- Wochenabschnitte
- Wajikra
- Tasria
תַזְרִיעַ
Tasria
Reinigung, Zara'at und üble Nachrede
- Wochenabschnitt
- 27 von 54
- Verse
- Wajikra 12,1–13,59
- Teile
- 4
- Lesezeit
- 1 Std. 8 Min.
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Tasria ist der Wochenabschnitt über die Reinigung nach der Geburt und über Zara'at. Im Stenogramm des Gesprächs von Alex Blend werden die Kapitel 12–13 des Buches Wajikra der Reihe nach durchgenommen: der hebräische Text, eine Transliteration, eine ÜbersetzungIm Original steht hier „russische Übersetzung“, weil die Seite auf Russisch ist. Auf der deutschen Seite heißt es deshalb neutral „eine Übersetzung“. und die religiöse Auslegung des Autors. Weitere Überlegungen sind der üblen Nachrede, der Verantwortung für Worte und den Beziehungen in der Gemeinde gewidmet.
Die Zarin gebar in der Nacht
Wajikra 12,1–8
Mit Gottes Hilfe beginnen wir, ihr und ich, heute, den Wochenabschnitt Tasria zu studieren, und werden Kapitel 12 des Buches Wajikra lesen. Das ist wohl das kürzeste Kapitel in der ganzen Tora. Es hat nur 8 Verse, und es ist ganz und gar der Reinigung der Frau nach der Geburt gewidmet. Warum und wie sich eine Frau nach der Geburt reinigen muss, das werden wir, ihr und ich, eben erfahren. Beginnen wir mit Vers 1 von Kapitel 12.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
1 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר אִשָּׁה כִּי תַזְרִיעַ וְיָלְדָה זָכָר וְטָמְאָה שִׁבְעַת יָמִים כִּימֵי נִדַּת דְּוֹתָהּ תִּטְמָא׃
dabbér el-bené jisraél lemór ischá ki tasríja wejaledá sachár wetameá schiw'át jamím kimé niddát dewotá titmá
2 „Sprich zum Volk Israel und sage: Eine Frau, wenn sie empfängt und einen Jungen gebiert, wird sieben Tage unrein sein (sieben Tage wird sie im Zustand der Unreinheit sein), wie in den Zeiten der Schwäche der Monatsblutung wird sie unrein sein.
Das Verb tasríja, das hier verwendet wird, kommt von der Wurzel sajin-resch-ajin; das Wort séra, von derselben Wurzel, bedeutet Same – sowohl der Same einer Pflanze als auch der Same des Mannes als auch der Same der Frau (die Eizelle). Und man kann das auf zweierlei Weise verstehen: Entweder nimmt die Frau den Samen des Mannes in sich auf, sät den Samen des Mannes in sich, oder die Frau gibt selbst ihren Samen. Im Talmud gibt es einen Ausspruch der Weisen darüber, dass, wenn die Frau als Erste den Samen gibt, ein Junge geboren wird, wenn als Zweite, dann ein Mädchen. Das hat, soweit wir wissen, keine biologische Bestätigung, aber so war das Wissen der Weisen zu jener Zeit. Daraus können wir nur schließen, dass das Wort séra (Same) auch in Bezug auf die Eizelle verwendet werden kann.
Der Zustand der Unreinheit der Frau (tameá) hat nichts mit Hygiene zu tun, sondern ist, wie wir schon gesagt haben, mit dem Wort tum'á (rituelle Unreinheit oder Befleckung) verbunden, das ist keine Verneinung von etwas. Man kann es mit dem Wort le'etóm (hermetisch abdichten, etwas verschließen, unzugänglich machen) verbinden. So ist tum'á eine gewisse Verschlossenheit, Undurchlässigkeit für die Heiligkeit.
Worum geht es im Kern? Warum wird eine Frau unrein, nachdem sie geboren hat, oder warum wird eine Frau während der Monatsblutung unrein? Gleich muss man (zum wievielten Mal) daran erinnern, dass diese Unreinheit nichts mit Sünde zu tun hat. Eine Frau, die infolge der Monatsblutung oder infolge der Geburt unrein geworden ist, hat selbstverständlich nichts Schlechtes getan. Die Frau hat, im Unterschied zur ganzen Tierwelt, eine solche biologische Besonderheit, dass ihr Körper ständig auf eine Schwangerschaft wartet. In der Gebärmutter, im Mutterleib der Frau gibt es eine Schicht, die Endometrium heißt. Sie erneuert sich jeden Monat, und das Ergebnis ihrer Erneuerung sind eben die monatlichen Blutungen der Frau. Das ist die Schicht, an der sich die befruchtete Eizelle festsetzen soll (falls eine solche entsteht). Jeden Monat bereitet jede Frau alles dafür vor, schwanger zu werden. Für den Fall der Fälle – bei ihr ist alles bereit. Kein einziges Tier, niemand auf der Welt verhält sich so wie die Frau. Jeden Monat erneuert sich bei der Frau diese Schicht, und aus dem Zustand, in dem sie bereit ist, ein Kind aufzunehmen, bereit, neues Leben zu geben, kommt sie in den Zustand, in dem eine Empfängnis unmöglich ist, in dem sie eine Blutung hat. Das Potenzial der Lebenskraft verlässt sie. Und dort, wo das Potenzial der Lebenskraft uns verlässt (wie man sagt: „ein heiliger Ort bleibt nicht leer“), dort entsteht Unreinheit. Und ein Beispiel aus einem ganz anderen Bereich: Wenn ein Mensch eine Torarolle oder irgendeine Rolle aus dem Tanach in den Händen hält und sie weglegt, werden die Hände unrein. Wenn er aber stattdessen die „Ilias“ oder die „Odyssee“ von Homer oder die Werke von Ilf und Petrow in die Hand nimmt, dann geschieht mit den Händen nichts. Nur die Tora, die Leben gibt, verunreinigt die Hände, wenn man sie aus den Händen lässt.
Wenn eine Frau gebiert, ist die Situation sehr ähnlich. In ihr war Leben, ein Kind hat sich entwickelt. Als sie einen Jungen geboren hat, hat sie eine große Sache vollbracht. Mission erfüllt, wie man sagt. Aber das Leben, das in ihr war, ist nach außen gegangen. In ihr ist kein Leben (jenes, das da war), und infolgedessen wird sie unrein. Dort, wo die Lebenskraft weggeht, entsteht Unreinheit. Ich wiederhole noch einmal: Das ist keine Sünde, das ist nicht schlecht, das ist ein natürlicher Zustand. Er schränkt die Frau ein, aber er ist nicht sündhaft. Sieben Tage gilt die Frau nach der Geburt eines Jungen als unrein, genauso wie während ihrer Blutungen (niddát). Das bedeutet, dass sie für ihren Mann verboten ist: Die Intimität zwischen den Eheleuten ist in dieser Zeit verboten. Außerdem bedeutet das, dass die Frau nichts Heiliges berühren und nicht ins Heilige eintreten darf, nicht ins Zelt der Begegnung oder in den Tempel kommen darf.
Oft empört man sich über diese Einschränkung. Wiederum: Warum ist eine Frau, die geboren hat, die scheinbar ein so wichtiges Gebot erfüllt hat, unrein und darf nicht ins Heilige eintreten? Eine Reise ins Heilige ist wie ein Flug mit dem Flugzeug, das ist eine Berührung mit etwas, das seiner Natur nach vom Menschen weit entfernt ist. Wie eine Frau nach der Geburt in ihrer Schwäche nicht für weite Reisen taugt, genauso wird sie von der Notwendigkeit befreit, mit dem in Kontakt zu kommen, was in ihrer Schwäche viel Kraft von ihr verlangen würde. Das bezieht sich übrigens nicht auf heutige Synagogen, Kirchen, Versammlungen, Gottesdienste und so weiter, die nicht als das Heilige im Sinne des Tempels bestimmt sind, und eine Frau von heute kann an allen Tagen dorthin gehen, Gott sei Dank.
וּבַיּוֹם הַשְּׁמִינִי יִמּוֹל בְּשַׂר עָרְלָתוֹ׃
uwajom hascheminí jimmól besár orlató
3 Am achten Tag aber wird seine Vorhaut beschnitten werden.
Am achten Tag ist die Frau schon rein, sie ist ihrem Mann erlaubt, und sie können gemeinsam an der Beschneidung des Sohnes teilnehmen. Es wäre traurig, wenn sich alle ringsum darüber freuten, dass der Junge in den Bund Awrahams eintritt, dass der Papa ein wichtiges Gebot erfüllt, das Ehepaar aber nicht in seiner Ganzheit ist, weil die Intimität zwischen ihnen wegen der Unreinheit der Frau verboten ist. Deshalb erweist die Tora der Frau eine so besondere Gnade, dass sie nach der Geburt eines Jungen sieben Tage unrein ist und am achten Tag, am Tag der brit milá (Beschneidung), rein wird, das heißt ihrem Mann erlaubt, rein von der Unreinheit der niddá. Aber das ist noch nicht alles.
וּשְׁלֹשִׁים יוֹם וּשְׁלֹשֶׁת יָמִים תֵּשֵׁב בִּדְמֵי טָהֳרָה בְּכָל־קֹדֶשׁ לֹא־תִגָּע וְאֶל־הַמִּקְדָּשׁ לֹא תָבֹא עַד־מְלֹאת יְמֵי טָהֳרָהּ׃
uschloschím jom uschlóschet jamím teschéw bidmé tahorá bechol-kódesch lo-tiggá we'el-hammikdásch lo tawó ad-melót jemé tahorá
4 Und dreißig Tage und drei Tage wird sie im Blut ihrer Unreinheit sitzen, nichts Heiliges berührend und nicht ins Heiligtum eintretend, bis die Tage ihrer Reinigung erfüllt sind.
Erinnert euch, wir haben gesagt, dass ein Mensch, der sich am Tag gewaschen hat, bis zum Abend unrein bleibt. Das ist ein Prozess der Akklimatisierung, der Anpassung, der Reinigung. Bei der Frau ist, da die Veränderungen viel ernster waren, entsprechend auch die Zeit dieser Akklimatisierung viel ernster. In diesem Moment ist sie für ihren Mann nicht unrein, sie ist schon gereinigt, aber diese Art von Reinheit erlaubt ihr noch nicht, in den Tempel einzutreten und das Heilige zu berühren. Ein Zwischenzustand: Sie ist nicht mehr krank, sie ist eine Genesende. Und in diesem Zustand muss sie noch dreiunddreißig Tage bleiben. Die ganze Zeit der Reinigung beträgt also (einfache Mathematik) 33 + 7 = 40 Tage. Das ist nach der Geburt eines Jungen.
Im fünften Vers lesen wir, was geschieht, wenn sie ein Mädchen geboren hat.
וְאִם־נְקֵבָה תֵלֵד וְטָמְאָה שְׁבֻעַיִם כְּנִדָּתָהּ וְשִׁשִּׁים יוֹם וְשֵׁשֶׁת יָמִים תֵּשֵׁב עַל־דְּמֵי טָהֳרָה׃
we'im-nekewá teléd wetameá schewu'ájim keniddatá weschischím jom weschéschet jamím teschéw al-demé tahorá
5 Wenn sie aber ein Mädchen gebiert, wird sie zwei Wochen unrein sein, wie niddá (wie während der Monatsblutung), und im reinen Blut wird sie sechsundsechzig Tage bleiben.
Insgesamt (wiederum einfache Arithmetik) 66 + 14 = 80 Tage. Und man könnte denken: Ist denn ein Mädchen doppelt so schlecht wie ein Junge, und muss man sich nach ihr doppelt so viel reinigen? Womit hat sie, die Arme, es denn geschafft, kaum geboren, so viel anzustellen, dass die Mutter nach ihr doppelt so lange als unrein gilt wie nach der Geburt eines Jungen? Die Antwort: mit nichts. Noch eine Antwort: Ein Mädchen ist um nichts schlechter als ein Junge. Aber das Mädchen ist dazu bestimmt, selbst Mutter zu sein, sie ist eine künftige Mutter, jedes Mädchen, sie ist chawá (die Leben Gebende), wie die erste Frau. Das Potenzial der Lebenskraft, das die Frau verlässt, die ein Mädchen geboren hat, ist größer, von ihr geht gleichsam mehr Leben weg. Und der übrig bleibende heilige Ort, der nicht leer bleibt und der sich mit Unreinheit füllen wird, ist ebenfalls größer. Deshalb ist die Reinigung nach der Geburt eines Mädchens doppelt so groß, weil das Mädchen besser ist als der Junge. In ihr ist doppelt so viel Leben.
וּבִמְלֹאת יְמֵי טָהֳרָהּ לְבֵן אוֹ לְבַת תָּבִיא כֶּבֶשׂ בֶּן־שְׁנָתוֹ לְעֹלָה וּבֶן־יוֹנָה אוֹ־תֹר לְחַטָּאת אֶל־פֶּתַח אֹהֶל־מוֹעֵד אֶל־הַכֹּהֵן׃
uwimlót jemé tahorá lewén o lewát tawí kéwes ben-schenató le'olá uwen-joná o-tór lechattát el-pétach ohel-mo'éd el-hakkohén
6 Wenn die Tage der Reinigung nach dem Jungen und nach dem Mädchen zu Ende sind, wird sie ein einjähriges Lamm als Ganzopfer bringen und eine Taube oder eine Turteltaube als Reinigungsopfer, zum Eingang des Zeltes der Begegnung, zum Kohen.
Was das Ganzopfer betrifft, ist es klar. Wir haben gesagt, dass eine der Arten des Ganzopfers das Dankopfer ist. Eine Frau, die geboren hat, hat etwas, wofür sie dem Höchsten danken kann. Nicht immer, nicht zu allen Zeiten waren Geburten leicht: Sowohl die Frau selbst konnte, Gott bewahre, sterben, als auch das Kind konnte, Gott bewahre, tot geboren werden oder während der Geburt sterben. Und die Frau muss, verständlicherweise, Gott für die Errettung danken, für die glückliche Geburt.
Weniger verständlich ist, dass es ein Opfer chattát sein muss. Wir haben gesagt, dass es zwei verschiedene Auffassungen vom Wesen des Opfers chattát gibt. Die eine Auffassung beruht darauf, dass man das Wort chattát vom Wort chet (Sünde) her deuten kann, und wir haben angemerkt, dass diese Auffassung nicht sehr angebracht ist. Nach der anderen Auffassung kann man das Wort chattát vom Wort chittúj her deuten, was Reinigung, Sterilisation, Desinfektion bedeutet. Und dann ist das Opfer chattát ein Reinigungsopfer. Diejenigen, die im Opfer chattát ein Sündopfer sehen, versuchen sofort, bei der Frau, die geboren hat, irgendeine Sünde zu finden. Was kann man vermuten? Während der Geburt sagt die Frau (das kommt oft vor, ich kann das als jemand sagen, der Kinder entbunden hat, nicht geboren natürlich, aber Kinder entbunden) Dinge, die sie bei klarem Verstand nicht sagen würde. Sie sagt: „Dass ich noch ein einziges Mal mit meinem Mann?!“ oder „Den Nächsten wirst du selbst gebären!“, oder irgendeine Empörung gegen den Himmel wegen der Leiden, die sie durchmacht. Kurz, sie kann Überflüssiges daherreden. Natürlich kann man eine Frau in einem solchen Zustand nicht verurteilen, aber diejenigen, die chattát als Sündopfer verstehen, sagen auch, dass es vielleicht gerade dafür dargebracht wird. Oder vielleicht wird es dafür dargebracht, dass die Frau, nachdem sie die Strafe gespürt, durchlebt hat, die Chawa gegeben wurde (unter Schmerzen zu gebären), für die Sünde Chawas ihr Opfer darbringt.
Mir ist die Auffassung näher, dass das Opfer chattát, das hier dargebracht wird, ein Reinigungsopfer ist. Und dann ist der Pschat völlig klar. Die Frau ist rein geworden, und deshalb bringt sie ein Opfer für ihre Reinigung dar. Alles ist einfach, und keine Mystik, und nicht einmal irgendeine Kriminologie.
וְהִקְרִיבוֹ לִפְנֵי יְהוָה וְכִפֶּר עָלֶיהָ וְטָהֲרָה מִמְּקֹר דָּמֶיהָ זֹאת תּוֹרַת הַיֹּלֶדֶת לַזָּכָר אוֹ לַנְּקֵבָה׃
wehikriwó lifné adonáj wechippér aléha wetahará mimmekór daméha sot torát hajolédet lassachár o lannekewá
7 Und er (der Kohen) wird sie als Opfer vor dem HERRN darbringen, und er sühnte sie, und sie wurde rein von der Quelle ihres Blutes. Das ist die Lehre über die, die einen Jungen oder ein Mädchen geboren hat.
וְאִם־לֹא תִמְצָא יָדָהּ דֵּי שֶׂה וְלָקְחָה שְׁתֵּי־תֹרִים אוֹ שְׁנֵי בְּנֵי יוֹנָה אֶחָד לְעֹלָה וְאֶחָד לְחַטָּאת וְכִפֶּר עָלֶיהָ הַכֹּהֵן וְטָהֵרָה׃
we'im-ló timzá jadá de se welakechá schete-torím o schené bené joná echád le'olá we'echád lechattát wechippér aléha hakkohén wetahérá
8 Wenn aber ihre Hand nicht bis zu einem Lamm reicht, wird sie zwei Tauben oder zwei Turteltauben nehmen, eine als Ganzopfer, eine als Reinigungsopfer, genauso wird der Kohen sie reinigen, und sie wird rein sein.“
Wir haben auch in den vergangenen Kapiteln gelesen, dass es eine Situation gibt, in der die Tora den Armen bei den Opfern einen Nachlass gewährt. Das hieß korbán olé wejoréd (Opfer mit Aufschlag und mit Nachlass, aufsteigend und absteigend). Wenn eine Frau arm ist, soll sie denn jetzt keine Kinder gebären? Wenn sie kein Lamm kaufen kann, soll sie denn jetzt nicht in den Tempel gehen?
Und all das ist die Lehre über die Frau nach der Geburt. Wir erinnern uns, dass Mirjam und Josef, als sie in den Tempel kamen (Lk. 2,22–24), zwei Turteltauben darbrachten, was einerseits davon spricht, dass sie keine reichen Leute waren. Andererseits aber spricht es davon, dass sie dem Tempel mit Achtung begegneten und das Opfer nach dem Gesetz darbrachten.
Mann Gottes, mit Haut überzogen (13,1–28)
Mit Gottes Hilfe setzen wir das Studium des Wochenabschnitts Tasria fort. Im vorigen Gespräch haben wir über die Schwäche der Frau gelesen, die infolge der Erfüllung eines Gebotes entsteht. Das ist einerseits eine Krankheit, andererseits hat sie gute, gütige Ursachen. Hier werden wir über Schwächen sprechen, die aus nicht sehr guten Gründen entstehen. Wir werden über eine solche Erscheinung sprechen, die auf Hebräisch zará'at heißt, was man gewöhnlich mit Aussatz übersetzt, aber das ist keine ganz richtige Übersetzung. Aussatz (oder die Hansen-Krankheit) ist in keinerlei Überresten im Nahen Osten gefunden worden, und es ist völlig unbekannt, ob es ihn zu jener Zeit überhaupt gab. Außerdem hat die Krankheit, um die es im Weiteren gehen wird, völlig andere Entwicklungssymptome. Es hat sich so ergeben, dass zuerst die griechischen und dann auch die russischen Übersetzer begannen, zur Bezeichnung dieser Krankheit den Begriff Aussatz zu verwenden. Wir aber werden wohl den hebräischen Begriff zará'at festlegen und ihn verwenden.
Zará'at ist eine besondere Krankheit. Es gibt psychosomatische Krankheiten, die sich am Körper zeigen, deren Wurzel aber in der Seele liegt (vom griechischen psycho, Seele), im Verhalten des Menschen, in seinem Nervensystem. Zará'at unterscheidet sich dadurch, dass es, man kann sagen, eine „pneumosomatische“ Krankheit ist (vom griechischen pneumo, Geist). Das ist eine Krankheit, die sich ebenfalls am physischen Körper zeigt, deren Wurzeln aber geistlich sind. In unserer Zeit gibt es die Krankheit zará'at nicht, obwohl sich viele geistliche Probleme nach wie vor auf der Haut zeigen, und es gibt Menschen, die imstande sind, sie irgendwie zu deuten. Aber zará'at genau in der Bedeutung, von der die Tora spricht, existiert in unserer Zeit nicht. Wir werden lesen und herausfinden, was das eigentlich ist. Und wir beginnen mit Vers 1 von Kapitel 13.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל־אַהֲרֹן לֵאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché we'el-aharón lemór
1 Und der HERR sprach zu Mosche und zu Aharon und sagte:
אָדָם כִּי־יִהְיֶה בְעוֹר־בְּשָׂרוֹ שְׂאֵת אוֹ־סַפַּחַת אוֹ בַהֶרֶת וְהָיָה בְעוֹר־בְּשָׂרוֹ לְנֶגַע צָרָעַת וְהוּבָא אֶל־אַהֲרֹן הַכֹּהֵן אוֹ אֶל־אַחַד מִבָּנָיו הַכֹּהֲנִים׃
adám ki-jihjé we'or-besaró se'ét o-sappáchat o wahéret wehajá we'or-besaró lenéga zará'at wehuwá el-aharón hakkohén o el-achád mibbanáw hakkohaním
2 „Ein Mensch, wenn auf seiner Haut eine Schwellung sein wird oder eine Flechte oder ein Pigmentfleck oder etwas, das zará'at ähnlich ist, wird er zu Aharon, dem Kohen, oder zu einem seiner Söhne, den Kohanim, gebracht werden.
Hier wird der Mensch adám genannt. Zur Bezeichnung des Menschen verwendet die Tora verschiedene Wörter in dieser oder jener Konnotation. Manchmal verwendet sie das Wort néfesch (Seele), manchmal das Wort adám, manchmal das Wort isch. Ein Mensch, der mit dem Wort adám bezeichnet wird, – das ist eine gewisse Stufe der Entwicklung. Dieses Wort ist mit dem Wort dimjón (Ähnlichkeit oder Gleichnis), verbunden: das ist der, der lebt, indem er sich angleicht. Er nimmt die Moral, die moralischen Grundsätze von außen auf. Das können gesellschaftliche Grundsätze sein, es kann sogar der göttliche Wille sein, irgendwelche göttlichen Prinzipien. Er wird nicht von seiner inneren Natur bewegt, sondern nimmt vor allem irgendwelche Vorgaben von außen auf. Das ist eine hohe Stufe, denn als Angleichung, als Gegenstand der Angleichung kann man den Höchsten Selbst wählen. Das ist der Name, den der Höchste ursprünglich dem erschaffenen Adam gab, indem Er die Eigenschaften der Angleichung in ihn legte und ihn nach Seinem Bild und Gleichnis schuf. Ein Mensch, der isch genannt wird, – das ist der, der mit seinem eigenen Verstand lebt. Und das ist eine andere Stufe, bis zu der wir noch kommen werden. Aber in diesem Kapitel beginnen wir mit dem Wort adám und werden weiter sehen, was sich ändern wird.
Der Mensch selbst, selbst wenn er Dermatologe ist, selbst wenn er ein großer Fachmann auf dem Gebiet der Hautgesundheit ist, hat nicht das Recht, bei sich selbst zará'at zu diagnostizieren. Wenn ein Mensch auf seiner Haut irgendein Gebilde gesehen hat, etwas sehr Verdächtiges, so etwas, das einen nachdenken lässt: „Ist das nicht etwa zará'at?!“, dann muss er zu Aharon und den Kohanim gehen.
Lasst uns zuerst klären, warum gerade die Haut, warum spricht die Tora von irgendwelchen Flecken auf der Haut? Die Haut ist ein erstaunliches Organ des Menschen: Außer ihren vielen Funktionen, die sie im Organismus erfüllt, ist sie eine Grenze, das, was dem Menschen Form gibt. Und als Grenze bestimmt sie das Verhältnis von Innerem und Äußerem, darunter auch, wie der Mensch sich zu anderen Menschen verhält und wie er selbst fremde Grenzen achtet. Zum Beispiel sagt man oft, dass zará'at eine Strafe für üble Nachrede ist, wenn ein Mensch sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen, und über das urteilt, worüber er nicht urteilen soll (ein gutes Beispiel ist Mirjam, die Schwester Mosches). Oder wenn ein Mensch irgendwelche Befugnisse an sich nimmt, die er nicht nehmen soll – wie König Usijahu, der Kohen werden wollte und sein ganzes Leben lang von zará'at geschlagen war, auch das ist ein gutes Beispiel. Das heißt, die Haut ist für die Beziehungen mit der Außenwelt zuständig, für die Beziehungen zwischen den Menschen. Deshalb zeigt sich zará'at gerade auf der Haut, das ist ein Signal, das dem Menschen zeigt: Etwas stimmt bei dir mit diesen Beziehungen nicht.
Dann entsteht noch eine Frage. Bekanntlich ist die Dermatologie das Gebiet der Medizin, das sich mit der Gesundheit der Haut befasst, vom Wort dérma (Haut) im Lateinischen. Warum sind die nationalen Dermatologen gerade die Kohanim, warum ist ihnen eine solche Ehre zugefallen? Erstens sagt die Tradition (wir sehen das auch in der Tora), dass die Nachkommen Aharons ein gutes Auge haben. Die Leviten an sich, die Nachkommen Lewis, tragen die Strenge ihres Vorfahren in sich. Wir erinnern uns, dass Lewi (zusammen mit Schimon) an den Bewohnern von Sch'chem für die Schändung Dinas Rache nahm. Wir erinnern uns auch, wie sich nach der Geschichte mit dem goldenen Kalb die Leviten auf die Seite Mosches stellten und das Volk bestraften. Wir erinnern uns auch, dass, als Mosche sich weigert, die Mission der Sendung anzunehmen, der Höchste ihm etwas Erstaunliches sagt: „Siehe, dein älterer Bruder, Aharon, kommt dir entgegen, und er ist fröhlich.“ Im ganzen Buch Bereschit haben wir von Streitigkeiten um die Erstgeburt gelesen. Und nun konnte Aharon, der Kohen, diese Rivalität überwinden, diesen Wunsch des Erstgeborenen, unbedingt zu herrschen. Und er begegnet dem Erfolg seines jüngeren Bruders mit fröhlichem Herzen, er kann sich über den Erfolg seines Bruders freuen. So war es im Buch Bereschit nicht immer, daran erinnern wir uns wiederum. Und deshalb ist dem Kohen ein solches Recht gegeben – den Menschen zu untersuchen – in der Hoffnung, dass der Kohen das mit Güte betrachten wird und nicht suchen wird, wie er den, der vor ihm steht, beschuldigen könnte, nicht suchen wird, wie er bei ihm möglichst viele Krankheiten diagnostizieren könnte. Außerdem hat der Kohen Anteil am Heiligen, hat Erfahrung im Verweilen im Heiligen und trägt irgendeinen Maßstab in sich und wird seelsorgerliche, psychologische Hilfe leisten können.
Also, den Menschen, bei dem sich auf der Haut irgendetwas gefunden hat, bringt man zu Aharon oder zu seinen Söhnen, den Kohanim.
וְרָאָה הַכֹּהֵן אֶת־הַנֶּגַע בְּעוֹר־הַבָּשָׂר וְשֵׂעָר בַּנֶּגַע הָפַךְ לָבָן וּמַרְאֵה הַנֶּגַע עָמֹק מֵעוֹר בְּשָׂרוֹ נֶגַע צָרַעַת הוּא וְרָאָהוּ הַכֹּהֵן וְטִמֵּא אֹתוֹ׃
wera'á hakkohén et-hannéga beor-habbassár wese'ár bannéga hafách lawán umar'é hannéga amók meór besaró néga zará'at hu wera'áhu hakkohén wetimmé otó
3 Und der Kohen wird den Befall betrachten (untersuchen), der auf der Haut des Fleisches ist, und er wird sehen, dass das Haar auf diesem Befall weiß geworden ist, und dieser Befall sieht tiefer aus als die Haut (wie unter die Haut dringend) – das ist ein Befall von Zara'at, und der Kohen wird ihn sehen und ihn für unrein erklären.
Die Krankheit, die Zara'at heißt, hat also bestimmte Merkmale. Wir sehen sie schon: Es ist etwas unter der Haut, wo das Haar seine Farbe zu Weiß ändert, Zara'at ist überhaupt mit der weißen Farbe verbunden. Man kann das als Hinweis verstehen: Der Mensch soll weiß sein (wie im Sprichwort – „weiß und flauschig“, obwohl flauschig zu sein nicht nötig ist), das heißt rein, in Reines gekleidet. Wenn aber ein Mensch etwas Unreines tut, sich beschmutzt, wird ihm eine Art Fleck auf den Körper gesetzt: „Hier hast du den Maßstab, so sollst du von innen sein.“ Die Seele des Menschen, die nach Reinigung strebt, stößt die Unreinheit aus sich heraus. Das ist das Innere, das sich äußerlich als eine solche weiße Bildung auf der Haut zeigt.
וְאִם־בַּהֶרֶת לְבָנָה הִוא בְּעוֹר בְּשָׂרוֹ וְעָמֹק אֵין־מַרְאֶהָ מִן־הָעוֹר וּשְׂעָרָה לֹא־הָפַךְ לָבָן וְהִסְגִּיר הַכֹּהֵן אֶת־הַנֶּגַע שִׁבְעַת יָמִים׃
we'im-bahéret lewaná hi beór besaró we'amók en-mar'éha min-haór us'ará lo-hafách lawán wehisgír hakkohén et-hannéga schiw'át jamím
4 Wenn aber der Fleck weiß ist auf der Haut seines Fleisches, und er nicht so aussieht, als dringe er unter die Haut, und das Haar darauf sich nicht in Weiß verwandelt hat, dann wird der Kohen diesen Befall für sieben Tage einschließen.
Das heißt, einen solchen Menschen, bei dem der Fleck schon weiß geworden ist, bei dem man aber noch nicht sieht, ob er unter die Haut dringen wird und ob weiße Haare darauf sein werden, schließt der Kohen in eine siebentägige Quarantäne ein. Diese Quarantäne ist nicht dazu da, dass der Mensch Bier trinkt und fernsieht, und nicht einmal dazu, dass der Mensch kluge Bücher liest. Die Quarantäne wird dem Menschen als Zeit gegeben, nachzudenken und sich in Ordnung zu bringen: Wie wir gesagt haben, ist ein Ausschlag auf der Haut eine Warnung, und der Mensch kann mit dieser Warnung irgendwie arbeiten.
וְרָאָהוּ הַכֹּהֵן בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי וְהִנֵּה הַנֶּגַע עָמַד בְּעֵינָיו לֹא־פָשָׂה הַנֶּגַע בָּעוֹר וְהִסְגִּירוֹ הַכֹּהֵן שִׁבְעַת יָמִים שֵׁנִית׃
wera'áhu hakkohén bajom haschewi'í wehinné hannéga amád be'enáw lo-fassá hannéga baór wehisgiró hakkohén schiw'át jamím schenít
5 Wenn der Kohen am siebten Tag sieht: Und siehe, dem Aussehen nach ist dieser Befall so, wie er war, der Befall hat sich nicht auf der Haut ausgebreitet, dann schließt der Kohen ihn noch für sieben Tage Quarantäne ein.
וְרָאָה הַכֹּהֵן אֹתוֹ בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי שֵׁנִית וְהִנֵּה כֵּהָה הַנֶּגַע וְלֹא־פָשָׂה הַנֶּגַע בָּעוֹר וְטִהֲרוֹ הַכֹּהֵן מִסְפַּחַת הִיא וְכִבֶּס בְּגָדָיו וְטָהֵר׃
wera'á hakkohén otó bajom haschewi'í schenít wehinné kehá hannéga welo-fassá hannéga baór wetiharó hakkohén mispáchat hi wechibbés begadáw wetahér
6 Und zum zweiten Mal wird der Kohen ihn sehen, nach den zweiten sieben Tagen, und siehe, dieser Befall ist dunkler geworden, und er hat sich nicht auf der Haut ausgebreitet, und der Kohen wird ihn für rein erklären, denn es ist eine Flechte; und danach wird der Mensch für rein erklärt, er wäscht sich, wäscht seine Kleider und wird rein sein (am Abend, mit dem Sonnenuntergang).
Hier steht nichts vom Abend und vom Sonnenuntergang geschrieben, aber wir kennen die allgemeine Regel der Reinigung des Menschen.
וְאִם־פָּשֹׂה תִפְשֶׂה הַמִּסְפַּחַת בָּעוֹר אַחֲרֵי הֵרָאֹתוֹ אֶל־הַכֹּהֵן לְטָהֳרָתוֹ וְנִרְאָה שֵׁנִית אֶל־הַכֹּהֵן׃
we'im-passó tifsé hammispáchat baór acharé hera'otó el-hakkohén letahorató wenir'á schenít el-hakkohén
7 Wenn sich diese Flechte (das, was wie eine Flechte aussieht) auf der Haut ausgebreitet hat, nachdem der Kohen sie schon gesehen und gereinigt hat, muss er sich erneut dem Kohen zeigen.
Das heißt, der Mensch ist anscheinend schon mit reinem Gewissen in die Freiheit hinausgegangen, und plötzlich hat das, was wir für eine Flechte hielten, zu wachsen begonnen. Ein solcher Mensch wird nicht bedingungslos entlassen, sondern unter Selbstbeobachtung.
וְרָאָה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה פָּשְׂתָה הַמִּסְפַּחַת בָּעוֹר וְטִמְּאוֹ הַכֹּהֵן צָרַעַת הִוא׃
wera'á hakkohén wehinné passetá hammispáchat baór wetimmeó hakkohén zará'at hi
8 Und siehe, der Kohen sieht: Die Flechte hat sich auf der Haut ausgebreitet, und der Kohen hat ihn für unrein erklärt, das ist Zara'at.
Ein scheinbar so unbedeutendes Wörtchen verwendet die Tora – wehinné (und siehe), und siehe, er sieht. Aber das sagt uns, dass der Kohen mit innerer Beteiligung hinschaut: ob sich die Flechte ausgebreitet hat oder nicht, ob der Mensch rein ist oder nicht, hier ist Sorge um den Menschen. Der Kohen ist kein Statist, kein pflichtvergessener Hausarzt (ich spreche nicht von allen Hausärzten), der einfach dasitzt und die Leute rein technisch untersucht. Der Kohen schaut mit Aufregung und Mitgefühl hin, und siehe, er sieht, dass diese Flechte auf der Haut ist.
In Vers 9 lesen wir eine etwas andere Geschichte. Scheinbar ähnlich, aber etwas anders.
נֶגַע צָרַעַת כִּי תִהְיֶה בְּאָדָם וְהוּבָא אֶל־הַכֹּהֵן׃
néga zará'at ki tihjé be'adám wehuwá el-hakkohén
9 Ein Befall von Zara'at, wenn er bei einem Menschen sein wird, und er wurde zum Kohen gebracht.
In Vers 2 haben wir gelesen: „Ein Mensch, wenn bei ihm ein Befall von Zara'at sein wird …“ Hier aber lesen wir etwas anderes: „Ein Befall von Zara'at, wenn er bei einem Menschen sein wird …“ Das ist nicht einfach eine Änderung der Wortfolge. So ist es auch in Krankenhäusern, wenn wir den Umgang mit den Kranken in verschiedenen Situationen beobachten. Manchmal sagt man so: „Da sitzt ein gewisser Kranker, Chaim Chaimson, und er hat – Tachykardie.“ Das heißt, vor allem ist da Chaim Chaimson, ein Mensch, und dann erst präzisiert man, dass er Tachykardie hat. Aber es kommt auch vor, dass man hinter der Krankheit den Menschen schon nicht mehr sieht. Und der Arzt sagt: „So, der Tachykardie gibst du das hier, der Hypertonie – gibst du das hier, der Hypotonie – gibst du das hier“, das heißt, die Verordnung wird den Symptomen der Krankheit gegeben und nicht dem Menschen.
Wenn ein Mensch zum ersten Mal sündigt, irgendein Verbrechen, ein Vergehen begeht, ist dieses Vergehen noch nicht Teil seiner Natur. Womit ist das vergleichbar? Jeder Mensch befindet sich auf irgendeiner Stufe, wie auf einer Treppe, er hat die Möglichkeit, von jeder Stufe sowohl einen Schritt nach oben als auch einen Schritt nach unten zu machen. Zum Beispiel kann ein Dieb sagen: „Ich töte wenigstens nicht.“ Ein Drogensüchtiger kann sagen: „Ich probiere wenigstens keine harten Drogen.“ Ein Alkoholiker sagt: „Ich probiere keine Drogen.“ Von jeder Stufe gibt es einen Schritt nach unten, und der Mensch hält sich zurück, um ihn nicht zu machen. Und entsprechend gibt es einen Schritt nach oben, den der Mensch immer machen kann. Für den einen ist die Wahl, auf ein Glas Wodka zu verzichten, für den anderen ist die Wahl, eine Stunde früher zum Gebet aufzustehen, nicht um sechs Uhr morgens, sondern um fünf, jemand kämpft darum. Und jeder trifft eine Wahl auf seiner Stufe.
Wenn ein Mensch eine Stufe nach unten sinkt, wird das nicht sofort zu seiner Natur: Wenn ein Mensch einmal gestohlen hat, dann wird der Mensch zu einem, der gestohlen hat, wenn aber ein Mensch das Stehlen zu einem Teil seiner Natur macht, dann wird er zum Dieb. Und hier, in Vers 9, geht es darum, dass der Befall an dem Menschen ist, er hat gleichsam schon die Natur einer bestimmten Sünde angenommen, diese Sünde ist zu seiner Natur geworden: Er ist nicht mehr einer, der gestohlen hat, er ist schon einer, der stiehlt, er ist ein Mensch, der vom Stehlen lebt. Das ist eine andere Stufe, viel tiefer als die, von der wir vorher gesprochen haben, in Vers 2.
וְרָאָה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה שְׂאֵת־לְבָנָה בָּעוֹר וְהִיא הָפְכָה שֵׂעָר לָבָן וּמִחְיַת בָּשָׂר חַי בַּשְׂאֵת׃
wera'á hakkohén wehinné se'et-lewaná baór wehí hafechá se'ár lawán umichját bassár chaj bas'ét
10 Und der Kohen wird sehen: Und siehe, eine weiße Schwellung auf der Haut, und auf ihr weiße Haare, und lebendiges (verheiltes) Fleisch (verheilter Leib) schimmert durch diese Schwellung hindurch:
צָרַעַת נוֹשֶׁנֶת הִוא בְּעוֹר בְּשָׂרוֹ וְטִמְּאוֹ הַכֹּהֵן לֹא יַסְגִּרֶנּוּ כִּי טָמֵא הוּא׃
zará'at noschénet hi beór besaró wetimmeó hakkohén lo jasgirénnu ki tamé hu
11 Das ist eine alte Zara'at auf der Haut seines Fleisches; und der Kohen wird ihn für unrein erklären und wird ihn nicht in Quarantäne einschließen, denn er ist unrein.
Was bedeutet das? Das ist eine solche Sünde, mit der sich der Mensch schon abgefunden hat, sie ist chronisch geworden, gleichsam in den Körper eingewachsen, und der Mensch lebt mit ihr. Das heißt, in diesem Fall ist klar, dass der Mensch unrein ist, und keine Quarantäne, keine Bedenkzeit braucht er. Das bedeutet nicht, dass einem Menschen, der Zara'at hat, keinerlei Hilfe geleistet wird. Er wird aus dem Lager hinausgeführt, sein Nachdenken, seine innere Arbeit muss schon außerhalb des Lagers geschehen. Aber sie muss geschehen, und Hilfe muss ihm geleistet werden.
In Vers 12 lesen wir eine ganz erstaunliche Sache:
וְאִם־פָּרוֹחַ תִּפְרַח הַצָּרַעַת בָּעוֹר וְכִסְּתָה הַצָּרַעַת אֵת כָּל־עוֹר הַנֶּגַע מֵרֹאשׁוֹ וְעַד־רַגְלָיו לְכָל־מַרְאֵה עֵינֵי הַכֹּהֵן׃
we'im-paróach tifrách hazzará'at baór wechissetá hazzará'at et kol-ór hannéga meroschó we'ad-ragláw lechol-mar'é ené hakkohén
12 Wenn aber die Zara'at mit Blühen auf der Haut aufblüht und die Zara'at die ganze Haut bedeckt hat, vom Scheitel bis zu den Füßen alles befallen hat, was der Kohen sehen kann,
Was kann der Kohen nicht sehen? Er kann die inneren Organe nicht sehen. Zara'at kann auch die inneren Organe befallen, aber der Kohen sieht das natürlich nicht. Der Kohen schaut auf den entblößten Menschen, und alles, was er sieht, ist mit Zara'at bedeckt. Und das ist der Fall, den wir betrachten.
וְרָאָה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה כִסְּתָה הַצָּרַעַת אֶת־כָּל־בְּשָׂרוֹ וְטִהַר אֶת־הַנָּגַע כֻּלּוֹ הָפַךְ לָבָן טָהוֹר הוּא׃
wera'á hakkohén wehinné chissetá hazzará'at et-kol-besaró wetihár et-hannága kulló hafách lawán tahór hu
13 Und der Kohen sah, dass die Zara'at den ganzen Körper des Menschen bedeckt hat, und er wird diesen Befall für rein erklären: Als alles weiß geworden ist, hat er sich in Reines verwandelt.
Wenn die menschliche Seele, die die Unreinheit aus sich herauspresst (wie wir als Beispiel angeführt haben), schon alles herausgepresst hat, schon der ganze Körper mit Zara'at bedeckt ist, dann bedeutet das, das Innere hat sich gereinigt, innen ist keine Unreinheit mehr. Das ist wie ein Pendel, das maximal zu einer Seite ausgeschlagen hat: Weiter wird es sich in diese Richtung nicht mehr bewegen, die Rückbewegung beginnt. Deshalb wird ein Mensch, der ganz mit Zara'at bedeckt ist, für rein erklärt. Dieses Prinzip wirkt auch in anderen Fällen. Zum Beispiel, wenn die ganze Gemeinschaft Israels unrein wird, dann wird sie für rein erklärt. Oder wenn alle Richter des Sanhedrin jemanden für schuldig halten, dann muss er freigelassen werden, als Unschuldiger.
וּבְיוֹם הֵרָאוֹת בּוֹ בָּשָׂר חַי יִטְמָא׃
uwjom hera'ót bo bassár chaj jitmá
14 Wenn aber dort (durch die Zara'at hindurch) ein Stückchen reinen Fleisches (reinen Leibes) erscheint, dann wird er wieder unrein sein.
וְרָאָה הַכֹּהֵן אֶת־הַבָּשָׂר הַחַי וְטִמְּאוֹ הַבָּשָׂר הַחַי טָמֵא הוּא צָרַעַת הוּא׃
wera'á hakkohén et-habbassár hacháj wetimmeó habbassár hacháj tamé hu zará'at hu
15 Und der Kohen wird das verheilte Fleisch sehen und ihn für unrein erklären, denn das ist Zara'at.
Wenn der Körper sich abfindet, durch die Zara'at hindurchwächst, lernt, mit ihr zu leben, dann kann der Mensch nicht rein sein, wie auch im Fall der alten Zara'at,
אוֹ כִי יָשׁוּב הַבָּשָׂר הַחַי וְנֶהְפַּךְ לְלָבָן וּבָא אֶל־הַכֹּהֵן׃
o chi jaschúw habbassár hacháj wenehpách lelawán uwá el-hakkohén
16 Wenn aber dieses verheilte Fleisch wieder weiß wird, wird er wieder zum Kohen kommen,
וְרָאָהוּ הַכֹּהֵן וְהִנֵּה נֶהְפַּךְ הַנֶּגַע לְלָבָן וְטִהַר הַכֹּהֵן אֶת־הַנֶּגַע טָהוֹר הוּא׃
wera'áhu hakkohén wehinné nehpách hannéga lelawán wetihár hakkohén et-hannéga tahór hu
17 Und der Kohen sah: und siehe, der Befall war weiß geworden, und der Kohen erklärte ihn für rein, denn er ist rein.
Der Kohen reinigt nicht selbst und verunreinigt nicht, er erklärt den Status. Wie wir schon erklärt haben: Wenn der ganze Befall weiß ist, dann ist er rein. Man muss wohl eine wichtige Sache sagen: Dieses ganze Gehen zum Kohen, das ist nicht einfach so, dem Menschen ist die Warnung auf der Haut nicht einfach so gegeben. Der Kohen ist berufen, nicht nur die Reinheit oder Unreinheit festzustellen, was er auch tut, sondern auch noch mit dem Menschen zu reden. „Du hast, Bruder, offenbar zara'át. Warum? Was ist passiert? Wie geht's überhaupt? Wie geht's den Kindern? Wie geht's der Frau? Wie zahlst du die Hypothek ab?“ Na ja, eben Fragen stellen. Es ist sehr wichtig, dass eine solche Warnung dem Menschen die Möglichkeit gibt, dem Kohen zu begegnen. Wenn wir einfach sagen würden: „Sobald du irgendein seelisches oder geistliches Problem hast, geh zum Kohen“, dann gäbe es viele Menschen, die sich ständig beim Kohen aufhalten würden, mit jedem kleinen Problem, das sie auch selbst lösen könnten, würden sie zum Kohen kommen. Hier schlüpft auf der Haut etwas hervor – das ist für dich eine Vorladung, zum Kohen zu kommen.
In diesem Zusammenhang stellt man eine ganz andere, aber doch ähnliche Frage in Bezug auf die Reinheit der Frauen. Die Reinheit der Frau ist mit ihren vaginalen Ausscheidungen verbunden, und oft hinterlassen diese Ausscheidungen Flecken auf der Unterwäsche der Frau. Und das ist eine ganz unangenehme, sehr beschämende Sache. Die Frau zeigt diese Flecken irgendwelchen Rabbinern und fragt, ob sie ihrem Mann erlaubt ist oder nicht. Wozu das, könnte man meinen? Das ist alles unangenehm, und Männer gehen gewöhnlich mit einem gewissen Ekel damit um. Warum zwingt man die Frau plötzlich, zum Rabbiner zu gehen, oder nötigt sie, zum Rabbiner zu gehen und eine solche Frage zu stellen? Und außerdem ist das schrecklich unschicklich. Aber das gibt die Möglichkeit, seinerseits Fragen zu stellen, die das Leben der Frau betreffen, und vielleicht irgendwelche Dinge zu berühren, über die sie nicht einfach so spricht, das ist eine Möglichkeit zu reden.
Genauso ist es auch mit zara'át. Dermatologie, die Arbeit mit der Haut, die Untersuchung der Haut – das ist eine ganz-ganz-ganz und gar nicht angenehme Prozedur. Der Kohen untersucht den Menschen und führt parallel ein Gespräch mit ihm, das ist Zeit für die Seelsorge. Und die siebentägige Zeit in Quarantäne – das ist auch Zeit der Seelsorge. Und sehr wichtig ist die Fähigkeit des Kohen (und jeder von uns muss sich selbst auf diese Fähigkeit prüfen), wenn er Unreines sieht, nicht unrein zu werden. Wenn er Unreinheit in einem Menschen sieht, die Liebe zu ihm zu bewahren und ihn mit Fürsorge anzuschauen, mit Bangen, mit Anteilnahme, wie man um sich selbst bangt, in der Hoffnung auf seine Reinigung.
וּבָשָׂר כִּי־יִהְיֶה בוֹ־בְעֹרוֹ שְׁחִין וְנִרְפָּא׃
uwassár ki-jihjé wo-we'oró schechín wenirpá
18 Und Fleisch, an dem auf der Haut ein Geschwür sein wird, und es heilt,
Wenn wir im ersten Fall gelesen haben: „Ein Mensch, an dem sein wird …“, im zweiten Fall: „Ein Befall, der sein wird …“, dann hier schon einfach Fleisch. Das ist die dritte Stufe. Wenn irgendein Mensch, der sich vielleicht schon als nur noch Körper, als Fleisch erwiesen hat und in dem es schwer ist, etwas Geistliches zu wecken, irgendein Geschwür hatte und es geheilt ist:
וְהָיָה בִּמְקוֹם הַשְּׁחִין שְׂאֵת לְבָנָה אוֹ בַהֶרֶת לְבָנָה אֲדַמְדָּמֶת וְנִרְאָה אֶל־הַכֹּהֵן׃
wehajá bimkóm haschechín se'ét lewaná o wahéret lewaná adamdámet wenir'á el-hakkohén
19 Und es war so, dass an der Stelle dieses Geschwürs eine weiße Schwellung oder ein weiß-rötlicher Fleck erschien, und er zeigte sich dem Kohen,
Hier erscheint noch ein Detail – das Rötliche. Wenn Weiß nur Gnade symbolisiert, Weiß ist die Summe aller Farben, es ist Vollkommenheit, es ist eine Art Absolutes, dann symbolisiert Rot den Zorn. Hier ist es nicht mehr einfach ein Hinweis, ein Beispiel dafür, wie der Mensch sein soll. Hier ist es die Erscheinung des Zorns in seinem Leben, der schon in ihm drinnen ist und ebenfalls nach außen tritt. Bei einem solchen Menschen kann der Fleck auch rötlich sein. In den anderen Fällen gab es das nicht.
וְרָאָה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה מַרְאֶהָ שָׁפָל מִן־הָעוֹר וּשְׂעָרָהּ הָפַךְ לָבָן וְטִמְּאוֹ הַכֹּהֵן נֶגַע־צָרַעַת הִוא בַּשְּׁחִין פָּרָחָה׃
wera'á hakkohén wehinné mar'éha schafál min-haór us'ará hafách lawán wetimmeó hakkohén nega-zara'át hi baschechín parácha
20 Und der Kohen sah, dass er dem Aussehen nach tiefer als die Haut ist und die Haare weiß geworden sind, und der Kohen erklärte ihn für unrein, denn das ist ein Befall von Zara'at, der an der Stelle des Geschwürs aufgeblüht ist.
וְאִם יִרְאֶנָּה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה אֵין־בָּהּ שֵׂעָר לָבָן וּשְׁפָלָה אֵינֶנָּה מִן־הָעוֹר וְהִיא כֵהָה וְהִסְגִּירוֹ הַכֹּהֵן שִׁבְעַת יָמִים׃
we'ím jir'énna hakkohén wehinné en-bá se'ár lawán uschfalá enénna min-haór wehi chehá wehisgiró hakkohén schiw'át jamím
21 Wenn aber der Kohen den Fleck untersucht, und siehe, es sind keine weißen Haare darauf, und unter die Haut dringt er nicht ein, und er ist eher dunkel, so wird ihn der Kohen für sieben Tage der Isolation einschließen;
וְאִם־פָּשֹׂה תִפְשֶׂה בָּעוֹר וְטִמֵּא הַכֹּהֵן אֹתוֹ נֶגַע הִוא׃
we'im-passó tifsé baór wetimmé hakkohén otó néga hi
22 Wenn er sich ausbreitend über die Haut ausbreitet, wird ihn der Kohen für unrein erklären, denn das ist ein Befall (Zara'at).
וְאִם־תַּחְתֶּיהָ תַּעֲמֹד הַבַּהֶרֶת לֹא פָשָׂתָה צָרֶבֶת הַשְּׁחִין הִוא וְטִהֲרוֹ הַכֹּהֵן׃
we'im-tachtéha ta'amód habbahéret lo fassáta zaréwet haschechín hi wetiharó hakkohén
23 Wenn er aber in demselben Zustand bleibt, in dem er war, dann ist das die Narbe des Geschwürs, und der Kohen erklärt ihn für rein.
In diesem Fall ist, wie wir sehen, keine zweite Quarantänezeit erforderlich.
אוֹ בָשָׂר כִּי־יִהְיֶה בְעֹרוֹ מִכְוַת־אֵשׁ וְהָיְתָה מִחְיַת הַמִּכְוָה בַּהֶרֶת לְבָנָה אֲדַמְדֶּמֶת אוֹ לְבָנָה׃
o wassár ki-jihjé we'oró michwat-ésch wehajetá mich'ját hammichwá bahéret lewaná adamdémet o lewaná
24 Oder Fleisch, wenn auf der Haut eine Verbrennung sein wird, und das von der Verbrennung verheilte Fleisch wird einen rötlichen oder weißen Fleck haben,
Halten wir inne und achten wir darauf. Wir lesen schon den vierten Fall, den die Tora beschreibt. Alles begann damit, dass da ein adám – Mensch war, der ein Problem hatte. Die zweite Stufe ist, wenn das Problem am Menschen sein wird, das heißt, der Mensch selbst ist in den Hintergrund gerückt, und sein Problem ist gefährlicher geworden als er selbst. Er ist in die Gewalt jener Sünde geraten, die zu seiner Natur geworden ist und die zu zara'át führt. Auf der dritten Stufe haben wir von einem Menschen gelesen, der wassár (Fleisch) genannt wird. Das ist scheinbar schon gar keine Persönlichkeit mehr. Und in seinem Fleck kann sich eine rötliche Farbe zeigen. Wir haben gelesen, dass er weiß oder weiß-rötlich ist, und wir haben damals bemerkt, dass das der Anfang der Erscheinung des Zorns ist. Und Zorn – das ist, wenn die Seele selbst schon aus dem Körper ausbrechen will. Die vierte Stufe, von der wir hier lesen, ist, wenn der rötliche Ton schon überwiegt. Und die Erscheinung auf der Haut selbst ist schon kein Geschwür, sondern eine Verbrennung, das heißt etwas von außen. In einem Zustand, in dem die Gesellschaft heilig ist, in dem das ganze Volk Nachbar des Höchsten ist, ist das Fehlen eines elementaren Schutzes, das eine Verbrennung zulässt, schon eine laute Sirene im Kopf des Menschen. Wir sprechen vom Volk Israel, das der Höchste zu Seinem Haus erwählt hat, in dem der Höchste wohnen will und an das besondere Anforderungen der Heiligkeit gestellt werden. Deshalb ist ihm auch das ganze System von Warnungen gegeben, das zara'át genannt wird. Und eine Verbrennung ist auch eine Warnung im Leben des Menschen, vielleicht auch in unserem Leben aktuell, im Unterschied zu zara'át. Obwohl das nicht bedeutet, dass man mit dem Finger auf einen Menschen zeigen soll, der sich verbrannt hat.
Also, der Mensch ist zum Kohen gekommen, und er hatte eine Verbrennung, eine verheilte Stelle, rötlich oder weiß.
וְרָאָה אֹתָהּ הַכֹּהֵן וְהִנֵּה נֶהְפַּךְ שֵׂעָר לָבָן בַּבַּהֶרֶת וּמַרְאֶהָ עָמֹק מִן־הָעוֹר צָרַעַת הִוא בַּמִּכְוָה פָּרָחָה וְטִמֵּא אֹתוֹ הַכֹּהֵן נֶגַע צָרַעַת הִוא׃
wera'á otá hakkohén wehinné nehpách se'ár lawán babbahéret umar'éha amók min-haór zara'át hi bammichwá parácha wetimmé otó hakkohén néga zara'át hi
25 Und der Kohen sah ihn: und siehe, in diesem Fleck sind die Haare weiß geworden, und wieder – er ist unter der Haut, also ist das Zara'at, die auf der Verbrennung gewachsen ist; und der Kohen erklärte ihn für unrein, denn das ist Zara'at.
וְאִם יִרְאֶנָּה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה אֵין־בַּבֶּהֶרֶת שֵׂעָר לָבָן וּשְׁפָלָה אֵינֶנָּה מִן־הָעוֹר וְהִוא כֵהָה וְהִסְגִּירוֹ הַכֹּהֵן שִׁבְעַת יָמִים׃
we'ím jir'énna hakkohén wehinné en-babbahéret se'ár lawán uschfalá enénna min-haór wehí chehá wehisgiró hakkohen schiw'át jamím
26 Wenn aber der Kohen hinschaut: und siehe, es sind keine weißen Haare in diesem Fleck, und er ist nicht unter der Haut, und er wird dunkler, und der Kohen schloss ihn für sieben Tage ein.
Auch auf dieser Stufe gibt es die Möglichkeit der Reue. Und was erstaunlich ist: Auch die psychologische Selbsthilfe kann in sieben Tagen geschehen. Und auch auf dieser Stufe schaut der Kohen den Menschen mit Bangen an. Und wieder, dieses wehinné (und siehe) gibt wirklich das Bangen des Kohen wieder. Unabhängig davon, bis zu welcher Stufe ein Mensch in der Sünde gesunken ist, gibt es Sorge um ihn, Fürsorge, gibt es Hoffnung auf Besserung. Dabei kann die Geschwindigkeit der Besserung gleich sein für den, der ein wenig gestolpert ist, und für den, der endgültig gefallen ist.
וְרָאָהוּ הַכֹּהֵן בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי אִם־פָּשֹׂה תִפְשֶׂה בָּעוֹר וְטִמֵּא הַכֹּהֵן אֹתוֹ נֶגַע צָרַעַת הִוא׃
wera'áhu hakkohén bajom haschewi'í im-passó tifsé baór wetimmé hakkohén otó néga zara'át hi
27 Und der Kohen wird ihn am siebten Tag untersuchen: Wenn er sich über die Haut ausbreitet, dann wird ihn der Kohen für unrein erklären, denn das ist Zara'at.
וְאִם־תַּחְתֶּיהָ תַעֲמֹד הַבַּהֶרֶת לֹא־פָשְׂתָה בָעוֹר וְהִוא כֵהָה שְׂאֵת הַמִּכְוָה הִוא וְטִהֲרוֹ הַכֹּהֵן כִּי־צָרֶבֶת הַמִּכְוָה הִוא׃
we'im-tachtéha ta'amód habbahéret lo-fassetá waór wehí chehá se'ét hammichwá hi wetiharó hakkohén ki-zaréwet hammichwá hi
28 Wenn aber der Fleck nicht wachsen wird und sich nicht auf der Haut ausgebreitet hat, und er dunkel ist, dann ist es eine Schwellung, die von der Verbrennung geblieben ist; und der Kohen erklärte ihn für rein, denn es ist eine Narbe von der Verbrennung.
Obwohl der Mensch, wie wir schon gesagt haben, vielleicht sogar seine Persönlichkeit verloren hat, kann er rituell rein sein. Reinheit hat nichts mit Sünde zu tun. Zum wievielten Mal wiederhole ich, dass unrein zu sein keine Sünde ist und rein zu sein keine Gerechtigkeit ist. Man kann ein rituell reiner Dieb sein, man kann eine rituell unreine Wöchnerin sein.
Wir sehen, dass sich ein und derselbe Prozess wiederholt, und die Tora wiederholt uns das. Und oft muss man sich mit der Frage auseinandersetzen: Wozu diese langweiligen Wiederholungen ein und desselben? Sagt einfach so: „Wenn es zwei Merkmale gibt: weiße Haare im Fleck und der Fleck unter der Haut, dann ist das zará'at! Wenn nicht, dann sieben oder vierzehn Tage Quarantäne – und in die Freiheit mit reinem Gewissen.“ Wozu all diese Wiederholungen? Aber hier sehen wir, wie der Mensch von einer Stufe auf die andere hinabsteigt. Wir sehen, wie sich die zará'at widerspiegelt, wie sie sich in der Degradierung des Menschen zeigt, wie der Mensch aus dem Zustand adám in den Zustand fast ohne Persönlichkeit übergeht, in dem das Streben der Seele nach Leben schon nicht mehr so groß ist. Und dieses Kapitel ist eine praktische Anweisung an die Kohanim, nicht nur darüber, wie man Flecken diagnostiziert, sondern auch darüber, wie man bestimmte Prozesse beobachtet, die im Menschen vor sich gehen. Denn wenn jemand zum Kohen kommt, steht auf ihm nicht geschrieben: adám, oder die zará'at, die der Mensch hat, oder Fleisch. Und um die Stufe herauszufinden, auf der sich der Mensch befindet, um seinen geistlichen Zustand zu verstehen, muss der Kohen ihn nicht nur untersuchen, sondern auch mit ihm reden. Und das ist das Wichtigste.
Ich denke, dass die wichtige Schlussfolgerung aus diesem Kapitel nicht in den Bereich der Dermatologie gehört, sondern in den Bereich der Seelsorge. Einerseits handelt dieses Kapitel davon, wie aufmerksam und mit welcher Liebe man mit Menschen umgehen muss, auf deren Haut Geschwüre sind, deren Seele um Reinigung bittet, und das sieht durchaus nicht immer ästhetisch aus, und wie oft ziehen wir die Ästhetik der Liebe vor. Andererseits ist es eine Ermutigung für Menschen, deren Probleme Unreinheit sind, die nach außen ausbricht und das Leben behindert, die Geschwüren auf der Haut gleicht, den Wunden der zará'at gleicht. Sich nicht zu genieren, sich nicht zu schämen, um Hilfe zu bitten, Reinigung zu suchen, einen liebenden Kohen zu suchen, der Heilung geben kann. Und daran zu denken, dass wir einen Hohepriester haben, dass wir Seine Mithirten haben. Ich denke, dass das eine große Ermutigung für uns ist.
Der fürsorgliche Gott
Wajikra 13,29–59
Mit Gottes Hilfe setzen wir das Studium des Wochenabschnitts Tasria fort und werden ab Vers 29 von Kapitel 13 des Buches Wajikra lesen. Ich erinnere daran, dass wir im ersten Teil des Kapitels von vier Fällen eines Befalls mit zará'at gelesen haben. Wir haben mit dem Menschen begonnen, der adám genannt wurde und der einen Befall auf der Haut hatte. Dann haben wir von dem Fall gelesen, in dem der Befall in den Vordergrund tritt und schon der Befall zusammen mit dem Menschen zum Kohen kommt. Im dritten Fall hieß der Patient wassár (Fleisch), er hatte auf der Haut weiße Flecken (wie gewöhnliche zará'at) und rötliche Flecken. Und wir haben davon gesprochen, dass das schon eine Erscheinung des Zorns ist. Im vierten Fall hieß der Mensch ebenfalls wassár (Fleisch, Leib), aber die rötlichen Flecken waren mehr. Wir haben davon gesprochen, dass das vier Stufen der Degradierung des Menschen zusammen mit der zará'at sind, sein Fall von Stufe zu Stufe. In Vers 29 erscheint bei uns ein neuer Typ von Patient (oder Patienten).
וְאִישׁ אוֹ אִשָּׁה כִּי־יִהְיֶה בוֹ נָגַע בְּרֹאשׁ אוֹ בְזָקָן׃
we'ísch o ischá ki-jihjé wo nága berósch o wesakán
29 Ein Mann oder eine Frau, wenn an ihm ein Befall am Kopf oder am Bart sein wird,
Warum sind auf einmal isch (Mann) oder ischá (Frau) erschienen? Zum ersten Mal begegnen wir dem Begriff isch und ischá, als Adam seiner Frau Chawa begegnet und sagt: „Diese wird ischá heißen, denn sie ist vom isch genommen.“ Sobald Adam ein Urteil ausgesprochen hatte, ein urteilender Mensch geworden war und eine neue Idee hervorgebracht hatte, war er schon nicht mehr adám, sondern isch. Isch ist ein Mensch, der nicht mehr nur durch Nachahmung lebt, sondern etwas Eigenes tun kann, ein urteilender Mensch. Und da der urteilende Mensch erschienen ist und in ihm Ideen geboren werden, braucht er die ischá, diejenige, die diese Ideen ins Leben umsetzen, ins Einzelne ausarbeiten wird. Der Mann denkt abstrakt, die Frau konkret. Für den Mann gibt es ein Zimmer, für die Frau gibt es in diesem Zimmer Vorhänge, Tische, Stühle, Servietten, Rüschchen und Sitzpuffs. Der Mann, der männlich denkt, wird größtenteils nicht daran denken, sich einen Sitzpuff fürs Zimmer zu kaufen, die Frau aber wird für Gemütlichkeit sorgen. Übrigens besteht die Seele jedes Menschen aus Männlichem und Weiblichem, das heißt, wir denken nicht nur abstrakt, sondern setzen unsere Ideen auch um. So soll es sein.
Also sind isch oder ischá – nicht einfach Mann oder Frau, das sind urteilende Menschen, Denker, man kann sagen, die intellektuelle Elite oder der Adel, die Führer des Volkes, diejenigen, die das Volk lenken können, Lehrer – kurz, ernsthafte Menschen. Aber auch diese ernsthaften Menschen können ein Problem haben. Ihr Problem drückt sich darin aus, dass sie einen Befall am Kopf oder am Bart haben können. Der Bart (natürlich bei Männern) gilt als Entfaltung der Fähigkeit zu denken, der Fähigkeit zu urteilen, als Entfaltung der Weisheit in der Welt. Der Bart ist die Erscheinung der Vernunft im äußeren Erscheinungsbild. Das Wort sakán (Bart) wird oft so erklärt, dass es von der Wortverbindung se kaná (das ist das Wissen, das der Mensch erworben hat) herkommt. Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass ein Mensch, der keinen Bart hat, dumm ist, oder ein Mensch, der einen Bart hat, umgekehrt klug ist. Aber wir sprechen von bestimmten Symbolen: Nicht umsonst entsteht der Befall gerade am Bart, gerade am Kopf.
Hier ist es angebracht zu fragen: Warum sagen wir dann, dass das denkende Organ das Herz ist? Der Mensch denkt im Herzen, aber trotzdem wird das Verständnis im Kopf geboren. Oft verwendet die Tora statt des Wortes verstehen das Wort sehen, erblicken (wir bewegen uns unseren Augen nach) oder hören, wenn wir sagen: „Höre, Israel!“ Die Wahrnehmung der Welt, das Weltverständnis wird im Kopf geboren. Und es kann eine Menge Verzerrungen geben, wenn der Kopf dem Herzen weit vorausläuft: Der kalte Verstand hört auf, fühlend zu sein. Wenn er dem Verstand folgt, kann sich ein Mensch aus einem „Streber“ oder einer „Büfflerin“, wie man das gewöhnlich nennt, in einen völlig gefühllosen Menschen verwandeln, der den übrigen Menschen gegenüber nicht mehr aufmerksam sein kann, nur den Verstand schätzt und wegen seiner Intellektualität die menschlichen Gefühle missachtet. Das ist einer der Gründe, aus denen an ihm ein Befall erscheint. Und obwohl das ein wichtiger, kluger, ernsthafter und beschäftigter Mensch ist, muss auch er zum Kohen kommen.
וְרָאָה הַכֹּהֵן אֶת־הַנֶּגַע וְהִנֵּה מַרְאֵהוּ עָמֹק מִן־הָעוֹר וּבוֹ שֵׂעָר צָהֹב דָּק וְטִמֵּא אֹתוֹ הַכֹּהֵן נֶתֶק הוּא צָרַעַת הָרֹאשׁ אוֹ הַזָּקָן הוּא׃
wera'á hakkohén et-hannéga wehinné mar'éhu amók min-haór uwó se'ár zahów dak wetimmé otó hakkohén nétek hu zará'at harósch o hassakán hu
30 Und der Kohen sah diesen Befall: und siehe, er sieht aus wie unter die Haut eindringend, und auf ihm ist ein dünnes gelbes Haar, und der Kohen erklärte ihn für unrein, das ist Grind, und das ist Zara'at des Kopfes oder des Bartes.
Das ist das Merkmal, das wir in den vorigen Fällen nicht gesehen haben. Das dünne gelbe Haar spricht von einer Ausdünnung des Fleisches, davon, dass das Fleisch selbst, aus dem das Haar wächst, schwach wird. Die Verbindung des Verstandes mit der materiellen Welt wird schwächer. Das Haar „rostet“, bekommt nicht genug Nährstoffe, das Fleisch selbst wird schwach, das Haar wird dünner. Und das ist ein unreiner Befall.
Das Wort nétek übersetzt man gewöhnlich mit Grind, und auch wir werden es so übersetzen. Aber das Wort nétek selbst hat dieselbe Wurzel, nun-taw-kuf, wie das Wort lenaték (abschalten, zerreißen), das heißt, es ist ein Riss, ein Reißen der Verbindungen. Irgendwo hat sich beim Menschen der Verstand vom Herzen losgerissen, oder sein Weltbild ist zerrissen. Das heißt, wenn der Kohen zwei Merkmale gesehen hat – die Erscheinung dieses Befalls unter der Haut und gelbe dünne Härchen darauf –, dann ist das zará'at des Kopfes, nétek (Riss oder Grind). Es gibt auch andere Varianten.
וְכִי־יִרְאֶה הַכֹּהֵן אֶת־נֶגַע הַנֶּתֶק וְהִנֵּה אֵין־מַרְאֵהוּ עָמֹק מִן־הָעוֹר וְשֵׂעָר שָׁחֹר אֵין בּוֹ וְהִסְגִּיר הַכֹּהֵן אֶת־נֶגַע הַנֶּתֶק שִׁבְעַת יָמִים׃
wechi-jir'é hakkohén et-néga hannétek wehinné en-mar'éhu amók min-haór wese'ár schachór en bo wehisgír hakkohén et-néga hannétek schiw'át jamím
31 Wenn der Kohen den Befall des Grindes sieht, und siehe, er sieht nicht so aus, als ob er unter die Haut eindringt, in ihm sind keine schwarzen Haare, und der Kohen wird den Befall des Grindes für sieben Tage einschließen.
Nach der Tora sind die Haare der Menschen schwarz, weil die Mehrheit der Juden zu jener Zeit schwarzhaarig war. Aber auf dem Befall sind keine schwarzen Haare, und man kann nicht bestimmen, wie sehr die Haare ihre Farbe verändert haben. Und der Kohen verfährt mit diesem Menschen genauso, wie er mit jedem verfährt, der verdächtigt wird, Träger von zará'at zu sein.
וְרָאָה הַכֹּהֵן אֶת־הַנֶּגַע בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי וְהִנֵּה לֹא־פָשָׂה הַנֶּתֶק וְלֹא־הָיָה בוֹ שֵׂעָר צָהֹב וּמַרְאֵה הַנֶּתֶק אֵין עָמֹק מִן־הָעוֹר׃
wera'á hakkohén et-hannéga bajom haschewi'í wehinné lo-fassá hannétek welo-hája wo se'ár zahów umar'é hannétek en amók min-haór
32 Am siebten Tag betrachtet der Kohen diesen Befall, und siehe, der Grind hat sich nicht ausgebreitet, und es sind in ihm keine gelben Haare erschienen, und man sieht, dass er nicht unter die Haut eindringt,
וְהִתְגַּלָּח וְאֶת־הַנֶּתֶק לֹא יְגַלֵּחַ וְהִסְגִּיר הַכֹּהֵן אֶת־הַנֶּתֶק שִׁבְעַת יָמִים שֵׁנִית׃
wehitgallách we'et-hannétek lo jegalléjach wehisgír hakkohén et-hannétek schiw'át jamím schenít
33 Und er wird sich scheren, den Grind aber wird er nicht scheren (das heißt, er lässt eine Insel des Grindes stehen, damit auf ihm Haare wachsen), und erneut schickt der Kohen ihn für sieben Tage in Quarantäne.
וְרָאָה הַכֹּהֵן אֶת־הַנֶּתֶק בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי וְהִנֵּה לֹא־פָשָׂה הַנֶּתֶק בָּעוֹר וּמַרְאֵהוּ אֵינֶנּוּ עָמֹק מִן־הָעוֹר וְטִהַר אֹתוֹ הַכֹּהֵן וְכִבֶּס בְּגָדָיו וְטָהֵר׃
wera'á hakkohén et-hannétek bajom haschewi'í wehinné lo-fassá hannétek baór umar'éhu enénnu amók min-haór wetihár otó hakkohén wechibbés begadáw wetahér
34 Und am siebten Tag wird der Kohen diesen Grind wieder ansehen, und siehe, der Grind hat sich auf der Haut nicht ausgebreitet, und sein Aussehen sieht nicht so aus, als wäre er unter der Haut; und der Kohen wird ihn für rein erklären, und er wird seine Kleider waschen, und er wird rein sein.
Es stellt sich die Frage: Wenn der Kohen ihn für rein erklärt hat, wozu muss er sich waschen und seine Kleider waschen? Selbst wenn ein Mensch nicht unrein war, aber vor das Urteil des Kohen gekommen ist und der Kohen ihn für rein erklärt, muss er gehen und sich waschen. Höchstwahrscheinlich war das der Grund, aus dem die Menschen zu dem Kohen gingen, der Jochanan der Eintauchende hieß. Er, der ein Kohen war und einen gewissen prophetischen Geist besaß, die Reinheit und Unreinheit der Menschen zu sehen, hatte das Recht, sie für rein zu erklären, wenn sie die Frucht der Umkehr brachten. Als er Jeschua sah, sagte er: „Wie kann ich dir denn irgendwelche Bescheinigungen ausstellen?“ Aber Jeschua antwortete ihm: „Du bist hier doch der Kohen. So gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Selbst der Maschiach kommt zum Kohen, gerade der Kohen bezeugt Seine Reinheit, und erst danach geht Er, um sich zu waschen.
Aber in unserem Fall ist die Sache damit nicht zu Ende, der Mensch muss sich wieder selbst beobachten. Er ist vorzeitig entlassen, aber unter einer Bedingung, das heißt bedingt vorzeitig. Deshalb lesen wir in Vers 35:
וְאִם־פָּשֹׂה יִפְשֶׂה הַנֶּתֶק בָּעוֹר אַחֲרֵי טָהֳרָתוֹ׃
we'im-passó jifsé hannétek baór acharé tahorató
35 Wenn sich aber der Grind ausbreitend auf der Haut ausbreitet nach der Reinigung,
וְרָאָהוּ הַכֹּהֵן וְהִנֵּה פָּשָׂה הַנֶּתֶק בָּעוֹר לֹא־יְבַקֵּר הַכֹּהֵן לַשֵּׂעָר הַצָּהֹב טָמֵא הוּא׃
wera'áhu hakkohén wehinné passá hannétek baór lo-jewakkér hakkohén lasse'ár hazzahów tamé hu
36 Und der Kohen wird sehen (das heißt, er muss wieder zum Kohen kommen), und siehe, der Grind hat sich auf der Haut ausgebreitet, der Kohen muss nicht nach dem gelben Haar suchen, der Befall wird sofort unrein.
וְאִם־בְּעֵינָיו עָמַד הַנֶּתֶק וְשֵׂעָר שָׁחֹר צָמַח־בּוֹ נִרְפָּא הַנֶּתֶק טָהוֹר הוּא וְטִהֲרוֹ הַכֹּהֵן׃
we'im-be'enáw amád hannétek wese'ár schachór zamach-bó nirpá hannétek tahór hu wetiharó hakkohén
37 Wenn aber (nach der Entlassung in die Freiheit mit reinem Gewissen) der Grind an seiner Stelle bleibt und noch dazu schwarze Haare an seiner Stelle gewachsen sind, dann bedeutet das, dass der Grind geheilt ist, er ist rein, für rein erklärt ihn der Kohen.
Beachtet, dass hier von einem wichtigen Menschen die Rede ist, einem Menschen mit Status, und wir sehen, dass er demütig zum Kohen geht. Wie der Kohen sich mit einem Armen, einem einfachen Menschen oder einem Menschen im Stadium ernsthaften geistlichen Verfalls befasst, genauso befasst er sich mit einem Menschen mit hohem Status und Intellekt. Jeder Mensch muss zum Kohen gehen, darin sind alle gleich, und so wird alle Gerechtigkeit erfüllt. Wir werden weiter sehen, dass der Kohen sich so sehr um das Volk kümmert, dass er sich nicht nur mit Menschen befasst.
In Vers 38 lesen wir noch einen klinischen Fall:
וְאִישׁ אוֹ־אִשָּׁה כִּי־יִהְיֶה בְעוֹר־בְּשָׂרָם בֶּהָרֹת בֶּהָרֹת לְבָנֹת׃
we'ísch o-ischá ki-jihjé we'or-besarám beharót beharót lewanót
38 Ein Mann oder eine Frau, wenn auf der Haut ihres Körpers Flecken sein werden, weiße Flecken,
וְרָאָה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה בְעוֹר־בְּשָׂרָם בֶּהָרֹת כֵּהוֹת לְבָנֹת בֹּהַק הוּא פָּרַח בָּעוֹר טָהוֹר הוּא׃
wera'á hakkohén wehinné we'or-besarám beharót kehót lewanót bóhak hu parách baór tahór hu
39 Und der Kohen wird sehen, und siehe, auf ihrer Haut sind Flecken mit einer Pigmentstörung, grellweiß, das ist Vitiligo auf der Haut, und er (sie) ist rein.
So eine Geschichte also. Wenn sich ihre ganze Haut mit weißen Flecken bedeckt, wenn das etwas Ähnliches wie Vitiligo ist (eine Störung der Pigmentierung der Haut), dann gibt es hier keine andere Möglichkeit: Sie kommen zum Kohen, der Kohen untersucht sie und sagt, dass sie rein sind. Und es stellt sich eine durchaus berechtigte Frage: „Wozu sollen sie dann zum Kohen gehen, wenn ohnehin klar ist, dass sie in ihrem Fall, wenn auf der Haut zahlreiche weiße Flecken sind, rein sind?“ Aber genau darin liegt der Kern des Dienstes des Kohen. Manchmal bekommt ein Mensch einfach eine Vorladung zur Reihenuntersuchung: „Du bist höchstwahrscheinlich gesund, du bist rein, aber zeig dich dem Kohen, damit du nicht unrein wirst.“ Das ist ein vorbeugender Gang zum Kohen. Ich wiederhole noch einmal, dass das ein Signalsystem der Kommunikation mit dem Höchsten in Heiligkeit ist, das damals existierte. Und das ist ganz und gar nicht unbedingt heute aktuell. Deshalb sollen diejenigen, die Vitiligo oder noch irgendwelche anderen Anzeichen haben, von denen wir sprechen, sich nicht beeilen, sich selbst zu beschuldigen, und erst recht sollen sie keinen Beschuldigungen von außen ausgesetzt sein.
In Vers 40 lesen wir von einem neuen Typ von Patient.
וְאִישׁ כִּי יִמָּרֵט רֹאשׁוֹ קֵרֵחַ הוּא טָהוֹר הוּא׃
we'ísch ki jimmarét roschó keréjach hu tahór hu
40 Und ein Mann, wenn ihm die Haare von seinem Kopf ausfallen, so heißt er kahl, und er ist rein.
Wohin ist die Frau verschwunden? Warum steht hier nichts über die Frau? Nicht nur deshalb, weil wir über Kahlheit sprechen werden und Frauen in der Regel nicht kahl werden, sondern auch deshalb, weil es um einen Bruch zwischen dem Intellekt (dem Verstand) und der verwirklichenden Kraft geht. Der Mensch befindet sich möglicherweise in einem solchen Zustand, dass seine Ideen schon nicht mehr von dieser Welt sind, sie lassen sich nicht verwirklichen, der Kopf hat sich ganz losgerissen. Vielleicht sieht das alles schön aus, aber das Dach schwebt sehr hoch über der Erde. Und deswegen ist die Verbindung mit dem weiblichen Prinzip der Seele zerrissen, deshalb ist es nur noch einfach isch. Nicht zufällig wählt die Tora hier die Worte.
Im modernen Hebräisch bedeutet das Wort keréjach einfach kahl. Aber im Hebräisch der Tora bedeutet das Wort keréjach kahl am hinteren Teil des Kopfes, kahl am Hinterkopf.
וְאִם מִפְּאַת פָּנָיו יִמָּרֵט רֹאשׁוֹ גִּבֵּחַ הוּא טָהוֹר הוּא׃
we'ím mippe'át panáw jimmarét roschó gibbéjach hu tahór hu
41 Wenn ihm aber vorne die Haare ausfallen, kahl ist er, und rein ist er.
Ein Mensch, der vorne eine Glatze hat, heißt gibbéjach. Zwei verschiedene Wörter auf Hebräisch. Also, lasst uns das noch einmal wiederholen. Wenn ein Mensch hinten kahl geworden ist, heißt er keréjach, und er ist rein. Wenn er vorne kahl geworden ist, heißt er gibbéjach, und er ist auch rein. Wozu führt die Tora zwei verschiedene Fälle an, zwei verschiedene Situationen, wenn das Ergebnis ein und dasselbe ist? Sagt einem Menschen, dem die Haare ausgefallen sind, dass er rein ist, wenn vorne, dann ist er gibbéjach, wenn hinten, dann ist er keréjach. Das braucht man nicht einmal zu schreiben, denn die Tora ist kein Lehrbuch des Hebräischen. Wozu ist das alles geschrieben? Der Mensch hat gleichsam einen sichtbaren Teil des Verstandes, in moderner Sprache das Bewusstsein, und das ist der vordere Teil des Kopfes. Und der Mensch hat das Unterbewusstsein, den unsichtbaren Teil, das ist der hintere Teil des Kopfes. Darum wird es gehen: Wenn es einen Befall gibt, kann man versuchen zu verstehen, wo der Mensch ein Problem hat.
וְכִי־יִהְיֶה בַקָּרַחַת אוֹ בַגַּבַּחַת נֶגַע לָבָן אֲדַמְדָּם צָרַעַת פֹּרַחַת הִוא בְּקָרַחְתּוֹ אוֹ בְגַבַּחְתּוֹ׃
wechi-jihjé wakkaráchat o waggabbáchat néga lawán adamdám zará'at poráchat hi bekarachtó o wegabbachtó
42 Wenn auf seiner Glatze hinten oder vorne ein weiß-rötlicher Befall sein wird, so ist das eine blühende Zara'at am hinteren Teil des Kopfes der Glatze oder am vorderen Teil des Kopfes der Glatze.
וְרָאָה אֹתוֹ הַכֹּהֵן וְהִנֵּה שְׂאֵת־הַנֶּגַע לְבָנָה אֲדַמְדֶּמֶת בְּקָרַחְתּוֹ אוֹ בְגַבַּחְתּוֹ כְּמַרְאֵה צָרַעַת עוֹר בָּשָׂר׃
wera'á otó hakkohén wehinné se'et-hannéga lewaná adamdémet bekarachtó o wegabbachtó kemar'é zará'at or bassár
43 Und der Kohen wird sie ansehen, und siehe, eine Schwellung, ähnlich einer weiß-rötlichen, auf seiner Glatze hinten oder vorne, ähnlich der Zara'at, die auf der Haut des Körpers ist,
אִישׁ־צָרוּעַ הוּא טָמֵא הוּא טַמֵּא יְטַמְּאֶנּוּ הַכֹּהֵן בְּרֹאשׁוֹ נִגְעוֹ׃
isch-zarúa hu tamé hu tammé jetamme'énnu hakkohén beroschó nig'ó
44 Dann ist das ein Mensch, der von Zara'at befallen ist, und er ist unrein; für unrein wird ihn der Kohen erklären, auf seinem Kopf ist sein Befall.
Den Ausdruck auf seinem Kopf ist sein Befall kann man auch rein visuell verstehen, dass der Befall bei ihm auf dem Kopf ist, und man kann ihn als Metapher verstehen: sein Blut auf seinem Kopf, er selbst hat sich diesen Befall auf seinen Kopf eingehandelt.
In Vers 45 lesen wir einige Worte über die Verhaltensregeln eines von Zara'at Befallenen in anständiger Gesellschaft. Ein solcher Mensch erscheint in anständiger Gesellschaft nicht.
וְהַצָּרוּעַ אֲשֶׁר־בּוֹ הַנֶּגַע בְּגָדָיו יִהְיוּ פְרֻמִים וְרֹאשׁוֹ יִהְיֶה פָרוּעַ וְעַל־שָׂפָם יַעְטֶה וְטָמֵא טָמֵא יִקְרָא׃
wehazzarúa ascher-bó hannéga begadáw jihjú ferumím weroschó jihjé farúa we'al-safám ja'té wetamé tamé jikrá
45 Und der Leidende, an dem der Befall ist, seine Kleider werden eingerissen sein, und sein Kopf wird zerzaust sein, und er wird seinen Mund verhüllen, und er muss rufen: „Unrein, unrein!“
Die Kleider reißt man vom Kragen her ein, man muss sich nicht unbedingt das Hemd vom Leib reißen, und man soll sich kein Styling und keine Frisur machen. We'al-safám ja'té (er wird seinen Mund verhüllen) bedeutet wörtlich sich bis zum Schnurrbart einhüllen. Wir können Ähnliches in den Trauerbräuchen sehen, wenn man kommt, um der Familie das Beileid auszusprechen (das hat sich in den orientalischen Gemeinden erhalten, bei den jemenitischen Juden): Mit dem tallít bedeckt man den unteren Teil des Gesichts, als ob man den Mund bedeckt, als ob man sich fürchtet, etwas zu sagen. Genauso muss ein von Zara'at befallener Mensch seinen Mund verschließen, seinen Mund bedecken. Und er muss davor warnen, dass er unrein ist. Es ist verboten, sich einem Unreinen zu nähern, weil die Berührung mit ihm unrein macht, und ein Mensch, der nach Jerusalem geht, um anzubeten, ein Mensch, der in den Tempel oder ins Zelt der Begegnung eintreten muss, kann natürlich durch diese Berührung unrein werden, und er wird sich waschen und die Reinigung durchlaufen müssen. Sehr viel wurde getan, um die Wanderer, die nach Jerusalem gingen, die zum Heiligen gingen, vor der Unreinheit zu warnen. Übrigens strich man gerade deshalb die Grabmäler an, strich die Gräber an, damit die Menschen wussten, dass dieser Ort unrein ist und dass man unrein werden kann, wenn man dort hineingeht. Wenn Jeschua seine Gegner angestrichenen Särgen ähnlich nennt, meint er, dass die Schönheit dessen, was angestrichen ist und prachtvoll aussieht, wie eine Warnung ist, sich nicht zu nähern, weil drinnen Unreinheit ist.
Also muss der von Zara'at Befallene seine Kleider zerreißen, einen zerzausten Kopf haben, rufen: „Tamé! Tamé!“ und seinen Mund bedecken.
כָּל־יְמֵי אֲשֶׁר הַנֶּגַע בּוֹ יִטְמָא טָמֵא הוּא בָּדָד יֵשֵׁב מִחוּץ לַמַּחֲנֶה מוֹשָׁבוֹ׃
kol-jemé aschér hannéga bo jitmá tamé hu badád jeschéw michúz lammachané moschawó
46 Die ganze Zeit, solange der Befall an ihm ist, wird er unrein sein, und er wird allein außerhalb seines Wohnortes sitzen.
Allein – das bedeutet nicht in völliger Einsamkeit. Wir lesen im Tanach, dass die Aussätzigen miteinander Umgang hatten, sie hatten ihre eigene Gemeinde, ihr eigenes Lager, es gab Menschen, die sie ernährten und unterstützten. Aber der Mensch sitzt getrennt von der ganzen Gesellschaft, getrennt von der anständigen Gesellschaft, getrennt von denen, die Zugang zum Heiligen haben.
Damit beendet unser Abschnitt die Erörterung über Zara'at an Menschen und geht zu einer noch interessanteren Erzählung über – über Zara'at an der Kleidung. Wir haben gesagt, dass Zara'at, obwohl man sie manchmal Aussatz nennt, nicht ganz Aussatz ist, es ist nicht die Hansen-Krankheit. Es ist eine Erscheinung, die sich auch an der Kleidung zeigen kann, was gerade als Beweis dafür dient, dass es nicht einfach eine Krankheit ist. Hier ist es wohl angebracht zu erklären, warum Zara'at überhaupt die Kleidung befällt und welchen Sinn das hat. Der menschliche Körper braucht Kleidung, in der Gesellschaft gehen wir in Kleidung, die etwas bedeckt, irgendwelche Teile unseres Körpers verbirgt. Außerdem zeigen wir uns so, die Kleidung formt unser Bild. Genauso hat auch die Seele Kleider. Die Kleider der Seele heißen midót (Züge, Charaktereigenschaften). Dieses Wort hat dieselbe Wurzel, mem-dálet-dálet, wie das Wort madím (Uniform), die den Status, die Stellung des Menschen in der Gesellschaft bestimmt. Die Seele offenbart sich durch die Filter unserer seelischen Eigenschaften: Wenn wir bescheiden sind, dann zeigt sich Bescheidenheit, wenn wir stolz sind, dann zeigen sich Stolz, Gier, Neid. Die Eigenschaften können sowohl gut als auch schlecht sein, sie zeigen sich deutlich in unserem Umgang mit anderen. Verdorbene Eigenschaften sind wie beschmutzte Kleidung, und dann zeigt sich an der Kleidung Zara'at.
Es gibt einen Streit unter den Weisen darüber, womit Zara'at beginnt. Beginnt der Höchste mit dem Körper des Menschen, in der Reihenfolge, wie es in unserem Abschnitt beschrieben ist: zuerst – der Mensch, dann – die Kleider? Oder warnt der Höchste in Seiner Barmherzigkeit zuerst, berührt die Kleider des Menschen, und erst dann, wenn der Mensch darauf nicht achtet, geht Zara'at auf seinen Körper über? Und die meisten Kommentatoren neigen dazu, dass der Höchste gerade mit der Kleidung beginnt, gerade die Kleidung befällt der Höchste zuerst mit Zara'at. Aber im Text der Tora ist zuerst die Behandlung des Menschen beschrieben, weil der Mensch natürlich viel wichtiger ist als seine Kleidung. Deshalb werden die Kohanim nicht in chronologischer Reihenfolge unterwiesen, sondern in der Reihenfolge der Wichtigkeit. Also, weiter werden wir über Zara'at an der Kleidung sprechen.
וְהַבֶּגֶד כִּי־יִהְיֶה בוֹ נֶגַע צָרָעַת בְּבֶגֶד צֶמֶר אוֹ בְּבֶגֶד פִּשְׁתִּים׃
wehabbéged ki-jihjé wo néga zará'at bewéged zémer o bewéged pischtím
47 Und Kleidung, wenn an ihr ein Befall von Zara'at sein wird, an Kleidung aus Wolle oder an Kleidung aus Leinen,
אוֹ בִשְׁתִי אוֹ בְעֵרֶב לַפִּשְׁתִּים וְלַצָּמֶר אוֹ בְעוֹר אוֹ בְּכָל־מְלֶאכֶת עוֹר׃
o wischtí o we'érew lappischtím welazzámer o weór o bechol-meléchet or
48 Oder an der Kette oder am Schuss, beim Leinen oder bei der Wolle, und an gewebter Kleidung, oder am Leder, und an jedem bearbeiteten Leder,
Der Stoff wird auf dem Webstuhl orthogonal verflochten, die einen Fäden laufen unter den anderen hindurch. Die Fäden, die längs des Stoffes laufen, heißen Kette; die quer zu ihnen liegenden Fäden heißen Schuss.
וְהָיָה הַנֶּגַע יְרַקְרַק אוֹ אֲדַמְדָּם בַּבֶּגֶד אוֹ בָעוֹר אוֹ־בַשְּׁתִי אוֹ־בָעֵרֶב אוֹ בְכָל־כְּלִי־עוֹר נֶגַע צָרַעַת הוּא וְהָרְאָה אֶת־הַכֹּהֵן׃
wehajá hannéga jerakrák o adamdám babbéged o waór o-waschetí o-wa'érew o wechol-keli-ór néga zará'at hu wehor'á et-hakkohén
49 Und dieser Befall wird grünlich oder rötlich sein an der Kleidung, oder am Gewebe, oder am Leder, oder an allem, was aus Leder gemacht ist, das ist ein Befall von Zara'at, und er wird ihn dem Kohen zeigen.
Ein Mensch hat an seiner Kleidung einen grünlichen oder rötlichen Befall gefunden und hat die Kleidung zum Kohen getragen. „Und wozu?“, wird ein moderner Mensch fragen. Wenn jemand von unseren Zeitgenossen einen Befall an der Kleidung hat und es ihm sogar so vorkommt, dass das so eine schreckliche Sache wie Zara'at ist, wird er diese Kleidung einfach wegwerfen. Aber in jenen Zeiten gab es Menschen, die nur ein einziges Kleidungsstück für alle Gelegenheiten hatten: Sie gaben es als Pfand, sie deckten sich nachts damit zu, und es war für viele lebenswichtig. Deshalb ist die Tora barmherzig, und der Kohen ist auch barmherzig. Er wird dem Menschen nicht sagen: „Entschuldige, ich bin Kohen, ein Nachkomme Aharons, ich löse hier Weltprobleme, und du kommst mit deinen Unterhosen zu mir! Wenn etwas nicht stimmt, wirf es einfach weg!“ Nein, der Kohen muss sich auch mit der Kleidung befassen.
וְרָאָה הַכֹּהֵן אֶת־הַנָּגַע וְהִסְגִּיר אֶת־הַנֶּגַע שִׁבְעַת יָמִים׃
wera'á hakkohén et-hannága wehisgír et-hannéga schiw'át jamím
50 Und der Kohen sah diesen Befall, und er schloss ihn ein (ließ ihn liegen) für sieben Tage.
וְרָאָה אֶת־הַנֶּגַע בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי כִּי־פָשָׂה הַנֶּגַע בַּבֶּגֶד אוֹ־בַשְּׁתִי אוֹ־בָעֵרֶב אוֹ בָעוֹר לְכֹל אֲשֶׁר־יֵעָשֶׂה הָעוֹר לִמְלָאכָה צָרַעַת מַמְאֶרֶת הַנֶּגַע טָמֵא הוּא׃
wera'á et-hannéga bajom haschewi'í ki-fassá hannéga babbéged o-waschetí o-wa'érew o waór lechól ascher-je'assé haór limlachá zará'at mam'éret hannéga tamé hu
51 Am siebten Tag sah er sich diesen Befall an: Wenn sich der Befall auf der Kleidung ausgebreitet hat, oder auf der Kette, oder auf dem Schuss, oder auf dem Leder, oder auf allen Arten bearbeiteten Leders, so ist das eine kriechende (schädliche) Zara'at, und er ist unrein.
Im modernen Hebräisch bedeutet das Wort mamír bösartig. Was muss man mit unreiner Kleidung tun? Die Unreinheit der Kleidung lässt sich auf keine Weise heilen.
וְשָׂרַף אֶת־הַבֶּגֶד אוֹ אֶת־הַשְּׁתִי אוֹ אֶת־הָעֵרֶב בַּצֶּמֶר אוֹ בַפִּשְׁתִּים אוֹ אֶת־כָּל־כְּלִי הָעוֹר אֲשֶׁר־יִהְיֶה בוֹ הַנָּגַע כִּי־צָרַעַת מַמְאֶרֶת הִוא בָּאֵשׁ תִּשָּׂרֵף׃
wessaráf et-habbéged o et-haschetí o et-ha'érew bazzémer o wappischtím o et-kol-kelí haór ascher-jihjé wo hannága ki-zará'at mam'éret hi ba'ésch tissaréf
52 Und die Kette oder den Schuss, aus Wolle oder aus Leinen, alle Erzeugnisse aus Leder, an denen der Befall sein wird, weil das ein bösartiger Befall von Zara'at ist, es wird im Feuer verbrannt werden.
וְאִם יִרְאֶה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה לֹא־פָשָׂה הַנֶּגַע בַּבֶּגֶד אוֹ בַשְּׁתִי אוֹ בָעֵרֶב אוֹ בְּכָל־כְּלִי־עוֹר׃
we'ím jir'é hakkohén wehinné lo-fassá hannéga babbéged o waschetí o wa'érew o bechol-keli-or
53 Wenn aber der Kohen hinsah, und siehe, der Befall hat sich nicht auf der Kleidung ausgebreitet, oder auf der Kette, oder auf dem Schuss, oder auf irgendeinem Erzeugnis aus Leder,
וְצִוָּה הַכֹּהֵן וְכִבְּסוּ אֵת אֲשֶׁר־בּוֹ הַנָּגַע וְהִסְגִּירוֹ שִׁבְעַת־יָמִים שֵׁנִית׃
weziwwá hakkohén wechibbesú et ascher-bó hannága wehisgiró schiw'at-jamím schenít
54 Und der Kohen gebot, eine zweite Prüfung anzusetzen, und man wusch das, woran der Befall war, und schloss es noch einmal für sieben Tage ein.
Wie viel Sorge hat der Kohen um die Kleidung!
וְרָאָה הַכֹּהֵן אַחֲרֵי הֻכַּבֵּס אֶת־הַנֶּגַע וְהִנֵּה לֹא־הָפַךְ הַנֶּגַע אֶת־עֵינוֹ וְהַנֶּגַע לֹא־פָשָׂה טָמֵא הוּא בָּאֵשׁ תִּשְׂרְפֶנּוּ פְּחֶתֶת הִוא בְּקָרַחְתּוֹ אוֹ בְגַבַּחְתּוֹ׃
wera'á hakkohén acharé hukkabbés et-hannéga wehinné lo-hafách hannéga et-enó wehannéga lo-fassá tamé hu ba'ésch tisrefénnu pechétet hi bekarachtó o wegabbachtó
55 Und der Kohen wird nach dem Waschen diesen Befall ansehen, und siehe, das Aussehen des Befalls hat sich nicht verändert, der Befall hat sich nicht ausgebreitet, trotzdem ist das unrein, und im Feuer wird dieser Befall verbrannt werden, der Zerfressung (des Stoffes) auf der Rückseite oder der Vorderseite heißt.
Wir haben erst vor kurzem (in Vers 42) die Wörter karáchat und gabbáchat in Bezug auf die Glatze hinten und die Glatze vorne gelesen. In Bezug auf die Kleidung ist das die Rückseite und die Vorderseite.
וְאִם רָאָה הַכֹּהֵן וְהִנֵּה כֵּהָה הַנֶּגַע אַחֲרֵי הֻכַּבֵּס אֹתוֹ וְקָרַע אֹתוֹ מִן־הַבֶּגֶד אוֹ מִן־הָעוֹר אוֹ מִן־הַשְּׁתִי אוֹ מִן־הָעֵרֶב׃
we'ím ra'á hakkohén wehinné kehá hannéga acharé hukkabbés otó wekará otó min-habbéged o min-haór o min-haschetí o min-ha'érew
56 Wenn aber der Kohen sieht, und siehe, dieser Befall ist dunkler geworden, nachdem er ausgewaschen ist, so riss er ihn von der Kleidung ab, oder vom Leder, oder von der Kette, oder vom Schuss.
וְאִם־תֵּרָאֶה עוֹד בַּבֶּגֶד אוֹ־בַשְּׁתִי אוֹ־בָעֵרֶב אוֹ בְכָל־כְּלִי־עוֹר פֹּרַחַת הִוא בָּאֵשׁ תִּשְׂרְפֶנּוּ אֵת אֲשֶׁר־בּוֹ הַנָּגַע׃
we'im-tera'é od babbéged o-waschetí o-wa'érew o wechol-keli-ór poráchat hi ba'ésch tisrefénnu et ascher-bó hannága
57 Wenn er sich wieder an der Kleidung zeigt, oder an der Kette, oder am Schuss, und an jedem Erzeugnis aus Leder, so ist das ein Blühen, und das, woran der Befall ist, wird im Feuer verbrannt werden.
וְהַבֶּגֶד אוֹ־הַשְּׁתִי אוֹ־הָעֵרֶב אוֹ־כָל־כְּלִי הָעוֹר אֲשֶׁר תְּכַבֵּס וְסָר מֵהֶם הַנָּגַע וְכֻבַּס שֵׁנִית וְטָהֵר׃
wehabbéged o-haschetí o-ha'érew o-chol-kelí haór aschér techabbés wessár mehém hannága wechubbás schenít wetahér
58 Die Kleidung aber, oder die Kette, oder den Schuss, und jede Sache aus Leder, die gewaschen werden wird, und der Befall wird von ihr weichen, und er wird sie ein zweites Mal waschen, und sie wird rein werden.
Wir sehen, dass der Kohen, der den Menschen einfach eine Hose oder einen Mantel als Strafe hätte zahlen lassen können, dass er sich mit seiner Kleidung befasst. Aber beachtet, dass nicht nur der Kohen sich mit der Kleidung des Menschen befasst, der in etwas verdorben ist und den man warnt. Die Tora selbst widmet dem nicht wenig Raum, nicht wenige Verse, und das ist die Barmherzigkeit des Höchsten gegenüber dem Besitz des Menschen, so sehr sorgt sich der Höchste um Hosen, Kleider, Blüschen und Mützchen.
זֹאת תּוֹרַת נֶגַע־צָרַעַת בֶּגֶד הַצֶּמֶר אוֹ הַפִּשְׁתִּים אוֹ הַשְּׁתִי אוֹ הָעֵרֶב אוֹ כָּל־כְּלִי־עוֹר לְטַהֲרוֹ אוֹ לְטַמְּאוֹ׃
sot torát nega-zará'at béged hazzémer o happischtím o haschetí o ha'érew o kol-keli-ór letaharó o letamme'ó
59 Das ist die Lehre über den Befall von Zara'at an Kleidung aus Wolle oder Leinen, oder an der Kette, oder am Schuss, oder an jedem Erzeugnis aus Leder, um es zu reinigen oder es für unrein zu erklären.
Und damit beenden wir das Studium des 13. Kapitels des Buches und auch das Studium des Wochenabschnitts Tasria.
Gelbe Karte
Unser Wochenabschnitt Tasria beginnt mit den Gesetzen über die Frau, die geboren hat, und über ihre Unreinheit in diesem Zusammenhang, über die Zeit der Reinigung und über das Sündopfer.
Der Abschnitt selbst wird mit dem Wort tasría bezeichnet, was sie wird empfangen oder sie wird säen bedeutet. Eine Frau, wenn sie als Erste sät, bringt nach dem Talmud einen Jungen zur Welt. Was bedeutet: sie sät? Das bedeutet, dass sie beim Geschlechtsverkehr als Erste die Eizelle freisetzt und entsprechend nach ihr der Mann seinen Samen freisetzt, wodurch ein Junge geboren wird. Wir werden nicht auf die medizinischen Aspekte dieser Behauptungen eingehen, wir bleiben bei dem Wort tasría (sie wird empfangen) selbst stehen, das von der Wurzel Sajin-Resch-Ajin stammt und dieselbe Wurzel hat wie das Wort séra (Same). Sehr viele Theorien sind darauf aufgebaut, dass Jeschua Maschiach, an den wir glauben, aus dem Samen der Frau geboren wurde und dass das eben jener Same ist, von dem in den ersten Kapiteln des Buches Bereschit die Rede ist, weil die Frau angeblich keinen Samen hat. Aber weit gefehlt, denn aus Sicht der Tora hat die Frau Samen: Sowohl das, was vom Mann freigesetzt wird, als auch das, was von der Frau bei der Intimität, bei der Empfängnis freigesetzt wird – das eine wie das andere heißt séra (Same). Dazu kommt, dass die Tora selbst den Samen nicht im wörtlichen Sinn meint. Selbstverständlich stehen weder der Same noch die Eizelle noch das Spermium mit irgendjemandem in Feindschaft, sondern in Feindschaft stehen die Nachkommen, die Nachfolger. Und selbstverständlich sind die Nachkommen Chawas dieselben Menschen wie die Nachkommen Adams, es gibt keinerlei Unterschied, denn hervorgebracht haben sie beide.
Es stellt sich eine der häufigen Fragen: Warum muss die Frau nach der Geburt und nach der Zeit der Reinigung ein Sündopfer darbringen? Wir sehen, dass das nicht nur geboten, sondern auch praktiziert wurde: Mirjam, die Mutter Jeschuas, bringt nach ihrer Reinigung ein Sündopfer dar, das heißt, es ist ein ganz reales Opfer. Warum ist die Geburt eine Sünde? Und natürlich der traditionelle Fehler: Da die Frau nach der Geburt unrein ist, bringt sie eben für ihre Unreinheit ein Sündopfer dar. Aber nein, wir wissen, dass die Unreinheit an sich keine Sünde ist. Wofür dann das Opfer?
Eine Frau, die gebiert, erleidet sehr starke Schmerzen. Obwohl es Frauen gibt, die schmerzlos und leicht gebären und nicht einmal spüren, dass sie gebären. Ich bin solchen Fällen begegnet, und in der Medizin sind sie beschrieben. Dennoch gebiert eine Frau im Allgemeinen sehr schmerzhaft, und oft hört man, dass eine Frau während der Geburt irgendetwas daherreden oder sich ausdenken kann. Schmerz führt beim Menschen zum Verlust der Kontrolle, und in diesem Zustand kann eine Frau zu viel sagen, zu viel versprechen, im Stillen irgendwelche Gelübde ablegen. Und um sich von all diesen irrtümlich gemachten Äußerungen, Gefühlen, von der Verbitterung, die aufkommt, zu reinigen, dafür bringt die Frau ein Sündopfer dar. Es gibt keinerlei Sünde, weder in der Intimität zwischen den Ehegatten noch erst recht in der Geburt – das eine wie das andere ist heilig. Und das Sündopfer wird nicht für die eheliche Intimität und nicht für die Geburt des Kindes dargebracht, sondern für das, was mit der Frau während der Geburt geschehen sein konnte.
Das nächste sehr wichtige Thema im Abschnitt ist das Thema des sogenannten Aussatzes. Ich sage „sogenannten“, weil das Wort Zara'at, das die Tora gebraucht, nur bedingt mit Aussatz übersetzt werden kann. Außer der äußeren Symptomatik gibt es keine Parallelen zwischen dem Aussatz (der Lepra) und der Zara'at, die eine Strafe hauptsächlich für die üble Nachrede (laschón hará) ist.
Viele Krankheiten kann nur ein Arzt feststellen. Wenn wir uns unwohl fühlen, wenn wir irgendein Problem sehen, gehen wir zum Arzt. Die Tora ermutigt dazu, sich an den Arzt zu wenden. Die Tora sagt, dass dem Arzt die Vollmacht gegeben ist zu heilen, obwohl uns das keineswegs daran hindert, uns auch mit Gebet an den Höchsten zu wenden. Wir wissen, dass, als Mirjam, die Schwester Mosches, erkrankte, er mit dem kürzesten, dem knappsten Gebet betete: „HERR, heile sie, bitte!“ Und wir wissen, dass der HERR heilt. Er hört nicht nur Gebete, Er antwortet auch auf Gebete, Er heilt. Und der Name Jeschua wirkt auf dieselbe Weise, wir sehen viele wundersame Heilungen. Und dennoch wenden wir uns mit unserer Krankheit an den Arzt.
Was geschieht nun, wenn ein Mensch an Zara'at erkrankt? Ein Mensch, der an sich auch nur eine kleine entfärbte Hautstelle gesehen hat, muss sich nach dem Gesetz der Tora an den Kohen wenden. Zara'at diagnostiziert niemand außer dem Kohen, nur der Kohen kann diese Diagnose stellen. Selbst wenn der Mensch selbst Arzt ist, Dermatologe, Hautspezialist, der sich mit allen Hautkrankheiten auskennt, geht er dennoch mit seiner Krankheit zum Kohen. Und nicht nur mit seiner Krankheit, nicht nur dann, wenn er ganz mit Schorf bedeckt ist, sondern sogar wenn bei ihm irgendein entfärbtes Stückchen Haut aufgetaucht ist. Warum ist das so?
Wir bekommen in unserem Leben sehr oft irgendwelche kleinen, kaum merklichen Warnungen vom Höchsten. Und eigentlich lohnt es sich, auf sie zu achten, innezuhalten und nachzudenken, was wir falsch machen, aber oft reagieren wir anders und sagen: „HERR, was hast Du gesagt? Ich habe es nicht richtig gehört, wiederhole es lauter.“ Und der HERR wiederholt es lauter, und wenn man es nicht gehört hat, ein drittes Mal, und dann wird das, was Er gesagt hat, schon niemandem mehr leise vorkommen. Das heißt, wir messen den Zeichen, die Gott in unser Leben spricht, oft keine Bedeutung bei, sie aber häufen sich an und verstärken sich. Und es ist besser, wenn man ein kleines, unbedeutendes Detail bemerkt hat, sich an den Kohen zu wenden und mit ihm zusammen seine Seele zu erforschen. Und wir wissen, dass wir einen vollkommenen Hohepriester haben. Und wenn wir an uns irgendeine Erkrankung sehen, wenn wir spüren: Etwas läuft schief, etwas stört, etwas will nicht gelingen, dann lasst uns nicht daran vorbeigehen. Wendet euch dem Gebet zu, selbst bei irgendwelchen kleinen Unannehmlichkeiten, die euch unbedeutend erscheinen, denn auf das Kleine kann das Große folgen, und dann wird es tatsächlich schwerer sein, zu beten und umzukehren. Jede Erscheinung auf der Haut, jede Erscheinung von Kleinigkeiten in unserem Leben, das nicht gelingt, ist ein Grund zum Gebet, ein Grund für eine Nachbesprechung, für das, was auf Hebräisch cheschbón néfesch (Buchhaltung der Seele) heißt, dafür, sich selbst zu prüfen und seine Taten zu prüfen. Und so geschieht es sehr oft, das betrifft besonders gerade die Rede, gerade die üble Nachrede, oder wenn wir irgendwelche unbedeutenden Verbrechen begehen.
Wenn wir dem Nachbarn ein teures Telefon gestohlen, aus der Tasche einen Geldbeutel gezogen, ein nicht koscheres Sandwich gegessen oder, Gott bewahre, irgendeine noch größere Sünde begangen haben, dann wird unser Gewissen uns quälen, und wir können innehalten, nachdenken und bereuen. Viel schwieriger ist es mit den Sünden, die klein, unbedeutend, kleiner als ein Sandkörnchen sind. Sie häufen sich an und bilden um uns herum eine Staubwolke. Wir fangen an, an diesem Staub zu ersticken, der Maschiach kann sich uns wegen dieses Staubs nicht nähern. Dieser Staub setzt sich auf unserer Haut ab (bedingt kann man das so sagen) und beginnt sich in Form von Unannehmlichkeiten in kleinen, winzigen, kaum merklichen Dingen zu zeigen: Hier hat es nicht geklappt, da hat es nicht geklappt... Wenn bei euch etwas systematisch nicht klappt, habt ihr vielleicht um euch herum „gestaubt“, und dieser Staub erstickt euch. Deshalb gibt es einen guten Brauch: jeden Abend allen zu vergeben, die gegen uns gesündigt haben, damit „die Sonne nicht über unserem Zorn untergeht“. Und andererseits den eigenen Tag noch einmal durchzugehen und zu schauen: Haben wir nicht auf jemanden „gestaubt“, sind wir nicht durch eine Pfütze gefahren und haben jemanden unbemerkt bespritzt, indem wir jemanden beleidigt, jemanden unterbrochen, jemandem nicht bis zu Ende zugehört oder zu grob geantwortet haben, weil wir mit anderem beschäftigt sind. Wir alle sündigen oft mit solchen kleinen „staubigen“ Sündchen, und sie häufen sich an. Deshalb muss man sehr vorsichtig sein.
Diese ganze Geschichte mit der Zara'at als einer Krankheit, die infolge von laschón hará (übler Nachrede) entsteht, kann einem rationalen (in Anführungszeichen oder ohne Anführungszeichen) Menschen wie irgendeine Erfindung vorkommen, wie irgendein lächerliches jüdisches Märchen: „Wie soll das, was ich sage, meine Haut beeinflussen?“
Wie kann sich Psychosomatik (der Zusammenhang zwischen Psyche und Körper) in Hautkrankheiten zeigen? Nun, erstens wissen wir, dass es beim Menschen tatsächlich Krankheiten gibt, die nervlich bedingt auftreten können. Hautkrankheiten wie Herpes verstärken sich, wenn der Mensch nervös ist, wenn er irgendeinen Stress durchmacht. Psoriasis ist ebenfalls eine Krankheit, die sich bei irgendwelchen nervlichen Belastungen übermäßig ausbreiten kann. Und so seltsam das manchem auch vorkommen mag, sogar in der modernen Dermatologie ist unter Fachleuten die Behandlung von Warzen mithilfe von Hypnose üblich (ich meine nicht irgendwelche magischen Handlungen, sondern echte medizinische Hypnose, die den Menschen in einen Trancezustand versetzt und irgendwie auf seine Psyche einwirkt). Flache Warzen verschwinden bei der Behandlung mit Hypnose. Lassen wir die Koscherheit dieses Vorgangs beiseite, wir wollen nicht darauf eingehen, ob man das darf oder nicht und wer es darf, wer nicht. Halten wir nur die Tatsache selbst fest: Mithilfe von Hypnose kann man Hautkrankheiten behandeln. Das heißt, ein Mensch, der sein Bewusstsein verändert hat (oder wenn man ihm das Bewusstsein verändert hat), kann den Zustand seiner Haut beeinflussen, zum Guten oder zum Schlechten. Und genau auf dieselbe Weise kann sich Zara'at als psychosomatische Krankheit zeigen, oder noch krasser – als „gottsomatische“ (theosomatische) Krankheit in dem Sinn, dass das eine Erscheinung des Wirkens Gottes in unserem Fleisch ist, die eine Warnung bedeutet.
Ein von Zara'at befallener Mensch geht aus dem Lager hinaus, lebt nicht in der Stadt und muss umhergehen und rufen: „Tamé! Tamé!“ („Unrein! Unrein!“ oder „Abscheulich! Abscheulich!“), und so davor warnen, dass man sich ihm nähert. Wozu braucht er das? Wenn wir über jemanden Böses reden, wenn wir jemanden zu Unrecht bloßstellen und jemanden verleumden oder fremde Geheimnisse enthüllen oder in der Öffentlichkeit fremde Blöße aufdecken (bildlich gesprochen), fügen wir dem Menschen Schmerz zu. Den Schmerz der Absonderung von der Gemeinde, den Schmerz der Absonderung von den Menschen, die man die Richtigen nennt, den Schmerz darüber, dass man den Menschen angenommen, für gut gehalten hat, und plötzlich verderben wir seinen Ruf, verderben seine Verbindungen zur Gesellschaft, verderben seine Beziehungen zur Gesellschaft. Und um den Schaden zu spüren, der dem Menschen zugefügt wurde, wird der von Zara'at Befallene aus dem Lager verwiesen und verkündet allen, dass er tamé ist, dass er unrein ist. Wenn unsere üble Nachrede gegen einen Menschen gerichtet ist, „verschlingen“ wir gleichsam seinen Ruf, seinen guten Namen, und das tut weh. Und derjenige, der infolge von Lästerrede von einer Krankheit befallen ist, ist ebenfalls gezwungen, sich zur Schau zu stellen, um diesen Schmerz, diese schweren Gefühle zu spüren, nachzuempfinden.
Ziehen wir also Bilanz. Zara'at ist eine Warnkrankheit mit Strafe, wie die rote Karte im Sport. Jede andere Hautkrankheit, die die Zara'at begleitet, kann man, wenn man in derselben Sportsprache spricht, gelbe Karte nennen. Das ist eine Warnung an uns, dass wir etwas falsch machen. Und in unserem Leben kann eine Kette von Missgeschicken oder sogar ein einziges kleines Missgeschick (je nachdem, wie jemand auf sein Leben achtet) von uns als gelbe Karte aufgefasst werden, als Anstoß, zum Höchsten zu beten. Dabei aber nicht zu fragen: „Wofür schickst Du mir das? Wozu schickst Du mir das? Womit habe ich das verdient?“, sondern mithilfe des Namens Jeschua sich selbst zu prüfen, in sein Herz zu schauen (denn Jeschua erleuchtet es wie eine Lampe), zu schauen, worüber wir in unserem „Zimmer“ ständig stolpern. Und gerade um das zu erkennen, musste der von Zara'at Befallene in alten Zeiten rufen: „Tamé! Tamé!“. Auf diese Weise lässt uns Gott den Schaden, den wir anderen Menschen zugefügt haben, spüren, an uns selbst erkennen. Das sind die paar Worte, die ich über den Wochenabschnitt sagen wollte.
Tasria: verwandte Materialien
Lest auch das Audiogespräch zum Wochenabschnitt Tasria, den Wochenabschnitt Mezora, die Erörterung des Begriffs der rituellen Unreinheit und die Wochenabschnitte der Tora.