- Wochenabschnitte
- Dewarim
- Ki Teze
כִּי־תֵצֵא
Ki Teze
Familie, Würde und Verantwortung
- Wochenabschnitt
- 49 von 54
- Verse
- Dewarim 21,10–25,19
- Teile
- 5
- Lesezeit
- 1 Std. 37 Min.
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Ki Teze, in der Besprechung Ki Teze, ist der Wochenabschnitt über die Familie, die Würde des Menschen und die Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Alex Blend betrachtet verschiedene Lesarten schwieriger Gesetze, Fragen der Reinheit des Lagers und des sittlichen Verhaltens. Das Stenogramm enthält den hebräischen Text des Buches Dewarim, eine Transliteration, eine ÜbersetzungIm Original heißt es hier „eine russische Übersetzung“. Da diese Seite deutsch ist, steht hier neutral „eine Übersetzung“. und die religiöse Auslegung des Autors.
Ki Teze: Beginn der Besprechung
Mit Gottes Hilfe beginnen wir, ihr und ich, den Wochenabschnitt Ki Teze zu studieren, und werden ab Vers 10 von Kapitel 21 des Buches Dewarim lesen.
Unser Wochenabschnitt beginnt mit einer erstaunlichen Geschichte, die schwer zu verdauen, schwer aufzunehmen ist, deshalb hat sie viele verschiedene Kommentare hervorgebracht. Und um sie zu verstehen, werden wir versuchen, sie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, verschiedene Lesarten anzubieten, klassische und weniger klassische.
Beginnen wir also mit Vers 10 von Kapitel 21:
כִּי־תֵצֵא לַמִּלְחָמָה עַל־אֹיְבֶיךָ וּנְתָנוֹ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּיָדֶךָ וְשָׁבִיתָ שִׁבְיוֹ׃
ki-tezé lammilchamá al-ojewécha untanó adonáj elohécha bejadécha weschawíta schiwjo
10 Wenn du in den Krieg gegen deine Feinde ausziehst, und der HERR, dein Gott, hat sie in deine Hände gegeben, und du hast viele Gefangene genommen (eines der Elemente des Krieges ist die Trophäe, die Beute),
וְרָאִיתָ בַּשִּׁבְיָה אֵשֶׁת יְפַת־תֹּאַר וְחָשַׁקְתָּ בָהּ וְלָקַחְתָּ לְךָ לְאִשָּׁה׃
wera'íta baschiwjá éschet jefat-tó'ar wechaschaktá wa welakachtá lechá le'ischá
11 Und in der Gefangenschaft sahst du eine Frau, schön von Gestalt, und begehrtest sie (entbranntest in Begierde nach ihr), und nahmst sie dir zur Frau,
Der klassische Kommentar sagt hier eine ziemlich schreckliche Sache: lakachtá lechá le'ischá (nahmst dir zur Frau) bedeutet bemächtigte sich ihrer mit Gewalt. Direkt an Ort und Stelle, von Leidenschaft getrieben, rastlos, vom Weg erschöpft, ohne Zärtlichkeit, müde, staubig, verbittert, sank der jüdische Soldat so tief, dass er, von seiner bösen Neigung getrieben, eine Frau sah, sich nicht beherrschen konnte und sie vergewaltigte. Das ist die klassische Lesart dessen, was geschehen ist.
וַהֲבֵאתָהּ אֶל־תּוֹךְ בֵּיתֶךָ וְגִלְּחָה אֶת־רֹאשָׁהּ וְעָשְׂתָה אֶת־צִפָּרְנֶיהָ׃
wahawetá el-tóch betécha wegillechá et-roschá we'asetá et-zipporneha
12 Dann bringst du sie in dein Haus, und sie schert ihren Kopf und macht ihre Nägel,
Das heißt, du kannst sie nicht einfach am Ort des Verbrechens zurücklassen, sie dort lassen, wo du sie vergewaltigt hast. Das ist nicht dasselbe, wie es gewöhnlich in Kriegszeiten war. Vergewaltigung während des Krieges war in Wirklichkeit eine natürliche Erscheinung, nicht nur in jenen fernen Zeiten, als die Tora gegeben wurde, sondern auch zu Zeiten, sagen wir, Dschingis Khans, der nicht einfach gern gefangene Frauen vergewaltigte, sondern sie gern vor den Augen ihrer Eltern und Brüder vergewaltigte und damit die Umstehenden demütigte und seine Macht verherrlichte (wie es ihm schien). So verbreitet war das, dass viele Historiker sagen, ein Drittel der Bevölkerung Mittelasiens seien heute Nachkommen Dschingis Khans.
Heute, im XXI. Jahrhundert, gibt es in Israel so eine junge Soziologin, Tal Nitzan. Sie hat eine ganze Forschungsarbeit zum Thema geschrieben: „Warum vergewaltigen israelische Soldaten keine palästinensischen Frauen?“ Man sollte meinen, das ist wunderbar, ich persönlich bin stolz darauf. Und ich bin der Meinung, dass israelische Soldaten keine palästinensischen Frauen vergewaltigen, weil man sie gut erzogen hat. Ich habe meinen Sohn so erzogen, dass man gegenüber einer Frau feinfühlig, höflich, sanft sein muss. Und ich hoffe, dass in seinem Herzen und in seinen Gedanken so etwas nicht aufkommt. Aber Tal Nitzan hält sich natürlich für klüger als alle und sagt: „Das ist doch, weil unsere israelischen Soldaten die Palästinenserinnen nicht einmal für Menschen halten.“ Die Entmenschlichung ist bei ihnen vollständig, sonst würden sie natürlich vergewaltigen – so stark ist diese Idee in den Köpfen der Menschen. Und so sagt die Tora (nach dem klassischen Kommentar): Wenn ein Mensch eine Frau vergewaltigt hat, lässt er sie nicht im Stich.
Das Scheren des Kopfes bedeutete bei den Nachbarvölkern Israels Trauer um einen Verstorbenen. Für Juden ist das verboten. Aber hier gewähren wir der Frau die Freiheit, nach ihren Bräuchen zu handeln. Sie darf ihren Kopf zum Zeichen der Trauer scheren. Was und sie machte ihre Nägel bedeutet, ist nicht sehr klar, vielleicht schnitt sie ihre Nägel.
וְהֵסִירָה אֶת־שִׂמְלַת שִׁבְיָהּ מֵעָלֶיהָ וְיָשְׁבָה בְּבֵיתֶךָ וּבָכְתָה אֶת־אָבִיהָ וְאֶת־אִמָּהּ יֶרַח יָמִים וְאַחַר כֵּן תָּבוֹא אֵלֶיהָ וּבְעַלְתָּהּ וְהָיְתָה לְךָ לְאִשָּׁה׃
wehessíra et-simlát schiwjá me'aleha wejaschewá bewetécha uwachetá et-awíha we'et-immá jérach jamím we'áchar ken tawó eléha uw'altá wehajetá lechá le'ischá
13 Und sie legt das Kleid ihrer Gefangenschaft von sich ab, und sie wird bei dir im Haus sitzen, und sie wird ihren Vater und ihre Mutter einen Monat lang beweinen (jérach jamím – ein Monat von Tagen). Und danach – geh zu ihr ein, und du kannst sie besitzen, und sie wird dir eine Frau sein.
Das Kleid, in dem man sie gefangen genommen hat, das Kleid ihrer Gefangenschaft, das sie vielleicht lange nicht wechseln konnte, in dem sie an verschiedenen Orten umherirrte, wie es bei gefangenen Frauen vorkommt, vielleicht irgendwo zerrissen, vielleicht ein beschmutztes Kleid – wogegen kann sie es tauschen? Gegen das, was du ihr gibst. Das heißt, du musst ihr Kleidung geben, damit sie das Kleid ihrer Gefangenschaft ablegen kann. Und wenn du nach der Trauer zu ihr eingehst, dann wird sie deine Frau. Fertig. Das ist eine Ehe.
Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit: Wenn du sie angesehen hast, ein friedliches Leben gelebt hast, die Mädchen deines Volkes angesehen hast, dich vom Krieg erholt hast, den Staub von dir abgewaschen hast, willst du diese kurz geschorene Frau vielleicht schon nicht mehr. Was dann? Sie vielleicht einfach hinauswerfen oder verkaufen?
וְהָיָה אִם־לֹא חָפַצְתָּ בָּהּ וְשִׁלַּחְתָּהּ לְנַפְשָׁהּ וּמָכֹר לֹא־תִמְכְּרֶנָּה בַּכָּסֶף לֹא־תִתְעַמֵּר בָּהּ תַּחַת אֲשֶׁר עִנִּיתָהּ׃
wehajá im-ló chafázta ba weschillachtá lenafschá umachór lo-timkerénna bakkássef lo-tit'ammér ba táchat aschér innitá
14 Und es wird sein, wenn du sie nicht mehr begehrst, schicke sie ihres Weges. Und für Geld verkaufe sie nicht, und mache sie nicht zur Sklavin (misshandle sie nicht), denn du hast sie gequält.
Das Wort schilláchta, (Verb leschaléach, wegschicken) bedeutet in Bezug auf eine Frau ihr einen Scheidebrief geben, das heißt, sie auf irgendeiner offiziellen Grundlage fortzuschicken, mit irgendeinem Unterhalt, mit irgendwelchen Rechten.
Das heißt, wir halten uns jetzt an die klassische Lesart: Wenn ein Mensch, so ist es nun einmal geschehen, eine Frau vergewaltigt hat, bringt er sie nach Hause, schaut sie sich genauer an, während sie sich vom Trauma der Gefangenschaft und des Todes ihrer Angehörigen erholt. Und danach, wenn sie ihm nicht gefällt, kann er sie gehen lassen, sich von ihr scheiden lassen wie von einer Ehefrau, aber er kann sie nicht für Geld verkaufen, kann sie nicht zur Sklavin machen, weil er sie sozusagen innitá (gequält hat) mit genau dieser Lage, mit genau dieser Situation, sie gedemütigt hat, sie gekränkt hat, sie zermürbt hat. Das Wort innitá kann man unterschiedlich verstehen.
Also, der klassische Kommentar sagt: „Die Tora rechnet mit der bösen Neigung des Menschen.“ Das kommt nicht nur hier vor. Zum Beispiel gibt es Anweisungen, wie ein Mensch handeln soll, der gestohlen hat, ein Mensch, der auf irgendeine Weise gesündigt hat, es gibt eine Anweisung, wie man umkehrt. In Kapitel 19 haben wir davon gelesen, dass die Tora Schutz vor dem Bluträcher gibt, ohne in das Verbot der Blutrache selbst einzugreifen, obwohl die Blutrache von der Tora ganz und gar nicht gebilligt wird. Und die klassischen Kommentatoren sagen: „Im Krieg ist es wie im Krieg, da kommt alles vor, und die Tora rechnet damit.“ Sehr schwer lässt sich, vom Standpunkt der Ethik der Tora, vom Standpunkt der Moral der Tora, diese Auslegung annehmen. Wenn man den Text noch einmal liest, kann man sehen, dass sich diese Auslegung auch vom Standpunkt der Lektüre des Textes her nicht leicht annehmen lässt.
Lesen wir die Geschichte noch einmal von vorn: Wenn du in den Krieg gegen deine Feinde ausziehst, und der HERR, dein Gott, gibt sie in deine Hände, und unter den Gefangenen sahst du eine Frau, schön von Gestalt. Wenn man aufmerksam liest und jedem Wort folgt, kann man sehen, dass hier nicht vom Eifer des Gefechts die Rede ist, nicht von irgendwelchen Leidenschaften auf den Straßen einer besetzten Stadt. Höchstwahrscheinlich ist davon die Rede, dass der Höchste den Sieg schon gegeben hat, und das Volk hat schon alle Gefangenen zusammengebracht, und die Beute wird geteilt. Und irgendein Haudegen, irgendein Krieger schaut, sucht sich seinen Anteil aus den Trophäen aus und sagt: „Diese Frau will ich zur Frau nehmen“ – nicht als Sklavin, nicht als Magd, sondern zur Frau. Wie nimmt man eine Ausländerin zur Frau? Wie soll man überhaupt damit umgehen? Wie sorgt man auch für ihre Rechte, da wir ja keine Dschingis Khans sind? Und ihr Schicksal ist ohnehin schon nicht beneidenswert, ob sie nun deine Sklavin oder deine Frau sein wird. Und da sagt die Tora: „Wenn du sie nehmen willst, wenn du diese Gefangene zur Frau nehmen willst, dann halte alle diese Bedingungen ein, gib ihr Zeit für die Trauer um ihre Eltern, damit es keine Schändung oder Lästerung gegenüber ihren Angehörigen ist, wie es üblich war. Behandle sie wie einen Menschen, lass sie sich an diese neue Situation gewöhnen. Und wenn du sie danach nicht willst, dann behandle sie auch dann wie einen Menschen und schicke sie fort, aber verkaufe sie nicht.“
Und warum sollte (bei einer solchen Lesart) ein Mensch plötzlich die Frau verkaufen wollen, die er zur Frau nehmen wollte? Warum sollte ein Mensch seine Frau verkaufen wollen? Weil er sagen wird: „Ich hätte sie doch als Sklavin nehmen können! Schluss, ich habe es mir anders überlegt, du wirst Sklavin sein, und jetzt verkaufe ich dich.“ Nein. Wenn du sie gezwungen hast, durch diese Wechselfälle zu gehen, wenn du sie gezwungen hast, sich darauf vorzubereiten, dich zu heiraten, dann hast du nicht das Recht, sie zu verkaufen oder zur Sklavin zu machen. Du stehst für deine Worte ein. Mir persönlich liegt eine solche Lesart näher. Und diese Version ist nicht von mir ausgedacht, sie ist ziemlich alt und kommt in einem Streit der Rabbiner im Jerusalemer Talmud vor. Diese Version der Lesart des Textes ist für mich am klarsten und verständlichsten.
Aber es gibt noch eine Version. Das Volk Israel lebte sehr lange Zeit im Galut, im Exil – in Europa, Afrika, Asien. In kleinen Schtetln und in großen Städten konnten die verfolgten (oder einfach ungeliebten) Juden nicht einmal daran denken, dass sie irgendwann irgendwohin in den Krieg ziehen und Beute teilen würden. Das gab es im Weltbild nicht, es verschwand aus dem Weltbild zusammen mit den Gedanken an einen jüdischen Staat. Ja – Träume, Träume und Gebete, aber trotzdem gab es so etwas nicht als Erleben. Und auf dieser Grundlage entstand das chassidische Verständnis, dass der Krieg hier der Krieg mit der bösen Neigung ist, die Frau, schön von Gestalt, irgendeine Sünde, eine Versuchung. Und auf diesem Boden verzweigten sich verschiedene Kommentare, die von gewissen Techniken des Krieges mit dem jézer hara (der bösen Neigung) sprechen, die die Tora hier angeblich beschreibt. Das ist eine gute Sache – irgendwelche neuen Facetten der Auslegung zu suchen und sie in die geistige Welt zu übertragen. Aber ich klammere diese Version aus, weil wir uns mehr auf den einfachen Sinn der Tora konzentrieren und auf das, was er uns lehrt.
Mit Vers 15 beginnt ein anderes Thema, das mit dem ersten Thema verbunden sein kann, das in Vers 10 begonnen wurde. Das erste Thema kann man so verstehen: „Wozu brauchst du diese Kopfschmerzen, die sich fremdstämmige Ehefrau nennen? Bei dir kann eine solche Situation entstehen, dass unter deinen Frauen (und hier ist eindeutig ein Hinweis auf die Vielehe) ein nicht sehr gutes Klima herrscht.“
כִּי־תִהְיֶיןָ לְאִישׁ שְׁתֵּי נָשִׁים הָאַחַת אֲהוּבָה וְהָאַחַת שְׂנוּאָה וְיָלְדוּ־לוֹ בָנִים הָאֲהוּבָה וְהַשְּׂנוּאָה וְהָיָה הַבֵּן הַבְּכוֹר לַשְּׂנִיאָה׃
ki-tihjéna le'ísch scheté naschím ha'achát ahuwá weha'achát senu'á wejaledu-ló waním ha'ahuwá wehassenu'á wehajá habbén habbechór lasseni'á
15 Wenn ein Mann zwei Frauen hat, eine geliebte und eine gehasste, und sie haben ihm Söhne geboren, die geliebte und die gehasste, und es war so, dass der Erstgeborene von der gehassten geboren wurde,
Das Wort gehasste sollte man hier nicht in der scharfen Bedeutung verstehen, in der es in der russischen Sprache klingt. Ich hasse sie – das ist ein sehr grausames, starkes Wort. Das Wort senu'á kann man als weniger geliebte, verachtete verstehen. Die eine Frau liebt er, und die zweite – überhaupt unklar, wozu sie hier ist.
Wieder eine Situation, die nach heutigen Maßstäben unglaublich erscheint. Selbst wenn irgendein Mensch ein Bigamist ist, wozu soll er eine Frau zur Frau nehmen, die er hasst?
Nun, erstens kann es so sein, dass die erste Frau von den Eltern aufgedrängt wurde oder er aus irgendwelchen verwandtschaftlichen Verpflichtungen geheiratet hat, um für ein junges Mädchen zu sorgen, das ohne Fürsorge geblieben war. Und es gibt sehr viele verschiedene Gründe, aus denen ein Mensch eine ungeliebte Frau geheiratet hat. Zweitens hat er sie vielleicht nicht ganz gekannt, und als er sie näher kennenlernte, mochte er sie nicht mehr. Kurz gesagt, man sollte nicht zwei Frauen heiraten, nichts Gutes wird daraus, aber die Menschheit lernt das sehr langsam.
Aber da ist das Problem: Der Erstgeborene wurde von der ungeliebten geboren, und wie soll man jetzt mit dem Erbe verfahren?
וְהָיָה בְּיוֹם הַנְחִילוֹ אֶת־בָּנָיו אֵת אֲשֶׁר־יִהְיֶה לוֹ לֹא יוּכַל לְבַכֵּר אֶת־בֶּן־הָאֲהוּבָה עַל־פְּנֵי בֶן־הַשְּׂנוּאָה הַבְּכֹר׃
wehajá bejom hanchiló et-banáw et ascher-jihjé lo lo juchál lewakkér et-ben-ha'ahuwá al-pené wen-hassenu'á habbechór
16 Und es war, wenn er den Söhnen das Erbe geben wird, das, was er hat, kann er den Sohn der geliebten Frau nicht dem Sohn der gehassten vorziehen, der der Erstgeborene ist,
כִּי אֶת־הַבְּכֹר בֶּן־הַשְּׂנוּאָה יַכִּיר לָתֶת לוֹ פִּי שְׁנַיִם בְּכֹל אֲשֶׁר־יִמָּצֵא לוֹ כִּי־הוּא רֵאשִׁית אֹנוֹ לוֹ מִשְׁפַּט הַבְּכֹרָה׃
ki et-habbechór ben-hassenu'á jakkír látet lo pi schenájim bechól ascher-jimmazé lo ki-hú reschít onó lo mischpát habbechorá
17 Er soll den Sohn der gehassten als Erstgeborenen anerkennen und ihm doppelt so viel geben von allem, was er hat, denn er ist der Erstling seiner Kraft, ihm steht die Erstgeburt zu.
Wir wissen, dass der Erstgeborene einen doppelten Anteil bekommt. Man nimmt an, dass der Körper des Menschen gleichsam Kräfte für die Geburt des ersten Kindes in sich sammelt, in sich anhäuft. Wenn, sagen wir, bis zur Geburt des ersten Kindes achtzehn, neunzehn Lebensjahre eines Mannes vergehen, dann können zwischen dem ersten und dem zweiten Kind fünf, sechs Jahre vergehen, und die Kräfte sind ungleich. Der Erstgeborene ist der Erstling der Kraft des Menschen. Jedenfalls gab es einen solchen Ansatz der Auslegung.
Wenn wir in der Gesellschaft ein unparteiisches Gericht eingerichtet haben, das nicht auf die Person sieht und nach Gerechtigkeit richtet, dann muss auch im Mikrokosmos, in der kleinen Zelle der Gesellschaft, die Familie heißt, selbst wenn es in ihr zwei Frauen gibt, Gerechtigkeit herrschen. Und die persönliche Vorliebe des Familienvaters, wenn er sich mit der richterlichen Sache befasst und das Erbe verteilt, spielt keinerlei Rolle: Erstgeborener ist Erstgeborener. Ob du seine Mama liebst oder nicht liebst, gehört nicht zur Sache, Unparteilichkeit ist auch im Familienleben Unparteilichkeit.
Mit Vers 18 beginnt noch eine Geschichte:
כִּי־יִהְיֶה לְאִישׁ בֵּן סוֹרֵר וּמוֹרֶה אֵינֶנּוּ שֹׁמֵעַ בְּקוֹל אָבִיו וּבְקוֹל אִמּוֹ וְיִסְּרוּ אֹתוֹ וְלֹא יִשְׁמַע אֲלֵיהֶם׃
ki-jihjé le'ísch ben sorér umoré enénnu schomé'a bekól awíw uwkól immó wejisserú otó weló jischmá alehém
18 Wenn ein Mann einen Sohn hatte, ungehorsam und aufrührerisch, der nicht auf die Stimme seines Vaters und auf die Stimme seiner Mutter hört, und sie ermahnten (bestraften) ihn, er aber hörte nicht auf sie,
וְתָפְשׂוּ בוֹ אָבִיו וְאִמּוֹ וְהוֹצִיאוּ אֹתוֹ אֶל־זִקְנֵי עִירוֹ וְאֶל־שַׁעַר מְקֹמוֹ׃
wetáfessu wo awíw we'immó wehozí'u otó el-sikné iró we'el-schá'ar mekomó
19 Da fingen ihn sein Papa und seine Mama, und zerrten ihn hinaus (schleppten ihn hin) zu den Alten ihrer Stadt, zum Tor, an den Ort, wo er wohnt,
וְאָמְרוּ אֶל־זִקְנֵי עִירוֹ בְּנֵנוּ זֶה סוֹרֵר וּמֹרֶה אֵינֶנּוּ שֹׁמֵעַ בְּקֹלֵנוּ זוֹלֵל וְסֹבֵא׃
we'amerú el-sikné iró benénu se sorér umoré enénnu schomé'a bekolénu solél wessowé
20 Und sie sagten zu den Ältesten ihrer Stadt: „Siehe, dieser unser Sohn, ungehorsam und aufrührerisch, er hört nicht auf unsere Stimme, er frisst sich nur voll (so kann man es in einfaches Russisch übersetzen).“
Und auf der Grundlage dieses Zeugnisses:
וּרְגָמֻהוּ כָּל־אַנְשֵׁי עִירוֹ בָאֲבָנִים וָמֵת וּבִעַרְתָּ הָרָע מִקִּרְבֶּךָ וְכָל־יִשְׂרָאֵל יִשְׁמְעוּ וְיִרָאוּ׃
urgamúhu kol-ansché iró wa'awaním wamét uwi'artá hará mikkirbécha wechol-jisraél jischme'ú wejirá'u
21 Und alle Bewohner jener Stadt bewarfen ihn mit Steinen, und er starb; vertilge das Böse aus deiner Mitte, und ganz Israel wird es hören und sich fürchten.
Obwohl dieser Sohn noch nichts getan hat, er ist einfach ungehorsam, aber man kann ihn unmöglich erziehen. Ja, er gehorcht den Eltern nicht, nimmt keine Ermahnungen an. Die Tora sagt: „Man muss ihn töten.“ Die Kommentatoren bemerken: „Das ist eine erstaunliche Situation, in der ein Kind, ein Sohn, ein Mensch nicht für die Vergangenheit getötet wird, sondern für die Zukunft.“ Damit man ihn nicht Dinge anrichten lässt, die ein Mensch anrichten kann, der keine Erziehung annimmt, der gegen Vater und Mutter rebelliert, damit er in der Zukunft nicht sündigt.
Damit er in der Zukunft nicht sündigt – das gehört zu der Frage, die man gern stellt, der philosophischen Frage: „Würdet ihr den kleinen Hitler töten?“ Die Tora sagt hier, dass – ja, jedenfalls in der einfachen Lesart des Verses. Die Rabbiner streiten über dieses Thema und sagen (viele sagen), dass das überhaupt eine rein theoretische Geschichte ist und es keinen Sohn gibt, der so ungehorsam ist, dass man diese Regel auf ihn anwenden würde. Diese Regel wurde nie angewandt, das ist reine Theorie. Aber es gibt einen Lehrer, der sagt: „Und ich habe auf dem Grab eines solchen Burschen gesessen und weiß, dass es genau so war.“
Die letzte Geschichte unseres 21. Kapitels:
וְכִי־יִהְיֶה בְאִישׁ חֵטְא מִשְׁפַּט־מָוֶת וְהוּמָת וְתָלִיתָ אֹתוֹ עַל־עֵץ׃
wechi-jihjé we'ísch chet mischpat-mawet wehumát wetalíta otó al-éz
22 Wenn ein Mensch eine Sünde hatte, auf die ein Todesurteil folgt, und er getötet wurde (hingerichtet wurde), und du hast seinen Leichnam an einem Baum aufgehängt,
Und hier noch eine Tradition, nach der man einen schon hingerichteten Menschen zur Schau an einem Baum aufhängte: „So wird es jedem ergehen, seht her und erschreckt.“ Aber diese Abschreckung muss Maß halten, und darüber sagt die Tora, dass es zur Belehrung dienen soll, aber nicht zur Verhöhnung des Körpers.
לֹא־תָלִין נִבְלָתוֹ עַל־הָעֵץ כִּי־קָבוֹר תִּקְבְּרֶנּוּ בַּיּוֹם הַהוּא כִּי־קִלְלַת אֱלֹהִים תָּלוּי וְלֹא תְטַמֵּא אֶת־אַדְמָתְךָ אֲשֶׁר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לְךָ נַחֲלָה׃
Lo-talín niwlató al-ha'éz ki-kawór tikberénnu bajom hahú ki-kilelát elohím talúj weló tetammé et-admatechá aschér adonáj elohecha notén lechá nachalá
23 Lass seinen Leichnam nicht über Nacht am Baum, sondern begrabe ihn am selben Tag, denn ein Fluch Gottes ist der Hängende. Verunreinige nicht dein Land, das der HERR, dein Gott, dir zum Erbe gegeben hat.
Dieser Vers wird auch im Neuen Testament in Bezug auf Jeschua Maschiach verwendet, der den Fluch getragen hat. Warum ist das so? Worum geht es hier überhaupt? Jeder Mensch, was für ein Übeltäter er auch sein mag, trägt als Mensch, als menschlicher Körper das Bild Gottes in sich, ist nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen. Wenn es zu irgendeiner Missachtung des Körpers eines Menschen kommt, wird er tatsächlich als Bestrafter, als Verfluchter an einem Baum aufgehängt. Doch wie ein Mensch bis zum Abend unrein ist, so ist auch der Körper bis zum Abend verflucht. Wenn der Abend kommt, ist das schon nicht mehr der Körper eines Verbrechers, das ist schon nicht mehr der Verbrecher, der etwas begangen hat. Das ist ein Körper, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen ist. Jenen Verbrecher gibt es schon nicht mehr, und es hat keinen Sinn, dass er weiter hängt, denn das wird dann schon keine Belehrung für andere mehr sein, sondern eine Verhöhnung des Körpers – eine Verfluchung des Bildes Gottes. Und das Aufhängen (wie man in unserem Umfeld sagen kann) ist eine Schändung des Bildes Gottes, das macht das Land unrein. Der Apostel wendet diese Worte auf Jeschua Maschiach an: Es darf nicht sein, dass das Bild Gottes geschändet wird. Durch diese Schändung hat der Maschiach den Fluch auf sich genommen.
All das führt, wie jedes unreine Gericht, wie unreine Beziehungen in der Gesellschaft, dazu, dass das Land verunreinigt wird. Wenn wir einen Übeltäter zur Schau stellen, ihn über Nacht ausstellen, wenn er dort schon nicht mehr hängt, um alle davon zu unterrichten, dass er hingerichtet ist, sondern vielleicht gleichsam zur Rache, zur Befriedigung irgendeines Bedürfnisses nach Schadenfreude, wird das Land dadurch verunreinigt. Und das ungerechte Verhalten gegenüber einer Frau verunreinigt das Land. Und der ungehorsame Sohn, der sich nicht erziehen lässt, verunreinigt das Land. Und die Tora sagt: „Verunreinige nicht dein Land.“
Das Los der Frau
Dewarim 22,1–29
Mit Gottes Hilfe setzen wir, ihr und ich, das Studium des Wochenabschnitts Ki Teze fort und werden Kapitel 22 des Buches Dewarim lesen. Unser Kapitel berührt mehrere verschiedene Themen, und es beginnt mit einem Gebot, das auf Hebräisch haschawát awedá (Rückgabe des Verlorenen) heißt.
Lasst uns ab Vers 1 lesen.
לֹא־תִרְאֶה אֶת־שׁוֹר אָחִיךָ אוֹ אֶת־שֵׂיוֹ נִדָּחִים וְהִתְעַלַּמְתָּ מֵהֶם הָשֵׁב תְּשִׁיבֵם לְאָחִיךָ׃
lo-tir'é et-schór achícha o et-sejo niddachím wehit'allamtá mehém haschéw teschiwém le'achícha
1 Es soll nicht so sein, dass du den Ochsen deines Bruders oder sein Schaf, von der Herde zurückgeblieben, siehst und so tust, als ob du sie nicht bemerkst; mit Zurückbringen bringe sie deinem Bruder zurück.
Worum geht es hier? Wir begegnen auf der Straße, unterwegs einem Schaf, einem Ochsen, finden irgendeine Sache und können sagen: „Das ist nicht meine Angelegenheit. Irgendeinem armen Kerl ist ein Schaf verloren gegangen, irgendeinem armen Teufel ist ein Öchslein verloren gegangen. Na ja… möge sich der HERR seiner erbarmen!“ Die Tora sagt: „Nein, so geht das nicht.“ Und du musst vor allem sagen: „He, Chaim! Chaim! Hörst du?! Dein Schaf ist von der Herde zurückgeblieben!“, und ihm helfen, dieses Schaf zurückzubekommen. Und wenn Chaim nicht in der Nähe ist?
וְאִם־לֹא קָרוֹב אָחִיךָ אֵלֶיךָ וְלֹא יְדַעְתּוֹ וַאֲסַפְתּוֹ אֶל־תּוֹךְ בֵּיתֶךָ וְהָיָה עִמְּךָ עַד דְּרֹשׁ אָחִיךָ אֹתוֹ וַהֲשֵׁבֹתוֹ לוֹ׃
we'im-ló karów achícha elécha weló jeda'tó wa'assaftó el-tóch betécha wehajá immechá ad derósch achícha otó wahaschewotó lo
2 Und wenn dein Bruder nicht in deiner Nähe ist und du nicht einmal weißt, wer es ist, nimm es (das Tier) zu dir nach Hause; und es soll bei dir sein, bis dein Bruder es verlangt, und gib (den Ochsen oder das Schaf) ihm zurück.
Ein Öchslein hat sich gefunden, ein Schäfchen hat sich gefunden, ein Geldbeutel hat sich gefunden, eine Haarspange hat sich gefunden – was auch immer, aber du weißt nicht, wem es gehört. Du musst dieses Öchslein, dieses Schäfchen oder diese Sache nehmen und bekanntgeben, dass du etwas gefunden hast. Also, ein Mensch, der den Ochsen oder das Schaf seines Nächsten gefunden hat, nimmt sie zu sich ins Haus. Wenn es ein Öchslein oder ein Schäfchen ist, dann ist klar, dass auch ihr Unterhalt Geld kostet, und mit der Zeit kann es geschehen, dass der Unterhalt dieses Öchsleins schon mehr kostet als es selbst. Deshalb, wenn es ein Ochse ist, wenn es ein Tier ist, das arbeiten kann, setzt man es bei der Arbeit ein. Man kann den gefundenen Ochsen in seiner eigenen Wirtschaft einsetzen, so deckt er die Kosten für sich selbst. Wenn es ein Hühnchen, ein Küken oder etwas Ähnliches ist, kann man es verkaufen und deinem Bruder, deinem Nächsten das Geld zurückgeben, damit er nichts verliert und dich dieses Gebot nicht allzu viel kostet.
וְכֵן תַּעֲשֶׂה לַחֲמֹרוֹ וְכֵן תַּעֲשֶׂה לְשִׂמְלָתוֹ וְכֵן תַּעֲשֶׂה לְכָל־אֲבֵדַת אָחִיךָ אֲשֶׁר־תֹּאבַד מִמֶּנּוּ וּמְצָאתָהּ לֹא תוּכַל לְהִתְעַלֵּם׃
wechén ta'assé lachamoró wechén ta'assé lessimlató wechén ta'assé lechol-awedát achícha ascher-towád mimménnu umzatá lo tuchál lehit'allém
3 Und ebenso verfahre auch mit seinem Esel und mit seiner Kleidung (seinem Kleid), ebenso verfahre mit allem Verlorenen deines Bruders, was auch immer er verloren haben mag; wenn du es gefunden hast, dann kannst du nicht so tun, als bemerktest du es nicht (es ignorieren).
Das heißt, wir müssen die gefundene Sache nehmen und nach den Regeln bekanntgeben, wissen lassen, dass wir sie gefunden haben. Wie macht man das gewöhnlich? Es heißt: Die und die Familie (sagen wir, die Familie Stein) hat ein Handy gefunden und gibt es dem zurück, der es verloren hat und seine Merkmale nennt. Ein Mensch ruft an und sagt: „Ich habe das Telefon verloren.“ Man fragt ihn: „Und was für ein Telefon war das? Wo hast du es verloren?“ Und wenn der Mensch diese Sache richtig beschreibt, muss man sie ihm zurückgeben.
An dieses Gebot gewöhnt man von Kindheit an. Ich erzähle oft davon, dass man in Jerusalem Aushänge sehen kann: „Haarspängchen gefunden“, „Haargummi gefunden“. Und das nicht deshalb, weil jemand wirklich über den Verlust eines Haargummis trauern wird. Das ist dazu da, die Kinder zu erziehen, sie an dieses Gebot zu gewöhnen.
Es gibt viele interessante Aspekte dieses Gebots. Zum Beispiel: Was tun, wenn ihr eine Tüte mit Einkäufen gefunden habt, und in dieser Tüte liegt eine Stange Wurst? Ihr wisst nicht, wer sie verloren hat, ihr habt sie an einer Bushaltestelle gefunden. Einerseits muss man sie zurückgeben, andererseits gibt es so einen Begriff wie der verzweifelte Mensch. Wenn ein Mensch irgendwo eine Tüte mit Wurst verloren hat, wird er sich viel schneller mit dem Verlust abfinden, als wenn ein Mensch, sagen wir, einen goldenen Ring verloren hat. Den Ring wird er lange suchen, die Wurst aber – da geht der Mensch hin und kauft eine andere (es gibt eine gewisse Zeit, nach der das Lebensmittel verdirbt). Wenn es ein verderbliches Lebensmittel ist und ihr es nicht endlos aufbewahren könnt, dann, kann man sagen, braucht ihr nach einer bestimmten Zeit den Menschen, der dieses Lebensmittel verloren hat, auch nicht mehr zu suchen. Es gibt eine solche Zeit, die Zeit der Verzweiflung heißt.
Es gab eine Zeit, als meiner Familie ein humanitärer Fonds in einer der Städte im Süden Israels half. Das sah so aus, dass man uns jeden Donnerstagabend einen großen Karton mit Essen brachte, darunter zwei gefrorene Hühner. Ende der Woche, und irgendwie ergab es sich, dass wir nicht in der Stadt waren, wir kamen eine Woche später zurück. Eine Nachbarin rief uns an, brachte den Karton mit Essen und zwei gefrorene Hühner aus dem Gefrierschrank. Ein gutes Beispiel für das Halten des Gebots der Rückgabe von Verlorenem.
Es gibt Fälle, in denen ein Mensch sofort verzweifelt, und deshalb braucht man es, wenn du etwas gefunden hast, nicht zurückzugeben. Zum Beispiel, wenn du etwas in einem Fluss gefunden hast. Erinnert ihr euch an Tanja, die weint, weil sie ihren Ball in den Fluss hat fallen lassen? Er geht natürlich nicht unter, aber die Strömung trägt ihn fort. Und wenn er siebenhundert Meter oder anderthalb Kilometer flussabwärts bei Anton landet, dann muss Anton nicht bekanntgeben, dass er einen Ball gefunden hat, weil man davon ausgeht, dass das, was in den Fluss gefallen ist, verloren ist und der Mensch es auch gar nicht mehr sucht. Und es gibt sehr viele verschiedene Regeln für die Anwendung dieses Gebots, aber es ist sehr wichtig.
Die Weisen legten es so aus, dass es Fälle gibt, in denen keine Pflicht besteht, Verlorenes zurückzugeben. Zum Beispiel, wenn ihr eine bestimmte Geldsumme gefunden habt. Geld, Münzen haben scheinbar keine konkreten Merkmale – selbstverständlich, wenn sie nicht in einem Portemonnaie sind, wenn sie nicht in irgendeinem bestimmbaren Bündel sind und so weiter. Man kann natürlich die Scheine durchsehen und schauen, ob da nicht ein Stück Papier, ein Zettel ist. Und ich bin Schülern begegnet, die das getan und denjenigen gefunden haben, dem man dieses Geld zurückgeben musste. Aber im Prinzip legten die Weisen es so aus: Wenn du Geld gefunden hast, dann ist es dein Geld.
Dazu gibt es eine sehr interessante Stelle im Talmud, wo Rabbi Jochanan sagt: „Jerusalem wurde zerstört, weil man darin nach dem Recht der Tora richtete.“ Die Schüler fragen: „Und nach welchem Recht hätte man in Jerusalem richten sollen: nach dem Gesetz Hammurapis? Nach dem Strafgesetzbuch der Russischen Föderation? Nach welchem Gesetz konnte man in Jerusalem richten? Was habt ihr erwartet?“ Und er sagt: „Es gab keine Gnade, die sich über das Gesetz erhob.“ Das gleicht der Geschichte eines Menschen, der auf dem Markt Geld verloren hatte, und ein anderer Mensch hat es gefunden. Der es verloren hat, weint und sagt: „Du weißt doch, dass das mein Geld ist. Gib es mir zurück! Ich werde nichts haben, um meine Kinder zu ernähren.“ Heute haben alle Plastikkarten, und nicht alle tragen Bargeld bei sich, aber in jenen Zeiten konnte ein Mensch sein ganzes Geld bei sich haben. Und da sagt der Finder: „Na, nach dem Gesetz ist das mein Geld, ich gebe es dir nicht.“ Und eben wegen dieser Anhänglichkeit an den Buchstaben des Gesetzes, wo man nach Gnade hätte handeln sollen (nach den Worten Rabbi Jochanans), wurde Jerusalem zerstört.
Es gibt noch einen sehr wichtigen und interessanten Aspekt dieses Gebots – den geistlichen Aspekt. Ein Mensch kann verloren gehen, dein Bruder selbst kann sich als verloren erweisen, deshalb sind lehaschíw (zurückbringen), laschúw (zurückkehren) Verben, die mit dem Wort teschuwá verbunden sind. Und auch den Bruder, die verlorene Seele selbst, kann und muss man dem Eigentümer, dem Schöpfer, zurückbringen; dem Bruder seinen Frieden mit Gott zurückbringen. Und im geistlichen Sinn kann und soll das ebenfalls wirken.
So ein erstaunliches Gebot. Sehr viel ist alles darüber geschrieben worden, sehr viele interessante Einzelheiten gibt es darin. Sagen wir, eine Frau, die ich kenne, hält bei sich zu Hause Kurse für Eltern mit Kindern. Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass jemand einen Pullover vergessen hat, jemand – eine Strickjacke, und den, der es vergessen hat, zu finden, klappt nicht, gelingt nicht. Wisst ihr, sie hat Säcke mit Sachen, die sie aufbewahrt, falls plötzlich jemand kommt und sie verlangt. Solche lustigen Kuriositäten kommen eben auch vor.
לֹא־תִרְאֶה אֶת־חֲמוֹר אָחִיךָ אוֹ שׁוֹרוֹ נֹפְלִים בַּדֶּרֶךְ וְהִתְעַלַּמְתָּ מֵהֶם הָקֵם תָּקִים עִמּוֹ׃
lo-tir'é et-chamór achícha o schoró nofelím baddérech wehit'allamtá mehém hakém takím immó
4 Es soll nicht so sein, dass du den Esel deines Bruders oder seinen Stier auf dem Weg fallend siehst und nicht darauf geachtet hast; geh nicht vorüber – richte sie zusammen mit ihm auf.
Das heißt, hilf sowohl deinem Bruder als auch dem Tier deines Bruders. Man muss dem Esel oder dem Stier aufhelfen, ob sie unter der Last fallen, ob ihnen etwas anderes zustößt (das betrifft auch den Bruder, der mit dem Auto unterwegs stecken geblieben ist). Sorge für das Eigentum deines Bruders so, wie du möchtest, dass man für dein Eigentum sorgt.
לֹא־יִהְיֶה כְלִי־גֶבֶר עַל־אִשָּׁה וְלֹא־יִלְבַּשׁ גֶּבֶר שִׂמְלַת אִשָּׁה כִּי תוֹעֲבַת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ כָּל־עֹשֵׂה אֵלֶּה׃
lo-jihjé cheli-géwer al-ischá welo-jilbásch géwer simlát ischá ki to'awát adonáj elohécha kol-ósse élle
5 Es soll keine Männerkleidung an einer Frau sein, und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen, denn ein Gräuel für den HERRN, deinen Gott, ist jeder, der so etwas tut.
Scheinbar ein verständlicher Vers, er sagt Folgendes: „Ein Mann soll sich in Männerkleidung kleiden, eine Frau in Frauenkleidung.“ Der ursprüngliche Sinn ist, dass ein Mann sich nicht als Frau verkleidet, sich nicht unter die Frauen schleicht zu irgendwelchen unzüchtigen, nicht sehr frommen oder sehr unfrommen Zwecken. Dasselbe gilt auch in Bezug auf die Frau. Dieses Gebot hat man stark erweitert, vielleicht stellenweise auch übertrieben. Heute gibt es Kleidungsarten, sagen wir Damenhosen, die ein Mann im Leben nicht anziehen würde. Man sieht, dass das rosa Hosen mit Strasssteinchen sind, und sie werden wie Damenhosen geschlossen, und scheinbar ist das Frauenkleidung. Dennoch setzen sich viele ein solches Maß an Gerechtigkeit, dass sie sagen: Eine Schwester soll das nicht anziehen, weil Hosen trotzdem Kleidung des Mannes sind (obwohl in jenen Zeiten Pluderhosen Frauenkleidung waren). Die Zeiten ändern sich, nicht ändert sich der Wunsch, die Frau in einen strengen Rahmen zu stellen. Ich werde das nicht einmal besprechen.
Wie dem auch sei, ursprünglich hat das Gebot zwei mögliche Auslegungen. Die erste (das, wovon ich gesprochen habe): wenn ein Mann sich unter die Frauen schleicht oder wenn eine Frau sich zu den Männern schleicht, ist das schon eine Grenzverletzung, eine Verletzung des persönlichen Raumes, denn es ist eine Beleidigung gegenüber denen, unter die sie (er) gerät. Die zweite mögliche Auslegungsvariante ist magisch: wenn irgendein Zauberer oder Magier sich als irgendeinen Menschen darstellte, als Kedorlaomer oder Sosipater, und in dieser Rolle Frauenkleider anzog und so versuchte, Kedorlaomer oder Sosipater der Manneskraft zu berauben. Das ist Magie, das ist bei weitem nicht allen verständlich, und das ist ein wenig wahrscheinlicher Kommentar. Höchstwahrscheinlich geht es doch um unzüchtige Handlungen, wenn sich tatsächlich ein Mann als Frau verkleidet, um wie eine Frau auszusehen, und eine Frau sich als Mann verkleidet, um wie ein Mann auszusehen. Kaum hat dieses Gebot ursprünglich eine solche Perversion wie Transvestiten oder Transgender (oder wie man sie sonst noch nennt) eingeschlossen, das heißt Menschen, die sich mit ihrem Geschlecht nicht recht festgelegt haben und sich dem anderen Geschlecht zurechnen, die sich gern in Kleidung des anderen Geschlechts kleiden. Und dennoch sind natürlich all diese Erscheinungen in gleichem Maße ein Gräuel vor dem Höchsten.
In der heutigen orthodoxen Welt, der jüdischen Welt, zieht eine Frau in den meisten Gemeinden keine Hosen an – sie zieht streng einen Rock an. Das hängt nicht nur mit dem Verbot zusammen, das hier ausgesprochen ist, sondern auch damit, dass es nicht üblich ist, dass bei den Schritten einer Frau die Bewegung ihrer Beine zu sehen ist. So bauten die Frauen ihre Vorstellung von Sittsamkeit auf. Und natürlich, wenn jemand in dieser Frage Sittsamkeit zeigen will, wer kann das denn aufhalten oder es unwürdig nennen? Eine Frau, die nach einem gerechten Leben strebt, den Weg einer Gerechten wählt (über andere reden wir nicht), hat genug Vernunft und gesunden Menschenverstand, um sich Kleidung entsprechend ihren Vorstellungen von Sittsamkeit auszuwählen. Deshalb ist es für uns, für die Männer, besser, uns der Kritik am weiblichen Erscheinungsbild in der Kleidung zu enthalten, denn nirgends steht geschrieben, dass man, wenn die Hosen einer Schwester dich verführen, ihr die Hosen herunterreißen muss. Geschrieben steht, dass man etwas mit den eigenen Augen tun muss.
In Vers 6 – das Gebot, die brütende Mutter vom Nest fortzuschicken.
כִּי יִקָּרֵא קַן־צִפּוֹר לְפָנֶיךָ בַּדֶּרֶךְ בְּכָל־עֵץ אוֹ עַל־הָאָרֶץ אֶפְרֹחִים אוֹ בֵיצִים וְהָאֵם רֹבֶצֶת עַל־הָאֶפְרֹחִים אוֹ עַל־הַבֵּיצִים לֹא־תִקַּח הָאֵם עַל־הַבָּנִים׃
ki jikkaré kan-zippór lefanécha baddérech bechol-éz o al-ha'árez efrochím o wezím weha'ém rowézet al-ha'efrochím o al-habbezím lo-tikkách ha'ém al-habbaním
6 Wenn sich vor dir auf dem Weg ein Vogelnest findet, auf irgendeinem Baum oder auf der Erde, und darin Junge oder Eier, und die Mama sitzt auf diesen Jungen oder Eiern (brütet die Eier aus oder füttert die Jungen), nimm nicht für dich die Mutter samt den Jungen.
Nimm nicht für dich, vernichte nicht alles auf einmal. An jedem Ort, an dem du auf Erscheinungen der Natur triffst, vernichte nicht alles mit Stumpf und Stiel.
שַׁלֵּחַ תְּשַׁלַּח אֶת־הָאֵם וְאֶת־הַבָּנִים תִּקַּח־לָךְ לְמַעַן יִיטַב לָךְ וְהַאֲרַכְתָּ יָמִים׃
schalléach teschallách et-ha'ém we'et-habbaním tikkach-lách lemá'an jítaw lach weha'arachtá jamím
7 Schick die Mutter fort (die noch weitere Junge hervorbringen kann), die Eier oder die Jungen aber nimm dir, damit es dir gut geht und deine Tage sich verlängern.
Das ist ein disziplinierendes, erzieherisches Gebot. Bist du auf Junge gestoßen, hast du Eier gefunden, aber wenn du unterwegs bist und nicht schrecklich hungrig, dann ist von diesen Jungen „kein Groschen Nutzen – den Kochtopf füllst du nicht, das Kissen stopfst du nicht“, wie die Taube zu Fedot dem Schützen sagte. Und was soll man im Grunde von ihnen nehmen, von diesen Jungen? Von den Eiern ist der Nutzen vielleicht größer, aber trotzdem ist das ein Gebot, das dazu anhält, die Natur zu schonen, nicht alles mit Stumpf und Stiel zu vernichten. Wozu? Damit es dir gut geht und deine Tage sich verlängern. Wie die Ehrerbietung gegenüber den Eltern die Tage verlängert, so verlängert auch diese Ehrerbietung, der behutsame Umgang mit der Natur, die Tage.
Auch zu diesem Gebot gibt es viele mystische, allegorische Kommentare. So geschieht es immer, wenn wir auf ein Gebot treffen, das schwer aufzunehmen und zu verstehen ist.
כִּי תִבְנֶה בַּיִת חָדָשׁ וְעָשִׂיתָ מַעֲקֶה לְגַגֶּךָ וְלֹא־תָשִׂים דָּמִים בְּבֵיתֶךָ כִּי־יִפֹּל הַנֹּפֵל מִמֶּנּוּ׃
ki tiwné bájit chadásch we'assíta ma'aké legaggécha welo-tassím damím bewetécha ki-jippól hannofél mimménnu
8 Wenn du ein neues Haus baust, mach ein Geländer auf deinem Dach, und es wird kein Blut auf deinem Haus sein, damit nicht plötzlich jemand davon herunterfällt.
Im Land Israel wurden die Häuser gewöhnlich mit flachem Dach gebaut. Auf dem Dach konnte man abends sitzen: Der eine spielte Backgammon, der andere lernte Tora, wieder ein anderer hängte Wäsche auf. Das Dach war ein Teil des Hauses, dort brodelte das Leben. Und die Tora gebietet, auf dem Dach eine Umzäunung anzubringen, damit man nicht davon herunterfällt.
Die Kommentatoren sagen: „Wenn ein Mensch heruntergefallen ist, dann hat der Höchste es ihm so bestimmt. Menschen fallen nicht zufällig von den Dächern der Häuser. Wenn irgendein Mensch vom Dach gefallen ist, dann hat er das durch irgendwelche Sünden verdient.“ Und die Antwort auf diese Frage ist folgende: Ja, höchstwahrscheinlich ist es so, ein Mensch, der nicht sündig ist, fällt nicht vom Dach. Aber willst du, dass dieses Blut gerade auf dir ist, dass dein Haus das Werkzeug der Hinrichtung dieses Menschen ist? Höchstwahrscheinlich nicht. Und die Tora sagt: „Nein, tu das nicht.“
In Vers 9 ist schon ein ganz anderes Thema.
לֹא־תִזְרַע כַּרְמְךָ כִּלְאָיִם פֶּן־תִּקְדַּשׁ הַמְלֵאָה הַזֶּרַע אֲשֶׁר תִּזְרָע וּתְבוּאַת הַכָּרֶם׃
lo-tisrá karmechá kil'ájim pen-tikdásch hamle'á hasséra aschér tisrá utwu'át hakkárem
9 Besäe deinen Weinberg nicht mit zwei verschiedenen Sorten von Früchten, denn die ganze Saat kann dem Bann verfallen, alles, was du säst, alles in den Weinberg Gesäte.
Man darf weder auf dem Feld (wir haben darüber im Buch Wajikra 19,19 gesprochen) noch im Weinberg zwei Arten von Pflanzen nebeneinander säen. Wieder, wenn es um Gebote geht, die wir nicht sehr verstehen, gibt es Kommentatoren, die sagen: „Das ist einfach ein Gesetz. So mach es, und fertig. So hat es der Höchste gewollt, wir müssen nicht unbedingt alles verstehen.“ Andere Kommentatoren versuchen, den Grund zu verstehen, und sagen: „Möglicherweise gilt eine Pflanzenart als glückbringend für eine andere Pflanzenart. Und man kann sagen: Das hier wächst zusammen mit dem hier wunderbar, darum vermischen wir sie als eine Art landwirtschaftlicher Magie.“ Dritte Kommentatoren erinnern an eine bestehende Überlieferung und sagen: „Über jeder Pflanze steht ein Engel, der sie wachsen lässt. Und hier vermischen sich plötzlich die Engel, und es wird ein Chaos unter den Engeln geben und völliges Durcheinander. Das soll man nicht tun.“ Und es gibt noch Kommentatoren (mir ist dieses Verständnis näher), die sagen: „Verschiedene Pflanzen nähren sich in unterschiedlichem Maß vom Wasser aus der Erde. Es kann geschehen, dass eine Pflanze sich zu viel Feuchtigkeit nimmt und der zweiten Pflanze nichts übrig lässt, die Kräfte werden ungleich sein. Darum soll man das nicht tun.“
לֹא־תַחֲרֹשׁ בְּשׁוֹר־וּבַחֲמֹר יַחְדָּו׃
lo-tacharósch beschor-uwachamór jachdáw
10 Pflüge nicht mit dem Stier und mit dem Esel zusammen.
Nun, im Grunde kann man es im selben Sinn verstehen: Spanne nicht Tiere von unterschiedlicher Kraft in ein Gespann, spanne nicht Pferd und zitternde Hirschkuh zusammen, es wird dir nichts gelingen.
לֹא תִלְבַּשׁ שַׁעַטְנֵז צֶמֶר וּפִשְׁתִּים יַחְדָּו׃
lo tilbásch scha'atnés zémer ufischtím jachdáw
11 Zieh nicht an, was aus Wolle und Leinen gemischt ist.
Scha'atnés – ein Stoff (und Kleidung daraus), gewebt aus zwei Arten von Fäden, die sich orthogonal verflechten und einer unter dem anderen hindurchlaufen, in diesem Fall Wolle und Leinen. Schti (Längsfäden) wa'érew (und Querfäden) – eine andere Bezeichnung dafür.
Und wieder gibt es dazu viele verschiedene Kommentare. Wir bleiben bei zweien stehen. Manche sagen: „Das hängt damit zusammen, dass Kleidung aus Wolle und Leinen ein Vorrecht des Kohen ist. Kleide dich nicht in priesterliche Gewänder, kenne deinen Platz.“ Andere sagen: „Man kann nicht Wolle, die gleichsam durch Beraubung des Tieres gewonnen, dem Tier genommen wurde, nehmen und sie mit Leinen vermischen, das der Mensch selbst angebaut hat.“ Beide diese Kommentare, diese Auffassungen, sind meiner Meinung nach ziemlich unvollständig. Möglicherweise war das die Kleidung der benachbarten heidnischen Völker, auch das ist einer der Gründe.
So bleibt Vers 11 ein solches Rätsel (und nicht nur für mich). Dieses Gebot ist ein Rätsel.
גְּדִלִים תַּעֲשֶׂה־לָּךְ עַל־אַרְבַּע כַּנְפוֹת כְּסוּתְךָ אֲשֶׁר תְּכַסֶּה־בָּהּ׃
gedilím ta'asse-lách al-arbá kanfót kesutechá aschér techasse-bá
12 Mach dir Quasten an den vier Enden deiner Bedeckung, mit der du dich bedecken wirst.
Das ist dasselbe Gebot über die Zizit, jene Quasten an der Kleidung (Bemidbar 15,38). Warum erscheint es hier? Weil man gerade in Bezug auf die Quasten sagen kann: Wir befestigen wollene Quasten an leinener Kleidung, das darf man tun. Dieser Vers steht gleichsam in Klammern, als Erlaubnis, so zu handeln.
Mit Vers 13 beginnt wieder ein anderes Thema.
כִּי־יִקַּח אִישׁ אִשָּׁה וּבָא אֵלֶיהָ וּשְׂנֵאָהּ׃
ki-jikkách isch ischá uwá eléha usne'á
13 Wenn ein Mann sich eine Frau nimmt und zu ihr eingeht und sie hasst,
Irgendetwas ist nachts zwischen ihnen so geschehen, irgendetwas hat ihm nicht gefallen, oder irgendetwas ist in ihm vorgegangen.
וְשָׂם לָהּ עֲלִילֹת דְּבָרִים וְהוֹצִיא עָלֶיהָ שֵׁם רָע וְאָמַר אֶת־הָאִשָּׁה הַזֹּאת לָקַחְתִּי וָאֶקְרַב אֵלֶיהָ וְלֹא־מָצָאתִי לָהּ בְּתוּלִים׃
wesám la alilót dewarím wehozí aléha schém ra we'amár et-ha'ischá hassót lakáchti wa'ekráw eléha welo-mazáti la betulím
14 Und er erhob eine Verleumdung gegen sie (redete ihr Übles nach), und verbreitete über sie einen bösen Namen, und sagte: „Ich habe da diese Frau genommen, und bin zu ihr eingegangen (habe mich ihr genähert), und habe bei ihr keine Jungfräulichkeit gefunden“,
Es gibt eine solche Verleumdung, eine solche Anschuldigung, erhoben, wie wir verstehen, gegen die Eltern dieses Mädchens, die sie schlecht erzogen haben.
וְלָקַח אֲבִי הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) וְאִמָּהּ וְהוֹצִיאוּ אֶת־בְּתוּלֵי הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) אֶל־זִקְנֵי הָעִיר הַשָּׁעְרָה׃
welakách awí hanna'ará we'immá wehozíu et-betuléj hanna'ará el-siknéj ha'ír haschá'ra
15 Und der Vater des Mädchens und ihre Mama werden nehmen und die Jungfräulichkeit des Mädchens zu den Ältesten der Stadt hinausbringen, zum Tor.
Das heißt, Bräuche, die für uns im XXI. Jahrhundert wenig angenehm und wenig verständlich sind, wenn man die Laken nimmt, auf denen das Blut der Jungfräulichkeit ist, und sie zum Tor hinausträgt. Hier muss man verstehen, dass natürlich nicht jedes Mädchen beim Verlust der Jungfräulichkeit blutet, nicht immer verschließt das Jungfernhäutchen den Eingang der Scheide und reißt beim ersten Beischlaf. Es gibt sehr viele Vorbehalte, aber die Tora spricht mit dem Volk, ohne ihm ein Lehrbuch der Gynäkologie anzubieten. Die Tora spricht mit einem Volk, das irgendwelche konkreten Vorstellungen hat, und mit diesen Vorstellungen wird ihm die Tora auch gegeben, gegeben zum Hineinwachsen, um die Menschen zu erziehen. Und sehr vieles von dem, was wir weiter in diesem Kapitel lesen werden, wird uns seltsam erscheinen, und das beweist, dass die Tora die Menschen erzogen hat.
וְאָמַר אֲבִי הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) אֶל־הַזְּקֵנִים אֶת־בִּתִּי נָתַתִּי לָאִישׁ הַזֶּה לְאִשָּׁה וַיִּשְׂנָאֶהָ׃
we'amár awí hanna'ará el-hassekením et-bittí natátti la'ísch hassé le'ischá wajisna'éha
16 Und der Vater des Mädchens wird zu den Ältesten sagen: „Ich habe meine Tochter diesem Mann zur Frau gegeben, er aber hat sie gehasst,
וְהִנֵּה־הוּא שָׂם עֲלִילֹת דְּבָרִים לֵאמֹר לֹא־מָצָאתִי לְבִתְּךָ בְּתוּלִים וְאֵלֶּה בְּתוּלֵי בִתִּי וּפָרְשׂוּ הַשִּׂמְלָה לִפְנֵי זִקְנֵי הָעִיר׃
wehinne-hú sam alilót dewarím lemór lo-mazáti lewittechá betulím we'élle betuléj wittí ufaresú hassimlá lifnéj siknéj ha'ír
17 Und siehe, er verleumdet sie und sagt: ‚Ich habe bei deiner Tochter keine Jungfräulichkeit gefunden‘, aber hier sind die Zeichen (das Blut) der Jungfräulichkeit meiner Tochter!“ Und sie breiteten ihre Kleider vor den Ältesten der Stadt aus.
Das konnte nicht nur ein Laken sein, sondern auch irgendein Unterkleid, ein Nachthemd, in dem sie mit ihrem Mann in der ersten Nacht war.
וְלָקְחוּ זִקְנֵי הָעִיר־הַהִוא אֶת־הָאִישׁ וְיִסְּרוּ אֹתוֹ׃
welakechú siknéj ha'ir-hahí et-ha'ísch wejisserú otó
18 Und die Ältesten der Stadt werden diesen Mann nehmen und ihn bestrafen.
וְעָנְשׁוּ אֹתוֹ מֵאָה כֶסֶף וְנָתְנוּ לַאֲבִי הַנַּעֲרָה כִּי הוֹצִיא שֵׁם רָע עַל בְּתוּלַת יִשְׂרָאֵל וְלוֹ־תִהְיֶה לְאִשָּׁה לֹא־יוּכַל לְשַׁלְּחָהּ כָּל־יָמָיו׃
we'aneschú otó mé'a chéssef wenatenú la'awí hanna'ará ki hozí schem ra al betulát jisraél welo-tihjé le'ischá lo-juchál leschallechá kol-jamáw
19 Und man soll ihm eine Strafe von hundert Silberstücken auferlegen, und man soll sie dem Vater des Mädchens geben, weil er (der Mann) einen bösen Namen über eine israelitische Jungfrau verbreitet hat; sie wird ihm zur Frau sein, und alle Tage seines Lebens kann er sie nicht wegschicken.
Hier wird es beängstigend. Mir wird angst, den Mädchen wird in der Regel noch mehr angst. Na, und wie soll man jetzt damit leben? Und um diese Frage zu beantworten, muss man sie mit den Augen jener Zeit ansehen. Natürlich möchte jedes Mädchen, dass an ihrer Seite ein geliebter Mann ist, liebend und zärtlich, aber bei Weitem nicht immer kam es so. In unserem Fall, wenn der Mann dieses Mädchen fortgejagt oder aus irgendeinem Grund weggeschickt hätte, stünde sie mit einem ruinierten Ruf da. Und nicht nur sie, sondern auch ihre Schwestern und Brüder – diejenigen, die man zur Frau nehmen will, diejenigen, die heiraten wollen; auch ihr Ruf wäre ruiniert. So ein Mädchen wurde zur Unberührbaren, zur Schande der Familie, von der man sich nur sehr schwer reinwaschen und rechtfertigen kann. Eine solche Ehe, in der der Mann nicht das Recht hat, sie hinauszuwerfen (es gibt Bedingungen, unter denen sie von ihm weggehen kann, das sind ein bisschen andere Fragen), gibt ihr volle soziale Absicherung. Selbst wenn sie, Gott bewahre, den Verstand verliert, wenn sie dick wird, erblindet, invalide wird, wird es für sie soziale Absicherung geben.
Und auch heute werden in östlichen Ländern, darunter im Osten der GUS, in Zentralasien zum Beispiel, Mädchen entführt, vergewaltigt, und danach sagen ihnen ihre eigenen Verwandten: „Na, wo willst du jetzt hin? Wer braucht dich jetzt noch? Wer nimmt dich denn?“ Und diese Frauen bleiben und leben mit den Vergewaltigern. Das ist leider keine seltene, sondern eine sehr verbreitete Erscheinung, und so etwas kann man sehr oft antreffen. Stellt euch vor, wie schrecklich es in jener Zeit für eine Frau war, die mit einem zweifelhaften Ruf, mit einer Schmach und so weiter zurückgelassen wurde. Eine schreckliche Situation, schrecklich von allen Seiten. Und wenn wir das lesen, müssen wir sagen: Ja, die Tora berücksichtigt gewisse Mängel, Probleme der Gesellschaft, aber zugleich ist die Tora darauf ausgerichtet, sie zu bessern. Und die Tatsache, dass uns das im XXI. Jahrhundert schrecklich vorkommt, zeigt schon, dass das funktioniert, dass die Menschheit in vielem über diese barbarische, verächtliche Haltung gegenüber der Frau hinausgewachsen ist und sich tatsächlich erzogen und verändert hat.
Aber es gibt einen anderen Fall: Ein Mann hat ein Mädchen genommen, und sie hat sich tatsächlich als nicht jungfräulich erwiesen. Wir lesen über diese Situation ab Vers 20.
וְאִם־אֱמֶת הָיָה הַדָּבָר הַזֶּה לֹא־נִמְצְאוּ בְתוּלִים לַנַּעַר (לַנַּעֲרָה)׃
we'im-emét hajá haddawár hassé lo-nimze'ú wetulím lanna'ará
20 Wenn es aber wirklich so war und die Jungfräulichkeit bei dem Mädchen nicht gefunden wurde,
וְהוֹצִיאוּ אֶת־הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) אֶל־פֶּתַח בֵּית־אָבִיהָ וּסְקָלוּהָ אַנְשֵׁי עִירָהּ בָּאֲבָנִים וָמֵתָה כִּי־עָשְׂתָה נְבָלָה בְּיִשְׂרָאֵל לִזְנוֹת בֵּית אָבִיהָ וּבִעַרְתָּ הָרָע מִקִּרְבֶּךָ׃
wehozí'u et-hanna'ará el-pétach bet-awíha uskalúha ansché irá ba'awaním waméta ki-assetá newalá bejisraél lisnót bet awíha uwi'artá hará mikkirbécha
21 Man soll die Tochter zum Eingang des Hauses ihres Vaters führen, und die Bewohner der Stadt sollen sie steinigen, und sie wird sterben, denn sie hat eine Abscheulichkeit in Israel begangen, indem sie im Haus ihres Vaters hurte; rotte das Böse aus deiner Mitte aus.
Nun, ich denke, das hier zu kommentieren … man kann es auch nicht kommentieren.
כִּי־יִמָּצֵא אִישׁ שֹׁכֵב עִם־אִשָּׁה בְעֻלַת־בַּעַל וּמֵתוּ גַּם־שְׁנֵיהֶם הָאִישׁ הַשֹּׁכֵב עִם־הָאִשָּׁה וְהָאִשָּׁה וּבִעַרְתָּ הָרָע מִיִּשְׂרָאֵל׃
ki-jimmazé isch schochéw im-ischá we'ulat-bá'al umétu gam-schenehém ha'ísch haschochéw im-ha'ischá weha'ischá uwi'artá hará mijisraél
22 Wenn sich herausstellt, dass irgendein Mann mit einer Frau geschlafen hat, die einen Mann erkannt hat, sollen beide sterben, sowohl der Mann, der mit der Frau geschlafen hat, als auch die Frau selbst; rotte dieses Böse aus Israel aus (Ehebrecher sterben).
Hier ist es interessant und wieder irgendwie so seltsam, aber es geht ebenfalls um die Rechte der Frau. Ich habe darüber gesprochen, als wir dieses Gebot berührt haben (Wajikra 20,10). In den Gesetzen Hammurapis (altes Babylon) und in den Gesetzen des Manu (altes Indien) gibt es ein ähnliches Gesetz, aber dort kann der Mann der Frau sagen: „Lasst sie frei, ich bitte darum, sie zu begnadigen“, und sie erhält als sein Eigentum Begnadigung. Hier ist die Frau ein eigenständiger Mensch. Der Mann kann nicht sagen: „Ich vergebe ihr, tötet sie nicht. Das ist mein Ding, meine Frau: Will ich, vergebe ich, will ich, vergebe ich nicht.“ Hier hat der Mann kein solches Recht. Die Frau steht vor dem Höchsten, sie ist selbst für ihre Taten verantwortlich – zwar um den Preis des Lebens, aber ein Unterschied ist wirklich da.
כִּי יִהְיֶה נַעַר (נַעֲרָה) בְתוּלָה מְאֹרָשָׂה לְאִישׁ וּמְצָאָהּ אִישׁ בָּעִיר וְשָׁכַב עִמָּהּ׃
ki jihjé na'ará wetulá me'orassá le'ísch umza'á isch ba'ír weschacháw immá
23 Wenn es ein Mädchen gibt, das einem Mann verlobt ist, und ein Mann traf sie in der Stadt und legte sich zu ihr,
וְהוֹצֵאתֶם אֶת־שְׁנֵיהֶם אֶל־שַׁעַר הָעִיר הַהִוא וּסְקַלְתֶּם אֹתָם בָּאֲבָנִים וָמֵתוּ אֶת־הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) עַל־דְּבַר אֲשֶׁר לֹא־צָעֲקָה בָעִיר וְאֶת־הָאִישׁ עַל־דְּבַר אֲשֶׁר־עִנָּה אֶת־אֵשֶׁת רֵעֵהוּ וּבִעַרְתָּ הָרָע מִקִּרְבֶּךָ׃
wehozetém et-schenehém el-schá'ar ha'ír hahí uskaltém otám ba'awaním wamétu et-hanna'ará al-dewár aschér lo-za'aká wa'ír we'et-ha'ísch al-dewár ascher-inná et-éschet re'éhu uwi'artá hará mikkirbécha
24 Dann schleppt beide hinaus zum Tor jener Stadt und steinigt sie, und sie sollen getötet werden: das Mädchen dafür, dass sie in der Stadt nicht geschrien hat (nicht um Hilfe gerufen hat), und der Mann dafür, dass er die Frau seines Nächsten vergewaltigt hat; und rotte das Böse aus deiner Mitte aus.
So ist dieses Gesetz. Wenn ein Mädchen vergewaltigt wird, Gott bewahre, muss sie um Hilfe rufen. Wenn sie nicht um Hilfe ruft, kann man annehmen, dass sie einverstanden ist. Wie man so sagt: In Wirklichkeit ist alles nicht so, wie es tatsächlich ist. Es kann eine Menge Umstände geben: Zum Beispiel konnte dieser Mann, der Vergewaltiger, ihr mit einem Messer drohen, oder ihren Eltern, oder ihrer kleinen Schwester. Und es kann auch eine Menge anderer Umstände geben, die das Mädchen schützen, und sie müssen untersucht werden. Die ganze Frage der Untersuchung ist – ob sie sich gewehrt hat, ob sie sich wirklich gegen diese Vergewaltigung verwahrt hat.
Natürlich muss man zugeben, dass die Lehrer im Laufe vieler Jahrhunderte gegenüber Frauen voreingenommen waren. Es gibt eine bekannte Geschichte darüber, dass eine verheiratete Frau zu einem Rabbi kam und ihm sagte: „Rabbi, ich bin vergewaltigt worden. Was soll ich tun? Erlaube mich meinem Mann, bitte.“ Der Rabbi (es war Rabbi Jehuda) sagte ihr: „Na, du hast doch letzten Endes Vergnügen daran gehabt?“ Sie sagte ihm: „Weißt du was, Rabbi, wenn man an Jom Kippur einen Finger in Honig tunkt und dir über die Lippen streicht, wird es dir süß sein oder nicht?“ Und er nahm das als Argument an. Das wird als so eine Geschichte über Großmut gegenüber Frauen und über die Würde der Lehrer erzählt. Meiner Ansicht nach charakterisiert sie Rabbi Jehuda hundsmiserabel, und die Haltung gegenüber Frauen charakterisiert sie ganz und gar nicht berühmt (ziemlich schlecht). Aber wir lernen, wir verändern uns, und was vor zweitausend Jahren war, ist heute schon ganz und gar nicht mehr so. Ich wiederhole noch einmal: Die Veränderungen in der Haltung gegenüber Frauen sind ein Zeugnis dafür, dass die Welt sich verändert und das Volk sich verändert.
Also wird die Frau dafür hingerichtet, dass sie in der Stadt nicht geschrien und nicht um Hilfe gerufen hat.
Vers 25 beschreibt eine andere Situation.
וְאִם־בַּשָּׂדֶה יִמְצָא הָאִישׁ אֶת־הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) הַמְאֹרָשָׂה וְהֶחֱזִיק־בָּהּ הָאִישׁ וְשָׁכַב עִמָּהּ וּמֵת הָאִישׁ אֲשֶׁר־שָׁכַב עִמָּהּ לְבַדּוֹ׃
we'im-bassadé jimzá ha'ísch et-hanna'ará ham'orassá wehechesik-bá ha'ísch weschacháw immá umét ha'ísch ascher-schacháw immá lewaddó
25 Wenn aber ein Mann auf dem Feld ein verlobtes Mädchen trifft, und der Mann ergreift sie und legt sich zu ihr – nur der, der sie vergewaltigt hat, er soll getötet werden.
וְלַנַּעַר (וְלַנַּעֲרָה) לֹא־תַעֲשֶׂה דָבָר אֵין לַנַּעַר (לַנַּעֲרָה) חֵטְא מָוֶת כִּי כַּאֲשֶׁר יָקוּם אִישׁ עַל־רֵעֵהוּ וּרְצָחוֹ נֶפֶשׁ כֵּן הַדָּבָר הַזֶּה׃
welanna'ár lo-ta'assé dawár en lanna'ará chet máwet ki ka'aschér jakúm isch al-re'éhu urzachó néfesch ken haddawár hassé
26 Dem Mädchen aber tu nichts: Auf dem Mädchen liegt keine Todsünde, denn das ist so, wie wenn sich jemand gegen seinen Nächsten erhoben und ihn getötet hätte – so auch dieser Fall,
כִּי בַשָּׂדֶה מְצָאָהּ צָעֲקָה הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) הַמְאֹרָשָׂה וְאֵין מוֹשִׁיעַ לָהּ׃
ki wassadé meza'á za'aká hanna'ará ham'orassá we'én moschía la
27 Denn auf dem Feld hat er sie getroffen, die verlobte Maid hat geschrien, aber da war niemand, der sie retten konnte.
Selbst wenn sie auch geschrien hat, wäre trotzdem niemand zu ihr zu Hilfe gekommen, weil es ein Feld ist, ein menschenleerer Ort – schrei oder schrei nicht … Auf diese Weise wird das Mädchen freigesprochen.
כִּי־יִמְצָא אִישׁ נַעַר (נַעֲרָה) בְתוּלָה אֲשֶׁר לֹא־אֹרָשָׂה וּתְפָשָׂהּ וְשָׁכַב עִמָּהּ וְנִמְצָאוּ׃
ki-jimzá isch na'ará wetulá aschér lo-orássa utfassá weschacháw immá wenimzá'u
28 Wenn aber ein Mann ein Mädchen trifft, eine Jungfrau, die nicht verlobt ist, und er ergriff sie und schlief mit ihr, und es kam heraus,
וְנָתַן הָאִישׁ הַשֹּׁכֵב עִמָּהּ לַאֲבִי הַנַּעַר (הַנַּעֲרָה) חֲמִשִּׁים כָּסֶף וְלוֹ־תִהְיֶה לְאִשָּׁה תַּחַת אֲשֶׁר עִנָּהּ לֹא־יוּכַל שַׁלְּחָהּ כָּל־יָמָיו׃
wenatán ha'ísch haschochéw immá la'awí hanna'ará chamischím kássef welo-tihjé le'ischá táchat aschér inná lo-juchál schallechá kol-jamáw
29 Dann soll der, der mit ihr geschlafen hat, dem Vater des Mädchens fünfzig Silberstücke geben, und ihm wird sie zur Frau sein; dafür, dass er sie vergewaltigt hat, kann er sie nicht wegschicken alle Tage.
Ich wiederhole noch einmal: Leider war in jenen Zeiten der Ruf einer Frau, die eine Vergewaltigung erlebt hatte, ruiniert, ihr Leben zerstört. Wie man es auch dreht, sie wird trotzdem als liederliche Frau gelten. Das geschah auch in späteren Zeiten, und immer kam ein Zweifel auf. Und leider geschieht es nicht immer so, dass dieser Mann ihr Ehemann wird. Sondern sehr oft war es so (das geschieht auch jetzt), dass irgendein Mann von hohem Stand eine Frau aus dem einfachen Volk vergewaltigte und sagte: „Wer bist du denn? Du bist überhaupt eine Bäuerin, eine aus dem einfachen Volk! Gebär mir einen Bastard, gebär mir einen Bankert.“ Und so etwas geschieht auch. Und das, was wir hier sehen, ist ein ernsthafter sozialer Schutz nach den Maßstäben der Gesellschaft jener Zeit. Das lehrte die Menschen, dass eine Frau geschützt sein muss. Und deshalb stammt das Schutzniveau, das eine Frau heute erhält, aus jener Schule. Die Frau muss sozial auf dem Niveau geschützt werden, bis zu dem die Gesellschaft herangewachsen ist und das in ihr erlaubt ist. Das ist sehr schwer aufzunehmen. Und oft fragen mich junge, hitzige Mädchen: „Wie kann das sein? Das ganze Leben leben und dem Vergewaltiger ins Gesicht sehen? Einem Menschen ins Gesicht sehen, der dich vergewaltigt hat?“ Und das ist wirklich unmöglich zu verstehen mit den Augen eines Menschen unserer Zivilisation im XXI. Jahrhundert. Aber, ich wiederhole noch einmal, im Osten heiratet bis heute jedes dritte, vierte Mädchen auf genau diese Weise. Leider ist das die traurige Wahrheit. Nicht alle sind von der Tora erzogen. Aber dass das heute von uns als Grauen wahrgenommen wird, ist das Ergebnis davon, dass die Tora uns erzogen hat.
So ist es, das schwierige Kapitel 22 des Buches Dewarim.
Die Reinheit bewahren
Dewarim 23,1–26 – 24,1–6
Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Ki Teze fort und werden ab Vers 1 von Kapitel 23 des Buches Dewarim lesen.
לֹא־יִקַּח אִישׁ אֶת־אֵשֶׁת אָבִיו וְלֹא יְגַלֶּה כְּנַף אָבִיו׃
lo-jikkách isch et-éschet awíw weló jegallé kenáf awíw
1 Ein Mensch soll nicht die Frau seines Vaters nehmen und soll nicht den Saum des Gewandes seines Vaters aufdecken.
Jede Frau, die mit dem Vater verheiratet war, ist für den Sohn verboten. Wenn sie mit dem Vater verheiratet war, wurde sie Teil des Fleisches des Vaters, und zu ihr einzugehen, ihre Blöße aufzudecken – das ist, wie die Blöße des eigenen Vaters aufzudecken. Und das ist, Gott bewahre, natürlich verboten.
Wir stehen unseren Eltern sehr nahe. Oft kennen wir irgendwelche ihrer schwachen Stellen, irgendwelche schmerzhaften Situationen in ihrem Leben. Es ist verboten, darin herumzustochern, es ist überhaupt jedem Menschen verboten, auf irgendwelche wunden Punkte eines anderen zu drücken, auch das heißt seine Blöße aufdecken. Wenn wir wissen, worin die Schwäche eines Menschen liegt, worin sein Kampf, worin sein inneres Problem liegt, dann soll man das nicht aufdecken. Das gilt nicht nur in Bezug auf den Vater, sondern in Bezug auf jeden Menschen.
Hier wiederholt die Tora ein Gesetz, das früher schon erwähnt wurde. Dafür sagen wir ja, dass das Buch Dewarim (auf Griechisch Deuteronómion, Wiederholtes Gesetz, auf Russisch Zweites Gesetz), das, was wir hier lesen, eine Wiederholung der Gebote ist, von denen schon gesprochen wurde. Bekanntlich ist Wiederholung die Mutter des Lernens.
Also ist die Frau des Vaters für den Sohn in jedem Fall verboten. Irgendwelche Dinge, die er durch die Nähe zufällig sehen kann, dürfen nicht entblößt, nicht aufgedeckt werden, und man kann dieses Gebot, wie ich schon gesagt habe, auf jeden anderen Menschen ausweiten.
לֹא־יָבֹא פְצוּעַ־דַּכָּא וּכְרוּת שָׁפְכָה בִּקְהַל יְהוָה׃
lo-jawó fezua-dakká uchrút schofchá bikhal adonáj
2 Ein Mensch, dessen Hoden beschädigt sind und dessen Glied abgeschnitten (eingeschnitten) ist, kann nicht in die Gemeinschaft Gottes (Israels) eintreten.
Das ist eine Behinderung, die einem Menschen keinerlei Rechte nimmt. Er ist in allem gleichgestellt, außer in einem: Er kann nicht heiraten, weil er seine Frau aufgrund seiner Behinderung nicht befriedigen kann, und die Befriedigung der Frau ist ein Teil des Ehelebens, ein Teil des gemeinsamen Lebens. Das ist eine körperliche Verletzung, die der Ehe im Weg steht. Es gibt auch nicht körperliche Verletzungen, von denen die Tora weiter sprechen wird.
לֹא־יָבֹא מַמְזֵר בִּקְהַל יְהוָה גַּם דּוֹר עֲשִׂירִי לֹא־יָבֹא לוֹ בִּקְהַל יְהוָה׃
lo-jawó mamsér bikhál adonáj gam dor assirí lo-jawó lo bikhal adonáj
3 Und auch ein Mamsér hat nicht das Recht, in die Gemeinschaft Gottes (in die Gemeinschaft Israels) einzutreten, selbst zehn Generationen später kann er nicht in die Gemeinschaft Gottes eintreten.
Ein Mamsér hat ebenfalls nicht das Recht, eine Israelitin, eine Jüdin zu heiraten (oder als Frau einen Israeliten zu heiraten). Wer ist ein Mamsér? Ein Mamsér ist ein Kind, das von einer verheirateten Frau und einem Mann geboren wurde, der nicht ihr Ehemann ist, die Frucht des Ehebruchs einer verheirateten Frau, und nur dieser Fall. Wenn eine unverheiratete Frau mit jemandem eine außereheliche Beziehung eingeht und ein Kind zur Welt bringt, dann wird das Kind, das aus einer solchen Verbindung geboren wurde, kein Mamsér sein, obwohl diese Verbindung auch unrechtmäßig ist. Im Talmud gibt es eine besondere Meinung, die besondere Meinung von Rabbi Me'ir, der sagt, dass ein Mamsér ein Mensch ist, der von einem Nichtjuden und einer Jüdin geboren wurde. Diese Meinung bleibt eben eine besondere Meinung, sie wird nicht zum Gesetz. Und nach dem Gesetz, ich wiederhole, ist ein Mamsér die Frucht des Ehebruchs einer verheirateten Frau mit einem fremden Mann.
In der Regel besteht die Lösung dieser Situation darin (denn in Wirklichkeit ist das Kind objektiv nicht schuld daran, aus welcher Verbindung es geboren wurde, es hat nicht entschieden, wie es geboren wird), dass ein Mamsér eine Proselytin heiraten kann, die in die Gemeinschaft Israels eintritt, und zusammen mit ihr eintreten kann, oder eine freigelassene Sklavin heiraten kann. Es gibt juristische Lösungen für diese Situationen, es gibt sie, aber wir werden nicht darauf eingehen.
Heute, da die Richter Israels, die Rabbiner, sich nicht auf der gebührenden geistlichen Stufe sehen, sagen sie: „Wir richten nicht, wir erörtern diese Fragen heute nicht.“ Selbst wenn eine Frau kommt und sagt, bezeugt: „Ich habe dieses Kind infolge eines Ehebruchs geboren, und hier ist der DNA-Test, und hier ist die Heiratsurkunde, hier sind alle Dokumente“, dann wird der Rabbiner sagen: „Na, Dokumente hin, Dokumente her, aber wir glauben dem Zeugnis. Hast du zwei koschere Zeugen dafür, dass du nicht von deinem Mann empfangen hast? Nicht einmal dafür, dass du deinen Mann betrogen hast, sondern dass du nicht von deinem Mann empfangen hast? Du hast keine Zeugen? Na, dann nehmen wir dein Zeugnis nicht an.“ Das ist kein Unwille, nach der Tora zu richten, das ist das Verständnis dessen, dass wir uns auf einer anderen geistlichen Stufe befinden. Wenn zur Zeit der Gabe der Tora Ehebruch ein außergewöhnliches, sozusagen sensationelles Ereignis war, so ist er in unseren Tagen beinahe zum Alltag geworden. Auch das Niveau der Richter hat sich sehr verändert, und deshalb sagen die Lehrer: „Wir sind heute nicht bereit, so zu richten.“ Na, und außerdem hat auch die Barmherzigkeit gegenüber Kindern niemand abgeschafft.
Es gibt noch weitere Bedingungen, die einem Menschen nicht die Möglichkeit geben, mit Israeliten die Ehe einzugehen.
לֹא־יָבֹא עַמּוֹנִי וּמוֹאָבִי בִּקְהַל יְהוָה גַּם דּוֹר עֲשִׂירִי לֹא־יָבֹא לָהֶם בִּקְהַל יְהוָה עַד־עוֹלָם׃
lo-jawó ammoní umo'awí bikhal adonáj gam dor assirí lo-jawó lahém bikhál adonáj ad-olám
4 Und auch die Moawiter und die Ammoniter können nicht in die Versammlung Israels kommen, selbst die zehnte Generation wird nicht in die Gemeinschaft Israels eintreten, auf ewig (für immer) –
Auch in Bezug auf den Mamsér haben wir von zehn Generationen gelesen. Zehn Generationen – das ist natürlich eine furchtbar lange Frist. Wer von uns erinnert sich an seine Vorfahren vor zehn Generationen? Wer von uns kann für die Taten seiner Vorfahren einstehen, die vor zehn Generationen begangen wurden? Ich denke, bei Weitem, bei Weitem nicht alle, kaum überhaupt jemand wird das können. Ich kenne meine Vorfahren bis zu sieben Generationen zurück, das ist auch eine Seltenheit, ich hatte einfach Glück, es hat sich so ergeben, und die meisten Menschen kennen sie bis vier, fünf Generationen zurück. Und hier gilt ein Verbot für zehn Generationen, und außerdem steht am Ende geschrieben: auf ewig. Warum steht denn sowohl zehn Generationen als auch auf ewig geschrieben? Vielleicht werden vierhundert, fünfhundert Jahre seit der Gabe der Tora vergehen, und jemand wird sagen: „Lasst uns diesen Moawitern, diesen Ammonitern vergeben, das ist Vergangenheit; wer an Altes erinnert, dem soll das Auge ausgeschlagen werden, lasst sie uns endlich aufnehmen.“ Die Tora sagt: „Nein, diese Regel gilt ewig.“ Und man muss noch sagen, dass die Ammoniter und Moawiter hier Männer sind. Wir kennen wenigstens eine Frau, eine Moawiterin – Rut, die in die Gemeinschaft Israels eingetreten ist, ein wunderbares Haus in Israel gebaut hat, zur Stammmutter Davids geworden und in den Stammbaum des Maschiach eingegangen ist. Das zeigt, dass man eine Moawiterin in die Gemeinschaft Israels aufnehmen kann. Wofür sind denn die Ammoniter und Moawiter bestraft?
עַל־דְּבַר אֲשֶׁר לֹא־קִדְּמוּ אֶתְכֶם בַּלֶּחֶם וּבַמַּיִם בַּדֶּרֶךְ בְּצֵאתְכֶם מִמִּצְרָיִם וַאֲשֶׁר שָׂכַר עָלֶיךָ אֶת־בִּלְעָם בֶּן־בְּעוֹר מִפְּתוֹר אֲרַם נַהֲרַיִם לְקַלְלֶךָּ׃
al-dewár aschér lo-kiddemú etchém balléchem uwammájim baddérech bezetechém mimmizrájim wa'aschér sachár alécha et-bil'ám ben-be'ór mippetór arám naharájim lekalelékka
5 Dafür, dass sie euch nicht mit Brot und Wasser auf dem Weg empfangen haben, als ihr aus Ägypten auszogt, und dafür, dass sie gegen dich Bil'am ben Be'or aus dem chaldäischen Ptor gedungen haben, um dich zu verfluchen.
וְלֹא־אָבָה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לִשְׁמֹעַ אֶל־בִּלְעָם וַיַּהֲפֹךְ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְּךָ אֶת־הַקְּלָלָה לִבְרָכָה כִּי אֲהֵבְךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ׃
welo-awá adonáj elohécha lischmóa el-bil'ám wajahafóch adonáj elohécha lechá et-hakkelalá liwrachá ki ahewechá adonáj elohécha
6 Doch damals wollte der HERR, dein Gott, nicht auf Bil'am hören, und der HERR, dein Gott, verwandelte für dich den Fluch in Segen, weil der HERR, dein Gott, dich liebt.
לֹא־תִדְרֹשׁ שְׁלֹמָם וְטֹבָתָם כָּל־יָמֶיךָ לְעוֹלָם׃
lo-tidrósch schelomám wetowatám kol-jamécha le'olám
7 Suche nicht Frieden und Wohl mit ihnen alle Tage deines Lebens, auf ewig.
Das heißt: Frag nicht danach, wie es ihnen geht, so kann man es übersetzen. Das ist die Strafe für die Moawiter und Ammoniter. Und weiter lasst uns etwas Interessantes lesen.
לֹא־תְתַעֵב אֲדֹמִי כִּי אָחִיךָ הוּא לֹא־תְתַעֵב מִצְרִי כִּי־גֵר הָיִיתָ בְאַרְצוֹ׃
lo-teta'éw adomí ki achícha hu lo-teta'éw mizrí ki-gér hajíta we'arzó.
8 Verachte nicht die Edomiter, denn er ist dein Bruder; verachte nicht (verschmähe nicht) die Ägypter, denn ein Fremdling warst du in seinem Land.
בָּנִים אֲשֶׁר־יִוָּלְדוּ לָהֶם דּוֹר שְׁלִישִׁי יָבֹא לָהֶם בִּקְהַל יְהוָה׃
baním aschér-jiwwaledú lahém dor schelischí jawó lahém bikhál adonáj
9 Die Söhne, die ihnen geboren werden – die dritte Generation kann schon in die Gesellschaft Israels eintreten.
Seht, was für ein erstaunlicher Unterschied. Die Ägypter warfen jüdische Kinder in den Nil, töteten jüdische Kinder. Die Moawiter und Ammoniter dingten Bil'am, der die Juden geistlich vernichten wollte. Jeschua Maschiach sagte: „Fürchte nicht den, der deinen Leib töten will, fürchte den, der deine Seele töten kann.“ Die Strafe ist größer für die, die versucht haben, das Volk Israel vom Höchsten loszureißen, abzubringen, als für die, die Juden physisch getötet haben. Und die Ägypter nehmen wir schon nach drei Generationen auf, die Moawiter und Ammoniter aber – niemals. So ein Unterschied in der Herangehensweise.
Ab Vers 10 beginnt ein anderes Thema.
כִּי־תֵצֵא מַחֲנֶה עַל־אֹיְבֶיךָ וְנִשְׁמַרְתָּ מִכֹּל דָּבָר רָע׃
ki-tezé machané al-ojewécha wenischmartá mikkól dawár ra
10 Wenn du als Lager gegen deinen Feind ausziehst, hüte dich vor jeder schlechten Sache.
כִּי־יִהְיֶה בְךָ אִישׁ אֲשֶׁר לֹא־יִהְיֶה טָהוֹר מִקְּרֵה־לָיְלָה וְיָצָא אֶל־מִחוּץ לַמַּחֲנֶה לֹא יָבֹא אֶל־תּוֹךְ הַמַּחֲנֶה׃
ki-jihjé wechá isch aschér lo-jihjé tahór mikkere-lájla wejazá el-michúz lammachané lo jawó el-tóch hammachané
11 Wenn in deiner Mitte ein Mensch ist, der wegen eines nächtlichen Vorfalls nicht rein ist, soll er aus dem Lager hinausgehen und nicht in das Lager hineinkommen.
Der nächtliche Vorfall – das ist eine Pollution, ein unwillkürlicher Samenerguss. Das heißt, ein Mensch, der mit ritueller Unreinheit behaftet ist, kann sich nicht im Lager aufhalten. Selbst wenn es keine Stadt ist, sondern eine vorübergehende Behausung unter Feldbedingungen, wo es vielleicht nicht immer die Möglichkeit gibt, sich zu waschen, sich zu reinigen, sich satt zu essen, und man sagen kann: „Im Krieg ist es eben wie im Krieg.“ Der Höchste sagt: „Im Krieg ist es wie im Krieg, aber es gibt eigene Gesetze. Hüte dich, damit du die rituelle Reinheit deines Lagers einhältst. Selbst wenn kein Altar in der Nähe ist und niemand Opfer darbringen wird, halte die Reinheit deines Lagers ein.“
וְהָיָה לִפְנוֹת־עֶרֶב יִרְחַץ בַּמָּיִם וּכְבֹא הַשֶּׁמֶשׁ יָבֹא אֶל־תּוֹךְ הַמַּחֲנֶה׃
wehaja lifnot-érew jircház bammájim uchwó haschémesch jawó el-tóch hammachané
12 Und es wird sein: Gegen Abend soll er sich im Wasser waschen, und wenn die Sonne untergeht, soll er ins Lager zurückkehren.
Der Mensch muss den traditionellen Prozess der Reinigung durchlaufen.
וְיָד תִּהְיֶה לְךָ מִחוּץ לַמַּחֲנֶה וְיָצָאתָ שָׁמָּה חוּץ׃
wejád tihjé lechá michúz lammachané wejazáta schámma chuz
13 Ein eingerichteter Ort soll dir außerhalb des Lagers sein, dorthin sollst du hinausgehen.
Selbst unter Feldbedingungen, wenn wir Gräben ausheben, Zelte aufschlagen und so weiter, sind wir nicht davon befreit, auf die Reinheit unseres Lagers zu achten. Und deshalb müssen wir einen besonderen Ort bestimmen, einen Ort einrichten, wohin die Unreinen hinausgehen werden.
וְיָתֵד תִּהְיֶה לְךָ עַל־אֲזֵנֶךָ וְהָיָה בְּשִׁבְתְּךָ חוּץ וְחָפַרְתָּה בָהּ וְשַׁבְתָּ וְכִסִּיתָ אֶת־צֵאָתֶךָ׃
wejatéd tihjé lechá al-asenécha wehajá beschiwtechá chuz wechafartá wa weschawtá wechissíta et-ze'atécha.
14 Und unter deiner Ausrüstung soll eine kleine Schaufel sein, und es wird sein, wenn du dich draußen hinsetzt (wenn du dein großes Geschäft verrichtest, auf gut Russisch gesagt), sollst du graben und danach zuschütten, deine Ausscheidungen bedecken.
Wiederum: Selbst wenn wir uns unter Feldbedingungen befinden, muss man sowohl die rituelle Reinheit als auch die Hygiene einhalten. Das Lager muss würdig aussehen, denn es ist das Lager des Volkes Gottes.
כִּי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מִתְהַלֵּךְ בְּקֶרֶב מַחֲנֶךָ לְהַצִּילְךָ וְלָתֵת אֹיְבֶיךָ לְפָנֶיךָ וְהָיָה מַחֲנֶיךָ קָדוֹשׁ וְלֹא־יִרְאֶה בְךָ עֶרְוַת דָּבָר וְשָׁב מֵאַחֲרֶיךָ׃
ki adonáj elohecha mithalléch bekérew machanécha lehazzilechá welatét ojewécha lefanécha wehaja machanécha kadósch welo-jir'é wechá erwát dawár wescháw me'acharécha
15 Denn der HERR, dein Gott, geht in deinem Lager umher, um dich zu retten, um dir die Feinde zu geben: Dein Lager soll heilig sein, damit Er nicht deine Blöße sieht (etwas Unreines), damit es den HERRN nicht von dir abwendet.
לֹא־תַסְגִּיר עֶבֶד אֶל־אֲדֹנָיו אֲשֶׁר־יִנָּצֵל אֵלֶיךָ מֵעִם אֲדֹנָיו׃
lo-tasgir éwed el-adonáw ascher-jinnazél elécha me'ím adonáw
16 Liefere den Sklaven nicht seinem Herrn aus, wenn er sich bei dir vor seinem Herrn rettet.
Gemeint ist: Wenn in dein Lager ein Sklave gelaufen ist, wenn zu dir ein entlaufener Sklave gelaufen ist, ein kanaanäischer oder erst recht ein jüdischer Sklave, der von einem nichtjüdischen Herrn geflohen ist, dann gib ihn nicht seinem Herrn zurück: Den, der gekommen ist, um bei dir politisches Asyl oder den Flüchtlingsstatus zu erbitten, bedränge nicht.
עִמְּךָ יֵשֵׁב בְּקִרְבְּךָ בַּמָּקוֹם אֲשֶׁר־יִבְחַר בְּאַחַד שְׁעָרֶיךָ בַּטּוֹב לוֹ לֹא תּוֹנֶנּוּ׃
immechá jeschéw bekirbechá bammakóm ascher-jiwchár be'achád sche'arécha battów lo lo tonénnu
17 Er soll bei dir leben, in deiner Mitte, an dem Ort, den er wählen wird, in einem deiner Tore, dort, wo es ihm gut geht, versklave ihn nicht.
Einen Sklaven, der zu uns geflohen ist, der darum gebeten hat, zu uns kommen zu dürfen, nehmen wir auf, liefern ihn nicht seinem Besitzer aus, lassen ihn frei in unserer Mitte leben und bedrängen ihn nicht.
לֹא־תִהְיֶה קְדֵשָׁה מִבְּנוֹת יִשְׂרָאֵל וְלֹא־יִהְיֶה קָדֵשׁ מִבְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃
lo-tihjé kedeschá mibbenót jisraél welo-jihje kadésch mibbené jisraél
18 Es soll keine kedeschá unter den Töchtern Israels sein, es soll kein kadésch unter den Söhnen Israels sein.
Man muss dieses Wort (kedeschá, kadésch) verstehen. Manche verstehen es als rituelle Tempelprostitution (weibliche und männliche), sozusagen eine wohltätige, zugunsten des Tempels. Bei vielen Tempeln gab es Frauen und Männer, die Dienste sexueller Art gegen Spenden an den Tempel leisteten, und Gott bewahre, dass ein Jude einen solchen Brauch hätte.
Eine andere Lesart dieses Verses: Bei dir soll es keine Prostituierten geben, Mann und Frau, die Dienste für Geld leisten. Wieder hängt das auf gewisse Weise mit dem Feldlager zusammen, denn zu den Kriegern oder mit den Kriegern können sozusagen Kampf-Prostituierte gehen. Das war bei vielen Völkern üblich, und das ist verboten. Aber das weitere Verständnis und, meiner Ansicht nach, das richtigste Verständnis dieses Verses ist das Verbot der männlichen und weiblichen Prostitution im Volk Israel, denn das Land Israel, die Gemeinde Israels muss heilig sein.
לֹא־תָבִיא אֶתְנַן זוֹנָה וּמְחִיר כֶּלֶב בֵּית יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְכָל־נֶדֶר כִּי תוֹעֲבַת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ גַּם־שְׁנֵיהֶם׃
lo-tawí etnán soná umchír kélew bet adonáj elohécha lechol-néder ki to'awát adonáj elohécha gam-schenehém
19 Gib nicht den Lohn einer Hure und den Preis eines Hundes in das Haus des HERRN, deines Gottes, zur Erfüllung irgendeines Gelübdes, denn ein Gräuel für den HERRN, deinen Gott, ist das eine wie das andere.
Wenn eine Hure für ihre Dienste ein Schäfchen, ein Lämmchen, einen jungen Stier, ein Zicklein, einen Ziegenbock erhält, egal, dann kann sie nicht als Opfer darbringen, was durch Sünde erhalten wurde, was auf unreinem Weg erhalten wurde. Sehr oft haben Verbrecher oder irgendwelche Leute, die unehrlich leben und ihr Geld auf einem, gelinde gesagt, nicht sehr gerechten Weg bekommen, so eine Art, so einen Brauch: Spenden für den Tempel, für die Synagoge zu geben, um auf diese Weise ihr Gewissen zu reinigen. Und die Tora sagt hier: „Nein, es ist unmöglich, ein Schäfchen als Opfer darzubringen, das für Hurerei erhalten wurde.“ Man kann das ausweiten und sagen, dass man das auf unreinem Weg Verdiente nicht in das Haus des HERRN bringen darf.
Und was bedeutet der Preis eines Hundes? Der Hund ist ein unreines Tier, und natürlich kann man den Hund selbst nicht in den Tempel bringen. Aber man kann einen Hund verkaufen und das erlöste Geld in den Tempel bringen. Oder für das erlöste Geld ein Lämmchen kaufen und es in den Tempel bringen. Aber wenn die Wurzel unrein ist, wenn an der Wurzel ein unreines Tier steht, dann können wir, selbst wenn wir es gegen ein Schäfchen eingetauscht haben, dieses Schäfchen nicht in den Tempel bringen. Was in den Tempel gebracht wird, muss in seiner Wurzel rein sein, ganz in seinem Anfang. Man kann nicht gleichsam einen Gijur machen, ein unreines Hündchen in ein koscheres Tier verwandeln, auch nicht durch seinen Tausch gegen ein Lämmchen oder ein Schaf. Von außen wird zwar alles rein aussehen, aber in Wirklichkeit ist es ein Gräuel für den HERRN. Sorge dafür, dass das, was du dem HERRN bringst, auf reinem Weg zu dir gekommen ist. Gerade die Nachbarschaft dieses Verses zum vorhergehenden gibt den Kommentatoren ein solches Verständnis, dass es in Vers 18 gerade um Tempelprostitution geht. Was in den Tempel gebracht wird, was dem Höchsten gebracht wird, muss von Anfang an und vollkommen rein sein. Weder Hund noch Hure kann es in dieser Kette geben.
לֹא־תַשִּׁיךְ לְאָחִיךָ נֶשֶׁךְ כֶּסֶף נֶשֶׁךְ אֹכֶל נֶשֶׁךְ כָּל־דָּבָר אֲשֶׁר יִשָּׁךְ׃
lo-taschích le'achícha néschech késsef néschech óchel néschech kol-dawár aschér jischách
20 Gib deinem Bruder nicht auf Zins, mit Wucher: Geld mit Wucher, Speise mit Wucher – alles, was man auf Zins geben kann.
Es ist verboten, dem Nächsten, dem Bruder Geld, Essen gegen Zinsen, auf Zins zu geben. Wenn ich jemandem fünfzig Schekel gebe und sage, er soll zweiundfünfzig Schekel zurückgeben, dann entsteht ein Problem – das ist Sünde; genauso, wenn ich jemandem eine Packung Würstchen gebe und sage: Du gibst zwei zurück, – das ist Sünde; was es auch sei, mir ist verboten, so zu handeln.
Es gibt noch einen anderen Aspekt, er heißt awák ribít (Staub der Zinsen). Wenn ich einem Menschen Geld für eine gewisse Frist geliehen habe, sagen wir, für ein Jahr, dann kann ich ihn im Laufe dieses Jahres anrufen und sagen: „Hör mal, fahr mich bitte dahin und dahin; schlag mir bitte ein Regalbrett an; geh bitte für mich auf den Markt.“ Dadurch, dass ich diesem Menschen Geld gegeben habe, dass er mir etwas schuldet, nehme ich auf unsichtbare Weise Zinsen für mein Geld. Auch das ist verboten. Selbst wenn ich erwarte, dass dieser Mensch mir bei einer Begegnung länger die Hand schüttelt, mich höflicher ansieht und mehr lächelt, suche ich damit Zinsen – das ist verboten. Wenn du schon Geld gibst, dann erwarte nicht, dass du dafür etwas bekommst.
לַנָּכְרִי תַשִּׁיךְ וּלְאָחִיךָ לֹא תַשִּׁיךְ לְמַעַן יְבָרֶכְךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּכֹל מִשְׁלַח יָדֶךָ עַל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־אַתָּה בָא־שָׁמָּה לְרִשְׁתָּהּ׃
lannochrí taschích ul'achícha lo taschích lemá'an jewarechechá adonáj elohécha bechól mischlách jadécha al-ha'árez ascher-attá wa-schámma lerischtá
21 Dem Ausländer gib auf Zins, deinem Nächsten aber gib nicht auf Zins, damit dich der HERR, dein Gott, in jeder deiner beruflichen Tätigkeiten segnet in dem Land, das du gekommen bist zu erben.
Mischlách jad – das ist der Beruf, berufliches Handeln, Geschäft. Natürlich kann ein Mensch Zweifel haben. Gut, wenn ich zehn Schekel oder zwanzig Schekel gebe, fällt das nicht ins Gewicht. Und wenn ich plötzlich, sagen wir, eine Million gebe (wenn ich sie hätte), kann ich überlegen: „Also, ich gebe sie ihm jetzt für ein Jahr, in dieser Zeit hätte ich verdienen können. So aber wird er sie in Umlauf bringen, und er wird Geld verdienen. Warum soll er mit meinem Geld verdienen? Und warum soll ich diesen Verdienst verlieren?“ Mit dem Geld, das mir geblieben ist, mit dem Besitz, der mir geblieben ist, bekomme ich statt der Zinsen, die ich hätte verdienen können, einen Bonus – den Segen des Höchsten. Ich glaube, dass der Höchste mich mehr segnen wird, als ich daran verdient hätte. Mein Verhältnis zum Nächsten ist in allen Aspekten immer mein Stehen vor dem Höchsten, angefangen beim Einfachsten. Wenn ich meine Kinder Respekt vor dem Vater lehre, dann lehre ich es nicht für mich, nicht ich brauche Respekt, es ist der Höchste, der will, dass sie mich respektieren und ehren: Als ein Gebot Gottes unterweise ich sie darin. Und genau dasselbe auch hier, mit dem geliehenen Geld, dasselbe liebe deinen Nächsten wie dich selbst vor dem Höchsten, um des Höchsten willen liebe und von Ihm erwarte den Segen. Alle gegenseitigen Abrechnungen – mit dem Höchsten, nicht mit dem Nächsten.
כִּי־תִדֹּר נֶדֶר לַיהוָה אֱלֹהֶיךָ לֹא תְאַחֵר לְשַׁלְּמוֹ כִּי־דָּרֹשׁ יִדְרְשֶׁנּוּ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מֵעִמָּךְ וְהָיָה בְךָ חֵטְא׃
ki-tiddór néder ladonáj elohécha lo te'achér leschallemó ki-darósch jidreschénnu adonáj elohécha me'immách wehajá wechá chet
22 Wenn du dem HERRN, deinem Gott, einen Schwur (ein Gelübde) ablegst, zögere nicht mit der Erfüllung dieses Gelübdes, denn fordernd wird der HERR, dein Gott, es von dir einfordern, und es wird Sünde auf dir sein.
Wenn du dem Höchsten etwas versprochen hast, tu es für den Höchsten, damit keine Sünde auf dir ist.
וְכִי תֶחְדַּל לִנְדֹּר לֹא־יִהְיֶה בְךָ חֵטְא׃
wechí techdál lindór lo-jihjé wechá chet
23 Wenn du aber kein Gelübde ablegst, wird auch keine Sünde auf dir sein.
Strebe nicht danach, dem Höchsten Gelübde abzulegen. Wir wissen nicht immer, was wir real tun können und was nicht, deshalb ist es besser, keine Gelübde abzulegen, darin wird keine Sünde sein. Das ist der beste Weg, die Beziehung zum Höchsten zu gestalten.
מוֹצָא שְׂפָתֶיךָ תִּשְׁמֹר וְעָשִׂיתָ כַּאֲשֶׁר נָדַרְתָּ לַיהוָה אֱלֹהֶיךָ נְדָבָה אֲשֶׁר דִּבַּרְתָּ בְּפִיךָ׃
mozá sefatécha tischmór we'assíta ka'aschér nadárta ladonáj elohecha nedawá aschér dibbárta befícha
24 Bewahre, was aus deinem Mund gekommen ist, steh für deine Worte ein und tu so, wie du dem HERRN, deinem Gott, geschworen hast, ein freiwilliges Opfer, das du mit deinem Mund versprochen hast.
Das heißt, was ich versprochen habe, ist eine freiwillige Sache; mich hat, wie man so sagt, niemand an der Zunge gezogen. Ich habe es selbst so entschieden, und wenn ich es schon entschieden habe, bin ich verpflichtet, es vor dem Höchsten zu erfüllen.
כִּי תָבֹא בְּכֶרֶם רֵעֶךָ וְאָכַלְתָּ עֲנָבִים כְּנַפְשְׁךָ שָׂבְעֶךָ וְאֶל־כֶּלְיְךָ לֹא תִתֵּן׃
ki tawó bechérem re'écha we'achaltá anawím kenafschechá sow'écha we'el-keljechá lo tittén
25 Wenn du in den Weinberg deines Bruders kommst, iss Trauben, so viel deine Seele begehrt, bis du satt bist, aber in deine Gefäße lege nichts.
Das bedeutet: Iss, so viel du willst, aber überiss dich nicht. So viel du brauchst, um satt zu werden, so viel iss auch. Es geht um die Zeit der Weinlese. Du bist in den Weinberg gekommen, du arbeitest im Weinberg bei deinem Nächsten als Lohnarbeiter, und du kannst von seinen Trauben essen, so viel du willst, ohne sie in deine Gefäße zu legen. Auf dem Feld, im Weinberg iss, so viel du willst. Man darf einem Arbeiter nicht verbieten, dort zu essen, wo er arbeitet. Wenn ihr Tomaten sortiert, sie auf Kisten verteilt, esst Tomaten, so viel ihr wollt. Wenn ihr Schawarma bratet, esst es, so viel ihr wollt. Dort, wo ihr arbeitet, darf man essen – man darf nichts nach Hause mitnehmen, man darf nichts als Vorrat mitnehmen. Und das gilt für den Fall, dass wir zur Weinlese gekommen sind, weil von den eigenen Gefäßen die Rede ist, und folglich gibt es die Gefäße des Besitzers. Wenn wir dorthin gekommen sind, um umzugraben oder noch etwas Ähnliches zu tun, zum Beispiel dort einen kleinen Zaun zu bauen, dann gilt das für uns nicht: Wir arbeiten nicht bei der Weinlese.
כִּי תָבֹא בְּקָמַת רֵעֶךָ וְקָטַפְתָּ מְלִילֹת בְּיָדֶךָ וְחֶרְמֵשׁ לֹא תָנִיף עַל קָמַתרֵעֶךָ׃
ki tawó bekamát re'écha wekataftá melilót bejadécha wechermésch lo taníf al kamát re'écha
26 Wenn du durch das Kornfeld deines Nächsten gehst, so darfst du mit deinen Händen Ähren abreißen, aber die Sichel erhebe nicht über das Feld deines Nächsten.
Verwende keine Maschinen zum Sammeln der Ähren, hab Gewissen. Was du für dich sammelst, das tu mit den Händen, man muss diesen Vorgang nicht mechanisieren. Weder mit deinen Körben soll man kommen noch mit deinem Mähdrescher anfahren: Was du mit den Händen tun kannst, das tu auch. Andererseits bezieht sich das natürlich auch auf den Besitzer des Feldes, der verstehen muss, dass seine Arbeiter bei ihm essen werden, man kann ihnen das unmöglich nehmen. Das ist noch ein Gesetz der Moral und der Ethik.
Hier endet das 23. Kapitel, und wir lesen noch ein wenig weiter aus dem 24. Kapitel.
כִּי־יִקַּח אִישׁ אִשָּׁה וּבְעָלָהּ וְהָיָה אִם־לֹא תִמְצָא־חֵן בְּעֵינָיו כִּי־מָצָא בָהּ עֶרְוַת דָּבָר וְכָתַב לָהּ סֵפֶר כְּרִיתֻת וְנָתַן בְּיָדָהּ וְשִׁלְּחָהּ מִבֵּיתוֹ׃
ki-jikkách isch ischá uw'alá wehajá im-ló timza-chén be'enáw ki-máza wa erwát dawár wechátaw la séfer keritút wenatán bejadá weschillechá mibbetó
1 Wenn ein Mann eine Frau nimmt und zu ihr eingeht, und es wird sein: Wenn sie keine Gnade in seinen Augen findet, weil er an ihr etwas Unreines gefunden hat, so schreibt er ihr einen Scheidebrief (Get) und gibt ihn ihr in die Hand und schickt sie aus seinem Haus weg.
In diesem Vers, in diesem Anfang der Geschichte, gibt es schon viele für uns wichtige Elemente. Vor allem der Grund für die Scheidung: er hat an ihr etwas Unreines gefunden. Und darüber gibt es einen Streit der Weisen, an dem auch Jeschua Maschiach teilgenommen hat. Es gibt drei Hauptmeinungen: Das Haus Schammajs (Bejt-Schammaj), eines der führenden Lehrer Israels, sagt: Nur Ehebruch kann ein Grund für die Scheidung sein, nur wenn der Mann an der Frau die Schande des Ehebruchs entdeckt hat. Das Haus Hillels (Bejt-Hillel), der vierzig Jahre lang das Haupt des Sanhedrin war, sagt: „Selbst wenn ihr das Essen angebrannt ist, ist das schon ein Grund zu sagen: Du hast zwei linke Hände, ich gehe von dir weg (das heißt, nicht ich gehe von dir weg, sondern du geh von mir weg).“ Manche versuchen, diese Position abzumildern, und sagen, dass das für den Fall gilt, wenn die Frau das Angebrannte ausgewählt und dem Mann vorgelegt und sich selbst das nicht Angebrannte genommen hat, das heißt, das ist ein Ausdruck von Respektlosigkeit. Aber das ist so ein rechtfertigender, apologetischer Kommentar. In Wirklichkeit ist die Position Hillels so: Aus jedem beliebigen Grund – ob das Hemd nicht gestärkt oder einfach nicht gewaschen ist, ob die Zimmerdecke nicht geweißt ist – kann man sich von der Frau scheiden lassen. Es gibt auch die dritte, besondere Meinung Rabbi Akiwas, der sagt: „Selbst wenn er eine andere gefunden hat, schöner als sie.“ Das heißt, die Frau hat hier überhaupt nichts damit zu tun, sie hat keinen Mangel, aber der Mann hat eine andere gefunden, und man darf sich scheiden lassen. Solche Positionen gab es.
Man muss sagen, dass ein Mann, wenn er eine Frau wegschickt, ihr Geld gemäß der Ketubba (dem Ehevertrag) gibt, das heißt, sie geht nicht mit leeren Händen hinaus, irgendeinen sozialen Schutz erhält sie. Außerdem steht hier geschrieben: er gab ihr den Scheidebrief in die Hand. Das heißt, die Frau muss einwilligen, diesen Get anzunehmen, man muss sich mit ihr einigen, und wegschicken kann man sie nur unter irgendwelchen Bedingungen beiderseitiger Zustimmung. Genauso wie ein Mann eine Frau mit Zustimmung nimmt, kann er sie auch nur mit Zustimmung wegschicken. Das ist der Grund dafür, dass es in Israel viele solche Situationen gibt, in denen ein Mann oder eine Frau den Scheidungsprozess in die Länge ziehen, weil sie sich weigern, den Scheidebrief zu geben oder anzunehmen. Jeschua Maschiach hat sich dazu völlig eindeutig geäußert: Nur Ehebruch kann ein Grund für die Scheidung sein.
Also, der Mann hat irgendeinen Grund gefunden, seine Frau wegzuschicken.
וְיָצְאָה מִבֵּיתוֹ וְהָלְכָה וְהָיְתָה לְאִישׁ־אַחֵר׃
wejaze'á mibbetó wehalechá wehajtá le'isch-achérDie russische Umschrift dieses Verses wiederholt nach den ersten Wörtern versehentlich das Ende von Vers 1. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text von Vers 2.
2 Sie wird aus seinem Haus hinausgehen, und sie wird gehen und einen anderen heiraten.
Hier stoßen wir auf einen Widerspruch. Jeschua Maschiach hat gesagt, dass derjenige, der eine Geschiedene heiratet, Ehebruch begeht. Diesen Satz kann man unterschiedlich verstehen. Da hier die Heirat mit einer Geschiedenen nicht als Sünde bezeichnet, in keiner Weise verurteilt wird, müssen wir vielleicht ein etwas anderes Verständnis von Jeschuas Satz suchen. Und eines der möglichen Verständnisse ist folgendes: Der Maschiach spricht von dem Fall, wenn ein Mann zu einer Frau sagt: „Angelina, du bist mit Pankrat verheiratet, deshalb bist du für mich verboten, ich kann nicht mit dir zusammen sein. Lass dich von deinem Pankrat scheiden, und ich heirate dich.“ In diesem Fall begeht derjenige, der eine Geschiedene heiratet, Ehebruch. Das ist eines der möglichen Verständnisse des Textes. Es lässt sich mit gewissen talmudischen Auffassungen, mit anderen Kommentaren verbinden. Dennoch ist es nur eines der möglichen Verständnisse. Sehr oft hört man, wie Kommentatoren oder diejenigen, die eine Offenbarung empfangen haben, sagen: „Das hier ist das einzig richtige Verständnis.“ Wir können nicht immer wissen, welches Verständnis das einzig richtige ist, selbst wenn es durch irgendeine Tradition bestätigt wird, durch das, was man uns gelehrt hat. Deshalb ist es immer besser, Raum für andere Auslegungen zu lassen und bereit zu sein, eine Auslegung anzunehmen, die uns anzunehmen schwerfällt. Natürlich gibt es in verschiedenen Kirchen verschiedene Bräuche. Ich werde keinen der Bräuche verurteilen, ja ich werde über die Bräuche anderer Gemeinden nicht einmal Betrachtungen anstellen. Jede Gemeinde legt ihre eigenen Kriterien der Gerechtigkeit fest.
Hier beschreibt die Tora die Situation, dass eine Frau einen anderen Mann geheiratet hat, ohne in irgendeiner Weise zu erwähnen, dass das eine Sünde für ihn oder für sie ist.
וּשְׂנֵאָהּ הָאִישׁ הָאַחֲרוֹן וְכָתַב לָהּ סֵפֶר כְּרִיתֻת וְנָתַן בְּיָדָהּ וְשִׁלְּחָהּ מִבֵּיתוֹ אוֹ כִי יָמוּת הָאִישׁ הָאַחֲרוֹן אֲשֶׁר־לְקָחָהּ לוֹ לְאִשָּׁה׃
usne'á ha'ísch ha'acharón wechátaw la séfer keritút wenatán bejadá weschillechá mibbetó o chi jamút ha'isch ha'acharón ascher-lekachá lo le'ischa
3 Und dieser letzte Mann hat sie ebenfalls gehasst und ihr ebenfalls einen Scheidebrief geschrieben und ihn ihr in die Hand gegeben und sie aus dem Haus weggeschickt, oder dieser letzte Mann, der sie sich zur Frau genommen hat, stirbt,
לֹא־יוּכַל בַּעְלָהּ הָרִאשׁוֹן אֲשֶׁר־שִׁלְּחָהּ לָשׁוּב לְקַחְתָּהּ לִהְיוֹת לוֹ לְאִשָּׁה אַחֲרֵי אֲשֶׁר הֻטַּמָּאָה כִּי־תוֹעֵבָה הִוא לִפְנֵי יְהוָה וְלֹא תַחֲטִיא אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לְךָ נַחֲלָה׃
lo-juchál ba'lá harischón ascher-schillechá laschúw lekachtá lihjot lo le'ischá acharé aschér huttammá'a ki-to'ewá hi lifné adonáj weló tachatí et-ha'árez aschér adonáj elohecha notén lechá nachalá
4 Dann kann der erste Mann, der sich von ihr geschieden hat, sie nicht wieder zur Frau nehmen, nachdem sie sich gleichsam durch einen anderen Mann verunreinigt hat, denn das ist ein Gräuel vor dem HERRN; mache das Land, das der HERR, dein Gott, dir zum Erbe gibt, nicht zur Sünderin.
Also: Wenn ein Mann sich von seiner Frau geschieden hat, ihr einen Get gegeben hat und sie auseinandergegangen sind, kann er sie nach Jahren zurückholen. Aber er kann sie nicht zurückholen, wenn sie einen anderen geheiratet und sich mit einem anderen verunreinigt hat. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass, wenn es eine solche Möglichkeit gäbe, der Schatten des zweiten Mannes unsichtbar ständig zwischen den Eheleuten anwesend wäre, in ihrem Leben und auf ihrem Lager. Davor schützt die Tora, das wäre eine unreine Ehe. Interessant ist, dass der Islam, der sehr oft irgendwelche zufällig gehörten jüdischen Gesetze entstellt und verdreht, in diesem Fall das Gegenteil sagt: dass eine Frau nur dann zu ihrem Mann zurückkehren kann, wenn sie mit jemand anderem verheiratet gewesen ist. Das hat in der Geschichte des Islam sehr viele gesetzliche Kuriositäten hervorgebracht. Und wenn man sich damit befasst, beginnt man wirklich zu verstehen, was für ein Gräuel das ist, wenn eine Frau, nachdem sie mit einem anderen verheiratet war, zu ihrem Mann zurückkehrt. Eine Scheidung wird heute in Israel nicht einfach so gegeben, und man versucht, die Familie zu versöhnen. Jeder der Ehepartner kann um schlom-bajt bitten, ein Verfahren zur Wiederherstellung des Friedens in der Familie, es werden betreuende Familien bestimmt und so weiter. Im Allgemeinen kann sich das als ein komplizierter, langer Prozess erweisen, und es ist gar nicht so einfach, sich scheiden zu lassen. Die Familie ist ein Wert für das Volk Israel, und natürlich ist sie in den Augen des Höchsten ein Wert, deshalb darf man sie nicht einfach so zerstören. Die Institution der Ehe ist für die Tora sehr wichtig. Es gibt eine Geschichte, die davon erzählt, dass wegen der Zerstörung gerade der Institution der Familie, deswegen, weil die Haltung zur Familie, genauer gesagt die Haltung zur Ehefrau, geringschätzig geworden war, deswegen der Tempel zerstört wurde.
Eine talmudische Geschichte erzählt von einem Zimmermann und seinem Lehrling, ich habe sie im Buch Schemot angeführt, aber ich wiederhole sie hier. Es war einmal ein Zimmermann, der einen Lehrling hatte, vielleicht einen guten und gütigen Lehrling. Und dieser Zimmermann hatte eine wunderschöne Frau. Und der Lehrling wollte heimlich diese Frau für sich gewinnen, wollte sie, kann man sagen, dem Zimmermann ausspannen. Die Zeit kam, und der Zimmermann geriet in Geldnot. Der Lehrling schlug vor: „Lass mich dir das Geld leihen, das du brauchst. Schick morgen Abend deine Frau zu mir, um das Geld zu holen, ich gebe ihr dieses Geld.“ Und der Zimmermann schickte die Frau zu ihm, um das Geld abzuholen, und unterdessen sperrte der Lehrling sie bei sich ein. Nachdem er eine Weile gewartet hatte, kam der Zimmermann selbst zum Lehrling und fragte: „Hast du nicht meine Frau gesehen? Ich habe sie zu dir geschickt.“ Worauf der Lehrling sagte: „Ich habe ihr das Geld gegeben, ich habe sie gehen lassen und habe gesehen, dass irgendwelche Burschen sie vergewaltigt haben.“ Stellt euch das einfach vor, haltet inne und stellt euch dieses Bild vor: Der Lehrling sieht, dass irgendwelche Burschen die Frau seines Lehrers belästigen, ihr nachstellen, einfach einem Mädchen, und er hat einfach so geschwiegen, und das ist ganz normal. Und der Zimmermann fragte den Lehrling: „Was soll ich jetzt mit dieser Frau machen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden ist?“ Der Lehrling sagte: „Jag sie fort!“ Der Zimmermann wandte darauf ein: „Wie soll ich sie fortjagen? Ich habe laut der Ketubba eine sehr große finanzielle Verpflichtung. Als ich sie zur Frau genommen habe, habe ich versprochen, dass ich ihr, wenn ich sie wegschicke, viel Geld geben muss.“ Worauf der Lehrling sagte: „Ich leihe dir mit Vergnügen auch diese Summe.“ Und der Lehrling lieh dem Zimmermann noch mehr Geld, damit der Zimmermann sich von seiner Frau scheiden ließ, und diese Frau, diese arme Frau, hatte nirgendwohin zu gehen, und sie heiratete den Lehrling. Es verging Zeit, und der Lehrling sagte: „Ich habe dir Geld über deine Frau gegeben, ich habe dir Geld für die Ketubba gegeben. Wo ist das Geld?“ Der Zimmermann hatte kein Geld. Da sagte der Lehrling: „Na, dann komm und diene mir, du wirst mich bedienen.“ Und der Zimmermann begann, den Lehrling zu bedienen, der mit seiner Frau verheiratet war, er reichte ihnen Tee, ein Handtuch, ich weiß nicht, was noch, und weinte. Und es heißt, dass mit diesen Tränen das Urteil über die Zerstörung des Tempels unterschrieben wurde.
Die Institution der Familie ist eine sehr wichtige Institution. Und die Scheidung, das ist nicht einfach so, und eine Geschiedene zu heiraten, das ist nicht einfach so, und die Ehe im Ganzen, das ist nicht einfach so. Auf jeder Etappe muss man nachdenken und vor dem Höchsten Verantwortung übernehmen. Und bevor man etwas entscheidet, bevor man jemandem etwas verbietet, muss man ebenfalls vor dem Höchsten Verantwortung übernehmen. Wenn wir eine Ehe zerstören, die der Höchste segnet, wenn wir jemandem verbieten, eine Beziehung einzugehen, die der Höchste segnet, können wir in eine nicht sehr gute Lage geraten. Deshalb ist es wichtig, viel zu beten, viel nachzudenken, bevor man eine Entscheidung trifft. Es ist wichtig, sich zu bemühen, die Familie zu bewahren, sich zu bemühen, die Beziehung zu bewahren, aber auch die Würde zu bewahren. Und es gibt eine ganze Reihe verschiedener schwieriger Fragen, die sich dahinter verbergen.
כִּי־יִקַּח אִישׁ אִשָּׁה חֲדָשָׁה לֹא יֵצֵא בַּצָּבָא וְלֹא־יַעֲבֹר עָלָיו לְכָל־דָּבָר נָקִי יִהְיֶה לְבֵיתוֹ שָׁנָה אֶחָת וְשִׂמַּח אֶת־אִשְׁתּוֹ אֲשֶׁר־לָקָח׃
ki-jikkách isch ischá chadaschá lo jezé bazzawá welo-ja'awór aláw lechol-dawár nakí jihjé lewetó schaná echát wessimmách et-ischtó ascher-lakách
5 Wenn ein Mann eine neue Frau nimmt, dann soll er nicht in die Armee ausziehen, und nichts soll ihm auferlegt werden: rein soll er für das Haus sein (ausschließlich seinem Haus soll er sich widmen) im ersten Jahr und soll die Frau erfreuen, die er genommen hat.
Das erste Jahr des Familienlebens widmet ein Mensch nicht dem Geschäft, widmet es nicht dem Krieg, geht nirgendwohin hinaus, beschäftigt sich mit nichts, sondern bereitet seiner Frau nur positive Emotionen, gewöhnt seine Frau daran, von ihm positive Emotionen zu bekommen. Er muss seine Frau fröhlich machen und alles tun, damit die Frau froh ist. Man kann irgendwelche Pläne schmieden, irgendwelche Ideen ausbrüten, aber man muss daran denken, dass die Frau ein emotionales Wesen ist. Die Frau ist emotional, und sie ist gefühlvoller, deshalb muss man ihr gute Gefühle schenken. Ein ganzes Jahr muss der Mann seine Frau nur erfreuen. So wird eine Familie aufgebaut. Das ist keine Anweisung von Psychologen, das ist eine Anweisung des Höchsten.
Was sagen die heutigen Lehrer? Selbst wenn irgendeine Cousine zweiten Grades aus der fernen Stadt Zfat oder aus Armawir oder aus Syktywkar zu Besuch kommen will, muss man sagen: „Nein, wir sind hier zu zweit, ich mache hier meine Frau fröhlich, du hast hier keinen Platz.“ Und die Verwandten bemühen sich, bei den Jungvermählten im ersten Jahr ihres Lebens nicht einmal zu übernachten, um diese im Aufbau befindliche Grundlage der Familie nicht zu zerstören, diese emotionale Einheit, wenn der Mann die Frau fröhlich macht. Natürlich kommt alles Mögliche vor. Es kommt vor, dass man bei den Eltern wohnen muss, und es kann verschiedene Umstände geben, aber das ist es, was die Tora sagt: Das erste Jahr ist der Mann ganz und gar der Frau gewidmet, er muss sie fröhlich machen. Aber auch sie muss natürlich darauf konzentriert sein, sich an dem zu freuen, womit ihr Mann sie fröhlich macht.
לֹא־יַחֲבֹל רֵחַיִם וָרָכֶב כִּי־נֶפֶשׁ הוּא חֹבֵל׃
lo-jachawól rechájim waráchew ki-néfesch hu chowél
6 Ein Mensch soll nicht den oberen oder den unteren Mühlstein von der Mühle zum Pfand nehmen, denn er nimmt gleichsam das Leben selbst zum Pfand (denn das ist der Lebensunterhalt des Menschen).
Wenn es einen Menschen gibt, der uns irgendwelches Geld schuldet, und wir dieses Geld zurückbekommen wollen, wir uns selbst, unser Eigentum schützen wollen, dann können wir dem Menschen nicht seinen Lebensunterhalt wegnehmen. Obwohl wir das Recht haben, uns zu schützen, unser Geld zurückzubekommen, sind unsere Rechte begrenzt durch die Achtung vor dem Menschen, der uns schuldet, und vor seinem Recht auf Lebensunterhalt. Wir können nicht die Werkzeuge zum Pfand nehmen, mit denen er sich seinen Lebensunterhalt verdient.
Die jüdische „obliko morale“
Dewarim 24,7–25,19
Mit Gottes Hilfe setzen wir mit euch das Studium des Wochenabschnitts Ki Teze fort und werden ab Vers 7 von Kapitel 24 unseres Buches Dewarim lesen.
כִּי־יִמָּצֵא אִישׁ גֹּנֵב נֶפֶשׁ מֵאֶחָיו מִבְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְהִתְעַמֶּר־בּוֹ וּמְכָרוֹ וּמֵת הַגַּנָּב הַהוּא וּבִעַרְתָּ הָרָע מִקִּרְבֶּךָ׃
ki-jimmazé isch gonéw néfesch me'echáw mibbené jisraél wehit'ammer-bó umcharó umét haggannáw hahú uwi'artá hará mikkirbécha
7 Wenn sich ein Mensch findet, der eine Seele gestohlen hat (einen anderen Menschen gestohlen hat) aus seinen Brüdern, aus den Söhnen Israels, und ihn misshandelt hat, und ihn verkauft (ihn zum Sklaven macht), soll dieser Dieb getötet werden; vertilge (brenne aus) das Böse aus deiner Mitte.
Im Großen und Ganzen ein ziemlich verständliches Gebot. Es ist unmöglich, einen freien Juden, jemanden, dem der Höchste die Freiheit gegeben hat, mithilfe von Diebstahl in einen Sklaven zu verwandeln, das ist Verrat gegenüber den eigenen Brüdern.
הִשָּׁמֶר בְּנֶגַע־הַצָּרַעַת לִשְׁמֹר מְאֹד וְלַעֲשׂוֹת כְּכֹל אֲשֶׁר־יוֹרוּ אֶתְכֶם הַכֹּהֲנִים הַלְוִיִּם כַּאֲשֶׁר צִוִּיתִם תִּשְׁמְרוּ לַעֲשׂוֹת׃
hischamér benega-hazzara'át lischmór me'ód wela'asót kechól ascher-jorú etchem hakkohaním halwijím ka'aschér ziwwitím tischmerú la'asót
8 Hüte dich in Bezug auf den Befall mit Zara'at (Aussatz), dass du sehr genau darauf achtest und alles tust, wie euch die Kohanim und Leviten anweisen werden; wie ihnen geboten ist, so haltet es.
Ein Mensch, der von Zara'at befallen ist, ein Mensch, der sich vor Zara'at in Acht nimmt, muss die Sicherheitsvorschriften einhalten (so kann man es sagen), die Anweisungen der Kohanim und Leviten hören, um nicht unter dieser Krankheit zu leiden. Und so etwas geschieht auch den gerechtesten und würdigsten Menschen.
זָכוֹר אֵת אֲשֶׁר־עָשָׂה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְמִרְיָם בַּדֶּרֶךְ בְּצֵאתְכֶם מִמִּצְרָיִם׃
sachór et ascher-assá adonáj elohécha lemirjám baddérech bezetechém mimmizrájim
9 Gedenke, was der HERR, dein Gott, Mirjam auf dem Weg eures Auszugs aus Ägypten getan hat.
Mirjam wurde mit Aussatz geschlagen, nachdem sie Mosche kritisiert hatte (offenbar zu Unrecht).
In Vers 10 geht es schon um ein anderes Thema.
כִּי־תַשֶּׁה בְרֵעֲךָ מַשַּׁאת מְאוּמָה לֹא־תָבֹא אֶל־בֵּיתוֹ לַעֲבֹט עֲבֹטוֹ׃
ki-tasché were'achá maschát me'úma lo-tawó el-betó la'awót awotó
10 Wenn du gegenüber deinem Nächsten irgendeine Schuldforderung hast, geh nicht in sein Haus hinein, um von ihm ein Pfand für seine Schuld zu nehmen.
Du hast deinem Nächsten irgendeine Summe geliehen, und er gibt sie dir nicht zurück, kann sie nicht zurückgeben, stülpt die Taschen um und sagt: „Na, ich hab nichts, ich kann es dir nicht zurückgeben.“ Man darf nicht ins Haus gehen und sagen: „Abram, jetzt suche ich bei dir nach etwas, das ich dir als Pfand wegnehme, damit du mir die Schuld zurückzahlst.“ Das ist eine Schande für den Menschen, eine Schande auch vor seiner Familie und möglicherweise ein Trauma für seine Kinder, wenn irgendein fremder Mensch ins Haus kommt und etwas wegnimmt. Und selbst wenn der Mensch dir etwas schuldet, und selbst wenn er es nicht zurückgeben kann, sagt Jeschua (Ev. Lukas 6,30): „… von dem, der dir das Deine genommen hat, fordere es nicht zurück.“ Hier legt die Tora die Latte niedriger: „Nur geh nicht zu ihm ins Haus, achte ihn.“
בַּחוּץ תַּעֲמֹד וְהָאִישׁ אֲשֶׁר אַתָּה נֹשֶׁה בוֹ יוֹצִיא אֵלֶיךָ אֶת־הַעֲבוֹט הַחוּצָה׃
bachúz ta'amód weha'ísch aschér attá nosché wo jozí elécha et-ha'awót hachúza
11 Bleib draußen stehen, und der Mensch, gegen den du eine Schuldforderung hast, wird dir das, was er als Pfand gibt, nach draußen herausbringen.
וְאִם־אִישׁ עָנִי הוּא לֹא תִשְׁכַּב בַּעֲבֹטוֹ׃
we'im-ísch aní hu lo tischkáw ba'awotó
12 Wenn es aber ein armer Mensch ist, leg dich nicht mit seinem Pfand schlafen (gib es ihm am Abend zurück).
Ein armer Mensch hat sehr wenig Besitz, vielleicht nur Kleidung. Was soll man ihm nehmen – einen Mantel, eine Decke, einen Schlafsack? Wenn du das trotzdem genommen hast, gib es ihm am Abend zurück.
הָשֵׁב תָּשִׁיב לוֹ אֶת־הַעֲבוֹט כְּבֹא הַשֶּׁמֶשׁ וְשָׁכַב בְּשַׂלְמָתוֹ וּבֵרֲכֶךָּ וּלְךָ תִּהְיֶה צְדָקָה לִפְנֵי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ׃
haschéw taschíw lo et-ha'awót kewó haschémesch weschacháw bessalmató uwerechékka ulchá tihjé zedaká lifné adonáj elohécha
13 Gib ihm das Pfand zurück, wenn die Sonne untergeht, und er soll in seiner Kleidung schlafen, und er wird dich segnen, und es wird dir zur Gerechtigkeit sein vor dem HERRN, deinem Gott.
Wenn du einen Schlafanzug, ein Nachthemd als Pfand genommen hast, irgendetwas Unterzeug, in dem der Mensch schläft, dann gib es ihm am Abend zurück, soll er ruhig schlafen. Und mach dir keine Sorgen darüber, dass er dir auf diese Weise ewig seine Schuld abzahlen wird. Wenn du dem Menschen, der dir etwas schuldet, mit Achtung begegnest, wird er dich segnen, und das wird dir als Gerechtigkeit vor dem Höchsten angerechnet. Man kann gut für die Finanzen beten – es ist gut, wenn ich bete, dass ich Geld habe. Noch besser ist es, wenn andere von ganzem Herzen beten, dass Gott mich segnet, dass ich Finanzen habe, dass ich Gesundheit habe. Mach es so, dass deine Gesundheit, deine Finanzen nicht nur von dir gebraucht werden, sondern auch, dass jemand anderes will, dass dein Reichtum, deine Gesundheit, deine Redegewandtheit, deine Finanzen noch von jemandem gebraucht werden.
Wenn man das heute liest, könnte man denken: Na, was ist schon Kleidung? Warum hat ein Mensch nur ein einziges Gewand? Wir sehen bei römischen Sklaven und bei griechischen Sklaven Kleidung, die nur eine Schulter bedeckt. Warum so? Was ist daran praktisch? Dass der Mensch auf der zweiten Schulter Dinge schleppen kann, die die Kleidung nicht beschädigen, das heißt, die Haut des Menschen war billiger als seine Kleidung. Wenn man einen Balken oder einen Krug schleppen muss, muss man ihn auf die Schulter stellen, auf der kein Mantel ist. Das sagt ein wenig über den Preis der Kleidung, darüber, wie behutsam man mit Kleidung umging.
לֹא־תַעֲשֹׁק שָׂכִיר עָנִי וְאֶבְיוֹן מֵאַחֶיךָ אוֹ מִגֵּרְךָ אֲשֶׁר בְּאַרְצְךָ בִּשְׁעָרֶיךָ׃
lo-ta'aschók sachír aní we'ewjon me'achécha o miggerechá aschér be'arzechá bisch'arécha
14 Bedrücke nicht (betrüge nicht) den Lohnarbeiter, den armen und bedürftigen, aus deinen Brüdern und aus den Fremdlingen, die in deinem Land, in deinen Toren sind.
Es gibt Menschen in vielen Ländern, und bis heute ist das so, die von Tagelohnarbeit leben: Sie verdingen sich täglich zur Arbeit, am Ende des Abends bekommen sie den Lohn und leben davon. Oft kommt es vor, dass man solchen Menschen das Geld einfach nicht bezahlt, das ist eine sehr verbreitete Erscheinung. Oder es kommt vor, dass man ihnen weniger zahlt, als ihnen zusteht, sie mehr Stunden arbeiten lässt und dabei ihre bettelarme Lage ausnutzt. Sehr viele solcher Situationen gibt es auch in der modernen Geschichte. Ich denke, viele kennen das, sind so etwas begegnet (wenn sie es nicht am eigenen Leib erfahren haben). Und die Tora verbietet kategorisch, einen Lohnarbeiter zu betrügen oder seine Notlage auszunutzen.
בְּיוֹמוֹ תִתֵּן שְׂכָרוֹ וְלֹא־תָבוֹא עָלָיו הַשֶּׁמֶשׁ כִּי עָנִי הוּא וְאֵלָיו הוּא נֹשֵׂא אֶת־נַפְשׁוֹ וְלֹא־יִקְרָא עָלֶיךָ אֶל־יְהוָה וְהָיָה בְךָ חֵטְא׃
bejomó tittén secharó welo-tawó aláw haschémesch ki aní hu we'eláw hu nossé et-nafschó welo-jikrá alécha el-adonáj wehajá wechá chet
15 Am selben Tag gib ihm den Lohn, und die Sonne soll nicht darüber untergehen, denn er ist arm und wartet nur darauf, seine Bezahlung zu bekommen (er durchlebt den Tag dafür), damit er nicht deinetwegen zum HERRN schreit und Sünde auf dir ist.
Genauso wie ein Mensch dem Höchsten danken und sagen kann: „Ehre sei dem Höchsten für Chaim! Ehre sei dem Höchsten für Oleg! Ehre sei dem Höchsten für Kostja!“, genauso kann ein Mensch auch umgekehrt gegen Aristarch, gegen Sosipater, gegen Theophilus schreien: „Sie legen mich rein, sie tun mir Unrecht!“ Und auf diesen Menschen wird Sünde liegen, es wird einen sehr starken Schaden für dein Leben geben. Wichtig ist nicht nur, worum du betest, wichtig ist, worum die Menschen um dich herum beten.
לֹא־יוּמְתוּ אָבוֹת עַל־בָּנִים וּבָנִים לֹא־יוּמְתוּ עַל־אָבוֹת אִישׁ בְּחֶטְאוֹ יוּמָתוּ׃
lo-jumetú awót al-baním uwaním lo-jumetú al-awót isch bechet'ó jumátu
16 Der Vater wird nicht für die Sünden des Sohnes getötet, und der Sohn wird nicht für die Sünden des Vaters getötet – jeder stirbt für seine eigenen Sünden.
Ebenfalls ein ziemlich klares Gebot. Das betrifft die Todesstrafe. Manchmal, wenn es um irgendwelche finanziellen Angelegenheiten geht, kann der Sohn für den Vater bezahlen, es kommt vor, dass auch der Vater für den Sohn. Darauf werden wir jetzt nicht eingehen.
לֹא תַטֶּה מִשְׁפַּט גֵּר יָתוֹם וְלֹא תַחֲבֹל בֶּגֶד אַלְמָנָה׃
lo tatté mischpát ger jatóm weló tachawól béged almaná
17 Verdrehe nicht das Recht des Fremdlings und der Waise und nimm nicht die Kleidung einer Witwe zum Pfand.
Menschen, die in eine schwere soziale Lage geraten sind, sind sehr verwundbar (was eigentlich auch aus ihrer schweren sozialen Lage folgt). Das darf sich vor Gericht in keiner Weise auswirken. Im Gegenteil, vor Gericht wird vieles von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gegenüber dem Fremdling, der Waise und der Witwe bestimmt. Das sehen wir sehr viel auch bei den Propheten.
וְזָכַרְתָּ כִּי עֶבֶד הָיִיתָ בְּמִצְרַיִם וַיִּפְדְּךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מִשָּׁם עַל־כֵּן אָנֹכִי מְצַוְּךָ לַעֲשׂוֹת אֶת־הַדָּבָר הַזֶּה׃
wesachartá ki éwed hajíta bemizrájim wajifdechá adonáj elohécha mischám al-kén anochí mezawwécha la'asót et-haddawár hassé
18 Gedenke, dass du Sklave in Ägypten warst, und der HERR, dein Gott, hat dich von dort erlöst; darum gebiete ich dir, dies zu tun (so zu handeln).
כִּי תִקְצֹר קְצִירְךָ בְשָׂדֶךָ וְשָׁכַחְתָּ עֹמֶר בַּשָּׂדֶה לֹא תָשׁוּב לְקַחְתּוֹ לַגֵּר לַיָּתוֹם וְלָאַלְמָנָה יִהְיֶה לְמַעַן יְבָרֶכְךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּכֹל מַעֲשֵׂה יָדֶיךָ׃
ki tikzór kezirechá wessadécha weschachachtá ómer bassadé lo taschúw lekachtó laggér lajatóm wela'almaná jihjé lemá'an jewarechécha adonáj elohécha bechól ma'assé jadécha
19 Wenn du deine Ernte auf dem Feld schneidest und dort eine Garbe vergisst, kehre nicht zurück, um sie zu holen: Sie soll dem Fremdling, der Waise oder der Witwe gehören, damit der HERR, dein Gott, dich segne in allen Werken deiner Hände.
Wie diese Gesetze wirken, werden wir später im Buch Rut sehen. Rut ging umher, las Ähren auf, las das Vergessene auf, und Bo'as stiftete sogar seine Arbeiter an: „Hier sammelt nicht allzu sorgfältig, hier lasst eine Garbe liegen“, um Rut irgendwie zu helfen.
כִּי תַחְבֹּט זֵיתְךָ לֹא תְפָאֵר אַחֲרֶיךָ לַגֵּר לַיָּתוֹם וְלָאַלְמָנָה יִהְיֶה׃
ki tachbót setechá lo tefa'ér acharécha laggér lajatóm wela'almaná jihjé
20 Wenn du deinen Olivenbaum abschlägst (die Ernte vom Olivenbaum einbringst), geh nicht ein zweites Mal hindurch (suche nicht das, was du nicht gleich gefunden hast): Das wird der Waise, dem Fremdling und der Witwe gehören.
Das wird überhaupt allen Armen gehören, und es betrifft natürlich nicht nur den Olivenbaum: Es betrifft alle Obstbäume, das ist ein Gesetz in Bezug auf die Obstbäume. Es ist üblich, etwas an den Obstbäumen für die Armen übrig zu lassen, für bedürftige Menschen. Möglicherweise ist das die Erklärung der Geschichte, die mit dem Feigenbaum geschah. Warum hat Jeschua den Feigenbaum verflucht? Der Besitzer des Feigenbaums hätte Feigen übrig lassen müssen (denn die neuen Feigen waren ja noch nicht erschienen). Sie fallen nicht von den Zweigen, weil dort von einer besonderen Feigensorte die Rede ist, die gleichsam ein Teil des Zweiges sind, die reifen Früchte fallen nicht ab. Der Besitzer hätte einen Teil für die armen Menschen übrig lassen müssen, für die, die bedürftig sind, die hungrig sind. Aber da der Besitzer nichts übrig gelassen hat, nimmt Jeschua dem Menschen durch das Verfluchen des Baumes selbst das Einkommen. Der Obstbaum ist ein Teil seines Einkommens, vielleicht sogar der größere Teil. Und wenn er nicht nach dem Gesetz handelt, kann auf diesen Baum ein Fluch fallen, er kann sein Einkommen verlieren, und der Feigenbaum wird keine Frucht mehr bringen. Das ist eine der möglichen Erklärungen für die Nichteinhaltung dieses Gebots. Denn in Vers 19 wurde gesagt: „Wenn du so handelst, wird Gott dich segnen.“ Und wir haben früher gelesen, dass, wenn man es nicht tut, etwas kommen wird, das das Gegenteil des Segens ist.
Dasselbe auch mit den Trauben:
כִּי תִבְצֹר כַּרְמְךָ לֹא תְעוֹלֵל אַחֲרֶיךָ לַגֵּר לַיָּתוֹם וְלָאַלְמָנָה יִהְיֶה׃
ki tiwzór karmechá lo te'olél acharécha laggér lajatóm wela'almaná jihjé
21 Wenn du in deinem Weinberg erntest, geh nicht hinter dir noch einmal durch (tu es nicht allzu sorgfältig): Das soll dem Fremdling, der Witwe und der Waise gehören.
וְזָכַרְתָּ כִּי־עֶבֶד הָיִיתָ בְּאֶרֶץ מִצְרָיִם עַל־כֵּן אָנֹכִי מְצַוְּךָ לַעֲשׂוֹת אֶת־הַדָּבָר הַזֶּה׃
wesachartá ki-éwed hajíta be'érez mizrájim al-kén anochí mezawwechá la'asót et-haddawár hassé
22 Gedenke, dass du Sklave im Land Ägypten warst, und darum gebiete ich dir, dies zu tun.
Damit endet Kapitel 24, und wir werden ab Vers 1 von Kapitel 25 weiterlesen.
כִּי־יִהְיֶה רִיב בֵּין אֲנָשִׁים וְנִגְּשׁוּ אֶל־הַמִּשְׁפָּט וּשְׁפָטוּם וְהִצְדִּיקוּ אֶת־הַצַּדִּיק וְהִרְשִׁיעוּ אֶת־הָרָשָׁע׃
ki-jihjé riw ben anaschím weniggeschú el-hammischpát uschfatúm wehizdíku et-hazzaddík wehirschí'u et-haraschá
1 Wenn es irgendeinen Streit zwischen Menschen gibt, dann werden sie zum Richter treten (vor Gericht kommen), und das Gericht hat stattgefunden, und man hat den, der im Recht ist, freigesprochen und den Schuldigen verurteilt.
וְהָיָה אִם־בִּן הַכּוֹת הָרָשָׁע וְהִפִּילוֹ הַשֹּׁפֵט וְהִכָּהוּ לְפָנָיו כְּדֵי רִשְׁעָתוֹ בְּמִסְפָּר׃
wehajá im-bín hakkót haraschá wehippiló haschofét wehikkáhu lefanáw kedé risch'ató bemispár
2 Wenn ein Übeltäter zu Stockschlägen verurteilt wird, wird der Richter ihn niederbeugen, und man wird ihn schlagen nach seiner Anklage.
אַרְבָּעִים יַכֶּנּוּ לֹא יֹסִיף פֶּן־יֹסִיף לְהַכֹּתוֹ עַל־אֵלֶּה מַכָּה רַבָּה וְנִקְלָה אָחִיךָ לְעֵינֶיךָ׃
arba'ím jakkénu lo jossíf pen-jossíf lehakkotó al-élle makká rabbá weniklá achícha le'enécha
3 Vierzig wird man schlagen, und er wird nichts dazu hinzufügen, denn wenn er etwas dazu hinzufügt, wird das schon eine Schande für deinen Bruder sein.
Du bestrafst ihn, aber du beschämst ihn nicht; wenn man ihn aber über vierzig hinaus schlägt, wenn auch nur ein Schlag darüber hinausgeht, dann ist das eine Schande. Wenn ihr euch erinnert, darüber hat Scha'ul geschrieben (2 Kor. 11,24): „… vierzig weniger einen habe ich empfangen“, das heißt bemispár arba'ím – zur Zahl „vierzig“, bis vierzig schlägt man, das heißt neununddreißig.
Die Tradition sagt, dass man mit einer Peitsche schlug, die aus Kalbs- und Eselsleder bestand. Die ersten dreizehn Schläge wurden von vorn ausgeführt, dann dreizehn Schläge von hinten auf die rechte Schulter und dreizehn Schläge auf die linke Schulter. So wurden die neununddreißig Schläge aufgeteilt, damit der Mensch das irgendwie auch noch überlebte, denn unser Ziel ist nicht, Schmerz zuzufügen, sondern den Menschen zu bessern.
לֹא־תַחְסֹם שׁוֹר בְּדִישׁוֹ׃
lo-tachsóm schor bedischó
4 Verschließe nicht das Maul (lege keinen Maulkorb an) beim Ochsen, wenn er beim Dreschen ist.
Derselbe Vers, den Scha'ul in Bezug auf die Diener anführt (1 Kor. 9,9). Und wir haben früher darüber gesprochen, dass der, der im Weinberg oder auf dem Feld arbeitet, sich von dem Ort ernähren kann, an dem er arbeitet, hier ist davon die Rede. Und natürlich ist der Ochse nur ein Beispiel, nicht um die Ochsen sorgt sich der HERR.
In Vers 5 beginnt ein neues Thema:
כִּי־יֵשְׁבוּ אַחִים יַחְדָּו וּמֵת אַחַד מֵהֶם וּבֵן אֵין־לוֹ לֹא־תִהְיֶה אֵשֶׁת־הַמֵּת הַחוּצָה לְאִישׁ זָר יְבָמָהּ יָבֹא עָלֶיהָ וּלְקָחָהּ לוֹ לְאִשָּׁה וְיִבְּמָהּ׃
ki-jeschewú achím jachdáw umét achád mehém uwén en-ló lo-tihjé eschet-hammét hachúza le'ísch sar jewamá jawó aléha ulkachá lo le'ischá wejibbemá
5 Wenn Brüder zusammen wohnen und einer von ihnen stirbt und ihm kein Sohn geblieben ist, dann wird die Frau des Verstorbenen nicht in eine andere Familie an einen fremden Menschen gegeben werden (wird nicht nach draußen gehen): Der Bruder des Mannes (der Schwager) wird kommen, zu ihr eingehen und sie zur Frau nehmen
Ein wichtiges Detail ist, dass von Brüdern die Rede ist, die zusammen auf einem Landanteil leben, auf einem Gut. Eine solche Ehe nennt man Leviratsehe. Wozu ist das nötig? Damit der verstorbene Bruder sein Erbe nicht verliert, damit noch ein Zweig der Familie ein Zweig der Familie bleibt.
וְהָיָה הַבְּכוֹר אֲשֶׁר תֵּלֵד יָקוּם עַל־שֵׁם אָחִיו הַמֵּת וְלֹא־יִמָּחֶה שְׁמוֹ מִיִּשְׂרָאֵל׃
wehajá habbechór aschér teléd jakúm al-schém achíw hammét welo-jimmaché schemó mijisraél
6 Und es wird sein: Der Erstgeborene, der aus einer solchen Ehe geboren wird, wird als Erstgeborener des verstorbenen Bruders gelten, und sein Name wird nicht aus Israel ausgelöscht werden.
Das heißt, das Kind wird nicht einfach ein Sohn sein, sondern ein Erstgeborener, es wird auch noch einen doppelten Anteil am Erbe bekommen. Der andere Bruder hat dem verstorbenen Bruder Nachkommenschaft wiederhergestellt, die möglicherweise das Erbe bekommt und seinen eigenen Kindern einen Teil des Erbes nimmt. Hätte der verstorbene Bruder keine Kinder gezeugt, dann hätte man das Land in eine geringere Zahl von Teilen teilen müssen. Hier aber wird ein Erstgeborener geboren, der einen doppelten Anteil bekommt. Deshalb ist das Gebot der Leviratsehe kein so einfaches Gebot.
Es gibt im Russischen das Wort für Gut (Landanteil), das ebenfalls mit dem Wort für Name verbunden ist. Jeder Mensch hat einen Namen, und er möchte einen Anteil auf der Erde haben. Zur Zeit der Gabe der Tora wurde dem sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Und hier sorgt die Tora dafür, dass, wenn ein Bruder gestorben ist und keine Kinder hinterlassen hat, die anderen Brüder seinen Namen wiederherstellen.
Heute gibt es Schwierigkeiten mit der Erfüllung dieses Gebots. Die Rabbiner, die Lehrer empfehlen, davon Abstand zu nehmen. Erstens haben sich die Bodengesetze ein wenig verändert. Zweitens musste man zur Frau des Bruders nicht mit irgendeiner Begierde eingehen, nicht mit irgendeiner Lust, nicht zur Befriedigung des eigenen Verlangens, so wie ein Mensch zu seiner Frau eingeht. Zur Frau des Bruders musste man in Erfüllung des Gebots eingehen, und bei uns, wie die Weisen sagen, gelingt das nicht. Es ist für einen Menschen schwer, sich von der Anziehungskraft einer Frau, von der Hingezogenheit zu einer Frau zu lösen und einzugehen, um das Gebot zu erfüllen, in der Rolle seines Bruders einzugehen. Das gelingt nicht, und um den Menschen nicht in eine solche Situation zu bringen, vollzieht man heute die Zeremonie des „Ausziehens des Schuhs“, oder Chalizá, vom Wort lachlóz – entschuhen, den Schuh, den Stiefel ausziehen. Diese Zeremonie, wenn ein Mensch die Witwe seines Bruders nicht zur Frau nimmt, ist gleich hier beschrieben, in unserem Kapitel. Das, worüber sich übrigens ein schwedischer Junge, der in Russland weithin bekannt ist, sehr große Sorgen machte: „Mama, hör mal ... Mein Bruderherz wird also groß – na, heiratet ... na, stirbt. Und ich, muss ich dann seine alte Frau heiraten?“ – „Warum? Na, aber trotzdem?“ – „Ich trage doch seine alten Schlafanzüge auf, die Schlittschuhe, das Fahrrad ... Alles andere trage ich auf ...“
Hier ist vielleicht die Zeit, einen der sehr verbreiteten Mythen über orthodoxe Juden zu widerlegen. Es gibt so ein Märchen, dass orthodoxe Juden mit ihren Frauen durch ein Loch im Laken schlafen. Man bedeckt die Frau mit einem Laken, macht Öffnungen an den entsprechenden Stellen und geht so zu den eigenen Frauen ein. So sehr hat sich diese Geschichte festgesetzt, dass ich sie sogar von Fremdenführern gehört habe, die Führungen in die religiösen Viertel machen. Aber dort kann man auch sehen, wie ein Tallit trocknet, und das sieht aus wie ein Laken mit irgendeinem Loch, wenn man sich in nichts auskennt. Trotzdem ist das ein Märchen, für das es keine Grundlage gibt: Nach jüdischem Gesetz schlafen Mann und Frau ohne jede Trennwand miteinander, und nach der Kabbala sogar völlig nackt.
Aber es gab eine solche Geschichte (sie wird im Jerusalemer Talmud erzählt) über einen Menschen, der Rabbi Jossi ben Chalafta hieß. Und Rabbi Jossi ben Chalafta verlor seinen Bruder, die Frau seines Bruders wurde Witwe, und er ging mit ihr die Leviratsehe ein und zeugte für seinen Bruder fünf Kinder. Fünfmal ging er zur Frau des Bruders ein und tat es jedes Mal durch ein Laken, um sich irgendwie vor sündigen Begierden zu schützen. Und daraus ist durch einen Haufen Hände, durch einen Haufen Münder, durch einen Haufen Verzerrungen der Mythos entstanden, dass Orthodoxe („Dossy“, „Datischniki“, „Charedim“) mit ihren Frauen durch ein Laken leben.
וְאִם־לֹא יַחְפֹּץ הָאִישׁ לָקַחַת אֶת־יְבִמְתּוֹ וְעָלְתָה יְבִמְתּוֹ הַשַּׁעְרָה אֶל־הַזְּקֵנִים וְאָמְרָה מֵאֵין יְבָמִי לְהָקִים לְאָחִיו שֵׁם בְּיִשְׂרָאֵל לֹא אָבָה יַבְּמִי׃
we'im-ló jachpóz ha'ísch lakáchat et-jewimtó we'aletá jewimtó haschá'ra el-hassekením we'amerá me'én jewamí lehakím le'achíw schem bejisraél lo awá jabbemí
7 Wenn aber der Mensch nicht will (wie wir über den schwedischen Jungen gesprochen haben, so kann es auch mit einem Juden geschehen), die Witwe seines Bruders zur Frau zu nehmen, wird diese Witwe zum Tor der Stadt zu den Ältesten gehen und sagen: „Mein Levirats-Bräutigam weigert sich, seinem Bruder in Israel den Namen wiederherzustellen, und will mich nicht zur Leviratsfrau nehmen!“
וְקָרְאוּ־לוֹ זִקְנֵי־עִירוֹ וְדִבְּרוּ אֵלָיו וְעָמַד וְאָמַר לֹא חָפַצְתִּי לְקַחְתָּהּ׃
wekare'u-ló sikne-iró wedibberú eláw we'amád we'amár lo chafázti lekachtá
8 Und die Ältesten seiner Stadt werden ihn rufen und mit ihm reden. Und wenn er es ihnen bestätigt und gesagt hat (auf seinem Standpunkt bestanden hat): „Ich will sie nicht nehmen“,
וְנִגְּשָׁה יְבִמְתּוֹ אֵלָיו לְעֵינֵי הַזְּקֵנִים וְחָלְצָה נַעֲלוֹ מֵעַל רַגְלוֹ וְיָרְקָה בְּפָנָיו וְעָנְתָה וְאָמְרָה כָּכָה יֵעָשֶׂה לָאִישׁ אֲשֶׁר לֹא־יִבְנֶה אֶת־בֵּית אָחִיו׃
weniggeschá jewimtó eláw le'ené hassekením wechalezá na'aló me'ál ragló wejareká befanáw we'anetá we'amerá kácha je'assé la'ísch aschér lo-jiwné et-bét achíw
9 Dann wird die Witwe seines Bruders vor den Ältesten zu ihm treten, ihm den Schuh ausziehen (das ist eine Art Schande), und vor ihm ausspucken, und antworten und sagen: „So verfährt man mit einem Menschen, der seinem Bruder das Haus nicht aufbaut!“
Einige Kommentatoren sagen, und so kann man es auch verstehen: wird ihm ins Gesicht spucken. In der heutigen Ausführung, wenn wir das in der Praxis sehen, dann hat sie vor ihm ausgespuckt. Das Wort befanáw kann man sowohl als vor ihm als auch als ihm ins Gesicht verstehen.
וְנִקְרָא שְׁמוֹ בְּיִשְׂרָאֵל בֵּית חֲלוּץ הַנָּעַל׃
wenikrá schemó bejisraél bet chalúz hanná'al
10 Und man wird ihn in Israel nennen – Haus des Entschuhten.
Das heißt, im Grunde ist der Mensch beschämt, ein Spitzname wird an ihm haften bleiben – der Mensch mit dem ausgezogenen Schuh, er wird einen solchen Ruf bekommen. Nun, ein Mensch kann Gründe haben, aus denen er sich trotzdem weigert, die Frau des Bruders zu nehmen. Das Leben ist eine komplizierte Sache.
In Vers 11 wieder ein anderes Thema.
כִּי־יִנָּצוּ אֲנָשִׁים יַחְדָּו אִישׁ וְאָחִיו וְקָרְבָה אֵשֶׁת הָאֶחָד לְהַצִּיל אֶת־אִישָּׁהּ מִיַּד מַכֵּהוּ וְשָׁלְחָה יָדָהּ וְהֶחֱזִיקָה בִּמְבֻשָׁיו׃
ki-jinnazú anaschím jachdáw isch we'achíw wekarewá éschet ha'echád lehazzíl et-ischá mijád makkéhu weschalechá jadá wehechesíka bimewuscháw
11 Wenn zwei Menschen sich schlagen werden, und die Frau des einen von ihnen geht hin, um ihren Mann aus der Hand dessen zu retten, der ihn schlägt, und die Hand ausstreckte und ihn an der Schamstelle packte,
Oh, was für eine bekannte Situation! Das Verb lehinnazót (sich schlagen) hat dieselbe Wurzelzelle, nun-zádi, wie das Wort nez (Habicht), das heißt, sie werden sozusagen aufeinander einhacken, mit der Brust kämpfen. Eine Stelle, an der man einen Mann gewöhnlich nicht packt, außerdem sehr schmerzhaft; das ist nicht einfach nur gewissermaßen ein Schmerzgriff, das ist auch noch eine Beleidigung.
וְקַצֹּתָה אֶת־כַּפָּהּ לֹא תָחוֹס עֵינֶךָ׃
wekazzotá et-kappá lo tachós enécha
12 Schlag ihre Handfläche ab und schone sie nicht mit deinen Augen.
Die Kommentatoren sagen: „Wie im Fall des Ausdrucks Zahn um Zahn, Auge um Auge (dort steht auch geschrieben: Schone nicht) geht es um eine Geldentschädigung. Hier bekommt der Mensch ebenfalls eine Geldentschädigung dafür, dass man ihm Unrecht getan hat, dafür, dass man ihn beleidigt hat.“ Daraus können wir den Schluss ziehen, dass eine Geldentschädigung nicht nur für irgendwelche realen Verletzungen gegeben wird, sondern auch, sagen wir so, für irgendeine Beleidigung, die zugefügt wurde, für irgendwelche seelischen Traumata. Praktisch alle Kommentatoren sind sich darin einig, dass man diesen Satz nicht wörtlich verstehen sollte.
לֹא־יִהְיֶה לְךָ בְּכִיסְךָ אֶבֶן וָאָבֶן גְּדוֹלָה וּקְטַנָּה׃
lo-jihjé lechá bechissechá éwen wa'áwen gedolá uktanná
13 Es soll bei dir in der Tasche nicht zwei verschiedene Gewichte (Steine) geben – ein großes und ein kleines.
Wenn du kaufst, dann nimmst du das große Gewicht, wenn du verkaufst, dann das kleine, oder umgekehrt, je nachdem, wer wiegt.
לֹא־יִהְיֶה לְךָ בְּבֵיתְךָ אֵיפָה וְאֵיפָה גְּדוֹלָה וּקְטַנָּה׃
lo-jihjé lechá bewetechá efá we'efá gedolá uktanná
14 Es soll in deinem Haus nicht zwei verschiedene Efas geben – eine große und eine kleine.
Efá ist ein ziemlich großes Maß, das für Schüttgüter verwendet wird, also ein großes Glas oder ein kleiner Eimer, mit dem beim Kauf und Verkauf Schüttgüter gemessen werden. Und die Tora verbietet, dass ein Mensch zu Hause zum Zweck des Betrugs zwei verschiedene Efas hat – eine große und eine kleine. Wieder genau so: Schaff dir keine zwei verschiedenen Maße an. Im modernen Hebräisch ist der Ausdruck efá we'efá geblieben (genaues Zitat – Maß und Maß), der eine Situation bezeichnet, wenn man an einem Ort ein Maß anwendet, an einem anderen Ort ein anderes, und das ist verzerrte Rechtsprechung. So spricht man über verzerrte Rechtsprechung, über Heuchelei, über Ansehen der Person – efá we'efá.
אֶבֶן שְׁלֵמָה וָצֶדֶק יִהְיֶה־לָּךְ אֵיפָה שְׁלֵמָה וָצֶדֶק יִהְיֶה־לָּךְ לְמַעַן יַאֲרִיכוּ יָמֶיךָ עַל הָאֲדָמָה אֲשֶׁר־יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לָךְ׃
éwen schelemá wazédek jihje-lách efá schelemá wazédek jihje-lách lemá'an ja'aríchu jamécha al ha'adamá ascher-adonáj elohécha notén lach
15 Es soll bei dir ein ganzer und richtiger Stein sein, eine ganze und richtige Efa soll bei dir sein, damit sich deine Tage verlängern auf der Erde, die dir der HERR, dein Gott, gibt.
Mit dem Stein ist das Gewicht gemeint, das, was zum Wiegen verwendet wird. Wir sehen wieder, dass sich mit der Gerechtigkeit, mit der Gerechtigkeit des Gerichts, mit der Unvoreingenommenheit, mit dem Nicht-Ansehen der Person die Tage des Menschen auf der Erde und die Tage des Aufenthalts des Volkes im Land Israels verlängern.
כִּי תוֹעֲבַת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ כָּל־עֹשֵׂה אֵלֶּה כֹּל עֹשֵׂה עָוֶל׃
ki to'awát adonáj elohécha kol-ósse élle kol ósse áwel
16 Denn ein Gräuel in den Augen des HERRN, deines Gottes, ist jeder, der dies tut, denn er bringt Leid.
Das ungerechte Zufügen von Leid an einem Menschen, den man beim Wiegen übervorteilt, beim Messen übervorteilt, betrogen, beim Rechnen übervorteilt hat – das ist ein Gräuel vor dem HERRN.
זָכוֹר אֵת אֲשֶׁר־עָשָׂה לְךָ עֲמָלֵק בַּדֶּרֶךְ בְּצֵאתְכֶם מִמִּצְרָיִם׃
sachór et ascher-assá lechá amalék baddérech bezetechém mimmizrájim
17 Gedenke, was Amalek dir auf dem Weg getan hat, als ihr aus Ägypten auszogt,
אֲשֶׁר קָרְךָ בַּדֶּרֶךְ וַיְזַנֵּב בְּךָ כָּל־הַנֶּחֱשָׁלִים אַחַרֶיךָ וְאַתָּה עָיֵף וְיָגֵעַ וְלֹא יָרֵא אֱלֹהִים׃
aschér karechá baddérech wajsannéw bechá kol-hannecheschalím acharécha we'attá ajéf wejagéja weló jaré elohím
18 Der mit dir auf dem Weg zusammenstieß und dich von hinten angriff, alle deine Schwachen griff er an, und du warst in dieser Zeit müde und erschöpft, und er fürchtete Gott nicht.
Es gab Völker, die mit Israel Krieg führten, und der Auszug aus Ägypten wurde von vielen Kriegen und vielen Konflikten begleitet. Aber Amalek war kein Teil der geopolitischen Karte des Auszugs aus Ägypten, er existierte anfangs weit weg. Und er kam von weit her, um anzugreifen, kam eigens, um anzugreifen, ohne irgendwelche Interessen zu haben, und griff von hinten an. Und, was das Wichtigste ist, er war, sagen wir so, der Erstgeborene derer, die Israel angreifen. In dieser Zeit (es ist viel Zeit vergangen) gab es Völker, die uns vertrieben, uns schlugen, uns vernichteten. Im Vergleich zu Rom, Spanien und Deutschland hat Amalek uns nur ein kleines bisschen zugesetzt. Warum gedenken wir gerade Amaleks? Weil er der Erste ist, der uns angegriffen hat, er hat als Erster allen gezeigt, dass das möglich ist.
Raschi führt als Beispiel eine kochende Mikwe an, irgendeinen Ort, an dem sich die Menschen waschen müssen. Und das Wasser dort ist sehr heiß, so heiß, dass niemand wagt, dort unterzutauchen. Und da springt irgendein munteres Kerlchen hinein, und alle schauen: Ah, man kann also! So auch Amalek – er fürchtete Gott nicht, griff an und eröffnete damit gleichsam die Jagdsaison auf Israel. Wenn wir in Bezug auf irgendwelche Völker erwarten, dass der Höchste sie zurechtbringt, so befiehlt uns der Höchste in Bezug auf Amalek seine völlige Vernichtung.
וְהָיָה בְּהָנִיחַ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְךָ מִכָּל־אֹיְבֶיךָ מִסָּבִיב בָּאָרֶץ אֲשֶׁר יְהוָה־אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לְךָ נַחֲלָה לְרִשְׁתָּהּ תִּמְחֶה אֶת־זֵכֶר עֲמָלֵק מִתַּחַת הַשָּׁמָיִם לֹא תִּשְׁכָּח׃
wehajá behaníjach adonáj elohécha lechá mikkol-ojewécha missawíw ba'árez ascher-adonáj elohécha notén lechá nachalá lerischtá timché et-sécher amalék mittáchat haschamájim lo tischkách
19 Und es wird sein, wenn der HERR, dein Gott, dir Ruhe verschafft vor allen deinen Feinden rings um jenes Land, das der HERR, dein Gott, dir als Erbe zu deinem Erbteil gegeben hat, dann lösche die Erinnerung an ihn unter dem Himmel aus, vergiss nicht!
Weil Amalek dich als Erster angegriffen hat, heb ihn dir bis zuletzt auf, wenn der HERR dir gibt, alle deine Feinde zu besiegen, wenn alle anderen Völker besiegt sein werden, nach dem endgültigen Sieg. Einerseits – lösche die Erinnerung aus, und andererseits – vergiss nicht. Vergiss nicht, dass es auch noch den fernen Feind gibt. Wenn es dir scheinen wird, dass du in Wohlergehen und Ruhe lebst, und um dich herum Frieden ist, und alle Länder dir entweder Tribut zahlen oder einfach mit dir Handel treiben, Touristen kommen, alles ordentlich, friedlich, gesegnet, dann vergiss nicht, wie einst Amalek von weit her kam und angriff. Irgendwo dort gibt es noch Amalek, mit dem du abrechnen musst, an den du die Erinnerung unter dem Himmel auslöschen musst. Vergiss das nicht, wenn du in Frieden, Ruhe und Wohlstand versinkst, vergiss nicht, dass es in der Welt etwas geben kann, das überhaupt nicht zurechtzubringen ist.
Ki Teze: das Studium fortsetzen
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