1. Wochenabschnitte
  2. Dewarim
  3. Dewarim

דְּבָרִים

Dewarim

die Reden Mosches und die ersten Siege

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
44 von 54
Verse
Dewarim 1,1–3,22
Teile
6
Lesezeit
1 Std. 2 Min.

markiert Stellen, an denen die Übersetzung bewusst vom russischen Original abweicht. Antippen zeigt den Hinweis.

Dewarim ist der erste Wochenabschnitt des letzten Buches der Tora, das als Deuteronomium bekannt ist. Im Stenogramm von Alex Blend geht es um die Reden Mosches, die Erinnerungen an die Wanderung Israels, die ersten Siege und den Umgang mit der Angst vor dem Kampf. Der hebräische Text wird von einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original heißt es, der hebräische Text werde von einer russischen Übersetzung begleitet. Da diese Seite eine deutsche Übersetzung zeigt, steht hier neutral „einer Übersetzung“. und der religiösen Auslegung des Autors begleitet.

Wie alles begann

Dewarim 1,1–2,1

Mit Gottes Hilfe beginnen wir, ihr und ich, das letzte, fünfte Buch der Tora zu studieren, das Buch, das Dewarim heißt, was Reden bedeutet. Das Buch hat diesen Namen bekommen, weil es aus den Reden besteht, mit denen Mosche sich an das Volk Israel wendet, indem er die Tora nacherzählt und an die Ereignisse der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste erinnert. Aus demselben Grund hat dieses Buch in der russischen Übersetzung den Namen „Zweites Gesetz“ bekommen. Nicht ein zweites Gesetz, Gott bewahre, nicht irgendein alternatives Gesetz, sondern eine Wiederholung des Gesetzes: Mosche erzählt dem Volk Israel die Tora nach.

Lasst uns ab Vers 1 von Kapitel 1 lesen.

אֵלֶּה הַדְּבָרִים אֲשֶׁר דִּבֶּר מֹשֶׁה אֶל־כָּל־יִשְׂרָאֵל בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן

 בַּמִּדְבָּר בָּעֲרָבָה מוֹל סוּף בֵּין־פָּארָן וּבֵין־תֹּפֶל וְלָבָן וַחֲצֵרֹת וְדִי זָהָב׃

éle haddewarím aschér dibbér mosché el-kol-jisraél be'éwer hajardén bammidbár ba'arawá mol suf ben-parán uwen-tófel welawán wachazerót wedí saháw

1 Dies sind die Reden, die Mosche zu ganz Israel redete am gegenüberliegenden Ufer des Jordan, in der Wüste, in der Steppe, gegenüber von Suf, zwischen Paran und zwischen Tofel und Lawan und Chazerot und Di-Sahaw,

Hier stolpern sehr viele Leute und sagen: „Wenn hier be'éwer hajardén (jenseits des Jordan, am gegenüberliegenden Ufer des Jordan) geschrieben steht, dann hat sich derjenige, der dieses Buch geschrieben hat, verraten. Er lebte schon im Land Kanaan, und für ihn war Mosche auf der anderen Seite des Jordan. Und so sehen wir, dass das Buch Dewarim irgendein späteres Machwerk ist.“ Aber wenn wir die letzten Kapitel des Buches Bemidbar aufmerksam gelesen und die Gespräche der Söhne Israels untereinander verfolgt hätten, dann hätten wir gesehen, dass das gegenüberliegende Ufer des Jordan seinen Namen schon bekommen hat, bevor es tatsächlich zum gegenüberliegenden wurde, bevor die Israeliten in das Land Kanaan hineinkamen. Die Geografie hatte schon umgeschaltet, dieser Name hatte sich geografisch schon festgesetzt. Das ist eine neue Generation, diese Menschen fühlen sich schon in Kanaan, sie leben Kanaan. Deshalb geschieht das, was jetzt geschieht, am gegenüberliegenden Ufer des Jordan: Das ganze Volk Israel sitzt am gegenüberliegenden Ufer des Jordan, und das richtige Ufer ist das Land Kanaan. Weiter heißt es: gegenüber von Suf. Und man kann es so verstehen, dass das das Ufer des Meeres Jam Suf ist (des Schilfmeeres oder des Roten Meeres). Wir wissen leider nicht, wo die Orte liegen, die Tofel und Di-Sahaw heißen, aber wir können sagen, dass hier irgendwelche Orte der Wanderung des Volkes Israel aufgezählt werden. Mosche erinnert das Volk gleichsam daran, wo das Volk gewesen ist, wo es die ganze Zeit über umhergewandert ist.

אַחַד עָשָׂר יוֹם מֵחֹרֵב דֶּרֶךְ הַר־שֵׂעִיר עַד קָדֵשׁ בַּרְנֵעַ׃

achád assár jom mechoréw dérech har-se'ír ad kadésch barnéa

2 Elf Tage vom Choreb (dem Berg Sinai) über den Berg Se'ir bis zu dem Ort, der Kadesch-Barnea heißt.

Warum wird eigens betont, dass diese Strecke elf Tagesreisen beträgt? Früher wussten die Menschen gut, wie viel Zeit jede Wegstrecke braucht, und alle Entfernungen wurden in Tagesreisen gemessen, so war es leichter zu rechnen. Es gibt gute Kommentare von Rabbi Schlomo Jizchaki, der es so erklärt: „Mosche sagte zu ihnen: ‚Seht, wozu (eure Sünden) geführt haben! Es gibt keinen kürzeren Weg vom Choreb nach Kadesch-Barnea als den Weg über den Berg Se'ir, und man legt ihn in elf Tagen zurück, ihr aber habt ihn in drei Tagen zurückgelegt‘ – denn am zwanzigsten Ijar brachen sie vom Choreb auf, wie es heißt: ‚Und es geschah im zweiten Jahr, im zweiten Monat, am zwanzigsten (Tag) des Monats …‘, und am neunundzwanzigsten Siwan sandten sie die Kundschafter von Kadesch-Barnea aus (insgesamt vierzig Tage); zieh davon die dreißig Tage ab, die sie in Kiwrot-ha-Ta'awa verbrachten, denn sie aßen einen Monat lang Fleisch, und die sieben Tage, die sie in Chazerot verbrachten, wo Mirjam eingeschlossen war (vom Aussatz geschlagen); so (findest du), dass sie in drei Tagen jenen ganzen Weg zurücklegten. – ‚So hat Sich der Allgegenwärtige euretwegen gemüht, um euer Kommen in das Land (Jisraels) zu beschleunigen, aber weil ihr gesündigt habt, ließ Er euch vierzig Jahre lang um den Berg Se'ir herumziehen.‘“

Mosche sagt: „Ihr hattet eine solche Hilfe des Höchsten! Trotz eures Murrens, trotz all der Schwierigkeiten hattet ihr eine solche Unterstützung des Höchsten, dass ihr einen Weg von elf Tagen in nur drei Tagen zurückgelegt habt. Aber weil ihr so gesündigt habt, wie ihr gesündigt habt, seid ihr vierzig Jahre lang dieselbe Strecke gegangen.“

וַיְהִי בְּאַרְבָּעִים שָׁנָה בְּעַשְׁתֵּי־עָשָׂר חֹדֶשׁ בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ דִּבֶּר מֹשֶׁה אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל כְּכֹל אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֹתוֹ אֲלֵהֶם׃

wajhí be'arba'ím schaná be'aschte-assár chódesch be'echád lachódesch dibbér mosché el-bené jisraél kechól aschér ziwwá adonáj otó alehém

3 Und es geschah im vierzigsten Jahr der Reise durch die Wüste, im elften Monat, am ersten Tag des Monats, da redete Mosche mit den Söhnen Israels, wie der HERR ihm geboten hatte, mit ihnen zu reden.

Der elfte Monat ist der Monat Schwat. Der HERR befahl Mosche, dem Volk Israel die ganze Tora nachzuerzählen, in Erinnerung zu rufen, die ganze Geschichte der Wanderungen. Außerdem erinnern wir uns ja, dass jene Generation, die die Plagen Ägyptens gesehen hatte, jene Generation, die aus Ägypten ausgezogen war, schon nicht mehr in dieser Welt ist.

אַחֲרֵי הַכֹּתוֹ אֵת סִיחֹן מֶלֶךְ הָאֱמֹרִי אֲשֶׁר יוֹשֵׁב בְּחֶשְׁבּוֹן וְאֵת עוֹג מֶלֶךְ הַבָּשָׁן אֲשֶׁר־יוֹשֵׁב בְּעַשְׁתָּרֹת בְּאֶדְרֶעִי׃

acharé hakkotó et sichón mélech ha'emorí aschér joschéw becheschbón we'ét og mélech habbaschán ascher-joschéw be'aschtarót be'edré'i

4 All das war, nachdem Mosche Sichon geschlagen hatte, den König der Emoriter, der in Cheschbon wohnte, und Og, den König von Baschan, der in Aschtarot und in Edre'i wohnte.

Wahrscheinlich haben viele, die die Nachrichten verfolgt haben, die Ereignisse, die in Syrien geschehen, den Namen der Stadt Der'a gehört. Genau dort wohnte Og, der König von Baschan (og mélech habbaschán). In der alten Schreibweise, in der südlicheren Schreibweise heißt dieser Ort Edre'i, und in der syrischen Tradition heißt dieser Ort Der'a oder Dar'a.

בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן בְּאֶרֶץ מוֹאָב הוֹאִיל מֹשֶׁה בֵּאֵר אֶת־הַתּוֹרָה הַזֹּאת לֵאמֹר׃

be'éwer hajardén be'érez mo'áw ho'íl mosché be'ér et-hattorá hassót lemór

5 Am anderen Ufer des Jordan, im Land Moaw, begann Mosche diese Tora zu erklären, indem er sprach:

Die ersten fünf Verse waren eigentlich eine Einleitung zum ganzen Buch Dewarim. Das ganze Buch Dewarim, ich wiederhole es, sind die Reden, die Mosche auf Geheiß des Höchsten gehalten hat. Das ist die Nacherzählung der Tora durch Mosche für die Söhne Israels, auf Geheiß des Höchsten gemacht. Wenn man die Überlieferung annimmt, dass Mosche am siebten Adar starb, dann sind es vom Ersten des elften Monats Schwat bis zum Siebten des zwölften Monats fünfunddreißig Tage, das heißt, Mosche begann diese Reden fünfunddreißig Tage vor seinem Tod.

יְהוָה אֱלֹהֵינוּ דִּבֶּר אֵלֵינוּ בְּחֹרֵב לֵאמֹר רַב־לָכֶם שֶׁבֶת בָּהָר הַזֶּה׃

adonáj elohénu dibbér elénu bechoréw lemór raw-lachém schéwet bahár hassé

6 „Der HERR, unser Gott, redete mit uns am Choreb und sprach: ‚Genug habt ihr an diesem Berg gesessen.

פְּנוּ וּסְעוּ לָכֶם וּבֹאוּ הַר הָאֱמֹרִי וְאֶל־כָּל־שְׁכֵנָיו בָּעֲרָבָה בָהָר וּבַשְּׁפֵלָה וּבַנֶּגֶב וּבְחוֹף הַיָּם אֶרֶץ הַכְּנַעֲנִי וְהַלְּבָנוֹן עַד־הַנָּהָר הַגָּדֹל נְהַר־פְּרָת׃

penú us'ú lachém uwóu har ha'emorí we'el-kol-schechenáw ba'arawá wahár uwaschefelá uwannégew uwchóf hajám érez hakkena'aní wehallewanón ad-hannahár haggadól nehar-perát

7 Wendet euch und brecht auf und kommt zum Berg der Emoriter und zu allen, die dort wohnen – in der Steppe, auf dem Berg, in der Niederung und in der Wüste und im Negew (oder im Süden) und am Ufer des Meeres, in das Land Kanaan und zum Libanon – bis zum großen Fluss, dem Fluss Euphrat.

Der Berg der Emoriter ist der Anfang des Landes Kanaan. Der Höchste rief das Volk Israel auf, aufzubrechen, sich vom Berg Sinai fortzubewegen und in Richtung des Landes Kanaan zu ziehen, in das verheißene Land zu ziehen und in den Libanon, bis zum Fluss Euphrat.

רְאֵה נָתַתִּי לִפְנֵיכֶם אֶת־הָאָרֶץ בֹּאוּ וּרְשׁוּ אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר נִשְׁבַּע יְהוָה לַאֲבֹתֵיכֶם לְאַבְרָהָם לְיִצְחָק וּלְיַעֲקֹב לָתֵת לָהֶם וּלְזַרְעָם אַחֲרֵיהֶם׃

re'é natátti lifnechém et-ha'árez bóu urschú et-ha'árez aschér nischbá adonáj la'awotechém le'awrahám lejizchák ulja'aków latét lahém ulsar'ám acharehém

8 Seht, Ich habe euch dieses Land gegeben. Geht und erbt das Land, von dem der HERR euren Vätern Awraham, Jizchak und Jaakow geschworen hat, es ihnen und ihrem Samen nach ihnen zu geben!‘

וָאֹמַר אֲלֵכֶם בָּעֵת הַהִוא לֵאמֹר לֹא־אוּכַל לְבַדִּי שְׂאֵת אֶתְכֶם׃

wa'omár alechém ba'ét hahí lemór lo-uchál lewaddí se'ét etchém

9 Und zu jener Zeit sagte ich zu euch und sprach: ‚Ich kann euch nicht allein tragen.

Im Buch Schemot, im Wochenabschnitt Jitro, wird die Geschichte von Mosches Schwiegervater Jitro erzählt, wie er Mosche in der Wüste besuchte und ihm einen Rat gab. Einen Rat, wie man das Gericht organisiert: „Du, Mosche, schaffst das allein nicht, so wirst du sowohl das Volk quälen als auch dich selbst, wenn du alle selbst richtest.“ Hier erwähnt Mosche, während er sich an diese Ereignisse erinnert (oder an sie erinnert), Jitro nicht. Warum erwähnt er Jitro nicht? Höchstwahrscheinlich, weil er hier von seinen persönlichen Gefühlen spricht, von dem, was er selbst in jenem Moment durchlebte. Offenbar hat Mosche, als Jitro mit ihm sprach, das selbst auch gespürt, deshalb sagt er hier: „… sagte ich zu euch, dass ich euch nicht allein tragen kann.“

יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם הִרְבָּה אֶתְכֶם וְהִנְּכֶם הַיּוֹם כְּכוֹכְבֵי הַשָּׁמַיִם לָרֹב׃

adonáj elohechém hirbá etchém wehinnechém hajom kechochewé haschamájim larów

10 Der HERR, euer Gott, hat euch vermehrt, und heute seid ihr groß, ihr seid so viele wie die Sterne des Himmels.

Und wenn Mosche solche Worte sagt, dann soll man nicht denken, dass er sich damit, Gott bewahre, empört oder murrt. Er erwähnte die Zahl des Volkes, erwähnte damit den Segen Gottes für das Volk und segnet selbst das Volk als Leiter.

Eine gute, richtige Gewohnheit für jeden Leiter (und überhaupt für jeden von uns): Wenn man mit jemandem spricht und den Segen bemerkt, den unser Gesprächspartner hat, für ihn einen noch größeren Segen zu erbitten, sogar tausendfach. Macht es euch zur Gewohnheit zu segnen, das ist großartig.

יְהוָה אֱלֹהֵי אֲבוֹתֵכֶם יֹסֵף עֲלֵיכֶם כָּכֶם אֶלֶף פְּעָמִים וִיבָרֵךְ אֶתְכֶם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר לָכֶם׃

adonáj elohé awotechém josséf alechém kachém élef pe'amím wiwaréch etchém ka'aschér dibbér lachém

11 Der HERR, der Gott eurer Väter, möge euch dieselbe Anzahl tausendfach hinzufügen (möge Er die Zahl der Söhne Israels tausendfach vergrößern) und euch segnen, wie Er zu euch geredet hat.

Das war ein Exkurs, in dem Mosche das Volk Israel segnet, und danach setzt er seine Rede fort, die er in Vers 9 begonnen hat.

אֵיכָה אֶשָּׂא לְבַדִּי טָרְחֲכֶם וּמַשַּׂאֲכֶם וְרִיבְכֶם׃

echá essá lewaddí torchachém umassa'achém weriwechém

12 Wie soll ich allein eure Probleme tragen und eure Lasten und eure Streitigkeiten?

הָבוּ לָכֶם אֲנָשִׁים חֲכָמִים וּנְבֹנִים וִידֻעִים לְשִׁבְטֵיכֶם וַאֲשִׂימֵם בְּרָאשֵׁיכֶם׃

hawú lachém anaschím chachamím unwoním widu'ím leschiwtechém wa'assimém beraschechém

13 Lasst uns Männer wählen, weise und scharfsinnige, die in euren Stämmen bekannt sind, und ich werde sie an eure Spitze stellen.‘

Das heißt, das müssen Menschen sein, die nicht nur chachamím (weise), sondern auch newoním (scharfsinnig) sind. Ein scharfsinniger Mensch ist ein Mensch, der aus alten Informationen irgendwelche neuen Schlüsse ziehen kann, der, nachdem er die Fakten oder die vorhandenen Informationen analysiert hat, irgendein neues Wissen hervorbringen kann, neue Informationen.

Mosche sagt also: „Ich werde nicht mehr der einzige Herrscher sein.“ Seht, sehr oft lieben die Menschen die Macht und teilen die Macht sehr ungern. Das ist nicht das, was bei Mosche geschieht. Mosche sagt: „Ich kann euch nicht tragen, ich schaffe es nicht, ihr seid zu viele.“ Hier gibt es keinen solchen Stolz: „Seht, über was für ein Volk ich herrsche!“, nein. Er sagt: „Lasst uns weise und scharfsinnige Männer einsetzen, und sie werden eure Häupter sein.“

וַתַּעֲנוּ אֹתִי וַתֹּאמְרוּ טוֹב־הַדָּבָר אֲשֶׁר־דִּבַּרְתָּ לַעֲשׂוֹת׃

watta'anú otí wattomerú tow-haddawár ascher-dibbárta la'asót

14 Und ihr antwortetet mir und sagtet: ‚Gut ist die Sache, die du zu tun gesagt hast!‘

Die Kommentatoren sagen, dass das eine allzu voreilige Antwort war. Es fand sich jemand in der Menge, nicht alle, aber jemand, der dachte: „Oh, endlich wird es nicht Mosche sein! Wenn man uns einen eigenen Mann von den Hiesigen an die Macht setzt, aus unserer Familie, aus unserer Sippe, dann werden wir uns mit ihm schon einigen, mit ihm wird es leichter sein. Vielleicht wird er irgendwo irgendwelchen Sippentraditionen unterworfen sein, man wird ihn bestechen können, mit ihm wird man sich leichter einigen können.“ Deshalb freute sich das Volk sehr. Ein Teil des Volkes freute sich, weil es für Mosche leichter werden würde, weil das Gericht zugänglicher werden würde, und ein Teil des Volkes freute sich, weil er dachte, dass man sich mit den neuen Herrschern leichter einigen könne.

וָאֶקַּח אֶת־רָאשֵׁי שִׁבְטֵיכֶם אֲנָשִׁים חֲכָמִים וִידֻעִים וָאֶתֵּן אֹתָם רָאשִׁים עֲלֵיכֶם שָׂרֵי אֲלָפִים וְשָׂרֵי מֵאוֹת וְשָׂרֵי חֲמִשִּׁים וְשָׂרֵי עֲשָׂרֹת וְשֹׁטְרִים לְשִׁבְטֵיכֶם׃

wa'ekkách et-rasché schiwtechém anaschím chachamím widu'ím wa'ettén otám raschím alechém saré alafím wesaré me'ót wesaré chamischím wesaré assarót weschoterím leschiwtechém

15 Und ich nahm die Häupter eurer Stämme, weise und bekannte Männer, und setzte sie als Vorsteher über euch ein: als Oberste über Tausend, und Oberste über Hundert, und Oberste über Fünfzig, und Oberste über Zehn, und als Aufseher für eure Stämme.

Interessant, wohin ist das Wort newoním (scharfsinnige) verschwunden? Die Kommentatoren sagen: „Nun, Mosche hat keine Scharfsinnigen gefunden, es fanden sich nur Weise und Bekannte.“ Und was bedeutet das Wort schotér, das mit Aufseher übersetzt ist? Im modernen Hebräisch bedeutet schotér Polizist. Und in jenem Hebräisch, dem Hebräisch, das Mosche spricht, ist das, kann man sagen, derselbe Polizist. Das ist ein Mensch, der die Gesetze, die von den Richtern beschlossen werden, in die Tat umsetzt: wenn nötig, beschlagnahmt er Eigentum, wenn nötig, wendet er irgendeine Gewalt an, um die Gesetzlichkeit herzustellen. Kurz, ein alter Polizist, das heißt, zusammen mit dem Gerichtssystem hat Mosche auch die Polizei eingerichtet.

וָאֲצַוֶּה אֶת־שֹׁפְטֵיכֶם בָּעֵת הַהִוא לֵאמֹר שָׁמֹעַ בֵּין־אֲחֵיכֶם וּשְׁפַטְתֶּם צֶדֶק בֵּין־אִישׁ וּבֵין־אָחִיו וּבֵין גֵּרוֹ׃

wa'azawwé et-schofetechém ba'ét hahí lemór schamóa ben-achechém uschfattém zédek ben-ísch uwen-achíw uwén geró

16 Und ich gebot zu jener Zeit euren Richtern und sprach: ‚Seid aufmerksam gegenüber euren Brüdern und richtet mit gerechtem Gericht zwischen einem Menschen und seinem Bruder und seinem Fremdling.

Das heißt, benachteiligt den Fremden nicht: Auch der Fremdling, ein Mensch, der nicht aus unserer Sippe ist, hat vor Gericht dieselben Rechte.

לֹא־תַכִּירוּ פָנִים בַּמִּשְׁפָּט כַּקָּטֹן כַּגָּדֹל תִּשְׁמָעוּן לֹא תָגוּרוּ מִפְּנֵי־אִישׁ כִּי הַמִּשְׁפָּט לֵאלֹהִים הוּא וְהַדָּבָר אֲשֶׁר יִקְשֶׁה מִכֶּם תַּקְרִבוּן אֵלַי וּשְׁמַעְתִּיו׃

lo-takkíru faním bammischpát kakkatón kaggadól tischma'ún lo tagúru mippene-ísch ki hammischpát lelohím hu wehaddawár aschér jiksché mikkém takriwún eláj uschma'tíw

17 Unterscheidet nicht die Gesichter (seht nicht auf die Person) im Gericht: hört den Kleinen wie den Großen an; fürchtet euch vor niemandem, denn das Gericht gehört Gott. Was aber für euch schwer sein wird, mit dieser Sache kommt zu mir, und ich werde sie anhören.‘

Für einen Richter ist es sehr wichtig, niemanden zu fürchten. Warum kann ein Richter niemanden fürchten? Denn das Gericht gehört Gott. Der Richter richtet, und seine Aufgabe ist es, eine Entscheidung zu fällen, die dem Willen Gottes entspricht. Und wenn er den Willen Gottes tut, steht er unter dem Schutz Gottes. Sobald er anfängt, jemanden zu fürchten, wird seine Entscheidung nicht mehr der Wille Gottes sein, sondern der Wille dessen, den er fürchtet.

Einige Kommentatoren sagen, dass Mosche hier etwas kühn gesprochen hat: „Ich werde mit all euren Problemen zurechtkommen, selbst wenn sie für euch schwierig sind.“ Und um ihm zu zeigen, dass er, obwohl er dem Volk Israel die Tora gebracht hat und die Tora nach seinem Namen benannt ist, manchmal gezwungen ist, sich an den Höchsten um Rat zu wenden, wie es bei der Frage der Töchter Zelofchads war (worüber wir im 27. Kapitel des Buches Bemidbar gelesen haben).

וָאֲצַוֶּה אֶתְכֶם בָּעֵת הַהִוא אֵת כָּל־הַדְּבָרִים אֲשֶׁר תַּעֲשׂוּן׃

wa'azawwé etchém ba'ét hahí et kol-haddewarím aschér ta'asún

18 Und ich gebot euch zu jener Zeit alle Anordnungen, die ihr tun sollt.

Allem Anschein nach beziehen sich diese Worte auf die Richter, auf die Verfahrensführung im Gericht. Aber man kann es auch so verstehen, dass Mosche sagt: „Zu jener Zeit habe ich euch alle Gebote gegeben, ihr habt sie empfangen.“

וַנִּסַּע מֵחֹרֵב וַנֵּלֶךְ אֵת כָּל־הַמִּדְבָּר הַגָּדוֹל וְהַנּוֹרָא הַהוּא אֲשֶׁר רְאִיתֶם דֶּרֶךְ הַר הָאֱמֹרִי כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֱלֹהֵינוּ אֹתָנוּ וַנָּבֹא עַד קָדֵשׁ בַּרְנֵעַ׃

wannissá mechoréw wannélech et kol-hammidbár haggadól wehannorá hahú aschér re'itém dérech har ha'emorí ka'aschér ziwwá adonáj elohénu otánu wannawó ad kadésch barnéa

19 Und wir brachen vom Choreb auf und zogen durch diese ganze große und schreckliche Wüste, die ihr gesehen habt, über den Berg der Emoriter, wie der HERR, unser Gott, uns geboten hatte, und wir kamen bis Kadesch-Barnea.

וָאֹמַר אֲלֵכֶם בָּאתֶם עַד־הַר הָאֱמֹרִי אֲשֶׁר־יְהוָה אֱלֹהֵינוּ נֹתֵן לָנוּ׃

wa'omár alechém batém ad-hár ha'emorí ascher-adonáj elohénu notén lánu

20 Und da sagte ich zu euch: ‚Seht, ihr seid zum Berg der Emoriter gekommen, den der HERR uns gibt.

Kadesch-Barnea ist schon ein Teil des Landes Israel, deshalb wird über diesen Ort gesagt, dass der HERR ihn dem Volk Israel gibt. In Kadesch-Barnea befand sich das Volk Israel neunzehn Jahre von den vierzig Jahren des Aufenthalts in der Wüste, das ist der längste Lagerplatz. Mosche hat also doch einen Schritt in das Land Israel getan, vor dem Ablauf der vierzigjährigen Wanderung, einen Schritt nach Kadesch-Barnea.

רְאֵה נָתַן יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְפָנֶיךָ אֶת־הָאָרֶץ עֲלֵה רֵשׁ כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אֱלֹהֵי אֲבֹתֶיךָ לָךְ אַל־תִּירָא וְאַל־תֵּחָת׃

re'é natán adonáj elohécha lefanécha et-ha'árez alé resch ka'aschér dibbér adonáj elohe awotécha lach al-tirá we'al-techát

21 Sieh, der HERR, dein Gott, hat dieses Land vor dich gegeben. Geh (zieh hinauf) und erbe es, wie der HERR, der Gott deiner Väter, geredet hat. Fürchte dich nicht und erschrick nicht, geh!‘

Ab Vers 22 beginnt Mosche, die traurige Geschichte von den Kundschaftern nachzuerzählen. Mosche hat seine Reden nicht mit dieser Erzählung begonnen, er hat mit der Erzählung von den Richtern begonnen. Oft, wenn wir mit einer Zurechtweisung, mit einer Anklage beginnen, ist es für unseren Gesprächspartner sehr schwer, das zu hören. Und um gehört zu werden, muss man vielleicht mit etwas anderem beginnen, nicht mit der Zurechtweisung, und das hat Mosche auch getan.

וַתִּקְרְבוּן אֵלַי כֻּלְּכֶם וַתֹּאמְרוּ נִשְׁלְחָה אֲנָשִׁים לְפָנֵינוּ וְיַחְפְּרוּ־לָנוּ אֶת־הָאָרֶץ וְיָשִׁבוּ אֹתָנוּ דָּבָר אֶת־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר נַעֲלֶה־בָּהּ וְאֵת הֶעָרִים אֲשֶׁר נָבֹא אֲלֵיהֶן׃

wattikrewún eláj kullechém wattomerú nischlechá anaschím lefanénu wejachperu-lánu et-ha'árez wejaschíwu otánu dawár et-haddérech aschér na'ale-bá we'ét he'arím aschér nawó alehén

22 Und ihr alle tratet zu mir und sagtet: ‚Lasst uns doch Männer vor uns her senden, sie sollen uns dieses Land erkunden und mit einem Bericht zu uns zurückkehren: auf welchem Weg wir hinaufziehen und in welche Städte wir kommen werden.‘

Das Wort jachperú (vom Verb lachpór) bedeutet wörtlich sie werden durchgraben, sie werden umgraben, und im übertragenen Sinn das Land erkunden. Hier sagt Mosche, dass die Initiative, Kundschafter zu senden, vom Volk ausging. Am Anfang des 13. Kapitels des Buches Bemidbar lesen wir, dass es der Höchste ist, der zu Mosche sagt: „Sende dir Männer, und sie sollen das Land erforschen.“ Wenn Mosche diese Geschichte dem Volk nacherzählt, sagt er das, was das Volk betrifft. Offenbar ging die Initiative, Kundschafter zu senden, gerade vom Volk aus, und Mosche dachte darüber nach, und der Höchste sagte ihm: „Ja, sende Kundschafter.“

וַיִּיטַב בְּעֵינַי הַדָּבָר וָאֶקַּח מִכֶּם שְׁנֵים עָשָׂר אֲנָשִׁים אִישׁ אֶחָד לַשָּׁבֶט׃

wajitáw be'enáj haddawár wa'ekkách mikkém scheném assár anaschím isch echád lascháwet

23 Und die Sache gefiel mir, und ich nahm von euch zwölf Männer, je einen Mann aus jedem Stamm;

וַיִּפְנוּ וַיַּעֲלוּ הָהָרָה וַיָּבֹאוּ עַד־נַחַל אֶשְׁכֹּל וַיְרַגְּלוּ אֹתָהּ׃

wajifnú waja'alú hahára wajawóu ad-náchal eschkól wajraggelú otá

24 Und sie wandten sich und zogen hinauf auf den Berg, und sie kamen bis zum Bach Eschkol und erkundeten dieses Land.

וַיִּקְחוּ בְיָדָם מִפְּרִי הָאָרֶץ וַיּוֹרִדוּ אֵלֵינוּ וַיָּשִׁבוּ אֹתָנוּ דָבָר וַיֹּאמְרוּ טוֹבָה הָאָרֶץ אֲשֶׁר־יְהוָה אֱלֹהֵינוּ נֹתֵן לָנוּ׃

wajikchú wejadám mipperí ha'árez wajorídu elénu wajaschíwu otánu dawár wajomerú towá ha'árez ascher-adonáj elohénu notén lánu

25 Und sie nahmen von den Früchten des Landes in ihre Hände und kehrten mit einem Bericht zu uns zurück und sagten: ‚Gut ist das Land, das der HERR uns gibt!‘

Wenn wir uns erinnern, nahmen sie eine Weintraube, Feigen (Feigenfrüchte) und Granatäpfel. Trauben, Feigen und Granatäpfel reifen nicht zur selben Zeit am selben Ort. Wir haben im 13. Kapitel des Buches Bemidbar gelesen, dass das die Zeit des Beginns der Weinlese war, die ersten Weintrauben waren erschienen. Das bedeutet, und so ist es logisch zu denken, dass sie irgendwo in den zentralen Teilen des Landes die Feigen und Granatäpfel nahmen, und erst irgendwo in der Gegend von Chewron nahmen sie die Weintraube. Nun, man geht ja nicht vierzig Tage lang mit einer Weintraube auf Erkundung. Es wäre seltsam, wenn sich zwölf Männer unbemerkt durch das Land Kanaan bewegt und dabei eine riesige Weintraube mit sich getragen hätten.

Abgesehen davon, dass sie mit den Früchten des Landes Israel kamen, steht hier geschrieben, dass sie mit einem Bericht zurückkehrten und sagten: „Gut ist das Land, das der HERR uns gibt!“ Wiederum ist niemand von denen, die Zeugen der Ereignisse waren (außer Kalew, Mosche und Jehoschua ben Nun), jetzt hier anwesend. Natürlich verstanden und wussten die Kinder der „Generation der Wüste“ gut, wofür sie bestraft sind und warum sie vierzig Jahre durch die Wüste umherziehen, aber hier erinnert Mosche sie nicht daran. Hier sagt Mosche nicht, dass die Kundschafter nicht gerade gut alles nacherzählt haben, Mosche umgeht diese Frage. Es ist unangenehm, die Menschen an ihre Sünden zu erinnern, sie erinnern sich selbst gut an alles. Mosche hob das hervor, was doch gesagt worden war: „Ja, jenes Land ist sehr gut“ (obwohl Mosche darüber, dass die Kundschafter das Volk eingeschüchtert haben, noch sprechen wird).

וְלֹא אֲבִיתֶם לַעֲלֹת וַתַּמְרוּ אֶת־פִּי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃

weló awitém la'alót wattamrú et-pí adonáj elohechém

26 Aber ihr wolltet nicht hinaufziehen und empörtet euch gegen den Mund des HERRN, eures Gottes.

וַתֵּרָגְנוּ בְאָהֳלֵיכֶם וַתֹּאמְרוּ בְּשִׂנְאַת יְהוָה אֹתָנוּ הוֹצִיאָנוּ מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם לָתֵת אֹתָנוּ בְּיַד הָאֱמֹרִי לְהַשְׁמִידֵנוּ׃

watteragenú we'aholechém wattomerú besin'át adonáj otánu hozi'ánu me'érez mizrájim latét otánu bejád ha'emorí lehaschmidénu

27 Und ihr murrtet in euren Zelten gegen Gott und sagtet: ‚Aus Hass des HERRN gegen uns hat Er uns aus dem Land Ägypten herausgeführt, um uns in die Hände der Emoriter zu geben und uns zu vernichten.

אָנָה אֲנַחְנוּ עֹלִים אַחֵינוּ הֵמַסּוּ אֶת־לְבָבֵנוּ לֵאמֹר עַם גָּדוֹל וָרָם מִמֶּנּוּ עָרִים גְּדֹלֹת וּבְצוּרֹת בַּשָּׁמָיִם וְגַם־בְּנֵי עֲנָקִים רָאִינוּ שָׁם׃

aná anáchnu olím achénu hemássu et-lewawénu lemór am gadól warám mimménu arím gedolót uwzurót baschamájim wegam-bené anakím ra'ínu scham

28 Wohin sollen wir denn jetzt hinaufziehen? Und unsere Brüder haben unser Herz aufgelöst (zerschmelzen lassen), indem sie sagten: „Dort lebt ein Volk, das größer und höher ist als wir, Städte, hoch bis zum Himmel, und Söhne von Riesen haben wir dort gesehen.“

Mit unseren Brüdern sind diejenigen gemeint, die mit dem Bericht zurückkehrten und das Herz des Volkes buchstäblich zerschmelzen ließen. Was die Städte betrifft, die bis zum Himmel hoch sind – das ist natürlich eine Hyperbel (Übertreibung), denn es gibt in Kanaan keine Städte bis zum Himmel. Und dass sie Söhne von Riesen gesehen haben, ist übrigens eine Art Antwort auf den Streit, ob sie bis nach Chewron gekommen sind. Offenbar sind sie hingekommen, denn die Söhne der Riesen lebten genau dort.

וָאֹמַר אֲלֵכֶם לֹא־תַעַרְצוּן וְלֹא־תִירְאוּן מֵהֶם׃

wa'omár alechém lo-ta'arzún welo-tire'ún mehém

29 Ich sagte damals zu euch: „Erschreckt nicht, zittert nicht vor ihnen und fürchtet sie nicht!

יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם הַהֹלֵךְ לִפְנֵיכֶם הוּא יִלָּחֵם לָכֶם כְּכֹל אֲשֶׁר עָשָׂה אִתְּכֶם בְּמִצְרַיִם לְעֵינֵיכֶם׃

adonáj elohechém haholéch lifnechém hu jillachém lachém kechól aschér assá ittechém bemizrájim le'enechém

30 Der HERR, euer Gott, Der vor euch hergeht, Er wird für euch kämpfen, wie Er es mit euch in Ägypten vor euren Augen getan hat.

וּבַמִּדְבָּר אֲשֶׁר רָאִיתָ אֲשֶׁר נְשָׂאֲךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ כַּאֲשֶׁר יִשָּׂא־אִישׁ אֶת־בְּנוֹ בְּכָל־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר הֲלַכְתֶּם עַד־בֹּאֲכֶם עַד־הַמָּקוֹם הַזֶּה׃

uwammidbár aschér ra'íta aschér nesa'ácha adonáj elohecha ka'aschér jissa-ísch et-benó bechol-haddérech aschér halachtém ad-bo'achém ad-hammakóm hassé

31 Und in der Wüste, als du sahst, als der HERR, dein Gott, dich trug, wie ein Mensch seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Weg, den ihr gegangen seid, bis an diesen Ort.

Das war ganz am Anfang des Weges, die vierzig Jahre der Wanderung gab es noch nicht. Das war die erste Erfahrung des Aufenthalts mit dem HERRN in der Wüste, aber das Volk sollte schon sehen, dass der Höchste das Volk Israel trägt, wie ein Vater den Sohn trägt.

וּבַדָּבָר הַזֶּה אֵינְכֶם מַאֲמִינִם בַּיהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃

uwaddawár hassé enechém ma'aminím badonáj elohechém

32 Glaubt ihr denn darin jetzt nicht dem HERRN, eurem Gott,

הַהֹלֵךְ לִפְנֵיכֶם בַּדֶּרֶךְ לָתוּר לָכֶם מָקוֹם לַחֲנֹתְכֶם בָּאֵשׁ לַיְלָה לַרְאֹתְכֶם בַּדֶּרֶךְ אֲשֶׁר תֵּלְכוּ־בָהּ וּבֶעָנָן יוֹמָם׃

haholéch lifnechém baddérech latúr lachém makóm lachanotechém ba'ésch lájla lar'otechém baddérech aschér telechu-wá uwe'anán jomám

33 Dem, Der vor euch hergeht auf dem Weg, um euch einen Ort zu organisieren und euch Lagerplätze zu finden, in der Feuersäule bei Nacht geht, um euch den Weg zu zeigen, auf dem ihr gehen sollt, und in der Wolke (die vor der Hitze der Wüste, vor der heißen Sonne schützt) – bei Tag?!“

וַיִּשְׁמַע יְהוָה אֶת־קוֹל דִּבְרֵיכֶם וַיִּקְצֹף וַיִּשָּׁבַע לֵאמֹר׃

wajischmá adonáj et-kól diwrechém wajikzóf wajischawá lemór

34 Und der HERR hörte die Stimme eurer Reden und wurde zornig und schwor und sprach:

אִם־יִרְאֶה אִישׁ בָּאֲנָשִׁים הָאֵלֶּה הַדּוֹר הָרָע הַזֶּה אֵת הָאָרֶץ הַטּוֹבָה אֲשֶׁר נִשְׁבַּעְתִּי לָתֵת לַאֲבֹתֵיכֶם׃

im-jir'é isch ba'anaschím ha'élle haddór hará hassé et ha'árez hattowá aschér nischbá'ti latét la'awotechém

35 „Wenn ein Mensch von diesen Leuten, von dieser schlechten (bösen) Generation, das gute Land sieht, von dem Ich geschworen habe, es euren Vätern zu geben!

Die Worte wenn er sieht bedeuten in der Sprache des Schwurs, in der Schwurformel: „Ich schwöre, dass er es nicht sehen wird“, das heißt, die schlechte Generation wird das gute Land nicht sehen.

זוּלָתִי כָּלֵב בֶּן־יְפֻנֶּה הוּא יִרְאֶנָּה וְלוֹ־אֶתֵּן אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר דָּרַךְ־בָּהּ וּלְבָנָיו יַעַן אֲשֶׁר מִלֵּא אַחֲרֵי יְהוָה׃

sulatí kaléw ben-jefunné hu jir'énna welo-ettén et-ha'árez aschér darach-bá ulwanáw já'an aschér millé acharé adonáj

36 Außer Kalew ben Jefunne – er wird es sehen, und ihm werde Ich das Land geben, das er betreten hat, und seinen Söhnen, weil er dem HERRN gehorcht hat.“

Warum wird nicht gleich auch von Jehoschua gesprochen? Von Jehoschua wird weiter unten noch die Rede sein. Mosche fügt hinzu und sagt:

גַּם־בִּי הִתְאַנַּף יְהוָה בִּגְלַלְכֶם לֵאמֹר גַּם־אַתָּה לֹא־תָבֹא שָׁם׃

gam-bí hit'annáf adonáj biglalchém lemór gam-attá lo-tawó scham

37 Und auch über mich wurde der HERR euretwegen zornig und sprach: „Und auch du wirst nicht dorthin hineinkommen!

Man kann es so verstehen (das wird ein mögliches Verständnis sein), dass Mosche hier sagt: „Damals hat der HERR auch mich bestraft“, gerade damals, im Fall mit den Kundschaftern, sagte der HERR zu mir: „Du wirst nicht dorthin hineinkommen.“ Aber man kann es auch so verstehen, dass Mosche hier, während er von der Strafe spricht, die die Söhne Israels bekommen haben, sich an seine eigene Strafe erinnert, daran, dass der HERR auch über Mosche selbst zornig wurde. Und er sagt einfach: „Auch ich bin euretwegen bestraft, auch ich werde nicht in dieses Land hineinkommen.“

Ein Mensch spricht oft unbeholfen, seinen Gefühlen folgend, daran ist nichts Schändliches. Hier sehen wir in Mosche einen Menschen, der sich, nachdem er sich daran erinnert hat, wie das Volk bestraft wurde, daran erinnert, dass auch auf ihm ein Urteil liegt, dass auch er nicht in das Land hineinkommen wird.

יְהוֹשֻׁעַ בִּן־נוּן הָעֹמֵד לְפָנֶיךָ הוּא יָבֹא שָׁמָּה אֹתוֹ חַזֵּק כִּי־הוּא יַנְחִלֶנָּה אֶת־יִשְׂרָאֵל׃

jehoschúa bin-nún ha'oméd lefanécha hu jáwo schámma otó chassék ki-hu janchilénna et-jisraél

38 Jehoschua ben Nun, der vor dir steht, er wird dorthin hineinkommen. Und stärke ihn, denn er wird es Israel zum Besitz übergeben (wird ansiedeln, wird Israel an den Ort der Ansiedlung führen).

וְטַפְּכֶם אֲשֶׁר אֲמַרְתֶּם לָבַז יִהְיֶה וּבְנֵיכֶם אֲשֶׁר לֹא־יָדְעוּ הַיּוֹם טוֹב וָרָע הֵמָּה יָבֹאוּ שָׁמָּה וְלָהֶם אֶתְּנֶנָּה וְהֵם יִירָשׁוּהָ׃

wetappechém aschér amartém lawás jihjé uwnechém aschér lo-jade'ú hajom tow wará hémma jawóu schámma welahém ettenénna wehém jiraschúha

39 Und eure kleinen Kinder, von denen ihr gesagt habt, dass sie zur Beute werden, und eure Kinder, die heute noch nicht Gut und Böse kennen, sie werden dorthin hineinkommen, ihnen werde Ich es geben, und sie werden es erben.

וְאַתֶּם פְּנוּ לָכֶם וּסְעוּ הַמִּדְבָּרָה דֶּרֶךְ יַם־סוּף׃

we'attém penú lachém us'ú hammidbára dérech jam-súf

40 Ihr aber, wendet euch und geht in die Wüste, auf dem Weg zum Meer Suf.“

Das ist derselbe Weg, der zu Emori führte, in das Land Israel. Sie gehen auf demselben Weg, aber die Richtung ist eine andere, die Richtung ist zum Meer Suf. Das Volk hat sich, wie wir uns erinnern, mit diesem Urteil des Höchsten nicht abgefunden, wovon Mosche weiter erzählt.

וַתַּעֲנוּ וַתֹּאמְרוּ אֵלַי חָטָאנוּ לַיהוָה אֲנַחְנוּ נַעֲלֶה וְנִלְחַמְנוּ כְּכֹל אֲשֶׁר־צִוָּנוּ יְהוָה אֱלֹהֵינוּ וַתַּחְגְּרוּ אִישׁ אֶת־כְּלֵי מִלְחַמְתּוֹ וַתָּהִינוּ לַעֲלֹת הָהָרָה׃

watta'ánu wattomerú eláj chatánu ladonáj anáchnu na'alé wenilchámnu kechól ascher-ziwwánu adonáj elohénu wattachgerú isch et-kelé milchamtó wattahínu la'alót hahára

41 Aber ihr antwortetet und sagtet zu mir: „Wir haben gegen den HERRN gesündigt! Wir werden hinaufziehen und kämpfen, wie der HERR, unser Gott, uns geboten hat.“ Und jeder nahm seine Waffe in die Hand, und ihr machtet euch daran, auf den Berg hinaufzuziehen.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי אֱמֹר לָהֶם לֹא תַעֲלוּ וְלֹא־תִלָּחֲמוּ כִּי אֵינֶנִּי בְּקִרְבְּכֶם וְלֹא תִּנָּגְפוּ לִפְנֵי אֹיְבֵיכֶם׃

wajomer adonáj eláj emór lahém lo ta'álu weló tillachamú ki énenni bekirbechém weló tinnagefú lifné ojewechém

42 Und der HERR sagte zu mir: „Sag ihnen: Ihr sollt nicht hinaufziehen und nicht kämpfen, denn Ich bin nicht mit euch. Und wenn nicht (wenn ihr nicht gehorcht), dann werden eure Feinde euch vor Mir vernichten!“

וָאֲדַבֵּר אֲלֵיכֶם וְלֹא שְׁמַעְתֶּם וַתַּמְרוּ אֶת־פִּי יְהוָה וַתָּזִדוּ וַתַּעֲלוּ הָהָרָה׃

wa'adabbér alechém weló schema'tém wattamrú et-pí adonáj wattasídu watta'alú hahára

43 Ich redete zu euch, aber ihr hörtet nicht, und ihr lehntet euch gegen den Mund des HERRN auf und handeltet böse und zogt auf den Berg hinauf.

וַיֵּצֵא הָאֱמֹרִי הַיֹּשֵׁב בָּהָר הַהוּא לִקְרַאתְכֶם וַיִּרְדְּפוּ אֶתְכֶם כַּאֲשֶׁר תַּעֲשֶׂינָה הַדְּבֹרִים וַיַּכְּתוּ אֶתְכֶם בְּשֵׂעִיר עַד־חָרְמָה׃

wajezé ha'emorí hajoschéw bahár hahú likratchém wajirdefú etchém ka'aschér ta'asséna haddeworím wajakketú etchém bese'ír ad-chormá

44 Und der Emoriter, der auf jenem Berg wohnte, zog euch entgegen und verfolgte euch, wie es die Bienen tun (als ob ein Bienenschwarm euch jagte), und sie schlugen euch in Se'ir und bis Chorma.

Im Buch Bemidbar (14,45) haben wir gelesen, dass gegen das Volk Israel die Amalekiter und die Kanaaniter auszogen. Hier lesen wir, dass es die Emoriter sind. Warum ist das so? Tatsächlich waren auf diesem Berg (Se'ir) die Emoriter die vorherrschende Kraft, obwohl der Berg selbst das Gebiet der Amalekiter und Kanaaniter ist, daher diese abweichende Lesart.

וַתָּשֻׁבוּ וַתִּבְכּוּ לִפְנֵי יְהוָה וְלֹא־שָׁמַע יְהוָה בְּקֹלְכֶם וְלֹא הֶאֱזִין אֲלֵיכֶם׃

wattaschúwu wattiwkú lifné adonáj welo-schamá adonáj bekolechém weló he'esín alechém

45 Und ihr kehrtet zurück und fingt an, vor dem HERRN zu weinen, aber der HERR schenkte eurer Stimme kein Gehör und hörte nicht auf euch.

וַתֵּשְׁבוּ בְקָדֵשׁ יָמִים רַבִּים כַּיָּמִים אֲשֶׁר יְשַׁבְתֶּם׃

watteschewú wekadésch jamím rabbím kajamím aschér jeschawtém

46 Und ihr wohntet in Kadesch viele Tage, wie die Tage, die ihr (vorher) gewohnt habt.

Hier kann man es so verstehen, dass ihr in Kadesch genauso lange gewohnt habt, wie ihr an den anderen Lagerplätzen gewohnt habt. Und daraus zieht man den Schluss, dass das Volk neunzehn Jahre in Kadesch wohnte.

Damit endet Kapitel 1 des Buches Dewarim. Aber wie es manchmal vorkommt, entspricht die Einteilung in Kapitel nicht der Einteilung, die es im masoretischen Text gibt. Deshalb lesen wir auch Vers 1 von Kapitel 2.

וַנֵּפֶן וַנִּסַּע הַמִּדְבָּרָה דֶּרֶךְ יַם־סוּף כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אֵלָי וַנָּסָב אֶת־הַר־שֵׂעִיר יָמִים רַבִּים׃

wannéfen wannissá hammidbára dérech jam-súf ka'aschér dibbér adonáj eláj wannássow et-har-se'ír jamím rabbím

1 Und wir wandten uns um und zogen in die Wüste, auf dem Weg zum Meer Suf, wie der HERR zu mir geredet hatte, und viele Tage umgingen wir den Berg Se'ir.

Also, in seiner ersten Rede sprach Mosche davon, wie die Gerichte im Volk Israel eingesetzt wurden, wie das Gerichtswesen organisiert wurde. Und er erinnerte das Volk an die Sünde der Kundschafter, daran, warum das Volk vierzig Jahre in der Wüste umherirren musste, und daran, warum der Weg, der in das Land Kanaan führte, das Volk in die entgegengesetzte Richtung führte.

Die ersten Siege

Dewarim 2,2–37

Mit Gottes Hilfe setzen wir, ihr und ich, das Studium des Wochenabschnitts Dewarim fort und werden ab Vers 2 von Kapitel 2 des Buches lesen.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי לֵאמֹר׃

wajomer adonáj eláj lemór

2 Und der HERR sagte zu mir und sprach:

Gewöhnlich haben wir in der Tora den Satz gelesen: „Und der HERR sagte zu Mosche und sprach“, das heißt, die Anrede geschah in der dritten Person (mehr als neunzig Mal). Aber wir erinnern uns, dass das Buch Dewarim (Reden) ein besonderes Buch ist. Das ist ein Buch, in dem Mosche selbst zum Volk spricht, wir hören in ihm die Stimme Mosches, er spricht von sich, und deshalb lesen wir: „Und der HERR sagte zu mir und sprach.“

רַב־לָכֶם סֹב אֶת־הָהָר הַזֶּה פְּנוּ לָכֶם צָפֹנָה׃

raw-lachém sow et-hahár hassé penú lachém zafóna

3 „Genug seid ihr um diesen Berg herumgezogen, wendet euch nach Norden.

וְאֶת־הָעָם צַו לֵאמֹר אַתֶּם עֹבְרִים בִּגְבוּל אֲחֵיכֶם בְּנֵי־עֵשָׂו הַיֹּשְׁבִים בְּשֵׂעִיר וְיִירְאוּ מִכֶּם וְנִשְׁמַרְתֶּם מְאֹד׃

we'et-ha'ám zaw lemór attém owerím bigwúl achechém bene-essáw hajoschewím bese'ír wejire'ú mikkém wenischmartém me'ód

4 Und das Volk unterweise und sprich: „Ihr zieht jetzt an der Grenze eurer Brüder entlang, der Söhne Esaws, die auf Se'ir wohnen, seid vorsichtig mit ihnen und hütet euch sehr.

אַל־תִּתְגָּרוּ בָם כִּי לֹא־אֶתֵּן לָכֶם מֵאַרְצָם עַד מִדְרַךְ כַּף־רָגֶל כִּי־יְרֻשָּׁה לְעֵשָׂו נָתַתִּי אֶת־הַר שֵׂעִיר׃

al-titgarú wam ki lo-ettén lachém me'arzám ad midrách kaf-rágel ki-jeruschá le'essáw natátti et-hár se'ír

5 Provoziert sie nicht (versucht nicht, sie in einen Krieg hineinzuziehen), denn Ich habe euch von ihrem Land nicht einmal so viel wie die Größe einer Fußsohle gegeben, denn als Erbe habe Ich Esaw den Berg Se'ir gegeben.

Der Höchste sagt hier: „Lasst euch nicht einmal darauf ein, versucht nicht, das Land Esaws zu erobern. Ich habe ihm dieses Land als Erbe gegeben.“ Wie wir später erfahren werden, wird David dieses Land erobern. Das ist kein ewiges Erbe, aber das ist auch kein ewiger Befehl – das ist ein Befehl, den der Höchste dem Volk Israel für jenen Moment gibt: „Beginnt keinen Krieg mit den Söhnen Esaws, das Volk Esaws hat dieses Land als Erbe.“

Warum haben die Söhne Esaws dieses Land als Erbe? Es gibt viele verschiedene Ansichten darüber. Man kann sagen, dass die Söhne Esaws in gewissem Maß Erben Awrahams sind. Auch sie sind Nachkommen Awrahams, und sie sprechen auch mit dem Volk Israel dieselbe Sprache, wie wir es an einigen Zeugnissen sehen. Deshalb haben die Söhne Esaws (vorläufig) ein Erbe auf diesem Berg. Zieht hindurch, aber seid vorsichtig.

אֹכֶל תִּשְׁבְּרוּ מֵאִתָּם בַּכֶּסֶף וַאֲכַלְתֶּם וְגַם־מַיִם תִּכְרוּ מֵאִתָּם בַּכֶּסֶף וּשְׁתִיתֶם׃

óchel tischberú me'ittám bakkéssef wa'achaltém wegam-májim tichrú me'ittám bakkéssef uschtitém

6 Speise kauft von ihnen für Geld (Silber) und dann esst, und auch Wasser erwerbt von ihnen für Geld und trinkt.

Das heißt, nehmt nichts von ihnen. Ihr zieht durch ihr Land – seid vorsichtig, benehmt euch wie ein gebildetes und kultiviertes Volk.

כִּי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בֵּרַכְךָ בְּכֹל מַעֲשֵׂה יָדֶךָ יָדַע לֶכְתְּךָ אֶת־הַמִּדְבָּר הַגָּדֹל הַזֶּה זֶה אַרְבָּעִים שָׁנָה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ עִמָּךְ לֹא חָסַרְתָּ דָּבָר׃

ki adonáj elohécha berachechá bechól ma'assé jadécha jadá lechtechá et-hammidbár haggadól hassé se arba'ím schaná adonáj elohécha immách lo chassárta dawár

7 Denn der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände, und der HERR kennt dich, hat für dich gesorgt die ganze Zeit deines Gehens durch diese große Wüste. Schon vierzig Jahre ist der HERR, dein Gott, mit dir, und es hat dir an nichts gemangelt.“

„Denn der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände“ – das ist ein sehr wichtiger Satz. Es ist sehr wichtig, daran zu denken, dass der HERR die Werke der Hände segnet. Oft fragen wir: „HERR, was willst du, dass ich tue? Womit willst Du, dass ich mich beschäftige?“ Und manchmal ist die Antwort diese: „Tu du etwas, und der HERR wird die Werke deiner Hände segnen.“

Man könnte denken (und so konnten die Söhne Esaws denken, so kann jedes Volk denken): „Diese Räuber aus der Wüste werden einen Überfall auf uns machen, sie werden uns hier einfach ausplündern, denn – na, was haben die da schon in der Wüste?!“ Sehr oft machen Stämme aus der Wüste Überfälle auf irgendwelche zivilisierten Städte und plündern sie aus, das ist in der Geschichte eine bekannte Erscheinung. Hier sagt der Höchste: „Du bist aus der Wüste gekommen, aber du bist kein Volk der Wüste.“ Alle vierzig Jahre, die du durch die Wüste gegangen bist, hat der HERR für dich gesorgt, sodass du an nichts Mangel hattest. Und du kannst dir durchaus Speise für Geld kaufen, und Wasser für Geld kaufen.

וַנַּעֲבֹר מֵאֵת אַחֵינוּ בְנֵי־עֵשָׂו הַיֹּשְׁבִים בְּשֵׂעִיר מִדֶּרֶךְ הָעֲרָבָה מֵאֵילַת וּמֵעֶצְיֹן גָּבֶר וַנֵּפֶן וַנַּעֲבֹר דֶּרֶךְ מִדְבַּר מוֹאָב׃

wanna'awór me'ét achénu wene-essáw hajoschewím bese'ír middérech ha'arawá me'elát ume'ez'jon gáwer wannéfen wanna'awór dérech midbár mo'áw

8 Und wir zogen vorbei an unseren Brüdern, den Söhnen Esaws, die in Se'ir sitzen, über die Arawa (oder über den Steppenweg), über Elat und über Ezjon-Gewer, dann wandten wir uns und zogen durch die Wüste Moaw.

Im neunten Vers lesen wir, dass der Höchste wieder zu Mosche redet.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי אַל־תָּצַר אֶת־מוֹאָב וְאַל־תִּתְגָּר בָּם מִלְחָמָה כִּי לֹא־אֶתֵּן לְךָ מֵאַרְצוֹ יְרֻשָּׁה כִּי לִבְנֵי־לוֹט נָתַתִּי אֶת־עָר יְרֻשָּׁה׃

wajomer adonáj eláj al-tázar et-mo'áw we'al-titgár bam milchamá ki lo-ettén lechá me'arzó jeruschá ki liwne-lót natátti et-ár jeruschá

9 Und der HERR sagte zu mir: „Bedränge Moaw nicht und provoziere sie nicht zum Krieg, denn Ich werde dir kein Erbe von ihrem Land geben, denn diesen Ort, Ar, habe Ich den Söhnen Lots als Erbe gegeben.

Lot ist zwar nicht séra (Same) Awrahams, aber er ist aus der Familie Awrahams, er ist aus seinem Geschlecht, und seine Nachkommen siedeln sich neben Israel an. Wiederum sprechen sowohl die Moawiter als auch die Ammoniter ebenfalls eine Sprache, die dem Hebräischen sehr, sehr nahe ist.

Weiter folgt ein solcher geschichtlicher Exkurs, den die Tora macht.

הָאֵמִים לְפָנִים יָשְׁבוּ בָהּ עַם גָּדוֹל וְרַב וָרָם כָּעֲנָקִים׃

ha'emím lefaním jáschewu wa am gadól weráw warám ka'anakím

10 Vorher wohnten in diesem Land die Emim – ein Volk, groß und zahlreich und hochgewachsen wie Riesen.

רְפָאִים יֵחָשְׁבוּ אַף־הֵם כָּעֲנָקִים וְהַמֹּאָבִים יִקְרְאוּ לָהֶם אֵמִים׃

refa'ím jechaschewú af-hém ka'anakím wehammo'awím jikre'ú lahém emím

11 Und die Refa'im, die man auch für Riesen halten konnte, und die Moawiter nannten sie Emim.

Das Wort Emim kann man deuten als die Schrecken Einflößenden.

וּבְשֵׂעִיר יָשְׁבוּ הַחֹרִים לְפָנִים וּבְנֵי עֵשָׂו יִירָשׁוּם וַיַּשְׁמִידוּם מִפְּנֵיהֶם וַיֵּשְׁבוּ תַּחְתָּם כַּאֲשֶׁר עָשָׂה יִשְׂרָאֵל לְאֶרֶץ יְרֻשָּׁתוֹ אֲשֶׁר־נָתַן יְהוָה לָהֶם׃

uwse'ír jaschewú hachorím lefaním uwné essáw jiraschúm wajaschmidúm mippenehém wajeschewú tachtám ka'aschér assá jisraél le'érez jeruscható ascher-natán adonáj lahém

12 Und in Se'ir wohnten früher die Choriter, aber die Söhne Esaws beerbten sie und vertilgten sie vor ihrem Angesicht und siedelten sich an ihrer Stelle an, wie Israel es mit dem Land getan hat, das der Höchste ihnen als Erbe gegeben hat.

Das Beispiel von Gad und Re'uwen steht vor Augen. Wozu ist dieser geschichtliche Exkurs nötig? Erstens sagt der Höchste, dass die Eroberung von Ländern, Kriege, irgendwie ein natürlicher Gang der Ereignisse ist. Zweitens sagt der Höchste, dass hier früher irgendwelche emím wohnten, irgendwelche refa'ím, und die Moawiter eroberten sie und siedelten sich an ihrer Stelle an. Und dass die Söhne Esaws irgendein Land erobert haben – das alles hat Gott ihnen als Erbe gegeben: All diese Kriege, all diese Eroberungen geschahen nicht zufällig. Und wie groß und furchterregend diese anakím, diese Riesen, oder diese emím, all diese erstaunlichen Menschen von gewaltiger Größe, auch erscheinen mochten, die Söhne Esaws eroberten sie, weil der Höchste ihnen dieses Land als Erbe gegeben hat.

In Vers 13 gibt es einen Befehl:

עַתָּה קֻמוּ וְעִבְרוּ לָכֶם אֶת־נַחַל זָרֶד וַנַּעֲבֹר אֶת־נַחַל זָרֶד׃

attá kúmu we'iwrú lachém et-náchal sáred wanna'awór et-náchal sáred

13 Jetzt steht auf und überquert den Bach Sared (das ist das Nordufer des Toten Meeres).“ Und wir zogen über den Bach Sared.

וְהַיָּמִים אֲשֶׁר־הָלַכְנוּ מִקָּדֵשׁ בַּרְנֵעַ עַד אֲשֶׁר־עָבַרְנוּ אֶת־נַחַל זֶרֶד שְׁלֹשִׁים וּשְׁמֹנֶה שָׁנָה עַד־תֹּם כָּל־הַדּוֹר אַנְשֵׁי הַמִּלְחָמָה מִקֶּרֶב הַמַּחֲנֶה כַּאֲשֶׁר נִשְׁבַּע יְהוָה לָהֶם׃

wehajamím ascher-haláchnu mikkadésch barnéja ad ascher-awárnu et-náchal séred scheloschím uschmoné schaná ad-tóm kol-haddór ansché hammilchamá mikkérew hammachané ka'aschér nischbá adonáj lahém

14 Und die Tage, die wir von Kadesch-Barnea gegangen sind, bis wir den Bach Sared überquerten – achtunddreißig Jahre, bis die ganze Generation der Kriegsleute aus dem Lager zu Ende gegangen war, wie der HERR ihnen geschworen hatte.

Kadesch-Barnea ist der Ort, an dem all diese Ereignisse mit den Kundschaftern geschahen (über die wir in Kapitel 1 gesprochen haben). Wie ist die Wendung Generation der ansché hammilchamá (Kriegsleute) zu verstehen? Man kann es so verstehen, dass diejenigen sterben werden (wie der HERR verheißen hatte), die zu jenem Zeitpunkt wehrpflichtig waren, das heißt von zwanzig Jahren an und darüber. Man kann ansché hammilchamá auch als die Generation verstehen, die damals zum Krieg aufbrach, gegen den Willen des Höchsten in den Kampf zog – eine Geschichte, an die Mosche das Volk ebenfalls im ersten Kapitel erinnert hat. Am wahrscheinlichsten ist dennoch die erste Art, es zu verstehen: Es starben alle, die zwanzig Jahre und älter waren, wie der HERR es geschworen hatte.

 Gewöhnlich nimmt man an, dass die Strafe vierzig Jahre dauerte. In Wirklichkeit, wenn man annimmt, dass die Strafe mit dem Ende des ersten Jahres begann und zu Beginn des letzten Jahres schon alle gestorben waren, dann, entsprechend, 40 minus 2 – die einfache Arithmetik führt uns dazu, dass die 38 zusätzlichen, überzähligen Jahre der Wanderung durch die Wüste die Jahre sind, von denen Mosche als von der Strafe spricht.

וְגַם יַד־יְהוָה הָיְתָה בָּם לְהֻמָּם מִקֶּרֶב הַמַּחֲנֶה עַד תֻּמָּם׃

wegám jad-adonáj hájeta bam lehummám mikkérew hammachané ad tummám

15 Und die Hand des Höchsten war auf ihnen, bis alle gestorben waren.

Die Menschen verschwanden unerwartet, starben unerwartet. Das Wort lehummám – gleichsam wegblinzeln, durch Flimmern wegnehmen, als ob da eben ein Mensch war, aufblitzte – und er ist nicht mehr. Nicht, dass sie lange krank gewesen und gestorben wären: Die Menschen verschwanden unerwartet, starben unerwartet, bis alle gestorben waren. Noch ein Verständnis – ausschalten einen nach dem anderen, auslöschen einen nach dem anderen, als ob der Höchste nach irgendeiner unsichtbaren Liste diese Menschen einen nach dem anderen tötete.

וַיְהִי כַאֲשֶׁר־תַּמּוּ כָּל־אַנְשֵׁי הַמִּלְחָמָה לָמוּת מִקֶּרֶב הָעָם׃

wajhí cha'ascher-támmu kol-ansché hammilchamá lamút mikkérew ha'ám

16 Und es geschah, als all diese Menschen (die Kriegsleute) gestorben waren, von denen der Höchste geschworen hatte, dass sie nicht in das Land hineinkommen würden,

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֵלַי לֵאמֹר׃

wajdabbér adonáj eláj lemór

17 Und der HERR redete zu mir und sprach:

אַתָּה עֹבֵר הַיּוֹם אֶת־גְּבוּל מוֹאָב אֶת־עָר׃

attá owér hajom et-gewúl mo'áw et-ár

18 „Du ziehst heute hinüber zur Grenze Moaws, nach Ar.

Ar ist der Name einer Stadt, er stammt von derselben Wurzel wie das Wort ir (Stadt) selbst. Ir ist ein Ort des Wachens, irgendein Wachturm, irgendein Ort, von dem aus man Ausschau hält. Und ebenso ist Ar eine „Wacherei“, ein Ort, an dem man ständig nicht schlummert, ein Ort, der unter ständiger Bewachung steht.

וְקָרַבְתָּ מוּל בְּנֵי עַמּוֹן אַל־תְּצֻרֵם וְאַל־תִּתְגָּר בָּם כִּי לֹא־אֶתֵּן מֵאֶרֶץ בְּנֵי־עַמּוֹן לְךָ יְרֻשָּׁה כִּי לִבְנֵי־לוֹט נְתַתִּיהָ יְרֻשָּׁה׃

wekarawtá mul bené ammón al-tezurém we'al-titgár bam ki lo-ettén me'érez bene-ammón lechá jeruschá ki liwne-lót netattíha jeruschá

19 Und du wirst an den Söhnen Ammons vorbeiziehen, bedränge sie nicht und provoziere sie nicht, denn Ich werde dir kein Erbe vom Land der Söhne Ammons geben (vom Land der Ammoniter), denn Ich habe es den Söhnen Lots als Erbe gegeben.

Und wieder gibt es einen geschichtlichen Exkurs.

אֶרֶץ־רְפָאִים תֵּחָשֵׁב אַף־הִוא רְפָאִים יָשְׁבוּ־בָהּ לְפָנִים וְהָעַמֹּנִים יִקְרְאוּ לָהֶם זַמְזֻמִּים׃

erez-refa'ím techaschéw af-hi refa'ím jaschewu-wá lefaním weha'ammoním jikre'ú lahém samsummím

20 Und auch dieses galt als ein Land der Refa'im, und früher wohnten Refa'im darin, und die Ammoniter nannten sie Samsummim (von lesamsém – summen, lärmen, brummen).

עַם גָּדוֹל וְרַב וָרָם כָּעֲנָקִים וַיַּשְׁמִידֵם יְהוָה מִפְּנֵיהֶם וַיִּירָשֻׁם וַיֵּשְׁבוּ תַחְתָּם׃

am gadól weráw warám ka'anakím wajaschmidém adonáj mippenehém wajiraschúm wajeschewú tachtám

21 Das war ein großes und zahlreiches Volk, und hoch wie Riesen, und der HERR vernichtete sie vor ihnen und gab es ihnen zum Erbe, und sie ließen sich an ihrer Stelle nieder.

Der HERR hat an der Eroberung dieses Landes durch die Ammoniter teilgenommen, der HERR führte die Kriege der Ammoniter, wie wir hier lesen: „Sie vernichtete der HERR vor dem Angesicht der Ammoniter.“

כַּאֲשֶׁר עָשָׂה לִבְנֵי עֵשָׂו הַיֹּשְׁבִים בְּשֵׂעִיר אֲשֶׁר הִשְׁמִיד אֶת־הַחֹרִי מִפְּנֵיהֶם וַיִּירָשֻׁם וַיֵּשְׁבוּ תַחְתָּם עַד הַיּוֹם הַזֶּה׃

ka'aschér assá liwné essáw hajoschewím besse'ír aschér hischmíd et-hachorí mippenehém wajiraschúm wajeschewú tachtám ad

hajom hassé

22 Ebenso wie er es mit den Söhnen Esaws getan hat, die auf Se'ir wohnen, vor denen er die Choriter vernichtet hat, und er gab es ihnen zum Erbe, und sie wohnen dort bis zu diesem Tag.

Das heißt bis zu diesem Tag, von dem Mosche spricht. Und da wir nun einmal die Refa'im, erwähnt haben, lohnt es sich, ein paar Worte über das Wort Refa'im selbst zu sagen. Mit diesem Wort wird tatsächlich ein gewöhnliches Volk bezeichnet, vielleicht ein etwas hochgewachseneres und mit etwas wilden Sitten, wild in den Augen der umliegenden Menschen. Dieses starke Volk lebte auf einem ziemlich ausgedehnten Gebiet, in den Gegenden, von denen wir jetzt sprechen, und sogar im Süden Israels. Später begegnet uns, dass man mit dem Wort Refa'im die Gespenster – irgendwelche verstorbenen Menschen oder etwas, was nach verstorbenen Menschen zurückbleibt, bezeichnet. In ugaritischen Texten, in alten Texten anderer benachbarter Völker, nennt man mit dem Wort Refa'im, kann man sagen, eine Art Teufel: irgendwelche mythischen Wesen, die in der mythischen Hölle der alten semitischen Völker leben. Möglicherweise hat das Volk Refa'im einen solchen Spitznamen wegen seines wilden Charakters und seiner großen Gestalt bekommen. So ein Volk war das eben, und möglicherweise ist die Übereinstimmung zufällig. Außerdem hat das Wort Refa'im dieselbe Wurzel, Resch-Pe-Alef, wie das Wort genesen (leherafé), gesund sein, und auch das Wort Arzt (rofé) stammt von derselben Wurzel. Deshalb kann das Wort Refa'im die Kerngesunden bedeuten. Dann kann es andererseits ein Euphemismus sein: das heißt, wenn man nicht die Toten sagen will, sagt man die Kerngesunden, um den Gebrauch des schrecklichen Wortes zu vermeiden. Auch das kann sein, und es gibt viele verschiedene Versionen dazu. Ich wiederhole noch einmal, es kann einfach eine Übereinstimmung in den Namen sein.

וְהָעַוִּים הַיֹּשְׁבִים בַּחֲצֵרִים עַד־עַזָּה כַּפְתֹּרִים הַיֹּצְאִים מִכַּפְתּוֹר הִשְׁמִידֻם וַיֵּשְׁבוּ תַחְתָּם׃

weha'awwím hajoschewím bachazerím ad-assá kaftorím hajoze'ím mikkaftór hischmidúm wajeschewú tachtám

23 Und die Awim wohnten in Siedlungen bis Asa, und die Kaftorim, ein Volk, das aus Kaftor stammt, vernichteten sie und ließen sich an ihrer Stelle nieder.

Kaftor – das sind die griechischen Inseln, Kreta und die Inseln um es herum, es gibt eine solche Version.

קוּמוּ סְּעוּ וְעִבְרוּ אֶת־נַחַל אַרְנֹן רְאֵה נָתַתִּי בְיָדְךָ אֶת־סִיחֹן מֶלֶךְ־חֶשְׁבּוֹן הָאֱמֹרִי וְאֶת־אַרְצוֹ הָחֵל רָשׁ וְהִתְגָּר בּוֹ מִלְחָמָה׃

kúmu se'ú we'iwrú et-náchal arnón re'é natátti wejadechá et-sichón melech-cheschbón ha'emorí we'et-arzó hachél rasch wehitgár bo milchamá

24 Steht auf, geht und überquert den Bach Arnon! Sieh, Ich habe Sichon, den König von Cheschbon, den Emoriter, und sein Land in deine Hände gegeben: geh, erbe es und provoziere ihn zum Krieg.

הַיּוֹם הַזֶּה אָחֵל תֵּת פַּחְדְּךָ וְיִרְאָתְךָ עַל־פְּנֵי הָעַמִּים תַּחַת כָּל־הַשָּׁמָיִם אֲשֶׁר יִשְׁמְעוּן שִׁמְעֲךָ וְרָגְזוּ וְחָלוּ מִפָּנֶיךָ׃

hajom hassé achél tet pachdechá wejir'atechá al-pené ha'ammím táchat kol-haschamájim aschér jischme'ún schim'achá weragesú wechalú mippanécha

25 An diesem Tag (von heute an) werde Ich beginnen, Schrecken vor dir und Furcht vor dir auf alle Völker unter allen Himmeln zu bringen, und die, die die Kunde von dir hören, werden in Unruhe geraten und schwach werden vor dir.“

Mosche bekommt hier die Anweisung, gegen Sichon, den König von Cheschbon, in den Krieg zu ziehen, und der Höchste sagt: „Ich werde Furcht und Schrecken auf alle Völker bringen.“ Was tut Mosche?

וָאֶשְׁלַח מַלְאָכִים מִמִּדְבַּר קְדֵמוֹת אֶל־סִיחוֹן מֶלֶךְ חֶשְׁבּוֹן דִּבְרֵי שָׁלוֹם לֵאמֹר׃

wa'eschlách mal'achím mimmidbár kedemót el-sichón mélech cheschbón diwré schalóm lemór

26 Ich sandte Boten aus der Wüste Kedemot zu Sichon, dem König von Cheschbon, mit Worten des Friedens und sprach:

Warum sagte der Höchste zu Mosche: „Geh und kämpfe, geh, Ich habe dir dieses Land gegeben, du wirst es erobern, du wirst siegen“, Mosche aber sendet Boten zu Friedensverhandlungen? Wie passt das zusammen? Zunächst kann man sagen, dass Mosche vom Höchsten Selbst lernt. Als der Höchste Mosche zum Pharao sendet, sagt Er auch: „Der Sieg wird auf deiner Seite sein, der Pharao wird das Volk Israel ziehen lassen, aber komm zuerst und rede friedlich.“ Und in anderen Fällen gebietet die Tora: Wenn du gegen eine Stadt in den Krieg ziehst, dann rede zuerst friedlich mit der Stadt. Aber lasst uns lesen, welche Botschaft Mosche durch die Boten an Sichon, den König von Cheschbon, sendet:

אֶעְבְּרָה בְאַרְצֶךָ בַּדֶּרֶךְ בַּדֶּרֶךְ אֵלֵךְ לֹא אָסוּר יָמִין וּשְׂמֹאול׃

e'berá we'arzécha baddérech baddérech eléch lo asúr jamín usmól

27 „Ich will durch dein Land ziehen, nur, nur auf dem Weg werde ich gehen, ich werde weder nach rechts noch nach links abweichen.

אֹכֶל בַּכֶּסֶף תַּשְׁבִּרֵנִי וְאָכַלְתִּי וּמַיִם בַּכֶּסֶף תִּתֶּן־לִי וְשָׁתִיתִי רַק אֶעְבְּרָה בְרַגְלָי׃

óchel bakkéssef taschbiréni we'achálti umájim bakkéssef titten-lí weschatíti rak e'berá weragláj

28 Speise wirst du mir für Geld verkaufen, ich werde sie essen, und Wasser wirst du mir für Geld geben, ich werde es trinken – ich werde nur zu Fuß hindurchziehen.

כַּאֲשֶׁר עָשׂוּ־לִי בְּנֵי עֵשָׂו הַיֹּשְׁבִים בְּשֵׂעִיר וְהַמּוֹאָבִים הַיֹּשְׁבִים בְּעָר עַד אֲשֶׁר־אֶעֱבֹר אֶת־הַיַּרְדֵּן אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־יְהוָה אֱלֹהֵינוּ נֹתֵן לָנוּ׃

ka'aschér assu-lí bené essáw hajoschewím besse'ír wehammo'awím hajoschewím be'ár ad ascher-e'ewór et-hajardén el-ha'árez ascher-adonáj elohénu notén lánu

29 Wie die Söhne Esaws, die auf Se'ir wohnen, mit mir verfahren sind, und wie die Moawiter, die in Ar wohnen – bis ich hindurchgezogen und an den Jordan gelangt bin, zu dem Land, das der HERR uns gibt!“

Einerseits sagt Mosche: „Lass mich zu sehr günstigen Bedingungen durch dein Land ziehen: Ich werde nur den geraden Weg gehen, ich werde deine Felder nicht zertreten, und die Waldpflanzungen und die Grünanlagen, ich werde keinen Schaden anrichten. Mehr noch, durch dein Land werden zwei Millionen Menschen ziehen, die Essen und Wasser kaufen werden – das alles ist ein sehr vorteilhaftes Geschäft. Mach es genauso, wie die Söhne Esaws mit mir verfahren sind und wie die Moawiter mit mir verfahren sind.“ Und wie sind die Söhne Esaws und die Moawiter verfahren? Weder die einen noch die anderen haben ihn durch ihr Land ziehen lassen. Und natürlich sitzt Sichon, der König von Cheschbon, als Antwort auf eine solche friedliche Botschaft da und denkt: „So, die da haben ihn nicht durchgelassen, und die da haben ihn nicht durchgelassen. Wenn ich ihn durchziehen lasse, dann mache ich mich in den Augen aller Nachbarvölker zum Gespött. Er hat doch selbst geschrieben: wie diese, und diese haben ihn nicht durchgelassen – also lasse ich ihn auch nicht durch. Erst recht lasse ich ihn nicht durch, damit ich nicht käuflich aussehe, oder schwach, oder überhaupt, damit ich nicht irgendwie aussehe.“ Auf einen solchen Brief, auf eine solche Botschaft konnte Sichon nicht anders reagieren, und deshalb kann man es so verstehen, dass Mosche auf diese Weise das Gebot des Höchsten erfüllt, indem er ihn zum Krieg provoziert. Mosche legt durch einen friedlichen Brief eine solche provokative Bombe, und der Höchste hilft ihm natürlich dabei.

וְלֹא אָבָה סִיחֹן מֶלֶךְ חֶשְׁבּוֹן הַעֲבִרֵנוּ בּוֹ כִּי־הִקְשָׁה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֶת־רוּחוֹ וְאִמֵּץ אֶת־לְבָבוֹ לְמַעַן תִּתּוֹ בְיָדְךָ כַּיּוֹם הַזֶּה׃

weló awá sichón mélech cheschbón ha'awirénu bo ki-hikschá adonáj elohécha et-ruchó we'imméz et-lewawó lemá'an tittó wejadechá kajom hassé

30 Und Sichon, der König von Cheschbon, wollte nicht, dass ihr durch sein Land zieht, denn der HERR, dein Gott, hatte seinen Geist schwer gemacht und sein Herz gestärkt, um ihn heute in deine Hände zu geben.

Scheinbar hat der HERR das Herz des Königs gestärkt (wörtlich: sein Herz tapfer gemacht), und das ist gut, wenn der HERR das Herz stärkt. Aber der HERR stärkte das Herz des Königs zu der Tat, die ihn zugrunde richten wird: Sichon, der König von Cheschbon, wollte das Volk Israel nicht durchlassen. Er hätte am Transit des Volkes gut verdienen können, aber offenbar kannte er das Wort „Transit“ nicht.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי רְאֵה הַחִלֹּתִי תֵּת לְפָנֶיךָ אֶת־סִיחֹן וְאֶת־אַרְצוֹ הָחֵל רָשׁ לָרֶשֶׁת אֶת־אַרְצוֹ׃

wajomer adonáj eláj re'é hachillóti tet lefanécha et-sichón we'et-arzó hachél rasch laréschet et-arzó

31 Und der HERR sagte zu mir: „Heute beginne Ich, dir Sichon und sein Land zu geben, beginne, tritt ein und erbe sein Land, nimm es in Besitz und besitze sein Land!“

וַיֵּצֵא סִיחֹן לִקְרָאתֵנוּ הוּא וְכָל־עַמּוֹ לַמִּלְחָמָה יָהְצָה׃

wajezé sichón likraténu hu wechol-ammó lammilchamá jáh'za

32 Und Sichon zog uns entgegen, er und sein ganzes Volk, er zog in den Krieg in Jahaz,

Jahaz ist offensichtlich der Name einer Grenzstadt.

וַיִּתְּנֵהוּ יְהוָה אֱלֹהֵינוּ לְפָנֵינוּ וַנַּךְ אֹתוֹ וְאֶת־בְּנוֹ (בָּנָיו) וְאֶת־כָּל־עַמּוֹ׃

wajittenéhu adonáj elohénu lefanénu wannách otó we'et-banáw we'et-kol-ammó

33 Und der HERR, unser Gott, gab ihn vor uns hin, und wir schlugen ihn (das Wort wannách – wir schlugen, machten ihn gebrochen) und seine Söhne, sein ganzes Volk.

וַנִּלְכֹּד אֶת־כָּל־עָרָיו בָּעֵת הַהִוא וַנַּחֲרֵם אֶת־כָּל־עִיר מְתִם וְהַנָּשִׁים וְהַטָּף לֹא הִשְׁאַרְנוּ שָׂרִיד׃

wannilkód et-kol-aráw ba'ét hahí wannacharém et-kol-ír metím wehannaschím wehattáf lo hisch'árnu saríd

34 Und wir ergriffen alle seine Städte zu jener Zeit, und wir vernichteten die ganze Stadt, und die Frauen und die Kinder, niemanden ließen wir als Überlebenden übrig.

רַק הַבְּהֵמָה בָּזַזְנוּ לָנוּ וּשְׁלַל הֶעָרִים אֲשֶׁר לָכָדְנוּ׃

rak habbehemá basásnu lánu uschlál he'arím aschér lachádnu

35 Nur das Vieh raubten wir, und wir nahmen Beute in den Städten.

מֵעֲרֹעֵר אֲשֶׁר עַל־שְׂפַת־נַחַל אַרְנֹן וְהָעִיר אֲשֶׁר בַּנַּחַל וְעַד־הַגִּלְעָד לֹא הָיְתָה קִרְיָה אֲשֶׁר שָׂגְבָה מִמֶּנּוּ אֶת־הַכֹּל נָתַן יְהוָה אֱלֹהֵינוּ לְפָנֵינוּ׃

me'aro'ér aschér al-sefat-náchal arnón weha'ír aschér bannáchal we'ad-haggil'ád lo hajetá kir'já aschér sagewá mimménu et-hakkól natán adonáj elohénu lefanénu

36 Von Aro'er, das am Ufer des Baches Arnon liegt, und der Stadt, die am Bach liegt, und bis Gil'ad gab es keine einzige befestigte Stadt, die sich uns nicht ergeben hätte (die für uns uneinnehmbar gewesen wäre); alles gab der HERR, unser Gott, vor uns hin.

רַק אֶל־אֶרֶץ בְּנֵי־עַמּוֹן לֹא קָרָבְתָּ כָּל־יַד נַחַל יַבֹּק וְעָרֵי הָהָר וְכֹל אֲשֶׁר־צִוָּה יְהוָה אֱלֹהֵינוּ׃

rak el-érez bene-ammón lo karáwta kol-jád náchal jabbók we'aré hahár wechól ascher-ziwwá adonáj elohénu

37 Nur dem Land der Ammoniter hast du dich nicht genähert: der ganzen Uferseite des Baches Jabbok und den Städten des Berglandes, und allem, wovon der HERR uns geboten hat, uns dem nicht zu nähern.

Das ist die Geschichte vom Beginn der Epoche der großen Siege des Volkes Israel bei der Einnahme des Landes Kanaan, nach vierzig Jahren der Wanderung durch die Wüste.

Die Hauptsache: sich nicht fürchten

Dewarim 3,1–22

Mit Gottes Hilfe setzen wir, ihr und ich, das Studium des Wochenabschnitts Dewarim fort und werden Kapitel 3 ab Vers 1 lesen.

וַנֵּפֶן וַנַּעַל דֶּרֶךְ הַבָּשָׁן וַיֵּצֵא עוֹג מֶלֶךְ־הַבָּשָׁן לִקְרָאתֵנוּ הוּא וְכָל־עַמּוֹ לַמִּלְחָמָה אֶדְרֶעִי׃

wannéfen wanná'al dérech habbaschán wajezé og melech-habbaschán likraténu hu wechol-ammó lammilchamá edré'i

1 Und wir wandten uns und begannen, auf dem Weg nach Baschan hinaufzuziehen; und Og, der König von Baschan, zog uns entgegen, er und sein ganzes Volk, zum Krieg, von Edre'i aus.

Og ist, wie wir später erfahren werden, ein furchterregender Mensch, der letzte der Refaim, von denen wir gesagt haben, dass das ein sehr, sehr hochgewachsenes Volk ist. Und natürlich macht sein Anblick Angst. Aber er ist der letzte Refaim, sein Volk sind schon keine Refaim mehr.

Wir haben schon über diesen Ort, Edre'i, im Kommentar zu Vers 4 von Kapitel 1 unseres Buches gesprochen. Dieser Ort heißt in der syrischen Tradition Der'a, oder Sroa, wie man es im modernen Hebräisch sagen würde. Die Buchstaben Dálet und Sájin sind in den semitischen Sprachen oft austauschbar, deshalb würde es im Hebräischen wie sróa (Muskel, Kraft) klingen. So heißt die Stadt, zu der Og, der König von Baschan, mit seinen Truppen, mit seinen Leuten heranzog, dem Volk Israel entgegen.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי אַל־תִּירָא אֹתוֹ כִּי בְיָדְךָ נָתַתִּי אֹתוֹ וְאֶת־כָּל־עַמּוֹ וְאֶת־אַרְצוֹ וְעָשִׂיתָ לּוֹ כַּאֲשֶׁר עָשִׂיתָ לְסִיחֹן מֶלֶךְ הָאֱמֹרִי אֲשֶׁר יוֹשֵׁב בְּחֶשְׁבּוֹן׃

wajomer adonáj eláj al-tirá otó ki wejadechá natátti otó we'et-kol-ammó we'et-arzó we'assíta lo ka'aschér assíta lessichón mélech ha'emorí aschér joschéw becheschbón

2 Und der HERR sprach zu mir: „Fürchte dich nicht vor ihm, denn in deine Hände habe Ich ihn gegeben, und sein ganzes Volk und sein Land, und du wirst ihm tun, wie du Sichon getan hast, dem König der Emoriter, der in Cheschbon war.“

וַיִּתֵּן יְהוָה אֱלֹהֵינוּ בְּיָדֵנוּ גַּם אֶת־עוֹג מֶלֶךְ־הַבָּשָׁן וְאֶת־כָּל־עַמּוֹ וַנַּכֵּהוּ עַד־בִּלְתִּי הִשְׁאִיר־לוֹ שָׂרִיד׃

wajittén adonáj elohénu bejadénu gam et-óg melech-habbaschán we'et-kol-ammó wannakkéhu ad-biltí hisch'ir-ló saríd

3 Und der HERR, unser Gott, gab in unsere Hände auch Og, den König von Baschan, und sein ganzes Volk, und wir schlugen ihn, bis ihm keine Überlebenden mehr blieben.

וַנִּלְכֹּד אֶת־כָּל־עָרָיו בָּעֵת הַהִוא לֹא הָיְתָה קִרְיָה אֲשֶׁר לֹא־לָקַחְנוּ מֵאִתָּם שִׁשִּׁים עִיר כָּל־חֶבֶל אַרְגֹּב מַמְלֶכֶת עוֹג בַּבָּשָׁן׃

wannilkód et-kol-aráw ba'ét hahí lo hajetá kirjá aschér lo-lakáchnu me'ittám schischím ir kol-chéwel argów mamléchet og babbaschán

4 Und wir nahmen zu jener Zeit alle seine Städte ein, und es gab keine solche befestigte Stadt, die wir ihnen nicht genommen hätten: sechzig Städte, das ganze Gebiet Argow, das ganze Land (das ganze Königreich) Ogs in Baschan.

Es geht hier um das Gebiet, das heute Golanhöhen heißt, auch Gürtel Argow genannt, auch Land Baschan genannt.

כָּל־אֵלֶּה עָרִים בְּצֻרוֹת חוֹמָה גְבֹהָה דְּלָתַיִם וּבְרִיחַ לְבַד מֵעָרֵי הַפְּרָזִי הַרְבֵּה מְאֹד׃

kol-élle arím bezurót chomá gewohá delatájim uwríjach lewád me'aré happerasí harbé me'ód

5 All diese Städte, die von einer hohen Mauer umgeben waren, mit schweren Toren und Riegeln, außer den offenen Städten in großer Menge.

Hier sagt Mosche: „Obwohl ein so mächtiger und starker König von Baschan mit seinem Volk hinauszog, um seine Städte zu verteidigen, haben wir sein ganzes Land eingenommen: sechzig Städte, die mit hohen Mauern und schweren Toren mit Riegeln befestigt waren, sechzig Festungen und viele offene Städte.“ Offenbar hatte Og, der König von Baschan, eine recht blühende Zivilisation, wenn er so viele bewohnte, gut befestigte Städte hatte. Das zeugt davon, dass er ein reiches Königreich hatte und dass Og selbst die Völker in Schrecken versetzte (wir werden noch auf seine Ausmaße zurückkommen). Aber der Höchste sagte zu Mosche: „Fürchte dich nicht, Ich bin mit dir. Wenn Ich auf deiner Seite kämpfe, dann ist es unwichtig, was für einen Gegner du hast, du musst dich vor niemandem fürchten. Warum? Weil nicht du ihn einnehmen wirst, sondern Ich gebe ihn in deine Hand.“

Mosche erzählt dem Volk also von ganz kürzlich geschehenen Ereignissen, davon, wie das Königreich Ogs, des Königs von Baschan, eingenommen wurde.

וַנַּחֲרֵם אוֹתָם כַּאֲשֶׁר עָשִׂינוּ לְסִיחֹן מֶלֶךְ חֶשְׁבּוֹן הַחֲרֵם כָּל־עִיר מְתִם הַנָּשִׁים וְהַטָּף׃

wannacharém otám ka'aschér assínu lessichón mélech cheschbón hacharém kol-ír metím hannaschím wehattáf

6 Und wir belegten sie mit dem Bann, so wie wir mit Sichon verfahren waren, dem König von Cheschbon; wir belegten alle Städte mit dem Bann, vernichteten die Frauen und die Kinder.

וְכָל־הַבְּהֵמָה וּשְׁלַל הֶעָרִים בַּזּוֹנוּ לָנוּ׃

wechol-habbehemá uschlál he'arím bassónuDie russische Umschrift beginnt dieses Wort mit W. Der hebräische Text hat hier ein B (bassónu, „erbeuteten wir“), dem die deutsche Umschrift folgt. lánu

7 Das Vieh aber und die Beute (den ganzen Reichtum), die in den Städten war, nahmen wir für uns.

וַנִּקַּח בָּעֵת הַהִוא אֶת־הָאָרֶץ מִיַּד שְׁנֵי מַלְכֵי הָאֱמֹרִי אֲשֶׁר בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן מִנַּחַל אַרְנֹן עַד־הַר חֶרְמוֹן׃

wannikkách ba'ét hahí et-ha'árez mijád schené malché ha'emorí aschér be'éwer hajardén minnáchal arnón ad-hár chermón

8 Und wir nahmen zu jener Zeit das Land von den zwei Königen der Emoriter ein, die am von Kanaan aus gegenüberliegenden Ufer des Jordan waren, vom Bach Arnon bis zum Berg Chermon.

Hier erfahren wir zum ersten Mal sozusagen die Nationalität der Baschaniter. Obwohl Og selbst seiner Herkunft nach ein Refaim ist, waren auch die Bewohner von Baschan Emoriter, das heißt, Og, der König von Baschan, war ein emoritischer König.

Der Berg Chermon (der auch heute der Berg Chermon ist) ist ein riesiges Gebiet am von Kanaan aus gegenüberliegenden Ufer des Jordan, das von den Israeliten erobert wurde. Und weil vom Chermon die Rede ist, fügt die Tora hinzu:

צִידֹנִים יִקְרְאוּ לְחֶרְמוֹן שִׂרְיֹן וְהָאֱמֹרִי יִקְרְאוּ־לוֹ שְׂנִיר׃

zidoním jikreú lechermón sirjon weha'emorí jikreu-ló senír

9 Die Bewohner von Zidon nennen den Berg Chermon Sirion, die Emoriter aber nennen ihn Snir.

Heute ist Snir der Name eines Kibbuz im Norden Israels, nicht weit vom Chermon. Aber außer diesen drei Namen – Chermon, Sirion und Snir – gibt es noch einen Namen des Berges Chermon, der in unserem Buch Dewarim (4,48) verwendet wird, dort heißt er Sion (aber nicht zu verwechseln mit dem Berg Zijon, der in Jerusalem ist); hier kommt der Name Sion vom Wort si (Rekord).

Mosche sagt, während er von den Eroberungen des Volkes Israel erzählt: Hier ist ein Berg, für den es bei verschiedenen Völkern verschiedene Namen gibt. Das heißt, es ist ein Ort, nach dem alle Völker streben, den jedes der Völker auf seine Weise nennt und sich anzueignen versucht. Alle wollen den Chermon besitzen, das ist der höchste Ort in der Region.

כֹּל עָרֵי הַמִּישֹׁר וְכָל־הַגִּלְעָד וְכָל־הַבָּשָׁן עַד־סַלְכָה וְאֶדְרֶעִי עָרֵי מַמְלֶכֶת עוֹג בַּבָּשָׁן׃

kol aré hammischór wechol-haggil'ád wechol-habbaschán ad-salchá we'edré'i aré mamléchet og babbaschán

10 (Wir nahmen ein) alle Städte der Ebene und alle Städte des Hügellandes in Gil'ad, ganz Baschan bis Salcha und Edre'i (bis Mittelsyrien), die Städte des Königreichs Ogs in Baschan.

Da von Og die Rede ist, ist es hier angebracht zu erwähnen, wer Og überhaupt war, und in Vers 11 erzählt Mosche:

כִּי רַק־עוֹג מֶלֶךְ הַבָּשָׁן נִשְׁאַר מִיֶּתֶר הָרְפָאִים הִנֵּה עַרְשׂוֹ עֶרֶשׂ בַּרְזֶל הֲלֹה הִוא בְּרַבַּת בְּנֵי עַמּוֹן תֵּשַׁע אַמּוֹת אָרְכָּהּ וְאַרְבַּע אַמּוֹת רָחְבָּהּ בְּאַמַּת־אִישׁ׃

ki rak-óg mélech habbaschán nisch'ár mijéter harefa'ím hinné arsó éres barsél haló hi berabbát bené ammón téscha ammót orká we'arbá ammót rochbá be'ammat-ísch

11 Denn nur Og, der König von Baschan, war der einzige Überlebende von den Refaim. Siehe, seine Wiege – eine eiserne Wiege, sie ist doch jetzt in Rabat-Amon: neun Ellen ihre Länge und vier Ellen ihre Breite, miss mit den Ellen eines erwachsenen Menschen.

Was erzählt Mosche hier? Mosche erzählt, dass Og der letzte Überlebende der Refaim ist. Seine Wiege (eine Kinderwiege) befindet sich in Rabat-Amon. Rabat-Amon ist so eine Stadt, die offenbar eine Art Museum war. Als David Rabat-Amon einnahm, nahm er dort auch eine Krone von riesigen Ausmaßen mit einem Stein von ebenso riesiger Größe. So steht darüber im zweiten Buch Schmu'el (12,29–30) geschrieben: „Und David versammelte das ganze Volk und zog nach Rabba (Rabba ist eben jenes Rabat-Amon) und kämpfte gegen sie und bezwang sie. Und (David) nahm die Krone Malkams von seinem Haupt – ihr Gewicht ein Talent Gold – und einen kostbaren Stein, und sie war auf dem Haupt Davids; und er brachte aus der Stadt sehr viel Beute heraus.“

Malkam ist Molech, der Gott der Ammoniter. Natürlich war er in Rabba, und man schmückte ihn mit einer Krone, in der ein wundersamer Edelstein war. Viele Museumsschätze gab es offenbar in Rabat-Amon, deshalb wurde dort auch die Wiege Ogs, des Königs von Baschan, aufbewahrt. Und seine Wiege war neun Ellen (ungefähr viereinhalb Meter) lang und vier Ellen (zwei Meter) breit. Wenn man bedenkt, dass man eine Wiege geräumig macht, dann kann man sagen, dass der kleine Ogchen, der König von Baschan, der in der Wiege lag, in seiner frühen Kindheit mindestens vier Meter groß war. Von seinem Bett ist überhaupt nicht die Rede, hier wird davon gesprochen, dass in Rabat-Amon seine Wiege als Ausstellungsstück ausgestellt ist.

Es gibt sehr viele Midraschim, Überlieferungen und Märchen, in denen von der märchenhaften Kraft, dem märchenhaften Wuchs und der Macht des Königs von Baschan erzählt wird (zum Beispiel davon, dass er einen ganzen Felsen werfen und mit einem Mal das ganze Volk Israel zerquetschen wollte, aber der Höchste hinderte ihn daran). Und man kann das einfach als Überlieferungen und Märchen auffassen. Manche kommentieren, dass der König von Baschan seine eigenen Verdienste hatte. Überhaupt werden in den Midraschim erstaunliche Geschichten über diesen König erzählt, er hat eine ungewöhnliche Biografie, aber wir werden nicht tiefer in die Midraschim und Überlieferungen einsteigen. Und einen solchen König konnte Israel besiegen.

וְאֶת־הָאָרֶץ הַזֹּאת יָרַשְׁנוּ בָּעֵת הַהִוא מֵעֲרֹעֵר אֲשֶׁר־עַל־נַחַל אַרְנֹן וַחֲצִי הַר־הַגִּלְעָד וְעָרָיו נָתַתִּי לָרֻאוּבֵנִי וְלַגָּדִי׃

we'et-ha'árez hassót jaráschnu ba'ét hahí me'aro'ér ascher-al-náchal arnón wachazí har-haggil'ád we'aráw natátti laruwení welaggadí

12 Und dieses Land eroberten wir zu jener Zeit: von Aro'er an, das am Bach Arnon liegt (der Bach Arnon mündet ins Tote Meer), und die Hälfte der Berge Gil'ads und ihre Städte gab ich Re'uwen und Gad.

Hier beginnt Mosche, die Länder aufzuzählen (bis hin zu Vers 16), die erobert worden waren.

Re'uwen erhält also den südlichsten Teil der eroberten Länder, Gad erhält einen Teil Gil'ads, das ist etwas nördlich des Gebiets von Re'uwen.

וְיֶתֶר הַגִּלְעָד וְכָל־הַבָּשָׁן מַמְלֶכֶת עוֹג נָתַתִּי לַחֲצִי שֵׁבֶט הַמְנַשֶּׁה כֹּל חֶבֶל הָאַרְגֹּב לְכָל־הַבָּשָׁן הַהוּא יִקָּרֵא אֶרֶץ רְפָאִים׃

wejéter haggil'ád wechol-habbaschán mamléchet og natátti lachazí schwet hamnasché kol chéwel ha'argów lechol-habbaschán hahú jikkaré érez refa'ím

13 Den übrigen Teil Gil'ads aber und ganz Baschan, das Königreich Ogs, gab ich dem halben Stamm Menasche. Das ganze Gebiet Argow, ganz Baschan, das das Land der Refaim genannt wird.

Wir wissen, dass der halbe Stamm Menasche durch Ja'ir und Machir vertreten ist, zwei Nachkommen Menasches.

יָאִיר בֶּן־מְנַשֶּׁה לָקַח אֶת־כָּל־חֶבֶל אַרְגֹּב עַד־גְּבוּל הַגְּשׁוּרִי וְהַמַּעֲכָתִי וַיִּקְרָא אֹתָם עַל־שְׁמוֹ אֶת־הַבָּשָׁן חַוֹּת יָאִיר עַד הַיּוֹם הַזֶּה׃

ja'ír ben-menasché lakách et-kol-chéwel argów ad-gewúl haggeschurí wehamma'achatí wajikrá otám al-schemó et-habbaschán chawwót ja'ír ad hajom hassé

14 Ja'ir, der Sohn Menasches, nahm das ganze Land Argow bis zur Grenze von Geschur und Maachti und benannte es nach seinem Namen um, deshalb heißt Baschan Chawot-Ja'ir (die Siedlungen Ja'irs) bis zum heutigen Tag.

Ich erinnere daran, dass das ganze Gebiet Argow Baschan ist, das ist eigentlich Ramat haGolan, die Golanhöhen.

וּלְמָכִיר נָתַתִּי אֶת־הַגִּלְעָד׃

ulmachír natátti et-haggil'ád

15 Machir aber erhielt Gil'ad.

וְלָרֻאוּבֵנִי וְלַגָּדִי נָתַתִּי מִן־הַגִּלְעָד וְעַד־נַחַל אַרְנֹן תּוֹךְ הַנַּחַל וּגְבֻל וְעַד יַבֹּק הַנַּחַל גְּבוּל בְּנֵי עַמּוֹן׃

welaruwení welaggadí natátti min-haggil'ád we'ad-náchal arnón toch hannáchal ugwúl we'ád jabbók hannáchal gewúl bené ammón

16 Den Stämmen Re'uwen und Gad aber gab ich von Gil'ad bis zum Bach Arnon, und die Mitte des Baches ist die Grenze, und bis zum Bach Jabok, der an die Ammoniter grenzt.

וְהָעֲרָבָה וְהַיַּרְדֵּן וּגְבֻל מִכִּנֶּרֶת וְעַד יָם הָעֲרָבָה יָם הַמֶּלַח תַּחַת אַשְׁדֹּת הַפִּסְגָּה מִזְרָחָה׃

weha'arawá wehajardén ugwúl mikkinnéret we'ád jam ha'arawá jam hammélach táchat aschdót happisgá misrácha

17 Und die Arawa und den Jordan und die Grenze – von Kinneret bis zum Meer der Arawa, das Salzmeer genannt wird, oder Totes Meer, unterhalb der Abhänge des Pisga nach Osten.

Hier kann man, um sich in der Geografie zurechtzufinden, die alten Übersetzungen oder Targumim zu Hilfe rufen, insbesondere das sogenannte Targum Jonatan, das sagt, dass die Grenzstadt die Stadt an der Stelle des heutigen Tiberias war.

וָאֲצַו אֶתְכֶם בָּעֵת הַהִוא לֵאמֹר יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם נָתַן לָכֶם אֶת־הָאָרֶץ הַזֹּאת לְרִשְׁתָּהּ חֲלוּצִים תַּעַבְרוּ לִפְנֵי אֲחֵיכֶם בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל כָּל־בְּנֵי־חָיִל׃

wa'azáw etchém ba'ét hahí lemór adonáj elohechém natán lachém et-ha'árez hassót lerischtá chaluzím ta'awrú lifné achechém bene-jisraél kol-bene-chájil

18 Ich gebot euch zu jener Zeit und sprach: „Der HERR, euer Gott, gibt euch dieses Land, es zu erben: Ihr werdet in den ersten Reihen ziehen, vor allen Söhnen Israels, vor dem ganzen Heer.

Das ist eine Anrede, ein Befehl Mosches an den Stamm Gad, Re'uwen und den halben Stamm Menasche, die ihre Erbteile am von Kanaan aus gegenüberliegenden Ufer des Jordan erhalten. Um das Recht zu erhalten, dieses Land jenseits des Jordan zu erben, das Mosche unter ihnen aufgeteilt hat, müssen die Männer dieser Stämme das Volk in den ersten Reihen der Krieger anführen, müssen zusammen mit dem Volk den Jordan überqueren und durch das Land Kanaan in den ersten Reihen ziehen, das Land Kanaan für ihre Brüder aus den anderen Stämmen erkämpfen. Das heißt, nicht einfach kämpfen, sondern gerade in den ersten Reihen der Krieger ziehen.

רַק נְשֵׁיכֶם וְטַפְּכֶם וּמִקְנֵכֶם יָדַעְתִּי כִּי־מִקְנֶה רַב לָכֶם יֵשְׁבוּ בְּעָרֵיכֶם אֲשֶׁר נָתַתִּי לָכֶם׃

rak neschechém wetappechém umiknechém jadá'ti ki-mikné raw lachém jeschewú be'arechém aschér natátti lachém

19 Nur eure Frauen und eure Kinder und euer Vieh (und ich weiß, dass ihr viel Vieh habt) werden in den Städten wohnen bleiben, die ich euch gegeben habe.

עַד אֲשֶׁר־יָנִיחַ יְהוָה לַאֲחֵיכֶם כָּכֶם וְיָרְשׁוּ גַם־הֵם אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם נֹתֵן לָהֶם בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן וְשַׁבְתֶּם אִישׁ לִירֻשָּׁתוֹ אֲשֶׁר נָתַתִּי לָכֶם׃

ad ascher-janíach adonáj la'achechém kachém wejareschú gam-hém et-ha'árez aschér adonáj elohechém notén lahém be'éwer hajardén weschawtém isch liruscható aschér natátti lachém

20 Bis der HERR ihnen, einem jeden, Ruhe gibt wie auch euch, und auch sie das Land erben, das der HERR, euer Gott, ihnen am kanaanäischen Ufer des Jordan gibt; und ihr werdet zurückkehren, jeder zu seinem Erbteil, das ich euch gegeben habe.“

Damit dank den Stämmen Gad, Re'uwen und dem halben Stamm Menasche die Grenzen Israels erweitert würden (es gibt eine Verheißung über die erweiterten Grenzen Israels, das hängt mit dem Einfluss Israels auf andere Völker zusammen), damit sich durch sie die Verheißung erfüllt, müssen diese zweieinhalb Stämme in den ersten Reihen der Krieger für das kämpfen, was allen verheißen ist.

וְאֶת־יְהוֹשׁוּעַ צִוֵּיתִי בָּעֵת הַהִוא לֵאמֹר עֵינֶיךָ הָרֹאֹת אֵת כָּל־אֲשֶׁר עָשָׂה יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם לִשְׁנֵי הַמְּלָכִים הָאֵלֶּה כֵּן־יַעֲשֶׂה יְהוָה לְכָל־הַמַּמְלָכוֹת אֲשֶׁר אַתָּה עֹבֵר שָׁמָּה׃

we'et-jehoschúa ziwwéti ba'ét hahí lemór enécha haro'ót et kol-aschér assá adonáj elohechém lischné hammelachím ha'élle ken-ja'assé adonáj lechol-hammamlachót aschér attá owér schámma

21 Und ich unterwies zu jener Zeit Jehoschua und sprach: „Deine Augen sehen alles, was der HERR, euer Gott, diesen zwei Königen getan hat; ebenso wird der HERR mit allen Königreichen tun, durch die du ziehen wirst (mit denen du Krieg führen wirst).

לֹא תִּירָאוּם כִּי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם הוּא הַנִּלְחָם לָכֶם׃

lo tiraúm ki adonáj elohechém hu hannilchám lachém

22 Fürchtet sie nicht, denn der HERR, euer Gott – Er wird für euch kämpfen.“

Mosche hat in seiner Vergangenheit nicht irgendeine Militärakademie, er weist Jehoschua nicht an, seine Kriegserfahrung zu übernehmen, Jehoschua ist selbst ein erfahrener Krieger. Mosche sagt: „Die Hauptsache, an die ihr denken müsst, ist, euch nicht zu fürchten, denn der HERR wird für euch kämpfen.“ Das ist das Grundprinzip der Eroberung des Landes. Und das Schlimmste, was geschehen kann: dass das Volk in diesem Krieg Angst bekommt. Mosche erinnert zuerst das Volk und dann seinen Nachfolger, den künftigen Anführer des Volkes: „Seht, wie alles funktioniert. Seht und erinnert euch, welche Könige, welche Königreiche, welche Länder wir bezwingen konnten, was der HERR uns in die Hände gibt. Erinnert euch, dass gerade der HERR uns alles in die Hände gibt, deshalb muss man sich vor nichts fürchten. Und das ist die Hauptsache.“

Auf wen man vor dem Kampf hören soll

Unser Wochenabschnitt Dewarim (1,46–3,22) beginnt damit, dass Mosche kurz die jüdische Geschichte wiederholt und erzählt, was mit den Kundschaftern geschah, also eigentlich das, was zum Grund für die achtunddreißig Jahre der Wanderung in der Wüste wurde.

Man kann drei Unterschiede finden zwischen dem, wie Mosche es hier erzählt, und dem, was im Buch Bemidbar, in Kapitel 13, geschrieben steht. Dort steht geschrieben, dass die Späher auf Initiative des Höchsten selbst ausgesandt wurden, hier, dass der Vorschlag vom Volk ausging. Im Buch Bemidbar verteidigt Mosche das Volk vor dem Höchsten, in unserem Buch Dewarim klagt Mosche das Volk an, sagt, dass das Volk schuld ist, das nicht in das Land Kanaan hineingehen wollte. Im Buch Bemidbar lesen wir, dass es Jehoschua und Kalew waren, die das Volk zu überzeugen suchten, die mit dem Volk stritten, im Buch Dewarim erzählt Mosche, dass er es war.

Um zu verstehen, welchen Sinn dieser Widerspruch hat, warum ein solcher Widerspruch entsteht, muss man darauf achten, welches Ziel jedes dieser Bücher hat. Wenn wir das Buch Bemidbar lesen, sehen wir eine historische Chronik. Wir sehen dort die Geschichte darüber, warum die Juden nicht ins Heilige Land hineingegangen sind, das ist im Großen und Ganzen ein Buch über die Vergangenheit. Wenn wir aber das Buch Dewarim lesen, sehen wir das Vermächtnis Mosches, das für die künftige Zeit bestimmt ist. All diese Menschen, die weinten, als die Kundschafter zurückkehrten, sogar diese Kundschafter selbst, waren zu jener Zeit schon gestorben. Deshalb hatte es für Mosche keinen Sinn zu besprechen, worin der Fehler der Kundschafter bestand, worin der Fehler des Volkes bestand. Er musste den Fehler zeigen, der sich auch in anderen Generationen wiederholen kann. Das heißt, sein Vermächtnis ist an die Zukunft gerichtet, es ist an uns gerichtet, es lehrt uns, wie man lebt. Für unser geistliches Leben aber ist es nicht so interessant, worin genau sich irgendwelche konkreten Menschen geirrt haben, die vor tausend Jahren lebten. Uns interessiert, wo wir unsere Fehler sehen können, jene Fehler, die wir wiederholen können. Deshalb spricht Mosche gerade von jenen Fehlern, die auch uns eigen sein werden.

Es gibt in diesem Abschnitt noch eine wichtige Lektion. Gleich nachdem das Urteil des Höchsten erklungen war, sagte das Volk (Dewarim 1,41): „Wir haben gesündigt, wir werden hinaufziehen und kämpfen, wie es uns Gott, der Höchste, geboten hat.“ Aber was geschieht dann? Der Höchste sagt zu ihnen (1,42): „Zieht nicht hinauf und kämpft nicht, denn Ich (Gott) bin nicht unter euch.“ Das Volk Israel gehorchte nicht. Weiter sagt die Tora, dass jeder seine Waffe nahm, alle zusammen mutig losgingen ... und eine Niederlage erlitten. In Vers 44 lesen wir: „Und es zog euch der Emoriter entgegen, der auf jenem Berg wohnte, und verfolgte euch, wie es die Bienen tun.“ Interessant ist, dass die Tora vermerkt, dass die Juden auf den Berg hinaufzogen, das heißt, sie waren im Tal, und die Feinde waren auf dem Berg. Eine solche Lage spricht für den Vorteil der Feinde: Vom Standpunkt der Kampfstrategie aus ist es dumm, auszurücken, anzugreifen, indem man einen Berg hinaufsteigt.

Welche Lektion haben die Juden aus diesen Kämpfen gelernt? Wir wissen, dass im Buch Schoftim, in Kapitel 3, geschrieben steht, dass das Heer Schamgars mit landwirtschaftlichen Geräten in den Kampf zog – einfach mit Hacken, Rechen, Heugabeln. Im selben Buch wird von einem anderen jüdischen Helden erzählt – Schimschon, der mit einem Eselskinnbacken kämpfte. Über die Soldaten des Heeres von König Scha'ul heißt es (1 Schmu'el 13,22), dass sie weder Schwert noch Speer hatten. Ebenso trat auch David Goljat ohne jede Waffe entgegen. Und all diese Menschen errangen den Sieg.

Selbstverständlich erinnerten sie sich nicht nur an die Lektion, dass Gott unter ihnen sein muss. Sie erinnerten sich daran, dass man auf den Bergen kämpfen muss. Ebenso handelte Ehud, der vor Schamgar der Verteidiger des Volkes gewesen war (das ist wiederum Kapitel 3 des Buches Schoftim), ebenso handelten auch Debora und Gidon, und diese Praxis setzte sich so sehr durch, dass die Völker der Welt den jüdischen Gott für einen Gott der Berge zu halten begannen. Es bildete sich die Meinung, dass der Höchste Israel in der Ebene, in der Niederung nicht helfen kann.

Im ersten Buch Melachim, in Kapitel 20, lesen wir, dass es einen gewissen aramäischen König Ben-Adad gab, der einen Feldzug gegen Israel unternahm und eine Niederlage erlitt. Und man eröffnet ihm ein schreckliches Geheimnis: „Der Gott Israels ist ein Gott der Berge, deshalb werden wir mit ihnen in der Ebene kämpfen und sie dort bezwingen.“ Dieser falsche Glaube führte erneut zur Niederlage. Weiter wird erzählt, dass der Mann Gottes zum König von Israel sagte (20,28): „Zur Strafe dafür, dass die Aramäer sagten, der Höchste sei ein Gott der Berge und nicht ein Gott der Täler, dafür wird das aramäische Volk (ihre ganze Heerschar) in deine Hand gegeben werden.“ Und es gibt einen wichtigen Zusatz am Ende des Verses: „Damit ihr wisst, dass Ich der HERR bin.“

Und wenn wir zurückblicken, können wir verstehen, warum das Volk Israel denn verlor, als es nach dem Weinen der Kundschafter am Morgen doch auszog und auf den Berg hinaufstieg. Weil das Volk nicht auf die Warnung des Höchsten hörte, die durch Mosche gesprochen worden war: „Zieht nicht hinauf, denn Gott ist nicht unter euch.“

Die Tora in 5 Minuten

Vor seinem Tod unterweist Mosche das Volk, wiederholt, erzählt dem Volk seine eigene Geschichte nach, erzählt ihm, wozu das alles war, erzählt ihm von der Bestimmung des Volkes. Und weil (wie wir schon gesagt haben) das Buch aus den Reden Mosches besteht, heißt es Dewarim (Reden). In der Synodalübersetzung heißt dieses Buch, der griechischen Tradition folgend, Deuteronomium, das heißt Nacherzählung der Tora. Eine Nacherzählung, das sind ja dieselben Reden. Mosche wiederholt die Tora mit seinen eigenen Worten, und die Tora erklingt zum ersten Mal in einer menschlichen Nacherzählung, in der Nacherzählung des ersten Lehrers der Tora. Manche sehen darin den ersten Midrasch zur Tora.

 Wir lesen im Buch Schmot (4,10), wo die erste Begegnung Mosches mit dem Höchsten beschrieben wird, dass Mosche sagt: „Ich bin ein nicht redegewandter Mann, ich bin kein Mann der Reden. Wie soll ich zum Volk Israel gehen?“ Derjenige, der bei der ersten Begegnung mit dem Höchsten kein Mann der Reden war, hält jetzt eine lange, ausführliche, gut vorbereitete Rede, eine gut vorbereitete Unterweisung.

 Man kann in der ganzen Tora sehen, dass Mosche wirklich kein Mann der Reden ist. Mosche wiederholt das, was der Höchste ihm sagt, gibt die Worte des Höchsten genau an das Volk Israel weiter. Eigene Reden Mosches gibt es in der Tora fast keine – bis zu unserem Buch Dewarim. Mosche ist mehr ein Mann der Tat, er tut sehr viel und redet sehr wenig. Sogar seine Sünde (wie viele das auffassen) bestand darin, dass er nicht zum Felsen sprach, sondern auf den Felsen schlug. Wieder – sprach nicht, sondern tat. Ganz und gar kein Mann der Reden, anders als es heute unter Führungspersönlichkeiten, unter Politikern, unter Anführern üblich ist. Als sehr wichtige Kunst gilt gerade die Redegewandtheit: wichtig ist zu reden, danach zu handeln ist sogar unwichtig. Reden machen einen faszinierenden Eindruck auf die Zuhörer, und die ganze Politik wird heute mit Reden gemacht.

Interessant ist, dass dawár nicht nur Rede, Wort bedeutet, sondern auch Gegenstand, Tat, Handlung, Vorhaben. Und wie es oft geschieht (so sagt einer der chassidischen Lehrer, Rabbi Zadok aus Lublin): „Das, was einem Menschen am schwersten fällt, das, worüber er oft sagt: Ich bin kein Mann der Reden, ich bin kein Mann von sonst etwas, das, worin er ausrutscht und Fehler macht, gerade das kann ein bereites Werkzeug für den Segen sein.“ So ist es bei Mosche gekommen.

 Der nicht redegewandte Mann begann zu reden, als es nötig war, durch das Wort zu handeln, als das Volk eine Unterweisung brauchte – nicht einfach eine Weitergabe der Worte des Höchsten, sondern eine gottmenschliche Unterweisung, in der sowohl die göttliche Tora als auch der menschliche Charakter vereint wären, in Harmonie wirken würden. In unserem Fall – der Charakter Mosches. Und gerade aus dem Mund Mosches, aus menschlichem Mund, sollte das Volk die Tora hören, wie sie von einem Menschen verstanden, wie sie von einem Menschen weitergegeben wurde – von einem Menschen, der als Erster sie empfangen hatte, einem Menschen, nach dessen Namen sie benannt ist. Denn sie heißt nicht Torat Adonaj (Tora des HERRN), obwohl sie selbstverständlich die des HERRN ist, sondern Torat Mosche (Tora Mosches). Mosche hat sie nacherzählt – der erste Mensch, der sie durch sich hindurchgehen ließ und dem Volk weitergab, damit man sie aus menschlichem Mund hört. Und das ist eine Tat, keine Rede. Deshalb kann man den Namen des Buches Dewarim auch als Taten übersetzen. Die letzte Tat Mosches ist, das Volk Israel die Tora aus menschlichem Mund zu lehren.

Dewarim: das Studium fortsetzen

Lest auch das Kommentarbuch zu Dewarim, das Stenogramm des Wochenabschnitts Masse, das Gespräch über die Segnungen und Flüche und die Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    Inhalt dieses Abschnitts

    1. 1Wie alles begann 1,1–2,1
    2. 2Die ersten Siege 2,2–37
    3. 3Die Hauptsache: sich nicht fürchten 3,1–22
    4. 4Auf wen man vor dem Kampf hören soll
    5. 5Die Tora in 5 Minuten
    6. 6Dewarim: das Studium fortsetzen

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