- Wochenabschnitte
- Wajikra
- Schemini
שְּׁמִינִי
Schemini
der achte Tag und das fremde Feuer
- Wochenabschnitt
- 26 von 54
- Verse
- Wajikra 9,1–11,47
- Teile
- 7
- Lesezeit
- 1 Std. 23 Min.
- Aufrufe
markiert Stellen, an denen die Übersetzung bewusst vom russischen Original abweicht. Antippen zeigt den Hinweis.
Schemini ist der Wochenabschnitt über den achten Tag des Dienstes, das Erscheinen der Herrlichkeit Gottes, die Tragödie von Nadaw und Awihu und die Speisegesetze. Im Stenogramm von Alex Blend werden die Kapitel 9–11 des Buches Wajikra behandelt: der hebräische Text, eine Transliteration, eine ÜbersetzungIm Original ist hier von einer russischen Übersetzung die Rede, gemeint ist die Seite selbst. Auf der deutschen Seite steht deshalb neutral „eine Übersetzung“. und die Auslegung des Autors. Eine eigene Betrachtung ist dem fremden Feuer und der Prüfung der eigenen Wünsche gewidmet.
Und endlich haben sie gebaut
Wajikra 9,1–24
Mit Gottes Hilfe beginnen wir, ihr und ich, den Wochenabschnitt Schemini zu studieren. In Kapitel 8 haben wir über die sieben Tage der Vorbereitung der Kohanim gesprochen, darüber, dass sieben nicht einfach eine Zahl ist, sondern eine Zahl, die in gewissem Maße unsere Welt symbolisiert. Der Höchste hat diese Welt in sieben Tagen erschaffen, am siebten Tag ruhte Er von Seinen Werken, den siebten Tag segnete und heiligte Er. Wenn es in Bezug auf jeden der Schöpfungstage, wenn wir von ihm lesen, heißt: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein Tag“, „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – der zweite Tag“, so wird das in Bezug auf den Schabbat nicht gesagt. Wir leben in einer siebenstufigen, gleichsam „siebenfachen“ Welt, unsere Welt ist durch die Sieben begrenzt, und deshalb endet unser Schabbat in gewissem Maße nicht. Aber es gibt auch eine andere Welt.
Die andere Welt ist eine Welt, in der es eine unmittelbare Verbindung zwischen dem Menschen und Gott gibt, eine Welt, in der der Schabbat nicht Vorgeschmack der kommenden Welt ist, sondern wirkliche Empfindung. Das ist die Welt des achten Tages, die erneuerte Welt. Deshalb sagen viele, dass es auch acht Noten geben wird und acht Farben und dass sich alles verändern wird. Wenn der Kohen an Jom Kippur ins Allerheiligste eintrat, befand er sich gleichsam im achten Tag – in einer vollkommeneren Welt, in einer Welt, in der die Gegenwart des Höchsten mehr offenbart ist. Es gab die Gefahr, dass es ihm dort, in der göttlichen Gegenwart, so gut gehen würde, dass er nicht mehr von dort herauskommen wollte. Deshalb beschwor man den Kohen, man verlangte von ihm, einen Schwur zu leisten, dass er zurückkehren werde (das Wort Schwur, schwú'a hat im Hebräischen dieselbe Wurzel wie das Wort schiwá, sieben). Und durch diesen Schwur verband man ihn mit dieser Welt, „erdete“ ihn. Wahrscheinlich hat Petrus dieselbe Empfindung von der göttlichen Gegenwart erlebt, als er im Überschwang der Gefühle sagte: „Lass uns hier drei Hütten bauen.“
Der achte Tag ist also der Tag, an dem die göttliche Gegenwart in dieser Welt offenbart ist. Und als Vorbild dafür – der Tag, an dem Mosche den Altar heiligt und an dem die Herrlichkeit Gottes erscheint. Und davon beginnen wir zu lesen.
וַיְהִי בַּיּוֹם הַשְּׁמִינִי קָרָא מֹשֶׁה לְאַהֲרֹן וּלְבָנָיו וּלְזִקְנֵי יִשְׂרָאֵל׃
wajhí bajom hascheminí kará mosché le'aharón ulwanáw ulsiknéj jisra'él
1 Und es geschah am achten Tag, da rief Mosche Aharon und seine Söhne und die Ältesten Israels.
Der achte Tag ist nach dem Pschat (dem einfachen Sinn) der Tag, der nach den sieben Tagen der Vorbereitung der Kohanim anbricht. Sie bereiten sich nicht umsonst sieben Tage vor, das ist ihr Eintritt in den achten Tag. Warum verweilten sie sieben Tage in Heiligkeit, waren sieben Tage im Hof? Um in eben diesen achten Tag eintreten zu können, um aufzuhören, Touristen in der Welt der Heiligkeit zu sein, und dort einen ständigen Wohnsitz zu bekommen, das Recht auf einen Wohnsitz, um ihre Bewohner zu werden und Träger des achten Tages in sich.
וַיֹּאמֶר אֶל־אַהֲרֹן קַח־לְךָ עֵגֶל בֶּן־בָּקָר לְחַטָּאת וְאַיִל לְעֹלָה תְּמִימִם וְהַקְרֵב לִפְנֵי יְהוָה׃
wajomer el-aharón kach-lechá égel ben-bakár lechattát we'ájil le'olá temimím wehakréw lifnéj adonáj
2 Und er sprach zu Aharon: „Nimm dir ein Kalb von den Rindern als Reinigungsopfer und ein Lamm, makellos, als Ganzopfer, und bringe sie als Opfer dar vor dem HERRN.“
Das Wort tamím (unschuldig, ganz, makellos) hat dieselbe Wurzel, Taw-Mem-Mem, wie das Wort tám (einfach, arglos, ehrlich). Dieses Wort verwendet die Tora auch in Bezug auf den Menschen, zum Beispiel in Bezug auf Noach oder auf Ijow, das ist jemand Makelloser, Vollkommener. Ebenso muss auch das Opfer, das man für den Höchsten auswählt, von einem Lamm ohne Makel sein.
Aber nicht nur die Kohanim müssen für sich Opfer darbringen, auch das Volk muss bestimmte Opfer darbringen.
וְאֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל תְּדַבֵּר לֵאמֹר קְחוּ שְׂעִיר־עִזִּים לְחַטָּאת וְעֵגֶל וָכֶבֶשׂ בְּנֵי־שָׁנָה תְּמִימִם לְעֹלָה׃
We'el-benéj jisra'él tedabbér lemór kechú se'ir-issím lechattát we'égel wachéwes benej-schaná temimím le'olá
3 Und zu den Söhnen Israels sprich und sage: „Nehmt einen jungen Ziegenbock als Reinigungsopfer und ein Kalb und einen jungen Widder, einjährig, makellos, als Ganzopfer.
וְשׁוֹר וָאַיִל לִשְׁלָמִים לִזְבֹּחַ לִפְנֵי יְהוָה וּמִנְחָה בְּלוּלָה בַשָּׁמֶן כִּי הַיּוֹם יְהוָה נִרְאָה אֲלֵיכֶם׃
weschór wa'ájil lischlamím lisbóach lifnéj adonáj uminchá belulá waschámen ki hajom adonáj nir'á alechém
4 Und einen Stier und einen jungen Widder als Schelamim-Opfer (Friedensopfer), als Opfer vor dem HERRN, und eine Mincha (Gabe) aus Fladen mit Öl, denn heute wird der HERR euch erscheinen.“
Welche Opfer sollen also dargebracht werden? Aharon muss einen jungen Stier als Reinigungsopfer (Chatat) für sich darbringen und ein Lamm als Ganzopfer (Ola). Das Volk bringt vier Opfer dar. Das erste Opfer, das Reinigungsopfer (Chatat), ist ein Ziegenbock. Beachtet: In den vorigen Kapiteln haben wir gelesen, dass als Sündopfer des Volkes ein Stier dargebracht wird. Hier lesen wir, dass ein Ziegenbock dargebracht wird. Und das erinnert uns an das, was an Jom Kippur geschieht, am Tag des Gerichts. Gerade am Tag des Gerichts wurde ein Zicklein als Opfer dargebracht und nicht ein junger Stier. Mosche vollzieht hier die Opferung nach den Bräuchen des Tages des Gerichts, und zwar in Bezug auf das Opfer Chatat.
Das zweite Opfer, das Ganzopfer (Ola) – ein junger Stier und ein junger Widder. Und wiederum wurde gewöhnlich nur ein Lamm dargebracht, hier kommt noch ein Stier hinzu. Die Kommentatoren sagen, dass das ein festliches, besonderes Opfer zu Ehren der Erneuerung des Altars ist, zu Ehren des Beginns der Arbeit des Altars.
Das dritte Opfer (noch ein Stier und ein junger Widder) wird als Friedensopfer (Schelamim) dargebracht. Wir haben gesagt, dass das Friedensopfer ein besonderes Opfer ist, das sowohl der Kohen als auch diejenigen essen, die es darbringen, und der Höchste Selbst nimmt an diesem Mahl teil.
Das vierte Opfer ist das Speiseopfer, die Gabe (Mincha).
Die Opferung Aharons bereitet ihn auf den Dienst vor, vollendet seine Verwandlung in einen Kohen. Und die Opferung des Volkes bereitet nun schon das ganze Volk darauf vor, dass die Herrlichkeit Gottes erscheint, dass der Höchste Selbst erscheint. Und das ist die große Gnade, die Israel gegeben ist, um ihretwillen wurde der Bau des Zeltes der Begegnung überhaupt in Angriff genommen.
וַיִּקְחוּ אֵת אֲשֶׁר צִוָּה מֹשֶׁה אֶל־פְּנֵי אֹהֶל מוֹעֵד וַיִּקְרְבוּ כָּל־הָעֵדָה וַיַּעַמְדוּ לִפְנֵי יְהוָה׃
wajikchú et aschér ziwwá mosché el-penéj óhel mo'éd wajikrewú kol-ha'edá waja'amdú lifnéj adonáj
5 Und sie nahmen alles, was Mosche geboten hatte, vor den Eingang des Zeltes der Begegnung, und die ganze Gemeinde trat heran, und sie standen vor dem Höchsten.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה זֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר־צִוָּה יְהוָה תַּעֲשׂוּ וְיֵרָא אֲלֵיכֶם כְּבוֹד יְהוָה׃
wajomer mosché se haddawár ascher-ziwwá adonáj ta'asú wejerá alechém kewód adonáj
6 Und Mosche sprach: „Dieses Gebot, das der HERR geboten hat, tut, und die Herrlichkeit des HERRN wird euch erscheinen.“
Wir sehen, dass Mosche hier sagt: „Das ist es, was der HERR geboten hat.“ Aber wir lesen nirgends, dass der HERR genau das geboten hat. Nirgends steht geschrieben, dass der HERR geboten hat, welche Opfer genau dargebracht werden müssen, nachdem die Kohanim bereit sein werden. Und wir können den Schluss ziehen, dass uns nicht alles, was der Höchste Mosche geboten hat, vorher erzählt wird.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן קְרַב אֶל־הַמִּזְבֵּחַ וַעֲשֵׂה אֶת־חַטָּאתְךָ וְאֶת־עֹלָתֶךָ וְכַפֵּר בַּעַדְךָ וּבְעַד הָעָם וַעֲשֵׂה אֶת־קָרְבַּן הָעָם וְכַפֵּר בַּעֲדָם כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה׃
wajomer mosché el-aharón keráw el-hammisbéach wa'assé et-chattatechá we'et-olatécha wechappér ba'adchá uw'ád ha'ám wa'assé et-korbán ha'ám wechappér ba'adám ka'aschér ziwwá adonáj
7 Und Mosche sprach zu Aharon: „Tritt an den Altar heran und bringe dein Reinigungsopfer und dein Ganzopfer dar und sühne für dich und für das Volk. Und bringe das Opfer des Volkes dar und sühne für sie, wie der HERR geboten hat.“
Nachdem Aharon sein Reinigungsopfer und das Ganzopfer dargebracht hat, wird auch das Opfer des Volkes dargebracht.
In Vers 8 lesen wir, dass Aharon sich selbstverständlich demütig Mosche unterordnet und das ausführt, was er sagt. Wenn wir im vorigen Kapitel gelesen haben, dass Mosche, als er die Kohanim vorbereitete, selbst alle ihre Funktionen ausübte und die Opfer auf dem Altar darbrachte, so sehen wir hier zum ersten Mal, dass Aharon das tut. Der erste Fall in der Geschichte, dass Kohanim ein Opfer auf dem Altar darbringen.
וַיִּקְרַב אַהֲרֹן אֶל־הַמִּזְבֵּחַ וַיִּשְׁחַט אֶת־עֵגֶל הַחַטָּאת אֲשֶׁר־לוֹ׃
wajikráw aharón el-hammisbéach wajischchát et-égel hachattát ascher-ló
8 Und Aharon trat an den Altar heran und schlachtete sein Reinigungsopfer.
וַיַּקְרִבוּ בְּנֵי אַהֲרֹן אֶת־הַדָּם אֵלָיו וַיִּטְבֹּל אֶצְבָּעוֹ בַּדָּם וַיִּתֵּן עַל־קַרְנוֹת הַמִּזְבֵּחַ וְאֶת־הַדָּם יָצַק אֶל־יְסוֹד הַמִּזְבֵּחַ׃
wajakríwu benéj aharón et-haddám eláw wajitból ezba'ó baddám wajittén al-karnót hammisbéach we'et-haddám jazák el-jesód hammisbéach
9 Und die Söhne Aharons brachten ihm das Blut, und er tauchte seinen Finger in das Blut und bespritzte damit die Hörner des Altars, und das übrige Blut goss er an den Sockel des Altars.
Aharon geht um den Altar herum und begießt seinen Sockel mit Blut. Das Umschreiten des Altars ist an sich auch sehr symbolisch. So führt man die Braut um den Mann herum. Darin liegt auch wiederum so ein tänzerisches Element. Aharon geht also um den Altar herum und gießt das Blut an seinen Sockel. Weiter handelt Aharon wieder nach jenen Anweisungen, wie der Höchste geboten hat, das Opfer darzubringen.
וְאֶת־הַחֵלֶב וְאֶת־הַכְּלָיֹת וְאֶת־הַיֹּתֶרֶת מִן־הַכָּבֵד מִן־הַחַטָּאת הִקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֶת־מֹשֶׁה׃
we'et-hachélew we'et-hakkelajot we'et-hajotéret min-hakkawéd min-hachattát hiktír hammisbécha ka'aschér ziwwá adonáj et-mosché
10 Und das innere Fett und die Nieren und den geschwänzten Lappen der Leber vom Reinigungsopfer brachte er auf dem Altar dar, wie der HERR Mosche geboten hatte.
וְאֶת־הַבָּשָׂר וְאֶת־הָעוֹר שָׂרַף בָּאֵשׁ מִחוּץ לַמַּחֲנֶה׃
we'et-habbassár we'et-ha'ór saráf ba'ésch michúz lammachané
11 Und das Fleisch und die Haut verbrannte er im Feuer außerhalb des Lagers.
Das ist das Gebot des Höchsten in Bezug auf den Stier, der dargebracht wird. Nur das innere Fett und die Organe, die aufgezählt sind, werden auf dem Altar dargebracht. Das Übrige wird ohne jede Bearbeitung zusammen mit der Haut und sogar mit dem Mist außerhalb des Lagers verbrannt. Danach bringt Aharon das Ganzopfer dar.
וַיִּשְׁחַט אֶת־הָעֹלָה וַיַּמְצִאוּ בְּנֵי אַהֲרֹן אֵלָיו אֶת־הַדָּם וַיִּזְרְקֵהוּ עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃
wajischchát et-ha'oláIn der russischen Umschrift ist das Wort für das Ganzopfer hier verkürzt. Die deutsche Zeile folgt dem hebräischen Text: ha'olá. wajamzí'u benéj aharón eláw et-haddám wajisrekéhu al-hammisbéach sawiw
12 Und er schlachtete das Ganzopfer, und die Söhne Aharons brachten ihm das Blut, und er besprengte den ganzen Altar ringsum.
Hier ist es wohl wichtig, darauf zu achten, dass Aharon in seinem Dienst nicht allein ist. Kein einziger Kohen bewältigt die Opferung allein, die Arbeit des Kohen ist Teamarbeit. Der Höchste liebt Teamarbeit. Die Arbeit am Bau des Mischkan war Teamarbeit: Der Höchste hat Menschen in bestimmte Ämter gesetzt, um dieses Team wiederum zu organisieren. Der Höchste hat das Volk Israel gesammelt – das ist auch ein Team. Manchmal scheint es, dass es leichter ist, etwas selbst zu tun, ohne sich auf Menschen zu verlassen, ohne sich mit Menschen auszutauschen, ohne die Arbeit mit ihnen zu teilen, aber der Höchste will, dass wir mit anderen Menschen Seite an Seite arbeiten können, es verstehen, Liebe zu diesen Menschen haben, sie als unsere Brüder annehmen. Noch schwerer ist es dabei zu verstehen, dass du nicht immer in den Hauptrollen sein wirst, dass du manchmal Bezalel bist, der kunstfertige Arbeiter, der fast alles im Mischkan gemacht hat, oder du bist Mosche, durch den der Höchste das Volk Israel herausgeführt hat, aber den heiligen Dienst verrichten wird Aharon. Und seine Söhne können vorerst den heiligen Dienst nicht verrichten, einer von ihnen wird ihm nur das Blut reichen. Jeder ist an seinem Platz, und in Nebenrollen zu arbeiten ist manchmal auch außerordentlich schwer, aber ohne das gibt es keine Offenbarung der Herrlichkeit Gottes.
וְאֶת־הָעֹלָה הִמְצִיאוּ אֵלָיו לִנְתָחֶיהָ וְאֶת־הָרֹאשׁ וַיַּקְטֵר עַל־הַמִּזְבֵּחַ׃
we'et-ha'olá himzí'u eláw lintachéha we'et-harósch wajaktér al-hammisbéach
13 Und sie brachten ihm das geschlachtete Ganzopfer, in Stücke zerlegt, und den Kopf, und er brachte es als Opfer auf dem Altar dar,
Wiederum sehen wir, dass das Team der Kohanim arbeitet und ein Teil von ihnen am Zerlegen des Opfers beteiligt ist.
וַיִּרְחַץ אֶת־הַקֶּרֶב וְאֶת־הַכְּרָעָיִם וַיַּקְטֵר עַל־הָעֹלָה הַמִּזְבֵּחָה׃
wajircház et-hakkérew we'et-hakkera'ájim wajaktér al-ha'olá hammisbécha
14 Und er wusch die Eingeweide und die Unterschenkel und räucherte sie beim Ganzopfer auf dem Altar.
Nachdem alle diese Handlungen vollzogen sind, brachte er das Opfer des Volkes heran.
וַיַּקְרֵב אֵת קָרְבַּן הָעָם וַיִּקַּח אֶת־שְׂעִיר הַחַטָּאת אֲשֶׁר לָעָם וַיִּשְׁחָטֵהוּ וַיְחַטְּאֵהוּ כָּרִאשׁוֹן׃
wajakréw et korbán ha'ám wajikkách et-se'ír hachattát aschér la'ám wajischchatéhu wajchatte'éhu karischón
15 Er führte das Opfer des Volkes heran (zum Eingang des Zeltes der Begegnung) und nahm den Ziegenbock des Reinigungsopfers, das vom Volk ist, und er schlachtete ihn und reinigte mit ihm, wie mit dem ersten.
Hier wird zum ersten Mal das Verb lehitchaté (sich von der Sünde reinigen) verwendet, mit derselben Wurzel wie das Wort chatát. Man kann hier ein Wortspiel sehen: Wenn das Opfer chatát heißt, dann könnte man auf Russisch sagen, er habe dieses Opfer sachatátilDer Autor bildet hier aus dem hebräischen Wort chatát scherzhaft ein russisches Verb, etwa „verchatatet“. Weil er ausdrücklich vom Russischen spricht, steht sein Wort hier in lateinischer Umschrift.. Das wirkt wie die Geburt eines professionellen Kohanim-Slangs.
וַיַּקְרֵב אֶת־הָעֹלָה וַיַּעֲשֶׂהָ כַּמִּשְׁפָּט׃
wajakréw et-ha'olá waja'asséha kammischpát
16 Und er brachte das Ganzopfer dar und machte alles nach dem Gesetz.
וַיַּקְרֵב אֶת־הַמִּנְחָה וַיְמַלֵּא כַפּוֹ מִמֶּנָּה וַיַּקְטֵר עַל־הַמִּזְבֵּחַ מִלְּבַד עֹלַת הַבֹּקֶר׃
wajakréw et-hamminchá wajmallé chappó mimménna wajaktér al-hammisbéach millewád olát habbóker
17 Und das Speiseopfer brachte er auch dar, und er füllte damit seine Hände und brachte es als Opfer auf dem Altar dar, zusätzlich zum Opfer des Morgens.
Das Speiseopfer wird aus einer Mischung von Mehl, solét, reinem, weißem Mehl ohne Beimischungen, von höchster Qualität, von Olivenöl und Weihrauch dargebracht. Der Kohen nimmt eine volle Handvoll, eine Faustvoll, drückt sie fest zusammen und macht aus dieser Mischung so eine kleine Frikadelle. Er nimmt sie so, dass möglichst viel Weihrauch dabei ist, und räuchert sie. Und der übrige Teil geht an die Kohanim selbst. Nach all dem kann man nun schon das Friedensopfer darbringen.
וַיִּשְׁחַט אֶת־הַשּׁוֹר וְאֶת־הָאַיִל זֶבַח הַשְּׁלָמִים אֲשֶׁר לָעָם וַיַּמְצִאוּ בְּנֵי אַהֲרֹן אֶת־הַדָּם אֵלָיו וַיִּזְרְקֵהוּ עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃
wajischchát et-haschór we'et-ha'ájil séwach haschelamím aschér la'ám wajamzí'u benéj aharón et-haddám eláw wajisrekéhu al-hammisbéach sawíw
18 Und er schlachtete den Stier und den jungen Widder als Friedensopfer für das Volk, und die Söhne Aharons brachten ihm (wieder) das Blut, und er verspritzte es rings um den Altar.
Am Friedensopfer nehmen sowohl der Kohen als auch das Volk teil. Dieses Opfer ist wirklich ein Opfer des Friedens, wie es ja auch heißt, wie ein gemeinsames Mahl des Volkes, der Kohanim und des Höchsten.
וְאֶת־הַחֲלָבִים מִן־הַשּׁוֹר וּמִן־הָאַיִל הָאַלְיָה וְהַמְכַסֶּה וְהַכְּלָיֹת וְיֹתֶרֶת הַכָּבֵד׃
we'et-hachalawím min-haschór umin-ha'ájil ha'alja wehamchassé wehakkelajot wejotéret hakkawéd
19 Und das innere Fett des Stiers, und vom Lamm, und vom jungen Widder, und den Fettschwanz, und das Fett, das die Lunge bedeckt, und einen Teil der Leber,
וַיָּשִׂימוּ אֶת־הַחֲלָבִים עַל־הֶחָזוֹת וַיַּקְטֵר הַחֲלָבִים הַמִּזְבֵּחָה׃
wajassímu et-hachalawím al-hechasót wajaktér hachalawím hammisbécha
20 Und sie legten das Fett auf das Bruststück, und die Fettstücke räucherten sie auf dem Altar.
Zwei Teile – der Teil der Kohanim und der Teil des Höchsten – waren gleichsam eine Weile zusammen, dann wurde das Fett als Ganzopfer dargebracht.
וְאֵת הֶחָזוֹת וְאֵת שׁוֹק הַיָּמִין הֵנִיף אַהֲרֹן תְּנוּפָה לִפְנֵי יְהוָה כַּאֲשֶׁר צִוָּה מֹשֶׁה׃
we'ét hechasót we'ét schok hajamín heníf aharón tenufá lifnéj adonáj ka'aschér ziwwá mosché
21 Und das Bruststück und das rechte Bein, die schwang Aharon mit einem Schwingen vor dem HERRN, wie Mosche geboten hatte (wie Mosche ihn gelehrt hatte).
Selbstverständlich erfüllt Aharon das Gebot des HERRN und nicht das Gebot Mosches. Und über das Schwingen selbst haben wir schon mehrmals gesagt, dass es eine Art Tanz mit dem Höchsten ist, eine gemeinsame Bewegung. Und im Tanz gibt es die Absicht, sich aufeinander abzustimmen, in Harmonie zu sein. Das betrifft wiederum nicht nur die Arbeit mit dem Höchsten, das betrifft auch die Teamarbeit auf der Erde. Mit wem wir arbeiten, mit wem wir verbunden sind, mit wem wir zusammen dienen und mit wem wir jetzt vor dem Höchsten tanzen – das ist eine Frage, die für alle aktuell ist. Dieser „Jemand“ muss nicht unbedingt fern und fremd sein, das kann die Frau, der Mann, die Kinder, die Eltern, ein Freund, ein Bruder sein – wer auch immer. Aber damit die Herrlichkeit erscheint, damit sich die Herrlichkeit Gottes offenbart, braucht es sehr oft ein Team, braucht es eine Gemeinde.
Also, alles ist bereit. Alle notwendigen Opfer sind vollzogen, und die ganze lange Beschreibung der Opfer ist abgeschlossen, die vielleicht manchem langweilig und ermüdend vorkam. Das Zelt der Begegnung hat endlich, hurra, seinen Betrieb aufgenommen!
וַיִּשָּׂא אַהֲרֹן אֶת־יָדוֹ (יָדָיו) אֶל־הָעָם וַיְבָרְכֵם וַיֵּרֶד מֵעֲשֹׂת הַחַטָּאת וְהָעֹלָה וְהַשְּׁלָמִים׃
wajissá aharón et-jadáw el-ha'ám wajwarechém wajéred me'assót hachattát weha'olá wehaschelamim
22 Und Aharon erhob die Hände zum Volk und segnete sie, und auf diese Weise vollzog er das Reinigungsopfer und das Ganzopfer und das Friedensopfer.
Beachten wir, dass erst nachdem Aharon alle Teilnehmer gesegnet hatte, geschrieben steht, dass er die Opferung abschloss. Der Segen, den der Kohen spricht, ist ein Teil der Opferung selbst. Und das ist der erste Fall, in dem der Segen der Kohanim erklingt.
וַיָּבֹא מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד וַיֵּצְאוּ וַיְבָרֲכוּ אֶת־הָעָם וַיֵּרָא כְבוֹד־יְהוָה אֶל־כָּל־הָעָם׃
wajawó mosché we'aharón el-ohel mo'éd wajeze'ú wajwarechú et-ha'ám wajerá chewod-adonáj el-kol-ha'ám
23 Und Mosche und Aharon gingen in das Zelt der Begegnung hinein und kamen heraus und segneten wieder das Volk. Und die Herrlichkeit des HERRN erschien dem ganzen Volk.
Nachdem Mosche und Aharon in den Zustand der Heiligkeit aufgestiegen waren, durften sie in das Heilige eintreten. Noch einmal möchte ich über die Bedeutung des Segens sprechen. Nicht nach den Opferungen erschien die Herrlichkeit des HERRN dem ganzen Volk, sondern nach dem Segen, als der Kohen und Mosche, Aharon und Mosche das Volk segneten. Das ist eine wichtige Lektion für Lehrer, für alle, die als Lehrmeister, Priester, Lehrer eingesetzt sind, das Volk zu segnen. Wenn wir sprechen: „Der HERR segne!“, rufen wir die Herrlichkeit des Höchsten herbei, sich im Leben dieses Menschen zu offenbaren. Der Segen ist so wertvoll, dass die Weisen sagten: „Der Segen eines Einfältigen, eines einfachen Mannes aus dem Volk, sei nicht gering in deinen Augen.“ Jeder Segen ist ein Gebet, ist ein Herbeirufen der Herrlichkeit Gottes. Jeder Segen hat große Bedeutung.
וַתֵּצֵא אֵשׁ מִלִּפְנֵי יְהוָה וַתֹּאכַל עַל־הַמִּזְבֵּחַ אֶת־הָעֹלָה וְאֶת־הַחֲלָבִים וַיַּרְא כָּל־הָעָם וַיָּרֹנּוּ וַיִּפְּלוּ עַל־פְּנֵיהֶם׃
watteze esch millifnéj adonáj wattóchal al-hammisbéach et-ha'olá we'et-hachalawím wajár kol-ha'ám wajarónnu wajippelú al-penehém
24 Und Feuer ging aus vom HERRN und aß auf dem Altar das Ganzopfer und das Fett, und das ganze Volk sah es, und sie jubelten und fielen alle auf ihr Angesicht.
Das gewaltige Projekt zur Errichtung des Zeltes der Begegnung – des Ortes, an dem der Höchste Seinem Volk begegnen wird, ist vollendet, erfolgreich vollendet. Und das ganze Volk wurde durch die Gnade des Höchsten gewürdigt, Seine Herrlichkeit zu sehen. Das ganze Volk hat sich mit eigenen Augen davon überzeugt, dass der Höchste ihm nahe ist, dass der Höchste ihm wohlgesinnt ist, dass der Höchste das Opfer annimmt.
Die Tragödie Aharons
Wajikra 10,1–20
Mit Gottes Hilfe setzen wir das Lesen des Wochenabschnitts Schemini fort. Ich erinnere daran, dass wir, ihr und ich, uns auf einem Fest befinden. Nach langer Arbeit des ganzen Volkes ist das Zelt der Begegnung aufgestellt, die Kohanim sind vorbereitet, die Opfer sind dargebracht, das Feuer ist auf die Opfer herabgekommen, dem ganzen Volk ist die Herrlichkeit Gottes erschienen. Aharon hat das Volk gesegnet. Ein Fest in jeder Hinsicht!
וַיִּקְחוּ בְנֵי־אַהֲרֹן נָדָב וַאֲבִיהוּא אִישׁ מַחְתָּתוֹ וַיִּתְּנוּ בָהֵן אֵשׁ וַיָּשִׂימוּ עָלֶיהָ קְטֹרֶת וַיַּקְרִבוּ לִפְנֵי יְהוָה אֵשׁ זָרָה אֲשֶׁר לֹא צִוָּה אֹתָם׃
wajikchú wenej-aharón nadáw wa'awihú isch machtató wajittenú wahén esch wajassímu aléha ketóret wajakríwu lifnéj adonáj esch sará aschér ló ziwwá otám
1 Und die Söhne Aharons, Nadaw und Awihu, nahmen jeder seine Schaufel (Kohlenpfanne) und legten Feuer hinein (das heißt, sie nahmen von irgendwoher Kohlen) und legten Räucherwerk darauf und brachten vor dem HERRN fremdes Feuer dar, das Er ihnen nicht geboten hatte.
וַתֵּצֵא אֵשׁ מִלִּפְנֵי יְהוָה וַתֹּאכַל אוֹתָם וַיָּמֻתוּ לִפְנֵי יְהוָה׃
wattéze esch millifné adonáj wattóchal otám wajamútu lifné adonáj
2 Und es ging Feuer aus vom HERRN und verzehrte sie, und sie starben vor dem HERRN.
Eine gewaltige Tragödie, praktisch in zwei Versen. Was ist dort denn geschehen? Die Söhne Aharons nehmen Räucherwerk und bringen es höchstwahrscheinlich ins Allerheiligste hinein. Zu jenem Zeitpunkt gab es kein Verbot, das Allerheiligste zu betreten. Das Verbot kommt später, das wissen wir genau, denn in Kapitel 16 wird gesagt: „Und der HERR redete mit Mosche nach dem Tod der Söhne Aharons.“ Und dort sagt der HERR zu Mosche: „Sie sollen nicht zu jeder Zeit hineingehen.“ Also durfte man das Allerheiligste betreten. Und es steht auch nicht geschrieben, dass sie etwas Verbotenes getan haben. Sie haben etwas getan, was der HERR ihnen nicht geboten hatte. Zum Beispiel hat der HERR mir verboten, Schweinefleisch zu essen; wenn ich es aber esse, übertrete ich das Gebot Gottes. Zugleich hat der HERR mir nicht geboten, Tee zu trinken. Aber wenn ich Tee trinke, übertrete ich nichts und tue nichts Schlechtes, obwohl ich etwas tue, was der HERR mir nicht geboten hat.
Ich sage gleich, dass sehr viele Kommentare über diese Geschichte geschrieben worden sind. Sehr viele Menschen, viele Lehrer haben über viele Jahrhunderte versucht zu verstehen, was dort denn geschehen ist, wofür Nadaw und Awihu eine Strafe erhielten. Und ist es überhaupt eine Strafe? Auch ich selbst habe in den letzten Jahren mehr als einmal über dieses Thema gesprochen und versucht, es aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Und wie es gewöhnlich so ist, sagen die Kommentare oft mehr über die Kommentatoren selbst als über den Text.
Es gibt solche, die Nadaw und Awihu als nicht ganz gute Menschen darstellen. Jemand sagt, dass sie davon träumten, Aharon und Mosche „vom Stuhl zu sägen“, davon träumten, ihren Platz einzunehmen. Deshalb beschlossen sie: „Wenn Aharon und Mosche ins Heilige hineingehen, gehen wir weiter, wir gehen ins Allerheiligste hinein und kommen von dort als Sieger heraus. Oh, wie werden wir dann das Volk segnen!“
Es gab diejenigen, die darauf achteten, dass Nadaw und Awihu nicht verheiratet sind. Dabei ist Aharon zu jenem Zeitpunkt schon 84 Jahre alt, und man kann annehmen, dass er keine kleinen Kinder hat, sondern Kinder durchaus im heiratsfähigen Alter. Warum sind sie nicht verheiratet? Nach Meinung dieser Kommentatoren finden sie keine Partnerin für sich, weil sie so denken: „Unser Onkel ist sozusagen Präsident, unser Papa ist Hohepriester. Welches von den Mädchen, von diesen einfachen Dingern, soll unser würdig sein?“ Und aus ihrem Stolz, aus Standesstolz, heirateten sie nicht. Und als sie ins Heilige hineingingen, um das Volk zu vertreten, und dabei das Volk verachteten, einen gewissen Teil davon – die einfachen Mädchen –, und sich für würdiger als andere hielten, verbrannten sie, weil sie in diesem Zustand das Volk nicht vertreten konnten.
Es gibt noch Kommentatoren, die sagen, dass sie, brennend vor Begeisterung für den Dienst, sich beeilten, in der Nähe des Höchsten zu sein, ins Allerheiligste hineingingen um der Nähe willen und durch diese Liebe verbrannten. Die Liebe, wie man sagt, verletzt die Rangordnung. Wörtlich lautet dieses Sprichwort ahawá mekalkélet otá schurá (die Liebe bricht die geordneten Reihen, bricht die Ordnung). Wenn ein Mensch aus der Eingebung der Liebe handelt, tut er das, was man vielleicht nicht zu tun pflegt. Jede menschliche Seele hat den Wunsch, ins Heilige hineinzugehen, hat den Wunsch, sich im Höchsten aufzulösen. Die Seele wünscht, zu ihrer Quelle zurückzukehren.
Es gibt auch einen Kommentar, dass Nadaw und Awihu ja nicht einmal verheiratet waren, weil sie nicht an diese Welt gebunden waren. Sie waren von jeher nicht von dieser Welt, solche frömmelnden Mystiker. Und sobald sich für sie die Möglichkeit ergab, diese Welt zu verlassen, „in die drei Hütten des Petrus umzuziehen“, wollten sie das sofort. Erfüllt von dem Wunsch, brennend vor dem Wunsch, sich loszureißen, aus dieser Welt emporzufliegen, stürzten sie ins Allerheiligste und brachten das Feuer des Altars mit dem Räucherwerk mit sich und in nicht geringerem Maße das Feuer ihres Herzens. Im Brief an die Philipper sagt Paulus: „…ich habe den Wunsch, abzuscheiden und beim Maschiach zu sein.“ Paulus hielt seinen Wunsch zurück und blieb im irdischen Dienst. Nadaw und Awihu konnten ihren Wunsch nicht zurückhalten und lösten sich im Heiligen auf, lösten sich im Höchsten auf und verbrannten deshalb.
Das Zelt der Begegnung ist dazu gebaut, dass der Höchste herabkommen und dort mit dem Volk reden kann, es stellt gleichsam den Landeplatz des Höchsten in dieser Welt dar. Es ist keine Startbahn, von der man abheben und sich losreißen, diese Welt verlassen kann. Es ist eben der Flughafen des Höchsten, der Ort, wo Er auf die Erde herabkommt und Gemeinschaft mit dem Volk hat. Und als Nadaw und Awihu in die Höhe emporfliegen wollten, zum Höchsten, sprangen sie auf die Startbahn hinaus, und das Feuer verbrannte sie. Es ist schwer, diesen Wunsch des Herzens zu verurteilen – beim Höchsten zu sein. Und dennoch ist dieser Wunsch menschlich.
Erinnert ihr euch, als Jeschua den Jüngern zum ersten Mal davon erzählt, dass Er leiden muss, sagt Petrus: „Das darf nicht sein!“ Wer von uns sympathisiert in diesem Moment nicht mit Petrus? Hörte ich so etwas von meinem geliebten Lehrer, ich würde auch mit meiner ganzen Seele schreien wollen: „Das darf nicht sein!“ Menschlich ist dieser Wunsch des Petrus, dieser Schrei seiner Seele, nicht schwer zu verstehen, aber eben menschlich. Für Gottes Plan braucht es etwas Größeres. Genauso menschlich, eben menschlich, kann man Nadaw und Awihu verstehen und ihren Wunsch, ins Heilige hineinzugehen. Das ist der menschliche Wunsch, dass alles gut sei, aber gut auf menschliche Weise. Doch im Heiligen funktioniert das Menschliche nicht immer. Und gerade mit einem solchen Verständnis schlage ich vor, das zu betrachten, was mit Nadaw und Awihu geschehen ist.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן הוּא אֲשֶׁר־דִּבֶּר יְהוָה לֵאמֹר בִּקְרֹבַי אֶקָּדֵשׁ וְעַל־פְּנֵי כָל־הָעָם אֶכָּבֵד וַיִּדֹּם אַהֲרֹן׃
wajomer mosché el-aharón hu ascher-dibbér adonáj lemór bikrowáj ekkadésch we'al-pené chol-ha'ám ekkawéd wajiddóm aharón
3 Und Mosche sprach zu Aharon: „Das ist es, wovon der HERR geredet hat, als Er sprach: An denen, die sich Mir nahen, werde Ich geheiligt werden, und vor dem Angesicht des ganzen Volkes werde Ich Herrlichkeit empfangen (werde Ich verherrlicht werden).“ Und Aharon verstummte.
Das heißt, der HERR sagt: „An denen, die Mir nahe sind, an denen, die versuchen, sich Mir zu nähern, werde Ich geheiligt werden.“ Oder: „Durch diejenigen werde Ich geheiligt werden, die sich Mir nähern.“
Einer der ältesten und angesehensten Kommentatoren, Rabbi Schlomo Jizchaki, bekannt als Raschi, sagt in seinem Kommentar: „Mosche sagte: Ich wusste, dass das geschehen wird, ich wusste es, der HERR hat mir diesen Satz früher gesagt: ‚An denen, die sich Mir nahen, werde Ich geheiligt werden.‘ Aber ich dachte, dass es entweder du sein wirst, Aharon, oder ich. Ich wusste nicht, dass es deine Kinder sein werden.“ Wozu ist denn die Heiligung durch einen Menschen nötig? Braucht Gott wirklich ein Menschenopfer, braucht der Höchste das etwa? Müssen wir etwa wie die Heiden den Tempel auf unseren Erstgeborenen errichten oder auf den Erstgeborenen unserer Kohanim, Gott bewahre? Ich erinnere daran, dass Heiligkeit – das ist, was abgesondert ist. Heiligkeit ist das, dem man sich einerseits nähern möchte, andererseits das, dem man sich vorsichtig nähern muss, in Furcht und Zittern. Eines der Verständnisse des Geschehenen (und ich sage gleich, dass all das in Wirklichkeit über unser Verständnis hinausgeht) ist, dass Nadaw und Awihu gleichsam eine Warnung sind, wie furchtbar und wie gefährlich es ist, die Rangordnung im Verhältnis zum Höchsten zu verletzen, wie gefährlich es sein kann, im Heiligen das zu tun, was vom Menschen ausgeht, vom menschlichen Herzen, vielleicht sogar vom gütigsten. Auch Petrus wollte Gutes, wurde aber Satan genannt.
Und was ist mit Aharon? Es heißt: und Aharon verstummte. Es ist schwer, in dieser Situation nicht mit Aharon mitzufühlen, es ist schwer, Gott bewahre, sich an seine Stelle zu versetzen, und welche Worte hätte man auch finden können? Das ist eine furchtbare Tragödie.
וַיִּקְרָא מֹשֶׁה אֶל־מִישָׁאֵל וְאֶל אֶלְצָפָן בְּנֵי עֻזִּיאֵל דֹּד אַהֲרֹן וַיֹּאמֶר אֲלֵהֶם קִרְבוּ שְׂאוּ אֶת־אֲחֵיכֶם מֵאֵת פְּנֵי־הַקֹּדֶשׁ אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה׃
wajikrá mosché el-mischa'él we'él elzafán bené ussi'él dod aharón wajomer alehém kirwú se'ú et-achechém me'ét pene-hakkódesch el-michúz lammachané
4 Und Mosche rief Mischa'el und Elzafan, die Söhne Usi'els, des Onkels Aharons, und sprach zu ihnen: „Tretet heran, tragt eure Brüder vom Angesicht des Heiligtums hinaus über die Grenzen des Lagers.“
Da wir eine solche Tradition haben, dass wir die Namen deuten, lasst uns auch bei diesen Namen stehen bleiben. Mischa'él kann man übersetzen als der, der den HERRN auf sich trägt, der, der den HERRN in sich trägt. Der Name Elzafán bedeutet der HERR hat verborgen oder er hat den HERRN in seinem Herzen verborgen. Sie sind Söhne Usi'éls – eines Menschen, dessen Name übersetzt wird als meine Kraft ist Gott, und der Mensch mit einem solchen Namen ist der Onkel Aharons.
Warum trägt man Nadaw und Awihu über die Grenzen des Lagers hinaus? Friedhöfe wurden gewöhnlich außerhalb der Stadt angelegt, außerhalb des Lagers, außerhalb des Viertels der Gemeinde. Das bedeutet nicht, dass Nadaw und Awihu wie irgendwelche Verbrecher oder Selbstmörder, Gott bewahre, außerhalb des Friedhofs begraben werden, darum geht es nicht.
וַיִּקְרְבוּ וַיִּשָּׂאֻם בְּכֻתֳּנֹתָם אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר מֹשֶׁה׃
wajikrewú wajissa'úm bechuttonotám el-michúz lammachané ka'aschér dibbér mosché
5 Und sie traten heran und trugen sie an ihren Hemden über die Grenzen des Lagers hinaus, wie Mosche geredet hatte.
Beachtet: trugen sie hinaus an ihren Hemden – das sagt aus, dass Nadaw und Awihu nicht vollständig verbrannt sind, sonst, von was für Hemden wäre die Rede? Verbrannt ist ihr Atem (neschimatám), wie von einer Neutronenbombe. Also wurden die zwei Söhne Aharons hinausgetragen, höchstwahrscheinlich hinausgetragen, um begraben zu werden.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן וּלְאֶלְעָזָר וּלְאִיתָמָר בָּנָיו רָאשֵׁיכֶם אַל־תִּפְרָעוּ וּבִגְדֵיכֶם לֹא־תִפְרֹמוּ וְלֹא תָמֻתוּ וְעַל כָּל־הָעֵדָה יִקְצֹף וַאֲחֵיכֶם כָּל־בֵּית יִשְׂרָאֵל יִבְכּוּ אֶת־הַשְּׂרֵפָה אֲשֶׁר שָׂרַף יְהוָה׃
wajomer mosché el-aharón ul'el'asár ul'itamár banáw raschechém al-tifrá'u uwigdechém lo-tifrómu weló tamútu we'ál kol-ha'edá jikzóf wa'achechém kol-bét jisra'él jiwkú et-hasserefá aschér saráf adonáj
6 Und Mosche sagte zu Aharon und zu Elasar und zu Itamar, seinen Söhnen: „Lasst eure Haare nicht lose und zerreißt eure Kleider nicht, und ihr werdet nicht sterben, und der Höchste wird nicht über die ganze Gemeinde zürnen, und das ganze Haus Israel wird das Verbrannte beweinen, das der HERR verbrannt hat.
Lasst eure Haare nicht lose – wenn ein Mensch in Trauer ist (das ist auch heute ein Trauerbrauch in Israel), schneidet er sich nicht die Haare und rasiert sich nicht. Und zerreißt eure Kleider nicht – das ist noch ein Trauerbrauch. Hier sagt Mosche: „Haltet die Trauerbräuche nicht ein.“ Warum? Weil ein Kohen, der dient, nicht das Recht hat, Trauer zu halten, nicht einmal um nahestehende Menschen. Wie soll man es denn machen, soll man es wirklich so übergehen, daran vorbeigehen, umblättern, „der Kalender wird dieses Blatt schließen“ mit dem Tod von Nadaw und Awihu? Natürlich nicht. Die Kohanim werden für Israel dienen, und Israel wird Trauer tragen, diejenigen beweinen, die das Feuer des Höchsten verbrannt hat.
וּמִפֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד לֹא תֵצְאוּ פֶּן־תָּמֻתוּ כִּי־שֶׁמֶן מִשְׁחַת יְהוָה עֲלֵיכֶם וַיַּעֲשׂוּ כִּדְבַר מֹשֶׁה׃
umippétach óhel mo'éd lo teze'ú pen-tamútu ki-schémen mischchát adonáj alechém waja'asú kidwár mosché
7 Und vom Eingang des Zeltes der Begegnung geht nicht weg, damit ihr nicht sterbt, denn auf euch ist das Öl der Salbung des Höchsten.“ Und sie taten, wie Mosche gesagt hatte.
An ihnen ist jenes Öl, das Mosche bei der Weihe über sie gegossen hat, noch nicht getrocknet, noch nicht eingezogen. Stellt euch das Ausmaß der Katastrophe vor, wenn ein solches Ereignis mitten im Fest geschieht! Aber dieses Öl erlaubt ihnen nicht, über den heiligen Kreis hinauszugehen, über die Linie der Heiligkeit. Sie dürfen in diesem ihrem Zustand das Heilige nicht verlassen. Das ist eine Prüfung der Fähigkeit, im Heiligen zu verweilen. Eine schreckliche Prüfung.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־אַהֲרֹן לֵאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-aharón lemór
8 Und der HERR redete zu Aharon und sprach:
יַיִן וְשֵׁכָר אַל־תֵּשְׁתְּ אַתָּה וּבָנֶיךָ אִתָּךְ בְּבֹאֲכֶם אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד וְלֹא תָמֻתוּ חֻקַּת עוֹלָם לְדֹרֹתֵיכֶם׃
jájin weschechár al-téscht attá uwanécha ittách bewo'achém el-óhel mo'éd weló tamútu chukkát olám ledorotechém
9 „Wein und Alkohol trink nicht, du und deine Söhne mit dir, wenn ihr in das Zelt der Begegnung kommt, und ihr werdet nicht sterben. Das ist ein ewiges Gesetz in euren Generationen,
וּלֲהַבְדִּיל בֵּין הַקֹּדֶשׁ וּבֵין הַחֹל וּבֵין הַטָּמֵא וּבֵין הַטָּהוֹר׃
ulehawdíl ben hakkódesch uwén hachól uwén hattamé uwén hattahór
10 Damit ihr unterscheiden (richten) könnt zwischen dem Heiligen und dem Alltäglichen, zwischen dem Unreinen und dem Reinen,
וּלְהוֹרֹת אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֵת כָּל־הַחֻקִּים אֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אֲלֵיהֶם בְּיַד־מֹשֶׁה׃
ulehorót et-benéj jisra'él et kol-hachukkím aschér dibbér adonáj alehém bejad-mosché
11 Und um den Söhnen Israels alle Gesetze zu erklären, die der HERR euch durch die Hände Mosches gegeben hat.“
Es gibt Kommentatoren, die sagen (und das ist sehr logisch), dass das Verbot, Alkohol zu trinken, möglicherweise erfolgte, nachdem Nadaw und Awihu betrunken ins Heilige hineingegangen waren. Sie hatten einfach getrunken und waren dorthin gegangen. Warum sonst sagt der HERR Selbst gleich danach diese Worte zu Aharon, nicht durch Mosche, sondern direkt? Tatsächlich kann man diesen Zusammenhang spüren. Worin zeigt sich die Wirkung des Alkohols? Alkohol stumpft die Empfindungen dieser Welt ab, Alkohol gibt das Gefühl, sich von der Erde lösen zu können – so ist seine Wirkung auf die meisten Menschen. Und deshalb steht das eine Verständnis dem anderen nicht im Weg. Da sie sich von dieser Welt lösen wollten, wie es heute bei den Chassidim üblich ist (ein wenig trinken, um dem Geheimnis näherzukommen, um das Bewusstsein abzustumpfen, den rationalen Verstand abzustumpfen), ist es durchaus möglich, dass Nadaw und Awihu, von derselben Idee getrieben, getan haben, was sie getan haben, nachdem sie eine gewisse Menge Alkohol getrunken hatten.
Hier sagt der Höchste: „Ihr gehört tatsächlich sowohl zur heiligen Welt als auch zur alltäglichen Welt. Aber wenn ihr die Söhne Israels richtet, richtet vollständig nach den Gesetzen der Tora, die in der physischen Welt gelten.“ Dort, im achten Tag, möchte man alle Gesetze hinter sich lassen, alle Grenzen, alle Schranken, und nach oben streben. Der achte Tag steht über dem Gesetz Mosches, und man möchte sich dort sehr von allem lösen. Deshalb sagt der Höchste: „Nein, ihr seid Vermittler des Gesetzes, selbst am achten Tag. Ihr müsst in Nüchternheit und Heiligkeit anzeigen, was rein ist, was unrein ist, Opfer darbringen. Und auch die Gesetze lehren müsst ihr in Nüchternheit und Heiligkeit.“ Keine Abschwächung, kein Dämpfen, kein Abstumpfen der Gefühle.
וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן וְאֶל אֶלְעָזָר וְאֶל־אִיתָמָר בָּנָיו הַנּוֹתָרִים קְחוּ אֶת־הַמִּנְחָה הַנּוֹתֶרֶת מֵאִשֵּׁי יְהוָה וְאִכְלוּהָ מַצּוֹת אֵצֶל הַמִּזְבֵּחַ כִּי קֹדֶשׁ קָדָשִׁים הִוא׃
wajdabbér mosché el-aharón we'él el'asár we'el-itamár banáw hannotarím kechú et-hamminchá hannotéret me'ischéj adonáj we'ichlúha mazzót ézel hammisbéach ki kódesch kadaschím hi
12 Und Mosche redete mit Aharon und Elasar und mit Itamar, den übrig gebliebenen Söhnen: „Nehmt die Reste des Speiseopfers (der Mincha) vom Feueropfer für den Höchsten und esst sie ungesäuert neben dem Altar, denn sie ist heilig für die Heiligkeit.
Von den fünf Kohanim, die Mosche vorbereitet hatte, sind nur drei übrig geblieben. Drei Kohanim für den ganzen Dienst, für das ganze riesige Volk Israel. Und wir haben noch nicht bis zum Ende der ganzen Zeremonie gelesen, und die Opfer sind noch nicht gegessen. Und Mosche sorgt sich darum, dass trotz dieser schrecklichen Tragödie die Weihe stattfindet.
Ich erinnere daran, wie die Mincha dargebracht wird: Es wird eine große Menge Mehl höchster Qualität, Solet, mit Öl und Weihrauch dargebracht. Der Kohen nimmt eine Handvoll, eine volle Hand, macht daraus so eine kleine Frikadelle, legt sie auf den Altar und bringt sie als Opfer dar. Den Rest essen die Kohanim. Das Essen des Opfers durch die Kohanim ist ein Teil der Opferdarbringung. Deshalb besteht Mosche darauf, dass das getan wird: „Nehmt die Mincha und esst sie. Ihr müsst dieses Opfer trotz allem essen, ungeachtet dessen, was geschehen ist.“
וַאֲכַלְתֶּם אֹתָהּ בְּמָקוֹם קָדֹשׁ כִּי חָקְךָ וְחָק־בָּנֶיךָ הִוא מֵאִשֵּׁי יְהוָה כִּי־כֵן צֻוֵּיתִי׃
wa'achaltém otá bemakóm kadósch ki chokchá wechok-banécha hi me'ischéj adonáj ki-chén zuwwéti
13 Und ihr sollt sie an einem heiligen Ort essen, denn das ist dein Gesetz und das Gesetz deiner Söhne (euch und allen euren Nachkommen, den Kohanim) vom Feueropfer für den Höchsten, denn so wurde es mir geboten.
Der Ausdruck ki-chen zuwwéti bedeutet so wurde mir geboten, solche Gebote habe ich empfangen. Merken wir uns das, das ist wichtig. Wir werden noch darauf zurückkommen.
Und weiter erinnert Mosche daran, was mit dem Opfer Schelamim getan werden muss: Man muss bestimmte Teile davon schwingen und danach bestimmte Teile davon essen.
וְאֵת חֲזֵה הַתְּנוּפָה וְאֵת שׁוֹק הַתְּרוּמָה תֹּאכְלוּ בְּמָקוֹם טָהוֹר אַתָּה וּבָנֶיךָ וּבְנֹתֶיךָ אִתָּךְ כִּי־חָקְךָ וְחָק־בָּנֶיךָ נִתְּנוּ מִזִּבְחֵי שַׁלְמֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃
we'ét chasé hattenufá we'ét schok hatterumá tochelú bemakóm tahór attá uwanécha uwnotécha ittách ki-chokchá wechok-banécha nittenú missiwchéj schalméj benéj jisra'él
14 Und die Brust, die dazu bestimmt ist, dass man sie vor dem Höchsten schwingt, und die Keule, die ein Hebopfer ist, esst an einem reinen Ort, du und deine Söhne und deine Töchter mit dir, denn das ist dein Gesetz und das Gesetz deiner Söhne, dass die Söhne Israels von dem Friedensopfer diesen euren Anteil absondern.
Beachtet, hier erscheinen die Töchter. Tatsächlich dürfen von diesem Opfer die Frauen, Töchter, Enkel der Kohanim essen – alle, die sich in seinem Haus befinden. Die Töchter dürfen das Fleisch des Hebopfers essen, solange sie im Haus des Vaters sind, solange sie nicht heiraten. Wenn eine Tochter einen Mann heiratet, der kein Kohen ist (was möglich ist), hört sie auf, vom Fleisch des Opfers zu essen. Hier gibt Mosche ein Gesetz weiter, das in allen Generationen gelten wird.
שׁוֹק הַתְּרוּמָה וַחֲזֵה הַתְּנוּפָה עַל אִשֵּׁי הַחֲלָבִים יָבִיאוּ לְהָנִיף תְּנוּפָה לִפְנֵי יְהוָה וְהָיָה לְךָ וּלְבָנֶיךָ אִתְּךָ לְחָק־עוֹלָם כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה׃
schok hatterumá wachasé hattenufá al ischéj hachalawím jawí'u lehaníf tenufá lifnéj adonáj wehajá lechá ulwanécha ittechá lechok-olám ka'aschér ziwwá adonáj
15 Nehmt die Keule des Hebopfers und die Brust, die dazu bestimmt ist, dass man sie schwingt, die zu verbrennenden Teile des Fettes, bringt sie herbei, um sie vor dem Höchsten zu schwingen, und es wird dir und deinen Söhnen mit dir ein ewiges Gesetz sein, wie der HERR geboten hat.“
וְאֵת שְׂעִיר הַחַטָּאת דָּרֹשׁ דָּרַשׁ מֹשֶׁה וְהִנֵּה שֹׂרָף וַיִּקְצֹף עַל־אֶלְעָזָר וְעַל־אִיתָמָר בְּנֵי אַהֲרֹן הַנּוֹתָרִם לֵאמֹר׃
we'ét se'ír hachattát darósch darásch mosché wehinné soráf wajikzóf al-el'asár we'al-itamár benéj aharón hannotarím lemór
16 Und auch den Ziegenbock des Reinigungsopfers forderte Mosche, aber er erfuhr, dass der Ziegenbock verbrannt worden war, und er wurde zornig auf Elasar und auf Itamar, die übrig gebliebenen Söhne Aharons, und sprach:
Hier muss man sagen, dass es, obwohl einige Opfer aufgezählt sind, viel mehr Opfer gab. Wir haben im Buch Schemot gelesen, dass der Höchste Mosche gebot, das Zelt der Begegnung an Rosch Chodesch (dem Neumond) aufzustellen. Und es ist nicht ganz klar: Gebot Er, am Neumond die Zeit der Vorbereitung der Kohanim zu beginnen oder zu beenden? Nach den meisten Meinungen musste die Zeit der Vorbereitung der Kohanim gerade bis Rosch Chodesch beendet werden. Und dann geschehen alle Ereignisse, die hier beschrieben sind, am 1. des Monats Nissan. In diesem Fall müssen drei Ziegenböcke dargebracht werden, drei Reinigungsopfer: eines – das Opfer des Neumonds, das zweite – vom Volk, und das dritte, von dem wir in Kapitel 7 des Buches Bemidbar lesen – das tägliche Opfer vom Oberhaupt eines der Stämme (und da durch den Segen der Stamm Jehuda der älteste wurde, ist das das Opfer, das Nachschon, der Sohn Amminadaws, darbringt). Und wie es gewöhnlich so ist, gibt es einen Streit darüber, von welchem Ziegenbock genau Mosche in Vers 16 spricht. Es gibt Argumente sowohl für die eine als auch für die andere Seite. Aber wenn wir den Pschat der Tora lesen, dann wissen wir vorerst noch nicht, was in Kapitel 7 des Buches Bemidbar sein wird. Wir wissen auch nichts vom Ziegenbock des Neumonds, und deshalb, denke ich, können wir uns darauf konzentrieren, dass es um den Ziegenbock gehen wird, den das Volk dargebracht hat. Mosche versucht herauszufinden, was mit diesem Ziegenbock geschehen ist. Mosche erfährt, dass dieser Ziegenbock verbrannt ist, und wird zornig.
מַדּוּעַ לֹא־אֲכַלְתֶּם אֶת־הַחַטָּאת בִּמְקוֹם הַקֹּדֶשׁ כִּי קֹדֶשׁ קָדָשִׁים הִוא וְאֹתָהּ נָתַן לָכֶם לָשֵׂאת אֶת־עֲוֹן הָעֵדָה לְכַפֵּר עֲלֵיהֶם לִפְנֵי יְהוָה׃
maddúa lo-achaltém et-hachattát bimkóm hakkódesch ki kódesch kadaschím hi we'otá natán lachém lassét et-awón ha'edá lechappér alehém lifnéj adonáj
17 „Warum habt ihr das Reinigungsopfer nicht am Heiligen Ort gegessen, denn es ist ein Heiligtum für das Heilige, und es ist euch gegeben, damit ihr die Sünde der Gemeinde tragt, um für sie zu sühnen vor dem HERRN.
Wiederum sagt Mosche: „Das Essen der Opfer ist ein Teil der Opferdarbringung. Das Opfer ist euch dazu gegeben, dass ihr es darbringt und esst. Welches Recht hattet ihr, es zu verbrennen, wenn es euch zur Sühne für die Gemeinde gegeben ist?“ Und er erklärt in Vers 18:
הֵן לֹא־הוּבָא אֶת־דָּמָהּ אֶל־הַקֹּדֶשׁ פְּנִימָה אָכוֹל תֹּאכְלוּ אֹתָהּ בַּקֹּדֶשׁ כַּאֲשֶׁר צִוֵּיתִי׃
hen lo-huwá et-damá el-hakkódesch peníma achól tochelú otá bakkódesch ka'aschér ziwwéti
18 Da ihr Blut nicht nach innen hineingebracht wird, hättet ihr es im Heiligen essen sollen, wie ich euch geboten habe“.
Was sagt Mosche hier? Es gibt Opfer, zum Beispiel das Reinigungsopfer für den Hohepriester oder das Reinigungsopfer für das Volk, deren Blut in das Heilige hineingebracht wird, dann isst man dieses Opfer nicht. Aber hier ist es nicht einfach ein Reinigungsopfer des Volkes. Es ist ein Opfer, das dargebracht wurde, bevor das Heiligtum seine Arbeit aufnahm. Sein Blut hat man nicht hineingebracht in das Heilige, und Mosche empört sich darüber, dass es nicht gegessen wurde. Ein Teil der Opferung ist, wie wir gesagt haben, ihr Verzehr, und Mosche sagt: „Das Blut des Opfers wurde nicht in das Heilige hineingebracht, und dann hättet ihr das Opfer essen müssen. Warum habt ihr das nicht getan, wie ich euch geboten habe!?“
Es gibt einen wichtigen Unterschied. In Vers 13 haben wir gelesen: ki-chén zuwwéti – wie geboten ist, mir befohlen ist. Hier lesen wir ka'aschér ziwwéti, wie ich befohlen habe. Es gibt Fälle, in denen Mosche die Worte des HERRN wörtlich weitergibt: „Der HERR hat mir befohlen.“ Wenn Mosche auf diese Weise spricht, kann man mit ihm nicht streiten: Es gibt keinerlei Gleichheit, denn er ist derjenige, der die Offenbarung empfangen hat. Es gibt Fälle, in denen Mosche die Worte des HERRN auslegt, die Er ihm befohlen hat. Wenn Mosche seine Auslegung sagt, dann ist das schon eine völlig andere Sache, das ist nicht ein und dasselbe.
Ich bringe ein sehr einfaches Beispiel aus dem Alltag. Eine Frau hat ihren Mann in den Laden geschickt, ihm eine ganz kurze Einkaufsliste gegeben, und er ist gegangen. Nachdem sie über etwas nachgedacht hat, schickt die Frau den Sohn zum Mann und sagt: „Lauf in den Laden, sag Papa, er soll etwas zum Tee kaufen.“ Der Sohn kommt zu Papa gelaufen und gibt wörtlich die Worte der Mutter weiter: „Mama hat gesagt, kauf etwas zum Tee.“ Er kennt diese Worte besser als der Vater, mit ihnen kann man nicht streiten. Der Vater – die Hand an die Mütze: „Gut, ich kaufe es.“ Wenn der Sohn dabei hinzufügt: „… ich denke, Fruchtgelee“, dann ist das schon nicht mehr Teil der Botschaft von Mama – das, was er denkt. Darüber kann man streiten, man kann zu dem Schluss kommen, dass Mama etwas anderes will. Papa kann besser als der Sohn wissen, was Mama will.
Es gibt eine unbestreitbare Botschaft, und es gibt eine Auslegung. Im ersten Fall sagte Mosche: „Warum habt ihr nicht getan, wie es mir geboten ist?“, im zweiten Fall: „Warum habt ihr nicht getan, wie ich befohlen habe?“ Und eben dort, wo Mosche sagt wie ich befohlen habe, dort kann man mit ihm streiten. Es kommt oft vor, wenn man an irgendeiner Diskussion, einem Gespräch oder einem Streit teilnimmt, dass gegen Ende jemand seine Krawatte zurechtrückt und sagt: „Alle hier haben jeder seine Meinung gesagt, und ich sage jetzt, was die Bibel sagt.“ Danach sagt dieser Mensch auch seine Meinung. Denn selbst wenn wir die Bibel lesen und die Bibel auslegen, sagen wir immer unser Verständnis der Bibel. Und es ist sehr schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es viele Menschen gibt, die nicht dümmer sind als wir, die nicht weniger ehrlich sind als wir, die nicht weniger als wir die Wahrheit verstehen wollen, sie aber anders verstehen. So ist es nun einmal, wie schwer es auch sein mag, das anzunehmen. Deshalb müssen wir immer unterscheiden zwischen dem, was geschrieben steht, dem, was wir wörtlich wissen, und unserem Verständnis. Und wenn wir unser Verständnis sagen, wenn wir daran denken, dass wir unser Verständnis sagen, dürfen wir uns nicht wundern, dass wir auf ein fremdes Verständnis stoßen werden, dass jemand es anders versteht. Das ist es, was jetzt mit Mosche geschehen wird. Wir werden, ihr und ich, Zeugen des ersten Falles, in dem man mit Mosche, mit Mosche selbst (wer, sollte man meinen, kennt die Tora Mosches besser als Mosche?!), über die Tora streitet. Das ist schon kein Angriff auf ihn: „Wohin hast du uns herausgeführt?“, das ist eben ein Streit über die Auslegung der Tora.
Beachtet: Es stand geschrieben, dass Mosche über Elasar und Itamar zornig war, es war nicht gesagt, dass er über Aharon zornig war. Aber offenbar war er zornig, denn für sie verantwortlich ist Aharon. Mosche erweist Aharon, dem älteren Bruder, dennoch Respekt.
וַיְדַבֵּר אַהֲרֹן אֶל־מֹשֶׁה הֵן הַיּוֹם הִקְרִיבוּ אֶת־חַטָּאתָם וְאֶת־עֹלָתָם לִפְנֵי יְהוָה וַתִּקְרֶאנָה אֹתִי כָּאֵלֶּה וְאָכַלְתִּי חַטָּאת הַיּוֹם הַיִּיטַב בְּעֵינֵי יְהוָה׃
wajdabbér aharón el-mosché hen hajóm hikríwu et-chattatám we'et-olatám lifné adonáj wattikréna otí ka'élle we'achálti chattát hajóm hajitáw be'ené adonáj
19 Und Aharon sprach zu Mosche: „Siehe, heute haben sie ihre Reinigungsopfer und ihre Ganzopfer vor dem HERRN dargebracht. Und dazu ist mir noch so etwas widerfahren, und wenn ich heute das Sündopfer esse, wird das etwa gut sein in den Augen des Höchsten?“
Das ist es, was Aharon sagt: „Wird es dem Höchsten etwa gefallen, dass ich in einem solchen Zustand einfach meine Routinearbeit verrichte? Keinerlei Sühne werde ich damit bewirken, denn ich kann mich zwingen, dieses Opfer herunterzukauen, aber will der Höchste etwa einen solchen, mechanischen Dienst? Wenn du, Mosche, die Tora so auslegst, dass der Kohen dienen muss, ungeachtet von allem, in jedem seelischen Zustand, dann sage ich dir, dass der Kohen, solange seine Toten vor ihm liegen, am Tag des Todes naher Menschen, davon befreit ist, das Sündopfer zu essen. Er kann es nicht tun. Das wird dem Höchsten nicht wohlgefällig sein. Und darin legen wir beide, Mosche, entschuldige schon, die Tora Mosches unterschiedlich aus.“
וַיִּשְׁמַע מֹשֶׁה וַיִּיטַב בְּעֵינָיו׃
wajischmá mosché wajitáw be'enáw
20 Und Mosche hörte, und das erschien ihm richtig.
Mosche nimmt den Einwand Aharons an. Es stellt sich heraus, dass jemand mit Mosche über die Tora Mosches streiten und recht haben kann. Das ist eine Meisterklasse in Bescheidenheit und Demut für alle Lehrer.
Und damit endet das sehr schwere Kapitel 10. Wovon handelt dieses Kapitel? Davon, dass es auch in der Heiligkeit eigene Gesetze und Regeln gibt und dass es gefährlicher sein kann, in der Heiligkeit zu dienen, sich in der Heiligkeit aufzuhalten, als in unserer gewöhnlichen, alltäglichen Welt. Das ist eine Warnung an alle Kohanim und an alle Diener, dass es furchtbar ist zu versuchen, sich von dieser Welt loszureißen. Und um jemanden zu richten, muss man feinfühlig sein für die Gefühle, für die Empfindungen dieser Welt, sich nicht von ihnen losreißen, die Menschen nicht wie Engel Gottes richten, nicht nach solchen Maßstäben. Davon, dass unser Verständnis unser Verständnis ist, und selbst Mosche hat zugelassen, dass man mit ihm streitet, und sein Gegner hatte recht. Man muss bereit sein, dass nicht wir es sind, die recht haben, das anzunehmen und dem zuzustimmen. Auch das ist sehr schwierig, das sind die schwierigen Aufgaben, die uns bleiben. Wie nimmt man die an, die mit dir nicht einverstanden sind? Wie bleibt man mit ihnen in einem Team, in einer Familie, in einer Gemeinde? Was tun, wenn deine Schüler oder dein älterer Bruder mit dir nicht einverstanden sind, wie es im Fall von Mosche geschehen ist? Das sind ernste Fragen, die wir uns selbst stellen können. Ein sehr schwieriges Kapitel, sehr schwierige Lektionen. Aber wer werden wir sein, wenn wir nicht versuchen zu verstehen?
Auf nüchternen Magen singt sich auch kein Lied
Wajikra 11,1–47
Nachdem die Herrlichkeit des HERRN herabgekommen und dem Volk erschienen war, wurde das ganze Volk durch diese Herrlichkeit geheiligt, und da kam die Frage auf: „Wie bewahrt man die Heiligkeit?“ Wenn ein Mensch unrein geworden ist, wie soll er in den Zustand der Heiligkeit, in den Zustand der Reinheit zurückkehren?
Ich muss einen sehr wichtigen Vorbehalt, eine Erläuterung anbringen: Unrein zu sein ist an sich keine Sünde. Im Zustand der Unreinheit ist es Sünde, das Zelt der Begegnung zu betreten, das Allerheiligste, es gibt noch andere Handlungen, die man in diesem Zustand nicht vollziehen darf, aber an sich unrein zu sein ist keine Sünde. Zum Beispiel wird eine Frau, die ein Kind geboren hat, unrein. Und der Grund für diese Unreinheit ist gut: Sie hat eine gute Tat getan, ein Gebot erfüllt, aber die Unreinheit ist bei ihr trotzdem entstanden. Deshalb muss man immer daran denken, dass der Zustand der Unreinheit keine Sünde ist. Man kann einen Toten waschen, einen Kranken pflegen und dabei im Zustand der Unreinheit sein. Es ist keine Sünde, unrein zu werden oder unrein zu sein, aber es ist Sünde, in das Zelt der Begegnung einzutreten, in diesem Zustand in Gemeinschaft mit dem Höchsten zu treten. Man muss sich vorher reinigen. Genauso wie schmutzig zu sein keine Sünde ist. Es gibt Arbeit, bei der wir uns schmutzig machen können, aber nicht überall kann man in einem so schmutzigen Zustand erscheinen. Das heißt nicht, dass es an sich immer schlecht ist, sich schmutzig zu machen. Daran muss man denken, und jedes Mal, wenn wir über Unreinheit sprechen, müssen wir Unreinheit und Sünde unterscheiden, das sind völlig verschiedene Begriffe.
Aber kehren wir zu unserem Kapitel 11 zurück. Es ist der Frage gewidmet, was ein Mensch essen soll (wovon er sich ernähren soll), der zum Volk Gottes gehört und durch die Herrlichkeit Gottes geheiligt wird.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל־אַהֲרֹן לֵאמֹר אֲלֵהֶם׃
wajdabbér adonáj el-mosché we'el-aharón lemór alehém
1 Und der HERR redete mit Mosche und Aharon und sprach zu ihnen:
Lange haben wir eine solche Form der Anrede nicht gelesen, in der der HERR sowohl mit Mosche als auch mit Aharon spricht. Im vorigen Kapitel sind wir auf einen Streit gestoßen, als Mosche, der Gesetzgeber, mit dem stritt, der der „Gesetzesausleger“ ist, mit Aharon. Und letztlich stimmten sie einander zu, es trat Einigkeit ein, und wir können sagen: „Die Tora Mosches ist das Gesetz, die Tora Aharons ist die Auslegung des Gesetzes, darunter auch irgendwelche Ausnahmen von diesem Gesetz.“ Und nachdem zwischen ihnen Harmonie eingetreten war, wendet sich der Höchste an sie und gibt ihnen den Befehl, die Söhne Israels zu unterweisen.
דַּבְּרוּ אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר זֹאת הַחַיָּה אֲשֶׁר תֹּאכְלוּ מִכָּל־הַבְּהֵמָה אֲשֶׁר עַל־הָאָרֶץ׃
dabberú el-benéj jisra'él lemór sot hachajá aschér tochelú mikkol-habbehemá aschér al-ha'árez
2 „Redet mit den Söhnen Israels und sagt: Dies sind die Tiere, die ihr essen werdet von allem Vieh, das auf der Erde ist.
Das erste Gebot des Höchsten, das Er dem Menschen im Garten Eden gab, war: „Von jedem Baum iss, außer vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, das heißt, dem Menschen wurde geboten, von allem zu essen, von allen Bäumen. Der Höchste sagte dem Menschen gleichsam: „Iss meine Welt.“ Wenn wir eine Orange, einen Apfel, eine Birne, irgendeine Frucht essen, wird sie ein Teil von uns. Für die Lebenskraft der Orange, als einer Pflanze, ist es ein großer Sprung, ein Mensch zu werden. Deshalb sind uns Pflanzen mit größerer Leichtigkeit erlaubt. Wenn wir ein Tier essen, das sterben muss, damit wir es essen, ändert sich die Situation von Grund auf. Wenn wir mit unseren Kräften, mit unserer Energie, die wir von diesem Tier bekommen, dem Höchsten dienen, dann ist das für das Tier selbstverständlich auch ein großer Sprung. Wenn wir uns mit irgendwelchen eigenen Angelegenheiten beschäftigen, die erhaltenen Kalorien für etwas nicht sehr Reines verbrauchen, dann gibt es auch keinerlei Sprung für das Tier. Und dann – lohnt es sich, ein Huhn zu töten, um sich mit der erhaltenen Lebenskraft vor dem Fernseher zu fläzen und durch die Kanäle zu zappen? Deshalb schränkt die Tora den Verzehr von Fleisch stark ein. Von allen Tieren der Erde ist uns nur eine sehr kleine Anzahl als Nahrung erlaubt. Wenn im Garten Eden von allen Pflanzen nur eine verboten war, so ist in unserem Fall nur ein kleiner, kleiner Teil der Tierwelt als Nahrung erlaubt. So sehr fördert die Tora das Fleischessen also gar nicht. Also, welche Tiere dürfen wir essen von allem Vieh der Erde?
כֹּל מַפְרֶסֶת פַּרְסָה וְשֹׁסַעַת שֶׁסַע פְּרָסֹת מַעֲלַת גֵּרָה בַּבְּהֵמָה אֹתָהּ תֹּאכֵלוּ׃
kol mafrésset parsá weschossá'at schéssa perassót ma'alát gerá babbehemá otá tochélu
3 Alles, was den Huf behuft (was Hufe hat) und mit einem Spalt seine Hufe spaltet (seine Hufe teilt), was wiederkäut unter dem Vieh – das werdet ihr essen.
Es gibt zwei Merkmale eines Tieres, das man essen darf. Das erste ist der gespaltene Huf, das zweite: Das Tier ist ein Wiederkäuer. Man kann das als Gesetz annehmen und sagen: „So will es der Höchste eben, und fertig.“ Man kann sich in medizinische Untersuchungen stürzen: „Das ist gesund, das ist ungesund.“ Sowohl der eine als auch der andere Ansatz hat seine Berechtigung, aber wir gehen einen anderen Weg. Es gibt Kommentare, die sich auf die charakteristischen Züge dieser Tiere stützen. Die Hufe sind die Waffe des Tieres, gespaltene Hufe mildern den Schlag, es ist, als ob das Tier seine Aggression zurückhält. Dass das Tier wiederkäut, bedeutet, dass es nicht alles sofort hinunterschluckt. Das weist auf eine gewisse Geduld hin, auf das Fehlen des Strebens, alles, was ihm unterkommt, sofort hinunterzuschlucken und aufzufressen. Viele Kommentatoren heben gerade diese Besonderheiten als Merkmale der Tiere hervor, die man essen darf.
Ab Vers 4 gibt die Tora eine wichtige Warnung.
אַךְ אֶת־זֶה לֹא תֹאכְלוּ מִמַּעֲלֵי הַגֵּרָה וּמִמַּפְרִיסֵי הַפַּרְסָה אֶת־הַגָּמָל כִּי־מַעֲלֵה גֵרָה הוּא וּפַרְסָה אֵינֶנּוּ מַפְרִיס טָמֵא הוּא לָכֶם׃
ach et-sé lo tochelú mimma'alé haggerá umimmafrissé happarsá et-haggamál ki-ma'alé gerá hu ufarsá enénnu mafrís tamé hu lachém
4 Aber diese esst nicht, von denen, die wiederkäuen, und von denen, die die Hufe spalten: das Kamel, das das Gekaute wieder hochwürgt, aber keine gespaltenen Hufe hat – unrein ist es für euch.
Das Kamel ist tatsächlich ein Wiederkäuer, aber sein Huf ist nicht gespalten, es hat überhaupt keine Hufe, das Kamel gilt als Schwielensohler. Wenn irgendein Tier wiederkäut, aber den Huf nicht spaltet, bedeutet das, dass es ein inneres Merkmal der Reinheit hat, aber ein äußeres Merkmal der Koscherheit fehlt. Man kann sagen, dass es innerlich rein aussieht, von innen rein ist, aber von außen unrein.
Die Verse 5 und 6 sind aus Sicht der modernen Wissenschaft sehr schwierig.
וְאֶת־הַשָּׁפָן כִּי־מַעֲלֵה גֵרָה הוּא וּפַרְסָה לֹא יַפְרִיס טָמֵא הוּא לָכֶם׃
we'et-haschafán ki-ma'alé gerá hu ufarsá lo jafrís tamé hu lachém
5 Und den Klippschliefer, denn er ist ein Wiederkäuer, aber die Hufe spaltet er nicht, unrein ist er für euch.
וְאֶת־הָאַרְנֶבֶת כִּי־מַעֲלַת גֵּרָה הִוא וּפַרְסָה לֹא הִפְרִיסָה טְמֵאָה הִוא לָכֶם׃
we'et-ha'arnéwet ki-ma'alát gerá hi ufarsá lo hifríssa teme'á hi lachém
6 Und den Hasen, der auch ein Wiederkäuer ist, aber den Huf nicht gespalten hat, unrein ist er für euch.
Natürlich stellt sich die Frage: Seit wann sind denn der Klippschliefer, der Hase, das Kaninchen, wie man die Namen dieser Tiere auch übersetzt, seit wann sind sie denn Wiederkäuer geworden? Sie sind selbstverständlich keine Wiederkäuer. Und es gibt Leute, die über die Tora lachen und sagen: „Der Autor der Tora hat wohl die Kaubewegungen bei Hasen und Kaninchen gesehen (wenn ihre Lippen zittern und es so aussieht, als wären sie Wiederkäuer) und dachte, der Einfaltspinsel, dass sie das Gekaute hochwürgen und wiederkäuen.“ Tatsächlich käuen weder der Hase noch der Klippschliefer noch das Kaninchen wieder. Aber der Begriff ma'alé (ma'alát) gerá bedeutet, dass das Tier Nahrung von innen hervorholt und sie wieder frisst. Der Hase frisst tatsächlich sehr oft das, was er schon gefressen hat, frisst sein eigenes Erbrochenes, manchmal auch seinen eigenen Kot. Und in gewissem Maße kann man ihn auch einen Hochwürgenden nennen, da die Bedeutungen der Begriffe in der Tora und in der Biologie sich durchaus unterscheiden können. Die Definition der Tora ist viel älter als die Definition der Biologie, und sie kann weiter sein oder einfach eine andere sein.
Diese Tiere sehen, ebenso wie das Kamel, nach dem inneren Merkmal rein aus, äußerlich aber sind sie unrein.
וְאֶת־הַחֲזִיר כִּי־מַפְרִיס פַּרְסָה הוּא וְשֹׁסַע שֶׁסַע פַּרְסָה וְהוּא גֵּרָה לֹא־יִגָּר טָמֵא הוּא לָכֶם׃
we'et-hachasír ki-mafrís parsá hu weschossá schéssa parsá wehu gerá lo-jiggár tamé hu lachém
7 Und das Schwein, denn es hat Hufe und spaltet die Hufe, aber das Gekaute würgt es nicht hoch, unrein ist es für euch.
Das Schwein dagegen hat ein äußeres Merkmal der Koscherheit, es stellt sich als rein dar. Man sagt, dass das Schwein so liegt, dass es das Merkmal seiner Koscherheit zeigt, seine Klauen zeigt. Aber innen ist es unrein, und so ist auch das Schwein verboten. Auf Hebräisch heißt das Schwein chasír, dieses Wort hat dieselbe Wurzel wie das Wort lachasór (zurückkehren). Das hat eine gewisse Gruppe von Midraschim und Auslegungen hervorgebracht, wonach in der kommenden Welt, wenn der Höchste kommt und sich offenbart, wenn sich die Herrlichkeit Gottes wieder offenbart, das Schwein ein koscheres Tier werden wird. Alte Auslegungen dazu gibt es nicht; alle Auslegungen, die mit Chasriél verbunden sind (einem geistigen Wesen, einem Engel, der die Juden vor dem himmlischen Gericht anklagt, dann aber auf ihre Seite tritt) oder mit Esaw, der mit dem äußerlich koscheren Schwein in Verbindung gebracht wird und dessen Nachkommen, die Christen, den Dritten Tempel wieder aufbauen werden – das sind Auslegungen des späten Mittelalters, die in Mitteleuropa entstanden sind – dort, wo der Katholizismus bereits begonnen hatte, Einfluss auf das Judentum auszuüben. In den letzten Jahren sind diese Midraschim auf Anregung einiger messianischer Lehrer populär geworden. Aber wenn wir uns auf sie berufen wollen, muss man daran denken, dass sie für die Mehrheit der jüdischen Lehrer seltsam und unannehmbar waren. Es gibt viele Midraschim, die die einen annehmen und die anderen nicht. Dieser Midrasch ist eines der deutlichsten Beispiele dafür. Wobei die Ablehnung dieses Midraschs nicht aus dem Grund geschieht, dass er etwas Positives über die Christen sagt (ich würde ihn mit Freude annehmen), sondern weil er tatsächlich keinerlei maßgebliche Quelle in unserer Literatur hat.
מִבְּשָׂרָם לֹא תֹאכֵלוּ וּבְנִבְלָתָם לֹא תִגָּעוּ טְמֵאִים הֵם לָכֶם׃
mibbesarám lo tochélu uwniwlatám lo tiggá'u teme'ím hem lachém
8 Ihr Fleisch esst nicht, ihr Aas (ihre Kadaver) berührt nicht, unrein sind sie für euch.
Es stellt sich die Frage: Ist es wirklich in allen Situationen verboten, den Kadaver eines Schweins zu berühren? Kann man zum Beispiel eine Schuhbürste aus Schweineborsten machen? Die Antwort: Man kann. Wenn hier von der Berührung von Kadavern die Rede ist, geht es um die Berührung mit den Füßen. Wenn wir in den Tempel gehen, wenn wir zum Tempeldienst gehen (als der Tempel existierte, als das Zelt der Begegnung existierte), dann wurde ein Mensch, der mit den Füßen das Aas dieser Tiere berührt hatte, unrein.
Ab Vers 9 beginnt die Erörterung dessen, welche Fische man essen darf.
אֶת־זֶה תֹּאכְלוּ מִכֹּל אֲשֶׁר בַּמָּיִם כֹּל אֲשֶׁר־לוֹ סְנַפִּיר וְקַשְׂקֶשֶׂת בַּמַּיִם בַּיַּמִּים וּבַנְּחָלִים אֹתָם תֹּאכֵלוּ׃
et-sé tochelú mikkól aschér bammájim kol ascher-ló senappír wekaskésset bammájim bajammím uwannechalím otám tochélu
9 Und dies werdet ihr essen von allem, was im Wasser ist: alles, was Flosse und Schuppen im Wasser hat, in den Meeren und in den Quellen, im salzigen Wasser und im süßen Wasser – sie esst.
Wiederum ist alles, was im Wasser ist, verboten, außer dem, was hier aufgezählt ist. Also gibt es für Fische, für Meerestiere zwei Merkmale der Koscherheit – Schuppen im Wasser und Flossen. Was bedeutet Schuppen im Wasser? Es gibt solche Fische, zum Beispiel die Makrele. Die Makrele hat Pech gehabt. Viele von denen, die zur Teschuwa zurückkehren, hören auf, sie zu essen, weil sie anscheinend keine Schuppen hat. Doch im Wasser hat die Makrele Schuppen: Ihre Schuppen werden abgespült, wenn man sie aus dem Wasser holt. Deshalb ist die Makrele ein koscherer Fisch, gerade wegen des Zusatzes Schuppen im Wasser. Aber aus der Biologie wissen wir, dass ein Fisch, wenn er Schuppen hat, auch eine Flosse hat. Und dann ist wiederum unverständlich, warum die Tora sagt Schuppen und Flosse: Sagt doch einfach Schuppen, denn die Flosse versteht sich von selbst. Offenbar sind das keine Merkmale der koscheren Fische, sondern sie sind koscher gerade deshalb, weil sie Schuppen und Flosse haben. Und gerade das Vorhandensein von Schuppen und Flossen macht sie aus irgendeinem Grund essbar. Die Schuppen sind der Schutz des Fisches, sie erfüllen eine Schutzfunktion. Aber wenn der Fisch nur Schuppen hätte und keine Flossen, wäre er unbeweglich, denn es ist schwer, sich ohne Flossen zu bewegen, selbst mit Schuppen. Deshalb: ein Schutz, der die Bewegung nicht einschränkt, – das sind die Merkmale des koscheren Fisches.
וְכֹל אֲשֶׁר אֵין־לוֹ סְנַפִּיר וְקַשְׂקֶשֶׂת בַּיַּמִּים וּבַנְּחָלִים מִכֹּל שֶׁרֶץ הַמַּיִם וּמִכֹּל נֶפֶשׁ הַחַיָּה אֲשֶׁר בַּמָּיִם שֶׁקֶץ הֵם לָכֶם׃
wechól aschér en-ló senappír wekaskésset bajammím uwannechalím mikkól schérez hammájim umikkól néfesch hachajá aschér bammájim schékez hem lachém
10 Alles, was keine Flosse und keine Schuppen hat, im Meer und in den Quellen, von allem, wovon das Wasser wimmelt, und von jeder lebendigen Seele, die im Wasser ist, – ein Gräuel sind sie für euch.
וְשֶׁקֶץ יִהְיוּ לָכֶם מִבְּשָׂרָם לֹא תֹאכֵלוּ וְאֶת־נִבְלָתָם תְּשַׁקֵּצוּ׃
weschékez jihjú lachém mibbesarám lo tochélu we'et-niwlatám teschakkézu
11 Ein Gräuel sollen sie für euch sein, ihr Fleisch esst nicht, und ihre Kadaver verabscheut.
Die Weisen leiten daraus das Verbot ab, sie auch nur zu berühren, sie auch nur zu verkaufen, irgendetwas mit ihnen zu tun zu haben.
כֹּל אֲשֶׁר אֵין־לוֹ סְנַפִּיר וְקַשְׂקֶשֶׂת בַּמָּיִם שֶׁקֶץ הוּא לָכֶם׃
kol aschér en-ló senappír wekaskésset bammájim schékez hu lachém
12 Alles, was keine Flosse und keine Schuppen im Wasser hat, – ein Gräuel ist es für euch.
Ab Vers 13 geht es um die Vögel. Die Tora beginnt die Aufzählung der Vögel, die als Nahrung verboten sind.
וְאֶת־אֵלֶּה תְּשַׁקְּצוּ מִן־הָעוֹף לֹא יֵאָכְלוּ שֶׁקֶץ הֵם אֶת־הַנֶּשֶׁר וְאֶת־הַפֶּרֶס וְאֵת הָעָזְנִיָּה׃
We'et-élle teschakkezú min-haóf lo je'achelú schékez hem et-hannéscher we'et-happéresIn der russischen Umschrift ist das Wort für den Bartgeier verschrieben. Die deutsche Zeile folgt dem hebräischen Text: happéres. we'ét ha'osnijá
13 Und diese werdet ihr verabscheuen unter den Vögeln, ihr werdet sie nicht essen, denn ein Gräuel sind sie: den Adler und den Bartgeier und den Fischadler.
וְאֶת־הַדָּאָה וְאֶת־הָאַיָּה לְמִינָהּ׃
we'et-hadda'á we'et-ha'ajá leminá
14 Und den Milan und den Falken verschiedener Arten.
אֵת כָּל־עֹרֵב לְמִינוֹ׃
et kol-oréw leminó
15 Alle Arten von Raben.
וְאֵת בַּת הַיַּעֲנָה וְאֶת־הַתַּחְמָס וְאֶת־הַשָּׁחַף וְאֶת־הַנֵּץ לְמִינֵהוּ׃
we'et bat haja'aná we'et-hattachmás we'et-hascháchaf we'et-hannéz leminéhu
16 Und der Strauß und der Ziegenmelker und die Möwe und jegliche Arten des Habichts.
וְאֶת־הַכּוֹס וְאֶת־הַשָּׁלָךְ וְאֶת־הַיַּנְשׁוּף׃
we'et-hakkós we'et-haschalách we'et-hajanschúf
17 Und der Kauz und der Kormoran und der Uhu.
וְאֶת־הַתִּנְשֶׁמֶת וְאֶת־הַקָּאָת וְאֶת־הָרָחָם׃
we'et-hattinschémet we'et-hakka'át we'et-harachám
18 Die Schnee-Eule, die Wüsteneule und der Aasgeier.
וְאֵת הַחֲסִידָה הָאֲנָפָה לְמִינָהּ וְאֶת־הַדּוּכִיפַת וְאֶת־הָעֲטַלֵּף׃
we'ét hachassidá ha'anafá leminá we'et-hadduchifát we'et-ha'ataléf
19 Und der Storch und der Reiher aller Arten und der Wiedehopf und die Fledermaus.
Was die Vögel betrifft, gibt die Tora keine konkreten Merkmale, wie man einen koscheren Vogel bestimmt, sondern spricht in Form einer Liste. Da sich nicht jeder Vogelname, nicht jede Vogelart genau übersetzen lässt, haben viele Zweifel in Bezug auf bestimmte Vögel. Deswegen gibt es zwischen den Gemeinden Unterschiede im Verständnis, und ihr könnt Juden begegnen, die kein Truthahnfleisch essen, oder keinen Schwan essen, oder kein Perlhuhn essen, oder noch etwas anderes, weil die Namen der Vögel, die hier angeführt sind, teilweise verloren gegangen sind (wie auch das, worüber wir im Weiteren sprechen werden), wir können sie hier nur bedingt annehmen.
Ab Vers 20 lesen wir über die Insekten:
כֹּל שֶׁרֶץ הָעוֹף הַהֹלֵךְ עַל־אַרְבַּע שֶׁקֶץ הוּא לָכֶם׃
kol schérez haóf haholéch al-arbá schékez hu lachém
20 Jedes fliegende Insekt, das auf vier Beinchen geht – ein Gräuel ist es für euch.
אַךְ אֶת־זֶה תֹּאכְלוּ מִכֹּל שֶׁרֶץ הָעוֹף הַהֹלֵךְ עַל־אַרְבַּע אֲשֶׁר־לֹא (לוֹ) כְרָעַיִם מִמַּעַל לְרַגְלָיו לְנַתֵּר בָּהֵן עַל־הָאָרֶץ׃
ach et-sé tochelú mikkól schérez haóf haholéch al-arbá ascher-ló chera'ájim mimmá'al leragláw lenattér bahén al-ha'árez
21 Doch nur diese dürft ihr essen von allen fliegenden Insekten, die auf vieren gehen, deren Gelenke über den Füßen sind, um auf ihnen hüpfend über die Erde zu gehen,
אֶת־אֵלֶּה מֵהֶם תֹּאכֵלוּ אֶת־הָאַרְבֶּה לְמִינוֹ וְאֶת־הַסָּלְעָם לְמִינֵהוּ וְאֶת־הַחַרְגֹּל לְמִינֵהוּ וְאֶת־הֶחָגָב לְמִינֵהוּ׃
et-élle mehém tochélu et-ha'arbé leminó we'et-hassol'ám leminéhu we'et-hachargól leminéhu we'et-hechagáw leminéhu
22 Von ihnen dürft ihr essen: die Heuschrecke nach ihren Arten und die Zikade nach ihrer Art und die Grille nach ihrer Art und den Grashüpfer nach seiner Art.
Nachdem die Tora alle Arten verboten hat, hat sie diejenigen Insekten bestimmt, die man dennoch essen darf.
וְכֹל שֶׁרֶץ הָעוֹף אֲשֶׁר־לוֹ אַרְבַּע רַגְלָיִם שֶׁקֶץ הוּא לָכֶם׃
wechól schérez haóf ascher-ló arbá raglájim schékez hu lachém
23 Und alle übrigen fliegenden Insekten, die vier Beine haben, – ein Gräuel für euch.
וּלְאֵלֶּה תִּטַּמָּאוּ כָּל־הַנֹּגֵעַ בְּנִבְלָתָם יִטְמָא עַד־הָעָרֶב׃
ul'élle tittammá'u kol-hannogé'a beniwlatám jitmá ad-ha'árew
24 Durch sie werdet ihr euch verunreinigen: Jeder, der sie berührt, wird unrein sein bis zum Abend.
וְכָל־הַנֹּשֵׂא מִנִּבְלָתָם יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
wechol-hannossé minniwlatám jechabbés begadáw wetamé ad-ha'árew
25 Jeder, der etwas von ihren Kadavern aufhebt, wird seine Kleider waschen und unrein sein bis zum Abend.
לְכָל־הַבְּהֵמָה אֲשֶׁר הִוא מַפְרֶסֶת פַּרְסָה וְשֶׁסַע אֵינֶנָּה שֹׁסַעַת וְגֵרָה אֵינֶנָּה מַעֲלָה טְמֵאִים הֵם לָכֶם כָּל־הַנֹּגֵעַ בָּהֶם יִטְמָא׃
lechol-habbehemá aschér hi mafrésset parsá weschéssa enénna schossá'at wegerá enénna ma'alá teme'ím hem lachém kol-hannogé'a bahém jitmá
26 Und bei jedem Vieh, das Hufe hat und sie nicht spaltet und das Gekaute nicht hochwürgt, – unrein sind sie für euch: Jeder, der sie berührt, wird unrein sein.
וְכֹל הוֹלֵךְ עַל־כַּפָּיו בְּכָל־הַחַיָּה הַהֹלֶכֶת עַל־אַרְבַּע טְמֵאִים הֵם לָכֶם כָּל־הַנֹּגֵעַ בְּנִבְלָתָם יִטְמָא עַד־הָעָרֶב׃
wechól holéch al-kappáw bechol-hachajá haholéchet al-arbá teme'ím hem lachém kol-hannogé'a beniwlatám jitmá ad-ha'árew
27 Und jedes Tier, das auf Pfoten geht, von denen, die auf vieren gehen, – unrein sind sie für euch: Jeder, der ihren Kadaver berührt, wird unrein sein bis zum Abend.
וְהַנֹּשֵׂא אֶת־נִבְלָתָם יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב טְמֵאִים הֵמָּה לָכֶם׃
wehannossé et-niwlatám jechabbés begadáw wetamé ad-ha'árew teme'ím hemma lachém
28 Jeder, der ihren Kadaver aufhebt, wird seine Kleider waschen und unrein sein bis zum Abend – unrein sind sie für euch.
Es geht um Tiere, die auf vier Pfoten gehen, im einfachen Verständnis: Katzen, Hunde und andere. Sie haben Greifbewegungen, sie können mit den Pfoten greifen, das ist der Unterschied der Pfoten zu den Hufen. Außerdem haben sie Krallen als Angriffsmittel, das sind aggressivere Tiere und in der Regel Raubtiere. Und das ist eine der Erklärungen, warum sie als Nahrung ungeeignet sind.
וְזֶה לָכֶם הַטָּמֵא בַּשֶּׁרֶץ הַשֹּׁרֵץ עַל־הָאָרֶץ הַחֹלֶד וְהָעַכְבָּר וְהַצָּב לְמִינֵהוּ׃
wesé lachém hattamé baschérez haschoréz al-ha'árez hachóled weha'achbár wehazzáw leminéhuDie russische Umschrift schreibt im letzten Wort einen Ch-Laut statt eines H. Nach dem hebräischen Text lautet es leminéhu.
29 Und das hier ist es, was für euch unrein ist, von dem, was auf der Erde umherhuscht: die Ratte und die Maus und alle möglichen Arten von Kröten.
Im modernen Hebräisch bedeutet das Wort zaw Schildkröte. Aber hier geht es nicht um die Schildkröte, sondern gerade um die Kröte, um das, was im modernen Hebräisch karpadá heißt.
וְהָאֲנָקָה וְהַכֹּחַ וְהַלְּטָאָה וְהַחֹמֶט וְהַתִּנְשָׁמֶת׃
weha'anaká wehakkóach wehalletá'a wehachómet wehattinschámet
30 Und der Gecko und der Waran und die Eidechse und das Natternauge und das Chamäleon.
Das Wort tinschámet – der Name einer Eidechse, den wir in diesem Fall als Chamäleon übersetzen, und in Vers 18 haben wir ihn als Namen eines Vogels übersetzt, als Schnee-Eule. Es scheint, ein Vogel und eine Eidechse mit dem gleichen Namen, aber das ist nicht ein und dasselbe.
אֵלֶּה הַטְּמֵאִים לָכֶם בְּכָל־הַשָּׁרֶץ כָּל־הַנֹּגֵעַ בָּהֶם בְּמֹתָם יִטְמָא עַד־הָעָרֶב׃
élle hatteme'ím lachém bechol-hascharéz kol-hannogé'a bahém bemotám jitmá ad-ha'árew
31 Dies ist das Unreine für euch unter allen Insekten: Jeder, der sie berührt, wenn sie tot sind, wird unrein sein bis zum Abend.
וְכֹל אֲשֶׁר־יִפֹּל־עָלָיו מֵהֶם בְּמֹתָם יִטְמָא מִכָּל־כְּלִי־עֵץ אוֹ בֶגֶד אוֹ־עוֹר אוֹ שָׂק כָּל־כְּלִי אֲשֶׁר־יֵעָשֶׂה מְלָאכָה בָּהֶם בַּמַּיִם יוּבָא וְטָמֵא עַד־הָעֶרֶב וְטָהֵר׃
wechól ascher-jippól-aláw mehém bemotám jitmá mikkol-keli-éz o wéged o-ór o sak kol-kelí ascher-je'assé melachá bahém bammájim juwá wetamé ad-ha'érew wetahér
32 Und alles, worauf ihr Kadaver fällt, wird unrein sein: jedes hölzerne Gefäß oder Kleidung oder Leder oder Sackleinen und jedes andere Gefäß oder Werkzeug für die Arbeit – es soll im Wasser abgewaschen werden und wird unrein sein bis zum Abend, und am Abend wird es wieder rein sein.
Das ist eine allgemeine Regel der Reinigung, das ist wichtig zu sagen. Selbst wenn sich ein Mensch nach irgendeinem seiner Ausflüsse wäscht, oder eine Frau nach der Geburt, oder eine Frau nach dem Ende der Monatsblutung – jeder, der eine Reinigung durchläuft, wenn er am Tag untertaucht, wird am Abend desselben Tages, erst nach dem Untergang der SterneIm Original steht wörtlich „nach dem Untergang der Sterne“; gemeint ist wohl das Erscheinen der Sterne am Abend. Wir haben die Wendung wörtlich übernommen., rein. Die Reinheit kommt nicht sofort nach der Waschung, deshalb muss ein Mensch oder ein Gegenstand, der gereinigt wird, nach der Waschung noch eine gewisse Zeit gleichsam in Quarantäne sein. Bis zum Sonnenuntergang geschieht gleichsam eine Akklimatisierung, ein Sich-Gewöhnen an die Reinheit. Und solange das nicht geschehen ist, ist der Mensch noch nicht ganz der Reinheit teilhaftig.
וְכָל־כְּלִי־חֶרֶשׂ אֲשֶׁר־יִפֹּל מֵהֶם אֶל־תּוֹכוֹ כֹּל אֲשֶׁר בְּתוֹכוֹ יִטְמָא וְאֹתוֹ תִשְׁבֹּרוּ׃
wechol-keli-chéres ascher-jippól mehém el-tochó kol aschér betochó jitmá we'otó tischbóru
33 Und jedes Tongefäß, in das etwas von ihnen fällt – alles, was darin ist, wird unrein, und es selbst zerbrecht.
Weil Ton porös ist und, wie man annimmt, sofort alles in sich aufsaugt, lassen sich Tongefäße nicht kaschern (nach den Gesetzen der Kaschrut) und nicht reinigen, und, wie man sagt, reinigt sie das, dass man sie zerbricht.
מִכָּל־הָאֹכֶל אֲשֶׁר יֵאָכֵל אֲשֶׁר יָבוֹא עָלָיו מַיִם יִטְמָא וְכָל־מַשְׁקֶה אֲשֶׁר יִשָּׁתֶה בְּכָל־כְּלִי יִטְמָא׃
mikkol-ha'óchel aschér je'achél aschér jawó aláw májim jitmá wechol-maschké aschér jischaté bechol-kelí jitmá
34 Und von jeder Speise, die gegessen wird (als Nahrung verwendet wird), wird alles, worauf Wasser aus einem solchen Gefäß gelangt, unrein, und jedes Getränk (jede Flüssigkeit), das man aus einem solchen Gefäß trinken kann, wird unrein.
Gemeint ist: Wenn wir irgendein Lebensmittel oder irgendeinen Gegenstand haben und darauf Wasser aus einem unreinen Gefäß gelangt ist, dann ist in diesem Fall das Wasser, das im Gefäß war, ein Leiter der Unreinheit, und es wird unseren Gegenstand oder unser Lebensmittel unrein machen.
וְכֹל אֲשֶׁר־יִפֹּל מִנִּבְלָתָם עָלָיו יִטְמָא תַּנּוּר וְכִירַיִם יֻתָּץ טְמֵאִים הֵם וּטְמֵאִים יִהְיוּ לָכֶם׃
wechól ascher-jippól minniwlatám aláw jitmá tannúr wechirájim juttáz teme'ím hem utme'ím jihjú lachém
35 Alles, worauf der Kadaver eines solchen Wesens fällt, wird unrein. Wenn es ein Ofen ist oder wenn es ein Herd ist, sollen sie zerschlagen werden, sie sind unrein und werden für euch unrein bleiben.
Wiederum wurden Ofen und Herd zu jener Zeit aus Ton gemacht (und auch heute macht man im Orient solche Öfen), und deshalb müssen sie zerschlagen werden, weil man sie auf keine Weise reinigen kann.
אַךְ מַעְיָן וּבוֹר מִקְוֵה־מַיִם יִהְיֶה טָהוֹר וְנֹגֵעַ בְּנִבְלָתָם יִטְמָא׃
ach ma'ján uwór mikwe-májim jihjé tahór wenogé'a beniwlatám jitmá
36 Aber eine reine Quelle oder ein Brunnen (oder ein anderes Gewässer) wird rein sein, wer aber darin den Kadaver berührt, ist unrein.
Um welche Situation geht es? Wenn in einen Brunnen oder in eine Quelle der Kadaver eines dieser unreinen Tiere gefallen ist, wird das Wasser nicht unrein. Wer im Wasser dieses Tier berührt hat, wird selbst unrein.
וְכִי יִפֹּל מִנִּבְלָתָם עַל־כָּל־זֶרַע זֵרוּעַ אֲשֶׁר יִזָּרֵעַ טָהוֹר הוּא׃
wechí jippól minniwlatám al-kol-séra serúa aschér jissaré'a tahór hu
37 Wenn irgendeiner ihrer Kadaver auf die Samen irgendeiner Pflanze fällt, die man sät, werden sie rein sein.
Wenn der Kadaver auf trockene Samen fällt, wenn sie in trockenem, rieselndem Zustand sind, werden sie nicht rituell unrein.
וְכִי יֻתַּן־מַיִם עַל־זֶרַע וְנָפַל מִנִּבְלָתָם עָלָיו טָמֵא הוּא לָכֶם׃
wechí juttan-májim al-séra wenafál minniwlatám aláw tamé hu lachém
38 Aber wenn diese Samen mit Wasser begossen wurden und danach irgendeiner der Kadaver dieser Tiere auf sie (auf diese Samen) fällt, werden sie für euch unrein sein.
Hier gibt es ein interessantes Detail, wenn die menschliche Absicht die Reinheit oder Unreinheit von etwas bestimmt. Wenn ich einen Apfel genommen habe, dann ist mein Apfel trocken, und er kann nicht unrein werden: Wenn ein Mäuschen über ihn gelaufen ist, ihn mit dem Schwänzchen gestreift hat, wenn ein totes Mäuschen auf ihn gefallen ist, na ja, waschen muss man ihn natürlich, aber rituell unrein wird er nicht. Wenn ich einen Apfel genommen und ihn gewaschen habe, dann wird er von dem Moment an, in dem ich ihn selbst mit Wasser begossen habe, fähig, Unreinheit anzunehmen, er wird empfänglich für Unreinheit. Und wenn es auf den Apfel geregnet hat und nicht ich ihn begossen habe, sondern der Höchste ihn begossen hat, dann wird er nicht unrein. Diese Präzisierung wird aus den Worten wenn begossen wird abgeleitet, gemeint ist: durch menschliche Kraft.
וְכִי יָמוּת מִן־הַבְּהֵמָה אֲשֶׁר־הִיא לָכֶם לְאָכְלָה הַנֹּגֵעַ בְּנִבְלָתָהּ יִטְמָא עַד־הָעָרֶב׃
wechí jamút min-habbehemá ascher-hí lachém le'ochlá hannogé'a beniwlatá jitmá ad-ha'árew
39 Wenn irgendeines der Tiere stirbt, die euch als Nahrung erlaubt sind, wird der, der seinen Kadaver berührt, unrein sein bis zum Abend.
וְהָאֹכֵל מִנִּבְלָתָהּ יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב וְהַנֹּשֵׂא אֶת־נִבְלָתָהּ יְכַבֵּס בְּגָדָיו וְטָמֵא עַד־הָעָרֶב׃
weha'ochél minniwlatá jechabbés begadáw wetamé ad-ha'árew wehannossé et-niwlatá jechabbés begadáw wetamé ad-ha'árew
40 Und wer von seinem Kadaver (vom Aas) isst, wird seine Kleider waschen und unrein sein bis zum Abend. Und wer seinen Kadaver aufhebt, wird seine Kleider waschen und unrein sein bis zum Abend.
וְכָל־הַשֶּׁרֶץ הַשֹּׁרֵץ עַל־הָאָרֶץ שֶׁקֶץ הוּא לֹא יֵאָכֵל׃
wechol-haschérez haschoréz al-ha'árez schékez hu lo je'achél
41 Und alles Kriechgetier, das auf der Erde umherhuscht, – das ist ein Gräuel, und es soll nicht gegessen werden.
כֹּל הוֹלֵךְ עַל־גָּחן וְכֹל הוֹלֵךְ עַל־אַרְבַּע עַד כָּל־מַרְבֵּה רַגְלַיִם לְכָל־הַשֶּׁרֶץ הַשֹּׁרֵץ עַל־הָאָרֶץ לֹא תֹאכְלוּם כִּי־שֶׁקֶץ הֵם׃
kol holéch al-gachón wechól holéch al-arbá ad kol-marbé raglájim lechol-haschérez haschoréz al-ha'aréz lo tochelúm ki-schékez hem
42 Jeder, der auf dem Bauch kriecht, und jeder, der sich auf vier Beinen fortbewegt (auf vier Beinen und mehr), und allerlei Gewürm, das auf der Erde kriecht, esst sie nicht, denn sie sind ein Gräuel.
Und zum Abschluss dieses Kapitels erklärt der Höchste durch Mosche und Aharon dem Volk Israel, dass man die Seelen nicht verunreinigen darf.
אַל־תְּשַׁקְּצוּ אֶת־נַפְשֹׁתֵיכֶם בְּכָל־הַשֶּׁרֶץ הַשֹּׁרֵץ וְלֹא תִטַּמְּאוּ בָּהֶם וְנִטְמֵתֶם בָּם׃
al-teschakkezú et-nafschotechém bechol-haschérez haschórez weló tittamme'ú bahém wenitmetémDie russische Umschrift hat im vorletzten Wort ein N statt eines T. Nach dem hebräischen Text lautet es wenitmetém. bam
43 Macht eure Seelen nicht zum Gräuel durch alles Kriechgetier, das auf der Erde umherhuscht, werdet nicht unrein, verunreinigt euch nicht, damit ihr nicht unrein werdet.
כִּי אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם וְהִתְקַדִּשְׁתֶּם וִהְיִיתֶם קְדֹשִׁים כִּי קָדוֹשׁ אָנִי וְלֹא תְטַמְּאוּ אֶת־נַפְשֹׁתֵיכֶם בְּכָל־הַשֶּׁרֶץ הָרֹמֵשׂ עַל־הָאָרֶץ׃
ki aní adonáj elohechém wehitkaddischtém wihjitém kedoschím ki kadósch áni weló tetamme'ú et-nafschotechém bechol-haschérez haromés al-ha'árez
44 Denn Ich bin der HERR, euer Gott. Und heiligt euch, und seid heilig, denn Ich bin Heilig, und macht eure Seelen nicht unrein durch irgendein Gewürm von dem, was auf der Erde kriecht.
Was bedeutet das: seid heilig, denn Ich bin Heilig? Seid ewig, denn Ich bin Ewig? Seid allmächtig, denn Ich bin Allmächtig? Seid allsehend, denn Ich bin der Allsehende? Warum spricht der HERR gerade von der Heiligkeit? Weil unsere Heiligkeit der Zustand ist, in dem wir mit Ihm in Gemeinschaft sein können. Nicht ewig, nicht allmächtig, nicht allsehend, aus Blut und Fleisch, können wir uns auf die Stufe der Heiligkeit erheben und in dieser Welt zu einem Landeplatz für Seine Herrlichkeit werden. Dafür gibt der HERR klare Anweisungen, das ganze Buch Wajikra handelt davon, auch in Bezug auf die Ernährung. Das Leben erhalten kann man mit jeder Nahrung, mit reiner wie mit unreiner. Das Leben in Heiligkeit mit unreiner Nahrung zu erhalten ist, wie das Buch Wajikra lehrt, unmöglich. Und deshalb sagt der Höchste: „Seid heilig, setzt euch das zum Ziel, denn Ich bin Heilig, und wenn ihr nicht heilig seid, wird uns die Gemeinschaft nicht gelingen, wir werden nicht in einem Team sein können.“
כִּי אֲנִי יְהוָה הַמַּעֲלֶה אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לִהְיֹת לָכֶם לֵאלֹהִים וִהְיִיתֶם קְדֹשִׁים כִּי קָדוֹשׁ אָנִי׃
ki aní adonáj hamma'alé etchém me'érez mizrájim lihjot lachém lelohím wihjitém kedoschím ki kadósch áni
45 Denn Ich, der HERR, habe euch aus dem Land Ägypten herausgeführt, um euch Gott zu sein, und seid heilig, denn Ich bin Heilig.
Damit der HERR, der uns aus dem Land Ägypten herausgeführt, der uns gerettet hat, in unserem Leben gegenwärtig ist, müssen wir heilig sein, weil Er Heilig ist, weil Heiligkeit nicht außerhalb des Heiligen weilen kann und weil der HERR uns herausführt. Und die Aufgabe, die Er uns stellt, ist die Annäherung an die Heiligkeit, Er gibt uns alles, um uns zu heiligen. Und das ist wahrscheinlich noch eine Gelegenheit, darüber zu sprechen, was Heiligkeit ist.
Oft sagen wir, Heiligkeit ist Abgesondertheit. Tatsächlich ist ein Heiliger ein Abgesonderter, abgesondert von dieser Welt, gereinigt von dieser Welt, von allem, was mit dieser Welt verbunden ist. Wie zwei Oberflächen, die man, bevor man sie miteinander verklebt, von allem Schmutz, von allem Überflüssigen säubert, genauso müssen auch wir uns säubern, jede Unreinheit entfernen, um uns an den Höchsten zu kleben. Oft hört man die Frage: „Was fehlt mir für die Gemeinschaft mit dem Höchsten?“, die Leute fragen sehr oft danach. Das ist eine sehr gute, eine sehr richtige Frage, aber es gibt eine noch richtigere Frage: „Was hindert mich heute daran, mit dem Höchsten Gemeinschaft zu haben, welche Unreinheit in mir hindert mich daran, mich an Ihn zu kleben? Was ist in mir überflüssig?“ Und wenn wir von Heiligkeit sprechen, erzählt uns der Höchste, was man tun muss, damit diese Unreinheit nicht auf uns kommt, auch durch unreine Nahrung.
Zum Abschluss wiederholen Aharon und Mosche das Thema der Lektion, fassen zusammen, worum es in der Lektion ging.
זֹאת תּוֹרַת הַבְּהֵמָה וְהָעוֹף וְכֹל נֶפֶשׁ הַחַיָּה הָרֹמֶשֶׂת בַּמָּיִם וּלְכָל־נֶפֶשׁ הַשֹּׁרֶצֶת עַל־הָאָרֶץ׃
sot torát habbehemá weha'óf wechól néfesch hachajá haromésset bammájim ulchol-néfesch haschorézet al-ha'árez
46 Das ist die Lehre über das Vieh und über die Vögel und über alle lebendigen Wesen, die im Wasser umherhuschen, und über alle Wesen, die auf der Erde umherhuschen,
לְהַבְדִּיל בֵּין הַטָּמֵא וּבֵין הַטָּהֹר וּבֵין הַחַיָּה הַנֶּאֱכֶלֶת וּבֵין הַחַיָּה אֲשֶׁר לֹא תֵאָכֵל׃
lehawdíl ben hattamé uwén hattahór uwén hachajá hanne'echélet uwén hachajá aschér lo te'achél
47 Damit ihr das Reine vom Unreinen zu unterscheiden wisst unter den Tieren, die zur Nahrung bestimmt sind, und unter den Tieren, die nicht zur Nahrung bestimmt sind.“
Tora in 5 Minuten
Im vorigen Wochenabschnitt haben wir davon gelesen, wie die sieben Tage der Vorbereitung Aharons und seiner Söhne, das heißt der ersten Kohanim der Geschichte, auf den Dienst im Zelt der Begegnung vergingen. Und nun bricht der feierliche, achte Tag an, der Tag, an dem alles eröffnet werden, alles in Gang kommen soll, und unser Wochenabschnitt heißt auch so – Schemini, was achter bedeutet. Lasst uns von ganz vorn lesen, das ist das 6. Kapitel unseres Buches, die Verse 1 bis 7.
1–6. Und es geschah am achten Tag, da rief Mosche Aharon und seine Söhne und die Ältesten Israels und sprach zu Aharon: „Nimm dir ein junges Stierkalb zum Sündopfer und einen Widder zum Ganzopfer, ohne Makel, und stelle sie vor den HERRN.“ Und zu den Söhnen Israels rede so: „Nehmt einen Ziegenbock zum Sündopfer und ein Stierkalb und ein Lamm, einjährige, ohne Makel zum Ganzopfer. Und einen Stier und einen Widder zum Friedensopfer, um sie vor dem HERRN zu schlachten, und ein Speiseopfer, mit Öl vermengt, denn heute erscheint euch der HERR.“ Und sie brachten, was Mosche befohlen hatte, vor das Zelt der Begegnung, und die ganze Gemeinde trat heran, und sie standen vor dem HERRN. Und Mosche sprach: „Was der HERR geboten hat, das tut, und es wird euch die Herrlichkeit des HERRN erscheinen.“
Der feierlichste Moment in der Geschichte der Errichtung des Zeltes der Begegnung. Gleich werden alle ausführlichen Anweisungen ausgeführt sein, die Mosche gegeben hat, und dem Volk wird die Herrlichkeit des HERRN erscheinen. Aber in diesem Moment kommt es offenbar zu irgendeiner Stockung. Aharon wagt nicht, den Dienst zu beginnen, deshalb lesen wir in Vers 7:
7. Und Mosche sprach zu Aharon: „Tritt heran an den Altar…“
Mosche ermutigt Aharon gleichsam, drängt ihn, den Dienst zu beginnen. Die Kommentatoren sagen: Vielleicht erschrak Aharon und zögerte, weil er sich an seine Sünde mit dem goldenen Kalb erinnerte. Manche sagen, dass Aharon auf den Altar blickte, der ebenfalls Hörner hat, und der Altar erinnerte ihn an das Kalb. Die Midraschim sagen sogar, dass der Satán Aharon das Kalb zeigte und ihn an diese Sünde erinnerte, und Aharon dachte für einen Moment, dass er unwürdig sei, dass er wegen seiner Sünde unwürdig sei, diesen Dienst zu beginnen. Und deshalb wendet sich Mosche an Aharon. Mosche sagt ihm nicht: „Der HERR hat deine Sünde vergeben“, oder: „Du bist in Wirklichkeit an nichts schuld“, oder: „Niemand verurteilt dich“, oder: „Du bist würdig“. Mosche sagt ihm einfach: „Geh und beginne deinen Dienst.“
Das kommt sehr oft vor, sehr oft geschieht es auch mit jedem von uns, wenn wir denken, dass wir irgendeines Dienstes unwürdig sind: vielleicht wegen der Fehler unserer Vergangenheit, vielleicht einfach wegen eines geringen Selbstwertgefühls, vielleicht aus Angst vor der Menge (manche fürchten sich, öffentlich aufzutreten), aus Angst, einen Fehler zu machen, aus irgendeiner anderen Angst. Etwas in uns hindert uns daran zu handeln, und hier können wir uns erinnern, diese einfachen Worte Mosches werden uns sehr nützlich sein: „Tritt heran an den Altar, fang einfach an, es zu tun, fang einfach an zu dienen, und es wird dir alles gelingen, du bist würdig.“
Der Midrasch bringt ein Gleichnis von einem Mädchen, das die Frau des Königs wurde, und natürlich fürchtet sie sich in der ersten Nacht, zum König hineinzugehen. Und die Schwester ermutigt sie und sagt: „Es ist doch der König, der dich für diese Mission erwählt hat, du bist dafür hier, darum geh, wage es, geh hinein zum König.“
Und dasselbe können wir uns selbst sagen. Wenn das, was wir befürchten, das, was wir zu tun fürchten, das, wozu wir uns nicht entschließen können, von uns als Aufgabe empfunden wird, als Botschaft vom Höchsten – muss man einfach anfangen und es tun und nicht zweifeln, ob du würdig bist oder nicht würdig. Ich merke an, dass nicht jeder sich entschließen wird, sein Kind in einen Fluss zu werfen, aber in vielen Fällen lernen Kinder so schwimmen. Und wenn wir uns wie in einen Fluss in eine neue Sache stürzen, einen neuen Dienst beginnen, werden wir plötzlich entdecken, dass wir die Kraft dafür haben, dass wir dessen würdig sind (wenn wir, ich wiederhole es, empfinden, dass das ein Auftrag vom Höchsten ist). Das ist ein Heilmittel gegen Zweifel, gegen Schwäche, gegen mangelndes Selbstvertrauen, das uns unser Wochenabschnitt gibt. Das ist ein Heilmittel, das wir das ganze Leben lang einnehmen können.
Mehr als das Leben
Der Wochenabschnitt Schemini ist wohl einer der emotional schweren Abschnitte im Buch Wajikra. Mitten im Fest kommen vor den Augen ganz Israels die Söhne Aharons um. In diesem Moment sagt Mosche zu Aharon, das ist das 10. Kapitel:
3. Das ist es, wovon der HERR sprach, als Er sagte: „In denen, die sich Mir nahen, werde Ich geheiligt, und vor dem ganzen Volk werde Ich verherrlicht.“
Einige Dinge sind an diesen Worten Mosches unverständlich. Erstens: Muss man denn so einen Menschen trösten, der zwei Kinder verloren hat? Und zweitens: Wo sagt der HERR das eigentlich? Die Kommentatoren merken an, dass es in Wirklichkeit viele Fälle gibt, in denen bei Weitem nicht alle Worte, die der Höchste zu Mosche sprach, in der Tora aufgeschrieben sind. Und oft geschieht so etwas (sogar in unserem Buch Wajikra), dass Mosche über etwas spricht, etwas nacherzählt und hinzufügt: „So hat der HERR gesprochen.“ Aber wir sehen nicht, dass der Höchste das vorher gesagt hätte.
Raschi, einer der klassischen Kommentatoren der Tora, antwortet auf die zweite Frage, dass der HERR das im Buch Schemot (29,43) gesagt hat, als Er die Kohanim zum Dienst im Zelt der Begegnung heiligte: „Ich werde Mich dort den Söhnen Israels in Meiner Herrlichkeit zeigen.“ In Meiner Herrlichkeit kann man auch verstehen als unter Meinen Herrlichen, oder durch Meine Herrlichen, oder vermittels, durch die Herrlichkeit. Raschi versucht zu erklären, was Mosche sagt, als ob Mosche zu Aharon sagte: „Ich wusste immer, dass der Tempel geheiligt werden wird, dass der Tempel heilig werden wird durch die, die dem Höchsten nahe sind. Ich dachte, das werde entweder ich sein oder du, aber es stellt sich heraus, dass deine Söhne auf einer viel höheren Stufe sind als wir, sie sind dem Höchsten näher, und deshalb ist der Tempel des Höchsten durch sie geheiligt.“ Und in diesen Worten, in dieser Auslegung Raschis liegt, denke ich, ein tiefer Sinn für Menschen, die an Jeschua glauben. Der Höchste hat das irdische Heiligtum durch die Söhne des Kohen geheiligt, und hier gibt es eine Parallele zum Tod des Maschiach, durch den Er Selbst, Selbst der Vater des Priestertums, der oberste Kohen, der Hohepriester, in den himmlischen Tempel eingeht. Genauso wie der irdische Tempel durch den Tod von Menschen geheiligt wurde, die dem Höchsten nahe waren, genauso wurde auch der himmlische Tempel durch einen geheiligt, der dem Höchsten nahe ist.
In Wirklichkeit beantwortet Raschis Kommentar diese beiden Fragen. Wo hat der Höchste davon gesprochen? Er hat davon, wie wir schon gesagt haben, im 29. Kapitel des Buches Schemot gesprochen, in Vers 43. Und worin liegt hier der Trost? Der Trost liegt darin, dass die Söhne Aharons heilig sind, dass sie geistlich eine Stufe höher standen als ihr Vater und ihr berühmter Onkel. Für einen geistlichen Menschen ist das ein großer Trost. Mosche tröstet Aharon mit solchen Worten, weil Aharon hätte denken können, dass seine Söhne gesündigt hatten. Er trauert nicht so sehr um den Tod seiner Söhne, als dass er als geistlicher Mensch befürchtet, ihr Tod sei die Folge von Unreinheit. Und Mosche sagt ihm tröstend: „Deine Söhne sind die heiligsten Menschen in unserer Generation“, wovon auch Raschi in seinem Kommentar spricht.
Und das ist ein Trost für einen geistlichen Menschen, und das ist eine wichtige Lehre für uns: Heiligkeit hat einen höheren Preis als das Leben, und für einen geistlichen Menschen ist das Zeugnis von der Heiligkeit der Nahestehenden, die er verliert, ein Trost. Und weil Aharon ein geistlicher Mensch ist, ist für ihn der geistliche Tod schrecklicher als der physische, und deshalb ist es für ihn ein Trost, dass seine Söhne geistlich nicht gestorben sind. Wenn wir zwischen der Bewahrung des Lebens und der Bewahrung der Heiligkeit wählen müssen, können wir dieses Beispiel vor uns halten.
Ungefähr so ist das Wort schalém (ganz) auf einen Menschen anwendbar, von dem kein einziger Teil von der Sünde versklavt ist. Paulus sagt im Kolosserbrief (3,5): „Tötet eure fleischlichen Glieder.“ Durch dieses Töten der fleischlichen Glieder wird alles getötet, was Paulus weiter aufzählt, alle „Reize“: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde, Habsucht, Zorn, Wut, Bosheit, üble Nachrede, unflätige Rede, Lüge. Und eben diese fleischlichen, irdischen Glieder leben in uns, leben im sich erneuernden Menschen als Überreste unserer Vergangenheit. Wenn wir sie töten, werden in uns neue Glieder wiederhergestellt, geboren, der neue Mensch ersteht in uns auf, und dann werden wir zu eben jenem himmlischen Menschen, der mehr und mehr in das Bild Gottes eingeht, sich mit Göttlichem füllt und sich Gott nähert.
Gefahrenzone!
In unserem Wochenabschnitt Schemini lesen wir von einem sehr schrecklichen Ereignis. Am achten Tag eröffnet Mosche feierlich das Zelt der Begegnung. Alles läuft wunderbar: Das Volk hat ein Fest, die Opfer steigen auf den Altar, und der Höchste nimmt diese Opfer an, das ganze Volk feiert. Man kann sagen, dass seit dem Auszug aus Ägypten, ach, was rede ich, seit der Erschaffung der Welt, stellt euch vor, zum ersten Mal in der Geschichte ein ganzes Volk zur Wohnstätte für den Höchsten wurde, einen Bund schloss mit dem Höchsten und die Opfer des ganzen Volkes angenommen wurden. Man kann sagen, dass seit Adam der Mensch und Gott einander nicht so nahe waren. Und was geschieht im Moment dieses Festes? Zwei Söhne des Hohepriesters gehen in das Heiligtum hinein, und es geschieht etwas nicht sehr Verständliches: Sie bringen fremdes Feuer dar, aber sie sterben nicht durch das fremde Feuer, sondern durch Feuer vom Himmel, vor den Augen des ganzen Volkes – zwei Söhne Aharons, des Hohepriesters, des Mannes, der das Fest leitete. Das ist schrecklich. Und Mosche sagt Aharon Worte des Trostes, gleichsam den Höchsten zitierend. Wo hat der Höchste diese Worte gesagt? Das ist kein Zitat, man braucht nicht zu suchen. Er spricht eine Prophetie aus, die der HERR durch Mosche genau in diesem Moment zu Aharon spricht: „Ich werde geheiligt durch die, die sich Mir nahen.“ Aharon schweigt. Haben ihn die Worte Mosches getröstet, können wir sagen, dass das ein Trost ist? Die jüdischen Lehrer sagten dazu: „Einen gewöhnlichen irdischen König fürchten seine Vertrauten oder Freunde nicht. Er gießt seinen Zorn über die Menschen aus, die ihm fernstehen.“ Der Höchste verhält Sich anders. Er wird geheiligt durch die, die sich Ihm nähern, durch die heiligsten Menschen, am heiligsten Ort, mitten im heiligsten Fest. Hier ist es schrecklich, Ihm nahe zu sein, Heiligkeit ist ein sehr schrecklicher Zustand.
Lasst uns ein wenig tiefer eindringen, um es besser zu verstehen. Erinnern wir uns an das 1. Kapitel des Buches Bereschit. Man kann darauf achten, dass fast über jeden Tag der Schöpfung gesagt ist: „Und es war Abend, und es war Morgen.“ Erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag … Außer einem Tag. Über einen Tag ist so etwas nicht gesagt – über den Schabbat. Und was hat der Höchste an diesem Tag getan? Es heißt: „Der Höchste vollendete das Werk am siebten Tag.“ Am siebten Tag geschieht das Erreichen der Ganzheit. Warum ist dann nicht gesagt: „Es war Abend, und es war Morgen?“ Weil die Welt noch nicht vollkommen ist. Am siebten Tag hatte der Höchste einen Plan in Bezug auf den Menschen: Er sollte am siebten Tag vollkommen werden. Aber dieser Prozess ist noch nicht zu Ende. Deshalb sagen die Weisen: „Der siebte Tag dauert noch an, dauert an und dauert an.“ Zuerst erschuf Gott den Menschen nach Bild und Gleichnis, Gott wollte im Menschen wohnen. Aber es kam, wie es kam, und dann sagt Gott zum Menschen: „Du bist Staub, du wirst zum Staub zurückkehren.“ Und der siebte Tag ging weiter.
Unser Wochenabschnitt beginnt mit dem 9. Kapitel des Buches, und in Vers 1 heißt es: „Und es geschah am achten Tag …“ Der achte Tag ist der Tag des Zeltes der Begegnung. Gott ließ Sich am achten Tag unter den Menschen nieder. Das heißt, der siebte Tag geht zu Ende, und der achte Tag bricht an, wenn Gott Sich im Menschen niederlässt, in diesem Fall durch das Zelt der Begegnung.
Man sagt, wenn der Kohen ins Allerheiligste hineinging, wollte er sehr ungern von dort zurückkehren. In diesem Moment befindet er sich in der göttlichen Gegenwart, und es ist ihm dort so gut, dass er nirgendwohin gehen will. Er ist neben Gott, und irgendwohin zurück in die Welt zu gehen, in der er war, will er ganz und gar nicht. Was macht man mit ihm, wie zwingt man ihn zurückzukehren? Man sagt, dass man ihn beschwört, ihm einen Eid abnimmt, auf Hebräisch maschbi'ím, ein Wort mit derselben Wurzel wie das Wort schéwa (sieben). Man kann sagen, dass man ihn „besiebent“Der Autor bildet im Russischen aus dem Wort für „sieben“ ein scherzhaftes Verb. Das deutsche „besiebent“ ahmt diese Wortschöpfung nach., ihn gleichsam mit Gewalt in den siebten Tag zurückholt.
Erinnert ihr euch an die Situation, als Jeschua einige Seiner Jünger, und unter ihnen Petrus, auf den Berg Tawor mitnahm? Das ist eine sehr ähnliche Geschichte. Petrus ist ein einfacher Mensch, ein Fischer, und als er alles sah, was dort geschah, sagte er in Einfalt: „Lehrer, hier ist es sehr gut für uns. Lass uns hier drei einfache Hütten aufstellen. Was brauchen wir noch?!“ Man will nicht zurückkehren, wenn man in Gottes Gegenwart verweilt.
Dort, im achten Tag, ist es sehr gut, aber dort ist es auch sehr gefährlich. Eine unvorsichtige Bewegung – und das Feuer kommt herab und verzehrt, denn der Höchste hat gesagt: „In denen, die sich Mir nahen, werde Ich geheiligt.“ Und das Volk Israel hatte eine Wahl. Und auch Petrus hatte damals noch eine Wahl. Man kann in unserer Welt leben, wo es nicht so gut ist wie dort, im achten Tag, aber sicher (oder, sagen wir, weniger gefährlich als dort), oder doch in den achten Tag eintreten.
Ihr erinnert euch bestimmt an die Geschichte von Zacharias, dem Vater von Jochanan dem Eintauchenden. Das Evangelium nach Lukas erzählt, dass ihm, als er im Allerheiligsten räucherte, ein Engel erschien, und Zacharias sich dort aufhielt. Lukas beschreibt mit einer kleinen Zeile die Beunruhigung dieser Situation: „Und das Volk betete in Furcht.“ Die Tradition sagt, dass man an das Bein des Kohen ein Seil band: Wenn er dort, im Allerheiligsten, umfällt, dann kann man ihn an diesem Seil herausziehen. Es wird erzählt, dass Kohanim dort viele Male gestorben sind. Über einen sehr gerechten Kohen heißt es, dass er viermal ins Allerheiligste hineingehen konnte, so etwas wie ein Rekord. Aber bei den Söhnen Aharons gelang es nicht. Und man kann auf verschiedene Weise erklären, was sie denn falsch gemacht haben.
Es gibt Kommentatoren, die sagen, dass sie das Feuer vom falschen Ort genommen haben. Es gibt solche, die sagen, dass sie ein falsches Räucherwerk zusammengestellt haben oder dass sie beschlossen, ihre Liebe zu Gottes Liebe hinzuzufügen. Und hier ist der Grund nicht so wichtig, wichtig ist, dass ein unvorsichtiger Schritt, irgendeine Unvorsichtigkeit – und sie kamen um.
Was hat das heute mit uns zu tun? Sowohl in den Evangelien als auch in den Briefen des Paulus lesen wir oft den Satz: „Ihr seid der Tempel, das Reich Gottes ist in euch, Gott wohnt unter euch.“ Das heißt, ein unvorsichtiger Schritt von uns – und wir werden vom Feuer verbrannt, verzehrt von irgendwelchen verrückten Ideen. Viele Menschen verlieren den Verstand, verlieren die Nüchternheit, werden einfach krank, sterben einfach. Wir haben uns dem Höchsten genähert, und das Volk ist in den achten Tag eingetreten (oder ist gerufen, in den achten Tag einzutreten). Im ersten Brief des Petrus heißt es: „Einst wart ihr kein Volk, doch der Höchste hat euch ins Allerheiligste genommen.“ Und man möchte so gern verstehen: Was ist denn in unserem Leben das fremde Feuer, das der Höchste nicht geboten hat? Was ist fremdes Feuer für die, die an Jeschua glauben? Manche veranstalten sich ein Bad im Heiligen Geist, manche erwarten einen großen Segen in Gold vom Himmel. Andere wiederum sagen, dass wir nur Leiden, Widrigkeiten und Unglück brauchen. Wie soll man sich da zurechtfinden? Lasst es uns versuchen.
Man kann irgendeinen Dienst verrichten, den Gott nicht geboten hat, etwas tun, was es in der Bibel nicht gibt – zum Beispiel in den Kirchen die Geburt Jeschuas feiern. Die, die Weihnachten feiern, versuchen anscheinend auch, Gott zu dienen, aber Gott hat nicht geboten, Weihnachten zu feiern. Und so kommt es, dass es Liebe zu Gott gibt, aber das Feuer ist fremd. Die Söhne Aharons dienten auch Gott, aber sie brachten ein Feuer dar, das darzubringen Gott nicht geboten hatte.
Es gibt auch die Meinung von Kommentatoren, dass Nadaw und Awihu betrunken gewesen sein könnten, als sie ins Allerheiligste hineingingen. In Vers 9 von Kapitel 10, gleich nach dem Geschehenen, gibt der Höchste den Kohanim das Verbot, alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. In welchem geistlichen Zustand kommen wir in die Gemeinschaft mit Gott? Ein Mensch kann dienen, wenn sein Bewusstsein getrübt ist, und nicht unbedingt durch Alkohol. Er kann daran denken, dass er seine Schulden begleichen muss, oder er hat sich mit einem nahestehenden Menschen gestritten, und das lenkt ihn ab. Auch so ist ja, auf seine Weise, ein Mensch berauscht. Einmal kam ich früh am Morgen zum Unterricht in die Jeschiwa. Ich saß da, bereitete mich auf den Unterricht vor, als der Lehrer hereinkam. Er sagte zu mir: „Na los, geh schnell weg von hier. Du hast heute Morgen deine Frau gekränkt, dein Herz ist unruhig, und für dich ist hier kein Platz.“ Ich war nicht betrunken, aber als ich mich prüfte, in mein Herz schaute, sah ich etwas, weswegen ich mein Bewusstsein nicht ganz dem Lernen hingeben konnte. Und dabei kam ich noch als Schüler, nicht als Lehrer. Für einen Lehrer ist es noch gefährlicher, und für einen Kohen gefährlicher. Was die Söhne Aharons betrifft, so denke ich, dass sie nüchtern waren, aber zum Fest wollten sie etwas Herausragendes tun, etwas, das zu tun der Höchste nicht befohlen hatte. Aber für uns kann Alkohol fremdes Feuer hervorbringen.
Ich bringe noch ein Beispiel für fremdes Feuer, das ich sehe. Wir bitten den Höchsten oft um Segen für Seinen Dienst, zu dem Er uns niemals gesandt hat. Wir sagen: „Nicht wahr, HERR, Du willst doch, dass ich nach Toronto fahre und dort diene?“ Und gleich danken wir: „Danke Dir, HERR, dass Du mich gesegnet hast! Halleluja! Ehre sei Dir, Gott!“, obwohl der Höchste in diesem von uns gemalten Bild überhaupt nicht vorkam. Oft sagt ein Mensch: „Gott hat mir gesagt“ oder: „Gott hat mich gesandt.“ Und wenn man es prüft, herauszufinden versucht, wie es denn eigentlich war, dann sieht man – nein, da gibt ein Mensch seinen Wunsch als Gottes Willen aus.
Wir lesen die Tora, das Wort des großen Gottes, des allmächtigen Gottes, Der die ganze Welt erfüllt (keine unserer Beschreibungen von Ihm wird eine Übertreibung sein). Und Er schreibt uns: „Mach hier fünf Säulen, und hier mach sechs Verzierungen“, jede Kleinigkeit beschreibt Er bis ins Letzte. Der Höchste hat nicht gesagt: „Baut Mir irgendeinen schönen Tempel, den prächtigsten, den ihr nur bauen könnt.“ Nein, Er gibt einen Plan, in dem jedes Kästchen an seinem Platz ist. Wenn die Juden statt vier Säulen fünf oder acht aufgestellt hätten – sind uns etwa Säulen für Gott zu schade?! –, wäre das ein Verstoß gegen die Tora gewesen. Der Höchste gibt immer genaue Anweisungen. Er sagt nicht: „Stellt so viele Säulen auf, wie es euch nicht zu schade ist.“ Er nennt die genaue Zahl: wie viele am Eingang zum Mischkan, wie viele am Eingang zum Hof. Es geht ja auch um unseren inneren Tempel. Und wir bauen sehr oft genau so: „Uns ist es nicht zu schade, wir stellen hier welche auf und noch dort. Wir werden den Schabbat, den Sabbattag, nicht halten, wir werden den Sonntag halten, und überhaupt, wir halten ja sowieso alle Tage der Woche.“ Ich kenne einen Prediger gut, der sagte: „Man muss nicht unbedingt gerade auf Schweinefleisch verzichten, gebt Gott etwas anderes: Hier, esst keinen Fisch, oder auf Schildkrötenfleisch kann man verzichten.“ Wenn ich nicht selbst bei seiner Predigt in Jerusalem gewesen wäre, hätte ich es nicht geglaubt. Und sehr oft erfinden wir uns in kleineren Dingen selbst den Willen Gottes. Wir tun das, und der Höchste schweigt, und wir denken, dass Er genauso ist wie wir, dass es Ihm egal ist, wie viele Säulen wir aufstellen, aus welchem Stoff wir dem Kohen die Kleidung machen, wie wir Ihm dienen werden, ob wir nach Helsinki fahren oder nach Moskau. Und wenn es Ihm egal ist, dann entscheiden wir selbst. Ich denke, dass das hier der Schlüsselsatz ist, dass genau das das fremde Feuer ist. Als die Söhne Aharons ein Feuer darbrachten, das darzubringen der Höchste nicht geboten hatte, wessen Wille geschah da? Ganz sicher nicht der des HERRN, es war ihr Wunsch. Und scheinbar ist der Mensch in ein anderes Land gefahren, gerade um dem Höchsten zu dienen, aber auch die Söhne Aharons waren, denke ich, überzeugt, dass sie dem Höchsten dienen. Aber das ist menschlicher Wille.
Und wir müssen verstehen, es ist sehr wichtig zu verstehen, wenn wir die Tora lesen, dass das nicht einfach eine Erzählung über irgendwelche zwei Juden ist, die vor dreitausend Jahren lebten. Das ist eine Erzählung über uns. Gott – Er ist Derselbe Gott, und der Tempel ist derselbe Tempel. Das Einzige, was sich verändert hat: Seit wir zum Glauben gekommen sind, machen wir unseren Leib zum Tempel. Und solange wir Gläubige sind, bleibt das so. Die Söhne Aharons beendeten den Dienst und gingen nach Hause, sie hatten vielleicht einen 8-Stunden-Arbeitstag. Und danach, wenn man es in heutiger Sprache sagt, konnten sie mit den Kindern Fußball spielen, fernsehen, weil irgendwelche anderen Kohanim schon im Tempel dienten. Wir wissen, dass es sehr viele von ihnen gab, dass es Ordnungen (Dienstreihen) der Kohanim gab. Erinnern wir uns an ebenjenen Zacharias, den wir erwähnt haben. Im Evangelium nach Lukas (1,5) heißt es, dass er aus der Ordnung Abijas war. Auf diese Weise diente ein Kohen 4–5 Tage im Jahr. In der übrigen Zeit hatten die Kohanim Städte, Felder, und sie beschäftigten sich mit etwas Eigenem.
Bei uns geht das so nicht, wir können nicht sagen: „Wir haben heute genug gedient, zwei Versammlungen abgehalten und drei alte Frauen über die Straße geführt. Fertig, jetzt reicht es“, nach Hause fahren und fernsehen. Wir sind in den Leib des Maschiach eingetreten, wir wissen, dass die Versammlung der Gläubigen der Leib des Maschiach ist. Und der Maschiach steht im Allerheiligsten, geht nirgendwohin von dort hinaus, und auch wir können nicht hinausgehen, wir sind ständig im Tempel. Und das bedeutet etwas sehr Furchtbares: Bei uns darf nicht eine Sekunde lang aufkommen unser Wunsch. Sobald er aufgekommen ist, sobald etwas aufgekommen ist, was nicht von Gott ist – bedeutet das sofort fremdes Feuer. Gott ist uns gnädig, und wir verbrennen nicht, aber wir müssen wissen, wie gefährlich das ist.
Uns ist gesagt: „Ihr schreibt euch ein, tretet ein, werdet Mitglied im Klub der an Jeschua Glaubenden. Jener Mensch in euch, der etwas wollen kann, muss sterben.“ Uns ist gesagt: „Wenn dieser Mensch nicht stirbt, wird er auch nicht auferstehen. Wenn euer alter Mensch um Jeschuas willen stirbt, um des Maschiach willen, dann wird derselbe Geist, der den Maschiach auferweckt hat, Er wird auch euch auferwecken.“ Und wenn in uns etwas Menschliches aufkommt, heißt das, dass dieser alte Genosse noch nicht gestorben ist, und wir drehen uns im Allerheiligsten mit fremdem Feuer herum, und wir sind in Gefahr. Gottes Gnade ist natürlich mit uns, aber unsere Aufgabe ist es, ständig unsere Wünsche zu prüfen. Und dann wird am achten Tag ein Fest sein, alles so, wie es beschrieben ist, aber ohne den Tod der Kinder. Lest Kapitel 9 noch einmal: Dort ist Freude, dort ist Jubel, dort ist Einheit mit Gott, dort ist eine so helle, offenkundige göttliche Gegenwart. Warum? Weil alles genau nach dem Wort Gottes getan wird: Alles ist dort hingelegt, wo Gott es gesagt hat, dort hingestellt, wo Gott es gesagt hat, und es gibt nichts Menschliches. So kommt es vor, dass, wenn das Menschliche eindringt, das Unheil beginnt. Und man muss prüfen, ob in uns diese Nadaw und Awihu mit ihren Wünschen sind. Oder vielleicht sind wir betrunken, vielleicht sind wir durch unsere Augen von etwas gefesselt, oder wir feiern irgendwelche eigenen, von Gott nicht gebotenen Feste. Und sehr, sehr vieles gibt es, was jeder in sich selbst prüfen muss, weil wir sehen, wie gefährlich das ist.
Schemini: verwandte Wochenabschnitte und Gespräche
Lest auch das Stenogramm des Wochenabschnitts Zaw, den Wochenabschnitt Wajikra, das Gespräch über die rituelle Unreinheit und das Verzeichnis der Wochenabschnitte der Tora.