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- Wajikra
- Emor
אֱמוֹר
Emor
die Heiligkeit der Kohanim und die Feste
- Wochenabschnitt
- 31 von 54
- Verse
- Wajikra 21,1–24,23
- Teile
- 6
- Lesezeit
- 1 Std. 13 Min.
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Emor ist der Wochenabschnitt über die Heiligkeit der Kohanim, die Opfer und die Feste der Tora. Im Stenogramm des Gesprächs von Alex Blend werden die Kapitel 21–24 des Buches Wajikra behandelt: die Anforderungen an den Tempeldienst, der Festkalender, die Pflichten der Bürger und der Fremden. Der hebräische Text wird von einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original heißt es, der hebräische Text werde von einer russischen Übersetzung begleitet. Da diese Seite deutsch ist, steht hier neutral „einer Übersetzung“. und der Auslegung des Autors begleitet.
Gesichtskontrolle im Tempel
Wajikra 21,1–24
Mit Gottes Hilfe beginnen wir das Studium des Wochenabschnitts Emor. Unser Abschnitt ist den Weisungen gewidmet, die der Höchste Aharon und seinen Söhnen, den Kohanim, in Bezug auf die Heiligkeit gibt. Darüber, wie sie auf der gebührenden Stufe der Heiligkeit bleiben, über die besonderen Anforderungen an den Kohen und auch darüber, wer das Recht hat, an den Altar heranzutreten. Und es stellt sich heraus, dass nicht jeder der Söhne Aharons dieses Recht haben wird.
Beginnen wir also mit Vers 1 von Kapitel 21.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה אֱמֹר אֶל־הַכֹּהֲנִים בְּנֵי אַהֲרֹן וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם לְנֶפֶשׁ לֹא־יִטַּמָּא בְּעַמָּיו׃
wajomer adonáj el-mosché emór el-hakkohaním benéj aharón we'amartá alehém lenéfesch lo-jittammá be'ammáw
1 Und der HERR sprach zu Mosche: „Sage den Kohanim, den Söhnen Aharons, und sage ihnen, dass sie sich nicht an einer Seele in ihrem Volk verunreinigen dürfen.
Das ist eine wörtliche Übersetzung. Die Tora spricht hier davon, dass der Kohen, während er inmitten seines Volkes lebt, sich nicht mit all dem befassen darf, was mit der Bestattung eines toten Körpers verbunden ist, und sich nicht durch die Unreinheit des Toten verunreinigen darf. Wenn irgendein angesehener Mensch im Volk oder irgendein entfernter Verwandter von ihm stirbt, hat der Kohen nicht das Recht, sich um seine Beerdigung zu kümmern, an seiner Beerdigung teilzunehmen und dadurch unrein zu werden. Hier bedeutet die Präzisierung in seinem Volk, dass eine solche Situation entstehen kann, wenn niemand in der Nähe ist, wenn der Kohen der Einzige ist, der die Beerdigung des Menschen organisieren kann. Eine solche Situation heißt met mizwá (der gebotene Tote) – ein Toter, um den sich das Gebot kümmern wird. Und dieses Gebot übertrifft, überwiegt alle anderen Gebote an die Kohanim über die Berührung von Toten. Um sich um einen solchen Toten zu kümmern, darf sich der Kohen, selbst wenn es der Kohen Gadól (Hohepriester) ist, verunreinigen, und er ist verpflichtet, einen solchen Körper zu bestatten, alles dafür zu tun, dass dieser Mensch in gebührender Weise bestattet wird. Wenn aber andere in der Nähe sind, dann müssen sich andere darum kümmern.
In Vers 2 ist eine Einschränkung enthalten:
כִּי אִם־לִשְׁאֵרוֹ הַקָּרֹב אֵלָיו לְאִמּוֹ וּלְאָבִיו וְלִבְנוֹ וּלְבִתּוֹ וּלְאָחִיו׃
ki im-lisch'eró hakkarów eláw le'immó ul'awíw weliwnó ulwittó ul'achíw
2 Es sei denn nur für den, der ihm dem Fleisch nach näher ist: für seine Mutter und seinen Vater und seinen Sohn und seine Tochter und seinen Bruder,
Das sind die Kategorien von Verwandten, um deren Beerdigung sich der Kohen kümmern darf. Wir sprechen vom einfachen Kohen, nicht vom Hohepriester.
וְלַאֲחֹתוֹ הַבְּתוּלָה הַקְּרוֹבָה אֵלָיו אֲשֶׁר לֹא־הָיְתָה לְאִישׁ לָהּ יִטַּמָּא׃
wela'achotó habbetulá hakkerowá eláw aschér lo-hajetá le'ísch la jittammá
3 Und für seine unberührte Schwester, die ihm nahe ist, die nicht verheiratet war, ihretwegen wird er sich verunreinigen.
Ihm nahe – das heißt, sie ist seine Schwester sowohl vom Papa als auch von der Mama her, und sie war nicht verheiratet, ist nicht geschieden, keine Witwe, hat keinen Mann erkannt. Der Kohen hat nicht das Recht, sich um irgendjemandes Beerdigung zu kümmern außer um die Bestattung der oben aufgezählten nahen Verwandten. In diesem Fall gibt es eine Erleichterung für den gewöhnlichen Kohen, aber nicht für den Hohepriester.
לֹא יִטַּמָּא בַּעַל בְּעַמָּיו לְהֵחַלּוֹ׃
lo jittammá bá'al be'ammáw lehechalló
4 Und nicht wird sich der Vornehme in seinem Volk verunreinigen, um sich zu entehren.
Der Kohen wird mit Heiligkeit und Reinheit in Verbindung gebracht, und damit die Leute seine Verunreinigung nicht sehen und sein Bild in ihren Augen nicht entehrt wird, werden an den Kohen besondere Kriterien gestellt. Er muss die Würde in der Heiligkeit bewahren, und er darf sich nicht an Toten verunreinigen.
לֹא־יִקְרְחָה (יִקְרְחוּ) קָרְחָה בְּרֹאשָׁם וּפְאַת זְקָנָם לֹא יְגַלֵּחוּ וּבִבְשָׂרָם לֹא יִשְׂרְטוּ שָׂרָטֶת׃
lo-jikrechú korchá beroschám uf'át sekanám lo jegallechú uwiwsarám lo jisretú sarátet
5 Sie werden keine Glatze auf ihrem Kopf machen, und den Rand ihres Bartes werden sie nicht scheren, und sie werden keine Ritzungen in ihren Körper ritzen.
Das heißt, sie werden den Kopf nicht kahl scheren, sie werden nicht die Bräuche der Priester der umliegenden Völker nachahmen: alle Kohanim in der Umgebung (das war so üblich) waren kahl.
Wir haben über den Rand des Bartes in Vers 27 von Kapitel 19 gelesen. Dort wurde das Verb verwendet, lehaschchít (verderben): ló taschchít (du sollst nicht verderben) den Rand des Bartes; hier heißt es lo jegallechú – sie werden nicht scheren, sie werden sich keinen schönen Bart machen.
Außerdem ist es verboten, Narben, irgendwelche Aufschriften auf dem eigenen Körper zu machen, irgendwelche Einschnitte, Markierungen und so weiter. Es gibt bei Menschen auch so eine Krankheit, wenn sie sich selbst kratzen, um irgendeinen Schmerz zu kompensieren. Und trotz der ganzen Vielfalt der Gründe ist das den Kohanim verboten. Verboten auch deshalb, weil das Einstechen irgendwelcher Namen mit der Weihe seiner selbst an jemanden verbunden wurde, an irgendwelche Götter oder an irgendwelche Menschen, die Kohanim aber sind schon geweiht, dem Höchsten geweiht.
קְדֹשִׁים יִהְיוּ לֵאלֹהֵיהֶם וְלֹא יְחַלְּלוּ שֵׁם אֱלֹהֵיהֶם כִּי אֶת־אִשֵּׁי
יְהוָה לֶחֶם אֱלֹהֵיהֶם הֵם מַקְרִיבִם וְהָיוּ קֹדֶשׁ׃
kedoschím jihju lelohehém weló jechallelú schem elohehém ki et-isché adonáj léchem elohehém hem makriwím wehaju kódesch
6 Sie werden heilig sein für ihren Gott und werden den Namen ihres Gottes nicht entehren, denn die Feueropfer des HERRN, das Brot Gottes bringen sie dar, und mögen sie heilig sein.
Der Kohen bedient den Höchsten Selbst, bringt dem Höchsten Brot und Opfer dar, wie ein Diener, der in den königlichen Hof eintritt, an die königliche Tafel herantritt und deshalb makellos rein und edel sein muss. Genauso muss auch der Kohen rein sein, auf einer besonders hohen Stufe der Reinheit, er muss heilig sein.
אִשָּׁה זֹנָה וַחֲלָלָה לֹא יִקָּחוּ וְאִשָּׁה גְּרוּשָׁה מֵאִישָׁהּ לֹא יִקָּחוּ כִּי־קָדֹשׁ הוּא לֵאלֹהָיו׃
ischá soná wachalalá lo jikkáchu we'ischá geruschá me'ischá lo jikkáchu ki-kadósch hu leloháw
7 Eine unzüchtige oder befleckte Frau werden sie nicht nehmen, und eine Frau, die von ihrem Mann geschieden ist, werden sie nicht nehmen, denn er ist heilig für den HERRN.
Hier ist mit dem Ausdruck ischá chalalá eine Frau gemeint, die aus einer verbotenen Verbindung eines Kohen geboren wurde. Wenn aus dieser Verbindung Kinder (Mädchen) geboren werden, sind auch sie den Kohanim verboten, die Kohanim haben nicht das Recht, sie zur Frau zu nehmen. Denn der Kohen ist heilig, abgesondert für den HERRN, und die Stufe der Heiligkeit bei jener Frau, mit der er sich verbinden soll, ist höher als bei gewöhnlichen Menschen.
וְקִדַּשְׁתּוֹ כִּי־אֶת־לֶחֶם אֱלֹהֶיךָ הוּא מַקְרִיב קָדֹשׁ יִהְיֶה־לָּךְ כִּי קָדוֹשׁ אֲנִי יְהוָה מְקַדִּשְׁכֶם׃
wekiddaschtó ki-et-léchem elohécha hu makríw kádosch jihje-lách ki kadósch aní adonáj mekaddischchém
8 Du sollst ihn heiligen (du sollst ihn in Heiligkeit halten), denn das Brot deines Gottes bringt er dar, er soll dir heilig sein, denn heilig bin Ich, der HERR, der euch heiligt.
Nicht nur die Söhne Aharons selbst, sondern auch das Volk muss dafür sorgen, dass die Kohanim auf der gebührenden Stufe der Heiligkeit sind. Sie stehen, sie stehen für das Volk vor dem Höchsten, und da das Ziel des Höchsten ist, uns zu heiligen, da der Höchste uns heiligen will, müssen wir Sorge für die Heiligkeit der Kohanim tragen. Damit das Volk die Kohanim nicht irgendeiner Pingeligkeit, Überheblichkeit oder eines Snobismus beschuldigt, ist auch dem Volk durch Mosche ein Gebot gegeben: für die Heiligkeit der Kohanim zu sorgen. Unser allererstes Interesse ist, dass sie dem Höchsten wohlgefällig sind, dass sie vor dem Höchsten in gebührender und angemessener Weise erscheinen. Das ist es, was die Tora hier lehrt. Aber zusammen mit dieser Elitestellung liegt auf dem Kohen auch eine hohe Verantwortung.
וּבַת אִישׁ כֹּהֵן כִּי תֵחֵל לִזְנוֹת אֶת־אָבִיהָ הִיא מְחַלֶּלֶת בָּאֵשׁ תִּשָּׂרֵף׃
uwát isch kohén ki techél lisnót et-awíha hi mechallélet ba'ésch tissaréf
9 Und die Tochter eines Kohen, wenn sie beginnt, Unzucht zu treiben, sie befleckt ihren Vater, im Feuer wird sie verbrannt werden.
Gemeint ist die verlobte Tochter eines Kohen, die, während sie sich im Haus des Vaters befand, in Erwartung der Eheschließung in Unzucht verfiel. Da sie nicht einfach ein Mädchen ist, sondern die Tochter eines Kohen, werden die Leute mit der Zunge schnalzen und sagen: „Was ist das für eine Erziehung bei den Kohanim? Ach, diese Kinder gläubiger Eltern, mit denen hat man immer so einen Ärger!“ Der Kohen wird auf diese Weise befleckt, der Ruf des Kohen wird befleckt. Dafür wird gegen sie eine so strenge Strafe verhängt wie die Verbrennung. Eine gute Ermahnung für die Brüder und alle Gläubigen, die verkünden, dass sie Kohanim sind: daran zu denken, welche Verantwortung wir uns selbst und unseren Kindern auferlegen, wenn wir unsere Töchter erziehen, großziehen.
וְהַכֹּהֵן הַגָּדוֹל מֵאֶחָיו אֲשֶׁר־יוּצַק עַל־רֹאשׁוֹ שֶׁמֶן הַמִּשְׁחָה וּמִלֵּא אֶת־יָדוֹ לִלְבֹּשׁ אֶת־הַבְּגָדִים אֶת־רֹאשׁוֹ לֹא יִפְרָע וּבְגָדָיו לֹא יִפְרֹם׃
wehakkohén haggadól me'echáw ascher-juzák al-roschó schémen hammischchá umillé et-jadó lilbósch et-habbegadím et-roschó lo jifrá uwgadáw lo jifróm
10 Der Kohen Gadól aber, aus seinen Brüdern, auf dessen Kopf das Salbungsöl gegossen wird (der gesalbte Kohen) und dem man die Handflächen gefüllt hat, damit er würdig sei, die Kleider der Kohanim anzulegen, wird das Haar seines Kopfes nicht lösen und wird seine Kleider nicht zerreißen.
Nur der Hohepriester wird, wenn er sein Amt, seinen Dienst antritt, gesalbt. Die einfachen Kohanim brauchen keine Salbung. Die Kleider zu zerreißen und das Haar auf dem Kopf zu zerzausen – das ist es, was zum Zeichen der Trauer getan wird.
וְעַל כָּל־נַפְשֹׁת מֵת לֹא יָבֹא לְאָבִיו וּלְאִמּוֹ לֹא יִטַּמָּא׃
we'ál kol-nafschót met lo jawó le'awíw ul'immó lo jittammá
11 Und an keiner toten Seele hat er (der Kohen Gadól) das Recht, sich mit Bestattungen zu befassen; seiner Mutter und seinem Vater wird er nicht die Ehre der Bestattung erweisen, damit er sich nicht verunreinigt.
Eine solche Stufe der Heiligkeit hat er, dass seine Bindung an Gott höher ist als die Bindung an Vater und Mutter.
וּמִן־הַמִּקְדָּשׁ לֹא יֵצֵא וְלֹא יְחַלֵּל אֵת מִקְדַּשׁ אֱלֹהָיו כִּי נֵזֶר שֶׁמֶן מִשְׁחַת אֱלֹהָיו עָלָיו אֲנִי יְהוָה׃
umin-hammikdásch lo jezé weló jechallél et mikdásch eloháw ki néser schémen mischchát eloháw aláw aní adonáj
12 Und er wird nicht aus dem Heiligtum hinausgehen und wird damit das Heiligtum seines Gottes nicht verunreinigen, nicht entehren, denn die Krone des Salbungsöls ist auf ihm, Ich bin der HERR.
Er wird nicht aus dem Heiligtum hinausgehen – gemeint ist nicht, dass er überhaupt nicht von dort hinausgehen wird, sondern dass er nicht hinausgehen wird, um die Toten zu geleiten. Wenn ein Mensch entscheidet, dass Mutter und Vater ihm teurer sind, dann verunreinigt er damit das Heiligtum. Eine so strenge Anforderung stellt der Höchste an den Hohepriester.
וְהוּא אִשָּׁה בִבְתוּלֶיהָ יִקָּח׃
wehú ischá wiwtuléha jikkách
13 Er wird eine Frau nur in ihrer Jungfräulichkeit nehmen.
אַלְמָנָה וּגְרוּשָׁה וַחֲלָלָה זֹנָה אֶת־אֵלֶּה לֹא יִקָּח כִּי אִם־בְּתוּלָה מֵעַמָּיו יִקַּח אִשָּׁה׃
almaná ugruschá wachalalá soná et-élle lo jikkách ki im-betulá me'ammáw jikkách ischá
14 Eine Witwe und eine Geschiedene und eine Befleckte, eine Hure – diese wird er nicht nehmen, sondern eine Jungfrau aus seinem Volk wird er zur Frau nehmen.
Das heißt, das bedeutet, dass er auch eine Proselytin nicht nehmen darf.
וְלֹא־יְחַלֵּל זַרְעוֹ בְּעַמָּיו כִּי אֲנִי יְהוָה מְקַדְּשׁוֹ׃
welo-jechallél sar'ó be'ammáw ki aní adonáj mekaddeschó
15 Und er wird seinen Samen in seinem Volk nicht beflecken, denn Ich bin der HERR, der ihn heiligt.“
Der HERR hat ein Ziel, eine Aufgabe, einen Plan der Heiligung der Kohanim und dadurch die Heiligung des Volkes. Und wenn der HERR heiligen will, dann darf der Kohen nicht etwas Entgegengesetztes tun.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
16 Und Gott redete zu Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־אַהֲרֹן לֵאמֹר אִישׁ מִזַּרְעֲךָ לְדֹרֹתָם אֲשֶׁר יִהְיֶה בוֹ מוּם לֹא יִקְרַב לְהַקְרִיב לֶחֶם אֱלֹהָיו׃
dabbér el-aharón lemór isch missar'achá ledorotám aschér jihjé wo mum lo jikráw lehakríw léchem eloháw
17 „Sage zu Aharon und sprich: Aus deinem Samen in den Generationen wird ein Mensch, an dem irgendein körperlicher Mangel sein wird, nicht herantreten, um das Brot seines Gottes darzubringen.
Das ist eine Weisung an Mosche. Wir erinnern uns aus dem Buch Daniel, dass der irdische König junge Männer ohne Makel sammeln wollte, damit sie im königlichen Palast dienten. Alle Könige der Welt strebten danach, dass um sie herum schöne, würdige, edel aussehende Diener waren. Eine Ausnahme bildete höchstens der Narr, aber man kann sagen, dass das so eine besondere Kuriosität und auch eine Art Schönheit ist. Und genauso fordert auch der König der Könige, der HERR, dass diejenigen, die Ihm am Altar dienen, nicht nur innen rein, edel und gerecht sind, sondern auch außen makellos.
כִּי כָל־אִישׁ אֲשֶׁר־בּוֹ מוּם לֹא יִקְרָב אִישׁ עִוֵּר אוֹ פִסֵּחַ אוֹ חָרֻם אוֹ שָׂרוּעַ׃
ki chol-isch ascher-bó mum lo jikráw isch iwwér o fisséach o charúm o sarúa
18 Jeder Mensch mit einem Mangel wird keine Opfer darbringen: ein Blinder oder ein Lahmer oder ein charúm oder einer, bei dem eines der Organe in der Größe vergrößert ist,
Über das Wort charúm gibt es einen Streit. Manche sagen, dass das ein Mensch mit eingefallener Nase ist. Aber die wahrscheinlichere Übersetzung ist: mit einem abgeschnittenen oder mit einem fehlenden Organ.
אוֹ אִישׁ אֲשֶׁר־יִהְיֶה בוֹ שֶׁבֶר רָגֶל אוֹ שֶׁבֶר יָד׃
o isch ascher-jihjé wo schéwer rágel o schéwer jad
19 Oder ein Mensch, der einen falsch zusammengewachsenen Bruch des Fußes oder der Hand hat,
אוֹ־גִבֵּן אוֹ־דַק אוֹ תְּבַלֻּל בְּעֵינוֹ אוֹ גָרָב אוֹ יַלֶּפֶת אוֹ מְרוֹחַ אָשֶׁךְ׃
o-gibbén o-dák o tewallúl be'enó o garáw o jalléfet o meróach áschech
20 Oder ein Mensch mit zusammengewachsenen Augenbrauen oder ein Kleinwüchsiger oder mit irgendeiner Trübung in den Augen oder der, der Schäden an der Haut hat: trockene (wie Schuppen oder Ekzem) oder mit Schleim, oder ein Mensch, bei dem nur ein Testikel in den Hodensack hinabgestiegen ist, der zweite aber verborgen ist.
Die Krankheit, die am Ende des Verses erwähnt wird, heißt verborgener Testikel – eine bekannte Männerkrankheit, wenn auch nicht sehr verbreitet.
כָּל־אִישׁ אֲשֶׁר־בּוֹ מוּם מִזֶּרַע אַהֲרֹן הַכֹּהֵן לֹא יִגַּשׁ לְהַקְרִיב אֶת־אִשֵּׁי יְהוָה מוּם בּוֹ אֵת לֶחֶם אֱלֹהָיו לֹא יִגַּשׁ לְהַקְרִיב׃
kol-ísch ascher-bó mum misséra aharón hakkohén lo jiggásch lehakríw et-isché adonáj mum bo et léchem eloháw lo jiggásch lehakríw
21. Jeder Mensch, an dem ein Makel ist, aus dem Samen Aharons, des Kohen, wird nicht herantreten, um dem Höchsten Feueropfer darzubringen, denn an ihm ist ein Mangel; das Brot des HERRN wird er nicht herantreten darzubringen.
לֶחֶם אֱלֹהָיו מִקָּדְשֵׁי הַקֳּדָשִׁים וּמִן־הַקֳּדָשִׁים יֹאכֵל׃
léchem eloháw mikkodsché hakkodaschím umin-hakkodaschím jochél
22 Das Brot des HERRN vom Allerheiligsten und vom Heiligen wird er essen;
Das heißt, es ist ihm nur im unmittelbaren Dienst vor dem Höchsten verboten, aber dabei ist er in den bürgerlichen Rechten (sagen wir so) des Kohen nicht eingeschränkt.
אַךְ אֶל־הַפָּרֹכֶת לֹא יָבֹא וְאֶל־הַמִּזְבֵּחַ לֹא יִגַּשׁ כִּי־מוּם בּוֹ וְלֹא יְחַלֵּל אֶת־מִקְדָּשַׁי כִּי אֲנִי יְהוָה מְקַדְּשָׁם׃
ach el-happaróchet lo jawó we'el-hammisbéach lo jiggásch ki-múm bo weló jechallél et-mikdascháj ki aní adonáj mekaddeschám
23 Aber zum Vorhang wird er nicht kommen, und zum Altar wird er nicht herantreten, denn an ihm ist ein Mangel; und er wird Mein Heiligtum nicht entehren, denn Ich bin der HERR, der sie heiligt.“
Wir sehen wieder eine Wiederholung. Der Höchste sagt: „Da Ich euch heilige, ist es nötig, dass ihr auch äußerlich makellos ausseht, genauso wie innerlich.“ Oft stellen wir Anforderungen an Menschen und sagen: „Es wäre gut, wenn der Mensch innen so wäre wie außen.“ Hier sagt man den Kohanim: „Vielleicht seid ihr ja innen gut, aber im Gesicht schrecklich (wie die Figuren eines bekannten Liedes), so geht das nicht.“ Deshalb müssen die Kohanim, die Söhne Aharons, die am Altar dienen, von innen rein und von außen vollkommen sein. Wenn ein Kohen irgendeinen Mangel hat, kann er den Aussatz begutachten, er kann vom Heiligen essen, aber er kann das Geopferte nicht auf dem Altar darbringen.
וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן וְאֶל־בָּנָיו וְאֶל־כָּל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃
wajdabbér mosché el-aharón we'el-banáw we'el-kol-benéj jisraél
24 Und Mosche redete mit Aharon und mit seinen Söhnen und mit allen Söhnen Israels.
Mosche übermittelte das Wort des HERRN, wie der HERR es ihm geboten hatte.
Arbeitssicherheit
Wajikra 22,1–33
Mit Gottes Hilfe setzen wir zusammen das Studium des Wochenabschnitts Emor fort und werden Kapitel 22 lesen, in dem der Höchste Aharon und seinen Söhnen einige Regeln der Arbeitssicherheit im Umgang mit den heiligen Dingen gibt, die Grundlagen der Auswahl der Opfer und vieles andere. Beginnen wir mit Vers 1:
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
1 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־אַהֲרֹן וְאֶל־בָּנָיו וְיִנָּזְרוּ מִקָּדְשֵׁי בְנֵי־יִשְׂרָאֵל וְלֹא יְחַלְּלוּ אֶת־שֵׁם קָדְשִׁי אֲשֶׁר הֵם מַקְדִּשִׁים לִי אֲנִי יְהוָה׃
dabbér el-aharón we'el-banáw wejinnaserú mikkodsché wene-jisraél weló jechallelú et-schém kodschí aschér hem makdischím li aní adonáj
2 „Sprich zu Aharon und zu seinen Söhnen, dass sie sich von den heiligen Dingen der Söhne Israels fernhalten (mit ihnen vorsichtig umgehen), von dem, was sie Mir weihen, damit sie den Namen der Heiligkeit nicht entehren; Ich bin der HERR.
Es geht hier um Folgendes: Der Kohen nimmt an der Opferdarbringung teil und hat das Recht auf einen Teil des Opfers. Einen Teil des Fleisches jenes Tieres, das ein Israelit dem Höchsten geweiht hat, hat der Kohen das Recht zu essen und muss es sogar essen. Und auf diese Weise setzt er sich mit dem Höchsten an einen Tisch, nicht mehr und nicht weniger, nimmt an einem Festmahl mit dem Höchsten teil. Selbstverständlich erfordert das Reinheit, der Kohen darf von diesem Opfer nur in Reinheit essen. Darauf kann man die Aufmerksamkeit jener Menschen lenken, die aufgrund der Pflicht ihres Dienstes, aufgrund der Ordnung ihres Dienstes in unserer Zeit von den Spenden der Menschen leben, sich von dem ernähren, was die Menschen bringen, gleichsam vom Altar essen. Achtet darauf: Der Höchste fordert rituelle Reinheit, um von diesem Altar zu essen. Auch wenn wir etwas andere Kriterien der Reinheit haben, braucht es in jedem Fall besondere Anforderungen an sich selbst, wenn du Speise berührst, deren Herkunft eine Opfergabe des Volkes an den Höchsten ist und zu der du zugelassen bist, weil du jedes Mal, wenn du isst, am Tisch des Höchsten sitzt.
אֱמֹר אֲלֵהֶם לְדֹרֹתֵיכֶם כָּל־אִישׁ אֲשֶׁר־יִקְרַב מִכָּל־זַרְעֲכֶם אֶל־הַקֳּדָשִׁים אֲשֶׁר יַקְדִּישׁוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל לַיהוָה וְטֻמְאָתוֹ עָלָיו וְנִכְרְתָה הַנֶּפֶשׁ הַהִוא מִלְּפָנַי אֲנִי יְהוָה׃
emór alehém ledorotechém kol-ísch ascher-jikráw mikkol-sar'achém el-hakkodaschímDie russische Umschrift hat hier „hakadaschím“; der hebräische Text lautet „hakkodaschím“ (die heiligen Dinge). Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. aschér jakdíschu wene-jisraél ladonáj wetum'ató aláw wenichretá hannéfesch hahí millefanáj aní adonáj
3 Sage ihnen: In euren Generationen, jeder Mensch, der sich aus eurem Samen den heiligen Dingen nähert, die die Söhne Israels dem HERRN geweiht haben, und seine Unreinheit ist auf ihm, diese Seele wird von Mir abgeschnitten werden (wird vor meinem Angesicht verschwinden); Ich bin der HERR.
Was kann schrecklicher sein als eine solche Strafe? Der HERR wird ihn von Seinem Angesicht vertreiben. Wohin kann man sich vor dem Angesicht Gottes verbergen? Denkt selbst nach. Eine sehr schreckliche Strafe meint der Höchste für den Kohen, der in Unreinheit Opferfleisch isst.
אִישׁ אִישׁ מִזֶּרַע אַהֲרֹן וְהוּא צָרוּעַ אוֹ זָב בַּקֳּדָשִׁים לֹא יֹאכַל עַד אֲשֶׁר יִטְהָר וְהַנֹּגֵעַ בְּכָל־טְמֵא־נֶפֶשׁ אוֹ אִישׁ אֲשֶׁר־תֵּצֵא מִמֶּנּוּ שִׁכְבַת־זָרַע׃
isch isch misséra aharón wehú zarúa o saw bakkodaschím lo jochál ad aschér jithár wehannogéa bechol-teme-néfesch o isch ascher-tezé mimménu schichwat-sára
4 Jeder Mensch vom Samen Aharons, und er ist von Aussatz befallen oder von einem Ausfluss, wird die heiligen Dinge nicht essen, bis er rein wird, und wer irgendetwas Unreines berührt, oder ein Mensch, bei dem ein Samenerguss war,
אוֹ־אִישׁ אֲשֶׁר יִגַּע בְּכָל־שֶׁרֶץ אֲשֶׁר יִטְמָא־לוֹ אוֹ בְאָדָם אֲשֶׁר יִטְמָא־לוֹ לְכֹל טֻמְאָתוֹ׃
o-isch aschér jiggá bechol-schérez aschér jitma-ló o we'adám aschér jitma-ló lechól tum'ató
5 Oder ein Mensch, der irgendein Insekt berührt hat, das ihn verunreinigen wird, oder einen Menschen, der ihn durch irgendeine der Arten von Unreinheit verunreinigen wird,
נֶפֶשׁ אֲשֶׁר תִּגַּע־בּוֹ וְטָמְאָה עַד־הָעָרֶב וְלֹא יֹאכַל מִן־הַקֳּדָשִׁים כִּי אִם־רָחַץ בְּשָׂרוֹ בַּמָּיִם׃
néfesch aschér tigga-bó wetame'á ad-ha'árew weló jochál min-hakkodaschím ki im-racház besaró bammájim
6 Die Seele, die ihn berühren wird, wird unrein sein bis zum Abend und wird nicht vom Heiligen essen, außer wenn sie ihr Fleisch in Wasser wäscht.
וּבָא הַשֶּׁמֶשׁ וְטָהֵר וְאַחַר יֹאכַל מִן־הַקֳּדָשִׁים כִּי לַחְמוֹ הוּא׃
uwá haschémesch wetahér we'achár jochál min-hakkodaschím ki lachmó hu
7 Und die Sonne wird kommen (die Sonne wird zum Untergang kommen), und er wird rein werden, und danach darf er vom Heiligen essen, denn das ist das ihm zustehende Brot.
Das heißt, jeder Kohen, der sich verunreinigt hat, muss im Laufe des Tages sein Fleisch mit Wasser waschen, die Reinigung geschieht bei jeder Waschung. Dabei wird der Kohen nicht sofort nach der Waschung rein, sondern wenn die Sonne untergeht. Und mit dem Sonnenuntergang kann er vom Heiligen essen, denn das ist seins, das des Kohen, und er kehrt in seinen normalen Status zurück. Stellt euch nur vor, welche Vorsicht im alltäglichen Leben vom Kohen verlangt wird, welche Aufmerksamkeit für alles, was du berührst. Wie oft würden wir unrein werden in den Situationen, in denen sich der Kohen befindet, und welche ehrfürchtige Haltung in jeder Sekunde des Lebens vom Kohen verlangt wird, damit er das Recht hat, vom Altar zu essen.
נְבֵלָה וּטְרֵפָה לֹא יֹאכַל לְטָמְאָה־בָהּ אֲנִי יְהוָה׃
newelá utrefá lo jochál letom'a-wá aní adonáj
8 Iss kein Aas und nichts Zerrissenes, um dich damit zu verunreinigen; Ich bin der HERR.
Warum und wie ist dieser Vers hierher geraten? Es ist doch nicht nur den Kohanim, ganz Israel ist es verboten, Aas und Zerrissenes zu essen. Aber mit den Kohanim ist es eine besondere Situation. Denn, wie wir gesagt haben, sitzen sie am Tisch des Königs, sie sind das Hofgefolge des Königs der Könige, das ist nicht einfach so. Und wie wird das vonseiten des Volkes aussehen, wenn die königlichen Leute, wenn die, die am Tisch des Königs sind, anfangen, im Müll nach Essen zu wühlen. Genauso, wenn ein Kohen, der zum Tisch des HERRN zugelassen ist, der vom Altar isst, anfängt, Aas oder Zerrissenes zu essen. Und das wird den Namen des HERRN schmähen, deshalb gibt es für sie auch ein eigenes Verbot.
וְשָׁמְרוּ אֶת־מִשְׁמַרְתִּי וְלֹא־יִשְׂאוּ עָלָיו חֵטְא וּמֵתוּ בוֹ כִּי יְחַלְּלֻהוּ אֲנִי יְהוָה מְקַדְּשָׁם׃
weschamerú et-mischmartí welo-jis'ú aláw chet umétu wo ki jechallelúhu aní adonáj mekaddeschám
9 Und sie bewahren Meine Dienste (Gesetze), und sie werden dafür keine Sünde tragen, um dafür zu sterben, weil ihr es entehrt habt; Ich bin der HERR, der sie heiligt.
Das Wort schamerú (bewahren, bewachen) und das Wort mischmartí (Wache, Bewachung, Dienste) stammen von derselben Wurzel, schin-mem-resch, wie das Verb lischmór (behüten, bewachen, bewahren): bewacht Meine Wache, wenn man wörtlich übersetzt. Das heißt: „Bewahrt das, was Ich euch zur Aufbewahrung gegeben habe, bewahrt das, was Ich euch anvertraut habe zu bewahren. Wenn ihr Meinen Dienst bewahrt, dann werdet ihr keine Sünde dafür tragen, dass ihr ihn entehrt habt, und werdet nicht sterben.“
Der Höchste heiligt die Kohanim mit einer besonderen Heiligkeit, Er hat sie Sich zu Mitarbeitern berufen, damit sie der Heiligung des Volkes dienen. Deshalb, wenn sie in die entgegengesetzte Richtung handeln, tragen sie, Gott bewahre, Sünde und können sterben.
וְכָל־זָר לֹא־יֹאכַל קֹדֶשׁ תּוֹשַׁב כֹּהֵן וְשָׂכִיר לֹא־יֹאכַל קֹדֶשׁ׃
wechol-sár lo-jochal kódesch toscháw kohén wesachír lo-jochal kódesch
10 Kein Fremder wird Heiliges essen: wer gekommen ist, um eine Weile beim Kohen zu wohnen, oder ein Lohnarbeiter wird nicht Heiliges essen.
Es war in jenen Zeiten üblich (so ist es oft auch heute), dass ein Mensch, der Arbeiter anstellt, außer dem Lohn für die Arbeit auch noch verspricht, sie zu verpflegen. Selbstverständlich war das auch unter den Kohanim üblich. Wenn ein Kohen jemanden bei sich wohnen ließ, egal aus welchen Gründen, wenn ein Kohen jemanden für die Arbeit im Haus anstellte, verpflegte er diese Leute auch. Aber verpflegen musste er sie aus irgendwelchen eigenen Vorräten, nicht vom Heiligen, auf keinen Fall.
וְכֹהֵן כִּי־יִקְנֶה נֶפֶשׁ קִנְיַן כַּסְפּוֹ הוּא יֹאכַל בּוֹ וִילִיד בֵּיתוֹ הֵם יֹאכְלוּ בְלַחְמוֹ׃
wechohén ki-jikné néfesch kin'ján kaspó hu jochal bo wilíd betó hem jochelú welachmó
11 Doch wenn ein Mensch irgendeine Seele für sein Geld kauft, wird er (der Sklave) vom Heiligen essen; und die im Haus des Kohen Geborenen werden ebenfalls vom Altar essen.
Das heißt, wenn ein Kohen sich einen Sklaven kauft und wenn jemand von den Sklaven, die beim Kohen sind, Kinder bekommt, dann dürfen auch diese Kinder, die Kinder der Sklaven, vom Heiligen essen. Ja, wieder einmal muss man daran erinnern, dass die Tora in Zeiten gegeben wurde, als die Sklaverei ein Teil des Lebens war, und die Tora spricht über Gesetze, darunter auch über solche, die mit der Sklaverei verbunden sind.
וּבַת־כֹּהֵן כִּי תִהְיֶה לְאִישׁ זָר הִוא בִּתְרוּמַת הַקֳּדָשִׁים לֹא תֹאכֵל׃
uwat-kohén ki tihjé le'ísch sar hi bitrumát hakkodaschím lo tochél
12 Und die Tochter eines Kohen, wenn sie einen anderen heiratet (das heißt jemanden, der nicht von den Nachkommen eines Kohen ist, das kann durchaus sein), sie wird von der Spende des Heiligen nicht essen.
וּבַת־כֹּהֵן כִּי תִהְיֶה אַלְמָנָה וּגְרוּשָׁה וְזֶרַע אֵין לָהּ וְשָׁבָה אֶל־בֵּית אָבִיהָ כִּנְעוּרֶיהָ מִלֶּחֶם אָבִיהָ תֹּאכֵל וְכָל־זָר לֹא־יֹאכַל בּוֹ׃
uwat-kohén ki tihjé almaná ugruschá weséra ejn lah weschawaIn der russischen Umschrift fehlen die Wörter „ejn lah weschawa“ (und sie hat keine, und sie kehrt zurück), die im hebräischen Vers stehen. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen und ergänzt sie, ohne Betonungszeichen. el-bét awíha kin'uréha milléchem awíha tochél wechol-sár lo-jochal bo
13 Doch wenn die Tochter eines Kohen Witwe oder geschieden sein wird und sie keine Nachkommenschaft hat und sie in das Haus ihres Vaters zurückgekehrt ist wie in ihrer Jugend, wird sie vom Brot ihres Vaters (darunter auch vom Geopferten) essen, aber jeder Fremde wird nicht davon essen.
Was ist in Bezug auf die Tochter des Kohen gemeint? In jenen fernen Zeiten war es nicht üblich, dass eine Frau allein lebte. Deshalb kehrte eine Frau, wenn sie geschieden oder verwitwet war, in die Familie zurück. Das konnte das Haus des Vaters sein oder der älteren Brüder oder die Sippe. Wenn der Vater gestorben war und es keine Brüder gab, dann blieb sie in der Obhut der Sippe ihres Vaters, das heißt, sie kam wiederum in ein Kohen-Haus und konnte vom Heiligen essen, weil sie der Abstammung nach immerhin die Tochter eines Kohen ist.
וְאִישׁ כִּי־יֹאכַל קֹדֶשׁ בִּשְׁגָגָה וְיָסַף חֲמִשִׁיתוֹ עָלָיו וְנָתַן לַכֹּהֵן אֶת־הַקֹּדֶשׁ׃
we'ísch ki-jochál kódesch bischgagá wejassáf chamischitó aláw wenatán lakkohen et-hakkódesch
14 Und wenn jemand von den Menschen aus Versehen vom Heiligen isst, wird er ein Fünftel dazu hinzufügen und dem Kohen das Heilige zurückgeben.
Wenn ein Mensch schon etwas als Opfer geweiht hat und es irgendwie aus Versehen gegessen hat, muss er dazu ein Fünftel hinzufügen und es dem Kohen zurückgeben. Was bedeutet ein Fünftel? Manche sagen: Ein Fünftel, das sind 20 %. Na, klar, es wird in fünf Teile geteilt, es wird noch ein Teil hinzugefügt, es ergeben sich 120 % zusammen mit dem Fünftel.
Andere sagen: Nein, das ist nicht so, es wird in vier Teile geteilt, und zu den vier Teilen wird ein fünfter Teil hinzugefügt. Das heißt, es gibt vier Teile, jeder Teil 25 %, man fügt ein fünftes Viertel hinzu, also 125 %. Darüber gibt es einen Streit, aber in jedem Fall muss der Mensch ein Fünftel als Entschädigung zurückgeben. Wir haben das schon besprochen (in Kapitel 5), warum ein Fünftel hinzugefügt wird und in welchen Fällen.
וְלֹא יְחַלְּלוּ אֶת־קָדְשֵׁי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֵת אֲשֶׁר־יָרִימוּ לַיהוָה׃
weló jechallelú et-kodschéj benéj jisraél et ascher-jarímu ladonáj
15 Und Meine heiligen Dinge sollen nicht entehrt werden von den Söhnen Israels, die sie dem HERRN dargebracht haben.
וְהִשִּׂיאוּ אוֹתָם עֲוֹן אַשְׁמָה בְּאָכְלָם אֶת־קָדְשֵׁיהֶם כִּי אֲנִי יְהוָה מְקַדְּשָׁם׃
wehissíu otám awón aschmá be'ochlám et-kodschehem ki aní adonáj mekaddeschám
16 Und die Kohanim werden zusammen mit ihnen die Schuld tragen, wenn sie sie mit den heiligen Dingen speisen, denn Ich bin der HERR, der sie heiligt.“
Das heißt, wenn der Kohen doch beschlossen hat, jemanden zu speisen, dann wird die Strafe auf ihm liegen. Wieder einmal ist das eine wichtige Lehre für die heutigen Diener: wie richtig wir über das Geld des Altars verfügen, wie wir es ausgeben, wen wir speisen, wem wir das Essen verweigern. Damit wir nicht Sünde tragen, damit wir nicht den Heiligen Namen entehren, den zu tragen uns anvertraut ist, was noch wichtiger ist.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
17 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־אַהֲרֹן וְאֶל־בָּנָיו וְאֶל כָּל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם אִישׁ אִישׁ מִבֵּית יִשְׂרָאֵל וּמִן־הַגֵּר בְּיִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר יַקְרִיב קָרְבָּנוֹ לְכָל־נִדְרֵיהֶם וּלְכָל־נִדְבוֹתָם אֲשֶׁר־יַקְרִיבוּ לַיהוָה לְעֹלָה׃
dabbér el-aharón we'el-banáw we'él kol-benéj jisraél we'amartá alehém isch isch mibbét jisraél umin-haggér bejisraél aschér jakríw korbanó lechol-nidrehem ulchol-nidwotám ascher-jakríwu ladonáj le'olá
18 „Rede zu Aharon und zu seinen Söhnen und zu allen Söhnen Israels und sage ihnen: Jeder Mensch aus Israel und der Fremdling in Israel, der sein Opfer darbringt nach all seinen Gelübden und nach all seinen Schwüren, der dem HERRN ein Ganzopfer darbringt,
לִרְצֹנְכֶם תָּמִים זָכָר בַּבָּקָר בַּכְּשָׂבִים וּבָעִזִּים׃
lirzonechém tamím sachár babbakár bakkesawím uwa'issím
19 Bringt nach eurem Willen ein Reines (Makelloses) von männlichem Geschlecht dar, von den Stieren, von den Schafen und von den Ziegen (Böcken).
Das heißt, bringt dar, sagen wir es noch einmal, nach eigenem Willen, dann, wenn ihr darbringen wollt: nicht unter Zwang, nicht zusammen mit allen anderen, nicht wenn man euch sagt: „Du bist schon lange nicht mehr mit einem Ganzopfer vorbeigekommen, vielleicht klappt es deshalb auch in deinem Leben nicht.“ Nein, wenn du selbst Gott ein Opfer darbringen willst.
כֹּל אֲשֶׁר־בּוֹ מוּם לֹא תַקְרִיבוּ כִּי־לֹא לְרָצוֹן יִהְיֶה לָכֶם׃
kol ascher-bó mum lo takríwu ki-ló lerazón jihjé lachém
20 Jedes, an dem ein körperlicher Mangel ist, bringt nicht als Opfer dar, denn es wird nicht angenommen werden.
Wenn du willst, dann bringe von ganzer Seele dar und bringe ein Stück Vieh ohne irgendeinen körperlichen Mangel dar, dann wird es angenommen werden. Wenn du etwas Schlechteres darbringen willst, dann tust du das besser nicht, niemand zwingt dich. Entweder bringe Gutes dar, oder bringe gar nicht dar.
וְאִישׁ כִּי־יַקְרִיב זֶבַח־שְׁלָמִים לַיהוָה לְפַלֵּא־נֶדֶר אוֹ לִנְדָבָה בַּבָּקָר אוֹ בַצֹּאן תָּמִים יִהְיֶה לְרָצוֹן כָּל־מוּם לֹא יִהְיֶה־בּוֹ׃
we'ísch ki-jakríw sewach-schelamím ladonáj lefalle-néder o lindawá babbakár o wazzón tamím jihjé lerazón kol-múm lo jihje-bó
21 Ein Mensch, der dem HERRN ein Friedensopfer darbringt zur Erfüllung eines Gelübdes oder ein freiwilliges Opfer, von den Jungstieren oder vom Kleinvieh, rein wird es sein, nach dem eigenen Wunsch des Menschen, keinerlei Mangel wird an ihm sein (am Opfer).
עַוֶּרֶת אוֹ שָׁבוּר אוֹ־חָרוּץ אוֹ־יַבֶּלֶת אוֹ גָרָב אוֹ יַלֶּפֶת לֹא־תַקְרִיבוּ אֵלֶּה לַיהוָה וְאִשֶּׁה לֹא־תִתְּנוּ מֵהֶם עַל־הַמִּזְבֵּחַ לַיהוָה׃
awwéret o schawúr o-charúz o-jabbélet o garáw o jalléfet lo-takríwu élle ladonáj we'isché lo-tittenú mehém al-hammisbéach ladonáj
22 Ein Blindes oder mit einem Bruch oder mit einem Riss oder mit einer Schwiele oder mit trockener Flechte oder mit nasser Flechte – bringt diese nicht als Opfer dem HERRN dar, und macht aus ihnen kein Feueropfer auf den Altar für den HERRN.
Alles Vieh mit den aufgezählten Mängeln kann nicht dem HERRN auf den Altar dargebracht werden.
וְשׁוֹר וָשֶׂה שָׂרוּעַ וְקָלוּט נְדָבָה תַּעֲשֶׂה אֹתוֹ וּלְנֵדֶר לֹא יֵרָצֶה׃
weschór wassé sarúa wekalút nedawá ta'assé otó ulnéder lo jerazé
23 Einen Stier oder ein Schaf aber, deren Huf gerissen, aber verheilt ist, als freiwilliges Opfer – das ist seine Sache, aber für ein Gelübde wird es nicht angenommen werden.
Die wahrscheinlichste Bedeutung dessen, was hier gesagt ist: Wenn du einen Jungstier oder ein Lämmchen hast, dessen Huf gerissen und zusammengewachsen ist (kein sehr großer körperlicher Mangel), kannst du ihn dem Tempel schenken, aber nicht als Opfer, sondern als eine Art Brot, das im Haus Gottes sein wird. Damit wird man gerade auch den Lohnarbeiter und irgendwelche Außenstehenden speisen können. Du hast ihn für die technischen Ausgaben des Tempels gespendet, sagen wir es so. Aber für das Heilige, für das Opfer darf man ihn nicht darbringen.
Ich habe sehr viele Rabbiner, Lehrer gesehen, die die Ausgaben aus den Spenden aufteilen. Wenn sie irgendwelches Geld annehmen, das ihnen zweifelhaft erscheint, wenn ihnen scheint, dass der Mensch mit irgendeiner nicht einfachen Absicht gekommen ist, dann möchte man einerseits dieses Geld nehmen, andererseits scheut man sich, dieses Geld für etwas Heiliges zu verwenden. Und dann beschließen sie, davon Putzmittel für die Jeschiwa zu kaufen oder es für etwas Alltägliches zu verwenden. Das ist die Erfahrung des Judentums.
וּמָעוּךְ וְכָתוּת וְנָתוּק וְכָרוּת לֹא תַקְרִיבוּ לַיהוָה וּבְאַרְצְכֶם לֹא תַעֲשׂוּ׃
uma'úch wechatút wenatúk wecharút lo takríwu ladonáj uw'arzechém lo ta'assú
24 Und mit zerquetschten Hoden (Testikeln) oder mit zerschlagenen Testikeln oder mit losgebundenen oder mit abgeschnittenen Testikeln – bringt so etwas nicht als Opfer dem HERRN dar, und in eurem Land tut so etwas nicht.
Es gibt verschiedene Gründe, die mit dem Verhalten des Tieres oder mit dem Geschmack des Fleisches des Tieres verbunden sind, aus denen man das Tier unfruchtbar macht. Man durchtrennt ihm die Samenleiter, schneidet die Testikel ab oder schneidet sie irgendwie ein, zerschlägt sie (ich werde nicht auf die Einzelheiten dieser Prozedur eingehen), und die Tora verbietet eindeutig, das zu tun. Das bezieht sich auf jegliche Verstümmelungen des Tieres zur Veränderung seines Verhaltens oder zur Veränderung zum Beispiel des Fleischgeschmacks. Manche kastrieren Hähne, damit sie fetter werden, oder mästen Gänse auf besondere, nicht übliche Weise, damit ihre Leber vergrößert ist.
וּמִיַּד בֶּן־נֵכָר לֹא תַקְרִיבוּ אֶת־לֶחֶם אֱלֹהֵיכֶם מִכָּל־אֵלֶּה כִּי מָשְׁחָתָם בָּהֶם מוּם בָּם לֹא יֵרָצוּ לָכֶם׃
umijád ben-nechár lo takríwu et-léchem elohechém mikkol-élle ki moschchatám bahém mum bam lo jerazú lachém
25 Und aus den Händen eines heidnischen Fremden bringt von all diesen nicht als Opfer des Höchsten dar, denn sie sind beschädigt, sie haben Beschädigungen, sie sind unerwünscht.“
Wenn der Heide selbst dem HERRN ein Opfer darbringen will, dann gibt es keinerlei Verbot dagegen, dass er dieses Opfer darbringt. Aber wenn er von sich aus euch bittet, es darzubringen, dann nehmt nichts dergleichen an und bringt nichts von ihm als Opfer dar. Wie sehr der Heide den HERRN auch erfreuen wollte, er kann kein Tierchen darbringen, dem er die Fortpflanzungsorgane beschädigt oder dem er irgendeine andere Beschädigung zugefügt hat, selbst wenn bei den Heiden das Fleisch eines solchen Tieres als besonders zart und besonders hochwertig gilt.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
26 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
שׁוֹר אוֹ־כֶשֶׂב אוֹ־עֵז כִּי יִוָּלֵד וְהָיָה שִׁבְעַת יָמִים תַּחַת אִמּוֹ וּמִיּוֹם הַשְּׁמִינִי וָהָלְאָה יֵרָצֶה לְקָרְבַּן אִשֶּׁה לַיהוָה׃
schor o-chéssew o-és ki jiwwaléd wehajá schiw'át jamím táchat immó umijom hascheminí wahál'a jerazé lekorbán isché ladonáj
27 „Ein Stier oder ein Schaf oder eine Ziege, wenn es geboren wird, wird es sieben Tage unter seiner Mutter sein, und erst am achten Tag und später ist es tauglich als Opfer für den HERRN.
Das heißt, man darf der Mama nicht ihr Junges gleich in den ersten Tagen wegnehmen und es vor Freude dem Höchsten als Opfer darbringen. Die Mama muss mit dem Jungen zusammen sein, und das Junge muss mit der Mama zusammen sein, mindestens sieben Tage.
וְשׁוֹר אוֹ־שֶׂה אֹתוֹ וְאֶת־בְּנוֹ לֹא תִשְׁחֲטוּ בְּיוֹם אֶחָד׃
weschór o-sé otó we'et-benó lo tischchatú bejom echád
28 Einen Stier oder ein Schaf, ihn und den Sohn schlachtet nicht an einem Tag.
Hier ist natürlich eine Kuh oder ein Schaf gemeint. Veranstaltet keinen Genozid an Tieren: Es ist nicht gut, dass Mutter und Junges selbst bei Tieren an einem Tag sterben.
וְכִי־תִזְבְּחוּ זֶבַח־תּוֹדָה לַיהוָה לִרְצֹנְכֶם תִּזְבָּחוּ׃
wechi-tisbechú sewach-todá ladonáj lirzonechém tisbáchu
29 Wenn ihr dem HERRN ein Opfer darbringt, bringt es nach eurem Willen dar.
בַּיּוֹם הַהוּא יֵאָכֵל לֹא־תוֹתִירוּ מִמֶּנּוּ עַד־בֹּקֶר אֲנִי יְהוָה׃
bajom hahú je'achél lo-totíru mimménu ad-bóker aní adonáj
30 Und am selben Tag esst es, lasst nichts davon bis zum Morgen übrig; Ich bin der HERR (die Kohanim müssen es sofort essen).
וּשְׁמַרְתֶּם מִצְוֹתַי וַעֲשִׂיתֶם אֹתָם אֲנִי יְהוָה׃
uschmartém mizwotáj wa'assitém otám aní adonáj
31 Und bewahrt Meine Gebote und befolgt sie; Ich bin der HERR.
וְלֹא תְחַלְּלוּ אֶת־שֵׁם קָדְשִׁי וְנִקְדַּשְׁתִּי בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֲנִי יְהוָה מְקַדִּשְׁכֶם׃
weló techallelú et-schém kodschí wenikdaschtí betóch benéj jisraél aní adonáj mekaddischchém
32 Entehrt nicht den Namen Meiner Heiligkeit, und Ich werde geheiligt werden inmitten der Söhne Israels (unter den Söhnen Israels); Ich bin der HERR, der euch heiligt,
הַמּוֹצִיא אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לִהְיוֹת לָכֶם לֵאלֹהִים אֲנִי יְהוָה׃
hammozí etchém me'érez mizrájim lihjot lachém lelohím ani adonáj
33 Der euch aus dem Land Ägypten herausführt, um euch Gott zu sein; Ich bin der HERR.“
Der HERR sagt: „Der Auszug aus Ägypten ist nur der Anfang des Prozesses, der Auszug aus dem irdischen Ägypten ist der Anfang des Weges zur Heiligkeit. Entweiht Meinen Namen nicht, geht nicht gegen den Wind.“ Der Wind – der Heilige Geist – ist das, was uns in die Segel bläst und uns in Richtung Heiligkeit bewegt. Bewegt euch nicht gegen diesen Wind, denn die Aufgabe des Höchsten ist es, uns zu heiligen. Wenn wir uns von der Heiligkeit in die entgegengesetzte Richtung bewegen, bewegen wir uns gegen den Höchsten, und Er ist unser HERR.
Feste Jahr für Jahr
Wajikra 23,1–44
Mit Gottes Hilfe setzen wir das Studium des Wochenabschnitts Emor fort und werden heute Kapitel 23 lesen, in dem der Höchste Weisungen gibt, die mit den Festen verbunden sind, eine eigentümliche Panorama-Anleitung. Nur werden sie in der Tora nicht Feste genannt. Lasst uns ab Vers 1 zu lesen beginnen.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
1 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם מוֹעֲדֵי יְהוָה אֲשֶׁר־תִּקְרְאוּ אֹתָם מִקְרָאֵי קֹדֶשׁ אֵלֶּה הֵם מוֹעֲדָי׃
dabbér el-benéj jisraél we'amartá alehém mo'adéj adonáj ascher-tikre'ú otám mikra'éj kódesch élle hem mo'adáj
2 „Rede mit den Söhnen Israels und sage ihnen: Das sind die festgesetzten Zeiten (Feste) des HERRN, zu denen ihr euch zu heiliger Versammlung versammeln werdet. Das sind sie, Meine festgesetzten Zeiten:
Man muss auf das Wort mo'adéj achten, mit dem der Höchste Seine Feste benennt. Seine Wurzel, jud-ajin-dalet, ist mit dem Wort wá'ad (Begegnung, Beratung) verbunden und mit dem Wort edút (Zeugnis, Begegnung von Angesicht zu Angesicht). Das, was man in der russischen Sprache Feste zu nennen pflegt (vom Wort Müßiggang), bedeutet in der Tora festgesetzte Zeiten der Begegnung mit dem Höchsten, das ist der festgesetzte Ort und die festgesetzte Zeit der Begegnungen, wenn das ganze Volk in einem bestimmten Zustand vor dem Angesicht des Höchsten erscheinen muss. Also sagt der HERR: „Hier sind für euch Meine festgesetzten Zeiten, zu denen ihr euch zu heiliger Versammlung versammeln werdet, das heißt euch versammeln und Mir zu diesen festgesetzten Zeiten begegnen.“
שֵׁשֶׁת יָמִים תֵּעָשֶׂה מְלָאכָה וּבַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי שַׁבַּת שַׁבָּתוֹן מִקְרָא־
קֹדֶשׁ כָּל־מְלָאכָה לֹא תַעֲשׂוּ שַׁבָּת הִוא לַיהוָה בְּכֹל מוֹשְׁבֹתֵיכֶם׃
schéschet jamím te'assé melachá uwajom haschewi'í schabbát schabbatón mikra-kódesch kol-melachá lo ta'asú schabbát hi ladonáj bechól moschewotechém
3 Sechs Tage tue Arbeit, und am siebten Tag – Schabbát Schabbatón (Sabbat der Sabbate), heilige Versammlung, keinerlei Arbeit sollt ihr tun – das ist Schabbát dem HERRN in all euren Wohnstätten.
Darin liegt der Unterschied des Schabbáts zu den anderen Festen, an denen man das tun darf, was für die Seele notwendig ist, Speise zubereiten (und es gibt noch andere Erleichterungen), aber am Schabbát ist alles völlig anders. Das Wort Schabbát bedeutet in seinem einfachsten Verständnis Halt, Einstellung jeglicher Arbeit, aber es hat noch einen anderen Sinn. Das Verb laschéwet bedeutet sitzen, sich irgendwo niederlassen, sesshaft sein, und am Schabbát kommen wir zum Höchsten zu Besuch, darin liegt die Besonderheit des Schabbáts. Wir ziehen gleichsam in unsere ständige Wohnstätte um, dorthin, wo wir sesshaft sein werden. In dieser Welt sind wir gerím (Wanderer und Fremdlinge); dort, beim Höchsten, sind wir sesshafte Bewohner, und der Schabbát ist unser Umzug, ein Ausflug dorthin, wo uns, wie wir hoffen, der Daueraufenthalt (ständiger Wohnsitz) erwartet. Hier müssen wir sechs Tage diese Welt bauen, am siebten Tag werfen wir einen Blick in die kommende Welt. Sie ist nicht unbedingt geografisch weit von uns entfernt, sie ist im geistlichen Sinn weit von uns entfernt.
Es gibt noch einen Unterschied des Schabbáts zu den Festen: Der Schabbát tritt alle sieben Tage ein, unabhängig von uns, wir können nichts dagegen tun, ob wir es wollen oder nicht wollen, ob wir leben oder, Gott bewahre, nicht. Der Schabbát trat trotzdem ein, tritt ein und wird eintreten, einmal in sieben Tagen. Wir haben die Zählung des Schabbáts seit der Zeit bewahrt, die im Buch Bereschit aufgezeichnet ist. Sehr oft wird gefragt, ob wir uns nicht verzählt haben, da wir den Schabbát so lange halten? Vielleicht halten wir plötzlich, Gott bewahre, den Dienstag? Nein, wir haben uns nicht verzählt. Nirgends hat uns jemand dessen verdächtigt, niemand hat uns verdächtigt, dass wir irgendwo den Schabbát verloren hätten.
אֵלֶּה מוֹעֲדֵי יְהוָה מִקְרָאֵי קֹדֶשׁ אֲשֶׁר־תִּקְרְאוּ אֹתָם בְּמוֹעֲדָם׃
élle mo'adéj adonáj mikra'éj kódesch ascher-tikre'ú otám bemo'adám
4 Das sind die Feste (festgesetzten Zeiten) des HERRN, heilige Versammlungen, die ihr zu ihren festgesetzten Zeiten versammeln werdet:
Im Unterschied zum Schabbát hängt der Zeitpunkt, an dem die Feste eintreten, so seltsam es auch scheinen mag, tatsächlich von uns ab. Heute haben wir einen Kalender, wir schauen und sehen: Hier ist der 1. des Monats, hier der 14. des Monats, hier der 15. des Monats. Ursprünglich, zur Zeit der Tora, gab es keinen Kalender, und der Anfang der Monate wurde dadurch bestimmt, dass Zeugen zum Gericht kamen und sagten: „Wir haben den neugeborenen Mond gesehen.“ Man befragte sie im Einzelnen: Vielleicht wollen sie einfach für sich eine Sternstunde, und sie haben gar keinen Mond gesehen? Und wenn man sich überzeugt hatte, dass sie den Mond gesehen hatten und dass ihre Aussagen stimmig waren, dann verkündete das Gericht, wie es sich gehört, auf das Zeugnis von zwei, drei Menschen hin den Anfang des neuen Monats, und von diesem Moment an zählte man alle Feste. So ist der jüdische Kalender also auf Zeugnisse gegründet, und das Wort mo'éd (Fest) schließt das Wort Zeuge in sich ein, das ist sehr wichtig. Oft fragt man mich: „Alex, wie begeht ihr rosch chódesch (Neumond), wo doch im Kalender steht, dass die Frist des Mondes soundso ist und so weiter?“ Wir begehen den Neumond nicht an dem Tag, an dem der Mond entstanden ist, sondern wenn man ihn gesehen hat, zum Gericht gekommen ist und davon berichtet hat, dann wurde der Neumond begangen. Wir können die Geburt des Mondes nicht vorhersagen, und uns wurde nicht geboten, uns mit Astronomie zu befassen. Deshalb ist die Bestimmung der Monate mit uns verbunden, sie hängt vom Volk ab, von den Beobachtungen des Volkes, die Bestimmung des Schabbáts aber ist in keiner Weise mit uns verbunden, darin liegt der Unterschied. Streng genommen kann der Schabbát nicht mo'éd genannt werden, deshalb hat auch die Tora ihn aus der Liste herausgenommen. Zuerst heißt es in Vers 2: „Das sind sie, die festgesetzten Zeiten (Feste)“, dann kommt Vers 3 bezüglich des Schabbáts, und dann, in Vers 4, heißt es wieder: „Das sind sie, die festgesetzten Zeiten.“ Am Schabbát gelten strengere Verbote als an den Festen in Bezug auf das Verrichten von Arbeit, deshalb wird über den Schabbát in einem eigenen Vers gesprochen.
Also, das sind sie, die festgesetzten Zeiten des HERRN, oder (sagen wir es in russischer SpracheDer Autor sagt wörtlich „sagen wir es in russischer Sprache“, eine Redewendung, die auch „einfach gesagt“ bedeutet. Gemeint ist das gewöhnliche Wort „Fest“ im Gegensatz zum hebräischen Begriff; die Stelle ist wörtlich übersetzt.) die Feste des HERRN.
בַּחֹדֶשׁ הָרִאשׁוֹן בְּאַרְבָּעָה עָשָׂר לַחֹדֶשׁ בֵּין הָעַרְבָּיִם פֶּסַח לַיהוָה׃
bachódesch harischón be'arba'á assár lachódesch ben ha'arbájim péssach ladonáj
5 Im ersten Monat, am vierzehnten Tag des Monats, in der Abenddämmerung – Pessach dem HERRN.
Das heißt, das Pessachopfer muss man darbringen, wenn der Tag sich dem Abend zuneigt, und das ist schon nicht mehr der Vierzehnte, aber noch nicht der Fünfzehnte, man kann es so sagen: wenn das Mittagessen schon längst vorbei ist und das Abendessen gleich beginnt.
וּבַחֲמִשָּׁה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ הַזֶּה חַג הַמַּצּוֹת לַיהוָה שִׁבְעַת יָמִים מַצּוֹת תֹּאכֵלוּ׃
uwachamischá assár jom lachódesch hassé chag hammazzót ladonáj schiw'át jamím mazzót tochélu
6 Und am fünfzehnten Tag dieses Monats (einige Stunden nach dem Hervortreten der Sterne) das Fest der ungesäuerten Brote dem HERRN, und sieben Tage werdet ihr ungesäuerte Brote essen.
בַּיּוֹם הָרִאשׁוֹן מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃
bajom harischón mikra-kódesch jihjé lachém kol-meléchet awodá lo ta'asú
7 Am ersten Tag (von diesen sieben) wird euch heilige Versammlung sein; keinerlei Arbeit (schwere, Arbeit der Mühe) sollt ihr tun.
Das heißt, der Tag der heiligen Versammlung wird der Fünfzehnte sein. Ich wiederhole, dass nach dem Gesetz (wir werden das an anderer Stelle sehen, später) alles, was mit der Zubereitung von Speise verbunden ist, oder vieles von dem, was mit der Zubereitung von Speise verbunden ist, an den Festen zu tun erlaubt ist. Wir befassen uns hier nicht mit Halacha (jüdischem Recht), wir versuchen, den Pschát (einfachen Sinn) der Tora zu lesen.
Also, am ersten Tag von diesen sieben – ein Fest, auf Hebräisch jom tow (guter Tag), an dem man sich einer bestimmten Art von Arbeiten enthalten soll, eine heilige Versammlung abhalten, das heißt sich zu irgendeinem gemeinsamen Dienst versammeln. Der Dienst wird vom ganzen Volk vollzogen. Wieder, ich höre oft von Leuten: „Bei mir sind alle sieben Tage Schabbát, und bei mir ist an jedem beliebigen Tag Pessach und Jom Kippur und Sukkot und der Tag der Pariser Kommune – alles zusammen, so hat es mir der Geist offenbart.“ Der HERR will, dass wir in der Zeit leben. Bei uns ist nicht jeden Tag Frühling, bei uns ist nicht jeden Tag Herbst oder Winter, und genauso ist bei uns nicht immer Nacht, nicht immer Tag, wir leben nach irgendeinem Zeitplan: Der HERR hat für unsere Seelen, für unsere geistliche Entwicklung einen bestimmten Jahreszyklus festgesetzt, er ist sowohl mit der Landwirtschaft verbunden als auch mit dem, was in unseren Seelen geschieht. Und der HERR hat den ersten Tag von den sieben Tagen Pessach als Zeit der Versammlung festgesetzt, wenn das ganze Volk sich versammeln muss – nicht jeder, wer wann will, sondern das ganze Volk, als Teil eines einzigen Ganzen den Dienst vollziehen. Und wir alle sind auch Glieder des Leibes des Maschiach, wir sind im Leib des Maschiach, und können nicht sagen: „Und ich, die Niere, – bin für mich allein eine Niere, und ich, die Bauchspeicheldrüse, auch für mich allein.“ Wir müssen abgestimmt handeln, wie ein einziger Organismus. Deshalb ist es wichtig, dass uns irgendwelche Feste, irgendwelche Daten bestimmt sind, damit wir gemeinsam handeln, als ein einziges Volk. Die Einheit ist das, worum Jeschua vielfach gebetet hat.
וְהִקְרַבְתֶּם אִשֶּׁה לַיהוָה שִׁבְעַת יָמִים בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי מִקְרָא־קֹדֶשׁ כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃
wehikrawtém isché ladonáj schiw'át jamím bajom haschewi'í mikra-kódesch kol-meléchet awodá lo ta'asú
8 Und ihr werdet dem Höchsten Feueropfer darbringen sieben Tage, und am siebten Tag wieder ein Tag heiliger Versammlung, und wieder sollt ihr keinerlei Arbeit tun.“
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
9 Und Gott redete, an Mosche gewandt, und sprach:
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם כִּי־תָבֹאוּ אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אֲנִי נֹתֵן לָכֶם וּקְצַרְתֶּם אֶת־קְצִירָהּ וַהֲבֵאתֶם אֶת־עֹמֶר רֵאשִׁית קְצִירְכֶם אֶל־הַכֹּהֵן׃
dabbér el-benéj jisraél we'amartá alehém ki-tawó'u el-ha'árez aschér aní notén lachém ukzartém et-kezirá wahawetém et-ómer reschít kezirechém el-hakkohén
10 „Rede zu den Söhnen Israels und sage ihnen so: Wenn ihr in das Land kommt, das Ich euch gebe, und die Ernte geschnitten habt, und den ersten geschnittenen Ómer (Garbe) zum Kohen bringen werdet.
וְהֵנִיף אֶת־הָעֹמֶר לִפְנֵי יְהוָה לִרְצֹנְכֶם מִמָּחֳרַת הַשַּׁבָּת יְנִיפֶנּוּ הַכֹּהֵן׃
weheníf et-ha'ómer lifné adonáj lirzonechém mimmachorát haschabbát jenifénnu hakkohén
11 Und er wird den Ómer vor dem HERRN erheben nach eurem Wunsch (das heißt, bringt dies von Herzen dar), am Tag nach dem Schabbát wird ihn der Kohen erheben.
Hier ist eine abweichende Lesart möglich, wegen der seinerzeit im Judentum ein Streit zwischen der Sekte der Sadduzäer und der Sekte der Pharisäer entstand. Die Sadduzäer meinten, dass der Schabbát der Schabbát im wörtlichen Sinn ist, der auf einen der sieben Tage des Festes fällt, und von ihm aus muss man zählen. Die Pharisäer ihrerseits meinten, dass gerade der erste Tag des Festes selbst Schabbát genannt wird, und deshalb beginnt gleich am Abend, nach dem Ende des ersten Tages, die erste Darbringung des Ómer. Wegen dieses Streits gibt es auch einen Unterschied in den Daten von Pfingsten. Aber obwohl die Sadduzäer so meinten, wie sie meinten, war zur Zeit des Zweiten Tempels sehr viel politische Macht in den Händen der Pharisäer konzentriert, und die Halacha wurde pharisäisch angewandt: die Sadduzäer wurden gezwungen, pharisäisch zu handeln. Es gibt eine Geschichte, wie ein Kohen etwas nach Art der Sadduzäer tat und das Volk ihn mit Etrogim (gelben Zitronatzitronen) bewarf, das war natürlich an Sukkot. Es gibt auch einen Streit in Bezug auf Jeschua. Wir können sagen, dass Er seinen Jüngern gebot (das können wir mit Sicherheit sagen), Pfingsten abzuwarten, das Fest Schawuot. Das war das Pfingsten, zu dem sich alle im Tempel versammelten, das heißt nicht irgendein besonderes sadduzäisches Pfingsten, sondern das des ganzen Volkes. Auf dieser Grundlage können wir mit einer gewissen Vorsicht den Schluss ziehen, dass die Jünger doch die Feste hielten und nach dem in Israel allgemein üblichen Kalender lebten.
וַעֲשִׂיתֶם בְּיוֹם הֲנִיפְכֶם אֶת־הָעֹמֶר כֶּבֶשׂ תָּמִים בֶּן־שְׁנָתוֹ לְעֹלָה לַיהוָה׃
wa'assitém bejom hanifechém et-ha'ómer kéwes tamím ben-schenató le'olá ladonáj
12 Und an dem Tag, an dem ihr die Garbe (Omér) erhebt, nehmt ein reines, einjähriges Lämmchen zum Ganzopfer für den Höchsten.
וּמִנְחָתוֹ שְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים סֹלֶת בְּלוּלָה בַשֶּׁמֶן אִשֶּׁה לַיהוָה רֵיחַ נִיחֹחַ וְנִסְכֹּה יַיִן רְבִיעִת הַהִין׃
umincható schené esroním sólet belulá waschémen isché ladonáj réjach nichóach wenisskó jájin rewi'ít hahín
13 Und zusammen mit ihm die Brotgabe: zwei Zehntel Efa Sólet-Mehl, mit Öl vermengt, ein Feueropfer für den HERRN, ein Duft des Wohlgeruchs, und bringt ein Viertel Hín Wein dar.
Zwei Zehntel Efa – das sind nach unseren Maßstäben ungefähr zwei Dreiliter-Gläser Sólet-Mehl, reines weißes Mehl höchster Qualität, ein Viertel Hín Wein – ungefähr 0,8–0,9 Liter. Der Kohen nimmt von diesem mit Öl vermengten Mehl einen kleinen Klumpen, eine Handvoll, und lässt ihn auf dem Altar in Rauch aufgehen, der Rest ist der Anteil des Kohen. Auch der Wein wird auf den Altar gebracht. Oft wird nach dem Wein bei der Darbringung gefragt, beim Mahl des HERRN. Wir sehen, dass der Teil der Darbringung, der mit dem ersten Tag nach dem Schabbát beginnt, die Darbringung von Brot und Wein zusammen mit dem Lamm ist.
וְלֶחֶם וְקָלִי וְכַרְמֶל לֹא תֹאכְלוּ עַד־עֶצֶם הַיּוֹם הַזֶּה עַד הֲבִיאֲכֶם אֶת־קָרְבַּן אֱלֹהֵיכֶם חֻקַּת עוֹלָם לְדֹרֹתֵיכֶם בְּכֹל מֹשְׁבֹתֵיכֶם׃
weléchem wekalí wecharmél lo tochelú ad-ézem hajom hassé ad hawi'achém et-korbán elohechém chukkát olám ledorotechém bechól moschewotechém
14 Esst kein Brot und kein Mehl aus geröstetem Korn und kein durchgeröstetes Korn bis zu jenem Tag, bis zur Darbringung des Brotopfers für euren HERRN; das ist ein ewiges Gesetz für eure Generationen in all euren Wohnstätten.
Wir essen nicht vom neuen Getreide, bis wir die ersten Brote dem Höchsten darbringen.
וּסְפַרְתֶּם לָכֶם מִמָּחֳרַת הַשַּׁבָּת מִיּוֹם הֲבִיאֲכֶם אֶת־עֹמֶר הַתְּנוּפָה שֶׁבַע שַׁבָּתוֹת תְּמִימֹת תִּהְיֶינָה׃
usfartém lachém mimmachorát haschabbát mijom hawi'achém et-ómer hattenufá schéwa schabbatót temimót tihjéna
15 Und ihr habt euch abgezählt am Tag nach dem Schabbát, vom Tag der Darbringung der Garbe an, sieben ganze (volle) Wochen zählt ab.
Hier besteht das Gebot nicht darin, im Voraus auszurechnen und zu sagen, dass es an dem und dem Datum sein wird, sondern jeden Tag zu zählen: heute sind es so und so viele Wochen und so und so viele Tage des Omer. Jeden Abend, während des Abendgebets, zählen die Leute auf diese Weise. Oder wenn ein Mensch nicht in die Synagoge kommt, wo sich ein Minjan versammelt (das heißt die Anzahl von Menschen, die für das Gebet notwendig ist), dann zählt der Mensch zu Hause, aber jeden Tag sind wir verpflichtet, diese Zählung zu führen. Es gibt viele geistliche Praktiken, die mit der Berichtigung der Seele verbunden sind, denn neunundvierzig Tage – das ist die Erinnerung daran, dass wir so lange nach dem Auszug aus Ägypten bis zum Berg Sinai gegangen sind, und das ist eine Zeit der Berichtigung und Reinigung. Es gibt sehr viele Praktiken, die mit den neunundvierzig Stufen der Reinigung des Menschen verbunden sind, und jede Praxis, bei der ein Mensch sich mit seiner Reinigung befasst, ist selbstverständlich lobenswert.
עַד מִמָּחֳרַת הַשַּׁבָּת הַשְּׁבִיעִת תִּסְפְּרוּ חֲמִשִּׁים יוֹם וְהִקְרַבְתֶּם מִנְחָה חֲדָשָׁה לַיהוָה׃
ad mimmachorát haschabbát haschewi'ít tisperú chamischím jom wehikrawtém minchá chadaschá ladonáj
16 Und bis zum folgenden Tag, nach dem Ende der siebten Woche, zählt euch fünfzig Tage ab und bringt dem Höchsten eine neue Darbringung dar.
Das heißt, wir zählen sieben volle Wochen ab, das sind neunundvierzig Tage, aber wir müssen bis zu dem Tag zählen, der auf diese sieben Wochen folgt, das heißt bis zum fünfzigsten Tag. Und am fünfzigsten Tag müssen wir dem Höchsten ein Brotopfer darbringen, ein neues Opfer aus den neuen Broten.
מִמּוֹשְׁבֹתֵיכֶם תָּבִיאּוּ לֶחֶם תְּנוּפָה שְׁתַּיִם שְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים סֹלֶת תִּהְיֶינָה חָמֵץ תֵּאָפֶינָה בִּכּוּרִים לַיהוָה׃
mimmoschewotechém tawi'ú léchem tenufá schetájim schené esroním sólet tihjéna chaméz te'aféna bikkurím ladonáj
17 Aus euren Wohnstätten bringt Brot der Erhebung: zwei Brote, jedes von ihnen aus zwei Zehnteln Efa Sólet-Mehl, und macht sie zu gesäuertem Brot – Erstlinge für den HERRN.
וְהִקְרַבְתֶּם עַל־הַלֶּחֶם שִׁבְעַת כְּבָשִׂים תְּמִימִם בְּנֵי שָׁנָה וּפַר בֶּן־בָּקָר אֶחָד וְאֵילִם שְׁנָיִם יִהְיוּ עֹלָה לַיהוָה וּמִנְחָתָם וְנִסְכֵּיהֶם אִשֵּׁה רֵיחַ־נִיחֹחַ לַיהוָה׃
wehikrawtém al-halléchem schiw'át kewassím temimím bené schaná ufár ben-bakár echád we'elím schenájim jihjú olá ladonáj uminchatám weniskehém isché reach-nichóach ladonáj
18 Und zusammen mit dem Brot sollt ihr sieben reine einjährige Widder darbringen und einen einjährigen Stier und zwei kleine Lämmchen – sie sollen ein Ganzopfer für den HERRN sein, und ihre Darbringung und ihr Trankopfer – ein Feueropfer, ein Duft des Wohlgefallens des HERRN.
Da wir die Tora lesen und uns bemühen, nicht vorauszugreifen, werden wir zur Beschreibung dieser Opfer zurückkehren, wenn wir die Opfer im Buch Bemidbar, in Kapitel 28, durchnehmen, und wir werden die Listen vergleichen und versuchen zu verstehen, warum gerade so viele Opfer und nicht irgendeine andere Anzahl, womit das zusammenhängt und wozu das dient.
וַעֲשִׂיתֶם שְׂעִיר־עִזִּים אֶחָד לְחַטָּאת וּשְׁנֵי כְבָשִׂים בְּנֵי שָׁנָה לְזֶבַח שְׁלָמִים׃
wa'assitém se'ir-issím echád lechattát uschné chewassím bené schaná leséwach schelamím
19 Und macht einen Ziegenbock zum Reinigungsopfer und zwei einjährige Widder zu Friedensopfern.
Es gibt ein Reinigungsopfer für das ganze Volk, nach dem man Friedensopfer darbringen kann. Zuerst reinige dich, dann schließe Frieden.
וְהֵנִיף הַכֹּהֵן אֹתָם עַל לֶחֶם הַבִּכּוּרִים תְּנוּפָה לִפְנֵי יְהוָה עַל־שְׁנֵי כְּבָשִׂים קֹדֶשׁ יִהְיוּ לַיהוָה לַכֹּהֵן׃
weheníf hakkohén otám al léchem habbikkurím tenufá lifné adonáj al-schené kewassím kódesch jihjú ladonáj lakkohén
20 Und der Kohen wird sie erheben auf dem Brot der Erstlinge vor dem HERRN mit den zwei Lämmchen: sie sollen eine heilige Gabe für den HERRN sein, und sie sind für den Kohen bestimmt.
Wie wir uns erinnern, vollführt der Kohen mit dem Opfer schelamím (Friedensopfer) bestimmte Tanzbewegungen, wenn er es zum HERRN erhebt. Der Anteil des Kohen an allem, was geschieht: das ist sowohl sein Honorar als auch seine Teilnahme an der Berichtigung des Volkes, denn hier ist der Lohn ein Teil der Arbeit, und die Arbeit ist ein Teil des Lohnes, alles hängt miteinander zusammen.
וּקְרָאתֶם בְּעֶצֶם הַיּוֹם הַזֶּה מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ חֻקַּת עוֹלָם בְּכָל־מוֹשְׁבֹתֵיכֶם לְדֹרֹתֵיכֶם׃
ukratém be'ézem hajom hassé mikra-kódesch jihjé lachém kol-meléchet awodá lo ta'assú chukkát olám bechol-moschewotechém ledorotechém
21 Und ihr habt an diesem Tag eine heilige Versammlung für euch zusammengerufen: keinerlei Arbeit der Mühe sollt ihr an diesem Tag tun; das ist ein ewiges Gesetz in all euren Wohnstätten, in eurer Generation.
Man muss noch einmal innehalten und auf die Unterschiede bei den Verboten achten. Am Schabbát ist es verboten, kol-melachá (jegliche Arbeit) zu tun. An den Festen ist es verboten, meléchet awodá (Arbeit der Mühe) zu tun, so kann man das übersetzen; manche übersetzen pflichtgemäße Arbeit, es gibt verschiedene Übersetzungen. Um den Unterschied in der Praxis zu verstehen, wiederhole ich noch einmal, dass es an den Festen erlaubt ist, das zu tun, was für die Ernährung nötig ist, zum Beispiel Essen zu kochen.
וּבְקֻצְרְכֶם אֶת־קְצִיר אַרְצְכֶם לֹא־תְכַלֶּה פְּאַת שָׂדְךָ בְּקֻצְרֶךָ וְלֶקֶט קְצִירְךָ לֹא תְלַקֵּט לֶעָנִי וְלַגֵּר תַּעֲזֹב אֹתָם אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃
uwkuzrechém et-kezír arzechém lo-techallé pe'át sadechá bekuzrécha weléket kezirechá lo telakkét le'aní welaggér ta'asów otám aní adonáj elohechém
22 Und wenn ihr die Ernte in eurem Land erntet, sollst du bei deiner Ernte den Rand deines Feldes nicht abernten, und die übrig gebliebenen Ähren sammle nicht auf: dem Armen und dem Fremdling lass sie, Ich bin der HERR, euer Gott.“
Warum wiederholt der Höchste hier dieses Gebot? Wir können sagen: „Wir bringen dem Höchsten ohnehin ein Opfer dar, und da wir Ihm ohnehin ein Opfer darbringen, na, dann kommen die Armen eben ohne aus, wir haben hier ohnehin eine Krise, weil wir dem Höchsten die Garbe darbringen müssen.“ Der HERR sagt: „Nein, trotzdem, wenn du deine Ernte erntest, lass den Armen etwas übrig und sammle die Ähren nicht auf, sei kein Pfennigfuchser, Ich bin der HERR.“ Wenn wir etwas für das Leben der Gemeinde spenden, für irgendeine Sache, die wir für Gottes Sache halten, können wir nicht sagen: „Ich werde jetzt den Armen nicht helfen, ich habe schon mit dem Höchsten geteilt, soll Er es doch verteilen.“ Unsere Beziehung zum Höchsten ist das eine, die Beziehung zu den Nächsten ist das andere, und der Höchste sagt: „Benachteilige den Nächsten nicht auf Meine Kosten, Ich brauche das überhaupt nicht.“
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
23 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר בַּחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם שַׁבָּתוֹן זִכְרוֹן תְּרוּעָה מִקְרָא־קֹדֶשׁ׃
dabbér el-bené jisraél lemór bachódesch haschewi'í be'echád lachódesch jihjé lachém schabbatón sichrón teru'á mikra-kódesch
24 „Rede mit den Söhnen Israels: Im siebten Monat, am ersten Tag des Monats soll euch ein Sabbatfest sein (mit Einstellung der Arbeit), ein Gedenken des Trompetenschalls, eine heilige Versammlung.
Sehr viel ist über diesen Tag gesagt worden. Sehr oft wirft man den Juden vor, dass sie diesen Tag Rosch haSchana (Kopf des Jahres) nennen, und sagt: „Da, es wurde euch doch geboten, dass der erste Monat für euch der Anfang aller Monate sein soll. Warum habt ihr alles verdreht, alles auf den Kopf gestellt?“ Weiter werden wir lesen, dass es um das Ende des Jahres geht, um das Ende des landwirtschaftlichen Jahres. Außer dem Jahr der Könige gibt es noch das landwirtschaftliche Jahr, es gibt verschiedene Arten von Jahr, und deshalb sind sowohl Sukkot als auch Rosch haSchana Anfang und Ende des Jahres.
Was ist das Gedenken des Trompetenschalls, um welchen Trompetenschall geht es? Möglicherweise ist es der Trompetenschall, der am Berg Sinai erklang, ein solches Verständnis drängt sich auf. Es gibt eine andere Auslegung, die ein wenig tiefer blickt und sagt, dass der Trompetenschall der Klang ist, der zu hören war, als der Höchste dem Adam die Seele einblies. Und das ist das Gedenken, so kann man sagen, an den ersten Kuss, den ersten Kontakt zwischen Mensch und Gott, mit dem Gott den Menschen lebendig machte. Kein ganz so einfaches Fest.
כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ וְהִקְרַבְתֶּם אִשֶּׁה לַיהוָה׃
kol-meléchet awodá lo ta'assú wehikrawtém isché ladonáj
25 Keinerlei Arbeit sollt ihr tun, und bringt dem Höchsten ein Opfer dar.“
Das sind die paar Zeilen, die die Tora über das Fest des Trompetenschalls sagt, obwohl darüber sehr viel Verschiedenes geschrieben worden ist. Ich bemühe mich ebenso, alles im Überblick zu betrachten, und gehe deshalb nicht tief auf die verschiedenen Aspekte der Feste ein.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
26 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
אַךְ בֶּעָשׂוֹר לַחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי הַזֶּה יוֹם הַכִּפֻּרִים הוּא מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם וְעִנִּיתֶם אֶת־נַפְשֹׁתֵיכֶם וְהִקְרַבְתֶּם אִשֶּׁה לַיהוָה׃
ach be'asór lachódesch haschewi'í hassé jom hakkippurím hu mikra-kódesch jihjé lachém we'innitém et-nafschotechém wehikrawtém isché ladonáj
27 „Auch am Zehnten, im siebten Monat – der Tag der Sühne, eine heilige Versammlung wird euch sein, und ihr werdet eure Seelen quälen und dem HERRN ein Feueropfer darbringen.
Dieses Quälen der Seelen ist damit verbunden, sich des Essens, des Trinkens, intimer Beziehungen, des Salbens mit Öl und bequemer Schuhe zu enthalten. So werden diese Verbote auch heute verstanden.
וְכָל־מְלָאכָה לֹא תַעֲשׂוּ בְּעֶצֶם הַיּוֹם הַזֶּה כִּי יוֹם כִּפֻּרִים הוּא לְכַפֵּר עֲלֵיכֶם לִפְנֵי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃
wechol-melachá lo ta'assú be'ézem hajom hassé ki jom kippurím hu lechappér alechém lifné adonáj elohechém
28 Keinerlei Arbeit sollt ihr an diesem Tag tun, denn es ist der Tag der Sühne, um für euch zu sühnen vor dem HERRN, eurem Gott.
Beachtet, dass wir, als wir über die anderen Feste sprachen, kol-meléchet awodá (jede Arbeit der Mühe) gelesen haben, hier – wechol-melachá (jede Arbeit), wie auch in Bezug auf den Schabbat. An Jom Kippur sind eine Reihe von Arbeiten verboten, die an einem Fest erlaubt sind, insbesondere die Zubereitung von Speisen.
כִּי כָל־הַנֶּפֶשׁ אֲשֶׁר לֹא־תְעֻנֶּה בְּעֶצֶם הַיּוֹם הַזֶּה וְנִכְרְתָה מֵעַמֶּיהָ׃
ki chol-hannéfesch aschér lo-te'unné be'ézem hajom hassé wenichretá me'amméha
29 Jede Seele, die an diesem Tag nicht gequält wird, wird aus ihrem Volk ausgerottet werden.
וְכָל־הַנֶּפֶשׁ אֲשֶׁר תַּעֲשֶׂה כָּל־מְלָאכָה בְּעֶצֶם הַיּוֹם הַזֶּה וְהַאֲבַדְתִּי אֶת־הַנֶּפֶשׁ הַהִוא מִקֶּרֶב עַמָּהּ׃
wechol-hannéfesch aschér ta'assé kol-melachá be'ézem hajom hassé weha'awadtí et-hannéfesch hahí mikkérew ammá
30 Und jede Seele, die an diesem Tag irgendeine Arbeit tut, – Ich werde diese Seele verderben, oder Ich werde es so machen, dass sie aus ihrem Volk verschwindet.
כָּל־מְלָאכָה לֹא תַעֲשׂוּ חֻקַּת עוֹלָם לְדֹרֹתֵיכֶם בְּכֹל מֹשְׁבֹתֵיכֶם׃
kol-melachá lo ta'assú chukkát olám ledorotechém bechól moschewotechém
31 Keinerlei Arbeit sollt ihr tun, das ist ein Gesetz für eure Generationen in all euren Wohnstätten.
שַׁבַּת שַׁבָּתוֹן הוּא לָכֶם וְעִנִּיתֶם אֶת־נַפְשֹׁתֵיכֶם בְּתִשְׁעָה לַחֹדֶשׁ בָּעֶרֶב מֵעֶרֶב עַד־עֶרֶב תִּשְׁבְּתוּ שַׁבַּתְּכֶם׃
schabbát schabbatón hu lachém we'innitém et-nafschotechém betisch'á lachódesch ba'érew me'érew ad-érew tischbetú schabbattechém
32 Ein Sabbat der Sabbate ist das für euch, und ihr werdet eure Seelen quälen am neunten Tag des Monats am Abend: von Dämmerung zu Dämmerung haltet Sabbat mit eurem Sabbat“
Das heißt, wir beginnen ein klein wenig früher, am Neunten. Wenn ein Mensch irgendein persönliches Fasten auf sich nahm, ein Fasten und eine Enthaltung auf sich nahm, dann nahm er das Fasten gewöhnlich vom Morgen bis zum Abend jenes Tages auf sich, deshalb legt die Tora hier fest, dass es nicht so ist, wie die Leute es gewohnt sind, sondern vom Abend bis zum Abend, das heißt, es ist ein Fasten von der Länge eines vollen Tages und einer Nacht, und nicht wie gewöhnlich.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
33 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר בַּחֲמִשָּׁה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי הַזֶּה חַג הַסֻּכּוֹת שִׁבְעַת יָמִים לַיהוָֹה׃
dabbér el-bené jisraél lemór bachamischá assár jom lachódesch haschewi'í hassé chag hassukkót schiw'át jamím ladonáj
34 „Rede mit den Söhnen Israels und sage ihnen: Am fünfzehnten Tag des siebten Monats – Sukkot (das Laubhüttenfest), sieben Tage dem HERRN.
Das heißt, es geht wiederum um den Monat Tischri, das ist derselbe Monat, in dem der Tag des Trompetenschalls und der Tag der Sühne begangen werden.
בַּיּוֹם הָרִאשׁוֹן מִקְרָא־קֹדֶשׁ כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃
bajom harischón mikra-kódesch kol-meléchet awodáIn der russischen Umschrift dieses Verses fehlen die Wörter „kol-meléchet awodá“ (jede Arbeit der Mühe), die im hebräischen Vers stehen. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. lo ta'assú
35 Am siebten TagDer Autor schreibt hier „am siebten Tag“, im hebräischen Vers steht jedoch „am ersten Tag“ (bajom harischón). Die Übersetzung gibt den Wortlaut des Autors wieder. – eine heilige Versammlung: keinerlei Arbeit der Mühe sollt ihr tun.
Da sehen wir wieder den Ausdruck kol-meléchet awodá, der mit dem Fest verbunden ist.
שִׁבְעַת יָמִים תַּקְרִיבוּ אִשֶּׁה לַיהוָה בַּיּוֹם הַשְּׁמִינִי מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם וְהִקְרַבְתֶּם אִשֶּׁה לַיהוָה עֲצֶרֶת הִוא כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃
schiw'át jamím takríwu isché ladonáj bajom hascheminí mikra-kódesch jihjé lachém wehikrawtém isché ladonáj azéret hi kol-meléchet awodá lo ta'assú
36 Sieben Tage bringt dem HERRN Feueropfer dar, und am achten Tag wird bei euch eine heilige Versammlung sein, und ihr werdet dem HERRN ein Feueropfer darbringen, keinerlei Arbeit sollt ihr tun.
Azéret – das ist Halt, man kann sagen, dass der achte Tag des Festes Sukkot der Endpunkt im ganzen Zyklus der Jahresfeste ist. Sehr viel ist auch darüber gesagt worden, aber lasst uns versuchen, nicht in jedes der Feste einzeln tiefer einzusteigen, denn das wird eine Missachtung der anderen Feste sein, sie werden uns das übelnehmen.
אֵלֶּה מוֹעֲדֵי יְהוָה אֲשֶׁר־תִּקְרְאוּ אֹתָם מִקְרָאֵי קֹדֶשׁ לְהַקְרִיב אִשֶּׁה לַיהוָה עֹלָה וּמִנְחָה זֶבַח וּנְסָכִים דְּבַר־יוֹם בְּיוֹמוֹ׃
élle mo'adé adonáj ascher-tikre'ú otám mikra'é kódesch lehakríw isché ladonáj olá uminchá séwach unsachím dewar-jom bejomo
37 Das sind die Tage der Begegnung mit dem HERRN, an denen ihr euch in heiliger Versammlung versammeln werdet, um dem HERRN Feueropfer darzubringen: Ganzopfer und Mincha (Gabe), Opfer und Trankopfer, die für diesen Tag bestimmt sind“
Wiederum: So wie wir nicht alle Tabletten auf einmal für ein Jahr im Voraus einnehmen können, können wir die Opfer nicht in zufälliger Reihenfolge darbringen, wie es leider viele tun und sagen: „Bei mir ist das ganze Jahr Sukkot, bei mir ist das ganze Jahr Pessach oder das ganze Jahr Schabbat.“ Nein, so können wir nicht. An jedem Tag muss der Dienst vollzogen werden, der diesem Tag entspricht.
מִלְּבַד שַׁבְּתֹת יְהוָה וּמִלְּבַד מַתְּנוֹתֵיכֶם וּמִלְּבַד כָּל־נִדְרֵיכֶם וּמִלְּבַד כָּל־נִדְבוֹתֵיכֶם אֲשֶׁר תִּתְּנוּ לַיהוָה׃
millewád schabbetót adonáj umillewád mattenotechém umillewád kol-nidrechém umillewád kol-nidwotechém aschér tittenú ladonáj
38 Das ist außer den Sabbaten des HERRN, außer euren Gaben, außer all euren Gelübden und außer all euren freiwilligen Spenden, die ihr dem HERRN gebt.
Wiederum sehen wir, dass der Schabbat in dieser Liste eine Sonderstellung einnimmt. Es gibt Begegnungen, zu denen wir als ganzes Volk kommen müssen. Das ist außer jenen Begegnungen mit dem Höchsten, die wir freiwillig veranstalten können, wenn wir persönlich, wie in Vers 38 aufgezählt, dem HERRN Gaben, Gelübde und freiwillige Spenden geben wollen.
Weiter werden die Gesetze des Festes Sukkot noch einmal wiederholt.
אַךְ בַּחֲמִשָּׁה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי בְּאָסְפְּכֶם אֶת־תְּבוּאַת הָאָרֶץ תָּחֹגּוּ אֶת־חַג־יְהוָה שִׁבְעַת יָמִים בַּיּוֹם הָרִאשׁוֹן שַׁבָּתוֹן וּבַיּוֹם הַשְּׁמִינִי שַׁבָּתוֹן׃
ach bachamischá assár jom lachódesch haschewi'í be'ospechém et-tewu'át ha'árez tachóggu et-chag-adonáj schiw'át jamím bajom harischón schabbatón uwajom hascheminí schabbatón
39 Aber am fünfzehnten Tag des siebten Monats, wenn ihr die Früchte der Erde einsammelt, werdet ihr das Fest des HERRN sieben Tage feiern: am ersten Tag Sabbat und am achten Tag Sabbat.
Es ist an der Zeit, auf diese Wendung zu achten: die Feste des HERRN. Das sind keine jüdischen Feste, keine Volksfeste, das sind die Feste des HERRN, und wenn man es wörtlich nimmt, dann sind es Begegnungen mit dem HERRN. Das ist ein Tag, an dem der HERR uns eine Begegnung angesetzt und gesagt hat: „Ich komme an diesem Tag zu euch zu Besuch.“ Wenn wir Ihm nicht öffnen, wird Er an der Tür stehen bleiben, sich umdrehen und weggehen (ich sage das natürlich als Gleichnis). Im Buch Schir haSchirim gibt es die Geschichte von der jungen Frau, die dem Geliebten nicht öffnet, weil sie sich schon schlafen gelegt hatte und mit nackten, mit Öl gesalbten Füßen nicht über den staubigen Boden gehen wollte, und dann lief sie umher wie eine Betrunkene und Wahnsinnige und suchte den Geliebten. Diese Geschichte kann man auch auf ein versäumtes Fest des HERRN anwenden, auf eine versäumte Begegnung mit dem HERRN.
וּלְקַחְתֶּם לָכֶם בַּיּוֹם הָרִאשׁוֹן פְּרִי עֵץ הָדָר כַּפֹּת תְּמָרִים וַעֲנַף עֵץ־עָבֹת וְעַרְבֵי־נָחַל וּשְׂמַחְתֶּם לִפְנֵי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם שִׁבְעַת יָמִים׃
ulkachtém lachém bajom harischón perí ez hadár kappót temarím wa'anáf ez-awót we'arwe-náchal usmachtém lifné adonáj elohechém schiw'át jamím
40 Und ihr werdet euch am ersten Tag nehmen, am ersten Tag des Festes Sukkot, die Frucht des Zitrusbaumes (Etrog), einen Zweig der Dattelpalme und einen Myrtenzweig und die Quellweide, und ihr werdet vor dem HERRN sieben Tage feiern.
Es gibt also das Gebot, sich zu freuen, ganz einfach so, ob du willst oder nicht – sieben Tage freue dich, egal, wie deine Stimmung ist. Wir müssen vier Arten von Pflanzen nehmen, die unter anderem vier Arten von Menschen in der Gemeinde des Volkes Gottes symbolisieren. Auch darüber ist sehr viel gesagt worden, das ist nicht einfach nur so ein Sträußchen. Und interessant ist, dass die Tora hier nicht erzählt, was man mit all dem tun soll: einfach nehmen, und wozu nehmen – unklar. Offenbar ist das gleichsam eine Bestätigung dafür, dass es eine mündliche Überlieferung gibt, in der es ein Verständnis dafür gibt, was mit diesem ganzen Set zu tun ist, das einem Außenstehenden seltsam vorkommen mag.
וְחַגֹּתֶם אֹתוֹ חַג לַיהוָה שִׁבְעַת יָמִים בַּשָּׁנָה חֻקַּת עוֹלָם לְדֹרֹתֵיכֶם בַּחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי תָּחֹגּוּ אֹתוֹ׃
wechaggotém otó chag ladonáj schiw'át jamím baschaná chukkát olám ledorotechém bachódesch haschewi'í tachóggu otó
41 Und ihr werdet es feiern, ein Fest dem HERRN, sieben Tage im Jahr: ein ewiges Gesetz für eure Generationen; im siebten Monat feiert es.
בַּסֻּכֹּת תֵּשְׁבוּ שִׁבְעַת יָמִים כָּל־הָאֶזְרָח בְּיִשְׂרָאֵל יֵשְׁבוּ בַּסֻּכֹּת׃
bassukkót teschewú schiw'át jamím kol-ha'esrách bejisraél jeschewú bassukkót
42 In Hütten werdet ihr sitzen sieben Tage: jeder Bewohner im Land (im Volk) Israels wird in Hütten wohnen.
Was bedeutet ihr werdet sitzen? Sitzen bedeutet nicht sitzen, um nicht aufzustehen oder um nicht zu liegen, sitzen – das bedeutet, ihr werdet dort wohnen. In den Begriff Wohnen wird hineingelegt: essen, trinken, schlafen und die Tora studieren. All das muss man während des Festes Sukkot in der Hütte tun.
לְמַעַן יֵדְעוּ דֹרֹתֵיכֶם כִּי בַסֻּכּוֹת הוֹשַׁבְתִּי אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל בְּהוֹצִיאִי אוֹתָם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃
lemá'an jede'ú dorotechém ki wassukkót hoscháwti et-bené jisraél behozi'í otám me'érez mizrájim aní adonáj elohechém
43 Damit eure Generationen wissen, dass Ich das Volk Israel in Hütten wohnen ließ, als Ich sie aus dem Land Ägypten herausführte“.
Und viele sagen, dass hier von den Wolken der Herrlichkeit die Rede ist, mit denen der HERR das Volk Israel umhüllte (gleichsam wie mit Hütten), als Er es aus Ägypten herausführte.
וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֶת־מֹעֲדֵי יְהוָה אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃
wajdabbér mosché et-mo'adé adonáj el-bené jisraél
44 Und Mosche erzählte (übermittelte) den Söhnen Israels die Gesetze über die Feste des HERRN.
Bürger und Fremdlinge
Wajikra 24,1–23
Wir schließen gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Emor ab und werden Kapitel 24 ab Vers 1 lesen.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
1 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:
צַו אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְיִקְחוּ אֵלֶיךָ שֶׁמֶן זַיִת זָךְ כָּתִית לַמָּאוֹר לְהַעֲלֹת נֵר תָּמִיד׃
zaw et-bené jisraél wejikchú elécha schémen sájit sach katít lamma'ór leha'alót ner tamíd
2 „Gebiete den Söhnen Israels, und sie werden für dich reines Olivenöl nehmen, gestoßenes, für die Beleuchtung, um eine ewige Kerze anzuzünden (emporzuheben) (die Leuchter der Menora).
Das Wort zaw bedeutet im modernen Hebräisch Befehl, Anweisung, aber hier ist es als Verb in der Form des Imperativs (der Befehlsform) gebraucht, das heißt gebiete den Söhnen Israels. Es hat auch noch eine Färbung des Antreibens: treib an, dräng zur Eile, ermutige die Söhne Israels.
Was bedeutet katít (gestoßenes Öl)? Das ist Öl, das auf mechanischem Weg ausgepresst wurde, das heißt ohne Erhitzen und ohne Verwendung irgendwelcher chemischer Mittel, die das Auspressen beschleunigen.
מִחוּץ לְפָרֹכֶת הָעֵדֻת בְּאֹהֶל מוֹעֵד יַעֲרֹךְ אֹתוֹ אַהֲרֹן מֵעֶרֶב עַד־בֹּקֶר לִפְנֵי יְהוָה תָּמִיד חֻקַּת עוֹלָם לְדֹרֹתֵיכֶם׃
michúz lefaróchet ha'edút be'óhel mo'éd ja'aróch otó aharón me'érew ad-bóker lifné adonáj tamíd chukkát olám ledorotechém
3 Neben dem Vorhang des Zeugnisses, im Zelt der Begegnung wird Aharon es herrichten vom Abend bis zum Morgen vor dem HERRN ewig; das ist eine ewige Satzung für eure Generationen.
עַל הַמְּנֹרָה הַטְּהֹרָה יַעֲרֹךְ אֶת־הַנֵּרוֹת לִפְנֵי יְהוָה תָּמִיד׃
al hammenorá hattehorá ja'aróch et-hannerót lifné adonáj tamíd
4 Auf der reinen Menora wird er die Kerzen herrichten vor dem HERRN immer.
Menorá – eines der Symbole des Tempeldienstes und des Volkes Israel, sie ist auf dem Wappen Israels abgebildet, ihr Bild ist auf dem Umschlag meines israelischen Passes. Der Höchste begann die Erschaffung der Welt mit dem Ausspruch: „Licht – sei!“ Der HERR, Selbst aus Sich heraus die Quelle des Lichts, hat uns die Gnade gegeben, Licht in dieser Welt zu sein. Uns ist geboten, den ewigen Leuchter emporzuheben, wir zünden das Licht direkt an der Schwelle der Offenbarung des Höchsten in dieser Welt an, direkt neben dem Vorhang, hinter dem Er Sich offenbart. Und dem Volk Gottes ist aufgetragen, das Licht zu tragen. Man kann eine Parallele zu dem Licht ziehen, das vor der Erschaffung der Himmelslichter war, zu eben jenem, dem ersten Licht. Gerade sein Bild geht von dem Leuchter aus, der am Vorhang steht. Die Tora, das Licht der Tora, geht von Zion aus. Und das Gebot an den Kohen ist zur Erinnerung daran: Die Menora muss am Vorhang brennen, von Generation zu Generation.
Noch ein Gebot, das mit dem Tempeldienst verbunden ist:
וְלָקַחְתָּ סֹלֶת וְאָפִיתָ אֹתָהּ שְׁתֵּים עֶשְׂרֵה חַלּוֹת שְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים יִהְיֶה הַחַלָּה הָאֶחָת׃
welakachtá sólet we'afitá otá schetém esré challót schené esroním jihjé hachallá ha'echát
5 Und du wirst Solet-Mehl nehmen und daraus zwölf Challot (Brotlaibe) backen; aus zwei Zehnteln eines Efa wird jede Challa sein.
Jedes dieser Brote aus Solet-Mehl (reinem Mehl von höchster Qualität) wiegt etwa 5 Kilogramm, und solche Brote muss man zwölf backen. Der Talmud erzählt, dass es eine Familie gab, das Haus (Bejt) Garmo, Bäcker, die im südöstlichen Teil des Tempelbergs eine Bäckerei hatte. Und dort backten sie dieses besondere Brot, wobei sie das Mehl durch zahlreiche Siebe siebten, nach einem sehr komplizierten Rezept. Denn es war ja nötig, dass dieses Brot eine ganze Woche vor dem Angesicht des Höchsten lag und nicht schimmelte, nicht altbacken wurde. Es wird erzählt (Traktat Joma, 21a), dass die von dieser Familie gebackenen Brote nicht nur nicht verdarben, sondern warm blieben und dufteten. So ein Wunder. Man musste es auch verstehen, diese riesige Challa durchzubacken, es ist gar nicht so einfach, eine große Challa zu backen, und dazu noch als ungesäuertes Brot, damit sie im Lauf des Backens nicht zu gesäuertem Brot wird. Sehr viele Geheimnisse hatte dieses Brot.
Die Weisen versuchten einmal, Druck auf diese Familie auszuüben, und sagten: „Lehrt auch andere, teilt dieses wunderbare Rezept, wie ihr dieses Brot backt.“ Die Familie weigerte sich, und da wurden sie für eine gewisse Zeit von diesem Dienst verjagt. Man sagte: „Ach so, dann rufen wir Bäcker aus Alexandria, aus Alexandria selbst, und sie werden uns dieses Brot backen.“ Aber bei den Bäckern aus Alexandria kam, wie sehr sie sich auch bemühten, nichts heraus, das Brot gelang ihnen nicht, und die Familie Garmo wurde in den Dienst zurückgeholt. Später erklärten sie, dass sie das Geheimnis ihrer Kunst nicht teilen wollten, damit das Rezept nicht in die Welt durchsickert und man nicht wer weiß wo wer weiß welche Götter mit Brot anbetet, das nach einem alten jüdischen Rezept hergestellt ist. Noch erzählt man über diese Familie, dass sie selbst, diese Bäcker, niemals Weißbrot aßen, damit man sie nicht verdächtigte, dass sie aus dem Mehl backen, das sie für die heiligen Brote erhalten, sondern nur sehr einfaches Brot aus minderwertigem Mehl aßen. Der HERR sprach: „Verschließe nicht das Maul des dreschenden Ochsen“, aber diese Familie legte sich besondere Verpflichtungen auf, hielt daran fest, nicht der Korruption, der Veruntreuung heiligen Gutes beschuldigt zu werden, und deshalb aßen sie nur einfaches Brot.
וְשַׂמְתָּ אוֹתָם שְׁתַּיִם מַעֲרָכוֹת שֵׁשׁ הַמַּעֲרָכֶת עַל הַשֻּׁלְחָן הַטָּהֹר לִפְנֵי יְהוָה׃
wesamtá otám schetájim ma'arachót schesch hamma'aráchet al haschulchán hattahór lifné adonáj
6 Und lege sie in zwei Stapel, eines auf das andere, in jedem Stapel je sechs, auf den reinen (geheiligten) Tisch vor dem Höchsten.
וְנָתַתָּ עַל־הַמַּעֲרֶכֶת לְבֹנָה זַכָּה וְהָיְתָה לַלֶּחֶם לְאַזְכָּרָה אִשֶּׁה לַיהוָה׃
wenatattá al-hamma'aréchet lewoná sakká wehajetá lalléchem le'askará isché ladonáj
7 Auf jeden Stapel lege oben reinen Weihrauch, und das wird ein Gedenkteil sein, zum Feueropfer für den HERRN.
Das heißt, zu jedem Stapel wird etwas Symbolisches hinzugefügt, damit das ganze Brot zum Feueropfer für den HERRN wird.
בְּיוֹם הַשַּׁבָּת בְּיוֹם הַשַּׁבָּת יַעַרְכֶנּוּ לִפְנֵי יְהוָה תָּמִיד מֵאֵת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּרִית עוֹלָם׃
bejom haschabbát bejom haschabbát ja'archénnu lifné adonáj tamíd me'ét bene-jisraél berít olám
8 An jedem Schabbat wird man es vor dem HERRN auslegen, beständig, von den Söhnen Israels zum ewigen Bund.
Wenn zweimal bejom haschabbát bejom haschabbát wiederholt wird, dann bedeutet das an jedem Schabbat.
וְהָיְתָה לְאַהֲרֹן וּלְבָנָיו וַאֲכָלֻהוּ בְּמָקוֹם קָדֹשׁ כִּי קֹדֶשׁ קָדָשִׁים הוּא לוֹ מֵאִשֵּׁי יְהוָה חָק־עוֹלָם׃
wehajetá le'aharón ulwanáw wa'achalúhu bemakóm kadósch ki kódesch kadaschím hu lo me'isché adonáj chok-olám
9 Und das war für Aharon und für seine Söhne, und sie werden es an einem heiligen Ort essen, denn es ist ein Heiligtum der Heiligtümer, eine ewige Bestimmung von den Feueropfern für den HERRN“.
Warum gehört das zu den Feueropfern? Weil der Teil der Darbringung, in dem Weihrauch ist, auf dem Altar verräuchert wird.
Ab Vers 10 beginnt eine interessante Geschichte. Bis dahin haben wir Gebote gelesen, Aufzählungen von Gesetzen, und sind über mehrere der letzten Kapitel hinweg fast keiner Erwähnung von Ereignissen begegnet. Anweisungen bekommen – Anweisungen ausgeführt, Ereignisse im Leben der Menschen haben wir fast nicht berührt. Und hier erzählt uns die Tora von einem Ereignis.
וַיֵּצֵא בֶּן־אִשָּׁה יִשְׂרְאֵלִית וְהוּא בֶּן־אִישׁ מִצְרִי בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וַיִּנָּצוּ בַּמַּחֲנֶה בֶּן הַיִּשְׂרְאֵלִית וְאִישׁ הַיִּשְׂרְאֵלִי׃
wajezé ben-ischá jisre'elít wehú ben-ísch mizrí betóch bené jisraél wajinnazú bammachané ben hajisre'elít we'ísch hajisre'elí
10 Und es ging hinaus der Sohn einer israelitischen Frau, er war zugleich der Sohn eines ägyptischen Mannes (das heißt ein Mensch gemischten Blutes), mitten unter die Söhne Israels, und es prügelten sich im Lager der Sohn der Israelitin und ein Israelit.
וַיִּקֹּב בֶּן־הָאִשָּׁה הַיִּשְׂרְאֵלִית אֶת־הַשֵּׁם וַיְקַלֵּל וַיָּבִיאוּ אֹתוֹ אֶל־מֹשֶׁה וְשֵׁם אִמּוֹ שְׁלֹמִית בַּת־דִּבְרִי לְמַטֵּה־דָן׃
wajikków ben-ha'ischá hajisre'elít et-haschém wajkallél wajawí'u otó el-mosché weschém immó schelomít bat-diwrí lematte-dán
11 Und der Sohn der Israelitin beleidigte den Namen des HERRN und lästerte (verfluchte) Ihn. Und sie brachten ihn zu Mosche. Der Name seiner Mutter aber war Schelomit bat Diwri, aus dem Stamm Dan.
So eine Geschichte. Und sehr viele Fragen entstehen beim Lesen dieser Geschichte. Warum wird diese Geschichte gerade hier angeführt? Warum steht geschrieben, dass dieser Mensch hinausging, woher ging er hinaus? Warum prügelte er sich mit dem Israeliten? Warum verfluchte er den Namen Gottes? Und alle diese Fragen verlangen eine Antwort. Die Antworten darauf fallen verschieden aus.
Die einen sagen, dass wajezé (und er ging hinaus) bedeutet, dass er geistlich hinausging, sich vom Volk Israel absonderte. Er hörte, dass die Kohanim Brot bekommen würden, das eine Woche alt ist. In Ägypten aber bekommen die Priester heißes Brot, frisch aus dem Ofen. Und er verachtete den HERRN und sagte: „Wenn es bei ihm mit den Kohanim so steht, dann verdient ein solcher Gott keinen Respekt, bei dem sich die Kohanim so ernähren.“ Deswegen kam es zu einer Schlägerei, und als Ergebnis – brachte man diesen Menschen zu Mosche.
Andere sagen, dass er physisch hinausging, man jagte ihn physisch aus dem Lager hinaus. Man sagte ihm: „Bei uns hier, entschuldige bitte, wird das Land nach dem Vater vererbt. Wer ist dein Vater? Wer weiß wer. Darum hast du hier auch keinen Platz.“ Und er versuchte, um seinen Platz an der Sonne zu kämpfen, und es kam zu einer Schlägerei, und es ging so weit, dass er den Höchsten verfluchte.
Wieder andere sagen, wajezé – das ist, wie man auf Russisch sagt, so ist es herausgekommen. Im Verlauf irgendwelcher Ereignisse kam seine ägyptische Natur nach außen, kam ans Licht. Er wurde nicht Herr über sich selbst, hielt sich nicht zurück. So geschieht es oft auch mit uns: Wenn man uns auf unser Lieblingshühnerauge tritt, dann kommt aus uns der Sohn des Ägypters nach außen. Sogar bei denen, die scheinbar schon lange keine Heiden mehr sind. So oder so, es zeigte sich die sündige Natur des Menschen.
Warum führt die Tora diese Geschichte gerade hier an? Man kann es chronologisch verstehen: Da hat ein Mensch über die Brote gesprochen, und deshalb wurde er hier erwähnt. Man kann sagen, dass die Tora, da vorher von dem Respekt die Rede war, der von den Kohanim verlangt wird, von der Ehrung des Namens, diesen Fall als Beispiel dafür angeführt hat, wie man mit einem Menschen verfährt, der den Namen des HERRN schändet. Man kann in diesem Sinn sowohl das Wort wajezé, selbst verstehen als auch, warum die Tora diesen Abschnitt hier anführt. Selbstverständlich gibt es eine Menge Geschichten, die mit der Herkunft dieses Ägypter-Juden verbunden sind.
Viele Midraschim sagen, dass dies der Sohn eben jenes Ägypters ist, den Mosche ganz am Anfang des Buches Schemot getötet hat. Und die Sache war so, dass dieser Ägypter ein Auge auf die Frau eines Juden geworfen hatte. Eines Nachts zwang er diesen Juden zu arbeiten, und er selbst kam in dessen Gestalt zu seiner Frau, Schelomit bat Diwri, und das wurde ihrem israelitischen Mann bekannt. Und da stritten sie die Sache aus, und gerade bei dieser Auseinandersetzung ertappte sie Mosche. Einer der Lehrer, der Rabbiner, Jizchak Karo, sagt: „Wir, die Juden, haben eine alte, aber nicht sehr gute Gewohnheit: Wenn wir uns prügeln oder streiten, alte Geschichten hervorzuholen.“ Es gibt eine Grenze, an der eine Diskussion in einen Streit übergeht. Wenn Mann und Frau sagen: „Das ist ein leckerer Borschtsch, das ist kein leckerer Borschtsch“ – das ist eine Diskussion. Wenn Argumente der Art ins Spiel kommen wie „in eurer Familie konnte man noch nie Borschtsch kochen“ oder „du verstehst überhaupt von nichts etwas“, dann geht das in einen Streit über.
Also, kehren wir zum Streit des Sohnes der Israelitin und des Israeliten zurück: Einer von ihnen sagte, indem er die Diskussion in einen Streit verwandelte: „Und du, überhaupt der Herkunft nach ein Ägypter, was mischst du dich ein? Nicht genug, dass du ein Ägypter bist, du bist auch noch der Sohn eines Ägypters mit beflecktem Ruf, und nicht genug damit: Unser Lehrer Mosche hat deinen Papa nicht mit einem Dolchstoß und nicht mit einem rechten Haken getötet, sondern mit dem Namen des Höchsten.“ Und da, im Schockzustand (so viele Informationen waren auf einmal über den Menschen hereingebrochen), wie der Midrasch sagt, als er spürte, dass sein Vater durch den Namen des Höchsten getötet worden war, da verfluchte er den Namen des Höchsten. Auch einen solchen Kommentar gibt es. Und wie ich gewöhnlich sage, wiederhole ich es auch hier: Diese Kommentare sagen mehr über die Kommentierenden selbst als über die Helden der Tora. Aber wir können eine sehr wichtige Lehre aus dieser Geschichte ziehen. Wenn in uns eine Kränkung entsteht und der Ägypter nach außen bricht, der nicht bereit ist zuzuhören, der aus dem Volk Gottes hinausgeht, dann kann es so weit kommen, dass der Name des Höchsten verflucht wird.
Nun, und über die Mama kann man nicht umhin, ein paar Worte zu sagen. Viele Kommentatoren versuchen, gestützt auf die Midraschim, die wir erwähnt haben, Schelomit Bat Diwri in ein schlechtes Licht zu rücken. Der Name Diwri ist mit dem Reden verbunden, das heißt, sie war so eine Schwätzerin, und durch ihr Geschwätz knüpfte sie eine Bekanntschaft mit dem Ägypter an und bekam von ihm unehelich diesen Sohn. Andere sagen, dass es eine Vergewaltigung gab. So oder so wird auch der Name der Frau kommentiert, was ebenfalls etwas über diejenigen sagt, die diese Geschichte zu verstehen versuchen.
Also, ein Halbjude-Halbägypter, dieser Mensch ist über irgendetwas erzürnt, und er verflucht den Namen des Höchsten, und man bringt ihn zu Mosche.
וַיַּנִּיחֻהוּ בַּמִּשְׁמָר לִפְרֹשׁ לָהֶם עַל־פִּי יְהוָה׃
wajannichúhu bammischmár lifrósch lahém al-pí adonáj
12 Und sie setzten ihn in Gewahrsam, damit ihnen im Namen des HERRN bestimmt würde, was mit diesem Menschen zu tun sei.
Das heißt, Mosche befahl, den Menschen in Gewahrsam zu setzen, und die Kommentatoren stellen wieder die Frage: „Und warum hat Mosche diesen Menschen nicht selbst gerichtet?“ Nun, im Großen und Ganzen ist es verständlich: Ein Mensch verflucht den Namen des HERRN, man kann ihn nach einem kurzen Prozess erschießen oder steinigen. Und die Kommentatoren sagen: „Wenn man bedenkt, dass das irgendein Verwandter jenes Ägypters war, wollte Mosche nicht, dass es wie persönliche Rache aussieht.“ Er hatte so eine richterliche Selbstablehnung. Darin gibt es eine Parallele zu dem, was wir über die Bäckerfamilie Garmo gesagt haben, die ihren Ruf bewahrte, ihr Amt nicht für eigene Zwecke nutzte, damit nicht einmal der Anschein entstand, dass sie es ausnutzen. Auch Mosche will nicht zeigen, dass er sein Amt missbraucht, deshalb setzt er ihn in Gewahrsam. So sagen die Kommentatoren, das ist eine der möglichen Auslegungen. Und auch hier gibt es eine Lehre für uns über das Verhältnis zur Reinheit des eigenen Rufes als Diener Gottes, wie sehr wir uns bemühen müssen, ihn zu bewahren. Vielleicht wird es uns nicht immer gelingen, aber bemühen muss man sich.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
13 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
הוֹצֵא אֶת־הַמְקַלֵּל אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה וְסָמְכוּ כָל־הַשֹּׁמְעִים אֶת־יְדֵיהֶם עַל־רֹאשׁוֹ וְרָגְמוּ אֹתוֹ כָּל־הָעֵדָה׃
hozé et-hamkallél el-michúz lammachané wessamechú chol-haschome'ím et-jedehém al-roschó weragemú otó kol-ha'edá
14 „Schleppe den Fluchenden hinaus vor das Lager, und alle, die es gehört haben, sollen ihre Hände auf seinen Kopf legen, und steinigt ihn, die ganze Gemeinde.
Die Hörenden legen die Hände auf seinen Kopf, um die Schuld für ihr Hören auf ihn zurückzuwerfen und Nichteinverständnis und Protest gegen seine Flüche gegen den Höchsten zu bekunden. Und danach kann die ganze Gemeinde ihn steinigen.
וְאֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל תְּדַבֵּר לֵאמֹר אִישׁ אִישׁ כִּי־יְקַלֵּל אֱלֹהָיו וְנָשָׂא חֶטְאוֹ׃
we'el-bené jisraél tedabbér lemór isch isch ki-jekallél eloháw wenassá chet'ó
15 Und zu den Söhnen Israels rede und sprich: Jeder Mensch, der den HERRN verflucht, wird seine Sünde tragen.
וְנֹקֵב שֵׁם־יְהוָה מוֹת יוּמָת רָגוֹם יִרְגְּמוּ־בוֹ כָּל־הָעֵדָה כַּגֵּר כָּאֶזְרָח בְּנָקְבוֹ־שֵׁם יוּמָת׃
wenokéw schem-adonáj mot jumát ragóm jirgemu-wó kol-ha'edá kaggér ka'esrách benokwo-schém jumát
16 Und wer dabei den Namen des HERRN ausspricht, wird des Todes sterben, steinigt ihn, die ganze Gemeinde. Ob Fremdling oder einheimischer (eingeborener) Bewohner bei euch: Wenn er flucht, wird er des Todes sterben.
Man kann es auch einfach so verstehen, dass hier von einem Menschen die Rede ist, der den Namen des HERRN nicht in Reinheit und nicht in gebührender Ehrfurcht ausspricht.
וְאִישׁ כִּי יַכֶּה כָּל־נֶפֶשׁ אָדָם מוֹת יוּמָת׃
we'ísch ki jakké kol-néfesch adám mot jumát
17 Und ein Mensch, der irgendjemanden von den Menschen tötet, wird des Todes sterben.
וּמַכֵּה נֶפֶשׁ־בְּהֵמָה יְשַׁלְּמֶנָּה נֶפֶשׁ תַּחַת נָפֶשׁ׃
umakké nefesch-behemá jeschalleménna néfesch táchat náfesch
18 Und jeder, der ein Vieh erschlägt, wird bezahlen, Seele für Seele.
Selbstverständlich ist hier nicht gemeint, dass, wenn ein Mensch die Kuh des Nächsten getötet hat, man auch ihm eine Kuh tötet. Nein, hier ist, wie in allen weiteren Versen, eine Entschädigung in Geld gemeint.
וְאִישׁ כִּי־יִתֵּן מוּם בַּעֲמִיתוֹ כַּאֲשֶׁר עָשָׂה כֵּן יֵעָשֶׂה לּוֹ׃
we'ísch ki-jittén mum ba'amitó ka'aschér assá ken je'ásse lo
19 Und ein Mensch, der seinem Nächsten Verletzungen zufügt: Wie er getan hat, so wird ihm getan werden.
שֶׁבֶר תַּחַת שֶׁבֶר עַיִן תַּחַת עַיִן שֵׁן תַּחַת שֵׁן כַּאֲשֶׁר יִתֵּן מוּם בָּאָדָם כֵּן יִנָּתֶן בּוֹ׃
schéwer táchat schéwer ájin táchat ájin schen táchat schen ka'aschér jittén mum ba'adám ken jinnáten bo
20 Bruch für Bruch, Auge für Auge, Zahn für Zahn: Wie er Verletzungen zufügt, so wird ihm gegeben werden.
Versucht doch einmal, genau so einen Bruch nachzubilden, wenn man schon brechen soll. Als Beweis dafür, dass es um eine Entschädigung geht, kann dienen, dass im ganzen Orient – sowohl in den Gesetzen Hammurapis als auch in anderen Gesetzessammlungen, die vor den Gesetzen Hammurapis galten – immer geschrieben wurde, dass ein Mensch, der einem anderen einen Zahn ausschlägt, selbst einen Zahn verliert. Aber in der Praxis lief das darauf hinaus, dass der Mensch eine Entschädigung in Geld erhielt. Wenn jemand, Gott bewahre, einem Menschen irgendeine Körperverletzung zufügt und der Mensch eine Hand, ein Bein, ein Auge, ein Ohr verliert, welchen Nutzen hat er dann, worin liegt für ihn die Entschädigung darin, dass der Nächste, der ihm einen solchen Schaden zugefügt hat, ebenfalls ein Ohr oder ein Auge verliert? Das gibt ihm ja nicht die Möglichkeit, mehr zu verdienen, irgendwie mit der Verstümmelung zurechtzukommen und so weiter. Deshalb werden die Gesetze in solch strenger Weise formuliert (die Römer nannten diese Regel talión (tálio) – Vergeltung nach dem Maß des Verbrechens). Aber dennoch begegnen wir nirgends, in keinen historischen Quellen, dass die Gesetze genau in dieser Form angewendet wurden. Und es gibt keinen Grund, den Weisen nicht zu vertrauen, die sagen, dass hier von Entschädigungen in Geld die Rede ist, die dem zugefügten Schaden entsprechen, zumal es im ganzen Nahen Osten so war.
Man muss einen Vorbehalt bezüglich der Sadduzäer (zdukím) machen, die diese Bestimmungen wörtlich verstanden. Zugleich gibt es keinerlei Zeugnisse der Sadduzäer selbst darüber oder historische Zeugnisse dafür, dass diese Regel von ihnen irgendwie in der Praxis angewendet wurde.
וּמַכֵּה בְהֵמָה יְשַׁלְּמֶנָּה וּמַכֵּה אָדָם יוּמָת׃
umakké wehemá jeschalleménna umakké adám jumát
21 Und wer ein Vieh getötet hat, wird dafür bezahlen, und wer einen Menschen getötet hat, wird sterben.
Das ist eine Zusammenfassung, das ist kein eigenes Gesetz. Wir sehen oft, dass die Tora am Ende eines Themas dessen Summe zieht, und unser Vers ist ein Beispiel dafür.
Vers 22 ist auch sehr wichtig.
מִשְׁפַּט אֶחָד יִהְיֶה לָכֶם כַּגֵּר כָּאֶזְרָח יִהְיֶה כִּי אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃
mischpát echád jihjé lachém kaggér ka'esrách jihjé ki aní adonáj elohechém
22 Ein Gericht wird bei euch sein, wie für den Fremdling, so auch für den Bürger, denn Ich bin der HERR, euer Gott“.
Manche versuchen zu sagen (weil sie die Gewohnheit haben, einzelne Verse zu lesen und den Kontext des Kapitels, den Kontext des Buches nicht zu lesen), dass hier geschrieben steht, dass ihr für alle ein Gesetz haben sollt. Also ist das, was den Kohanim gegeben ist, und das, was den Frauen gegeben ist, und das, was den Männern gegeben ist, – alles gleich für alle, ein Gesetz. Aber in Wirklichkeit geht es hier um das Gericht. Ein gleiches Gericht sollt ihr für alle haben. Das ist bei Weitem keine selbstverständliche Tatsache. Bei vielen Völkern ist es üblich, dass, wenn ich irgendeinem Fremden einen Schaden zugefügt habe, das nicht so streng als Sünde gilt. Wenn aber ein Fremder mir einen Schaden zugefügt hat, dann wird von ihm zehnmal mehr gefordert. Hier sagt der Höchste: „Im Gericht richte ohne Ansehen der Herkunft, ob es um einen Fremdling geht, um einen ständigen Bewohner, um einen reichen Menschen, um einen armen Menschen. Für alle sollt ihr ein Gericht haben, ohne Unterschied nach der Herkunft.“ Wenn deshalb ein Fremdling infolge des Verbrechens eines Juden einen Schaden erlitten und eine Hand verloren hat, muss ihm eine Entschädigung genauso gezahlt werden, wie wenn es ein Jude gewesen wäre. Es darf keinerlei Unterschied geben. Genau davon spricht dieser Vers.
וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וַיּוֹצִיאוּ אֶת־הַמְקַלֵּל אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה וַיִּרְגְּמוּ אֹתוֹ אָבֶן וּבְנֵי־יִשְׂרָאֵל עָשׂוּ כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֶת־מֹשֶׁה׃
wajdabbér mosché el-bené jisraél wajozí'u et-hamkallél el-michúz lammachané wajirgemú otó áwen uwne-jisraél assú ka'aschér ziwwá adonáj et-mosché
23 Und Mosche redete mit den Söhnen Israels, und sie zerrten den Fluchenden über die Grenzen des Lagers hinaus und bewarfen ihn mit Steinen, und die Söhne Israels taten, wie der HERR dem Mosche geboten hatte.
Tora in 5 Minuten
In Kapitel 21 wird davon erzählt, wie der Hohepriester sich eine Frau wählen soll, und es werden vier Kategorien von Frauen genannt, die der Hohepriester nicht heiraten darf. Ab Vers 13 lesen wir:
13. Er soll eine Frau nur in ihrer Jungfrauschaft nehmen.
14. Eine Witwe und eine Geschiedene und eine Entehrte, eine Hure – diese soll er nicht nehmen, sondern eine Jungfrau aus seinem Volk soll er zur Frau nehmen.
15. Und er soll seinen Samen in seinem Volk nicht entehren, denn Ich bin der HERR, der ihn heiligt.
Der HERR heiligt die Früchte, den Samen des Kohen, seine Kinder. Deshalb muss der Kohen ehrfürchtig damit umgehen, wen er sich zum Partner nimmt, mit wem er sich verbindet, mit wem er ein Fleisch wird. Das ist natürlich sehr wichtig, aber es stellt sich die Frage: Und was hat das mit uns zu tun? Was können wir hier für uns mitnehmen?
Über uns hat der Höchste gesagt (Schemot 19,6), dass wir alle ein Königreich von Kohanim sind, wir sind ein Land von Menschen, die berufen sind, dem Höchsten zu dienen. Im zweiten Buch Schmu'el (8,18) wird über die Söhne Davids gesagt, dass sie Kohanim sind, dass sie am Königshof dienen. Somit ist jeder, der dem König der Könige, dem Höchsten, dient, in gewissem Maße ein Kohen. Und daran, wie wir uns zu unserem Dienst verhalten, zur Erfüllung jener Aufgaben, die der Höchste uns stellt, kann man, bildlich gesprochen, bestimmen, mit welcher Frau wir leben.
Eine Witwe – das ist eine Frau, deren Mann gestorben ist. Wenn man eine Parallele zu unserem Dienst zieht, dann können wir irgendwelche Handlungen ausführen, etwas für den Höchsten tun und dabei im Grunde tot sein, ohne unsere Seele daran zu legen. Wenn unsere Seele, unser Kopf sich dabei an einem anderen Ort befindet, dann wird die Ausführung des Dienstes rein automatisch sein, völlig seelenlos. Und die Tora sagt: Eine solche Frau sollst du nicht haben.
Wir können den Dienst auch von uns wegjagen (wie man sagt: Arbeit, Arbeit, geh zu Fedot), den Dienst einfach von uns wegtreiben wie eine Frau, die einem zuwider geworden ist. Und die Tora sagt: Du sollst keine Verbindung mit einer Geschiedenen haben.
Wir können den Dienst vollziehen wie eine Verbindung mit einer entehrten Frau und innerlich empfinden: „Mein Gott, welche Schande, wie beschämend, beschämend ist es, diesen Obdachlosen zu führen, diesen Obdachlosen zu waschen!“ oder: „Wie schäme ich mich, auf der Straße zu predigen!“ Das heißt, mit einem Gefühl der Scham zu dienen, mit dem Gefühl, dass, Gott bewahre, jemand sieht, dass ich mich damit beschäftige – wie sehr werde ich mich dann schämen! Paulus hat seinerzeit im Brief an die Römer beteuert: „Ich schäme mich der frohen Botschaft des Maschiach nicht“, denn es gab solche, die sich dessen schämten.
Und noch eine Variante: Wir können unsere Arbeit tun, als hielten wir sie gleichsam für eine Hure, und dabei denken: „Was können wir dafür bekommen? Irgendeinen Nutzen können wir daraus ziehen?“ oder überschlagen: „Wenn ich es so sage, zahlt man mir vielleicht mehr? Wenn ich es so mache, bekomme ich vielleicht irgendeinen größeren Nutzen? Vielleicht gibt man mir mehr Spenden, oder ich bekomme größere Achtung, ergattere noch irgendetwas Größeres für mich?“ Und das ist es, wovor die Tora warnt, und sie sagt: Auch eine solche Frau sollst du nicht haben. Wen kann man denn dann heiraten? Mit anderen Worten, wie soll man sich denn zu seinem Dienst verhalten? Die Tora sagt: „Sondern nur eine Jungfrau aus seinem Volk soll er nehmen.“ Jeden Tag, wenn man an den Dienst für den Höchsten geht, muss man daran denken, dass jeder Dienst wie eine Jungfrau ist, wie eine Braut. Das russische Wort für Braut bedeutet die Ungekannte, die Unerkannte (ne westa)Das russische Wort für „Braut“ lautet „newesta“. Der Autor liest es als „ne westa“, etwa „nicht gekannt“, „nicht bekannt gemacht“.. Als ob wir ihr zum ersten Mal begegnen, wie der ersten Liebe: mit der Freude der ersten Begegnung, mit der Freude der ersten Berührung mit den Fingerspitzen. Gerade auf einer solchen Ebene der Liebe, der Begeisterung sind wir berufen, unseren Dienst zu vollziehen (das gelingt natürlich nicht immer), die Berufung des Höchsten zu erfüllen. Dann werden unsere Früchte vom Höchsten geheiligt werden, wie gesagt ist: „Ich bin der HERR, der ihn heiligt.“ Dann werden auch unsere Kinder, wenn sie eine solche ehrfürchtige Haltung zum Dienst für den Höchsten sehen, geheiligt werden.
Emor: Materialien zum Thema
Zum Weiterlesen: jüdische Feste, die Kleidung der Priester, Stenogramm des Wochenabschnitts Kedoschim und die Wochenabschnitte der Tora.