1. Wochenabschnitte
  2. Dewarim
  3. Waetchanan

וָאֶתְחַנַּן

Waetchanan

das Gebet Mosches und die Gebote

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
45 von 54
Verse
Dewarim 3,23–7,11
Teile
5
Lesezeit
1 Std. 21 Min.

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Waetchanan ist ein Wochenabschnitt über das Gebet Mosches, die Erinnerung an den Bund und das Halten der Gebote. Im Stenogramm von Alex Blend geht es um die Tafeln, das Schma und die Weisungen an Israel vor dem Einzug in das Land. Der hebräische Text des Buches Dewarim wird von einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original heißt es, der Text werde von einer russischen Übersetzung begleitet. Hier steht neutral „einer Übersetzung“, weil auf dieser Seite die deutsche Übersetzung folgt. und der religiösen Auslegung des Autors begleitet.

Behüte deine Seele

Dewarim 3,23–4,49

Mit Gottes Hilfe beginnen wir, den Wochenabschnitt Waetchanan zu studieren, und werden ab Vers 23 von Kapitel 3 des Buches Dewarim lesen. Mosche beginnt, von sich zu erzählen.

וָאֶתְחַנַּן אֶל־יְהוָה בָּעֵת הַהִוא לֵאמֹר׃

wa'etchannán el-adonáj ba'ét hahí lemór

23 Und ich bat inständig (flehte) den HERRN zu dieser Zeit und sprach:

Das Verb lehitchanén bedeutet etwas als Geschenk erbitten; etwas erbitten, ohne irgendeinen Anspruch darauf zu haben, es zu bekommen; bitten, dass man dir etwas gibt, indem man sich deiner erbarmt. Dieses Verb enthält das Wort chen (Gunst oder Gnade), von derselben Wurzel chet-nun-nun. Das heißt, ich habe Gott um etwas aus Gnade, aus Gunst gebeten. Und das ist es, worum Mosche bat:

אֲדֹנָי יְהוִה אַתָּה הַחִלּוֹתָ לְהַרְאוֹת אֶת־עַבְדְּךָ אֶת־גָּדְלְךָ וְאֶת־יָדְךָ הַחֲזָקָה אֲשֶׁר מִי־אֵל בַּשָּׁמַיִם וּבָאָרֶץ אֲשֶׁר־יַעֲשֶׂה כְמַעֲשֶׂיךָ וְכִגְבוּרֹתֶךָ׃

adonáj elohím attá hachillóta lehar'ót et-awdechá et-godlechá we'et-jadechá hachasaká aschér mi-él baschamájim uwa'árez ascher-ja'assé chema'assécha wechigwurotécha

24 „Gebieter HERR! Du hast begonnen, Deinem Knecht Deine Größe und Deine starke Hand zu zeigen, denn welcher Gott ist noch im Himmel und auf der Erde, der tun kann wie Deine Werke und wie die Kraft, wie Deine Größe?

אֶעְבְּרָה־נָּא וְאֶרְאֶה אֶת־הָאָרֶץ הַטּוֹבָה אֲשֶׁר בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן הָהָר הַטּוֹב הַזֶּה וְהַלְּבָנוֹן׃

e'bera-ná we'er'é et-ha'árez hattowá aschér be'éwer hajardén hahár hattów hassé wehallewanón

25 Lass mich doch hinübergehen (bitte, darf ich hinübergehen?) und das schöne Land sehen, das am anderen Ufer des Jordan liegt, diesen schönen Berg und den Libanon!“

Worauf gründet sich die Bitte Mosches? Du hast mir Deine Kraft gezeigt, Deine Herrlichkeit, Deine Größe, zeig mir auch dieses Land. Du hast mir so viele Gaben gegeben, Du hast mich so beschenkt, gib mir noch eine Gabe.

וַיִּתְעַבֵּר יְהוָה בִּי לְמַעַנְכֶם וְלֹא שָׁמַע אֵלָי וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי רַב־לָךְ אַל־תּוֹסֶף דַּבֵּר אֵלַי עוֹד בַּדָּבָר הַזֶּה׃

wajit'abbér adonáj bi lema'anchém weló schamá eláj wajomer adonáj eláj raw-lách al-tóssef dabbér eláj od baddawár hassé

26 Und Gott zürnte mir euretwegen und hörte mich nicht. Und der HERR sprach zu mir: „Genug für dich, rede nicht weiter (füge keine Rede hinzu) mit Mir über dieses Thema!

Die Frage ist abgeschlossen. Du, Mosche, wirst nicht in das Land hineinkommen.

עֲלֵה רֹאשׁ הַפִּסְגָּה וְשָׂא עֵינֶיךָ יָמָּה וְצָפֹנָה וְתֵימָנָה וּמִזְרָחָה וּרְאֵה בְעֵינֶיךָ כִּי־לֹא תַעֲבֹר אֶת־הַיַּרְדֵּן הַזֶּה׃

alé rosch happisgá wesá enécha jámma wezafóna wetemána umisrácha ur'é we'enécha ki-ló ta'awór et-hajardén hassé

27 Steig auf den Gipfel des Berges und erhebe deine Augen nach Westen und nach Norden und nach Süden und nach Osten und sieh nur mit deinen Augen, denn du wirst nicht über den Jordan hinübergehen.

וְצַו אֶת־יְהוֹשֻׁעַ וְחַזְּקֵהוּ וְאַמְּצֵהוּ כִּי־הוּא יַעֲבֹר לִפְנֵי הָעָם הַזֶּה וְהוּא יַנְחִיל אוֹתָם אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר תִּרְאֶה׃

wezáw et-jehoschúa wechassekéhu we'ammezéhu ki-hú ja'awór lifné ha'ám hassé wehú janchíl otám et-ha'árez aschér tir'é

28 Du aber gib Jehoschua Weisung und stärke ihn und gib ihm Tapferkeit (Kühnheit), denn er wird vor diesem Volk hinübergehen, und er wird ihnen das Land geben, das du betrachten wirst.“

Darin liegt auch ein sehr wichtiges Detail, das betrifft, wie der Höchste die Welt lenkt. Nicht immer ist der Mensch, der zu Gott sagen kann: „Du hast begonnen, Du hast durch mich begonnen“, nicht immer ist dieser Mensch auch der, der es vollendet. Der Höchste handelt Schritt für Schritt, allmählich, durch viele Menschen. Und hier übergibt Mosche die Leitung an Jehoschua, er selbst soll Jehoschua anleiten, ihm alle Vollmachten geben, damit dieser sein Werk fortsetzt. Auch wir müssen uns damit abfinden, dass es uns nicht gelingen wird, alles, was wir begonnen haben, zu vollenden.

וַנֵּשֶׁב בַּגָּיְא מוּל בֵּית פְּעוֹר׃

wannéschew baggáj mul bet pe'ór

29 Und wir wohnten im Tal gegenüber von Bejt-Pe'or.

Bejt-Pe'or ist der Ort, an dem das Volk Israel sündigte, wo viele umkamen, es ist eine Art Erinnerung an die Sünde.

Damit endet Kapitel 3, und wir beginnen, Kapitel 4 zu lesen. Mosche gibt dem Volk Israel eine Weisung, eine sehr wichtige Weisung.

וְעַתָּה יִשְׂרָאֵל שְׁמַע אֶל־הַחֻקִּים וְאֶל־הַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר אָנֹכִי מְלַמֵּד אֶתְכֶם לַעֲשׂוֹת לְמַעַן תִּחְיוּ וּבָאתֶם וִירִשְׁתֶּם אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר יְהוָה אֱלֹהֵי אֲבֹתֵיכֶם נֹתֵן לָכֶם׃

we'attá jisra'él schemá el-hachukkím we'el-hammischpatím aschér anochí melamméd etchém la'asót lemá'an tich'jú uwatém wirischtém et-ha'árez aschér adonáj elohé awotechém notén lachém

1 Nun aber, Israel, höre auf die Gesetze und Urteile, die ich euch lehre zu tun, damit ihr lebt, und ihr werdet hineinkommen und das Land erben, das der HERR, der Gott eurer Väter, euch gibt.

Man kann es so verstehen, dass das Wort chok (Gesetz) sich auf die Beziehungen zwischen dem Volk und Gott bezieht, und das Wort mischpát (Urteil) sich auf die Beziehungen zwischen den Menschen bezieht, mit Urteilen wird zwischen Menschen gerichtet.

Weiter folgt ein wichtiges Gebot, das man richtig verstehen muss.

לֹא תֹסִפוּ עַל־הַדָּבָר אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוֶּה אֶתְכֶם וְלֹא תִגְרְעוּ מִמֶּנּוּ לִשְׁמֹר אֶת־מִצְוֹת יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוֶּה אֶתְכֶם׃

lo tossífu al-haddawár aschér anochí mezawwé etchém weló tigre'ú mimménu lischmór et-mizwót adonáj elohechém aschér anochí mezawwé etchém

2 Fügt nichts zu den Worten hinzu, die ich euch gebiete, und nehmt nichts von ihnen weg, um die Gebote des HERRN, eures Gottes, zu hören, die ich euch gebiete.

Das heißt, haltet mit aller Sorgfalt die Gebote, die der HERR euch gegeben hat, haltet die Gebote des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete. In der Tora ist jeder Buchstabe gezählt. Zwar gibt es Bibelwissenschaftler, Fachleute, Gelehrte, die sagen, dass die Tora aus verschiedenen Stückchen zusammengewoben ist, dass ebendieses Buch Dewarim, das wir heute lesen, viel später als die übrigen Bücher geschrieben wurde. Wir glauben an die Ganzheit der Tora, daran, dass jeder Buchstabe in ihr an seinem Platz ist. Es gibt nur neun unbedeutende abweichende Lesarten zwischen verschiedenen Torarollen, jede dieser abweichenden Lesarten hat ihre eigene Geschichte. Und es geht nicht darum, dass jemand etwas zur Tora dazuschreibt. Es geht darum, dass jemand versuchen kann, es besser zu machen, zu sagen: „Und ich mache mehr.“ Jemand kann sagen: „Und mir ist das zu viel, ich mache etwas weniger.“ Zum Beispiel gebietet die Tora: „Sechs Tage arbeite, aber der siebte Tag ist Schabbat dem HERRN, deinem Gott“. Und da kann man sagen: „Und ich füge etwas hinzu, ich werde nur fünf Tage arbeiten und zwei Tage dem HERRN, meinem Gott, weihen!“ Oder zum Beispiel (und das trifft man oft unter Menschen an) sagt man: „Und ich werde sieben Tage, alle sieben Tage der Woche, dem HERRN, meinem Gott, weihen und überhaupt nicht arbeiten, überhaupt keine Arbeiten tun.“ Man kann eine Korrektur vornehmen und irgendwie die Proportionen zurechtrücken, sagen: „Und ich mache mehr!“, „Und ich mache weniger!“, „Ich kann nicht sechs Tage arbeiten und am siebten Tag ruhen, darf ich neun Tage arbeiten und einen Tag ruhen?“ Hier sagt der Höchste: „Alles, was gegeben ist, halte. Füge nichts hinzu und nimm nichts weg von dem, was Ich gesagt habe.“

Man erzählt, dass damit das Problem der Menschheit begann. Als Chawa zur Schlange sagte: „Es ist uns verboten, diesen Baum auch nur zu berühren“, da stieß die Schlange sie an den Baum und sagte: „Da, schau! Siehst du? Nichts passiert, wenn du ihn berührst.“ Und sie begriff: „Aha, na dann ist dieses Verbot falsch.“ So etwas kann auch uns passieren, wenn wir meinen, dass der Zaun, den wir um ein Gebot errichtet haben (und es ist manchmal vernünftig, einen Zaun um ein Gebot zu errichten), dass dieser Zaun die Tora selbst ist. Man muss, man darf Einschränkungen setzen, sowohl in der Erziehung als auch in den Gesetzen, aber sie dürfen nicht als Teil der Tora wahrgenommen werden, als ewiges Gesetz. Das ist ein sehr schwieriges Thema, sehr viel Streit, sehr viele Vorwürfe zu diesem Thema, und wir wollen jetzt nicht tiefer darauf eingehen, ich wollte nur zeigen, dass man diese Frage aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann.

Und was wird geschehen, wenn man auf der Erde irgendwelche Gräuel verübt? Wenn wir sagen: „Weg mit ihnen, mit diesen Geboten! Lasst uns nach unserem eigenen Verstand leben!“ In Vers 3 sagt Mosche:

עֵינֵיכֶם הָרֹאֹת אֵת אֲשֶׁר־עָשָׂה יְהוָה בְּבַעַל פְּעוֹר כִּי כָל־הָאִישׁ אֲשֶׁר הָלַךְ אַחֲרֵי בַעַל־פְּעוֹר הִשְׁמִידוֹ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מִקִּרְבֶּךָ׃

enechém haro'ót et ascher-assá adonáj bewá'al pe'ór ki chol-ha'ísch aschér halách acharé wa'al-pe'ór hischmidó adonáj elohécha mikkirbécha

3 Eure Augen, die alles sehen, was der HERR wegen Ba'al-Pe'or getan hat, denn jeder Mensch, der Ba'al-Pe'or nachgegangen ist, den hat der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte vernichtet.

Du musst verstehen, du hast die Folgen dessen gesehen, was geschieht, wenn ein Mensch anderen Göttern nachgeht.

וְאַתֶּם הַדְּבֵקִים בַּיהוָה אֱלֹהֵיכֶם חַיִּים כֻּלְּכֶם הַיּוֹם׃

we'attém haddewekím badonáj elohechém chajím kullechém hajom

4 Ihr aber, die ihr dem HERRN, eurem Gott, anhingt, ihr seid heute alle am Leben.

Die beste Sicherheitsregel für das Dasein im Land Israel ist, dem HERRN, dem Gott Israels, anzuhängen. Diejenigen, die Ba'al-Pe'or nachgegangen sind, hat der Höchste vernichtet. Diejenigen, die dem HERRN anhingen, sind am Leben.

רְאֵה לִמַּדְתִּי אֶתְכֶם חֻקִּים וּמִשְׁפָּטִים כַּאֲשֶׁר צִוַּנִי יְהוָה אֱלֹהָי לַעֲשׂוֹת כֵּן בְּקֶרֶב הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם בָּאִים שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ׃

re'é limmádti etchém chukkím umischpatím ka'aschér ziwwáni adonáj eloháj la'asót ken bekérew ha'árez aschér attém ba'ím schámma lerischtá

5 Sieh, ich habe euch Gesetze und Urteile gelehrt, wie der HERR, mein Gott, mir geboten hat, damit ihr so handelt in dem Land, in das ihr geht, um es zu erben.

וּשְׁמַרְתֶּם וַעֲשִׂיתֶם כִּי הִוא חָכְמַתְכֶם וּבִינַתְכֶם לְעֵינֵי הָעַמִּים אֲשֶׁר יִשְׁמְעוּן אֵת כָּל־הַחֻקִּים הָאֵלֶּה וְאָמְרוּ רַק עַם־חָכָם וְנָבוֹן הַגּוֹי הַגָּדוֹל הַזֶּה׃

uschmartém wa'assitém ki hi chochmatchém uwinatchém le'ené ha'ammím aschér jischme'ún et kol-hachukkím ha'élle we'amerú rak am-chachám wenawón haggój haggadól hasse

6 Hütet euch und haltet sie, denn das ist eure Weisheit und Einsicht vor den Augen der Völker, die all diese Gesetze hören und sagen werden: „Wie weise und scharfsinnig ist dieses große Volk!“

כִּי מִי־גוֹי גָּדוֹל אֲשֶׁר־לוֹ אֱלֹהִים קְרֹבִים אֵלָיו כַּיהוָה אֱלֹהֵינוּ בְּכָל־קָרְאֵנוּ אֵלָיו׃

ki mi-gój gadól ascher-ló elohím kerowím eláw kadonáj elohénu bechol-kor'énu eláw

7 Denn welches Volk ist so groß, dass es einen Gott hätte, der ihm nahe ist, wie unser Gott bei all unserem Rufen zu Ihm?

Israel ist wie ein Brief Gottes: Die Völker, die auf das Verhalten des Volkes Israel und seine Beziehung zum Höchsten schauen, werden eifersüchtig werden und ebenfalls eine solche Beziehung zum Höchsten wollen. Sie sind es, die sich an Israel ein Beispiel nehmen sollen, und nicht umgekehrt, Gott bewahre.

וּמִי גּוֹי גָּדוֹל אֲשֶׁר־לוֹ חֻקִּים וּמִשְׁפָּטִים צַדִּיקִם כְּכֹל הַתּוֹרָה הַזֹּאת אֲשֶׁר אָנֹכִי נֹתֵן לִפְנֵיכֶם הַיּוֹם׃

umí goj gadól ascher-ló chukkím umischpatím zaddikím kechól hattorá hassót aschér anochí notén lifnechém hajom

8 Und welches Volk ist noch so groß, dass es gerechte, rechtschaffene Gesetze und Urteile hat wie diese ganze Tora, die ich heute vor euch gebe?

רַק הִשָּׁמֶר לְךָ וּשְׁמֹר נַפְשְׁךָ מְאֹד פֶּן־תִּשְׁכַּח אֶת־הַדְּבָרִים אֲשֶׁר־רָאוּ עֵינֶיךָ וּפֶן־יָסוּרוּ מִלְּבָבְךָ כֹּל יְמֵי חַיֶּיךָ וְהוֹדַעְתָּם לְבָנֶיךָ וְלִבְנֵי בָנֶיךָ׃

rak hischámer lechá uschmór nafschechá me'ód pen-tischkách et-haddewarím ascher-ra'ú enécha ufen-jasúru millewawechá kol jemé chajécha wehoda'tám lewanécha weliwné wanécha

9 Nur hüte dich und behüte (bewahre) deine Seele sehr, sehr stark, damit du die Dinge nicht vergisst, die deine Augen gesehen haben, damit sie nicht von deinem Herzen weichen alle Tage deines Lebens, und lehre sie deine Söhne und die Söhne deiner Söhne.

All diese Ereignisse, die geschehen sind, muss man ständig im Gedächtnis behalten, sie dürfen keinen einzigen Augenblick vom Herzen weichen. Mehr noch, man muss sie weitergeben, von ihnen zu den Söhnen und den Söhnen der Söhne sprechen. Das ist sehr wichtig.

Und hier ist es wohl sehr wichtig, das zu wiederholen, was ich schon viele Male gesagt habe, aber ich sage es trotzdem noch einmal. Sehr wichtig! Das Volk Israel nennt man das „Volk des Buches“, aber hier und überall weist die Tora an: nicht einfach dem Kind die Tora zu lesen geben, nicht einfach dem Kind irgendeine Schrift zu lesen geben, sondern mit deiner eigenen Stimme sprechen, dich mit ihm austauschen, damit er die Stimme seines Vaters hört, damit er dieses Zeugnis vom Vater hört, nicht aus einem Buch. Damit der Vater von seiner Erfahrung im Umgang mit dem Höchsten spricht, damit das Kind von Gott durch die Stimme des Vaters erfährt, die Stimme der Mutter, die Stimme des Großvaters, des Urgroßvaters.

Worüber muss man seine Söhne und die Söhne seiner Söhne belehren?

יוֹם אֲשֶׁר עָמַדְתָּ לִפְנֵי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּחֹרֵב בֶּאֱמֹר יְהוָה אֵלַי הַקְהֶל־לִי אֶת־הָעָם וְאַשְׁמִעֵם אֶת־דְּבָרָי אֲשֶׁר יִלְמְדוּן לְיִרְאָה אֹתִי כָּל־הַיָּמִים אֲשֶׁר הֵם חַיִּים עַל־הָאֲדָמָה וְאֶת־בְּנֵיהֶם יְלַמֵּדוּן׃

jom aschér amádta lifné adonáj elohécha bechoréw be'emór adonáj eláj hakhel-lí et-ha'ám we'aschmi'ém et-dewaráj aschér jilmedún lejir'á otí kol-hajamím aschér hem chajím al-ha'adamá we'et-benehém jelammedún

10 Über ebenjenen Tag, als du vor Deinem HERRN am Choreb (am Sinai) standest, als der HERR zu mir sprach: „Versammle Mir das Volk, und Ich werde ihnen Meine Worte verkünden, damit sie die Ehrfurcht vor Mir lernen alle Tage, solange sie auf der Erde leben, und ihre Söhne lehren.“

וַתִּקְרְבוּן וַתַּעַמְדוּן תַּחַת הָהָר וְהָהָר בֹּעֵר בָּאֵשׁ עַד־לֵב הַשָּׁמַיִם חֹשֶׁךְ עָנָן וַעֲרָפֶל׃

wattikrewún watta'amdún táchat hahár wehahár bo'ér ba'ésch ad-léw haschamájim chóschech anán wa'arafél

11 Und ihr tratet heran, und ihr standet unter dem Berg, und der Berg brennt im Feuer bis zum Herzen des Himmels – Finsternis, Rauch (Wolke) und Dunkel.

Mosche erinnert an jene Ereignisse, die geschahen, während das Volk am Sinai stand.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֲלֵיכֶם מִתּוֹךְ הָאֵשׁ קוֹל דְּבָרִים אַתֶּם שֹׁמְעִים וּתְמוּנָה אֵינְכֶם רֹאִים זוּלָתִי קוֹל׃

wajdabbér adonáj alechém mittóch ha'ésch kol dewarím attém schome'ím utmuná enechém ro'ím sulatí kol

12 Und der HERR redete mit euch aus dem Feuer: eine Stimme, die Reden spricht, habt ihr gehört, aber irgendeine Gestalt habt ihr nicht gesehen, außer der Stimme.

Für den Fall, dass jemand euch fragt: „Wie sieht Gott aus? Ihr erinnert euch doch, ja? Ihr wart dort, ihr habt ein Zeugnis!“, lautet die Antwort: „Er sieht nach gar nichts aus! Es gibt keinerlei Bild!“ Glaubt dem nicht, der irgendwelche Bilder beschreiben wird, wie Gott aussieht.

וַיַּגֵּד לָכֶם אֶת־בְּרִיתוֹ אֲשֶׁר צִוָּה אֶתְכֶם לַעֲשׂוֹת עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים וַיִּכְתְּבֵם עַל־שְׁנֵי לֻחוֹת אֲבָנִים׃

wajaggéd lachém et-beritó aschér ziwwá etchém la'asót asséret haddewarím wajichtewém al-schené luchót awaním

13 Und Er erzählte euch Seinen Bund, in dem Er euch gebot, die Zehn Worte zu halten, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.

Mosche erwähnt hier die Geschichte der zerbrochenen Tafeln nicht. Mosche erzählt die Geschichte nach und berührt dabei die Dinge, die für das Volk wichtig sind, ohne jedes Mal irgendeinen Anlass zu nutzen, um dem Volk Vorwürfe zu machen. Das Volk erinnert sich an diese Geschichte, und Mosche hält sie dem Volk hier nicht unnötig noch einmal vor.

וְאֹתִי צִוָּה יְהוָה בָּעֵת הַהִוא לְלַמֵּד אֶתְכֶם חֻקִּים וּמִשְׁפָּטִים לַעֲשֹׂתְכֶם אֹתָם בָּאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם עֹבְרִים שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ׃

we'otí ziwwá adonáj ba'ét hahí lelamméd etchém chukkím umischpatím la'asotechém otám ba'árez aschér attém owerím schámma lerischtá

14 Mir gebot der HERR zu jener Zeit, euch Gesetze und Urteile zu lehren, damit ihr sie in dem Land praktiziert, in das ihr hinübergeht, um es zu erben.

וְנִשְׁמַרְתֶּם מְאֹד לְנַפְשֹׁתֵיכֶם כִּי לֹא רְאִיתֶם כָּל־תְּמוּנָה בְּיוֹם דִּבֶּר יְהוָה אֲלֵיכֶם בְּחֹרֵב מִתּוֹךְ הָאֵשׁ׃

wenischmartém me'ód lenafschotechém ki lo re'itém kol-temuná bejom dibbér adonáj alechém bechoréw mittóch ha'ésch

15 Und hütet euch sehr, sehr in euren Seelen (bewahrt das, das ist sehr wichtig, sich zu merken), dass ihr keinerlei Gestalt gesehen habt an dem Tag, als der HERR am Choreb aus dem Feuer mit euch redete,

פֶּן־תַּשְׁחִתוּן וַעֲשִׂיתֶם לָכֶם פֶּסֶל תְּמוּנַת כָּל־סָמֶל תַּבְנִית זָכָר אוֹ נְקֵבָה׃

pen-taschchitún wa'assitém lachém péssel temunát kol-sámel tawnít sachár o nekewá

16 Damit ihr nicht verderbt und euch nicht irgendeine Statue macht und ein Bild irgendeiner Gestalt männlichen Geschlechts oder weiblichen Geschlechts;

תַּבְנִית כָּל־בְּהֵמָה אֲשֶׁר בָּאָרֶץ תַּבְנִית כָּל־צִפּוֹר כָּנָף אֲשֶׁר תָּעוּף בַּשָּׁמָיִם׃

tawnít kol-behemá aschér ba'árez tawnít kol-zippór kanáf aschér ta'úf baschamájim

17 Die Gestalt irgendeines Viehs, das auf der Erde ist, oder die Gestalt jedes geflügelten Vogels, der in den Himmeln fliegt;

תַּבְנִית כָּל־רֹמֵשׂ בָּאֲדָמָה תַּבְנִית כָּל־דָּגָה אֲשֶׁר־בַּמַּיִם מִתַּחַת לָאָרֶץ׃

tawnit kol-romés ba'adamá tawnít kol-dagá ascher-bammájim mittáchat la'árez

18 Die Gestalt jedes Kriechtiers auf der Erde und die Gestalt jedes Fisches, der im Wasser unter der Erde ist.

Versuche nicht, Gott irgendeine Gestalt zuzuschreiben, indem du irgendeines Seiner Geschöpfe benutzt.

וּפֶן־תִּשָּׂא עֵינֶיךָ הַשָּׁמַיְמָה וְרָאִיתָ אֶת־הַשֶּׁמֶשׁ וְאֶת־הַיָּרֵחַ וְאֶת־הַכּוֹכָבִים כֹּל צְבָא הַשָּׁמַיִם וְנִדַּחְתָּ וְהִשְׁתַּחֲוִיתָ לָהֶם וַעֲבַדְתָּם אֲשֶׁר חָלַק יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֹתָם לְכֹל הָעַמִּים תַּחַת כָּל־הַשָּׁמָיִם׃

ufen-tissá enécha haschamájma wera'íta et-haschémesch we'et-hajaréach we'et-hakkochawím kol zewá haschamájim weniddachtá wehischtachawíta lahém wa'awadtám aschér chalák adonáj elohécha otám lechól ha'ammím táchat kol-haschamájim

19 Damit du deine Augen nicht zum Himmel erhebst, und du wirst die Sonne sehen und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und wirst von ihnen erschüttert sein und dich vor ihnen niederwerfen und ihnen dienen, und dem dienen, was der HERR, dein Gott, für alle übrigen Völker unter den Himmeln geschaffen hat.

Das ist ein Stückchen, das schwer zu übersetzen ist. Wie es oft vorkommt, beeinflusst der Glaube des Übersetzers die Übersetzung. Man kann es so übersetzen: Diese Sterne, all diese Himmelskörper hat der Höchste unter den Völkern aufgeteilt und gesagt: „Du wirst daran glauben, du wirst diesen Stern anbeten, und du wirst diesen Stern anbeten“, und jedem Volk seinen eigenen Stern gegeben, irgendeinen Himmelskörper, den das Volk anbeten soll. Man kann es so übersetzen, dass der Höchste den Heiden bis zu einer bestimmten Zeit zugelassen hat, diese Himmelskörper anzubeten. Man kann es auch so übersetzen, dass der Höchste diese Sterne und die Sonne und all das für alle Völker der Welt erschaffen hat. Und man kann das Wort chalák in der Bedeutung Zorn übersetzen (zürnte oder rechnete als Schuld an). Und dann kann man übersetzen: Für diese Anbetung der Sterne und Himmelskörper beschuldigt der HERR alle Völker. Alle Völker sind darin ausgerutscht, und der HERR hat Zorn auf diese Völker dafür, dass sie darin ausgerutscht sind. Deshalb tu du das nicht! Und mir ist gerade dieses Verständnis des Textes nahe.

וְאֶתְכֶם לָקַח יְהוָה וַיּוֹצִא אֶתְכֶם מִכּוּר הַבַּרְזֶל מִמִּצְרָיִם לִהְיוֹת לוֹ לְעַם נַחֲלָה כַּיּוֹם הַזֶּה׃

we'etchém lakách adonáj wajozí etchém mikkúr habbarsél mimmizrájim lihjot lo le'ám nachalá kajom hassé

20 Euch hat der HERR genommen und herausgezogen aus dem Schmelzkessel, aus Ägypten, damit ihr Ihm ein Volk seid, Sein Erbteil, wie heute.

וַיהוָה הִתְאַנֶּף־בִּי עַל־דִּבְרֵיכֶם וַיִּשָּׁבַע לְבִלְתִּי עָבְרִי אֶת־הַיַּרְדֵּן וּלְבִלְתִּי־בֹא אֶל־הָאָרֶץ הַטּוֹבָה אֲשֶׁר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לְךָ נַחֲלָה׃

wadonáj hit'annaf-bí al-diwrechém wajischawá lewiltí owrí et-hajardén ulwilti-wó el-ha'árez hattowá aschér adonáj elohécha notén lechá nachalá

21 Auf mich zürnte der HERR wegen eurer Reden und schwor, dass ich nicht über den Jordan hinübergehen und dass ich nicht in das schöne Land hineinkommen werde, das der HERR, dein Gott, dir als Erbteil gibt.

כִּי אָנֹכִי מֵת בָּאָרֶץ הַזֹּאת אֵינֶנִּי עֹבֵר אֶת־הַיַּרְדֵּן וְאַתֶּם עֹבְרִים וִירִשְׁתֶּם אֶת־הָאָרֶץ הַטּוֹבָה הַזֹּאת׃

ki anochí met ba'árez hassót enénni owér et-hajardén we'attém owerím wirischtém et-ha'árez hattowá hassót

22 Denn ich werde in diesem Land sterben, ich werde nicht über den Jordan hinübergehen, ihr aber werdet hinübergehen und dieses Land erben.

Seht, wie gnädig der HERR ist: Trotz der Menge an Sünden, die das Volk begangen hat, wird der Höchste hineinführen, wird dem Volk Gnade erweisen und das Volk in das Land hineinführen. Und das sagt Mosche nicht gekränkt, sondern als Lobpreis der Gnade des HERRN: „Er lässt mich zurück, aber euch erweist Er Gnade, ihr werdet in das Land hineinkommen.“

הִשָּׁמְרוּ לָכֶם פֶּן־תִּשְׁכְּחוּ אֶת־בְּרִית יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם אֲשֶׁר כָּרַת עִמָּכֶם וַעֲשִׂיתֶם לָכֶם פֶּסֶל תְּמוּנַת כֹּל אֲשֶׁר צִוְּךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ׃

hischamerú lachém pen-tischkechú et-berít adonáj elohechém aschér karát immachém wa'assitém lachém péssel temúnat kol aschér ziwwechá adonáj elohécha

23 Hütet euch, damit ihr nicht den Bund des HERRN, eures Gottes, vergesst, den Er mit euch geschlossen hat, und euch irgendeine Statue macht und irgendein Bildchen – alles, was der HERR, dein Gott, dir verboten hat.

כִּי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֵשׁ אֹכְלָה הוּא אֵל קַנָּא׃

ki adonáj elohécha esch ochelá hu el kanná

24 Denn der HERR, dein Gott, Er ist ein verzehrendes Feuer, ein eifernder Gott.

Der HERR wird nicht zulassen, dass du zugleich Sein Volk bist und irgendwelche Götzen anbetest. Habt ihr gesehen, was mit denen geschehen ist, die so gehandelt haben? Deshalb hütet euch! Gott hat euch Gnade erwiesen, aber denkt nicht, dass diese Gnade grenzenlos ist und Gott euch erlauben wird, andere Götter anzubeten. Gott ist gnädig zu Seinem Volk, aber wenn ihr aufhört, Sein Volk zu sein, dann habt ihr ein ernstes Problem.

כִּי־תוֹלִיד בָּנִים וּבְנֵי בָנִים וְנוֹשַׁנְתֶּם בָּאָרֶץ וְהִשְׁחַתֶּם וַעֲשִׂיתֶם פֶּסֶל תְּמוּנַת כֹּל וַעֲשִׂיתֶם הָרַע בְּעֵינֵי יְהוָה־אֱלֹהֶיךָ לְהַכְעִיסוֹ׃

ki-tolíd baním uwné waním wenoschantém ba'árez wehischchattém wa'assítem péssel temúnat kol wa'assitém hará be'ene-adonáj elohécha lehach'issó

25 Wenn dir Söhne und Söhne der Söhne geboren werden und ihr ruhig im Land lebt und verderbt und irgendeine Statue oder irgendein Abbild macht und Böses tut in den Augen des HERRN, deines Gottes, Ihn erzürnt,

הַעִידֹתִי בָכֶם הַיּוֹם אֶת־הַשָּׁמַיִם וְאֶת־הָאָרֶץ כִּי־אָבֹד תֹּאבֵדוּן מַהֵר מֵעַל הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם עֹבְרִים אֶת־הַיַּרְדֵּן שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ לֹא־תַאֲרִיכֻן יָמִים עָלֶיהָ כִּי הִשָּׁמֵד תִּשָּׁמֵדוּן׃

ha'idóti wachém hajom et-haschamájim we'et-ha'árez ki-awód towedún mahér me'ál ha'árez aschér attém owerím et-hajardén schámma lerischtá lo-ta'arichún jamím aléha ki hischaméd tischamedún

26 So rufe ich euch heute die Himmel und die Erde als Zeugen an, dass ihr mit Untergang untergehen werdet (mit Verlust verloren gehen werdet), schnell, weg von dem Land, zu dem ihr über den Jordan hinübergeht, um es zu erben, und ihr werdet eure Tage in diesem Land nicht verlängern, denn mit Vernichtung werdet ihr vernichtet werden.

וְהֵפִיץ יְהוָה אֶתְכֶם בָּעַמִּים וְנִשְׁאַרְתֶּם מְתֵי מִסְפָּר בַּגּוֹיִם אֲשֶׁר יְנַהֵג יְהוָה אֶתְכֶם שָׁמָּה׃

wehefíz adonáj etchém ba'ammím wenisch'artém meté mispár baggojím aschér jenahég adonáj etchém schámma

27 Und der HERR wird euch unter die Völker zerstreuen, und von euch wird eine verschwindend kleine Zahl unter den Heiden übrig bleiben, unter die der HERR euch führen wird, um dort zu sein.

וַעֲבַדְתֶּם־שָׁם אֱלֹהִים מַעֲשֵׂה יְדֵי אָדָם עֵץ וָאֶבֶן אֲשֶׁר לֹא־יִרְאוּן וְלֹא יִשְׁמְעוּן וְלֹא יֹאכְלוּן וְלֹא יְרִיחֻן׃

wa'awadtem-schám elohím ma'assé jedé adám ez wa'éwen aschér lo-jir'ún weló jischme'ún weló jochelún weló jerichún

28 Und dort werdet ihr handgemachten Göttern dienen (von Menschenhänden gefertigten), Holz und Stein, die nicht sehen und nicht hören und nicht essen und nicht riechen.

וּבִקַּשְׁתֶּם מִשָּׁם אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ וּמָצָאתָ כִּי תִדְרְשֶׁנּוּ בְּכָל־לְבָבְךָ וּבְכָל־נַפְשֶׁךָ׃

uwikkaschtém mischám et-adonáj elohécha umazáta ki tidreschénnu bechol-lewawechá uwchol-nafschécha

29 Und von dort aus werdet ihr Gott ersuchen (werdet ihr anfangen zu suchen), und du wirst Ihn finden, wenn du Ihn mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele suchen wirst.

Eine sehr wichtige Weisung von Mosche: Wenn du bestraft bist, vertrieben, wenn der Höchste dich fortgejagt hat, – ersuche Ihn nur mit ganzem Herzen, du wirst Ihn sofort finden. Nicht so, dass Er kommt zu dir, sondern Er ist nahe, schau du einfach hin, reinige das Herz und schau hin, und du wirst Ihn sofort finden, wo du auch bist.

בַּצַּר לְךָ וּמְצָאוּךָ כֹּל הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה בְּאַחֲרִית הַיָּמִים וְשַׁבְתָּ עַד־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ וְשָׁמַעְתָּ בְּקֹלוֹ׃

bazzár lechá umza'úcha kol haddewarím ha'élle be'acharít hajamím weschawtá ad-adonájIn der russischen Umschrift steht hier „at“ vor dem Gottesnamen. Das hebräische Wort lautet „ad“ (bis zu, hin zu), deshalb steht in der deutschen Umschrift „ad-adonáj“. elohécha weschama'tá bekoló

30 Wenn du in Not bist und dich all diese Dinge am Ende der Tage treffen (das ist nicht unbedingt ein eschatologisches Verständnis vom Ende der Tage, das kann in irgendeinem Zeitraum sein), wirst du zum HERRN, deinem Gott, umkehren und Seiner Stimme gehorchen,

כִּי אֵל רַחוּם יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לֹא יַרְפְּךָ וְלֹא יַשְׁחִיתֶךָ וְלֹא יִשְׁכַּח אֶת־בְּרִית אֲבֹתֶיךָ אֲשֶׁר נִשְׁבַּע לָהֶם׃

ki el rachúm adonáj elohécha lo jarpechá weló jaschchitécha weló jischkách et-berít awotécha aschér nischbá lahém

31 Denn der barmherzige HERR, dein Gott, wird dich aus Seinen Händen nicht loslassen, und wird dich nicht verderben, und wird den Bund deiner Väter nicht vergessen, den Er ihnen geschworen hat.

Das heißt, Er wird die Kraft nicht schwächen, mit der Er dich hält, wörtlich das Verb leharpót – den Griff lockern, loslassen. Selbst wenn du in ein fremdes Land vertrieben bist und begonnen hast, anderen Göttern zu dienen, hält Gott dich in Seiner Hand. Das sehen wir sehr gut im Buch Ester.

כִּי שְׁאַל־נָא לְיָמִים רִאשֹׁנִים אֲשֶׁר־הָיוּ לְפָנֶיךָ לְמִן־הַיּוֹם אֲשֶׁר בָּרָא אֱלֹהִים אָדָם עַל־הָאָרֶץ וּלְמִקְצֵה הַשָּׁמַיִם וְעַד־קְצֵה הַשָּׁמָיִם הֲנִהְיָה כַּדָּבָר הַגָּדוֹל הַזֶּה אוֹ הֲנִשְׁמַע כָּמֹהוּ׃

ki sche'al-ná lejamím rischoním ascher-hajú lefanécha lemin-hajom aschér bará elohím adám al-ha'árezDie russische Umschrift gibt hier den Anlaut von „ha'árez“ wie ein G wieder. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen und schreibt h. ulmikzé haschamájim we'ad-kezé haschamájim hanihjá kaddawár haggadól hassé o hanischmá kamóhu

32 Denn frage du die Tage der Vorzeit, die vor dir waren (erforsche die Geschichte), von dem Tag an, als der HERR den Menschen auf der Erde erschuf, und vom einen Ende bis zum anderen Ende des Himmels – hat es ein solches großes Ereignis gegeben, oder hat man Derartiges gehört?

Das heißt, vielleicht hat es so etwas nicht gegeben, aber jemand denkt sich so etwas aus, erzählt Ähnliches. Die menschliche Fantasie hat bestimmte Grenzen: Selbst wenn der Mensch sich etwas ausdenkt, kann er sich etwas ausdenken, was in der Welt seiner Begriffe existiert. Kein einziges Volk hat sich eine Geschichte darüber ausgedacht, wie sich ihm der unsichtbare, transzendente Schöpfer des Himmels und der Erde offenbart hat, darüber, wie Gott mit solchen Zeichen dem ganzen Volk erschienen ist. Kein einziges Volk hat auch nur eine solche Legende, nicht nur hat es so etwas nicht gegeben, sondern so etwas ist auch nicht ausgedacht worden. Und das bedeutet, dass die menschliche Fantasie so etwas nicht ausdenken kann, nicht imstande ist, es auszudenken.

הֲשָׁמַע עָם קוֹל אֱלֹהִים מְדַבֵּר מִתּוֹךְ־הָאֵשׁ כַּאֲשֶׁר־שָׁמַעְתָּ אַתָּה וַיֶּחִי׃

hascháma am kol elohím medabbér mittoch-ha'ésch ka'ascher-scham'áta attá wajéchi

33 Hat irgendein Volk die Stimme Gottes gehört, der aus dem Feuer redet, wie du gehört hast, und ist am Leben geblieben?

אוֹ הֲנִסָּה אֱלֹהִים לָבוֹא לָקַחַת לוֹ גוֹי מִקֶּרֶב גּוֹי בְּמַסֹּת בְּאֹתֹת וּבְמוֹפְתִים וּבְמִלְחָמָה וּבְיָד חֲזָקָה וּבִזְרוֹעַ נְטוּיָה וּבְמוֹרָאִים גְּדֹלִים כְּכֹל אֲשֶׁר־עָשָׂה לָכֶם יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם בְּמִצְרַיִם לְעֵינֶיךָ׃

o hanissá elohím lawó lakáchat lo goj mikkérew goj bemassót be'otót uwmofetím uwmilchamá uw'jád chasaká uwisróa netujá uwmora'ím gedolím kechól ascher-assá lachém adonáj elohechém bemizrájim le'enécha

34 Oder ist vielleicht irgendein Gott gekommen und hat versucht, sich irgendein Volk aus der Mitte der Völker zu nehmen, mit Wundern, mit Zeichen und mit mächtigen Taten und mit Krieg und mit starker Hand und mit kräftigem Arm und mit großen Schrecken, so wie es der HERR, euer Gott, mit euch in Ägypten vor deinen Augen getan hat?

אַתָּה הָרְאֵתָ לָדַעַת כִּי יְהוָה הוּא הָאֱלֹהִים אֵין עוֹד מִלְבַדּוֹ׃

attá hor'éta ladá'at ki adonáj hu ha'elohím ejn od milewaddó

35 Du hast gesehen und dich überzeugt, dass der HERR – Gott ist Er, und es gibt keinen Gott außer Ihm.

מִן־הַשָּׁמַיִם הִשְׁמִיעֲךָ אֶת־קֹלוֹ לְיַסְּרֶךָּ וְעַל־הָאָרֶץ הֶרְאֲךָ אֶת־אִשּׁוֹ הַגְּדוֹלָה וּדְבָרָיו שָׁמַעְתָּ מִתּוֹךְ הָאֵשׁ׃

min-haschamájim hischmi'achá et-koló lejasserékka we'al-ha'árez her'achá et-ischó haggedolá udwaraw scham'áta mittóch ha'ésch.

36 Vom Himmel her ließ Er dich Seine Stimme hören, um dich in Ehrfurcht auf der Erde zu unterweisen. Er zeigte dir Seine große Flamme, und Seine Worte hast du aus dem Feuer gehört.

וְתַחַת כִּי אָהַב אֶת־אֲבֹתֶיךָ וַיִּבְחַר בְּזַרְעוֹ אַחֲרָיו וַיּוֹצִאֲךָ בְּפָנָיו בְּכֹחוֹ הַגָּדֹל מִמִּצְרָיִם׃

wetáchat ki aháw et-awotécha wajiwchár besar'ó acharáw wajozi'achá befanáw bechochó haggadól mimmizrájim

37 Und darum, weil Er deine Väter liebte, erwählte Er ihren Samen nach ihnen und führte dich vor Sich her mit großer Kraft aus Ägypten,

לְהוֹרִישׁ גּוֹיִם גְּדֹלִים וַעֲצֻמִים מִמְּךָ מִפָּנֶיךָ לַהֲבִיאֲךָ לָתֶת־לְךָ אֶת־אַרְצָם נַחֲלָה כַּיּוֹם הַזֶּה׃

lehorísch gojím gedolím wa'azumím mimmechá mippanécha lahawi'achá latet-lechá et-arzám nachalá kajom hassé

38 um große und stärkere Völker, als du es bist, vor deinem Angesicht zu vertreiben, dich hineinzubringen und dir ihr Land als Erbe zu geben, wie heute.

וְיָדַעְתָּ הַיּוֹם וַהֲשֵׁבֹתָ אֶל־לְבָבֶךָ כִּי יְהוָה הוּא הָאֱלֹהִים בַּשָּׁמַיִם מִמַּעַל וְעַל־הָאָרֶץ מִתָּחַת אֵין עוֹד׃

wejada'tá hajom wahaschewotá el-lewawécha ki adonáj hu ha'elohím baschamájim mimmá'al we'al-ha'árez mittáchat ejn od

39 Und du weißt heute und hast dich in deinem Herzen überzeugt, dass der HERR – Er ist Gott, in den Himmeln oben und bis in die Tiefe der Erde gibt es keinen anderen.

וְשָׁמַרְתָּ אֶת־חֻקָּיו וְאֶת־מִצְוֹתָיו אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם אֲשֶׁר יִיטַב לְךָ וּלְבָנֶיךָ אַחֲרֶיךָ וּלְמַעַן תַּאֲרִיךְ יָמִים עַל־הָאֲדָמָה אֲשֶׁר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לְךָ כָּל־הַיָּמִים׃

weschamartá et-chukkáw we'et-mizwotáw aschér anochí mezawwechá hajom aschér jitáw lechá ulwanécha acharécha ulmá'an ta'arích jamím al-ha'adamá aschér adonáj elohécha notén lechá kol-hajamím

40 Und haltet Seine Gesetze und Seine Gebote, die ich dir heute gebiete, damit es dir und deinen Söhnen nach dir gut geht und damit du deine Tage verlängerst auf der Erde, die der HERR, dein Gott, dir gibt, für alle deine Tage.

Die Gebote, die Gesetze sind dazu gegeben, damit es dir gut geht. Halte sie, damit es dir gut geht, nicht damit es dir nicht schlecht geht, sondern damit es dir gut geht. Die Gebote sind dazu gegeben, um aus einem einfachen Menschen einen glücklichen Menschen zu machen, damit es ihm, wenn er die Gebote hält, gut geht.

Damit endet die Rede Mosches, und weiter wird davon gesprochen, dass Mosche Zufluchtsstädte bestimmt, wie der Höchste geboten hat.

אָז יַבְדִּיל מֹשֶׁה שָׁלֹשׁ עָרִים בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן מִזְרְחָה שָׁמֶשׁ׃

as jawdíl mosché schalósch arím be'éwer hajardén misrechá schámesch

41 Damals sonderte Mosche drei Städte aus, am anderen Ufer des Jordan, beim Aufgang der Sonne,

לָנֻס שָׁמָּה רוֹצֵחַ אֲשֶׁר יִרְצַח אֶת־רֵעֵהוּ בִּבְלִי־דַעַת וְהוּא לֹא־שֹׂנֵא לוֹ מִתְּמוֹל שִׁלְשׁוֹם וְנָס אֶל־אַחַת מִן־הֶעָרִים הָאֵל וָחָי׃

lanús schámma rozéach aschér jirzách et-re'éhu biwli-dá'at wehú lo-soné lo mittemól schilschóm wenás el-achát min-he'arím ha'él wacháj

42 damit dorthin der Totschläger flieht, der seinen Nächsten ohne jede Absicht getötet hat, und in ihm war keinerlei Hass gegen ihn vor Kurzem (weder gestern noch vorgestern), und er wird in eine dieser Städte fliehen und leben.

אֶת־בֶּצֶר בַּמִּדְבָּר בְּאֶרֶץ הַמִּישֹׁר לָרֻאוּבֵנִי וְאֶת־רָאמֹת בַּגִּלְעָד לַגָּדִי וְאֶת־גּוֹלָן בַּבָּשָׁן לַמְנַשִּׁי׃

et-bézer bammidbár be'érez hammischór laruwení we'et-ramót baggil'ád laggadí we'et-golán babbaschán lamnaschí

43 Die Stadt Bezer in der Wüste beim Stamm Re'uwen, und die Stadt Ramot in Gil'ad beim Stamm Gad, und Golan – in Baschan bei Menasche.

וְזֹאת הַתּוֹרָה אֲשֶׁר־שָׂם מֹשֶׁה לִפְנֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wesót hattorá ascher-sám mosché lifné bené jisra'él

44 Und dies ist die Tora, die Mosche vor die Söhne Israels gelegt hat.

Das Verb sam (legte, mit den Buchstaben sin-mem) klingt ähnlich wie das Wort sam (Trank, mit den Buchstaben sámech-mem). Die Kommentatoren sagen: „Mosche hat einen Trank vor das Volk Israel gelegt. Für den, der gewürdigt wird, wird die Tora zu einem Trank des Lebens, zu lebendigem Wasser. Für den, der nicht gewürdigt wird, kann sie zu einem Trank des Todes werden, zu Gift, zu totem Wasser.“

אֵלֶּה הָעֵדֹת וְהַחֻקִּים וְהַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר דִּבֶּר מֹשֶׁה אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל בְּצֵאתָם מִמִּצְרָיִם׃

élle ha'edót wehachukkím wehammischpatím aschér dibbér mosché el-bené jisra'él bezetám mimmizrájim

45 Dies sind die Zeugnisse und die Gesetze und die Urteile, über die Mosche mit den Söhnen Israels gesprochen hat beim Auszug aus Ägypten,

בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן בַּגַּיְא מוּל בֵּית פְּעוֹר בְּאֶרֶץ סִיחֹן מֶלֶךְ הָאֱמֹרִי אֲשֶׁר יוֹשֵׁב בְּחֶשְׁבּוֹן אֲשֶׁר הִכָּה מֹשֶׁה וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל בְּצֵאתָם מִמִּצְרָיִם׃

be'éwer hajardén baggáj mul bet pe'ór be'érez sichón mélech ha'emorí aschér joschéw becheschbón aschér hikká mosché uwné jisra'él bezetám mimmizrájim

46 am Übergang über den Jordan, im Tal von Bejt-Pe'or, im Land Sichons, des emoritischen Königs, der in Cheschbon wohnt, den Mosche und die Söhne Israels bei ihrem Auszug aus Ägypten geschlagen haben.

וַיִּירְשׁוּ אֶת־אַרְצוֹ וְאֶת־אֶרֶץ עוֹג מֶלֶךְ־הַבָּשָׁן שְׁנֵי מַלְכֵי הָאֱמֹרִי אֲשֶׁר בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן מִזְרַח שָׁמֶשׁ׃

wajireschú et-arzó we'et-érez og melech-habbaschán schené mal'ché ha'emorí aschér be'éwer hajardén misrách schámesch

47 Und sie erbten sein Land und das Land Ogs, des baschanischen Königs, der zwei emoritischen Könige, das am Ufer des Jordan im Osten liegt.

Wieder wird wiederholt, dass beide, Sichon und Og, emoritische Könige waren. Obwohl, wie wir im Wochenabschnitt Dewarim gesagt haben, Og selbst seiner Herkunft nach Refa'ím war. Weiter wird wieder die Grenze wiederholt.

מֵעֲרֹעֵר אֲשֶׁר עַל־שְׂפַת־נַחַל אַרְנֹן וְעַד־הַר שִׂיאֹן הוּא חֶרְמוֹן׃

me'aro'ér aschér al-sefat-náchal arnón we'ad-hár si'ón hu chermón

48 Von Aro'er, das am Ufer des Baches Arnon liegt, bis zum Berg Sion, der der Chermon ist.

Wir haben im Wochenabschnitt Dewarim, im Kommentar zu Vers 9 von Kapitel 3, schon über die vier Namen des Berges Chermon gesprochen.

וְכָל־הָעֲרָבָה עֵבֶר הַיַּרְדֵּן מִזְרָחָה וְעַד יָם הָעֲרָבָה תַּחַת אַשְׁדֹּת הַפִּסְגָּה׃

wechol-ha'arawá éwer hajardén misrácha we'ád jam ha'arawá táchat aschdót happisgá

49 Und alle Steppen vom Ostufer des Jordan bis zum Jam Aarawa (dem Toten Meer), die am Fuß des Pisga liegen.

Die erste Rede Mosches beginnt und endet mit einem geschichtlichen Hintergrund, mit dem, was Mosche bereits getan hatte – mit der Eroberung des Landes der zwei emoritischen Könige, als eine Art eigentümlicher Prolog zu unserem Buch Dewarim.

Wieder über die Tafeln

Dewarim 5,1–30

Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Waetchanan fort und werden Kapitel 5 des Buches Dewarim lesen.

וַיִּקְרָא מֹשֶׁה אֶל־כָּל־יִשְׂרָאֵל וַיֹּאמֶר אֲלֵהֶם שְׁמַע יִשְׂרָאֵל אֶת־הַחֻקִּים וְאֶת־הַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר אָנֹכִי דֹּבֵר בְּאָזְנֵיכֶם הַיּוֹם וּלְמַדְתֶּם אֹתָם וּשְׁמַרְתֶּם לַעֲשֹׂתָם׃

wajikrá mosché el-kol-jisra'él wajomer alehém schemá jisra'él et-hachukkím we'et-hammischpatím aschér anochí dowér be'osnechém hajom ulmadtém otám uschmartém la'assotám

1 Und Mosche rief ganz Israel zusammen und sprach zu ihnen: „Höre, Israel, die Gesetze und Urteile, die ich heute in eure Ohren rede. Lernt sie und hütet euch, sie zu halten (bewahrt ihr Einhalten).

Wir haben schon (im Kommentar zu Vers 1 von Kapitel 4 des Buches Dewarim) davon gesprochen, dass das Wort chukkím die Beziehungen zwischen Israel (dem Menschen) und Gott bezeichnet, das Wort mischpatím dagegen mehr von den Beziehungen zwischen dem Menschen und dem Nächsten spricht.

Bewahren – das ist das Wachen über jenes Licht, das sich schon in uns befindet. Wenn wir diese Gesetze studieren, werden wir gleichsam mit göttlichem Licht erfüllt, und wir müssen es durch das Halten dieser Gebote bewahren.

Weiter sagt Mosche:

יְהוָה אֱלֹהֵינוּ כָּרַת עִמָּנוּ בְּרִית בְּחֹרֵב׃

adonáj elohénu karát immánu berít bechoréw

2 Der HERR, unser Gott, schloss mit uns einen Bund auf dem Berg Chorew (der Berg Chorew ist der Berg Sinai).

לֹא אֶת־אֲבֹתֵינוּ כָּרַת יְהוָה אֶת־הַבְּרִית הַזֹּאת כִּי אִתָּנוּ אֲנַחְנוּ אֵלֶּה פֹה הַיּוֹם כֻּלָּנוּ חַיִּים׃

lo et-awoténu karát adonáj et-habberít hassót ki ittánu anáchnu élle po hajom kullánu chajím

3 Nicht mit unseren Vätern schloss der HERR diesen Bund, sondern mit uns, mit denen, die jetzt hier sind; wir alle sind lebendig.

Man kann das so verstehen, dass alle Seelen (wie die Tradition sagt) am Berg Sinai anwesend waren. Und mit allen, mit jedem von denen, die im Volk Israel geboren wurden oder sich dem Volk Israel angeschlossen haben, mit allen hat der HERR den Bund schon dort, am Sinai, geschlossen. Man kann das so verstehen, als ob wir, da wir in den Lenden unserer Väter waren, schon dort anwesend gewesen wären. Und einer solchen Sichtweise begegnen wir in der Schrift ebenfalls mehrfach. So oder so spricht Mosche zu einer Generation, die zum größten Teil nicht dort, am Sinai, gewesen war, und er betont: „Auch mit uns ist dieser Bund geschlossen.“ Und Mosche erzählt, wie es gewesen ist.

פָּנִים בְּפָנִים דִּבֶּר יְהוָה עִמָּכֶם בָּהָר מִתּוֹךְ הָאֵשׁ׃

paním befaním dibbér adonáj immachém bahár mittóch ha'ésch

4 Von Angesicht zu Angesicht redete der HERR mit euch aus dem Feuer.

אָנֹכִי עֹמֵד בֵּין־יְהוָה וּבֵינֵיכֶם בָּעֵת הַהִוא לְהַגִּיד לָכֶם אֶת־דְּבַר יְהוָה כִּי יְרֵאתֶם מִפְּנֵי הָאֵשׁ וְלֹא־עֲלִיתֶם בָּהָר לֵאמֹר׃

anochí oméd ben-adonáj uwenechém ba'ét hahí lehaggíd lachém et-dewár adonáj ki jeretém mippené ha'ésch welo-alitém bahár lemór

5 Ich stand zu jener Zeit zwischen dem HERRN und euch, um euch das Wort des HERRN zu überbringen (weiterzugeben, zu sagen), weil ihr euch vor dem Feuer fürchtetet und nicht auf den Berg hinaufgestiegen seid, – und Er sprach:

Warum wurde Mosche als Vermittler gebraucht, als eine Art „Proxy“ für die Verbindung zwischen Gott und Israel? Mosche erklärt: „Weil ihr euch vor dem Feuer fürchtetet und nicht auf den Berg hinaufgestiegen seid. Und deshalb stand ich, Mosche, zwischen euch und Gott und redete, übermittelte euch die Worte des Höchsten.“

Was für einen Text werden wir ab Vers 6 lesen? Es gibt viele verschiedene Ansätze in Bezug auf diesen Text. Manche sagen, dass wir im Wochenabschnitt Jitro (im Buch Schemot 20,2–17) das gelesen haben, was auf den ersten Tafeln geschrieben stand, und hier wird von dem erzählt, was auf den zweiten geschrieben ist. Warum haben Menschen Gründe anzunehmen, dass die Tafeln verschieden waren? In Kapitel 9 unseres Buches Dewarim, in Vers 10, spricht Mosche davon, wie er vom Berg Sinai herabstieg und die Tafeln trug, auf denen gleichartige Worte geschrieben waren, ähnliche (kechol-haddewarím) wie die, die auf den ersten Tafeln geschrieben waren. Man kann daraus schließen oder man kann es so lesen, als ob es nicht ein und dasselbe ist. Andere sagen, dass die Tafeln absolut gleich waren, denn es gibt noch einen Vers (Schemot 34,1), wo der Höchste zu Mosche sagt: „Bring Mir die Tafeln, Ich werde auf sie dieselben Worte schreiben, die auf den ersten waren (et-haddewarím aschér hajú al-halluchót harischoním)“. Die Tafeln waren gleich, und hier gibt Mosche einfach den Inhalt der Tafeln wieder.

Es gibt auch einen Streit darüber, welche Schrift zum Beschreiben der Tafeln verwendet wurde. Und die einen sagen, dass die Tafeln in der heutigen, der sogenannten Quadratschrift geschrieben waren, oder ktáw aschurí (assyrische Schrift). Es gibt andere, die sagen, dass in paläohebräischer Schrift geschrieben wurde, das heißt in alter hebräischer Schrift. Manche sagen, dass die ersten Tafeln in Quadratschrift geschrieben waren und die zweiten in paläohebräischer. Wenn es so viele Meinungen gibt, heißt das, dass wir nichts mit Genauigkeit behaupten können, und deshalb werden wir diesen Text einfach lesen und ihn als Mosches Nacherzählung dessen auffassen, was auf den Tafeln geschrieben ist.

אָנֹכִי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֲשֶׁר הוֹצֵאתִיךָ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם מִבֵּית עֲבָדִים׃

anochí adonáj elohécha aschér hozetícha me'érez mizrájim mibbét awadím

6 „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, aus dem Haus der Sklaverei.

לֹא יִהְיֶה־לְךָ אֱלֹהִים אֲחֵרִים עַל־פָּנָיַ׃

lo jihjé lechá elohím acherím al-panáj

7 Es soll für dich keine anderen Götter geben vor Mir.

לֹא־תַעֲשֶׂה־לְךָ פֶסֶל כָּל־תְּמוּנָה אֲשֶׁר בַּשָּׁמַיִם מִמַּעַל וַאֲשֶׁר בָּאָרֶץ מִתָּחַת וַאֲשֶׁר בַּמַּיִם מִתַּחַת לָאָרֶץ׃

lo ta'asse-lechá féssel kol-temuná aschér baschamájim mimmá'al wa'aschér ba'árez mittáchat wa'aschér bammájim mittáchat la'árez

8 Mach dir keine Statue, keinerlei Abbild, das in den Himmeln über dir ist, und das auf der Erde unter den Himmeln, und das im Meer unter der Erde.

Auf allen drei Ebenen könnte man irgendein Abbild nehmen und es kopieren. Vielleicht von einem Vogel des Himmels, vielleicht von irgendeinem Geschöpf, das auf der Erde geht, vielleicht von irgendeinem Meereswesen. All das verbietet der HERR.

Hier gibt es einen Unterschied zu dem, was wir im Buch Schemot (20,4) lesen. Dort steht geschrieben: féssel wechol-temuná, mit dem Buchstaben Waw, das heißt Statue und jegliches Abbild. Hier steht geschrieben: féssel kol-temuná – Statue  jeglichen Abbilds.  Der Unterschied liegt in einem Buchstaben, im Buchstaben Waw, der die Konjunktion und bedeutet.

Der Maharal aus Prag, einer der herausragendsten Talmudisten seiner Epoche, sagt, dass das Buch Dewarim eine Erläuterung dessen ist, was im Buch Schemot geschrieben steht. Und in unserem Vers wird erläutert, dass jedes Abbild, jeder Versuch, etwas abzubilden, ein féssel ist, unter die Kategorie féssel (Götzenbild) fällt. Wir sehen, dass mit der Zeit irgendwelche neuen Arten der Abbildung aufkommen. Und heute kann man zum Beispiel etwas in der Luft rein aus Licht abbilden, ein Abbild machen, das überhaupt keinen materiellen Träger hat. Und wenn irgendwelche Götzendiener plötzlich ein dreidimensionales Hologramm eines Götzen machen, wird es dann verboten sein? Und genau hier sagt die Tora, dass – ja. Und in diesem Fall, selbst wenn es ein Hologramm ist, selbst wenn es irgendein auf unbekannte Weise hergestelltes Abbild ist, ist es trotzdem verboten.

Ein anderer Kommentator, der Baal haTurim (Jaakow ben Ascher), sagt, dass der Buchstabe Waw im Buch Schemot ein Zusatz ist, der auf sechs Dinge hinweist. Die Gematrie des Buchstaben Waw ist 6, weil er der sechste Buchstabe des Alphabets ist. Und er sagt, dass dies sechs Verbote einschließt: das Bild eines Mannes, das Bild einer Frau, das Bild von Vieh, das Bild eines Vogels, das Bild eines Kriechtiers, das Bild eines Fisches. Es gibt noch viel mehr Erklärungen, aber bleiben wir bei diesen beiden.

לֹא־תִשְׁתַּחֲוֶה לָהֶם וְלֹא תָעָבְדֵם כִּי אָנֹכִי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֵל קַנָּא פֹּקֵד עֲוֹן אָבוֹת עַל־בָּנִים וְעַל־שִׁלֵּשִׁים וְעַל־רִבֵּעִים לְשֹׂנְאָי׃

lo-tischtachawé lahém weló ta'owdém ki anochí adonáj elohécha el kanná pokéd awón awót al-baním we'al-schilleschím we'al-ribbe'ím lesone'áj

9 Wirf dich nicht vor ihnen nieder und diene ihnen nicht, denn Ich bin dein Gott, ein eifernder Gott, der die Schuld der Väter den Kindern anrechnet, der dritten und der vierten Generation, denen, die Mich hassen,

Ein für die Übersetzung immer sehr schwieriges Wort (ich habe schon mehr als einmal darüber gesprochen) ist pokéd: Das ist sowohl der, der anrechnet, als auch der, der vorsteht, die Arbeit organisiert, befiehlt. Hier kann man folgendes Beispiel anführen. Ein Mensch kommt zum Arzt, und der Arzt fragt ihn nach der Krankengeschichte in der Familie: „Gab es bei euch keine Diabeteskranken? Hatte jemand einen Schlaganfall? Hatte jemand Herzkrankheiten?“ Und die Ärzte halten die Krankengeschichte der Vorfahren fest, weil sie wissen, dass sich manche dieser Krankheiten bei den Nachkommen wiederholen können. Und hier sagt der Höchste: „Wenn einer der Nachkommen die Sünde der Väter wiederholt, dann wird ihm das als Rückfall angerechnet. Und die Schulden der Väter, die vielleicht vergeben waren, werden bei den Nachkommen angerechnet.“ Wenn aber die Väter die Strafe schon getragen haben, dann tragen die Kinder eine noch größere Strafe dafür, dass sie, modern gesprochen, Wiederholungstäter beim Übertreten der Gesetze sind. Es gibt eine gesonderte Buchhaltung für die, die den Höchsten hassen, und wenn sie ihre Sünden wiederholen, ihre Sünden nicht aus Unwissenheit wiederholen, sondern aus Hass, aus Verbitterung gegen den Höchsten, dann rechnet der HERR ihnen die Sünden ihrer Vorfahren bis zur vierten Generation an. Andererseits reicht die Gnade des Höchsten viel weiter.

וְעֹשֶׂה חֶסֶד לַאֲלָפִים לְאֹהֲבַי וּלְשֹׁמְרֵי מִצְוֹתוֹ (מִצְוֹתָי)׃

we'ósse chéssed la'alafím le'ohawáj ulschomeré mizwotáj

10 Und Ich erweise Gnade bis in Tausende von Generationen denen, die Mich lieben und Meine Gebote halten.

Stellt euch vor: Wie lang ist die Lebensdauer einer Generation? Zwanzig, fünfundzwanzig, mancher wird sagen, dreißig Jahre. Einmal haben wir uns in einer der Diskussionen auf fünfundzwanzig geeinigt. Das heißt, fünfundzwanzigtausend Jahre bewahrt Gott die Gnade. Erinnert sich jemand an seine Vorfahren aus der fünften, sechsten Generation? Gott aber rechnet die Gnade an, irgendwelche guten Taten, die von den Vorfahren getan wurden, bis zu einer unendlichen Zahl von Generationen (tausend ist für uns fast die Unendlichkeit), rechnet die guten Verdienste unserer Vorfahren über Tausende von Generationen vor uns an.

In Vers 11 kommt schon ein anderes Gebot.

לֹא תִשָּׂא אֶת־שֵׁם־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לַשָּׁוְא כִּי לֹא יְנַקֶּה יְהוָה אֵת אֲשֶׁר־יִשָּׂא אֶת־שְׁמוֹ לַשָּׁוְא׃

lo tissá et-schem-adonáj elohécha lascháw ki lo jenakké adonáj et ascher-jissá et-schemó lascháw

11 Trage den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht vergeblich, denn der HERR wird den nicht reinigen, der Seinen Namen vergeblich tragen wird.

Wir werden tatsächlich nach dem Namen des HERRN genannt, Volk des HERRN, wenn wir dem Höchsten dienen. Und jemand könnte denken, dass das so eine Art „Ausweis“ ist, eine Legitimation, die man (wenn nötig) einem Polizisten oder sonst jemandem zeigen kann, um irgendwelche Vorteile zu bekommen. Man kann den Namen des Höchsten wie einen „Ausweis“ benutzen, wie ein Mensch, der sagt: „Ich bin ein Freund des Königs! Ich bin ein Freund des Kaisers! Ich bin ein Freund des Präsidenten!“ und damit die Leute einschüchtert, damit irgendwelche Vorteile bekommt. Um mehr Gewicht zu haben, kann jemand seinen Worten durch einen Schwur beim Namen des Höchsten Kraft verleihen. Und der Höchste sagt: „Ich werde dem nicht vergeben, der Mich gleichsam zum Zeugen ruft, um zu sagen: ‚Na los, Gott, komm her, bestätige, dass ich recht habe.‘ Einem solchen Menschen werde Ich nicht vergeben. Nehmt Meinen Namen nicht vergeblich auf eure Lippen.“

Es gibt auch das Verständnis, dass es bei den meisten Völkern der Welt nicht üblich ist, den Vater beim Namen zu nennen. Jedes unserer Eltern hat einen Namen, einen guten und würdigen Namen. Es ist unwichtig, wie unser Vater heißt, wir nennen ihn nicht beim Namen. Nicht, weil wir uns seines Namens schämen, nicht, weil er irgendeinen schlechten Namen hat, es liegt darin einfach eine gewisse natürliche Rangordnung, eine gewisse natürliche Distanz, eine natürliche Ehrfurcht, die vor dem Namen des Vaters steht. Es gibt natürlich eine ganze religiöse Strömung, die ihre Theologie darauf aufbaut, dass man sich an den Höchsten mit Namen wenden muss. Aber wir sehen in den Büchern, wo man das sehen kann, im selben Neuen Testament, dass vom Himmel gesprochen wird, vom Vater, vom Himmelreich, vom Sohn des Gepriesenen, vom Sohn des lebendigen Gottes, aber es gibt keine Anrede Gottes mit Namen. Wiederum, manche Strömungen, manche Übersetzer nehmen Änderungen vor und übersetzen die neutestamentlichen Texte auf besondere Weise. Aber in Wirklichkeit wurde der Name des Höchsten nicht ausgesprochen. So kann man dieses Gebot auslegen.

Vers 12 spricht vom Schabbat.

שָׁמוֹר אֶת־יוֹם הַשַּׁבָּת לְקַדְּשׁוֹ כַּאֲשֶׁר צִוְּךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ׃

schamór et-jom haschabbát lekaddeschó ka'aschér ziwwechá adonáj elohécha

12 Hüte den Sabbattag (Schabbat), um ihn zu heiligen, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat.

Im Buch Schemot, im Wochenabschnitt Jitro (20,8), lesen wir: sachór et-jom haschabbát – gedenke des Sabbattages, und hier: schamór et-jom haschabbát – hüte den Sabbattag. Des Sabbattages gedenken heißt, seine Gefäße mit Licht zu füllen, wie wir gesagt haben, zu lernen. Und hier – hüten, dieses Licht nicht verlieren, das heißt, die Tradition dieser Sabbatruhe nicht verletzen, dieses Licht nicht verlieren, mit dem uns der Schabbat füllt. Man kann es so verstehen: sachór (gedenke) heißt: Fülle ständig dein Gefäß, nimm dein Gefäß nicht unter dem Lichtstrahl weg. Und schamór (hüte) heißt: Achte darauf, dass in deinem Gefäß keine Löcher sind.

Es gibt ein anderes Verständnis, und ich führe zwei solche Beispiele an. Am Sabbat finden in Israel Fußballwettkämpfe statt. Das ist eine alte Tradition, alle israelischen Mannschaften spielen bei den israelischen Meisterschaften am Sabbat Fußball. Manche orthodoxen Juden, die sich sehr für Fußball interessieren, kommen am Sabbat wie zufällig vorbei und stellen sich unweit der Lotto-Kioske hin, wo Wetten auf Fußballspiele abgeschlossen werden, und hören die Spielkommentare. Sie schalten selbst das Radio nicht ein und verletzen scheinbar nichts. Hier gibt es schamór (hüte), aber kein sachór (gedenke).

Es gibt eine andere Situation, wenn irgendwelche säkularen Israelis zum Beispiel die Bar-Mizwa ihres Sohnes feiern oder irgendein anderes Fest: Sie versammeln sich am Schabbat, machen Kiddusch, richten eine festliche Sabbatmahlzeit aus – und jeder vergräbt sich in sein Smartphone, jeder kann fotografieren, um zu zeigen, wie schön unser Schabbat ist. Hier gibt es gedenke, aber kein hüte.

Und so lesen wir im Buch Schemot: gedenke, hier lesen wir: hüte. Es gibt eine solche Version, dass der Höchste in ein Wort sowohl schamór als auch sachór gelegt hat, es auf wunderbare Weise als ein Wort ausgesprochen hat, schamór und sachór gleichzeitig. Das muss sich im Schabbat verbinden, das Gebot erhält eine weite Auslegung.

שֵׁשֶׁת יָמִים תַּעֲבֹד וְעָשִׂיתָ כָּל־מְלַאכְתֶּךָ׃

schéschet jamím ta'awód we'assíta kol-melachtécha

13 Sechs Tage arbeite und tu all deine Arbeit,

Wir können den Schabbat nicht halten, ohne unsere Arbeit zu tun, das ist ein ganzheitliches Gebot: Der Sabbat kommt nach sechs Tagen unserer Arbeit. Man trifft solche Menschen, die, wenn man ihnen vom Schabbat erzählt, einwenden: „Aber ich weihe alle Tage dem Höchsten!“ Ja, alle Tage muss man dem Höchsten weihen, aber es gibt einen besonderen Tag. Es gibt sechs Tage, die du dem Höchsten weihst und an denen du deine Arbeit tust, und es gibt einen besonderen, den siebten Tag. Und nicht wir, sondern die Tora, der HERR selbst, macht den Unterschied zwischen ihnen. Sechs Tage arbeite und tu deine Arbeit – das ist der Anfang des Gebots.

וְיוֹם הַשְּׁבִיעִי שַׁבָּת לַיהוָה אֱלֹהֶיךָ לֹא תַעֲשֶׂה כָל־מְלָאכָה אַתָּה וּבִנְךָ־וּבִתֶּךָ וְעַבְדְּךָ־וַאֲמָתֶךָ וְשׁוֹרְךָ וַחֲמֹרְךָ וְכָל־בְּהֶמְתֶּךָ וְגֵרְךָ אֲשֶׁר בִּשְׁעָרֶיךָ לְמַעַן יָנוּחַ עַבְדְּךָ וַאֲמָתְךָ כָּמוֹךָ׃

wejom haschewi'í schabbát ladonáj elohécha lo ta'assé chol-melachá attá uwincha-uwittécha we'awdecha-wa'amatécha weschorechá wachamorechá wechol-behemtécha wegerechá aschér bisch'arécha lema'án janúach awdechá wa'amatechá kamócha

14 Der siebte Tag aber – Schabbat dem HERRN, Deinem Gott: Tu keine Arbeit, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Knecht und deine Magd und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und dein Fremdling, der in deinen Toren ist, damit dein Knecht und deine Magd ruhen wie du.

Sehr viel Streit und sehr viele Meinungen gibt es zum Wort melachá (Arbeit): was als Arbeit gilt, was nicht als Arbeit gilt. Wenn man Arbeit als physikalischen Begriff versteht, dann ist jede Handlung, irgendein Energieaufwand in Joule, schon Arbeit. Selbstverständlich ist davon nicht die Rede. Es gibt eine Masse von Definitionen, und ganze Bände sind darüber geschrieben worden, aber, wie der Talmud selbst sagt: „Das ist ein Berg, der an einem Haar hängt.“ Deshalb rufen alle Sabbatgesetze auch viel Streit hervor.

Und hier wieder eine Hinzufügung dessen, was es im Buch Schemot, im Wochenabschnitt Jitro, nicht gibt: damit dein Knecht und deine Magd ruhen wie du. Es gibt eine große Versuchung zu sagen: „Wir beschäftigen uns hier mit geistlichen Dingen, wir pflegen hier Gemeinschaft mit Gott, und ihr, los, arbeitet, damit wir bequemer Gemeinschaft mit Gott pflegen können.“ Hier sagt der Höchste: „In dieser deiner Sabbatruhe musst du dafür sorgen, deinem Knecht und deiner Magd Ruhe zu geben. Du darfst nicht vergessen, dass du selbst in der Knechtschaft warst. Ich habe dich aus der Knechtschaft herausgeführt – das ist Meine Gnade an dir, aber erweise auch du ihnen Gnade, damit an deinem Schabbat auch sie ruhen. Selbst wenn sie kein geistliches Erfassen aller tiefen Bedeutungen und aller Feinheiten des Schabbats haben, musst du ihnen trotzdem Ruhe geben.“

וְזָכַרְתָּ כִּי־עֶבֶד הָיִיתָ בְּאֶרֶץ מִצְרַיִם וַיֹּצִאֲךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מִשָּׁם בְּיָד חֲזָקָה וּבִזְרֹעַ נְטוּיָה עַל־כֵּן צִוְּךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לַעֲשׂוֹת אֶת־יוֹם הַשַּׁבָּת׃

wesachartá ki-éwed hajíta be'érez mizrájim wajozi'achá adonáj elohécha mischám bejád chasaká uwisró'a netujá al-kén ziwwechá adonáj elohécha la'assót et-jom haschabbát

15 Gedenke, dass du Knecht warst im Land Ägypten, und der HERR hat dich von dort herausgeführt mit starker Hand und ausgestrecktem Arm; deshalb hat dir der HERR, dein Gott, den Schabbat geboten.

Hier ist gemeint, dass diese Ergänzung (dafür zu sorgen, dass deine Knechte ruhen) gegeben ist, weil der HERR selbst dich aus dem Haus der Knechtschaft herausgeführt hat, und du musst daran denken, dass du Knechte hast, Menschen, die von dir abhängen, und du musst ihnen die Möglichkeit geben, aus ihrem Ägypten herauszugehen. Im Buch Schemot (20,11) lesen wir, dass der Sabbat gegeben ist, weil der HERR sechs Tage lang die Welt erschuf. Dort werden die Gebote von der Seite des Gebenden erzählt: Der Höchste gibt die Gebote und sagt, warum Er sie gibt. Hier erklärt Mosche von der Seite des Empfangenden, warum wir es so empfangen, welche Schlüsse, was wir für uns im Gedächtnis behalten müssen.

כַּבֵּד אֶת־אָבִיךָ וְאֶת־אִמֶּךָ כַּאֲשֶׁר צִוְּךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְמַעַן יַאֲרִיכֻן יָמֶיךָ וּלְמַעַן יִיטַב לָךְ עַל הָאֲדָמָה אֲשֶׁר־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לָךְ׃

kabbéd et-awícha we'et-immécha ka'aschér ziwwechá adonáj elohécha lemá'an ja'arichún jamécha ulmá'an jítaw lach al ha'adamá ascher-adonáj elohécha notén lach

16 Ehre (achte) deinen Vater und deine Mutter, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, damit deine Tage verlängert werden und damit es dir gut geht auf dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt.

Das heißt, sorge für ein würdiges Leben für sie. Gib ihnen die Möglichkeit, würdig zu leben – so, wie es für ihr Land, für ihre Region würdig ist. Sorge für ein angemessenes, vollwertiges Dasein für sie, damit sie sich als würdige Menschen fühlen, sowohl in materieller Hinsicht als auch in seelischer Hinsicht als auch in geistlicher Hinsicht. Dadurch, dass du für deine Eltern sorgst, werden deine Tage verlängert, und nicht einfach verlängert. Man kann, Gott bewahre, ein alter Mensch werden, den niemand braucht, ein verlassener alter Mensch, der daliegt, nicht aus dem Bett aufstehen kann, ständig irgendeine Pflege braucht und diese Pflege nicht bekommt. Und ein solches Leben wird lang sein, aber bitter. Hier sagt der Höchste: „Nicht nur werden deine Tage verlängert werden, sondern auch du selbst wirst ein gesegnetes Alter haben, wenn du für die Würde deines Vaters und deiner Mutter sorgst.“

לֹא תִּרְצָח וְלֹא תִּנְאָף וְלֹא תִּגְנֹב וְלֹא־תַעֲנֶה בְרֵעֲךָ עֵד שָׁוְא׃

lo tirzách weló tin'áf weló tignów weló-ta'ané were'achá ed schaw

17 Töte nicht; brich nicht die Ehe; stiehl nicht; erhebe keine nichtige Anschuldigung gegen deinen Nächsten.

Hier ist mit dem Wort tin'áf (brich nicht die Ehe) eine Beziehung mit einer verheirateten Frau gemeint.

Im Buch Schemot (20,13) haben wir gelesen: ed schéker (falsches Zeugnis), hier – ed schaw (nichtiges Zeugnis). Worin liegt der Unterschied? Ed schéker (Lügenzeuge) – das ist ein Zeuge, der einen Menschen irgendeiner Sache beschuldigt. Ein Zeuge, der nichtige Anschuldigungen vorbringt, – das ist ein Zeuge, der den Menschen vielleicht nicht beschuldigt, aber aus seiner Lüge und aus seiner nichtigen Anschuldigung irgendeinen Vorteil ziehen kann.

Zum Beispiel gibt es eine junge Frau, deren Mann in ferne Gegenden gereist und verschollen ist, und von ihm gibt es lange keine Nachricht. Sie ist gewissermaßen verheiratet, aber der Mann ist nicht da, und sie kann nicht ein zweites Mal heiraten, weil niemand sie zur Witwe erklärt hat (es ist unbekannt, was aus ihrem Mann geworden ist). Und jemand, der sie heiraten möchte, sagt: „Ich habe ihren Mann gesehen, und zwar tot gesehen in einem fernen Land“, und kann auf dieser Grundlage versuchen, diese Frau irgendwie zu heiraten. Derjenige, der über den Mann der Frau Zeugnis ablegt, kann sie nach der Halacha (nach dem Gesetz) nicht heiraten, aber solche Fälle sind möglich.

Das heißt, nicht nur eine Verleumdung gegen den Nächsten vorzubringen, sondern auch etwas Nichtiges über einen Menschen zu sagen, ist verboten. Sogar das über ihn zu sagen, was man nicht sagen sollte, obwohl es die Wahrheit ist, ist ebenfalls verboten.

וְלֹא תַחְמֹד אֵשֶׁת רֵעֶךָ וְלֹא תִתְאַוֶּה בֵּית רֵעֶךָ שָׂדֵהוּ וְעַבְדּוֹ וַאֲמָתוֹ שׁוֹרוֹ וַחֲמֹרוֹ וְכֹל אֲשֶׁר לְרֵעֶךָ׃

weló tachmód éschet re'écha weló tit'awwé bet re'écha sadéhu we'awdó wa'amató schoró wachamoró wechól aschér lere'écha

18 Begehre nicht die Frau deines Nächsten; wünsche dir nicht das Haus deines Nächsten, sein Feld und seinen Knecht und seine Magd, seinen Stier, seinen Esel und alles, was deinem Nächsten gehört“.

Auch hier gibt es eine Abweichung zwischen dem Buch Schemot und dem, was hier gesagt ist. Im Buch Schemot (20,14) heißt es: „Begehre nicht (lo tachmód) das Haus und die Frau“, hier aber gibt es zwei verschiedene Verben: tachmód (lachmód) – das heißt heimlich, leidenschaftlich begehren; tit'awwé (lit'ów) – das heißt offener begehren.

Auch danach wird oft gefragt: Wie kann man einem Menschen verbieten, etwas zu wollen? Gut, man hat verboten zu nehmen, man hat verboten, sich daran zu vergreifen, aber wie kann man etwas auf der Ebene der Gedanken verbieten? Im Buch Bemidbar, in Kapitel 15, in Vers 39, heißt es: weló tatúru acharé lewawchém we'acharé enechém ascher-attém soním acharehém – und ihr sollt nicht eurem Herzen und euren Augen nachgehen, denen ihr nachhurt. Und man könnte sagen: „Na, zuerst sehen die Augen, und dann will das Herz. So muss es doch funktionieren? Warum heißt es dann bei uns zuerst eurem Herzen und danach – euren Augen?“ Weil unser Herz unser Sehen bestimmt, unser Herz beeinflusst die Augen, bringt die Augen dazu, auf eine bestimmte Weise zu sehen. Der Anfang liegt im Herzen, und wenn wir unser Herz rein bewahren, dann werden die Augen dem Herzen nicht nachgehen, und die Begierde entsteht nicht. Das ist eine der möglichen Antworten auf eine solche Frage.

Das ist das Ende der Nacherzählung der Zehn Gebote oder der Inhalt der beiden zweiten Tafeln (wie ich schon gesagt habe, gibt es dazu verschiedene Meinungen).

אֶת־הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה דִּבֶּר יְהוָה אֶל־כָּל־קְהַלְכֶם בָּהָר מִתּוֹךְ הָאֵשׁ הֶעָנָן וְהָעֲרָפֶל קוֹל גָּדוֹל וְלֹא יָסָף וַיִּכְתְּבֵם עַל־שְׁנֵי לֻחֹת אֲבָנִים וַיִּתְּנֵם אֵלָי׃

et-haddewarím ha'élle dibbér adonáj el-kol-kehalchém bahár mittóch ha'ésch he'anán weha'arafél kol gadól weló jassáf wajichtewém al-schené luchót awaním wajitteném eláj

19 Diese Worte redete der Höchste mit eurer ganzen Versammlung auf dem Berg, aus dem Feuer, aus der Wolke, aus dem Dunkel (aus dem Nebel), mit großer Stimme, und fuhr nicht fort, weiter zu reden; und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln und gab sie mir.

וַיְהִי כְּשָׁמְעֲכֶם אֶת־הַקּוֹל מִתּוֹךְ הַחֹשֶׁךְ וְהָהָר בֹּעֵר בָּאֵשׁ וַתִּקְרְבוּן אֵלַי כָּל־רָאשֵׁי שִׁבְטֵיכֶם וְזִקְנֵיכֶם׃

wajhí keschom'achém et-hakkól mittóch hachóschech wehahár bo'ér ba'ésch wattikrewún eláj kol-rasché schiwtechém wesiknechémDie russische Umschrift hat beim letzten Wort einen Ch-Laut. Im hebräischen Text steht „und eure Ältesten“ mit S-Laut, daher hier „wesiknechém“.

20 Und es war, als ihr diese Stimme aus der Finsternis hörtet, und der Berg, der mit Feuer brennt, da kamen (näherten sich) zu mir alle Häupter eurer Stämme und eure Ältesten,

וַתֹּאמְרוּ הֵן הֶרְאָנוּ יְהוָה אֱלֹהֵינוּ אֶת־כְּבֹדוֹ וְאֶת־גָּדְלוֹ וְאֶת־קֹלוֹ שָׁמַעְנוּ מִתּוֹךְ הָאֵשׁ הַיּוֹם הַזֶּה רָאִינוּ כִּי־יְדַבֵּר אֱלֹהִים אֶת־הָאָדָם וָחָי׃

wattomerú hen her'ánu adonáj elohénu et-kewodó we'et-godló we'et-koló schamá'nu mittóch ha'ésch hajom hassé ra'ínu ki-jedabbér elohím et-ha'adám wacháj

21 Und sprachen: „Siehe, der HERR, unser Gott, hat uns Seine Herrlichkeit und Seine Größe gezeigt, und Seine Stimme haben wir heute aus dem Feuer gehört. Und wir haben gesehen, dass so etwas möglich ist, dass der HERR mit einem Menschen redet und der Mensch am Leben bleibt.

וְעַתָּה לָמָּה נָמוּת כִּי תֹאכְלֵנוּ הָאֵשׁ הַגְּדֹלָה הַזֹּאת אִם־יֹסְפִים אֲנַחְנוּ לִשְׁמֹעַ אֶת־קוֹל יְהוָה אֱלֹהֵינוּ עוֹד וָמָתְנוּ׃

we'attá lámma namút ki tochelénu ha'ésch haggedolá hassót im-josefím anáchnu lischmóa et-kól adonáj elohénu od wamátnu

22 Nun aber, wozu (warum) sollen wir sterben? Denn dieses große Feuer kann uns auffressen; wenn wir noch weiter die Stimme des HERRN, unseres Gottes, hören, dann werden wir sterben.

כִּי מִי כָל־בָּשָׂר אֲשֶׁר שָׁמַע קוֹל אֱלֹהִים חַיִּים מְדַבֵּר מִתּוֹךְ־הָאֵשׁ כָּמֹנוּ וַיֶּחִי׃

ki mi chol-bassár aschér schamá kol elohím chajím medabbér mittoch-ha'ésch kamónu wajéchi

23 Denn wer aus Fleisch hat, wie wir, die Stimme des lebendigen Gottes gehört, der aus dem Feuer redet, und ist am Leben geblieben?

Aber es ist doch trotzdem beängstigend? Wir wollen nicht sterben. Deshalb lass uns Vorsichtsmaßnahmen treffen.

קְרַב אַתָּה וּשֲׁמָע אֵת כָּל־אֲשֶׁר יֹאמַר יְהוָה אֱלֹהֵינוּ וְאַתְּ תְּדַבֵּר אֵלֵינוּ אֵת כָּל־אֲשֶׁר יְדַבֵּר יְהוָה אֱלֹהֵינוּ אֵלֶיךָ וְשָׁמַעְנוּ וְעָשִׂינוּ׃

keráw attá uschamá et kol-aschér jomár adonáj elohénu we'át tedabbér elénu et kol-aschér jedabbér adonáj elohénu elécha weschamá'nu we'assínu

24 Geh du hin und höre alles, was der HERR, unser Gott, sagt; und du wirst uns alles sagen, was der HERR, unser Gott, dir sagen wird, und wir werden hören und tun“.

Ein solches Gespräch hatte Mosche mit den Ältesten.

וַיִּשְׁמַע יְהוָה אֶת־קוֹל דִּבְרֵיכֶם בְּדַבֶּרְכֶם אֵלָי וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי שָׁמַעְתִּי אֶת־קוֹל דִּבְרֵי הָעָם הַזֶּה אֲשֶׁר דִּבְּרוּ אֵלֶיךָ הֵיטִיבוּ כָּל־אֲשֶׁר דִּבֵּרוּ׃

wajischmá adonáj et-kól diwrechém bedabberchém eláj wajomer adonáj eláj schamá'ti et-kól diwré ha'ám hassé aschér dibberú elécha hetíwu kol-aschér dibbéru

25 Und der HERR hörte die Stimme eurer Reden, als ihr mit mir redetet, und der HERR sprach zu mir: „Ich habe die Stimme dieses Volkes gehört, als sie mit dir redeten, und gut haben sie geredet.

Man kann das so übersetzen: und möge wirklich alles so gut sein, wie sie es sagen. Sie haben zu gut geredet. Sie dachten wirklich: „Alles, was Gott sagt, werden wir tun.“ So wird es vielleicht nicht klappen.

מִי־יִתֵּן וְהָיָה לְבָבָם זֶה לָהֶם לְיִרְאָה אֹתִי וְלִשְׁמֹר אֶת־כָּל־מִצְוֹתַי כָּל־הַיָּמִים לְמַעַן יִיטַב לָהֶם וְלִבְנֵיהֶם לְעֹלָם׃

mi-jittén wehajá lewawám se lahém lejir'á otí welischmór et-kol-mizwotáj kol-hajamím lemá'an jitáw lahém weliwnehém le'olám

26 Wenn doch ihr Herz sich dazu neigte, Mich zu fürchten, dass sie alle Meine Gebote halten alle Tage ihres Lebens, damit es ihnen und ihren Söhnen immer besser und besser ergehe, auf ewig.

Sie fürchteten sich vor irgendwelchen physischen Erscheinungen, vor dem Feuer und der Stimme. Aber vielleicht werden sie infolgedessen auch vor dem Höchsten Furcht haben und zittern, vielleicht wird mit dieser Furcht etwas Gutes beginnen: „Wenn sie vor Mir zittern und auch mit Ehrfurcht an das Halten der Gebote herangehen, dann werden diese Gebote sie und ihre Söhne beständig zurechtbringen.“

לֵךְ אֱמֹר לָהֶם שׁוּבוּ לָכֶם לְאָהֳלֵיכֶם׃

lech emór lahém schúwu lachém le'aholechém

27 Geh und sag ihnen: „Kehrt zurück (geht) in eure Zelte“.

Mit anderen Worten: „Ihr hättet auf die Ebene der Engel aufsteigen können, auf die gottmenschliche Ebene, ihr hättet mit Mosche in einer Reihe stehen können. Aber wenn ihr Mich durch Mosche hören wollt, durch die Propheten, und ihr versprecht, dass ihr euch daran halten werdet, dann ist das gut. Steigt hinab, kehrt auf die irdische Ebene zurück, kehrt zum normalen Leben zurück, zum ehelichen Leben, zum alltäglichen Leben. Sollen sie gehen, erlaube ihnen wegzugehen.“

וְאַתָּה פֹּה עֲמֹד עִמָּדִי וַאֲדַבְּרָה אֵלֶיךָ אֵת כָּל־הַמִּצְוָה וְהַחֻקִּים וְהַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר תְּלַמְּדֵם וְעָשׂוּ בָאָרֶץ אֲשֶׁר אָנֹכִי נֹתֵן לָהֶם לְרִשְׁתָּהּ׃

we'attá po amód immadí wa'adabberá elécha et kol-hammizwá wehachukkím wehammischpatím aschér telammedém we'asú wa'árez aschér anochí notén lahém lerischtá

28 Du aber wirst hier neben Mir stehen, Ich werde dir alle Gebote sagen und alle Gesetze und alle Urteile, die du sie lehren wirst, und sie werden sie erfüllen in dem Land, das Ich ihnen gebe, um es zu erben“.

Mosche bleibt auf derselben Ebene. Weiter wendet sich Mosche wieder an das Volk und sagt:

וּשְׁמַרְתֶּם לַעֲשׂוֹת כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם אֶתְכֶם לֹא תָסֻרוּ יָמִין וּשְׂמֹאל׃

uschmartém la'asót ka'aschér ziwwá adonáj elohechém etchém lo tassúru jamín usmól

29 Hütet euch, haltet (tut) alles, wie der HERR, euer Gott, euch geboten hat; weicht weder nach rechts noch nach links ab.

Wenn ihr vorangeht, dann schaut nur auf den Höchsten, schaut nicht zur Seite. Schaust du nach rechts, schaust du nach links, dann willst du es so machen wie jene, die vielleicht anderen Göttern nachgehen.

בְּכָל־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם אֶתְכֶם תֵּלֵכוּ לְמַעַן תִּחְיוּן וְטוֹב לָכֶם וְהַאֲרַכְתֶּם יָמִים בָּאָרֶץ אֲשֶׁר תִּירָשׁוּן׃

bechol-haddérech aschér ziwwá adonáj elohechém etchém teléchu lemá'an tich'jún wetów lachém weha'arachtém jamím ba'árez aschér tiraschún

30 Und den ganzen Weg, den der HERR, euer Gott, euch geboten hat, geht ihn, damit ihr lebt und es euch gut ergeht und eure Tage sich verlängern in dem Land, das ihr erben werdet.

Wir sehen hier, dass das Gebot ein Weg ist, eine Straße. Geht diese ganze Straße entlang. Wenn wir vorher gelesen haben: „Und eure Tage werden sich verlängern, und es wird euch gut ergehen“, so lesen wir hier: „Und es wird euch gut ergehen, und die Tage werden sich verlängern.“ Man kann es so sagen: Ewige Jugend, ewige Erneuerung des Geistes wird geschehen, wenn ihr auf dem Weg geht, den der HERR euch geboten hat. Wie eure Kleider nicht verschlissen, wie bei euch nichts verdarb, solange ihr auf diesem Weg durch die Wüste gegangen seid, genauso kann es auch im Land sein, wenn ihr auf dem Weg geht, den der Höchste euch geboten hat.

Anweisungen für Kanaan

Dewarim 6,1–7,11

Mit Gottes Hilfe setzen wir, ihr und ich, das Studium des Wochenabschnitts Waetchanan fort und werden ab dem Anfang des 6. Kapitels des Buches Dewarim lesen.

וְזֹאת הַמִּצְוָה הַחֻקִּים וְהַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם לְלַמֵּד אֶתְכֶם לַעֲשׂוֹת בָּאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם עֹבְרִים שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ׃

wesót hammizwá hachukkím wehammischpatím aschér ziwwá adonáj elohechém lelamméd etchém la'asót ba'árez aschér attém owerím schámma lerischtá

1 Und dies ist das Gebot, die Gesetze und die Urteile, die euch zu lehren der HERR, euer Gott, geboten hat, damit ihr sie haltet in dem Land, in das ihr hinüberzieht, um es zu erben.

Wie ich schon gesagt habe (im Kommentar zu Vers 1 von Kapitel 4 unseres Buches), sind chukkím (Gesetze) die vertikalen Wechselbeziehungen zwischen dem Menschen und Gott oder zwischen dem Volk und Gott, und mischpatím (Urteile) sind die horizontalen Beziehungen, die Beziehungen zwischen dem Menschen und dem Nächsten.

Mosche sagt: „Ich werde jetzt nicht die Erfahrung des greisen Mosche darlegen, nicht die Ratschläge des erfahrenen alten Mosche, ich werde euch die Gesetze und Urteile lehren, die euch zu lehren der HERR geboten hat. Nichts Eigenes, von Mosche, werde ich hier hineinlegen.“ Mosche selbst kommt nicht in dieses Land, aber er unterweist das Volk in den Geboten, Gesetzen und Urteilen, nach denen dieses Volk im Land leben wird.

לְמַעַן תִּירָא אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לִשְׁמֹר אֶת־כָּל־חֻקֹּתָיו וּמִצְוֹתָיו אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוֶּךָ אַתָּה וּבִנְךָ וּבֶן־בִּנְךָ כֹּל יְמֵי חַיֶּיךָ וּלְמַעַן יַאֲרִכֻן יָמֶיךָ׃

lemá'an tirá et-adonáj elohécha attá uwinchá uwen-binchá kol jemé chajécha ulmá'an ja'arichún jamécha

2 Damit du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, alle Seine Gesetze und alle Seine Anordnungen hältst, die ich dir gebiete, du und dein Sohn und der Sohn deines Sohnes, alle Tage deines Lebens, damit sich deine Tage verlängern.

Fürchten – das ist nicht immer im Sinne von: die Strafe fürchten, den Zorn fürchten (obwohl auch den Zorn fürchten). Fürchten – das heißt, mit Ehrfurcht, mit Ehrerbietung, mit Pietät begegnen, fürchten, jemanden zu betrüben (so auch gegenüber den Eltern). Damit du die Gebote nicht um des Lohnes willen hältst, denn die Gebote sind ja selbst der Lohn, sondern aus Furcht vor dem Höchsten.

Du und dein Sohn und der Sohn deines Sohnes – wovon spricht das? Ein Mensch kann sagen: „Nun, ich habe einen Sohn gezeugt, ihn großgezogen… Wie er auf der Welt leben wird, dafür sind wir nicht verantwortlich! Bin ich etwa dafür verantwortlich, wie meine Kinder leben? Kann ich das etwa beeinflussen? Umso mehr: Kann ich beeinflussen, wie meine Enkel leben?“ Der Höchste sagt: „Ich gebe dir die Gebote, und du musst dafür sorgen, dass nicht nur du Jude bist, nicht nur du ein gläubiger Mensch bist, sondern ein wahrhaft gläubiger Mensch wirst du sein, wenn deine Enkel gläubige Menschen sein werden. Alle Tage deines Lebens bist du verantwortlich für deine Kinder und für deine Enkel. Unterweist die Kinder und Enkel, damit sie dieselbe Straße gehen, denselben Weg.“

Und hier kann man sagen, dass einerseits das Halten der Gebote die Tage verlängert und andererseits, umgekehrt, das Nichthalten der Gebote einem Menschen das Leben stark verkürzen kann.

וְשָׁמַעְתָּ יִשְׂרָאֵל וְשָׁמַרְתָּ לַעֲשׂוֹת אֲשֶׁר יִיטַב לְךָ וַאֲשֶׁר תִּרְבּוּן מְאֹד כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אֱלֹהֵי אֲבֹתֶיךָ לָךְ אֶרֶץ זָבַת חָלָב וּדְבָשׁ׃

weschama'tá jisraél weschamartá la'asót aschér jitáw lechá wa'aschér tirbún me'ód ka'aschér dibbér adonáj elohé awotécha lach érez sawát chaláw udwásch

3 Und du wirst dies hören, Israel, und dich bemühen, es zu halten, damit es dir wohlergehe, damit ihr euch sehr stark mehrt, wie der HERR, der Gott deiner Väter, geredet hat, um dir ein Land zu geben, das von Milch und Honig fließt.

Ab Vers 4 folgt der Text, der wohl zum bekanntesten jüdischen Gebet geworden ist – Schma Jisraél. Sehr viele Auslegungen und sehr viele Deutungen hat dieses Gebet, hat jedes Wort in diesem Text.

שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהוָה אֱלֹהֵינוּ יְהוָה אֶחָד׃

schemá jisraél adonáj elohénu adonáj echád

4 Höre, Israel: Der HERR, unser Gott – Gott ist einer!

Die Nachbarvölker Israels waren zu jener Zeit Heiden, sie verehrten eine Vielzahl von Göttern. Jedes der Völker hatte vielleicht einen Hauptgott, verehrte aber außerdem auch andere Götter. Es gab Götter der Jagd oder Götter des Ackerbaus oder Götter des Fischfangs oder ganz seltsame Götter: einen Gott der Gase im Magen, eine Göttin der Türangeln oder einen Gott des Spottes, der übrigens daran starb, dass er vor Lachen platzte. Und jeden dieser Götter musste man (wenn man seine Hilfe brauchte) irgendwie besänftigen, sich irgendwie mit ihm versöhnen. Sie (die Götter) stritten oft untereinander, davon sind die Mythen der Nachbarvölker voll. Es gab nicht nur keinen einen Gott – es gab keinen einheitlichen göttlichen Willen. In der Welt der Heiden gab es keinen Plan, es gab kein Ziel für das Dasein der Welt, es gab kein Ziel für das Dasein des Menschen. Die Götter der Heiden zogen, wie der Schwan, der Krebs und der Hecht, im wörtlichen Sinn jeder in seine Richtung, und ein Gleichgewicht zwischen ihnen konnte es nicht geben, da es keine einheitliche Absicht gab.

Und unser Gebet beginnt mit der Verkündigung dessen, dass der HERR, unser Gott, – Gott einer ist. Es gibt keine Macht, es gibt keinen Willen, der sich auf der Erde verwirklicht, außer dem Willen des Höchsten. Nichts geschieht außerhalb Seiner Absicht, außerhalb Seines Plans. Und wenn du das gehört hast, musst du verstehen, dass du, Mensch, du, Israelit – Teil eines einzigen riesigen Orchesters bist, mit deiner eigenen Partie (vielleicht einer kleinen, vielleicht einer großen), Teil dieser großen Musik, Teil dieser vollkommenen Harmonie, die für uns in der widersprüchlichen Welt vielleicht nicht sichtbar ist. Du musst verstehen, dass die Widersprüche dieser Welt eine Illusion sind, dass hinter allem der Eine Einzige Gott steht. Und wenn du verstehst, wovon Gott dich zu einem Teil gemacht hat, dann wird sich auch verwirklichen, was in Vers 5 geschrieben steht:

וְאָהַבְתָּ אֵת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּכָל־לְבָבְךָ וּבְכָל־נַפְשְׁךָ וּבְכָל־מְאֹדֶךָ׃

we'ahawtá et adonáj elohécha bechol-lewawechá uwchol-nafschechá uwchol-me'odécha

5 Und du wirst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit all deinem Übermaß.

Das Wort me'ód bedeutet sehr, das heißt kol-me'odécha kann man wörtlich übersetzen als mit deiner ganzen „Sehrheit“, über das hinaus, was du kannst, das heißt, indem du dich anstrengst und dich entwickelst, um Gott mehr zu lieben. Womit ist das vergleichbar? Mit einem Menschen, der trainiert, Gewichte zu heben, um noch größere Gewichte zu heben. Ein Mensch stemmt Ein-Pud-Gewichte, um vielleicht in irgendeinem Stadium zu Zwei-Pud-Gewichten überzugehen. So auch hier: Das ist eine Übung in der Liebe zum Höchsten, die zu einer noch größeren Liebe zu Ihm führt.

Es gibt drei Gründe im Buch Dewarim, drei Gründe für die Liebe zum Höchsten. Ein Grund – weil Gott dich aus Ägypten herausgeführt hat, und liebe Gott für alles, was Er für dich getan hat. Aus einem anderen Grund – liebe Gott, denn wenn du Ihn liebst, wird Er dich segnen. Das ist auch sehr wichtig. Liebe Gott für alles, was Er für dich tun wird. Und schließlich liebe Gott dafür, dass du an Seiner Welt teilhast, dafür, dass du ein Teil Seiner Lenkung der Welt bist.

Die Worte Höre, Israel, der HERR, dein Gott – Gott ist einer kann man so verstehen: höre mit dem Hören, versuche zu hören, denn das Sehen ist auf etwas Einzelnes gerichtet, das Sehen des Menschen erlaubt nicht, 360 Grad zu sehen, erlaubt nicht, sich alles bis ins Letzte, bis aufs Pixel zu merken. Man kann ein Bild nicht auswendig lernen – man kann einen Text auswendig lernen. Man kann sich einen Text merken und mit diesem Text leben, ihn auslegen, die Wirklichkeit wie einen Text lesen. Wenn das Sehen Bilder und Formen unterscheidet, so fügt das Hören zusammen, gießt gleichsam alles in eine Melodie, in einen Klang.

Es gibt auch eine solche Deutung unter den vielen Deutungen dieses schemá jisraél adonáj elohénu adonáj echád. Wir, das Volk Israel, tragen eine Mission – alle Völker zu dem einen Gott zu führen, das ist die Aufgabe, die das Volk Israel trägt. In den Handschriften der Tora ist es gewöhnlich üblich, den Buchstaben ajin (den letzten Buchstaben im Wort schemá) als großen Buchstaben hervorzuheben und den Buchstaben dálet (im Wort echád) – ebenfalls als großen Buchstaben, damit zusammen das Wort ajin-dálet, das heißt das Wort ed, (Zeuge) entsteht. Mit anderen Worten, ihr seid Zeugen Gottes, und euer Zeugnis soll die Völker zum Einen Gott führen. Und weil Gott dir diesen Dienst gegeben hat, so liebe Ihn mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit all deinem Übermaß. Weil der HERR einer ist, umfasst Er mit Sich alles. Und wenn wir Ihn lieben, lieben wir auch die Menschen, die Er geschaffen hat, und die Kinder und den Ehemann (die Ehefrau), die Er uns gegeben hat. Die Liebe zu Ihm ist die Liebe zu Ihm als dem Schöpfer, aber auch die Liebe zu Seinen Geschöpfen. Deshalb folgt die Liebe zum Nächsten natürlich aus der Liebe zum Schöpfer.

וְהָיוּ הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם עַל־לְבָבֶךָ׃

wehajú haddewarím ha'élle aschér anochí mezawwechá hajom al-lewawécha

6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein.

וְשִׁנַּנְתָּם לְבָנֶיךָ וְדִבַּרְתָּ בָּם בְּשִׁבְתְּךָ בְּבֵיתֶךָ וּבְלֶכְתְּךָ בַדֶּרֶךְ וּבְשָׁכְבְּךָ וּבְקוּמֶךָ׃

weschinnantám lewanécha wedibbartá bam beschiwtechá bewetécha uwlechtechá waddérech uwschochbechá uwkumécha

7 Und wiederhole sie deinem Sohn und rede mit ihnen, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, beim Hinlegen und beim Aufstehen.

Wir haben schon mehrfach davon gesprochen, dass das Volk Israel ein Volk ist, dem geboten ist zu reden, mit den Kindern zu sprechen. Und deshalb wiederhole diese Worte deinem Sohn, damit sowohl dein Sohn als auch der Sohn deines Sohnes mit diesen Worten leben. Was du auch tust, du musst diese Worte in dir tragen, du bist ein Zeuge. Und vielleicht ist das keine wörtliche Wiederholung dieser Worte (obwohl auch die wörtliche Wiederholung), aber du bist ein Brief, du bist ein Text, du bist ein Zeuge, der diesen Brief in die Welt trägt. Wo du auch bist, was du auch tust, du wiederholst diese Worte. Dieses Gebet wird viermal am Tag gelesen. Tatsächlich, wenn ein Jude aufwacht, spricht er diese Worte, bevor er zum Morgengebet in die Synagoge geht. Dann während des Morgengebets, dann während des Abendgebets und schon auf dem Bett zum vierten Mal. Tatsächlich, und beim Hinlegen und beim Aufstehen.

וּקְשַׁרְתָּם לְאוֹת עַל־יָדֶךָ וְהָיוּ לְטֹטָפֹת בֵּין עֵינֶיךָ׃

ukschartám le'ót al-jadécha wehajú letotafót ben enécha

8 Binde sie (diese Worte) als Zeichen an deine Hand, und sie werden totafót zwischen deinen Augen sein,

Hier ist natürlich auch der geistliche Sinn gemeint: Möge auch deine Hand durch eben diese Worte handeln. Ein Meister irgendeines Fachs, zum Beispiel ein Pianist, denkt nicht darüber nach, wie er spielt, denkt nicht darüber nach, auf welche Taste des Flügels er drücken muss. Es gibt auch irgendwelche anderen Meister feiner und schneller Arbeit oder langsamer und feiner Arbeit, die arbeiten und nicht darüber nachdenken, wie sie ihre Hand bewegen sollen. Genauso kann die Hand sich von selbst bewegen, das Gute automatisch tun, ohne unser Gehirn anzustrengen, und die linke Hand wird nicht wissen, was die rechte tut. Und das ist ein wichtiges Verständnis der Worte binde sie an deine Hand. Außerdem gibt es das Gebot über die Tefillín (Phylakterien, aus dem Griechischen), wenn wir diese Worte buchstäblich an unsere Hand binden, um uns zu erinnern, uns daran zu erinnern, dass diese Worte die Führung für unsere Hände sein sollen.

Das Wort totafót ist sehr schwer zu übersetzen, schon die Weisen des Talmud stritten darüber, wie man es übersetzen soll; aber man kann es so verstehen, dass auch die Augen die Welt durch das Prisma dieser Worte wahrnehmen werden. Wir haben (im Kommentar zu Vers 18 von Kapitel 5) darüber gesprochen, dass die Augen dem Herzen des Menschen folgen, und wenn das Herz des Menschen verdorben ist, dann kann auch das Sehen verdorben werden, und die Augen werden die Wirklichkeit verzerrt wahrnehmen. Und eben dieses totafót soll unser Sehen korrigieren. Wir preisen jeden Morgen den Höchsten dafür, dass Er Sehen gibt (die Augen öffnet) den Blinden (poké'ach iwrím), denn wir schlafen mit geschlossenen Augen, Er aber weckt uns auf, öffnet uns die Augen. Einerseits sehen wir nichts, andererseits aber rettet Er uns, reinigt uns von allen Fehlern unseres Sehens, von allen kognitiven Sehverzerrungen, von allen optischen Täuschungen. Heute ist es sehr in Mode, verschiedene Bilder und Vexierbilder anzubieten (auf denen man etwas sieht, in Wirklichkeit aber ist es etwas anderes), die die Unvollkommenheit unseres Sehens aufdecken. Auch das geistliche Sehen ist unvollkommen, und hier erhalten wir vom Höchsten den Befehl, unter anderem auch es zu korrigieren.

וּכְתַבְתָּם עַל־מְזוּזֹת בֵּיתֶךָ וּבִשְׁעָרֶיךָ׃

uchtawtám al-mesusót betécha uwisch'arécha

9 Und schreibe sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore.

Und an die Grenzen deiner Stadt, deiner Gemeinde, an die Tore, und an die Grenzen deines Hauses, an die Pfosten, schreibe diese Worte. Wenn du aus deinem persönlichen Raum in den öffentlichen Raum hinübergehst, aus dem Raum deiner Stadt, deiner Gruppe von Menschen, nahestehender Menschen, Gleichgesinnter, hinübergehst in die Welt der Menschen, die in anderen Städten leben und jenseits dieser Grenze höchstwahrscheinlich anders denken, dann überschreite diese Grenze durch das Prisma dieser Worte, mit denen ich dich unterwiesen habe.

Das ist das bekannteste jüdische Gebet, und seit dem Jahr 1951 erklingt dieses Gebet jeden Morgen, außer am Sabbat, um 5:58 Uhr morgens im israelischen Radio, es erklingt mit der Stimme des wohl in Sachen Aussprache gebildetsten israelischen Radiosprechers Mosche Chowaw. Seit dem Jahr 1951 beginnen jeden Tag, jeden Morgen die Sendungen des Radiosenders „Stimme Israels“ mit dem Gebet Schma.

וְהָיָה כִּי יְבִיאֲךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר נִשְׁבַּע לַאֲבֹתֶיךָ לְאַבְרָהָם לְיִצְחָק וּלְיַעֲקֹב לָתֶת לָךְ עָרִים גְּדֹלֹת וְטֹבֹת אֲשֶׁר לֹא־בָנִיתָ׃

wehajá ki-jewi'achá adonáj elohécha el-ha'árez aschér nischbá la'awotécha le'awrahám lejizchák uljaaków látet lach arím gedolót wetowót aschér lo-waníta

10 Und es wird sein, wenn der HERR, dein Gott, dich in das Land bringt, von dem Er deinen Vätern, Awraham, Jizchak und Jaakow, geschworen hat, es dir zu geben, – große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast,

וּבָתִּים מְלֵאִים כָּל־טוּב אֲשֶׁר לֹא־מִלֵּאתָ וּבֹרֹת חֲצוּבִים אֲשֶׁרלֹא־חָצַבְתָּ כְּרָמִים וְזֵיתִים אֲשֶׁר לֹא־נָטָעְתָּ וְאָכַלְתָּ וְשָׂבָעְתָּ׃

uwattím mele'ím kol-túw aschér lo-milléta uworót chazuwím aschér lo-chazáwta keramím wesetím aschér lo-natá'ta we'achaltá wesawá'ta

11 Und Häuser, voll von allerlei Gütern, die du nicht gefüllt hast, und gegrabene Brunnen (Gruben), die du nicht gegraben hast, Weinberge und Olivenhaine, die du nicht gepflanzt hast, und du wirst essen und dich sattessen,–

הִשָּׁמֶר לְךָ פֶּן־תִּשְׁכַּח אֶת־יְהוָה אֲשֶׁר הוֹצִיאֲךָ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם מִבֵּית עֲבָדִים׃

hischámer lechá pen-tischkách et-adonáj aschér hozi'achá me'érez mizrájim mibbét awadím

12 Dann hüte dich, dass du den HERRN nicht vergisst, der dich aus Ägypten herausgeführt hat, aus dem Haus der Sklaverei.

אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ תִּירָא וְאֹתוֹ תַעֲבֹד וּבִשְׁמוֹ תִּשָּׁבֵעַ׃

et-adonáj elohécha tirá we'otó ta'awód uwischmó tischawéja

13 Den HERRN, deinen Gott, fürchte, und Ihm diene, und bei Seinem Namen schwöre.

Wenn du Gott fürchtest, wenn du im Zustand eines gottesfürchtigen Menschen die Wahrheit suchst, gerade dann kannst du um der Wahrheit willen (vor Gericht, bei irgendeiner Verhandlung, nicht einfach so auf dem Basar) bei Seinem Namen schwören und bei keinem anderen Namen. Suche keine andere Autorität. Gerade dann, wenn du Gott fürchtest, rufe um der Erfüllung der göttlichen Wahrheit willen den Namen Gottes an und schwöre beim Namen Gottes. Er ist das einzige Kriterium der Wahrheit, das Siegel der Wahrheit, und die Wahrheit des einen oder anderen wird an Seinem Willen, an Seinen Maßstäben geprüft. Da wir heute keine solchen Gerichte haben, sollten wir natürlich nicht schwören.

לֹא תֵלְכוּן אַחֲרֵי אֱלֹהִים אֲחֵרִים מֵאֱלֹהֵי הָעַמִּים אֲשֶׁר סְבִיבוֹתֵיכֶם׃

lo telechún acharé elohím acherím me'elohé ha'ammím aschér sewiwotechém

14 Geht nicht anderen Göttern nach, von den Göttern der Völker, die euch umgeben.

Wenn ihr, nachdem ihr in das Land gekommen seid, irgendeinen schönen Tempel seht oder eine schöne Statue oder irgendeine schöne Art, einen anderen Gott anzubeten, dann geht diesen Göttern nicht nach.

כִּי אֵל קַנָּא יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּקִרְבֶּךָ פֶּן־יֶחֱרֶה אַף־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בָּךְ וְהִשְׁמִידְךָ מֵעַל פְּנֵי הָאֲדָמָה׃

ki el kanná adonáj elohécha bekirbécha pen-jecheré af-adonáj elohécha bach wehischmidechá me'ál pené ha'adamá

15 Denn ein eifersüchtiger Gott ist der HERR, dein Gott, in deiner Mitte; damit der HERR, dein Gott, nicht gegen dich zornig wird und dich nicht vom Angesicht der Erde vertilgt (nicht vertreibt).

Gott wird in deiner Mitte sein, neben dir, deshalb schiele nicht nach anderen Göttern. Hier wird das Wort lehaschpít (vernichten, ausrotten) verwendet in der Bedeutung vertreiben.

לֹא תְנַסּוּ אֶת־יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם כַּאֲשֶׁר נִסִּיתֶם בַּמַּסָּה׃

lo tenassú et-adonáj elohechém ka'aschér nissitém bammassá

16 Stellt den HERRN, euren Gott, nicht auf die Probe, wie ihr Ihn in Massa auf die Probe gestellt habt.

In Massa, in Refidim, als es kein Wasser zum Trinken gab, fragten die Menschen (Schemot 17,7): „Ist der HERR unter uns? Ist der HERR in unserer Mitte?“ Versucht nicht, auf die Probe zu stellen, ob Gott sieht, versucht nicht, auf die Probe zu stellen, ob Gott es bemerkt, oder zu sagen: „Vielleicht bemerkt Er es ja nicht, vielleicht finden wir ein Schlupfloch, vielleicht gibt es bei Ihm Zeiten für die Mittagspause, oder nachts sieht Er nicht?“ Versucht es nicht, versucht nicht, euch vorzustellen, dass Er euch nicht sieht im Götzentempel oder im Meer oder sonst irgendwo.

שָׁמוֹר תִּשְׁמְרוּן אֶת־מִצְוֹת יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם וְעֵדֹתָיו וְחֻקָּיו אֲשֶׁר צִוָּךְ׃

schamór tischmerún et-mizwót adonáj elohechém we'edotáw wechukkáw aschér ziwwách

17 Hütet euch, haltet die Gebote des HERRN, eures Gottes, und Sein Zeugnis und alle Gesetze, die Er dich gelehrt hat.

Was bedeutet das Zeugnis, das man halten soll? Denkt daran, dass ihr Zeugen für den Höchsten sein sollt. Und ein anderes Verständnis: Die Tafeln werden Tafeln des Zeugnisses genannt, das heißt, halte auch die Gebote, die auf den Tafeln stehen.

וְעָשִׂיתָ הַיָּשָׁר וְהַטּוֹב בְּעֵינֵי יְהוָה לְמַעַן יִיטַב לָךְ וּבָאתָ וְיָרַשְׁתָּ אֶת־הָאָרֶץ הַטֹּבָה אֲשֶׁר־נִשְׁבַּע יְהוָה לַאֲבֹתֶיךָ׃

we'assíta hajaschár wehattów be'ené adonáj lemá'an jítaw lach uwáta wejaraschtá et-ha'árez hattowá ascher-nischbá adonáj la'awotécha

18 Und tu das Gerade und Gute in den Augen des HERRN, damit es dir besser gehe, und du wirst hineinkommen und das gute Land erben, von dem der HERR, dein Gott, geschworen hat,

Was bedeutet das Gerade und Gute? Es gibt zum Beispiel einen Menschen, der nach den Gesetzen des Landes, nach den Gesetzen des Staates lebt und nichts übertritt. Er geht immer bei Grün über die Straße, zahlt immer pünktlich seine Steuern und macht auch alles andere richtig, aber nichts Gutes tut er. Eine alte Frau führt er nicht über die Straße, kauft ihr keinen Laib Brot, wenn es nötig ist, und tut überhaupt keine guten Taten. Und manchmal, auch vor Gericht, bei irgendwelchen Verhandlungen, sagt er nur: „Das schulde ich, dazu bin ich verpflichtet. Das nehmt, und mehr soll man von mir nicht wollen!“ Aber hier sagt Mosche: „Tu sowohl das Gerade als auch das Gute in den Augen des HERRN.“ Es genügt nicht, ehrlich zu sein, und es genügt nicht, den Buchstaben des Gesetzes zu halten, man muss auch noch gütig und gut sein. Das Wort tow (gut) und das Wort jítaw (es wird dir gut gehen) sind Wörter derselben Wurzel. Tu das Gute in den Augen des HERRN, damit es dir gut wird.

לַהֲדֹף אֶת־כָּל־אֹיְבֶיךָ מִפָּנֶיךָ כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה׃

lahadóf et-kol-ojewécha mippanécha ka'aschér dibbér adonáj

19 Um alle deine Feinde vor deinem Angesicht zu vertreiben, wie der HERR geredet hat.

כִּי־יִשְׁאָלְךָ בִנְךָ מָחָר לֵאמֹר מָה הָעֵדֹת וְהַחֻקִּים וְהַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֱלֹהֵינוּ אֶתְכֶם׃

ki-jisch'alechá winchá machár lemór ma ha'edót wehachukkím wehammischpatím aschér ziwwá adonáj elohénu etchém

20 Und wenn dich morgen der Sohn fragt und sagt: „Was sind das für Zeugnisse und Gesetze und Urteile, die der HERR Gott euch geboten hat?“

Hier sagt der Höchste wieder, dass dein Sohn dich fragen wird und du ihm antworten musst. Obwohl weiter unten eigentlich geschrieben steht, was genau man ihm antworten soll, musst du selbst antworten und ihm nicht sagen: „Sohnemann, Buch Dewarim, Kapitel 6, Vers 21, lies nach. Dort ist die Antwort auf deine Frage.“ Nein! Antworte mit deiner eigenen Stimme, man muss die Schrift nicht immer wörtlich zitieren.

וְאָמַרְתָּ לְבִנְךָ עֲבָדִים הָיִינוּ לְפַרְעֹה בְּמִצְרָיִם וַיּוֹצִיאֵנוּ יְהוָה מִמִּצְרַיִם בְּיָד חֲזָקָה׃

we'amartá lewinchá awadím hajínu lefar'óDie russische Umschrift hat hier „lafar'ó“. Im hebräischen Text steht „lefar'ó“ (dem Pharao), dem die deutsche Umschrift folgt. bemizrájim wajozi'énu adonáj mimmizrájim bejád chasaká

21 Und du wirst zu deinem Sohn sagen: „Sklaven waren wir dem Pharao in Ägypten, und der HERR hat uns mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt.

Manchmal ist es sehr schwer, es zu spüren, eben dieses wir. Denn tatsächlich waren wir nicht dort, wir leben in einem anderen Jahrhundert, wir wurden mehr als dreitausend Jahre später geboren, aber man muss sich am Sinai fühlen und eben dieses wir durch den Abschluss des Bundes spüren.

וַיִּתֵּן יְהוָה אוֹתֹת וּמֹפְתִים גְּדֹלִים וְרָעִים בְּמִצְרַיִם בְּפַרְעֹה וּבְכָל־בֵּיתוֹ לְעֵינֵינוּ׃

wajittén adonáj otót umofetím gedolím wera'ím bemizrájim befar'ó uwchol-betó le'enénu

22 Und der HERR gab große, starke und böse Zeichen gegen die Ägypter und gegen den Pharao und gegen sein ganzes Haus vor unseren Augen.

וְאוֹתָנוּ הוֹצִיא מִשָּׁם לְמַעַן הָבִיא אֹתָנוּ לָתֶת לָנוּ אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר נִשְׁבַּע לַאֲבֹתֵינוּ׃

we'otánu hozí mischám lemá'an haví otánu látet lánu et-ha'árez aschér nischbá la'awoténu

23 Uns aber hat Er von dort herausgezogen, um uns hineinzubringen, um uns das Land zu geben, von dem Er unseren Vätern geschworen hat.

וַיְצַוֵּנוּ יְהוָה לַעֲשׂוֹת אֶת־כָּל־הַחֻקִּים הָאֵלֶּה לְיִרְאָה אֶת־יְהוָה אֱלֹהֵינוּ לְטוֹב לָנוּ כָּל־הַיָּמִים לְחַיֹּתֵנוּ כְּהַיּוֹם הַזֶּה׃

wajzawwénu adonáj la'asót et-kol-hachukkím ha'élle lejir'á et-adonáj elohénu letów lánu kol-hajamím lechajoténu kehajom hassé

24 Und der HERR gebot uns, alle diese Gesetze zu halten, damit wir den HERRN, unseren Gott, fürchten, damit es uns wohl ergehe alle Tage und damit wir leben, wie heute.

וּצְדָקָה תִּהְיֶה־לָּנוּ כִּי־נִשְׁמֹר לַעֲשׂוֹת אֶת־כָּל־הַמִּצְוָה הַזֹּאת לִפְנֵי יְהוָה אֱלֹהֵינוּ כַּאֲשֶׁר צִוָּנוּ׃

uzdaká tihje-lánu ki-nischmór la'asót et-kol-hammizwá hassót lifné adonáj elohénu ka'aschér ziwwánu

25 Und es wird uns zur Gerechtigkeit sein, wenn wir uns bemühen, dieses ganze Gebot zu halten vor dem HERRN, unserem Gott, wie Er es uns geboten hat“.

Was bedeutet uzdaká tihje-lánu? Und zur Rechtfertigung (Gerechtigkeit) wird es uns sein, das wird unser Verdienst sein. Wir können dadurch den Staffelstab des Haltens auch an unsere Kinder weitergeben. Wenn jemand sagt, dass man die Gebote halten muss, werden auch seine Kinder sagen, dass man die Gebote halten muss. Wenn jemand sagt, dass man die Tora lernen muss, und die Tora lernt, werden auch seine Kinder sagen, dass man die Tora lernen muss, und werden sie lernen. Wenn jemand die Gebote hält, sich bemüht, sie zu halten, werden auch seine Kinder sie halten. Das Kind schaut auf unser Halten und fragt: „Was macht ihr denn da?“, und wir erzählen den Kindern davon, was wir halten. Das heißt, hier folgt nicht die Tat den Worten, der Unterweisung, sondern die Unterweisung folgt der Tat.

Hier endet Kapitel 6, und wir werden mit Kapitel 7 weiterlesen.

כִּי יְבִיאֲךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־אַתָּה בָא־שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ וְנָשַׁל גּוֹיִם־רַבִּים מִפָּנֶיךָ הַחִתִּי וְהַגִּרְגָּשִׁי וְהָאֱמֹרִי וְהַכְּנַעֲנִי וְהַפְּרִזִּי וְהַחִוִּי וְהַיְבוּסִי שִׁבְעָה גוֹיִם רַבִּים וַעֲצוּמִים מִמֶּךָּ׃

ki jewi'ácha adonáj elohécha el-ha'árez ascher-attá wa-schámma lerischtá wenaschál gojim-rabbím mippanécha hachittí wehaggirgaschí weha'emorí wehakkena'aní wehapperissí wehachiwwí wehajwussí schiw'á gojím rabbím wa'azumím mimmékka

1 Wenn der HERR, dein Gott, dich in das Land bringt, in das du gehst, um es zu erben, so wird Er viele Völker vor dir vertreiben: die Hetiter, die Girgaschiter, die Emoriter und die Kanaaniter und die Perisiter und die Chiwiter und die Jewussiter – sieben Völker, die größer und stärker sind als du.

וּנְתָנָם יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְפָנֶיךָ וְהִכִּיתָם הַחֲרֵם תַּחֲרִים אֹתָם לֹא־תִכְרֹת לָהֶם בְּרִית וְלֹא תְחָנֵּם׃

untanám adonáj elohécha lefanécha wehikkitám hacharém tacharím otám lo-tichrót lahém berít weló techonném

2 Und der HERR, dein Gott, wird sie vor dir hingeben, und du wirst sie schlagen, und mit dem Bann sollst du sie bannen; schließe mit ihnen keinen Bund und erlaube ihnen nicht zu leben (oder bei dir zu leben).

Das heißt, man muss sie vertreiben oder vernichten. Die Worte lo techonném kann man auf mehrere Weisen verstehen. Man kann techonném vom Verb lachanót (sich zum Lagern niederlassen, einen Wohnort geben) her verstehen, also lass ihnen keinen Wohnort. Man kann es als abgeleitet vom Wort chinnám (umsonst, gratis) verstehen – gib ihnen keine, bring ihnen keinerlei Geschenke, versuch nicht, dich mit ihnen anzufreunden. Und das dritte Verständnis – vom Wort chen (Anmut) – finde an ihnen keinerlei Anmut. Du kannst sagen: „Natürlich sind Buddhastatuen einfach Götzen, aber was für schöne Götzen! Und wie schön können Statuetten des hinduistischen Gottes Ganesha oder des griechischen Gottes Zeus sein, wie schön können Bilder sein, die andere griechische Götter darstellen!“ Auch so darf man es nicht machen, denn das kann geistliche Folgen haben.

וְלֹא תִתְחַתֵּן בָּם בִּתְּךָ לֹא־תִתֵּן לִבְנוֹ וּבִתּוֹ לֹא־תִקַּח לִבְנֶךָ׃

weló titchattén bam bittechá lo-tittén liwnó uwittó lo-tikkách liwnécha

3 Und geh mit ihnen keine Ehe ein: Deine Tochter gib nicht seinem Sohn, und seine Tochter nimm nicht für deinen Sohn.

כִּי־יָסִיר אֶת־בִּנְךָ מֵאַחֲרַי וְעָבְדוּ אֱלֹהִים אֲחֵרִים וְחָרָה אַף־יְהוָה בָּכֶם וְהִשְׁמִידְךָ מַהֵר׃

ki-jassír et-bíncha me'acharáj we'awedú elohím acherím wechará af-adonáj bachém wehischmidechá mahér

4 Denn die Tochter wird deinen Sohn von Mir wegführen, und sie werden anderen Göttern dienen, und der HERR Gott wird über dich zornig werden und wird dich in Kürze aus dem Land vertreiben.

כִּי־אִם־כֹּה תַעֲשׂוּ לָהֶם מִזְבְּחֹתֵיהֶם תִּתֹּצוּ וּמַצֵּבֹתָם תְּשַׁבֵּרוּ וַאֲשֵׁירֵהֶם תְּגַדֵּעוּן וּפְסִילֵיהֶם תִּשְׂרְפוּן בָּאֵשׁ׃

ki im-kó ta'asú lahém misbechotehém tittózu umazzewotám teschabbéru wa'ascherehém tegadde'ún ufsilehém tisrefún ba'ésch

5 Sondern so handelt: Zerschlagt ihre Altäre, und ihre Stelen zerbrecht, und ihre Götzenbäume haut um, und ihre hölzernen Götzen verbrennt mit Feuer.

כִּי עַם קָדוֹשׁ אַתָּה לַיהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּךָ בָּחַר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לִהְיוֹת לוֹ לְעַם סְגֻלָּה מִכֹּל הָעַמִּים אֲשֶׁר עַל־פְּנֵי הָאֲדָמָה׃

ki am kadósch attá ladonáj elohécha bechá bachár adonáj elohécha lihjot lo le'ám segullá mikkól ha'ammím aschér al-pené ha'adamá

6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott, und dich hat der HERR, dein Gott, erwählt, um Ihm ein Volk-Segullá (eine Schatzkammer) zu sein, aus allen Völkern, die auf der Erde sind.

Dich hat der HERR erwählt, ein Volk zu sein, durch das das Handeln Gottes verwirklicht wird, Sein Werkzeug des Handelns, erwählt aus allen Völkern, die auf der Erde sind. Und du musst dich als taugliches Werkzeug für dieses Handeln bewahren, tauglich dafür bleiben, dass durch dich der Höchste offenbar wird.

לֹא מֵרֻבְּכֶם מִכָּל־הָעַמִּים חָשַׁק יְהוָה בָּכֶם וַיִּבְחַר בָּכֶם כִּי־אַתֶּם הַמְעַט מִכָּל־הָעַמִּים׃

lo merubbechém mikkol-ha'ammímDie russische Umschrift gibt im zweiten Wort den Anlaut wie ein G wieder. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: „ha'ammím“. chaschák adonáj bachém wajiwchár bachém ki-attém ham'át mikkol-ha'ammím

7 Nicht weil ihr zahlreicher seid als alle Völker, hat der HERR nach euch verlangt und euch erwählt, ihr seid ja weniger zahlreich als alle Völker,

כִּי מֵאַהֲבַת יְהוָה אֶתְכֶם וּמִשָּׁמְרוֹ אֶת־הַשְּׁבֻעָה אֲשֶׁר נִשְׁבַּע לַאֲבֹתֵיכֶם הוֹצִיא יְהוָה אֶתְכֶם בְּיָד חֲזָקָה וַיִּפְדְּךָ מִבֵּית עֲבָדִים מִיַּד פַּרְעֹה מֶלֶךְ־מִצְרָיִם׃

ki me'ahawát adonáj etchém umischomró et-haschewu'á aschér nischbá la'awotechém hozí adonáj etchém bejád chasaká wajifdechá mibbét awadím mijád par'ó melech-mizrájim

8 Sondern aus Liebe des HERRN zu euch und wegen der Bewahrung des Bundes, den Er euren Vätern geschworen hat, hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich losgekauft aus dem Haus der Knechtschaft, von Pharao, dem König Ägyptens.

Das heißt, der HERR hat dich nicht deshalb gewählt, weil du das geeignetste Projekt bist, nicht weil du zahlreicher bist als andere Völker und deshalb am besten für die Mission geeignet bist, und nicht weil du klug bist, und nicht weil du stark bist, sondern aus Liebe zu dir. Das ist kein Geschäft, das ist ein Bund der Liebe, darum denk daran und bewahre es, schätze diese Liebe.

וְיָדַעְתָּ כִּי־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ הוּא הָאֱלֹהִים הָאֵל הַנֶּאֱמָן שֹׁמֵר הַבְּרִית וְהַחֶסֶד לְאֹהֲבָיו וּלְשֹׁמְרֵי מִצְוֹתוֹ (מִצְוֹתָיו) לְאֶלֶף דּוֹר׃

wejada'tá ki-adonáj elohécha hu ha'elohím ha'él hanne'emán schomér habberít wehachéssed le'ohawáw ulschomeré mizwotáw le'élef dor

9 Und wisse, dass der HERR, dein Gott – Er ist Gott, der Treue Gott, Der den Bund und die Gnade bewahrt für die, die Ihn lieben, und für die, die Seine Gebote halten, auf tausend Generationen.

Denk daran, dass, auch wenn du etwas nicht erreicht hast, sich deine Taten ansammeln, und dieser Staffelstab wird weitergegeben, und vielleicht wird sich der Plan, der Entwurf, an dem du teilhast, nach tausend Generationen verwirklichen. Vielleicht wird diese Gnade nach vielen und vielen Generationen geboren, etwas, das du tust, wird möglicherweise dort seine Triebe hervorbringen. Aber denk daran, dass dein Gott ein Starker, ein Macht Habender Gott ist, und wenn du etwas tust, wird Er vergelten, wird deine Taten nicht ohne Früchte lassen, auch wenn du es nicht sofort siehst. Aber denk auch an das andere, denk daran, dass der HERR:

וּמְשַׁלֵּם לְשֹׂנְאָיו אֶל־פָּנָיו לְהַאֲבִידו לֹא יְאַחֵר לְשֹׂנְא אֶל־פָּנָיו יְשַׁלֶּם־לוֹ׃

umschallém lesone'áw el-panáw leha'awidó lo je'achér lesone'ó el-panáw jeschallem-ló

10 Und wenn es nötig ist, vergilt Er schnell denen, die Ihn hassen, und wird nicht säumen, sie zu verderben, und Er wird vor Seinem Angesicht denen vergelten, die Ihn hassen.

Du kannst anderen Göttern nachgehen, du kannst deine Kinder lehren, anderen Göttern nachzugehen, trotz allem, was der HERR für das Volk getan hat, obwohl du Häuser bekommen hast, die du nicht gebaut hast, du hast Brunnen (Gruben) bekommen, die du nicht gegraben hast, Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast. All das hast du geschenkt bekommen, alles hat dir der Höchste vorbereitet, gegeben. Du hast die Arbeit anderer Völker abgefangen, an dich gerissen, bekommen. Du kannst vergessen, dass das vom HERRN ist, kannst es für dein Eigenes halten, meinen, dass du selbst es auf tausend Generationen bewahren kannst, und weitergeben, und festigen. Aber der HERR sagt: „Das ist Meine Gnade. Wenn du mit Mir bist, dann wird das aufgebaut werden, sich ansammeln, es wird sich Reichtum für tausend Generationen sammeln. Aber wenn du zu anderen Göttern gehst und Mein Hasser wirst, dann werde Ich all diese Häuser schnell zerstören, die du nicht gebaut hast, und vielleicht auch die Häuser, die du bauen wirst. Und alles, was du errichtest, alles, was du zu erweitern, zu vertiefen und zu entwickeln hoffst – all das werde Ich anderen Völkern geben.“

וְשָׁמַרְתָּ אֶת־הַמִּצְוָה וְאֶת־הַחֻקִּים וְאֶת־הַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם לַעֲשׂוֹתָם׃

weschamartá et-hammizwá we'et-hachukkím we'et-hammischpatím aschér anochí mezawwechá hajom la'asotám

11 Und halte das Gebot und die Gesetze und die Urteile, die ich dir heute gebiete zu tun.

Die Gebote sind vom HERRN dem Volk gegeben, damit es dem Volk gut geht. Wer die Gebote halten wird, dem wird es auf natürliche Weise gut gehen, und dazu wird noch der Segen des Höchsten hinzukommen. Und selbst wenn du das Land bekommst und es dir scheint, dass du schon ein Haus hast, einen Weinberg, einen Olivenhain, du hast dein eigenes Geschäft und stehst fest auf den Beinen, vergiss nicht, dass all das vom HERRN, deinem Gott, ist. Oft hört man verschiedene Geschichten von Eltern, die in ihre Kinder investiert, ihnen Wohnungen, Autos gekauft haben, und die Kinder haben sie vergessen. Und dasselbe geschieht in der Beziehung zwischen Mensch und Gott. Der HERR sagt: „Ich bin nah, Ich bin nicht in eine andere Stadt umgezogen. Und Ich bin nicht kraftlos geworden und kann von Meinen Hassern Rechenschaft fordern. Und wenn du mit Mir bist, dann wird alles, was du baust, gefestigt werden und wachsen auf tausend Generationen. Darum halte Meine Gebote, damit es dir gut geht.“

Digest

Im Wochenabschnitt Waetchanan (3,23–7,11) begegnen wir wieder den Zehn Geboten, die der Höchste gegeben hat. Und es entsteht eine Frage, die wahrscheinlich nur bei Juden aufkommen kann: Wozu das Gesetz auf zwei Tafeln schreiben? Fand sich beim Höchsten etwa keine einzige große Tafel, und vielleicht hätte man darauf kleiner schreiben können? So oder so hätte man mit einer Tafel auskommen können. Und die Rabbiner (die jüdischen Weisen) geben verschiedene Antworten auf die Frage, warum zwei Tafeln nötig waren.

Erste Version. Auf jeder Tafel waren fünf Gebote geschrieben. Auf der ersten Tafel waren die fünf Gebote geschrieben, die von den Beziehungen zwischen dem Menschen und Gott sprechen, auf der zweiten Tafel – von den Beziehungen zwischen dem Menschen und dem Nächsten. Und hier kann man sogar bestimmte Parallelen zwischen den ersten fünf Geboten und den zweiten fünf Geboten finden.

Das erste Gebot sagt: „Ich bin der HERR, dein Gott. Es sollen bei dir keine anderen Götter sein“. Und das sechste Gebot (entsprechend das erste Gebot auf der zweiten Tafel) sagt: „Töte nicht“. Denn der Name Gottes bedeutet sowohl Richter als auch der, der das Leben gibt, deshalb nimmt die Annahme der Herrschaft des Höchsten, des Verständnisses, dass Gott das Leben gibt, dem Menschen die Möglichkeit, jemand anderen zu töten.

Dem zweiten Gebot, mache dir kein Götzenbild, ist das Gebot von der zweiten Tafel parallel – brich nicht die Ehe. Tatsächlich ist die Hinwendung zu einem Götzen, zu einem fremden Gott, der Beziehung zu einer fremden Frau oder zu einem Mann ähnlich, der nicht der Ehemann ist. Wenn wir davon sprechen, dass ein Mensch sich an einen fremden Gott wendet (an den, der nicht Gott ist) oder an die, die nicht seine Frau ist (an den, der nicht ihr Mann ist), dann ist das ein und dasselbe: von dem empfangen wollen, von dem man nicht empfangen soll. Es gibt eine Verbindung.

Das dritte Gebot – sprich den Namen deines HERRN nicht vergeblich aus. Was muss man hier verstehen? Wahrscheinlich muss man dieses Gebot umfassender verstehen. Wenn wir den Namen Gottes in einem Schwur, in irgendeinem Versprechen aussprechen, nehmen wir gleichsam die Autorität Gottes mit uns, Sein Banner. Und entsprechend ist ihm das achte Gebot parallel (das dritte von der zweiten Tafel) – stiehl nicht.

Das vierte Gebot ist mit dem Sabbattag (dem Schabbat) verbunden. Nachdem die Juden das Gebot der Tora empfangen haben, heiligen sie den Sabbattag, sie tun dies zum Zeugnis dafür, dass Gott sechs Tage diese Welt erschuf und am siebten Tag von Seinen Werken ruhte. Eine der Aufgaben des Haltens des Schabbat ist das Zeugnis davon, dass der Schöpfer der Welt der Höchste ist. Sogar die Heiligung des Sabbattages beginnt mit dem Zeugnis, dass Gott die Welt erschaffen hat. Deshalb können wir sagen, dass diesem Gebot das neunte Gebot von der zweiten Tafel parallel ist – sprich kein falsches Zeugnis aus.

Das fünfte Gebot, ehre deinen Vater und deine Mutter, bestimmt die Beziehungen zu den Eltern, die Beziehungen in der Familie. Überhaupt lebten die Familie, das Geschlecht von dem, was dieses Geschlecht erworben hatte, der ganze Besitz des Geschlechts wurde von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben. Wir sehen, dass die Kinder in Häusern lebten, die die Eltern gebaut hatten, sie pressten Öl in den Ölpressen, die ihr Urgroßvater gebaut hatte. Selbstverständlich ist die Achtung vor den Eltern und die Achtung vor dem, was sie getan haben, eine der Grundlagen des Lebens in der Familie, und die Haltung, die Achtung gegenüber der eigenen Familie, gegenüber ihrem Besitz bringt parallel dazu die Haltung gegenüber dem Besitz des Nächsten hervor. Deshalb lautet das ihm parallele zehnte, letzte Gebot – begehre nichts von dem, was dein Nächster hat.

Aber in Wirklichkeit wären die Juden keine Juden, wenn sie nur eine einzige Version in Bezug auf die Tafeln hätten, deshalb gibt es auch eine andere Meinung. Gemäß dieser anderen Meinung waren auf jeder dieser Tafeln zehn Gebote aufgeschrieben. Auf der einen Tafel war die Version aufgeschrieben, die im zweiten Buch Mosches (Schemot) verwendet wird, und auf der anderen Tafel das, was im fünften Buch Mosches (Dewarim) geschrieben steht. Das heißt, die Tafeln wurden in zwei Exemplaren gegeben. Wozu kann so etwas nötig sein? Weil jeder Vertrag zwischen zwei Parteien gewöhnlich in zwei Exemplaren gemacht wird, damit jede der Parteien sich an die übernommenen Verpflichtungen und an die Verpflichtungen der anderen Partei erinnert. Die eine Kopie dieses Vertrags wurde im Heiligtum aufbewahrt, in der Lade des Bundes. Das ist die Kopie des Höchsten, sie kommt herab, in der Wolke senkt sie sich auf die Lade des Bundes herab. Und die andere Kopie, die zweite Tafel, die Kopie des jüdischen Volkes, wurde bei den Leviten aufbewahrt.

Man kann natürlich fragen: Wo ist denn nun die Wahrheit, wie war es denn wirklich? Aus jüdischer Sicht gefällt es Gott, dass es bei uns verschiedene Meinungen gibt, deshalb haben beide Meinungen eine Daseinsberechtigung.

Noch ein wichtiger Punkt, den man in unserem Wochenabschnitt hervorheben muss. Mosche sagt am Anfang von Kapitel 4: „Höre auf die Anordnungen und Gesetze, die ich dir gebe. Fügt den Worten, die ich euch gebiete, nichts hinzu und nehmt nichts davon weg, denn euer Wissen und eure Weisheit stehen dem Volk vor Augen.“ Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Es gibt keinen verborgenen, geheimen Zusatz, keinen geheimen Teil der jüdischen Lehre. Es gibt keinen Teil der Tora, der allein den Juden bekannt ist. Obwohl wir solchen Ansichten nicht nur bei irgendwelchen antisemitischen Historikern oder in den Theorien von Philosophen begegnen können: Wir können dem sogar bei jüdischen Lehrern begegnen (es gibt einige Lehrer, die so lehren). Aber der Höchste sagt, dass Er für jedes Volk eine besondere Fürsorge hat. Für jedes Volk gibt es seine eigene Führung und seine eigene Aufgabe. Der Höchste sagt im Buch Amos (9,7): „Ich habe die Juden aus dem Land Ägypten herausgeführt, die Philister aus Kaftor (Kreta) und die Aramäer aus Kir.“ Der Höchste hat Fürsorge für alle Völker.

Und was ist mit den Juden? Sie sind, so seltsam es ist, ein Teil Seiner Fürsorge gerade für die anderen Völker. Der Höchste sagt im Buch des Propheten Jeschajahu (49,6): „…Ich mache dich zur Leuchte (zur Quelle des Lichts) für die Völker, damit du Mein Heil wirst bis an die Enden der Erde.“ An einer anderen Stelle (2,3) spricht Jeschajahu davon, dass Völker kommen und, wenn sie auf Israel schauen, von ihm lernen wollen werden: „Denn von Zijon wird die Tora ausgehen und von Jeruschalajim das Wort des HERRN.“ Daraus folgt nicht nur, dass es keinen verborgenen Teil der Tora gibt, sondern auch, dass auf Israel das Gebot liegt, die anderen Völker die Tora zu lehren, ihnen die Tora zu zeigen. Einen verborgenen Teil der Tora gibt es nicht und kann es nicht geben.

Noch ein Punkt, den wir hier hervorheben müssen. Mosche beginnt zu sprechen: „Ich verlasse euch, der Höchste hat mir verboten, in das Land hineinzugehen“, – und weiter: „Aber ihr, verlasst die Gesetze nicht, verlasst die Gebote nicht.“ Die Deutung dieser Geschichte gab einer der Rabbiner vor zweihundert Jahren. Er war Rabbiner eines kleinen (15 Höfe großen) Schtetls in Polen, ein sehr weiser, gelehrter Mann. Wegen seiner Weisheit und Gelehrsamkeit wollten die Einwohner Prags ihn zu ihrem Rabbiner machen. Prag war eine große jüdische Stadt, die größte, kann man sagen, jüdische Gemeinde in Europa. Sie (die Einwohner Prags) schickten eine Delegation zum Rabbiner und machten ihm ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Der Rabbiner sagte: „Ich muss eine Woche nachdenken.“ Er verkündete der Gemeinde, dass er über die Abreise nachdenkt, und gab dementsprechend nach einer Woche eine positive Antwort. Er begann sich reisefertig zu machen, die Fuhrwerke fuhren vor, und das Aufladen der Sachen begann. Er lud sehr lange auf und zog die Zeit hin. Schließlich sagten die Träger: „Länger können wir nicht warten, komm, mach fertig, und lass uns fahren.“ Und der Rabbiner antwortete: „Ich muss meine letzte Predigt in der Synagoge halten.“ Er kam in die Synagoge und sagte: „Ich gehe von euch weg nach Prag. Bitte haltet weiterhin den Schabbat, haltet weiterhin die Reinheit beim Essen, werdet nicht zu Dieben, fangt nicht an, die Ehe zu brechen.“ Die Leute fragten: „Und warum sollten wir plötzlich anfangen, das alles zu tun?“ Er fragte sie: „Und warum spricht Mosche davon? Warum meint er, dass das Volk Israel wieder anfangen muss?“ Und er sagte ihnen: „Ich war etwa dreißig Jahre lang Rabbiner eurer Gemeinde. Viele von euch sind vor meinen Augen aufgewachsen. Ihr alle seid mit jedem eurer kleinen oder großen Probleme zu mir gekommen. Man kann sagen, ich habe euch mein Leben gewidmet.“

Als Mosche das Urteil erhielt, war er in genau derselben Situation. Niemand beginnt darüber traurig zu sein, dass Mosche nicht in das Land hineinkommen wird. Obwohl Mosche seinerzeit nicht damit einverstanden war, dass der HERR das jüdische Volk vernichtet, und Ihm sagte: „Wenn Du so handelst, lösche auch mich aus dem Buch des Lebens“, weigert sich das jüdische Volk, das zu tun, was Mosche geboten hat. Und auch die Einwohner des jüdischen Schtetls weigerten sich, das zu tun, wovon der Rabbiner zu ihnen spricht. Der Grund dafür ist Undankbarkeit. Der polnische Rabbiner sagt, genau wie Mosche: „Wenn ihr mir gegenüber undankbar seid, werdet ihr in Kürze alles vergessen, was Gott für euch getan hat. Und wenn ihr vergessen habt, was Gott für euch getan hat, werdet ihr aufhören, Seine Gebote zu erfüllen, werdet aufhören, Ihn zu lieben. Undankbarkeit wird zur Abkehr von der Erfüllung der Gebote führen.“

Für uns ist das ebenfalls eine Lehre. Wir müssen dankbar sein können, denn Undankbarkeit führt zum Abfall von den Geboten. Eine kleine Geringschätzung gegenüber dem, der uns etwas Gutes getan hat, kann später zu einem großen Abfall führen. Und das ist noch eine wichtige Lehre unseres Wochenabschnitts.

Und noch ein interessanter Punkt. In Kapitel 3, in Vers 26, sagt Mosche: „Euretwegen bin ich nicht in dieses Land hineingekommen.“ Warum denn euretwegen? Von der Generation, die in der Geschichte mit den Kundschaftern gesündigt hatte, war außer Kalew und Jehoschua niemand mehr am Leben. Mosche selbst hatte seinerzeit gesagt, dass die Väter nicht für die Sünden der Kinder sterben werden und die Kinder nicht für die Sünden der Väter sterben werden. Warum beschuldigt er hier also die Kinder dessen, was die Väter getan haben? In Wirklichkeit weiß Mosche, was er tut. Das jüdische Volk teilt sich im geistlichen Sinn nicht in Generationen auf. Jeder Mensch in jeder Generation soll sich so fühlen, als ob gerade er aus Ägypten auszieht, als ob er am Berg Sinai steht; es gibt keine Trennung. Es sind wir, die Zeitgenossen, die mit den Kundschaftern weinen. Es sind wir, die Zeitgenossen, die danach sofort in den Kampf ziehen, ohne zu verstehen, dass Gott nicht mit uns ist. Deshalb beziehen sich diese seine Worte nicht nur auf jene Generation, an die Mosche sich wendet, sondern auch auf meine Generation: „Euretwegen bin ich nicht in dieses Land hineingekommen.“

Waetchanan: Materialien zum Thema

Lest auch das Stenogramm des Wochenabschnitts Dewarim, das Gespräch über das Gebet, das Buch der Kommentare zu Dewarim und die Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    Inhalt dieses Abschnitts

    1. 1Behüte deine Seele 3,23–4,49
    2. 2Wieder über die Tafeln 5,1–30
    3. 3Anweisungen für Kanaan 6,1–7,11
    4. 4Digest
    5. 5Waetchanan: Materialien zum Thema

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