1. Wochenabschnitte
  2. Bemidbar
  3. Masse

מַסְעֵי

Masse

Lagerplätze, Grenzen und Erbe

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
43 von 54
Verse
Bemidbar 33,1–36,13
Teile
6
Lesezeit
1 Std. 4 Min.

markiert Stellen, an denen die Übersetzung bewusst vom russischen Original abweicht. Antippen zeigt den Hinweis.

Masse, oder Mas'ej, ist der abschließende Wochenabschnitt des Buches Bemidbar. Im Stenogramm von Alex Blend geht es um die Lagerplätze Israels auf dem Weg aus Ägypten, die Grenzen des Landes, die Städte der Leviten, die Zufluchtsstädte und die Bewahrung des Erbes. Der Text der Tora auf Hebräisch wird von einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original heißt es, der hebräische Text werde von einer russischen Übersetzung begleitet. Da hier die deutsche Übersetzung steht, heißt es neutral „einer Übersetzung“. und der Auslegung des Autors begleitet.

Etappen des großen Weges

Bemidbar 33,1–56

Wir beginnen jetzt mit euch, den Wochenabschnitt Masse zu studieren, und werden Kapitel 33 des Buches Bemidbar lesen. Dieses Kapitel hat die Kommentatoren während der ganzen Geschichte des Torastudiums vor Rätsel gestellt. Die Sache ist die: Die Tora ist wortkarg, in ihr gibt es kein einziges überflüssiges Wort, keinen einzigen überflüssigen Buchstaben, und vor diesem Hintergrund überrascht es natürlich, dass neunundvierzig Verse unseres Kapitels einer Liste der Lagerplätze gewidmet sind, an denen das Volk Israel auf dem Weg von Ägypten nach Kanaan Halt machte. Viele dieser Lagerplätze wurden schon in der Tora erwähnt, und es stellt sich die Frage: Wozu führt man sie hier in einer eigenen Liste an? Warum sagt die Tora darüber mehr als zum Beispiel über die Erschaffung der Welt? Warum widmet die Tora der Aufzählung dieser Lagerplätze so viel Aufmerksamkeit – die Tora, die in einen einzigen Buchstaben viele Bedeutungen fassen kann?

Manche Kommentatoren sagen: Weil hier geschrieben steht, dass Mosche dies nach dem Wort des HERRN aufschrieb (und warum wird das eigens betont? Hat Mosche denn alles Übrige nicht nach dem Wort des HERRN aufgeschrieben?), weiß folglich nur der HERR allein, wozu wir die Aufzählung dieser Lagerplätze brauchen. Andere Kommentatoren sagen: „Hier sind alle Lagerplätze aufgezählt, damit der Leser sich mit einer Landkarte ausrüsten und sehen kann, wie wundersam der Aufenthalt Israels in der Wüste war.“ Man könnte ja annehmen, dass das Volk Israel nicht in der Tiefe der Wüste zog, sondern an ihrem Rand, in der Nähe von Siedlungen: dort, wo man mit etwas handeln kann, wo man irgendwo etwas kaufen konnte, vielleicht sogar irgendwo etwas säen und ernten, und die Wüste sei bloß so eine allgemeine, nominelle Bezeichnung für die Reise Israels. Aber wenn man sich die Liste dieser Lagerplätze ansieht, kann man sehen, dass alle diese Lagerplätze innerhalb der Wüste liegen, in der Tiefe der Wüste, dort, wo es schwer ist, Brot zu finden, dort, wo es schwer ist, Wasser zu finden. Und darum war der Aufenthalt des Volkes in der Wüste tatsächlich wundersam, und darum, wie diese Kommentatoren sagen, sind hier alle Lagerplätze aufgezählt, damit man sieht, dass es ein ständiges Wunder war. Und damit wir wissen, dass man auch während des Aufenthalts in unserer Welt (die wegen irgendeiner ihr eigenen Ungeordnetheit ebenfalls mit einer Wüste verglichen werden kann) Wunder im eigenen Leben sehen kann.

Es gibt Kommentatoren, die sagen, dass jeder dieser Lagerplätze seinen eigenen Namen hat, der eine bestimmte Situation im Leben des Menschen symbolisiert (dort, wo es offensichtlich sein wird, werde ich angeben, was dieser oder jener Lagerplatz symbolisiert). Und diese zweiundvierzig Lagerplätze sind zweiundvierzig Lebenssituationen, die jeder Mensch durchleben muss. Die Zahl 42 hat eine bestimmte symbolische Bedeutung, es gibt viele Fälle, in denen die Zahl 42 mit dem Werden, mit der Stärkung, mit der Läuterung verbunden ist. Das sind 42 Monate, dreieinhalb Jahre, oft spricht man für die Läuterung von dreieinhalb Jahren; wir wissen, dass es von Awraham bis Jeschua Maschiach 42 Generationen waren. Auch in der Kabbala (der jüdischen Mystik) gilt der Name Mem-Bét (mem entspricht der Zahl vierzig, bet der Zwei, also der Zahlenwert 42) als einer der Namen des Höchsten.

Aber dennoch bleibt die Frage offen. Eine solche Menge an Antworten zeigt, dass es die eine Antwort nicht gibt. Es gibt Kommentatoren, die sagen: „Das handelt auch von unserem Leben.“ Ja, das handelt auch von unserem Leben. An jedem Ort, an dem wir uns wiederfinden können, auch wenn es uns scheint, dass wir im Kreis gehen, führt uns der Höchste. Und wenn wir irgendwo gelandet sind und nicht verstehen, wo genau, dann werden wir vielleicht danach, später, wenn wir auf unser Leben zurückblicken, verstehen, warum wir dort waren, wozu wir so gehandelt haben. Einmal erzählte Steve Jobs davon, dass er Kalligrafie lernen ging, ganz unklar wozu. Und später, als er die ersten Computerschriften schuf, kam ihm das zugute.

Es gibt viele ähnliche Geschichten. Ich möchte eine Geschichte erzählen, die ich von einem Rabbiner aus Cholon gehört habe, Pinchas Alchojs, der von seiner Mutter erzählte, geborene Margolin. Sie wurde in Bobrujsk geboren, in einer jüdischen chassidischen Familie. Bobrujsk ist eine kleine Stadt in Belarus, und in der Vorkriegszeit war sie wahrscheinlich ganz klein. Und die Mutter schickte jedes Jahr ein, zwei Wochen vor Pessach ihrer Schwester nach Leningrad ein Glas Gänseschmalz. Sie wickelte das Glas in eine große Menge Windeln, legte es in eine Kiste und schickte dieses Paket nach Leningrad. Einmal, im Jahr vierzig, kam die Mutter mit dem Mädchen (sie war damals etwa sechs, sieben Jahre alt) zur Post und geriet an einen, sagen wir, in Anführungszeichen, „gemeinen“ Postbeamten, der dieses Gänseschmalz nicht einfach so verschicken wollte und sagte: „Das läuft doch aus, das macht hier doch alles schmutzig.“ Und nach langem Zureden willigte er ein, das Paket zu verschicken, wenn die Mutter nach Hause geht, noch eine Kiste bringt und die Kiste in die Kiste legt – kurz, er bereitete ihnen nicht wenig Mühe und Plackerei. Und die Mutter ließ das Mädchen mit dieser Kiste auf der Post zurück und fuhr nach Hause, um eine andere Kiste für das Paket zu holen. Das Mädchen saß anderthalb, zwei Stunden auf der Post und weinte, das Paket im Arm.

Bald begann der Krieg, die Deutschen marschierten in Belarus ein. Aber kurz davor beschloss die Mutter, mit den Töchtern zu fliehen, nach Taschkent zu fliehen. Bekanntlich ist Taschkent eine Stadt des Brotes, aber nur wenige wissen, dass Taschkent damals auch eine chassidische Stadt war. Viele Familien flohen dorthin, weil es dort Chassidim gibt, weil es dort eine jüdische Gemeinde gab, man dort irgendwie Fuß fassen konnte. Unterwegs herrschte Hunger, die Mutter starb unterwegs … Und bald starb auch das jüngere Brüderchen, und die Frau, von der wir sprechen (damals noch ein Mädchen), blieb zu zweit mit ihrer jüngeren Schwester zurück. Man fand sie irgendwie und brachte sie in ein Kinderheim unweit von Taschkent, wo sie während des Krieges auch lebten. Und nach dem Krieg versammelte man die Kinder und fragte: „Wer von euch weiß, erinnert sich an die Adresse von wenigstens irgendjemandem von den Verwandten? Wir schreiben ihnen, vielleicht kommen die Verwandten und holen euch ab. Wenn sie nicht kommen, dann heißt das, ihr wachst hier auf, im Kinderheim.“ Wie kann sich ein Mädchen an eine Adresse erinnern? Nun, es gab die Adresse in Bobrujsk, aber es ist klar, dass in Bobrujsk völlig unbekannt ist, was von der Familie übrig geblieben ist: Die Mutter war gestorben, der Vater war an die Front gegangen und nicht zurückgekehrt. In Bobrujsk gibt es niemanden zu suchen. Und das Mädchen erinnerte sich, wie sie mit diesem, man kann sagen, verfluchten Paket auf der Post gesessen und weinend auf diese Leningrader Adresse geschaut hatte. Sie erinnerte sich an die Leningrader Adresse ihrer Tante, und man schrieb der Tante einen Brief. Auch dort geschah ein eigenes Wunder: Die Familie kam an ihrer alten Wohnung vorbei, die Leute dachten daran hineinzugehen: „Gibt es keine Briefe?“, und man gab ihnen genau diesen Brief. Der Onkel kam und holte das Mädchen ab. Später zog sie nach Israel, nach Kfar Chabad, gründete eine chassidische Familie, und nun hat ihr Sohn, ein Rabbiner, diese Geschichte erzählt. Und es ist völlig unbekannt, was mit ihr geschehen wäre, wäre sie im sowjetischen Kinderheim geblieben. Wahrscheinlich wäre sie ein ganz anderer Mensch geworden und wäre nicht zum Glauben ihres eigenen Volkes zurückgekehrt. Das ist eines der Beispiele, das ist einfach so ein schönes Beispiel. Aber ich denke, dass jeder in seinem Leben ein Beispiel dafür finden kann, wie er nicht verstand, wozu er irgendwo gelandet war, und es erst nach langer Zeit verstanden hat.

Und die Kommentatoren sagen: „Diese Lagerplätze, jeder einzelne von ihnen, sind für etwas vorgesehen. Diese ganze Liste dient dazu zu zeigen, dass der Höchste uns führt, uns durchs Leben führt. Und jedes Mal, wo wir uns auch befinden, ist das für etwas nötig, für etwas, das wir vielleicht später verstehen werden.“

Also, unser 33. Kapitel des Buches Bemidbar beginnt mit der Liste der Lagerplätze, an denen das Volk Israel während seines Zuges aus Ägypten in das Land Kanaan gewesen ist.


אֵלֶּה מַסְעֵי בְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר יָצְאוּ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לְצִבְאֹתָם בְּיַד־מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן׃

élle mas'é wené-jisraél aschér jazeú me'érez mizrájim leziw'otám bejad-mosché we'aharon

1 Dies sind die Wanderungen der Söhne Israels, die aus dem Land Ägypten auszogen nach ihren Versammlungen (nach ihren Heerscharen) unter der Führung Mosches und Aharons.

Interessant ist, dass die Tora hier von den Söhnen Israels als von einem Volk spricht, das aus Ägypten auszog. Man hätte sagen können: „Das Volk, das sich ins Land Kanaan aufmachte.“ Welchen Unterschied macht es, woher es auszog? Wichtig ist doch, wohin es ging. Und die Kommentatoren sagen: „Der Höchste hatte einen Plan, der Höchste wollte das Volk ins Land Kanaan bringen. Aber für die Juden war es in jenem Moment wichtiger, aus Ägypten herauszukommen, das war ihre erste Sehnsucht.“ Deshalb wird hier vom Zustand der Juden gesprochen, von ihrem Wunsch, einfach wegzulaufen. Es gibt so einen Zustand, in dem man vor allem von hier weglaufen muss, und es ist egal, was dort sein wird. In einem solchen Zustand war das Volk Israel.


וַיִּכְתֹּב מֹשֶׁה אֶת־מוֹצָאֵיהֶם לְמַסְעֵיהֶם עַל־פִּי יְהוָה וְאֵלֶּה מַסְעֵיהֶם לְמוֹצָאֵיהֶם׃

wajichtów mosché et-moza'ehem lemas'ehémIn der russischen Umschrift steht bei diesem Wort ein g statt eines h. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. al-pí adonáj we'élle mas'ehém lemoza'ehém

2 Und Mosche schrieb die Orte ihres Aufbruchs auf (die Orte, an denen ihre Reise begann) nach dem Mund des Höchsten. Und dies sind ihre Züge nach den Orten ihres Aufbruchs:

וַיִּסְעוּ מֵרַעְמְסֵס בַּחֹדֶשׁ הָרִאשׁוֹן בַּחֲמִשָּׁה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ הָרִאשׁוֹן מִמָּחֳרַת הַפֶּסַח יָצְאוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּיָד רָמָה לְעֵינֵי כָּל־מִצְרָיִם׃

wajis'ú mera'messés bachódesch harischón bachamischá assár jom lachódesch harischón mimmachorát happéssach jazeú wene-jisraél bejád ramá leené kol mizrájim

3 Und sie brachen auf aus Ramses im ersten Monat, am fünfzehnten Tag des ersten Monats; am Tag nach Pessach zogen die Söhne Israels mit starker Hand aus vor den Augen ganz Ägyptens.


וּמִצְרַיִם מְקַבְּרִים אֵת אֲשֶׁר הִכָּה יְהוָה בָּהֶם כָּל־בְּכוֹר וּבֵאלֹהֵיהֶם עָשָׂה יְהוָה שְׁפָטִים׃

umizrájim mekabberím et aschér hikká adonáj bahém kol-bechór uwelohehém assá adonáj schefatím

4 Die Ägypter aber sind mit dem Begraben derer beschäftigt, die der HERR unter ihnen geschlagen hat – aller Erstgeborenen, und an ihren Göttern hat der HERR Gericht gehalten.

Offenbar ist davon die Rede, dass man irgendwelche Bruchstücke von den Götzen nicht einfach wegwerfen, nicht einfach auf die Müllhalde bringen konnte, auch sie begrub man, so wie man die Erstgeborenen begrub. Warum stellt die Tora hier diesen Gegensatz auf? Was macht es für uns für einen Unterschied, womit die Ägypter beschäftigt waren, als die Juden auszogen? Vielleicht ist das eine Lehre für uns. Entweder du gehst, entweder du bewegst dich mit dem Höchsten, oder du begräbst den Erstgeborenen, das heißt die Frucht deiner Arbeit, dein Wirken, dein ganzes Leben, und deine Götter, an denen der HERR Gericht gehalten hat, begräbst du auch. Entweder du machst dich auf den Weg, oder du bist mit Begräbnissen beschäftigt.

וַיִּסְעוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵרַעְמְסֵס וַיַּחֲנוּ בְּסֻכֹּת׃

wajis'ú wene-jisraél mera'messés wajachanú besukkót

5 Und die Söhne Israels zogen aus Ramses aus und machten Halt in Sukkot.

Das Wort sukkót (Plural vom Wort sukká – Hütte, Laubhütte) bedeutet Ort des vorübergehenden Wohnens. Die Israeliten zogen aus Ägypten aus, und zuerst gab es das Gefühl genau dieser Vorläufigkeit des Unterwegsseins, es gab keinerlei Beständigkeit. Zugleich werden diese sukkót, diese Hütten, mit den Wolken der Herrlichkeit verglichen. In dieser vorübergehenden Behausung musste man den Schutz Gottes an sich selbst spüren. Der Mensch, der in dieser Welt nur vorübergehend ist und sich in der Wüste befindet, sollte spüren, dass Gott ihn schützt. Mit genau diesem Erleben des Schutzes, damit sollte alles beginnen. Deshalb ist der erste Lagerplatz, Sukkot, der Aufenthalt des Menschen in einem solchen Zustand, in dem er vielleicht nicht alles hat, in dem er möglicherweise nur eine Laubhütte hat, aber den Schutz des Höchsten spürt. Das ist einer der Zustände, die der Mensch in seinem Leben durchlebt.


וַיִּסְעוּ מִסֻּכֹּת וַיַּחֲנוּ בְאֵתָם אֲשֶׁר בִּקְצֵה הַמִּדְבָּר׃

wajis'ú missukkót wajachanú we'etám aschér bikzé hammidbár

6 Und sie zogen aus Sukkot und machten Halt in Etam, das am Rand der Wüste liegt.

Etám – ein ägyptischer Name, bedeutet versiegelter Ort, Festung. Außer dass der Mensch in der Sukká, in der Hütte, glücklich und geschützt sein kann, kann der Mensch sich frei fühlen in einer Festung, die ihn nicht zurückhält, ihn nicht einengt.

וַיִּסְעוּ מֵאֵתָם וַיָּשָׁב עַל־פִּי הַחִירֹת אֲשֶׁר עַל־פְּנֵי בַּעַל צְפוֹן וַיַּחֲנוּ לִפְנֵי מִגְדֹּל׃

wajis'ú me'etám wajáschow al-pí hachirót aschér al-pené bá'al zefón wajachanú lifné migdól

7 Und sie zogen aus Etam und kehrten um (kehrten zurück) nach Pi-haChirot, das vor Ba'al-Zefon liegt, und machten Halt vor Migdol.

Pi-haChirot (wörtlich Mund der Freiheit, Schlupfloch der Freiheit) – das ist ein Ort, ein Schlupfloch, ein Durchgang, der sich für den Menschen öffnet und es ihm erlaubt, aus irgendwelchen, wie es scheint, verhexten Situationen herauszukommen.


וַיִּסְעוּ מִפְּנֵי הַחִירֹת וַיַּעַבְרוּ בְתוֹךְ־הַיָּם הַמִּדְבָּרָה וַיֵּלְכוּ דֶּרֶךְ שְׁלֹשֶׁת יָמִים בְּמִדְבַּר אֵתָם וַיַּחֲנוּ בְּמָרָה׃

wajis'ú mippené hachirót waja'awrú wetoch-hajám hammidbára wajelechú dérech schelóschet jamím bemidbár etám wajachanú bemará

8 Und sie zogen aus Pi-haChirot, und sie gingen mitten durch das Meer in die Wüste, und drei Tage gingen sie durch die Wüste Etam und machten Halt in Mara.

Mará (Bitterkeit, Galle) – ein Ort bitterer Erlebnisse, bitterer Ereignisse.


וַיִּסְעוּ מִמָּרָה וַיָּבֹאוּ אֵילִמָה וּבְאֵילִם שְׁתֵּים עֶשְׂרֵה עֵינֹת מַיִם וְשִׁבְעִים תְּמָרִים וַיַּחֲנוּ־שָׁם׃

wajis'ú mimmará wajawóu elíma uw'elím schetém esré enót májim weschiw'ím temarím wajachanu-schám

9 Und sie werden aus Mara aufbrechen, und sie kamen nach Elim, und in Elim – zwölf Wasserquellen und siebzig Palmen.

Wir haben darüber ausführlich in Kapitel 15 des Buches Schemot gesprochen. Das Wort elím ist mehrdeutig. Es kann vom Wort olám (Welt) kommen, und auch – vom Wort he'elém (Verschwinden), es kann auch stumm, verstummt, der Möglichkeit zu sprechen beraubt bedeuten, es kann etwas Unvorhergesehenes bedeuten. Interessant ist, dass hier geschrieben steht sie kamen nach Elim, als ob sie nicht vorhatten, dort Halt zu machen, aber sie fanden dort Quellen und Palmen und machten deshalb dort Halt. Das heißt, dieser Ort ist gleichsam nicht vorher vereinbart, er war nicht vorher als Lagerplatz vorgesehen.

וַיִּסְעוּ מֵאֵילִם וַיַּחֲנוּ עַל־יַם־סוּף׃

wajis'ú me'elím wajachanú al-jam-súf

10 Und sie zogen aus Elim und machten Halt am Roten Meer.

וַיִּסְעוּ מִיַּם־סוּף וַיַּחֲנוּ בְּמִדְבַּר־סִין׃

wajis'ú mijam-súf wajachanú bemidbar-sín

11 Und sie brachen auf vom Roten Meer und machten Halt in der Wüste Sin.

Das Wort sin bedeutet wörtlich Staub, Sand. Man kann es symbolisch verstehen (und wir verstehen hier alles symbolisch) als werktägliches, alltägliches Leben, Routine.


וַיִּסְעוּ מִמִּדְבַּר־סִין וַיַּחֲנוּ בְּדָפְקָה׃

wajis'ú mimmidbar-sín wajachanú bedofká

12 Und sie zogen aus der Wüste Sin und machten Halt in Dofka.

Das Wort dofká kann man vom Verb lidpók (klopfen, schlagen, prügeln) her verstehen, wenn etwas prügelt oder jemand verprügelt wird.

וַיִּסְעוּ מִדָּפְקָה וַיַּחֲנוּ בְּאָלוּשׁ׃

wajis'ú middofká wajachanú be'alúsch

13 Und sie zogen aus Dofka und machten Halt in Alusch.

Alúsch – das ist wie eine große Stadt, eine Stadt, in der das Leben brodelt, ein Ort, an dem man stark sein muss, energisch sein muss. Natürlich geschah das in der Wüste, dort gab es keine großen Städte, aber solche Namen gaben sie ihren Lagerplätzen und legten in diese Namen offenbar einen bestimmten Sinn.


וַיִּסְעוּ מֵאָלוּשׁ וַיַּחֲנוּ בִּרְפִידִם וְלֹא־הָיָה שָׁם מַיִם לָעָם לִשְׁתּוֹת׃

wajis'ú me'alúsch wajachanú birfidím welo-haja scham májim la'ám lischtót

14 Und sie zogen aus Alusch und machten Halt in Refidim, und es gab dort kein Wasser für das Volk zum Trinken.

Wir haben schon gesagt (in Kapitel 17 des Buches Schemot), dass eine der Lesarten des Namens Refidím von den Wörtern – rafím (schwach werdend) und jadajim (Hände) herkommen kann, also herabgelassene, erschlaffte Hände. Auch kann man den Namen Refidím ausgehend vom Wort refidá (Polsterung, Unterlage), übersetzen, das Verb lerapéd bedeutet ausbreiten, betten, Möbel polstern, Möbel weich machen. Refidím – das, was der Abmilderung bedarf, wo man Stroh unterlegen, eine Polsterung machen muss, oder das, wo es diese Abmilderung gibt. Manchmal muss der Mensch lerapéd azmó, sich selbst polstern, sich weicher machen, irgendwo unter den Panzer so eine weiche Unterlage legen.


וַיִּסְעוּ מֵרְפִידִם וַיַּחֲנוּ בְּמִדְבַּר סִינָי׃

wajis'ú merefidím wajachanú bemidbár sináj

15 Und sie zogen aus Refidim und machten Halt in der Wüste Sinai.

Obwohl das vom Standpunkt der Sprache aus vielleicht nicht ganz richtig ist, wird der Name der Wüste Sináj oft mit dem Wort siná (Hass) zusammengestellt. Und man meint, dass von dem Moment an, als Israel die Tora empfing, der Hass in die Welt kam, der Hass gegen das Volk Israel aufkam.

וַיִּסְעוּ מִמִּדְבַּר סִינָי וַיַּחֲנוּ בְּקִבְרֹת הַתַּאֲוָה׃

wajis'ú mimmidbár sináj wajachanú bekiwrót hatta'awá

16 Und sie zogen aus der Wüste Sinai und ließen sich nieder in Kiwrot-Hata'awa.

Der Name wird übersetzt als Gräber der Gier (der Begierde). Diesen Namen erhielt dieser Ort wegen der Geschichte mit den Wachteln, sie wird in Kapitel 11 unseres Buches erzählt.

וַיִּסְעוּ מִקִּבְרֹת הַתַּאֲוָה וַיַּחֲנוּ בַּחֲצֵרֹת׃

wajis'ú mikkiwrót hatta'awá wajachanú bachazerót

17 Und sie zogen aus Kiwrot-Hata'awa und machten Halt in Chazerot.

Der Name Chazerót wird wörtlich übersetzt als Höfe. Es gibt chassidische Höfe, es gibt königliche Höfe. Vielleicht symbolisiert das die Abhängigkeit von irgendeinem Menschen – wie das Leben eines Höflings, wenn du lebst und dich ernährst auf Kosten deiner Abhängigkeit von jemand anderem.

וַיִּסְעוּ מֵחֲצֵרֹת וַיַּחֲנוּ בְּרִתְמָה׃

wajis'ú mechazerót wajachanú beritmá

18 Und sie zogen aus Chazerot und machten Halt in Ritma.

Den Namen Ritmá kann man mit dem Verb lirtóm (anspannen) zusammenstellen, also mit jemandem in einem gemeinsamen Gespann sein, unter einem Joch.

וַיִּסְעוּ מֵרִתְמָה וַיַּחֲנוּ בְּרִמֹּן פָּרֶץ׃

wajis'ú meritmá wajachanú berimmón párez

19 Und sie zogen aus Ritma und machten Halt in Rimon-Perez.

וַיִּסְעוּ מֵרִמֹּן פָּרֶץ וַיַּחֲנוּ בְּלִבְנָה׃

wajis'ú merimmón párez wajachanú beliwná

20 Und sie zogen aus Rimon-Perez und machten Halt in Liwna.

Der Name Liwná kann Reinheit, Weiße bedeuten (vom Wort lawán, weiß); dasselbe kann auch Blässe, Schwäche bedeuten – es hängt davon ab, wie man die Weiße betrachtet.

וַיִּסְעוּ מִלִּבְנָה וַיַּחֲנוּ בְּרִסָּה׃

wajis'ú milliwná wajachanú berissá

21 Und sie rückten aus Liwna aus und machten Halt in Rissa.

Den Namen Rissá kann man mit dem Wort rís (Wimper) oder trís (Fensterladen, Jalousie) verbinden – das, was die Augen ein wenig bedeckt, das, was einen Schutz des Sehens erfordert; oder wenn man auf das Sehen achten muss, oder irgendeine Korrektur des Sehens.

וַיִּסְעוּ מֵרִסָּה וַיַּחֲנוּ בִּקְהֵלָתָה׃

wajis'ú merissá wajachanú bikheláta

22 Und sie zogen aus Rissa und machten Halt in Kehelat.

Den Namen Kehelát kann man zusammenstellen mit den Wörtern kahál (Gesellschaft, Publikum), kehila (Gemeinde); das Verb lehakhil – versammeln, eine Predigt halten; kohelet – Prediger in der Versammlung. Das heißt, irgendeine Gesellschaft, die durch eine Idee, eine Predigt, ein Ziel vereint wird. Übrigens, eine Menge ist auch kahal.


וַיִּסְעוּ מִקְּהֵלָתָה וַיַּחֲנוּ בְּהַר־שָׁפֶר׃

wajis'ú mikkeheláta wajachanú behar-scháfer

23 Und sie zogen aus Kehelat und machten Halt in Har-Schefer.

Den Namen Schéfer kann man mit dem Verb leschapér (verbessern, berichtigen, gut machen) verbinden, also nach einer Verbesserung der Qualität streben.


וַיִּסְעוּ מֵהַר־שָׁפֶר וַיַּחֲנוּ בַּחֲרָדָה׃

wajis'ú mehar-schafér wajachanú bacharadá

24 Und sie zogen aus Har-Schefer und machten Halt in Charada.

Das Wort charadá bedeutet Angst, Zittern, Unruhe, möglicherweise Panik. Wieder hängt es davon ab, ob es in Heiligkeit ist oder nicht.

וַיִּסְעוּ מֵחֲרָדָה וַיַּחֲנוּ בְּמַקְהֵלֹת׃

wajis'ú mecharadá wajachanú bemakhelót

25 Und sie zogen aus Charada und machten Halt in Makhelot.

Der Name Makhelót stammt von derselben Wurzel wie das Wort kahál (Gesellschaft, Publikum). Aber das sind schon nicht mehr die, die gemeinsam eine Predigt hören, das ist schon makhelá (Chor), das ist schon ein Chor von Menschen, die sich nicht einfach nur für eine Sache interessieren, sondern auch gleich sprechen.


וַיִּסְעוּ מִמַּקְהֵלֹת וַיַּחֲנוּ בְּתָחַת׃

wajis'ú mimmakhelót wajachanú betáchat

26 Und sie zogen aus Makhelot und machten Halt in Tachat.

Táchat (unter, unten) – das ist der Grund, die tiefste Niederung. Im modernen Hebräisch – eine nicht derbe Bezeichnung für den unteren Teil des Rückens.


וַיִּסְעוּ מִתָּחַת וַיַּחֲנוּ בְּתָרַח׃

wajis'ú mittáchat wajachanú betárach

27 Und sie zogen aus Tachat und machten Halt in Terach.


וַיִּסְעוּ מִתָּרַח וַיַּחֲנוּ בְּמִתְקָה׃

wajis'ú mittárach wajachanú bemitká

28 Und sie zogen aus Terach und machten Halt in Mitka.

Der Name Mitká stammt von derselben Wurzel, mem-taw-kuf, wie die Wörter Süßes, Süße, Zuneigung.


וַיִּסְעוּ מִמִּתְקָה וַיַּחֲנוּ בְּחַשְׁמֹנָה׃

wajis'ú mimmitká wajachanú bechaschmoná

29 Und sie zogen aus Mitka und machten Halt in Chaschmona.

Das Wort haschmaná, mit derselben Wurzel – das ist übermäßige Fülle, Fettleibigkeit, Überfluss.

וַיִּסְעוּ מֵחַשְׁמֹנָה וַיַּחֲנוּ בְּמֹסֵרוֹת׃

wajis'ú mechaschmoná wajachanú bemosserót

30 Und sie zogen aus Chaschmona und machten Halt in Mosserot.

Das Wort massór – das ist eine Säge, es kann auch ein Hobel sein, also das, womit man hobelt, glättet.

וַיִּסְעוּ מִמֹּסֵרוֹת וַיַּחֲנוּ בִּבְנֵי יַעֲקָן׃

wajis'ú mimmosserót wajachanú biwné ja'akán

31 Und sie zogen aus Mosserot und machten Halt in Bnej-Ja'akan.


וַיִּסְעוּ מִבְּנֵי יַעֲקָן וַיַּחֲנוּ בְּחֹר הַגִּדְגָּד׃

wajis'ú mibbené ja'akán wajachanú bechór haggidgád

32 Und sie zogen aus Bnej-Ja'akan und machten Halt in Chor-Hagidgad.


וַיִּסְעוּ מֵחֹר הַגִּדְגָּד וַיַּחֲנוּ בְּיָטְבָתָה׃

wajis'ú mechór haggidgád wajachanú bejotwáta

33 Und sie zogen aus Chor-Hagidgad und machten Halt in Jotwata.


וַיִּסְעוּ מִיָּטְבָתָה וַיַּחֲנוּ בְּעַבְרֹנָה׃

wajis'ú mijotwáta wajachanú be'awroná

34 Und sie zogen aus Jotwata und machten Halt in Awrona.

Awroná – ein Ort des Übergangs über irgendein kleines Hindernis (das Verb la'awór – hinübergehen, hindurchgehen), vielleicht ein Ort einer kleinen Selbstüberwindung,

וַיִּסְעוּ מֵעַבְרֹנָה וַיַּחֲנוּ בְּעֶצְיוֹן גָּבֶר׃

wajis'ú me'awroná wajachanú be'ez'jón gáwer

35 Und sie brachen auf aus Awrona und machten Halt in Ez'jon-Gewer.


וַיִּסְעוּ מֵעֶצְיוֹן גָּבֶר וַיַּחֲנוּ בְמִדְבַּר־צִן הִוא קָדֵשׁ׃

wajis'ú me'ez'jón gáwer wajachanú wemidbar-zin hi kadesch

36 Und sie zogen aus Ez'jon-Gewer und machten Halt in der Wüste Zin, das ist Kadesch.


וַיִּסְעוּ מִקָּדֵשׁ וַיַּחֲנוּ בְּהֹר הָהָר בִּקְצֵה אֶרֶץ אֱדוֹם׃

wajis'ú mikkadésch wajachanú behór hahár bikzé érez edóm

37 Und sie zogen aus Kadesch und machten Halt am Berg Hor, am Rand des edomitischen Landes.

In den Namen des Berges Hor (or – Licht) gehen dieselben Wurzelbuchstaben ein wie in das Wort Torá, das heißt, das ist ein Berg der Belehrung, ein Berg der Bildung.


וַיַּעַל אַהֲרֹן הַכֹּהֵן אֶל־הֹר הָהָר עַל־פִּי יְהוָה וַיָּמָת שָׁם בִּשְׁנַת הָאַרְבָּעִים לְצֵאת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם בַּחֹדֶשׁ הַחֲמִישִׁי בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ׃

wajá'al aharón hakkohén el-hór hahár al-pí adonáj wajámot scham bischnát ha'arba'ím lezét bene-jisraél me'érez mizrájim bachódesch hachamischí be'echád lachódesch

38 Und Aharon, der Kohen, stieg auf den Berg Hor nach dem Wort des HERRN und starb dort im vierzigsten Jahr nach dem Auszug der Söhne Israels aus dem Land Ägypten, im fünften Monat (dem Monat Aw), am ersten Tag des Monats.

וְאַהֲרֹן בֶּן־שָׁלֹשׁ וְעֶשְׂרִים וּמְאַת שָׁנָה בְּמֹתוֹ בְּהֹר הָהָר׃

we'aharón ben-schalósch we'esrím um'át schaná bemotó behór hahár

39 Und Aharon ist hundertdreiundzwanzig Jahre alt, als er auf dem Berg Hor starb.


וַיִּשְׁמַע הַכְּנַעֲנִי מֶלֶךְ עֲרָד וְהוּא־יֹשֵׁב בַּנֶּגֶב בְּאֶרֶץ כְּנָעַן בְּבֹא בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wajischmá hakkena'aní mélech arád wehu-joschéw bannégew be'érez kená'an bewó bené jisraél

40 Und es hörte der Kanaaniter, der König von Arad, er aber wohnt im Süden (oder in der Wüste Negew), im kanaanäischen Land, davon, dass die Söhne Israels zum Land Kanaan kommen (sich nähern).


וַיִּסְעוּ מֵהֹר הָהָר וַיַּחֲנוּ בְּצַלְמֹנָה׃

wajis'ú mehór hahar wajachanú bezalmoná

41 Und sie zogen vom Berg Hor aus, und sie machten Halt in Zalmona.

וַיִּסְעוּ מִצַּלְמֹנָה וַיַּחֲנוּ בְּפוּנֹן׃

wajis'ú mizzalmoná wajachanú befunón

42 Und sie zogen aus Zalmona aus und machten Halt in Punon.

וַיִּסְעוּ מִפּוּנֹן וַיַּחֲנוּ בְּאֹבֹת׃

wajis'ú mippunón wajachanú be'owót

43 Und sie zogen aus Punon aus und machten Halt in Owot.


וַיִּסְעוּ מֵאֹבֹת וַיַּחֲנוּ בְּעִיֵּי הָעֲבָרִים בִּגְבוּל מוֹאָב׃

wajis'ú me'owót wajachanú be'ijé ha'awarím bigwúl mo'áw

44 Und sie zogen aus Owot aus und lagerten in Ije-Ha'awarim, an der Grenze Moaws.


וַיִּסְעוּ מֵעִיִּים וַיַּחֲנוּ בְּדִיבֹן גָּד׃

wajis'ú me'ijím wajachanú bediwón gad

45 Und sie zogen aus Ijim aus, und sie machten Halt in Diwon-Gad.

Das ist der Ort, von dem wir in Kapitel 32, in Vers 34 gelesen haben: die Stadt Diwon, die dem Stamm Gad zufiel (jenem Stamm, der sich niederlassen wollte, ohne den Jordan zu überqueren) und die unter den übrigen Städten aufgezählt wurde. Der Stamm Gad benannte diese Städte anders, und so entstand Diwon-Gad.

וַיִּסְעוּ מִדִּיבֹן גָּד וַיַּחֲנוּ בְּעַלְמֹן דִּבְלָתָיְמָה׃

wajis'ú middiwón gad wajachanú be'almón diwlatájma

46 Und sie zogen aus Diwon-Gad aus und machten Halt in Almon-Diwlatajm.


וַיִּסְעוּ מֵעַלְמֹן דִּבְלָתָיְמָה וַיַּחֲנוּ בְּהָרֵי הָעֲבָרִים לִפְנֵי נְבוֹ׃

wajis'ú me'almón diwlatájma wajachanú beharé ha'awarím lifné newó

47 Und sie zogen aus Almon-Diwlatajm aus und machten Halt auf den Bergen Awarim, vor Newo.

Der Name Awarím stammt von derselben Wurzel, ajin-bet-resch, wie das Wort iwrí (hebräisch), vom Verb la'awór (hinübergehen oder zurücklassen in der Vergangenheit).


וַיִּסְעוּ מֵהָרֵי הָעֲבָרִים וַיַּחֲנוּ בְּעַרְבֹת מוֹאָב עַל יַרְדֵּן יְרֵחוֹ׃

wajis'ú meharé ha'awarím wajachanú be'arwót mo'áw al jardén jerechó

48 Und sie zogen von den Bergen Awarim aus und machten Halt in den Steppen Moaws, am Jordan, gegenüber Jericho (am gegenüberliegenden Ufer).

וַיַּחֲנוּ עַל־הַיַּרְדֵּן מִבֵּית הַיְשִׁמֹת עַד אָבֵל הַשִּׁטִּים בְּעַרְבֹת מוֹאָב׃

wajachanú al-hajardén mibbét hajschimót ad awél haschittím be'arwót mo'áw

49 Und sie lagerten am Jordan, von Bejt-Hajeschimot bis Awel-Haschitim, in den moawitischen Steppen.

Damit endet diese, die allerlängste Liste, die Aufzählung aller Lagerplätze, an denen die Söhne Israels auf dem Weg von Ägypten nach Kanaan Halt machten.


וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה בְּעַרְבֹת מוֹאָב עַל־יַרְדֵּן יְרֵחוֹ לֵאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché be'arwót mo'áw al-jardén jerechó lemór

50 Und der HERR redete mit Mosche in den moawitischen Steppen, am Jericho gegenüberliegenden Ufer, am Jordan, und sprach:

דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם כִּי אַתֶּם עֹבְרִים אֶת־הַיַּרְדֵּן אֶל־אֶרֶץ כְּנָעַן׃

dabbér el-bené jisraél we'amartá alehém ki attém owerím et-hajardén el-érez kená'an

51 „Rede mit den Söhnen Israels und sage ihnen: Seht, ihr werdet jetzt den Jordan überschreiten in das Land Kanaan,


וְהוֹרַשְׁתֶּם אֶת־כָּל־יֹשְׁבֵי הָאָרֶץ מִפְּנֵיכֶם וְאִבַּדְתֶּם אֵת כָּל־מַשְׂכִּיֹּתָם וְאֵת כָּל־צַלְמֵי מַסֵּכֹתָם תְּאַבֵּדוּ וְאֵת כָּל־בָּמֹתָם תַּשְׁמִידוּ׃

wehoraschtém et-kol-joschewé ha'árez mippenechém we'ibbadtém et kol-maskijotám we'ét kol-zalmé massechotám te'abbédu we'ét kol-bamotám taschmídu

52 Und vertreibt alle Bewohner jenes Landes vor eurem Angesicht, und vernichtet alle Abbilder ihrer Götzen, und alle gegossenen Götzen vernichtet, und alle ihre Höhen vernichtet.


וְהוֹרַשְׁתֶּם אֶת־הָאָרֶץ וִישַׁבְתֶּם־בָּהּ כִּי לָכֶם נָתַתִּי אֶת־הָאָרֶץ לָרֶשֶׁת אֹתָהּ׃

wehoraschtém et-ha'árez wischawtem-bá ki lachém natátti et-ha'árez laréschet otá

53 Und ihr werdet dieses Land erben und in ihm wohnen, denn euch habe Ich dieses Land gegeben, um es zu erben.


וְהִתְנַחַלְתֶּם אֶת־הָאָרֶץ בְּגוֹרָל לְמִשְׁפְּחֹתֵיכֶם לָרַב תַּרְבּוּ אֶת־נַחֲלָתוֹ וְלַמְעַט תַּמְעִיט אֶת־נַחֲלָתוֹ אֶל אֲשֶׁר־יֵצֵא לוֹ שָׁמָּה הַגּוֹרָל לוֹ יִהְיֶה לְמַטּוֹת אֲבֹתֵיכֶם תִּתְנֶחָלוּ׃

wehitnachaltém et-ha'árez begorál lemischpechotechém laráw tarbú et-nachalató welam'át tam'ít et-nachalató el ascher-jéze lo schámma haggorál lo jihjé lemattót awotechém titnechálu

54 Und verteilt das Erbe des Landes durch das Los nach euren Familien; einer großen Familie gebt ein großes Erbe, und einer kleineren Familie gebt auch ein kleineres Erbe; wohin jemandem das Los fällt, dort siedelt ihn auch an, nach den Stämmen der Väter teilt es auf.

וְאִם־לֹא תוֹרִישׁוּ אֶת־יֹשְׁבֵי הָאָרֶץ מִפְּנֵיכֶם וְהָיָה אֲשֶׁר תּוֹתִירוּ מֵהֶם לְשִׂכִּים בְּעֵינֵיכֶם וְלִצְנִינִם בְּצִדֵּיכֶם וְצָרֲרוּ אֶתְכֶם עַל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם יֹשְׁבִים בָּהּ׃

we'im-ló toríschu et-joschewé ha'árez mippenechém wehajá aschér totíru mehém lessikkím be'enechém welizniním beziddechém wezarerú etchém al-ha'árez aschér attém joschewím ba

55 Wenn ihr aber die Bewohner jenes Landes nicht vor eurem Angesicht vertreibt, dann werden die, die ihr von ihnen übrig lasst, Dornen in euren Augen sein, und sie werden Stacheln sein, die sich in eure Seiten bohren, und sie werden euch Unheil bringen (euch bedrängen) in dem Land, in dem ihr wohnt.

וְהָיָה כַּאֲשֶׁר דִּמִּיתִי לַעֲשׂוֹת לָהֶם אֶעֱשֶׂה לָכֶם׃

wehajá ka'aschér dimmíti la'assót lahém e'essé lachém

56 Und es wird sein: Wie Ich ihnen zu tun gedachte, werde Ich euch tun.“

Letzten Endes: Wenn ihr Mitleid habt, wenn ihr die Bewohner jenes Landes übrig lasst, werde Ich mit euch tun, was Ich mit ihnen zu tun geplant hatte, und es kann so kommen, dass auch ihr aus diesem Land vertrieben werdet.

Grenzen und Anführer

Bemidbar 34,1–22

Mit Gottes Hilfe setzen wir das Studium des Wochenabschnitts Masse fort und werden Kapitel 34 des Buches Bemidbar lesen. Man kann sagen, dass das ein Landkarten-Kapitel ist. Wie beschreibt man eine Landkarte mit Worten, besonders eine Karte jener Orte, an denen du noch nie gewesen bist? Lasst uns lesen.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

1 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:

צַו אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם כִּי־אַתֶּם בָּאִים אֶל־הָאָרֶץ כְּנָעַן זֹאת הָאָרֶץ אֲשֶׁר תִּפֹּל לָכֶם בְּנַחֲלָה אֶרֶץ כְּנַעַן לִגְבֻלֹתֶיהָ׃

zaw et-bené jisraél we'amartá alehém ki-attém ba'ím el-ha'árez kená'an sot ha'árez aschér tippól lachém benachalá érez kená'an ligwulotéha

2 „Gebiete den Söhnen Israels und sage ihnen: Wenn ihr in das Land Kanaan kommt, dann ist dies das Land, das euch als Erbe zufällt, das Land Kanaan mit seinen Grenzen.

Es gibt Grenzen nach der Verheißung, das, was der Höchste Awraham, Jizchak, Jaakow versprochen hat. Vorerst wird das Volk Israel noch nicht gewürdigt, dieses Land als Erbe zu empfangen, vorerst erhält das Volk Israel das Land Kanaan als den allerersten Anfang jener Orte, an denen sich die Stämme ansiedeln werden, womit die Etappen des großen Weges beginnen werden. Es ist sehr schwer, Landkarten zu zeichnen, noch schwerer ist es, die Karte eines Landes zu beschreiben, in dem Mosche nie gewesen war und der selbst in Ägypten geboren wurde. Und jetzt muss er dem Volk die Grenzen des Landes umreißen. Viele der Namen, die hier erwähnt werden, kennen wir nur ungefähr, annähernd. Wir wissen nicht alles genau, und deshalb gibt es sehr viele Streitigkeiten in Bezug auf die Grenzen, die hier beschrieben werden. Außerdem gibt es hier sehr viele Ortschaften mit ähnlichen Namen, und wenn wir zum Beispiel den Namen Arar lesen, dann sagt der eine, dass dieses Arar ungefähr am Ufer des Kinneret liegt; ein anderer sagt: Nein, das ist jenes Arar, das in Wirklichkeit in der Türkei liegt, und jemand glaubt hier sogar Urartu und Armenien zu sehen. Jeder deutet die geografischen Namen nach dem Flug seiner Gedanken. So etwas begegnet oft bei der Auslegung von Stellen des Tanach, die die Beschreibung von Grenzen betreffen. Einmal fragte der von allen ungeliebte Jassir Arafat bei einer Rede vor der UNO: „Wisst ihr, warum Israel zwei blaue Streifen auf der Flagge hat?“ Nun, wir wissen ja, warum: Die Flagge erinnert an einen Tallit, und ein Tallit hat zwei blaue Streifen, das ist bei vielen Tallitot so üblich. Aber Arafat gab eine andere Deutung: „Die Juden wollen imperiale Besitzungen vom Meer bis zum Meer haben, und genau das spiegelt sich auf ihrer Flagge wider.“ Jeder versteht es so, wie er will und sieht. Also, die Südgrenze.

וְהָיָה לָכֶם פְּאַת־נֶגֶב מִמִּדְבַּר־צִן עַל־יְדֵי אֱדוֹם וְהָיָה לָכֶם גְּבוּל נֶגֶב מִקְצֵה יָם־הַמֶּלַח קֵדְמָה׃

wehajá lachém pe'at-négew mimmidbar-zín al-jedé edóm wehajá lachém gewúl négew mikzé jam-hammélach kédma

3 Und ihr werdet eine Südseite haben von der Wüste Zin an, die bei den edomitischen Gebieten liegt, und ihr werdet eine Südgrenze haben vom Rand des Toten (Salzigen) Meeres nach Osten.


וְנָסַב לָכֶם הַגְּבוּל מִנֶּגֶב לְמַעֲלֵה עַקְרַבִּים וְעָבַר צִנָה וְהָיָה (וְהָיוּ) תּוֹצְאֹתָיו מִנֶּגֶב לְקָדֵשׁ בַּרְנֵעַ וְיָצָא חֲצַר־אַדָּר וְעָבַר עַצְמֹנָה׃

wenassáw lachém haggewúl minnégew lema'alé akrabbím we'áwar zína wehajú toze'otáw minnégew lekadésch barnéja wejazá chazar-addár we'awár azmóna

4 Und die Grenze wird sich bei euch vom Süden (oder Negew) bis Ma'ale-Akrabim wenden und nach Zin hinübergehen, und sie wird südlich von Kadesch-Barnea verlaufen, und sie wird nach Chazar-Adar hinausgehen und nach Azmon weiterziehen.

Das ist die Südgrenze. Hier können wir sehen, dass uns fast alle Namen der Städte bekannt sind.

וְנָסַב הַגְּבוּל מֵעַצְמוֹן נַחְלָה מִצְרָיִם וְהָיוּ תוֹצְאֹתָיו הַיָּמָּה׃

wenassáw haggewúl me'azmón náchla mizrájim wehajú toze'otáw hajámma

5 Und die Grenze wird sich von Azmon zum ägyptischen Bach wenden, und ihr Ausgang wird zum Meer hin sein.

וּגְבוּל יָם וְהָיָה לָכֶם הַיָּם הַגָּדוֹל וּגְבוּל זֶה־יִהְיֶה לָכֶם גְּבוּל יָם׃

ugwúl jam wehajá lachém hajám haggadól ugwúl se-jihjé lachém gewúl jam

6 Und als Westgrenze werdet ihr das Große Meer haben, als Westgrenze wird euch das Große Meer sein.

Einfacher ist es natürlich, die Grenze am Meer zu messen. Das Große Meer ist das Mittelmeer (hajam haggadol).

וְזֶה־יִהְיֶה לָכֶם גְּבוּל צָפוֹן מִן־הַיָּם הַגָּדֹל תְּתָאוּ לָכֶם הֹר הָהָר׃

wese-jihjé lachém gewúl zafón min-hajám haggadól tetaú lachém hor hahár

7 Und dies wird euch die Nordgrenze sein: Markiert sie vom Großen Meer bis zum Berg Hor (Berg des Lichts oder des Leuchtens).

Das heißt, wir bewegen uns einfach vom Ufer des Meeres zum Berg Hor, auf dem, wie wir wissen, Aharon gestorben ist.

מֵהֹר הָהָר תְּתָאוּ לְבֹא חֲמָת וְהָיוּ תּוֹצְאֹת הַגְּבֻל צְדָדָה׃

mehór hahár tetaú lewó chamát wehajú toze'ót haggewúl zedáda

8 Und vom Berg Hor markiert sie auf dem Weg nach Chamat, und der Ausgang der Grenze wird nach Zedad hin sein.

וְיָצָא הַגְּבֻל זִפְרֹנָה וְהָיוּ תוֹצְאֹתָיו חֲצַר עֵינָן זֶה־יִהְיֶה לָכֶם גְּבוּל צָפוֹן׃

wejazá haggewúl sifróna wehajú toze'otáw chazár enán se-jihjé lachém gewúl zafón

9 Und die Grenze wird nach Sifron gehen, und ihr Ausgang wird nach Chazar-Ejnan hin sein. Das wird bei euch die Nordgrenze sein.

וְהִתְאַוִּיתֶם לָכֶם לִגְבוּל קֵדְמָה מֵחֲצַר עֵינָן שְׁפָמָה׃

wehit'awwitém lachém ligwúl kédma mechazár enán schefáma

10 Und markiert euch die Ostgrenze von Chazar-Ejnan bis Schfam.

וְיָרַד הַגְּבֻל מִשְּׁפָם הָרִבְלָה מִקֶּדֶם לָעָיִן וְיָרַד הַגְּבוּל וּמָחָה עַל־כֶּתֶף יָם־כִּנֶּרֶת קֵדְמָה׃

wejarád haggewúl mischefám hariwlá mikkédem la'ájin wejarád haggewúl umachá al-kétef jam-kinnéret kédma

11 Und die Grenze wird von Schfam nach Riwla hinabsteigen, östlich von Ajin, und die Grenze wird hinabsteigen und die Küste des Meeres Kinneret von Osten berühren.

וְיָרַד הַגְּבוּל הַיַּרְדֵּנָה וְהָיוּ תוֹצְאֹתָיו יָם הַמֶּלַח זֹאת תִּהְיֶה לָכֶם הָאָרֶץ לִגְבֻלֹתֶיהָ סָבִיב׃

wejarád haggewúl hajardéna wehajú toze'otáw jam hammélach sot tihjé lachém ha'árez ligwulotéha sawíw

12 Und die Grenze wird zum Jordan hinabsteigen, und ihr Ausgang wird zum Toten Meer hin sein. Das wird euer Land sein nach seinen Grenzen, von allen Seiten.“

Das sind die Grenzen, die Mosche gibt. Die Grenzen entsprechen im Grunde nicht den Verheißungen, wie ich schon gesagt habe, die den Erzvätern gegeben wurden. Die Grenzen sind dazu gegeben, damit sich das Volk an diesem Ort unterbringen konnte, man muss mit etwas anfangen. Der Höchste hat schon erklärt, hat davon gesprochen, dass das Land allmählich gegeben werden wird. Wenn man dem Volk im Voraus ein zu großes Land gibt, dann bleiben viele Gebiete unkontrolliert, und wilde Tiere werden beginnen, in sie einzudringen. Im Allgemeinen werden die Grenzen in dem Maß gegeben, wie der Mensch das Land erschließt. Das betrifft eigentlich nicht nur die Grenzen des Landes Israel, das betrifft überhaupt alles in unserem Leben. Manche Verheißungen, manche Gaben, die wir haben, offenbaren sich allmählich, mit einer bestimmten Geschwindigkeit. Mit der Geschwindigkeit, mit der wir uns auf der Stufe einleben können, die wir erreicht haben.

Ich möchte auf ein sehr wichtiges Detail hinweisen. Hier verwendet der Höchste bei der Beschreibung der Grenzen die Verben: und sie wird hinaufsteigen, und sie wird verlaufen, und sie wird hinübergehen, und sie wird umkehren, und sie wird hinabsteigen, und sie wird berühren, als ob der, der diese Grenze zeichnet, einen gewissen Tanz tanzt, die Grenze ist gleichsam in Bewegung. Und das Volk Israel, das sich gemeinsam mit dem Schöpfer bewegt, formt auf diese Weise die Grenzen seines Landes. Ebenso muss auch der einzelne Mensch seine Grenzen formen, bei denen es ebenfalls sehr wichtig ist, sie erweitern, behüten und nicht antasten lassen zu können.

וַיְצַו מֹשֶׁה אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר זֹאת הָאָרֶץ אֲשֶׁר תִּתְנַחֲלוּ אֹתָהּ בְּגוֹרָל אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה לָתֵת לְתִשְׁעַת הַמַּטּוֹת וַחֲצִי הַמַּטֶּה׃

wajzáw mosché et-bené jisraél lemór sot ha'árez aschér titnachalú otá begorál aschér ziwwá adonáj latét letisch'át hammattót wachazí hammatté

13 Und Mosche gebot den Söhnen Israels und sprach: „Dies ist das Land, das ihr als Erbteil erhalten werdet (besiedeln werdet) durch das Los und das der HERR für neuneinhalb Stämme aufzuteilen versprochen hat.

Interessant ist, wie der Höchste hier spricht. Zuerst legt Er praktisch die Grenzen fest, und dann sagt Er, dass die Grenzen durch das Los aufgeteilt werden. Das heißt, es wird auf zwei Ebenen geschehen: Innerhalb der gemeinsamen Grenzen werden durch das Los die Grenzen für jeden Stamm bekanntgegeben, wir haben darüber ausführlich in Kapitel 26 gesprochen.

כִּי לָקְחוּ מַטֵּה בְנֵי הָראוּבֵנִי לְבֵית אֲבֹתָם וּמַטֵּה בְנֵי־הַגָּדִי לְבֵית אֲבֹתָם וַחֲצִי מַטֵּה מְנַשֶּׁה לָקְחוּ נַחֲלָתָם׃

ki lakechú matté wené haruwení lewét awotám umatté wene-haggadí lewét awotám wachazí matté menasché lakechú nachalatám

14 Denn die Söhne des Stammes Re'uwen nach dem Haus ihres Vaters und die Söhne des Stammes Gad nach dem Haus ihres Vaters und der halbe Stamm Menasche haben ihr Erbe schon erhalten.

שְׁנֵי הַמַּטּוֹת וַחֲצִי הַמַּטֶּה לָקְחוּ נַחֲלָתָם מֵעֵבֶר לְיַרְדֵּן יְרֵחוֹ קֵדְמָה מִזְרָחָה׃

schené hammattót wachazí hammatté lakechú nachalatám me'éwer lejardén jerechó kédma misrácha

15 Zwei Lager und ein halbes Lager haben ihr Erbteil jenseits des Jordan genommen, westlich und östlich von Jericho.“

Hier endet das Thema der Grenzen, und weiter wird von den Anführern des Volkes die Rede sein, die den Söhnen Israels die Erbteile im Land bestimmen werden.

 וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

16 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:

אֵלֶּה שְׁמוֹת הָאֲנָשִׁים אֲשֶׁר־יִנְחֲלוּ לָכֶם אֶת־הָאָרֶץ אֶלְעָזָר הַכֹּהֵן וִיהוֹשֻׁעַ בִּן־נוּן׃

élle schemót ha'anaschím ascher-jinchalú lachém et-ha'árez el'asár hakkohén wihoschúa bin-nún

17 „Dies sind die Namen der Menschen, die euch zum Erben des Landes führen werden (euch die Anteile bestimmen werden): Elieser der Kohen und Jehoschua ben Nun.

וְנָשִׂיא אֶחָד נָשִׂיא אֶחָד מִמַּטֶּה תִּקְחוּ לִנְחֹל אֶת־הָאָרֶץ׃

wenassí echád nassí echád mimmatté tikchú linchól et-ha'árez

18 Und nehmt je ein Oberhaupt vom Stamm, um das Land zu erben (aufzuteilen).

וְאֵלֶּה שְׁמוֹת הָאֲנָשִׁים לְמַטֵּה יְהוּדָה כָּלֵב בֶּן־יְפֻנֶּה׃

we'élle schemót ha'anaschím lematté jehudá kaléw ben-jefunné

19 Dies sind die Namen der Menschen: vom Stamm Jehuda – Kalew ben Jefunne.

וּלְמַטֵּה בְּנֵי שִׁמְעוֹן שְׁמוּאֵל בֶּן־עַמִּיהוּד׃

ulmatté bené schim'ón schemu'él ben-ammihúd

20 Vom Stamm Schimon – Schmu'el ben Ammihud.

Wenn jemand die Namen verfolgt, dann kann man sehen, dass sich manche Namen wiederholen und es bestimmte Tendenzen bei den Namen gibt. Mit dem Namen Kalew ist es klar, Kalew ist so ein ungewöhnlicher Name, der Hund bedeutet. Schmu'el (ein Name, dem wir später beim Sohn Chanas, beim Propheten, begegnen werden) – der, den Gott gelegt hat, von Gott hineingelegt. Ammihud – das ist Volk, geliebt vom Höchsten.

לְמַטֵּה בִנְיָמִן אֱלִידָד בֶּן־כִּסְלוֹן׃

lematté winjamín elidád ben-kislón

21 Vom Lager Binjamins – Elidad ben Kislon.

Elidad – mein Gott ist zärtlich, mein Gott hätschelt mich. Der Name Kislon bedeutet Einfältiger, ein Mensch, der in Einfachheit lebt.

וּלְמַטֵּה בְנֵי־דָן נָשִׂיא בֻּקִּי בֶּן־יָגְלִי׃

ulmatté wene-dán nassí bukkí ben-joglí

22 Vom Lager Dans – Bukki ben Jogli.

Bukki – Schlaukopf, Jogli – das ist der, der Entdeckungen macht, ein wissbegieriger Mensch, der gräbt, bis auf den Grund gräbt und Entdeckungen macht.

לִבְנֵי יוֹסֵף לְמַטֵּה בְנֵי־מְנַשֶּׁה נָשִׂיא חַנִּיאֵל בֶּן־אֵפֹד׃

liwné josséf lematté wene-menasché nassí channi'él ben-efód

23 Vom Lager Josefs, vom Lager Menasches – der Anführer Channi'el ben Efod.

Channi'el – hab Erbarmen mit mir, HERR. Der Name Efod ist, was interessant ist, der Brustschild des Kohen, das heißt, der Name bezeichnet etwas, das den Menschen schützt (mit demselben Wort wird im modernen Hebräisch die schusssichere Weste bezeichnet).

וּלְמַטֵּה בְנֵי־אֶפְרַיִם נָשִׂיא קְמוּאֵל בֶּן־שִׁפְטָן׃

ulmatté wene-efrájim nassí kemu'él ben-schiftán

24 Vom Lager Efrajims – Kmu'el ben Schiftan.

Kmu'el – das ist der, den Gott erhebt. Der Name seines Vaters Schiftan – der, der gerecht zu urteilen versteht, ein besonnener Mensch, ein Mensch, der aus irgendwelchen Fakten einen Schluss zu ziehen, neue Information zu geben versteht.

וּלְמַטֵּה בְנֵי־זְבוּלֻן נָשִׂיא אֱלִיצָפָן בֶּן־פַּרְנָךְ׃

ulmatté wene-sewulún nassí elizafán ben-parnách

25 Und vom Stamm Sewuluns – Elizafan ben Parnach.

Elizafan – mein Gott hat verborgen, mein Gott verbirgt mich, lässt meine Absichten nicht erraten oder lenkt mich. Der Name seines Vaters, Parnach, bezeichnet den, der für Kinder sorgt, man kann sagen Fürsorger.

וּלְמַטֵּה בְנֵי־יִשָׂשכָר נָשִׂיא פַּלְטִיאֵל בֶּן־עַזָּן׃

ulmatté wene-jissachár nassí palti'él ben-assán

26 Bei den Söhnen Jissachars – Palti'el ben Asan.

Palti'el – das ist der, der in Gott Zuflucht findet, ein Flüchtling, der zu Gott flieht. Der Name Asan – das ist der, der auf den Ruf antwortet, der, der Kühnheit zeigen kann, gesellschaftliche Grundfesten brechen, um Gerechtigkeit zu erlangen.

וּלְמַטֵּה בְנֵי־אָשֵׁר נָשִׂיא אֲחִיהוּד בֶּן־שְׁלֹמִי׃

ulmatté wene-aschér nassí achihud ben-schelomí

27 Und vom Stamm Aschers – Achihud ben Schlomi.

Achihud – das ist ein Name, ähnlich dem Namen Ammihud, den wir oben erwähnt haben, er bedeutet mein Bruder – ein Liebling Gottes, wobei mein Bruder – jeder Israelit sein kann. Schlomi – vollständig oder der, der für alles die Vergeltung trägt.

 וּלְמַטֵּה בְנֵי־נַפְתָּלִי נָשִׂיא פְּדַהְאֵל בֶּן־עַמִּיהוּד׃

ulmatté wene-naftalí nassí pedah'él ben-ammihúd

28 Und vom Lager Naftalis – Pdah'el ben Ammihud.“

Der Name Pdah'el bedeutet vom HERRN erlöst.

Das also sind solche Namen, die widerspiegeln, was das Volk atmet, wovon es lebt, jene Träume, Wünsche, die das Volk in die Namen legt.

אֵלֶּה אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה לְנַחֵל אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּאֶרֶץ כְּנָעַן׃

élle aschér ziwwá adonáj lenachél et-bene-jisraél be'érez kená'an

29 Das also sind die, denen der HERR gebot, den Söhnen Israels im Land Kanaan die Erbteile zu bestimmen.“

Die Gesandtschaft Gottes

Bemidbar 35,1–34

Mit Gottes Hilfe setzen wir mit euch das Studium des Wochenabschnitts Masse fort und werden Kapitel 35 des Buches Bemidbar lesen.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה בְּעַרְבֹת מוֹאָב עַל־יַרְדֵּן יְרֵחוֹ לֵאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché be'arwót mo'áw al-jardén jerechó lemór

1 Und der HERR redete mit Mosche in den Steppen Moaws, am Ufer des Jordan, gegenüber Jericho, und sprach:

צַו אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְנָתְנוּ לַלְוִיִּם מִנַּחֲלַת אֲחֻזָּתָם עָרִים לָשָׁבֶת וּמִגְרָשׁ לֶעָרִים סְבִיבֹתֵיהֶם תִּתְּנוּ לַלְוִיִּם׃

zaw et-bené jisraél wenatenú lalwijím minnachalát achusatám arím lascháwet umigrásch le'arím sewiwotehém tittenú lalwijím

2 „Gebiete den Söhnen Israels, und sie sollen den Leviten von ihren Erbteilen Städte zum Leben geben, und auch die Grundstücke rings um die Städte gebt den Leviten.

Wie wir wissen, hat der Stamm Lewi kein Erbteil in Israel erhalten. Der Höchste hat darüber in Vers 23 von Kapitel 18 unseres Buches gesprochen und wird es in den Versen 1–2 von Kapitel 18 des Buches Dewarim wiederholen: „Die Kohanim, die Leviten, der ganze Stamm Lewi sollen keinen Teil und kein Erbteil mit Israel haben; von den Feueropfern für den HERRN und von Seinem Erbteil sollen sie sich ernähren. Ein Erbteil aber soll er nicht haben unter seinen Brüdern; der HERR ist sein Erbteil, wie Er zu ihm geredet hat.“

Darin liegt auch die Erfüllung der Prophezeiung Jaakows für Lewi (Bereschit 49,7): „… ich werde sie in Israel zerstreuen.“ Die Leviten werden zerstreut, und jeder der Stämme Israels erhält hier die Weisung, einige Städte für die Leviten auszusondern. Da der Höchste gesagt hat, dass Er ihr Erbteil sein wird, können wir sehen (und das ist nicht bloß Symbolik, darin liegt ein tiefer Sinn), dass die Städte der Leviten Gesandtschaften des Höchsten auf der Erde sind. Sie sind in gewisser Weise exterritorial, so ein besonderes Gebiet in Erez Israel. Und das ist für uns wichtig, um zu verstehen, wovon unser Kapitel im Weiteren sprechen wird.

וְהָיוּ הֶעָרִים לָהֶם לָשָׁבֶת וּמִגְרְשֵׁיהֶם יִהְיוּ לִבְהֶמְתָּם וְלִרְכֻשָׁם וּלְכֹל חַיָּתָם׃

wehajú he'arím lahém lascháwet umigreschehem jihjú liwhemtám welirchuschám ulchól chajatám

3 Und die Städte sollen ihnen zum Leben sein, und die Grundstücke (Ländereien) sollen für ihr Vieh sein und für ihren Besitz und für alles, was für ihr Leben notwendig ist.

Die Grundstücke wird man wie beliebige landwirtschaftliche Ländereien nutzen können. In jenen Zeiten war es üblich, dass die meisten Stadtbewohner irgendwelche Grundstücke in der Nähe hatten. In der Megillat Rut lesen wir, dass Bo'as in der Stadt wohnt, seine Erbteile sich aber rings um die Stadt befinden, und er jeden Abend von seinen Grundstücken nach Hause zurückkehrt. Genau dieselbe Weisung wird in Bezug auf die Leviten gegeben. Obwohl die Städte der Leviten gleichsam Gesandtschaften Gottes sind, leben die Leviten selbst, da sie aus Fleisch und Blut sind, ein Leben von Fleisch und Blut in diesen göttlichen Städten.

וּמִגְרְשֵׁי הֶעָרִים אֲשֶׁר תִּתְּנוּ לַלְוִיִּם מִקִּיר הָעִיר וָחוּצָה אֶלֶף אַמָּה סָבִיב׃

umigresché he'arím aschér tittenú lalwijím mikkír ha'ír wachúza élef ammá sawíw

4 Und die Ländereien der Städte, die ihr den Leviten geben werdet, von der Mauer der Stadt nach außen, – tausend Ellen ringsum.

Um jede Stadt herum, entlang ihres Umfangs, gibt es irgendein Grundstück, irgendein Gebiet von tausend Ellen Breite.

וּמַדֹּתֶם מִחוּץ לָעִיר אֶת־פְּאַת־קֵדְמָה אַלְפַּיִם בָּאַמָּה וְאֶת־פְּאַת־נֶגֶב אַלְפַּיִם בָּאַמָּה וְאֶת־פְּאַת־יָם אַלְפַּיִם בָּאַמָּה וְאֵת פְּאַת צָפוֹן אַלְפַּיִם בָּאַמָּה וְהָעִיר בַּתָּוֶךְ זֶה יִהְיֶה לָהֶם מִגְרְשֵׁי הֶעָרִים׃

umaddotém michúz la'ír et-pe'at-kédma alpájim ba'ammá wé'et-pe'at-négew alpájim ba'ammá we'et-pe'at-jám alpájim ba'ammá we'ét pe'át zafón alpájim ba'ammá weha'ír battáwech se jihjé lahém migresché he'arím

5 Und messt vom Rand der Stadt ab: vom östlichen Rand zweitausend Ellen, vom südlichen Rand zweitausend Ellen, und vom westlichen Rand zweitausend Ellen, und vom nördlichen Rand zweitausend Ellen, und innerhalb davon die Stadt. Das sollen die Grundstücke der Städte sein.

Wie soll man das alles verstehen? Die einen Kommentatoren sagen: Um die Stadt herum gab es eine grüne Parkzone von tausend Ellen (fünfhundert Metern) Breite, dort durfte man keine Landwirtschaft betreiben, das alles war rein zur Schönheit da. Und hinter der Parkzone gab es noch einen Platz von zweitausend Ellen (tausend Metern) Breite entlang des Umfangs für landwirtschaftliche Ländereien. Es gibt auch ein anderes Verständnis: Die Stadt selbst hatte eine Größe von tausend mal tausend Ellen (fünfhundert mal fünfhundert Metern), und von ihren Mauern nach außen wurde entlang des Umfangs ein Grundstück von zweitausend Ellen Breite abgemessen.

וְאֵת הֶעָרִים אֲשֶׁר תִּתְּנוּ לַלְוִיִּם אֵת שֵׁשׁ־עָרֵי הַמִּקְלָט אֲשֶׁר תִּתְּנוּ לָנֻס שָׁמָּה הָרֹצֵחַ וַעֲלֵיהֶם תִּתְּנוּ אַרְבָּעִים וּשְׁתַּיִם עִיר׃

we'ét he'arím aschér tittenú lalwijím et schesch-aré hammiklát aschér tittenú lanús schámma harozéach wa'alehém tittenú arba'ím uschtájim ir

6 Und die Städte, die ihr den Leviten geben werdet: sechs Zufluchtsstädte, wohin ihr den Mörder fliehen lassen werdet, und zu ihnen sollt ihr zweiundvierzig Städte hinzufügen.

כָּל־הֶעָרִים אֲשֶׁר תִּתְּנוּ לַלְוִיִּם אַרְבָּעִים וּשְׁמֹנֶה עִיר אֶתְהֶן וְאֶת־מִגְרְשֵׁיהֶן׃

kol-he'arím aschér tittenú lalwijím arba'ím uschmoné ir ethén we'et-migreschehén

7 Alle Städte, die ihr den Leviten geben werdet, – achtundvierzig Städte, sie und ihre Grundstücke.

וְהֶעָרִים אֲשֶׁר תִּתְּנוּ מֵאֲחֻזַּת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵאֵת הָרַב תַּרְבּוּ וּמֵאֵת הַמְעַט תַּמְעִיטוּ אִישׁ כְּפִי נַחֲלָתוֹ אֲשֶׁר יִנְחָלוּ יִתֵּן מֵעָרָיו לַלְוִיִּם׃

wehe'arím aschér tittenú me'achussát bene-jisraél me'ét haráw tarbú ume'ét ham'át tam'ítu isch kefí nachalató aschér jinchálu jittén me'aráw lalwijím

8 Und wenn ihr diese Städte von den Erbteilen der Söhne Israels gebt, von dem Stamm, der viel Land hat, gebt viele Städte, und von dem Stamm, der wenig Land hat, weniger Städte: jeder nach der Größe seines Erbteils, das er erben wird, von seinen Städten sondert den Leviten Städte ab“.

Wir müssen den zum ersten Mal begegnenden Begriff aré hamiklát (Zufluchtsstädte) verstehen. Was sind das für Städte, warum muss der Totschläger dorthin fliehen und warum unterstehen diese Städte den Leviten?

Im Buch Schemot (21,12–13) lesen wir die Worte des Höchsten: „Wer einen Menschen so schlägt, dass er stirbt, der soll dem Tod übergeben werden. Wer aber nicht töten wollte, sondern Gott hat es ihm unter die Hand gegeben, für den habe Ich dir einen Ort vorgesehen, wohin er fliehen kann.“ Das ist ein sehr seltsamer Satz, gesagt vom Höchsten Selbst: wenn er es nicht vorhatte, sondern Gott es ihm unter die Hand geführt hat. Aber das ist genau das, was ein Mensch verstehen kann: Gott hat es zugelassen, dass der Mensch das tut, das war keine Äußerung des göttlichen Willens, das ist eine Zulassung Gottes. Andererseits sagt der Höchste: „Ich werde einen Ort bestimmen, wohin er fliehen kann.“ Das ist nun schon eine direkte Äußerung Seines Willens, damit ein Mensch, der aus Unvorsichtigkeit oder durch irgendeinen Zufall getötet hat, einen Ort der Zuflucht hat. Aus Kapitel 21 des Buches Schemot können wir sehen, dass das Lager der Leviten (und so sagen es die Kommentatoren), für die Gott Selbst das Erbteil ist, immer eine Zuflucht für einen Menschen war, der aus Unvorsichtigkeit getötet hat. Einen vorsätzlichen Mörder schützen die Leviten nicht, auch das lesen wir in Kapitel 21 des Buches Schemot, in Vers 14: „Wenn aber jemand seinen Nächsten in böser Absicht arglistig umbringt, so nimm ihn von Meinem Altar weg zum Tod.“ Warum legt der Höchste ausdrücklich fest, dass man ihn vom Altar wegnehmen darf? Weil auch der Ort des Altars exterritorial ist: Das ist der Ort der Begegnung des Irdischen und des Himmlischen. Ein Mensch, der aus böser Absicht einen Mord begangen hat, kann denken, dass man zum Altar fliehen kann, unter den Schutz Gottes, unter den Schutz des Stammes Lewi. Aber einen solchen Mörder darf man sogar vom Altar weg zum Tod nehmen.

Also, die Leviten schützen den Menschen, der aus Unvorsichtigkeit getötet hat, sie gewähren ihm eine levitische Zufluchtsstadt. Die Leviten müssen als Erzieher und Lehrer im Volk Israel diesen Menschen umerziehen, so nach Meinung einiger Kommentatoren. Aber längst nicht immer braucht ein Mensch, der aus Unvorsichtigkeit getötet hat, tatsächlich eine Umerziehung. Das kann ein durchaus frommer, gerechter Mensch sein, der zum Beispiel Auto fährt, und unerwartet ist ihm jemand vors Auto gesprungen, oder es ist irgendeine andere unvorhergesehene Situation eingetreten, in der sich in keiner Weise Ungerechtigkeit gezeigt hat, in keiner Weise eine Sünde begangen wurde.

Warum muss ein solcher Mensch dann trotzdem fliehen? Wir werden versuchen, das im Laufe der Lektüre zu verstehen. Ab Vers 9 beginnt der Höchste, Mosche die Gesetze über die Zufluchtsstädte zu erklären.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabér adonáj el-mosché lemór

9 Und Gott redete, sich an Mosche wendend, so:

דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם כִּי אַתֶּם עֹבְרִים אֶת־הַיַּרְדֵּן אַרְצָה כְּנָעַן׃

dabbér el-bené jisraél we'amartá alehém ki attém owerím et-hajardén árza kená'an

10 „Rede zu den Söhnen Israels und sage ihnen: Wenn ihr den Jordan überschreitet in das Land Kanaan,

וְהִקְרִיתֶם לָכֶם עָרִים עָרֵי מִקְלָט תִּהְיֶינָה לָכֶם וְנָס שָׁמָּה רֹצֵחַ מַכֵּה־נֶפֶשׁ בִּשְׁגָגָה׃

wehikritém lachém arím aré miklát tihjéna lachém wenás schámma rozéach makke-néfesch bischgagá

11 Bestimmt euch Städte, Zufluchtsstädte sollen sie bei euch sein, und dorthin soll der Totschläger fliehen, der aus Versehen (aus Unvorsichtigkeit) getötet hat.

וְהָיוּ לָכֶם הֶעָרִים לְמִקְלָט מִגֹּאֵל וְלֹא יָמוּת הָרֹצֵחַ עַד־עָמְדוֹ לִפְנֵי הָעֵדָה לַמִּשְׁפָּט׃

wehajú lachém he'arím lemiklát miggo'él weló jamút harozéach ad-omdó lifné ha'edá lammischpát

12 Und diese Städte sollen euch eine Zuflucht vor dem Bluträcher sein, und der Totschläger soll nicht getötet werden, bis er vor der Gemeinde zum Gericht steht.

Hier ist der Bluträcher ein Vertreter der Familie des Getöteten, der beschließt, für das Blut Rache zu nehmen.

וְהֶעָרִים אֲשֶׁר תִּתֵּנוּ שֵׁשׁ־עָרֵי מִקְלָט תִּהְיֶינָה לָכֶם׃

wehe'arím aschér titténu schesch-aré miklát tihjéna lachém

13 Und die Städte, die ihr einrichtet, sechs Zufluchtsstädte sollen es bei euch sein.

אֵת שְׁלֹשׁ הֶעָרִים תִּתְּנוּ מֵעֵבֶר לַיַּרְדֵּן וְאֵת שְׁלֹשׁ הֶעָרִים תִּתְּנוּ בְּאֶרֶץ כְּנָעַן עָרֵי מִקְלָט תִּהְיֶינָה׃

et schelósch he'arím tittenú me'éwer lajardén we'ét schelósch he'arím tittenú be'érez kená'an aré miklát tihjéna

14 Drei Städte gebt auf der anderen Seite des Jordan, und drei Städte macht im Land Kanaan; und sie sollen Zufluchtsstädte sein.

לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל וְלַגֵּר וְלַתּוֹשָׁב בְּתוֹכָם תִּהְיֶינָה שֵׁשׁ־הֶעָרִים הָאֵלֶּה לְמִקְלָט לָנוּס שָׁמָּה כָּל־מַכֵּה־נֶפֶשׁ בִּשְׁגָגָה׃

liwné jisraél welaggér welattoscháw betochám tihjéna schesch-he'arím ha'élle lemiklát lanús schámma kol-makke-néfesch bischgagá

15 Für die Söhne Israels und für den Fremden, der unter ihnen wohnt, sollen diese sechs Städte zur Zuflucht sein, damit jeder dorthin flieht, der aus Versehen getötet hat.

Es gibt eine Überlieferung darüber, dass es im Land Israel keine Wegweiser gab. Man konnte keinen Wegweiser finden wie: Jerusalem – zwanzig Kilometer in diese Richtung, oder Be'er-Schewa – zehn Kilometer in diese Richtung. Es gab keine Wegweiser außer denen, die den Weg zu den Zufluchtsstädten wiesen. Es zeigte sich eine besondere Fürsorge für den Menschen, der dorthin fliehen musste.

Ab Vers 16 führt der Höchste verschiedene Beispiele von Situationen an, die mit einer Tötung verbunden sind und die geschehen können.

וְאִם־בִּכְלִי בַרְזֶל הִכָּהוּ וַיָּמֹת רֹצֵחַ הוּא מוֹת יוּמַת הָרֹצֵחַ׃

we'im-bichlí warsél hikkáhu wajamót rozéach hu mot jumát harozéach

16 Wenn er mit irgendeinem eisernen Werkzeug geschlagen hat und jener gestorben ist, so ist das ein Mörder; den Tod sterben soll der Mörder.

וְאִם בְּאֶבֶן יָד אֲשֶׁר־יָמוּת בָּהּ הִכָּהוּ וַיָּמֹת רֹצֵחַ הוּא מוֹת יוּמַת הָרֹצֵחַ׃

we'ím be'éwen jad ascher-jamút ba hikkáhu wajamót rozéach hu mot jumát harozéach

17 Und wenn er mit einem Stein in der Hand, mit dem man töten kann (mit einem schweren Stein), geschlagen hat und jener (den man geschlagen hat) gestorben ist, so ist er ein Mörder; den Tod sterben soll der Mörder.

אוֹ בִּכְלִי עֵץ־יָד אֲשֶׁר־יָמוּת בּוֹ הִכָּהוּ וַיָּמֹת רֹצֵחַ הוּא מוֹת יוּמַת הָרֹצֵחַ׃

o bichlí ez-jád ascher-jamút bo hikkáhu wajamót rozéach hu mot jumát harozéach

18 Oder wenn er mit etwas Hölzernem, das töten kann, geschlagen hat und jener gestorben ist, so ist er ein Mörder; den Tod sterben soll der Mörder.

גֹּאֵל הַדָּם הוּא יָמִית אֶת־הָרֹצֵחַ בְּפִגְעוֹ־בוֹ הוּא יְמִיתֶנּוּ׃

go'él haddám hu jamít et-harozéach befig'o-wó hu jemiténnu

19 Und der Bluträcher kann den Mörder töten; wenn er ihm begegnet, kann er selbst ihn töten.

Heute gibt es, Gott sei Dank, keine verpflichtende Blutrache. Aber so war es in jenen Zeiten Brauch des Volkes: Ein Vertreter der Sippe des Getöteten musste für seinen Verwandten Rache nehmen, das galt in vielen Fällen als Ehrensache. Die Tora sagt hier Folgendes: Wenn ein Mensch mit etwas Eisernem geschlagen hat, dann wollte er sicher töten, er gilt als Mörder. In Bezug auf Stein und Holz gibt es einen Vorbehalt: wenn dieser Stein genug Gewicht hatte, um damit zu töten, oder wenn dieses Holzstück töten konnte. Das heißt, der Mensch verstand, dass er, wenn er damit schlägt, nicht nur töten kann, sondern sicher töten wird. In diesem Fall ist er ein Mörder.

Aber die Tora gebietet dem Gericht, nicht nur die Tatwaffe zu berücksichtigen, sondern auch die Beweggründe, die zur Tötung geführt haben.

וְאִם־בְּשִׂנְאָה יֶהְדָּפֶנּוּ אוֹ־הִשְׁלִיךְ עָלָיו בִּצְדִיָּה וַיָּמֹת׃

we'im-besin'á jeh'dofénnu o-hischlích aláw bizdijá wajamót

20 Wenn er ihn mit Hass stößt, wenn er absichtlich etwas auf ihn wirft und jener stirbt,

אוֹ בְאֵיבָה הִכָּהוּ בְיָדוֹ וַיָּמֹת מוֹת־יוּמַת הַמַּכֶּה רֹצֵחַ הוּא גֹּאֵל הַדָּם יָמִית אֶת־הָרֹצֵחַ בְּפִגְעוֹ־בוֹ׃

o we'ewá hikkáhu wejadó wajamót mot-jumát hammakké rozéach hu go'él haddám jamít et-harozéach befig'o-wó

21 Oder wenn er ihn aus Feindschaft mit der Hand schlägt und jener stirbt, den Tod sterben soll der Schlagende, er ist ein Mörder; und der Bluträcher kann diesen Mörder töten, wenn er ihm begegnet.

Ab Vers 22 wird die Situation einer unvorsätzlichen Tötung beschrieben.

וְאִם־בְּפֶתַע בְּלֹא־אֵיבָה הֲדָפוֹ אוֹ־הִשְׁלִיךְ עָלָיו כָּל־כְּלִי בְּלֹא צְדִיָּה׃

we'im-beféta belo-ewá hadafó o-hischlích aláw kol-kelí beló zedijá

22 Wenn er ihn aber plötzlich, ohne jeden Grund (ohne jedes Motiv, ohne jede Feindschaft), gestoßen hat oder unabsichtlich etwas auf ihn geworfen hat, ohne jede Absicht,

אוֹ בְכָל־אֶבֶן אֲשֶׁר־יָמוּת בָּהּ בְּלֹא רְאוֹת וַיַּפֵּל עָלָיו וַיָּמֹת וְהוּא לֹא־אוֹיֵב לוֹ וְלֹא מְבַקֵּשׁ רָעָתוֹ׃

o wechol-éwen ascher-jamút ba beló re'ót wajappél aláw wajamót wehú lo-ojéw lo weló mewakkésch ra'ató

23 Oder mit irgendeinem Stein, mit dem man töten kann, ohne ihn zu sehen, unabsichtlich geworfen hat, und (der Stein) auf ihn gefallen ist und jener gestorben ist, er ihm aber kein Feind ist und ihm nichts Böses wollte,

וְשָׁפְטוּ הָעֵדָה בֵּין הַמַּכֶּה וּבֵין גֹּאֵל הַדָּם עַל הַמִּשְׁפָּטִים הָאֵלֶּה׃

weschafetú ha'edá ben hammakké uwén go'él haddám al hammischpatím ha'élle

24 So soll die Gemeinde richten zwischen dem, der geschlagen hat, und zwischen dem Bluträcher nach diesen Gesetzen.

וְהִצִּילוּ הָעֵדָה אֶת־הָרֹצֵחַ מִיַּד גֹּאֵל הַדָּם וְהֵשִׁיבוּ אֹתוֹ הָעֵדָה אֶל־עִיר מִקְלָטוֹ אֲשֶׁר־נָס שָׁמָּה וְיָשַׁב בָּהּ עַד־מוֹת הַכֹּהֵן הַגָּדֹל אֲשֶׁר־מָשַׁח אֹתוֹ בְּשֶׁמֶן הַקֹּדֶשׁ׃

wehizzílu ha'edá et-harozéach mijád go'él haddám weheschíwu otó ha'edá el-ír miklató ascher-nás schámma wejáschaw ba ad-mót hakkohén haggadól ascher-maschách otó beschémen hakkódesch

25 Und die Gemeinde soll den Totschläger aus den Händen des Bluträchers retten, und die Gemeinde soll ihn in die Zufluchtsstadt zurückbringen, wohin er geflohen ist, und er soll in ihr wohnen bis zum Tod des hakkohén haggadól (des Hohepriesters), der mit dem heiligen Öl gesalbt wurde.

Das heißt, nach dem Gericht bringt man den, der unabsichtlich getötet hat, in die Zufluchtsstadt zurück, und der Bluträcher hat kein Recht, ihn anzurühren.

Warum wird die Salbung mit dem heiligen Öl eigens erwähnt? Gewöhnlich wurde ein neuer Hohepriester, der an die Stelle des vorigen trat, nicht neu gesalbt, sondern empfing die Salbung Aharons und galt als mit dem heiligen Öl gesalbt. Aber es gab einen Fall, in dem man einen Priester eigens salbte: Ein solcher gesalbter Hohepriester (kohen maschúach milchamá) ermutigte das Volk vor dem Auszug in den Krieg (davon lesen wir in Kapitel 20 des Buches Dewarim).

Und hier erweitert die Tora den Begriff des Hohepriestertums, indem sie sagt, dass auch der Tod eines solchen Hohepriesters den Menschen von der Notwendigkeit befreit, in der Zufluchtsstadt zu sein, wenn der Mensch irgendeine Tötung völlig unvorsätzlich begangen hat. Und, wie wir schon gesagt haben, so etwas kann einem Menschen geschehen, der ein gerechtes Leben führt, niemandem Böses will und, Gott bewahre, niemanden töten will. Aber dieser Mensch hat dennoch eine Tötung begangen, und das verändert seine Natur. Und da in dieser veränderten Natur irgendeine Unreinheit ist, folgen Strafe und Verbannung, seine Umsiedlung in ein nichtirdisches Land. Und diesem Menschen ist es verboten, aus dieser halbhimmlischen Stadt hinabzusteigen. Mit anderen Worten: Es ist verboten, sich vom Altar zu entfernen.

וְאִם־יָצֹא יֵצֵא הָרֹצֵחַ אֶת־גְּבוּל עִיר מִקְלָטוֹ אֲשֶׁר יָנוּס שָׁמָּה׃

we'im-jazó jezé harozéach et-gewúl ir miklató aschér janús schámma

26 Wenn aber der Totschläger über die Grenzen der Stadt hinausgeht, wohin er geflohen ist,

וּמָצָא אֹתוֹ גֹּאֵל הַדָּם מִחוּץ לִגְבוּל עִיר מִקְלָטוֹ וְרָצַח גֹּאֵל הַדָּם אֶת־הָרֹצֵחַ אֵין לוֹ דָּם׃

umazá otó go'él haddám michúz ligwúl ir miklató werazách go'él haddám et-harozéach en lo dam

27 Und der Bluträcher hat ihn außerhalb der Grenzen seiner Zufluchtsstadt gefunden, und der Bluträcher hat diesen Totschläger getötet (hat sich gerächt) – auf ihm ist kein Blut.

כִּי בְעִיר מִקְלָטוֹ יֵשֵׁב עַד־מוֹת הַכֹּהֵן הַגָּדֹל וְאַחֲרֵי מוֹת הַכֹּהֵן הַגָּדֹל יָשׁוּב הָרֹצֵחַ אֶל־אֶרֶץ אֲחֻזָּתוֹ׃

ki weír miklató jeschéw ad-mót hakkohén haggadól weachare-mót hakkohén haggadól jaschúw harozéach el-érez achussató

28 Denn er (der Totschläger) muss in der Zufluchtsstadt bleiben bis zum Tod des Hohepriesters, und nach dem Tod des Hohepriesters darf der, der getötet hat, in seinen Erbteil zurückkehren.

Bildlich gesprochen muss er sich am Altar festhalten, das heißt sich in der Botschaft des Höchsten auf der Erde befinden, unter dem Schutz des Höchsten und unter dem Schutz der Leviten, die in gewissem Maße die Vertreter des Höchsten auf der Erde sind.

Warum eine so seltsame Strafe? Wenn ein Mensch in unserer Zeit einen Diebstahl begeht, dann kann die Dauer seiner Strafe, sagen wir, drei bis fünf Jahre betragen. Wenn ein Mensch eine fahrlässige Tötung begeht, gibt man ihm zum Beispiel drei bis acht Jahre (das sind einfach theoretische Beispiele). Warum ist in unserem Fall die Dauer der Strafe unvorhersehbar? Einer sitzt ein halbes Jahr, der Hohepriester stirbt, und der Mensch ist frei. Ein anderer sitzt vielleicht vierzig, fünfundvierzig, fünfzig Jahre, vielleicht sitzt er sein ganzes Leben, und der Hohepriester stirbt einfach nicht. Und das läuft auf eine lebenslange Haft hinaus.

Der Mensch wartet auf Sühne. Wir lesen (Wajikra 16,16): „Und (der Hohepriester) wird das Heiligtum entsühnen von der Unreinheit der Söhne Israels und von ihren Übertretungen in all ihren Sünden; dasselbe soll er auch am Zelt der Begegnung tun, das sich bei ihnen inmitten ihrer Unreinheit befindet.“ Die levitischen Zufluchtsstädte kann man mit dem Zelt der Begegnung vergleichen. Der Mensch befindet sich gleichsam in einem Heiligtum, und der Hohepriester, der die allgemeine Sühne für das Volk vollzieht, vollzieht die Sühne auch an den Bewohnern der Zufluchtsstädte. Solange der Mensch in der Zufluchtsstadt lebt, vollzieht der Hohepriester, der dient, an ihm die Sühne.

Im Buch Dewarim (26,3) lesen wir davon, was ein Mensch tun muss, der die ersten Früchte darbringt: „Und komm zum Hohepriester, der in jenen Tagen sein wird.“ Ein erstaunlicher Satz. Es ist doch ohnehin klar, dass man nicht zu einem Hohepriester kommen kann, der in zwei Jahrhunderten sein wird, man kann nicht zu einem Hohepriester kommen, der schon gestorben ist. Nur zu dem Hohepriester, der in jenen Tagen da ist, kann man überhaupt kommen. Aber gerade der Hohepriester, der in jenen Tagen sein wird, gerade er ist verantwortlich für alles, was mit dem Volk während seines Dienstes geschieht. Der Tod des Hohepriesters ist das Ende des Lebens eines Menschen, der eingesetzt ist, der Sühnende zu sein, für das Volk einzustehen, der das Heiligtum und das Volk von der Unreinheit entsühnen soll. Es geht nicht um die Dauer der Strafe – es geht um die Dauer des Reinigungsprozesses, der sich vollzieht, solange der Hohepriester lebt. Wenn der Höchste es zugelassen hat, dass dieser Mensch eine fahrlässige Tötung beging, dann weiß der Höchste, wie viele Jahre der Hohepriester leben wird, der ganze Prozess ist schon berechnet. Der Mensch muss sich in dieser Stadt befinden (einer exterritorialen Stadt, die gleichsam über der Erde ist), in diesem Zustand, damit sich seine Sühne vollzieht, bis der Hohepriester stirbt. Genau so kann man verbinden und verstehen, warum erstens die Zufluchtsstädte mit den Leviten verbunden sind und warum zweitens dies mit dem Hohepriester verbunden ist.

וְהָיוּ אֵלֶּה לָכֶם לְחֻקַּת מִשְׁפָּט לְדֹרֹתֵיכֶם בְּכֹל מוֹשְׁבֹתֵיכֶם׃

wehajú élle lachém lechukkát mischpát ledorotechém bechól moschewotechém

29 Und diese Gesetze sollen euch ein Gesetz des Gerichts sein für eure Generationen, an allen euren Wohnorten.

כָּל־מַכֵּה־נֶפֶשׁ לְפִי עֵדִים יִרְצַח אֶת־הָרֹצֵחַ וְעֵד אֶחָד לֹא־יַעֲנֶה בְנֶפֶשׁ לָמוּת׃

kol-makke-néfesch lefí edím jirzách et-harozéach we'éd echád lo-ja'ané wenéfesch lamút

30 Jeder, der getötet hat – auf Grund der Aussagen von Zeugen soll der Mörder getötet werden; und ein einziger Zeuge wird nicht genügen, um einen Menschen zum Tod zu verurteilen.

וְלֹא־תִקְחוּ כֹפֶר לְנֶפֶשׁ רֹצֵחַ אֲשֶׁר־הוּא רָשָׁע לָמוּת כִּי־מוֹת יוּמָת׃

welo-tikchú chófer lenéfesch rozéach ascher-hú raschá lamút ki-mót jumát

31 Und nehmt kein Lösegeld für die Seele des Mörders, der ein Frevler ist, der die Todesstrafe verdient, und er soll des Todes sterben.

Das heißt, ein zum Tod verurteilter Mensch kann kein Lösegeld für seine Seele geben. In welchen Fällen durfte man Lösegeld nehmen? Es gibt Situationen, von denen die Tora spricht (Schemot 21,28–30): „Wenn ein Stier einen Mann oder eine Frau stößt und sie sterben, dann soll der Stier gesteinigt werden, und sein Fleisch soll man nicht essen, der Besitzer des Stiers aber ist nicht schuldig. Wenn aber der Stier stößig war, schon gestern und vorgestern, und sein Besitzer gewarnt worden war, er ihn aber nicht bewachte, und er (der Stier) einen Mann oder eine Frau tötet, dann soll der Stier gesteinigt und sein Besitzer getötet werden. Wenn ihm aber ein Lösegeld auferlegt wird, dann soll er ein Lösegeld für seine Seele geben, so wie es ihm auferlegt wird.“ Es gibt eine Situation, in der der Besitzer für das Verbrechen seines Tieres, seines Stiers, verantwortlich ist, und er muss getötet werden. Aber da dieser Mensch, der Besitzer, nicht selbst getötet hat, sondern sein Eigentum den Mord begangen hat, also der Stier, geht es auch hier um eine fahrlässige Tötung. Und in einem solchen Fall kann er für sich ein Lösegeld zahlen, und dann tötet man ihn nicht.

Aber die Tora sagt uns: nur nicht in dem Fall, von dem wir gerade in Vers 31 gelesen haben. Wenn ein Mensch einen vorsätzlichen Mord begangen hat, dann kann er sich nicht von der Todesstrafe freikaufen. Und nicht in dem Fall, von dem wir weiter lesen werden.

וְלֹא־תִקְחוּ כֹפֶר לָנוּס אֶל־עִיר מִקְלָטוֹ לָשׁוּב לָשֶׁבֶת בָּאָרֶץ עַד־מוֹת הַכֹּהֵן׃

welo-tikchú chófer lanús el-ír miklató laschúw laschéwet ba'árez ad-mót hakkohén

32 Und nehmt kein Lösegeld von dem, der in die Zufluchtsstadt fliehen muss, damit er zurückkehren und in seinem Land wohnen kann, bevor der Hohepriester gestorben ist.

Das heißt, es wird nicht so sein, dass ein Mensch sagt: „Ich habe fahrlässig getötet, ich wollte niemanden töten, lasst mich euch bezahlen, damit ich nicht in die Zufluchtsstadt fliehen muss.“ Nein, man darf in diesem Fall kein Lösegeld von dem Menschen nehmen. Und warum? Worin liegt der Unterschied? Worin liegt der Unterschied zwischen der Situation mit einem Menschen, der ein Fass hochhob und es fallen ließ und dabei jemanden tötete, der hinter ihm die Treppe hinaufstieg, und der Situation mit dem Besitzer des tötenden Stiers? Obwohl man den Besitzer gewarnt hatte, er solle etwas mit seinem Stier tun, tat er nichts, und sein Stier tötete einen Menschen. Der Unterschied ist, dass in unserem Fall nicht der Stier der Tötende ist, sondern der Mensch selbst, durch ihn selbst hat sich dieser Mord vollzogen, und das verändert seine Natur.

Deshalb darf man kein Lösegeld von einem Menschen nehmen, der fahrlässig getötet hat, damit er, wie hier geschrieben steht, einfach zurückkehren und in seinem Land wohnen kann, noch vor dem Tod des Hohepriesters. Vielleicht sagt ein Mensch: „Ich habe hier schon fünf Jahre gelebt, lasst mich hier vorzeitig auf Bewährung raus, gegen Geld.“ Nein, so darf man es auch nicht machen.

וְלֹא־תַחֲנִיפוּ אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם בָּהּ כִּי הַדָּם הוּא יַחֲנִיף אֶת־הָאָרֶץ וְלָאָרֶץ לֹא־יְכֻפַּר לַדָּם אֲשֶׁר שֻׁפַּךְ־בָּהּ כִּי־אִם בְּדַם שֹׁפְכוֹ׃

welo-tachanífu et-ha'árez aschér attém ba ki haddám hu jachaníf et-ha'árez wela'árez lo-jechuppár laddám aschér schuppach-bá ki-ím bedám schofechó

33 Und bedeckt das Land, in dem ihr lebt, nicht mit Schande, denn Blut wird das Land entweihen (wird die Erde unrein machen), und man kann das Blut, das auf die Erde vergossen wurde, nicht sühnen außer durch das Blut dessen, der es vergossen hat.

Nicht jeder Mord ist mit Blutvergießen verbunden: Man kann einen Menschen natürlich so töten, dass kein Blut vergossen wird. Aber jeder Mord gilt als Blutvergießen. Und jeder Mord entweiht das Land, als ob Blut darauf vergossen worden wäre. Wer behebt die Entweihung? Die Leviten, die Kohanim, die Hohepriester. Sie sind verantwortlich für die Behebung, für die Entfernung der Unreinheit. Aber man kann die Unreinheit nicht mit Geld loskaufen. Und die Gerechtigkeit in der Gesellschaft gebietet, dass der Mörder bestraft wird, und wenn er ein vorsätzlicher Mörder ist, dann bestraft durch das Vergießen seines Blutes.

Und zum Abschluss des Kapitels zieht die Tora Bilanz.

וְלֹא תְטַמֵּא אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם יֹשְׁבִים בָּהּ אֲשֶׁר אֲנִי שֹׁכֵן בְּתוֹכָהּ כִּי אֲנִי יְהוָה שֹׁכֵן בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

weló tetammé et-ha'árez aschér attém joschewím ba aschér aní schochén betochá ki aní adonáj schochén betóch bené jisraél

34 Entweiht das Land nicht, in dem ihr lebt, denn Ich wohne darin, denn Ich, der HERR, wohne inmitten der Söhne Israels.“

Lasst uns noch einmal den Abschnitt aus dem Buch Wajikra (16,16) lesen: „Und (der Hohepriester) wird das Heiligtum entsühnen von der Unreinheit der Söhne Israels und von ihren Übertretungen in all ihren Sünden; dasselbe soll er auch am Zelt der Begegnung tun, das sich bei ihnen inmitten ihrer Unreinheit befindet.“ Inmitten der Unreinheit gibt es Inseln: das Zelt der Begegnung und die Städte der Leviten. Und zur Sühne verschwindet der Mensch gleichsam vom Angesicht der Erde und siedelt (bis zum Tod des Hohepriesters) in eine Zufluchtsstadt über. Und nach dem Tod des Hohepriesters, der für Israel einsteht, wenn ein Mensch durch einen anderen ersetzt wird, kann man die Zufluchtsstadt verlassen und in die Freiheit gehen. Es gibt viele Midraschim, viele Überlieferungen, die damit verbunden sind. Zum Beispiel wird erzählt, dass die Mutter (oder die Frau) des Hohepriesters die Bewohner der Zufluchtsstädte verpflegte, damit die Leute nicht um den Tod des Hohepriesters beteten. Ein Mensch sitzt in der Stadt und denkt: „Solange jener nicht stirbt, komme ich nicht frei“, und beginnt, Gott bewahre, dafür zu beten, dass der Hohepriester stirbt. Es gab also die Sorge darum, dass die Leute nicht ein solches Gebet beteten.

Eine solche ungewöhnliche Fürsorge erweist der Höchste dem Menschen, der unabsichtlich getötet hat. Er siedelt ihn auf Sein Gebiet um, siedelt ihn in die levitischen Städte um, zu Sich nach Hause, in Seine Botschaft auf der Erde, denn der Höchste ist der Erbteil der Leviten. Der Höchste kümmert sich um den Menschen, der ohne offensichtliche Schuld zum Verbrecher geworden ist, der ein schweres Verbrechen begangen hat und der damit vielleicht noch lange wird leben müssen.

Wie man das Erbe bewahrt

Bemidbar 36,1–13

Mit Gottes Hilfe werden wir Kapitel 36 lesen, mit dem auch das ganze Buch Bemidbar endet.

וַיִּקְרְבוּ רָאשֵׁי הָאָבוֹת לְמִשְׁפַּחַת בְּנֵי־גִלְעָד בֶּן־מָכִיר בֶּן־מְנַשֶּׁה מִמִּשְׁפְּחֹת בְּנֵי יוֹסֵף וַיְדַבְּרוּ לִפְנֵי מֹשֶׁה וְלִפְנֵי הַנְּשִׂאִים רָאשֵׁי אָבוֹת לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wajikrewú rasché ha'awót lemischpáchat bene-gil'ád ben-machír ben-menasché mimmischpechót bené josséf wajdabberú lifné mosché welifné hannessiím rasché awót liwné jisraél

1 Und es traten herzu die Obersten der Stämme (die Häupter der Geschlechter) nach Familien von den Söhnen Gil'ads ben Machir, ben Menasche, aus der Familie der Söhne Josefs, und sie redeten vor Mosche und vor den Obersten der Stämme (den Häuptern der Geschlechter) der Söhne Israels.

Hier gibt es ein interessantes Detail, solche kleinen Details gehen in der Übersetzung wegen der Besonderheiten der Sprache verloren. Am Anfang des Verses steht geschrieben rasché haawót (die Obersten der Geschlechter), und dieses ha vor dem Wort awot ist der bestimmte Artikel, das heißt, es ist irgendein bestimmtes Geschlecht, das sich nach dem Plan der Tora hervorhebt und Sorge für sich selbst trägt, was nicht schlecht ist. Sie aber sprechen, reden mit den rasché awót, hier gibt es keinen bestimmten Artikel, das sind einfach die Väter der Geschlechter Israels. Es geht also sowohl um die Bedürfnisse eines konkreten Geschlechts, die Aufgaben eines konkreten Geschlechts, als auch um die Aufgaben ganz Israels.

וַיֹּאמְרוּ אֶת־אֲדֹנִי צִוָּה יְהוָה לָתֵת אֶת־הָאָרֶץ בְּנַחֲלָה בְּגוֹרָל לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל וַאדֹנִי צֻוָּה בַיהוָה לָתֵת אֶת־נַחֲלַת צְלָפְחָד אָחִינוּ לִבְנֹתָיו׃

wajomerú et-adoní ziwwá adonáj latét et-ha'árez benachalá begorál liwné jisraél wadoní zuwwá wadonáj latét et-nachalát zelofchád achínu liwnotáw

2 Und sie sagten: „Unserem Herrn (das heißt Mosche) hat der HERR geboten, dieses Land als Erbe durch das Los den Söhnen Israels zu geben, und unserem Herrn wurde vom HERRN geboten, das Erbe Zelofchads seinen Töchtern zu geben.

Diese Geschichte haben wir in Kapitel 27 unseres Buches gelesen, als die Frage entschieden wurde, wer den Erbteil erbt, wenn es keine Söhne, keine Brüder oder Schwiegersöhne gibt. Damals wurde entschieden, dass, wenn es keine Erben gibt, die Tochter (oder die Töchter) das Land des Geschlechts erbt. Und jetzt sind die Söhne Gil'ads, die Nachkommen Josefs, mit einer Frage zu Mosche gekommen. Was kann jetzt, in diesem Zusammenhang, geschehen, was fürchten sie?

וְהָיוּ לְאֶחָד מִבְּנֵי שִׁבְטֵי בְנֵי־יִשְׂרָאֵל לְנָשִׁים וְנִגְרְעָה נַחֲלָתָן מִנַּחֲלַת אֲבֹתֵינוּ וְנוֹסַף עַל נַחֲלַת הַמַּטֶּה אֲשֶׁר תִּהְיֶינָה לָהֶם וּמִגֹּרַל נַחֲלָתֵנוּ יִגָּרֵעַ׃

wehajú le'echád mibbené schiwté wene-jisraél lenaschím wenigre'á nachalatán minnachalát awoténu wenossáf al nachalát hammatté aschér tihjéna lahém umiggorál nachalaténu jiggaréja

3 Wenn sie Frauen von einem aus den Söhnen Israels aus anderen Stämmen werden, dann wird es so sein, dass ihr Erbteil (genau der Erbteil, den sie geerbt haben) von unserem Erbe weggenommen wird und zum Erbteil des Stammes ihrer Männer hinzukommt, von unserem Anteil durch das Los aber wird er abgetrennt werden.

Es ergibt sich also, dass, wenn ein Mann, sagen wir, aus dem Stamm Dan oder aus dem Stamm Re'uwen eines von diesen unseren Mädchen heiratet, dann unser Land an seinen Stamm übergeht. Er behält seinen Erbteil, bekommt noch dazu unseren Erbteil, und wir bleiben hier ohne Erbteil.

וְאִם־יִהְיֶה הַיֹּבֵל לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל וְנוֹסְפָה נַחֲלָתָן עַל נַחֲלַת הַמַּטֶּה אֲשֶׁר תִּהְיֶינָה לָהֶם וּמִנַּחֲלַת מַטֵּה אֲבֹתֵינוּ יִגָּרַע נַחֲלָתָן׃

we'im-jihjé hajowél liwné jisraél wenossefá nachalatán al nachalát hammatté aschér tihjéna lahém uminnachalát matté awoténu jiggará nachalatán

4 Und es wird sein, wenn das Jobeljahr kommt, dann wird ihr Erbteil endgültig an den Stamm übergehen, zu dem sie übergegangen sind, und wir werden das Gebiet unserer Väter verlieren.“

Das heißt: Hier haben wir fünf Mädchen. Was wird sein, wenn sie alle Jungen aus anderen Stämmen heiraten? Wir werden den Besitz unseres Stammes verlieren, unsere Gebiete, weil sie an andere übergehen, eure Jungen werden auf diese Weise ihre Gebiete erweitern. Und wenn eure Jungen Mädchen aus anderen Stämmen heiraten, dann werden sie ebenso erwerben, das Gebiet erweitern. Wie sollen wir denn unser Erbe bewahren, das wir bekommen haben? Wie verlieren wir das Land nicht dadurch, dass die Frauen heiraten und den Erbteil mitnehmen? Der Stamm wird verarmen, denn das Land ist der Hauptbesitz. Lasst uns dafür sorgen, die Bewahrung des Erbes zu sichern, irgendwie die Sicherheit der Stämme zu gewährleisten.

וַיְצַו מֹשֶׁה אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל עַל־פִּי יְהוָה לֵאמֹר כֵּן מַטֵּה בְנֵי־יוֹסֵף דֹּבְרִים׃

wajzáw mosché et-bené jisraél al-pí adonáj lemór ken matté wene-josséf dowerím

5 Und Mosche gebot den Söhnen Israels nach dem Wort des HERRN (oder das Wort des HERRN auslegend): „Richtig reden die Leute des Stammes Josef.“

זֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר־צִוָּה יְהוָה לִבְנוֹת צְלָפְחָד לֵאמֹר לַטּוֹב בְּעֵינֵיהֶם תִּהְיֶינָה לְנָשִׁים אַךְ לְמִשְׁפַּחַת מַטֵּה אֲבִיהֶם תִּהְיֶינָה לְנָשִׁים׃

se haddawár ascher-ziwwá adonáj liwnót zelofchád lemór lattów be'enehém tihjéna lenaschím ach lemischpáchat matté awihém tihjéna lenaschím

6 Dies ist das Wort, das der HERR den Töchtern Zelofchads gebietet, mit den Worten: „Dem, der gut ist in ihren Augen, sollen sie Frauen werden, aber sie dürfen nur aus dem Stamm ihrer Väter wählen.

Das heißt, wählt irgendeinen Jungen, welchen ihr wollt, aber nur in eurem Stamm. Welche Prinzipien der Wahl eines Bräutigams gibt es überhaupt? In der materiellen Welt gibt es den Begriff Schönheit (einen Schönen wählen), es gibt den Begriff Geld (einen Reichen wählen), es gibt den Begriff vornehme Herkunft (einen mit Beziehungen wählen). Man kann also einen Schönling heiraten, man kann einen Millionär heiraten, man kann den Sohn eines Staatsanwalts heiraten. Das sind Prinzipien der Wahl, sozusagen weltliche, körperliche. In der geistlichen Welt kann man nur einen Würdigen wählen, das heißt einen solchen, mit dem es für dich gemeinsam richtiger sein wird, treuer sein wird, dem Höchsten zu dienen, weil ihr nicht nur aufeinander schauen werdet, aufeinander – das natürlich schon. Aber man muss einen solchen Menschen wählen, mit dem es gut ist, sich an der Hand zu halten und gemeinsam auf den Höchsten zu schauen. Welche diese tow be'enehém (gut in ihren Augen) sind – das wählt jeder selbst nach einem beliebigen der aufgezählten Kriterien, aber nur aus dem eigenen Stamm, damit das Land nicht weggeht.

וְלֹא־תִסֹּב נַחֲלָה לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל מִמַּטֶּה אֶל־מַטֶּה כִּי אִישׁ בְּנַחֲלַת מַטֵּה אֲבֹתָיו יִדְבְּקוּ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

welo-tissów nachalá liwné jisraél mimmatté el-matté ki isch benachalát matté awotáw jidbekú bené jisraél

7 Und dann werden die Ländereien, das Erbe der Söhne Israels, nicht von Stamm zu Stamm übergehen, denn jeder von den Söhnen Israels wird an den Anteil des Stammes seiner Väter geheftet sein.

Und diese Regel gilt nicht nur für die Mädchen Zelofchads, sondern auch für die Mädchen aller Stämme Israels.

וְכָל־בַּת יֹרֶשֶׁת נַחֲלָה מִמַּטּוֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לְאֶחָד מִמִּשְׁפַּחַת מַטֵּה אָבִיהָ תִּהְיֶה לְאִשָּׁה לְמַעַן יִירְשׁוּ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אִישׁ נַחֲלַת אֲבֹתָיו׃

wechol-bát joréschet nachalá mimmattót bené jisraél le'echád mimmischpáchat matté awíha tihjé le'ischá lemá'an jireschú bené jisraél isch nachalát awotáw

8 Und jede Tochter, die von den Söhnen Israels Land als Erbe erhält, kann einem aus dem Geschlecht ihres Vaters Frau werden, damit die Söhne Israels jeder das Land seiner Väter erben.

וְלֹא־תִסֹּב נַחֲלָה מִמַּטֶּה לְמַטֶּה אַחֵר כִּי־אִישׁ בְּנַחֲלָתוֹ יִדְבְּקוּ מַטּוֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

welo-tissów nachalá mimmatté lematté achér ki-ísch benachalató jidbekú mattót bené jisraél

9 Und damit das Land nicht von Lager zu Lager (von Stamm zu Stamm) durch das Erbe des Mannes übergeht, denn jeder wird sich an sein Lager unter den Söhnen Israels heften.“

Das heißt, hier spricht Mosche die richtige Entscheidung aus: Man muss die Unversehrtheit des Gebiets des eigenen Geschlechts bewahren.

כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֶת־מֹשֶׁה כֵּן עָשׂוּ בְּנוֹת צְלָפְחָד׃

ka'aschér ziwwá adonáj et-mosché ken asú benót zelofchád

10 Und wie der HERR Mosche geboten hatte, so taten die Töchter Zelofchads.

וַתִּהְיֶינָה מַחְלָה תִרְצָה וְחָגְלָה וּמִלְכָּה וְנֹעָה בְּנוֹת צְלָפְחָד לִבְנֵי דֹדֵיהֶן לְנָשִׁים׃

wattihjéna machlá tirzá wechoglá umilká weno'á benót zelofchád liwné dodehén lenaschím

11 Und Machla, Tirza, und Chogla, und Milka, und Noa, die fünf Töchter Zelofchads, wurden Frauen der Söhne ihrer Onkel.

מִמִּשְׁפְּחֹת בְּנֵי־מְנַשֶּׁה בֶן־יוֹסֵף הָיוּ לְנָשִׁים וַתְּהִי נַחֲלָתָן עַל־מַטֵּה מִשְׁפַּחַת אֲבִיהֶן׃

mimmischpechót bene-menasché wen-josséf hajú lenaschím wattehí nachalatán al-matté mischpáchat awihén

12 Den Söhnen aus der Familie Menasches ben Josef wurden sie Frauen, und ihr Erbe (ihr Erbteil) blieb bei der Familie ihres Vaters.

אֵלֶּה הַמִּצְוֹת וְהַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה בְּיַד־מֹשֶׁה אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל בְּעַרְבֹת מוֹאָב עַל יַרְדֵּן יְרֵחוֹ׃

élle hammizwót wehammischpatím aschér ziwwá adonáj bejad-mosché el-bené jisraél be'arwót mo'áw al jardén jerechó

13 Das sind die Gebote und Gesetze, die der HERR durch die Hand Mosches den Söhnen Israels geboten hat in den Steppen Moaws, am Jordan, gegenüber Jericho.

Das ist der letzte Vers des letzten Kapitels des Buches Bemidbar. Und auf den ersten Blick ist völlig unverständlich, warum die Tora mit einer solchen, wie es scheint, na ja, nicht sehr wichtigen juristischen Kleinigkeit endet, die Mosche entscheidet. Warum endet ein ganzes Buch Bemidbar, voll von verschiedenen Ereignissen, sowohl gewaltigen als auch weniger gewaltigen, voll von verschiedenen Geschichten und Gesetzen, gerade so?

All das, um uns zu zeigen, dass die Tora dem Menschen zum Hineinwachsen gegeben ist und auf die Bedürfnisse der Menschen eingeht. Es entsteht irgendeine Anfrage, es entsteht irgendein Bedürfnis: Eine neue Generation ist gekommen, oder irgendein einzelner Stamm, oder alle Leute, und haben irgendein Bedürfnis benannt. Und Mosche gibt die Antwort der Tora auf ihr Bedürfnis, er ignoriert es nicht, er sagt nicht: „Entschuldigt, ich kann euch in nichts helfen“, sondern er sucht beim Höchsten eine Möglichkeit, auf ihre Anfrage zu antworten. Dieser Epilog ist eine Weisung an alle Diener, an alle Menschen, an die man sich um Rat wendet. Und als Kraft des Gesetzes, als wahrer Ausdruck der Gerechtigkeit gilt, dass der Lehrer eine Antwort auf die Anfrage des Menschen sucht und versucht (wenn das möglich ist, wenn das gesetzlich ist), ihm das zu erlauben, worum er bittet, sein Problem nicht zu ignorieren, auf seinen Schmerz zu antworten, auf seine irgendwelchen Aufgaben und so weiter. Und ich denke, dass genau deshalb das Buch so endet.

Außerdem wird im letzten Kapitel des Buches Bemidbar zum letzten Mal ein Dialog zwischen Mosche und dem Höchsten beschrieben. Das nächste Buch, das Buch Dewarim (Reden), wird nur die Reden Mosches beschreiben. Mosche wird die Tora nacherzählen, die Tora seinem Volk wiederholen, deshalb ist einer der Namen des Buches Dewarim auf Hebräisch Mischne Tora (Wiederholung der Tora), oder Deuteronomium (Wiederholung des Gesetzes) in der russischen Übersetzung. Und wir werden im Buch Dewarim nicht die Worte sehen: „Und der HERR redete zu Mosche“, dort wird es nur die Reden Mosches selbst geben. Und deshalb endet unser Buch Bemidbar mit dem Gedanken, dass die Tora sich entwickelt, die Tora dem Menschen zum Hineinwachsen gegeben ist und die Lehrer dazu eingesetzt sind, dass der Mensch mit der Tora wachsen kann.

Tora in 5 Minuten

Lasst uns an die Geschichte von den Töchtern Zelofchads erinnern, die wir am Anfang von Kapitel 27 unseres Buches Bemidbar gelesen haben.

Fünf Töchter eines Mannes namens Zelofchad, der gestorben war und der keine Söhne hatte, traten zu Mosche und sagten: „Unser Vater ist gestorben, Söhne hat er keine, aber wir als Töchter wollen ihn dennoch beerben, wollen dennoch einen Erbteil unter den Brüdern in unserem Stamm erhalten, im Heiligen Land.“ Mosche wandte sich an den Höchsten, und der Höchste sagte ihm Folgendes: „Recht reden die Töchter Zelofchads. Wirklich, wenn ein Mensch stirbt und ihm keine Söhne bleiben, muss man besondere Fürsorge zeigen. Sollen die Töchter einen solchen Menschen beerben.“

In unserem Wochenabschnitt Masse lesen wir eine unerwartete Fortsetzung dieser Geschichte, in Kapitel 36: „Und es traten die Häupter der Väterhäuser der Familie der Söhne Gil'ads heran, des Sohnes Machirs, des Sohnes Menasches, aus den Familien der Söhne Josefs, und redeten vor Mosche und vor den Fürsten, den Häuptern der Familien der Söhne Israels. Und sie sagten: ‚Unserem Herrn hat der HERR geboten, den Söhnen Israels das Land durch das Los als Erbteil zu geben, und unserem Herrn wurde vom HERRN geboten, den Erbteil Zelofchads, unseres Bruders, seinen Töchtern zu geben. Wenn sie aber Frauen von Söhnen irgendeines der anderen Stämme der Söhne Israels werden, dann wird ihr Erbteil vom Erbteil unserer Väter weggenommen und zum Erbteil jenes Stammes hinzugefügt werden, in dem sie Frauen sein werden, und von unserem Erbteil, dem durch das Los zugefallenen, wird er weggenommen werden. Und wenn das Jobeljahr sein wird, wird ihr Erbteil endgültig dem Erbteil jenes Stammes angeschlossen werden, in dem sie sein werden, und von unserem Stamm wird ihr Erbteil weggenommen werden.‘“

Der Höchste zeigte Fürsorge für die Töchter, die in eine ungewöhnliche Situation geraten waren, aber es entsteht noch ein weiteres Problem, das in diesen Versen beschrieben wird. Und außer der Fürsorge für den Einzelfall, außer der Wichtigkeit der Fürsorge für irgendwelche konkreten Menschen ist die Fürsorge für die Gesellschaft wichtig.

Der Stamm Menasche, alle seine Sippen stellen ebenfalls einen Wert dar. Heute ist es oft so, dass die Mehrheit der Minderheit nachgibt, auf irgendwelche ihrer Werte verzichtet, auf irgendwelche ihrer Prinzipien verzichtet – Hauptsache, man kränkt die Minderheit nicht, man bereitet ihr kein Unbehagen. Die Tora sagt uns hier Folgendes: „Ja, wirklich, es ist wichtig, sich um irgendwelche konkreten, einfachen Menschen zu kümmern, die in eine ungewöhnliche Situation geraten sind, aber das ist die eine Seite. Wichtig ist, dass die Gesellschaft erhalten bleibt.“ Wichtig ist nicht nur, dass die Töchter Zelofchads Land als Erbteil erhalten, sondern dass auch die Werte des Stammes Menasche erhalten bleiben, dass sein Land erhalten bleibt.

Deshalb lesen wir in Vers 5 von Kapitel 36: „Und Mosche gebot den Söhnen Israels nach dem Wort des HERRN und sagte: ‚Gerecht reden die Söhne des Stammes Josef.‘“ So wie die Fürsorge für das Einzelne gerecht ist, so ist auch die Fürsorge für das Allgemeine gerecht. So wie die Fürsorge für die Minderheit gerecht ist, so ist auch die Fürsorge für die Mehrheit gerecht.

Deshalb hat der HERR so geboten (36,6–7): „Den, der gut ist in ihren Augen, dürfen sie (die Töchter Zelofchads) heiraten, aber nur in der Familie des Stammes ihres Vaters sollen sie Frauen sein. Damit bei den Söhnen Israels der Erbteil nicht von Stamm zu Stamm übergeht, denn jeder von den Söhnen Israels muss an den Erbteil des Stammes seiner Väter gebunden sein.“

Ja, wirklich, es war wichtig, sich um die Töchter Zelofchads zu kümmern, damit sie Land unter ihren Brüdern erhielten. Aber jetzt müssen auch sie sich um ihre Brüder kümmern. Ja, das schränkt ihre Wahlfreiheit ein: Sie können sich keinen Bräutigam aus dem Stamm Dan, Gad oder Re'uwen wählen, sie können einen Bräutigam nur aus ihrem eigenen Stamm wählen. Aber diese Einschränkung der Freiheit ist wichtig, damit der größere Wert die Oberhand gewinnt – die Ganzheit der Sippe, die Ganzheit des Stammes, die Ganzheit des Erbteils, der dem Stamm durch das Los zugefallen ist.

Sowohl das Einzelne ist wichtig, richtig reden die Töchter Zelofchads, als auch das Allgemeine ist wichtig, richtig reden die Söhne Josefs. Und nur so soll es sein: Diese zwei Teile, diese zwei Bestandteile müssen miteinander in Harmonie sein. Das ist es, was uns die Tora lehrt.

Masse: weiterlesen

Lest auch den Wochenabschnitt Matot, den Wochenabschnitt Pinchas, den Wochenabschnitt Behar über das Land und die Auslösung und die Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    Inhalt dieses Abschnitts

    1. 1Etappen des großen Weges 33,1–56
    2. 2Grenzen und Anführer 34,1–22
    3. 3Die Gesandtschaft Gottes 35,1–34
    4. 4Wie man das Erbe bewahrt 36,1–13
    5. 5Tora in 5 Minuten
    6. 6Masse: weiterlesen

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