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- Wajikra
וַיִּקְרָא
Wajikra
Opfer und Heiligkeit
- Wochenabschnitt
- 24 von 54
- Verse
- Wajikra 1,1–5,26
- Teile
- 9
- Lesezeit
- 1 Std. 59 Min.
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Wajikra ist der Wochenabschnitt über die Opfer, die Heiligkeit und die Annäherung an den Höchsten. Im Stenogramm von Alex Blend werden die Kapitel 1–5 der Reihe nach besprochen: der hebräische Text, die Transliteration, eine ÜbersetzungIm Original ist hier von der russischen Übersetzung die Rede. Da diese Seite eine deutsche Übersetzung bietet, heißt es hier neutral „eine Übersetzung“. und die Auslegung des Autors. Weitere Gespräche sind der Anrede Gottes an Mosche, dem Sinn des Opfers und der rituellen Unreinheit gewidmet.
Wenn jemand opfert
Wajikra 1,1–1,17
Wir beginnen jetzt gemeinsam, das neue, dritte Buch der Tora zu studieren, das Buch Wajikra.
Ein ganz kleines Vorwort. Vor dem Buch Wajikra haben alle Angst. Die Tanach-Lehrer an den säkularen israelischen Schulen haben Angst davor, viele christliche Prediger haben Angst davor, viele Rabbiner, die die Tora auf Russisch unterrichten, haben Angst davor, weil man nicht immer etwas zu sagen hat. Vieles von dem, worüber in diesem Buch gesprochen wird, scheint Theorie zu sein – all diese Opfer, ihre Ordnung, ihr Ablauf –, und was, so scheint es, hat das mit uns zu tun? Wir werden trotzdem versuchen, für uns aus diesem Buch das Maximum herauszuholen, und wir werden es lesen, um uns im Wort Gottes unterweisen zu lassen. Beginnen wir, wie üblich, mit Vers 1 von Kapitel 1.
וַיִּקְרָא אֶל־מֹשֶׁה וַיְדַבֵּר יְהוָה אֵלָיו מֵאֹהֶל מוֹעֵד לֵאמֹר׃
wajikrá el-mosché wajdabbér adonáj eláw me'óhelDie russische Umschrift hat in diesem Wort ein G statt eines H. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: me'óhel. mo'éd lemór
1 Und rief zu Mosche, und der HERR redete mit ihm aus dem Zelt der Begegnung und sprach:
Der erste Wochenabschnitt beginnt mit dem Wort Wajikra (Und rief …), und deshalb heißt er auch so. Die Weisen hatten keine besondere Fantasie, und sie benannten sowohl die Bücher als auch die Wochenabschnitte nach den ersten Wörtern. Wir haben am Ende des Buches Schemot gelesen, dass Mosche nicht in das Zelt der Begegnung hineingehen konnte, weil auf ihm die Wolke der Herrlichkeit ruhte. Wir haben gesagt, dass er ohne besondere Einladung nicht hineingehen konnte, und hier kommt sie. Der HERR rief, lud Mosche ein, in das Zelt der Begegnung hineinzugehen. In diesem Sinn ist das Buch Wajikra eine direkte Fortsetzung des Buches Schemot, eine direkte Fortsetzung dessen, womit das Buch Schemot endete. Aber die Sache ist die, dass das Buch Schemot noch eine weitere Fortsetzung hat: Im Buch Bemidbar, in Kapitel 7, beginnt der Bericht darüber, was geschah, nachdem Mosche den Bau des Mischkan vollendet hatte. Und dort geht es um etwas anderes. Wie soll man das verstehen, dass bei einem Buch von einer Stelle aus zwei Linien auseinandergehen, zwei Fortsetzungen? Man kann sagen, dass das ganze Buch Wajikra eine Gebrauchsanleitung für das Zelt der Begegnung ist, die ihm beigelegt ist. Das ist so ein großes Buch in Klammern, das davon erzählt, wie das Volk die Heiligkeit bewahren soll, das Verweilen der Wolke der Herrlichkeit über dem Zelt der Begegnung bewahren soll. Für uns ist das aktuell, weil das Zelt der Begegnung, das Zelt des Bundes, das Herz symbolisiert, und in unserem Herzen müssen auch wir diese Wolke der Herrlichkeit bewahren, deshalb ist das auch für uns wichtig.
Noch ein wichtiges Element. Sehr oft ist es so, dass der Höchste zuerst ruft, auf den Empfang der Prophetie vorbereitet und dann spricht. So ist es in Israel: „Um 8 Uhr abends wird der Regierungschef eine wichtige Erklärung abgeben“, und das ganze Volk ist aufgeregt, wartet, bereitet sich vor. Oder wie in dem alten jüdischen Witz, als eine Familie ein Telegramm bekommt: „Fangt an, euch Sorgen zu machen, Einzelheiten per Brief.“ Genauso gibt der Höchste hier Mosche gleichsam ein Kommando: „Mach dich bereit! Achtung! Jetzt werde Ich reden!“ Und erst dann beginnt Er zu reden. Deshalb: zuerst gerufen und dann zu reden begonnen. Was sagt der Höchste zu Mosche?
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם אָדָם כִּי־יַקְרִיב מִכֶּם קָרְבָּן לַיהוָה מִן־הַבְּהֵמָה מִן־הַבָּקָר וּמִן־הַצֹּאן תַּקְרִיבוּ אֶת־קָרְבַּנְכֶם׃
dabbér el-bené jisraél we'amartá alehemDie russische Umschrift hat in diesem Wort einen überzähligen Vokal. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: alehem. adám ki-jakrív mikkém korbán ladonáj min-habbehemá min-habbakár umin-hazzón takríwu et-korbanchém
2 Sprich zu den Söhnen Israels und sage ihnen: „Ein Mensch von euch, der ein Opfer darbringt (oder ein Mensch, der aus sich selbst ein Opfer darbringt) dem HERRN, vom großen Vieh und vom kleinen Vieh und von den Ziegenböcken bringt euer Opfer dar.“
Die Tora erlaubt, nur drei Arten von Tieren als Opfer darzubringen: Stier, Widder, Ziegenbock. Warum ist das so? Nun, es wäre natürlich kompliziert, wenn auch lustig, und es würde dem Menschen sehr interessante Ziele stellen, wenn der Höchste gesagt hätte: „Für diese Sünde bring Mir ein Rentier, und für diese Sünde bring Mir irgendein anderes Tier, zum Beispiel einen Pfau, und für diese Sünde bring Mir einen Elch aus Finnland.“ Und der Mensch wäre nur damit beschäftigt, seltene Tiere zu sammeln.
Vor allem sind Stier, Widder und Ziegenbock die am leichtesten erhältlichen Tiere. Aber wer wären wir, wenn wir nur dabei stehen blieben? Die Kommentatoren sagen: „Drei Tiere symbolisieren die drei Erzväter.“ Von Awraham heißt es: Als die Engel zu ihm kamen, eilte er zu den Jungstieren, und ihn symbolisiert bakár (Stier). Jizchak, das ist klar: Das ist die Opferung Jizchaks, ihn symbolisiert das Lamm, das Lamm wurde ja an seiner Stelle als Opfer dargebracht. Es gab auch noch Jaakow, der, als er den Segen seines Bruders stahl oder, sagen wir so, nahm, sich ein Ziegenfell anlegte, und ihn symbolisiert der Ziegenbock. Auf diese Weise entsprechen die drei Arten von Tieren den drei Erzvätern. Deshalb sagt der Höchste oft: „Bring pará meschuléschet (eine dreifache oder dreijährige Kuh)“, neben dem Tier wird das Wort dreifach oder dreijährig erwähnt. Außerdem haben die Propheten diese Tiere zur Bezeichnung des Volkes Israel verwendet. Zum Beispiel sagt Hoschea (4,16): „Denn wie eine störrische Kuh hat sich Israel widersetzt“; und weiter (10,11): „Und Efrajim ist eine abgerichtete Färse …“ Deshalb ist das Opfer (korbán) für einen Fehler des ganzen Volkes ein Stier. Der Prophet Jirmejahu (50,17) nennt Israel ein versprengtes Schaf. Überhaupt wird über Schafe sehr viel gesagt, man kann ziemlich viele Beispiele anführen. Mit den Ziegenböcken ist es ein bisschen schwieriger. Beim Propheten Jeschajahu (25,3) heißt es: „Darum wird Dich ein starkes Volk preisen.“ Mit demselben Wort wird an anderen Stellen des Tanach der Ziegenbock bezeichnet. Genauso beim Propheten Jecheskel (7,24): „Und Ich werde dem Hochmut der Starken ein Ende setzen“, und man kann übersetzen als: „Und Ich werde dem Hochmut der Ziegenböcke ein Ende setzen.“
Wenn die Propheten das Volk Israel zurechtweisen, vergleichen sie es mit verschiedenen Tieren: mit dem Stier, mit dem Schaf, mit dem Ziegenbock. Und deshalb kann man sagen, dass diese Tiere dazu berufen sind, bestimmte sündige Eigenschaften des Menschen zu berichtigen. Dann kann man die Worte des Höchsten: „Wenn jemand von euch ein Opfer darbringt“, als von eurem beschädigten Fleisch verstehen, das heißt, wer irgendeinen sündigen Teil von sich als Opfer hingeben will – nicht nur jemand von euch, der ein Opfer darbringt, sondern auch jemand, der ein Opfer aus sich selbst darbringen will.
אִם־עֹלָה קָרְבָּנוֹ מִן־הַבָּקָר זָכָר תָּמִים יַקְרִיבֶנּוּ אֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד יַקְרִיב אֹתוֹ לִרְצֹנוֹ לִפְנֵי יְהוָה׃
im-olá korbanó min-habbakár sachár tamím jakriwénnu el-pétach óhel mo'éd jakrív otó lirzonó lifné adonáj
3 Wenn sein Ganzopfer vom Stier ist, dann soll er es männlich, rein, als Opfer darbringen, er soll es zum Eingang des Zeltes der Begegnung bringen, nach seinem Willen vor dem Höchsten.
Da die Weibchen gebaren und die Weibchen einen Ausfluss hatten, galt ihr Fleisch als weniger hochwertig, und ihnen gegenüber zeigte man mehr Erbarmen. Deshalb galten sowohl von der einen als auch von der anderen Seite – sowohl aus Erbarmen als auch wegen der Qualität des Fleisches – die Männchen als am besten geeignet für das Opfer.
Das Opfer bringt der Mensch nach seinem Willen dar, das heißt, ein Mensch kann einen anderen nicht zwingen, ein Opfer darzubringen. Man kann nicht sagen: „Du bist ein Sünder, du bist für genau diese Sünde jetzt verpflichtet, einen Stier darzubringen“, und dabei mit dem Finger drohen. Nein, das geht nicht. Nur der Mensch selbst kann ein Opfer darbringen.
וְסָמַךְ יָדוֹ עַל רֹאשׁ הָעֹלָה וְנִרְצָה לוֹ לְכַפֵּר עָלָיו׃
wesamách jadó al rosch ha'olá wenirzá lo lechappér aláw
4 Und er legte die Hand auf den Kopf des Ganzopfers, und Er wurde ihm wohlgesinnt, um für ihn zu sühnen (es wurde ihm gegeben, das Wohlwollen zu spüren).
Es gibt einen Streit darüber, ob man eine oder zwei Hände auf das Opfer legt. Die Weisen sagen, dass beim Opfer jede Handauflegung mit zwei Händen geschieht, aber wir werden uns nicht darin vertiefen. Im Buch Schemot haben wir über die Handauflegung gesprochen. Jetzt sprechen wir darüber, was hier überhaupt geschieht, woher überhaupt das Opfer olá kommt, warum der Mensch es darbringen will und wie es ihm Sühne verschafft. In Kapitel 5 unseres Buches werden wir ausführlich darüber lesen, jetzt berühren wir es nur kurz (5,2): „Wenn ein Mensch irgendeine rituell unreine Sache berührt hat, einen Leichnam oder ein unreines Tier oder überhaupt etwas Unreines oder ein Insekt, und es ihm verborgen war (er hat nicht bemerkt, dass er es berührt hat, das heißt, er ist faktisch unrein geworden, aber er weiß nichts davon), und er ist schuldig geworden.“ Hier kann man diese Wendung, ist schuldig geworden, als hat sich schuldig gefühlt übersetzen. Der Mensch versteht nicht, was geschehen ist, aber etwas stimmt nicht. Etwas ist nicht so wie gewöhnlich, man spürt nicht jene gewöhnliche Reinheit, jene gewöhnliche Freude der Gemeinschaft mit dem Höchsten, und dann versteht er, dass Unreinheit auf ihm liegt, und bringt dem Höchsten ein Opfer dar. Und hier geht es darum, dass der Anlass für die Darbringung des Opfers das Gefühl der Schuldhaftigkeit ist. Und dann ergibt sich folgendes Verständnis des Verses: Es wird ihn loslassen, es wird bei ihm nachlassen, es wird von ihm weichen, dieses Gefühl der Schuldhaftigkeit. Und was tut der Kohen?
וְשָׁחַט אֶת־בֶּן הַבָּקָר לִפְנֵי יְהוָה וְהִקְרִיבוּ בְּנֵי אַהֲרֹן הַכֹּהֲנִים אֶת־הַדָּם וְזָרְקוּ אֶת־הַדָּם עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב אֲשֶׁר־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃
weschachátDie russische Umschrift hat in der ersten Silbe dieses Wortes ein E statt eines A. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: weschachát. et-bén habbakár lifné adonáj wehikríwu bené aharón hakkohaním et-haddám wesarekú et-haddám al-hammisbéach sawív ascher-pétach óhel mo'éd
5 Und er wird den Jungstier als Opfer darbringen vor dem HERRN, und einige Kohanim, die Söhne Aharons, nehmen das Blut und werden das Blut rings um den Altar verspritzen, der am Eingang des Zeltes der Begegnung ist.
Achtet darauf: Da kam irgendein einzelner Sünder, nicht zu irgendjemandem kam er, zu den Kohanim selbst kam er. Und wie viel kohanische Geschäftigkeit gibt es um ihn herum mit seinem Opfer, das er darbringt! Einer schlachtet es, andere besprengen den Altar mit Blut … Wir haben über die Bedeutung des Besprengens gesprochen, dass es die Wiederherstellung zu einem einzigen Fleisch ist, es ist dasselbe, wie dem Höchsten zu sagen: „Wir sind eines Blutes, Du und ich.“ Und dann lässt den Menschen sein Schuldgefühl los, sein Gefühl der Unreinheit. Genau dafür wird das alles getan.
וְהִפְשִׁיט אֶת־הָעֹלָה וְנִתַּח אֹתָהּ לִנְתָחֶיהָ׃
wehifschít et-ha'olá wenittách otá lintachéha
6 Und er zog die Haut ab, häutete das Ganzopfer und zerlegte es in Stücke.
Das kann sowohl der Kohen als auch der Levit tun. Später war das hauptsächlich levitischer Dienst. Wenn wir levitischer Dienst sagen – das ist nicht nur Gesang, eine sehr kleine Zahl von Leviten war mit Gesang beschäftigt (ich habe schon darüber gesprochen), die meisten waren mit Aufräumen, Zerschneiden, dem Vorbereiten von Brennholz und anderen technischen Arbeiten im Tempel beschäftigt. Hier tut das der Levit.
וְנָתְנוּ בְּנֵי אַהֲרֹן הַכֹּהֵן אֵשׁ עַל־הַמִּזְבֵּחַ וְעָרְכוּ עֵצִים עַל־הָאֵשׁ׃
wenatenú bené aharón hakkohén esch al-hammisbéach we'arechú ezím al-ha'ésch
7 Die Söhne Aharons, des Kohen, geben Feuer auf den Altar, und richteten (deckten) Holz auf dem Feuer her.
Und hier jetzt schon – die Handlungen der Kohanim. Das Wort laaróch bedeutet im modernen Hebräisch organisieren, vorbereiten, herrichten; im Tanach bedeutet es oft decken. Das heißt, die Söhne Aharons deckten, ordneten alles in der richtigen Weise an.
וְעָרְכוּ בְּנֵי אַהֲרֹן הַכֹּהֲנִים אֵת הַנְּתָחִים אֶת־הָרֹאשׁ וְאֶת־הַפָּדֶר עַל־הָעֵצִים אֲשֶׁר עַל־הָאֵשׁ אֲשֶׁר עַל־הַמִּזְבֵּחַ׃
we'arechú bené aharón hakkohaním et hannetachímDie russische Umschrift hat in diesem Wort ein doppeltes i. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: hannetachím („die Stücke“). et-harosch we'et-happáder al-ha'ezím aschér al-ha'éschIn der russischen Umschrift fehlen hier die Worte „al-ha'ésch aschér“ („auf dem Feuer, das“). Die deutsche Umschrift folgt dem vollständigen hebräischen Vers. aschér al-hammisbéach
8 Die Söhne Aharons, die Kohanim, ordneten die Fleischstücke (die zerlegten) und den Kopf und das Fett auf dem Holz an, das auf dem Feuer ist, das auf dem Altar ist.
וְקִרְבּוֹ וּכְרָעָיו יִרְחַץ בַּמָּיִם וְהִקְטִיר הַכֹּהֵן אֶת־הַכֹּל הַמִּזְבֵּחָה עֹלָה אִשֵּׁה רֵיחַ־נִיחוֹחַ לַיהוָה׃
wekirbó uchra'áw jircház bammájim wehiktír hakkohén et-hakkol hammisbécha olá isché rejach-nichóach ladonáj
9 Und seine Eingeweide und seine Unterschenkel wird er mit Wasser waschen; und der Kohen wird all das auf dem Altar des Ganzopfers räuchern: Das ist ein Feueropfer, ein Opfer des Wohlgeruchs (des Genusses) für den Höchsten.
Habt ihr schon einmal verbranntes Fleisch gerochen, verbrannte Innereien? Wahrscheinlich wird es nicht jedem so vorkommen, dass das ein guter Geruch ist. Das ist nicht der Geruch von Schaschlik, das ist ein bisschen schlimmer, sage ich euch. Und selbst wenn es der Geruch von Schaschlik wäre, wäre es seltsam, dass der Höchste Selbst, der Schöpfer des Himmels und der Erde, den Geruch von Schaschlik genießt. Warum genießt der Höchste das? Weil hier Reinigung geschieht. Wenn der Mensch, der menschliche Organismus, sich von etwas reinigt, dann geschieht das sehr unschön. All diese Erscheinungen, wenn aus uns herauskommt, womit wir uns vergiftet haben oder wodurch wir verdorben sind, das ist sehr unrein. Aber der Höchste genießt gerade das: unsere Reinigung. Obwohl es, so scheint es, einen Geruch gibt, reinigt er uns doch, befreit uns von der Unreinheit, von der Schuld, von der Befleckung. Deshalb ist das ein Genuss für den Höchsten.
וְאִם־מִן־הַצֹּאן קָרְבָּנוֹ מִן־הַכְּשָׂבִים אוֹ מִן־הָעִזִּים לְעֹלָה זָכָר תָּמִים יַקְרִיבֶנּוּ׃
we'im-min-hazzón korbanó min-hakkesawím o min-ha'issím le'olá sachár tamím jakriwénnu
10 Und wenn vom kleinen Vieh, von den Lämmern oder von den Ziegenböcken, soll er als Ganzopfer ein makelloses Männchen darbringen.
Warum ist davon gesondert die Rede? Warum konnte man nicht sagen: „Welches Opfer er auch darbringt, er soll makellose Männchen darbringen, seien es Stiere, Ziegenböcke oder Widder“? Bei einem Menschen kann das Gefühl einer gewissen Minderwertigkeit entstehen, wenn er nicht einen riesigen Stier darbringt, sondern ein kleines Böckchen. Deshalb sagt die Tora in einem gesonderten Absatz: „Ein Böckchen, na und, dann eben ein Böckchen: Das Böckchen des einen kann cooler sein als der Stier eines anderen.“
וְשָׁחַט אֹתוֹ עַל יֶרֶךְ הַמִּזְבֵּחַ צָפֹנָה לִפְנֵי יְהוָה וְזָרְקוּ בְּנֵי אַהֲרֹן הַכֹּהֲנִים אֶת־דָּמוֹ עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃
weschachát otó al jérech hammisbéach zafóna lifné adonáj wesarekú bené aharón hakkohaním et-damó al-hammisbéach sawíw
11 Und er schlachtete es am Altar im Norden vor dem HERRN, und die Söhne Aharons, die Kohanim, sprengten sein Blut ringsum auf den Altar.
Und weiter lesen wir ähnliche Anweisungen, wie es sie in Bezug auf die Stiere gab:
וְנִתַּח אֹתוֹ לִנְתָחָיו וְאֶת־רֹאשׁוֹ וְאֶת־פִּדְרוֹ וְעָרַךְ הַכֹּהֵן אֹתָם עַל־הָעֵצִים אֲשֶׁר עַל־הָאֵשׁ אֲשֶׁר עַל־הַמִּזְבֵּחַ׃
wenittách otó lintacháw we'et-roschó wet-pidró we'arách hakkohén otám al-ha'ezím aschér al-ha'éschIn der russischen Umschrift fehlen hier die Worte „al-ha'ésch aschér“ („auf dem Feuer, das“). Die deutsche Umschrift folgt dem vollständigen hebräischen Vers. aschér al-hammisbéach
12 Und er zerlegte es in Stücke (was fehlt hier? Hier wird das Häuten nicht erwähnt, aber es ist im Großen und Ganzen da, es wird gemacht) den Schenkel und seinen Kopf und sein Fett, und der Kohen wird sie auf dem Holz anordnen, das auf dem Feuer ist, das auf dem Altar ist.
וְהַקֶּרֶב וְהַכְּרָעַיִם יִרְחַץ בַּמָּיִם וְהִקְרִיב הַכֹּהֵן אֶת־הַכֹּל וְהִקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה עֹלָה הוּא אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה׃
wehakkérew wehakkera'ájim jircház bammájim wehikrív hakkohen et-hakkól wehiktír hammisbécha olá hu isché réjach nichóach ladonáj
13 Und die Eingeweide und die Unterschenkel wird er im Wasser waschen, und der Kohen wird alles darbringen, und er wird es auf den Altar des Ganzopfers bringen: Das ist ein Feueropfer mit dem Geruch des Genusses für den HERRN.
Unsere Reinigung, unsere Teschuwá, der Geruch unserer Teschuwá – das ist Parfüm für den Höchsten.
וְאִם מִן־הָעוֹף עֹלָה קָרְבָּנוֹ לַיהוָה וְהִקְרִיב מִן־הַתֹּרִים אוֹ מִן־בְּנֵי הַיּוֹנָה אֶת־קָרְבָּנוֹ׃
we'ím min-haóf olá korbanó ladonáj wehikrív min-hattorím o min-bené hajoná et-korbanó
14 Und wenn von den Vögeln sein Ganzopfer für den HERRN sein wird, von den Tauben, von den Turteltauben soll er sein Opfer darbringen.
Tor (Pl. torím) – das ist die Türkentaube, etwas kleiner als die Haustaube, die in freier Natur lebt. Das heißt, von erwachsenen Türkentauben und von kleinen Täubchen (bené hajoná) soll er ein Opfer darbringen. Zwei Arten von Vögeln, wiederum gibt es weder Pfauen noch Hühner noch Truthähne, nur zwei Arten von Vögeln. Die Kommentatoren setzen das mit Mosche und Aharon in Beziehung. Es gibt noch Parallelen, die davon sprechen, wie sich die Vögel verhalten. Wir sehen auch im Tanach, dass Israel sowohl mit dem Wort tor als auch mit dem Wort jona – sowohl Turteltaube als auch Taube – genannt wird. Und es gibt viele Parallelen, viele Versuche, das zu entschlüsseln. Aber achten wir wieder darauf, dass das auch die am leichtesten erhältlichen Vögel sind. Der Höchste verlangt keine Schwäne, schwarzen Schwäne oder irgendwelche anderen seltenen, luxuriösen Vögel, sodass man sagen könnte: „Na, für diese Sünde kommst du nun wirklich nicht mit weniger als einem schwarzen Schwan davon.“ Nichts dergleichen gibt es hier. Der Höchste sagt: „Bringt eine Taube oder eine Turteltaube.“
וְהִקְרִיבוֹ הַכֹּהֵן אֶל־הַמִּזְבֵּחַ וּמָלַק אֶת־רֹאשׁוֹ וְהִקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה וְנִמְצָה דָמוֹ עַל קִיר הַמִּזְבֵּחַ׃
wehikriwó hakkohén el-hammisbéach umalák et-roschó wehiktír hammisbécha wenimzá damó al kir hammisbéach
15 Und der Kohen wird sie als Opfer darbringen auf dem Altar, und er wird ihr den Kopf abtrennen, und er wird sie auf den Altar bringen, und ihr Blut wird von selbst an den Altar spritzen.
Der Kohen brach dem Vögelchen mit dem Fingernagel von hinten den Hinterkopf auf: Er drückte auf den Ansatz des Kopfes, auf den obersten Halswirbel, so lange, bis er ihn durchbrach. Das klingt, ich kann nicht sagen, dass es nicht schrecklich ist – es klingt schrecklich. Wozu wird das gemacht? Beim Vogel kann man das Blut nicht in eine Sprengschale nehmen, weil er nicht so viel Blut hat, und um sein Blut nicht zu verlieren, tötet man ihn auf diese Weise. Natürlich schaudert es viele von uns, wenn wir so etwas hören; aber das Volk lebte unter solchen Bedingungen, dass eine Taube zu töten ungefähr dasselbe war wie für uns ein Ei zu kochen. Das Schlachten von Tieren war für das Volk eine natürliche Sache, deshalb änderte eine solche Handlung wie das Zerquetschen des Kopfes nicht viel. Die Menschen hatten eine ein bisschen andere Natur, einen ein bisschen anderen Charakter.
וְהֵסִיר אֶת־מֻרְאָתוֹ בְּנֹצָתָהּ וְהִשְׁלִיךְ אֹתָהּ אֵצֶל הַמִּזְבֵּחַ קֵדְמָה אֶל־מְקוֹם הַדָּשֶׁן׃
wehessírDie russische Umschrift hat im ersten Wort ein überzähliges i. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: wehessír („und er entfernte“). et-mur'ató benozatá wehischlich otá ézel hammisbéach kédma el-mekóm haddáschen
16 Und er entfernte ihren Kropf und die Federn, die um den Kropf sind, und warf sie vorn am Altar hin – dort, wo die Asche ist.
Der Kropf wird beim geschlachteten Vogel herausgezogen, herausgerissen und auf den Aschehaufen geworfen (vom Altar wurde die Asche abgenommen und auf einen eigenen großen Haufen gelegt). Man erzählt eine solche Legende: Sehr viel Asche (fettiger Abfall) kam aus dem Tempel, und der Haufen mit der Asche stand in Jerusalem beinahe bis zur türkischen Herrschaft, das Volk trug ihn für Seife ab. Warum wird der Kropf nicht als Opfer dargebracht? Wenn ein Lämmchen, ein Jungstier oder ein Böckchen essen, was der Besitzer ihnen gibt, und man verfolgen kann, was sie gegessen haben, so ernährt sich die Taube, wo es sich gerade ergibt, und man nimmt an, dass in ihrem Kropf gestohlenes Futter sein kann. Sie ist in ein fremdes Haus geflogen, hat fremde Hirse, fremdes Korn geschnappt, gefressen – und das war's, schon taugt sie nicht mehr für den Altar; deshalb wirft man den Kropf weg.
וְשִׁסַּע אֹתוֹ בִכְנָפָיו לֹא יַבְדִּיל וְהִקְטִיר אֹתוֹ הַכֹּהֵן הַמִּזְבֵּחָה עַל־הָעֵצִים אֲשֶׁר עַל־הָאֵשׁ עֹלָה הוּא אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה׃
weschissá otó wichnafáw lo jawdíl wehiktír otó hakkohen hammisbécha al-ha'ezím aschér al-ha'ésch olá hu isché réjach nichóach ladonáj
17 Und er teilte sie an den Flügeln (öffnete sie, wie man ein Huhn öffnet), ohne sie zu zerbrechen, und der Kohen wird sie auf dem Altar räuchern, auf dem Holz, das auf dem Feuer ist: Das ist ein Ganzopfer, ein Feueropfer, ein Geruch des Genusses für den Höchsten.
Das erste Kapitel ist zu Ende, es enthält allgemeine Anweisungen. Später wird es eine Unterteilung geben und ein Verständnis, welche Opfer man wofür darbringt, jetzt haben wir die Einleitung gelesen. So ist die Tora überhaupt aufgebaut und das Buch Wajikra im Besonderen: Zuerst gibt sie eine allgemeine Einleitung, dann die Einzelbeschreibungen. Und wenn man sich erinnert, so war es auch im Buch Schemot.
Die Armen bewirten Gott
Wajikra 2,1–16
Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Wajikra fort. In Kapitel 1 des Buches haben wir über das Ganzopfer (olá) gelesen, darüber, wie es dargebracht wird, darüber, dass es von drei Arten von Tieren und zwei Arten von Vögeln ist. Aber die Situation ist manchmal so, dass nicht immer, nicht jeder Mensch den Wohlstand hat, der es ihm erlaubt, ein Opfer von Tieren darzubringen: Es kommt manchmal vor, dass sogar für eine Taube kein Geld da sein kann. Wie man sich in einer solchen Situation verhält, lesen wir hier, in Kapitel 2.
וְנֶפֶשׁ כִּי־תַקְרִיב קָרְבַּן מִנְחָה לַיהוָה סֹלֶת יִהְיֶה קָרְבָּנוֹ וְיָצַק עָלֶיהָ שֶׁמֶן וְנָתַן עָלֶיהָ לְבֹנָה׃
wenéfesch ki-takrív korbán minchá ladonáj sólet jihjé korbanó wejazák aléha schémen wenatán aléha lewoná
1 Wenn eine Seele dem Höchsten das Opfer minchá (Darbringung, Gabe) darbringt, soll sein Opfer aus dem Mehl solét sein, und er wird Öl darauf gießen und Weihrauch dazugeben.
Der erste Vers des Kapitels beginnt mit dem Wort néfesch (Seele). Wenn ein armer Mensch ein Opfer darbringt, reißt er es gleichsam von sich selbst ab, wie man im Russischen sagt, als legte er gleichsam einen Teil seiner Seele, seines Herzens zu diesem Opfer hinzu. Deshalb lesen wir hier auch: eine Seele, wenn sie ein Opfer darbringt.
Bei Weitem nicht jeder kann ein Opfer von den Tieren darbringen, wie wir gesagt haben. Es gibt Menschen, für die es schwer, teuer ist, auch nur eine Taube darzubringen. Wie geht man zu einem irdischen König mit einem billigen Geschenk? Gar nicht. Der irdische König braucht ein würdiges Geschenk, ein kleines schaut er nicht einmal an. Aber der himmlische König, unser König, Er unterscheidet sich stark vom irdischen König und lädt ein, zu Ihm mit der einfachsten Gabe zu kommen: reines, weißes Weizenmehl (sólet), oder, wie man es auch nennt, Konditormehl, vermischt mit Öl, mit einem Zusatz von Weihrauch. Das ist eben die minchá.
Das Wort minchá kann man unterschiedlich verstehen, seine Herkunft wird auf mehrere Weisen gedeutet. Erstens ist es ein Geschenk, eine Gabe. Gewöhnlich bringt man eine solche Gabe einem König. Wir lesen darüber in Vers 17 von Kapitel 3 des Buches Schoftim: „Und die Söhne Israels sandten durch ihn eine Gabe (minchú) an Eglon, den König von Moaw.“ Eine solche Gabe bringt man auch einem starken oder einflussreichen Menschen, mit dem wir gute Beziehungen haben wollen, den wir günstig stimmen wollen. Wir lesen im Buch Bereschit (32,14): „Und er (Jaakow) nahm von dem, was in seiner Hand war, eine Gabe (minchú) für Esaw, seinen Bruder.“ Ebenso wird auch einem Propheten, von dem man irgendeine Hilfe bekommen will, eine minchá gebracht. Wir lesen über Chasa'el im zweiten Buch Melachim (8,9): „Und Chasa'el ging ihm (dem Propheten) entgegen, und er nahm eine Gabe (minchú) in seine Hand von allem Besten, was es in Damessek gibt, so viel vierzig Kamele tragen können.“ Auf diese Weise ist minchá eine Gabe, die dem gebracht wird, den wir geneigt machen wollen, den wir für wichtiger halten als uns selbst, und es ist ganz natürlich, sie einem König zu bringen. Und Gott halten wir für den König.
Zweitens gibt es noch eine Deutung des Wortes minchá auf der Grundlage der altsemitischen Wurzel mánch (geben), diese Wurzel ist im Hebräischen nicht erhalten geblieben, das heißt, es ist einfach ein Almosen. Oder vom Verb lehaníach (hinreichen, bringen, legen), wiederum einfach eine Darbringung. Es gibt eine dritte Deutung, vom Wort nóach (bequem, friedlich, ruhig), von dem der Name des Patriarchen kommt. Und dann kann man das Opfer minchá als Besänftigung, Befriedung verstehen. Man kann alle drei Deutungen annehmen, sie widersprechen einander nicht, und minchá wird mit seinen Facetten funkeln als ein vieldeutiges Wort.
Sólet ist Weizenmehl höchster Qualität, reines, weißes Mehl, ohne Beimischungen. Gewöhnlich ist in der Tora das Weizenmehl eine Art Alternative zum Gerstenmehl, eine teure Alternative zum billigen Gerstenmehl. Deshalb wird im Tempeldienst, bei den Kohanim, gerade solét verwendet. Außer der Ausnahme, wenn es um eine Frau geht, die man des Ehebruchs verdächtigt. Im Buch Bemidbar (5,15) lesen wir, dass ihr Mann als Opfer ein Zehntel Efa gerade von Gerstenmehl darbringt, ohne irgendein Öl darauf zu gießen und ohne Weihrauch dazuzugeben. Es heißt: „Das ist eine Gedächtnisdarbringung, eine Erinnerung an die Sünde.“ Dort, wo es eine Erinnerung an die Sünde gibt, dort ist die Darbringung aus Gerste. Hier, wenn ein Mensch aus dem Antrieb seines Herzens in den Tempel bringt, den Kohanim bringt, in das Zelt der Begegnung minchú bringt, ist es Weizenmehl.
Noch ein Bestandteil des Speiseopfers außer dem Olivenöl ist lewoná (Weihrauch). Es gibt solche niedrigen Bäume in Südindien, ihr botanischer Name ist Boswellia serrata. Aus seinem Stamm gewinnt man mithilfe eines Einschnitts ein duftendes Gummiharz (Weihrauch), einen der bekanntesten Duftstoffe und eines der bekanntesten Gewürze. In der heutigen Welt liegt sein Preis bei etwa 300 Dollar pro Kilogramm. Das ist nicht wahnsinnig teuer, weil Weihrauch in sehr kleinen Mengen verwendet wird, aber trotzdem teuer.
Eine solche Variante eines einfachen Opfers bietet der Höchste an.
וֶהֱבִיאָהּ אֶל־בְּנֵי אַהֲרֹן הַכֹּהֲנִים וְקָמַץ מִשָּׁם מְלֹא קֻמְצוֹ מִסָּלְתָּהּ וּמִשַּׁמְנָהּ עַל כָּל־לְבֹנָתָהּ וְהִקְטִיר הַכֹּהֵן אֶת־אַזְכָּרָתָהּ הַמִּזְבֵּחָה אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה׃
wehewi'á el-bené aharón hakkohaním wekamáz mischám meló kumzó missoltá umischamná al kol-lewonatá wehiktír hakkohén et-askaratá hammisbécha isché réjach nichóach ladonáj
2 Und er wird sie zu den Söhnen Aharons, den Kohanim, bringen, und der Kohen wird von dort eine volle Handvoll nehmen, mit dem Öl, mit all ihrem Weihrauch, und der Kohen wird diese Erinnerung auf dem Altar räuchern – ein Feueropfer, ein Duft des Wohlgeruchs für den Höchsten.
Das heißt, der Kohen rollt aus diesem mit Öl vermischten Mehl und dem Weihrauch so eine Art Frikadelle und räuchert sie auf dem Altar. Achten wir auf das Wort askaratá (Gedenken). Es hat drei Bedeutungen, drei Verständnisse. Erstens eigentlich Erinnerung. Das ähnelt einem Souvenir, wenn wir einem Menschen etwas schenken, wie wir sagen, zur Erinnerung, damit er an uns denkt. Wenn wir auf das schauen, was man uns zur Erinnerung geschenkt hat, haben wir gute Erinnerungen an den Menschen, der uns das geschenkt hat, und wir wünschen ihm Gutes. Ebenso bringen wir diese Gabe dem Höchsten. In Tehillim (20,4) sagt David über den Höchsten: „Er wird all deiner Darbringungen gedenken (minchotécha), und dein Ganzopfer wird Er zu Asche machen und es als Ganzopfer anrechnen.“ Diese deine minchót werden dir als Ganzopfer angerechnet – das ist eines der möglichen Verständnisse dieses Verses. Also ist die erste Variante eine Erinnerung zum guten Andenken.
Das zweite Verständnis des Wortes askaratá – Gedenken des Opfers. Der Kohen nimmt lediglich eine kleine Handvoll von diesem Mehl, vermischt mit Öl und Weihrauch, und bringt sie auf den Altar, damit sie als das ganze Opfer angerechnet wird.
Und die dritte wichtige Bedeutung ist Geruch. Gedenken bedeutet auch noch Geruch, die Erinnerung ist mit dem Geruch verbunden. Beim Propheten Hoschea (14,7–8) lesen wir: „Seine Zweige (Israels) werden sich ausbreiten, und seine Pracht wird wie ein Olivenbaum werden, und sein Duft wie vom Lewanon. Die in seinem Schatten sitzen, werden Ruhe finden, sie werden Brot wachsen lassen und (selbst) aufblühen wie der Weinstock. Und sein Wohlgeruch (sekarón, Gedächtnis) ist wie der Wein vom Lewanon.“ Das heißt, die Erinnerung ist mit dem Wohlgeruch verbunden. Und das führt uns dahin, dass der Geruch der Reinigung, er ist isché réjach nichóach ladonáj – der Geruch des Feueropfers, dem Höchsten wohlgefällig, ein Geruch des Genusses für Ihn. Hier – die Erinnerung daran, dass wir für das Gute bestimmt sind, daran, wie Er uns im Reich zu sein vorgesehen hat, und diese Erinnerung ist auch wie ein Parfüm, wie ein Wohlgeruch für den Höchsten.
Also nimmt Aharon (oder der Kohen) einen Teil der minchí (Gabe), legt ihn auf den Altar und räuchert ihn als Ganzopfer.
וְהַנּוֹתֶרֶת מִן־הַמִּנְחָה לְאַהֲרֹן וּלְבָנָיו קֹדֶשׁ קָדָשִׁים מֵאִשֵּׁי יְהוָה׃
wehannotéret min-hamminchá le'aharón ulwanáw kódesch kadaschím me'isché adonáj
3 Und das von der minchí (Gabe) Übrige gehört Aharon und den Söhnen, ein Allerheiligstes von den Feueropfern des Höchsten.
Was bedeutet das? Wenn ein Mensch einen Jungstier, ein Lamm oder ein Böckchen gebracht hat, ein gewöhnliches Ganzopfer, wurde es ganz und gar im Tempel verbrannt. Aber der HERR ist gnädig gegenüber dem Opfer des Armen, es ist schade, das zu verbrennen, was man essen kann: Ich habe ihm Speise gegeben, und er hat sie verbrannt, das ist irgendwie nicht ganz richtig. Deshalb gebot der Höchste den Kohanim, diese Darbringung als Seine Gabe zu essen (so teilt ein König Speise mit seinen Untertanen von seinem Tisch). Es gibt Opfer, an denen die Kohanim einen Anteil haben und die sie wie ihr Eigenes essen. Hier essen die Kohanim nicht ihr Eigenes, sondern das, was dem Höchsten gehört, und indem sie einen Teil der Darbringung dieses Opfers verzehren, ist es, als würden sie es „zu Ende darbringen“. Eine solche Ehre wird gerade dem Opfer des Armen minchá erwiesen und keinem anderen Opfer. Darin liegt die Besonderheit, darin die Gnade des HERRN gegenüber dem armen Menschen.
Wenn aber kein Geld für Weihrauch da ist (Weihrauch ist ein Gewürz, ein teures Mittel), dann erfordert alles, was aus thermisch behandeltem Mehl gemacht wird, keinen Zusatz von Weihrauch. Darüber lesen wir jetzt.
וְכִי תַקְרִב קָרְבַּן מִנְחָה מַאֲפֵה תַנּוּר סֹלֶת חַלּוֹת מַצֹּת בְּלוּלֹת בַּשֶּׁמֶן וּרְקִיקֵי מַצּוֹת מְשֻׁחִים בַּשָּׁמֶן׃
wechí takrív korbán minchá ma'afé tannúr sólet challót mazzót belulót baschémen urkiké mazzót meschuchím baschámen
4 Und wenn du als Opfer eine Gabe darbringst, im Ofen gebacken, dann aus dem Mehl sólet, ungesäuerte Challas aus Mehl, vermischt mit Öl zu einem flüssigen Teig, oder ganz dünne ungesäuerte Fladenbrote, mit Öl bestrichen.
Das Wort challót ist der Plural des Wortes chála, das viele wahrscheinlich kennen. Chála ist der Name des heutigen festlichen Schabbatbrotes. Möglicherweise kommt das Wort chála vom Wort chalúl, was leer, durchlöchert bedeutet. Das kann einen innen hohlen Fladen bedeuten, wie die heutige Pita, oder einen Fladen in Form eines Rings. Es ist schwer, eine der Bedeutungen auszuwählen. Möglich ist auch, nach einer anderen Deutung, dass dieses Wort vom Wort chól (Kreis oder Drehung) kommt, eine Parallele zur alten akkadischen Wurzel ellú (das heilige Runde), das heißt ein Fladen in Form eines Kreises. Bei vielen Völkern und in einigen Kirchen entstand eine Verehrung gerade des runden Brotes (so ist der Kulitsch auf Griechisch ein rundes Brot). Also ist die erste Variante des im Ofen Gemachten challót mazzót oder runde Fladen, ungesäuert, aus einer Mischung von Mehl und Öl. Und die zweite Variante: ganz dünne Fladen, mit Öl bestrichen, flache, so mit Öl bestrichene Fladenbrote. Das ist, wenn wir im Ofen backen, wenn wir viel Mehl haben. Gut, Weihrauch haben wir nicht, aber Mehl haben wir viel. Aber es kommt vor, dass auch Mehl wenig da ist.
וְאִם־מִנְחָה עַל־הַמַּחֲבַת קָרְבָּנֶךָ סֹלֶת בְּלוּלָה בַשֶּׁמֶן מַצָּה תִהְיֶה׃
we'im-minchá al-hammachawát korbanécha sólet belulá waschémen mazzá tihje
5 Und wenn eine Gabe auf der Pfanne dein Opfer ist, soll sie aus dem Mehl sólet sein, vermischt mit Öl, ein dünnes ungesäuertes Brot.
Die Pfanne ist ganz dünn, sie erhitzt sich schnell, und das Brot wird stark ausgetrocknet. Öl wird hier dreimal hinzugefügt: Zuerst wird die Pfanne damit bestrichen, Öl wird in den Fladen selbst gegeben, und dann werden auch die Fladen selbst mit Öl bestrichen. Sie werden sehr trocken, sehr dünn, hart, und so einfach isst man sie nicht, und im Großen und Ganzen, kann man sagen, schämt man sich, sie auf den Tisch zu bringen. Deshalb sagt der Höchste:
פָּתוֹת אֹתָהּ פִּתִּים וְיָצַקְתָּ עָלֶיהָ שָׁמֶן מִנְחָה הִוא׃
patót otá pittím wejazaktá aléha schámen minchá hi
6 Zerbröckle den Fladen zu Krümeln und gieß Öl darauf, und das wird eine Darbringung sein.
Wenn du ganz wenig Mehl hast, back einen ganz, ganz dünnen Fladen, ein Fladenbrot, zerbröckle es, begieß es mit Öl, und auch dieses Gebröckel wird minchá sein. Und das bedeutet, auch die Kohanim werden es als Gabe vom königlichen Tisch essen.
וְאִם־מִנְחַת מַרְחֶשֶׁת קָרְבָּנֶךָ סֹלֶת בַּשֶּׁמֶן תֵּעָשֶׂה׃
we'im-minchát marchéschet korbanécha sólet baschémen te'assé
7 Und wenn du dein Opfer in einem tiefen Topf zubereitet hast (in einem Topf zum Braten in einer tiefen Schicht Öl), so mach es ebenfalls aus Solet-Mehl mit Öl.
Da es ja schon in Öl zubereitet wird, muss man es nicht zusätzlich mit Öl bestreichen. Das Wort marchéschet hat dieselbe Wurzel wie das Wort rochésch (nach dem Gleichklang, so zischt das Öl, wenn man Teig hineinwirft), wörtlich „Zischpfanne“, eine Fritteuse im modernen Sinn.
Nach der Aufzählung verschiedener Varianten sagt der Höchste:
וְהֵבֵאתָ אֶת־הַמִּנְחָה אֲשֶׁר יֵעָשֶׂה מֵאֵלֶּה לַיהוָה וְהִקְרִיבָהּ אֶל־הַכֹּהֵן וְהִגִּישָׁהּ אֶל־הַמִּזְבֵּחַ׃
wehewetá et-hamminchá aschér je'assé me'élle ladonáj wehikriwá el-hakkohen wehiggischá el-hammisbéach
8 Und du wirst deine Mincha, die du aus diesen Arten machst, dem HERRN bringen, und du wirst sie dem Kohen reichen, und er wird sie auf den Altar erheben.
וְהֵרִים הַכֹּהֵן מִן־הַמִּנְחָה אֶת־אַזְכָּרָתָהּ וְהִקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה׃
weherím hakkohén min-hamminchá et-askaratá wehiktír hammisbécha isché réach nichóach ladonáj
9 Und der Kohen wird eben jenes Gedenken von der Mincha (der Darbringung) nehmen, und brachte es auf dem Altar dar – das ist ein Feueropfer, ein Wohlgeruch, angenehm dem HERRN.
Das heißt, der Kohen wird eine Handvoll, ein Händchen voll Mehl mit Öl von deiner Darbringung nehmen oder von einem Teil der Fladen, die du gebracht hast, je nachdem, in welcher Form du sie bringst, und wird es auf dem Altar verbrennen.
וְהַנּוֹתֶרֶת מִן־הַמִּנְחָה לְאַהֲרֹן וּלְבָנָיו קֹדֶשׁ קָדָשִׁים מֵאִשֵּׁי יְהוָה׃
wehannotéret min-hamminchá le'aharón ulwanáw kódesch kadaschím me'isché adonáj
10 Und das von der Mincha Übriggebliebene – für Aharon und seine Söhne, das Allerheiligste von den Feueropfern für den Höchsten.
כָּל־הַמִּנְחָה אֲשֶׁר תַּקְרִיבוּ לַיהוָה לֹא תֵעָשֶׂה חָמֵץ כִּי כָל־שְׂאֹר וְכָל־דְּבַשׁ לֹא־תַקְטִירוּ מִמֶּנּוּ אִשֶּׁה לַיהוָה׃
kol-hamminchá aschér takríwu ladonáj lo te'assé chaméz ki chol-seór wechol-dewásch lo-taktíru mimménu isché ladonáj
11 Jedes Opfer, das ihr dem HERRN darbringen werdet, mach es nicht gesäuert, denn alles Gesäuerte und allen Honig räuchert nicht für den Höchsten.
Wenn mit dem Gesäuerten scheinbar alles klar ist, so ist nicht klar, warum man keinen Honig darbringen darf? Man glaubte, dass Honig die Leidenschaft weckt. Wie das Gesäuerte gärt und im Menschen Stolz, Ehrgeiz und allerlei ungesunde Bestrebungen weckt, so weckt auch der Honig ungesunde Leidenschaften. Deshalb darf man ihn essen, aber auf dem Altar, dort, wo das ungesäuerte Opfer dem Höchsten dargebracht wird, hat er keinen Platz. Und der Höchste Selbst sagt im folgenden Vers:
קָרְבַּן רֵאשִׁית תַּקְרִיבוּ אֹתָם לַיהוָה וְאֶל־הַמִּזְבֵּחַ לֹא־יַעֲלוּ לְרֵיחַ נִיחֹחַ׃
korbán reschít takríwu otám ladonáj we'el-hammisbéach lo-ja'alú leréach nichóach
12 Wenn ihr die Erstlinge als Opfer darbringt, bringt sie dar, aber auf den Altar werden sie nicht hinaufkommen zum angenehmen Wohlgeruch.
Wir wissen, dass an Schawuot Brote aus zwei Zehnteln einer Efa Weizenmehl höchster Qualität (solét) dargebracht werden, und sie müssen gesäuert sein. Das heißt, man darf chaméz darbringen, aber er wird nicht auf dem Altar geräuchert. Zur selben Zeit wird zusammen mit den Erstlingen auch Honig dargebracht. Der Honig, der in der Tora gemeint ist, ist bei weitem nicht immer Bienenhonig, häufiger ist es Fruchthonig, eingedickter Saft von Früchten oder Dattelsirup.
Oft kommt es vor, wenn man einen älteren Menschen nach irgendeinem Rezept ausfragt (ich sammle sehr gern alte Kochrezepte), dass man es voller Stolz aufschreibt und den Menschen fragt: „Was, das ist alles?“ – „Ja, alles, natürlich.“ – „Und wo ist das Salz?“ – „Na ja, ja, ja, salzen muss man auch.“ Wir vergessen kleine Details. Auch der Höchste fügt das mit dem Salz ganz am Ende hinzu.
וְכָל־קָרְבַּן מִנְחָתְךָ בַּמֶּלַח תִּמְלָח וְלֹא תַשְׁבִּית מֶלַח בְּרִית אֱלֹהֶיךָ מֵעַל מִנְחָתֶךָ עַל כָּל־קָרְבָּנְךָ תַּקְרִיב מֶלַח׃
wechol-korbán minchatechá bammélach timlách weló taschbít mélach berít elohécha me'ál minchatécha al kol-korbanechá takríw mélach
13 Jedes Opfer deiner Darbringung bestreue mit Salz und entferne das Salz, den Bund deines Gottes, nicht von deiner Darbringung, mit jedem deiner Opfer bringe Salz dar.
So spricht der Höchste. Das Salz ist an jedem Bund beteiligt. Und in alten Zeiten, wenn man einen Bund schloss, aß man etwas Salziges. Denn Salz ist das einzige Konservierungsmittel, das in jenen Zeiten bekannt war. Salz bewahrt das Fleisch, Salz bewahrt den Bund, ist verantwortlich dafür, dass der Bund bewahrt bleibt. Salz ist das, was seine Kraft nicht verliert. Zu sagen, dass das Salz seine Kraft verloren hat, heißt, es in ironischem Sinn zu sagen, dieses Bild verwendet Jeschua. Das Bild des Salzes, das seine Kraft verloren hat, als etwas Unmögliches, wird auch im Talmud verwendet. Das Symbol des Bundes, der seine Kraft nicht verliert, ist das Salz. Deshalb sagt der Höchste: „Da die Beziehungen selbst zwischen Israel und dem Volk Beziehungen des Bundes sind und das Opfer im Rahmen des Bundes dargebracht wird, ist es mit Salz darzubringen.“
Und noch Empfehlungen, die der Höchste gibt.
וְאִם־תַּקְרִיב מִנְחַת בִּכּוּרִים לַיהוָה אָבִיב קָלוּי בָּאֵשׁ גֶּרֶשׂ כַּרְמֶל תַּקְרִיב אֵת מִנְחַת בִּכּוּרֶיךָ׃
we'im-takríw minchát bikkurím ladonáj awíw kalúj ba'ésch géres karmél takríw et minchát bikkurécha
14 Und wenn du dem Höchsten ein Opfer von den Erstlingen bringst, von den allerfrühesten unreifen Körnern, am Feuer geröstet, oder zerstoßenes Milchkorn, bring es dar als Opfer deiner Erstlinge.
Es war üblich, Weizenkörner zu rösten und sie zu essen, das ist so ein biblisches Popcorn. Gewöhnlich isst man die Körner in Form von kalí (gebratene, geröstete Körner vom Weizen) und karmél (Milchkörner). Im zweiten Buch Melachim (4,42) lesen wir: „Es kam ein Mann aus Ba'al-Schalischa und brachte dem Mann Gottes in seinem Beutel Brot von den ersten Früchten: zwanzig Gerstenbrote und frische Körner (karmél).“ Die allerfrischesten Körner, die er brachte, Milchkörnchen in den Ähren, die man gleich so aß oder zerstieß. Hier spricht der Höchste von zwei Varianten der minchá: entweder geröstete Körner oder zerstoßene Milchkörner.
וְנָתַתָּ עָלֶיהָ שֶׁמֶן וְשַׂמְתָּ עָלֶיהָ לְבֹנָה מִנְחָה הִוא׃
wenatattá aléha schémen wesamtá aléha lewoná minchá hi
15 Und goss Öl darauf und gab Weihrauch dazu –
das wird ein Opfer sein.
Wenn wir aus thermisch unbehandeltem Korn zubereiten, müssen wir Weihrauch hinzufügen, das ist ein allgemeines Prinzip. Das heißt, es ist so einfach, ein Opfer aus den allerfrühesten Früchten zu machen und nicht zu überlegen: „Bringen? Nicht bringen?“ Der Höchste sagt: „Das hier ist minchá, das ist eine Darbringung.“
וְהִקְטִיר הַכֹּהֵן אֶת־אַזְכָּרָתָהּ מִגִּרְשָׂהּ וּמִשַּׁמְנָהּ עַל כָּל־לְבֹנָתָהּ אִשֶּׁה לַיהוָה׃
wehiktir hakkohen et-askaratá miggirsá umischamná al kol-lewonatá isché ladonáj
16 Und der Kohen wird nehmen und wird von diesem zerstoßenen jungen Korn mit Öl darbringen (wieder wird er eine Handvoll nehmen, ein Händchen voll) und reichlich Weihrauch, und wird es zu einem Räuchern für den Höchsten machen.
So beschreibt der Höchste die Varianten des Opfers, die Möglichkeit der Opfergemeinschaft mit Ihm, für einen fast mittellosen Menschen, für einen Menschen, der fast überhaupt keine Möglichkeiten hat. Und Er sagt, dass dieses Opfer das würdigste ist. Gerade ihm gegenüber sollen die Kohanim mehr Pietät zeigen, mehr Achtung, und sie essen es als Bewirtung Gottes, als Bewirtung vom Höchsten.
Eine natürliche Frage, die im Lauf der ganzen menschlichen Geschichte gestellt wird: „Was kannst du Gott geben?“ Tatsächlich können wir Gott nichts geben, alles gehört Ihm ohnehin. Aber Er hat sich aus Seiner Gnade auf die Stufe herabgelassen, auf der wir Ihn gleichsam speisen können, sogar der Ärmste von uns. Wie soll es ein König machen, der alles hat? Wie soll er seinen Untertanen die Möglichkeit geben, ihm Geschenke zu bringen? Das ist es, was der Höchste hier tut. Er freut sich über unsere Geschenke, wie eine Mama sich über ein Blümchen freut, das ihre Tochter gemalt hat. Mit genau derselben väterlichen, mütterlichen Freude freut sich der Höchste. Und darin liegt das Wesen dieses Kapitels – über die Geschenke und über Den, der die Geschenke annimmt. Denn das Zelt der Begegnung, das Heiligtum, der Tempel – das ist der Ort der Begegnung von Mensch und Gott. Nicht nur ein Ort der Buße, ein Ort, wohin der Mensch um Vergebung und um Offenbarung kommt, sondern auch ein Ort, wohin der Mensch zum Höchsten kommen kann, wenn er Ihm eine Gabe bringen will. Vielleicht wegen eines Gefühls der Unreinheit, vielleicht aus dem Wunsch, sich zu versöhnen, oder vielleicht deshalb, weil er aufgewacht ist und gedacht hat: „Was für ein schönes Wetter, was für eine gute Stimmung, ich bringe doch dem Höchsten, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, eine Gabe dafür, dass alles auf der Welt gut ist!“
Ladet Gott zu euch zu Gast ein
Wajikra 3,1–17
Mit Gottes Hilfe lesen wir gemeinsam den Wochenabschnitt Wajikra weiter. Wir haben über die Ganzopfer (olá) gesprochen, dann haben wir über das Opfer gelesen, das minchá (Gabe, Geschenk) heißt. Jetzt sprechen wir über ein erstaunliches Opfer, über das Opfer schelamím, das Opfer der Versöhnung oder der Besänftigung.
וְאִם־זֶבַח שְׁלָמִים קָרְבָּנוֹ אִם מִן־הַבָּקָר הוּא מַקְרִיב אִם־זָכָר
אִם־נְקֵבָה תָּמִים יַקְרִיבֶנּוּ לִפְנֵי יְהוָה׃
weim-séwach schelamím korbanó im min-habbakár hu makrív im-sachár im-nekewá tamím jakriwénnu lifné adonáj
1 Und falls sein Opfer ein Versöhnungsopfer sein wird und er es von den Rindern darbringen wird, wird er ein Männchen oder ein Weibchen, makellos, vor dem Höchsten darbringen.
Der Vers beginnt mit dem Wort weim (und falls). Gewöhnlich beginnt mit dem Wort im (falls) ein Unterpunkt irgendeines Gesetzes. Das Gesetz selbst beginnt mit dem Wort ki (wenn). Und es ist für uns in diesem Fall nicht schwer zu verstehen, um den Unterpunkt welches Gesetzes es geht. In Kapitel 1, in Vers 2, haben wir gelesen: ki-jakrív mikkém korbán ladonáj (wenn jemand von euch Gott ein Opfer darbringen will), und weiter folgten die Arten der Opfer. Hier kehren wir gewissermaßen zum Thema von Kapitel 1 zurück: „Wenn jemand von uns ein Opfer darbringen will, und falls dieses Opfer ein schelamím sein wird …“
Das Opfer schelamím (Opfer der Versöhnung) heißt so, weil neben ihm schalóm (Frieden) ist. Das ist ein Opfer, an dessen Verzehr es drei Teilnehmer gibt: der, der das Opfer darbringt (er isst den größeren Teil), der Höchste und der Kohen. Somit ist das Opfer schelamím, das Friedensopfer, eine einzigartige Möglichkeit für den, der das Opfer darbringt, den Höchsten zu seinem Fest einzuladen, zu seinem Festmahl. Der Höchste bekommt seinen Teil – das sind das Blut und das Fett: Mit dem Blut wird der Altar besprengt, und das Fett wird auf ihm verbrannt. Die Kohanim bekommen ihren Teil – die Brust und den Schenkel als „Vermittlerlohn“ dafür, dass sie das Opfer darbringen, das ist eine „Provision“ für die Dienste. Das heißt, Gott hat seinen Teil, der Kohen hat seinen Teil, und den Rest bekommt der, der dieses Opfer darbringt. Alle drei Seiten nehmen an einem Festmahl teil, die Darbringung dieses Opfers ist mit Freude verbunden.
Es gibt drei Unterkategorien des Friedensopfers. Die erste – das Opfer nedawá (freiwilliges Opfer, Antrieb der Seele), wenn ein Mensch einfach, ohne jeden Grund, aus Sehnsucht des Geistes, aus dem Streben, beim Höchsten zu sein, mit Ihm an einem Tisch zu speisen, kann man sagen, dieses Opfer darbringt. Die zweite Kategorie – das Opfer néder (aufgrund eines Gelübdes oder Schwurs). Es gibt die Situation, dass ein Mensch in der Hoffnung auf Erlösung dem Höchsten ein Gelübde gibt und sagt: „Wenn ich überlebe, wenn ich gerettet werde, wenn mein Sohn gesund wird, wenn das und das geschieht, werde ich ein Opfer aufgrund des Gelübdes darbringen.“ Und die dritte Kategorie des Opfers – das ist das Opfer todá (Opfer des Dankes). Selbst wenn ich kein Gelübde gegeben habe, aber wenn ich in irgendeiner schweren Situation gerettet wurde, wenn mir ein Sohn geboren wurde, wenn mir irgendein unerwartet gutes, glückliches Ereignis widerfahren ist, kann ich zum Dank dafür ebenfalls dem Höchsten ein Friedensopfer darbringen, den Höchsten zu meinem Fest einladen. Alle diese drei Kategorien verbindet, dass das Opfer schelamím immer ein Opfer der Freude ist, es ist immer mit Freude verbunden und wiederum eine Möglichkeit, Freunde mit Fleisch zu bewirten. Fleisch ist ein seltener Gast auf dem Tisch des Armen: ein Lämmchen, ein Zicklein oder einen Jungstier zu schlachten – das macht man nicht einfach so. Für eine einzelne Familie kann das ein zu großer Luxus sein, und um die Verwandtschaft einzuladen – dafür braucht man einen Anlass für ein Fest. Und genau das Opfer schelamím ist ein Anlass für ein Fest, und umgekehrt, wenn es ein Fest gibt, gibt es einen Anlass, das Opfer schelamím darzubringen. Im Buch Dewarim heißt es: „Und schlachte deine Friedensopfer und iss dort und freue dich vor dem HERRN, deinem Gott.“ Die Darbringung der Friedensopfer ist direkt mit Fröhlichkeit verbunden.
Eines der Vorbilder oder, sagen wir, der erste Präzedenzfall des Friedensopfers ist das Pessachopfer – korbán pésach. Als die Juden aus Ägypten ausziehen, geschieht die Erlösung, die Befreiung und ein gemeinsames Fest, ein gemeinsames Festmahl. Und das ist ein Vorbild des kommenden Pessachopfers, denn das ist ein Opfer, das alle essen müssen. Wer die Frucht des Pessachopfers nicht isst, sein Fleisch nicht isst, der wird von seinem Volk abgeschnitten.
Das ist so ein notwendiges Vorwort über das Opfer schelamím. Wir werden sehen, dass es von verschiedenen Tieren dargebracht wird. Die Tora beginnt mit dem Stier und macht keinen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen, im Unterschied zum Ganzopfer, bei dem ein Stier männlichen Geschlechts dargebracht wird (sachár).
וְסָמַךְ יָדוֹ עַל־רֹאשׁ קָרְבָּנוֹ וּשְׁחָטוֹ פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד וְזָרְקוּ בְּנֵי אַהֲרֹן הַכֹּהֲנִים אֶת־הַדָּם עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃
wesamách jadó al-rósch korbanó uschcható pétach óhel mo'éd wesarekú bené aharón hakkohaním et-haddám al-hammisbéach sawív
2 Und er legte die Hand auf den Kopf seines Opfers und schlachtete es am Eingang des Zeltes der Begegnung, und die Söhne Aharons, die Kohanim, besprengten mit dem Blut ringsum den Altar.
Hier, im ersten Fall, wo es um den Stier geht, lesen wir samách jadó, was bedeutet er legte mit seiner ganzen Kraft die Hand auf. Das zeigt, dass man die Hand nicht nur symbolisch auf das Tier legen muss, sondern die Hand mit einem gewissen Druck auflegen muss, sich auf es stützen. Weiter, wenn vom Widder und vom Ziegenbock die Rede sein wird, wird es heißen samách et-jadó. Ein Lämmchen oder ein Zicklein hat nicht so viel Kraft, wie ein Stier hat, deshalb stützt man sich auf den Stier mit größerer Kraft. Ich wiederhole: Wenn man mit dem Blut ringsum den Altar besprengt, stellt man damit die verwandtschaftliche Beziehung mit dem Höchsten wieder her, wir werden mit Ihm eines Blutes.
וְהִקְרִיב מִזֶּבַח הַשְּׁלָמִים אִשֶּׁה לַיהוָה אֶת־הַחֵלֶב הַמְכַסֶּה אֶת־הַקֶּרֶב וְאֵת כָּל־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עַל־הַקֶּרֶב׃
wehikrív misséwach haschelamím isché ladonáj et-hachélew hamchassé et-hakkérew we'ét kol-hachélew aschér al-hakkérew
3 Und er brachte das Friedensopfer dar, ein Feueropfer dem Höchsten: das Fett, das die Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das an den Eingeweiden ist,
Im Hebräischen gibt es viele verschiedene Wörter zur Bezeichnung dieser oder jener Art von Fett. Das Wort chélew – das ist gelblich gefärbtes, formloses Fett, das sich leicht in Schichten teilt: Wenn man daran zieht, teilt es sich, es wird wie dünnes Papier. Es löst sich leicht von den inneren Organen, und seine Bestimmung im Organismus ist es, eine Polsterung zu sein, ein Federbett für die inneren Organe. Das Wort chélew kann man verstehen als schwächend, zurückziehend, trennend, Trennung bewirkend oder Schwächung. Das heißt, das Wort selbst hat eine negative Konnotation, und die Weisen wählten es zur Bezeichnung des Fettes, das zum Essen verboten ist (im Unterschied zu dem Fett, das zum Essen erlaubt ist und schumán heißt). Jedenfalls sind die Fettzellen nicht nur auf der physischen Ebene ein Speicher für alles, was wir nicht besonders aufbewahren wollen, sie haben auch auf der geistlichen Ebene eine ähnliche Bedeutung. Und genau dieses innere Fett fällt nach dem Willen des Höchsten als Seine Portion bei unserem Festmahl ab. Aber auch nicht nur dieses.
וְאֵת שְׁתֵּי הַכְּלָיֹת וְאֶת־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עֲלֵהֶן אֲשֶׁר עַל־הַכְּסָלִים וְאֶת־הַיֹּתֶרֶת עַל־הַכָּבֵד עַל־הַכְּלָיוֹת יְסִירֶנָּה׃
we'ét scheté hakkelajot we'et-hachélew aschér alehén aschér al-hakkessalím we'et-hajotéret al-hakkawéd al-hakkelajot jesirénna
4 Und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen ist, und das am oberen Teil der Hüften ist, und den Schwanzlappen der Leber wird er, bei den Nieren beginnend, abtrennen.
Der Kohen trennt alle aufgezählten Teile des Tierkörpers ab, die für den Höchsten bestimmt sind. Von den Nieren wissen wir, dass auch sie in der geistlichen Anatomie eine wichtige Rolle spielen. Wenn wir die ganze Zeit davon sprechen, dass im Tanach das denkende Organ des Menschen das Herz ist, so sind das fühlende Organ, das emotionale Organ, das Zentrum, das „träumende“ Organ die Nieren. In der Synodalübersetzung geht das oft verloren, an den Stellen, wo gesagt wird, dass der Höchste die Eingeweide prüft. In Wirklichkeit, im Original, prüft Er die Nieren (kelajot). Und so wie der Höchste unser inneres Fett auf Sich nassá (getragen hat), es auf Sich genommen hat, genauso hebt Er auch die Nieren des Opfers auf, nimmt sie als Seine Portion an.
Kessalím – ein selten gebrauchtes Wort und deshalb schwer zu verstehen. Manche übersetzen es als Flanken. Aber wenn es Flanken bedeuten würde, dann wäre es nicht im Plural geschrieben, sondern im Dual. Im Hebräischen haben die Substantive Singular, Plural und Dual, wenn es von etwas nicht viele gibt, sondern genau zwei, und in solchen Fällen wird eine bestimmte Endung verwendet. Zum Beispiel ajn (Auge) – ejnájim (Augen), ósen (Ohr) – osnájim (Ohren), jad (Hand) – jadájim (Hände). Wenn von Flanken die Rede wäre, dann wäre es richtig, ksalájim zu sagen. Da von kessalím mit der Pluralendung gesprochen wird, geht es um irgendwelche inneren oder unpaarigen Organe. Das Wort késsal ist mit Anspannung verbunden, mit Muskeln, mit Kraft, und deshalb ist die wahrscheinlichste Übersetzung Fett vom oberen Teil der Hüften.
Das Verständnis, das durch die Wortverbindung jotéret al-hakkawéd (Schwanzlappen der Leber) ausgedrückt ist, deuten manche als Zwerchfell (Scheidewand zwischen Brust und Bauch), so kann man es auch verstehen, aber die wahrscheinlichste Variante ist, dass es der Schwanzlappen der Leber ist. Es gibt einen besonderen Teil der Leber, und er wird Teil der Portion des Höchsten bei unserem Festmahl. Was ist besonders an dem Organ, dessen Bezeichnung wir als Schwanzlappen der Leber übersetzt haben? Dieses Organ wurde bei den Heiden, bei den Völkern der Welt zum Wahrsagen verwendet. Wenn man den Körper eines Tieres aufschnitt und seine Eingeweide auswarf, wurde genau dieses Organ verwendet, um das Schicksal des Menschen zu bestimmen. Der Höchste nimmt das auf Sich, das ist Sein Teil.
וְהִקְטִירוּ אֹתוֹ בְנֵי־אַהֲרֹן הַמִּזְבֵּחָה עַל־הָעֹלָה אֲשֶׁר עַל־הָעֵצִים אֲשֶׁר עַל־הָאֵשׁ אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה׃
wehiktíru otó wené-aharón hammisbécha al-ha'olá aschér al-ha'ezím aschér al-ha'ésch isché réach nichóach ladonáj
5 Und die Söhne Aharons werden es auf dem Altar räuchern, über dem Ganzopfer, das auf dem Holz ist, das auf dem Feuer ist, ein Feueropfer, ein Wohlgeruch dem Höchsten.
Man kann es so verstehen, dass das Ganzopfer noch brennt und man dieses Räuchern in Stücken von oben darauflegt. Und man kann es so verstehen, dass es neben, zusätzlich zu dem Ganzopfer dargebracht wird, das ohnehin dargebracht werden muss. Der Mensch ist mit Dank zum HERRN gekommen, hat Ihn eingeladen und will mit Ihm Tischgenosse sein. Dieses Verlangen nach Gemeinschaft, das Verlangen nach Nähe zu Gott – das ist auch ein Parfüm für den Höchsten.
Aber nicht immer hat ein Mensch die Möglichkeit, einen Stier als Opfer darzubringen, das ist ein teures Tier. Deshalb fährt die Tora fort und sagt:
וְאִם־מִן־הַצֹּאן קָרְבָּנוֹ לְזֶבַח שְׁלָמִים לַיהוָה זָכָר אוֹ נְקֵבָה תָּמִים יַקְרִיבֶנּוּ׃
we'im-min-hazzón korbanó leséwach schelamím ladonáj sachár o nekewá tamím jakriwénnu
6 Falls aber sein Friedensopfer für den HERRN vom Kleinvieh ist, wird er ein Männchen oder ein Weibchen, rein (ohne Makel), als Opfer darbringen.
Wir gleiten gewissermaßen so über das Wort makellos (ohne Makel) hinweg: Das bedeutet, dass es an diesem Tier nicht einmal die geringste Verletzung, Schramme, Wunde, keinen Makel gibt, und man untersucht es lange, um es als makellos anzuerkennen, anzunehmen. Da das kleine Hornvieh, das für Opfer zulässig ist, von zwei Arten ist – Widder und Ziegenböcke –, beginnt die Tora, die Einzelfälle aufzuzählen.
אִם־כֶּשֶׂב הוּא־מַקְרִיב אֶת־קָרְבָּנוֹ וְהִקְרִיב אֹתוֹ לִפְנֵי יְהוָה׃
im-késsew hu-makrív et-korbanó wehikrív otó lifné adonáj
7 Wenn er einen Widder oder ein Schaf als Opfer darbringt, dann soll er es vor dem Höchsten darbringen.
Wir halten inne und achten auf ein Wort. Es scheint, als gäbe es hier, in der Tora, einen Schreibfehler, einen Druckfehler. Auf Hebräisch heißt das Wort Widder kéwes, nicht késsew. Die Buchstaben Bet und Schin haben gleichsam die Plätze getauscht. Viele Forscher achten darauf und machen es zum Gegenstand des Spotts, indem sie sagen: „Seht, euer Gott hat Grammatikfehler im Text.“ Aber das Wort késsew ist ein Verkleinerungs- und Kosewort, wie Zicklein, Schäfchen, Lämmchen. So nennt man die Kleinen, késsew – das ist gleichsam Baby-Schaf, Baby-Widder. Wir begegnen diesem Wort selten, aber es gibt es im Hebräischen. Im 30. Kapitel des Buches Bereschit, in der Geschichte mit den Hirtenlisten Jaakows, kommt es auch vor. Deshalb spricht die Tora gewissermaßen zärtlich: nicht „wenn er ein Schaf oder einen Widder als Opfer darbringt“, sondern „wenn er ein Schäfchen oder ein Lämmchen als Opfer darbringt“. Weiter lesen wir ein im Großen und Ganzen sehr ähnliches Ritual.
וְסָמַךְ אֶת־יָדוֹ עַל־רֹאשׁ קָרְבָּנוֹ וְשָׁחַט אֹתוֹ לִפְנֵי אֹהֶל מוֹעֵד וְזָרְקוּ בְּנֵי אַהֲרֹן אֶת־דָּמוֹ עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃
wesamách et-jadó al-rósch korbanó weschachát otó lifné óhel mo'éd wesarekú bené aharón et-damó al-hammisbéach sawív
8 Und er legte seine Hand auf den Kopf seines Opfers und schlachtete es vor dem Eingang des Zeltes der Begegnung, und die Söhne Aharons besprengten mit seinem Blut ringsum den Altar.
Wir haben beim 2. Vers gesagt, dass in Bezug auf den Stier gesagt ist: samách jadó, das heißt er legte seine Hand ganz auf, stützte sich auf ihn. Hier – samách et-jadó, einfach er legte seine Hand.
וְהִקְרִיב מִזֶּבַח הַשְּׁלָמִים אִשֶּׁה לַיהוָה חֶלְבּוֹ הָאַלְיָה תְמִימָה לְעֻמַּת הֶעָצֶה יְסִירֶנָּה וְאֶת־הַחֵלֶב הַמְכַסֶּה אֶת־הַקֶּרֶב וְאֵת כָּל־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עַל־הַקֶּרֶב׃
wehikrív misséwach haschelamím isché ladonáj chelbó ha'aljá temimá le'ummát he'azé jessirénna we'et-hachélew hamchassé et-hakkérew we'ét kol-hachélew aschér al-hakkérew
9 Und sie brachten auf dem Altar als Feuer-Friedensopfer des Höchsten das Fett dar: den ganzen Fettschwanz, indem sie ihn vom Steißbein abbrachen, und das Fett, das alle Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das an den inneren Organen ist.
Noch ein Teil, der das Lämmchen von allen anderen Tieren unterscheidet, ist der Fettschwanz (aljá), ein fetter Auswuchs am Schwanz. Im Land Israel gab es Fettschwanzwidder, deren Fettschwanz (nach dem Zeugnis des griechischen Historikers Herodot) im Durchschnitt 7 Kilogramm wog, bei manchen auch viel mehr. Es ist durchaus möglich, dass das eine Übertreibung ist, aber es ist ein interessantes Zeugnis. Interessant ist auch, dass der Fettschwanz hier getrennt vom chélew aufgezählt ist, das heißt, der Fettschwanz gehört nicht zu dem Fett, dessen Verzehr verboten ist. Das ist der Hauptunterschied des Lämmchens von allen anderen. Den Fettschwanz bricht man vom Schwanzknöchelchen ab, vom allerletzten Glied der Wirbelsäule. Außerdem wird derselbe Teil dargebracht, dasselbe innere Fett (chélew), wie im Fall des Stiers.
Und weiter ist alles ebenfalls wie beim Stier:
וְאֵת שְׁתֵּי הַכְּלָיֹת וְאֶת־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עֲלֵהֶן אֲשֶׁר עַל־הַכְּסָלִים וְאֶת־הַיֹּתֶרֶת עַל־הַכָּבֵד עַל־הַכְּלָיֹת יְסִירֶנָּה׃
we'ét scheté hakkelajot we'et-hachélew aschér alehén aschér al-hakkessalím we'et-hajotéret al-hakkawéd al-hakkelajot jessirénna
10 Und die zwei Nieren und das Fett, das an ihnen ist und das am oberen Teil der Hüften ist, und den geschwänzten Lappen der Leber soll er von den Nieren abnehmen.
וְהִקְטִירוֹ הַכֹּהֵן הַמִּזְבֵּחָה לֶחֶם אִשֶּׁה לַיהוָה׃
wehiktiró hakkohén hammisbécha léchem isché ladonáj
11 Und der Kohen wird auf dem Altar das Brot der Verbrennung dem HERRN räuchern (aufsteigen lassen).
Eben dieses Fleisch, diese Stücke der Nieren, des Fetts, des Fettschwanzes – all das zusammen wird hier léchem oder Brot genannt, weil das Wort Brot in einem weiteren Sinn des Wortes gebraucht wird, in der Bedeutung Speise, Nahrung, das, was der Mensch bekommt, seine Ration. In diesem Fall bekommt es nicht der Mensch, sondern der Höchste. Daraus können wir schließen, dass es für alle Beteiligten, für diejenigen, die dieses Opfer essen – und wir haben gesagt, dass das der Mensch ist, der das Opfer darbringt, der Höchste und die Kohanim –, für alle Brot ist. Brot ist nicht nur Brot, nicht nur das, was wir aus Getreide machen, es ist Nahrung, das, was uns sättigt. Außerdem ist eine der Bedeutungen des Wortes léchem – ist Fleisch, sie hat sich, sagen wir, im Arabischen erhalten, wo man mit dem Wort léchem Fleisch bezeichnet. In dieser Bedeutung wird es beim Propheten Zefanja gebraucht, auch im Hebräischen gibt es sie. All diese Vieldeutigkeit gibt uns Nahrung zum Nachdenken (oder Brot zum Nachdenken) in Bezug auf die Natur des Opfers schelamím.
Das war der Fall, wenn ein Mensch ein Lämmchen oder ein Schaf als Opfer darbringt.
וְאִם עֵז קָרְבָּנוֹ וְהִקְרִיבוֹ לִפְנֵי יְהוָה׃
we'im-és korbanó wehikriwó lifné adonáj
12 Und wenn sein Opfer ein Ziegenbock ist, soll er ihn vor dem HERRN als Opfer darbringen.
Hier ist nicht gesagt – von den Ziegenböcken, und noch ein Detail ist ausgelassen: Hier ist nicht gesagt, welchen Geschlechts das Tier sein darf, das man darbringt – ein Männchen oder ein Weibchen. Die Kommentatoren streiten darüber, warum das nicht gesagt ist. Viele sagen: „Weil man, da schon über die Stiere gesprochen wurde und über die Schafe gesprochen wurde, auch bei den Ziegenböcken anscheinend versteht, dass man einen Ziegenbock oder eine Geiß als Opfer darbringen darf.“ Andere sagen: „Nein, das ist nicht so. Die Sache ist die, dass ein Mensch im Alltag eher einen Ziegenbock schlachtet als eine Geiß. Kaum jemand hält einen Ziegenbock für sich allein. Wozu einen einzelnen Ziegenbock halten? Von ihm hat man so viel Nutzen wie Milch von einem Ziegenbock, und deshalb hält der Mensch einen Ziegenbock und eine Geiß.“ Und wiederum wird er nicht die Geiß schlachten, um einen einzelnen Ziegenbock übrig zu behalten, weil man von ihm so viel Nutzen hat wie Milch von einem Ziegenbock. Deshalb wird, wenn wir über die Ziegen sprechen, das Opfer eben ein Böckchen sein.
וְסָמַךְ אֶת־יָדוֹ עַל־רֹאשׁוֹ וְשָׁחַט אֹתוֹ לִפְנֵי אֹהֶל מוֹעֵד וְזָרְקוּ בְּנֵי אַהֲרֹן אֶת־דָּמוֹ עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃
wesamách et-jadó al-roschó weschachát otó lifné óhel mo'éd wesarekú bené aharón et-damó al-hammisbéach sawív
13 Und er legte die Hand auf den Kopf des Opfers und schlachtete ihn vor dem Eingang des Zeltes der Begegnung, und die Söhne Aharons besprengten mit seinem Blut ringsum den Altar.
וְהִקְרִיב מִמֶּנּוּ קָרְבָּנוֹ אִשֶּׁה לַיהוָה אֶת־הַחֵלֶב הַמְכַסֶּה אֶת־הַקֶּרֶב וְאֵת כָּל־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עַל־הַקֶּרֶב׃
wehikrív mimménnu korbanó isché ladonáj et-hachélew hamchassé et-hakkérew we'ét kol-hachélew aschér al-hakkérew
14 Und er wird von ihm ein Feueropfer dem Höchsten darbringen: das Fett, das die Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das an den inneren Organen ist,
Obwohl auch die Böckchen (das wissen nur wenige) einen kleinen Fettschwanz haben, ist er doch so klein, dass er nicht als Speise verwendet wird und man ihn vernachlässigen kann. Deshalb sticht von allen drei Tieren nur das Lämmchen hervor, von dem als Opfer zusätzlich noch der Fettschwanz dargebracht wird.
Warum wiederholt die Tora es dreimal, warum sagt sie es nicht in einer einzigen Liste: „Er soll einen Stier, ein Lämmchen oder ein Böckchen darbringen?“ Damit ein Mensch, dessen Gabe bescheiden ist und der nur ein Böckchen darbringen kann, sich darauf stützen und sagen kann: „Für mein Böckchen stehen in der Tora nicht weniger Verse als für euren Jungstier. Der Höchste macht überhaupt keinen Unterschied. Deshalb werde ich mein Böckchen nicht durch den Hintereingang bringen, und nicht gegen Bestechung, und nicht heimlich, sondern ich werde es ebenfalls offen bringen.“ Und die Kohanim dienen genauso dem, der ein Böckchen gebracht hat, wie dem, der einen Stier gebracht hat, ohne irgendeinen Unterschied zu machen. Deshalb wiederholt die Tora das absichtlich. Und wieder ist der Teil, der dem Höchsten gehört, ein und derselbe. Zum dritten Mal wiederholt sich in der Tora ein und derselbe Inhalt des Verses.
וְאֵת שְׁתֵּי הַכְּלָיֹת וְאֶת־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עֲלֵהֶן אֲשֶׁר עַל־הַכְּסָלִים וְאֶת־הַיֹּתֶרֶת עַל־הַכָּבֵד עַל־הַכְּלָיֹת יְסִירֶנָּה׃
we'ét scheté hakkelajot we'et-hachélew aschér alehén aschér al-hakkessalím we'et-hajotéret al-hakkawéd al-hakkelajot jessirénna
15 Und die zwei Nieren und das innere Fett, das an ihnen ist und das am oberen Teil der Hüften ist, und der geschwänzte Lappen der Leber – bei den Nieren beginnend wird er ihn abtrennen.
Und die Handlungen des Kohen mit diesen Teilen sind genau dieselben.
וְהִקְטִירָם הַכֹּהֵן הַמִּזְבֵּחָה לֶחֶם אִשֶּׁה לְרֵיחַ נִיחֹחַ כָּל־חֵלֶב לַיהוָה׃
wehiktirám hakkohén hammisbécha léchem isché leréach nichóach kol-chélew ladonáj
16 Und der Kohen wird auf dem Altar das Brot des Feueropfers räuchern (aufsteigen lassen) zum Duft des Wohlgeruchs, alles innere Fett dem HERRN.
Damit beendet die Tora die Anleitung zur Darbringung des Friedensopfers und fügt eine Anordnung hinzu:
חֻקַּת עוֹלָם לְדֹרֹתֵיכֶם בְּכֹל מוֹשְׁבֹתֵיכֶם כָּל־חֵלֶב וְכָל־דָּם לֹא תֹאכֵלוּ׃
chukkát olám ledorotechém bechól moschewotechém kol-chélew wechol-dám lo tochélu
17 Das ist eine ewige Anordnung für eure Geschlechter, für eure Generation, in all euren Wohnstätten, überall, wo ihr auch wohnt: Speist keinerlei inneres Fett, und Blut esst nicht.
Wir haben gesagt, dass das zum Essen verbotene Fett chélew ist, das Fett, das die Höhle der inneren Organe und die inneren Organe selbst bedeckt. Das heißt, es ist das Fett, das die Nieren und überhaupt die Bauchhöhle bedeckt, ein gelbliches Fett, das sich leicht ablöst und in Schichten liegt. Das betrifft weder das Fett des Fettschwanzes noch das Fett, das sich zum Beispiel an den Lammrippchen befindet. Wir können den Höchsten einladen und Ihn mit diesen für uns ungenießbaren Teilen bewirten und Ihn erfreuen, obwohl das natürlich metaphorisch ist: Der Höchste speist selbstverständlich nicht, Er braucht unser Mittagessen nicht, das muss man im Gedächtnis behalten, aber Er erlaubt uns, Ihn gleichsam zu unserem Festmahl einzuladen. Das ist eine große Gnade uns gegenüber. Und wir sehen, dass Er durch Seine Teilnahme an unserem Opfer, an unserer gemeinsamen Mahlzeit, gleichsam bestimmte Eigenschaften von uns auf Sich trägt, unseren sündigen Anteil, die sündige Natur auf Sich trägt. Das ist die Antwort des Höchsten auf unsere Einladung an Ihn, zu uns zum Festmahl zu kommen und mit uns die Freude zu teilen.
Göttliche Hygiene
Wajikra 4,1–4,35
In den vorigen drei Kapiteln haben wir zuerst über das Opfer olá gesprochen, das Ganzopfer, dann über das Opfer minchá und schließlich über das Friedensopfer, das Opfer schelamím. Heute sprechen wir über eine völlig andere Art von Opfern. Es ist gut, wenn man dem Höchsten eine Gabe bringen kann, dem Höchsten ein Dankopfer oder ein Versöhnungsopfer darbringen kann, die der Mensch nach seinem Willen, nach seinem Wohlwollen darbringt. Oder ein Opfer darzubringen, um seine Beziehung zum Höchsten zu spüren oder zurechtzurücken, wiederum aus eigener Neigung. Aber es gibt Fälle, in denen ein Mensch sich mit dem Höchsten zerstreitet.
Im Unterschied zur heidnischen Kultur, zu den heidnischen Glaubensvorstellungen, ist der Mensch im Judentum, in der Tora, mit unglaublichen Fähigkeiten, mit unglaublicher Kraft ausgestattet: er kann den Höchsten vertreiben. In den heidnischen Mythen haben die Götter einen bestimmten Wohnort: Die griechischen Götter wohnen auf dem Olymp, die skandinavischen Götter wohnen in Asgard, andere Götter wohnen noch irgendwo anders, und von dort räucherst du sie nicht aus, was du auch tust, sie vertreiben selbst jeden Beliebigen. Der Höchste hat geruht, sich niederzulassen, das Volk Israel zu Seinem Haus zu machen. Und wenn im Volk Unreinheit entsteht (nicht physischer Schmutz, sondern tum'á, Befleckung, Schmutz im metaphysischen, geistigen Verständnis), dann kann der Höchste nicht inmitten seines Volkes wohnen und entfernt sich. Deshalb wird, wenn ein Mensch sündigt, willentlich oder unwillentlich, in der geistigen Sphäre irgendeine Unreinheit ausgeschieden, tum'á, etwas Ähnliches wie ein Virus. Der Höchste ist langmütig: Wie Mosche bemerkt hat, atmet Er lange ein, ein bestimmtes Maß an Unreinheit erträgt Er. Wenn sich aber der Schmutz auf diesem Niveau ansammelt, will der Höchste nicht länger in solchen geistig unhygienischen Verhältnissen verweilen und geht fort. Deshalb wird, wenn ein Mensch sündigt, das Heiligtum verunreinigt, das Haus des Höchsten wird verunreinigt, und es braucht eine Reinigung.
Ein Mensch, der Ausflüsse hatte (darüber werden wir noch lesen), kann gehen und in der Míkwe (im Wasserbecken) untertauchen und sich so reinigen. Ein Mensch, der eine Verfehlung begangen hat, kann teschuwá tun (bereuen), und anscheinend geschieht eine Reinigung. Aber was ist geschehen, als der Höchste sich entfernt hat? Der Mensch selbst hat sich ebenfalls vom Höchsten entfernt.
Der bekannte Schriftsteller Oscar Wilde hat einen Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“. Die Handlung besteht darin (ich erzähle sie sehr vereinfacht nach), dass ein gewisser Maler das Porträt eines schön aussehenden Schurken namens Dorian Gray malte. Dorian Gray sprach laut den Wunsch aus, dass das Porträt altern und er selbst ewige Jugend erlangen solle, dass es so sei und nicht umgekehrt. Und Dorian Gray stürzte sich in alle Laster und handelte, wie es sich für einen Schurken des viktorianischen Zeitalters gehört: Er spielte sehr vielen Menschen übel mit, tat sehr viel Böses. Allmählich begann er irgendwelche Verzerrungen im Gesicht seines Porträts zu bemerken, und letzten Endes verwandelte sich das Porträt in einen abscheulichen Anblick. Dorian Gray selbst aber behielt dabei seine Jugend und war ein erfolgreicher, glamouröser viktorianischer Schurke.
Eine ähnliche Situation geschieht mit einem Menschen, der unbemerkt oder bemerkt gesündigt hat. Anscheinend geht sein Leben seinen Gang, und das ist die ewige Frage: Warum haben die Übeltäter Erfolg? Aber der Mensch ist nicht nur ein physischer Körper, und irgendwo hat jeder von uns ein Porträt, das sich verzerrt, entstellt wird, wenn wir eine Sünde begehen, wenn wir unrein werden. Und selbst nachdem wir bereut haben, brauchen wir es, dass man uns in den Zustand der Nähe zum Höchsten zurückversetzt, in den ursprünglichen Zustand unseres Porträts zurückversetzt, alle nötigen kosmetischen Operationen vornimmt, um jene Entstellungen zu glätten, die wir mit den Pinselstrichen unserer Sünden auf unser Gesicht aufgetragen haben.
Kehren wir zu unserem Sünder zurück: Also, als er gesündigt hat, hat sich der Höchste von ihm entfernt. Es entstand ein Abstand zwischen ihm und dem Höchsten, sie waren weit voneinander entfernt. Und was nützt es dann, dass der Mensch sich gereinigt hat? Es braucht noch etwas – das, was ihn dem Höchsten wieder näherbringt, irgendeinen Aufzug oder irgendeine Mitfahrgelegenheit, die ihn wieder zum Höchsten hinaufbringen, reinigen und ihn in die Nachbarschaft des Höchsten zurückbringen würde, die jenes unsichtbare Porträt wiederherstellen würde, das ich als Beispiel angeführt habe. Und dafür gibt es das Opfer (korbán, von der Wurzel kuf-resch-bet – nahebringen).
In unserem Kapitel werden wir über das Opfer sprechen, das chatát heißt. Sowohl in der Schreibung als auch im Klang ähnelt dieses Wort chet (Sünde), als eine solche künstliche Bildung weiblichen Geschlechts, wenn es ein solches Wort gäbe. Aber das ist kein sehr passendes Verständnis, obwohl es sich förmlich auf die Zunge drängt. Noch eine Bedeutung des Wortes chatát – ist Desinfektion, Reinigung. Reinigung nicht des Menschen selbst, sondern Reinigung des Heiligtums als des Ortes, an dem der Mensch vor dem Höchsten stehen kann. Warum so? Weil wir sehen, dass gerade das Heiligtum mit Blut besprengt wird, und nicht der Mensch. Und eben jener geistige Mensch in uns, der geistige Israelit, befindet sich mit seinem Porträt ständig im Heiligtum. Und wenn er eine Sünde begeht, wird nicht so sehr sein physisches Wesen beschädigt als vielmehr sein geistiges, als ein Ziegelsteinchen, aus dem das Heiligtum besteht.
Und unser Kapitel wird vier verschiedene Situationen beschreiben, in denen irgendeine Sünde aus Versehen begangen wird. In der ersten Situation ist es der Kohen Gadol, der sündigt. In der zweiten Situation begeht die ganze Gemeinde Israels aus Unwissenheit irgendeine Sünde. Die dritte Situation ist die Situation, in der jemand von den Ältesten gesündigt hat. Und die vierte Situation ist, wenn jemand aus dem Volk gesündigt hat, irgendein einfacher Mensch. In allen vier Fällen sind der Altar und das Heiligtum verunreinigt, und sie müssen gereinigt, geheiligt werden. Geheiligt werden sie durch ein Opfer von dem, der gesündigt hat. Je nach dem Status, nach der Stufe dessen, der gesündigt hat, wird das Heiligtum auf verschiedene Weise gereinigt.
Einmal im Jahr fand im Heiligtum zudem ein Großputz statt. Das war so: An Jom Kippur ging der Kohen Gadol hinein und vollzog eine solche einmalige, allgemeine Generalreinigung und Sühne des ganzen Heiligtums, indem er ein Opfer für sich und für die Sünden des Volkes darbrachte, gleich für die ganze Gemeinde. Und heute haben wir einen Hohepriester, der sich ständig im himmlischen Heiligtum befindet. Wir erinnern uns ja, dass Mosche das Heiligtum nach dem Bild errichtete, das er auf dem Berg gesehen hatte. Das irdische Heiligtum ist nur ein Abbild des himmlischen Heiligtums. Im idealen Zustand soll das irdische Heiligtum bis an den Himmel reichen, gleichsam bis zum Himmel hinaufreichen. Und das, was auf der Erde geschieht, das, was auf der Erde gebunden wird, soll auch im Himmel geschehen. Dort haben wir einen Hohepriester, dort haben wir Hoffnung. Aber heute lesen wir, wie das alles am Anfang eingerichtet war und wie das alles ganz am Anfang funktionierte.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
1 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר נֶפֶשׁ כִּי־תֶחֱטָא בִשְׁגָגָה מִכֹּל מִצְוֹת יְהוָה אֲשֶׁר לֹא תֵעָשֶׂינָה וְעָשָׂה מֵאַחַת מֵהֵנָּה׃
dabbér el-bené jisraél lemór néfesch ki-techetá wischgagá mikkól mizwót adonáj aschér lo te'asséna we'assá me'achát mehénna
2 „Sprich zu den Söhnen Israels und sage: Eine Seele, wenn sie aus Versehen sündigt, von allen Geboten des HERRN, die geboten sind, damit man sie nicht tut, und tat eines von ihnen,
Das ist jetzt eine allgemeine Ankündigung. Der Höchste sagt: Das müsst ihr tun, wenn ihr eines der Gebote des Höchsten übertretet. Wozu dient dieses ganze Kapitel, wozu wird das gesagt? Das Volk Israel ist doch erwählt als Wohnstätte des Höchsten, erwählt als das Volk, auf dem ständig die Herrlichkeit des Höchsten ruhen wird, in dem der Höchste wohnen wird. Und wie man mit Ihm Freundschaft hält, wurde uns schon beschrieben. Was tun, wenn wir unfreiwillig, obwohl wir Ihn lieben, gesündigt haben? Wie versöhnt man sich mit Ihm? Darum wird es gehen.
Also, der erste Fall ist, wie wir gesagt haben, der Fall, in dem der Kohen Gadol sündigt.
אִם הַכֹּהֵן הַמָּשִׁיחַ יֶחֱטָא לְאַשְׁמַת הָעָם וְהִקְרִיב עַל חַטָּאתוֹ אֲשֶׁר חָטָא פַּר בֶּן־בָּקָר תָּמִים לַיהוָה לְחַטָּאת׃
im hakkohén hammaschíach jechetá le'aschmát ha'ám wehikrív al chattató aschér chatá par ben-bakár tamím ladonáj lechattát
3 Wenn der gesalbte Kohen sündigt, und Schuld auf dem Volk sein wird (das Volk fühlt Schuld), und er soll für seine Sünde, mit der er gesündigt hat, einen Stier (Sohn eines Stiers, einen Stier Stierssohn) darbringen, einen reinen, als Reinigungsopfer dem Höchsten.
Der Hohepriester ist ja, wie wir schon gesagt haben, nicht einfach ein Mensch, der Hohepriester ist ein Mensch-Volk, ein Mensch, der für das ganze Volk einsteht. Wenn er in diesem Zustand sündigt, ist seine Schuld eine Schuld, die auf das ganze Volk fällt. Und wenn wir von aschmá (Schuld) sprechen, muss man im Gedächtnis behalten, dass wir vom Empfinden dieser Schuld durch den Menschen selbst sprechen. Es ist unmöglich, einen Menschen zu zwingen, sich schuldig zu fühlen, und ihn zu zwingen, ein Opfer darzubringen. Das heißt, theoretisch ist das natürlich möglich, sogar praktisch ist das möglich. Aber wenn er sich in Wirklichkeit nicht schuldig fühlt, dann wird auch sein Opfer keinerlei Kraft haben.
וְהֵבִיא אֶת־הַפָּר אֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד לִפְנֵי יְהוָה וְסָמַךְ אֶת־יָדוֹ עַל־רֹאשׁ הַפָּר וְשָׁחַט אֶת־הַפָּר לִפְנֵי יְהוָה׃
wehewí et-happár el-pétach óhel mo'éd lifné adonáj wesamách et-jadó al-rósch happár weschachát et-happár lifné adonáj
4 Und er soll diesen Stier zum Eingang des Zeltes der Begegnung vor den HERRN bringen, und seine Hand auf den Kopf des Stieres legen, und diesen Stier vor dem HERRN schlachten.
In der Physik des Tempels stellen wir uns vor, als ob der Höchste durch den Eingang des Zeltes der Begegnung (óhel mo'éd) auf uns schaut, als ob Sein Blick aus dem Zelt auf uns gerichtet ist. Deshalb, wenn wir sagen vor dem Eingang des Zeltes, ist das gleichsam vor dem Höchsten. Selbstverständlich ist man überall vor dem Höchsten, wo auch immer, aber wir sprechen jetzt die Sprache des Tempels.
Und hier entsteht weiter ein Unterschied zu allen übrigen Opfern, von denen wir früher gelesen haben.
וְלָקַח הַכֹּהֵן הַמָּשִׁיחַ מִדַּם הַפָּר וְהֵבִיא אֹתוֹ אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד׃
welakách hakkohén hammaschíach middám happár wehewí otó el-óhel mo'éd
5 Und der gesalbte Kohen nahm vom Blut des Stieres und brachte es in das Zelt der Begegnung hinein.
Hier wird der Kohen der Gesalbte (hakkohén hammaschíach) genannt, weil er in diesem Fall Aharon repräsentiert. Alle Übrigen befinden sich im Status der Söhne Aharons, dieser Kohen aber im Status Aharons selbst, desjenigen, der die hauptsächliche Salbung des Priestertums trägt. Wir sehen hier zum ersten Mal, dass das Blut in das Zelt der Begegnung hineingebracht wird. Wiederum wird das nicht bei allen Opfern so sein. Hier geht es um den Hohepriester, das heißt um einen sehr hochgestellten Menschen, um einen Vorsteher, um den, der zum Dienst im Heiligen bestimmt ist. Wenn er etwas angestellt, Schmutz gemacht hat, dann zeigt sich dieser Schmutz im Heiligen, und dorthin geht er hinein.
וְטָבַל הַכֹּהֵן אֶת־אֶצְבָּעוֹ בַּדָּם וְהִזָּה מִן־הַדָּם שֶׁבַע פְּעָמִים לִפְנֵי יְהוָה אֶת־פְּנֵי פָּרֹכֶת הַקֹּדֶשׁ׃
wetawál hakkohén et-ezba'ó baddám wehissá min-haddám schéwa pe'amím lifné adonáj et-pené paróchet hakkódesch
6 Und der Kohen tauchte seinen Finger in das Blut und sprengte (schüttelte ab) das Blut siebenmal vor dem HERRN, vor dem heiligen Vorhang.
Nicht auf den Vorhang selbst, sondern vor den Vorhang sprengt er dieses Blut, in seine Richtung. Wenn etwas auf den Vorhang gekommen ist, ist das nicht schlimm, aber das Ziel ist, nicht auf den Vorhang zu sprengen. Bei den Reinigungsopfern sprengt man das Blut dorthin, wo Reinigung nötig ist. In diesem Fall wird mit dem Blut der Vorhang gereinigt und weiter:
וְנָתַן הַכֹּהֵן מִן־הַדָּם עַל־קַרְנוֹת מִזְבַּח קְטֹרֶת הַסַּמִּים לִפְנֵי יְהוָה אֲשֶׁר בְּאֹהֶל מוֹעֵד וְאֵת כָּל־דַּם הַפָּר יִשְׁפֹּךְ אֶל־יְסוֹד מִזְבַּח הָעֹלָה אֲשֶׁר־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃
wenatán hakkohén min-haddám al-karnót misbách ketóret hassammím lifné adonáj aschér be'óhel mo'éd we'ét kol-dám happár jischpóch el-jessód misbách ha'olá ascher-pétach óhel mo'éd
7 Und der Kohen wird von dem Blut auf die Hörner des Räucheraltars geben vor dem HERRN, der im Zelt der Begegnung ist, und das ganze übrige Blut des Stiers soll er am Fuß des Altars des Ganzopfers ausgießen, der vor dem Eingang zum Zelt der Begegnung ist.
Außer dass der Kohen den paróchet (Vorhang) besprengt und reinigt, reinigt er mit dem Blut auch den Räucheraltar, der sich im Heiligen befindet. Da der Kohen, wie wir gesagt haben, im Heiligen etwas angestellt hat – sein Arbeitsplatz ist das Heilige –, geschieht auch dort die Reinigung. Siebenmal besprengt er den Vorhang, dann besprengt er die Hörner des Altars. Sieben ist eine symbolische Zahl, die einen Zyklus abschließt. Die Zahl sieben bedeutet in der Tora sehr viel, zum Beispiel die Wochentage und dergleichen. Und das übrige Blut gießt er dann draußen aus und reinigt so den Altar des Ganzopfers. Das heißt, es findet so ein gründliches Aufräumen statt, bei dem sowohl im Heiligen als auch im Hof des Tempels aufgeräumt wird.
וְאֶת־כָּל־חֵלֶב פַּר הַחַטָּאת יָרִים מִמֶּנּוּ אֶת־הַחֵלֶב הַמְכַסֶּה עַל־הַקֶּרֶב וְאֵת כָּל־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עַל־הַקֶּרֶב׃
we'et-kol-chélew par hachattát jarím mimménnu et-hachélew hamchassé al-hakkérew we'ét kol-hachélewDie russische Umschrift hat im vorletzten Wort ein zusätzliches „sch“. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: hachélew. aschér al-hakkérew
8 Und alles Fett vom Stier des Reinigungsopfers, er wird es abheben (das heißt, er wird es in einem Stück nehmen und es abtrennen) – alles, was die Eingeweide bedeckt, er wird alles Fett entfernen, das an den Eingeweiden ist.
וְאֵת שְׁתֵּי הַכְּלָיֹת וְאֶת־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עֲלֵיהֶן אֲשֶׁר עַל־הַכְּסָלִים וְאֶת־הַיֹּתֶרֶת עַל־הַכָּבֵד עַל־הַכְּלָיוֹת יְסִירֶנָּה׃
we'ét scheté hakkelajot we'et-hachélew aschér alehén aschér al-hakkessalím we'et-hajotéret al-hakkawéd al-hakkelajot jessirénna
9 Und die zwei Nieren mit dem Fett, das an ihnen ist, und das Fett, das am oberen Teil der Hüften ist, und den geschwänzten Lappen der Leber wird er zusammen mit den Nieren abtrennen,
Hier trennt der Kohen nach einem ähnlichen Prinzip wie beim Opfer schelamím Teile von den Eingeweiden des Stiers ab, zur Darbringung auf dem Altar.
כַּאֲשֶׁר יוּרַם מִשּׁוֹר זֶבַח הַשְּׁלָמִים וְהִקְטִירָם הַכֹּהֵן עַל מִזְבַּח הָעֹלָה׃
ka'aschér jurám mischór séwach haschelamím wehiktirám hakkohén al misbách ha'olá
10 Wie man sie vom Stier abhebt, der als schelamím zum Opfer dargebracht wird, und der Kohen verbrennt sie (räuchert sie) auf dem Altar des Ganzopfers.
Wie im Fall des Opfers schelamím (des Versöhnungsopfers), wird der Kohen auf genau dieselbe Weise die Eingeweide abtrennen und sie auf dem Altar verbrennen. Und das ist der Teil des Höchsten bei jedem Opfer. Wer bekommt noch einen Teil dieses Opfers? In diesem Fall bekommt niemand etwas.
וְאֶת־עוֹר הַפָּר וְאֶת־כָּל־בְּשָׂרוֹ עַל־רֹאשׁוֹ וְעַל־כְּרָעָיו וְקִרְבּוֹ וּפִרְשׁוֹ׃
we'et-ór happár we'et-kol-bessaró al-roschó we'al-kera'áw wekirbó ufirschó
11 Aber die Haut des Stiers, all sein Fleisch samt dem Kopf und seinen Unterschenkeln, und seine Eingeweide mit dem Mist,
Wenn wir uns erinnern: Beim Opfer schelamím wurden die Eingeweide gewaschen, dort musste man die Eingeweide reinigen. Hier wird nichts gewaschen, und man nimmt die Haut des Stiers samt Kopf und Unterschenkeln, samt seinem Mist, der in den Därmen ist.
וְהוֹצִיא אֶת־כָּל־הַפָּר אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה אֶל־מָקוֹם טָהוֹר אֶל־שֶׁפֶךְ הַדֶּשֶׁן וְשָׂרַף אֹתוֹ עַל־עֵצִים בָּאֵשׁ עַל־שֶׁפֶךְ הַדֶּשֶׁן יִשָּׂרֵף׃
wehozí et-kol-happár el-michúz lammachané el-makóm tahór el-schéfech haddéschen wesaráf otó al-ezím ba'ésch al-schéfech haddéschen jissaréf
12 Und er wird diesen ganzen Stier über die Grenzen des Lagers hinausschaffen an einen reinen Ort – dorthin, wo die Asche ausgeschüttet wird, und verbrannte ihn dort auf Holz im Feuer, an dem Ort, wo die Asche hinausgeworfen wird.
Wir haben schon darüber gesprochen, jetzt sehen wir es uns etwas genauer an. Wenn ein Mensch ein Ganzopfer darbringt, verbrennt es in Wirklichkeit nicht ganz, es ist unmöglich, das ganze Opfer zu verbrennen. Es bleibt so eine eigentümliche fettige Asche, die man nicht verbrennen kann. Man nahm sie mit Schaufeln, einen Teil davon legte man neben den Altar. Man erzählt von so einem Wunder, als hätte die Erde diese Asche verschluckt (ich weiß es nicht). Den anderen Teil trug man über die Grenzen des Lagers hinaus als Zeugnis dafür, dass im Tempel Opfer dargebracht werden, dass eine bestimmte Arbeit geschieht. Das ist genauso, wie wenn neben einem Laden Pappkartons von Konserven stehen und man sagen kann: Im Laden verkauft man Konserven, in ihm geht irgendeine Arbeit vor sich. Genau so, wie gewisse Schalen oder Hüllen, wurde diese Asche nach draußen getragen. Diese Asche, das Vorhandensein dieser Asche in uns – selbst wenn wir uns selbst nicht ganz dem Höchsten weihen können, uns nicht völlig zum Ganzopfer hingeben können, so sehr wir es auch wollten –, das ist in Wirklichkeit ebenfalls ein Zeugnis unserer Arbeit. Zu dieser Asche, zu diesem Ort, der eine Müllhalde ist, eine Aschenhalde, bringt man diesen Stier hinaus. In diesem Fall (anders als in anderen Fällen des Sündopfers) isst der Kohen seinen Teil des Opfers nicht, weil er die sündigende Seite ist: Obwohl er das Opfer darbringt, bekommt er seinen Teil nicht.
Der zweite Fall, die zweite Situation, von der die Tora spricht, ist, wenn die ganze Gemeinde Israels sündigt, das ganze Volk Israel. Die Kommentatoren sagen, dass hier möglicherweise vom Gericht die Rede ist, nicht vom ganzen Volk. Aber wenn wir den einfachen Sinn der Tora lesen, dann hat die ganze Gemeinde, das ganze Volk mit irgendeiner unklaren Sünde gesündigt, das ganze Volk hat sich geirrt und diesen Irrtum erkannt.
וְאִם כָּל־עֲדַת יִשְׂרָאֵל יִשְׁגּוּ וְנֶעְלַם דָּבָר מֵעֵינֵי הַקָּהָל וְעָשׂוּ אַחַת מִכָּל־מִצְוֹת יְהוָה אֲשֶׁר לֹא־תֵעָשֶׂינָה וְאָשֵׁמוּ׃
we'ím kol-adát jisraél jischgú wene'lám dawár me'ené hakkahál we'assú achát mikkol-mizwót adonáj aschér lo-te'asséna we'aschému
13 Und wenn die ganze Gemeinde Israels sich geirrt hat und es vor den Augen der Gemeinde (der Menge) verborgen war, und sie eines der Gebote des HERRN getan haben, das verboten ist, und sich unrein fühlten,
וְנוֹדְעָה הַחַטָּאת אֲשֶׁר חָטְאוּ עָלֶיהָ וְהִקְרִיבוּ הַקָּהָל פַּר בֶּן־בָּקָר לְחַטָּאת וְהֵבִיאוּ אֹתוֹ לִפְנֵי אֹהֶל מוֹעֵד׃
wenode'á hachattát aschér chate'ú aléha wehikríwu hakkahál par ben-bakár lechattát wehewíu otó lifné óhel mo'éd
14 Und sie erfuhren von der Sünde, die sie begangen hatten, und die Gemeinde wird par ben-bakár (einen jungen Stier, einen Stier Stiersohn) als Reinigungsopfer darbringen, sie werden ihn zum Zelt der Begegnung bringen,
Die Gemeinde hat ein Gebot übertreten, hat das getan, wovon gesagt ist: Tu es nicht, und sie erfuhren von der Sünde, die sie begangen hatten. Was bedeutet das? Wir haben davon gesprochen, dass ein Mensch versehentlich mit irgendeiner Sünde sündigen kann und nicht weiß, mit welcher Sünde genau; er weiß vielleicht nicht einmal, dass er gesündigt hat. Zum Beispiel hat er irgendwo etwas Unreines berührt, was verboten ist, oder irgendwo etwas gegessen, weil er dachte, es sei erlaubte Speise, aber dem war nicht so. Und noch viele allerlei Unannehmlichkeiten können geschehen. Der Mensch hat nicht erfahren, wo er gesündigt hat, aber er fühlte etwas Unreines in sich. Und dann kann er, wie wir gesagt haben, das Opfer olá (Ganzopfer) darbringen. Aber wenn er erfahren hat, wenn ihm offenbar wurde, worin er gesündigt hat, dann bringt er das Opfer chatát (das Reinigungsopfer) dar. Hier ist der Fall, dass man zuerst versehentlich gesündigt hat, „die Truppe hat nicht bemerkt …“, dass sie gesündigt hat, und danach erfahren hat, worin die Sünde bestand, das heißt, man muss ebenfalls das Opfer chatát darbringen.
וְסָמְכוּ זִקְנֵי הָעֵדָה אֶת־יְדֵיהֶם עַל־רֹאשׁ הַפָּר לִפְנֵי יְהוָה וְשָׁחַט אֶת־הַפָּר לִפְנֵי יְהוָה׃
wesamechú sikné ha'edá et-jedehém al-rósch happár lifné adonáj weschachát et-happár lifné adonáj
15 Und die Ältesten der Gemeinde werden ihre Hände auf den Kopf des Stiers legen vor dem HERRN, und sie werden den Stier vor dem HERRN schlachten.
וְהֵבִיא הַכֹּהֵן הַמָּשִׁיחַ מִדַּם הַפָּר אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד׃
wehewí hakkohén hammaschíach middám happár el-óhel mo'éd
16 Und der gesalbte Kohen bringt das Blut des Stiers in das Zelt der Begegnung hinein,
וְטָבַל הַכֹּהֵן אֶצְבָּעוֹ מִן־הַדָּם וְהִזָּה שֶׁבַע פְּעָמִים לִפְנֵי יְהוָה אֵת פְּנֵי הַפָּרֹכֶת׃
wetawál hakkohén ezba'ó min-haddám wehissá schéwa pe'amím lifné adonáj et-pené happaróchet
17 Und der Kohen tauchte seinen Finger in das Blut und spritzte siebenmal vor dem HERRN, vor dem Vorhang (in Richtung des Vorhangs).
וּמִן־הַדָּם יִתֵּן עַל־קַרְנֹת הַמִּזְבֵּחַ אֲשֶׁר לִפְנֵי יְהוָה אֲשֶׁר בְּאֹהֶל מוֹעֵד וְאֵת כָּל־הַדָּם יִשְׁפֹּךְ אֶל־יְסוֹד מִזְבַּח הָעֹלָה אֲשֶׁר־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃
umin-haddám jittén al-karnót hammisbéach aschér lifné adonáj aschér be'óhel mo'éd we'ét kol-haddám jischpóch el-jessód misbách ha'olá ascher-pétach óhel mo'éd
18 Und von dem Blut wird er auf die Hörner des Altars geben, der vor dem HERRN ist, der im Zelt der Begegnung ist, und alles Blut wird er an den Fuß des Altars des Ganzopfers ausgießen, der vor dem Eingang zum Zelt der Begegnung ist.
Hier ist wieder vom Räucheraltar die Rede, obwohl er nicht direkt genannt wird. Alles geschieht fast genauso, wie es auch im ersten Fall geschah, außer dass nicht ein Mensch die Hände auf den Stier legt, sondern alle Häupter der Gemeinde die Hände auf den Stier legen.
וְאֵת כָּל־חֶלְבּוֹ יָרִים מִמֶּנּוּ וְהִקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה׃
we'ét kol-chelbó jarím mimménnu wehiktír hammisbécha
19 Und alles Fett wird er von ihm abheben und auf dem Altar aufsteigen lassen.
וְעָשָׂה לַפָּר כַּאֲשֶׁר עָשָׂה לְפַר הַחַטָּאת כֵּן יַעֲשֶׂה־לּוֹ וְכִפֶּר עֲלֵהֶם הַכֹּהֵן וְנִסְלַח לָהֶם׃
we'assá lappár ka'aschér assá lefár hachattát ken ja'asse-ló wechippér alehém hakkohén wenislách lahém
20 Und er wird mit dem Stier tun, wie er mit dem ersten Stier getan hat, so wird er auch mit diesem tun, und der Kohen entsühnte sie, und es wird ihnen vergeben werden.
Der Kohen entsühnte die Gemeinde, und der Gemeinde ist vergeben. Warum lesen wir im ersten Fall über den Kohen nicht, dass er sich selbst entsühnt hat (oder dass er entsühnt ist) und dass ihm vergeben ist, hier aber lesen wir das, und auch weiter werden wir diesen Ausdruck lesen? Lasst uns das klären.
Die Wurzel kaf-pe-resch bedeutet Sühne, Bedeckung, somit bedeutet das Wort lechappér (sühnen) bedecken; von derselben Wurzel kommt das Wort kapóret (Deckel). Das heißt, der Kohen bedeckte ihre Unreinheit, man kann sagen, er stopfte ihre Unreinheit, stopfte alle Ozonlöcher, die sie in die Atmosphäre gemacht hatten.
Jetzt zum Wort lehisloach (nislách – es wird vergeben werden). Es ist verbunden mit dem Wort nähern und mit dem Wort anheben: lislól – einen Weg bahnen, sulám – das ist Leiter; lessalék – das ist entfernen, wegwerfen und so weiter. Das heißt, das Wort slichá (Vergebung) ist mit Annäherung und Entfernung im Raum verbunden: Es wird ihnen erlaubt sein, sich dem Höchsten zu nähern, oder der Höchste wird sich ihnen nähern. Eben diese Entfernung, die wegen der Unreinheit zwischen der Gemeinde Israels und dem Höchsten entstanden ist, wird sich verringern, weil der Tempel gereinigt ist, eine Desinfektion stattgefunden hat und das Heiligtum wieder rein ist und das, was sie getan haben, berichtigt ist. Und das ist eigentlich die slichá – nicht so eine Vergebung, wie wenn wir jemandem eine Schuld vergeben, sondern die Wiederherstellung jener Nähe, die das Volk mit dem Höchsten hatte.
Jetzt beantworten wir die gestellte Frage. In Bezug auf den Hohepriester ist nicht gesagt und er wird entsühnt werden, und es wird ihm vergeben werden, weil der Hohepriester sich auf einer solchen Stufe der Heiligkeit befindet, auf einer solchen Stufe der Nähe zum Höchsten, dass er sich in seinem Fall nur einmal irrt, wie ein Minenräumer. In jene Entfernung, in der er war, in jene Nähe, in jene Heiligkeit wird er nicht mehr eintreten können. Und sein ganzes Leben lang blieb er mit diesem Zweifel, mit einer gewissen Beschädigung, die zum größten Teil behoben ist, aber nicht endgültig. Deshalb gibt es für den Kohen keine Sühne und Vergebung, wie es sie für alle anderen gibt.
וְהוֹצִיא אֶת־הַפָּר אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה וְשָׂרַף אֹתוֹ כַּאֲשֶׁר שָׂרַף אֵת הַפָּר הָרִאשׁוֹן חַטַּאת הַקָּהָל הוּא׃
wehozí et-happár el-michúz lammachané wesaráf otó ka'aschér saráf et happár harischón chattát hakkahál hu
21 Und er wird den Stier über die Grenzen des Lagers hinausschaffen und ihn verbrennen, wie er den ersten Stier verbrannt hat. Das ist ein Sündopfer der Gemeinde.
Ab dem 22. Vers wird der dritte Fall betrachtet – wenn ein Oberhaupt sündigt.
אֲשֶׁר נָשִׂיא יֶחֱטָא וְעָשָׂה אַחַת מִכָּל־מִצְוֹת יְהוָה אֱלֹהָיו אֲשֶׁר לֹא־תֵעָשֶׂינָה בִּשְׁגָגָה וְאָשֵׁם׃
aschér nassí jechetá we'assá achát mikkol-mizwót adonáj eloháw aschér lo-te'asséna bischgagá we'aschém
22 Wenn ein Vorsteher sündigt und eines der Gebote des HERRN, seines Gottes, getan hat, das zu tun verboten ist, aus Versehen, und sich schuldig fühlt,
In den ersten beiden Fällen haben wir gelesen: falls ein Kohen sündigt und falls die ganze Gemeinde Israels sündigt. Hier lesen wir etwas Erstaunliches: wenn ein Vorsteher sündigt. In Bezug auf den Vorsteher gibt es keine Frage falls, es gibt die Frage wann. Wann also sündigt ein Vorsteher? Ein Mensch, der Macht besitzt, irrt sich unvermeidlich, sündigt unvermeidlich, weil er eine Masse von Entscheidungen in kurzer Zeit treffen muss. Jeder Mensch, besonders ein Mensch, der Auto fährt, weiß, dass er während des Fahrens im Lauf von ein, zwei Minuten viele verschiedene Entscheidungen treffen muss. Manchmal werden nicht alle seine Entscheidungen die richtigsten sein. Genauso kann ein Arzt, ein Lehrer und jeder, der für sich und für andere in irgendeiner dynamischen Welt verantwortlich ist, nicht anders, als sich in seinen Handlungen zu irren. Deshalb gibt es keine Frage: Wird der Vorsteher sich irren? Er wird sich irren. Er trifft so viele Entscheidungen, dass, wenn 90 % seiner Entscheidungen richtig sind, das schon ein wunderbarer Vorsteher sein wird. Trotzdem irrt er sich. Aschér nassí jechetá (wenn ein Vorsteher sündigt) – hier kann man dem Wort jechetá (wird sündigen) Aufmerksamkeit schenken. Es ist durch dieselbe Wurzel mit dem Wort lehachtí (danebentreffen) verbunden, deshalb ist das eine unbeabsichtigte Sünde. Es gibt andere Wörter, und wir werden über sie noch sprechen, und ich habe auch früher schon darüber gesprochen.
אוֹ־הוֹדַע אֵלָיו חַטָּאתוֹ אֲשֶׁר חָטָא בָּהּ וְהֵבִיא אֶת־קָרְבָּנוֹ שְׂעִיר עִזִּים זָכָר תָּמִים׃
o-hodá eláw chattató aschér chatá ba wehewí et-korbanó se'ír issím sachár tamím
23 Und, wenn ihm seine Sünde bekannt geworden ist, mit der er gesündigt hat, wird er als sein Opfer ein Böckchen männlichen Geschlechts darbringen, ein makelloses,
Das heißt, jemand ist gekommen und hat ihn überführt, oder es ist als Ergebnis irgendwelcher Überprüfungen ans Licht gekommen. Hier kann man Böckchen auch als viele Ziegenböcke verstehen. Natürlich sofort die Frage: Warum bringt der Hohepriester einen Stier dar, die Gemeinde bringt ebenfalls einen Stier dar, der Vorsteher (der Älteste) aber bringt einfach einen Ziegenbock dar? Erstens ist der Ziegenbock derjenige, der oft die Herde anführt. Er geht der Herde voran und benimmt sich manchmal so, dass das Wort im Tanach eine negative Konnotation bekommen hat: Die Ziegenböcke zertrampelten alles vor sich und „benahmen sich“, im Großen und Ganzen, „wie Ziegenböcke“. Zweitens ordnet sich der Ziegenbock seiner Natur nach niemandem unter außer seinem Besitzer, so sagt man über sie. Ich bin kein Hirte, aber sehr viele Kommentatoren sprechen davon, dass man einen Ziegenbock nicht so einfach wegführen kann wie einen Widder: er ist stur, er weiß, wem er folgen soll. Deshalb bringt der Vorsteher einen Ziegenbock als Opfer dar.
וְסָמַךְ יָדוֹ עַל־רֹאשׁ הַשָּׂעִיר וְשָׁחַט אֹתוֹ בִּמְקוֹם אֲשֶׁר־יִשְׁחַט אֶת־הָעֹלָה לִפְנֵי יְהוָה חַטָּאת הוּא׃
wesamách jadó al-rósch hassa'ír weschachát otó bimkóm ascher-jischchát et-ha'olá lifné adonáj chattát hu
24 Und er wird seine Hand auf den Kopf des Ziegenbocks legen und ihn an dem Ort schlachten, an dem man das Ganzopfer darbringt, vor dem HERRN; ein Reinigungsopfer.
Warum wird hier davon gesprochen, dass er ihn an dem Ort schlachten wird, wo dargebracht wird das Opfer olá (das Ganzopfer)? Damit diejenigen, die von außen zuschauen, nicht denken: „Aha, der Vorsteher hat gesündigt. Womit hat er wohl gesündigt, interessant? Hat er Bestechungsgeld gegeben oder sonst etwas?“ Das ist ähnlich wie bei einem Menschen, der eine Bescheinigung aus der Suchtambulanz bringen muss. Und da geht er dort hinein, und die Leute denken sofort: „Ah, dieser Mensch ist drogensüchtig, oder etwas Ähnliches.“ Oder andere Bescheinigungen, nicht sehr angenehmer Art, die man sich holen muss. Ein Mensch, ein Vorsteher, geht, um ein Sündopfer darzubringen, und fühlt dabei seine Unreinheit. Das ist eine Frage des Stehens zwischen ihm und dem Höchsten, das ist nicht etwas, was in der gelben Presse besprochen oder auf gelbe Steine geschrieben werden soll. Deshalb bringt er ein Opfer dar, das man dem Aussehen nach nicht vom Opfer olá unterscheiden kann, so ist darüber gesagt. Aber das gilt nur für einen äußeren Beobachter.
וְלָקַח הַכֹּהֵן מִדַּם הַחַטָּאת בְּאֶצְבָּעוֹ וְנָתַן עַל־קַרְנֹת מִזְבַּח הָעֹלָה וְאֶת־דָּמוֹ יִשְׁפֹּךְ אֶל־יְסוֹד מִזְבַּח הָעֹלָה׃
welakách hakkohén middám hachattát be'ezbaó wenatán al-karnót misbách ha'olá we'et-damó jischpóch el-jesód misbách ha'olá
25 Und der Kohen wird vom Blut des Reinigungsopfers mit seinem Finger nehmen und die Hörner des Altars des Ganzopfers reinigen, das Blut aber wird er an den Sockel des Altars des Ganzopfers gießen.
Beachtet: Wenn es ein Vorsteher ist (das heißt ein Mensch, der keinen Bezug zum Heiligen hat), dann wird das Blut nicht in das Heilige hineingebracht, sondern mit dem Blut wird der Altar des Ganzopfers gereinigt.
וְאֶת־כָּל־חֶלְבּוֹ יַקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה כְּחֵלֶב זֶבַח הַשְּׁלָמִים וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן מֵחַטָּאתוֹ וְנִסְלַח לוֹ׃
we'et-kol-chelbó jaktír hammisbécha kechélew séwach haschelamím wechippér aláw hakkohén mechattató wenislách lo
26 Und alles Fett wird er auf dem Altar räuchern wie das Fett des Opfers schelamím (des Friedensopfers), und der Kohen wird für ihn sühnen wegen seiner Sünde, und es wird ihm vergeben werden.
Warum ist hier nicht gesagt, dass man die Überreste des Ziegenbocks zusammen mit der Haut, mit dem Mist verbrennen muss? Weil in diesem Fall, wie auch in anderen Fällen mit dem Reinigungsopfer, der Kohen das Fleisch des Opfers bekommt. In gewissem Sinn kann man sagen, dass er die Sünden des Volkes trägt, dadurch, dass er das Fleisch isst. Wenn du dein Volk nicht erziehen kannst, dann iss, wohl bekomm’s, und trag, wohl bekomm’s, an dir, in deiner Leibesfülle, die Sünden deines Volkes. Die Kohanim waren sehr oft beleibte Menschen. Es gab Fälle, in denen man ihnen erlaubte, im Liegen zu beten, weil sie sich nicht setzen konnten. Das sind Anzeichen eines ungesunden Zustands und der Verderbtheit unter den Kohanim selbst, weil das in für das Volk schweren Zeiten war; und trotzdem gab es das alles.
Weiter wird es um die vierte Situation gehen, wenn ein einfacher Mensch sündigt.
וְאִם־נֶפֶשׁ אַחַת תֶּחֱטָא בִשְׁגָגָה מֵעַם הָאָרֶץ בַּעֲשֹׂתָהּ אַחַת מִמִּצְוֹת יְהוָה אֲשֶׁר לֹא־תֵעָשֶׂינָה וְאָשֵׁם׃
we'im-néfesch achát techetá wischgagá me'ám ha'árez ba'assotá achát mimmizwót adonáj aschér lo-te'asséna we'aschém
27 Und wenn eine einzelne Seele aus Versehen sündigt, aus dem Volk des Landes (das heißt aus den einfachen Leuten), indem sie eines der Gebote des HERRN übertritt, von denen Er gesagt hat, sie nicht zu tun, und sich unrein fühlt,
אוֹ הוֹדַע אֵלָיו חַטָּאתוֹ אֲשֶׁר חָטָא וְהֵבִיא קָרְבָּנוֹ שְׂעִירַת עִזִּים תְּמִימָה נְקֵבָה עַל־חַטָּאתוֹ אֲשֶׁר חָטָא׃
o hoda eláw chattató aschér chatá wehewí korbanó se'irát issím temimá nekewá al-chattató aschér chatá
28 Oder wenn man ihm (dem Menschen) von seiner Sünde erzählt, mit der er gesündigt hat, wird er als sein Opfer ein reines Geißlein darbringen,
Im Unterschied zum Opfer des Kohen, zum Opfer der ganzen Gemeinde und zum Opfer des Vorstehers bringt er als Opfer gerade ein reines Geißlein dar. Sehr viele Kommentatoren erörtern, warum gerade ein Geißlein, denn ein Geißlein ist hauptsächlich eine Quelle von Ziegenmilch, manchmal von Käse, ein Geißlein ist eine Ernährerin. Und wir haben gesagt, dass der Mensch sie nicht als Ganzopfer darbringt: ohne Geißlein mit einem einzelnen Böckchen zurückzubleiben, hat keinen Sinn. Aber wenn ein Mensch einer Sünde überführt ist und seine Sünde kennt, dann wird auch mehr von ihm verlangt, und deshalb kann er hier auch ein Geißlein darbringen, um zu spüren, dass sein Beitrag Gewicht hat. Das ist nur eine der möglichen Erklärungen, in Wirklichkeit gibt es sehr viele davon, und jeder ist frei, sich das auch selbst zu erklären.
וְסָמַךְ אֶת־יָדוֹ עַל רֹאשׁ הַחַטָּאת וְשָׁחַט אֶת־הַחַטָּאת בִּמְקוֹם הָעֹלָה׃
wesamách et-jadó al rosch hachattát weschachát et-hachattát bimkóm ha'olá
29 Und er wird seine Hand auf den Kopf des Opfers legen und sein Opfer am Ort des Ganzopfers schlachten.
Auch er bringt sein Opfer still, friedlich dar, ohne an die große Glocke zu hängen, wofür er das Opfer darbringt.
וְלָקַח הַכֹּהֵן מִדָּמָהּ בְּאֶצְבָּעוֹ וְנָתַן עַל־קַרְנֹת מִזְבַּח הָעֹלָה וְאֶת־כָּל־דָּמָהּ יִשְׁפֹּךְ אֶל־יְסוֹד הַמִּזְבֵּחַ׃
welakách hakkohén middamá be'ezbaó wenatán al-karnót misbách ha'olá we'et-kol-damá jischpóch el-jesód hammisbéjach
30 Und der Kohen wird Blut mit dem Finger nehmen und damit die Hörner des Altars des Ganzopfers bestreichen, und alles übrige Blut wird er an den Sockel des Altars gießen.
Auch dieses Blut wird nicht in das Heilige hineingebracht, und das übrige Blut wird wiederum am Altar des Ganzopfers ausgegossen, der im Hof steht.
וְאֶת־כָּל־חֶלְבָּהּ יָסִיר כַּאֲשֶׁר הוּסַר חֵלֶב מֵעַל זֶבַח הַשְּׁלָמִים וְהִקְטִיר הַכֹּהֵן הַמִּזְבֵּחָה לְרֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן וְנִסְלַח לוֹ׃
we'et-kol-chelbá jassír ka'aschér hussár chélew me'al-séwach haschelamím wehiktír hakkohén hammisbécha leréjach nichóach ladonáj wechippér aláw hakkohén wenislách lo
31 Und all ihr Fett wird er abnehmen, wie das Fett vom Opfer schelamím abgenommen wird, und der Kohen wird es auf dem Altar räuchern als Opfer des Wohlgeruchs für den Höchsten, und der Kohen wird für ihn sühnen, und es wird ihm vergeben werden.
Nur über dieses Opfer, über das Opfer eines einzelnen Menschen, eines Mannes aus dem einfachen Volk, ist gesagt, dass sein Opfer für den Höchsten wohlriechend ist, weil es für den Menschen wirklich ein Opfer ist, wirklich eine Ausgabe. Vielleicht ist für das ganze Volk ein Jungstier überhaupt keine Ausgabe. Die Kohanim, besonders die Hohepriester, sind reiche Leute. Der Vorsteher ist auch kein armer Mensch, und was ist ihm schon ein Ziegenbock? Außerdem kann der Vorsteher sein Opfer aus einer Menge von Ziegenböcken darbringen. Aber dieses Opfer eines armen Menschen, das ist vielleicht wie die zwei Scherflein der Witwe aus dem Gleichnis Jeschuas, das ist wirklich ein Wohlgeruch für den Höchsten.
וְאִם־כֶּבֶשׂ יָבִיא קָרְבָּנוֹ לְחַטָּאת נְקֵבָה תְמִימָה יְבִיאֶנָּה׃
we'im-kéwes jawí korbanó lechattát nekewá temimá jewi'énna
32 Und wenn er ein Schaf als Opfer darbringt, wird er ebenfalls ein reines Weibchen herbeiführen,
וְסָמַךְ אֶת־יָדוֹ עַל רֹאשׁ הַחַטָּאת וְשָׁחַט אֹתָהּ לְחַטָּאת בִּמְקוֹם אֲשֶׁר יִשְׁחַט אֶת־הָעֹלָה׃
wesamách et-jadó al rosch hachattát weschachát otá lechattát bimkóm aschér jischchát et-ha'olá
33 Und er wird die Hand auf den Kopf des Opfers legen und es als Reinigungsopfer schlachten dort, wo das Ganzopfer dargebracht wird.
וְלָקַח הַכֹּהֵן מִדַּם הַחַטָּאת בְּאֶצְבָּעוֹ וְנָתַן עַל־קַרְנֹת מִזְבַּח הָעֹלָה וְאֶת־כָּל־דָּמָהּ יִשְׁפֹּךְ אֶל־יְסוֹד הַמִּזְבֵּחַ׃
welakách hakkohén middám hachattát be'ezbaó wenatán al-karnót misbách ha'olá we'et-kol-damá jischpóch el-jesód hammisbéjach
34 Und der Kohen wird vom Blut des Opfers mit seinem Finger nehmen und auf die Hörner des Altars des Ganzopfers spritzen, und all ihr Blut wird er an den Sockel des Altars gießen.
וְאֶת־כָּל־חֶלְבָּה יָסִיר כַּאֲשֶׁר יוּסַר חֵלֶב־הַכֶּשֶׂב מִזֶּבַח הַשְּׁלָמִים וְהִקְטִיר הַכֹּהֵן אֹתָם הַמִּזְבֵּחָה עַל אִשֵּׁי יְהוָה וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן עַל־חַטָּאתוֹ אֲשֶׁר־חָטָא וְנִסְלַח לוֹ׃
we'et-kol-chelbá jassír ka'aschér jussár chelew-hakkéssew misséwach haschelamím wehiktírDie russische Umschrift beginnt dieses Wort mit „wi“ statt „we“. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text und Vers 31: wehiktír. hakkohén otám hammisbécha al isché adonáj wechippér aláw hakkohén al-chattató ascher-chatá wenislách lo
35 Und all ihr Fett wird er genauso abnehmen, wie man das Fett vom Lämmchen abnimmt, das als Friedensopfer dargebracht wird, und der Kohen wird auf dem Altar das Opfer räuchern, das für den HERRN verbrannt wird, und der Kohen hat die Sünde bedeckt, mit der er gesündigt hat, und es wird ihm vergeben werden.
Das ist es also, das nicht einfache, wenn auch aus Wiederholungen bestehende vierte Kapitel des Buches Wajikra.
Ich werde das nicht mehr tun
Wajikra 5,1–26
Wir lesen also weiter den Wochenabschnitt Wajikra. Wir haben schon über das Ganzopfer (olá) gesprochen, über das Opfer minchá, über das Versöhnungsopfer (schelamím) und über das Reinigungsopfer (chatát). In diesem Kapitel werden wir über das Opfer der Schuld sprechen, das Schuldopfer – das Opfer, das aschám heißt. Dieses Opfer ist die Antwort auf die Frage des Menschen: Was soll ich tun, wenn man nicht sagen kann: Das war aus Versehen, wenn es doch „mit Absicht“ geschehen ist, wir aber bereuen, was war? Und auch hier hat der Höchste eine Lösung, eine Möglichkeit, ein besonderes Opfer. Und wir werden darüber ab Vers 1 von Kapitel 5 lesen.
וְנֶפֶשׁ כִּי־תֶחֱטָא וְשָׁמְעָה קוֹל אָלָה וְהוּא עֵד אוֹ רָאָה אוֹ יָדָע אִם־לוֹא יַגִּיד וְנָשָׂא עֲוֹנוֹ׃
wenéfesch ki-techetá weschame'á kol alá wehú ed o ra'á o jadá im-ló jaggíd wenassá awonó
1 Wenn irgendeine Seele sündigt und die Stimme des Fluches gehört hat, und er ist Zeuge, oder hat gesehen, oder hat gewusst, wenn er es nicht sagt, und er wird die Strafe tragen.
Das ist so ein schwieriger erster Vers, und nicht sofort und nicht jedem ist verständlich, worum es hier geht. Wenn ein Mensch in irgendeiner Sache Zeuge wird, lädt man ihn vor Gericht. Bevor man ihn verhört, bevor er vor Gericht aussagt, warnt man ihn, in der Sprache der Mischna, man schüchtert den Zeugen ein und sagt zu ihm: „Hast du wirklich gesehen, was du gesehen hast? Vielleicht sprichst du nicht auf Grund dessen, was du wirklich gesehen hast, sondern auf Grund irgendeiner Schlussfolgerung? Vielleicht ist das deine Folgerung, oder keine Tatsache, sondern deine persönliche Meinung? Vielleicht hast du es nicht selbst gehört, sondern von jemand anderem gehört? Vielleicht hat sich noch etwas eingeschlichen, irgendeine Verfälschung in deiner Aussage? Bedenke: Wenn du lügst, wenn du uns anlügst, dann fällst du nicht nur unter den Fluch, weil du falsch beim Namen Gottes schwörst, du nimmst außerdem die Verantwortung für die Seele eines Menschen auf dich.“
Der Höchste hat nur einen einzigen Menschen erschaffen, der Mensch gleicht einer ganzen Welt. Alle Tiere sind von Gott in Mengen geschaffen: Der Höchste schuf gleich viele Pferde, viele Nilpferde, viele Elefanten. Aber mit dem Menschen ist alles anders, der Mensch ist Einzelanfertigung. Und deshalb ist der, der einen Menschen zugrunde richtet, wie einer, der die ganze Welt zugrunde richtet, genauso wie der, der einen Menschen rettet, die ganze Welt rettet. Und wenn man in finanziellen Fragen den Schaden aus irgendeinem falschen Zeugnis mit Geld wiedergutmachen kann, dann kann man in Fragen, die die Todesstrafe betreffen, nichts wiedergutmachen. Und das Blut des Menschen, den du verleumden kannst, wird ewig an dir haften. So schüchtert man den Zeugen ein. Jetzt stellt euch einen einfachen Mann aus dem Volk vor, ach was, einen einfachen Mann, stellt euch selbst vor, in eine solche Lage geraten, und ihr werdet ohne Mühe verstehen, dass man Angst bekommen, zweifeln und keine Aussage machen kann, die Wahrheit nicht erzählt, die man kennt. Ich hätte vielleicht selbst entschieden, dass ich lieber überhaupt nichts sage. Und dadurch sündigt der Mensch, weil er die Rechtsprechung behindert. Das ist die erste der Sünden, von denen die Tora hier spricht. Und wir sehen, dass es schon nicht mehr um Sünden geht, die ein Mensch unabsichtlich begangen hat, sondern um Sünden, die aus Kleinmut oder, wie wir weiter sehen werden, aus Unachtsamkeit begangen werden.
אוֹ נֶפֶשׁ אֲשֶׁר תִּגַּע בְּכָל־דָּבָר טָמֵא אוֹ בְנִבְלַת חַיָּה טְמֵאָה אוֹ בְּנִבְלַת בְּהֵמָה טְמֵאָה אוֹ בְּנִבְלַת שֶׁרֶץ טָמֵא וְנֶעְלַם מִמֶּנּוּ וְהוּא טָמֵא וְאָשֵׁם׃
o néfesch aschér tiggá bechol-dawár tamé o weniwlát chajá teme'á o beniwlát behemá teme'á o beniwlát schérez tamé wene׳lám mimménnu wehú tamé we'aschém
2 Oder eine Seele, die irgendetwas Unreines berührt: den Kadaver eines unreinen Tieres oder den Kadaver unreinen Viehs oder Aas von Insekten, von Kriechtieren, und er hat es vergessen und war unrein und hat sich verschuldet.
Ein unreines Tier ist ein Tier, das auf dem Feld lebt; auf dem Feld können ein Hirsch, ein Stachelschwein, ein Fuchs, ein Wolf und so weiter leben. Unreines Vieh ist zum Beispiel der Esel. Er gehört zum Hof, er ist behemá (Vieh), aber er gilt als unrein.
Man muss sagen, und das ist sehr wichtig zu verstehen: Es ist keine Sünde, unrein zu sein. Eine Frau wird nach der Geburt unrein, ein Mann wird nach einem Samenerguss unrein. Sogar das, was in Heiligkeit getan wird, kann einen Menschen unrein machen. Unreinheit (tum'á) entsteht dort, wo die Heiligkeit verschwindet. Wenn eine Frau ein Kind in sich trägt, befindet sie sich in einem besonderen Dienst der Schwangerschaft; wenn dieser Dienst aufhört, erscheint vorübergehend tum'á. Genauso geschieht es, wenn ein Mensch irgendwelche heiligen Bücher in die Hände nimmt, Torarollen zum Beispiel. Wenn er sie aber weglegt, werden seine Hände unrein, weil die Heiligkeit sie verlassen hat, und er muss sie reinigen. Ein heiliger Ort bleibt nicht leer, und wenn die Heiligkeit ihn verlässt, füllt er sich mit tum'á.
Worin besteht nun die Sünde in Bezug auf diesen Vers? Die Sünde besteht darin, dass der Mensch vergessen hat, dass er unrein ist, Heiliges berührt hat, in den Tempel gegangen ist oder vom heiligen Opfer gegessen hat, das heißt getan hat, was man in Unreinheit nicht tun darf, und sich so verschuldet hat. Im Grunde liegt die Sünde hier in einer gewissen nachlässigen Haltung gegenüber der geistlichen Hygiene. Es wäre gut, wenn der Mensch sich sofort waschen würde, die Sache nicht hinauszögern würde, aber er hat es eben hinausgezögert und ist schuldig geworden. Man kann nicht sagen, dass es aus Versehen so gekommen ist: Er verstand, dass er unrein ist, aber er hat es vergessen. Er wusste noch, dass er eigentlich untertauchen sollte, aber er hat die Sache versäumt.
אוֹ כִי יִגַּע בְּטֻמְאַת אָדָם לְכֹל טֻמְאָתוֹ אֲשֶׁר יִטְמָא בָּהּ וְנֶעְלַם מִמֶּנּוּ וְהוּא יָדַע וְאָשֵׁם׃
o chi jiggá betum'át adám lechól tum'ató aschér jitmá ba wene'lám mimménnu wehú jadá we'aschém
3 Und ebenso, wenn er menschliche Unreinheit berührt, in all ihren Unreinheiten, durch die er sich verunreinigt, und es wird vergessen, und er ist schuldig.
Das heißt, der Mensch vergisst, dass er unrein ist, und tut das, was ein Mensch im Zustand der Unreinheit nicht tun darf. Ich wiederhole es noch einmal, das ist wichtig im Gedächtnis zu behalten: Es ist keine Sünde, unrein zu sein. Sünde ist es, im Zustand der Unreinheit bestimmte Dinge zu tun, zum Beispiel vom heiligen Opfer zu essen, den Tempel zu betreten und so weiter. Dieselbe Geschichte wie im 2. Vers, aber statt eines unreinen Tieres hat der Mensch irgendeine menschliche Unreinheit berührt, irgendwelche Ausscheidungen, irgendetwas am Menschen, das ihn unrein macht.
אוֹ נֶפֶשׁ כִּי תִשָּׁבַע לְבַטֵּא בִשְׂפָתַיִם לְהָרַע אוֹ לְהֵיטִיב לְכֹל אֲשֶׁר יְבַטֵּא הָאָדָם בִּשְׁבֻעָה וְנֶעְלַם מִמֶּנּוּ וְהוּא־יָדַע וְאָשֵׁם לְאַחַת מֵאֵלֶּה׃
o néfesch ki tischawá lewatté wisfatájim lehará o lehetíw lechól aschér jewatté ha'adám bischwu'á wene'lám mimménnu wehu-jadá we'aschém le'achát me'élle
4 Und wenn irgendeine Seele geschworen hat, einen Schwur ausgesprochen hat, zum Bösen oder zum Guten – in allem, was ein Mensch mit einem Schwur schwört, und er vergisst es, wenn er es erfährt, und er hat sich in einem von diesen als schuldig erwiesen.
Schuldig in einem von diesen – gemeint sind alle vier betrachteten Verfehlungen, in allen vier Versen. Hier ist die vierte Variante des Vergehens, die die Tora vermerkt. Sagen wir, ein Mensch sagt: „Ich werde der Oma von nebenan jeden Freitag ein Huhn bringen“ oder: „Ich werde ab morgen jeden Morgen laufen gehen“, und sagt das mit einem Schwur – das ist zum Guten. Oder Varianten zum Bösen: „Wenn ich diesen Wasja sehe – bringe ich ihn um!“ oder: „Hier setze ich nie wieder einen Fuß hin!“, oder irgendwelche anderen Schwüre. Selbstverständlich schließen diese vier Arten von Sünde alle auch die ihnen ähnlichen ein, die Tora spricht nicht einfach über irgendwelche vier konkreten Fälle.
Wir haben gesagt, dass man ein Opfer nur für eine unabsichtliche Sünde darbringen kann. Was soll man aber tun, wenn die Sünde, die ein Mensch begeht, nicht ganz aus Versehen ist, wenn es eine vorsätzlich begangene Sünde ist (offensichtlich oder vermutlich)?
וְהָיָה כִי־יֶאְשַׁם לְאַחַת מֵאֵלֶּה וְהִתְוַדָּה אֲשֶׁר חָטָא עָלֶיהָ׃
wehajá chi-je'schám le'achát me'élle wehitwaddá aschér chatá aleha
5 Und es war: Wenn er sich in einem von diesen (vieren) als schuldig erweist und bekennt, worin er gesündigt hat,
Das heißt, der Mensch muss mit seinem eigenen Mund Reue zeigen. Wenn ich jemanden gekränkt habe, komme ich und sage: „Aglaja, entschuldige, ich wollte dich nicht kränken.“ – „Wie, du wolltest nicht, du hast mich gekränkt, du hast mir ein grobes Wort gesagt. Was heißt, du wolltest nicht? Wenn du nicht gewollt hättest, hättest du es nicht gesagt. Wenn du die Tür nicht hättest zuknallen wollen, als du gegangen bist, hättest du sie nicht zugeknallt. Wenn du nicht die Stimme gegen mich hättest erheben wollen, hättest du sie nicht erhoben.“ Aber ich antworte ihr so: „Aglaja, ich von heute möchte nicht der Alex sein, der dich damals gekränkt hat. Ich würde jetzt dich nicht damals kränken wollen.“ Jede Tat eines Menschen besteht aus der Absicht und der Tat selbst. Wenn ich jemandem aus Versehen auf den Fuß getreten bin, bedeutet das, dass ich nicht die Absicht hatte, so zu handeln. Etwas anderes ist es, wenn ich die Absicht hatte, beschlossen habe draufzutreten – und draufgetreten bin. Das sind verschiedene Taten, obwohl sie äußerlich gleich aussehen. Reue und Bekenntnis erlauben es, den Rang der Sünde zu verringern, herabzusetzen, von einer absichtlichen zu einer unabsichtlichen. Wenn der Alex verschwunden ist, der Aglaja kränken wollte, dann wird die Sünde zu einer unabsichtlichen Sünde, und für sie kann man nun ein Opfer darbringen. Nachdem ich diese Sünde bekannt habe, habe ich sie bereut, ich habe verstanden, dass ich nicht mehr will, ich will nicht mehr tun, was ich damals getan habe. Und darin liegt die Kraft der Reue. Die Reue nimmt, wie eine Art Zeitmaschine, mein Motiv aus jener Tat heraus.
וְהֵבִיא אֶת־אֲשָׁמוֹ לַיהוָה עַל חַטָּאתוֹ אֲשֶׁר חָטָא נְקֵבָה מִן־הַצֹּאן כִּשְׂבָּה אוֹ־שְׂעִירַת עִזִּים לְחַטָּאת וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן מֵחַטָּאתוֹ׃
wehewí et-aschamó ladonáj al chattató aschér chatá nekewá min-hazzón kisbá o-se'irát issím lechattát wechippér aláw hakkohén mechattató
6 Und er wird sein Schuldopfer dem HERRN darbringen für die Sünde, mit der er gesündigt hat, ein Weibchen vom Kleinvieh, ein Schäfchen oder ein Geißlein zur Reinigung, und der Kohen wird ihn von seiner Sünde reinigen.
In diesem Fall haben wir es mit einem Opfer zu tun, das in der Sprache der Weisen korbán olé wejoréd (Opfer mit Aufschlag und mit Rabatt) heißt. Je nach der finanziellen Lage des Menschen werden verschiedene Opfer dargebracht. Dem Höchsten kann man keinen materiellen Schaden zufügen, genauso wenig kann man Ihm Gewinn bringen: Alles, was es in der Welt gibt, gehört Ihm. Da wir uns durch das Opfer mit dem Höchsten versöhnen, gibt Er dem Menschen, der keinen großen Wohlstand hat, gnädig die Möglichkeit, ein entsprechendes Opfer darzubringen.
וְאִם־לֹא תַגִּיַע יָדוֹ דֵּי שֶׂה וְהֵבִיא אֶת־אֲשָׁמוֹ אֲשֶׁר חָטָא שְׁתֵּי תֹרִים אוֹ־שְׁנֵי בְנֵי־יוֹנָה לַיהוָה אֶחָד לְחַטָּאת וְאֶחָד לְעֹלָה׃
we'im-ló taggíja jadó de se wehewí et-aschamó aschér chatá scheté torím o-schené wene-joná ladonáj echád lechattát we'echád le'olá
7 Und wenn es bei ihm auch für ein Zicklein nicht an Geld reicht, soll er als Schuldopfer für seine Sünde zwei Turteltauben oder zwei junge Täubchen dem HERRN bringen: eines als Reinigungsopfer, eines als Ganzopfer.
Beim Reinigungsopfer gibt es, wie beim Sündopfer, zwei Tischgenossen, zwei essen von diesem Opfer. Der erste ist natürlich der Höchste, und der zweite ist der Kohen. Wenn ein Mensch eine einzige Taube brächte, wäre es einfach lächerlich, sie unter zweien aufzuteilen. Wie ein sowjetischer Klassiker sagte: „Damit füllst du weder einen Kochtopf, noch stopfst du ein Kissen.“ Deshalb wird es, anders als bei den Lämmchen und den Zicklein, zwei Tauben geben: Eine wird als Ganzopfer für den Höchsten dargebracht, und die zweite ist für den Kohen bestimmt, von ihr wird der Kohen essen.
וְהֵבִיא אֹתָם אֶל־הַכֹּהֵן וְהִקְרִיב אֶת־אֲשֶׁר לַחַטָּאת רִאשׁוֹנָה וּמָלַק אֶת־רֹאשׁוֹ מִמּוּל עָרְפּוֹ וְלֹא יַבְדִּיל׃
wehewí otám el-hakkohén wehikríw et-aschér lachattát rischoná umalák et-roschó mimmúl orpó weló jawdíl
8 Und er wird sie dem Kohen geben, und der Kohen wird den, der zur Reinigung ist, als ersten als Opfer darbringen, und er wird es vom Nacken her tun und wird den Kopf nicht vom Körper trennen.
Der Kohen tötet den Vogel auf besondere Weise, indem er mit dem Fingernagel den Nackenteil des Halses des Vögelchens durchbricht. Das klingt sehr grausam, aber auf diese Weise wird das ganze Blut verwendet, und es reicht für das Besprengen des Altars.
וְהִזָּה מִדַּם הַחַטָּאת עַל־קִיר הַמִּזְבֵּחַ וְהַנִּשְׁאָר בַּדָּם יִמָּצֵה אֶל־יְסוֹד הַמִּזְבֵּחַ חַטָּאת הוּא׃
wehissá middám hachattát al-kír hammisbéach wehannisch'ár baddám jimmazé el-jessód hammisbéach chattát hu
9 Und er wird mit dem Blut des Reinigungsopfers an die Wände des Altars spritzen, und das, was vom Blut übrig bleibt, verwendet er für das Fundament des Altars; das ist ein Reinigungsopfer.
וְאֶת־הַשֵּׁנִי יַעֲשֶׂה עֹלָה כַּמִּשְׁפָּט וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן מֵחַטָּאתוֹ אֲשֶׁר־חָטָא וְנִסְלַח לוֹ׃
we'et-haschení ja'assé olá kammischpát wechippér aláw hakkohén mechattató ascher-chatá wenislách lo
10 Und das zweite Täubchen wird er zum Ganzopfer machen, nach dem Gesetz des Ganzopfers, und der Kohen wird ihn von seiner Sünde sühnen, mit der er gesündigt hat, und es wird ihm vergeben werden.
Aber es kommt vor, dass ein Mensch auch für zwei Turteltauben kein Geld hat: Nicht alle sind reich, aber alle sind Sünder. Und deshalb lesen wir im 11. Vers:
וְאִם־לֹא תַשִּׂיג יָדוֹ לִשְׁתֵּי תֹרִים אוֹ לִשְׁנֵי בְנֵי־יוֹנָה וְהֵבִיא אֶת־קָרְבָּנוֹ אֲשֶׁר חָטָא עֲשִׂירִת הָאֵפָה סֹלֶת לְחַטָּאת לֹא־יָשִׂים עָלֶיהָ שֶׁמֶן וְלֹא־יִתֵּן עָלֶיהָ לְבֹנָה כִּי חַטָּאת הִיא׃
we'im-ló tassíg jadó lischté torím o lischné wene-joná wehewí et-korbanó aschér chatá assirít ha'efá sólet lechattát lo-jassím aléha schémen welo-jittén aléha lewoná ki chattát hi
11 Und wenn seine Hand nicht hinreicht, wenn es bei ihm nicht für zwei Turteltauben oder für zwei Täubchen reicht – soll er als Opfer für seine Sünde ein Zehntel Efa Feinmehl als Reinigungsopfer bringen, er soll kein Öl darauf legen und keinen Weihrauch dazugeben, denn das ist ein Reinigungsopfer.
Ein Zehntel Efa – das sind ungefähr zwei Liter. Und uns ist nicht nach Fröhlichkeit zumute, wir laden den Höchsten nicht an eine Festtafel ein, wo man den Brei mit Öl nicht verderben kann. Mit Öl kann man diesen Brei gerade verderben, weil uns nicht nach Fett zumute ist, wir bereuen hier.
וֶהֱבִיאָהּ אֶל־הַכֹּהֵן וְקָמַץ הַכֹּהֵן מִמֶּנָּה מְלוֹא קֻמְצוֹ אֶת־אַזְכָּרָתָה וְהִקְטִיר הַמִּזְבֵּחָה עַל אִשֵּׁי יְהוָה חַטָּאת הִוא׃
wehewi'á el-hakkohén wekamáz hakkohén mimménna meló kumzó et-askaratá wehiktír hammisbécha al isché adonáj chattát hi
12 Und er wird es dem Kohen bringen, und der Kohen wird davon eine volle Handvoll nehmen („handvollen“) als Gedenken und sie auf den Altar bringen. Das ist ein Feueropfer dem HERRN, ein reinigendes.
וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן עַל־חַטָּאתוֹ אֲשֶׁר־חָטָא מֵאַחַת מֵאֵלֶּה וְנִסְלַח לוֹ וְהָיְתָה לַכֹּהֵן כַּמִּנְחָה׃
wechippér aláw hakkohen al-chattató ascher-chatá me'achát me'élle wenislách lo wehajetá lakkohén kamminchá
13 Und der Kohen sühnte ihn für die Sünde, mit der er gesündigt hat, mit einer von diesen oben aufgezählten Sünden, und es wird ihm vergeben werden, und es wird dem Kohen sein wie eine Minchá (Gabe, Geschenk).
Das heißt, das übrige Mehl darf der Kohen essen, das ist sein Anteil.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
14 Und Gott redete zu Mosche und sprach:
נֶפֶשׁ כִּי־תִמְעֹל מַעַל וְחָטְאָה בִּשְׁגָגָה מִקָּדְשֵׁי יְהוָה וְהֵבִיא אֶת־אֲשָׁמוֹ לַיהוָה אַיִל תָּמִים מִן־הַצֹּאן בְּעֶרְכְּךָ כֶּסֶף־שְׁקָלִים בְּשֶׁקֶל־הַקֹּדֶשׁ לְאָשָׁם׃
néfesch ki-tim'ól ma'ál wechate'á bischgagá mikkodsché adonáj wehewí et-aschamó ladonáj ájil tamím min-hazzón be'erkechá kessef-schekalím beschekel-hakkódesch le'aschám
15 „Eine Seele, die ihre Möglichkeiten missbraucht und aus Versehen von den Heiligtümern des HERRN sündigt, und sie bringt als Schuldopfer dem HERRN ein makelloses Lamm vom Vieh nach dem Wert (der Schätzung) von zwei Silberschekeln in heiligen Schekeln als Schuldopfer.
Was bedeutet aus Versehen von den Heiligtümern des HERRN sündigt? Das ist eine Situation, in der ein Mensch irgendein Lämmchen, irgendein Zicklein oder einen Sack Kartoffeln genommen, es dem Höchsten geweiht und gesagt hat: „Das gebe ich dem Kohen, das trage ich in den Tempel, das wird Gottes sein, das ist der ma'assér, den ich zurückgelegt habe – da ist er im Briefumschlag, mein massér, mein Zehnter.“ Und aus Versehen hat er davon Gebrauch gemacht: hat sich heilige Kartoffeln gebraten oder etwas anderes in der Art getan. Und wenn er sich nun schon irgendwie mit den Heiligtümern verheddert hat, dann bringt er, damit er sich mit den Heiligtümern wieder entwirrt, ein Lämmchen als Opfer dar, das nicht weniger wert ist als zwei heilige Schekel: Irgendein Schätzer muss es ansehen und sagen, wie viel das Lamm wert ist.
וְאֵת אֲשֶׁר חָטָא מִן־הַקֹּדֶשׁ יְשַׁלֵּם וְאֶת־חֲמִישִׁתוֹ יוֹסֵף עָלָיו וְנָתַן אֹתוֹ לַכֹּהֵן וְהַכֹּהֵן יְכַפֵּר עָלָיו בְּאֵיל הָאָשָׁם וְנִסְלַח לוֹ׃
we'ét aschér chatá min-hakkódesch jeschallém we'et-chamischitó josséf aláw wenatán otó lakkohén wehakkohén jechappér aláw be'él ha'aschám wenislách lo
16 Und das, was er vom Heiligen genommen hat, wird er bezahlen, und ein Fünftel wird er dazu hinzufügen, und er wird es dem Kohen geben, und der Kohen wird ihn mit dem Lamm des Schuldopfers sühnen, und es wird ihm vergeben werden.
Das heißt, außer dass er ein Lämmchen bringt, muss er noch den materiellen Schaden am Besitz des Tempels oder des Kohen ersetzen.
Woher nimmt man und wozu nimmt man das Fünftel? Warum sagen wir nicht: Wenn ich einen Diebstahl über 50 Schekel begangen habe, dann gebe ich eben 50 Schekel zurück? Warum auf einmal 60? Stellt euch vor, man hat euch ein Handy gestohlen und sagt euch: „Euer Handy war an einem guten Tag 200 Dollar wert, hier habt ihr 200 Dollar, wir ersetzen euch euren Schaden.“ Aber diese 200 Dollar verwandeln sich nicht sofort in ein Telefon. Man muss gehen, auswählen, kaufen, vielleicht die Nummern wiederherstellen. Wenn man euch ein Rad vom Auto gestohlen hat, dann muss man irgendwohin fahren, um es zu holen. Manchmal geht ein ganzer Arbeitstag drauf, um das wiederherzustellen. Das Fünftel ist erstens ein pädagogisches Moment, damit es dem Menschen nicht wieder einfällt, und zweitens ist es der Ersatz des Begleitschadens, der in diesem Fall den Kohanim zugefügt wurde.
וְאִם־נֶפֶשׁ כִּי תֶחֱטָא וְעָשְׂתָה אַחַת מִכָּל־מִצְוֹת יְהוָה אֲשֶׁר לֹא תֵעָשֶׂינָה וְלֹא־יָדַע וְאָשֵׁם וְנָשָׂא עֲוֹנוֹ׃
we'im-néfesch ki techetá we'assetá achát mikkol-mizwót adonáj aschér lo te'asséna welo-jadá we'aschém wenassá awonó
17 Wenn irgendeine Seele gesündigt hat und er eines der Gebote des HERRN getan hat, von denen geschrieben ist, sie nicht zu tun, und er hat davon nicht gewusst, und er ist schuldig geworden und hat seine Sünde getragen.
Vom Text her ist das dem sehr ähnlich, was wir im vierten Kapitel gelesen haben (findet zehn Unterschiede). Und hier entsteht die Frage: Warum hebt die Tora das hervor? Eine der Erklärungen ist, dass es hier um eine Situation geht, in der ein Mensch irgendeine Handlung begangen hat, er hat sie getan und dann Zweifel bekommen. Zum Beispiel hat er an Pessach etwas gegessen und zweifelt, ob es nicht Gesäuertes war. Und die Strafe dafür ist sehr schwer, dafür wird man mit dem Abschneiden vom Volk bestraft. Und dieser Zweifel quält ihn, und er fühlt Schuld, davon ist hier die Rede. Aber es gibt ein Heilmittel, und im 18. Vers lesen wir:
וְהֵבִיא אַיִל תָּמִים מִן־הַצֹּאן בְּעֶרְכְּךָ לְאָשָׁם אֶל־הַכֹּהֵן וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן עַל שִׁגְגָתוֹ אֲשֶׁר־שָׁגָג וְהוּא לֹא־יָדַע וְנִסְלַח לוֹ׃
wehewí ájil tamím min-hazzón be'erkechá le'aschám el-hakkohén wechippér aláw hakkohén al schigegató ascher-schagág wehú lo-jadá wenislách lo
18 Und er brachte ein makelloses Lamm vom Vieh nach der Schätzung, die dem Schuldopfer entspricht (zwei heilige Schekel), zum Kohen, und der Kohen sühnte ihn für den Irrtum, den er begangen hat, und er hat es nicht gewusst, und es wird ihm vergeben werden,
Das heißt, er befand sich im Zweifel: ob er einen Fehler begangen hat oder nicht, und wenn ein Mensch in einem solchen Zustand ist, dann gilt es, als hätte er ihn gleichsam begangen.
אָשָׁם הוּא אָשֹׁם אָשַׁם לַיהוָה׃
aschám hu aschóm aschám ladonáj
19 Ein Schuldopfer ist das, denn schuldig ist er mit einer Schuld dem Höchsten gegenüber.“
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
20 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:
נֶפֶשׁ כִּי תֶחֱטָא וּמָעֲלָה מַעַל בַּיהוָה וְכִחֵשׁ בַּעֲמִיתוֹ בְּפִקָּדוֹן אוֹ־בִתְשׂוּמֶת יָד אוֹ בְגָזֵל אוֹ עָשַׁק אֶת־עֲמִיתוֹ׃
néfesch ki techetá uma'alá má'al badonáj wechichésch ba'amitó befikkadón o-witsúmet jad o wegasél o aschák et-amitó
21 „Eine Seele, die sündigt und den Namen des Höchsten missbraucht hat und vor ihrem Nächsten abgestritten hat, was ein Mensch als Pfand erhalten hat oder was zur Obhut überlassen wurde; oder was mit Gewalt weggenommen wurde, und er seinen Nächsten bedrückt hat,
Hier wird ein Mensch beschuldigt, dass er irgendein Pfand genommen hat und es nicht zurückgibt, oder dass ihm etwas zur Aufbewahrung anvertraut wurde und er es nicht zurückgibt, oder dass er jemandem etwas weggenommen hat. Und er streitet das unter einem Schwur beim Höchsten ab. Warum ist das wichtig? Weil das Verbrechen selbst – dem Nächsten etwas wegzunehmen und es nicht zurückzugeben – ein Verbrechen gegen den Nächsten ist. Aber hier gibt es noch einen Bestandteil: Wenn ein Mensch vor Gericht beim Namen des Höchsten beschworen wird und er diesen Schwur bricht, dann ist das schon ein Verbrechen vor dem Höchsten, nicht nur vor dem Nächsten.
אוֹ־מָצָא אֲבֵדָה וְכִחֶשׁ בָּהּ וְנִשְׁבַּע עַל־שָׁקֶר עַל־אַחַת מִכֹּל אֲשֶׁר־יַעֲשֶׂה הָאָדָם לַחֲטֹא בָהֵנָּה׃
o-mazá awedá wechíchesch ba wenischbá al-scháker al-achát mikkól ascher-ja'assé ha'adám lacható wahénna
22 Oder er hat Verlorenes gefunden und gibt es nicht zurück – und er hat falsch geschworen (beim Namen des Höchsten) über eine von all diesen Verfehlungen, die er getan hat, dass er diese Sünden nicht begangen habe.
Das lehrt man von Kindheit an – einem Menschen verlorene Dinge zurückzugeben, das ist ein wichtiges Gebot. Sehr oft kann man in religiösen Vierteln eine solche Anzeige sehen: „An der Bushaltestelle wurde eine Haarspange in Form eines Schmetterlings gefunden. Wer sie verloren hat, wird gebeten, telefonisch anzurufen, und wir geben sie euch zurück, wenn ihr ihre Merkmale angebt.“ Das wird nicht deshalb gemacht, weil irgendwelche Pfennigfuchser meinen, dass die Eltern jetzt mit der Laterne nach der Haarspange in Form eines Schmetterlings suchen werden, die ihre Tochter verloren hat. Das wird gemacht, um kleine Kinder an die Rückgabe von Verlorenem zu gewöhnen. Und auch ein erwachsener Mensch ist verpflichtet, zurückzugeben, was sein Nächster verloren hat: Wenn ihr etwas gefunden habt, muss man vor allem versuchen, es zurückzugeben. Hier gibt es sehr viele verschiedene Nuancen, aber im Großen und Ganzen ist es ein völlig verständliches Gesetz.
Und der Mensch sagte: „Gott bewahre, bei Gott schwöre ich, ich habe keine Haarspange in Form eines Schmetterlings gefunden.“ Und wegen einer Haarspange, sogar um eines solchen Vorteils willen, hat er falsch beim Namen des Höchsten geschworen. Wir behandeln hier nicht die Sühne für das Verbrechen selbst, sondern die Sühne für das Leisten eines falschen Schwurs, den der Mensch vor dem Höchsten geschworen hat.
וְהָיָה כִּי־יֶחֱטָא וְאָשֵׁם וְהֵשִׁיב אֶת־הַגְּזֵלָה אֲשֶׁר גָּזָל אוֹ אֶת־הָעֹשֶׁק אֲשֶׁר עָשָׁק אוֹ אֶת־הַפִּקָּדוֹן אֲשֶׁר הָפְקַד אִתּוֹ אוֹ אֶת־הָאֲבֵדָה אֲשֶׁר מָצָא׃
wehajá ki-jechetá we'aschém weheschíw et-haggeselá aschér gasál o et-ha'óschek aschér aschák o et-happikkadón aschér hofkád ittó o et-ha'awedá aschér mazá
23 Und es war, als er gesündigt hat und schuldig ist, und er wird das Geraubte zurückgeben, oder jene Bedrückung, mit der er bedrückt hat, oder das Pfand, das man bei ihm gelassen hat, oder das Verlorene, das er gefunden hat,
אוֹ מִכֹּל אֲשֶׁר־יִשָּׁבַע עָלָיו לַשֶּׁקֶר וְשִׁלַּם אֹתוֹ בְּרֹאשׁוֹ וַחֲמִשִׁתָיו יֹסֵף עָלָיו לַאֲשֶׁר הוּא לוֹ יִתְּנֶנּוּ בְּיוֹם אַשְׁמָתוֹ׃
o mikkól ascher-jischawá aláw laschéker weschillám otó beroschó wachamischitáw josséf aláw la'aschér hu lo jittenénnu bejom aschmató
24 Und von allem, worüber er falsch geschworen hat, wird er dessen Grundwert bezahlen und ein Fünftel dem zurückgeben, dem er es weggenommen hat, am Tag der Darbringung des Schuldopfers.
וְאֶת־אֲשָׁמוֹ יָבִיא לַיהוָה אַיִל תָּמִים מִן־הַצֹּאן בְּעֶרְכְּךָ לְאָשָׁם אֶל־הַכֹּהֵן׃
we'et-aschamó jawí ladonájIn der russischen Umschrift fehlt beim Gottesnamen der Schlusslaut. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: ladonáj. ájil tamím min-hazzón be'erkechá le'aschám el-hakkohén
25 Und das Schuldopfer wird er dem HERRN bringen, ein makelloses Lamm vom Vieh, nach der Schätzung des Schuldopfers, dem Kohen.
Und wieder: Das Lamm muss nicht weniger als zwei heilige Schekel wert sein.
וְכִפֶּר עָלָיו הַכֹּהֵן לִפְנֵי יְהוָה וְנִסְלַח לוֹ עַל־אַחַת מִכֹּל אֲשֶׁר־יַעֲשֶׂה לְאַשְׁמָה בָהּ׃
wechippér aláw hakkohén lifné adonáj wenislách lo al-achát mikkól ascher-ja'assé le'aschmá wa
26 Und der Kohen sühnte ihn vor dem HERRN, und es ist ihm vergeben für alles, was er davon getan hat, um darin schuldig zu sein.
Das Hauptthema des Kapitels ist wieder das Schuldgefühl. Wenn ein Mensch sich schuldig fühlt, lebt er unter der Drohung des Gerichts, ihm bleibt nichts anderes übrig, als das Gericht zu erwarten, die Strafe zu erwarten: Ich bin schuldig, und ich verstehe, dass nicht alles so sein kann wie früher. Dieses Schuldgefühl, das ist ein Gefühl, mit dem man nicht in Nachbarschaft mit dem Höchsten leben kann. Und um dieses Gefühl loszuwerden, ist der Mensch berufen, ein Opfer darzubringen. Es geht nicht darum, dass man ihn zwingt oder es ihm befohlen wird – das ist die Entscheidung des Menschen selbst. Zuerst hat der Mensch alles abgestritten und gesagt: „Ich habe keine Kaffeemühle genommen“ oder: „Ich habe keine Schere gefunden.“ Dann denkt er: „Wozu brauche ich diese Schere, wozu brauche ich das alles?“ Er bereut, gibt zurück und fügt außerdem ein Fünftel hinzu, um seine Beziehung zum Höchsten wiederherzustellen. Die ganze Initiative liegt hier beim Menschen selbst, der Kohen ist nur ein Gehilfe bei dieser Versöhnung zwischen dem Menschen und Gott. Und es hat keinen Sinn, einem Menschen zu sagen: „Nu-nu-nu!“, wie man in Israel sagt, ihm mit dem Fingerchen zu drohen und zu sagen: „Du bist schuldig.“ Der Mensch muss sich selbst schuldig fühlen und aus diesem Schuldgefühl heraus die Versöhnung mit dem Höchsten suchen. Diese Fähigkeit, Schuld zu empfinden, bewegt die israelische Gesellschaft zur Heiligkeit hin, erlaubt ihr, die Heiligkeit zu bewahren. Und genau davon, wie man die Beziehung zum Höchsten wiederherstellt, wenn man dieses Schuldgefühl hat, handelt eigentlich auch unser fünftes Kapitel, mit dem wir hiermit schließen.

Tora in 5 Minuten.
Unser Wochenabschnitt heißt, wie auch das dritte Buch der Tora, Wajikra (Und rief), und in Vers 1 von Kapitel 1 lesen wir: „Und rief zu Mosche, und der HERR redete mit ihm aus dem Zelt der Begegnung …“ Die Kommentatoren sagen, dass das wandte sich mit Namen an ihn bedeutet. Zum ersten Mal begegnet uns, dass der HERR Mosche ruft, als der HERR aus dem brennenden Busch mit ihm redet (Schemot 3,4). Das zweite Mal lesen wir davon, als der HERR Mosche am siebten Tag seines Aufenthalts auf dem Berg ruft (Schemot 24,16). Und hier, bevor der Höchste Mosche beauftragt, das Volk Israel hinsichtlich der Opfer zu unterweisen, wendet Er sich wieder mit Namen an Mosche. Natürlich haben viele Ausleger, viele Kommentatoren versucht zu verstehen, worin das Wesen dieser besonderen Fälle liegt, in denen der Höchste sich mit Namen an Mosche oder an jemanden von uns wendet?
Wir alle stammen in vielem aus der Kindheit, wir haben eine solche Schwäche: Oft übertragen wir die Beziehung zu unserem irdischen Vater auf die Beziehung zum himmlischen Vater. Und in den Kommentaren ist das besonders gut zu sehen. Die einen Kommentatoren sagen: „Wenn der Höchste sich mit Namen an Mosche wendet, dann ist das ein Ausdruck von Zuneigung und Zärtlichkeit. Ein liebender Vater spricht den Namen des Sohnes mit Zärtlichkeit aus, denn meistens ist es ja so, dass gerade der Vater dem Sohn diesen Namen gegeben hat, und darin liegt ein Ausdruck von Liebe und Zuneigung.“ Andere Kommentatoren sagen: „Nein! In Wirklichkeit ist es, wenn der Höchste sagt: ‚Mosche!‘, ein Ausdruck von Strenge. Das ist der Befehl, sich endlich zusammenzureißen, sich in den Griff zu bekommen, sich an die Arbeit zu machen. Das ist das Bestreben, den Menschen mit einer gewissen Strenge und vielleicht sogar mit einem gewissen Anteil an Tadel anzutreiben.“ Wieder andere sagen: „Nein! Das kann das eine wie das andere in sich vereinen und sogar eine größere Liebe. Und vielleicht ist die Situation hier ähnlich, als säße der Höchste auf der Tribüne und würde wie ein Fan in die Hände klatschen und skandieren: ‚Mo-sche! Mo-sche!‘, und damit Seinen Glauben an Mosche ausdrücken und ihm Erfolg wünschen.“ Wie vieles in unserer Beziehung zum Höchsten hängt von unserer Beziehung zu unserem irdischen Vater ab! Und oft kommt es vor, dass wir das rein reflexartig auf den Höchsten übertragen. Der eine ist gewohnt, wenn er seinen Namen hört, Zuneigung wahrzunehmen und sich auf Zuneigung einzustellen. Der andere ist gewohnt, einen barschen Zuruf zu hören, und zieht sich vielleicht innerlich zusammen, wenn man ihn mit Namen anspricht. Wieder andere hören darin Unterstützung und erinnern sich, wie die Eltern sie bei all ihren Vorhaben unterstützt haben, wie sie sie vor Nachbarn und Freunden gelobt haben. Jeder nimmt das Wort des Höchsten so wahr, wie er von Kindheit an gewohnt ist, das Wort des Vaters wahrzunehmen. Und natürlich verdienen unsere Väter, wie sie auch gewesen sein mögen, wie sich unsere Beziehungen auch entwickelt haben mögen, großen Respekt. Aber man muss lernen, sich selbst zu erneuern, seinen Verstand in der Beziehung zum Schöpfer zu erneuern. Und jedes Mal, wenn der Schöpfer uns mit Namen anspricht, muss man lernen, nicht die gewohnten väterlichen Tonfälle in Seine Stimme hineinzuschreiben, sondern auf den Ton und die Redeweise des Höchsten Selbst zu horchen, zu hören, was und wie Er spricht. Obwohl der Midrasch sagt, dass der Höchste zu Beginn des Gesprächs mit Mosche die Stimme seines irdischen Vaters wählte. Ja, es gibt eine gewisse Verbindung, es gibt eine gewisse Nähe. Aber wir müssen lernen, die Stimme des Höchsten jedes Mal anders zu hören, als ein persönliches Gespräch mit Ihm, ohne jede vorherige Erfahrung, ohne jede Voreingenommenheit. Und dann werden wir uns die Anfänge der Gemeinschaft mit Ihm aneignen. Das Buch Wajikra erzählt von Korbanót (Opfern), von den Weisen der Annäherung an den Höchsten. Und der Prozess der Annäherung beginnt damit, dass der Höchste uns mit Namen ruft. Welchen Tonfall legt Er in unseren Namen? Was erwartet Er von uns? Wie hören wir Ihn? All das muss man lernen, um Seinen Ruf zu hören und richtig zu hören. Das ist also ein solches Verständnis der ersten drei Wörter des allerallerersten Anfangs des Buches und des Wochenabschnitts Wajikra.
Der Vertrag der Schöpfung
Das Buch Wajikra, das von den Opfern erzählt, ist eines der schwierigsten Bücher der Tora. Die Kapitel des Buches sind sehr schwer zu verstehen, weil die Juden seit 2000 Jahren keinen Tempel haben und dementsprechend keine Erfahrung, alles Wissen der Juden über die Opfer ist theoretisch. Und im Laufe der Geschichte wurden zahlreiche Versuche verschiedener Kommentatoren, verschiedener Ausleger unternommen, zu verstehen, worin denn der Sinn der Opfer besteht.
Eine der Säulen des Judentums, einer der wichtigsten jüdischen Lehrer, Rambam, sagt, dass es für einen Menschen schwer ist, von einer Praxis der Anbetung zu einer anderen überzugehen. Wenn heute irgendein Lehrer zu uns käme und sagte: „Betet Gott an, denselben Gott, aber ohne Gebet und ohne Fasten. Ihr müsst Ihn einfach von ganzem Herzen lieben, und das genügt“, dann fiele es uns sehr schwer, einen solchen Zugang zur Anbetung anzunehmen. Deshalb sagt Rambam, dass der Höchste den Juden die Gebote gegeben hat, damit sie auf die ihnen gewohnte Weise anbeteten, so wie man es in Ägypten tat. Nach Ansicht Rambams sollen die Opfer für Gott nur die Gewohnheit der Opfer für Dämonen ersetzen. Und er stützt sich hier auf das, was im Buch Wajikra im 17. Kapitel, Verse 5 bis 7, gesagt ist.
5-7. Damit die Söhne Israels ihre Opfer bringen, die sie auf dem Feld schlachten, und sie Gott zum Eingang des Zeltes der Begegnung bringen, zum Kohen, und sie als Friedensopfer für Gott darbringen. Und der Kohen wird mit dem Blut den Altar Gottes am Eingang des Zeltes der Begegnung besprengen und das Fett räuchern zum Wohlgeruch, der Gott angenehm ist. Und damit sie nicht mehr Opfer für die Dämonen schlachten, denen sie hurerisch nachlaufen. Eine ewige Satzung soll das für sie sein in all ihren Generationen.
Das heißt, nach Ansicht Rambams sind alle Gebote über die Opfer ausschließlich dazu gegeben, damit der Mensch so anbetet, wie er es gewohnt ist.
Im Gegensatz zu ihm sagt Nachmanides, praktisch sein Zeitgenosse, dass die Gebote einen geheimen, mystischen Sinn haben. Diesen Sinn kennen diejenigen, die die Geheimnisse der Tora studieren. Seiner Meinung nach streuen die Worte Rambams, die Gebote seien einfach so gegeben, Salz in die Wunden derer, die die Tora studieren.
Mehrfach wurden Versuche unternommen, diese Meinungen zu versöhnen. Und die Kommentatoren sagen, dass Rambam so im Rahmen einer Antwort an einen ungläubigen Opponenten gesprochen habe, in Wirklichkeit aber auch er der Ansicht gewesen sei, dass die Gebote einen bestimmten mystischen Sinn haben und dass es nicht sein könne, dass so gründlich, so genau ausgeführte Gebote ohne besonderen Sinn gegeben worden seien.
Ein anderes Verständnis vom Sinn der Opfer hat sich in den Generationen unserer Zeitgenossen verbreitet. Moderne Kommentatoren sagen auf der Grundlage von Tehillim (40,7): „Opfer und Gaben willst Du nicht, die Ohren hast Du mir geöffnet; Ganzopfer und Sündopfer forderst Du nicht“, dass der Höchste ursprünglich überhaupt nicht wollte, dass Ihm irgendwelche Gaben dargebracht werden. Ihm war unser Gehorsam gegenüber Seiner Stimme nötig. Aber wegen des Sündenfalls gab der Höchste den Juden die Gebote: Gäbe es keine Sünde, wären auch die Opfer nicht nötig gewesen. Aber wenn wir uns 2000 Jahre zurückversetzen, in die Zeit, als die jüdische Literatur entstand, als erst aufgeschrieben wurde, was jahrhundertelang mündlich überliefert worden war, dann werden wir sehen, dass es in der jüdischen Tradition schon damals ähnliche Dinge gab.
Der Midrasch erzählt davon, dass der Höchste die Welt mit dem Maß des Gerichts erschaffen wollte, damit die Welt auf der Grundlage des Gerichts funktioniert. Das heißt, sobald ein Mensch sündigte, würde er sofort eine Strafe bekommen. Aber als der Höchste das Ergebnis sah, verstand Er, dass die Welt auf einer solchen Grundlage nicht bestehen kann. Und da sagte die Seele des Maschiach (nach der jüdischen Überlieferung) zu Ihm: „Ich bin bereit, mich als Opfer darzubringen, damit Du den Menschen erschaffen kannst, damit der Mensch überlebt, damit er Reue hat.“ Und dank dieser Zustimmung des Maschiach zum Opfer wurde die Welt erschaffen. Und wir sehen denselben Gedanken über den Maschiach im Ersten Brief des Apostels Petrus (1,20): „…vorherbestimmt vor der Erschaffung der Welt, erschienen aber erst in der letzten Zeit.“ Das heißt, von Anfang an, noch vor der Erschaffung der Welt, hat der Höchste sowohl die Sünde als auch die Sühne vorgesehen. Das bedeutet, dass Er sich um unsere Rettung nicht erst dann gekümmert hat, als wir Sünder wurden, sondern schon bevor wir gesündigt haben, noch bevor wir erschaffen wurden, noch vor Seiner uns offenbarten Gnade. Er hat uns erschaffen und uns erlöst, noch bevor wir gefallen sind, wissend, dass wir fallen werden. Und wir können sagen, dass genau darin jener verborgene Sinn der Darbringung des Opfers liegt, über den Rambam schweigt: Das Opfer ist das Vorbild der von Anfang an für uns vorherbestimmten Rettung, ein ursprünglicher Teil des göttlichen Plans. Das heißt, noch bevor die Welt erschaffen wurde, waren in den Plänen des Höchsten sowohl die Opfer der Juden in der Wüste als auch das letzte Opfer.
Über die rituelle Unreinheit
In diesem Gespräch werden wir mit euch über die rituelle Unreinheit sprechen. Auf Hebräisch wird das mit dem Wort tum'á bezeichnet – ein Begriff, der in der Tora vorkommt und der bei vielen Gläubigen Unverständnis hervorruft. Deshalb möchte ich ein wenig erklären, was das bedeutet, wie aktuell das ist und ob es für einen messianischen Gläubigen überhaupt aktuell ist.
Also, das Wort tum'á. Man muss vor allem sagen, dass das im Russischen die rituelle Unreinheit ist, das heißt das Fehlen irgendeiner Reinheit. Im Hebräischen geht es nicht um das Fehlen von etwas (von Reinheit), es geht um das Vorhandensein von etwas. Das heißt, das Wort tum'á ist nicht etwas, das es nicht gibt, es ist etwas Anwesendes, es ist eine Befleckung, die auf dem Menschen erschienen ist als Folge bestimmter Handlungen oder bestimmter Ereignisse, die ihm widerfahren sind. Das Wort tum'á selbst geht zurück auf das Wort – atúm (verschlossen, hermetisch, in sich abgeschlossen oder undurchlässig für Licht). Die Tora kennt elf Arten von tum'á.
Die gefährlichste, die schwerste Form der tum'á oder der rituellen Befleckung ist die tum'á des Toten. Jeder Mensch, der einen Toten berührt, wird unrein, und wer diesen Menschen berührt hat, wird auch unrein und so weiter, und so weiter, und so weiter… Und als Ergebnis tragen heute, da es keine Mittel der Reinigung gibt (nach der jüdischen Tradition), da es kein Mittel gibt, sich von der rituellen Unreinheit des Toten zu reinigen, alle Menschen, das heißt absolut die ganze Bevölkerung des Planeten Erde, die tum'á (Befleckung) des Verstorbenen an sich, absolut alle sind mit dieser Unreinheit unrein. Und so wird es, wiederum nach der Tradition, so lange sein, bis der Tempeldienst wiederhergestellt ist, die rote Färse gefunden ist und dementsprechend bis alle Verfahren durchgeführt sind, die mit der Reinigung verbunden sind. Dasselbe betrifft auch tote Tiere, das ist die tum'á des Aases, die tum'á des toten Fleisches.
Außerdem sind Haut und Fleisch der acht unreinen Tiere die dritte Art der tum'á. Man muss sagen, dass, obwohl diese Tiere in der Tora aufgezählt sind und es Übersetzungen ihrer Namen gibt, es jedes Mal ein Krimi ist, ein ganzer linguistischer und zoologischer Krimi – die Bedeutungen für diese acht Tiere herauszufinden, wiederherzustellen, wer denn zu diesen acht gehört. Genannt werden: Eule, Igel, Ratte, Maus, Schildkröte, Eidechse, Stachelschwein und Schlange. Aber jede dieser Bezeichnungen ist umstritten, zu jeder gibt es viele verschiedene Auslegungen. Wie dem auch sei, wir lassen diese Streitfragen beiseite.
Gehen wir weiter. Die Unreinheit kann mit heiligen Dingen verbunden sein: So seltsam es ist, der Dienst im Tempel kann einen Menschen unrein machen. Zum Beispiel, wenn ein Mensch die Asche der roten Färse vorbereitet hat, dann machen ihn alle Arbeiten, die er in diesem Zusammenhang verrichtet hat, unrein. Das nennt man tum'á kedoschím (Unreinheit des Heiligen). Nach demselben Prinzip (aber schon nach einer Verordnung der Rabbiner) hinterlassen die Bücher, die durch den Geist Gottes geschrieben sind, die Bücher, die in den Tanach eingegangen sind, wenn sie unsere Hände verlassen, unsere Hände unrein. Die Wasser, die auf der Grundlage der Asche der roten Färse zubereitet werden, mej chatát (Wasser der Sünde), machen den Menschen auch unrein – das ist die fünfte Art der tum'á.
Die sechste Art der tum'á ist der Samenerguss. Jeder Ausfluss von Samen, sei es eine nächtliche, zufällige Pollution oder irgendwelche sündigen Dinge oder der Beischlaf mit der Ehefrau zum Zweck der Zeugung von Kindern – jede Art von Samenerguss macht den Menschen unrein. Daraus schließen wir, dass es unmöglich ist, ein Kind zu bekommen, ohne dabei unrein zu werden. Männliche und weibliche Ausflüsse, alle möglichen Ausflüsse aus den Geschlechtsorganen – das ist die siebte und achte Art der tum'á. Die neunte Art ist die tum'á nach der Geburt, die Unreinheit nach der Geburt. Die zehnte ist die niddá, das ist die Monatsblutung der Frau. Und die elfte, letzte Art ist die zará'at. Ein Mensch, der von zará'at befallen ist, lebt außerhalb des Lagers, und in Bezug auf ihn gibt es ebenfalls eine ganze Reihe von Gesetzen.
Wir haben das Wort tum'á bereits definiert. Wir haben gesagt, dass es eine bestimmte Verschlossenheit ist, eine bestimmte Undurchsichtigkeit, Undurchlässigkeit für das göttliche Licht. Sie entsteht in der Regel, wenn die Heiligkeit oder die Bereitschaft zur Heiligkeit verschwindet. Nehmen wir zum Beispiel die schrecklichste tum'á, von der wir gesprochen haben, die tum'át met (tum'á des Toten). Solange der Mensch lebt, ist seine Bestimmung, geheiligt zu werden, seine Seele ist mit dem Körper verbunden, damit auch das Materielle geheiligt wird. Das, solange der Mensch lebt. Wenn der Mensch aber stirbt, hört sein Körper auf, ein für die Heiligkeit bestimmtes Gefäß zu sein, er wird gleichsam undurchsichtig, ungeeignet, vom Licht durchdrungen zu werden, er wird tamé (unrein). Genauso ist es mit der Frau, die während der ganzen Zeit des Eisprungs, während der ganzen Zeit ihrer Reinheit zur Empfängnis fähig ist, sie ist dazu bestimmt, Mutter zu sein, und bereit für den heiligen Dienst. In dem Moment, in dem bei ihr die Monatsblutung beginnt, wird ihre Bereitschaft unterbrochen, Samen aufzunehmen, ihre Bereitschaft zur Mutterschaft, die Bereitschaft zum heiligen Dienst: Dieses Gefäß wird ebenso undurchsichtig, für eine gewisse Zeit undurchlässig für das Licht, bis zur vollständigen Erneuerung. Dasselbe kann man auch in Bezug auf die Wöchnerin sagen und in Bezug auf den Samenerguss. Unabhängig davon, ob die Funktion der Heiligkeit erfüllt ist oder nur die Stufe der Vorbereitung darauf abgeschlossen ist, an die Stelle dieser Funktion tritt die tum'á (Befleckung). Warum kann der Mensch nicht in ständiger Bereitschaft zur Heiligkeit sein, warum bleibt die Heiligkeit nicht erhalten? Weil der Mensch in einer unvollkommenen Welt lebt, nach dem Sündenfall ist der Tod in die Welt gekommen, den man den Vater alles Unreinen nennt, die Welt ist sterblich geworden, und jede Handlung des Menschen ist endlich geworden. Deshalb kann die Heiligkeit nicht ewig erhalten bleiben, es entsteht eine bestimmte Dysfunktion der Heiligkeit, nachdem der Mensch in die Bereitschaft zu ihr eingetreten ist. Daher entsteht das Wort tum'á, entsteht der Begriff tum'á (Unreinheit).
Worauf läuft das hinaus? Wenn wir sagen, dass ein Mensch unrein ist, bedeutet das nur eines: er kann nicht am Tempeldienst teilnehmen und nicht in das Heilige des Tempels eintreten. Im alltäglichen Dienst aber – in der Synagoge, im Haus, in der Gemeinde, im täglichen Leben – wird der Mensch in keiner Weise eingeschränkt, außer natürlich bei der Unreinheit der niddá, wenn die Nähe zu einer Frau im Zustand der niddá verboten ist.
Unrein zu sein ist an sich keine Sünde, wir alle sind heute unrein mit der Unreinheit der Toten (wie wir schon gesagt haben), der schrecklichsten Unreinheit, die es überhaupt geben kann. Und wenn man tiefer schaut, dann hat sich jemand nach einem nächtlichen Samenerguss nicht gereinigt, jemand hat im Bus neben einer Frau gesessen, die ihre Tage hat – ohne es selbst zu wissen, bekommt der Mensch die Unreinheit der niddá, er wird tamé niddá. Und solche Optionen, sich eine Unreinheit einzufangen, begleiten den Menschen ständig. Deshalb ist es heute nicht aktuell, darüber nachzudenken, ob eine Frau, die im Zustand der niddá ist, in die Kirche, in die Synagoge, zur Gemeindeversammlung gehen darf, ob sie das Abendmahl empfangen darf. Sie ist nicht mehr verunreinigt als jeder von uns. Und ich wiederhole noch einmal, dass das keine Sünde ist, solange wir nicht anfangen, am Tempeldienst teilzunehmen. Das ist die jüdische Position.
Wenn wir aber von messianischen Gemeinden sprechen, dann ist nach der Lehre vieler Gemeinden das Abendmahl, das Mahl des HERRN, mit einem Opfer vergleichbar. Und wieder entsteht die Frage, ob eine Frau im Zustand der niddá an diesem Opfer teilnehmen darf, ob sie am Tisch sitzen darf, wenn auf dem Tisch das Pessachopfer ist. Und hier müssen wir uns daran erinnern, dass wir einen solchen Hohepriester haben, der in das himmlische Heiligtum hineingeht und es reinigt und heiligt. Im Hebräerbrief wird davon gesprochen, dass die revolutionäre Rolle Jeschuas als Maschiach darin besteht, dass Er das himmlische Heiligtum für immer gereinigt hat, den allerhöchsten Teil des himmlischen Tempels. Jeschua ist durch Sein Blut dort hineingegangen, und dort tritt Er beständig für uns ein. Deshalb kann das himmlische Heiligtum heute in keiner Weise durch Unreinheit verunreinigt werden. Ein sehr wichtiges Verdienst des Maschiach besteht darin, dass Er es uns möglich gemacht hat, zum Höchsten zu kommen, vor dem Höchsten zu stehen und eine Verbindung mit dem Höchsten zu haben, sogar im Zustand der Unreinheit, heute ist die Schranke niedergerissen. Wenn wir glauben, dass der Maschiach uns mit Seinem Blut, mit Seinem Opfer von jeder Befleckung reinigt, dann kann die Unreinheit der Frau im Zustand der niddá dem Heiligtum nicht schaden, weil das Heiligtum – es ist vollkommen.
Noch eines der häufigen Verständnisse (oder Missverständnisse) besteht darin, dass tum'á das Böse bedeutet, eindeutig den Tod in sich trägt und so weiter. Wir sehen, dass das nicht so ist, schon daran, dass, wenn ein Kind gezeugt wird, der Mann Samen ausstößt und unrein wird. Das ist keine schwere Form der Unreinheit, er kann sich am nächsten Tag in den Wassern der Mikwe waschen und wieder rein werden, sogar für den Tempeldienst bereit sein. Aber trotzdem ist ohne das die Zeugung von Kindern unmöglich. Der Tempeldienst ist unmöglich, ohne unrein zu werden. Und deshalb ist tum'á eindeutig nicht das Böse, das in die Welt kommt und vor dem man sich fürchten muss. Es ist eine bestimmte Zeit, ein bestimmter Zustand des Menschen, in dem er nicht ganz durchlässig für das göttliche Licht ist, aber in ihm gehen irgendwelche inneren, geistlichen Prozesse vor sich.
Man muss sagen, dass das Göttliche Licht, in dem wir uns befinden, grenzenlos ist. Stellen wir uns bildlich vor, dass es ein gewisses Licht gibt, in das wir eingetaucht sind wie ein Schwamm in eine „Licht“-Flüssigkeit. Ein Teil des Lichts dringt in uns ein, ein Teil des Lichts bleibt um uns herum, und zwischen dem äußeren und dem inneren Licht findet ständig ein Austausch statt. Während der tum'á werden wir unempfänglich für das äußere Licht, das uns umgibt, wir schließen uns gleichsam mit dem Licht ein, das in uns ist, und eine Verarbeitung des inneren Lichts, eine gewisse Verarbeitung der geistlichen Erfahrung findet in uns dennoch statt. Eine Frau im Zustand der tum'á, eine Frau im Zustand der niddá kann frei die Tora lernen, kann frei Tehillim lesen und jedes Lernen ausführen, denn in ihr wirkt (wie in jedem, der unrein ist) das innere Licht, das sie empfangen hat.
Einmal wurde mir eine Frage in Bezug auf die Gebeine eines Verstorbenen gestellt. Im zweiten Buch Melachim (13,21) wird ein Fall beschrieben, in dem man einen toten Menschen auf die Gebeine des Propheten Elischa warf, und der Mensch wurde wieder lebendig. Der Midrasch erzählt, dass dieser Mensch nur für kurze Zeit lebendig wurde, weil er ein Frevler war und es ihn einfach hinausgeworfen, herausgeschleudert, von den Gebeinen des verstorbenen Gerechten abgestoßen hat. In diesem Zusammenhang sagt die jüdische Tradition, dass die Gerechten sowohl zu Lebzeiten als auch nach dem Tod als lebendig gelten, die Gerechten – sie sind ewig lebendig, deshalb tragen ihre Körper keine Unreinheit in sich.
Und dasselbe lässt sich natürlich auch auf die messianische Lehre anwenden. Wenn wir gereinigt sind und wenn wir uns in der Gerechtigkeit befinden, in der Gerechtigkeit unseres Maschiach, dann werden auch unsere Körper keinerlei Unreinheit tragen. Hier, wie überall (praktisch überall), sehen wir, dass sich die jüdische Tradition mit der christlichen Tradition berührt. Die einzige Anmerkung ist, dass die Anwendung des Begriffs Gerechtigkeit auf uns für das Judentum nicht relevant ist. Dennoch, wenn wir Gläubige sind, wenn wir meinen, dass wir gerechtfertigt sind, wenn wir meinen, dass wir gereinigt sind, dann haben wir dementsprechend auch keinen Grund, die Unreinheit des Todes zu fürchten.
Somit sind all diese Gesetze, über die wir jetzt sprechen, die Gesetze der Unreinheit, sie sind relevant für das Verständnis der Natur dessen, wie in der Welt die Heiligkeit wirkt. Damit wir verstehen, dass die Heiligkeit kein statischer Zustand ist, dass es gewisse bestimmte innere Prozesse gibt, die in uns geschehen können und die man durchstehen muss, dass tum'á der natürliche Zustand einer nicht berichtigten Welt ist. Und in dieser Hinsicht sind sowohl die Frau in niddá als auch der Mann nach einem Ausfluss als auch irgendwelche Kranke mit Ausflüssen und so weiter keine Frevler und Sünder, sie sind nicht jemand, den man meiden muss.
Es gibt so eine Tendenz: die Frau im Zustand der niddá irgendwo in den Hinterhof zu verstecken, sie in eine hintere Truhe zu stopfen und sie nur in einer Kiste herumzutragen. Die mittelalterliche Tradition hat sehr viele Mythen und falsche Vorstellungen über die Frau im Zustand der niddá, im Zustand der Monatsblutung, hervorgebracht. Zum Beispiel, dass ihr Blick ein Fluch sei, dass der Spiegel zu bluten beginne, dass Rosen in ihrer Gegenwart welken und so weiter. Aber all das muss man als eine Art Mythologie verstehen und darauf zurückführen, dass gläubige Menschen und sogar gelehrte Menschen jener Zeit die Natur des Geschehens nicht sehr gut verstanden. Heute verstehen wir das Wesen des Vorgangs der Monatsblutung bei der Frau, was er bedeutet, und brauchen das nicht zu fürchten.
Dementsprechend wurden auch den Tieren, die unrein genannt werden, allerlei magische und mythische Eigenschaften zugeschrieben. Hier muss man auch verstehen, dass unsere Weisen Weise des Gesetzes waren, Weise in den Auslegungen der Tora, aber auf dem Gebiet der Naturkunde, auf dem Gebiet der Naturlehre, auf dem Gebiet der Naturwissenschaften waren sie Menschen ihrer Zeit, sie glaubten an das, woran ihre Zeitgenossen glaubten. Deshalb können wir, wenn wir den Talmud lesen oder den Sohar oder ein solches Buch wie Sefer haChassidím (das Buch der Frommen), das gewisse Kenntnisse auf dem Gebiet der Naturkunde, auf dem Gebiet der Naturlehre beansprucht, einem Mäuschen begegnen, das aus Schlamm geboren wird, oder einem Tier, das mit dem Nabel an den Mittelpunkt der Erde gebunden ist, oder einem Werwolf – einem Wolf-Wandler, der sich in einen Menschen verwandelt, und Sirenen und Meerjungfrauen und dergleichen. Die Weisen lebten von historischen Erzählungen und Überlieferungen und konnten nicht immer Wahrheit von Lüge unterscheiden. Deswegen entstand eine riesige Menge allerlei Bestimmungen über unreine Tiere, über die Schildkröte, über das Stachelschwein oder über die Maus. Und genauso leider auch über die Frau im Zustand der niddá. Das heißt, das ist eine Tradition, die man einer gewissen Revision unterziehen muss, die man im Licht des heutigen Wissens überdenken muss.
Ob die tum'á für den Dritten Tempel relevant sein wird, wissen wir noch nicht. Wenn der HERR zurückkehrt, wird Er uns vieles lehren. Wir haben gesehen, dass Jeschua die Akzente mehr auf die geistliche als auf die rituelle Unreinheit setzt, mehr darüber spricht, was den Menschen wirklich verunreinigt und ihn für den Dienst untauglich macht, und das ist nicht so sehr seine Berührung mit Unreinem als vielmehr die unreinen Gedanken in seinem Kopf und so weiter. Jeschua hat das Gesetz nicht auf irgendeine Weise aufgehoben – Sein Tod, die Auferstehung und der Eintritt in den Tempel haben die Situation verändert, haben die Natur der Welt verändert, und in der Welt mit neuer Natur begannen neue Gesetze zu wirken.
Wenn mit Gottes Hilfe der Dritte Tempel wiederhergestellt wird (falls er wiederhergestellt wird), dann werden neue, erneuerte Gesetze in Kraft treten, und dann werden wir sehen, ob der Begriff tum'á (Unreinheit) und tohorá (Reinheit) für die neue Zeit gelten wird. Und vorerst kann man sagen, dass wir keinen Grund haben, diese Begriffe zu fürchten, denn wenn wir anfangen, sie zu fürchten, dann missachten wir damit die Reinigung, die uns durch das Opfer Jeschuas gegeben wird – das ist das Erste. Zweitens, ich wiederhole, lehrt auch die jüdische Tradition an sich heute nicht, sich vor irgendwelchen Arten von Unreinheit zu hüten, weil alle unrein sind. Und wiederum sagt die jüdische Tradition, wie auch die messianische Tradition, dass ein gerechter Mensch, ein Gerechter, selbst nach dem Tod nicht verunreinigt, ein Gerechter kann nicht verunreinigt werden. Im Grunde besteht das Wesen der Gerechtigkeit darin, das Unreine zu sehen und dabei nicht unrein zu werden. Und deshalb habe ich einfach einen Rat für gläubige Menschen (besonders für messianische Gläubige, die sich für die rituellen Aspekte des Judentums, für die Aspekte von Reinheit und Unreinheit begeistern, und sich manchmal allzu sehr dafür begeistern): ihre Haltung in dieser Sache doch zu überdenken und aufzuhören, sich vor der Unreinheit zu hüten, sie zu fürchten. Wenn es für die Sache nötig ist, wenn es für den Dienst nötig ist, braucht man keine Angst zu haben, unrein zu werden. Im Gleichnis vom Samariter spricht Jeschua von einem Kohen, der sich fürchtete, sich zu verunreinigen, der fürchtete, nicht zum Dienst in den Tempel zu kommen.
Wir können auch sehen, dass der Dienst im Tempel von den jüdischen Weisen selbst als ein übertrieben ängstlicher Umgang mit der Unreinheit beschrieben wurde, so sehr, dass er manchmal sogar zum Tod und zum Totschlag unter den Kohanim führte. Deshalb: alle Aspekte der Tora zu studieren, darunter selbstverständlich auch die Aspekte der Unreinheit – das ist gut. Soll man nach Reinheit und nach Heiligkeit streben? Unbedingt! Und dafür muss man natürlich die Tora studieren und die Tora halten, das ist auch wichtig. Dennoch in einem Menschen, der tamé ist, in einer unreinen Frau oder in jemand Ähnlichem, in ihrer Unreinheit etwas Sündhaftes zu sehen, das man meiden muss, vor dem man sich verschließen muss und das man fürchten muss – das ist völlig falsch. Eben diese Vorstellung von Unreinheit und Reinheit wollte ich mitteilen.
Wajikra und verwandte Materialien
Das Studium fortsetzen: die Wochenabschnitte der Tora, Audiolektion zum Wochenabschnitt Wajikra und Gespräch über die rituelle Unreinheit.