erfuhr, was ihm sein jüngerer Sohn angetan hatte. Und er sagte: „Verflucht sei Kanaan!“
Eine erstaunliche Geschichte lesen wir. Noach ist ein Patriarch, ein Mensch, dank dessen Verdiensten seine ganze Familie gerettet wurde, und in seiner Familie wurde die ganze Menschheit gerettet. Wahrscheinlich ist es schwer für Söhne, einen so großen Vater zu haben. Schwer, ein Apfel zu sein, der, Gott bewahre, weit-weit von einem solchen Apfelbaum fallen kann. Und nun geschieht es, dass Noach trank, Schwäche zeigte, und sich hinlegte, und sich in seinem Zelt entblößte, und Cham sah seine Blöße. Er dachte: „Ach, unser Papa ist, wie sich herausstellt, nicht nur ein großer Patriarch, sondern manchmal auch ein einfacher Saufbold! Da sind seine Schwächen. Da sind die Narben an seinem Körper. Da, da sind seine schwachen Stellen!“ Und er beeilte sich, davon zu erzählen, von seinen schwachen Stellen, von seiner Blöße, seinen Brüdern.
Und vor den Brüdern stand die Frage: Wollen sie auch seine schwachen Stellen annehmen, sodass er ihnen gerade so, schwach, verletzlich, in Erinnerung bleibt? Oder werden sie doch nur an den großen Noach denken, an jenen Gerechten, durch dessen Gerechtigkeit sie aus der Flut gerettet wurden und die ganze Menschheit gerettet wurde?“ Und die Söhne entschieden, dass sie nicht auf die Schwächen ihres Vaters schauen werden.
Wir alle haben Schwächen, Narben, die uns unser nicht einfaches Leben zugefügt hat und die nicht immer geheilt sind. Und wir wollen nicht, dass unsere Kinder uns mit diesen Schwächen in Verbindung bringen und sie erst recht erben.
Wie macht man es, dass unsere Kinder unsere Schwächen nicht erben? Vor allem anerkennen, dass wir diese Schwächen haben. Natürlich hat jeder Mensch Schwächen. Aber schaut auf unsere andere Seite. Enthüllt euren Söhnen eure positiven Seiten. Und was das Wichtigste ist – viel wichtiger ist es, die schwachen Stellen unserer Kinder nicht zu bemerken. Es ist so leicht, sie zu sehen und anzufangen, mit diesen schwachen Stellen zu manipulieren und das Kind statt zu einer Persönlichkeit nur zu einer einzigen schwachen Stelle zu machen. Dann wird das Kind auf unsere schwachen Stellen schauen und sie erben.
Warum verfluchte Noach nicht Cham, sondern Kanaan, den Enkel? Nicht nur deshalb, weil Cham vom HERRN gesegnet war. Sondern weil das der Fluch ist: „Dein Sohn wird deine schwachen Stellen erben, so wie das, was du an mir erspähen wolltest.“
Lasst uns unsere Kinder behüten, das Gute in ihnen sehen und unser Gutes zeigen.
Heute sprechen wir über den Namen Noach selbst. Wir begegnen ihm zum ersten Mal im 5. Kapitel des Buches Bereschit, als Noach gerade geboren wurde. Wir lesen, wie sein Vater prophezeit:
וַיִּקְרָא אֶת-שְׁמוֹ נֹחַ לֵאמֹר זֶה יְנַחֲמֵנוּ מִמַּעֲשֵׂנוּ וּמֵעִצְּבוֹן יָדֵינוּ מִן-הָאֲדָמָה אֲשֶׁר אֵרְרָהּ יְהוָה׃
wajikrá et-schemó nóach lemór sé jenachaménu mimma'assénu ume'izzewón jadénu min-ha'adamá aschér ererá adonáj.
29 Und er nannte seinen Namen Noach und sprach: „Dieser wird uns trösten von unseren Werken und vom Kummer unserer Hände, von der Erde, die der HERR verflucht hat.“
Es gab eine solche Hoffnung, eine Zuversicht, dass der Fluch, mit dem der HERR die Erde verflucht hatte, mit den Worten: „In Kummer wirst du dein Brot gewinnen“, – zusammen mit Noach vorübergehen werde, dass Noach die Menschheit von diesem Fluch befreien werde. Deshalb ist die erste Verbindung, die wir hier in der Bedeutung des Namens Noach sehen, – Noach und jennachem vom Verb lenachem – trösten oder, was trösten im Hebräischen bedeutet, – irgendeine andere Möglichkeit eröffnen.
Was ist Trost? Wenn ein Mensch trauert und keinen Ausweg sieht, tröstet man ihn und sagt: „Es gibt noch Leben! Es gibt noch eine Möglichkeit! Es gibt noch Wege! Nicht alles hat sich verschlossen!“ Sogar wenn jemand Nahestehender gegangen ist, irgendein Leid geschehen ist. Jenachaménu bedeutet er wird uns eine andere Möglichkeit eröffnen, er wird uns einen anderen Weg eröffnen. Es gab die Hoffnung, ich wiederhole es, dass Noach die Menschheit vom Fluch der Erde befreien werde.
Was bedeutet der Name Noach selbst? Ich habe schon über die Erscheinung der Mimation gesprochen, wenn nach Kehllauten der Laut m hinzugefügt wurde, und Noach klang vielleicht früher wie Nochm, und dann sind Noach und jennachem eine sehr verständliche Parallele. Aber wenn wir Noach einfach als noach lesen, dann ist im heutigen Hebräisch noach – bequem, komfortabel, er wird uns endlich die Möglichkeit geben, nicht in Kummer zu leben, sondern mit einer gewissen Bequemlichkeit, uns auf der Erde bequemer, komfortabler zu fühlen. Und obwohl es heute für viele gläubige Menschen leider so gekommen ist, dass Komfort beinahe ein Schimpfwort ist, möchte man sagen, dass ein gläubiger Mensch inneren Frieden, innere Ruhe empfinden soll und inneren Komfort. Also, die Wörter Ruhe, Bequemlichkeit, Komfort werden mit dem Wort noach übersetzt. Und so kann man den Namen Noach verstehen.
In Bereschit (6,6) lesen wir:
וַיִּנָּחֶם יְהוָה כִּי-עָשָׂה אֶת-הָאָדָם
wajinnáchem adonáj ki-assá et-ha'adám
6 Und der HERR bereute, den Menschen erschaffen zu haben…
Wörtlich übersetzt man das gewöhnlich so. Man kann sagen, dass die Tora hier in menschlicher Sprache spricht. Natürlich hat der HERR Sich nicht verändert, nicht umgedacht. Und das russische Wort bereuen kann man hier als Bild verstehen. Aber wenn wir über das Wort jináchem sprechen (und wir haben schon gesagt, dass es irgendeinen anderen Weg eröffnet), dann kann man sagen, dass der Höchste sagte: „Es wird einen Plan ‚B‘ geben! Ich werde die Menschheit auf einem anderen Weg entwickeln. Ich habe den Menschen erschaffen, Ich werde seine Entwicklung auf einem anderen Weg voranbringen.“ Hier begegnen wir wieder demselben Verb. Wenn der Vater Noachs sagte: „Jenachaménu“, so ist auch hier dasselbe Verb jináchem. Man kann sagen, dass der Höchste Trost fand, Adam erschaffen zu haben, eine andere Variante der Entwicklung sah oder eine andere Variante der Entwicklung einschaltete, wenn wir schon vom Höchsten sprechen. Und nun, das Verb noach und die Wörter, die mit der Wurzel noach verbunden sind, sind an allen Schlüsselstellen unseres Wochenabschnitts vorhanden.
Im achten Kapitel lesen wir:
וַתָּנַח הַתֵּבָה
wattánach hattewá
4 Und die Arche kam zum Stehen…
Wörtlich: und die Arche ließ sich nieder, und kam zur Ruhe. Dasselbe Verb, dieselbe Wurzel noach – genoht, genoacht hat sich die Arche, so kann man das auch verstehen. In demselben achten Kapitel lesen wir von der Taube, die Noach aus der Arche schickte. Es heißt, dass die Taube zurückkehrte, weil sie
וְלֹא-מָצְאָה הַיּוֹנָה מָנוֹחַ
welo-maze'áDie russische Umschrift lässt hier die Vorsilbe we (und) weg, die im hebräischen Text steht. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. hajoná manóach
9 Keine Ruhe für sich fand
Wieder sehen wir dieselbe Wurzel.
Und zum Schluss sehen wir, als Noach einen Altar baut und auf dem Altar eine Darbringung darbringt, heißt es:
וַיָּרַח יְהוָה אֶת-רֵיחַ הַנִּיחֹחַ
wajárach adonáj et-réjach hannichóach
21 Und der HERR roch den Wohlgeruch auf dem Altar…
Das Wort nichoach (Wohlgeruch) wird wörtlich übersetzt als Vergnügen gebend, Seligkeit. Beglückend kommt ebenfalls von dieser erstaunlichen Wurzel noach.
Nun, und kehren wir wohl zur Schlüsselerwähnung des Namens Noach in Bereschit (6,8) zurück:
וְנֹחַ מָצָא חֵן בְּעֵינֵי יְהוָה׃
wenóach máza chen be'ené adonáj.
8 Noach fand Gunst in den Augen des HERRN.
Das Wort chen (Gnade) besteht aus denselben Buchstaben wie noach, nur in veränderter Reihenfolge. Der Name Noach wird mit den Buchstaben נח geschrieben – Nun Chet, und das Wort Gnade – chen – חנ wird mit den Buchstaben Chet Nun geschrieben – die Buchstaben haben einfach die Reihenfolge getauscht.
Ruhe ist die Erscheinung der Gnade in unserer Welt. Was bedeutet: „Noach fand Gnade in den Augen Gottes“? Noach konnte die Gnade in unserer Welt, in unserer Wirklichkeit, zur Erscheinung bringen. Wirklichkeit kommt im Hebräischen vom Wort maziut – das Finden, das, was sich befindet. Das heißt, durch Noach verwirklichte sich die Gnade des Höchsten. Das zwingt uns noch mehr, über die Bedeutung des Namens Noach nachzudenken.
Was sind das für zwei Buchstäblein Chet und Nun, Nun und Chet, aus denen dieser Name besteht? Die Gematrie des Buchstabens ח (Chet) hat den Zahlenwert 8. Wir wissen, dass die Welt auf der Grundlage der Sieben-Tage-Woche besteht – sechs Tage arbeite, der siebte Tag ist Schabbat. Wir wissen auch, ich habe oft in verschiedenen Gesprächen davon gesprochen, dass der achte Tag der Tag ist, an dem Mosche den Tempel erneuerte, an dem Mosche die Stiftshütte aufrichtete, die Beziehung zum Höchsten aufrichtete. Der achte Tag ist der Tag der Annäherung an den Höchsten, ein Tag, der über der Natur dieser Welt steht, übernatürlich. Genauso auch das fünfzigste Jahr, das Jubeljahr, wenn alle Gesetze, alle weltlichen Bindungen gelöst werden, geschieht die vollständige Befreiung von den Fesseln dieser Welt. Und der Name Noach besteht aus dem Buchstaben נ (Nun), dessen Zahlenwert 50 ist, das fünfzigste Jahr, der fünfzigste Tag nach Pessach, Pfingsten, und dem Buchstaben ח (Chet), der, man kann sagen, symbolisch, den achten Tag der Woche bedeutet, den ersten Tag, der der achte Tag der Woche ist, den Tag der erneuerten Menschheit.
Noach also und chen (Gnade) – das ist die Erscheinung des Übernatürlichen im Natürlichen, die Offenbarung der göttlichen Gnade in der geschaffenen Welt, in der physischen Welt, die Offenbarung von etwas Übernatürlichem, das über den Naturgesetzen wirkt. Das Übernatürliche im Natürlichen, die Erscheinung der Göttlichkeit in dieser Welt hat begonnen.
Der erste Mensch, der diese Gnade fand, sie in der Welt verwirklichte, – das ist Noach. Und so heißt er auch, aus den Buchstaben seines Namens kann man das Wort Gnade bilden. Und sein Name selbst bedeutet Ruhe, ebenfalls eine Erscheinung der Gnade in dieser Welt.
Warum ist das nicht gelungen? Warum hat diese Offenbarung der Gnade die Menschheit nicht in die Ruhe eingeführt, nicht dazu geführt, dass die ganze Menschheit von ihren Werken zur Ruhe kam, darüber sprechen wir noch, mit Gottes Hilfe.
So kommt es manchmal vor, dass man, um einen Wochenabschnitt tiefer zu verstehen, sich einem anderen Abschnitt zuwenden muss. Deshalb werden wir heute über den Wochenabschnitt Noach sprechen, aber wir werden den Wochenabschnitt Noach nicht lesen, sondern die Geschichte vom goldenen Kalb noch einmal lesen. Wir werden aus dem 32. Kapitel des Buches Schemot lesen. Im 7. Vers, als Mosche beim Höchsten auf dem Berg weilt, sagt der Höchste zu Mosche:
לֶךְ-רֵד כִּי שִׁחֵת עַמְּךָ
lech-réd ki schichét ammechá
7 Geh, steig hinab, Denn verdorben hat sich dein Volk…
Die Situation beginnt an die Geschichte mit Noach zu erinnern, denn die Ereignisse der Flut begannen, nachdem alles Fleisch auf der Erde sich verdorben hatte. Und dort, am Ende des Wochenabschnitts Bereschit, wird genau dasselbe Verb verwendet. Weiter, im 10. Vers, sagt der Höchste zu Mosche:
וְעַתָּה הַנִּיחָה לִּי
we'attá hannícha li
10 Erlaube Mir, lass Mich…
Das ist ein Verb mit noach, genau dasselbe Verb noach – erlaube Mir, lass Mich in Ruhe etwas tun.
וְיִחַר-אַפִּי בָהֶם
wejichar-appí wahém
…und Ich werde zornig werden über sie, Ich werde Meinen Zorn über sie ausgießen.
Und weiter sagt der Höchste zu Mosche: „…aus dir werde Ich ein neues Volk hervorbringen.“ Seht, was für eine Parallele. Der Höchste spricht davon, dass das Volk sich verdorben hat, und genau so, wie Noach gesagt wurde, dass von ihm eine neue Menschheit ausgehen wird, genauso sagt hier der Höchste zu Mosche: „Von dir wird ein neues Volk Israel ausgehen.“ Die Situation ist sehr ähnlich, und wir sehen, dass es hier sehr ähnliche Verben gibt: schichét (ist auf Abwege geraten) und hannícha (erlaube Mir, das Verb noach). Was sagt der Höchste zu Mosche? Warum wird ein solches Verb verwendet, hannícha – erlaube Mir, lass Mich, als ob Mosche dem Höchsten etwas nicht erlauben könnte?
Eine der Deutungen des Namens Noach – bequem, komfortabel: dass es ihm bequem ist, ihm komfortabel ist, ihm behaglich ist und ihn, sozusagen, nicht beunruhigt, was mit der Menschheit ringsum geschieht. Er fleht den Höchsten nicht für die Menschheit an, betet nicht für sie, vielleicht sorgt er sich auch nicht um sie. Darüber wird jedenfalls nichts gesagt. Und man kann es so verstehen, dass der Höchste hier sagt: „Sei ein bisschen Noach. Handle wie Noach. Noach hat nicht gejammert, und du jammere auch nicht. Tritt nicht für die Menschheit ein, erlaube Mir, jetzt Meinen Zorn über sie auszugießen, flehe Mich nicht an, halte Mich nicht zurück.“
Mosche antwortet Ihm, wir lesen im 13. Vers:
Gedenke Awrahams, Jizchaks und Israels, Deiner Knechte, denen Du bei Dir selbst geschworen und gesagt hast: „Ich werde eure Nachkommenschaft mehren wie die Sterne des Himmels, und dieses ganze Land, von dem Ich gesprochen habe, werde Ich eurer Nachkommenschaft geben, und sie werden es ewig besitzen.“
Ewiger Besitz, sie werden ewig besitzen heißt auf Hebräisch wenachalú; obwohl dieses Verb nicht denselben Wortstamm hat wie noach, sprechen doch die zwei gemeinsamen ersten Buchstaben von einer semantischen Einheit der Verben, die Verben gehören zu derselben semantischen Zelle. Sie werden ewig in Ruhe leben, sie werden ewig in Ruhe erben, auch hier geht es um Ruhe. Mosche sagt zum Höchsten: „Du hast geschworen, diesem Volk Ruhe zu geben.“ Mosche weigert sich, Noach zu sein. Er weigert sich, Noach zu sein als derjenige, auf dem das neue Volk Israel gegründet werden soll, und er weigert sich, Noach zu sein als ein Mensch, dem es noach ist, dem es bequem ist, dass die Menschheit untergeht.
Wir lesen im 14. Vers:
וַיִּנָּחֶם יְהוָה
wajinnáchem adonaj
14 Und Gott besann sich anders…
Wir haben über dieses Verb sowohl gelesen als auch gesprochen, dass die Tora das gewöhnlich als bereute oder besann sich anders übersetzt, hier aber gleichsam als schaltete einen anderen Plan ein, wählte einen anderen Weg der Entwicklung.
Und Mosche sagt zum Höchsten unter anderem:
Wenn Du dieses Volk vernichten wirst, lösche mich aus dem Buch, das Du geschrieben hast. Wenn Du diesem Volk nicht vergibst, lösche mich aus dem Buch, das Du geschrieben hast.
מְחֵנִי נָא
mechéni na
lösche mich
Im Wort mechéni gibt es ebenfalls die Buchstaben ח (chet) und נ (nun). Mehr noch, wenn der Prophet Jeschajahu (54,9) von der Flut spricht, nennt er sie מֵי נֹחַ – mej noach – die Wasser Noachs. Die Buchstaben mej noach bilden das Wort macheni. Mosche bietet eine Alternative an. Als man Noach sagte, er solle die Arche bauen, trat Noach nicht für die Menschheit ein, Noach sagte nicht zum Höchsten: „Hab Erbarmen mit diesen Menschen, gib ihnen eine Chance, rufe sie zur Buße.“ Noach schlug nicht vor und sagte nicht: „Wenn Du die Menschheit vernichten willst, lösche mich, lösche mich aus dem Buch, das Du geschrieben hast.“ Aber das tut Mosche. Mosche sagt in einer sehr ähnlichen Situation statt mej noach, statt der Wasser Noachs: „macheni (lösche mich) aus dem Buch, das Du geschrieben hast.“ Mosche verhält sich in einer ähnlichen Situation völlig anders. Und im dreiunddreißigsten Kapitel des Buches Schemot lesen wir, als Mosche zum Höchsten sagt: „Du wirst vor uns hergehen“, antwortet der Höchste ihm:
פָּנַי יֵלֵכוּ
panáj jeléchu
14 Mein Angesicht wird gehen
Über diesen Ausdruck gibt es sehr viele Streitfragen, auf die wir jetzt nicht eingehen werden.
וַהֲנִחֹתִי לָךְ׃
wahanichóti lach.
Und Ich werde dich zur Ruhe bringen, Ich werde dir Ruhe geben.
Mosche sagt, anders als Noach, in einer ähnlichen Situation nicht: „Ich werde ein neuer Noach sein, ein Noach Israels, ein Noach als Gründer des Volkes Israel, einer neuen Menschheit. Ich werde auf meiner Arche das ganze Volk Israel retten. Mit weniger bin ich nicht einverstanden.“ Das ist nicht mej noach, nicht die Wasser Noachs, das ist machejni – lösche mich, wenn Du nicht bereit bist, meinem Volk zu vergeben.
Man kann natürlich noch viele Parallelen sehen, genauso wie über Noach gesagt ist, dass er Gnade fand in den Augen des Höchsten. Wir haben darüber gesprochen, dass er diese übernatürliche Gnade in unserer Welt real gemacht hat. Viele Male wird dieser Ausdruck in Bezug auf Mosche gebraucht, dass Mosche Gnade fand in den Augen des Höchsten. Hier, in unserem Abschnitt, den wir gelesen haben, sehen wir, dass Mosche zu beten begann, als begänne er, wie hier gesagt ist, das Antlitz des Höchsten zu bearbeiten (Schemot 32,11):
וַיְחַל מֹשֶׁה אֶת-פְּנֵי יְהוָה אֱלֹהָיו
wajchál mosché et-pené adonáj eloháw
11 Und Mosche begann das Antlitz des HERRN, seines Gottes…
Genau so ist über Noach gesagt, dass er begann, die Erde zu bearbeiten. Zwei verschiedene Vektoren, zwei verschiedene Richtungen, aber es werden dieselben Wörter gebraucht. Wenn wir ein und dieselben Wörter sehen, ist es wichtig, darauf zu achten.
Es gibt ziemlich viele weitere Parallelen zwischen Noach und Mosche, aber der allgemeine Sinn dieser Parallelen ist, denke ich, verständlich.
Ich gebe eine solche Warnung: Wenn du eine Ähnlichkeit gefunden hast, fang unbedingt an, nach Unterschieden zu suchen. Das heißt, nicht überall, wo es zwei gleiche Wörter gibt, kann man mit dem Finger darauf zeigen und sagen: „Das ist ein und dasselbe.“ Besonders, wenn wir nach einer Übersetzung lesen: Da kann es überhaupt sein, dass im Original verschiedene Wörter stehen. Aber auch im Original: Wenn du zwei gleiche Wörter gefunden hast, bedeutet das noch nichts, aber wenn es viele Parallelen gibt, fließen sie natürlich zusammen und bezeugen etwas. Ich wiederhole die Regel: Wenn du irgendwelche Ähnlichkeiten gefunden hast, suche unbedingt nach Unterschieden.
Wir sehen, dass die Menschheit in eine völlig andere Etappe eingetreten ist. Mosche – das ist eine andere geistliche Stufe, nicht Noach. Das ist die Stufe, auf der ein Mensch schon bereit ist, seine Seele für sein Volk hinzugeben. Und dieser Unterschied, dieser Vergleich, öffnet uns vielleicht einen Spalt weit den Wochenabschnitt Noach in einem völlig neuen Licht, obwohl wir über ihn praktisch nicht gesprochen haben.
UND NOACH BEGANN, DIE ERDE ZU BEARBEITEN. UND ER PFLANZTE EINEN WEINBERG. UND ER TRANK VON DEM WEIN UND WURDE BETRUNKEN, UND ER ENTBLÖSSTE SICH INMITTEN SEINES ZELTES. UND CHAM, DER VATER KNA'ANS, SAH DIE BLÖSSE SEINES VATERS UND ERZÄHLTE ES SEINEN BEIDEN BRÜDERN DRAUSSEN. UND SCHEM UND JEFET NAHMEN EIN GEWAND, UND NACHDEM SIE ES BEIDE AUF IHRE SCHULTERN GELEGT HATTEN, GINGEN SIE RÜCKWÄRTS UND BEDECKTEN DIE BLÖSSE IHRES VATERS, UND IHRE GESICHTER WAREN NACH HINTEN GEWANDT, UND DIE BLÖSSE IHRES VATERS SAHEN SIE NICHT. UND NOACH SCHLIEF SEINEN WEINRAUSCH AUS UND ERFUHR, WAS SEIN JÜNGERER SOHN AN IHM GETAN HATTE.
Cham kommt zufällig in Noachs Zelt und sieht ihn nicht ganz bekleidet, wahrscheinlich infolge eines Alkoholrausches, einen betrunkenen, entkleideten, vielleicht nicht sehr sauberen Noach in seinem Zelt. Und Cham beeilt sich voller Freude, Schem und Jefet zu erzählen: „Schaut, schaut, was mit unserem Vater ist!“ Schem und Jefet sind von Furcht erfüllt, und sie bedecken, rückwärtsgehend, die Blöße des Vaters.
Noach schlief seinen Rausch aus und erfuhr, was der jüngere Sohn an ihm getan hatte.
Und was hat der jüngere Sohn mit ihm getan? Die Kommentatoren beantworten diese Fragen unterschiedlich. Einige sagen: „Er hat ihn kastriert“, andere sagen: „Er hat ihn vergewaltigt.“ Und sie erzählen noch andere schreckliche Dinge und vermuten, was Cham mit dem Vater getan haben könnte.
Aber es gibt auch ein anderes Verständnis, man kann es aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Was ist eigentlich geschehen? Cham ging ins Zelt und sah, dass sein Vater, sein leiblicher Vater, ein gerechter Mensch, ein Mensch, den der Höchste Selbst gerecht und vollkommen genannt hat, diesmal betrunken, nackt, vielleicht in seinem eigenen Erbrochenen in seinem Zelt liegt. Man muss es eilig seinen beiden Brüdern erzählen, vielleicht sogar dem Sohn: „Schaut, wie unser Papa in Wirklichkeit ist!“
Diesen Fall, als Noach ein einziges Mal strauchelte, oder vielleicht irgendeine Zeit, die für Noach schwer war, musste man in ein Etikett verwandeln, diese Narbe zum Erkennungsmerkmal Noachs machen und auf diese Weise alle seine Vorzüge, alle anderen Züge seines Charakters durchstreichen. Es so machen, dass, mag es ruhig damit verbunden werden: „Unser Vater, Noach, war in Wirklichkeit vielleicht einmal ein Gerechter, war vielleicht einmal vollkommen, aber in Wahrheit, der echte Noach, der wahre Noach – einfach ein Alkoholiker.“ Das ist es, was Cham mit Noach getan hat. Er hat ihm ein Etikett angeklebt. Er wollte das „wahre“ Wesen Noachs zeigen, enthüllen.
Das kommt auch unter uns vor. Wir können oft irgendein Verhalten eines Menschen, der gestrauchelt ist, der für eine gewisse Zeit gefallen ist, hernehmen und ihm das Etikett ankleben, sei es eines Alkoholikers, sei es eines Unzüchtigen, sei es eines Diebes, sei es eines Lügners. Und alles andere, was er tut oder jemals getan hat, wird schon keinerlei Bedeutung mehr haben. Da, Noach hat sich ins Saufen gestürzt, er ist ein Alkoholiker, und egal, was da sonst noch, wann da sonst noch war.
So erben die Kinder eine solche Erinnerung an den Vater, die Kinder behalten die Narben am Körper des Vaters im Gedächtnis, nicht den Körper des Vaters selbst. Die Kinder behalten irgendein Etikett im Gedächtnis, das dem Vater angeklebt wurde, vielleicht zu Unrecht, vielleicht wegen eines einzigen Fehltritts, und nicht das Verhalten des Vaters selbst.
Das ist es, was Cham getan hat. Und dafür wird Kanaan bestraft. Wir haben darüber gesprochen, dass man Cham nicht verfluchen konnte, weil er vom Höchsten gesegnet ist. Aber es geht hier auch darum, dass gerade als Strafe Kanaan irgendwelche Etiketten Chams erben konnte, das heißt, die Strafe war ziemlich symmetrisch. Das sind also solche kurzen Gedanken heute zum Wochenabschnitt Noach.
Ganz am Anfang des 7. Kapitels des Buches Bereschit lesen wir:
Und der HERR sprach zu Noach: „Geh hinein, du und deine ganze Familie, in die Arche, denn dich habe Ich gerecht vor Mir gesehen in diesem Geschlecht.“
Lasst uns auf diese erstaunlichen Worte achten: „…denn dich habe ich gerecht vor Mir gesehen.“
Der HERR macht Noach ein direktes Kompliment, eine direkte Ermutigung. Wenn über Mosche gesagt ist, dass er der Bescheidene unter den Menschen ist, dann ist das nicht etwas, was der Höchste ihm ins Gesicht gesagt hat. Hier kommt der Höchste und unterstützt ganz am Anfang eines sehr schweren Weges in der Arche. Er unterstützt Noach mit den Worten: „Dich habe Ich gerecht vor Mir gesehen in diesem Geschlecht.“
Dieses Kompliment lehrt, wie jedes andere, auch uns, wie man Komplimente macht. Das heißt, nicht einfach anerkennen und sagen: „Ich sehe, wie gut du malst!“, sondern: „Wie gut du malst. Aus dir wird ein großer Künstler werden. Aus dir kann ein guter Künstler werden“, „Wie gut du den Aufsatz geschrieben hast. Aus dir kann ein wunderbarer Schriftsteller werden“, „Aus dir kann ein ausgezeichneter Dreher werden“, „Aus dir kann ein guter Tänzer werden“. Wir stellen nicht einfach fest und sagen: „Schau, was für ein gerechter Mensch“, „Schau, was für ein geschmeidiger Mensch“, sondern wir beauftragen ihn gleichsam mit etwas, vertrauen ihm etwas an oder bitten den Höchsten, ihm etwas anzuvertrauen, indem wir sagen: „Dieser Mensch da, wie er jetzt tanzt, wie er jetzt Geige spielt, wie er jetzt schreibt. Er kann viel mehr.“ Und dem Menschen in die Augen sagen: „Du kannst viel mehr. Du bist zu viel mehr fähig.“
Das ist es, was einen Menschen entflammt, was ihn wirklich dazu bewegt, mehr zu tun, als er jetzt tun kann. Und das ist es, was der Höchste uns lehrt.
Es gibt eine ziemlich bekannte Anekdote über Thomas Edison und seine Mutter. Die Anekdote erzählt, dass Thomas Edison einmal seine Mutter antraf, wie sie einen Brief las und weinte. Und da fragte er: „Was steht da geschrieben?“ Sie erzählte ihm, dass der Schuldirektor schreibt: „Ihr Thomas ist ein so kluger Junge, dass wir ihn nicht mehr unterrichten können. Er soll sich eine andere Lehranstalt suchen.“ Dieser Anekdote zufolge fand Thomas Edison später diesen Brief, und dort stand geschrieben, dass er ein schrecklicher, begriffsstutziger Schüler sei und die Schule ihn nicht behalten könne. Das alles ist natürlich eine Anekdote, in Wirklichkeit war das alles nicht so. So erzählt es Edison selbst: „Einmal belauschte ich ein Gespräch, in dem der Lehrer dem Inspektor erzählte, dass ich begriffsstutzig sei und es keinen Sinn habe, mich weiter in der Schule zu behalten. Das Letzte kränkte mich sehr, ich brach in Tränen aus, lief nach Hause und erzählte alles meiner Mutter. Sie ging mit mir zurück in die Schule und sagte dem Lehrer zornig, dass er nicht wisse, wovon er rede, dass ich mehr Verstand hätte als er selbst, na und so weiter. „Genau daraus – wie Edison selbst später sagte – hat mich meine Mutter gemacht.“ Ihn hat die Mutter gemacht, die ihm Komplimente machte, die ihm sagte: „Du kannst viel mehr. Du bist heute begabt, aber du bist zu Größerem fähig.“ Das ist die beste Art von Komplimenten.
Wir können schlecht Komplimente machen. Deshalb bemerken wir oft nicht, dass unser Kompliment gar kein Kompliment ist. Da sitzt ein Mann, isst Suppe und sagt: „Was für eine wunderbare Suppe! Was für ein wunderbarer Kuchen!“ Und die Komplimente gelten scheinbar der Suppe und dem Kuchen und nicht der, die ihn zubereitet hat. Mach du deiner Frau ein Kompliment, mach der ein Kompliment, die ihn zubereitet hat. Unterstütze sie und sag: „Du kannst das so wunderbar machen. Aus dir wird eine wunderbare Köchin, du bist eine wunderbare Hausfrau.“ Lobe sie in dem, was sie kann, indem du ihr Potenzial entfaltest, und unterstütze auch dich selbst so, und unterstütze auch die Nächsten so. „Dich habe Ich gefunden in diesem Geschlecht.“ Für mich bist du heute der beste Koch, der beste Musiker, der beste Künstler, du kannst dich besser und mehr entfalten.
Der HERR selbst kam zu Noach und sagte ihm: „Dich habe Ich gerecht gefunden. Du hast es verdient.“ Das ist so großartig!
Sehr oft zitiere ich die Kommentare von Rabbi Scholom Noach Beresowski, der auch nach dem Titel seines Buches „Netiwot Schalom“ bekannt ist. Mir gefällt sein ungewöhnlicher Ansatz sehr, seine Fähigkeit, die eine oder andere Stelle der Schrift aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
In seinem Kommentar zum Wochenabschnitt Noach sagt Rabbi Scholom, dass dieser Abschnitt nicht nur mit der Generation Noachs zu tun hat, nicht nur mit der Generation der Flut, sondern auch mit jedem von uns, mit jeder der Generationen im Lauf der ganzen jüdischen Geschichte. Jeder von uns kann in eine Situation geraten, in der um uns herum eine Flut ist. Vielleicht nicht so global, nicht so schrecklich, aber uns können, so oder so, Unglücke, Widrigkeiten oder das Gefühl von Unglücken und Widrigkeiten umhüllen, das Gefühl, dass um uns herum alles zusammenbricht, wie zur Zeit der Flut, dass die alte Welt vernichtet wird und die einzige aktuelle Frage entsteht: Wohin fliehen? Und Rabbi Scholom sagt, dass man auch in unserer Zeit, in Zeiten der Widrigkeiten, eine Arche bauen kann. Wir haben drei Archen, die wir beziehen können, in denen wir unterkommen können.
Die erste Arche ist die Tora. Wenn wir die Tora lernen, uns in das Lernen der Tora vertiefen, können wir alles vergessen, uns von allen Nöten entfernen, von dem Unglück, das wir spüren. Das ist unsere erste Zuflucht.
Die zweite Arche, die wir haben, ist der Schabbat. Sechs Tage sind wir damit beschäftigt, unsere Arbeit zu tun, der siebte Tag ist die Rückkehr zum Höchsten. Ein Tag, an dem man alles vergessen kann, alle weltlichen Angelegenheiten vergessen kann, die Schulden, die Probleme, das gescheiterte Geschäft, das Geschäft, das man aufbauen muss, alle Widrigkeiten und alle Sorgen, und in die göttliche Gegenwart eintauchen kann.
Rabbi Sacks war Oberrabbiner von England, er ist vor Kurzem gestorben, und ganz, ganz vor Kurzem haben seine Schüler seinen Kommentar zum Abschnitt über Noach wiederhergestellt. Und er spricht über den Schabbat so: „Unser Leben ist voller Dinge, die sich in zwei Kategorien teilen: dringende und wichtige. Und da sieht man manchmal, dass wir dasitzen und uns mit dringenden Dingen beschäftigen und die wichtigen Dinge aufschieben.“
Ich erinnere mich, ich saß da und machte etwas am Computer, da kam mein Sohn zu mir und sagte: „Papa, spiel mit mir.“ Ich sagte zu ihm: „Gleich, gleich, Anwehu. Ich mache das hier noch fertig, und dann spielen wir zusammen.“ Nach einiger Zeit kam er und sagte: „Papa, lies mir bitte vor.“ Na, ich antwortete ihm dasselbe. In der dritten Runde sagte er, der geduldige Junge: „Papa, mal mit mir.“ Und als ich ihm antwortete: „Gleich, entschuldige, ich mache nur meine Sachen fertig“, stellte er die Frage ohne Umschweife und fragte: „Papa, hast du mich lieb?“
Gott sei Dank, dass ich den Schabbat habe, dass ich die Möglichkeit habe, die dringenden Dinge durch wichtige zu ersetzen, mit der Familie zusammen zu sein, mit Freunden zusammen zu sein, mich irgendwelchen Gedanken über mich selbst zu widmen, im Park spazieren zu gehen, frische Luft zu atmen, ohne Eile von ganzem Herzen zum Höchsten zu beten, Ihm für die Ereignisse der Woche zu danken. Das ist die zweite Arche, in die wir uns vor unseren Nöten und vor unserer Flut flüchten können.
Und die dritte Arche heißt wejachad (zusammen). Es gibt irgendeine Gemeinschaft, irgendwelche Freunde, Gefährten, mit denen zusammen wir Zeit verbringen können, mit denen wir zusammen irgendwelche Probleme besprechen und vielleicht sogar irgendwelche Probleme lösen können. Gefährten zusammen, wenn es echte Gefährten sind, wenn es echte Freunde sind, können ebenfalls helfen, die Flut zu überstehen.
Solche drei Archen haben wir, hat jeder von uns (Gott sei Dank!), um unsere Fluten zu überstehen. Vielleicht hat jemand die Möglichkeit und will eine andere Arche schaffen, um seine Flut zu überstehen, jemand hat seine eigene Arche. Das ist alles toll, das ist alles wunderbar, man muss sich nur daran erinnern, dass es vor jeder Flut eine Arche gibt und einen Ort gibt, an dem man sich vor der Flut retten kann. Manchmal muss man die Arche bauen, manchmal hat man sie schon vor uns gebaut. Aber, Gott sei Dank, der Höchste gibt uns die Möglichkeit, eine Zuflucht vor jedem Unheil zu haben!
Setzt das Studium fort: Bereschit, Lech Lecha, Bünde und Wochenabschnitte der Tora.