1. Wochenabschnitte
  2. Wajikra
  3. Behar

בְּהַר

Behar

das Sabbatjahr und das Jobeljahr

Wochenabschnitt
32 von 54
Verse
Wajikra 25,1–26,2
Teile
4
Lesezeit
47 Min.

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Behar ist der Wochenabschnitt über das Sabbatjahr, das Jobeljahr und die Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Im Stenogramm von Alex Blend geht es um die Rückgabe des Landes, den Rückkauf von Besitz und die Hilfe für einen Menschen, der in Not geraten ist. Der Text des Buches Wajikra wird auf Hebräisch mit einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original heißt es hier „mit russischer Übersetzung“. Da diese Seite eine deutsche Übersetzung zeigt, steht hier neutral „einer Übersetzung“. und der religiösen Auslegung des Autors wiedergegeben.

Alles kann zurückgegeben werden

Wajikra 25,1–28

Mit Gottes Hilfe beginnen wir, ihr und ich, heute, den Wochenabschnitt Behar zu studieren, und werden ab Vers 1 von Kapitel 25 lesen.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה בְּהַר סִינַי לֵאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché behar sináj lemór

1 Und der HERR redete mit Mosche auf dem Berg Sinai und sprach:

Warum taucht hier plötzlich eine so unerwartete Präzisierung auf – der Berg Sinai? Die Gesetze, von denen im Weiteren die Rede sein wird, sind mit dem Leben des Volkes im Land Israel verbunden und sollen jener Generation übergeben werden, die in das Land Israel hineinkommen wird, aber zugleich sind sie Mosche auf dem Berg Sinai gegeben. Daraus können wir schließen, dass vieles von dem, was der Höchste zu Mosche sagte, auf dem Berg Sinai gesagt ist. Und Mosche lehrt das Volk dann, wenn das Volk bereit ist, genau diese Gesetze zu lernen, und folglich sind nicht alle Gesetze in der Reihenfolge aufgeschrieben, in der sie gegeben sind. Mosche hat als Lehrer das Recht zu entscheiden: wie, wann und welche Gesetze er weitergibt, die Hauptsache ist, sie in vollkommener Form weiterzugeben.

דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם כִּי תָבֹאוּ אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אֲנִי נֹתֵן לָכֶם וְשָׁבְתָה הָאָרֶץ שַׁבָּת לַיהוָה׃

dabbér el-bené jisraél we'amartá alehem ki tawóu el-ha'árez aschér aní notén lachém weschawetá ha'árez schabbát ladonáj

2 Rede mit den Söhnen Israels und sage ihnen: „Wenn ihr in das Land kommt, das Ich euch gebe, so wird das Land Sabbat halten, einen Sabbat dem HERRN.

Wir erfahren plötzlich, dass der Sabbat nicht nur ein Gebot ist, das dem Menschen gegeben ist, sondern dass auch bei der Bearbeitung des Landes ein Sabbat (schabbát) gehalten werden muss, und es geht genau um das Land Israel, das sind nicht die Gesetze, die in der Wüste gelten. Gewöhnlich haben die Gesetze, die mit dem Land Israel verbunden sind, einen solchen Zusatz, wie wir ihn hier lesen: ki tawóu el-ha'árez – wenn ihr in das Land kommt.

Wie wird denn das Land Sabbat halten? Das ähnelt sehr dem Gebot über den Sabbat, das uns gegeben ist.

שֵׁשׁ שָׁנִים תִּזְרַע שָׂדֶךָ וְשֵׁשׁ שָׁנִים תִּזְמֹר כַּרְמֶךָ וְאָסַפְתָּ אֶת־תְּבוּאָתָהּ׃

schesch schaním tisrá sadécha weschésch schaním tismór karmécha we'assaftá et-tewu'atá

3 Sechs Jahre besäe dein Feld, und sechs Jahre beschneide deinen Weinberg, und sammle ihre Früchte ein (die des Landes).

Ein Weinberg braucht es, dass man seine langen Reben beschneidet, damit der Traubensaft nicht potenziell in die unfruchtbaren Reben geht. Dafür beschneidet man ihn, die Trauben werden größer, saftiger (Einzelheiten kann man bei denen erfahren, die sich mit Weinbau beschäftigen, ich spreche darüber in groben Zügen).

וּבַשָּׁנָה הַשְּׁבִיעִת שַׁבַּת שַׁבָּתוֹן יִהְיֶה לָאָרֶץ שַׁבָּת לַיהוָה שָׂדְךָ לֹא תִזְרָע וְכַרְמְךָ לֹא תִזְמֹר׃

uwaschaná haschewi'ít schabbát schabbatón jihjé la'árez schabbát ladonáj sadechá lo tisrá wecharmechá lo tismór

4 Im siebten Jahr aber wird dem Land ein Sabbat der Sabbate sein, ein Sabbat dem HERRN: Dein Feld besäe nicht, und deinen Weinberg beschneide nicht.

אֵת סְפִיחַ קְצִירְךָ לֹא תִקְצוֹר וְאֶת־עִנְּבֵי נְזִירֶךָ לֹא תִבְצֹר שְׁנַת שַׁבָּתוֹן יִהְיֶה לָאָרֶץ׃

et sefíach kezirécha lo tikzór we'et-innewé nesirécha lo tiwzór schenát schabbatón jihjé la'árez

5 Den Rest von deiner Ernte schneide nicht ab, und lies die Trauben aus dem bei dir behüteten Weinberg nicht, ein Sabbatjahr wird das im Land sein.

Sefíach (Zuwachs) – das ist etwas Übriggebliebenes, Hinzugekommenes. Wenn wir den Weizen am Ende des sechsten Jahres geschnitten und ihn im siebten Jahr nicht ausgesät haben (oder im Verlauf des natürlichen Reifens des Weizens), konnten irgendwelche Körner auf den Boden fallen und aufkeimen. Das ist das, was den Weizen betrifft. Und wenn wir von Weinbergen oder von Bäumen sprechen, so können sie Früchte tragen: Es ist klar, dass ein Feigenbaum oder ein Dattelbaum überhaupt nicht weiß, dass es um das siebte Jahr geht, und Früchte trägt wie gewöhnlich. Und eben das, was im siebten Jahr gereift ist, darf man nicht für sich ernten. Obwohl wir diesen Weinberg nicht besäen und nicht beschneiden, behüten wir ihn, wir können ihn nicht jemandem zur Verwüstung überlassen. Dieser Weinberg ist unserer, deshalb heißt er auch der Weinberg, den wir hüten. Nicht unsere sind die Trauben darin, wir dürfen sie nicht ernten. Aber es gibt eine bestimmte, sehr wichtige Besonderheit.

וְהָיְתָה שַׁבַּת הָאָרֶץ לָכֶם לְאָכְלָה לְךָ וּלְעַבְדְּךָ וְלַאֲמָתֶךָ וְלִשְׂכִירְךָ וּלְתוֹשָׁבְךָ הַגָּרִים עִמָּךְ׃

wehajetá schabbát ha'árez lachém le'ochlá lechá ul'awdechá wela'amatécha welis'chirécha ultoschawechá haggarím immách

6 Und der Sabbat des Landes wird für euch zur Speise sein, dir und deinem Knecht und deiner Magd und deinem Tagelöhner, und für deine Bewohner, für alle, die bei dir wohnen.

Was bedeutet das? Du kannst dieses Feld nicht abernten und das Korn in deinen Speicher legen, aber jeden Tag kannst du, der Besitzer, und jeder andere aus deinem Volk, von denen, die bei dir wohnen, auf das Feld kommen und sich nehmen, was für die heutige Tagesnahrung nötig ist, für zwei Mahlzeiten täglich darf man sammeln. Für das Feld wurden besondere Wächter eingesetzt. Einen Hinweis darauf können wir im Buch Rut sehen: Dort gab es junge Männer, die die Ährenleser beaufsichtigten. Hier gab es, obwohl das Feld nicht abgeerntet wurde, Leute, die für die Unversehrtheit dieses Feldes verantwortlich waren, damit Barbaren es nicht verwüsteten, nicht niederbrannten, damit niemand es überfiel. Und jeder Mensch (jeder, der wollte, auch der Besitzer selbst) konnte auf das Feld kommen und zwei Handvoll Korn nehmen, das, was für die Nahrung an diesem Tag nötig ist. Der Besitzer hatte in diesem Fall keinerlei Vorrecht. Es, dieses Feld, gehört niemandem, und nur auf einer solchen Grundlage hat der Besitzer das Recht, es zu nutzen, darüber zu verfügen.

וְלִבְהֶמְתְּךָ וְלַחַיָּה אֲשֶׁר בְּאַרְצֶךָ תִּהְיֶה כָל־תְּבוּאָתָהּ לֶאֱכֹל׃

weliwhemtechá welachajá aschér be'arzécha tihjé chol-tewu'atá le'echól

7 Und für dein Vieh und für das Tier, das in deiner Gegend ist, wird dieser ganze Ertrag zur Speise sein.

Das heißt, auch die Tiere darf man in der Nahrung nicht einschränken. Die Tora gebietet also, dass das Land jedes siebte Jahr Sabbat halten soll. Es gibt viele Kommentatoren, die zu erklären versuchen, wozu dieses Gesetz gegeben ist. Es gibt rationale Gründe: Das Land muss ruhen, es braucht Ruhe, damit es sich nicht erschöpft. Von Zeit zu Zeit muss man dem Land Ruhe geben, und deshalb hat der Höchste einmal in sieben Jahren einen Sabbat für das Land geboten. Andere Kommentatoren sagen: Der HERR hat die Welt so eingerichtet, dass es in ihr auch den Sabbat gibt, er ist auch in Bezug auf das Land gegeben, damit wir wissen, dass das ganze Land dem HERRN gehört. Und was folgt daraus, dass das Land dem HERRN gehört? Das bedeutet, dass wir auf ihm nicht alles tun können, was wir wollen. Der Sabbat erinnert uns daran, dass das Land des HERRN ist, dass gerade der HERR uns den Ertrag gibt und alles, was es auf dem Land gibt; und zur Erinnerung daran ist der Sabbat gegeben. Und wenn wir in einem gewöhnlichen Jahr etwas vom Feld geerntet und mit Seiner Erlaubnis in unseren Speicher gelegt haben, dann ist es Sein Ertrag, der in unseren Speichern liegt, und der Sabbat erinnert uns wiederum daran.

Es gibt noch eine wichtige Seite des Jahres, das Schmitá oder Sabbatjahr heißt. Wie der Sabbat eine heilige Versammlung und eine Zeit zum Lernen ist, so ist auch die Schmitá eine Zeit zum Lernen. Der Arme muss sich nicht um seine Nahrung sorgen, der Reiche muss sich nicht um sein Geschäft sorgen – alle sind befreit, und alle können ihre ganze Zeit dem Studium der Tora widmen. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt, damit die Menschen das Gesetz studieren können, Zeit für Selbstbildung finden. Sehr viele Fachleute an den Universitäten haben ein sogenanntes schnát schabbaton, ein Sabbatical, das nicht an das Jahr der Schmitá gebunden ist. Jeder Mensch mit Hochschulbildung (so jedenfalls in Israel und in vielen anderen Ländern) hat einmal in sieben Jahren ein Jahr bezahlten Urlaub, um etwas Neues zu lernen zu beginnen, sich irgendwo zu vervollkommnen, seine Bildung zu erweitern. Der Politiker Zeev Jabotinsky, der kein besonders religiöser Mensch war, aber die Tora und die Tradition kannte, träumte davon, dass es in Israel auch für einfache Menschen – für Arbeiter, Angestellte, für Leute vom Pflug, von der Werkbank oder vom Kassenbuch – einmal in sieben Jahren die Möglichkeit gäbe, alles anzuhalten und diese Zeit der Bildung und dem Studium der Tora zu widmen. Vielleicht wird es sich ja noch so fügen und einrichten.

Selbstverständlich gibt es auch noch den Aspekt des Glaubens, darüber wird die Tora weiter unten sprechen: Wie kann man es sich leisten, ein ganzes Jahr nicht zu arbeiten, das Feld nicht zu besäen, wenn die heidnischen Nachbarn und einfach Nachbarn, die die Tora nicht halten, es sich erlauben zu arbeiten.

Ab Vers 8 lesen wir noch eine Stufe der Sabbatruhe des Landes.

וְסָפַרְתָּ לְךָ שֶׁבַע שַׁבְּתֹת שָׁנִים שֶׁבַע שָׁנִים שֶׁבַע פְּעָמִים וְהָיוּ לְךָ יְמֵי שֶׁבַע שַׁבְּתֹת הַשָּׁנִים תֵּשַׁע וְאַרְבָּעִים שָׁנָה׃

wessafartá lechá schéwa schabbetót schaním schéwa schaním schéwa pe'amím wehajú lechá jemé schéwa schabbetót haschaním téscha we'arba'ím schaná

8 Und du zähltest dir sieben Jahrsiebente ab, sieben Jahre siebenmal, und es waren bei dir sieben Jahrsiebente, neunundvierzig Jahre.

Das ist Arithmetik: 7x7 = 49. Aber die Tora rechnet das für diejenigen vor, die in Arithmetik nicht stark sind.

וְהַעֲבַרְתָּ שׁוֹפַר תְּרוּעָה בַּחֹדֶשׁ הַשְּׁבִעִי בֶּעָשׂוֹר לַחֹדֶשׁ בְּיוֹם הַכִּפֻּרִים תַּעֲבִירוּ שׁוֹפָר בְּכָל־אַרְצְכֶם׃

weha'awartá schofár teru'á bachódesch haschewi'í be'assór lachódesch bejom hakkippurím ta'awíru schofár bechol-arzechém

9 Und lass die Stimme des Schofarblasens ergehen im siebten Monat, am Zehnten des Monats; am Tag der Sühne soll der Trompetenklang durch euren ganzen Boden gehen (durch euer ganzes Land).

Nach dem Ende der neunundvierzig Jahre, im fünfzigsten Jahr, lass den Klang des Schofars ergehen – schofár tru'á. Beachtet: Der Beginn des Jobeljahres erfolgt im siebten Monat. Noch einmal möchte ich daran erinnern, dass es verschiedene Jahresanfänge gibt. Hier zum Beispiel sagt die Tora, dass der Beginn des Jobeljahres im siebten Monat ausgerufen werden soll.

Wir sprechen oft vom Trompetenklang, die Tora spricht viel vom Trompetenklang, in Tehillim heißt es: „Glückselig das Volk, das den Trompetenklang hört.“ Der Trompetenklang erinnert den Menschen sowohl an die Gabe der Tora als auch möglicherweise an den Klang, mit dem der Höchste die Seele des Menschen in seinen Körper hineinblies. Der Klang des Schofars erinnert den Menschen auch an seine Berufung, das ist „die Trompete ruft“ im wörtlichen Sinn des Wortes.

Wozu braucht es eine solche Musik?

וְקִדַּשְׁתֶּם אֵת שְׁנַת הַחֲמִשִּׁים שָׁנָה וּקְרָאתֶם דְּרוֹר בָּאָרֶץ לְכָל־יֹשְׁבֶיהָ יוֹבֵל הִוא תִּהְיֶה לָכֶם וְשַׁבְתֶּם אִישׁ אֶל־אֲחֻזָּתוֹ וְאִישׁ אֶל־מִשְׁפַּחְתּוֹ תָּשֻׁבוּ׃

wekiddaschtém et schenát hachamischím schaná ukratém derór ba'árez lechol-joschewehaIn der russischen Umschrift fehlt in diesem Wort („ihre Bewohner“) der Vokal o. Die deutsche Umschrift folgt hier dem hebräischen Text. jowél hi tihjé lachém weschawtém isch el-achussató we'ísch el-mischpachtó taschúwu

10 Und heiligt das fünfzigste Jahr, und ruft eine freie Freiheit (das Freisein) im ganzen Land aus, für alle, die auf eurer Erde wohnen; ein Jobeljahr wird es euch sein. Und ihr werdet zurückkehren, jeder zu seinem Gut, jeder zu seiner Familie.

Heiligt – das heißt, sondert es ab, macht es dem Höchsten geweiht. Das ist ein Jahr, in dem nichts euer ist, sondern alles Gottes.

Es kommt vor, dass ein Mensch aus Armut, aus Ungeschicklichkeit, aus Dummheit sein Haus verkauft und ohne alles dasteht, ohne Grundbesitz dasteht. Grundbesitz bedeutet für einen Menschen sehr viel. Die Tora sagt: Im Land Israel darf man ein Erbteil nicht für immer verkaufen, es ist unmöglich, ein Erbteil für immer zu verkaufen. Jedes Geschäft mit Grundbesitz in Israel ist ein Pachtgeschäft. Wenn du vom Reichtum etwas kaufst, musst du verstehen, dass es nicht deins sein wird. Das Land in Israel ist Gottes, Gott hat es dem Volk gegeben, und das Eigentum daran hat das Volk als solches. Wenn ein Mensch Land verkauft hat, hat er das Recht, es im Jobeljahr völlig kostenlos zurückzubekommen. Es gibt Wege (wir werden über sie sprechen), es auch früher zurückzubekommen, aber man kann einem Menschen das Land nicht für immer wegnehmen. Und das verbindet den Menschen mit dem Land. Dort, wo ich ein Erbteil habe, dort, wo ich Grundbesitz habe – mit diesem Ort werde ich verbunden sein, ich werde an ihm interessiert sein, dort wird mein Land sein, mein Erbteil, mein Gut. Und jeder Mensch kehrt zu seinem Gut zurück. Jeder Knecht mit durchbohrtem Ohr oder ohne durchbohrtes Ohr – alle kommen frei.

Das Wort derór habe ich mit Freisein übersetzt, im Akkadischen bedeutet es vollständige Befreiung der Sklaven, vollständige Freiheit. Die Sklaverei hört im Jobeljahr auf zu bestehen, alle werden befreit. Das heißt, auch ein Mensch, der auf eine solche Stufe der Armut gelangt ist, dass er sich schon selbst, Gott bewahre, in die Sklaverei verkauft hat oder, Gott bewahre, seine Tochter in die Sklaverei verkauft hat – alle haben die Möglichkeit, im fünfzigsten Jahr frei zu werden. Die Sklaverei kann nicht unendlich sein, sie kann nur lang sein. Es ist unmöglich, zu verlieren, sich zu ruinieren, ohne alles dazustehen, für immer. Jede sozioökonomische Spaltung, die durch die Dummheit des Menschen, durch die Sünden des Menschen, durch was auch immer entstanden ist, wird nicht zu einer dauerhaften. Und es gibt immer Fristen der Berichtigung. Und das ist sehr wichtig für uns, daran zu denken, obwohl wir heute keine Tradition haben, die Jobeljahre zu halten. Es ist wichtig, daran zu denken, dass wir nichts unendlich festhalten können und uns nichts unendlich unterordnen können.

Seht, wie stark die gesellschaftlichen Gesetze sind. Im siebten Jahr, dem Jahr der Schmitá, ernähren sich alle gleichberechtigt: wer gearbeitet hat und wer nicht gearbeitet hat, wer reich ist und wer arm ist. David Ben-Gurion, der erste Premierminister Israels, nahm seinerzeit diese Idee und machte daraus die Kibbuzbewegung (Kibbuz – landwirtschaftliche Kommune), in der alle gleich viel bekommen. Wenn die Regeln der Tora in die Hände von Menschen geraten, die nicht ganz nach der Tora leben, sondern nur teilweise, dann kommt ein Kibbuz heraus, und statt Gleichheit – Gleichmacherei, und Schmitá jeden Tag.

Eine Anmerkung in Klammern. Eines der wichtigsten Symbole des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes, eines der wichtigsten Symbole der Vereinigten Staaten, ist die Freiheitsglocke, die sich in Philadelphia befindet. Seinerzeit rief gerade das Läuten dieser Glocke die Einwohner zur Verlesung der Unabhängigkeitserklärung zusammen. Auf dieser Glocke stehen eben die Worte aus unserem 10. Vers: „Und verkündet Freiheit auf der Erde allen ihren Bewohnern.“ Die Gründer des amerikanischen Staates beschlossen, diesen Vers als eines der nationalen Mottos oder Prinzipien der Existenz der Nation zu wählen.

Wenn das Land Israel in Übereinstimmung mit den Weisungen der Tora lebt, wenn es wirklich das Heilige Land ist, dann ist das Land Israel ein Land, in dem man weder in ewige Versklavung noch in ewige Bereicherung geraten kann. Wenn du etwas von jemandem nimmst, kann man es dir abkaufen oder im Jobeljahr einfach wegnehmen. Sei also vorsichtig und verstehe, dass alles, was du hast, Gottes ist.

יוֹבֵל הִוא שְׁנַת הַחֲמִשִּׁים שָׁנָה תִּהְיֶה לָכֶם לֹא תִזְרָעוּ וְלֹא תִקְצְרוּ אֶת־סְפִיחֶיהָ וְלֹא תִבְצְרוּ אֶת־נְזִרֶיהָ׃

jowél hi schenát hachamischím schaná tihjé lachém lo tisrá'u weló tikzerú et-sefichéha weló tiwzerú et-nesiréha

11 Das ist das Jobeljahr, das Jahr, das fünfzig Jahre vollendet, wird es euch sein: Sät nicht, und schneidet seinen Rest nicht ab, und lest nicht die Trauben, die von euch behütet werden.

Hier ergibt sich, wenn wir uns an die Mathematik erinnern, eine interessante kleine Zahl. Im achtundvierzigsten Jahr haben wir gesät, das neunundvierzigste Jahr ist das Jahr der Schmitá, wir säen nicht; im fünfzigsten Jahr säen wir auch nicht; im einundfünfzigsten Jahr säen wir schon, aber bis es reif wird … Die Weizenernte beginnt gewöhnlich irgendwann gegen Schawuot, die Gerstenernte beginnt gegen Pessach. Das heißt, fast drei Jahre müssen wir uns darauf verlassen, dass der Höchste uns Nahrung gibt. So eine Besonderheit hat das Ende der fünfzig Jahre, eine Besonderheit des Jobeljahres.

כִּי יוֹבֵל הִוא קֹדֶשׁ תִּהְיֶה לָכֶם מִן־הַשָּׂדֶה תֹּאכְלוּ אֶת־תְּבוּאָתָהּ׃

ki jowél hi kódesch tihjé lachém min-hassadé tochelú et-tewu'atá

12 Denn es ist das Jobeljahr, heilig wird es euch sein; jeder kann vom Feld nehmen, was ihr zur Nahrung braucht.

Hier ist die Regel dieselbe wie im siebten Jahr: Vom Feld nehmen darf man, jeder kann nehmen, aber in den Speicher legen darf man nicht.

Es wird wohl interessant sein, folgende Anmerkung zu machen. Wenn sich Menschen versammelten und die Früchte dieser Ernte teilen wollten, zu teilen versuchten, dann konnte es geschehen, dass die Ernte, die man vom Feld eingesammelt hatte, nicht so groß ist, sie reicht nicht für alle. Und der Bedienstete, der eingesetzt war, die Einsammlung der Ernte oder den Rand des Feldes zu beaufsichtigen, hatte zwei Möglichkeiten der Verteilung: alles gleichmäßig auf alle aufzuteilen oder jedem die Möglichkeit zu geben, nach dem Maß seiner Anstrengungen zu nehmen. Das heißt, jeder, der sich durchgedrängt hat, kann schneller nehmen als ein anderer, wenn auch nicht mehr, als er zum Essen braucht. Und wenn unter allen Versammelten auch nur ein Einziger sagt, dass wir nach Anstrengung nehmen (selbst wenn alle Übrigen gleiche Teile wollen), dann nehmen in diesem Fall alle, jeder nach seiner Anstrengung – das heißt keine Wartenummern, keine Warteschlange, sondern eine Art Gedränge. So sagt das Gesetz, das wird im Talmud erwähnt.

Und in diesem Sinn kann man, als eine der Möglichkeiten, das Wort Jeschuas verstehen, dass das Himmelreich mit Gewalt genommen wird. Es gibt nicht irgendwelche Verteiler, die Erbteile im Himmelreich oder irgendeinen Anteil daran austeilen würden, es gibt keine Bürokratie oder irgendwelche Beamten, die darin verwickelt oder daran beteiligt wären. Jeder kann nach seiner Anstrengung herantreten, so viel nehmen, wie nötig ist, wie viel er fassen kann. Das heißt, das Himmelreich wird geentert, wird mit Gewalt genommen. Genau auf diese Weise schlage ich euch vor, diese Variante des Verständnisses aufzufassen.

בִּשְׁנַת הַיּוֹבֵל הַזֹּאת תָּשֻׁבוּ אִישׁ אֶל־אֲחֻזָּתוֹ׃

bischnát hajowél hassot taschúwu isch el-achussató

13 In diesem Jobeljahr soll jeder in sein Erbteil zurückkehren.

Es gibt daran noch eine Seite: Du musst dorthin zurückkehren, musst dich bemühen, dorthin zurückzukehren. Ein Mensch kann sagen, so überlegen: „Ich habe mich schon daran gewöhnt, ich bin seit 25 Jahren Gastarbeiter, ich habe hier mehr Zugehörigkeit als dort, ich bin viele Jahre in der Sklaverei. Und wie soll ich mich da noch mit einem selbstständigen Leben befassen! Mein Herr ist, Gott sei Dank, gnädig zu mir. Und wie gnädig Gott oder die Natur zu mir sein werden, wenn ich hinausgehe, weiß ich nicht. Und ich will auch gar nicht, mir geht es hier gut.“ Aber es gibt die Weisung, sich um sein Erbteil zu kümmern. Das ist nicht nur ein Recht, die Tora will, dass wir das tun, dass wir in die Freiheit hinausgehen, zu unserem Erbteil zurückkehren. Wenn man diese Weisung außerhalb der Landwirtschaft versteht, dann betrifft sie viele unserer Träume, Berufungen, Berufe, die wir um der weltlichen Geschäftigkeit willen verlassen haben, aus unserer Armut, aus unserer Schwäche, aus Dummheit oder aus Sündhaftigkeit. Verlassen, vergessen, und sie, diese unsere Berufungen, diese unsere Erbteile, unsere Talente, unsere nicht verwirklichten Fähigkeiten, nicht verwirklichten Träume, sie können ebenfalls auf uns warten. Und die Tora sagt: Kehre zu deinem Erbteil zurück. Es gibt die Möglichkeit, Freiheit zu bekommen von allem, was dich daran gehindert hat, dich mit dem zu beschäftigen, wozu du berufen bist, mit dem, was wahrhaft deins ist.

Im nächsten Vers wechselt das Thema, es beginnt ein Gespräch über die Ehrlichkeit bei Geschäften.

וְכִי־תִמְכְּרוּ מִמְכָּר לַעֲמִיתֶךָ אוֹ קָנֹה מִיַּד עֲמִיתֶךָ אַל־תּוֹנוּ אִישׁ אֶת־אָחִיו׃

wechi-timkerú mimkár la'amitécha o kanó mijád amitécha al-tonú isch et-achíw

14 Wenn ihr eurem Nächsten etwas verkauft oder von eurem Nächsten kauft, betrügt euren Bruder nicht.

בְּמִסְפַּר שָׁנִים אַחַר הַיּוֹבֵל תִּקְנֶה מֵאֵת עֲמִיתֶךָ בְּמִסְפַּר שְׁנֵי־תְבוּאֹת יִמְכָּר־לָךְ׃

bemispár schaním achár hajowél tikné me'ét amitécha bemispár schene-tewu'ót jimkor-lách

15 Nach der Zahl der Jahre nach dem Jobeljahr kaufe von deinem Nächsten, nach der Zahl der Ernten wird er dir verkaufen.

Worum geht es? Nehmen wir an, ich kaufe ein Stück Land, wo auch immer ich es kaufe, vor dem Jobeljahr. Was verkauft mir der Mensch? Er verkauft mir in Wirklichkeit nicht das Land, er verkauft mir die potenzielle Ernte. Ich weiß, dass zum Beispiel bis zum Jobeljahr noch 10 Jahre bleiben, oder 20 Jahre, oder 30 Jahre. Und also kaufe ich 10, 20, 30 Ernten – so viele, wie übrig sind. Nun, ich kann eine Frage stellen, wie in einem sowjetischen Zeichentrickfilm: „Gibt denn die Kuh viel Milch?“, und damit meinen: „Ist denn deine Ernte von deinem Feld groß, Bauer?“ Und er wird sagen: „Tragen wirst du und nicht fertig werden mit Tragen in den Speicher, so viel Ernte.“ Das kann bedeuten, dass entweder keine Ernte da ist oder dass sie reichlich ist. Das heißt, man kann mich in Bezug auf die Ernte betrügen. Man kann mich darin betrügen, dass der Nachbar neben diesem Grundstück eine Müllhalde angelegt hat und schlechtes Wasser darauf eindringt. Oder mich auf irgendeine andere Weise in Bezug auf dieses Grundstück betrügen. Letzten Endes, da das Jobeljahr einmal in 50 Jahren ist, kann ich das Datum vergessen und denken: Wann kommt denn dieses Jobeljahr noch! Doch es kommt jeden Augenblick – und schon ist es da. Bei mir passiert das mit dem Schabbat. Ich denke oft, dass es bis zum Schabbat noch weit ist, und plötzlich wache ich morgens auf, und draußen ist – Freitag. Und mit dem Jobeljahr kann so etwas erst recht passieren. Und all das ist ein Nährboden für unendliche Möglichkeiten zu betrügen. Deshalb sagt die Tora: Betrügt einander nicht, verkauft die Zahl der Ernten, denkt daran, dass man ehrlich sein muss, dass ihr den Segen nicht vom verdienten Geld bekommt, sondern vom Höchsten.

לְפִי רֹב הַשָּׁנִים תַּרְבֶּה מִקְנָתוֹ וּלְפִי מְעֹט הַשָּׁנִים תַּמְעִיט מִקְנָתוֹ כִּי מִסְפַּר תְּבוּאֹת הוּא מֹכֵר לָךְ׃

lefí row haschaním tarbé miknató ulfí me'ót haschaním tam'ít miknató ki mispár tewu'ót hu mochér lach

16 Nach der Mehrzahl der Jahre wird sich der Preis erhöhen, und nach der geringen Zahl der Jahre wird sich der Preis verringern, denn die Anzahl der Ernten verkauft er dir.

Das heißt: Denk daran und meine nicht, dass du Land kaufst, betrüge dich nicht selbst, du kaufst eine Anzahl von Ernten. Deshalb gilt: Je mehr Ernten, desto teurer das Land, je weniger Ernten bis zum Jobeljahr geblieben sind, desto billiger das Land.

וְלֹא תוֹנוּ אִישׁ אֶת־עֲמִיתוֹ וְיָרֵאתָ מֵאֱלֹהֶיךָ כִּי אֲנִי יְהוָֹה אֱלֹהֵיכֶם׃

weló tonú isch et-amitó wejaréta me'elohécha ki aní adonáj elohechém

17 Und betrügt nicht, ein jeder seinen Nächsten, und fürchte deinen Gott, denn Ich bin der HERR, euer Gott.

Mehr, als du Geld willst, musst du Gott fürchten, denn wenn du dich mit Mir, mit dem Höchsten, zerstreitest, dann rettet dich kein Geld.

וַעֲשִׂיתֶם אֶת־חֻקֹּתַי וְאֶת־מִשְׁפָּטַי תִּשְׁמְרוּ וַעֲשִׂיתֶם אֹתָם וִישַׁבְתֶּם עַל־הָאָרֶץ לָבֶטַח׃

wa'assitém et-chukkotáj we'et-mischpatáj tischmerú wa'assitém otám wischawtém al-ha'árez lawétach

18 Und ihr werdet meine Gesetze befolgen und meine Gebote halten und nach ihnen handeln, und ihr werdet friedlich (sicher) auf dem Land leben.

Die Sicherheit des Lebens auf dem Land betrifft auch dies: Da wir hier jetzt nicht säen und nicht pflügen, könnte jemand meinen, dass das genau die richtige Zeit ist, uns zu überfallen. Der Höchste sagt, dass das Halten dieser Gebote der beste Beitrag zur Verteidigung des Landes im Rahmen des Volkes ist. Und im Rahmen meines persönlichen Verhaltens: Wenn ich meine Immobilien besser verwalten will, dann muss ich die Gesetze des Höchsten halten, sowohl in Bezug auf den Sabbat, das heißt das Land in den festgesetzten Jahren unbearbeitet lassen; als auch in den Beziehungen zu den Nächsten, das heißt nicht versuchen, den Nächsten irgendwie um meines Gewinns willen zu betrügen. Und dann werde ich ruhig auf dem Land leben.

וְנָתְנָה הָאָרֶץ פִּרְיָהּ וַאֲכַלְתֶּם לָשֹׂבַע וִישַׁבְתֶּם לָבֶטַח עָלֶיהָ׃

wenatená ha'árez pirjá wa'achaltém lassówa wischawtém lawétach aléha

19 Und das Land gab seine Frucht, und ihr werdet euch satt essen, und ihr werdet sicher auf ihm leben.

Ab Vers 20 beginnt so eine Art gedachter Dialog des Volkes mit dem Höchsten: was wir sagen könnten und wie wir dem Befehl des Höchsten widersprechen könnten, ein Jahr oder zwei das Feld nicht zu besäen und irgendwie zu leben.

וְכִי תֹאמְרוּ מַה־נֹּאכַל בַּשָּׁנָה הַשְּׁבִיעִת הֵן לֹא נִזְרָע וְלֹא נֶאֱסֹף אֶת־תְּבוּאָתֵנוּ׃

wechí tomerú ma-nochál baschaná haschewi'ít hen lo nisrá weló ne'essóf et-tewu'aténu

20 Wenn ihr sagt: Und was werden wir im siebten Jahr essen, wenn wir nicht säen und unsere Ernte nicht einsammeln werden?

Eine bekannte Regel: Wer nicht arbeitet, der isst nicht. Wie können wir denn im siebten Jahr nicht arbeiten? Was werden wir essen, wenn wir nicht säen? Das ist ein durchaus vernünftiger Gedanke. Und der Höchste erklärt:

וְצִוִּיתִי אֶת־בִּרְכָתִי לָכֶם בַּשָּׁנָה הַשִּׁשִּׁית וְעָשָׂת אֶת־הַתְּבוּאָה לִשְׁלֹשׁ הַשָּׁנִים׃

weziwwíti et-birchatí lachém baschaná haschischít we'assát et-hattewu'á lischlósch haschaním

21 Ich werde Meinem Segen gebieten (Ich werde befehlen, das Land bei euch zu segnen, Ich werde euch den Segen gebieten) im sechsten Jahr, und es wird eine Ernte für drei Jahre hervorgebracht werden (für drei Jahre Nahrung).

וּזְרַעְתֶּם אֵת הַשָּׁנָה הַשְּׁמִינִת וַאֲכַלְתֶּם מִן־הַתְּבוּאָה יָשָׁן עַד הַשָּׁנָה הַתְּשִׁיעִת עַד־בּוֹא תְּבוּאָתָהּ תֹּאכְלוּ יָשָׁן׃

usra'tém et haschaná hascheminít wa'achaltém min-hattewu'á jaschán ad haschaná hatteschi'ít ad-bó tewu'atá tochelú jaschán

22 Und ihr werdet im achten Jahr säen und werdet das Alte von der Ernte essen, bis zum neunten Jahr; bis die Ernte des neunten Jahres kommt, werdet ihr das Alte essen.

Das heißt, der Höchste verspricht: Im sechsten Jahr (oder im achtundvierzigsten Jahr im Fall des Jobeljahres) werdet ihr eine solche Ernte einbringen, dass ihr sie ganze drei Jahre lang essen werdet, sie wird euch für drei Jahre reichen.

Man kann hier sagen: „Na, wollen wir es mal prüfen?“ Also, ich habe das Feld im sechsten Jahr besät. Ich habe geschaut, überschlagen und gesehen: Nö, bei mir ist keine Ernte für drei Jahre herausgekommen. Es kam heraus wie gewöhnlich. Und ich sage zum Höchsten: Wenn Du Deine Versprechen nicht erfüllst, dann werde auch ich Deine Tora nicht halten, ich werde eben säen wie gewöhnlich. Wenn Du gegeben hast wie gewöhnlich, dann werde auch ich handeln wie gewöhnlich (das heißt sündigen). Man kann natürlich so urteilen, es gibt eine solche Versuchung. Und die Antwort kann darin liegen, dass es nicht immer ein offensichtliches Wunder ist, es geht nicht unbedingt um einen direkten Segen: Die Tora lehrt uns außerdem, in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen zu leben. Ich überlege jetzt nicht theoretisch, ich spreche auf der Grundlage des Umgangs mit Menschen, die in Israel Landwirtschaft betreiben und die sagen, dass die Ernte tatsächlich nicht immer dreifach oder vierfach ist. Aber sie reicht immer! Und so oder so, aus verschiedenen Gründen, aber das Geschäft überlebt immer, die Sache kommt ins Lot. Und wir können nicht sagen, dass wir mehr Schaden davon haben, dass wir das Jahr der Schmitá halten. Es kommen mehr Leute, die bei uns kaufen, wir haben viele treue Käufer, die wissen, wie wir Gemüse, Obst in Übereinstimmung mit allen Gesetzen anbauen. Und alles kommt im Ergebnis ins Lot, und es reicht, es reicht dafür, dass das Geschäft, der Betrieb, das Gut durchhält, dafür, dass niemand hungert, dafür, dass der Betrieb im Gesamtergebnis einen größeren Gewinn bringt als bei den Konkurrenten. So erzählen es Menschen, die Landwirtschaft betreiben.

וְהָאָרֶץ לֹא תִמָּכֵר לִצְמִתֻת כִּי־לִי הָאָרֶץ כִּי־גֵרִים וְתוֹשָׁבִים אַתֶּם עִמָּדִי׃

weha'árez lo timmachér lizmitút ki-lí ha'árez ki-gerím wetoschawím attém immadí

23 Und das Land verkaufe nicht auf ewig, denn das Land gehört Mir, denn ihr seid Fremdlinge auf dem Land und Bewohner mit Mir.

Gerím – das sind Fremdlinge, toschawím – das sind ständige Bewohner. Das heißt, wenn ihr das Land für euer eigenes haltet, dann seid ihr Fremdlinge. Bei Mir, auf Meinem Land, mit Mir seid ihr ständige Bewohner. Deshalb kannst du das Land nicht verkaufen, es ist nicht deines.

וּבְכֹל אֶרֶץ אֲחֻזַּתְכֶם גְּאֻלָּה תִּתְּנוּ לָאָרֶץ׃

uwchól érez achussatchém ge'ullá tittenú la'árez

24 Und im ganzen Land, in euren Besitztümern gebt die Möglichkeit der Erlösung (des Rückkaufs) für die Besitztümer.

Was bedeutet das? Zum Beispiel habe ich mein Besitztum verkauft, mein Erbteil, mein Landhaus fünf Kilometer von Jerucham entfernt. Ich habe es verkauft, weil ich kein Geld hatte, weil ich in Not war, dumm war oder aus irgendeinem anderen Grund. Nach einiger Zeit komme ich zum Käufer und sage: „Verkauf es mir zurück.“ Und er muss es mir verkaufen, er kann mir den Verkauf nicht verweigern.

כִּי־יָמוּךְ אָחִיךָ וּמָכַר מֵאֲחֻזָּתוֹ וּבָא גֹאֲלוֹ הַקָּרֹב אֵלָיו וְגָאַל אֵת מִמְכַּר אָחִיו׃

ki-jamúch achícha umachár me'achussató uwá go'aló hakkarów eláw wega'ál et mimkár achíw

25 Wenn dein Bruder schwach wird und sein Besitztum verkauft hat, und der Erlöser des Nächsten gekommen ist und das von seinem Bruder Verkaufte zurückgekauft hat.

Es hat sich so ergeben, dass dein Bruder und Nachbar in Not geraten ist und dir sein Besitztum verkauft hat, aber sein naher Verwandter, der reich genug ist, ist gekommen und hat das Verkaufte zurückgekauft.

וְאִישׁ כִּי לֹא יִהְיֶה־לּוֹ גֹּאֵל וְהִשִּׂיגָה יָדוֹ וּמָצָא כְּדֵי גְאֻלָּתוֹ׃

we'ísch ki lo jihje-lo go'él wehissíga jadó umazá kedé ge'ullató

26 Wenn aber ein Mensch keinen Erlöser hat (keinen reichen Verwandten), er sich aber anzustrengen vermochte, und seine Hand reichte hin, und er fand genug für den Rückkauf,

וְחִשַּׁב אֶת־שְׁנֵי מִמְכָּרוֹ וְהֵשִׁיב אֶת־הָעֹדֵף לָאִישׁ אֲשֶׁר מָכַר־לוֹ וְשָׁב לַאֲחֻזָּתוֹ׃

wechischáw et-schené mimkaró weheschíw et-ha'odéf la'ísch aschér machar-ló wescháw la'achussató

27 Und er rechnete die Jahre seit dem Verkauf nach und gab das Restgeld dem Käufer zurück (dem, an den er verkauft hatte), und kehrte in seinen Besitz zurück.

Das heißt, ich habe mein Gut 20 Jahre vor dem Jobeljahr verkauft. 5 Jahre sind vergangen, und ich habe nachgerechnet: Ich habe es für 20 Ernten verkauft, 5 Ernten hat er eingebracht, erhalten; also kann ich es für 15 Ernten zurückkaufen. Und der Käufer hat nicht das Recht, mir den Rückkauf meines ihm zeitweilig verkauften Besitzes zu verweigern.

וְאִם לֹא־מָצְאָה יָדוֹ דֵּי הָשִׁיב לוֹ וְהָיָה מִמְכָּרוֹ בְּיַד הַקֹּנֶה אֹתוֹ עַד שְׁנַת הַיּוֹבֵל וְיָצָא בַּיֹּבֵל וְשָׁב לַאֲחֻזָּתוֹ׃

we'ím lo-maze'á jadó de haschíw lo wehajá mimkaró bejád hakkoné otó ad schenát hajowél wejazá bajowél wescháw la'achussató

28 Wenn aber seine Hand nicht genug erreicht hat, um ihn (den Besitz) zurückzubekommen, dann bleibt das Verkaufte in den Händen des Käufers bis zum Jobeljahr. Und im Jobeljahr kann der Mensch wieder (völlig kostenlos) in seinen Besitz zurückkehren.

Das heißt, wenn ein Mensch nicht genug Geld auftreiben konnte, um sein Gut zurückzubekommen, gibt es für ihn eine bestimmte Wiedereinsetzung in seine Rechte. Wir können einen Menschen nicht für immer berauben, dem Reichen ist nicht erlaubt, den Armen auszuplündern. Und darin liegt die Gerechtigkeit der Geschichte, und darin liegt das Zeugnis dafür, dass das Land nicht unseres ist und grundsätzlich nicht unseres sein kann. Es gehört, wie alles in dieser Welt, dem Höchsten.

Wenn ein Freund sich plötzlich erwiesDie Überschrift zitiert den Anfang eines bekannten russischen Liedes von Wladimir Wyssozki („Wenn ein Freund sich plötzlich als … erweist“). Sie ist wörtlich übersetzt und bricht wie im Original mitten im Satz ab.

Wajikra 25,29–26,3

Mit Gottes Hilfe setzen wir, ihr und ich, das Studium des Wochenabschnitts Behar fort. Wir haben schon über den Rückkauf des Landes gesprochen, darüber, dass jeder Mensch, der sein Erbteil im Land Israel verkauft hat, es nach einem bestimmten Plan zurückkaufen oder es völlig unentgeltlich im Jobeljahr zurückerhalten kann. Jetzt wird die Tora von einigen Besonderheiten erzählen, von einigen Ausnahmen von diesen Regeln.

וְאִישׁ כִּי־יִמְכֹּר בֵּית־מוֹשַׁב עִיר חוֹמָה וְהָיְתָה גְּאֻלָּתוֹ עַד־תֹּם שְׁנַת מִמְכָּרוֹ יָמִים תִּהְיֶה גְאֻלָּתוֹ׃

we'ísch ki-jimkór bet-moscháw ir chomá wehajetá ge'ullató ad-tóm schenát mimkaró jamím tihjé ge'ullató

29 Wenn aber ein Mensch ein Wohnhaus in einer Stadt verkauft, die von einer Mauer umgeben ist, so wird es die Möglichkeit geben, es bis zum Ende des Jahres vom Tag des Verkaufs an zurückzukaufen: Ein Jahr wird sein Rückkauf sein.

Das heißt, wenn ein Mensch ein Haus in einer Stadt mit fester Bebauung verkauft hat, in der es ein stürmisches, brodelndes städtisches Leben gibt, dann kann man, anders als bei einem Erbteil an Land oder bei einem Gut, ein in der Stadt verkauftes Haus nur innerhalb eines Jahres vom Tag des Verkaufs an zurückkaufen.

Das Wort jamím (Tage), das hier verwendet wird, wird oft als Jahr gelesen. So sagen in Bezug auf Riwka, bevor sie sie gehen lassen, ihr Bruder und ihre Mutter: „Lass sie bei uns bleiben jamím …“, was ebenfalls ein Jahr bedeutet.

אִם לֹא־יִגָּאֵל עַד־מְלֹאת לוֹ שָׁנָה תְמִימָה וְקָם הַבַּיִת אֲשֶׁר־בָּעִיר אֲשֶׁר־לֹא (לוֹ) חֹמָה לַצְּמִיתֻת לַקֹּנֶה אֹתוֹ לְדֹרֹתָיו לֹא יֵצֵא בַּיֹּבֵל׃

we'ím lo-jigga'él ad-melót lo schaná temimá wekám habbájit ascher-ba'ír ascher-ló chomá lazzemitút lakkoné otó ledorotáwIn der russischen Umschrift steht das Betonungszeichen in diesem Wort versehentlich auf einem Konsonanten. Nach dem Hebräischen liegt die Betonung auf dem letzten a. lo jezé bajowél

30 Wenn man es aber nicht innerhalb eines ganzen Jahres nach dem Verkauf zurückkauft, so wird das Haus, das in der Stadt ist, die von einer Mauer umgeben ist, auf ewig dem Käufer gehören, für seine Generation (das heißt mit dem Recht, es als Erbe weiterzugeben), und es wird im Jobeljahr nicht frei werden.

Anders als ein Gut ist eine Stadtwohnung nicht der Ort, an den sich ein Mensch so bindet, wie er sich an das Land bindet. Der Mensch ist mehr an die Enklave mit ihrer zahlreichen Bevölkerung gebunden, an die Stadt selbst, als konkret an seine Wohnung, so versteht das die Tora. Das heißt, die Wohnung ist verkauft, der Mensch kann in ein anderes Haus oder in eine andere Stadt ziehen, und sie sind alle gleich, es gibt keine individuellen Besonderheiten innerhalb der Stadt, eines, wie man heute sagen würde, Ameisenhaufens, der von einer Mauer umgeben ist. Und deshalb sagt die Tora, dass, wenn es nur um eine Stadtwohnung geht, dies eine Ausnahme von den Regeln ist, hier gelten völlig andere Fristen für den Rückkauf. Nun, und wie man sagt: Das Leben in der Megastadt läuft mit höheren Geschwindigkeiten, der Lebensrhythmus selbst ist ein anderer, deshalb sind auch die Regeln ein wenig anders.

וּבָתֵּי הַחֲצֵרִים אֲשֶׁר אֵין־לָהֶם חֹמָה סָבִיב עַל־שְׂדֵה הָאָרֶץ יֵחָשֵׁב גְּאֻלָּה תִּהְיֶה־לּוֹ וּבַיֹּבֵל יֵצֵא׃

uwatté hachazerím aschér en-lahém chomá sawíw al-sedé ha'árez jechaschéw ge'ullá tihje-ló uwajowél jezé

31 Die Hofhäuser aber, um die herum keine Mauer ist, werden wie ein Landgut gelten (Erbteile, Felder des Landes): Und es wird einen Rückkauf dafür geben, und im Jobeljahr wird es hinausgehen.

Hier geht es um eine Stadt oder eine Siedlung städtischen Typs, eine offene Stadt, nach damaligen Zeiten gab es solche Maßstäbe. Das heißt eine Stadt, in der einfach Häuser und Höfe sind, die im Freien liegt, auf Hebräisch heißt das aréj prósdor, frei sitzende Stadt. Eine Stadt, die nicht von einer Mauer umgeben ist, wenn es Beschränkungen des Rückkaufs nur innerhalb eines Jahres gibtDieser Satz ist schon im Original unklar gebaut und wurde wörtlich übersetzt. Gemeint ist wohl der Gegensatz zur ummauerten Stadt, in der der Rückkauf nur innerhalb eines Jahres möglich ist.. Eine offene Stadt hat denselben Status wie ein Landgut, wie ein Erbteil an Land. Und jede Immobilie dort wird im Jobeljahr frei.

In Vers 32 ist von einer Ausnahme von den Ausnahmen die Rede.

וְעָרֵי הַלְוִיִּם בָּתֵּי עָרֵי אֲחֻזָּתָם גְּאֻלַּת עוֹלָם תִּהְיֶה לַלְוִיִּם׃

we'aré halwijím batté aré achussatám ge'ullát olám tihjé lalwijím

32 Die levitischen Städte aber und ihre städtischen Landgüter können ewig, jederzeit, von den Leviten zurückgekauft werden.

Später, aus dem Buch Bemidbar, werden wir erfahren, dass für die Leviten 48 Städte ausgesondert sind, davon 6 Zufluchtsstädte. Jeder der Stämme hat den Leviten einige Städte ausgesondert, da sie kein eigenes Erbteil haben. Warum ist das so? Der erste Grund ist im Segen Jaakows enthalten, der sagte: „… ich werde sie in Israel zerstreuen.“ Und der zweite Grund – die Leviten sind abgesondert, dem Höchsten geweiht, ihr Erbteil ist der HERR Selbst.

וַאֲשֶׁר יִגְאַל מִן־הַלְוִיִּם וְיָצָא מִמְכַּר־בַּיִת וְעִיר אֲחֻזָּתוֹ בַּיֹּבֵל כִּי בָתֵּי עָרֵי הַלְוִיִּם הִוא אֲחֻזָּתָם, בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wa'aschér jig'ál min-halwijím wejazá mimkar-bájit we'ír achussató bajowél ki watté aré halwijím hi achussatám betóch bené jisraél

33 Wer aber von den Leviten kauft, so wird dieses Haus, das er gekauft hat, im Jobeljahr aufhören, sein Eigentum zu sein, denn die Häuser in den Städten der Leviten sind ihre Wohnstätten (Besitztümer) inmitten der Söhne Israels.

Hier lässt sich unser Hauptthema verfolgen, dass das ganze Land dem Höchsten gehört. Und es geht um jenes Erbe, das den Leviten vom Höchsten gegeben ist. Wenn ein Levit aus irgendeinem Grund gezwungen ist, sein Haus zu verkaufen, kehrt es im Jobeljahr in sein Eigentum zurück.

וּשְׂדֵה מִגְרַשׁ עָרֵיהֶם לֹא יִמָּכֵר כִּי־אֲחֻזַּת עוֹלָם הוּא לָהֶם׃

ussadé migrásch arehém lo jimmachér ki-achussát olám hu lahém

34 Und die Felder, die bei ihren Städten liegen, werden nicht verkauft werden, denn das ist ihnen ein ewiger Besitz.

Davon werden wir wiederum im Buch Bemidbar lesen, in Kapitel 35: Um die levitischen Städte herum lagen Felder, „Weideland für ihr Vieh und für ihre Habe und für ihre Bedürfnisse“.

Und damit endet eigentlich das Gespräch über das Land und seinen Kauf und Verkauf im Land Israel.

וְכִי־יָמוּךְ אָחִיךָ וּמָטָה יָדוֹ עִמָּךְ וְהֶחֱזַקְתָּ בּוֹ גֵּר וְתוֹשָׁב וָחַי עִמָּךְ׃

wechi-jamúch achícha umáta jadó immách wehechesákta bo ger wetoscháw wacháj immách

35 Wenn dein Bruder verarmt, schwach wird, so stütze seine Hand (sei ein Stab für seine Hand) und halte ihn, den Fremdling und den, der bei dir lebt.

Es ist wichtig, hier die allgemeine Weisung zu sehen, die die Tora gibt. Dein geschwächter und verarmter Bruder ist nicht unbedingt ein Mensch, der am Ende ist und sich selbst in die Sklaverei verkauft hat, wie in unserem konkreten Fall. Das kann auch ein Geschäftsmann sein, der nicht sehr gute Zeiten durchmacht. Wenn er dir ebenbürtig ist, dann hilf ihm, stütze ihn, damit er auf dem Niveau bleibt, auf dem er war, auf dem er arbeiten, leben und viel Nützliches für die Welt und für den Höchsten tun konnte. Hilf deinem Bruder, auf die Beine zu kommen, wie hoch er auch stehen mag, es geht nicht nur um die Ärmsten.

אַל־תִּקַּח מֵאִתּוֹ נֶשֶׁךְ וְתַרְבִּית וְיָרֵאתָ מֵאֱלֹהֶיךָ וְחֵי אָחִיךָ עִמָּךְ׃

al-tikkách me'ittó néschech wetarbít wejaréta me'elohécha weché achícha immách

36 Nimm von ihm keinen Gewinn, und Zins darf man von ihm auch nicht nehmen, und fürchte deinen Gott, damit dein Bruder neben dir leben kann.

Das heißt, du sollst ihm nicht sagen: „Na gut, wenn du so bedürftig bist, verkauf mir deinen goldenen Ring für ein Zehntel des Preises“, oder ihn zwingen, noch etwas anderes zu verkaufen, irgendeine Arbeit für ein paar Groschen zu machen. Das darf man nicht tun. Man darf nicht sagen: „Ich gebe dir diese Sache, die jetzt 100 Schekel kostet, aber du wirst jetzt nicht dafür bezahlen, du hast jetzt kein Geld. Und wenn du wieder hochkommst und in Schwung kommst, gibst du mir dafür 150 Schekel.“ So darf man auch nicht handeln.

אֶת־כַּסְפְּךָ לֹא־תִתֵּן לוֹ בְּנֶשֶׁךְ וּבְמַרְבִּית לֹא־תִתֵּן אָכְלֶךָ׃

et-kaspechá lo-tittén lo benéschech uwmarbít lo-tittén ochlécha

37 Und Geld gib ihm nicht mit Wucher oder mit Gewinn, und Speise gib ihm nicht auf Abrechnung.

Wieder: Zwinge ihn nicht, bei dir zu borgen oder bei dir irgendein Darlehen zu nehmen oder dir etwas Unnötiges zu verkaufen oder dir etwas zu verkaufen, was der Mensch nicht verkaufen will. Und leih ihm nicht einen Sack Kartoffeln, damit er zwei zurückgibt, oder einen Sack Kartoffeln, damit er einen Korb Fisch zurückgibt, handle nicht so mit ihm. Es gibt eine allgemeine Regel, die verbietet, Geld, Speise oder was auch immer gegen Zinsen zu verleihen, um Gewinn zu erzielen. Das ist nicht nur eine Regel, die besagt: Ich gebe dir ein Darlehen von 100 Schekel zu 3 Prozent im Jahr. Das geschieht zum Beispiel auch dann, wenn wir einen Kauf in Raten aufteilen und sagen: „Anstatt 110 Schekel sofort zu bezahlen, wirst du 12 Raten zu 10 Schekel leisten. Du wirst mehr bezahlen, aber über eine größere Zahl von Raten.“ Ein solcher Verkauf ähnelt ebenfalls Zinsen. Aber es kann sogar nicht nur um Geld gehen. Wenn ein Mensch mir Geld schuldet und es mir aus irgendeinem Grund nicht zurückgibt, kann ich anfangen, ihn zu bitten: „Chaim, komm, hilf mir, das Klavier in den dritten Stock hinaufzutragen, oder hilf mir, ein Bild aufzuhängen.“ Oder ich fange einfach an zu erwarten, dass er höflicher zu mir sein wird – höflicher als früher. Wenn ich ihn früher als Erster gegrüßt habe, dann kann ich jetzt, da ich ihm Geld geliehen habe, erwarten, dass er mich als Erster grüßt. Und alle möglichen anderen Boni, die ich von ihm bekommen will, sogar irgendwelche harmlosen. Das nennt man „Staub der Zinsen“: nicht ganz Zinsen, aber es riecht wie Zinsen. Und diese Erscheinung ist sehr unschön, und die Strafe dafür kann dieselbe sein wie für Zinsen.

אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם אֲשֶׁר־הוֹצֵאתִי אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם לָתֵת לָכֶם אֶת־אֶרֶץ כְּנַעַן לִהְיוֹת לָכֶם לֵאלֹהִים׃

aní adonáj elohechém ascher-hozéti etchém me'érez mizrájim latét lachém et-érez kená'an lihjot lachém lelohím

38 Ich bin der HERR, euer Gott, Der euch aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, um euch das Land Kanaan zu geben und euch Gott zu sein.

All diese Regeln sind dadurch bedingt, dass der HERR uns das Land gibt, auf dem wir in Heiligkeit leben sollen. Das Leben in Heiligkeit setzt eine bestimmte Haltung zum Land, zu sich selbst und zum Nächsten voraus. Das heißt, man darf das Leid des Nächsten, die Not des Nächsten nicht für seine eigenen Zwecke nutzen, nicht alles bis zum Letzten aus dem Nächsten herauspressen.

וְכִי־יָמוּךְ אָחִיךָ עִמָּךְ וְנִמְכַּר־לָךְ לֹא־תַעֲבֹד בּוֹ עֲבֹדַת עָבֶד׃

wechi-jamúch achícha immách wenimkar-lách lo-ta'awód bo awódat áwed

39 Wenn dein Bruder bei dir schwach wird und sich dir in die Sklaverei verkauft hat, so zwinge ihn nicht zu Sklavenarbeit.

Ein unglücklicher Mensch ist so weit gekommen, dass er gezwungen ist, sich in die Sklaverei zu verkaufen und zu sagen: „Lass mich dein Sklave sein, und du wirst mich und meine Familie versorgen, ich kann nicht, ich schaffe es nicht allein.“ Er soll bei dir wie ein Lohnarbeiter sein, benutze ihn nicht, setze ihn nicht bei den Arbeiten ein, die gewöhnlich für Sklaven bestimmt sind. Selbst wenn er dein Sklave ist, gib ihm eine würdige Arbeit.

כְּשָׂכִיר כְּתוֹשָׁב יִהְיֶה עִמָּךְ עַד־שְׁנַת הַיֹּבֵל יַעֲבֹד עִמָּךְ׃

kessachír ketoscháw jihjé immách ad-schenát hajowél ja'awód immách

40 Wie ein Lohnarbeiter, wie ein Bewohner (Nachbar) soll er bei dir sein; und bis zum Jobeljahr wird er bei dir arbeiten.

Dieser Mensch wird bei dir wie ein Lohnarbeiter sein, du wirst ihm etwas Geld geben, und außerdem wirst du ihn für seine Arbeit versorgen müssen. Und du hast nicht das Recht, ihn für erniedrigende, schmutzige oder besonders schwere Arbeiten einzusetzen.

וְיָצָא מֵעִמָּךְ הוּא וּבָנָיו עִמּוֹ וְשָׁב אֶל־מִשְׁפַּחְתּוֹ וְאֶל־אֲחֻזַּת אֲבֹתָיו יָשׁוּב׃

wejazá me'immách hu uwanáw immó wescháw el-mischpachtó we'el-achussát awotáw jaschúw

41 Und er wird von dir hinausgehen, er und seine Söhne mit ihm, und wird zu seiner Familie zurückkehren, zum Gut seiner Väter wird er zurückkehren.

Der Knecht wird freigelassen, kommt in die Freiheit, und die Tora hebt besonders hervor, dass er zusammen mit den Söhnen hinausgeht. Was bedeutet das? Wenn ein Mensch sich dir in die Knechtschaft verkauft hat, du ihn als Mitarbeiter, als Lohnarbeiter genommen hast, dann musst du nicht nur ihn, sondern auch seine Familie, seine Söhne unterhalten, ernähren. Das sind die Bedingungen des Vertrags: Willst du – nimm den Menschen zu solchen Bedingungen in die Knechtschaft, willst du nicht – nimm ihn nicht.

כִּי־עֲבָדַי הֵם אֲשֶׁר־הוֹצֵאתִי אֹתָם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם לֹא יִמָּכְרוּ מִמְכֶּרֶת עָבֶד׃

ki-awadáj hem ascher-hozéti otám me'érez mizrájim lo jimmacherú mimkéret áwed

42 Denn das sind Meine Knechte, die Ich aus dem Land Ägypten herausgeführt habe: Man darf sie nicht verkaufen, wie man Knechte verkauft.

Gemeint ist, dass es verboten ist, jüdische Knechte so zu verkaufen, wie es gewöhnlich von denen getan wird, die sich mit Sklavenhandel befassen: Man darf seinen Nächsten oder seinen Bruder nicht auf dem Marktplatz verkaufen, man darf ihn nicht auf einen Stein stellen, damit man ihn besser sehen kann. Keine der Methoden, die beim Verkauf und Kauf von Knechten verwendet werden, haben wir das Recht, gegenüber unserem Mitbruder anzuwenden.

לֹא־תִרְדֶּה בוֹ בְּפָרֶךְ וְיָרֵאתָ מֵאֱלֹהֶיךָ׃

lo-tirdé wo befárech wejaréta me'elohécha

43 Zwinge ihn nicht (nötige ihn nicht) zu Zwangsarbeit (knechte ihn nicht mit schwerer Arbeit), fürchte deinen Gott.

Denke daran, dass er nicht dein Knecht ist, er ist ein Knecht des Höchsten, der sowohl ihn als auch dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat. Und das soll dich vor der Absicht warnen, einen Menschen zu zwingen, sich mit Arbeit abzumühen, die über seine Kräfte geht.

וְעַבְדְּךָ וַאֲמָתְךָ אֲשֶׁר יִהְיוּ־לָךְ מֵאֵת הַגּוֹיִם אֲשֶׁר סְבִיבֹתֵיכֶם מֵהֶם תִּקְנוּ עֶבֶד וְאָמָה׃

we'awdechá wa'amatechá aschér jihjú-lách me'ét haggojím aschér sewiwotechém mehém tiknú éwed we'amá

44 Aber deine Knechte und deine Mägde, die du haben wirst, von den Völkern, die um euch herum sind, von ihnen kauft sowohl den Knecht als auch die Magd.

Das heißt, bemüht euch, Knechte aus Fremdstämmigen zu erwerben. Natürlich ist es für ein modernes Ohr überhaupt schwer, von der Erlaubnis zu lesen, Knechte zu haben, davon, dass die Tora erlaubt, Knechte zu haben, und offen darüber spricht. Aber man muss daran denken, dass das in jenen fernen Zeiten ein Teil der Realität war. Und die Tora spricht von dem, was auf die gegebene Realität anwendbar ist. Die Tora spricht nicht von einer paradiesischen Welt und von einem idealen Alex, von einem idealen Chaim, von einem idealen Mosche. Die Tora gibt Alex solche Gebote, die Alex' Kräften und seiner Stufe entsprechen. Sie kann mir nicht gebieten zu fliegen, mich zu teleportieren oder schwere Lasten zu heben, aber sie gibt das Potenzial zu wachsen, sodass ich vielleicht auch fliegen kann. Sie hat der Welt das Potenzial des Wachstums gegeben, und die Welt ist aus der Knechtschaft, die die Tora erlaubt, ebenfalls dank der Tora herausgewachsen. Und dennoch, wie Jeschua sagte, wegen eurer Herzenshärte erlaubt die Tora zu jenem Zeitpunkt, Knechte aus den benachbarten Völkern zu erwerben. Wichtig ist auch zu wissen, dass der Knecht an das Judentum herangeführt wurde: Er musste die Gebote halten, die nicht von der Zeit abhängen, er wurde in den Grundlagen des Judentums unterrichtet, er wurde beschnitten. Und wenn man ihn in die Freiheit entließ, wurde er Jude. Hier gibt es nicht nur den Vorgang des Erwerbs eines Knechtes und zweifellos das Ziehen eines wirtschaftlichen Nutzens, sondern auch das Heranführen dieses Knechtes an die Schechína, an das Licht des Höchsten.

וְגַם מִבְּנֵי הַתּוֹשָׁבִים הַגָּרִים עִמָּכֶם מֵהֶם תִּקְנוּ וּמִמִּשְׁפַּחְתָּם אֲשֶׁר עִמָּכֶם אֲשֶׁר הוֹלִידוּ בְּאַרְצְכֶם וְהָיוּ לָכֶם לַאֲחֻזָּה׃

wegám mibbené hattoschawím haggarím immachém mehém tiknú umimmischpachtám aschér immachém aschér holídu be'arzechém wehajú lachém la'achussá

45 Auch von den Söhnen der Bewohner, die bei euch wohnen (das heißt, von den Fremden, die sich unter euch niedergelassen haben), von ihnen kauft, und von ihren Familien, von denen, die bei euch sind, von jenen Söhnen, die sie in eurem Land gezeugt haben, sie sollen euer sein.

וְהִתְנַחֲלְתֶּם אֹתָם לִבְנֵיכֶם אַחֲרֵיכֶם לָרֶשֶׁת אֲחֻזָּה לְעֹלָם בָּהֶם תַּעֲבֹדוּ וּבְאַחֵיכֶם בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל אִישׁ בְּאָחִיו לֹא־תִרְדֶּה בוֹ בְּפָרֶךְ׃

wehitnachaltém otám liwnechem acharechém laréschet achussá le'olám bahém ta'awódu uw'achechém bene-jisraél isch be'achíw lo-tirdé wo befárech

46 Und vererbt sie euren Söhnen nach euch, als ewiges Besitzerbe gebt sie weiter. Gegenüber euren Brüdern aber, den Söhnen Israels, soll ein Mensch den Bruder nicht zu schwerer Arbeit nötigen.

וְכִי תַשִּׂיג יַד גֵּר וְתוֹשָׁב עִמָּךְ וּמָךְ אָחִיךָ עִמּוֹ וְנִמְכַּר לְגֵר תּוֹשָׁב עִמָּךְ אוֹ לְעֵקֶר מִשְׁפַּחַת גֵּר׃

wechí tassíg jad ger wetoscháw immách umách achícha immó wenimkár legér toscháw immách o le'éker mischpáchat ger

47 Wenn die Hand des Fremden etwas erreicht (wenn das Geld reicht), und dein Bruder neben ihm schwach geworden, verarmt ist und er sich in die Knechtschaft an den Fremden verkauft hat, der neben dir wohnt, oder sich in den Dienst dieser Familie verkauft hat,

Dein Nächster, einer von den Söhnen Israels, ist so verarmt, dass er sich nicht an einen Juden in die Knechtschaft verkauft hat, sondern an einen der Fremden, der neben dir wohnt, möglicherweise irgendwelche Gebote hält, sich unter deiner Rechtsprechung, in deiner Gewalt befindet, aber er ist kein Jude.

אַחֲרֵי נִמְכַּר גְּאֻלָּה תִּהְיֶה־לּוֹ אֶחָד מֵאֶחָיו יִגְאָלֶנּוּ׃

acharé nimkár ge'ullá tihíe lo echád me'echáw jig'alénnu

48 Nach dem Verkauf soll es für ihn eine Erlösung geben, einer von seinen Brüdern soll ihn loskaufen:

אוֹ־דֹדוֹ אוֹ בֶן־דֹּדוֹ יִגְאָלֶנּוּ אוֹ־מִשְּׁאֵר בְּשָׂרוֹ מִמִּשְׁפַּחְתּוֹ יִגְאָלֶנּוּ אוֹ־הִשִּׂיגָה יָדוֹ וְנִגְאָל׃

o-dodó o wen-dodó jig'alénnu o-mische'ér besaró mimmischpachtó jig'alénnu o-hissíga jado wenig'ál

49 Oder sein Onkel oder sein Vetter wird ihn loskaufen, oder aus seiner nahen Verwandtschaft, von seiner Familie wird man ihn loskaufen; oder er selbst findet das Geld und wird losgekauft.

Worum geht es hier im Kern? Wenn der Fremde, der neben uns wohnt, sich unter unserer Rechtsprechung befindet und sich uns auf irgendeine Weise unterordnet, müssen wir ihn zwingen, jenen unseren Bruder, der sich ihm in die Knechtschaft verkauft hat, zurückzugeben, freizulassen, im Austausch gegen eine finanzielle Entschädigung. Und dieser Mensch, der Fremde, hat, da er sich unseren Gesetzen unterordnet, nicht das Recht abzulehnen. Das ist keine Beschlagnahme, das ist ein gerechter Ausweg.

וְחִשַּׁב עִם־קֹנֵהוּ מִשְּׁנַת הִמָּכְרוֹ לוֹ עַד שְׁנַת הַיֹּבֵל וְהָיָה כֶּסֶף מִמְכָּרוֹ בְּמִסְפַּר שָׁנִים כִּימֵי שָׂכִיר יִהְיֶה עִמּוֹ׃

wechischáw im-konéhu mischenát himmáchero lo ad schenát hajowél wehajá késsef mimkaró bemispár schaním kimé sachír jihjé immó

50 Und er wird mit dem Verkäufer abrechnen vom Zeitpunkt seines Verkaufs bis zum Jobeljahr, und der Preis des Verkaufs wird nach der Zahl der Jahre sein, wie der Lohn eines Lohnarbeiters wird es für ihn sein.

Was bedeutet das? Zum Beispiel hat sich ein Mensch für 500 000 Schekel verkauft, und wir wissen, dass er sich 10 Jahre vor dem Jobeljahr verkauft hat. Also rechnen wir, dass er sich für einen Lohn von 50 000 Schekel im Jahr verkauft hat. Wenn er von dieser Zeit 5 Jahre abgearbeitet hat, ziehen wir von der Verkaufssumme 250 000 Schekel ab, und für die übrigen 250 000 Schekel muss der Käufer ihn uns freilassen.

אִם־עוֹד רַבּוֹת בַּשָּׁנִים לְפִיהֶן יָשִׁיב גְּאֻלָּתוֹ מִכֶּסֶף מִקְנָתוֹ׃

im-ód rabbót baschaním lefihén jaschíw ge'ullató mikkéssef miknató

51 Wenn noch viele Jahre bis zum Ende der Frist geblieben sind, für die der Mensch in die Knechtschaft geraten ist, muss er entsprechend dieser Berechnung von dem Lohn seine Jahresbezüge zu seiner Auslösung zurückgeben.

וְאִם־מְעַט נִשְׁאַר בַּשָּׁנִים עַד־שְׁנַת הַיֹּבֵל וְחִשַּׁב־לוֹ כְּפִי שָׁנָיו יָשִׁיב אֶת־גְּאֻלָּתוֹ׃

we'im-me'át nisch'ár baschaním ad-schenát hajowél wechischaw-ló kefí schanáw jaschíw et-ge'ullató

52 Und wenn wenige Jahre bis zum Jobeljahr geblieben sind, wird er es zusammen mit seiner Arbeitserfahrung berechnen, und auf Grund dieser Berechnungen wird er für sich das Lösegeld zahlen.

Was sagt hier die Tora? Wenn ein Mensch zu arbeiten begonnen hat und das erste Jahr arbeitet, ist seine Leistungsfähigkeit bei der Arbeit natürlich geringer, als wenn er das zwanzigste Jahr arbeitet: Im zwanzigsten Jahr wird er im Betrieb besser angelernt sein, und seine Arbeit im zwanzigsten Jahr muss mehr wert sein. Deshalb rechnet der Mensch ganz am Anfang seinen Lohn zu einem einzigen Preis, gleichmäßig. Am Ende der Frist rechnet der Mensch seinen Lohn schon nicht mehr so niedrig wie am Anfang. Und da sein Lohn höher wäre, wenn wir die Erfahrung und die Dienstjahre berücksichtigen, wird eine größere Entschädigung ausgezahlt, und auf dieser Grundlage kauft er sich zu einem höheren Preis los und kommt in die Freiheit.

Und genau so, wie wir die Anordnung haben, unseren Knecht nicht zu schwerer Arbeit zu nötigen, gibt die Tora dieselbe Anordnung auch in Bezug auf den Fremden: Wir können nicht zulassen, dass vor unseren Augen ein Fremder unseren Mitbruder erniedrigt. Deshalb sagt die Tora in Vers 53:

כִּשְׂכִיר שָׁנָה בְּשָׁנָה יִהְיֶה עִמּוֹ לֹא־יִרְדֶּנּוּ בְּפֶרֶךְ לְעֵינֶיךָ׃

kis'chír schaná beschanáDie russische Umschrift hat hier „weschaná“ (und ein Jahr). Der hebräische Text hat „beschaná“ (Jahr für Jahr), dem die deutsche Umschrift folgt. jihjé immó lo-jirdénnu beférech le'enécha

53 Wie ein Lohnarbeiter (das heißt, nicht wie ein Knecht) wird dieser Jude, der sich verkauft hat, bei seinem Herrn sein, Jahr für Jahr, und er wird ihn nicht zu schweren Arbeiten nötigen vor deinen Augen.

Aus Mitgefühl, aus einem Gefühl der Gnade gegenüber deinem Nächsten darfst du dem Herrn, dem Fremden, der einen Israeliten in die Knechtschaft gekauft hat, nicht erlauben, deinen Mitbruder zu schweren Arbeiten zu nötigen, wenn sich bei ihm nicht irgendein Verwandter findet, der ihn loskaufen kann.

וְאִם־לֹא יִגָּאֵל בְּאֵלֶּה וְיָצָא בִּשְׁנַת הַיֹּבֵל הוּא וּבָנָיו עִמּוֹ׃

we'im-ló jigga'él be'élle wejazá bischnát hajowél hu uwanáw immó

54 Wenn er nicht auf eine von diesen Weisen losgekauft wird, wird er im Jobeljahr hinausgehen, er und seine Söhne zusammen mit ihm.

Wiederum ist auch in dem Fall, wenn ein Jude die Familie in die Knechtschaft an einen Fremden im Land Israel verkauft, dieser Fremde verpflichtet, nicht nur seinen Knecht selbst, sondern auch dessen Familie zu unterhalten. Der Lohn darf nicht dürftig sein, er muss hoch genug sein, damit es die Möglichkeit gibt, die Familie zu ernähren, die Familie zu kleiden und ihr ein gewisses Existenzminimum zu sichern.

כִּי־לִי בְנֵי־יִשְׂרָאֵל עֲבָדִים עֲבָדַי הֵם אֲשֶׁר־הוֹצֵאתִי אוֹתָם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃

ki-lí wene-jisraél awadím awadáj hem ascher-hozéti otám me'érez mizrájim aní adonáj elohechém

55 Denn Mir sind die Söhne Israels Knechte, sie sind Meine Knechte, die Ich aus dem Land Ägypten herausgeführt habe. Ich bin der HERR, euer Gott.

Damit endet Kapitel 25, aber unser Wochenabschnitt endet nicht. Wir werden noch zwei Verse aus Kapitel 26 lesen.

לֹא־תַעֲשׂוּ לָכֶם אֱלִילִם וּפֶסֶל וּמַצֵּבָה לֹא־תָקִימוּ לָכֶם וְאֶבֶן מַשְׂכִּית לֹא תִתְּנוּ בְּאַרְצְכֶם לְהִשְׁתַּחֲוֹת עָלֶיהָ כִּי אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃

lo-ta'assú lachém elilím uféssel umazzewá lo-takímu lachém we'éwen maskít lo tittenú be'arzechém lehischtachawót alehá ki aní adonáj elohechém

1 Macht euch keine Götzen, und Statuen und Säulen stellt euch nicht auf, und einen bedeckenden Stein macht nicht in eurem Land, um euch auf ihm niederzuwerfen, denn Ich bin der HERR, euer Gott.

Es gibt eine der Arten des Götzendienstes, eine der Arten des Dienstes an Götzen, wenn man vor einer Statue oder vor einem Bildwerk eine steinerne Fläche macht. Sie wird auf besondere Weise geschmückt, und sie wird zu einem Ort des Götzendienstes. Auch das ist zu tun verboten.

Wir haben vorher über die Fremden gesprochen, über den Umgang mit den Fremden, darüber, dass ein Mensch, wenn er anfängt, mit Fremden zu tun zu haben, irgendwelche ihrer Gesetze und Regeln übernehmen kann. Deshalb erinnert die Tora: „Selbst wenn du irgendwelche Geschäfte mit einem Fremden hast, selbst wenn du ihm gebietest und er sich dir unterordnet und dir gegen Lösegeld einen Knecht zurückgeben kann, den er gekauft hat, selbst wenn er mit dir in solchem Maß zu tun hat, dass er einen Knecht aus deinen Söhnen kaufen kann, und jemand, Gott bewahre, beim Fremden in die Knechtschaft geraten kann – das ist nicht nötig, macht euch diese Bildwerke nicht, in keiner Situation, selbst wenn euer Herr ein Heide geworden ist.“

אֶת־שַׁבְּתֹתַי תִּשְׁמֹרוּ וּמִקְדָּשִׁי תִּירָאוּ אֲנִי יְהוָה׃

et-schabbetotáj tischmóru umikdaschí tirá'u aní adonáj

2 Meine Sabbate haltet, und Mein Heiligtum fürchtet. Ich bin der HERR.

Denkt daran, dass ihr das Zelt der Begegnung habt, in dem Ich wohne, und darum fürchtet euch, es zu entweihen oder es zu entehren, indem ihr irgendwo an einem anderen Ort irgendwelche anderen Götter anbetet.

Unser Wochenabschnitt endet so: „Ich bin der HERR. Denkt daran, dass Ich euer HERR bin, ihr habt keinen anderen Gott.“ Ehre sei dem Höchsten, dass Er der Vollständige und Einzige Herrscher ist, es gibt keinen Gott außer Ihm. Ihm gehört das Land und alles, was darauf ist. Alles, was ich habe, alles gehört Ihm, und ich habe nicht das Recht, über irgendetwas von meinem Besitz außerhalb Seines Willens zu verfügen. Und alles steht in Seiner heiligen Macht, unter Seinem Schutz, unter Seinem Segen, unter Seiner Kontrolle, alles, was auch immer geschieht. Sobald bei mir etwas Eigenes entsteht, falle ich aus der Verbindung mit dem Höchsten heraus. Unser Wochenabschnitt handelt unter anderem auch davon. Von vielem anderen, aber unter anderem auch davon.

Die Tora in 5 Minuten

In Kapitel 25 des Buches Wajikra, mit dem der Wochenabschnitt Behar beginnt, lesen wir von Vers 1 bis 9 die Anweisungen, die Mosche auf Geheiß des Höchsten Israel gibt, aber er wendet sich nicht an das Volk als Ganzes, sondern gleichsam persönlich an jeden Israeliten: „Besäe oder besäe nicht, schneide ab, beschneide, zähle ab, blase die Trompete …“ Das Bild ändert sich in Vers 10, wenn wir lesen: „Und heiligt …“, schon im Plural, die Anrede geht an das ganze Volk.

10. Und heiligt das fünfzigste Jahr, und ruft Freiheit im Land aus für alle seine Bewohner, ein Jobeljahr soll das für euch sein, und kehrt zurück, jeder zu seinem Besitz, und jeder zu seiner Familie kehrt zurück.

Unerwartet beginnt die Tora nicht mit jedem Einzelnen zu sprechen, sondern mit allen zusammen. Die Freiheit, die ausgerufen werden muss, ist eine Freiheit für alle Menschen. Es ist unmöglich, dass ganz Israel frei wird, ohne jemanden mit in diese Freiheit zu nehmen, wenn man jemanden über Bord zurücklässt.

In Vers 25 desselben Kapitels lesen wir:

25. Wenn dein Bruder verarmt und seinen Besitz verkauft (einen Teil seines Besitzes), so soll sein naher Verwandter kommen und zurückkaufen, was sein Bruder verkauft hat.

Das heißt, wenn dein Bruder aus Armut in irgendein Geschäft eingewilligt hat, freiwillig eingewilligt hat, kann man dieses Geschäft trotzdem rückgängig machen, er selbst wird mit der Zeit das Verkaufte zurückkaufen können, und wenn er es nicht kann, dann wird es im Jobeljahr unentgeltlich zu ihm zurückkehren.

Es gibt auch eine andere Situation:

35-36. Wenn dein Bruder verarmt und bei dir in Verfall gerät, so unterstütze ihn, sei er ein Fremder oder ein Ansiedler, und er soll bei dir leben, nimm von ihm keinen Wucher und keinen Zins, fürchte deinen Gott, damit dein Bruder bei dir lebe.

Oft gerät ein Mensch in eine so verzweifelte Lage, dass er bereit ist, Geld gegen Zinsen zu leihen, und sogar gegen hohe Zinsen. Er ist damit einverstanden, das ist sein freiwilliges Einverständnis, und man kann meinen: „Na, er hat doch selbst eingewilligt, ich verdiene daran, und ihm tue ich auch eine gute Tat.“ Die Tora sagt: „Nein, das ist keine gute Tat. Es ist keine gute Tat, das Einverständnis eines Menschen in der Not auszunutzen.“ Es gibt einen großen Unterschied zwischen Einverständnis und Wunsch. Ein mir bekannter Arzt, ein Onkologe, sagt: „Keiner meiner Patienten will eine Chemotherapie, niemand auf der Welt will eine Chemotherapie, aber manchmal ist ein Mensch mit einer Chemotherapie einverstanden, um zu überleben.“ Ähnliche Situationen gibt es auch im Volk Israel, wenn ein Mensch gezwungen ist, sein Gut zu verkaufen, wenn ein Mensch gezwungen ist, Geld auf Zins zu nehmen (wenn es nun wirklich gar nichts mehr zu verkaufen gibt) oder wenn, Gott bewahre, ein Mensch sich selbst in die Sklaverei verkauft.

In Vers 39 lesen wir:

39-40. Wenn dein Bruder bei dir verarmt und an dich verkauft wird, so knechte ihn nicht mit Sklavenarbeit: wie ein Tagelöhner, wie ein Bewohner soll er bei dir sein, bis zum Jobeljahr soll er bei dir arbeiten.

Eine Figur aus dem Buch „Zwölf Stühle“ von Ilf und Petrow sagte: „Das Einverständnis ist ein Produkt bei völligem Nichtwiderstand der Seiten.“ Wenn ein Mensch einverstanden ist, kann man ein Geschäft abschließen. Hier lesen wir etwas Erstaunliches, das die Tora sagt: „Tu das, was der Mensch will, handle so, wie du willst, dass man mit dir handelt. Nicht so, wie du einverstanden bist, dass man mit dir handelt, sondern so, wie du willst“.

Wir können nicht, indem wir die Notlage eines Menschen ausnutzen, zu ihm kommen und seine wertvollen Bücher für einen Spottpreis aufkaufen oder seinen ihm teuren Ehering gegen einen Sack Mehl eintauschen. Das ist keine Freiheit, das ist das, was letztlich dazu führen wird, wie es im Buch Dewarim geschrieben steht, dass ihr nach Ägypten verkauft werdet. Um frei zu sein, müssen wir in gemeinsamer Einheit handeln, ohne einem Menschen Gewalt anzutun, ungeachtet seines Einverständnisses. Um frei zu sein, muss man die fremde Freiheit achten: Deine Freiheit kann nicht die Unfreiheit eines anderen sein, selbst wenn er einverstanden ist, irgendwo seine Freiheit preiszugeben. Frei sein kann nur das ganze Volk, nur eine Gesellschaft vollkommen freier Menschen. Das ist es, was uns der Wochenabschnitt Behar lehrt.

Behar: das Studium fortsetzen

Lest auch den Wochenabschnitt Kedoschim über die Heiligkeit und den Nächsten, das Gespräch über die Bünde und die Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    Inhalt dieses Abschnitts

    1. 1Alles kann zurückgegeben werden 25,1–28
    2. 2Wenn ein Freund sich plötzlich erwies 25,29–26,3
    3. 3Die Tora in 5 Minuten
    4. 4Behar: das Studium fortsetzen

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