- Wochenabschnitte
- Dewarim
- Ekew
עֵקֶב
Ekew
Erinnerung, Dankbarkeit und Bund
- Wochenabschnitt
- 46 von 54
- Verse
- Dewarim 7,12–11,25
- Teile
- 8
- Lesezeit
- 1 Std. 45 Min.
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Ekew ist der Wochenabschnitt über die Treue zum Bund, die Erinnerung an die Prüfungen und die Dankbarkeit für den Wohlstand. Im Stenogramm von Alex Blend geht es um den Weg Israels in der Wüste, die Gefahr, die Quelle des Wohlergehens zu vergessen, die Selbsteinschätzung und das Einhalten der Gebote. Der Text des Buches Dewarim auf Hebräisch wird von einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original ist hier von einer russischen Übersetzung die Rede. Da diese Seite eine deutsche Übersetzung zeigt, steht hier neutral „einer Übersetzung“. und der religiösen Auslegung des Autors begleitet.
Merkblatt für den Eroberer
Dewarim 7,12–26
Mit Gottes Hilfe beginnen wir gemeinsam mit dem Studium des Wochenabschnitts Ekew und werden ab Vers 12 von Kapitel 7 des Buches Dewarim lesen.
וְהָיָה עֵקֶב תִּשְׁמְעוּן אֵת הַמִּשְׁפָּטִים הָאֵלֶּה וּשְׁמַרְתֶּם וַעֲשִׂיתֶם אֹתָם וְשָׁמַר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְךָ אֶת־הַבְּרִית וְאֶת־הַחֶסֶד אֲשֶׁר נִשְׁבַּע לַאֲבֹתֶיךָ׃
wehajá ékew tischme'ún et hammischpatím ha'élle uschmartém wa'assitém otám weschamár adonáj elohecha lechá et-habberít we'ét-hachéssed aschér nischbá la'awotécha
12 Und es wird sein, wenn ihr diese Gesetze hören werdet und sie bewahren werdet und sie tun werdet, dann wird auch der HERR, dein Gott, für dich den Bund und die Gnade bewahren, die Er deinen Vätern geschworen hat.
Was bedeuten diese drei Bestandteile – tischme'ún, uschmartém, wa'assitém? Tischme'ún – diese Gesetze werdet ihr hören. Hören bedeutet hinhören, sich vertiefen und zu verstehen versuchen. Hier ist nicht gemeint, einfach bei der Verkündung anwesend zu sein, es bedeutet nicht, schweigend, die Hände im Schoß, in der hintersten Bank zu sitzen. Nein, hier muss man gerade hören und versuchen, sich hineinzuvertiefen, das Wesen dieser Gesetze zu verstehen. Uschmartém – diese Gesetze werdet ihr bewahren, sie hüten, sorgsam mit ihnen umgehen, daran interessiert sein, dass sie eingehalten werden. Es gibt Menschen, die das Gesetz des Staates einhalten, oder das Gesetz der Führung irgendeines Geschäfts, oder noch irgendwelche anderen Gesetze, aber sie tun das, damit man ihnen nichts anhängt, damit man sie in Ruhe lässt, für ihr friedliches Leben. Hier dagegen wird davon gesprochen, dass man sich um das Einhalten der Gesetze bemühen muss. Wa'assitém – ihr werdet diese Gesetze einhalten. Das sind die drei notwendigen Bestandteile. Wenn ein Mensch das Gesetz einfach nur hört, dann kann er auch gar nichts tun. Mehr noch, es gibt Menschen, die im Buchstaben des Gesetzes sehr bewandert sind, sie kennen das Gesetz sehr gut und setzen dieses ihr Wissen ein, um das Gesetz zu umgehen. So arbeiten oft Anwälte. Gerade das Wissen der Anwälte wird oft nicht dafür eingesetzt, das Gesetz einzuhalten, sondern dafür, es zu umgehen. Oder irgendwelche Steuerfachleute, Steuerberater, die nicht dazu raten, wie man die Steuern möglichst gewissenhaft, in vollem Umfang bezahlt, sondern dazu, wie man den Anschein davon erweckt. Also sind drei Bestandteile notwendig: das Hören, der Wunsch, das Bemühen um Einhaltung und das Einhalten, das heißt das bereitwillige Erfüllen der Gebote. Und dann wird sich erfüllen, was in der zweiten Hälfte des Verses gesagt ist, mit demselben Verb lischmór (hüten, bewahren, einhalten), das heißt sich bemühen, Anstrengungen unternehmen, um sich zu bewegen.
Was bedeutet Bund und Gnade? Und warum steht nicht nur Bund geschrieben? Ein Bund ist ein Vertrag zwischen zwei Seiten. Der HERR hat gesagt, dass Er versprochen hat, den Vätern das Land als Erbe zu geben, dass Er vermehren, vervielfachen, segnen wird und vieles andere. Und man hätte beim Wort Bund stehen bleiben können, man hätte sagen können: „Ich habe geschworen, und nur deshalb werde Ich es tun, genau dieses Minimum, das Ich versprochen habe, werdet ihr bekommen.“ Aber hier wird es anders gesagt: „Wenn du dich bemühst, wenn du Mir mit ganzer Seele begegnest, dann begegne auch Ich dir mit ganzer Seele.“ Wenn du dich bemühst, dem HERRN entgegenzugehen, dann wird auch der HERR, soweit man das von Ihm sagen kann, sich bemühen, es dir besser zu machen. Er wird die Absicht haben, nicht nur den Vertrag zu erfüllen, weil Er es versprochen hat, sondern dir auch Gnade zu erweisen: Der Bund wird gehalten werden, die Verheißung an deine Väter, und es wird Gnade dir gegenüber erwiesen werden.
וַאֲהֵבְךָ וּבֵרַכְךָ וְהִרְבֶּךָ וּבֵרַךְ פְּרִי־בִטְנְךָ וּפְרִי־אַדְמָתֶךָ דְּגָנְךָ וְתִירֹשְׁךָ וְיִצְהָרֶךָ שְׁגַר־אֲלָפֶיךָ וְעַשְׁתְּרֹת צֹאנֶךָ עַל הָאֲדָמָה אֲשֶׁר־נִשְׁבַּע לַאֲבֹתֶיךָ לָתֶת לָךְ׃
wa'ahewecha uwerachecha wehirbécha uwerách peri-witnechá ufri-admatecháDie russische Umschrift schreibt hier „admotecha“ mit o. Der hebräische Text hat „admatechá“ mit a; dem folgt die deutsche Umschrift. deganechá wetiroschechá wejizharécha schegar-alafécha we'aschterót zonecha al ha'adamá ascher-nischbá la'awotécha látet lach
13 Und Er wird dich lieben und dich segnen und dich mehren, und Er wird die Frucht deines Leibes segnen und die Frucht deines Bodens, das Getreide und den Wein und das Öl, das Kalben deiner Kühe und das Lammen deines Kleinviehs (der Schafe) auf dem Land, von dem der HERR deinen Vätern geschworen hat, es dir zu geben.
Das heißt, auch die Kinder werden würdig, gesund, verständig, gesegnet geboren werden; und das gesegnete israelische Land wird gesegnete Frucht geben: sowohl Getreide als auch den Saft der Trauben als auch Öl, nicht einfach Weinberge und Olivenbäume, sondern gerade Wein und Öl, das heißt auch ihre Herstellung selbst – all das wird gedeihen. Diese Verheißungen sind den Vätern gegeben, sie stehen im Buch Bereschit: „Und Ich werde dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du wirst ein Segen sein (12,1).“ „Ich werde dich segnen und deine Nachkommenschaft mehrend mehren wie die Sterne des Himmels und wie den Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommenschaft wird die Tore ihrer Feinde in Besitz nehmen (22,17).“ „Und Ich werde deine Nachkommenschaft mehren wie die Sterne des Himmels, und Ich werde deiner Nachkommenschaft alle diese Länder geben, und in deiner Nachkommenschaft werden sich alle Völker der Erde segnen (26,4).“
Mosche erinnert das Volk hier an die Segnungen, die den Vätern gegeben sind. Und diese Segnungen sind schon nicht mehr mit der Eroberung des Landes verbunden, sondern damit, wie das Land sein wird: Der Staat wird gesegnet sein, die Bevölkerung gesegnet, die Wirtschaft gesegnet.
בָּרוּךְ תִּהְיֶה מִכָּל־הָעַמִּים לֹא־יִהְיֶה בְךָ עָקָר וַעֲקָרָה וּבִבְהֶמְתֶּךָ׃
barúch tihje mikkól-ha'ammím lo-jihjé wechá akár wa'akará uwiwhemtécha
14 Du wirst ein Segen für alle Völker sein; und es wird bei dir keinen Unfruchtbaren und keine Unfruchtbare geben, und auch unter deinem Vieh wird es keine geben.
Unfruchtbarkeit wurde als Fluch empfunden. Das Vorhandensein von Unfruchtbaren bedeutet das Vorhandensein irgendeiner Unreinheit im Volk – nicht bei dem Unfruchtbaren selbst, nicht bei der Unfruchtbaren selbst, sondern im Volk, auf der Ebene des Volkes.
Sehr interessant ist hier auch festzuhalten, dass wir im Kapitel 23 des Buches Schemot, in Vers 26, lesen: „Es wird keine Fehlgebärende und keine Unfruchtbare in deinem Land geben; die Zahl deiner Tage werde Ich voll machen.“ Hier ist nur von Frauen die Rede: von der Fehlgebärenden (es ist klar, dass das nur eine Frau sein kann) und von der Unfruchtbaren. Und wenn nicht klar war, wer von den Eheleuten unfruchtbar ist, beschuldigte man die Frau; so ist es bei sehr vielen Völkern. Und um die Frauen zu schützen, sagt Mosche hier, erklärt: „Es wird bei dir keinen Unfruchtbaren und keine Unfruchtbare geben“, auch einen unfruchtbaren Mann gibt es, das ist eine Folge der Unreinheit, die im Volk ist. Gerade deshalb wird in Israel der Behandlung der Unfruchtbarkeit sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet. Das ist eine alte Tradition, der Staat investiert sehr viel Geld darin, einer Frau zu helfen, schwanger zu werden. Und natürlich sind Gebete für eine Frau und für einen Mann, die unfruchtbar sind, immer gesegnet, Gebete darum, dass der HERR ihnen Frucht gibt, ihnen die Möglichkeit gibt, ein Kind zur Welt zu bringen.
וְהֵסִיר יְהוָה מִמְּךָ כָּל־חֹלִי וְכָל־מַדְוֵי מִצְרַיִם הָרָעִים אֲשֶׁר יָדַעְתָּ לֹא יְשִׂימָם בָּךְ וּנְתָנָם בְּכָל־שֹׂנְאֶיךָ׃
wehessír adonáj mimmechá kolcholí wechol-madwé mizrajím hara'ím aschér jadatá lo jessimám bach untanám bechol-sone'écha
15 Und der HERR wird von dir jede Krankheit wegnehmen; und alle bösen ägyptischen Leiden, die du kanntest (die unter dir waren), wird Er nicht über dich bringen (nicht auf dich legen), sondern sie allen geben, die dich hassen.
Wieder, schaut, wie auch im vorigen Vers, wo gesagt wird, dass der HERR die Unfruchtbarkeit wegnehmen wird, sie abnehmen wird, wie man irgendeinen Fluch abnimmt, wie man irgendeine Unreinheit abnimmt. Wahrscheinlich ist es richtiger, von Unreinheit zu sprechen, denn das ist kein herbeigeführter Fluch, das ist ein von selbst entstandener Fluch – wie ein Pilz, wie irgendeine Unreinheit. Das Verb lassím (legen) wird in der Bedeutung etwas irgendwohin oder auf jemanden legen verwendet: Der HERR wird diese Krankheiten nicht auf dich legen. Erstens wird Er sie wegnehmen, dich von ihnen reinigen, und zweitens sie nicht auf dich legen. Übrigens kann auch der Hass auf Israel zur Ursache von Krankheiten werden.
Von welchen ägyptischen Krankheiten ist die Rede? In Ägypten gibt es viele Krankheiten, die endemisch genannt werden, das heißt, nur einer bestimmten Region eigen. Es gibt endemische Bäume, die nur in einer bestimmten Region wachsen. Es gibt endemische Tiere, wie zum Beispiel das Känguru in Australien und Ozeanien, sie leben nur dort. Es gibt endemische Krankheiten, die ebenfalls nur in einer bestimmten Region existieren. Im Ägypten jener Zeit waren das Krankheiten der Haut, der Augen, die Ruhr, die Elephantiasis (eine dauerhafte Vergrößerung irgendeines Körperteils). Plinius der Ältere, der bekannte altrömische Historiker, nennt Ägypten die Mutter der Hautkrankheiten. Sehr viele Hauterkrankungen sind in Ägypten entstanden und haben lange Zeit nur in Ägypten existiert. Höchstwahrscheinlich kannten die Israeliten diese Krankheiten nicht nur vom Hörensagen. Und hier sagt der Höchste: Erstens nehme Ich sie weg, und zweitens lege Ich sie nicht mehr auf. Und als ob diese Krankheiten existieren müssten, als ob sie irgendwo sein müssten, sagt der HERR: „Legen werde Ich sie auf die, die dich hassen.“ Wie auch immer ein Mensch lebt, wenn er Israel hasst, das Volk Israels hasst, dann können allein schon dafür Krankheiten über ihn gebracht werden.
וְאָכַלְתָּ אֶת־כָּל־הָעַמִּים אֲשֶׁר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לָךְ לֹא־תָחֹס עֵינְךָ עֲלֵיהֶם וְלֹא תַעֲבֹד אֶת־אֱלֹהֵיהֶם כִּי־מוֹקֵשׁ הוּא לָךְ׃
we'achálta et-kolha'ammím aschér adonáj elohécha notén lach lo-tachós enechá alehém weló ta'awód et-elohehém ki-mokésch hu lach
16 Und du wirst alle Völker verzehren (aufessen), die der HERR, dein Gott, dir gibt; dein Auge soll sie nicht verschonen, und diene nicht ihren Göttern, denn das ist eine Falle für dich.
Hier ist verzehren so, als wäre es ein Tier, das seine Beute anfällt und sie verzehrt. Und vielleicht möchtest du jemanden verschonen, weil er klein ist, oder weil er alt ist, oder weil er schön ist, oder weil er klug ist, oder er hat eine reiche innere Welt. Man kann ja allerlei Gründe finden, um einen Feind zu verschonen. Hier sagt der Höchste: „Dein Auge soll sie nicht verschonen.“ Das Auge folgt dem Herzen, das Auge ist ein Fenster zur Seele, das heißt, deine Seele soll sie nicht verschonen. Zeig ihnen nicht, dass du sie verschonen kannst, damit sie keinen Weg finden, auf dein Mitleid zu drücken oder irgendwie anders auf dich einzuwirken. Bewundere nicht ihre Schönheit und ihr ästhetisches Gespür, sie sollen keinerlei Gnade finden, gib ihnen keine Zuflucht bei dir – weder ihnen noch irgendetwas von ihnen, denn das ist eine Falle für dich. Das klingt natürlich sehr grausam, aber man muss verstehen, was das für Völker sind und wie sie leben.
Es gibt noch eine Gefahr, vor der Mosche weiter warnt.
כִּי תֹאמַר בִּלְבָבְךָ רַבִּים הַגּוֹיִם הָאֵלֶּה מִמֶּנִּי אֵיכָה אוּכַל לְהוֹרִישָׁם׃
ki tomár bilwawechá rabbím haggojim ha'élle mimménni echá uchál lehorischám
17 Wenn du in deinem Herzen sagst: „Diese Völker, sie sind viel größer als ich, wie werde ich sie vertreiben können (ihr Land erben)?
לֹא תִירָא מֵהֶם זָכֹר תִּזְכֹּר אֵת אֲשֶׁר־עָשָׂה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְפַרְעֹה וּלְכָל־מִצְרָיִם׃
lo tirá mehém sachór tiskór et aschér-assá adonáj elohechá lefar'ó ulchol-mizrájim
18 Fürchte dich nicht vor ihnen, sondern gedenke beständig (mit Gedenken gedenke), was der HERR mit dem Pharao und mit ganz Ägypten getan hat –
Ägypten war wahrscheinlich das größte Reich in der Region. Und du hast gesehen, was der Höchste mit Ägypten und mit dem Pharao getan hat. Darum fürchte dich nicht, auch diese Völker wird der HERR dir zu bezwingen helfen.
הַמַּסֹּת הַגְּדֹלֹת אֲשֶׁר־רָאוּ עֵינֶיךָ וְהָאֹתֹת וְהַמֹּפְתִים וְהַיָּד הַחֲזָקָה וְהַזְּרֹעַ הַנְּטוּיָה אֲשֶׁר הוֹצִאֲךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ כֵּן־יַעֲשֶׂה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְכָל־הָעַמִּים אֲשֶׁר־אַתָּה יָרֵא מִפְּנֵיהֶם׃
hammassót haggedolót ascher-ra'ú enécha weha'otót wehammofetím wehajád hachasaká wehasseróa hannetujá aschér hozi'achá adonáj elohécha ken-ja'assé adonaj elohécha lechol ha'ammím ascher-attá jaré mippenehém
19 Die großen Prüfungen, die deine Augen gesehen haben, und die Zeichen und die Wunder und die starke Hand und den kräftigen Arm, mit denen dich der HERR, dein Gott, herausgeführt hat. Ebenso wird es der HERR, dein Gott, mit allen Völkern machen, vor denen du dich fürchtest.
Das heißt, wenn du erschrocken bist, welches Heilmittel gibt es gegen die Angst? Sich an all jene Zeichen und Wunder und furchterregenden Taten erinnern, die der HERR mit dem Pharao und mit dem Haus Ägyptens getan hat. Erinnere dich, dass der HERR dir keine Märchen erzählt, und Mosche erzählt keine Märchen. Erinnere dich, dass du den HERRN schon in Aktion gesehen hast, und denk daran. Und denk daran, dass Er jedes Volk besiegen kann, jedes Reich zerbrechen kann, erschrick nicht vor ihnen. So ist das Heilmittel gegen die Angst.
וְגַם אֶת־הַצִּרְעָה יְשַׁלַּח יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בָּם עַד־אֲבֹד הַנִּשְׁאָרִים וְהַנִּסְתָּרִים מִפָּנֶיךָ׃
wegám et-hazzir'á jeschallách adonáj elohécha bam ad-awód hannisch'arím wehannistarím mippanécha
20 Und auch Bremsen wird der HERR, dein Gott, auf sie loslassen, bis die von ihnen Übriggebliebenen und die, die sich vor dir verstecken, zugrunde gerichtet sind.
Du gehst, das Land zu erobern. Natürlich kennen die Bewohner dieses Landes es wie ihre eigenen fünf Finger. Vielleicht kennen sie irgendwelche Spalten, Berge, Höhlen, wo man sich verstecken kann. Sie können sich in Wäldern und im Untergrund verbergen. Und hier sagt der HERR: „Ich werde Bremsen über sie bringen.“ Das Wort zir'á bezeichnet irgendwelche stechenden Insekten. Aber in den Sprachen vieler Völker, sowohl semitischen als auch europäischen, bedeutet das (im übertragenen Sinn) außerdem Panik, Verwirrung. Und dort, wo sie sich vor dir verbergen, werde Ich sie dazu bringen, herumzurennen, in Panik zu geraten, und Ich werde sie mit Bremsen vernichten.
לֹא תַעֲרֹץ מִפְּנֵיהֶם כִּי־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּקִרְבֶּךָ אֵל גָּדוֹל וְנוֹרָא׃
lo ta'aróz mippenehém ki-adonáj elohécha bekirbécha el gadól wenorá
21 Darum fürchte dich nicht vor ihnen, denn der HERR, dein Gott, der in deiner Mitte ist, – ist Gott, der Große und Furchtbare.
Gott ist so Allmächtig, dass Er sogar dort handeln wird, wo du nicht weißt, dass man handeln muss, dort, wo sich Menschen versteckt, verborgen haben und versuchen, es so einzurichten, dass du sie nicht bemerkst. Und wenn du sie auch nicht bemerkst, dann ist das nicht schlimm: Der HERR wird sie erwischen.
וְנָשַׁל יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֶת־הַגּוֹיִם הָאֵל מִפָּנֶיךָ מְעַט מְעָט לֹא תוּכַל כַּלֹּתָם מַהֵר פֶּן־תִּרְבֶּה עָלֶיךָ חַיַּת הַשָּׂדֶה׃
wenaschál adonáj elohécha et-haggojím ha'él mippanécha me'át me'át lo tuchál kallotám mahér pentirbé alécha chaját hassadé
22 Und der HERR, dein Gott, wird diese Völker vor deinem Angesicht vertreiben, allmählich (nach und nach); du wirst sie nicht schnell vernichten können, damit sich nicht das Tier des Feldes gegen dich vermehrt.
Sobald Israel in das Land hineinkommt und der HERR mit Seiner Kraft die Völker aus dem ganzen Land vertreibt, kann es so kommen, dass die Israeliten es nicht sofort ganz besiedeln können. Irgendwelche Gegenden werden lange verwahrlost, unerschlossen bleiben, und in diesen Gegenden kann sich das Tier des Feldes vermehren. Und dann wird es schwer sein, diese Ländereien zu erschließen. Darum sagt der HERR, dass du allmählich, nach dem Maß deiner Möglichkeiten, dieses Land erschließen wirst.
Hier kann man sagen: „Wartet, wir haben gerade davon gesprochen, wie Groß der HERR ist, was für Wunder Er zu wirken vermag. Und wir wissen genau, dass nach dem Willen des HERRN jede Entwicklung irgendwelcher Tiere des Feldes aufgehalten werden kann, wenn der HERR sagt: Es wird weder Mäuse noch Tiger noch Nilpferde geben. Warum sagt der HERR hier damit sich die Tiere nicht vermehren?“ Weil die Wunder des HERRN nicht immer in die Natur eingreifen, in den natürlichen Lauf der Ereignisse eingreifen. Die Natur ist auch ein Wunder des HERRN, nur ein eingestelltes, beständig wirkendes Wunder. Und wenn man handeln kann, ohne die Naturgesetze zu verletzen, dann greift ein Wunder ohne besondere Notwendigkeit nicht in ein anderes Wunder ein. Außerdem muss man das Volk Israel lehren, im Land Israel zu leben, das Land zu erschließen, ohne sich auf offene Wunder zu stützen. Es ist sehr wichtig, dass der Mensch das verborgene Wunder erkennt und nicht offene Wunder in seinem alltäglichen Leben, in seiner alltäglichen Arbeit erwartet. Darum sagt der HERR: „Erobere dieses Land vorerst allmählich, nicht alles auf einmal, denn es gibt nicht genug von dir, um dich über dieses Gebiet auszubreiten, es gibt nicht genug von dir, um dieses ganze Gebiet sofort einzunehmen. Ich werde dir dieses Gebiet nach dem Maß deiner Bereitschaft geben.“ Man kann so denken: Wenn ich einen so Großen Gott habe, dann lasst uns sofort das ganze Land erobern; ach, was heißt hier das Land Israel – lasst uns die ganze Welt erobern!“ Der HERR sagt: me'át me'át (Stück um Stück, nach und nach). Und so handelt der HERR im ganzen Prozess der Erlösung Israels und der Welt, das heißt allmählich, Schritt für Schritt.
וּנְתָנָם יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְפָנֶיךָ וְהָמָם מְהוּמָה גְדֹלָה עַד הִשָּׁמְדָם׃
untanám adonáj elohechá lefanécha wehamám mehumá gedolá ad hischamedám
23 Und der HERR, dein Gott, wird sie (die Völker, von denen wir sprechen) vor dein Angesicht geben und sie mit großer Verwirrung verwirren bis zu ihrer völligen Vernichtung.
Der HERR wird diese Völker nicht nur in deine Hände geben, Er wird sie auch noch verwirren, das heißt, ihnen die Möglichkeit nehmen, ihre Gedanken zu sammeln, die Lage einzuschätzen, Er wird ihr Bewusstsein trüben.
וְנָתַן מַלְכֵיהֶם בְּיָדֶךָ וְהַאֲבַדְתָּ אֶת־שְׁמָם מִתַּחַת הַשָּׁמָיִם לֹא־יִתְיַצֵּב אִישׁ בְּפָנֶיךָ עַד הִשְׁמִדְךָ אֹתָם׃
wenatán malchehémIn der russischen Umschrift endet das Wort für „ihre Könige“ auf n. Im Hebräischen steht „malchehém“ mit m am Ende; dem folgt die deutsche Umschrift. bejadécha weha'awadtá et-schemám mittáchat haschamájim lo-jit'jazzéw isch befanécha ad hischmidechá otam
24 Und Er wird ihre Könige in deine Hände geben, und du wirst ihren Namen unter dem Himmel hinweg vernichten, und niemand wird vor dir bestehen, bis du sie vernichtet hast.
Warum ist von ihren Königen die Rede? Weil zu jener Zeit das Land Israel in der Gewalt vieler kleiner Könige war. Fast in jeder Stadt gab es einen König, es gab keinen einheitlichen Staat. Darum sagt der HERR hier: „Und ihre Könige werden in deine Hände gegeben werden.“ Die Könige waren oft auch örtliche Götter. Viele Könige (und auch heute kommt das vor), irgendwelche Herrscher, irgendwelche Präsidenten verewigen ihren Namen mit Mausoleen, Denkmälern, der Umbenennung von Städten. Hier sagt der Höchste: „Kein Andenken, nichts wird bleiben, damit niemand kommen und sagen kann: Da ist er, dieser Ort, hier war unser oder ein fremder König Soundso. Du wirst ihr Andenken unter dem Himmel hinweg auslöschen.“ Und es wird eine solche Verwirrung in den Reihen der Völker geben, dass sie dir nicht einmal Widerstand leisten können, bis du sie vernichtet hast.
Was ist danach zu tun? Was ist zu tun, wenn du gekommen bist und sie nun eingenommen sind, das Andenken an die Könige vernichtet ist und diese Gebiete in deinen Händen sind?
פְּסִילֵי אֱלֹהֵיהֶם תִּשְׂרְפוּן בָּאֵשׁ לֹא־תַחְמֹד כֶּסֶף וְזָהָב עֲלֵיהֶם וְלָקַחְתָּ לָךְ פֶּן תִּוָּקֵשׁ בּוֹ כִּי תוֹעֲבַת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ הוּא׃
pesilé elohehém tisrefún ba'ésch lotachmód késsef wesaháw alehém welakachtá lach pen tiwwakésch bo ki to'awát adonáj elohecha hu
25 Die Götzen ihrer Götter verbrennt mit Feuer; begehre nicht (gelüste nicht nach) das Silber und Gold, das an ihnen ist, um es dir zu nehmen, damit du nicht in diese Falle gerätst, denn das ist ein Gräuel für den HERRN, deinen Gott.
וְלֹא־תָבִיא תוֹעֵבָה אֶל־בֵּיתֶךָ וְהָיִיתָ חֵרֶם כָּמֹהוּ שַׁקֵּץ תְּשַׁקְּצֶנּוּ וְתַעֵב תְּתַעֲבֶנּוּ כִּי־חֵרֶם הוּא׃
welo-tawí to'ewá elbetécha wehajíta chérem kamóhu schakkéz teschakkezénnu weta'éw teta'awénnu ki-chérem huIn der russischen Umschrift beginnt das letzte Wort mit g statt mit h. Im Hebräischen steht „hu“ („es“); dem folgt die deutsche Umschrift.
26 Bring diesen Gräuel nicht in dein Haus, damit du nicht gebannt wirst wie er: Mit Ekel ekelt euch davor und verabscheut es, denn gebannt (verflucht) ist es.
Gebanntes – das ist das, was der Vernichtung unterliegt, wie jener Gräuel, den du ins Haus gebracht hast, weil du nach irgendwelchem Schmuck an den Götzen begehrt hast, die sehr schön sein können. Und wer das nimmt, der gerät selbst unter den Fluch, und man muss damit vorsichtig sein. Der größte Teil der heidnischen Kunst ist als Ergebnis des Wunsches entstanden, seinen Göttern zu dienen und ihnen zu gefallen. Und da die Heiden glauben, dass ihre Götter echt sind, keine falschen Götter, bietet man ihnen keinen Pfusch an. Darum sind viele Götzen, viele Kunstwerke, die mit Götzen verbunden sind, sehr schön, und es ist sehr verlockend, das Gold oder irgendwelchen Schmuck von ihnen zu nehmen. Hier sagt der HERR: „Wenn du sie nimmst, wirst du verflucht sein, gebannt, wie auch sie.“
Also, wenn man die Unterweisung Mosches kurz wiederholt, dann muss man das Gesetz nicht nur hören, sondern auch eine Anstrengung des Herzens aufbringen, sich bemühen, es einzuhalten, damit sich Gottes Gnade in unserem Leben offenbart. Und weiter – eine Art Merkblatt für den Eroberer, eine Unterweisung für den Krieger.
Wenn du das Land eroberst, wirst du vielleicht Götzenstätten, Tempel, Götzen anderer Götter sehen, die dir schön erscheinen werden. Gib dem nicht nach, bete keine anderen Götter an, das ist eine Falle.
Jemand kann dir liebenswert oder der Barmherzigkeit würdig erscheinen, denn Barmherzigkeit ist doch so ein gutes Gefühl, und es scheint, dass es immer gut ist, jemanden zu verschonen, zu herzen, nicht zugrunde zu richten. Und hier warnt Mosche, dass auch das eine Falle ist, auch dadurch kannst du ins Netz gehen: Denn wenn man einen Punkt herausfindet, an dem du unnötige Gnade zeigst, dann kann man durch ihn die Türen deines Herzens öffnen, und man wird dich manipulieren.
Du kannst anfangen, deine Feinde zu fürchten, weil sie zahlreich sind. Und dann erinnere dich an die ganze Macht des Höchsten, an alles, was Er in Ägypten getan hat, und begreife, dass uns mit einer solchen Waffe, wie es der HERR in unserem Inneren ist, der Pharao mit seinem Reich nicht schrecken kann, und diese kleinen Städte können uns erst recht nicht schrecken. Du kannst denken, dass die Völker sich dank ihrer Ortskenntnis retten können, du kannst fürchten, dass du diese Gegend nicht kennst, aber der Höchste sagt: „Hier werde Ich dir helfen, Ich werde sie in allen entlegenen Winkeln mit Hilfe Meiner Gesandten finden, und Meine Gesandten können auch Bremsen sein.“
Und außerdem sagt der HERR, und Mosche erinnert daran: Es kann dir scheinen, dass irgendein götzendienerischer Tand schön ist, dir kann etwas Goldenes oder Silbernes gefallen, du wirst es dir nehmen wollen: Das ist doch nur Ästhetik, wir beten ja nicht an, wir haben einfach irgendein Dingelchen genommen. Aber dann wirst auch du gebannt und verflucht sein, wie genau dieses Dingelchen. Tu dir das nicht an.
So ein Merkblatt gibt Mosche hier.
Merkblatt für den Geschäftsmann
Dewarim 8,1–20
Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Ekew fort und werden Kapitel 8 des Buches Dewarim lesen.
כָּל־הַמִּצְוָה אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם תִּשְׁמְרוּן לַעֲשׂוֹת לְמַעַן תִּחְיוּן וּרְבִיתֶם וּבָאתֶם וִירִשְׁתֶּם אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־נִשְׁבַּע יְהוָה לַאֲבֹתֵיכֶם׃
kol-hammizwá aschér anochí mezawwechá hajom tischmerún la'assót lemá'an tichjún urwitém uwatém wirischtém etha'arez ascher-nischbá adonáj la'awotechém
1 Das ganze Gebot (alle Gebote), das ich dir heute gebiete, bemüht euch einzuhalten, damit ihr lebt und euch mehrt und hineinkommt und das Land erbt, von dem der HERR euren Vätern geschworen hat.
Die Wendung kol-hammizwá (das ganze Gebot) ist tatsächlich in der Einzahl geschrieben und kann das ganze Gesetz, alle Gebote bedeuten, diesen ganzen in sich geschlossenen Komplex der Befehle des Höchsten. Sie kann aber auch alle Gebote im kollektiven Sinn bedeuten, so wie man im Russischen der ganze Fisch sagt und dabei auch Fisch in der Mehrzahl meint.
Hier könnte irgendein halb verschlafener Schüler, der in der hintersten Bank in der Klasse Mosches sitzt, fragen: „Lehrer! Du sagst uns schon zum wievielten Mal dasselbe. Wir haben es verstanden! Wir haben vielleicht schon beim ersten Mal verstanden, dass – ja, man muss die Gebote, die Gesetze, die Satzungen einhalten, um gesegnet zu sein, damit der HERR uns segnet, die Frucht unseres Leibes, unser Vieh, unsere Landwirtschaft. Warum wiederholst du das ständig?“ In Wirklichkeit wiederholt Mosche es jedes Mal unter einem neuen Blickwinkel, jedes Mal enthüllt er eine neue Facette, eine neue Tiefe und lehrt den Menschen neue Werkzeuge, ein neues Verständnis, um ihm dieses Einhalten der Gebote zu erleichtern, um ihn dazu zu bewegen, nicht einfach einzuhalten, sondern auch selbst einhalten zu wollen.
וְזָכַרְתָּ אֶת־כָּל־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר הֹלִיכֲךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ זֶה אַרְבָּעִים שָׁנָה בַּמִּדְבָּר לְמַעַן עַנֹּתְךָ לְנַסֹּתְךָ לָדַעַת אֶת־אֲשֶׁר בִּלְבָבְךָ הֲתִשְׁמֹר מִצְוֹתוֹ (מִצְוֹתָיו) אִם־לֹא׃
wesachartá etkol-haddérech aschér holichecha adonáj elohécha se arba'ím schaná bammidbár lemá'an annotechá lenassotechá ladá'at et-aschér bilwawechá hatischmór mizwotáw im-ló
2 Und erinnere dich an den ganzen Weg, auf dem dich der HERR, dein Gott, diese vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, um dich zu demütigen, dich zu prüfen, um zu erfahren, was in deinem Herzen ist: ob du Seine Gebote einhalten wirst oder nicht.
Hier entsteht eine sehr wichtige Frage. Der HERR ist der Herzenskenner, Er sieht die Herzen und prüft das Innerste. Niemand hat Zweifel daran, dass Er das Herz des Menschen besser sieht als der Mensch selbst. Braucht Er etwa ein vierzigjähriges soziales Experiment, um etwas über irgendeinen Menschen zu verstehen, oder über irgendein Volk, oder über jemanden von uns konkret? Der Höchste spricht hier durch Mosche und enthüllt Seinen Plan: „Ich habe dich vierzig Jahre durch die Wüste geführt, damit du selbst lernst, dich zu prüfen. Das ist unser gemeinsames Experiment. Ich lehre dich, dein Herz zu verstehen, zu erkennen, ob du die Gebote einhalten wirst. Wirst du die Gebote einhalten, wenn du satt bist und es scheinen kann, dass du Gott nicht brauchst? Wirst du die Gebote einhalten, wenn du hungrig bist und es scheinen kann, dass Gott dich verlassen hat? Wirst du die Gebote einhalten, wenn die Katastrophe geschieht, der Holocaust, und ein riesiger Teil des Volkes umkommt, viele Menschen, die dir nahestehen? Wirst du auch dann die Gebote einhalten?“ Was für eine Prüfung ist das doch für das menschliche Herz.
וַיְעַנְּךָ וַיַּרְעִבֶךָ וַיַּאֲכִלְךָ אֶת־הַמָּן אֲשֶׁר לֹא־יָדַעְתָּ וְלֹא יָדְעוּן אֲבֹתֶיךָ לְמַעַן הוֹדִעֲךָ כִּי לֹא עַל־הַלֶּחֶם לְבַדּוֹ יִחְיֶה הָאָדָם כִּי עַל־כָּל־מוֹצָא פִי־יְהוָה יִחְיֶה הָאָדָם׃
waj'annechá wajar'iwechá waja'achilechá et-hammán aschér lo-jadá'ta weló jade'ún awotécha lemá'an hodi'achá ki lo al-halléchem lewaddó jichjé ha'adám ki al-kol-mozá fi-adonáj jichjé ha'adám
3 Und Er demütigte dich und ließ Hunger über dich kommen und speiste dich mit dem Man, von dem du früher nicht wusstest und von dem deine Väter nicht wussten, um dir Wissen zu geben, dass der Mensch nicht vom Brot selbst (nicht vom eigentlichen Brot) lebt, sondern von allem, was aus dem Mund Gottes hervorgeht, lebt der Mensch.
Das heißt, nicht einfach, um zu lehren, sondern damit du ein Wissender wirst, damit du eine solche Erfahrung erwirbst, dass du gar keine Zweifel mehr hättest – das ist es, was Wissen geben bedeutet. Wenn wir irgendetwas essen, sei es Lasagne, ein Steak oder ein Stück Brot mit Butter oder ohne, dann scheint es uns, dass eben dieses Essen uns sättigt. Aber wir müssen uns an das erinnern, was wir in den allerersten Kapiteln der Tora gelesen haben, in den allerersten Kapiteln des Buches Bereschit: Alles, was der HERR geschaffen hat, alles ist durch das Wort Gottes geschaffen. Und wenn wir Brot essen, dann essen wir die Kraft, die durch das Wort Gottes in dieses Brot gelegt ist. Und das Wort Gottes offenbart sich überall. Und du musst sehen, dass nicht das Brot selbst dich ernährt, du musst sehen, dass die wahren Kalorien nicht im Brot selbst sind (obwohl es sich in der physischen Welt so offenbart): In Wirklichkeit ernährt dich und belebt dich das Wort Gottes. Und diese Wanderung durch die Wüste sollte dich eine solche Erfahrung lehren. Weder Brot noch Fleisch noch Fisch, weder der Leib irgendeines Lebewesens noch etwas Pflanzliches – nicht das sättigt dich (obwohl es in der physischen Welt so scheint), sondern es sättigt dich das Wort Gottes, das Wort, durch das all das geschaffen ist. Und Gott kann dir durch sein Wort Kraft verleihen, dir Kräfte geben, sowohl durch den Man, von dem deine Väter und du selbst nichts wussten, als auch auf beliebige andere Weisen.
Denk daran, dass hinter allem, was du hast, hinter allem, was dir Kräfte gibt, der Höchste steht. Gott hat dich vierzig Jahre durch die Wüste geführt, damit du das erkennst und es dir einprägst.
שִׂמְלָתְךָ לֹא בָלְתָה מֵעָלֶיךָ וְרַגְלְךָ לֹא בָצֵקָה זֶה אַרְבָּעִים שָׁנָה׃
simlatechá lo waletá me'alécha weraglechá lo wazéka se arba'ím schaná
4 Deine Kleidung verschliss nicht an dir, und dein Fuß schwoll nicht an, vierzig Jahre lang.
Vierzig Jahre lang zog das Volk durch die Wüste, wo es nicht nur keine Boutiquen, sondern auch keine Märkte mit Kleidung gibt, und man nichts Neues dazukaufen kann. Aber die Kleidung verschliss nicht an dir, und das Schuhwerk nutzte sich nicht ab, wurde nicht unbequem, und wer barfuß ging, dem ersetzte die Fürsorge des Höchsten die Schuhe. Die Rede ist schon nicht nur vom Essen, das Kraft gibt, sondern von fertiger Kleidung, von einem Erzeugnis menschlicher Hände, vom Stoff, der durch dasselbe Wort Gottes vor dem Zerfall, vor dem Verschleiß bewahrt wird. Mit anderen Worten: Der Höchste nährt, erhält auch die Kleidung, man kann es auch so übersetzen, sehr viele sprechen von einem solchen Verständnis.
Wir Männer gehen damit viel einfacher um. Wenn wir einen Satz Kleidung haben, irgendeine Garderobe (soweit das auf Männerkleidung anwendbar ist), die vierzig Jahre lang nicht verschleißt, das ist doch großartig! Schrank aufgemacht, angezogen, was aus dem Schrank gefallen ist, und los. So machen es Männer oft. Für eine Frau ist alles komplizierter. Wenn sie ein Kleid hat, zwei Kleider, drei Kleider, fünf Kleider, die sie vierzig Jahre lang nicht wechseln wird, dann wird das für sie einfach ein Albtraum sein. Natürlich möchte man die Kleidung wechseln. Und manche Kommentatoren sagen, dass sie sich an den Frauen veränderte, nicht nur im materiellen Sinn nicht abgetragen wurde, sondern sie wurde nicht unmodern, sie erfreute die Frauen weiterhin. Es gibt Midraschim, die von einer solchen Fürsorge des Höchsten sprechen. Nun, vielleicht war es auch so, obwohl das natürlich nicht direkt im Text geschrieben steht.
וְיָדַעְתָּ עִם־לְבָבֶךָ כִּי כַּאֲשֶׁר יְיַסֵּר אִישׁ אֶת־בְּנוֹ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מְיַסְּרֶךָּ׃
wejada'tá im-lewawécha ki ka'aschér jejassér isch et-benó adonáj elohecha mejasserékka
5 Und du hast in deinem Herzen erkannt, dass so, wie ein Mensch seinen Sohn straft (unterweist), genauso der HERR, dein Gott, dich straft (unterweist).
Straft (jejassér, vom Verb lejassér) hier nicht unbedingt in Form von Leiden. Das heißt, unterweisen zu einer gewissen Moral hin, manchmal auch durch bestimmte Entbehrungen, aber bei Weitem nicht immer. Ein Mensch straft keine fremden Kinder, wir bemühen uns, uns nicht in fremde Erziehung einzumischen. Und manchmal ist eine Strafe ein Ausdruck der Fürsorge für das Kind, das kann nur der Vater oder die Mutter tun.
Hier ist auch gesagt wejada'tá, das heißt, du wirst das aus eigener Erfahrung erkennen. Du solltest in der Wüste wirklich erfahren (nicht glauben, nicht vermuten, nicht einer Einflüsterung erliegen), dass die Haltung des Höchsten zu dir wie die Haltung eines Vaters zu seinem Sohn ist: sowohl Unterweisung als auch Fürsorge. Du hast das eine wie das andere gesehen. Und als du das sahst, hast du verstanden, dass hier nichts deins ist. Die ganze Arbeit des Volkes in der Wüste bestand darin, den Man zu sammeln. Stellt euch vor, dass eine ganze Generation von Menschen herangewachsen ist, die nie zur Arbeit gegangen ist in dem Sinn, wie man es heute versteht. Sogar die, die Vieh hatten, aßen dieses Vieh nicht auf, sondern sammelten es an, um mit ihm in das Land Israel hineinzukommen. Das heißt, der Mensch verdiente sich nicht seinen Lebensunterhalt, arbeitete nicht für seine Ernährung. Eine ganze Generation lebte die ganze Zeit von einem eigentümlichen Existenzminimum (oder Existenzmaximum) und sammelte den Man in der Wüste. Wozu führt das? Das führt zur Demut, das führt zu dem Gefühl, dass in Wirklichkeit du nicht du bist und alles, was du in dieser Welt tust, alles, was du tun kannst, alles, wovon es dir scheint, dass du es schon getan hast – das ist in Wirklichkeit ein Geschenk des Höchsten. Alle guten Taten, die du tust, das bist nicht du, das ist vom Höchsten. Und das macht demütig: Von dir wird in dir selbst weniger, was die Verdienste angeht, du schreibst dir deine Verdienste immer weniger und weniger selbst zu. Und dann, wenn du in das Land kommst und Städte aufbaust und dein Vieh sich mehrt und du die Wirtschaft des Landes entwickelst, und wenn du plötzlich denkst: „Donnerwetter, wie toll ich bin, wie ich mich entwickelt habe, wie ich alles in Schwung gebracht habe!“, dann wirst du dich an die Wüste erinnern, wirst dich erinnern, dass eigentlich weder dein Vieh noch dein Fleisch dich ernährt, sondern das Wort des Höchsten. Das ist eben die Demut, um die es geht: lernen zu verstehen, dass alles nicht von dir ist, sondern ein Geschenk des Höchsten. Lernen, das zum Wissen zu machen, was ständig in deinem Bewusstsein existiert, in deiner Weltanschauung, woran du dich ständig erinnerst: Alles, was geschieht, ist nicht von dir. Und auch in den Strafen die Hand des unterweisenden Vaters zu sehen, was andererseits auch die Freude des Gefühls gibt, wie viel Gott dir schenkt und wie Er für dich sorgt.
וְשָׁמַרְתָּ אֶת־מִצְוֹת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לָלֶכֶת בִּדְרָכָיו וּלְיִרְאָה אֹתוֹ׃
weschamartá et-mizwót adonáj elohécha laléchet bidracháw uljir'á otó
6 Und bewahre die Gebote des HERRN, deines Gottes, um auf Seinen Wegen zu gehen und Ihn zu fürchten.
Wenn du dich an deinen Weg in Ägypten erinnern wirst, wenn du dich daran erinnern wirst, wie der HERR für dich sorgt, dich erinnern wirst, dass Er dir Vater ist, wirst du in diesen demütigen Zustand zurückkehren und das Gebot des Höchsten bewahren.
כִּי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מְבִיאֲךָ אֶל־אֶרֶץ טוֹבָה אֶרֶץ נַחֲלֵי מָיִם עֲיָנֹת וּתְהֹמֹת יֹצְאִים בַּבִּקְעָה וּבָהָר׃
ki adonáj elohecha mewi'achá el-érez towá érez náchale májim ajanót uthomót joze'ím babbik'á uwahar
7 Denn der HERR, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land, ein Land der Quellen und der Brunnen und der Wasserquellen im Tal und auf den Bergen,
אֶרֶץ חִטָּה וּשְׂעֹרָה וְגֶפֶן וּתְאֵנָה וְרִמּוֹן אֶרֶץ־זֵית שֶׁמֶן וּדְבָשׁ׃
érez chittá us'orá wegéfen ut'ená werimmón erez-sét schémen udwásch
8 In ein Land des Weizens und der Gerste und des Weinstocks und der Feige und des Granatapfels, in ein Land der Oliven, des Öls und des Honigs,
אֶרֶץ אֲשֶׁר לֹא בְמִסְכֵּנֻת תֹּאכַל־בָּהּ לֶחֶם לֹא־תֶחְסַר כֹּל בָּהּ אֶרֶץ אֲשֶׁר אֲבָנֶיהָ בַרְזֶל וּמֵהֲרָרֶיהָ תַּחְצֹב נְחֹשֶׁת׃
érez aschér lo wemiskenút tochal-bá léchem lo-techsár kol ba érez aschér awanéha warsél umehararéha tachzów nechóschet
9 Ein Land, in dem du dein Brot nicht in Kargheit essen wirst, in dem es dir an nichts mangeln wird, in ein Land, in dem eiserne Steine sind und aus dessen Bergen du Kupfer gewinnen wirst.
Ein Land, das nicht nur fruchtbar, sondern auch reich an Bodenschätzen ist.
וְאָכַלְתָּ וְשָׂבָעְתָּ וּבֵרַכְתָּ אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ עַל־הָאָרֶץ הַטֹּבָה אֲשֶׁר
נָתַן־לָךְ׃
we'achaltá wessawá'ta uwerachtá et-adonáj elohécha alha'árez hatowá aschér natan-lách
10 Und du wirst essen und wirst satt werden und wirst den HERRN, deinen Gott, segnen für das gute Land, das Er dir gegeben hat.
Von hier haben wir die Tradition gelernt, Gott nach dem Essen zu segnen, wenn du satt geworden bist, deshalb gibt es Gebete nach dem Essen mit Dank für das Essen. Mosche sagt: „Gott hat dich durch die Wüste geführt, hat dich Demut gelehrt, hat dich gelehrt, in Kargheit zu leben, Seine Fürsorge in der Kargheit zu sehen.“ Aber es ist leicht, Gottes Fürsorge in der Kargheit zu sehen, vielleicht ist es schwerer, Gottes Fürsorge im Wohlstand zu sehen, wenn du alles hast.
הִשָּׁמֶר לְךָ פֶּן־תִּשְׁכַּח אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְבִלְתִּי שְׁמֹר מִצְוֹתָיו וּמִשְׁפָּטָיו וְחֻקֹּתָיו אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם׃
hischámer lechá pen-tischkách et-adonáj elohécha lewiltí schemór mizwotáw umischpatáw wechukkotáw aschér anochí mezawechá hajom
11 Hüte dich, dass du nicht den HERRN, deinen Gott, vergisst, sodass du Seine Gebote und Seine Rechtssprüche und Seine Gesetze nicht mehr einhältst, die ich dir heute gebiete.
פֶּן־תֹּאכַל וְשָׂבָעְתָּ וּבָתִּים טוֹבִים תִּבְנֶה וְיָשָׁבְתָּ׃
pen-tochál wessawá'ta uwattím towím tiwné wejascháwta
12 Damit es nicht geschieht, dass du gegessen hast und satt geworden bist und dir gute Häuser gebaut hast und dich ganz und gar auf dem Land niedergelassen hast,
וּבְקָרְךָ וְצֹאנְךָ יִרְבְּיֻן וְכֶסֶף וְזָהָב יִרְבֶּה־לָּךְ וְכֹל אֲשֶׁר־לְךָ יִרְבֶּה׃
uwkarechá wezonechá jirbejún wechéssef wesaháw jirbe-lách wechól ascher-lechá jirbe
13 Und dein Großvieh und dein Kleinvieh sich mehren, Silber und Gold wirst du viel haben, und von allem, was du haben wirst, wird es viel geben,
וְרָם לְבָבֶךָ וְשָׁכַחְתָּ אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ הַמּוֹצִיאֲךָ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם מִבֵּית עֲבָדִים׃
werám lewawécha weschachachtá et-adonáj elohécha hammozi'achá me'érez mizrájim mibbét awadím
14 Und dein Herz sich erhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, Der dich aus dem ägyptischen Land herausgeführt hat, aus dem Haus der Sklaverei,
הַמּוֹלִיכֲךָ בַּמִּדְבָּר הַגָּדֹל וְהַנּוֹרָא נָחָשׁ שָׂרָף וְעַקְרָב וְצִמָּאוֹן אֲשֶׁר אֵין־מָיִם הַמּוֹצִיא לְךָ מַיִם מִצּוּר הַחַלָּמִישׁ׃
hammolichechá bammidbár haggadól wehannorá nachásch saráf we'akráw wezimma'ón aschér en-májim hammozí lechá májim mizzúr hachallamísch
15 Der dich durch die große und furchtbare Wüste geführt hat, in der stechende Schlangen sind und Skorpione und Durst, wo kein Wasser ist; Der dir Wasser aus dem Kieselfelsen gab,
Wenn du in vollem Wohlstand leben wirst, wird es dir leicht fallen, deine Kindheit in der Wüste zu vergessen, aus der dich der HERR herausgeführt hat, wo niemand war, um für dich zu sorgen, wo du kein Straßenkind geworden bist, weil dort der HERR für dich gesorgt hat.
הַמַּאֲכִלְךָ מָן בַּמִּדְבָּר אֲשֶׁר לֹא־יָדְעוּן אֲבֹתֶיךָ לְמַעַן עַנֹּתְךָ וּלְמַעַן נַסֹּתֶךָ לְהֵיטִבְךָ בְּאַחֲרִיתֶךָ׃
hamma'achilechá man bammidbár aschér lo-jadeún awotécha lemá'an annotechá ulmá'an nassotécha lehetiwechá be'acharitécha
16 dich in der Wüste mit Man speiste, den deine Väter nicht kannten, um dich demütig zu machen, um dich zu prüfen, um dir danach Gutes zu geben (damit man dir vieles geben konnte und es dir nicht schadete).
So ein Merkblatt für einen reichen Menschen: sich an den Aufenthalt in der Wüste erinnern, wo er nichts hatte und der HERR für ihn sorgte. Sich daran erinnern, dass es keinerlei Unterschied gibt zwischen dem, dass er jetzt reich ist und der HERR großzügig für ihn sorgt, und dem, als er in der Wüste war und der HERR genauso für ihn sorgte. Sich daran erinnern, dass es die gleiche Situation ist.
וְאָמַרְתָּ בִּלְבָבֶךָ כֹּחִי וְעֹצֶם יָדִי עָשָׂה לִי אֶת־הַחַיִל הַזֶּה׃
we'amartá bilwawécha kochí we'ózem jadí ássa li et-hachájil hassé
17 Und siehe, wenn du all das vergisst und in deinem Herzen sagst: „Das ist meine Kraft, das ist die Stärke meiner Hand, die haben mir ermöglicht, all das zu tun!“,
Das heißt: „Ich selbst bin für meinen Wohlstand verantwortlich, ich habe alles selbst erreicht, mir hat niemand geholfen!“
וְזָכַרְתָּ אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ כִּי הוּא הַנֹּתֵן לְךָ כֹּחַ לַעֲשׂוֹת חָיִל לְמַעַן הָקִים אֶת־בְּרִיתוֹ אֲשֶׁר־נִשְׁבַּע לַאֲבֹתֶיךָ כַּיּוֹם הַזֶּה׃
wesachartá et-adonáj elohecha ki hu hannotén lechá kóach la'assót chájil lemá'an hakím et-berító ascher-nischbá la'awotécha kajom hassé
18 Erinnere dich an den HERRN, deinen Gott, denn Er ist es, der dir die Kräfte zum Erfolg gibt, damit Er den Bund hält, den Er deinen Vätern geschworen hat, wie auch heute.
Hüte dich! Vergiss nicht, wer dir all das gibt – nicht irgendwann einmal gegeben hat, sondern gibt, ständig gibt, wie heute. Erinnere dich daran. Ein sehr gefährlicher Gedanke kann sich in dein Herz einschleichen, dass du all das selbst gemacht hast. Du kannst das in der Wüste erworbene Wissen verlieren, die in der Wüste gelernten Lektionen vergessen. Was wird dann geschehen?
וְהָיָה אִם־שָׁכֹחַ תִּשְׁכַּח אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ וְהָלַכְתָּ אַחֲרֵי אֱלֹהִים אֲחֵרִים וַעֲבַדְתָּם וְהִשְׁתַּחֲוִיתָ לָהֶם הַעִדֹתִי בָכֶם הַיּוֹם כִּי אָבֹד תֹּאבֵדוּן׃
wehajá im-schachóach tischkách et-adonáj elohécha wehalachtá acharé elohím acherím wa'awadtám wehischtachawíta lahém ha'idóti wachém hajom ki awód towedún
19 Und es wird sein, wenn du vergessend den HERRN, deinen Gott, vergisst und anderen Göttern nachgehst und ihnen dienst und dich vor ihnen niederwirfst – ich bin euch heute Zeuge, dass ihr dann völlig zugrunde gehen werdet.
כַּגּוֹיִם אֲשֶׁר יְהוָה מַאֲבִיד מִפְּנֵיכֶם כֵּן תֹאבֵדוּן עֵקֶב לֹא תִשְׁמְעוּן בְּקוֹל יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃
kaggojím aschér adonáj ma'awíd mippenechém ken towedún ékew lo tischme'ún bekól adonáj elohechém
20 Wie jene Völker, die der HERR vor eurem Angesicht vernichtet, so werdet auch ihr zugrunde gehen, deswegen, weil ihr nicht auf die Stimme des HERRN, eures Gottes, hören werdet.
Wir sehen wieder das Wort ékew (wegen; dafür, dass), wie auch ganz am Anfang unseres Wochenabschnitts. In allem, was ihr bekommt, in all euren Errungenschaften, in all euren Erfolgen – in den gebauten Häusern, in den gepflanzten Weinbergen, in den geernteten Oliven – hört auf die Stimme des HERRN, eures Gottes. Seht die Hand eures Gottes, vergesst niemals, dass Er es ist.
Das ist ein Rezept dafür, dass der Segen, den ihr bekommen werdet, euch nicht verdirbt. Vierzig Jahre lang hat Er dich gelehrt, in dein Herz zu schauen: ob du Seine Gebote einhalten wirst, wenn es dir schwer wird, sie einzuhalten. Und in dem Fall, wenn du alles verloren hast, muss man Seine Gebote einhalten. Und in dem Fall, wenn du alles gewonnen hast, muss man Seine Gebote einhalten. Und sich daran erinnern, wie der HERR, dein Gott, dich zurückgebracht und dich unterwiesen und dich belehrt hat. Das ist die Lektion von Kapitel 8 des Buches Dewarim, so ein Merkblatt für den erfolgreichen Geschäftsmann.
Die Frage der Selbsteinschätzung
Dewarim 9,1–29
Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Ekew fort und werden Kapitel 9 des Buches Dewarim lesen. In diesem Kapitel gibt Mosche dem Volk Israel noch eine wichtige Unterweisung.
שְׁמַע יִשְׂרָאֵל אַתָּה עֹבֵר הַיּוֹם אֶת־הַיַּרְדֵּן לָבֹא לָרֶשֶׁת גּוֹיִם גְּדֹלִים וַעֲצֻמִים מִמֶּךָּ עָרִים גְּדֹלֹת וּבְצֻרֹת בַּשָּׁמָיִם׃
schemá jisraél attá owér hajom et-hajardén lawó laréschet gojím gedolím wa'azumím mimmékka arím gedolót uwzurót baschamájim
1 Höre, Israel! Du gehst heute über den Jordan, um hineinzukommen und Völker zu beerben (zu vertreiben), die größer und stärker sind als du, große Städte, befestigt bis zum Himmel;
Zum Teil ist das eine Metapher: Heute nennen wir ein hohes Gebäude einen Wolkenkratzer, als ob es bis an den Himmel reicht. Natürlich waren die Mauern der Städte jener Zeit etwas niedriger als die heutigen Wolkenkratzer, aber die Archäologie des Landes Israel gibt uns eine Vorstellung davon, dass das tatsächlich sehr befestigte Städte waren, mit sehr hohen Mauern, mit einem sehr entwickelten Verteidigungssystem.
Es gibt ein sehr wichtiges Detail, das die Rhetorik Mosches betrifft. Er spricht vor dem ganzen Volk und mit dem ganzen Volk, aber er sagt nicht ihr, Volk Israel, sondern du, als wende er sich an jeden Menschen, damit jeder der Anwesenden es so hört und auffasst, dass man sich persönlich an ihn wendet, und das Gesagte auf sich selbst bezieht. Das betrifft nicht nur die, die Mosche damals hörten, sondern auch uns, die wir Mosche jetzt hören.
עַם־גָּדוֹל וָרָם בְּנֵי עֲנָקִים אֲשֶׁר אַתָּה יָדַעְתָּ וְאַתָּה שָׁמַעְתָּ מִי יִתְיַצֵּב לִפְנֵי בְּנֵי עֲנָק׃
am-gadól warám bené anakím aschér attá jadá'ta we'attá schamá'ta mi jitjazzéw lifné bene-anák
2 Ein zahlreiches und hohes Volk, Söhne der Riesen, von denen du weißt und von denen du gehört hast: Wer wird vor den Söhnen der Riesen bestehen?
Du hast natürlich verschiedene Legenden über diese Riesen gehört, und du hast Og gesehen, den König von Baschan, den letzten der Riesen. Und das sind ja ihre Nachkommen, Söhne der Riesen, vielleicht nicht so hochgewachsen, aber dennoch ziemlich ernstzunehmende Burschen, und man muss den Selbsterhaltungstrieb völlig verloren haben, um anzufangen, mit ihnen Krieg zu führen. Und darum ist es ganz vernünftig zu fragen: Wer wird denn mit ihnen in den Kampf ziehen? Jeder kann so denken.
וְיָדַעְתָּ הַיּוֹם כִּי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ הוּא־הָעֹבֵר לְפָנֶיךָ אֵשׁ אֹכְלָה הוּא יַשְׁמִידֵם וְהוּא יַכְנִיעֵם לְפָנֶיךָ וְהוֹרַשְׁתָּם וְהַאַבַדְתָּם מַהֵר כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה לָךְ׃
wejada'tá hajom ki adonáj elohecha hu-ha'owér lefanécha esch ochelá hu jaschmidém wehú jachni'ém lefanécha wehoraschtám weha'awadtám mahér ka'aschér dibbér adonáj lach
3 So wisse heute, dass der HERR, dein Gott, Er vor dir herzieht wie ein verzehrendes Feuer! Er wird sie vernichten, und Er wird sie vor dir demütigen, und du wirst sie vertreiben und sie schnell zugrunde richten, wie der HERR zu dir geredet hat.
Viele verwirrt hier, dass Mosche sagt: „Du wirst sie schnell vertreiben.“ Im Kapitel 7, in Vers 22, haben wir doch gelesen, dass es dir nicht gelingen wird, das Land schnell zu erobern, du wirst die Völker vertreiben me'át me'át (allmählich). Aber man kann das so verstehen, dass jeder einzelne Krieg schnell sein wird, es wird keine langen, zermürbenden Kriege geben, sondern es wird eine lange Reihe blitzschneller Kriege geben, eine lange Reihe von Blitzkriegen. „Du wirst sie schnell vertreiben, aber denk dabei daran …“ Tatsächlich, um gegen diese Riesen zu ziehen, muss man verrückt sein. Aber nicht du ziehst gegen sie, sondern der HERR, dein Gott, geht vor dir her wie ein verzehrendes Feuer, Er ist es, der kämpft, und du gehst hinter Ihm her, das ist die Taktik des Krieges. Erinnere dich immer daran.
Wahrscheinlich ist das auch für unser Leben aktuell, denn wir erwarten oft einen großen, blitzschnellen Sieg, einen jähen Durchbruch zu großem Erfolg, damit alles sofort und von allem viel. Wenn kleine Siege geschehen, können wir dahinter den Höchsten nicht sehen, und gerade das lehrt der Höchste hier. Das betrifft nicht nur die Eroberung des Landes Israel, sondern auch irgendwelche anderen Angelegenheiten von uns. Vielleicht wird unser Projekt als Ganzes langsam verwirklicht werden (damit uns die Tiere nicht zum Hindernis werden, wie wir im vorigen Kapitel gelesen haben), aber irgendwelche kleinen Schrittchen können uns schnell gelingen. Das soll uns freuen, und dahinter kann man die Verwirklichung des großen Plans sehen. Aber es ist wichtig zu lernen, auch hinter kleinen Schritten, hinter kleinen Siegen den Höchsten zu sehen. Und hier kann ein Fehler entstehen, vor dem Mosche das Volk Israel warnen will.
אַל־תֹּאמַר בִּלְבָבְךָ בַּהֲדֹף יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֹתָם מִלְּפָנֶיךָ לֵאמֹר בְּצִדְקָתִי הֱבִיאַנִי יְהוָה לָרֶשֶׁת אֶת־הָאָרֶץ הַזֹּאת וּבְרִשְׁעַת הַגּוֹיִם הָאֵלֶּה יְהוָה מוֹרִישָׁם מִפָּנֶיךָ׃
al-tomár bilwawechá bahadóf adonáj elohécha otám millefanécha lemór bezidkatí hewi'áni adonáj laréschet et-ha'árez hassót uwrisch'át haggojím ha'élle adonáj morischám mippanécha
4 Und sprich nicht in deinem Herzen, wenn der HERR, dein Gott, sie von dir wegstoßen wird (wegschleudern, wenn sie wegfliegen werden), indem du sagst: „Wegen (um willen) meiner Gerechtigkeit hat der HERR, mein Gott, mich dieses Land erben lassen, und wegen der Bosheit dieser Völker vertreibt der HERR sie von dir.“
Mosche versteht, was ein Mensch denken kann: „Wir stoßen einander ab, weil Bosheit nicht neben Gerechtigkeit bestehen kann. Diese starken, gesunden Riesen fliegen von mir weg, weil ich ein Gerechter bin und sie Übeltäter sind, so gerecht bin ich!“ Und Mosche sagt weiter: „Nein, denk nicht so. Denk daran, dass es der gerechte HERR ist, der vor dir hergeht, und von Ihm fliegen sie weg.“ Du kannst denken, dass die Physik des Vorgangs eine ganz andere ist, dass die Strategie des Krieges eine ganz andere ist, aber es ist alles nicht so: Es ist der HERR, der vor dir hergeht und deinen Krieg führt, und ganz und gar nicht um deiner Gerechtigkeit willen.
לֹא בְצִדְקָתְךָ וּבְיֹשֶׁר לְבָבְךָ אַתָּה בָא לָרֶשֶׁת אֶת־אַרְצָם כִּי בְּרִשְׁעַת הַגּוֹיִם הָאֵלֶּה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מוֹרִישָׁם מִפָּנֶיךָ וּלְמַעַן הָקִים אֶת־הַדָּבָר אֲשֶׁר נִשְׁבַּע יְהוָה לַאֲבֹתֶיךָ לְאַבְרָהָם לְיִצְחָק וּלְיַעֲקֹב׃
lo wezidkatechá uwjoscher lewawechá attá wa laréschet et-arzám ki berisch'át haggojím ha'élle adonáj elohécha morischám mippanécha ulmá'an hakím et-haddawár aschér nischbá adonáj la'awotécha le'awrahám lejizchák ulja'aków
5 Nicht wegen der Gerechtigkeit und nicht wegen der Geradheit deines Herzens kommst du, ihr Land zu erben, sondern wegen der Bosheit dieser Völker vertreibt der HERR, dein Gott, sie vor deinem Angesicht, um das zu verwirklichen, was der HERR deinen Vätern geschworen hat, Awraham, Jizchak und Jaakow.
Der HERR übt kein ungerechtes Gericht. Und die Völker, die in diesem Land leben, werden nicht einfach deshalb vertrieben, weil der HERR dir dieses Land schon versprochen hat. Sie werden vertrieben, weil sie Übeltäter sind, und die Strafe, die zu ihnen kommt, ist wirklich verdient. Dein Lohn aber, dein unverdienter Lohn – das ist die Frucht des Schwurs des HERRN an Awraham, Jizchak und Jaakow, deine Väter. Darin liegt keinerlei Gerechtigkeit von dir, keinerlei Geradheit deines Herzens, und denk nicht, dass du Erfolg hast, weil du ja so ein Gerechter durch und durch bist.
וְיָדַעְתָּ כִּי לֹא בְצִדְקָתְךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לְךָ אֶת־הָאָרֶץ הַטּוֹבָה הַזֹּאת לְרִשְׁתָּהּ כִּי עַם־קְשֵׁה־עֹרֶף אָתָּה׃
wejada'tá ki lo wezidkatechá adonáj elohécha notén lechá et-ha'árez hattowá hassót lerischtá ki am-kesche-óref átta
6 Und wisse, dass der HERR, dein Gott, dir nicht um deiner Gerechtigkeit willen dieses wunderbare Land zu erben gibt, denn ein halsstarriges Volk bist du.
Hier ist ein solches biblisches Wort wie halsstarrig verwendet, das wahrscheinlich zusammen mit den frühen russischen Bibelübersetzungen entstanden ist und sich gefestigt hat, denn das Wort wyja (Hals)Im Original erklärt der Autor das russische Bibelwort für „halsstarrig“, das ein altes, heute nicht mehr gebräuchliches russisches Wort für „Hals“ enthält. Weil das deutsche „halsstarrig“ diese Erklärung nicht abbildet, steht das alte Wort hier in Umschrift. hat die russische Sprache schon längst verlassen. Die Wortverbindung am-kesche-óref bedeutet ein Volk mit hartem, schwerem Nacken, mit steifem Hals. Einerseits kann man verstehen, dass das ein Volk ist, dem es schwerfällt, den Kopf zurückzuwenden, schwerfällt, umzukehren, schwerfällt, seine Taten zu überdenken, schwerfällt, sein Leben zu ändern. Andererseits ist das ein Volk, das schwer das Joch annimmt, schwer das Joch auf sich nimmt, ständig das Joch der göttlichen Gebote, das Joch des Gottesdienstes von seinem Hals abwirft – ein halsstarriges, hartnäckiges Volk.
Weiter erinnert Mosche an die kurze Geschichte der nicht sehr guten Beziehungen des Volkes zum Höchsten.
זְכֹר אַל־תִּשְׁכַּח אֵת אֲשֶׁר־הִקְצַפְתָּ אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בַּמִּדְבָּר לְמִן־הַיּוֹם אֲשֶׁר־יָצָאתָ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם עַד־בֹּאֲכֶם עַד־הַמָּקוֹם הַזֶּה מַמְרִים הֱיִיתֶם עִם־יְהוָה׃
sechór al-tischkách et ascher-hikzáfta et-adonáj elohecha bammidbár lemin-hajom ascher-jazáta me'érez mizrájim ad-bo'achém ad-hammakóm hassé mamrím hejitém im-adonáj
7 Denk daran und vergiss nicht, wie du den HERRN, deinen Gott, in der Wüste erzürnt hast; von dem Tag an, als du aus dem Land Ägypten ausgezogen bist, bis zu eurer Ankunft an eben diesem Ort wart ihr dem HERRN ungehorsam.
Von welchem Ort ist die Rede? Und dieser Ort heißt Ba'al-Pe'or, ein Ort, von dem man nicht spricht, eben jener Ort, wo die Israeliten mit den Moabiterinnen sündigten, wo Pinchas eifernd für sein Volk eintrat, und diese ganze Zeit, seit dem Moment eures Auszugs aus dem Land Ägypten, habt ihr die ganze Zeit rebelliert, euch gegen den HERRN aufgelehnt.
וּבְחֹרֵב הִקְצַפְתֶּם אֶת־יְהוָה וַיִּתְאַנַּף יְהוָה בָּכֶם לְהַשְׁמִיד אֶתְכֶם׃
uwchoréw hikzaftém et-adonáj wajit'annáf adonáj bachém lehaschmíd etchém
8 Am Choreb habt ihr Gott erzürnt, und Gott wurde zornig über euch, um euch zu vernichten.
Ihr habt Gott auch am Choreb (Sinai) erzürnt, am allerfeierlichsten Tag, an einem Tag, der der feierlichste Tag in der Geschichte hätte werden können. Wie war das?
בַּעֲלֹתִי הָהָרָה לָקַחַת לוּחֹת הָאֲבָנִים לוּחֹת הַבְּרִית אֲשֶׁר־כָּרַת יְהוָה עִמָּכֶם וָאֵשֵׁב בָּהָר אַרְבָּעִים יוֹם וְאַרְבָּעִים לַיְלָה לֶחֶם לֹא אָכַלְתִּי וּמַיִם לֹא שָׁתִיתִי׃
ba'alotí hahára lakáchat luchót ha'awaním luchót habberít ascher-karát adonáj immachém wa'eschéw bahár arba'ím jom we'arba'ím lájla léchem lo achálti umájim lo schatíti
9 Als ich auf den Berg hinaufstieg, um die steinernen Tafeln zu nehmen, die Tafeln des Bundes, den der Höchste mit euch geschlossen hat, blieb ich auf dem Berg vierzig Tage und vierzig Nächte, Brot aß ich nicht und Wasser trank ich nicht.
Die Tafeln des Bundes – das sind solche Täfelchen (luchót), auf denen der Text des Bundes geschrieben ist, der Text des Vertrags zwischen dem Höchsten und dem Volk Israel. Sie sind auch ein Zeugnis für das Bestehen des Bundes selbst zwischen Gott und Israel. Der Tag, an dem Mosche mit den Tafeln des Bundes herabsteigt, hätte der feierlichste Tag sein können, wie wir schon gesagt haben, der Tag des Bundes, der Tag der Vermählung des Höchsten und des Volkes Israel.
Es gibt ein bekanntes Sprichwort: „In Rom benimm dich wie ein Römer.“ Als die Engel auf der Erde zu Gast bei unserem Stammvater Awraham waren, aßen und tranken sie wie die Menschen auf der Erde. Als Mosche auf den Berg steigt und vierzig Tage beim Höchsten bleibt, ist es, als würde er in sich die Engelsnatur offenbaren, vierzig Tage isst er nicht und trinkt er nicht, wie die Engel, die am Ort der Engel weilen.
וַיִּתֵּן יְהוָה אֵלַי אֶת־שְׁנֵי לוּחֹת הָאֲבָנִים כְּתֻבִים בְּאֶצְבַּע אֱלֹהִים וַעֲלֵיהֶם כְּכָל־הַדְּבָרִים אֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה עִמָּכֶם בָּהָר מִתּוֹךְ הָאֵשׁ בְּיוֹם הַקָּהָל׃
wajittén adonáj eláj et-schené luchót ha'awaním ketuwím be'ezbá elohim wa'alehém kechol-haddewarím aschér dibbér adonáj immachém bahár mittóch ha'ésch bejom hakkahal
10 Und der HERR gab mir zwei steinerne Tafeln (Täfelchen), auf denen eine Schrift mit dem Finger des HERRN ist, und auf ihnen sind wie jene Worte geschrieben, die der HERR auf dem Berg aus dem Feuer am Tag eurer Versammlung zu euch geredet hat.
Ein sehr interessantes Bild, dass der HERR mit dem Finger schreibt. Warum gerade mit dem Finger? Warum ein solches Bild? Natürlich hat Gott keinen Finger, mit dem der HERR schreiben könnte. Aber das Werkzeug, mit dem man früher auf Pergament schrieb, hieß ziporén (Fingernagel). Wenn man mit dem Fingernagel schreibt, dann kann man sich einen alten Stift vorstellen – den kalám (kálamus), einen Schilfrohrstab mit schräg zugespitztem Ende, wie ein Finger, um dieses Bild geht es. Der HERR selbst hat diese Schrift auf die Tafeln geschrieben.
Wieder gibt es für den Ausdruck kechol-haddewarím ein unterschiedliches Verständnis. Die einen sagen: Das bedeutet genau solche wie jene Worte. Und andere sagen: Das bedeutet wie jene Worte, das heißt jenen Worten ähnlich. Und deshalb gibt es einen Unterschied zwischen dem Text des Zehnworts im Buch Schemot und im Buch Dewarim.
וַיְהִי מִקֵּץ אַרְבָּעִים יוֹם וְאַרְבָּעִים לָיְלָה נָתַן יְהוָה אֵלַי אֶת־שְׁנֵי לֻחֹת הָאֲבָנִים לֻחוֹת הַבְּרִית׃
wajhí mikkéz arba'ím jom we'arba'ím lájla natán adonáj eláj et-schené luchót ha'awaním luchót habberít
11 Und es war, nach Ablauf von vierzig Tagen und vierzig Nächten gab mir der HERR zwei steinerne Tafeln, die Tafeln des Bundes.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי קוּם רֵד מַהֵר מִזֶּה כִּי שִׁחֵת עַמְּךָ אֲשֶׁר הוֹצֵאתָ מִמִּצְרָיִם סָרוּ מַהֵר מִן־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר צִוִּיתִם עָשׂוּ לָהֶם מַסֵּכָה׃
wajomer adonáj eláj kum red mahér missé ki schichét ammechá aschér hozéta mimmizrájim sáru mahér min-haddérech aschér ziwwitím asú lahém massechá
12 Und der HERR sprach zu mir: „Steh auf und steig schnell von hier hinab, denn untauglich geworden ist dein Volk, das du aus Ägypten herausgeführt hast, sie sind schnell von dem Weg abgewichen, den du ihnen geboten hast, sie haben sich eine gegossene Statue gemacht (ein gegossenes Bild).“
Das Wort massechá kann man auch als Decke, Schleier verstehen, als etwas, das vor der Wirklichkeit verbirgt, das das Licht verdunkelt, das die Wahrnehmung der Wirklichkeit verzerrt.
Warum sagt der Höchste hier, und Mosche unterstreicht das in seiner Nacherzählung: „Geh, steig hinab, denn dein Volk, das du aus Ägypten herausgeführt hast, hat sich verdorben“? Viele Kommentatoren merken an, dass das eigentlich keine Juden der Abstammung nach waren, das war jene Menge aus verschiedenen Völkern, die mit ihnen zusammen auszog, die ebenfalls Mosche herausgeführt hatte. Man kann das auch anders verstehen, auch ein solches Verständnis gibt es. Wenn Vater und Mutter, wie es vorkommt, wegen der Kinder streiten, sagt einer von ihnen: „Und dieses Kind, das ist ganz wie du, das sind deine Gewohnheiten, das ist deine Genetik.“ Mosche versucht, dem Volk Israel einen Gedanken nahezubringen, und sagt: „Da habt ihr eure Gerechtigkeit, da ist, was der Höchste über euch sagt: dein Volk, das du herausgeführt hast, sie, sie haben sich verdorben. Das heißt, in einem gewissen Moment hat der Höchste sie nicht Sein Volk genannt.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי לֵאמֹר רָאִיתִי אֶת־הָעָם הַזֶּה וְהִנֵּה עַם־קְשֵׁה־עֹרֶף הוּא׃
wajomer adonáj eláj lemór ra'íti et-ha'ám hassé wehinné am-kesche-óref hu
13 Und der HERR sprach zu mir und sagte: „Ich habe dieses Volk gesehen, und siehe – ein Volk mit hartem Hals ist es.“
הֶרֶף מִמֶּנִּי וְאַשְׁמִידֵם וְאֶמְחֶה אֶת־שְׁמָם מִתַּחַת הַשָּׁמָיִם וְאֶעֱשֶׂה אוֹתְךָ לְגוֹי־עָצוּם וָרָב מִמֶּנּוּ׃
héref mimménni we'aschmidém we'emché et-schemám mittáchat haschamájim we'e'essé otechá legoj-azúm waráw mimménnu
14 Lass Mich los (entferne dich), und Ich werde sie vernichten, und Ich werde ihren Namen unter dem Himmel weg auslöschen, und Ich werde dich machen (von dir hervorbringen) zu einem Volk, größer und zahlreicher als sie.“
Den Ausdruck héref mimménni kann man verstehen als lockere dein Zurückhalten von Mir. So sagt manchmal ein Mensch: „Lasst mich los, ich tu ihm jetzt was an“, wobei er in Wirklichkeit dazu aufruft, dass man ihn zurückhält, dass man ihn festhält. Natürlich ist Mosche ein Mensch, er ist nicht imstande, irgendwie auf den Höchsten einzuwirken. Der Höchste ist der absolute Herrscher. Wer wird denn zu Ihm sagen: „Halt!“, wer wird Seine Hand aufhalten?
Achten wir darauf, dass Mosche hier noch nicht davon spricht, was er damals dem Höchsten geantwortet hat.
וָאֵפֶן וָאֵרֵד מִן־הָהָר וְהָהָר בֹּעֵר בָּאֵשׁ וּשְׁנֵי לֻחֹת הַבְּרִית עַל שְׁתֵּי יָדָי׃
wa'éfen wa'eréd min-hahár wehahár bo'ér ba'ésch uschné luchót habberít al scheté jadáj
15 Und ich wandte mich um und begann, vom Berg hinabzusteigen, und der Berg brennt mit Feuer, und die zwei Tafeln des Bundes – in meinen zwei Händen.
Man kann sich dieses ganze schreckliche Bild nur vorstellen: Mosche steigt vom Berg hinab, und der Berg brennt mit Feuer, das Wunder dauert noch an, der Berg brennt noch. Und gerade während dieses Wunders, als der Berg daneben noch brennt, gerade in diesem Moment sinkt das Volk Israel auf eine solche Stufe des Unglaubens hinab, dass es das goldene Kalb erschafft. Vielleicht wäre das noch verständlich, wenn alle Zeichen der Gegenwart Gottes sich schon verborgen hätten. Aber der Berg brennt noch, das Wunder dauert noch an, und Mosche geht mit den Tafeln, mit dem Zeugnis der Bereitschaft des HERRN, einen Bund zu schließen.
וָאֵרֶא וְהִנֵּה חֲטָאתֶם לַיהוָה אֱלֹהֵיכֶם עֲשִׂיתֶם לָכֶם עֵגֶל מַסֵּכָה סַרְתֶּם מַהֵר מִן־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר־צִוָּה יְהוָה אֶתְכֶם׃
wa'ére wehinné chatatém ladonáj elohechém assitém lachém égel massechá sartém mahér min-haddérech ascher-ziwwá adonáj etchém
16 Und ich sah, siehe, ihr habt gegen den HERRN, euren Gott, gesündigt, habt euch ein gegossenes Kalb gemacht, und ihr seid schnell von dem Weg abgewichen, den der HERR euch geboten hat.
Beachtet: In Vers 12 sagte der Höchste zu Mosche: „Steig hinab, denn dein Volk, das du aus Ägypten herausgeführt hast, ist verdorben und ist schnell von den Geboten abgewichen, die du sie gelehrt hast.“ Hier aber, wenn Mosche es nacherzählt, sagt er: „Ihr seid vom HERRN, eurem Gott, abgewichen, seid von den Geboten abgewichen, die Er euch geboten hat.“ Mosche sagt damit: „Ihr seid dennoch Sein Volk, und die Gebote sind Seine Gebote.“ Das heißt, es ist nicht schlimm, dass ihr mich betrübt habt, das Verhältnis zu mir verdorben habt. Nein, da ihr Sein Volk seid, habt ihr Seine Gebote übertreten und Ihn betrübt.
וָאֶתְפֹּשׂ בִּשְׁנֵי הַלֻּחֹת וָאַשְׁלִכֵם מֵעַל שְׁתֵּי יָדָי וָאֲשַׁבְּרֵם לְעֵינֵיכֶם׃
wa'etpós bischné halluchót wa'aschlichém me'ál schete jadáj wa'aschabberém le'enechém
17 Ich ergriff die zwei Tafeln (packte sie fester, hob sie über mich) und warf sie aus meinen beiden Händen und zerbrach sie vor euren Augen.
Was bedeutet das Zerbrechen der Tafeln? Es gibt Midraschim, die davon sprechen, dass die Buchstaben von den Tafeln davonflogen und dass die Tafeln selbst versuchten, aus den Händen Mosches davonzufliegen und irgendwohin in die himmlische Welt zurückzukehren, deshalb fing Mosche sie auf, ergriff sie (wa'etpós). Aber man kann es auch anders verstehen. Die Tafeln des Bundes (luchót haberít) stellen den Text des Vertrags zwischen dem Volk Israel und dem Höchsten dar, den Text des Bundes, den der HERR mit dem Volk Israel geschlossen hat. Und Mosche vernichtet das Dokument, vernichtet den Text, zerreißt den Vertrag, um das Volk unter dem Fluch hervorzuholen, unter der Strafe hervor. Der Vertrag ist zerrissen, und das heißt, es gibt keinen Fluch über Israel, der mit dem Bruch des Vertrags verbunden ist. So verfuhr man oft in jenen Zeiten, und für jene Zeiten war das eine völlig verständliche Handlung.
Ich wiederhole: Das hätte ein sehr feierlicher Moment sein können, wenn Mosche dem Volk doch die Tafeln hinausgebracht hätte, auf denen die Gebote Gottes eingeschrieben sind, eingeschrieben mit dem Finger Gottes. Aber dieser Moment wurde tragisch. Tragisch, weil Mosche alles versteht, und Mosche ist voller Entsetzen.
Lasst uns hier unterbrechen und der Klarheit halber Vers 30 aus Kapitel 32 des Buches Schemot lesen: „Und es war am anderen Tag, da sagte Mosche zum Volk: ‚Ihr habt eine große Sünde begangen, und jetzt werde ich zum HERRN hinaufsteigen, vielleicht werde ich eure Sünde sühnen‘“, das heißt buchstäblich am nächsten Tag, nachdem Mosche vom Berg herabgestiegen war. Es gibt in der Tradition Daten für jedes dieser Ereignisse. Ich gehe absichtlich nicht auf sie ein, weil wir den einfachen Sinn des Textes lesen.
Also, am nächsten Tag, nachdem Mosche vom Berg herabgestiegen war, steigt er wieder zum Höchsten auf den Berg hinauf. Und davon lesen wir ab Vers 18.
וָאֶתְנַפַּל לִפְנֵי יְהוָה כָּרִאשֹׁנָה אַרְבָּעִים יוֹם וְאַרְבָּעִים לַיְלָה לֶחֶם לֹא אָכַלְתִּי וּמַיִם לֹא שָׁתִיתִי עַל כָּל־חַטַּאתְכֶם אֲשֶׁר חֲטָאתֶם לַעֲשׂוֹת הָרַע בְּעֵינֵי יְהוָה לְהַכְעִיסוֹ׃
wa'etnappál lifné adonáj karischoná arba'ím jom we'arba'ím lájla léchem lo achálti umájim lo schatíti al kol-chattatchém aschér chatatém la'asót hará be'ené adonáj lehach'isó
18 Und ich warf mich vor dem HERRN nieder wie das erste Mal; vierzig Tage und vierzig Nächte aß ich kein Brot und trank ich kein Wasser wegen all eurer Sünde, mit der ihr gesündigt habt, um Böses zu tun in den Augen des HERRN und Ihn zu erzürnen.
Nur einen einzigen Tag war Mosche im Lager (wie wir aus dem Buch Schemot wissen), und kaum hatte er die Möglichkeit, zu Abend zu essen oder sich zu stärken. Zum zweiten Mal steigt Mosche auf den Berg zum Höchsten und fastet wieder vierzig Tage, isst nicht und trinkt nicht. Aus Liebe zu Israel fleht Mosche in Fasten und Gebet den Höchsten an, das Volk zu begnadigen.
כִּי יָגֹרְתִּי מִפְּנֵי הָאַף וְהַחֵמָה אֲשֶׁר קָצַף יְהוָה עֲלֵיכֶם לְהַשְׁמִיד אֶתְכֶם וַיִּשְׁמַע יְהוָה אֵלַי גַּם בַּפַּעַם הַהִוא׃
ki jagórti mippené ha'áf wehachemá aschér kazáf adonáj alechém lehaschmíd etchém wajischmá adonáj eláj gam bappá'am hahí
19 Denn ich fürchtete mich vor dem Zorn und dem Grimm, mit denen der HERR über euch zornig war, um euch zu vernichten. Und der HERR hörte auf mich auch dieses Mal.
Das Wort jagórti bedeutet den höchsten Grad der Furcht, das heißt ich war voller Entsetzen. Anscheinend ist das die allererste Geschichte, die Mosche hier erzählt. Warum sagt er dann: „Der HERR hörte auf mich auch dieses Mal?“ Weil das Volk, das vor Mosche steht, viele Geschichten kennt, wie der HERR auf die Bitten Mosches um Gnade antwortete und das Volk auf Mosches Bitte hin begnadigte.
וּבְאַהֲרֹן הִתְאַנַּף יְהוָה מְאֹד לְהַשְׁמִידוֹ וָאֶתְפַּלֵּל גַּם־בְּעַד אַהֲרֹן בָּעֵת הַהִוא׃
uw'aharón hit'annáf adonáj me'ód lehaschmidó wa'etpallél gam-be'ád aharón ba'ét hahí
20 Und über Aharon war der HERR sehr zornig, um ihn zu vernichten. Und auch für Aharon betete ich zu dieser Zeit.
Was hat Mosche noch getan? Hier muss man verstehen, dass die Erzählung nicht in chronologischer Reihenfolge verläuft. Natürlich geschah die Vernichtung des Kalbes, von der weiter die Rede sein wird, bevor Mosche zur Sühne der Sünde des Volkes auf den Berg stieg.
וְאֶת־חַטַּאתְכֶם אֲשֶׁר־עֲשִׂיתֶם אֶת־הָעֵגֶל לָקַחְתִּי וָאֶשְׂרֹף אֹתוֹ בָּאֵשׁ וָאֶכֹּת אֹתוֹ טָחוֹן הֵיטֵב עַד אֲשֶׁר־דַּק לְעָפָר וָאַשְׁלִךְ אֶת־עֲפָרוֹ אֶל־הַנַּחַל הַיֹּרֵד מִן־הָהָר׃
we'et-chattatchém ascher-assitém et-ha'égel lakáchti wa'esróf otó ba'ésch wa'ekkót otó tachón hetéw ad ascher-dák le'afár wa'aschlích et-afaró el-hannáchal hajoréd min-hahár
21 Und eure Sünde, die ihr gemacht hattet, das Kalb, nahm ich und führte es durch das Feuer, zerstieß es gründlich, bis es fein wurde wie Staub, und seinen Staub warf ich in die Quelle, die vom Berg herabkommt.
An dem Ort, der nach den meisten Meinungen als der Berg Sinai bestimmt wird, gibt es tatsächlich in der Nähe eine Quelle, die vom Berg herabkommt. Warum sagt Mosche, dass er den Staub vom Kalb, von der Sünde des Volkes Israel, ins Wasser geworfen hat? Wir lesen, dass später genauso König Joschijahu handelte (2 Melachim 12,12): „Und die Altäre, die auf dem Dach des Obergemachs des Achas waren, die die judäischen Könige gemacht hatten, und die Altäre, die Menasche in beiden Vorhöfen des Hauses des HERRN gemacht hatte, riss der König nieder und stürzte sie von dort hinab, und ihren Staub warf er in den Bach Kidron.“ Das heißt, die Sünde kann man irgendwie in Ordnung bringen, wenn man sie ins Wasser wirft. Deutlicher wird davon im Buch des Propheten Micha (7,19) gesprochen: „Er wird sich wieder über uns erbarmen, wird unsere Missetaten verbergen. Und Du wirst alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“
Sünden kann man, wie sich herausstellt, ertränken. Und die Sünde des goldenen Kalbes hat Mosche auch ertränkt. Allerdings, wenn wir lesen, was im Buch Schemot (32,20) geschrieben steht, dann gab Mosche dem Volk Israel außerdem noch das Wasser mit dem Staub des Kalbes zu trinken: „Und er nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und verbrannte es im Feuer, und zerrieb es zu Staub, streute es auf das Wasser und gab es den Söhnen Israels zu trinken.“ Es gibt verschiedene Meinungen darüber, warum Mosche so gehandelt hat.
Die Weisen des Talmud sagen, dass das dieselbe Art ist, einen Menschen zu prüfen, mit der eine Frau geprüft wurde, die des Ehebruchs verdächtigt wurde. Auch ihr gab man Wasser mit Staub zu trinken, und wenn sie tatsächlich sündig war, sündig im Ehebruch, dann schwoll ihr der Leib an, und sie hatte noch viele andere Unannehmlichkeiten (Bemidbar 5,17–22). Und man kann sagen, dass Mosche den Söhnen Israels das Wasser gab, um sie zu prüfen, um zu erfahren, wer angebetet hatte und wer nicht. Rabbi Mosche ben Nachman (Ramban) sagt, dass das zusätzlich noch eine Erniedrigung ist. Stellt euch vor, worin sich alles Gegessene verwandelt und was aus dem Menschen herauskommt, und genau das wird ihr Gott werden. Nun, natürlich kann man einwenden, dass Gold nicht verdaut wird, aber das Bild ist verständlich.
Ibn Esra, ebenfalls einer der bekannten klassischen Kommentatoren der Tora, sagt, dass dieses getrunkene Wasser die Gesichter der Menschen veränderte, sodass die Leviten, die hindurchgingen und alle töteten, die gesündigt hatten, erkennen konnten, wer gesündigt hatte. Gerade bei denen, die gesündigt hatten, veränderte das Wasser das Gesicht, gab ihm einen bestimmten Ausdruck, an dem man sie erkennen konnte. Aber in unserem Kapitel 9 erzählt Mosche nicht, dass er das Volk außerdem noch mit diesem Wasser getränkt hat.
Weiter zählt Mosche auch andere Orte auf, an denen das Volk Israel den Höchsten erzürnte.
וּבְתַבְעֵרָה וּבְמַסָּה וּבְקִבְרֹת הַתַּאֲוָה מַקְצִפִים הֱיִיתֶם אֶת־יְהוָה׃
uwtaw'erá uwmassá uwkiwrót hatta'awá makzifím hejitém et-adonáj
22 Und in Taw'era und in Massa und in Kiwrot-hatta'awa habt ihr den Zorn des HERRN erweckt.
Zuallererst nennt Mosche einen Ort, der Taw'era heißt, von dem am Anfang von Kapitel 11 des Buches Bemidbar gesprochen wird. Dort wird nicht erzählt, worüber genau das Volk murrte, dort wird gesagt, dass das Volk anfing, Böses in die Ohren des Höchsten zu nörgeln, und Er wurde zornig, und auf sie kam das Feuer des HERRN herab (entbrannte) und fraß die Ränder des Lagers Israels. Das Wort entbrannte heißt auf Hebräisch tiw'ar, und deshalb wurde auch der Ort Taw'era genannt.
Der zweite Ort, den Mosche in Vers 22 nennt, ist Massa. Davon wird in Kapitel 17 des Buches Schemot erzählt. Das ist die Geschichte davon, wie das Volk murrte und Wasser verlangte und Gott auf die Probe stellte, indem es fragte, ob überhaupt Gott unter ihnen sei, ob überhaupt Gott in ihrer Mitte sei, ob Gott sich wirklich um sie kümmere. Dieser Ort wurde Ort der Prüfung des Höchsten genannt, Ort, an dem das Volk den Höchsten erzürnte.
Und der dritte Ort, den Mosche hier nennt, ist Kiwrot-hatta'awa. Das ist ebenfalls ein Ort aus Kapitel 11 des Buches Bemidbar. Das ist der Fall, als das Volk um Fleisch bat und der Höchste dem Volk Wachteln schickte.
Mosche zählt Israel die Fälle auf, in denen das Volk Israel sich auflehnte, gegen den Höchsten rebellierte, um zu zeigen, dass es keineswegs gerecht ist, dieses Volk.
וּבִשְׁלֹחַ יְהוָה אֶתְכֶם מִקָּדֵשׁ בַּרְנֵעַ לֵאמֹר עֲלוּ וּרְשׁוּ אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר נָתַתִּי לָכֶם וַתַּמְרוּ אֶת־פִּי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם וְלֹא הֶאֱמַנְתֶּם לוֹ וְלֹא שְׁמַעְתֶּם בְּקֹלוֹ׃
uwischlóach adonáj etchém mikkadésch barnéa lemór alú urschú et-ha'árez aschér natátti lachém wattamrú et-pí adonáj elohechém weló he'emantém lo weló schema'tém bekoló
23 Und als der HERR euch aus Kadesch-Barnea sandte und euch sagte: „Geht, zieht hinauf, erbt das Land, das Ich euch gegeben habe“, – da habt ihr gegen das Wort aus dem Mund des Höchsten rebelliert, und ihr habt Ihm nicht geglaubt, und ihr habt nicht auf Seine Stimme gehört.
Das ist der Fall mit den Kundschaftern. Als Jehoschua und Kalew davon sprachen, dass es ein wunderbares Land ist und man hingehen muss, es zu erobern, hörte das Volk nicht auf sie, obwohl Mosche hier hervorhebt, dass es doch der Höchste selbst war, der durch sie sprach.
מַמְרִים הֱיִיתֶם עִם־יְהוָה מִיּוֹם דַּעְתִּי אֶתְכֶם׃
mamrím hejitém im-adonáj mijom da'tí etchém
24 Ihr habt Gott erzürnt, habt gegen Gott rebelliert von genau dem Tag an, seit ich euch kenne.
Ein ziemlich seltsamer Vers, und viele verstehen, dass die Worte von genau dem Tag an, seit ich euch kenne eine Art Übertreibung sind, ein rhetorisches Bild. Andere sagen (das sehen wir in anderen Texten, sagen wir, in der samaritanischen Tora oder in der Septuaginta), dass dieser Text so gelesen wird: „Ihr habt gegen Gott rebelliert von genau dem Moment an, seit Er euch kennt.“ Wenn wir die Propheten lesen, dann steht dort geschrieben, dass der HERR sagt: „Ich habe dich erkannt in der ausgedörrten Wüste.“ Von dem Moment an, als der HERR das Volk Israel nahm, es führte und es in die Wüste brachte, von genau diesem Moment an rebellierte das Volk gegen Mosche. Aber das ist, wie ich schon gesagt habe, nicht der masoretische Text, das sind Varianten des Verständnisses der Septuaginta und des Textes der samaritanischen Tora. Wie soll man nun verstehen, was hier gesagt ist? Vielleicht ist das eine Übertreibung, die Mosche verwendet: „Solange ich euch kenne, so lange rebelliert ihr gegen den Höchsten.“ Das ist kein juristisch gebauter Satz, das ist ein Gefühl, das Mosche hat, das sich bei ihm gebildet hat.
Ich denke, dass uns hier Folgendes eine gute Lehre sein kann. Ein Mensch beginnt plötzlich zu spüren, dass mit ihm etwas geschieht, und verbindet das mit seiner Gerechtigkeit, das heißt, irgendwelche Erfolge schreibt er seiner Gerechtigkeit zu. Oder aber, umgekehrt, den Menschen verwirrt und empört es, dass er so gerecht ist, die Feinde aber nicht von ihm abprallen, die Hindernisse sich nicht von selbst beseitigen. Dann muss man sich hinsetzen und, ohne sich auf irgendjemandes Zeugnis zu stützen, selbst für sich eine Liste der Situationen aufstellen, in denen er gegen den Höchsten rebelliert hat, und schauen, ob bei ihm nicht so eine Liste herauskommt wie beim Volk Israel. Und dann kann man aufmerksamer hinschauen: Bin ich wirklich gerecht? Hinschauen, seine Gerechtigkeit in sich selbst suchen, in seinem Herzen, und nicht in den Ereignissen, die ringsum geschehen.
Und weiter kehrt Mosche zu seiner Erzählung zurück, die er in den Versen 18–20 begonnen hat, und sagt:
וָאֶתְנַפַּל לִפְנֵי יְהוָה אֵת אַרְבָּעִים הַיּוֹם וְאֶת־אַרְבָּעִים הַלַּיְלָה אֲשֶׁר הִתְנַפָּלְתִּי כִּי־אָמַר יְהוָה לְהַשְׁמִיד אֶתְכֶם׃
wa'etnappál lifné adonáj et-arba'ím hajom we'et-arba'ím hallájla aschér hitnappálti ki-amár adonáj lehaschmíd etchém
25 Und ich warf mich damals vor dem HERRN nieder, jene selben vierzig Tage und jene selben vierzig Nächte, die ich mich niederwarf, denn der HERR hatte vor, euch zu vernichten.
וָאֶתְפַּלֵּל אֶל־יְהוָה וָאֹמַר אֲדֹנָי יְהוִה אַל־תַּשְׁחֵת עַמְּךָ וְנַחֲלָתְךָ אֲשֶׁר פָּדִיתָ בְּגָדְלֶךָ אֲשֶׁר־הוֹצֵאתָ מִמִּצְרַיִם בְּיָד חֲזָקָה׃
wa'etpallél el-adonáj wa'omár adonáj elohím al-taschchét ammechá wenachalatechá aschér padíta begodlécha ascher-hozéta mimmizrájim bejád chasaká
26 Und ich betete zum HERRN und sagte zu ihm: „Adonaj, Gebieter HERR! Vernichte nicht Dein Volk und Dein Erbteil, das Du durch Deine Größe erlöst hast, das Du aus Ägypten mit starker Hand herausgeführt hast!
זְכֹר לַעֲבָדֶיךָ לְאַבְרָהָם לְיִצְחָק וּלְיַעֲקֹב אַל־תֵּפֶן אֶל־קְשִׁי הָעָם הַזֶּה וְאֶל־רִשְׁעוֹ וְאֶל־חַטָּאתוֹ׃
sechór la'awadécha le'awrahám lejizchák ulja'aków al-téfen el-keschí ha'ám hassé we'el-risch'ó we'el-chattató
27 Erinnere Dich an Deine Knechte, Awraham, Jizchak und Jaakow; schau nicht auf den Starrsinn dieses Volkes und auf seine Bosheit und auf seine Sünde!
Hör nicht auf, dieses Volk als Dein Volk und als Dein Erbteil anzusehen, um deiner Knechte willen, denen Du geschworen hast – Awraham, Jizchak und Jaakow. Schau auf seine Väter, schau auf seine geistigen Gene und schau nicht auf seinen heutigen Starrsinn, seine Halsstarrigkeit, auf seine Bosheit und auf seine Sünde. So ein kühnes Gespräch Mosches mit dem Höchsten. Lasst uns daran erinnern und lesen, was genau Mosche zum Höchsten sagte (Schemot 32,32), wie geschrieben steht: „Und nun, wirst Du ihre Sünde nicht vergeben? Wenn aber nicht, dann lösche auch mich aus Deinem Buch, das Du geschrieben hast!“ Bis zu einer solchen Stufe der Selbstaufopferung gelangte Mosche. Hier erzählt er dem Volk nicht davon, aber wir wissen, dass es so war.
פֶּן־יֹאמְרוּ הָאָרֶץ אֲשֶׁר הוֹצֵאתָנוּ מִשָּׁם מִבְּלִי יְכֹלֶת יְהוָה לַהֲבִיאָם אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־דִּבֶּר לָהֶם וּמִשִּׂנְאָתוֹ אוֹתָם הוֹצִיאָם לַהֲמִתָם בַּמִּדְבָּר׃
pen-jomerú ha'árez aschér hozetánu mischám mibbelí jechólet adonáj lahawi'ám el-ha'árez ascher-dibbér lahém umissin'ató otám hozi'ám lahamitám bammidbár
28 Damit man in dem Land, aus dem Du uns herausgeführt hast, nicht sagt: „Aus Unfähigkeit Gottes, sie in das Land zu bringen, von dem Er zu ihnen geredet hatte, und aus Hass gegen sie hat Er sie zum Verderben in die Wüste herausgeführt.“
Die Ägypter werden sagen: „Seht, so stark ist dieser Gott gar nicht. Er hat sich als unfähig erwiesen, sie in das Land zu bringen, das Er ihnen versprochen hat. Und darum hat Er sie zu hassen begonnen und sie in der Wüste getötet.“ So ein Zeugnis wird es geben, das sind die Worte Mosches.
וְהֵם עַמְּךָ וְנַחֲלָתֶךָ אֲשֶׁר הוֹצֵאתָ בְּכֹחֲךָ הַגָּדֹל וּבִזְרֹעֲךָ הַנְּטוּיָה׃
wehém ammechá wenachalatécha aschér hozéta bechochachá haggadól uwisro'achá hannetujá
29 Sie aber sind doch Dein Volk und Dein Erbteil, das Du mit Deiner großen Kraft und mit Deinem starken Arm herausgeführt hast!“
Mosche verkörpert das ganze Volk und tritt für das ganze Volk ein: „Wir sind Dein Volk, Dein Erbteil, bessere uns, aber vernichte uns nicht.“
Damit beendet Mosche den Teil der Rede, der die Gerechtigkeit Israels betrifft. Kann man denken, dass alles, was geschieht, als Verdienst der Gerechtigkeit des Volkes geschieht, oder sollte man so nicht denken? Und weiter wird die Tora schon von der Gnade des Höchsten gegenüber dem Volk Israel sprechen.
Damit es gut sei
Dewarim 10,1–22
Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Ekew fort und werden Kapitel 10 des Buches Dewarim lesen.
Erinnern wir daran, dass die Rede Mosches schon erklungen ist, in der er das Volk Israel warnte und sagte: „Wenn du deine Erfolge, deine Siege sehen wirst, schreibe das nicht deiner Gerechtigkeit zu. Denke nicht, dass alles, was mit dir geschieht, dank deiner Gerechtigkeit geschieht. Nicht wegen deiner Gerechtigkeit und nicht wegen der Geradheit deines Herzens bringt der HERR dich in dieses Land, sondern um die Verheißung zu erfüllen, um den Schwur zu erfüllen, den Er deinen Vätern geschworen hat, Awraham, Jizchak und Jaakow.“ Und um dem Volk Israel zu zeigen, dass es gar keine Gerechtigkeit gibt, zählt Mosche alle Geschichten auf, in denen das Volk Israel vor dem Höchsten rebellierte.
Wir sind bei der Erzählung Mosches stehen geblieben, wie er den Höchsten anflehte, dem Volk Israel nach der Sünde mit dem goldenen Kalb zu vergeben. Und Kapitel 10 beginnt eigentlich mit der Erzählung von der Vergebung.
בָּעֵת הַהִוא אָמַר יְהוָה אֵלַי פְּסָל־לְךָ שְׁנֵי־לוּחֹת אֲבָנִים כָּרִאשֹׁנִים וַעֲלֵה אֵלַי הָהָרָה וְעָשִׂיתָ לְּךָ אֲרוֹן עֵץ׃
ba'ét hahí amár adonáj eláj pessol-lechá schene-luchót awaním karischoním wa'alé eláj hahára we'assíta lechá arón ez
1 Zu jener Zeit sagte der HERR zu mir: „Haue dir zwei steinerne Tafeln aus, gleich den ersten, und steig zu Mir auf den Berg hinauf, und du wirst dir eine hölzerne Lade machen.
Wenn der Höchste gebietet, neue Tafeln zu machen, wird verständlich, dass Er vorhat, wieder einen Bund mit dem Volk Israel zu schließen und den Bund mit dem Volk Israel zu bestätigen. Und das ist ein Zeichen der Vergebung. Da wir schon von den Tafeln sprechen, muss man einige Worte sagen, die wahrscheinlich interessant sein werden.
Es gibt viele Streitfragen um die Tafeln. Welche Form hatten sie? Welche Größe hatten sie? Aus welchem Material waren sie gemacht? Und wie waren die Zehn Gebote (Aussprüche) auf ihnen angeordnet?
Was die Form betrifft, sagen einige (wie zum Beispiel das Buch Sohar), dass die Tafeln oben abgerundet waren. Das ist die Form, die wir zu sehen gewohnt sind und tatsächlich fast überall sehen. Sie kamen von oben herab, gleich einem Tropfen göttlichen Taus, dieser Tau verwandelte sich in Stein. Die zweiten Tafeln aber wurden von Mosche aus Saphir gemacht, der Höchste eröffnete Mosche eine Saphirmine. Mosche nahm von dort eine rechteckige Saphirplatte, behaute sie, rundete sie oben ab, und an eben diesen Saphirresten wurde er reich. Kurz, es gibt eine solche Meinung, dass die Tafeln ursprünglich oben abgerundet waren. Umso mehr, als auch der Talmud sagt (und das wird durch menschliche Erfahrung bestätigt), dass der Höchste bei der Erschaffung der Welt nichts Quadratisches gemacht hat, in der Natur gibt es keine geraden Linien. Und da (nach der Überlieferung) die Steine für die ersten Tafeln in den Tagen der Erschaffung der Welt geschaffen wurden, können sie nicht quadratisch sein. Es gibt eine solche Meinung.
Andere Weise sagen, dass die Tafeln gerade quadratisch waren, und nennen die Maße: sechs mal sechs Handbreit. Die Tafeln waren quadratisch, und oben über ihnen waren eine Art Kronen, und deshalb schien es, dass sie oben abgerundet seien, und auf diese Weise veränderte sich ihre Darstellung. Und noch andere Anhänger der quadratischen Tafeln sagen, dass die abgerundete Darstellung von den Christen übernommen ist, die in ihren Kirchen die Tafeln oben abgerundet darstellten, weil es ihnen so schöner erschien. Die am weitesten verbreitete Version über die Größe ist 64 Zentimeter mal 64 Zentimeter mal 32 Zentimeter.
Wenn man ausrechnet, wie viel eine solche Tafel aus Granit wiegen wird, dann ergibt sich, dass bei einer Dichte des Granits von 2700 Kilogramm pro Kubikmeter solche Tafeln jede dreihunderteinundfünfzig Kilogramm wiegen werden. Und das ist eine Frage an die Physiker: wie man Tafeln aus Stein macht, sodass sie einerseits groß genug sind und das darauf Geschriebene von weitem zu sehen ist, und andererseits müssen sie leicht genug sein, damit Mosche, ein Mensch im Alter, sie tragen konnte. Das, wenn man sich nicht auf ein Wunder verlässt. Wenn man sich aber auf ein Wunder verlässt, dann gibt es eine Überlieferung, wie im Fall der Lade, so auch im Fall der Tafeln, dass die Tafeln gleichsam vom Heiligen Geist aufgeblasen sind, erfüllt vom Geist des Höchsten (wie mit Helium), sie schweben über der Erde und tragen den, der sie trägt. Deshalb konnte Mosche, beseelt von den Tafeln, wie auf einem Luftkissen auf ihnen vom Berg herabsteigen, die Tafeln trugen ihn, und nicht er die Tafeln. Wiederum, das, wenn man sich auf ein Wunder verlässt. Wie wir verstehen, entsteht eben daraus die Streitfrage, aus welchem Material die Tafeln gemacht sind. Die einen sagen, aus Granit, die anderen – aus Edelstein, aus Saphir.
Es gibt auch Streit darüber, wie die Gebote auf den Tafeln verteilt waren. Allen bekannt ist die Meinung, ein sehr schöner Midrasch, eine sehr schöne Auslegung, die davon spricht, dass auf der ersten Tafel die ersten fünf Gebote standen – zwischen dem Menschen und dem Höchsten. Auf der zweiten Tafel standen die zweiten fünf Gebote – zwischen dem Menschen und dem Nächsten. Das ist wirklich ein sehr schöner Midrasch, sehr viele tiefe Auslegungen kann man daraus gewinnen. Das Problem ist, dass die ersten fünf Gebote viel länger sind als die zweiten fünf Gebote, und deshalb ist es schwer, sich vorzustellen, wie sie auf den Tafeln angeordnet waren.
Es gibt noch ein weiteres Problem. Gewöhnlich wurden Bünde, Verträge, Vertragstexte in zwei Exemplaren gemacht. Deshalb gibt es die Wahrscheinlichkeit (und es gibt eine solche Auslegung, eine bekannte Auslegung), dass auf jeder der zwei Tafeln zehn Gebote geschrieben waren, zweimal zehn Gebote. Warum? Wenn ein Vertrag geschlossen wird, bewahrt jede der Seiten ihr Exemplar bei sich auf. Der Höchste muss eine Tafel des Bundes haben, und auch das Volk Israel muss seine Tafel des Bundes haben. Wo ist die Schatzkammer des Höchsten, wo ist der Ort, an dem der Höchste Seine Gebote aufbewahren kann? Da das Gesetz die Handlungen der Menschen auf der Erde betrifft, war die Vertretung des Höchsten auf der Erde, Seine Botschaft auf der Erde, in der Lade. Und das Volk Israel begegnet dem Höchsten bei der Lade, deshalb mussten auch beide Exemplare in der Lade aufbewahrt werden.
Solche Bemerkungen kann man also zu den Tafeln sagen. Ich erinnere daran, dass der Höchste Mosche sagt, zwei steinerne Tafeln, gleich den ersten, zu machen, obwohl die ersten vom Höchsten Selbst gemacht wurden. Hier muss Mosche schon selbst mitwirken. Und wenn Mosche die Tafeln behauen hat, dann muss er auch noch eine hölzerne Lade (arón ez) machen. Man kann das Wort arón als Futteral, Schrank, Schatulle oder Truhe verstehen, wenn man es einfach ausdrückt. In jenen Zeiten, von denen wir sprechen, in den Zeiten der Gabe der Tora, war es tatsächlich bei allen umliegenden Völkern üblich, wichtige Täfelchen, wichtige Dokumente, Verträge in besondere Schatullen zu legen und dort aufzubewahren, das ist ein Tribut der Achtung vor dem Text, vor dem Dokument selbst.
Einige Kommentatoren sagen, dass Israel insgesamt zwei Laden hatte. Und eine von ihnen – rein hölzern, die Mosche gemacht hatte und mit der das Volk Israel in den Krieg zog: Da sie nicht mit Gold überzogen war, ist sie beweglicher, sie war leichter zu tragen. Nach dieser Meinung wurde das Volk Israel dafür bestraft, dass sie während des Krieges mit den Philistern (1 Schmu'el 4,4) die mit Gold überzogene Lade, die Bezalel gemacht hatte, aus Schilo hinaustrugen. Es gibt auch eine andere Meinung: Gerade diese Lade, die Mosche gemacht hatte, überzog später Bezalel mit Gold, und es gibt insgesamt eine einzige Lade. So ist es immer: Wenn es im Text ein Rätsel gibt, wenn es keine klare Erklärung gibt, dann entstehen verschiedene Versionen, verschiedene Theorien. Und wir werden in unserem Kapitel noch darauf stoßen.
Also, der Höchste sagte Mosche, neue steinerne Tafeln zu behauen und für sie eine Schatulle (Lade) zu machen. Der Höchste setzt die Unterweisung Mosches fort, Mosche zitiert sie:
וְאֶכְתֹּב עַל־הַלֻּחֹת אֶת־הַדְּבָרִים אֲשֶׁר הָיוּ עַל־הַלֻּחֹת הָרִאשֹׁנִים אֲשֶׁר שִׁבַּרְתָּ וְשַׂמְתָּם בָּאָרוֹן׃
we'echtów al-halluchót et-haddewarím aschér hajú al-halluchót harischoním aschér schibbárta wessamtám ba'arón
2 Und Ich werde auf diese Tafeln jene selben Aussprüche (dewarím) schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast, und du wirst sie in die Lade legen.“
וָאַעַשׂ אֲרוֹן עֲצֵי שִׁטִּים וָאֶפְסֹל שְׁנֵי־לֻחֹת אֲבָנִים כָּרִאשֹׁנִים וָאַעַל הָהָרָה וּשְׁנֵי הַלֻּחֹת בְּיָדִי׃
wa'á'as arón azé schittím wa'efsól schene-luchót awaním karischoním wa'á'al hahára uschné halluchót bejadí
3 Und ich machte eine Lade aus Akazienholz und behaute zwei steinerne Tafeln, gleich den ersten, und ich stieg auf den Berg hinauf, und die zwei Tafeln in meiner Hand.
וַיִּכְתֹּב עַל־הַלֻּחֹת כַּמִּכְתָּב הָרִאשׁוֹן אֵת עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים אֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אֲלֵיכֶם בָּהָר מִתּוֹךְ הָאֵשׁ בְּיוֹם הַקָּהָל וַיִּתְּנֵם יְהוָה אֵלָי׃
wajichtów al-halluchót kammichtáw harischón et asséret haddewarím aschér dibbér adonáj alechém bahár mittóch ha'ésch bejom hakkahál wajitteném adonáj eláj
4 Und Er schrieb auf die Tafeln gleich der ersten Schrift die Zehn Aussprüche, mit denen der HERR auf dem Berg aus dem Feuer am Tag eurer Versammlung zu euch geredet hatte, und der HERR gab sie mir.
Mosche erzählt davon, dass der HERR auf die neuen Tafeln das schrieb, was auf den ersten Tafeln geschrieben war, dieselben Aussprüche. Oder Er schrieb Ähnliches wie das, was auf den ersten Tafeln geschrieben war. Wir sagen, dass es dazu zwei verschiedene Verständnisse gibt. Und der Höchste gab diese Tafeln Mosche. Bedeutet das etwa nicht Vergebung?
וָאֵפֶן וָאֵרֵד מִן־הָהָר וָאָשִׂם אֶת־הַלֻּחֹת בָּאָרוֹן אֲשֶׁר עָשִׂיתִי וַיִּהְיוּ שָׁם כַּאֲשֶׁר צִוַּנִי יְהוָה׃
wa'éfen wa'eréd min-hahár wa'assím et-halluchót ba'arón aschér assíti wajíhju scham ka'aschér ziwwáni adonáj
5 Und ich wandte mich und stieg vom Berg hinab, und legte die Tafeln in die Lade, die ich gemacht hatte, und sie waren dort, wie der HERR mir geboten hatte.
Mosche verwendet dieselbe Wendung, wa'éfen wa'eréd min-hahár, die er beim letzten Mal verwendet hatte (Schemot 31,15). Dieses Mal geschah alles so, wie es geschehen sollte, und die Tafeln mussten nicht zerbrochen werden. Das ist ein weiteres Zeugnis dafür, dass sich alles verändert hat, dem Volk ist vergeben und die Tafeln sind empfangen.
Ab Vers 6 beginnt ein Exkurs, der den meisten Auslegern Schwierigkeiten bereitet.
וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל נָסְעוּ מִבְּאֵרֹת בְּנֵי־יַעֲקָן מוֹסֵרָה שָׁם מֵת אַהֲרֹן וַיִּקָּבֵר שָׁם וַיְכַהֵן אֶלְעָזָר בְּנוֹ תַּחְתָּיו׃
uwné jisraél nase'ú mibbe'érot bene-ja'akán mosserá scham met aharón wajikkawér scham wajchahén el'asár benó tachtáw
6 Und die Söhne Israels zogen von dem Ort, der Be'erot-Bene-Ja'akan (Brunnen der Söhne Ja'akans) heißt, nach Mosera. Dort starb Aharon und dort ist er begraben. Und Elasar, sein Sohn, wurde an seiner Stelle Kohen.
Es stellen sich folgende Fragen: Im Buch Bemidbar (33,31) haben wir davon gelesen, dass die Söhne Israels von Moserot in Richtung Bene-Ja'akan zogen. Hier lesen wir umgekehrt: von Be'erot-Bene-Ja'akan nach Mosera. Ebendort (33,38) haben wir davon gelesen, dass Aharon auf dem Berg Hor starb (dort ist sein Grab bis zum heutigen Tag), hier aber lesen wir, oder jedenfalls kann man es so verstehen, dass Aharon in Mosera starb. Und natürlich kamen diese Fragen bei den Kommentatoren auf, und es war sehr schwierig, dafür eine Auslegung zu geben.
Die Weisen sagen Folgendes: In den ganzen vierzig Jahren der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste geschahen viele verschiedene Ereignisse, und natürlich sind längst nicht alle in das Buch Bemidbar eingegangen, Mosche aber war Zeuge all dieser Ereignisse. Deshalb erzählt Mosche hier, erinnert das Volk Israel an das, woran sich das Volk Israel erinnert und woran sich Mosche erinnert. Wir aber, da wir nicht über alle Ereignisse gelesen haben, wir wissen von diesen Ereignissen nichts, haben nicht über sie gelesen und erinnern uns erst recht nicht an sie. Und um folgende Ereignisse geht es nach Meinung der Weisen.
Als Aharon auf dem Berg Hor starb, verschwanden die Wolken der Herrlichkeit. Wir haben gelesen (Bemidbar 21,1), dass der König von Arad hörte, dass Aharon gestorben war, und gerade damals Israel angriff. Dieser Krieg war für ihn ziemlich siegreich, viele brachte er um, viele nahm er gefangen. Und Mosche erzählt eine Geschichte, von der wir nichts wissen. In jener Zeit setzte sich das Volk Israel irgendwelche Leute an die Spitze und beschloss doch noch, mit ihnen zurück nach Ägypten zu gehen, und sie kehrten acht Lagerplätze zurück, das heißt vom Berg Hor bis Mosera. Und die Söhne des Stammes Lewi beschlossen: „Wie lange soll man das denn noch ertragen!“ Und wieder traten sie für den Plan Gottes ein, kämpften gegen die Vertreter der anderen Stämme, gegen alle Befürworter der Rückkehr nach Ägypten, und besiegten sie und bestätigten damit einmal mehr ihren Status, dass sie der Stamm sind, der beim Höchsten bleibt. So eine Version der Ereignisse gibt es. Und nach dieser Version der Ereignisse, wenn man diese Auslegung annimmt, ergibt sich, dass auch im vierzigsten Jahr der Wanderung, nach dem Tod Aharons, schon die neue Generation, die in der Wüste geboren war, die Absicht, nach Ägypten zurückzukehren, immer noch nicht verloren hatte. Eine solche komplizierte Auslegung gibt es. Ich wiederhole noch einmal: Obwohl wir davon im Buch Bemidbar nicht gelesen haben, ist es durchaus möglich, dass ein solches Ereignis stattgefunden hat, und hier erinnert Mosche einfach daran.
Es gibt auch eine andere Sicht. Die Kommentatoren (zum Beispiel Ibn Esra) sagen, dass der Name Mosera der geografische Name einer Gegend ist, und Be'erot-Bene-Ja'akan ist nicht dasselbe wie Bene-Ja'akan. Und auch das kann sein. Wir begegnen verschiedenen topografischen Namen buchstäblich in benachbarten Versen der Tora, das kommt vor.
Was aber die Wendung scham met aharón (dort starb Aharon) betrifft, so wird das Wort scham (dort) an anderen Stellen der Tora als as (damals, in jenen Zeiten, damals ist das auch geschehen) ausgelegt. Das heißt, damals starb Aharon, damals wurde er auch begraben.
Wozu erzählt uns die Tora das? Überhaupt, wozu diese ganze Geschichte? Um zu bestätigen, dass nicht nur das Volk Israel die Tafeln erhalten hat und ihm vergeben ist, sondern dass auch Aharon vergeben ist. Er starb, wurde aber nicht mit dem Entzug des Priestertums bestraft, Aharon selbst hat das Priestertum seinem Sohn als Erbe übergeben. So kann die Auslegung dieses Verses sein. Wieder ist das eine Antwort auf die Frage, warum uns die Tora hier davon erzählt und warum das auf den ersten Blick dem widerspricht, was die Tora an anderen Stellen sagt. Daher diese Schwierigkeit und daher die schwierigen Kommentare, deren Autoren zu verstehen versuchen, worum es hier geht.
מִשָּׁם נָסְעוּ הַגֻּדְגֹּדָה וּמִן־הַגֻּדְגֹּדָה יָטְבָתָה אֶרֶץ נַחֲלֵי מָיִם׃
mischám nase'ú haggudgóda umin-haggudgóda jotwáta érez nachale májim
7 Von dort zogen sie weiter nach Hagudgoda, und von Hagudgoda nach Jotwata, ein Land der Wasserquellen.
בָּעֵת הַהִוא הִבְדִּיל יְהוָה אֶת־שֵׁבֶט הַלֵּוִי לָשֵׂאת אֶת־אֲרוֹן בְּרִית־יְהוָה לַעֲמֹד לִפְנֵי יְהוָה לְשָׁרְתוֹ וּלְבָרֵךְ בִּשְׁמוֹ עַד הַיּוֹם הַזֶּה׃
ba'ét hahí hiwdíl adonáj et-schéwet hallewí lassét et-arón berit-adonáj la'amód lifné adonáj lescharetó ulwaréch bischmó ad hajom hassé
8 In jener Zeit sonderte der HERR den Stamm Lewi aus, um die Lade des Bundes des HERRN zu tragen, um vor dem Höchsten zu stehen, um Ihm zu dienen, um mit Seinem Namen zu segnen bis zum heutigen Tag.
Damals fand auch die Erwählung der Leviten statt. Warum muss hier erzählt werden, dass der Höchste die notwendige Berichtigung an der Ordnung, an der Einrichtung des Volkes vorgenommen hat? Weil dieses Vornehmen von Berichtigungen davon spricht, dass der Höchste dem Volk Israel vergeben hat. Wenn man aber doch die erste Version der Erzählung annimmt, dass die Israeliten nach dem Tod Aharons versuchten, nach Ägypten zurückzukehren, und die Leviten sie aufhielten, dann erinnert das an die Geschichte, wie die Leviten bei der Sünde mit dem goldenen Kalb handelten. Das heißt, die Leviten bestätigten, dass sie die ganze Zeit dem Höchsten treu und ergeben waren. Und wieder wies der Höchste auf ihre Treue hin, und sogleich fand die Bestätigung der Erwählung der Leviten statt. Das, ich wiederhole, wenn wir die erste Version des Verständnisses von Vers 6 betrachten.
עַל־כֵּן לֹא־הָיָה לְלֵוִי חֵלֶק וְנַחֲלָה עִם־אֶחָיו יְהוָה הוּא נַחֲלָתוֹ כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לוֹ׃
al-kén lo-hajá lelewí chélek wenachalá im-echáw adonáj hu nachalató ka'aschér dibbér adonáj elohécha lo
9 Deshalb hatte Lewi keinen Teil und kein Erbe mit seinen Brüdern: Der HERR ist sein Erbe, wie der HERR, dein Gott, zu ihm gesagt hat.
וְאָנֹכִי עָמַדְתִּי בָהָר כַּיָּמִים הָרִאשֹׁנִים אַרְבָּעִים יוֹם וְאַרְבָּעִים לָיְלָה וַיִּשְׁמַע יְהוָה אֵלַי גַּם בַּפַּעַם הַהִוא לֹא־אָבָה יְהוָה הַשְׁחִיתֶךָ׃
we'anochí amádti wahar kajamím harischoním arba'ím jomDie russische Umschrift hat beim ersten „vierzig“ einen Tippfehler. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen und dem zweiten Vorkommen im selben Vers: „arba'ím“. we'arba'ím lájla wajischmá adonáj eláj gam bappá'am hahí lo-awá adonáj haschchitécha
10 Damals aber war ich zum dritten Mal auf dem Berg, wie das erste Mal, vierzig Tage und vierzig Nächte. Und der HERR hörte auf mich auch jenes Mal, der HERR wollte dich nicht vernichten.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי קוּם לֵךְ לְמַסַּע לִפְנֵי הָעָם וְיָבֹאוּ וְיִרְשׁוּ אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־נִשְׁבַּעְתִּי לַאֲבֹתָם לָתֵת לָהֶם׃
wajómer adonáj eláj kum lech lemassá lifné ha'ám wejawó'u wejireschú et-ha'árez ascher-nischbá'ti la'awotám latét lahém
11 Und der HERR sagte zu mir: „Steh auf, mach dich auf den Weg vor dem Volk Israel her, und sie werden kommen und das Land erben, von dem Ich ihren Vätern geschworen habe, es ihnen zu geben.“
Hier sagt Mosche, dass der Höchste dem Volk Israel alle seine Sünden vergeben hat.
Ab Vers 12 spricht Mosche von etwas anderem: Was fordert denn der HERR von Israel? Nachdem Mosche von der langen Geschichte der Aufstände erzählt hat und davon, wie oft der Höchste über Israel zornig war, kann ein Mensch ins Extrem verfallen und denken: „Wie anspruchsvoll dieser Gott ist, wie viel Er braucht, wie viel Er von uns will! Es gibt doch Götter, die mit viel weniger zufrieden sind!“ Und Mosche, der versteht, dass ein solcher Gedanke bei einem Menschen aufkommen kann, spricht darüber:
וְעַתָּה יִשְׂרָאֵל מָה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ שֹׁאֵל מֵעִמָּךְ כִּי אִם־לְיִרְאָה אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לָלֶכֶת בְּכָל־דְּרָכָיו וּלְאַהֲבָה אֹתוֹ וְלַעֲבֹד אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּכָל־לְבָבְךָ וּבְכָל־נַפְשֶׁךָ׃
we'attá jisraél ma adonáj elohécha scho'él me'immách ki im-lejir'á et-adonáj elohécha laléchet bechol-deracháw ul'ahawá otó wela'awód et-adonáj elohécha bechol-lewawechá uwchol-nafschécha
12 Nun aber, Israel, was erbittet denn der HERR von dir? So gut wie nichts, außer: den HERRN, deinen Gott, zu fürchten, auf all Seinen Wegen zu gehen, und Ihn zu lieben, und dem HERRN, deinem Gott, zu dienen mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele,
לִשְׁמֹר אֶת־מִצְוֹת יְהוָה וְאֶת־חֻקֹּתָיו אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם לְטוֹב לָךְ׃
lischmór et-mizwót adonáj we'et-chukkotáw aschér anochí mezawwechá hajom letów lach
13 Die Gebote Gottes und Seine Gesetze zu halten, die ich dir heute gebiete, damit es dir zum Guten sei.
Und das nennt Mosche „so gut wie nichts“? Das kann seltsam erscheinen, das ist tatsächlich eine ernste Frage, und sie erfordert eine Erklärung. Die Kommentatoren sagen: „Für Mosche, auf seiner Stufe, war das ‚so gut wie nichts‘, eine leichte Bitte: so gut wie gar nichts fordert der HERR von mir.“ Wenn mir jemand sagt: „Alex, wir wollen nicht viel von dir, du kommst einfach und spielst uns auf dem Klavier eine der zwölf transzendentalen Etüden von Ferenc Liszt, und das reicht, und mehr brauchen wir nicht.“ Für einen Menschen wie mich, der nicht einmal weiß, ob ein Klavier Tasten oder Knöpfe hat, ist es einfach unmöglich, ein so schwieriges Musikstück zu spielen. Aber für einen Musiker, für einen Menschen, der sich ernsthaft mit Musik beschäftigt, kann das bedeuten: „Mehr haben sie gar nicht verlangt.“
Für Mosche ist diese Bitte des Höchsten einfach. Und deshalb (so sagt der Kommentator) sagt Mosche auch: „So gut wie nichts, nur so wenig erbittet Gott von dir, dass du Ihn mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele liebst, Ihm dienst und alle Seine Gesetze und alle Seine Gebote hältst.“
Andere Kommentatoren merken an, dass das Allerwichtigste hier am Ende von Vers 13 enthalten ist, wenn Mosche sagt: „…damit es dir zum Guten sei.“ Das, was der Höchste von dir erbittet, ist zu deinem eigenen Guten nötig, gerade deshalb ist es „so gut wie nichts“. Er Selbst braucht überhaupt nichts, Er ist auch so Gut. Dem HERRN, unserem Gott, gehören unermessliche Reichtümer. Im Grunde hat niemand etwas, sondern es hat nur Gott, Der alles besitzt.
הֵן לַיהוָה אֱלֹהֶיךָ הַשָּׁמַיִם וּשְׁמֵי הַשָּׁמָיִם הָאָרֶץ וְכָל־אֲשֶׁר־בָּהּ׃
hen ladonáj elohecha haschamájim uschmé haschamájim ha'árez wechol-ascher-bá
14 Denn des HERRN, deines Gottes, sind die Himmel, und die Himmel der Himmel, und die Erde, und alles, was auf ihr ist,
רַק בַּאֲבֹתֶיךָ חָשַׁק יְהוָה לְאַהֲבָה אוֹתָם וַיִּבְחַר בְּזַרְעָם אַחֲרֵיהֶם בָּכֶם מִכָּל־הָעַמִּים כַּיּוֹם הַזֶּה׃
rak ba'awotécha chaschák adonáj le'ahawá otám wajiwchár besar'ám acharehém bachém mikkol-ha'ammím kajom hassé
15 Aber nur deine Väter begehrte der HERR, gewann sie lieb und erwählte ihren Samen (ihre Nachkommen) nach ihnen, euch, aus allen Völkern bis zum heutigen Tag.
Mosche sagt: „Nicht wegen deiner Gerechtigkeit, nicht wegen irgendwelcher Verdienste von dir, nicht wegen deiner großen Zahl, nicht wegen der Geradheit deines Herzens, nicht wegen irgendwelcher Eigenschaften von dir hat Gott dich erwählt. Nicht, um etwas von dir zu bekommen, hat Gott dich erwählt. Sondern der HERR hat deine Väter und ihren Samen lieb gewonnen, und deshalb bist du heute von Gott geliebt und von Gott erwählt bis zum heutigen Tag.“
וּמַלְתֶּם אֵת עָרְלַת לְבַבְכֶם וְעָרְפְּכֶם לֹא תַקְשׁוּ עוֹד׃
umaltém et orlát lewawchém we'orpechém lo takschú od
16 Beschneidet die Unbeschnittenheit eures Herzens, und eure Nacken macht nicht mehr hart.
Das Wort orlát (Vorhaut) wird oft mit Unbeschnittenheit übersetzt. Denn die Beschneidung öffnet etwas, die Unbeschnittenheit ist Verborgenheit, Verschlossenheit durch Haut, Schale, Hülse, Kruste. Hier ist das die Verschlossenheit eures Herzens: Nehmt sie ab, befreit euer Herz von der Schale.
כִּי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם הוּא אֱלֹהֵי הָאֱלֹהִים וַאֲדֹנֵי הָאֲדֹנִים הָאֵל הַגָּדֹל הַגִּבֹּר וְהַנּוֹרָא אֲשֶׁר לֹא־יִשָּׂא פָנִים וְלֹא יִקַּח שֹׁחַד׃
ki adonáj elohechém hu elohé ha'elohím wa'adoné ha'adoním ha'él haggadól haggibbór wehannorá aschér lo-jissá faním weló jikkách schóchad
17 Denn der HERR, euer Gott, Er ist der Gott der Götter und der HERR der Herren, Gott, der Große, Starke und Furchtbare, Der nicht parteiisch ist und keine Bestechung annimmt;
Andere Völker haben solche Götter, dass man, wenn etwas nicht stimmt, hingehen, ihnen eine Bestechung bringen, sie mit Gold überziehen, ihnen noch etwas Ähnliches machen kann. Und diese Götter bereichern sich, die heidnischen Götter streben nach Bereicherung. Den Gott Israels, den König der Könige, den Gott der Götter, den HERRN der Herren, Dem alles gehört, was überhaupt existiert, kann man auf keine Weise bereichern, Er nimmt keine Bestechung an.
עֹשֶׂה מִשְׁפַּט יָתוֹם וְאַלְמָנָה וְאֹהֵב גֵּר לָתֶת לוֹ לֶחֶם וְשִׂמְלָה׃
ossé mischpát jatóm we'almaná we'ohéw ger látet lo léchem wessimlá
18 Schafft Recht der Waise und der Witwe und liebt den Fremdling, um ihm Brot und Kleidung zu geben.
וַאֲהַבְתֶּם אֶת־הַגֵּר כִּי־גֵרִים הֱיִיתֶם בְּאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wa'ahawtém et-haggér ki-gerím hejitém be'érez mizrájim
19 Auch ihr, liebt den Fremdling, denn Fremdlinge wart ihr im Land Ägypten.
אֶת־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ תִּירָא אֹתוֹ תַעֲבֹד וּבוֹ תִדְבָּק וּבִשְׁמוֹ תִּשָּׁבֵעַ׃
et-adonáj elohécha tirá otó ta'awód uwó tidbák uwischmó tischawé'a
20 Den HERRN, deinen Gott, fürchte, Ihm diene, und an Ihm hange, und bei Seinem Namen schwöre.
Wenn du etwas zum Maßstab der Wahrheit machen willst, wenn du willst, dass jemandes Siegel auf deinen Worten steht, auf deinen Geschäften, auf deinen Verträgen, auf deinem Zeugnis, dann soll es das Siegel des Namens des Höchsten sein, Gottes, der keine Bestechung annimmt, der nicht parteiisch ist.
הוּא תְהִלָּתְךָ וְהוּא אֱלֹהֶיךָ אֲשֶׁר־עָשָׂה אִתְּךָ אֶת־הַגְּדֹלֹת וְאֶת־הַנּוֹרָאֹת הָאֵלֶּה אֲשֶׁר רָאוּ עֵינֶיךָ׃
hu tehillatechá wehú elohécha ascher-assá ittechá et-haggedolót we'et-hannora'ót ha'élle aschér ra'ú enécha
21 Er ist dein Ruhm, und Er ist dein Gott, Der dir (oder mit dir) diese großen und furchtbaren Taten vollbracht hat, die deine Augen gesehen haben.
Dass Er dich erwählt hat und was Er in deinem Leben tut, – das ist das, wodurch du zu Ruhm kommst: Wenn du durch irgendetwas Ruhm hast, dann nur durch das, was Gott dir gegeben hat.
בְּשִׁבְעִים נֶפֶשׁ יָרְדוּ אֲבֹתֶיךָ מִצְרָיְמָה וְעַתָּה שָׂמְךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ כְּכוֹכְבֵי הַשָּׁמַיִם לָרֹב׃
beschiw'ím néfesch jaredú awotécha mizrájma we'attá samechá adonáj elohécha kechochewé haschamájim larów
22 Alles in allem, an Zahl siebzig Menschen, zogen deine Väter nach Ägypten hinab, jetzt aber hat der HERR, dein Gott, dich gemacht wie die Sterne des Himmels in ihrer Menge.
Sieh, wie viel der HERR für dich getan hat. Nicht um deiner Gerechtigkeit willen und nicht, weil Er etwas von dir braucht. Er will nichts von dir, außer dass du Ihm mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele dienst, was zum Guten für dich selbst sein wird. Wie sehr muss man diese Erwähltheit schätzen, diesen Bund, diese Beziehung zu Gott! Obwohl wir uns gegen Ihn auflehnen und Er über uns zornig wird, hat Er das Volk nicht vernichtet, Er hat das Volk bewahrt und vermehrt.
Wir machen das Wetter
Dewarim 11,1–25
Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Ekew fort und werden ab Vers 1 von Kapitel 11 des Buches Dewarim lesen. Obwohl ein neues Kapitel begonnen hat, lesen wir weiter den Teil der Rede Mosches, der in Vers 12 des vorhergehenden, des 10. Kapitels begann, als Mosche sagte: „Und nun, Israel, sieh, was der HERR von dir erbittet.“ Das heißt, der Anfang eines neuen Kapitels bedeutet nicht immer den Anfang eines neuen Themas. Also, ab Vers 1 von Kapitel 11:
וְאָהַבְתָּ אֵת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ וְשָׁמַרְתָּ מִשְׁמַרְתּוֹ וְחֻקֹּתָיו וּמִשְׁפָּטָיו וּמִצְוֹתָיו כָּל־הַיָּמִים׃
we'ahawtá et adonáj elohécha weschamartá mischmartó wechukkotáw umischpatáw umizwotáw kol-hajamím
1 Und liebe den HERRN, deinen Gott, und bewahre, was Er bewahrt, und Seine Gesetze und Seine Rechtssprüche und Seine Gebote alle deine Tage.
Das heißt, wenn der HERR für die Witwen, für die Waisen sorgt, dann sorge auch du für die Witwen und Waisen. Sorge für alles, wofür der HERR sorgt, bewahre, was des HERRN ist, bewahre unter anderem auch die Welt des HERRN.
Wir haben schon gesagt, dass das Wort chukkím die Gesetze der Beziehungen zwischen dem Menschen und Gott bedeutet; das Wort mischpatím – die Gesetze der Beziehungen zwischen dem Menschen und seinem Nächsten. Der Begriff mizwót (Gebote) bezieht sich auf alle Bereiche, von denen die Rede ist, und betrifft unter anderem auch die Beziehungen des Menschen zu sich selbst.
Liebe den HERRN Gott alle deine Tage, bewahre, was Er bewahrt, alle deine Tage, halte Seine Gesetze, Satzungen und Gebote alle deine Tage.
וִידַעְתֶּם הַיּוֹם כִּי לֹא אֶת־בְּנֵיכֶם אֲשֶׁר לֹא־יָדְעוּ וַאֲשֶׁר לֹא־רָאוּ אֶת־מוּסַר יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם אֶת־גָּדְלוֹ אֶת־יָדוֹ הַחֲזָקָה וּזְרֹעוֹ הַנְּטוּיָה׃
wida'tém hajom ki lo et-benechém aschér lo-jade'ú wa'aschér lo-ra'ú et-mussár adonáj elohechém et-godló et-jadó hachasaká usro'ó hannetujá
2 Und wisst heute, dass nicht deine Söhne, die nicht gekannt und nicht gesehen haben die Unterweisungen des HERRN, deines Gottes, Seine Größe, Seine starke Hand und Seinen kräftigen Arm,
וְאֶת־אֹתֹתָיו וְאֶת־מַעֲשָׂיו אֲשֶׁר עָשָׂה בְּתוֹךְ מִצְרָיִם לְפַרְעֹה מֶלֶךְ־מִצְרַיִם וּלְכָל־אַרְצוֹ׃
we'et-ototáw we'et-ma'assáw aschér assá betóch mizrájim lefar'ó melech-mizrájim ulchol-arzó
3 Und Seine Zeichen und Seine Taten, die Er in Ägypten getan hat am Pharao, dem König Ägyptens, und an seinem ganzen Land,
וַאֲשֶׁר עָשָׂה לְחֵיל מִצְרַיִם לְסוּסָיו וּלְרִכְבּוֹ אֲשֶׁר הֵצִיף אֶת־מֵי יַם־סוּף עַל־פְּנֵיהֶם בְּרָדְפָם אַחֲרֵיכֶם וַיְאַבְּדֵם יְהוָה עַד הַיּוֹם הַזֶּה׃
wa'aschér assá lechél mizrájimIn der russischen Umschrift fehlt im Wort für Ägypten ein Laut. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: „mizrájim“. lessussáw ulrichbó aschér hezíf et-mé jam-súf al-penehém berodfám acharechém waj'abbedém adonáj ad hajom hassé
4 Und was Er getan hat mit dem ägyptischen Heer, mit seinen Pferden und seinen Streitwagen, wie Er vor ihnen das Rote Meer überfluten ließ, als sie euch verfolgten, und der HERR hat sie vernichtet bis auf diesen Tag;
Bis auf diesen Tag habt ihr die Ägypter nicht mehr gesehen, Ägypten hat sich nicht mehr gegen euch erhoben.
וַאֲשֶׁר עָשָׂה לָכֶם בַּמִּדְבָּר עַד־בֹּאֲכֶם עַד־הַמָּקוֹם הַזֶּה׃
wa'aschér assá lachém bammidbár ad-bo'achém ad-hammakóm hassé
5 Und was Er euch in der Wüste getan hat, bis ihr an diesen Ort gekommen seid;
וַאֲשֶׁר עָשָׂה לְדָתָן וְלַאֲבִירָם בְּנֵי אֱלִיאָב בֶּן־רְאוּבֵן אֲשֶׁר פָּצְתָה הָאָרֶץ אֶת־פִּיהָ וַתִּבְלָעֵם וְאֶת־בָּתֵּיהֶם וְאֶת־אָהֳלֵיהֶם וְאֵת כָּל־הַיְקוּם אֲשֶׁר בְּרַגְלֵיהֶם בְּקֶרֶב כָּל־יִשְׂרָאֵל׃
wa'aschér assá ledatán wela'awirám bené eli'áw ben-re'uwén aschér pazetá ha'árez et-píha wattiwla'ém we'et-battehem we'et-aholehém we'ét kol-hajkúm aschér beraglehém bekérew kol-jisraél
6 Und was Er getan hat mit Datan und Awiram, den Söhnen Eli'aws, des Sohnes Re'uwens, als die Erde ihren Mund auftat und sie verschlang, und ihre Häuser und ihre Zelte und ihre ganze Habe, die sie hatten, inmitten von ganz Israel, –
Das ist die Geschichte mit den Söhnen Korachs, hier erinnert Mosche an das, was während des Aufstands Korachs geschah.
Also, nicht eure Söhne haben alles gesehen, was hier aufgezählt ist: nicht eure Söhne haben die Zeichen gesehen, die der HERR in Ägypten tat, nicht eure Söhne haben alles gesehen, was in der Wüste geschah, nicht eure Söhne haben den Untergang des Pharao gesehen, nicht eure Söhne haben gesehen, was mit Datan und Awiram geschah.
כִּי עֵינֵיכֶם הָרֹאֹת אֶת־כָּל־מַעֲשֵׂה יְהוָה הַגָּדֹל אֲשֶׁר עָשָׂה׃
ki enechém haro'ót et kol-ma'assé adonáj haggadól aschér assá
7 Sondern eure Augen sehen alle Taten des Höchsten, all das Große, das Er vollbracht hat.
Man hätte dem Volk so sagen können: „Ihr werdet Gott nachfolgen, werdet dem Höchsten dienen, und irgendwann, in ferner Zukunft, wird Er vergelten, aber nicht euch, sondern euren Söhnen wird Er irgendeine Vergeltung geben, wird irgendeinen Lohn geben. Alles erwartet euch, aber in der Zukunft. Wir werden den Kommunismus aufbauen, all diese Opfer sind nicht umsonst gebracht.“
Aber hier sagt Mosche: „Nicht eure Söhne – ihr habt das gesehen.“ Einerseits ist das für euch ein Zeugnis, dass Gott schon handelt, dass Gott nicht nur gegen Vorkasse arbeitet, dass Gott hier und jetzt handelt. Andererseits sagt die Tatsache, dass ihr das gesehen habt und nicht eure Söhne, dass gerade ihr dieses Zeugnis bewahren und es an eure Söhne weitergeben müsst. Und so werdet ihr daran denken, dass Gott handelt. Er bittet euch nicht zu arbeiten, um später, irgendwann, am Ende der Zeiten, mit euch abzurechnen. Er handelt hier und jetzt für euch, denkt daran.
וּשְׁמַרְתֶּם אֶת־כָּל־הַמִּצְוָה אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם לְמַעַן תֶּחֶזְקוּ וּבָאתֶם וִירִשְׁתֶּם אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם עֹבְרִים שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ׃
uschmartém et-kol-hammizwá aschér anochí mezawechá hajom lema'án techeskú uwatém wirischtém et-ha'árez aschér attém owerím schámma lerischtá
8 Und haltet das ganze Gebot, das ich dir heute gebiete, damit ihr stark werdet und damit ihr hineinkommt und das Land erbt, in das ihr kommt, um es zu erben.
וּלְמַעַן תַּאֲרִיכוּ יָמִים עַל־הָאֲדָמָה אֲשֶׁר נִשְׁבַּע יְהוָה לַאֲבֹתֵיכֶם לָתֵת לָהֶם וּלְזַרְעָם אֶרֶץ זָבַת חָלָב וּדְבָשׁ׃
ulmá'an ta'aríchu jamím al-ha'adamá aschér nischbá adonáj la'awotechém latét lahém ulsar'ám érez sawát chaláw udwásch
9 Und damit eure Tage sich verlängern auf dem Boden, den der HERR euren Vätern geschworen hat zu geben, ihnen und ihrem Samen, ein Land, das von Milch und Honig fließt.
Wichtig ist, darauf zu achten, dass Mosche hier sagt: „Der HERR hat geschworen, es ihnen zu geben, den Stammvätern und ihrem Samen nach ihnen.“ Nicht nur der Same, nicht nur die Erben bekommen das Land, sondern auch die Stammväter selbst, so sagt Mosche hier. Und die Weisen sehen darin einen Hinweis auf die Auferstehung von den Toten, wenn Awraham, Jizchak und Jaakow dieses Erbteil im Land erhalten werden, wenn sie von den Toten auferstehen.
Und wieder sagt Mosche, es sei ein Land, das von Milch und Honig fließt. Was bedeutet dieser Ausdruck? Manche sagen, dass er ein unbearbeitetes Land bezeichnet, ein Land, in dem es keine Landwirtschaft gibt. Im Buch des Propheten Jeschajahu (7,21.22) lesen wir: „Und es wird geschehen an jenem Tag: Ein Mensch wird eine junge Kuh und zwei Schafe aufziehen. Und es wird geschehen, wegen der Fülle der Milch wird er Butter machen und essen; denn von Butter und Honig wird sich jeder ernähren, der in diesem Land übrig bleibt.“ Das heißt, die Landwirtschaft wird zerstört sein, alles wird von blühendem Grün überwuchert, sodass die Bienen es reichlich haben und auch das Vieh, das man auf diesem Grün weiden kann, es reichlich hat. Deshalb wird der Mensch Butter und Honig haben: Butter vom Vieh und Honig, den die Bienen von diesem blühenden Grün sammeln. Und es gibt ein solches Verständnis, Re'uweni, einer der klassischen Kommentatoren, führt es an, dass es darum geht, dass dieses Land geradezu darauf wartet, bearbeitet zu werden. Aber das ist bequem für einen Viehzüchter und nicht sehr bequem für den, der sich mit einer anderen Art der Landwirtschaft beschäftigt.
Im Talmud gibt es einen Streit zwischen Rabbi Elieser und Rabbi Akiwa. Rabbi Elieser sagt: „Milch, das ist die Milch der Früchte, Honig, das ist der Honig der Datteln.“ Tatsächlich haben die Feige und manche Früchte so eine Milch, die aus ihnen austritt, und Dattelhonig (Melasse oder Silan) ist heute ein sehr bekanntes Produkt und war tatsächlich im Altertum das hauptsächliche und grundlegende Süßungsmittel. Rabbi Elieser sagt: „Das eine wie das andere kommt von Früchten.“ Rabbi Akiwa streitet mit ihm und sagt: „Milch, das ist im wörtlichen Sinn Milch, das heißt Milch von Tieren. Und Honig, das ist Bienenhonig, ebenfalls von Lebewesen.“ Der eine sagt: „Das eine wie das andere ist pflanzlich“, der andere sagt: „Das eine wie das andere ist von Tieren.“ Es gibt auch eine solche Lesart: Milch bedeutet Weißwein, und Honig bedeutet Rotwein. Auch diese Lesart hat ihre Gründe.
Es gibt eine erstaunliche Geschichte im Talmud über einen Mann, der Rami bar Jecheskel hieß. Er ging nach Bne-Brak und sah, wie Ziegen Feigen fraßen. Das Euter dieser jungen Ziegen troff von Milch, und der Saft der Feigen (der Feigenfrüchte) floss an ihnen herab. Und er sah, wie ein Rinnsal Feigenhonig und ein Rinnsal Milch zusammenflossen, und er sagte: „Jetzt endlich verstehe ich, was ein Land, das von Milch und Honig fließt, bedeutet.“
Die meisten Kommentatoren stimmen dennoch in dem Verständnis überein, dass sowohl die Milch als auch der Honig mit Früchten verbunden sind, auch deshalb, weil die Kundschafter, als sie kamen, sagten: „Siehe, ein Land, das von Milch und Honig fließt, und siehe, seine Früchte“, und Früchte zeigten als Bestätigung dafür, dass es ein Land ist, das von Milch und Honig fließt.
Aber ich sage noch einmal, wie es gewöhnlich ist, wenn es unklar ist und es viele verschiedene Meinungen gibt: Es ist nicht so einfach zu verstehen, was ein Land, das von Milch und Honig fließt, bedeutet. Und natürlich muss man bedenken, dass es im Land Israel zu jener Zeit keine Bienenzucht gab, deshalb konnte man nur von wildem Honig sprechen, wenn man Bienenhonig meint. Und Fruchthonig wurde seit Langem und ganz selbstverständlich in allen semitischen Sprachen ebenfalls mit dem Wort dwásch (Honig) bezeichnet. Diese Worte – ein Land, das von Milch und Honig fließt (érez sawát chaláw udwásch) – kommen im Tanach insgesamt einundzwanzigmal vor, und zwar zwanzigmal in Bezug auf das Land Israel. Und diese Worte wurden zu einer Volkshymne zum Lob des Landes Israel. Und weiter spricht Mosche über die Besonderheiten dieses Landes.
כִּי הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתָּה בָא־שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ לֹא כְאֶרֶץ מִצְרַיִם הִוא אֲשֶׁר יְצָאתֶם מִשָּׁם אֲשֶׁר תִּזְרַע אֶת־זַרְעֲךָ וְהִשְׁקִיתָ בְרַגְלְךָ כְּגַן הַיָּרָק׃
ki ha'árez aschér attá wa-schámma lerischtá lo che'érez mizrájim hi aschér jezatém mischám aschér tisrá et-sar'achá wehischkíta weraglechá kegánDie russische Umschrift hat hier einen h-Laut statt eines g. Nach dem hebräischen Text steht hier „kegán“ („wie ein Garten“). hajarák
10 Denn das Land, in das du kommst, um es zu erben, es ist nicht wie das ägyptische Land, aus dem du ausgezogen bist, in dem du den Samen gesät hast und es mit deinen Füßen bewässert hast wie einen grünen Garten.
Als Lot auf die Gegend am Jordan schaut (Bereschit 13,10), sagt er: „Sie ist wie das ägyptische Land, wie der Garten des HERRN.“ Im ägyptischen Land gab es die Überschwemmung des Nils, der Nil trat immer über die Ufer. Und es gab solche Kanäle, Bewässerungsgräben mit Schiebern, die man einfach mit dem Fuß zur Seite schieben konnte, man musste sich nicht einmal bücken, um dieses Grün zu bewässern. Der Schieber wurde mit dem Fuß zur Seite geschoben, und in einen kleinen Bewässerungskanal floss Wasser. Wenn genug Wasser hineingeflossen war, konnte man genauso mit dem Fuß diesen Schieber schließen. Von seiner Natur her ist das ägyptische Land so eingerichtet, dass die Natur selbst zyklisch die Überschwemmung des Nils und die Bewässerung der Gärten hervorbringt.
Das Land Israel, das ist völlig anders.
וְהָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתֶּם עֹבְרִים שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ אֶרֶץ הָרִים וּבְקָעֹת לִמְטַר הַשָּׁמַיִם תִּשְׁתֶּה־מָּיִם׃
weha'árez aschér attém owerím schámma lerischtá érez harím uwka'ót limtár haschamájim tischte-májim
11 Aber das Land, das ihr zu erben geht, das ist ein Land der Berge und Täler, und vom Regen des Himmels trinkt es Wasser.
Wenn die Überschwemmung des Nils ein natürlicher Vorgang ist, so wird der Regen vom Höchsten gesandt. Über das Land Israel gibt es eine ständige Aufsicht des Höchsten, es befindet sich ständig unter dem Wirken der Vorsehung des Höchsten.
אֶרֶץ אֲשֶׁר־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ דֹּרֵשׁ אֹתָהּ תָּמִיד עֵינֵי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בָּהּ מֵרֵשִׁית הַשָּׁנָה וְעַד אַחֲרִית שָׁנָה׃
érez ascher-adonáj elohécha dorésch otá tamíd ené adonáj elohécha ba mereschít haschaná we'ád acharít schaná
12 Ein Land, das der HERR, dein Gott, ständig prüft (überprüft), und die Augen des HERRN, deines Gottes, sind auf ihm vom Anfang des Jahres bis zum Ende des Jahres.
In den meisten Ländern der Welt sind die Naturerscheinungen eingespielte Vorgänge, die schon funktionieren, das sind natürliche Naturvorgänge, sie laufen, einfach gesagt, automatisch ab. Aber das Land Israel geht nicht in den Automatikbetrieb über. Es befindet sich die ganze Zeit (wiederum einfach gesagt) unter der Handsteuerung des Höchsten. Das betrifft nicht nur das Land Israel, das betrifft in vielem auch das Leben des Gläubigen.
Auch sehen wir hier einen Hinweis darauf, dass das Jahr einen Anfang und ein Ende hat. Und viele verstehen daraus, dass der Höchste am Anfang jedes Jahres eine Prüfung veranstaltet, eine Revision dessen, was auf der Erde mit allen Bewohnern der Erde geschieht, und vorherbestimmt, was mit diesem Land sein wird. Man kann es aber auch anders verstehen: Das ganze Jahr hindurch, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr, sieben Tage in der Woche, vierundzwanzig Stunden am Tag sind die Augen des Höchsten auf diesem Land. Und jedes Mal wird es geprüft, der Höchste lenkt dieses Land ständig. Und was auf diesem Land geschieht, hängt davon ab, was seine Bewohner tun. Und was folgt daraus?
וְהָיָה אִם־שָׁמֹעַ תִּשְׁמְעוּ אֶל־מִצְוֹתַי אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוֶּה אֶתְכֶם הַיּוֹם לְאַהֲבָה אֶת־יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם וּלְעָבְדוֹ בְּכָל־לְבַבְכֶם וּבְכָל־נַפְשְׁכֶם׃
wehajá im-schamóa tischme'ú el-mizwotáj aschér anochí mezawwé etchém hajom le'ahawá et-adonáj elohechém ul'owdó bechol-lewawchém uwchol-nafschechém
13 Und es wird sein, wenn ihr mit dem Gehör auf die Gebote hören werdet, die ich euch heute gebiete, den HERRN, euren Gott, zu lieben und Ihm zu dienen mit eurem ganzen Herzen, mit eurer ganzen Seele,
וְנָתַתִּי מְטַר־אַרְצְכֶם בְּעִתּוֹ יוֹרֶה וּמַלְקוֹשׁ וְאָסַפְתָּ דְגָנֶךָ וְתִירֹשְׁךָ וְיִצְהָרֶךָ׃
wenatattí metar-arzechém be'ittó joré umalkósch we'assaftá deganécha wetiroschechá wejizharécha
14 Dann wird Er euch Regen auf euer Land geben zur rechten Zeit, den ersten Regen und den letzten Regen, und du wirst dein Getreide einsammeln und deine Trauben (den Traubensaft) und deine Oliven (das Olivenöl).
Der erste Regen darf nicht zu stark sein, damit er die Saat nicht niederdrückt, damit er nicht zerschlägt, was gesät ist. Jeder Regen muss in jeder Zeit seine bestimmte Stärke haben, und der Höchste sieht nach, wacht über sein Land. Und ob das Volk Israel Seinen Geboten gehorcht oder nicht gehorcht, das bestimmt das Klima im Heiligen Land. Also, wenn du gehorchen wirst, dann werden alle Regenfälle zur rechten Zeit kommen.
וְנָתַתִּי עֵשֶׂב בְּשָׂדְךָ לִבְהֶמְתֶּךָ וְאָכַלְתָּ וְשָׂבָעְתָּ׃
wenatattí éssew bessadechá liwhemtécha we'achaltá wessawá'ta
15 Und Er wird Gras auf deinem Feld geben für dein Vieh, und du wirst essen und wirst dich sättigen.
Wenn du die Gebote halten wirst, dann wird es im Land Israel ein Klima geben, das für die Landwirtschaft geeignet ist. Und alles wird dir gelingen: Du wirst rechtzeitig die Ernte einbringen, und das Getreide, und die Trauben, und die Oliven. Und in der Viehzucht wird alles gut sein: Es wird genug Gras geben, damit dein Vieh frisst.
הִשָּׁמְרוּ לָכֶם פֶּן יִפְתֶּה לְבַבְכֶם וְסַרְתֶּם וַעֲבַדְתֶּם אֱלֹהִים אֲחֵרִים וְהִשְׁתַּחֲוִיתֶם לָהֶם׃
hischamerú lachém pen-jifté lewawchém wesartém wa'awadtém elohím acherím wehischtachawitém lahem
16 Hütet euch, damit euer Herz sich nicht verführen lässt, und ihr abweicht, und anderen Göttern dienen werdet, und euch vor ihnen niederwerfen werdet.
וְחָרָה אַף־יְהוָה בָּכֶם וְעָצַר אֶת־הַשָּׁמַיִם וְלֹא־יִהְיֶה מָטָר וְהָאֲדָמָה לֹא תִתֵּן אֶת־יְבוּלָהּ וַאֲבַדְתֶּם מְהֵרָה מֵעַל הָאָרֶץ הַטֹּבָה אֲשֶׁר יְהוָה נֹתֵן לָכֶם׃
wechará af-adonáj bachém we'azár et-haschamájimDie russische Umschrift hat im Wort für „Himmel“ ein i statt eines a. Nach dem hebräischen Text steht hier „haschamájim“. welo-jihjé matár weha'adamá lo tittén et-jewulá wa'awadtém meherá me'ál ha'árez hattowá aschér adonáj notén lachém
17 Und der HERR wird über euch zornig werden, und Er wird den Himmel anhalten, und es wird keinen Regen geben, und das Land wird keine Ernte geben, und schnell werdet ihr von diesem guten Land verschwinden, das der HERR euch gibt.
Matár – das ist der Regen, der alle Arten von Regen meint. Im Hebräischen gibt es viele verschiedene Wörter zur Bezeichnung des Regens. Wie wir bei Vers 14 gesagt haben, gibt es joré – den ersten Regen, es gibt malkósch – den letzten Regen, es gibt géschem. Kurz, es gibt viele verschiedene Wörter. Hier wird gesagt: „Der HERR wird keinerlei Regen geben.“
Darauf kann man achten. Wenn man im Ungehorsam gegenüber dem Höchsten lebt, dann wird der Höchste den Himmel verschließen, und das Land wird keine Ernte geben, und ihr werdet von dem guten Land verschwinden. Das gute Land ist nicht schlecht geworden, weil ihr euch auf ihm schlecht benommen habt. Sondern gerade als gutes Land wird es euch Schlechten keine Ernte geben, es duldet die Schlechten nicht, und deshalb werdet ihr schnell von ihm verschwinden. Wenn etwas im Heiligen Land geschieht, dann gebt nicht dem Land die Schuld, nicht das Land ist daran schuld.
וְשַׂמְתֶּם אֶת־דְּבָרַי אֵלֶּה עַל־לְבַבְכֶם וְעַל־נַפְשְׁכֶם וּקְשַׁרְתֶּם אֹתָם לְאוֹת עַל־יֶדְכֶם וְהָיוּ לְטוֹטָפֹת בֵּין עֵינֵיכֶם׃
wessamtém et-dewaráj élle al-lewawchém we'al-nafschechém ukschartém otám le'ót al-jedchém wehajú letotafót ben enechém
18 Und legt diese Worte auf eure Herzen und auf eure Seelen, und bindet sie mit einer Binde um eure Hände, und sie werden ein Zeichen zwischen euren Augen sein.
Sowohl die Hand als auch die Augen müssen auf eine bis zum Automatismus gebrachte Weise handeln, sie müssen von selbst im Licht dieser Worte, dieser Gebote handeln.
וְלִמַּדְתֶּם אֹתָם אֶת־בְּנֵיכֶם לְדַבֵּר בָּם בְּשִׁבְתְּךָ בְּבֵיתֶךָ וּבְלֶכְתְּךָ בַדֶּרֶךְ וּבְשָׁכְבְּךָ וּבְקוּמֶךָ׃
welimmadtém otám et-benechém ledabbér bam beschiwtechá bewetécha uwlechtechá waddérech uwschochbechá uwkumécha
19 Lehrt diese Worte eure Söhne, um mit ihnen zu reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst.
וּכְתַבְתָּם עַל־מְזוּזוֹת בֵּיתֶךָ וּבִשְׁעָרֶיךָ׃
uchtawtám al-mesusót betécha uwisch'arécha
20 Und schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore,
Sowohl am Anfang des Tages als auch am Ende des Tages erinnert sich der Mensch an diese Gebote. Seine Hände und seine Augen werden von diesen Geboten bewegt. Wenn du aus dem Haus gehst, mit welchem Ziel du auch hinausgehst, mit welchem Gedanken du auch hinausgehst, nimmst du auch noch diese Worte mit. Du gehst aus dem persönlichen Raum in den gemeinsamen Raum – denk an diese Worte, dafür sind sie an den Pfosten deines Hauses geschrieben. Wenn du aus deiner Stadt hinausgehst und dich in eine andere Stadt begibst, dann stehen auch an den Toren deiner Stadt diese Worte. Mit diesen Worten und nur mit diesen Worten kannst du aus der Stadt hinausgehen. Diese Worte wurden auch Teil des Gebets „Schma, Jisraél“, mit dem die Juden viermal am Tag beten, jeden Tag.
Denk daran, dass der Höchste in deinem Leben unverzüglich handelt. Du hast das alles gesehen, nicht deine Kinder haben das gesehen. Und deshalb lehre einerseits die Kinder, und andererseits wisse, dass die Taten des Höchsten – sie sind hier und jetzt.
לְמַעַן יִרְבּוּ יְמֵיכֶם וִימֵי בְנֵיכֶם עַל הָאֲדָמָה אֲשֶׁר נִשְׁבַּע יְהוָה לַאֲבֹתֵיכֶם לָתֵת לָהֶם כִּימֵי הַשָּׁמַיִם עַל־הָאָרֶץ׃
lemá'an jirbú jemechém wimé wenechém al ha'adamá aschér nischbá adonáj la'awotechém latét lahém kimé haschamájim al-ha'árez
21 Damit sich eure Tage mehren und die Tage eurer Söhne auf dem Land, das der HERR euren Vätern geschworen hat, um es ihnen zu geben, wie die Tage des Himmels über der Erde.
Wenn ihr diese Gebote einhalten und sie bewahren werdet, dann werdet ihr lange in diesem Land leben, von dem der HERR euren Vätern geschworen hat, ihr werdet leben, solange Himmel und Erde bestehen.
כִּי אִם־שָׁמֹר תִּשְׁמְרוּן אֶת־כָּל־הַמִּצְוָה הַזֹּאת אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוֶּה אֶתְכֶם לַעֲשֹׂתָהּ לְאַהֲבָה אֶת־יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם לָלֶכֶת בְּכָל־דְּרָכָיו וּלְדָבְקָה־בוֹ
ki im-schamór tischmerún et-kol-hammizwa hassót aschér anochí mezawwé etchém la'assotá le'ahawá et-adonáj elohechém laléchet bechol-deracháw uldowka-wó
22 Wenn ihr mit Bewahren dieses ganze Gebot bewahren werdet, das ich euch gebiete zu tun, mit Liebe zum HERRN, eurem Gott, um auf Seinen Wegen zu gehen und Ihm anzuhangen,
וְהוֹרִישׁ יְהוָה אֶת־כָּל־הַגּוֹיִם הָאֵלֶּה מִלִּפְנֵיכֶם וִירִשְׁתֶּם גּוֹיִם גְּדֹלִים וַעֲצֻמִים מִכֶּם׃
wehorísch adonáj et-kol-haggojím ha'élle millifnechém wirischtém gojím gedolím wa'azumím mikkém
23 Dann wird der HERR alle diese Völker vor deinem Angesicht vertreiben, und ihr werdet Völker beerben können, die größer und stärker sind als ihr.
כָּל־הַמָּקוֹם אֲשֶׁר תִּדְרֹךְ כַּף־רַגְלְכֶם בּוֹ לָכֶם יִהְיֶה מִן־הַמִּדְבָּר וְהַלְּבָנוֹן מִן־הַנָּהָר נְהַר־פְּרָת וְעַד הַיָּם הָאַחֲרוֹן יִהְיֶה גְּבֻלְכֶם׃
kol-hammakóm aschér tidróch kaf-raglechém bo lachém jihjé min-hammidbár wehallewanón min-hannahár nehar-perát we'ád hajám ha'acharón jihjé gewulechém
24 Jeder Ort, auf den dein Fuß treten wird, wird euer sein – von der Wüste und vom Lewanon, vom Strom Prat und bis zum letzten Meer wird eure Grenze sein.
Und niemand, niemand wird gegen euch Krieg führen. Wenn es irgendein Imperium gibt, gibt es natürlich immer welche, die gegen es Krieg führen und ihm etwas abringen wollen, ihm ein Stückchen Land wegschnappen wollen. Aber das wird in eurem Fall nicht geschehen.
לֹא־יִתְיַצֵּב אִישׁ בִּפְנֵיכֶם פַּחְדְּכֶם וּמוֹרַאֲכֶם יִתֵּן יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם עַל־פְּנֵי כָל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר תִּדְרְכוּ־בָהּ כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר לָכֶם׃
lo-jit'jazzéw isch bifnechém pachdechém umora'achém jittén adonáj elohechém al-pené chol-ha'árez aschér tidrechu-wá ka'aschér dibbér lachém
25 Niemand wird sich gegen euch erheben, Furcht und Schrecken vor euch wird der HERR, euer Gott, auf das ganze Land geben (auf die Bewohner des ganzen Landes), wohin ihr auch tretet, wie der HERR euch geschworen hat.
So endet die Unterweisung, die Mosche dem Volk Israel darüber gibt, wie man Krieg führt mit denen, die stärker sind als du. Soll man auf seine eigene Gerechtigkeit hoffen und sagen: „Ich bin schon gerecht, und ich muss nichts in Ordnung bringen, darum hat der HERR mich hierher geführt“?
Man muss auch daran denken, dass der HERR in unserem Leben schon gehandelt hat, und wir erfüllen Seine Gebote nicht dafür, dass „später, irgendwann einmal“, Er sagt uns nicht: „Tut es – und später, vielleicht, irgendwann, irgendwie werdet ihr es sehen.“ Wir haben es schon gesehen, und wir können unseren Söhnen erzählen, was wir mit unseren eigenen Augen gesehen haben. Und sie werden später erzählen, was sie mit ihren eigenen Augen gesehen haben.
Und außerdem sagt Mosche, dass der HERR uns in ein besonderes Land hineinführt. Ein Land, auf das Er ständig schaut, ein Land, über das Er ständig auf besondere Weise wacht. Und das Klima in diesem Land hängt von unserem Verhalten ab. Das Klima um uns herum hängt von unserem Verhalten ab – das ist es, was Mosche hier lehrt.
Hunger
Jedes Mal öffnen sich uns mit einem neuen Jahreszyklus des Tora-Studiums irgendwelche neuen Facetten. Deshalb möchte ich noch einige Worte über den Wochenabschnitt Ekew sagen, über einige Verse aus dem 8. Kapitel unseres Buches Dewarim.
Ich beginne mit Vers 3: „Und Er (der Höchste) demütigte dich, und quälte (wajar'iwécha) dich mit Hunger, und speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest und deine Väter nicht kannten, um dich verstehen zu lassen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht, lebt der Mensch.“ Ein erstaunlicher Vers, der viel Nahrung zum Nachdenken gibt. Und ich möchte innehalten beim Wort jar'íw, wie es hier heißt: Der Höchste quälte dich mit Hunger. Im Original gibt es das Wort quälte nicht, sondern einfach machte dich hungrig oder hielt dich hungrig, zwang dich zu hungern. Wozu war der Hunger in der Wüste nötig? Was war das für ein Hunger? Und haben unsere Väter denn wirklich in der Wüste gehungert? Weiter heißt es doch: und Er speiste dich mit dem Man. Jeden Morgen, wie wir wissen, musste man hinausgehen und das Man sammeln. Man konnte es nicht im Kühlschrank aufbewahren, im Keller, nicht einmachen, nicht marinieren, nicht trocknen. Jeden Morgen musste man es sammeln. Stellt euch vor, dass ihr in eurem Alltag jeden Morgen aufs Neue gezwungen seid, euch Nahrung zu beschaffen. Es gibt weder Kühlschränke noch irgendwelche Lager, noch irgendwelche Schränke, weder Kredit- noch Debitkarte – nichts davon gibt es. Jeden Morgen findet ihr vor dem Haus eine Kiste mit Lebensmitteln für den heutigen Tag, und jeden Abend, wenn ihr schlafen geht, wisst ihr, dass diese Kiste, sagen wir es so, einfach verschwinden wird, sich in der Nacht verflüchtigen wird, und andere Nahrung werdet ihr nicht haben. Das heißt, es wird keine Nahrung geben, wenn das Man nicht wieder fällt oder wenn ihr nicht wieder sammelt. Und dieses Gefühl, in einem solchen eigentümlichen Lebensmittelkartensystem (nur ohne Karten) zu existieren, erzeugt eine gewisse Unsicherheit im Blick auf den morgigen Tag, eine Ungewissheit. In vielen Umständen unseres Lebens wissen wir nicht, wie diese oder jene Situation enden wird, wie sich dieses oder jenes unserer Probleme lösen wird. Natürlich befanden sich auch unsere Väter, die in der Wüste waren, in derselben Lage. Und es gibt ein solches Verständnis, dass der Hunger, von dem hier gesprochen wird, eben das Gefühl der Ungewissheit ist, der Unsicherheit, ob man am morgigen Tag satt wird. Ja, natürlich, der Höchste spricht – und das Man fällt. Na, aber wenn sich morgen diese Kiste plötzlich nicht findet, wenn diese Kiste plötzlich nicht auftaucht? Und der Höchste lehrt uns gleichsam zu glauben: „Alles unter Kontrolle, Brüderchen, nur nicht unter deiner Kontrolle, und gewöhn dich daran. Die Welt hat einen Lenker, und das bist nicht du. Auch dein Leben und jede Kleinigkeit deines Lebens lenkt ebenfalls Jemand, und das bist nicht du.“ Eben dieser Hunger, das Gefühl, dass du dein Leben nicht kontrollierst, dein Budget, deinen Speiseplan für den morgigen Tag – das ist es, was der Höchste nach diesem Verständnis des Verses das Volk Israel in der Wüste lehrte. Damit der Mensch versteht, dass er nicht vom Brot lebt, nicht von irgendwelchen Ersparnissen, nicht von Kornspeichern, nicht von Scheunen und nicht von Vorratslagern, sondern vom Wort, das ständig aus dem Mund des Höchsten hervorgeht, eigentlich von eben jener Rede, mit der der Höchste die Welt ständig lenkt. Und ein Teil dieser Lenkung ist die Ernährung des Menschen. Wenn dieses Verständnis zur Gewohnheit wird, wenn es zur Natur des Menschen wird, dann wird auch das Man zur gewohnten Speise, der Hunger verschwindet. Das ist einer der Ansätze.
Ein anderer Ansatz sagt, dass das Man ein besonderes Brot ist, es ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn irgendein anderes Produkt – Wurst, Käse, ebenjenes Brot – irgendwelche begrenzten Eigenschaften hat, so besitzt das Man eine unendliche Tiefe. Und wie das Wort Gottes kann man es unendlich-unendlich studieren, so wie es ein Mensch tut, der wirklich vom Studium irgendeiner Wissenschaft lebt, sei sie auch weltlich. Ein Mathematiker ist nicht der Mensch, der die Mathematik kennt; es ist der Mensch, der die Mathematik studiert. Ein Physiker ist nicht der Mensch, der die Physik kennt, sondern der Mensch, der die Physik studiert. Ein Mensch, der die Mathematik kennt, kann Mathematiklehrer an einer Schule sein, ebenso ist es mit der Physik. Aber ein Mensch, der studiert, studiert es ständig, er lebt davon. Und wenn der Mensch versteht, dass hinter dieser Speise das Wort Gottes steht, versteht er auch, dass man vom Wort Gottes nicht satt werden kann. Das ist ein ständiges Sich-Anschließen an dieses Wort, und das ist eine Speise, von der man sich nicht losreißen kann. Ein Mensch, der diese Speise gekostet hat (wenn er den inneren Sinn erfasst hat), wird nie mehr irgendeine andere Speise wollen, aber er wird auch nie satt werden, weil man dieses Wort mehr, und mehr, und mehr erkennen möchte. Wer von uns kann sagen: „Ich kenne das Wort Gottes schon, es zieht mich irgendwie nicht mehr, ich habe schon alles darüber verstanden, ich möchte es nicht mehr studieren“? Nein, gerade je mehr du es erkennst, desto mehr möchtest du darin eintauchen und mehr Tiefe sehen, und desto mehr verstehst du, wie sehr der Höchste die Welt lenkt, wie sehr Sein Wort in jede Kleinigkeit unseres Lebens eindringt. Und dann entsteht natürlich der Hunger: Man möchte mehr und mehr darüber wissen, mehr und mehr von diesem Wort essen.
Das sind also zwei völlig verschiedene Ansätze zum Verständnis des Hungers. Und wozu ist das nötig, beim ersten wie beim zweiten Ansatz? Wozu war es nötig, dass der Mensch Hunger litt und seine Abhängigkeit vom Wort verstand? Weiter sagt unser 8. Kapitel, dass Überfluss kommen wird, und du wirst in dein Land kommen, und du wirst Städte aufbauen, und du wirst einen blühenden Staat haben, und eine soziale Gesellschaft, und es wird keine Armen geben, und es wird nur Reiche geben, und alles wird blühen: sowohl die Wirtschaft als auch die Landwirtschaft, und militärische Macht wirst du haben, und Tapferkeit wird es geben, und alles wirst du haben. Und wenn dieser Überfluss kommt, kannst du sagen: „Ich selbst habe das getan!“ Nein, alles ist wie zuvor: dasselbe System der Lebensmittelkarten, dasselbe System des täglichen Empfangens des Man, nur ist es vielleicht vor unseren Augen mehr verborgen. Es hat unserer täglichen Arbeit Platz gemacht, unserem täglichen Bemühen, in dem der Höchste das Werk unserer Hände segnet. Und was uns ernährt, das ist Sein Segen über das Werk unserer Hände, das heißt, nicht meine Hand hat das geschaffen.
Das ist es, was wir lernen müssen. Einerseits ist alles tatsächlich unter Kontrolle – nicht unter meiner Kontrolle, sondern unter der Kontrolle (und vielleicht ist es sogar besser, dass es nicht unter meiner Kontrolle ist). Und noch etwas: Das wird nie enden: die Vollkommenheit, der Überfluss, Sein Segen wird nie enden. Und genauso, wie wir am Wort nie satt werden, werden wir nie aufhören, unsere Arbeit an der Vervollkommnung dieser Welt zu tun, an der Vervollkommnung unserer selbst. Solange wir leben, geht diese Arbeit weiter. Darin liegt unser Hunger, jener Hunger, den wir ständig spüren müssen.
Das also sind die Gedanken zu unserem Wochenabschnitt. Kurz, aber es war mir wichtig, sie zu teilen.
Tora in 5 Minuten
In unserem Wochenabschnitt Ekew (10,1–2) lesen wir folgende Erzählung Mosches: „Zu jener Zeit sprach der HERR zu mir: Haue dir zwei steinerne Tafeln aus wie die ersten und steig zu Mir auf den Berg und mache dir eine hölzerne Lade. Und Ich werde auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast; und du wirst sie in die Lade legen (arón)“.
Das altkirchenslawische Wort für LadeIm Original nennt der Autor hier das russische Bibelwort für die Lade, ein altkirchenslawisches Wort, das im heutigen Russisch kaum noch vorkommt. Da es dafür im Deutschen keine Entsprechung gibt, steht hier „das altkirchenslawische Wort für Lade“. ist wohl nur in der Bibel geblieben. Ins heutige Russisch kann man das Wort arón mit Kiste oder Schrank oder Kästchen übersetzen, also irgendein Ort, an dem die Tafeln aufbewahrt werden können. Der Höchste gebietet Mosche, die Tafeln und die Lade zu machen, aber in Vers 3 lesen wir: „Und ich machte eine Lade aus Schittim-Holz (Akazie), und ich haute zwei steinerne Tafeln aus, gleich den ersten, und ich stieg auf den Berg, und diese zwei Tafeln in meiner Hand“, das heißt, Mosche macht es in umgekehrter Reihenfolge: zuerst die Lade und dann die Tafeln. In dieser Änderung der Reihenfolge liegt eine wichtige Unterweisung für uns. Um selbst Tora zu lernen, um einen Menschen Tora zu lehren, braucht es eine vorherige Vorbereitung, das heißt ein Kästchen, ein Gefäß. Damit wir die Tora studieren können, muss in uns ein Gefäß für die Worte der Tora sein. Ein solches Gefäß kann unser Wunsch sein, Tora zu lernen, unser Wunsch, uns zu verändern, besser zu werden, unser Wunsch, den Willen Gottes zu erkennen. Ohne das werden wir die Worte des Höchsten nicht aufnehmen können.
So geschieht es auch in der materiellen Welt. Erinnern wir uns an die Geschichte der Witwe und des Propheten Elischa aus dem zweiten Buch Melachim und an die Worte, die er ihr in Vers 3 sagte: „Geh und erbitte dir Gefäße draußen; leere Gefäße (sammle) nicht wenige bei allen deinen Nachbarn.“ So hing also der Überfluss an Öl, mit dem die Witwe gesegnet wurde, von den Gefäßen ab, die sie sammeln konnte. Einerseits war der Segen wunderbar; andererseits war der Segen durch die Gefäße für das Öl begrenzt, wovon wir ebendort in Vers 6 lesen: „Und es geschah, als die Gefäße gefüllt waren, sagte sie zu ihrem Sohn: Reich mir noch ein Gefäß. Aber er sagte zu ihr: Es gibt keine Gefäße mehr. Und das Öl hörte auf (zu fließen).“ Die unendliche Tora, die man unendlich studieren kann, ihre Weisheit von unendlicher Tiefe wird von uns (und von denen, mit denen wir Umgang haben, die wir Tora lehren wollen) entsprechend den Gefäßen aufgenommen, die wir haben.
Wir wissen, dass man sagt: „Wer Ohren hat, der höre.“ Jeder von uns kann in den Spiegel schauen und sehen, dass anscheinend jeder Ohren hat. Haben wir viele Menschen ohne Ohren gesehen? Aber hier ist natürlich nicht von physischen, nicht von materiellen Ohren die Rede. Gemeint ist die Bereitschaft zu hören, eben jenes Gefäß, das bereit ist, die Worte der Tora aufzunehmen. Wie gebrauchen wir unsere Ohren? Können wir die Worte der Tora wirklich hören? Wir können irgendwelche nützlichen wissenschaftlichen oder allgemeinbildenden Informationen empfangen oder etwas Unterhaltsames hören, etwas für uns völlig Nutzloses, irgendein weißes Rauschen in der geistlichen Welt, das uns von der Aufnahme der wahren Worte der Tora ablenkt. Und deshalb muss man sich ständig die Frage stellen: Wie viele Ohren habe ich gerade für das Studium der Tora, dafür, mich in die Tora zu vertiefen? Haben wir solche Ohren, die rein sind von allem Rauschen, von allen Störungen, und die allein dem Hören des Wortes Gottes geweiht sind? Wie sehr werden unsere Ohren rein gehalten? Denn nur mit solchen Ohren kann man die Tora wirklich hören. Vieles wird über die Reinheit des Blicks gesagt, darüber, dass es sich nicht lohnt, auf gewisse Dinge zu schauen, von denen man danach die Augen und das Gehirn nur schwer wieder reinigen kann. Aber auch die Ohren muss man waschen, man muss die Ohren rein halten, in Bereitschaft, die Tora aufzunehmen. Und das ist eine wichtige Frage, die jeder sich selbst stellen kann: Habe ich reine, freie Ohren, ein Gefäß für die Aufnahme der Tora?
Ekew: weiterlesen
Lest auch den Wochenabschnitt Waetchanan, das Gespräch über die Bünde, das Kommentarbuch zu Dewarim und die Wochenabschnitte der Tora.