1. Wochenabschnitte
  2. Schemot
  3. Ki Tissa

כִּי תִשָּׂא

Ki Tissa

Text und Auslegung

Wochenabschnitt
21 von 54
Verse
Schemot 30,11–34,35
Teile
9
Lesezeit
2 Std. 20 Min.

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Der Wochenabschnitt Ki Tissa wird in einem ausführlichen Stenogramm der Gespräche von Alex Blend dargestellt. Das Material umfasst den Text auf Hebräisch, eine Transliteration, eine Übersetzung und die Auslegung des Autors. Die Abschnitte widmen sich dem halben Schekel, der Einrichtung des Zeltes der Begegnung, dem Schabbat, dem goldenen Kalb, dem Gebet Mosches und der Erneuerung des Bundes; gesondert wird die Haftara über Elijahu besprochen.

Ki Tissa: die Erfassung

Schemot 30,11–38

Wir lesen weiterhin die Anweisungen, die der Höchste Mosche in Bezug auf die Einrichtung des Zeltes der Begegnung gibt.

         וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabér adonáj el-mosché lemór

11 Und der Höchste redete zu Mosche und sprach:

כִּי תִשָּׂא אֶת־רֹאשׁ בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל לִפְקֻדֵיהֶם וְנָתְנוּ אִישׁ כֹּפֶר נַפְשׁוֹ לַיהוָה בִּפְקֹד אֹתָם וְלֹא־יִהְיֶה בָהֶם נֶגֶף בִּפְקֹד אֹתָם׃

ki tissá et-rósch bene-jisraél lifkudehém wenatenú isch kófer nafschó ladonáj bifkód otám welo-jihjé wahém négef bifkód otám

12 „Wenn du die Söhne Israels zählen wirst (über die Söhne Israels Zählung führen) nach ihren Zählungen (nach all ihren Kategorien), wird jeder eine Sühne für seine Seele dem HERRN geben bei ihrer Zählung, und es wird unter ihnen keine Epidemie oder Seuche geben, wenn du sie zählst.

Wir schauen uns das Verb lassét genauer an. Wörtlich bedeutet es nach oben heben, auf sich tragen, Verantwortung auf sich nehmen oder auf sich heben. Warum wird es in diesem Fall mit zählen übersetzt? Gemeint ist, dass Mosche die Söhne Israels in seine Bilanz aufnimmt, sie auf sich nimmt, sie in seine Rechenschaftspflicht übernimmt und sie natürlich zählt. Deshalb wird für die Bedeutung du zähle das Verb tissá verwendet. Aber es hat noch einen anderen, nicht weniger wichtigen Sinn: „Wenn du das Volk Israel erheben wirst, nimmst du sie tatsächlich unter deine Verantwortung, du nimmst sie an, um sie zu erheben, um sie zu lehren, sich nach oben zu erheben.“ Sich erheben auch nach den zahlreichen Stürzen, die es in der Geschichte geben wird. Die ganze Tora, die ganze Lehre, die vom Höchsten durch Mosche dem Volk Israel übergeben wurde – das ist eine Lehre darüber, wie man sich erhebt.

Jeder Mensch, der bei dieser großen Volkszählung erschien, jeder „gezählte“ Mensch gibt dem HERRN ein Lösegeld. Epidemie oder Seuche, Krankheit, Ansteckung – das ist etwas, das von einem zum anderen übertragen wird. Einheit – das ist nicht nur, einander in der Heiligkeit zu stützen, nicht nur die Fähigkeit, einander einfach zu unterstützen, zu ermutigen. Das ist auch die Gefahr, die Krankheiten des anderen zu bekommen, sich mit den Krankheiten des anderen anzustecken, die Gefahr, dass ein anderer Mensch dich nach unten zieht. Und damit das nicht geschieht, hat jeder seinen eigenen Faden, sein eigenes Kettchen, das ihn mit dem Höchsten verbindet: das ist kófer (Lösegeld oder Bedeckung, Deckel). Ich erinnere daran, wir haben schon über das Wort kapóret (Deckel) gesprochen, es ist von derselben Wurzel. Das ist eine Bedeckung, die gegeben wird. Wie das Hütchen bei der Eichel, so ist über uns die Bedeckung des Höchsten, über jedem. Und was ist das für eine Bedeckung?

         זֶה יִתְּנוּ כָּל־הָעֹבֵר עַל־הַפְּקֻדִים מַחֲצִית הַשֶּׁקֶל בְּשֶׁקֶל הַקֹּדֶשׁ עֶשְׂרִים גֵּרָה הַשֶּׁקֶל מַחֲצִית הַשֶּׁקֶל תְּרוּמָה לַיהוָה׃

se jittenú kol-ha'owér al-happekudím machazít haschékel beschékel hakkódesch esrím gerá haschékel machazít haschékel terumá ladonáj

13 Jeder, der die Zählung durchläuft, wird einen halben Schekel geben, des heiligen Schekels, in der Größe von zwanzig Gera. Ein halber Schekel – eine Spende, eine Erhebung für den HERRN.

In einem Schékel sind sechzehn Gramm Silber enthalten (Silber ist das Maß der Berechnung), entsprechend ist der halbe Schekel, den man geben muss, acht Gramm Silber. Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, dass das Wort terumáIm Russischen steht hier die verkürzte Form trumá. Die Übersetzung schreibt das Wort einheitlich als terumá, wie im Namen des Wochenabschnitts Teruma. Aufzug zum Höchsten bedeutet. Also ist der halbe Schekel, den jeder Mensch während des Baus des Mischkans geben musste, wie eine eigentümliche kleine Feder, eine Angelschnur, die zwischen uns und dem Höchsten gespannt ist.

         כֹּל הָעֹבֵר עַל־הַפְּקֻדִים מִבֶּן עֶשְׂרִים שָׁנָה וָמָעְלָה יִתֵּן תְּרוּמַת יְהוָה׃

kol ha'owér al-happekudím mibbén esrím schaná wamá'la jittén terumát adonáj

14 Jeder, der die Zählung durchläuft, von zwanzig Jahren und älter (das sind die, die zur Arbeit, zum Dienst einberufen wurden), wird eine solche Erhebung dem Höchsten geben.

הֶעָשִׁיר לֹא־יַרְבֶּה וְהַדַּל לֹא יַמְעִיט מִמַּחֲצִית הַשָּׁקֶל לָתֵת אֶת־תְּרוּמַת יְהוָה לְכַפֵּר עַל־נַפְשֹׁתֵיכֶם׃

he'aschír lo-jarbé wehaddál lo jam'ít mimmachazít haschákel latét et-terumát adonáj lechappér al-nafschotechém

15 Der Reiche soll nicht mehr geben, und der Arme soll nicht weniger geben als die Hälfte eines Schekels, um die Erhebung dem HERRN zu geben, um eure Seelen zu bedecken.

Viele achten auf das Wort machazít (Hälfte) und sagen, dass dieses Wort erstaunlich aussieht: die äußersten Buchstaben, mem und taw, sind auch die äußersten im Wort Tod (mawet). Symmetrisch von der Mitte aus stehen zwei andere Buchstaben, jud und chej, mit denen das Wort Leben (chajim) beginnt. Und in der Mitte des Wortes steht der Buchstabe zádi (Gerechtigkeit). Das heißt, man kann die Bedeutung des Wortes so zusammensetzen: in der Mitte – Gerechtigkeit, am nächsten bei ihr – Leben, am weitesten von ihr entfernt – Tod. Und eben diese Garantie der Gerechtigkeit, der kleine Buchstabe zádi, der am Anfang des Wortes Gerechtigkeit steht und der einem Menschen ähnelt, der die Arme zur Seite ausgebreitet hat, dieser kleine Buchstabe zádi in der Mitte des Wortes machazít – er ist gleichsam das Zentrum, das, was den Menschen und Gott verbindet. Es gibt eine Sammlung von Midraschim, die „Die Buchstaben des Rabbi Akiwa“ heißt, und in einem von ihnen wird, völlig unerwartet, Jeschua erwähnt, und es wird gesagt, dass Jeschua versuchte, Leben und Tod zu einem einzigen Ganzen zu verbinden, und deshalb ist er wie der Buchstabe zádi, der einem Gekreuzigten ähnelt. In diesem Zusammenhang ist es angebracht, an diesen Midrasch zu erinnern.

וְלָקַחְתָּ אֶת־כֶּסֶף הַכִּפֻּרִים מֵאֵת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְנָתַתָּ אֹתוֹ עַל־עֲבֹדַת אֹהֶל מוֹעֵד וְהָיָה לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל לְזִכָּרוֹן לִפְנֵי יְהוָה לְכַפֵּר עַל־נַפְשֹׁתֵיכֶם׃

welakachtá et-késsef hakkippurím me'ét bené jisraél wenatattá otó al-awodát óhel mo'éd wehajá liwné jisraél lesikkarón lifné adonáj lechappér al-nafschotechém

16 Und du wirst das Geld der Sühne von den Söhnen Israels nehmen und es für den Dienst zur Herstellung des Zeltes geben, und es wird dem Volk Israel ein Gedenken vor dem HERRN sein, damit sie für ihre Seelen Sühne leisten.

Als wir über die Sockel der Säulen gesprochen haben – eben aus diesem gespendeten Silber sind sie gemacht. Nach dem Bau des Zeltes der Begegnung gab es im Volk Israel einen Brauch, nach dem jeder jährlich vom 1. bis zum 14. Adar einen halben Schekel spendete. Es gab eine Tradition (ich wiederhole: das ist keine Anweisung der Tora, das ist eine Tradition, ein Brauch, der im Volk Israel entstanden ist), ein Lösegeld von einem halben Schekel sogar für die Kinder zu geben, die sich noch im Mutterleib befinden, um sie mit dem Höchsten zu verbinden, sie symbolisch an den Höchsten anzuschließen. Und in unserer Zeit ist es am Vorabend des Esterfastens, am Vorabend des Purimfestes ebenfalls üblich zu spenden. Heute beträgt eine solche Spende in Israel 20 Schekel. Man spendet üblicherweise dorthin, wo Tora gelernt wird, dem, der Tora lernt, dem, der dient – nicht unbedingt eurem Rabbiner, nicht unbedingt eurem Lehrer, einfach für irgendeinen Dienst, für irgendein Werk Gottes ist es heute in Israel üblich zu spenden. Das ist das, was den halben Schekel betrifft.

         וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabér adonáj el-mosché lemór

17 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:

         וְעָשִׂיתָ כִּיּוֹר נְחֹשֶׁת וְכַנּוֹ נְחֹשֶׁת לְרָחְצָה וְנָתַתָּ אֹתוֹ בֵּין־אֹהֶל מוֹעֵד וּבֵין הַמִּזְבֵּחַ וְנָתַתָּ שָׁמָּה מָיִם׃

we'assíta kijor nechóschet wechannó nechóschet lerochzá wenatattá otó ben-óhel mo'éd uwén hammisbéach wenatattá schámma májim

18 Und du wirst ein kupfernes Waschbecken machen und sein Gestell aus Kupfer, zum Waschen. Und du wirst es zwischen das Zelt der Begegnung und zwischen den Altar stellen (das ist der Altar draußen, im Hof), und gieß Wasser hinein.

וְרָחֲצוּ אַהֲרֹן וּבָנָיו מִמֶּנּוּ אֶת־יְדֵיהֶם וְאֶת־רַגְלֵיהֶם׃

werachazú aharón uwanáw mimménu et-jedehém we'ét-raglehém

19 Und Aharon und seine Söhne werden in ihm die Hände und Füße waschen.

Die Tradition sagt, dass zuerst der linke Fuß und die linke Hand gewaschen wurden, dann der rechte Fuß und die rechte Hand gewaschen wurden, gleichzeitig.

         בְּבֹאָם אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד יִרְחֲצוּ־מַיִם וְלֹא יָמֻתוּ אוֹ בְגִשְׁתָּם אֶל־הַמִּזְבֵּחַ לְשָׁרֵת לְהַקְטִיר אִשֶּׁה לַיהוָה׃

bewo'ám el-óhel mo'éd jirchazu-májim weló jamútu o wegischtám el-hammisbéach lescharét lehaktír isché ladonáj

20 Wenn sie in das Zelt der Begegnung kommen, werden sie sich mit Wasser waschen und nicht sterben, oder wenn sie an den Altar herantreten, um zu dienen und um ein Feueropfer dem HERRN zu räuchern,

         וְרָחֲצוּ יְדֵיהֶם וְרַגְלֵיהֶם וְלֹא יָמֻתוּ וְהָיְתָה לָהֶם חָק־עוֹלָם לוֹ וּלְזַרְעוֹ לְדֹרֹתָם׃

werachazú jedehém weraglehém weló jamútu wehajetá lahém chok-olám lo ulsar'ó ledorotám

21 Und sie werden die Hände und Füße waschen und nicht sterben. Und das wird ihnen ein ewiges Gedenken sein, ihm und seinem Samen für alle Generationen.“

Die Kommentatoren sagen, es gibt so einen Midrasch, dass das Waschbecken das allerliebste Gefäß ist, der allerliebste Gegenstand, den es im Tempel des Höchsten gibt. Obwohl es nur ein Waschbecken ist und nur Kupfer, wird in den Kommentaren doch erzählt, dass dieses Waschbecken aus Spiegelchen gemacht wurde, die die Frauen gespendet hatten. Ein Spiegel war damals ein teurer Gegenstand. Das Spiegelchen ist das, worin die Frau sich betrachtet, wo sie ihre Schönheit beurteilt, sich herausputzt, um ihrem Mann zu gefallen, an die Liebe zu ihrem Mann denkt. Und eben diesen, einen ihrer liebsten Gegenstände, spendeten die Frauen für das Waschbecken. Und wenn der Kohen kam und sein Spiegelbild betrachtete, verband er sich gleichsam mit den Spiegelbildern von Dutzenden Frauen, und spiegelte sich selbst unter anderem auch im Volk Israel wider. So eine ungewöhnliche Eigenschaft des Waschbeckens.

         וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabér adonáj el-mosché lemór

22 Und der HERR sprach zu Mosche und sagte:

וְאַתָּה קַח־לְךָ בְּשָׂמִים רֹאשׁ מָר־דְּרוֹר חֲמֵשׁ מֵאוֹת וְקִנְּמָן־בֶּשֶׂם מַחֲצִיתוֹ חֲמִשִּׁים וּמָאתָיִם וּקְנֵה־בֹשֶׂם חֲמִשִּׁים וּמָאתָיִם׃

we'attá kach-lechá bessamím rosch mor-derór chamésch me'ót wekinnemon-béssem machazitó chamischím umatájim ukne-wóssem chamischím umatájim

23 „Nimm du dir Arzneien: 500 Gewichtseinheiten (Schekel) reine Myrrhe, und wohlriechenden Kinnamon (wohlriechenden Zimt) nimm in zwei Teilen zu je 250 Schekel, und vom wohlriechenden Rohr nimm ebenfalls 250 Schekel.

Hier werden die Arzneien aufgezählt, die Mosche nehmen soll. Bessamím – das bedeutet heute in der modernen Sprache Parfüm, aber im Hebräisch jener Zeit bedeutete es aromatische heilende Substanzen. Was bedeutet 500 Gewichtseinheiten (Schekel)? Das sind in unserem Fall 9,6 Kilogramm, also fast 10 Kilogramm reine Myrrhe. In zwei Teilen zu je 250 Schekel – also je 4,8 Kilogramm für jeden Teil des wohlriechenden Zimts. Und noch 4,8 Kilogramm wohlriechendes Rohr.

         וְקִדָּה חֲמֵשׁ מֵאוֹת בְּשֶׁקֶל הַקֹּדֶשׁ וְשֶׁמֶן זַיִת הִין׃

wekiddá chamésch me'ót beschékel hakkódesch weschémen sájit hin

24 Und von der Kassia nimm ebenfalls 500 heilige Schekel und Olivenöl ein Hin.

In Wirklichkeit ist Kassia heute die verbreitetste Fälschung von Zimt. Wenn ihr in einen Laden kommt und nach Zimt fragt, gibt man euch höchstwahrscheinlich statt Zimt eben Kassia. Viele Verkäufer, obwohl sie nicht wissen, was Kassia ist, verkaufen nicht Zimt, sondern sein chinesisches oder indonesisches Gegenstück, das Kassia heißt. Es ist bitterer, darin sind einige schädliche Stoffe. Diese beiden Bäume (sowohl Zimt als auch Kassia) gehören zur Familie der Lorbeergewächse, sie ähneln einander, aber es ist trotzdem nicht ein und dasselbe. Also muss man von der Kassia ebenfalls fast 10 Kilogramm nehmen, und Olivenöl ein Hin – das sind 9 Liter. Warum teilte man den Zimt in zwei gleiche Teile? Weil ein Maß Zimt (250 Schekel) als Maß für alle übrigen Gewürze diente, zum Ausgleichen der beiden Waagschalen beim Mischen der Gewürze.

         וְעָשִׂיתָ אֹתוֹ שֶׁמֶן מִשְׁחַת־קֹדֶשׁ רֹקַח מִרְקַחַת מַעֲשֵׂה רֹקֵחַ שֶׁמֶן מִשְׁחַת־קֹדֶשׁ יִהְיֶה׃

we'assíta otó schémen mischchát-kódesch rókach mirkáchat ma'assé rokéch schémen mischchát-kódesch jihjé

25 Und du wirst daraus ein Öl zur heiligen Salbung machen, eine kunstvolle Mischung (die Arbeit eines erfahrenen Pharmazeuten, die Arbeit eines erfahrenen Zusammenstellers von Mischungen), durch das Wirken eines Parfümeurs, ein Öl zur heiligen Salbung wird das sein.

         וּמָשַׁחְתָּ בוֹ אֶת־אֹהֶל מוֹעֵד וְאֵת אֲרוֹן הָעֵדֻת׃

umaschachtá wo et-óhel mo'éd we'ét arón ha'edút

26 Und du wirst damit das Zelt der Begegnung und die Lade des Bundes salben,

         וְאֶת־הַשֻּׁלְחָן וְאֶת־כָּל־כֵּלָיו וְאֶת־הַמְּנֹרָה וְאֶת־כֵּלֶיהָ וְאֵת מִזְבַּח הַקְּטֹרֶת׃

we'et-haschulchán we'et-kol-keláw we'et-hammenorá we'et-keléha we'et misbách hakketóret

27 Und den Tisch und alle seine Gefäße, und den Leuchter und alle seine Werkzeuge, und den Räucheraltar,

         וְאֶת־מִזְבַּח הָעֹלָה וְאֶת־כָּל־כֵּלָיו וְאֶת־הַכִּיֹּר וְאֶת־כַּנּוֹ׃

we'et-misbách ha'olá we'et-kol-keláw we'et-hakkijor we'et-kannó

28 Und den Altar der Ganzopfer und alle seine Werkzeuge, und das Waschbecken und seinen Sockel.

         וְקִדַּשְׁתָּ אֹתָם וְהָיוּ קֹדֶשׁ קָדָשִׁים כָּל־הַנֹּגֵעַ בָּהֶם יִקְדָּשׁ׃

wekiddaschtá otám wehajú kódesch kadaschím kol-hannogé'a bahém jikdásch

29 Und du wirst sie heiligen, und sie werden ein Heiliges sein: alles, was sie berührt, wird geheiligt werden.

         וְאֶת־אַהֲרֹן וְאֶת־בָּנָיו תִּמְשָׁח וְקִדַּשְׁתָּ אֹתָם לְכַהֵן לִי׃

we'et-aharon we'et-banáw timschách wekiddaschtá otám lechahen li

30 Und Aharon und seine Söhne salbe und heilige sie, damit sie Mir als Priester dienen.

Hier ist eine Wiederholung jener Anweisungen, die schon gegeben wurden, das ist nicht etwas, das man von Neuem tun muss. Der Höchste fasst den Plan der Arbeit zusammen, die Mosche aufgetragen ist.

וְאֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל תְּדַבֵּר לֵאמֹר שֶׁמֶן מִשְׁחַת־קֹדֶשׁ יִהְיֶה זֶה לִי לְדֹרֹתֵיכֶם׃

we'el-bené jisraél tedabbér lemór schémen mischchát-kódesch jihjé se li ledorotechém

31 Und zu den Söhnen Israels sprich: Das wird Mir ein heiliges Öl der Salbung sein in euren Generationen.

עַל־בְּשַׂר אָדָם לֹא יִיסָךְ וּבְמַתְכֻּנְתּוֹ לֹא תַעֲשׂוּ כָּמֹהוּ קֹדֶשׁ הוּא קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם׃

al-bessár adám lo jissách uwmatkuntó lo ta'asú kamóhu kódesch hu kódesch jihjé lachém

32 Auf menschliches Fleisch wird damit nicht gesalbt, und macht nach diesem Rezept nichts ihm Ähnliches, es ist bei euch dem HERRN geweiht.

Das heißt, es ist verboten, Öl derselben Zusammensetzung für irgendwelche weltlichen Zwecke herzustellen, für irgendwelche eigenen Vorhaben.

         אִישׁ אֲשֶׁר יִרְקַח כָּמֹהוּ וַאֲשֶׁר יִתֵּן מִמֶּנּוּ עַל־זָר וְנִכְרַת מֵעַמָּיו׃

isch aschér jirkách kamóhu wa'aschér jittén mimménu al-sár wenichrát me'ammáw

33 Ein Mensch, der ein ähnliches Öl herstellt oder der von diesem Öl auf einen Fremden gibt, wird aus seinem Volk ausgerottet werden.“

Das Wort nichrát bedeutet abgeschnitten werden, karát – abschneiden. Aber auch schließen einen Bund – das ist ebenfalls lichrót, lichrót brit (einen Bund abschneiden, abtrennen). In diesem Fall wird der Mensch ausgerottet, abgetrennt von seinem Volk.

Also, der Höchste gebietet Mosche, ein besonderes Öl zu machen, das Öl der Salbung, das dem Höchsten heilig ist, und niemand kann es für irgendeinen anderen Zweck machen als für die Salbung im Tempel. Und das schon fertige Öl kann niemand für irgendeinen Zweck verwenden außer für die Salbung im Tempel.

Im 34. Vers lesen wir die Fortsetzung der Anweisungen, die der Höchste Mosche gibt, und diesmal wird der Höchste über die Zusammensetzung des Räucherwerks sprechen.

         וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה קַח־לְךָ סַמִּים נָטָף וּשְׁחֵלֶת וְחֶלְבְּנָה סַמִּים וּלְבֹנָה זַכָּה בַּד בְּבַד יִהְיֶה׃

wajomer adonáj el-mosché kach-lechá sammím natáf uschchélet wechelbená sammím ulwoná sakká bad bewád jihjé

34 Und der HERR sprach zu Mosche: „Nimm dir Arznei, und Schchélet, und Chelbená, und andere Arzneien, und reinen Weihrauch, und all das soll zu gleichen Teilen sein.

Die erste Arznei, die der Höchste nennt – das ist natáf, auf Griechisch heißt sie stakti, so in der Synodalübersetzung. Beide Wörter kommen vom Wort tropfen, sickern; notéf – das ist das, was sickert oder tropft. Das heißt, natáf ist ein sickerndes wohlriechendes Harz, gewöhnlich von Bäumen oder Sträuchern aus der Familie der Storaxgewächse. Das ist das Erste, was man nehmen muss.

Das Zweite, was man nehmen muss, ist schchélet oder onícha, manchmal wird es so übersetzt, auf Griechisch bedeutet es Onyx (Nagel). Manche sagen, dass das überhaupt keine Pflanze ist, sondern ein Deckelchen, das bei manchen Schnecken das Gehäuse verschließt und das beim Verbrennen einen Geruch ergibt, der Moschus und Ambra ähnelt. Nach Meinung vieler Lehrer, darunter auch nach Meinung des Rambam, war der Stoff für den Dienst erlaubt, wie auch der Moschus selbst (obwohl er manchmal von unreinen Tieren stammt). Aber eine andere Version, wenn auch weniger populär, besagt, dass schchélet die Gewürznelke ist. Mir gefällt die Nelke nicht nur, weil ich ihren Geruch mag, sondern auch, weil die Nelke immerhin eine reine Pflanze ist. Aber diese Meinung ist nicht so maßgeblich. Noch eine Meinung – dass es Bernstein ist oder sogar der Knochen eines Tintenfischs. Und wenn es eine solche Streuung der Meinungen gibt, ist sofort klar, dass wir nichts verstehen.

Der nächste Bestandteil, den Mosche nehmen muss – chelbená oder Galbanum – ein klebriges aromatisches Gummiharz, das von einigen Arten einer krautigen Pflanze erzeugt wird, die Férula heißt. Das ist so eine Blütenpflanze, sehr populär im Mittelmeerraum, mit gelben Blüten, die den Blüten des Senfs ähneln.

Und das Letzte, was man nehmen muss – das ist lwoná sakká, das ist mehr oder weniger verständlich, das ist reiner Weihrauch. Alle diese Bestandteile müssen in gleicher Menge gemischt werden.

וְעָשִׂיתָ אֹתָהּ קְטֹרֶת רֹקַח מַעֲשֵׂה רוֹקֵחַ מְמֻלָּח טָהוֹר קֹדֶשׁ׃

we'assíta otá ketóret rókach ma'assé rokéach memullách tahor kódesch

35 Und du wirst daraus Räucherwerk machen, durch die Arbeit eines Parfümeurs, mit Zusatz von Meersalz, und es wird rein und heilig sein.

Die Kommentatoren sagen, dass dazu Narde, Safran, Zimt, aromatische Henna und Kostus hinzugefügt wurden, noch weitere Elemente. In den Zeiten des Zweiten Tempels wusste nur eine Familie, wie man dieses Räucherwerk zubereitet. Alle diese Arzneien, alle diese Elemente wurden in Olivenöl eingeweicht, in den flüssigen Bestandteilen, dann getrocknet und zermahlen. Einmal im Jahr wurden 368 Portionen Räucherwerk hergestellt: eine Portion Räucherwerk für jeden Tag und dazu noch 3 zusätzliche Portionen für den Dienst am Tag der Sühne.

         וְשָׁחַקְתָּ מִמֶּנָּה הָדֵק וְנָתַתָּה מִמֶּנָּה לִפְנֵי הָעֵדֻת בְּאֹהֶל מוֹעֵד אֲשֶׁר אִוָּעֵד לְךָ שָׁמָּה קֹדֶשׁ קָדָשִׁים תִּהְיֶה לָכֶם׃

weschachaktá mimména hadék wenatattá mimména lifné ha'edút be'óhel mo'éd aschér iwwa'éd lechá schámma kódesch kadaschím tihjé lachém

36 Und du wirst es fein zerreiben und davon vor die Lade des Zeugnisses geben, im Zelt der Begegnung, dort, wo Ich dir begegnen werde; ein Heiligtum wird dies (das Räucherwerk) für euch sein.

         וְהַקְּטֹרֶת אֲשֶׁר תַּעֲשֶׂה בְּמַתְכֻּנְתָּהּ לֹא תַעֲשׂוּ לָכֶם קֹדֶשׁ תִּהְיֶה לְךָ לַיהוָה׃

wehakketóret aschér ta'assé bematkuntá lo ta'asú lachém kódesch tihjé lechá ladonáj

37 Und Räucherwerk nach diesem Rezept mache nicht, es wird dem HERRN ein Heiligtum sein.

Das heißt, wiederum darf man nach diesem Rezept nicht irgendwelches anderes Räucherwerk machen.

אִישׁ אֲשֶׁר־יַעֲשֶׂה כָמוֹהָ לְהָרִיחַ בָּהּ וְנִכְרַת מֵעַמָּיו׃

isch ascher-ja'assé chamóha leharíach ba wenichrát me'ammáw

38 Ein Mensch, der so etwas macht, einfach um daran zu riechen, wird aus seinem Volk ausgerottet werden.

Das heißt, es ist uns strengstens verboten, zu einfachen Zwecken das zu machen, was für das Heiligtum bestimmt ist. Oft möchten wir heilige Dinge nachahmen und auf diese Weise die Heiligkeit berühren. Die Tora lehrt, dass Heiligkeit Furcht und Zittern hervorrufen muss, und wer das tut, indem er nachahmt oder Possen reißt, kann dafür bestraft werden, indem er von seinem Volk abgetrennt wird.

Dem Schabbat die Zeit, der Arbeit die Stunde

Schemot 31,1–17

         וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabér adonáj el-mosché lemór

1 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:

         רְאֵה קָרָאתִי בְשֵׁם בְּצַלְאֵל בֶּן־אוּרִי בֶן־חוּר לְמַטֵּה יְהוּדָה׃

re'é karáti weschém bezal'él ben-urí wen-chúr lematté jehudá

2 „Schau – siehe, Ich habe beim Namen gerufen (erwählt, zum Dienst bestimmt) einen Menschen, der Bezalel heißt, den Sohn Uris, des Sohnes Churs, aus dem Stamm Jehuda.

Der Name Bezalel bedeutet im Schatten Gottes, das Wort zel – das ist Schatten, el – das ist Gott. In die russische Sprache wird der Name als Weseleil übersetzt, das klingt wie „jemanden erheitern“. Nein, mit Fröhlichkeit hat das wenig zu tun. Der Name Uri bedeutet mein Licht. Also so: Bezalel, Sohn Uris – im Schatten Gottes, Sohn des Lichts.

         וָאֲמַלֵּא אֹתוֹ רוּחַ אֱלֹהִים בְּחָכְמָה וּבִתְבוּנָה וּבְדַעַת וּבְכָל־מְלָאכָה׃

wa'amallé otó rúach elohím bechochmá uwitwuná uwdá'at uwchol-melachá

3 Ich werde ihn mit dem Geist Gottes erfüllen, mit Weisheit und mit Verstand und mit Erkenntnis und mit Talent zu jedem Handwerk:

Der Geist Gottes – das ist der Wunsch, dem Höchsten zu dienen, die volle Motivation zur Heiligkeit. Weisheit (chochmá) – das ist die Fähigkeit, zu lernen und Wissen zu übernehmen. Verstand (twuná) – das ist die Fähigkeit, neue Information zu empfangen, zu begreifen und etwas Neues zu entdecken. Erkenntnis (dá'at) – die Fähigkeit, den Höchsten intuitiv zu spüren; dá'at bedeutet eine tiefe innere Verbindung. Die Wortverbindung ladá'at míschehu (jemanden erkennen) kann auch auf die eheliche Nähe angewendet werden. Das ist so eine „Lehnübersetzung“ aus dem Hebräischen, wenn gesagt wird: „Wie wird das geschehen, da ich keinen Mann kenne?“, das heißt, so kann eine Frau sagen, die keinen Mann erkannt hat. Das Wort „Braut“ in der russischen Sprache (newesta) – das ist die, die man „nicht kennt“, ebenfalls eine Unerkannte. Na, das ist ein kleiner lyrischer Exkurs in die Feinheiten der Sprache.

Also, Bezalel, ben-Urí, wen-Chúr – das ist ein Mensch, der den Geist Gottes besitzt (das heißt, er ist bereit, all seine Kräfte dem Dienst zu widmen), Weisheit besitzt, Findigkeit, die Fähigkeit, etwas Neues zu entdecken, und auch intuitive Empfindsamkeit für den Willen des Schöpfers. So ein ungewöhnlicher Mensch. Aber außerdem besitzt er auch Talent zu verschiedenen Handwerken.

         לַחְשֹׁב מַחֲשָׁבֹת לַעֲשׂוֹת בַּזָּהָב וּבַכֶּסֶף וּבַנְּחֹשֶׁת׃

lachschów machaschawót la'asót bassaháw uwakkéssef uwannechóschet

4 Zur Arbeit des Webers, Arbeit zu tun an Gold und an Silber und an Kupfer,

Lachschów machaschawót – das ist ein Ausdruck, den ihr (wenn ihr einen Zeitgenossen fragt oder wenn ihr umgangssprachliches Hebräisch sprecht) ohne Mühe als Gedanken denken übersetzen werdet; choschéw – das ist ich denke. Daher auch das Wort Computer – machschéw, also „Denkding“, Rechending. Aber im Original, in der Tora, bedeutet es Arbeit des Webers.

         וּבַחֲרֹשֶׁת אֶבֶן לְמַלֹּאת וּבַחֲרֹשֶׁת עֵץ לַעֲשׂוֹת בְּכָל־מְלָאכָה׃

uwacharóschet éwen lemallót uwacharóschet ez la'asót bechól-melachá

5 Und in der Bearbeitung des Steins, und in der Einfassung des Steins, und in der Bearbeitung des Holzes – sich mit jeglicher Arbeit beschäftigen.

So ein Meister für alles ist Bezalel. Wie nennt man mit einem Wort einen Menschen, der ein Meister für alles ist? In Bezug auf den irdischen Beruf des Maschiach sagt man oft, dass er Zimmermann, Sohn eines Zimmermanns ist. In Wirklichkeit wird in der griechischen Sprache das Wort tékton gebraucht, das Schiffbauer bedeutet oder eben diesen Meister für alles, ein dörfliches Büro der guten Dienste: dem einen die Sense schärfen, dem anderen etwas aus Stein schnitzen, dem nächsten auch die Flöte stimmen, wenn nötig. Ein Mensch, der alles kann, heißt nagár (Zimmermann). Im Talmud gibt es einige Stellen, wo die Weisen, wenn sie auf irgendeine Schwierigkeit stoßen, sagen: „Wo könnten wir einen Zimmermann oder Sohn eines Zimmermanns finden, der uns unsere Aufgabe lösen würde?“ Und so ist Bezalel das Urbild eben dieses Zimmermanns, er hat vom Höchsten durch den Geist das Wissen so vieler verschiedener Arbeiten bekommen.

         וַאֲנִי הִנֵּה נָתַתִּי אִתּוֹ אֵת אָהֳלִיאָב בֶּן־אֲחִיסָמָךְ לְמַטֵּה־דָן וּבְלֵב כָּל־חֲכַם־לֵב נָתַתִּי חָכְמָה וְעָשׂוּ אֵת כָּל־אֲשֶׁר צִוִּיתִךָ׃

wa'aní hinné natátti ittó et aholi'áw ben-achissamách lematte-dán uwléw kol-chachám-lew natátti chochmá we'asú et kol-aschér ziwwitícha

6 Und siehe, Ich habe mit ihm zusammen Oholi'aw gegeben, den Sohn Achisamachs,

aus dem Stamm Dan, und in das Herz eines jeden Weisen habe Ich Weisheit gegeben ‒ und sie werden alles machen, was Ich dir geboten habe:

Der HERR berief auch einen Menschen, der Oholi'aw heißt (der Name bedeutet mein Zelt ‒ mein Vater oder mein Vater ‒ mein Herd), den Sohn Achisamáchs, was in der Übersetzung ins Russische mein Bruder hat sich auf mich verlassen bedeutet.

Das ist ein sehr interessanter Satz: und in das Herz eines jeden Weisen habe Ich Weisheit gegeben. Er spricht davon, dass der Höchste dem Menschen nach seinen Talenten, nach seiner Veranlagung zu diesem oder jenem Handwerk, dieses Handwerk gegeben hat. Es gibt Menschen, die eine Leidenschaft, eine Neigung zur Musik haben, und es ist wahrscheinlich nicht sehr gut, aus ihnen Maurer zu machen. Es gibt Menschen, die gern in Holz schnitzen, und es ist nicht sehr gut, aus ihnen Taucher zu machen. Der Höchste sagt: „Jedem habe Ich nach seiner Weisheit Weisheit gegeben.“ Als ob der Mensch mit irgendeinem Gefäß gekommen wäre, das in seiner Seele ist, und der Höchste hat dieses Gefäß gefüllt: „Ich habe allen, die weisen Herzens sind, Weisheit gegeben“, das heißt, Er hat Weisheit auf Weisheit gegeben.

אֵת אֹהֶל מוֹעֵד וְאֶת־הָאָרֹן לָעֵדֻת וְאֶת־הַכַּפֹּרֶת אֲשֶׁר עָלָיו וְאֵת כָּל־כְּלֵי הָאֹהֶל׃

et óhel mo'éd we'et-ha'arón la'edút we'et-hakkappóret aschér aláw we'et kol-kelé ha'óhel

7 Und das Zelt der Begegnung und die Lade des Zeugnisses und den Deckel, der auf ihr ist, und alle Gefäße des Zeltes;

         וְאֶת־הַשֻּׁלְחָן וְאֶת־כֵּלָי וְאֶת־הַמְּנֹרָה הַטְּהֹרָה וְאֶת־כָּל־כֵּלֶיהָ וְאֵת מִזְבַּח הַקְּטֹרֶת׃

we'et-haschulchán we'et-keláw we'et-hammenorá hattehora we'et-kol-keléha we'et misbách hakketóret

8 Und den Tisch und seine Gefäße, und den reinen Leuchter und alle seine Gefäße, und den Altar der Wohlgerüche;

         וְאֶת־מִזְבַּח הָעֹלָה וְאֶת־כָּל־כֵּלָיו וְאֶת־הַכִּיּוֹר וְאֶת־כַּנּוֹ׃

we'et-misbách ha'olá we'et-kol-keláw we'et-hakkijor we'et-kannó

9 Und den Altar der Ganzopfer und alle seine Gefäße, und das Waschbecken und seinen Sockel;

         וְאֵת בִּגְדֵי הַשְּׂרָד וְאֶת־בִּגְדֵי הַקֹּדֶשׁ לְאַהֲרֹן הַכֹּהֵן וְאֶת־בִּגְדֵי בָנָיו לְכַהֵן׃

we'et bigdé hasserád we'et-bigdé hakkódesch le'aharón hakkohén we'et-bigdé wanaw lechahén

10 Und die Kleider des Dienstes und die heiligen Kleider für Aharon, den Kohen, und die Kleider für die Söhne Aharons, des Priestertums;

         וְאֵת שֶׁמֶן הַמִּשְׁחָה וְאֶת־קְטֹרֶת הַסַּמִּים לַקֹּדֶשׁ כְּכֹל אֲשֶׁר־צִוִּיתִךָ יַעֲשׂוּ׃

we'et schémen hammischchá we'et-ketóret hassammím lakkódesch kechól ascher-ziwwitícha ja'asú

11 Und das Öl der Salbung und das Räuchern für das Heiligtum ‒ alles, wie Ich dir geboten habe, werden sie machen.“

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajomer adonáj el-mosché lemór

12 Und der HERR sprach zu Mosche und sagte:

         וְאַתָּה דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר אַךְ אֶת־שַׁבְּתֹתַי תִּשְׁמֹרוּ כִּי אוֹת הִוא בֵּינִי וּבֵינֵיכֶם לְדֹרֹתֵיכֶם לָדַעַת כִּי אֲנִי יְהוָה מְקַדִּשְׁכֶם׃

we'attá dabbér el-bené jisraél lemór ach et-schabbetotáj tischmóru ki ot hi bení uwenechém ledorotechém ladá'at ki aní adonáj mekaddischchém

13 „Du aber sage den Söhnen Israels und sprich: Doch nur Meine Sabbate haltet, denn er ist ein Zeichen zwischen Mir und euch in euren Generationen, um zu wissen, dass Ich ‒ der HERR ‒ euch heilige (dass ihr für Mich abgesondert seid).

Das heißt, wenn ihr alles tun werdet, was mit den Tempelgeräten zusammenhängt, kann es euch scheinen, dass das ein so großes und wichtiges Werk ist, dass man den Sabbat vernachlässigen kann und sich mit diesem großen und wichtigen Werk am Sabbat beschäftigen kann. Aber der Höchste sagt: „Nein! Haltet nur Meinen Sabbat!“

Die Welt verändert sich, die Welt ist dynamisch, sie bewegt sich ständig, wir befinden uns gleichsam in einem ständigen Tanz mit dem Schöpfer. Wie erkennen wir, dass wir wirklich mit Ihm tanzen, dass wir uns nicht einfach chaotisch bewegen, dass das ein Tanz ist und nicht eine Brownsche Bewegung? Wir haben einen Treffpunkt, periodisch treffen wir uns an einem berechneten Ort – das ist der Sabbat, das ist das, was uns absondert und darauf hinweist, dass wir uns in einem bestimmten Rhythmus bewegen. Und wie sehr wir auch mit dem umgebenden Chaos verschmelzen mögen, trotzdem sieht man am Sabbat, daran, wie wir uns zum Sabbat verhalten, an unserem Anhalten am Sabbat, dass wir einen Punkt haben, an dem wir uns mit dem Höchsten treffen.

         וּשְׁמַרְתֶּם אֶת־הַשַּׁבָּת כִּי קֹדֶשׁ הִוא לָכֶם מְחַלְלֶיהָ מוֹת יוּמָת כִּי כָּל־הָעֹשֶׂה בָהּ מְלָאכָה וְנִכְרְתָה הַנֶּפֶשׁ הַהִוא מִקֶּרֶב עַמֶּיהָ׃

uschmartém et-haschabbát ki kódesch hi lachém mechaleléha mot jumát ki kol-ha'ossé wa melachá wenichretá hannéfesch hahí mikkérew amméha

14 Und ihr bewahrt den Sabbat, denn er ist heilig für euch; wer ihn bricht, wird des Todes sterben, denn jeder, der an ihm Arbeit tut, ausgerottet wird jene Seele aus dem Volk.

Wenn jemand aus dem Rhythmus gekommen ist und sich nicht mit allen bewegt, dann hört er auf, ein Teil des Volkes zu sein, und seine Seele kann vom Volk abgeschnitten werden. Die Strafe Karét (Abschneiden vom Volk) ‒ das ist die schrecklichste Strafe in der Tora.

שֵׁשֶׁת יָמִים יֵעָשֶׂה מְלָאכָה וּבַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי שַׁבַּת שַׁבָּתוֹן קֹדֶשׁ לַיהוָה כָּל־הָעֹשֶׂה מְלָאכָה בְּיוֹם הַשַּׁבָּת מוֹת יוּמָת׃

schéschet jamím je'assé melachá uwajom haschewi'í schabbát schabbatón kódesch ladonáj kol-ha'ossé melachá bejom haschabbát mot jumát

15 Sechs Tage tue Arbeit, aber am siebten Tag – eine heilige Versammlung (ein heiliges Sabbatsein) vor dem Höchsten; jeder, der am Sabbat Arbeit tut, wird des Todes sterben.

Es gibt einen Befehl, nicht einmal eine Erlaubnis, sondern einen Befehl, das ist ein Teil unseres Tanzes mit dem Höchsten: sechs Tage jede Arbeit tun, sich mit dem Bau des Mischkans beschäftigen, sich mit der Wohnung des Höchsten in dieser Welt beschäftigen, den Armen Brot austeilen und Geld für die Familie verdienen ‒ all das müssen wir tun, unbedingt tun und tun, sechs Tage in der Woche. Aber am siebten Tag müssen wir anhalten.

         וְשָׁמְרוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֶת־הַשַּׁבָּת לַעֲשׂוֹת אֶת־הַשַּׁבָּת לְדֹרֹתָם בְּרִית עוֹלָם׃

weschamerú wene-jisraél et-haschabbát la'asót et-haschabbát ledorotám berít olám

16 Und die Söhne Israels werden den Sabbat bewahren, den Sabbat machen von Generation zu Generation ‒ ein ewiger Bund.

         בֵּינִי וּבֵין בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אוֹת הִוא לְעֹלָם כִּי־שֵׁשֶׁת יָמִים עָשָׂה יְהוָה אֶת־הַשָּׁמַיִם וְאֶת־הָאָרֶץ וּבַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי שָׁבַת וַיִּנָּפַשׁ׃

bení uwén bené jisraél ot hi le'olám ki-schéschet jamím assá adonáj et-haschamájim we'et-ha'árez uwajom haschewi'í schawát wajinnafásch

17 Zwischen Mir und zwischen den Söhnen Israels – das ist ein ewiges Zeichen, denn sechs Tage schuf der HERR den Himmel und die Erde, und am siebten Tag hielt Er an und ruhte (erholte sich).

Selbstverständlich bedeutet erholte sich hier keineswegs, dass der Höchste müde wurde. Aber das ist die Vorgabe des Rhythmus für das ganze Universum, des Rhythmus, in dem auch wir uns zusammen mit dem Höchsten bewegen können. Wieder sage ich: Das ist unser Tanz mit dem Höchsten. Wenn wir am siebten Tag nicht anhalten, heißt das, dass wir falsch tanzen. Viele sagen gern, dass wir jeden Tag als Sabbattag haben, weil wir jeden Tag dem Höchsten geweiht haben. Aber auf diese Weise ignorieren wir den Befehl des Höchsten, Werkzeuge für den Mischkan zu machen, das heißt, eine bestimmte Arbeit in unserer Welt zu tun. Das ganze Wunder, der ganze Zauber des Tanzes liegt darin, dass wir, während wir uns in verschiedenen Welten bewegen, uns in einem Punkt treffen. Wenn wir auf der Stelle stehen und neben uns jemand vorbeitanzt, dann sind wir wie eine Uhr, die zweimal am Tag die genaue Zeit anzeigt, das heißt, manchmal kommen wir in den Schritt mit dem Tanzenden, aber das ist kein Leben mit dem Höchsten. Er will sowohl den Sabbat als auch die Gefäße für den Mischkan, nicht nur eines von beidem. Und deshalb ist der Sabbat ein Zeichen, das ist ein Merkmal dafür, dass wir uns zusammen mit dem Schöpfer bewegen, angefangen mit dem ersten Pas, den der Höchste in diesem Universum vorgegeben hat.

Ki Tissa: unerwartete Taten

Schemot 31,18–32,35

Wir haben die Anweisungen gelesen, die der Höchste in Bezug auf den Bau des Mischkans, die Weihe der Kohanim und alles, was mit dem Mischkan zusammenhängt, gibt. Wir lesen weiter ab Vers 18 von Kapitel 31.

         וַיִּתֵּן אֶל־מֹשֶׁה כְּכַלֹּתוֹ לְדַבֵּר אִתּוֹ בְּהַר סִינַי שְׁנֵי לֻחֹת הָעֵדֻת לֻחֹת אֶבֶן כְּתֻבִים בְּאֶצְבַּע אֱלֹהִים׃

wajittén el-mosché kechallotó ledabbér ittó behár sinaí schené luchót ha'edút luchót éwen ketuwím be'ezbá elohím

18 Und Er gab Mosche, als Er zu Ende geredet hatte mit ihm auf dem Berg Sinai, zwei Täfelchen des Zeugnisses, steinerne Täfelchen, geschrieben mit dem Finger Gottes.

Das Wort lúach (Mehrzahl luchót) übersetzt man gewöhnlich mit dem Wort Tafel, und dieses Wort ist einem russischen Menschen außerhalb eben dieses Kontextes der Tafeln des Bundes wenig bekannt. In der hebräischen Sprache ist das Wort lúach – einfach ein Täfelchen, irgendein Brett. Die Schultafel heißt lúach, der Kalender heißt Brett des Jahres (lúach schaná), das heißt irgendein Brett, etwas für eine Aufschrift, für eine Tabelle – all das ist lúach.

Man sollte meinen, jeder Mensch, der auch nur ein wenig mit jüdischen Gemeinden Umgang hatte, auch nur ein wenig mit dem Judentum vertraut ist, weiß, wie die zwei Tafeln des Bundes aussehen, auf deren jeder je fünf Gebote geschrieben sind, und so haben wir alle uns daran gewöhnt, das zu sehen. Eine solche Tradition der Darstellung der Tafeln hat sich seit dem frühen Mittelalter eingewurzelt. Im Talmud gibt es einen Streit darüber, wie diese Tafeln aussahen, und außer der Meinung, dass auf jeder Tafel je fünf Gebote standen, gibt es noch die Meinung der Weisen, die sagen, dass auf jeder Tafel je zehn Gebote standen, das heißt, die Gebote existierten gleichsam in zwei Exemplaren. Die Sache ist die, dass es in jenen Zeiten beim Abschluss von Verträgen eine solche Tradition gab: Wenn irgendein Herr einen Vertrag mit einem Vasallen schloss, der Ältere mit dem Jüngeren, dann war der Jüngere verpflichtet, die Verträge bei sich in der Lade der Zeugnisse oder an irgendeinem anderen heiligen Ort aufzubewahren, in seinem heiligen Tempel, das heißt, der Vertrag wurde bei ihm aufbewahrt. Wenn man diese Analogie annimmt, dann kann man sich vorstellen, dass auf jeder der Tafeln die zehn Gebote des Zeugnisses geschrieben waren. Zeugnis wovon? Zeugnis des Vertrags zwischen dem Volk Israel und dem Höchsten. Und dann sind das zwei gleiche Tafeln mit zehn Geboten auf jeder. Es gibt auch einen Streit darüber, ob die Inschrift nur auf einer Seite der Tafeln war oder auf beiden, wie man es aus dem weiteren Text der Tora verstehen kann. Es gibt auch einen Streit darüber, mit welchen Buchstaben der Text auf den Tafeln geschrieben ist: mit den Buchstaben des uns bekannten Quadratalphabets, das heute verwendet wird, oder mit den Buchstaben des alten Alphabets, das wir heute Paläohebräisch nennen. Viele Streitigkeiten darüber. Und als Argument, das diesen Streit beendet, kann man die Meinung von Ibn Esra anführen, der sagte: „Da wir keine Tradition haben, können wir nur vermuten.“ Und vermuten darf jeder selbst. Ich erzähle einfach davon, damit ihr euch vorstellt, dass diese gewohnte Darstellung mit je fünf Geboten keineswegs unbedingt authentisch ist.

Mit diesem Vers endet Kapitel 31, und wir gehen über zu Kapitel 32, zu einer sehr traurigen, anders kann man es nicht sagen, Seite der jüdischen Geschichte.

         וַיַּרְא הָעָם כִּי־בֹשֵׁשׁ מֹשֶׁה לָרֶדֶת מִן־הָהָר וַיִּקָּהֵל הָעָם עַל־אַהֲרֹן וַיֹּאמְרוּ אֵלָיו קוּם עֲשֵׂה־לָנוּ אֱלֹהִים אֲשֶׁר יֵלְכוּ לְפָנֵינוּ כִּי־זֶה מֹשֶׁה הָאִישׁ אֲשֶׁר הֶעֱלָנוּ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לֹא יָדַעְנוּ מֶה־הָיָה לוֹ׃

wajár ha'ám ki-woschésch mosché larédet min-hahár wajikkahél ha'ám al-aharón wajomerú eláw kum asse-lánu elohím aschér jelechú lefanénu ki-sé mosché ha'ísch aschér he'elánu me'érez mizrájim lo jadá'nu me-hája lo

1 Und das Volk sah, dass Mosche sich verzögerte, vom Berg herabzusteigen, und das Volk drängte sich zu Aharon, und sie sagten zu ihm: „Steh auf, mache uns Götter, die vor uns hergehen werden. Denn dieser Mann, Mosche, der uns aus dem Land Ägypten herausgeführt hat – wir wissen nicht, was mit ihm geschehen ist.“

Von der Wurzel kuf-hej-lamed des Wortes wajikkahél (drängte sich) stammen die Wörter kehila (Gemeinde) oder Kongregation (so nennt man heute die Versammlung messianischer Gläubiger in Israel), das Wort kahal (Menge), und auch der Name des Buches Kohelet (der, der die Mengen versammelt).

Das ist ein schrecklicher und erstaunlicher Vers der Tora. Erstaunlich ist, wie Menschen, die aus Ägypten ausgezogen waren, den Höchsten buchstäblich mit eigenen Augen gesehen hatten, am Berg Sinai gestanden hatten, das Gebot mache dir keinen anderen Gott, du sollst keine anderen Götter haben empfangen hatten, nach einer gewissen, gar nicht so großen Verzögerung plötzlich stürmisch zu Aharon gehen und ihn um Hilfe bitten, ihn bitten, ihnen Götter zu machen, die sie aus Ägypten herausgeführt haben, die vor ihnen hergehen werden. Was geschieht hier überhaupt? Warum tötet Aharon sie nicht auf der Stelle mit seinem Stab? So viele Jahre es die Auslegung der Tora gibt, so viele Jahre versuchen verschiedene Kommentatoren, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Einige sagen: Fangen wir damit an, dass Aharon überhaupt nicht jener Aharon ist, das ist irgendein Gießer Aharon; gibt es in Brasilien etwa wenige Don Pedros, gibt es in Israel etwa wenige Aharons? Die Leute kamen zu Aharon, aber nicht zu jenem, nicht zum Bruder Mosches, Gott bewahre (wie kann man so etwas von ihm denken!), sondern zu irgendeinem Gießer Aharon, einem Profi, und kamen zu ihm mit einem solchen Sonderauftrag und einer technischen Spezifikation. Leider hält diese Theorie keiner Kritik stand, denn wir werden weiter das Gespräch zwischen Mosche und seinem Bruder Aharon lesen.

Ein anderer Kommentator sagt, angezettelt habe das alles der érew raw (wörtlich: großes Gemisch), die Fremden, die sich an die Juden drangehängt hatten, sie waren es, die einen Gott machen wollten, der sie aus dem Land Ägypten herausgeführt hat. Aharon fürchtete sich vor ihnen, weil sie vorher, wie der Midrasch sagt, zu Chur gekommen waren, Chur hatte sich geweigert, ihnen einen Gott zu machen, sie hatten Chur getötet, und Aharon fürchtete, dass man ihn auch töten würde. Leider hält auch das keiner Kritik stand. Wir kennen Menschen, die in der Heiligkeit auf einer niedrigeren Stufe standen als Aharon – einfache Menschen, einfache Gläubige, die nicht so nah mit dem Höchsten verkehrten wie Aharon, aber ihr Leben hingaben, um nicht Götzen anzubeten. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass Aharon einfach aus Todesangst beschloss, einen Götzen zu machen.

Es gibt Kommentatoren, die sagen, dass das, was die Israeliten zu machen planten, in Wirklichkeit nicht ganz ein Götze war. Ein Teil des Volkes kam und sagte: „Wir erinnern uns, dass Mosche gewisse göttliche Eigenschaften besaß, wir haben an Mosche und an den Höchsten geglaubt, an Gott und an Mosche, Seinen Knecht, geglaubt.“ In unserem Buch Schemot, in Vers 31 von Kapitel 14, steht darüber geschrieben. Die Menschen haben einen bestimmten Glauben an Mosche. Das ist selbstverständlich nicht der Glaube an die Existenz Mosches als solchen, das ist der Glaube an bestimmte Fähigkeiten Mosches, daran, dass er fähig ist, das verbindende Glied zwischen dem Volk und dem Höchsten zu sein. Und hier wollte das Volk vielleicht sagen: „Mach uns ein ebensolches verbindendes Glied. Wir wissen nicht, ob das Man jetzt fallen wird, da Mosche verschwunden ist. Wir wissen nicht, wo wir Wasser hernehmen werden. Wir sind in der Wüste, zurückkehren können wir nirgendwohin, ausweichen können wir nirgendwohin, wir wissen nicht einmal, wohin wir gehen sollen. Wir brauchen irgendeine Brücke, wir brauchen irgendein GPS, wir brauchen jemanden, der uns mit Gott verbinden würde, und wir brauchen etwas, das uns mit Gott verbinden würde.“ Diese Kommentatoren versuchen zu erklären, dass es ursprünglich eigentlich nicht ganz um einen Götzen geht, sondern um ein besonderes Mittel der Verbindung mit dem Höchsten. Das zu machen ist gewissermaßen auch verboten, aber das Verbot ist weniger streng.

Natürlich verstehen die Menschen, dass, selbst wenn man einen Götzen mit riesigen Ohren macht, dieser goldene Tscheburaschka die Stimme des Höchsten nicht hören kann, nicht mit der Stimme des Höchsten sprechen kann. Aber es gibt bestimmte Glaubensvorstellungen: Das Volk ist ja aus Ägypten ausgezogen, das Volk erinnert sich an das, was in Ägypten war (darauf kommen wir noch zurück), und deshalb sucht es irgendein Mittel der Verbindung mit dem Höchsten, mit dem Gott Israels, nicht mit irgendeinem anderen Gott, nicht mit irgendeinem Ersatz für Ihn. Und Aharon versteht, dass man das nicht tun darf, aber andererseits versucht er, Zeit zu schinden. Wiederum sagen das so die Kommentatoren. Man kann Aharon einfach menschlicher Schwäche beschuldigen. Aber wir werden in diesem Kapitel keine Anklage gegen Aharon lesen. Im Buch Dewarim werden wir später sehen, dass er angeklagt werden wird, aber hier hören wir vom Höchsten keine Anklage gegen Aharon, und das bringt uns zum Nachdenken. Und deshalb kann man vermuten, dass Aharon versucht, Zeit zu schinden.

         וַיֹּאמֶר אֲלֵהֶם אַהֲרֹן פָּרְקוּ נִזְמֵי הַזָּהָב אֲשֶׁר בְּאָזְנֵי נְשֵׁיכֶם בְּנֵיכֶם וּבְנֹתֵיכֶם וְהָבִיאוּ אֵלָי׃

wajomer alehém aharón parekú nismé hassaháw aschér be'osné neschechém benechém uwnotechém wehawíu eláj

2 Und Aharon sagte zu ihnen: „Zieht die goldenen Ringe heraus, die in den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter sind, und bringt sie mir.“

         וַיִּתְפָּרְקוּ כָּל־הָעָם אֶת־נִזְמֵי הַזָּהָב אֲשֶׁר בְּאָזְנֵיהֶם וַיָּבִיאוּ אֶל־אַהֲרֹן׃

wajitparekú kol-ha'ám et-nismé hassahaw aschér be'osnehém wajawíu el-aharon

3 Und das ganze Volk nahm die goldenen Ringe ab, die in ihren Ohren waren, und sie brachten sie zu Aharon.

Die Kommentatoren sagen (mit riesiger Liebe zu den Frauen), dass Aharon darauf setzte, dass die Frauen erstens ihre Ohrringe für so eine Sache vielleicht nicht hergeben wollen. Es ist möglich, dass auch nicht jeder Mann sich trauen wird, zu kommen und zu sagen: „Riwka, erinnerst du dich, ich habe dir zum Hochzeitstag Ohrringe geschenkt? Gibst du sie mir nicht? Wir haben hier vor, einen Gott anstelle von Mosche zu machen, haben vor, ein goldenes GPS zu machen.“ Nicht jeder wird sich trauen, weil nicht jeder sicher sein wird, dass er danach gesund oder verheiratet bleibt oder den Frieden in der Familie bewahrt. Man konnte darauf setzen, dass manche Ehefrauen ihre Männer zur Vernunft bringen würden, so etwas kam vor, es sind Fälle bekannt. Man konnte darauf setzen, dass die Ehefrauen einfach nichts geben und sagen: „Ihr habt ja wer weiß wie viele Ideen, und wir haben nicht so viele Ohrringe, um für all eure Ideen Ohrringe herzugeben.“ Aharon versucht, wie die Kommentatoren sagen, wiederum Zeit zu schinden, und wendet sich an die Frauen. Und es ist sehr angenehm zu denken, dass die Frauen die Ohrringe nicht gegeben haben. Ich liebe die Gerechtigkeit der Schwestern und der Frauen sehr, aber man kann hier verstehen, dass das ganze Volk bereitwillig die Ohrringe abnahm und sie Aharon gab, und zwar schneller, als er erwartet hatte; so kann man es aus Vers 3 verstehen. Man kann verstehen, dass auch die Frauen, die sich noch nicht von der Sklavenpsychologie befreit hatten, die die feministischen Lehren nicht kannten, einfach gehorsam die Ohrringe abnahmen und sie auch hergaben. Und auch in den Ohrringen, die die Kerle abgenommen hatten, war genug Gold. So oder so, das Gold fand man sehr schnell. Zeit zu schinden gelang nicht.

         וַיִּקַּח מִיָּדָם וַיָּצַר אֹתוֹ בַּחֶרֶט וַיַּעֲשֵׂהוּ עֵגֶל מַסֵּכָה וַיֹּאמְרוּ אֵלֶּה אֱלֹהֶיךָ יִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר הֶעֱלוּךָ מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃

wajikkách mijadám wajázar otó bachéret waja'asséhu égel massechá wajomerú élle elohécha jisraél aschér he'elúcha me'érez mizrájim

4 Und er nahm es aus ihren Händen und machte es in geschnitzter Arbeit (oder getriebener, so schneidet man die Form zum Gießen aus), und machte es zu einem gegossenen Kalb (das heißt mit Gold ausgegossen: zuerst schnitt er die Form aus, dann goss er sie aus). Und sie sagten: „Da sind diese deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben!“

So wird es wohl am richtigsten zu übersetzen sein: Das Wort élle im Plural bedeutet diese; elohécha jisraél ‒ deine Götter, Israel. Was die Menschen dachten, als sie das aussprachen, ist schwer vorzustellen. Und man möchte denken, dass sie tatsächlich glaubten, das sei eine Art Vermittlung, eine Art Mittel der Verbindung mit dem Höchsten, dass Aharon eben diesen Glauben unterstützte, wenn wir weiter lesen:

         וַיַּרְא אַהֲרֹן וַיִּבֶן מִזְבֵּחַ לְפָנָיו וַיִּקְרָא אַהֲרֹן וַיֹּאמַר חַג לַיהוָה מָחָר׃

wajar aharon wajíwen misbéach lefanáw wajikrá aharon wajomár chag ladonáj machár

5 Und Aharon sah das (Aharon sah, wie sie jenes goldene Stierkalb wahrnahmen, das er gemacht hatte), und errichtete vor ihm einen Altar, und Aharon rief alle und sagte: „Morgen wird ein Fest für den HERRN sein!“

Aharon sagt: „Na, mit Gott fängt man das Feiern nicht so spät am Abend an, der Morgen ist klüger als der Abend, lasst uns morgen feiern.“ Aharon schindet wieder Zeit, um einen Altar zu bauen, um zu sagen: „Jetzt lasst uns einen Altar vorbereiten.“ Das heißt, Aharon, man kann es so verstehen, man kann es so lesen, versucht, Zeit zu schinden. Man kann sagen, dass Aharon sich an das Gefühl klammert, dass dieses Stierkalb nur ein Teil des Altars sein wird, wie die Keruwim ein Teil der Lade sein werden, und dass es trotz allem ein Werkzeug der Verbindung mit dem Gott Israels sein wird und nicht einfach ein Götze. Es ist schwer, sich vorzustellen, was in Wirklichkeit vor sich geht, was für eine Katastrophe in diesem Moment im Herzen Aharons geschieht, und nachzufühlen, was er durchlebt. Aharon versucht, auf irgendeine Weise den Glauben des Volkes Israel zu bewahren, so möchte man das verstehen. Obwohl es Ausleger gibt, die sagen, dass Aharon hier einfach banal Angst bekam und alles tut, was man ihm sagt. Auch dafür gibt es eine Grundlage, wir kommen darauf noch zurück, aber man möchte sehr ungern schlecht über Aharon reden.

Man sieht also, dass die Handlungen Aharons langsam, ohne Eile, gemessen beschrieben werden, das aber, was das Volk tut, wird schnell beschrieben, und es scheint, dass sie sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegen wollen.

         וַיַּשְׁכִּימוּ מִמָּחֳרָת וַיַּעֲלוּ עֹלֹת וַיַּגִּשׁוּ שְׁלָמִים וַיֵּשֶׁב הָעָם לֶאֱכֹל וְשָׁתוֹ וַיָּקֻמוּ לְצַחֵק׃

wajaschkímu mimmachorát waja'alú olót wajaggíschu schelamím wajéschew ha'am le'echól wescható wajakúmu lezachék

6 Und sie wachten früh am Morgen des nächsten Tages auf, und brachten ein Ganzopfer dar, und brachten Friedensopfer dar, und das Volk setzte sich, um zu essen, und sie tranken, und standen auf, um zu spielen (zu feiern, sich auszutoben).

Ich erinnere daran, dass das Ganzopfer ganz verbrennt, das Friedensopfer wird zur Hälfte oder teilweise von dem gegessen, der es darbringt. Das heißt, mit dem Friedensopfer kann man anfangen, ein Festmahl zu halten, mit dem Ganzopfer kann man kein Festmahl halten, von ihm bleibt nichts übrig.

Von der Wurzel zadi-chet-kuf kommt das Verb lizchók (lachen), und das Wort zchók (Lachen). Aber ich habe schon gesagt, dass man das Wort zchók als Wortverbindung von ze (Imperativ des Verbs lazét, hinausgehen) und chok (Gesetz), verstehen kann, das heißt ze chok ‒ geh über die Grenzen des Gesetzes hinaus. Das kann interessant und schön sein, wenn etwas lustig ist, etwas den gewöhnlichen Lauf der Dinge durchbricht, etwas Wunderbares geschieht, das kann auch lustig sein, aber nur, wenn das Lachen vom Höchsten ausgeht. In diesem Fall bricht der Mensch selbst die Verbote – und es ging eine zügellose Lustbarkeit los, es ging einfach Schamlosigkeit los. Die Kommentatoren sagen: „Hier hat man gleich auch Orgien, hier hat man gleich auch eine Prügelei veranstaltet.“ Kurz, das Volk fing an zu feiern.

Und wieder: Warum ist das so geschehen? Die Kommentatoren versuchen zu erklären, dass das Volk Israel sehr uneinheitlich war. Es gab Leute, die ein Mittel der Verbindung mit dem Höchsten machen wollten, aber es gab auch andere, die sich erinnerten: „Da ist er ja, da ist ja der alte, bekannte Götze! Man kann endlich auf die alte Art, wie früher, das alte Neujahr mit dem alten neuen Götzen feiern und Orgien veranstalten wie normale Leute, statt im Gebet der Opferdarbringungen zu stehen.“ Das heißt, möglicherweise stammte die Idee von den einen Leuten, und zu feiern fingen andere Leute an, aber ein schlechtes Beispiel ist ansteckend, und das ganze Volk hat sich damit angesteckt, obwohl wir später lesen, dass es insgesamt nur einige tausend Übeltäter waren, also ein kleiner Teil des Volkes Israel.

Diese ganze Geschichte wird sehr knapp erzählt und hat sehr viele verlockende Momente in Richtung einer Rechtfertigung des Volkes Israel. Man möchte über Israel immer etwas Gutes sagen, und deshalb ist es schwer, schwer, Objektivität zu bewahren, wenn wir das lesen. Aber ich versuche, den Text so zu übersetzen, wie er geschrieben ist.

Also, im Lager Israels begann ein großes Gelage – der Tag des goldenen Kalbes. Im 7. Vers lesen wir, was zu dieser Zeit auf dem Berg geschieht. Mosche hat die Tafeln schon erhalten und müsste sich eigentlich verabschieden.

         וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֶךְ־רֵד כִּי שִׁחֵת עַמְּךָ אֲשֶׁר הֶעֱלֵיתָ מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃

wajdabbér adonáj el-mosché lech-réd ki schichét ammécha aschér he'eléta me'érez mizrájim

7 Und der HERR sprach zu Mosche: „Geh, steig hinab, denn verfault ist (verdorben, vergammelt) das Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast.

Wieder, das ist ein Anlass, worüber zu sprechen? Erste Variante: „Du trägst für es (das Volk) die Verantwortung, du hast die Verantwortung für es übernommen, Ich habe es dir anvertraut.“ Zweite Variante: „Verfault sind die, denen du aus Herzensgüte erlaubt hast, sich dem Volk Israel anzuschließen; die, die Ich berufen habe – sie sind die wahren Nachkommen Israels, sie sind nicht verfault, aber diese hier ‒ die sind verdorben.“ Das Wort schichét bedeutet ist verkommen, dieses Verb wird auch in Bezug auf Sedom und in Bezug auf die Generation vor der Sintflut gebraucht. Das heißt, verkommen ist, alle moralischen Normen verloren hat das Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast. Ich neige dazu zu denken, dass hier nicht von den Fremdlingen die Rede ist, und man sollte das Volk nicht so sehr in diese Schichten aufteilen; die Rede ist von dem Volk, für das Mosche verantwortlich ist (nach dem soeben erhaltenen Vertrag), denn es wurde ja gerade gesagt: „…wenn du die Söhne Israels unter deine Verantwortung nehmen wirst“, das heißt, das ist ein Teil des Vertrags.

         סָרוּ מַהֵר מִן־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר צִוִּיתִם עָשׂוּ לָהֶם עֵגֶל מַסֵּכָה וַיִּשְׁתַּחֲווּ־לוֹ וַיִּזְבְּחוּ־לוֹ וַיֹּאמְרוּ אֵלֶּה אֱלֹהֶיךָ יִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר הֶעֱלוּךָ מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃

sáru maher min-haddérech aschér ziwwitím asú lahém égel massechá wajischtachawu-ló wajisbechu-ló wajomerú élle elohécha jisraél aschér he'elúcha me'érez mizrájim

8 Sie sind schnell von dem Weg abgewichen, den Ich ihnen geboten habe, haben ein gegossenes Kalb gemacht und sich vor ihm niedergeworfen, und ihm Opfer dargebracht, und gesagt: „Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten herausgeführt haben!“

Der Höchste erzählt Mosche nach, was unten geschieht.

         וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה רָאִיתִי אֶת־הָעָם הַזֶּה וְהִנֵּה עַם־קְשֵׁה־עֹרֶף הוּא׃

wajomer adonáj el-mosché ra'íti et-ha'ám hassé wehinné am-kesche-óref hu

9 Und der HERR sprach zu Mosche: „Ich habe dieses Volk gesehen, und siehe – das ist ein halsstarriges Volk.

So übersetzt man es gewöhnlich ins Russische – halsstarrig, das Wort wyja bedeutet Hals. Aber im Hebräischen ist das nicht ganz der Hals, das Wort óref – das ist der Nacken, das ist der untere Teil des Halses. Somit ist kesche-óref – das ist der, dem es schwerfällt, sich umzudrehen, der, bei dem der Nackenbereich das Blut schlecht leitet: ein schlecht denkendes und den Kopf schlecht drehendes Volk. Und da das Wort teschuwá (Reue) im Hebräischen Wendung zurück bedeutet, ist kesche-óref ‒ das ein Volk mit hartem Nacken, ein Volk, das schwer ist im Zurückwenden, das ist ein Volk, das schwer bereut.

Und da macht der Höchste Mosche, wie man so sagt, ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Gewöhnlich ist es auch so mit den Angeboten, die der Höchste macht, aber das ist ein besonderer Fall.

         וְעַתָּה הַנִּיחָה לִּי וְיִחַר־אַפִּי בָהֶם וַאֲכַלֵּם וְאֶעֱשֶׂה אוֹתְךָ לְגוֹי גָּדוֹל׃

we'attá hannícha li wejichar-appí wahém wa'achallém we'e'essé otechá legój gadól

10 Und nun also verlass Mich, und Mein Zorn wird gegen sie entbrennen, und Ich werde sie vernichten, und dich werde Ich zu einem großen Volk machen!“

Den Ausdruck hanícha li könnte man mit erlaube mir übersetzen, aber da wir vom Höchsten sprechen, ist es richtiger, verlass Mich zu übersetzen, das heißt geh weg.

Das, was der HERR Mosche vorschlägt – das ist nicht nur ein Angebot, sondern auch eine Prüfung, eine Prüfung des Anführers: der Anführer für das Volk oder das Volk für den Anführer.

Und im 11. Vers lesen wir die erstaunliche Reaktion Mosches:

         וַיְחַל מֹשֶׁה אֶת־פְּנֵי יְהוָה אֱלֹהָיו וַיֹּאמֶר לָמָה יְהוָה יֶחֱרֶה אַפְּךָ בְּעַמֶּךָ אֲשֶׁר הוֹצֵאתָ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם בְּכֹחַ גָּדוֹל וּבְיָד חֲזָקָה׃

wajchál mosché et-pené adonáj eloháw wajomer lamá adonáj jecheré appechá be'ammécha aschér hozéta me'érez mizrájim bechóach gadól uw'jád chasaká

11 Und Mosche begann den Höchsten, seinen Gott, anzuflehen (zu bitten), und sprach: „Wozu, HERR, soll Dein Zorn entbrennen gegen Dein Volk, das Du aus dem Land Ägypten mit großer Kraft und mit starker Hand herausgeführt hast?

Hier wird das Wort wajchál mit und er begann zu bitten, anzuflehen übersetzt, aber in der wörtlichen, genaueren Übersetzung, in Verbindung mit et-pené ‒ er begann den Gesichtsausdruck zu ändern, den Gesichtsausdruck des Höchsten gütiger zu machen. Mosche begann zu versuchen, den Gesichtsausdruck des Höchsten zu ändern.

Das Wort lamá, das man manchmal mit warum oder weshalb übersetzt, hat im Hebräischen die Bedeutung wozu, wofür, zu welchem Zweck, das heißt nicht warum, sondern wozu. Warum – hier ist klar, warum: weil das Volk Israel gesündigt hat. Aber wozu ‒ das ist es, was Mosche fragt. Nun, und was werden die Ergebnisse davon sein? Mosche wagt es, Mosche erdreistet sich, mit dem Höchsten Selbst zu streiten: „Wozu brauchst Du es jetzt, zornig zu sein auf das Volk, das Du mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt hast?“

לָמָּה יֹאמְרוּ מִצְרַיִם לֵאמֹר בְּרָעָה הוֹצִיאָם לַהֲרֹג אֹתָם בֶּהָרִים וּלְכַלֹּתָם מֵעַל פְּנֵי הָאֲדָמָה שׁוּב מֵחֲרוֹן אַפֶּךָ וְהִנָּחֵם עַל־הָרָעָה לְעַמֶּךָ׃

lámma jomerú mizrájim lemór bera'á hozi'ám laharóg otám beharím ulchallotám me'ál pené ha'adamá schuw mecharón appécha wehinnachémIn der russischen Umschrift steht in diesem Wort statt des h ein Zeichen ohne eigenen Laut, offenbar ein Schreibfehler. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: wehinnachém. al-hara'á le'ammécha

12 Wozu gibst Du die Möglichkeit, dass die Ägypter sagen: ‚Er hat sie aus seiner Bosheit (aus seiner Böswilligkeit) herausgeführt, um sie in den Bergen zu töten und sie von der Oberfläche der Erde zu vernichten!‘ Kehre um von Deinem Zorn, und überlege es Dir anders, Deinem Volk Böses zu tun!“

         זְכֹר לְאַבְרָהָם לְיִצְחָק וּלְיִשְׂרָאֵל עֲבָדֶיךָ אֲשֶׁר נִשְׁבַּעְתָּ לָהֶם בָּךְ וַתְּדַבֵּר אֲלֵהֶם אַרְבֶּה אֶת־זַרְעֲכֶם כְּכוֹכְבֵי הַשָּׁמָיִם; וְכָל־הָאָרֶץ הַזֹּאת אֲשֶׁר אָמַרְתִּי אֶתֵּן לְזַרְעֲכֶם וְנָחֲלוּ לְעֹלָם׃

sechór le'awrahám lejizchák uljisraél awadécha aschér nischbá'ta lahém bach wattedabbér alehém arbé et sar'achém kechochewé haschamájim wechol-ha'árez hassót aschér amárti ettén lesar'achém wenachalú le'olám

13 Gedenke Deiner Knechte, Awraham, Jizchak und Jaakow, denen Du bei Dir Selbst geschworen und zu denen Du gesagt hast: „Ich werde euren Samen mehren wie die Sterne des Himmels, und alles, was Ich versprochen habe (dieses ganze Land), werde Ich eurem Samen geben, und ihr werdet es ewig erben“.

         וַיִּנָּחֶם יְהוָה עַל־הָרָעָה אֲשֶׁר דִּבֶּר לַעֲשׂוֹת לְעַמּוֹ׃

wajinnáchem adonáj al-hara'á aschér dibbér la'asót le'ammó

14 Und der HERR ließ ab von dem Bösen, das er seinem Volk zu tun gesagt hatte.

Was in Mosches Gebet war der Grund, weshalb der Höchste von seinem Vorhaben in Bezug auf das Volk Israel abließ? Das ist derselbe Bestandteil im Gebet, dem wir oft auch in Tehillim begegnen, bei David. Was kann ein Mensch im Grunde dem Höchsten geben, außer Ihn auf der Erde zu verherrlichen, ein Gefäß, ein Werkzeug Seiner Verherrlichung auf der Erde zu sein? David sagt: „Wenn ich umkomme, wenn mir etwas zustößt, wenn ich zuschanden werde, wer wird Dich verherrlichen? Wer wird Dich im sche'ól verherrlichen?“ Und hier wendet sich Mosche an den Schöpfer und sagt: „Zu Deiner Verherrlichung, zu Deiner Herrlichkeit sollen die Ägypter nicht sagen: Er hat sie zum Bösen herausgeführt. Um Deiner Herrlichkeit willen, um Deines Namens willen tu das, lass ab von deinem Vorhaben in Bezug auf das Volk Israel!“

וַיִּפֶן וַיֵּרֶד מֹשֶׁה מִן־הָהָר וּשְׁנֵי לֻחֹת הָעֵדֻת בְּיָדוֹ לֻחֹת כְּתֻבִים מִשְּׁנֵי עֶבְרֵיהֶם מִזֶּה וּמִזֶּה הֵם כְּתֻבִים׃

wajífen wajéred mosché min-hahár uschné luchót ha'edút bejadó luchót ketuwím mischené ewrehém missé umissé hem ketuwím

15 Und Mosche wandte sich um und stieg vom Berg hinab, und die zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand, Tafeln, beschrieben auf beiden Seiten, auf dieser Seite und auf dieser Seite sind sie beschrieben.

Hier steht eine erstaunliche Aufzeichnung: missé umissé (auf dieser Seite und auf dieser Seite) hem ketuwím (sie sind beschrieben). Man kann es so verstehen: entweder eine Aufschrift auf beiden Seiten jeder Tafel, oder auf der ersten Tafel ist der Anfang geschrieben und auf der anderen die Fortsetzung, oder irgendwie anders. Ein klares Verständnis dieser Verse haben wir nicht, Kommentare dazu gibt es wirklich viele, und in diesen Kommentaren kann man ertrinken.

         וְהַלֻּחֹת מַעֲשֵׂה אֱלֹהִים הֵמָּה וְהַמִּכְתָּב מִכְתַּב אֱלֹהִים הוּא חָרוּת עַל־הַלֻּחֹת׃

wehalluchót ma'assé elohím hémma wehammichtáw michtáw elohím hu charút al-halluchót

16 Und diese Tafeln (Bretter, Täfelchen), sie sind ein Werk der Hände des Höchsten, und die Aufschriften auf ihnen – Aufschriften Gottes, eingemeißelt auf den Tafeln.

Die Wortverbindung charút al-halluchót kann man auch als Freiheit auf den Tafeln verstehen. Der Kern des Bundes mit dem Höchsten ‒ das ist die Befreiung von der Sklaverei überhaupt, nicht nur von der ägyptischen Sklaverei, sondern auch von der Sklaverei irgendwelcher anderer Mächte. Diese Auslegung von charút gerade in der Bedeutung Freiheit ist als Midrasch aktuell, aber der einfache Sinn bedeutet eingemeißelt.

Mosche steigt vom Berg hinab und gelangt bis zu dem Ort, wo Jehoschua ben Nun auf ihn wartet.

         וַיִּשְׁמַע יְהוֹשֻׁעַ אֶת־קוֹל הָעָם בְּרֵעֹה וַיֹּאמֶר אֶל־מֹשֶׁה קוֹל מִלְחָמָה בַּמַּחֲנֶה׃

wajischmá jehoschúa et-kol ha'ám bere'ó wajomer el-mosché kol milchamá bammachané

17 Und Jehoschua hörte die Stimme des Volkes in seinem Jubel, und er sagte zu Mosche (Jehoschua erstattet Mosche Bericht): „Stimme des Kampfes im Lager.“

וַיֹּאמֶר אֵין קוֹל עֲנוֹת גְּבוּרָה וְאֵין קוֹל עֲנוֹת חֲלוּשָׁה קוֹל עַנּוֹת אָנֹכִי שֹׁמֵעַ׃

wajomer en kol anót gewurá we'én kol anót chaluschá kol annót anochí schomé'a

18 Und er sprach: „Das ist aber nicht die Stimme des Sieges und nicht die Stimme der Niederlage; die Stimme der Ausschweifung (der Verderbnis) höre ich.“

Warum spricht Jehoschua denn von Stimmen des Krieges, von Stimmen der Schlacht? Weil es im Krieg die Stimme des Angriffs gibt, die Stimme des Sieges, wenn man mit dem Ruf „Hurra!“ auf den Feind losgeht; oder wenn man sich beim Rückzug gegenseitig Mut macht und Stöhnen zu hören ist; oder die Stimme, wenn man die Beute teilt, wenn man eine Stadt plündert und allerlei Ausschweifung geschieht, die es im Krieg gibt.

         וַיְהִי כַּאֲשֶׁר קָרַב אֶל־הַמַּחֲנֶה וַיַּרְא אֶת־הָעֵגֶל וּמְחֹלֹת וַיִּחַר־אַף מֹשֶׁה וַיַּשְׁלֵךְ מִיָּדוֹ (מִיָּדָיו) אֶת־הַלֻּחֹת וַיְשַׁבֵּר אֹתָם תַּחַת הָהָר׃

wajhí ka'aschér karáw el-hammachané wajár et-ha'égel umcholót wajichar-áf mosché wajaschléch mijadáw et-halluchót wajschabbér otám táchat hahár

19 Und es geschah: Als Mosche sich dem Lager näherte und er das Kalb sah und die Reigen um es herum, wurde Mosche zornig, und er warf die Tafeln aus seiner Hand und zerbrach sie unten am Berg.

Als er alles sah, was geschieht, zerschlägt Mosche die Tafeln, von denen gerade erst gesagt wurde, dass sie eigenhändig vom Höchsten geschrieben, vom Höchsten eingeschnitten, vom Höchsten gemacht sind. Und natürlich entsteht die Frage: Wie konnte Mosche es so leicht wagen, diese Tafeln zu vernichten?

Wenn wir uns diesen ganzen Abschnitt ansehen, dann kann der Eindruck entstehen, dass das Volk Israel wie eine Braut aussieht, die unter der Chuppa Unzucht trieb, unter dem Hochzeitsbaldachin Unzucht trieb. Schlimmeres gibt es nicht. Und Mosche, als er das sah, vernichtete den Ehevertrag, zerriss den Vertrag, nach dem die Braut als dem Bräutigam verlobt gilt und folglich verurteilt werden kann. Andere Kommentatoren sagen, dass die Tafeln ziemlich schwer waren, dass Mosche sie durch seinen Glauben trug. Wenn man sich diese riesigen steinernen Tafeln vorstellt oder auch kleine steinerne Tafeln, dann müssen sie ziemlich viel wiegen. Und sie entglitten in diesem Moment einfach den Händen Mosches: das Wunder, das sie hielt, hörte auf, sie zu halten, und sie fielen. Man kann natürlich beide Verständnisse verbinden und viele andere Verständnisse anführen. Ich denke, dass man (abgesehen von aller Mystik und allerlei mystischen Auslegungen) Folgendes sagen kann: Mosche ist ein Mensch aus Blut und Fleisch, und obwohl er der bescheidenste und demütigste der Menschen ist, sind ihm Enttäuschung, Kränkung und Zorn ebenfalls eigen, und man kann hier eine Äußerung der Menschlichkeit Mosches sehen. Dann kann man sagen, dass überhaupt dieser ganze Abschnitt, diese ganze Geschichte vom goldenen Kalb, eine Geschichte ungewöhnlicher, unerwarteter Handlungen ist, wenn Menschen so handeln, wie es niemand von ihnen erwartet. So reagierte Mosche, so etwas geschah, als Mosche sah, was geschieht: er zerschlug die Tafeln unten am Berg.

         וַיִּקַּח אֶת־הָעֵגֶל אֲשֶׁר עָשׂוּ וַיִּשְׂרֹף בָּאֵשׁ וַיִּטְחַן עַד אֲשֶׁר־דָּק וַיִּזֶר עַל־פְּנֵי הַמַּיִם וַיַּשְׁקְ אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wajikkách et-ha'égel aschér assú wajisróf ba'ésch wajitchán ad ascher-dák wajíser al-pené hammájim wajáschk et-bené jisraél

20 Und er nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und verbrannte es im Feuer, und zerstieß es zu feinstem Staub, und warf es ins Wasser, und gab den Söhnen Israels zu trinken.

Das ähnelt dem Verfahren, das später in Bezug auf eine Frau beschrieben wird, die Unzucht getrieben hat: bei denen, die tatsächlich getanzt haben und die tatsächlich götzendienerische Absichten hatten, werden sich irgendwelche Anzeichen zeigen.

         וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן מֶה־עָשָׂה לְךָ הָעָם הַזֶּה כִּי־הֵבֵאתָ עָלָיו חֲטָאָה גְדֹלָה׃

wajomer mosché el-aharón me-assá lechá ha'ám hassé ki-hewéta aláw chata'á gedolá

21 Und Mosche sprach zu Aharon: „Was hat dir dieses Volk getan, wofür hast du ein solches Unheil über das Volk gebracht?“

Das ähnelt dem (fast ein Zitat), was Awimélech seinerzeit zu Awraham sagte: „Was habe ich dir getan, dass du ein solches Unheil über uns gebracht hast?“

         וַיֹּאמֶר אַהֲרֹן אַל־יִחַר אַף אֲדֹנִי אַתָּה יָדַעְתָּ אֶת־הָעָם כִּי בְרָע הוּא׃

wajomer aharon al-jíchar af adoní attá jadá'ta et-ha'ám ki werá hu

22 Und Aharon sprach: „Möge der Herr nicht zürnen, du kennst dieses Volk, wenn es in seinem schlechten Zustand ist.

Woher soll Mosche das wissen? Nun ja, es gab irgendwelche Streitereien, es gab irgendwelche Auseinandersetzungen, während Mosche das Volk herausführte, aber es ist noch wenig Zeit vergangen, die hauptsächlichen Konflikte haben sich noch nicht ereignet. Wovon ist hier die Rede? Möglicherweise von dem, wovon Jecheskel im 20. Kapitel, Verse 6–10, spricht: „Ich bin der HERR, euer Gott! An jenem Tag erhob Ich Meine Hand (zum Schwur), sie aus dem Land Mizrajim herauszuführen, in das Land, das Ich für sie ausgesucht hatte, das von Milch und Honig fließt, die Zierde ist es aller Länder. Und Ich sagte zu ihnen: Jeder werfe die Gräuel (die vor) seinen Augen weg, und mit den Götzen Mizrajims verunreinigt euch nicht: Ich bin der HERR, euer Gott. Aber sie lehnten sich gegen Mich auf und wollten nicht auf Mich hören; keiner warf die Gräuel weg, die vor ihren Augen waren, und die Götzen Mizrajims verließen sie nicht. Und Ich gedachte, Meinen Zorn über sie auszugießen, sie mit Meinem Grimm über ihnen zu erschöpfen im Land Mizrajim. Aber Ich handelte (so) um Meines Namens willen, damit (er) nicht entweiht würde in den Augen der Völker, unter denen sie sich (befanden), vor deren Augen Ich Mich ihnen offenbart hatte, um sie aus dem Land Mizrajim herauszuführen. Und Ich führte sie aus dem Land Mizrajim heraus und brachte sie in die Wüste.“ Wenn man diese Verse aus dem 20. Kapitel Jecheskels liest, dann kann man sehen, dass das Volk rebellierte und Unglauben und den Wunsch zeigte, anderen Göttern zu dienen, noch bevor es aus Ägypten auszog. Und möglicherweise sagt Aharon genau das: „Aber du kennst sie doch, ich konnte nicht mit ihnen streiten.“ Und das ist ein Argument für diejenigen, die meinen, dass Aharon einfach menschlich Angst bekam. Und wenn es so ist, dann kehren wir wieder zu dem Gedanken zurück, dass sich in unserem Wochenabschnitt alle Helden menschlich verhalten, vielleicht zu unerwartet menschlich, Aharon eingeschlossen. Und selbst Menschen, die in Heiligkeit leben, die sich auf die Weihe zu Kohanim vorbereiten, sind nur Menschen, und nichts Menschliches ist ihnen fremd. Aber, ich wiederhole, das ist nur eine der Möglichkeiten des Verständnisses, und man sollte nicht vorschnell Aharon verurteilen. Und weiter erzählt Aharon nach, wie es war.

         וַיֹּאמְרוּ לִי עֲשֵׂה־לָנוּ אֱלֹהִים אֲשֶׁר יֵלְכוּ לְפָנֵינוּ כִּי־זֶה מֹשֶׁה הָאִישׁ אֲשֶׁר הֶעֱלָנוּ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לֹא יָדַעְנוּ מֶה־הָיָה לוֹ׃

wajomeru li assé-lánu elohím aschér jelechú lefanénu ki-sé mosché ha'ísch aschér he'elánu me'érez mizrájim lo jadá'nu me-hája lo

23 Und sie sagten zu mir: „Mache uns einen Gott, der vor uns hergehen wird, denn jener Mann, Mosche, der uns aus Ägypten herausgeführt hat – wir wissen nicht, was mit ihm geschehen ist.“

וָאֹמַר לָהֶם לְמִי זָהָב הִתְפָּרָקוּ וַיִּתְּנוּ־לִי וָאַשְׁלִכֵהוּ בָאֵשׁ וַיֵּצֵא הָעֵגֶל הַזֶּה׃

wa'omár lahém lemí saháw hitparáku wajittenu-lí wa'aschlichéhu wa'ésch wajezé ha'égel hassé

24 Und ich sagte zu ihnen: „Wer Gold hat, nehmt es ab und gebt es mir, und ich warf es ins Feuer, und heraus kam dieses Kalb.“

Das ist es, was Aharon erzählte. Wenn man in der ursprünglichen Beschreibung irgendwelche taktischen Züge Aharons sehen konnte und wir sagten, dass Aharon möglicherweise Zeit schindet und sich allerlei Listen ausdenkt, so werden in der Nacherzählung (wenn Aharon Mosche den Hergang der Ereignisse nacherzählt) keinerlei Listen erwähnt. Höchstwahrscheinlich deshalb, weil es gekommen ist, wie es gekommen ist, und Aharon sich nicht irgendwie rechtfertigen will und einfach erzählt: „So habe ich es gemacht, ich bin nicht stolz auf mich, aber so habe ich gehandelt.“ Und dieses Beispiel des Umgangs zwischen Mosche und Aharon kann auch für uns ein Beispiel des Umgangs sein. Wenn wir mit jemandem umgehen, der bereut, sich entschuldigt und um Vergebung bittet, ist es überhaupt nicht nötig, Einzelheiten aus dem Menschen herauszupressen und zu fragen: Warum hast du das denn getan, warum hast du es gerade so gemacht? Und nicht tausend „Warum“ zu jeder seiner Taten zu stellen, sondern den Zustand des Menschen zu spüren. An der Art, wie Aharon die Ereignisse nacherzählt, sieht man, dass er das Geschehene sehr schwer nimmt, und deshalb liegt die Gnade ihm gegenüber darin, dass von ihm keine Nacherzählung aller Einzelheiten bis ins Letzte verlangt wird.

         וַיַּרְא מֹשֶׁה אֶת־הָעָם כִּי פָרֻעַ הוּא כִּי־פְרָעֹה אַהֲרֹן לְשִׁמְצָה בְּקָמֵיהֶם׃

wajár mosché et-ha'ám ki farú'a hu ki-fera'ó aharon leschimzá bekamehém

25 Und Mosche sah das Volk, dass es verdorben war, denn Aharon hatte es verdorben, zum Bösen.

Aharon ließ zu, dass das Volk zum Bösen verdarb, durch Aharon verdarben sie und fielen. Aber man kann sagen, dass Aharon das Volk hier einfach in einem schlechten Licht dargestellt hat, als er Mosche die Ereignisse nacherzählte.

         וַיַּעֲמֹד מֹשֶׁה בְּשַׁעַר הַמַּחֲנֶה וַיֹּאמֶר מִי לַיהוָה אֵלָי וַיֵּאָסְפוּ אֵלָיו כָּל־בְּנֵי לֵוִי׃

waja'amód mosché bescha'ár hammachané wajomer mi ladonáj eláj waje'assefú eláw kol-bené lewí

26 Und Mosche stellte sich in das Tor des Lagers und sprach: „Wer für den HERRN ist – zu mir!“ Und alle Leviten stellten sich zu ihm.

Was bedeutet dieser Aufruf Mosches? Selbst diejenigen, die die Spiele um das goldene Kalb veranstalteten, waren sicher nicht gegen Gott: sie befanden sich in der Wüste, sie sahen die Gnade des Schöpfers, und man kann sie nicht Feinde Gottes nennen. Aber hier ruft Mosche diejenigen, die bereit sind, ein Werkzeug des göttlichen Gerichts zu sein, die die Seite Gottes wählen und nicht die Seite der Familie. Eine sehr ernste und harte Wahl, die nicht jeden Tag getroffen wird. Und man muss daran denken, dass Mosche selbst einige Verse später dem Höchsten einen erstaunlichen Satz über seine eigene Wahl sagen wird. Aber jetzt spricht er davon, wie das Volk handeln soll. Wer die Seite seines Bruders wählt, seines Freundes, seiner Schwester, seiner Frau, und wer die Seite des Höchsten wählt ‒ man muss sich entscheiden. Das ist es, wozu Mosche aufruft.

         וַיֹּאמֶר לָהֶם כֹּה־אָמַר יְהוָה אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל שִׂימוּ אִישׁ־חַרְבּוֹ עַל־יְרֵכוֹ עִבְרוּ וָשׁוּבוּ מִשַּׁעַר לָשַׁעַר בַּמַּחֲנֶה וְהִרְגוּ אִישׁ־אֶת־אָחִיו וְאִישׁ אֶת־רֵעֵהוּ וְאִישׁ אֶת־קְרֹבוֹ׃

wajomer lahém ko-amár adonáj elohé jisraél símu isch-charbó al-jerechó iwrú waschúwu mischá'ar laschá'ar bammachané wehirguIn der russischen Umschrift steht in diesem Wort („und tötet“) ein h statt eines g. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: wehirgu. isch-et-achíw we'ísch et-re'ehu we'ísch et-kerowó

27 Und er sagte zu ihnen (den Leviten): „So sprach der HERR, der Gott Israels: Legt jeder das Schwert an seine Hüfte, geht hin und zurück, von Tor zu Tor im Lager, – und tötet jeder seinen Bruder, jeder seinen Nächsten und jeder seinen Bekannten.

Hier trifft Mosche selbst die Entscheidung, ausgestattet mit Vollmacht vom HERRN. Offenbar, wie wir auch früher gesagt haben, zeigten sich, nachdem das Volk Israel das Wasser mit dem zu Staub zerstoßenen Kalb getrunken hatte, irgendwelche Anzeichen, an denen man sehen konnte, wer schuldig war.

         וַיַּעֲשׂוּ בְנֵי־לֵוִי כִּדְבַר מֹשֶׁה וַיִּפֹּל מִן־הָעָם בַּיּוֹם הַהוּא כִּשְׁלֹשֶׁת אַלְפֵי אִישׁ׃

waja'assú wene-lewí kidwár mosché wajippól min-ha'ám bajom hahu kischlóschet alfé isch

28 Und die Söhne Lewis taten, wie Mosche gesagt hatte, und es fielen aus dem Volk zu jener Zeit etwa dreitausend Menschen.

Das heißt, wir sehen: obwohl es Tänze gab und irgendwelche Orgien um das Kalb, kamen aus dem Volk dreitausend Menschen um, vielleicht die Hauptanstifter und Animateure.

         וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה מִלְאוּ יֶדְכֶם הַיּוֹם לַיהוָה כִּי אִישׁ בִּבְנוֹ וּבְאָחִיו וְלָתֵת עֲלֵיכֶם הַיּוֹם בְּרָכָה׃

wajomer mosché mil'ú jedchém hajom ladonáj ki isch biwnó uw'achíw welatét alechém hajom berachá

29 Und Mosche sprach: „Weiht eure Hände heute dem HERRN, denn jeder in seinem Sohn, und in seinem Bruder wird heute Segen empfangen!“

Das sind Worte, die zu hören und anzunehmen uns heute sehr schwerfällt. Mir fällt es schwer, sie zu hören und anzunehmen, das sage ich für mich. Wenn ein Mensch fähig ist, ungeachtet der Verwandtschaft, der Nähe, der Liebe, seinen Bruder für Götzendienst zu verurteilen und sogar zu bestrafen, dann wird er dadurch Segen empfangen. Uns erscheint das heute natürlich sehr grausam, aber hier ist eine ziemlich eindeutige Anweisung: Der HERR befiehlt uns, Ihn zu lieben, den HERRN mehr zu lieben als die Brüder. „Wer nicht seinen Vater und seine Mutter hasst, der ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,37) ‒ das ist im Grunde dasselbe Prinzip.

וַיְהִי מִמָּחֳרָת וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־הָעָם אַתֶּם חֲטָאתֶם חֲטָאָה גְדֹלָה וְעַתָּה אֶעֱלֶה אֶל־יְהוָה אוּלַי אֲכַפְּרָה בְּעַד חַטַּאתְכֶם׃

wajhí mimmachorát wajomer mosché el-ha'ám attém chatatém chata'á gedolá we'attá e'elé el-adonáj uláj achapperá be'ád chattatchém

30 Und es war am nächsten Tag, und Mosche sprach zum Volk: „Ihr habt mit einer großen Sünde gesündigt. Nun aber werde ich zum HERRN hinaufsteigen, vielleicht werde ich eure Sünde sühnen.“

         וַיָּשָׁב מֹשֶׁה אֶל־יְהוָה וַיֹּאמַר אָנָּא חָטָא הָעָם הַזֶּה חֲטָאָה גְדֹלָה וַיַּעֲשׂוּ לָהֶם אֱלֹהֵי זָהָב׃

wajaschów mosché el-adonáj wajomár anná chatá ha'ám hassé chata'á gedolá waja'asú lahém elohé saháw

31 Und Mosche kehrte zum HERRN zurück und sprach zu Ihm: „Bitte, dieses Volk hat mit einer großen Sünde gesündigt, sie haben sich einen goldenen Gott gemacht;

         וְעַתָּה אִם־תִּשָּׂא חַטָּאתָם וְאִם־אַיִן מְחֵנִי נָא מִסִּפְרְךָ אֲשֶׁר כָּתָבְתָּ׃

we'attá im-tissá chattatám we'im-ájin mechéni na missifrechá aschér katáwta

32 Nun aber, wirst Du ihre Sünde tragen? Und wenn Du sie nicht trägst, lösche mich bitte aus dem Buch, das Du geschrieben hast!“

Das Wort tragen wird hier, wie auch an vielen anderen Stellen, in der Bedeutung vergeben, auf sich nehmen gebraucht.

Erstaunlich in ihrer Kühnheit, in der Größe der Liebe zum Volk, in ihrem Freimut sind die Worte Mosches: „Wenn Du ihnen vergibst, dann vergib, wenn Du ihnen nicht vergibst, dann lösche auch mich aus dem Buch, das Du geschrieben hast. Ich will nicht ohne mein Volk gerettet werden!“ Und das sind Worte, die derselbe Mosche spricht, der vor Kurzem gesagt hat: „Wer für den HERRN ist ‒ stellt euch neben mich!“ Mosche, der dazu aufruft, für den HERRN einzustehen, ist selbst bereit, für das Volk einzustehen. Eine erstaunliche Eigenschaft eines Anführers, der nicht gesagt hat: „Mich, mich, aus mir lass ein Volk hervorgehen, ich werde es sein, ich werde es werden!“ Mosche ist zum ewigen Untergang bereit, nur damit das Volk nicht verurteilt wird. Mir scheint, das sind sehr erhabene Worte eines Anführers, eines Pastors, eines Dieners, der für sein Volk eintritt. Der höchste Grad der Liebe und eine große Lehre für uns alle.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה מִי אֲשֶׁר חָטָא־לִי אֶמְחֶנּוּ מִסִּפְרִי׃

wajomer adonáj el-mosché mi aschér chata-lí emchénnu missifrí

33 Und der HERR sprach zu Mosche: „Wer gegen Mich gesündigt hat, den werde Ich aus Meinem Buch löschen.

         וְעַתָּה לֵךְ נְחֵה אֶת־הָעָם אֶל אֲשֶׁר־דִּבַּרְתִּי לָךְ הִנֵּה מַלְאָכִי יֵלֵךְ לְפָנֶיךָ וּבְיוֹם פָּקְדִי וּפָקַדְתִּי עֲלֵיהֶם חַטָּאתָם׃

we'attá lech neché et-ha'ám el ascher-dibbárti lach hinné mal'achí jeléch lefanécha uwjom pokdí ufakadtí alehém chattatám

34 Nun geh und gib dem Volk weiter, was Ich dir gesagt habe. Siehe, Mein Engel wird vor dir hergehen; zu seiner Zeit (am Tag Meiner Vergeltung) werde Ich ihnen ihre Sünde vergelten.“

Vom Engel wird im nächsten Kapitel noch die Rede sein.

         וַיִּגֹּף יְהוָה אֶת־הָעָם עַל אֲשֶׁר עָשׂוּ אֶת־הָעֵגֶל אֲשֶׁר עָשָׂה אַהֲרֹן׃

wajiggóf adonáj et-ha'ám al aschér assú et-ha'égel aschér assá aharón

35 Und der HERR schlug das Volk mit einer Seuche (einer Epidemie) dafür, dass sie das Kalb gemacht hatten, das Aharon gemacht hatte.

Das Volk machte das Kalb, das Aharon gemacht hatte ‒ das ist ein erstaunlicher Satz, und man kann ihn auf viele verschiedene Weisen verstehen. Höchstwahrscheinlich – dafür, dass sie Aharon gezwungen hatten, das Kalb zu machen, nicht Aharon wurde geschlagen, sondern das Volk wurde von der Epidemie geschlagen. Es gibt Situationen (so wird es sehr oft angenommen), in denen ein Mensch etwas tut, das des Todes würdig ist, aber man hat ihn darüber nicht im Voraus gewarnt, und es gibt kein Gericht, das ihn verurteilen kann. Und dann wird er vor der Zeit getötet, getötet durch die Hände des Himmels, er verkürzt sich das Leben. Und das ist ein solcher Fall, in dem der Höchste eine Seuche, eine Epidemie über das Volk Israel brachte und diejenigen vernichtete, die des Todes würdig waren.

Hier kann man sich daran erinnern, womit der Wochenabschnitt Ki Tissa begann: mit dem halben Schekel, den jeder zu seiner Sühne bringt. Wir sagten, dass das eine Art Helm oder Raumanzug ist, der den Menschen davor schützt, durch die Schuld anderer in die Sünde gestürzt zu werden, davor, dass andere ihn irgendwohin ziehen, in die falsche Richtung. Und hier sehen wir ein Beispiel einer solchen Situation, in der andere einen Menschen in die Sünde ziehen, einen Menschen dazu verführen, durch das goldene Kalb eine Sünde zu begehen. Das ist eine geistliche Epidemie, Götzendienst, der möglicherweise jemanden verschlungen, jemanden angesteckt hat. Die Reaktion des Höchsten, die Antwort des Höchsten war eine Seuche, eine Epidemie, die Er über das Volk Israel sandte, und diejenigen, die an dieser Seuche sterben werden, werden nicht zufällig sterben, es werden keine zufälligen Opfer sein.

Damit endet dieser erstaunliche, tragische Abschnitt über das goldene Kalb. Vieles kann man noch sagen, und über vieles kann man streiten, dieses Thema ist nach wie vor offen für Streit. Ich lege nur, wie gewöhnlich, Holz in das Feuer eures Denkens nach.

Ki Tissa: die Kraft des Wortes

Schemot 33,1–16

Wir haben schon die schreckliche Geschichte vom Sündenfall Israels gelesen, davon, dass das Volk Israel das Kalb machte, ohne die Rückkehr Mosches abzuwarten, und dass darauf die Strafe folgte. Wir haben bei einer gewissen Stille haltgemacht, in der unklar ist, wie sich die jüdische Geschichte weiter entwickeln wird und wie sich die Beziehungen zwischen Israel und dem Höchsten weiter entwickeln werden. Und wir beginnen mit Vers 1 von Kapitel 33 zu lesen.

         וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵךְ עֲלֵה מִזֶּה אַתָּה וְהָעָם אֲשֶׁר הֶעֱלִיתָ מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר נִשְׁבַּעְתִּי לְאַבְרָהָם לְיִצְחָק וּלְיַעֲקֹב לֵאמֹר לְזַרְעֲךָ אֶתְּנֶנָּה׃

wajdabbér adonáj el-mosché lech alé missé attá weha'ám aschér he'elíta me'érez mizrájim el-ha'árez aschér nischbá'ti le'awrahám lejizchák ulja'aków lemór lesar'achá ettenénna

1 Und der HERR redete mit Mosche: „Geh, steig hinauf (oder steh auf, beweg dich) von hier, du und das Volk, das du heraufgeführt (herausgeführt) hast aus dem Land Ägypten. Geht in das Land, von dem Ich Awraham, Jizchak und Jaakow geschworen habe, indem Ich sprach: Deinem Samen werde Ich es geben.

Obwohl hier der Höchste wieder sagt: „…du hast herausgeführt“, sagt Er nicht wie früher: „…dein Volk (ammchá)“, Er sagt: „…du und das Volk (atta weha'am)“, und das ist schon ein gewisser Fortschritt in der Beziehung.

         וְשָׁלַחְתִּי לְפָנֶיךָ מַלְאָךְ וְגֵרַשְׁתִּי אֶת־הַכְּנַעֲנִי הָאֱמֹרִי וְהַחִתִּי וְהַפְּרִזִּי הַחִוִּי וְהַיְבוּסִי׃

weschalachtí lefanécha mal'ách wegeraschtí et-hakkena'aní ha'emorí wehachittí wehapperissí hachiwwí wehajwussí

2 Und Ich werde vor dir einen Engel senden und die Kanaaniter, die Emoriter, und die Hethiter, und die Perisiter, und die Chiwiter, und die Jewussiter vertreiben.

Wer fehlt in dieser Liste? Das sind die girgaschim: sie wird man nicht vertreiben müssen, sie sind selbst weggegangen. Der Höchste sagt: „Steh auf, brich auf, es wird keine Säule mehr geben, der man folgen muss, wie es war, als Ich dich begleitete, als Ich bereit war, in eurer Mitte zu gehen. Du, steh auf und brich auf, denn Ich werde vor dir einen Engel senden.“ Über den Engel haben wir schon gesprochen, über den Engel hat auch der Höchste Mosche schon eine Verheißung gegeben, aber hier geht es um etwas anderes. Als wir in den vorigen Kapiteln über den Engel sprachen, weigerte sich der Höchste nicht, Selbst mit dem Volk Israel zu gehen, der Engel war der Engel des Angesichts des Höchsten, der den Höchsten vertrat. Hier sagt der Höchste: „Ich werde den Engel an Meiner Stelle senden, Selbst aber werde Ich nicht mit dir gehen.“ Und weiter erklärt der Höchste, warum:

         אֶל־אֶרֶץ זָבַת חָלָב וּדְבָשׁ כִּי לֹא אֶעֱלֶה בְּקִרְבְּךָ כִּי עַם־קְשֵׁה־עֹרֶף אַתָּה פֶּן־אֲכֶלְךָ בַּדָּרֶךְ׃

el-érez sawát chaláw udwásch ki lo e'elé bekirbechá ki am-kesché-óref átta pen-achelchá baddárech

3 Und du wirst in das Land kommen, das von Milch und Honig fließt; Ich werde nicht in deiner Mitte gehen, denn ein halsstarriges Volk bist du, damit Ich dich nicht auf dem Weg vernichte.“

Ich habe schon über diesen Ausdruck gesprochen, ich wiederhole es noch einmal: Ein Land, das von Milch und Honig fließt ‒ das ist ein Land, das darauf wartet, dass man es bearbeitet. Von Honig triefen die nicht geernteten Datteln, hier geht es nicht um Bienenhonig (wie fast überall im Tanach), es geht um Dattelhonig, das heißt um jenen besonderen Sirup, von dem die Datteln triefen. Ein Land, in dem ungemolkene Tiere umhergehen, in dem die Früchte nicht geerntet sind – ein Land, das auf den wartet, der es bearbeiten wird.

Wir haben über den Ausdruck halsstarrig gesprochen ‒ das ist der, dem es schwerfällt, sich umzuwenden, dem es schwerfällt zu gehorchen, ein störrisches Volk.

Die Wörter achelchá (ich vernichte dich) und kilajón (Untergang) stammen von dem Wort kol (alles): „Damit Ich dich auf dem Weg nicht ‚veralle‘, dich auf dem Weg nicht völlig ausrotte.“ Das ähnelt dem Verb le'echól (essen, speisen), aber das ist ein völlig anderes Wort.

         וַיִּשְׁמַע הָעָם אֶת־הַדָּבָר הָרָע הַזֶּה וַיִּתְאַבָּלוּ וְלֹא־שָׁתוּ אִישׁ עֶדְיוֹ עָלָיו׃

wajischmá ha'am et-haddawár hará hassé wajit'abbálu welo-schátu isch ed'jo aláw

4 Und das Volk hörte diese schlimme Nachricht, und sie trauerten, und sie legten nicht jeder seinen Schmuck an sich.

Das klingt sehr seltsam: was hat hier, so scheint es, der Schmuck damit zu tun? Gewöhnlich wird das Wort adí, das hier gebraucht wird, als Schmuck (ed'jo – sein Schmuck) übersetzt. Dieses Wort hat dieselbe Wurzelzelle (ajin-dalet) wie die Wörter ed (Zeuge) und edut (Zeugnis). Man kann diesen Text unterschiedlich verstehen, aber höchstwahrscheinlich sind hier die Kleider gemeint, auf denen das Blut des Bundes war, jene Kleider, in denen das Volk Israel am Sinai vor dem Höchsten stand, Kleider, die zu einer Art Uniform des Volkes wurden. Wie der Kohen seine priesterlichen Kleider hat, so hat auch das Volk seine „Hochzeits“-Kleider, Kleider des Zeugnisses. Und hier kann man sagen, dass das Volk sie abgelegt hat, aufgehört hat, sie anzuziehen.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה אֱמֹר אֶל־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל אַתֶּם עַם־קְשֵׁה־עֹרֶף רֶגַע אֶחָד אֶעֱלֶה בְקִרְבְּךָ וְכִלִּיתִיךָ וְעַתָּה הוֹרֵד עֶדְיְךָ מֵעָלֶיךָ וְאֵדְעָה מָה אֶעֱשֶׂה־לָּךְ׃

wajomer adonáj el-mosché emór el-bené-jisraél attém am-kesché-óref réga echád e'elé wekirbechá wechillitícha we'attá horéd ed'jechá me'alécha we'ed'eá ma e'esse-lách

5 Und der HERR sprach zu Mosche: „Sage den Söhnen Israels: ihr seid ein halsstarriges Volk, nur für einen Augenblick werde Ich mit dir gehen – und Ich werde dich vernichten. Und nun leg das Kleid des Zeugnisses von dir ab, und Ich werde wissen, was mit dir zu tun ist.“

Was bedeutet das? Der erste Teil der Strafe – leg ab: „Du kannst diese Kleidung nicht mehr tragen“ oder, sozusagen, „leg den Ausweis auf den Tisch“. Und weiter – wir werden sehen: „Ich weiß, was Ich mit dir tun werde, Ich verberge diese Strafe vorerst vor dir.“

וַיִּתְנַצְּלוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֶת־עֶדְיָם מֵהַר חוֹרֵב׃

wajitnazzelú wené-jisraél et-ed'jám mehár choréw

6 Und die Söhne Israels entledigten sich der Kleider vom Berg Choreb.

Achten wir auf das Wort wajitnazzelú.  Hier begegnen wir einem anderen Verb – lehitnazzel, das im modernen Hebräisch sich rechtfertigen, sich entschuldigen bedeutet. Nun, auf welche Weise sich entschuldigen? Sich entschuldigen, indem man sich rechtfertigt: „Entschuldigung, dass ich zu spät gekommen bin, es gab Staus; Entschuldigung, dass ich nicht gekommen bin, die Elektronen wurden von den Leitungen geweht, und die Straßenbahn konnte nicht fahren.“ Sich rechtfertigen – das heißt, die Schuld von sich nehmen. Lehitnazzel – das bedeutet auch von sich ablegen: die Verantwortung von sich ablegen, sich weigern, an einer Situation teilzunehmen. Hier zog sich das Volk Israel Zivil an, legte die Uniformen ab, die es am Berg Choreb erhalten hatte, und so kann man das wohl verstehen.

         וּמֹשֶׁה יִקַּח אֶת־הָאֹהֶל וְנָטָה־לוֹ מִחוּץ לַמַּחֲנֶה הַרְחֵק מִן־הַמַּחֲנֶה וְקָרָא לוֹ אֹהֶל מוֹעֵד וְהָיָה כָּל־מְבַקֵּשׁ יְהוָה יֵצֵא אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד אֲשֶׁר מִחוּץ לַמַּחֲנֶה׃

umosché jikkách et-ha'óhel wenata-ló michúz lammachané harchék mi-hammachané wekáraIn der russischen Umschrift beginnt dieses Wort („und er nannte“) mit b statt mit w. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: wekára. lo óhel mo'éd wehajá kol-mewakkésch adonáj jezé el-óhel mo'éd aschér michúz lammachané

7 Und Mosche nahm das Zelt und stellte es außerhalb des Lagers auf, fern vom Lager, und nannte es Zelt der Begegnung. Und es war: Jeder, der das Angesicht des Höchsten sucht, geht hinaus zum Zelt der Begegnung, das außerhalb des Lagers ist.

Damit die göttliche Gegenwart, die Schechina, das Volk Israel nicht verlässt (solange der Höchste nicht in seiner Mitte weilen will), zog Mosche das Zelt aus dem Lager hinaus – dorthin, wo der Höchste gleichsam einwilligt, gegenwärtig zu sein. Und jeder, der vom Höchsten Antworten auf seine Fragen sucht, der die Klärung seiner Streitigkeiten will, möglicherweise Rechtsstreitigkeiten, kommt zum Zelt.

         וְהָיָה כְּצֵאת מֹשֶׁה אֶל־הָאֹהֶל יָקוּמוּ כָּל־הָעָם וְנִצְּבוּ אִישׁ פֶּתַח אָהֳלוֹ וְהִבִּיטוּ אַחֲרֵי מֹשֶׁה עַד־בֹּאוֹ הָאֹהֱלָה׃

wehajá kezét mosché el-ha'óhel jakúmu kol-ha'ám wenizzewú isch pétach aholó wehibbítu acharé mosché ad-bo'ó ha'óhela

8 Und es war: Wenn Mosche zum Zelt hinausging, stand das ganze Volk auf (standen alle auf), jeder am Eingang seines Zeltes, und sie schauten Mosche nach, bis er in das Zelt hineingeht.

Was geschieht hier? Es gibt eine Tradition im Judentum, die die Natur in vier Kategorien einteilt: domém (Steine, Unbelebtes), zoméach (Pflanzen), chaj (Tierwelt) und die besondere Kategorie medabbér (Sprechender), das heißt der Mensch, ein sprechendes Wesen, sein Unterscheidungsmerkmal ist das Gespräch. Obwohl die Beziehung zum Höchsten zerrüttet ist, das Volk gesündigt hat und der Höchste sich geweigert hat, in der Mitte des Volkes zu sein, geht Mosche, indem er die Fähigkeit des Menschen nutzt zu sprechen, irgendwelche Fragen durch ein Gespräch zu lösen, um mit dem Höchsten zu sprechen. Selbst dann, wenn die Beziehung hoffnungslos zerrüttet ist (oder es scheint, dass sie hoffnungslos zerrüttet ist), geht Mosche ins Zelt, um mit dem Höchsten zu sprechen, und das Volk schaut ihm voller Hoffnung nach: Was wird der Höchste antworten, wird es Mosche gelingen, den Höchsten anzuflehen, in die Mitte des Volkes zurückzukehren?

         וְהָיָה כְּבֹא מֹשֶׁה הָאֹהֱלָה יֵרֵד עַמּוּד הֶעָנָן וְעָמַד פֶּתַח הָאֹהֶל וְדִבֶּר עִם־מֹשֶׁה׃

wehajá kewó mosché ha'óhela jeréd ammúd he'anán we'amád pétach ha'óhel wedibbér im-mosché

9 Und es war, als Mosche in das Zelt hineinging, kam die Rauchsäule herab, stellte sich an den Eingang des Zeltes und redete mit Mosche.

Natürlich beschreibt die Tora hier das, was für das Volk sichtbar war: Das Volk sah, dass die Rauchsäule gleichsam mit Mosche redet. In Wirklichkeit, von Mosches Seite aus, sah das ganz anders aus, und die Tora wird uns gleich davon erzählen.

         וְרָאָה כָל־הָעָם אֶת־עַמּוּד הֶעָנָן עֹמֵד פֶּתַח הָאֹהֶל וְקָם כָּל־הָעָם וְהִשְׁתַּחֲוּוּ אִישׁ פֶּתַח אָהֳלוֹ׃

wera'á chol-ha'ám et-ammúd he'anán oméd pétach ha'óhel wekám kol-ha'ám wehischtachawú isch pétach aholó

10 Und das ganze Volk sah die Rauchsäule, die am Eingang des Zeltes steht, und das ganze Volk stand auf, und sie verneigten sich, jeder am Eingang seines Zeltes, vor dem Höchsten.

         וְדִבֶּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה פָּנִים אֶל־פָּנִים כַּאֲשֶׁר יְדַבֵּר אִישׁ אֶל־רֵעֵהוּ וְשָׁב אֶל־הַמַּחֲנֶה וּמְשָׁרְתוֹ יְהוֹשֻׁעַ בִּן־נוּן נַעַר לֹא יָמִישׁ מִתּוֹךְ הָאֹהֶל׃

wedibbér adonáj el-mosché paním el-paním ka'aschér jedabbér isch el-re'éhu wescháw el-hammachané umscharetó jehoschú'a bin-nún na'ár lo jamísch mittóch ha'óhel

11 Und der HERR redete mit Mosche von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mensch mit seinem Nächsten redet (wie wir mit unseren Freunden reden). Und er kehrte ins Lager zurück, sein Diener aber (das Wort na'ár wird gewöhnlich mit Jüngling übersetzt, aber man kann es auch mit Diener übersetzen), Jehoschua ben Nun, wich nicht vom Zelt.

Der Höchste antwortet auf diesen Schrei des Volkes Israel, auf den Wunsch des Volkes Israel, auf das Streben des Volkes Israel nach Umkehr, nach Nähe, antwortet damit, dass Er mit Mosche von Angesicht zu Angesicht redet. Das Volk sieht die Rauchsäule, so ist es für das Volk sichtbar, aber in Wirklichkeit kommt der Höchste nicht mit irgendwelchen Effekten, nicht mit irgendeiner Kulisse, hinter der Er sich versteckt: Er redet mit Mosche von Angesicht zu Angesicht.

Was geschah denn im Zelt?

         וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־יְהוָה רְאֵה אַתָּה אֹמֵר אֵלַי הַעַל אֶת־הָעָם הַזֶּה וְאַתָּה לֹא הוֹדַעְתַּנִי אֵת אֲשֶׁר־תִּשְׁלַח עִמִּי וְאַתָּה אָמַרְתָּ יְדַעְתִּיךָ בְשֵׁם וְגַם־מָצָאתָ חֵן בְּעֵינָי׃

wajomer mosché el-adonáj re'é attá omér eláj ha'ál et-ha'ám hasse we'attá lo hoda'táni et aschér-tischlách immí we'attá amárta jeda'tícha weschém wegam-mazáta chen be'enáj

12 Und Mosche sprach zum HERRN: „Sieh, Du hast mir seinerzeit gesagt: Bring dieses Volk hinauf. Und Du hast mir nicht gesagt, wie das sein wird, und Du hast mir gesagt: Ich habe dich beim Namen erkannt. Und Du hast mir gesagt, dass ich Gnade gefunden habe in Deinen Augen.

Das heißt: „Du hast mir nicht gesagt, wen Du mit mir senden wirst. Du hast mir gesagt, dass Du mich persönlich erwählt hast, nicht irgendwen, nicht einen, der zufällig zur Hand war. Du hast mich bei meinem Namen erwählt, ich war für diesen Dienst bestimmt.“

         וְעַתָּה אִם־נָא מָצָאתִי חֵן בְּעֵינֶיךָ הוֹדִעֵנִי נָא אֶת־דְּרָכֶךָ וְאֵדָעֲךָ לְמַעַן אֶמְצָא־חֵן בְּעֵינֶיךָ וּרְאֵה כִּי עַמְּךָ הַגּוֹי הַזֶּה׃

we'attá im-ná mazáti chen be'enécha hodi'éni na et-derachécha we'eda'achá lemá'an emza-chén be'enécha ur'é ki ammechá haggój hasse

13 Nun aber, wenn ich Gnade finde in Deinen Augen, sage mir Deinen Weg, und ich werde Dich kennen, damit ich Gnade finde in Deinen Augen, und sieh (erblicke), dass dieses Volk ‒ das ist Dein Volk.“

Mit anderen Worten: „Sage mir, was Du zu tun vorhast, sage mir, auf welcher Grundlage Du entscheidest, mit dem Volk zu sein oder nicht zu sein, erzähle mir Deine Gesetze, gib mir Deine Lehre.“

Worin besteht das Gebet Mosches, die Hinwendung Mosches an den Höchsten? Er sagt: „Wie auch immer wir sind, was auch immer wir tun, was auch immer mit uns geschieht, wir sind – die Deinen. Genau so, manchmal Unfug treibend, manchmal sündigend, halsstarrig (am-kesché-óref), aber – die Deinen. Und wohin sollen wir ohne Dich, und wohin soll ich ohne Dich? Das ist doch meine Lebensbestimmung, nicht nur ich bin dafür bestimmt, sondern auch mein Leben ist dafür bestimmt. Was für ein Leben habe ich ohne diese Bestimmung?“ Das ist es, wovon Mosche zum Höchsten spricht. Und der Höchste antwortet.

וַיֹּאמַר פָּנַי יֵלֵכוּ וַהֲנִחֹתִי לָךְ׃

wajomár panáj jeléchu wahanichóti lach

14 Und der Höchste sprach: „Mein Antlitz (oder Mein Angesicht) wird vor dir hergehen.“

Angesicht (paním) besteht gleichsam aus Zügen, und man kann es übersetzen als: „Meine Züge werden vor dir hergehen, Ich werde Meine Gegenwart senden, alle Meine Eigenschaften werden dich begleiten.“ So spricht der Höchste in erhabener Form von Sich Selbst.

Aber es gibt auch ein schöneres, ein interessanteres Verständnis. Der Höchste sagt: „Ich werde vor dir hergehen und werde mit dem Angesicht zu dir gewandt gehen, du wirst ständig Mein Angesicht sehen, und Mein Blick wird ständig auf dir sein. Wie Ich mit dir von Angesicht zu Angesicht rede (das, wovon wir gesprochen haben), so werde Ich auch das Volk führen, mit Meinem ihm zugewandten Angesicht.“ Das ist auch ein mögliches Verständnis, und es ist sehr interessant.

         וַיֹּאמֶר אֵלָיו אִם־אֵין פָּנֶיךָ הֹלְכִים אַל־תַּעֲלֵנוּ מִזֶּה׃

wajomer eláw im-én panécha holechím al-ta'alénu missé

15 Und er sprach zu Ihm: „Wenn Dein Antlitz nicht mit uns geht, bring uns nicht von hier hinauf.

         וּבַמֶּה יִוָּדַע אֵפוֹא כִּי־מָצָאתִי חֵן בְּעֵינֶיךָ אֲנִי וְעַמֶּךָ הֲלוֹא בְּלֶכְתְּךָ עִמָּנוּ וְנִפְלֵינוּ אֲנִי וְעַמְּךָ מִכָּל־הָעָם אֲשֶׁר עַל־פְּנֵי הָאֲדָמָה׃

uwammé jiwwadá efó ki-mazáti chen be'enécha aní we'ammécha haló belechtechá immánu weniflínu aní we'ammechá mikkol-ha'ám aschér al-pené ha'adamá

16 Und woher werde ich erkennen, dass ich Gnade gefunden habe in Deinen Augen, ich und Dein Volk, wenn nicht daran, dass Du mit uns gehst? Und abgesondert sein werden (oder auf wunderbare Weise uns unterscheiden) wir, ich und Dein Volk, von jedem Volk, das auf der Oberfläche der Erde ist (das auf der Erde ist).

Das heißt: „Ich werde mich von allen Völkern der Erde unterscheiden, und das Volk, Dein Volk, wird sich von allen Völkern der Erde gerade dadurch unterscheiden, dass Du in ihm gegenwärtig sein wirst. Und so werden wir wissen, dass wir Gnade gefunden haben in Deinen Augen. Und wenn nicht aus Gnade, dann bring uns nicht hinauf, vernichte uns lieber.“ Entweder Nähe zu Dir oder Untergang ‒ so stellt Mosche die Frage vor den Höchsten. Das ist das Wesen der Umkehr.

Worin ist das ein Beispiel für uns, welche Schlussfolgerung können wir daraus ziehen? In jeder Situation – sowohl in der Beziehung zum Höchsten als auch in den Beziehungen zu Menschen – muss man sprechen. Der Mensch ist ein sprechendes Wesen, man kann sprechen, bis zuletzt versuchen zu sprechen, versuchen, die Beziehung in Ordnung zu bringen, sich zuwenden, um Gnade bitten, um Vergebung bitten. Nun und, da der sprechende Mensch zugleich auch der hörende Mensch ist, muss ständig erklingen: „wie auch wir vergeben unseren Schuldnern“. Als Antwort auf diesen Schrei Israels, als Antwort auf die Augen, die auf Ihn gerichtet sind, darauf, dass das ganze Volk, jeder in seinem Zelt, jeder an seinem Platz, sich vor Ihm verneigte, als Antwort auf diese einmütige Umkehr hob der Höchste Sein Urteil auf. Wir sehen wieder, dass der Höchste ein Urteil aufheben kann. Und Er sagt: „Ich werde unter euch gehen.“

Ki Tissa: Ehre sei Gott!Die russische Überschrift bedeutet wörtlich „Ehre sei Gott!“ und ist zugleich die Alltagswendung „Gott sei Dank!“. Übersetzt ist die wörtliche Bedeutung, die zum Thema der Herrlichkeit Gottes in diesem Abschnitt passt.

Schemot 33,17–34,9

Wir haben Mosche und den Höchsten bei ihrem erstaunlichen Gespräch verlassen. Wir sind dabei stehen geblieben, dass Mosche den Höchsten bat, dass das Volk Israel sich unterscheiden, sich von den anderen Völkern dadurch abheben möge, dass mit ihm, mit dem Volk Israel, die Gegenwart des Höchsten sein wird. Und im 17. Vers lesen wir:

         וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה גַּם אֶת־הַדָּבָר הַזֶּה אֲשֶׁר דִּבַּרְתָּ אֶעֱשֶׂה כִּי־מָצָאתָ חֵן בְּעֵינַי וָאֵדָעֲךָ בְּשֵׁם׃

wajomer adonáj el-mosché gam et-haddawár hassé aschér dibbárta e'essé ki-mazáta chen be'enáj wa'eda'achá beschém

17 Und der HERR sprach zu Mosche: „Auch dieses Wort (diese Sache), von der du gesprochen hast, werde Ich tun, denn du hast Gnade gefunden in Meinen Augen, und Ich habe dich beim Namen gekannt (dich vorher erwählt).“

Der Höchste gibt hier Mosche ein Versprechen entsprechend der Bitte Mosches, dass die Gegenwart des Höchsten beständig inmitten des Volkes Israel sein wird. Und das Volk Israel wird sich absondern, sich von den anderen Völkern dadurch unterscheiden, dass es das Volk des einen Gottes ist. Und der Höchste gibt diese Verheißung nicht um des Verdienstes des Volkes Israel willen, sondern weil, wie Er selbst sagt, gerade Mosche Gnade in Seinen Augen gefunden hat. Daraus können wir den Schluss ziehen, dass manchmal das Gebet eines Gerechten für das Volk oder für uns sehr wichtig und sehr stark ist: viel vermag das Gebet eines Gerechten. Was soll ein Mensch tun, fühlen, wenn der Höchste ihm auf sein Gebet antwortet? Nun, natürlich vor allem Dankbarkeit gegenüber dem Höchsten empfinden. Aber was tut Mosche, als er fühlt, versteht, dass der Höchste ihm jetzt zugeneigt ist, sein Gebet hört, ihm wohlgesonnen ist? Mosche bittet um noch etwas:

         וַיֹּאמַר הַרְאֵנִי נָא אֶת־כְּבֹדֶךָ׃

wajomár har'éni na et-kewodécha

18 Und er sprach: „Zeige mir Deine Herrlichkeit!“

Das heißt: „Ich will Dich näher kennen.“ Aber das bedeutet auch: „Ich will verstehen, wie genau Du verherrlicht werden willst.“ Es gibt verschiedene Götter, an die verschiedene Völker glauben. Sie existieren nicht, aber die Völker glauben an sie. Manchmal verzerren die Völker der Welt das Bild des einen Gottes. Zum Beispiel verkünden die Muslime: „Allahu akbar“ ‒ „Allah ist der Größte, der Stärkste, Allah ist stärker als alle“. Ihr Gott wird durch Stärke verherrlicht, deshalb neigt dieses Volk so sehr zur Grausamkeit: „Wenn ich stärker bin als du, dann bin ich auch göttlicher als du. Wenn ich in dein Haus kommen und deine Kinder töten kann, dann ist mein Gott stärker als dein Gott.“ Das ist die Verherrlichung des Gottes, so ist es üblich, so hat es sich im Islam herausgebildet. Obwohl der Koran ihm (dem Gott) auch andere Eigenschaften zuschreibt: er ist auch der Gnädige, er ist auch der Barmherzige und noch vieles andere, wird er doch verherrlicht, seine Herrlichkeit besteht darin, dass er der Stärkste, der Größte, der Coolste ist.

Und so fragt Mosche gleichsam: „Wie willst Du verherrlicht werden? Willst Du der Schönste sein, der Stärkste, der Ästhetischste, Schmuck und alle mögliche Schönheit lieben, teure Dinge lieben, durch teure Tempel verherrlicht werden? Vielleicht willst Du durch Blutvergießen verherrlicht werden? Zeige mir Deine Herrlichkeit, zeige mir, wie man Dich verherrlichen soll. Ich will, indem ich auf Dich schaue, indem ich jenes Licht sehe, das Dich umgibt (wir sprechen jetzt in Bildern, denn der Höchste hat keine Umrisse, die von Licht umgeben wären), verstehen, zeige mir, wodurch Du verherrlicht wirst, wodurch Du herrlich bist, wie Du bist!“ Das ist eine sehr kühne Bitte. Aber Mosche sagt: „Da wir nun einmal beschlossen haben, dass Du bei uns wohnst, da wir nun einmal eine solche Vereinbarung auf lange Zeit geschlossen haben, zeige mir, wie Du bist.“ Und der Höchste antwortet ihm:

         וַיֹּאמֶר אֲנִי אַעֲבִיר כָּל־טוּבִי עַל־פָּנֶיךָ וְקָרָאתִי בְשֵׁם יְהוָה לְפָנֶיךָ וְחַנֹּתִי אֶת־אֲשֶׁר אָחֹן וְרִחַמְתִּי אֶת־אֲשֶׁר אֲרַחֵם׃

wajomer aní a'awír kol-tuwí al-panécha wekaráti weschém adonáj lefanécha wechannotí et-aschér achón werichamtí et-aschér arachém

19 Und er sprach: „All das Gute (alle Meine positiven Eigenschaften) werde Ich vorüberziehen lassen (hinüberführen) vor dir, und Ich werde den Namen des HERRN vor dir ausrufen. Ich werde Gnade erweisen, wem Ich Gnade erweise, und Mitleid haben, lieben (von Liebe ergriffen werden) zu dem, den Ich lieben werde.“

Das Wort a'awír (ich werde hinüberführen) – eine Futurform des Verbs la'awór, leha'awir – hat dieselbe Wurzel (Ajin-Bet-Resch) wie das Wort la'awór (hindurchgehen) und das Wort iwrí (Hebräer, hebräisch). Tuw ‒ ist das Gute, kol ‒ ist alles, kol-tuwí – all mein Gutes.

Wir haben viel über die Bedeutung des Namens gesprochen. Der Name – darum geht es eben, wie ein Mensch oder Gott sein Wesen nach außen offenbart. „Ich werde ausrufen, dir davon erzählen, was für einen (in Anführungszeichen gesprochen) ‚Ruf‘ Ich habe, wodurch Ich verherrlicht werden will.“

Und weiter sagt der Höchste: „Ich werde Gnade erweisen, wem Ich Gnade erweise …“ Worum geht es in diesem Gespräch? Darum, dass der Höchste Mosche aus Gnade erlauben wird und auch weiterhin denen erlauben wird, die sich als würdig erweisen, oder denen, die der Höchste erwählt, diese Herrlichkeit zu sehen, Seine Herrlichkeit zu schauen und (wie wir weiter sehen werden, wird der Höchste das erklären) am Leben zu bleiben, denn das ist nicht selbstverständlich.

וַיֹּאמֶר לֹא תוּכַל לִרְאֹת אֶת־פָּנָי כִּי לֹא־יִרְאַנִי הָאָדָם וָחָי׃

wajomer lo tuchál lir'ót et-panáj ki lo-jir'áni ha'adám wacháj

20 Und er sprach (der Höchste sprach): „Du wirst Mein Angesicht nicht sehen können, denn kein Mensch kann Mich sehen und am Leben sein.“

Ein erstaunlicher Satz. Erstaunlich deshalb, weil es uns schwerfällt, uns vorzustellen, dass der Höchste irgendeine Anatomie hat, dass Er ein Angesicht oder einen Rücken hat. Und obwohl der Tanach voll von solchen Bildern ist, verstehen wir, dass Er keinen Körper als solchen hat. Als wir über das Wort paním (Angesicht) sprachen, erwähnten wir, dass es von den Zügen bestimmt wird, sie offenbaren, offenbaren vollständig den inneren Inhalt. Die Leuchte des Leibes ‒ die Augen; die Leuchte des Höchsten, das, was das Licht des Höchsten vollständig offenbart, ‒ das ist das Angesicht. Aber eine vollkommene Offenbarung, in der absolute Heiligkeit und absolutes Licht ist, kann in dieser Welt nicht existieren. Schon das Wort Welt (olám) – unsere Welt, jede Welt – hat dieselbe Wurzel wie das Wort leha'alím (verbergen). Die Welt ist Verborgenheit. Deshalb wird dort, wo die vollständige Offenbarung des Schöpfers geschieht, die Welt sich nicht halten können. Deshalb sagt der Höchste: „Du kannst Mein Licht nicht direkt sehen und am Leben bleiben.“

         וַיֹּאמֶר יְהוָה הִנֵּה מָקוֹם אִתִּי וְנִצַּבְתָּ עַל־הַצּוּר׃

wajomer adonáj hinné makóm ittí wenizzawtá al-hazzúr

21 Und der Höchste sprach: „Siehe, es gibt einen Ort bei Mir, und du wirst in der Ausweitung des Felsens verborgen sein.

Gemeint ist der Berg Choreb.

         וְהָיָה בַּעֲבֹר כְּבֹדִי וְשַׂמְתִּיךָ בְּנִקְרַת הַצּוּר וְשַׂכֹּתִי כַפִּי עָלֶיךָ עַד־עָבְרִי׃

wehajá ba'awór kewodí wesamtícha benikrát hazzúr wesakkotí chappí alécha ad-owrí

22 Und es wird sein, wenn Meine Herrlichkeit vorüberzieht, dann werde Ich dich in die Spalte des Felsens setzen, und Ich werde dich mit Meiner Handfläche bedecken, bis Ich vorübergegangen bin.

Wieder ein sehr interessanter Satz. Wiederum gibt es eine Schwierigkeit mit der Vorstellung, dass der Höchste eine Anatomie hat. Jetzt erfahren wir, dass es eine Handfläche gibt, mit der Er Mosche bedecken wird. Das ist natürlich ein Bild, aber die Frage ist: ein Bild wovon? Noch lange bevor irgendwelche Kommentare zur Tora entstanden, erschien eine Übersetzung der Tora in die aramäische Sprache. Gewöhnlich ging die Lesung in der Synagoge so vor sich: Man las einen Vers aus der Tora auf Hebräisch, dann las man seine Übersetzung ins Aramäische, damit alle Leute, darunter Frauen, Kinder und wenig gebildete Männer, den Inhalt verstanden, dann las man den Vers wieder auf Hebräisch. Der aramäische Text war nicht einfach eine Übersetzung, er war auch ein Kommentar, der unverständliche Stellen erklärte. Die alte Übersetzung, die Jonatan ben Usiel (Ⅱ. Jahrhundert n. Chr.) zugeschrieben wird, sagt an dieser Stelle, dass der Höchste Mosche mit Seinem Wort bedecken wird, mit eben jenem Wort, dem später bestimmt ist, Fleisch zu werden. Dem Wort, das in den Targumim (in den aramäischen Übersetzungen) oft memrá genannt wird. Warum ist es wichtig, das zu erwähnen? Sehr viele Gelehrte, Erforscher der frühen aramäischen Literatur der Zeit des Zweiten Tempels, sagen, dass das Wort memrá, oder Logos, oder Ausspruch eben jenes Wort ist, von dem Jochanan in seinem Evangelium sagt, dass gerade es im Anfang war – eben jenes Wort, das Fleisch wurde (wie ich schon gesagt habe). Und dann ergibt sich, dass sich nach dem Targum, nach der alten Überlieferung, das Angesicht des Höchsten gleichsam durch farbiges Glas offenbart. Oder dass Sein Angesicht sich wie hinter farbigem Glas verbirgt, hinter dem Angesicht des Maschiach, hinter eben jenem memrá, mit dem der Höchste Mosche bedeckte, während Er an ihm vorüberzog. Das ist eine Parallele zwischen den Wörtern memrá und Logos bei Jochanan (zwischen memrá und dem Maschiach), aber die Parallele ist ziemlich umstritten, und es gibt viele Einwände dagegen, man kann nicht so eindeutig darüber sprechen. Mit einem gewissen Vorbehalt, sogar mit einem großen Vorbehalt möchte man diese Parallele dennoch erwähnen.

Und dann sagt der Höchste:

         וַהֲסִרֹתִי אֶת־כַּפִּי וְרָאִיתָ אֶת־אֲחֹרָי וּפָנַי לֹא יֵרָאוּ׃

wahassirotíIn der russischen Umschrift steht am Anfang dieses Wortes ein j statt des h-Lauts. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: wahassirotí. et-kappí wera'íta et-achoráj ufanáj lo jera'ú

23 Danach werde Ich meine Hand wegnehmen, wenn Ich schon mit dem Rücken zu dir sein werde, und du wirst Mich von hinten sehen. Aber Mein Angesicht wird sich nicht zeigen.“

Damit beenden wir das 33. Kapitel und lesen weiter das 34. Kapitel. Es beginnt mit einem anderen Befehl, den der Höchste Mosche gibt.

         וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה פְּסָל־לְךָ שְׁנֵי־לֻחֹת אֲבָנִים כָּרִאשֹׁנִים וְכָתַבְתִּי עַל־הַלֻּחֹת אֶת־הַדְּבָרִים אֲשֶׁר הָיוּ עַל־הַלֻּחֹת הָרִאשֹׁנִים אֲשֶׁר שִׁבַּרְתָּ׃

wajomer adonáj el-mosché pesól-lechá schené-luchót awaním karischoním wechatawtí al-halluchót et-haddewarím aschér hajú al-halluchót harischoním aschér schibbárta

1 Und der HERR sprach zu Mosche: „Haue dir aus Stein zwei steinerne Tafeln, wie jene, die ersten, und Ich werde auf diese Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast.

         וֶהְיֵה נָכוֹן לַבֹּקֶר וְעָלִיתָ בַבֹּקֶר אֶל־הַר סִינַי וְנִצַּבְתָּ לִי שָׁם עַל־רֹאשׁ הָהָר׃

wehjé nachón labbóker we'alíta wabbóker el-hár sináj wenizzawtá li scham al-rósch hahár

2 Und sei bereit zum Morgen, und steige am Morgen auf den Berg Sinai, und tritt dort vor Mich, auf den Gipfel des Berges.

         וְאִישׁ לֹא־יַעֲלֶה עִמָּךְ וְגַם־אִישׁ אַל־יֵרָא בְּכָל־הָהָר גַּם־הַצֹּאן וְהַבָּקָר אַל־יִרְעוּ אֶל־מוּל הָהָר הַהוּא׃

we'ísch lo-ja'alé immách wegám-isch al-jerá bechól-hahár gam-hazzón wehabbakár al-jir'ú el-múl hahár hahú

3 Niemand von den Menschen wird mit dir hinaufsteigen, und es soll sich kein Mensch auf dem ganzen Berg zeigen, und das Vieh darf man nicht gegenüber diesem Berg weiden“.

Das heißt, selbst wenn ein Mensch nicht mit Mosche hinaufgestiegen ist, sondern beschlossen hat, dort Schafböcke weiden zu lassen, dort Morgengymnastik zu machen, darf man auch das nicht tun. Mosche erhielt den Befehl: Wenn die ersten Tafeln aus nicht von Menschenhand gemachtem Stein gemacht waren, der Höchste selbst sie gemacht hat, dann werden die zweiten Tafeln eine etwas andere Natur haben. Da Mosche die Verantwortung für das Volk auf sich genommen hat und der Höchste Mosche das Volk anvertraut hat, erfüllt Mosche in gewissem Maße die Funktion, die früher der Höchste erfüllt hat, und bereitet die Steine für die Tafeln vor. Er muss mit diesen Steinen, mit diesen Täfelchen, auf den Berg hinaufsteigen. Diese Täfelchen werden wie leere Blätter sein, auf die der Höchste dieselben Worte schreiben wird (aber in Wirklichkeit nicht dieselben), dieselben Gebote, die auf den ersten Tafeln waren.

Wir haben schon darüber gesprochen, dass diese Tafeln, selbst wenn man von der allerkleinsten Größe ausgeht, ziemlich schwer gewesen sein müssen. Und wenn wir früher sagen konnten, dass diese Tafeln, als Mosche vom Berg herabstieg, durch die Kraft der Buchstaben auf irgendeine wunderbare Weise gehalten wurden und er sie tragen konnte, so trägt Mosche diese Tafeln jetzt erstens nach oben und nicht nach unten, und zweitens trägt er sie selbst.

         וַיִּפְסֹל שְׁנֵי־לֻחֹת אֲבָנִים כָּרִאשֹׁנִים וַיַּשְׁכֵּם מֹשֶׁה בַבֹּקֶר וַיַּעַל אֶל־הַר סִינַי כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֹתוֹ וַיִּקַּח בְּיָדוֹ שְׁנֵי לֻחֹת אֲבָנִים׃

wajifsól schene-luchót awaním karischoním wajaschkém mosché wabbóker wajá'al el-hár sináj ka'aschér ziwwá adonáj otó wajikkách bejadó schené luchót awaním

4 Und er machte (fertigte an) zwei steinerne Täfelchen wie die ersten. Und Mosche erwachte am Morgen und stieg auf den Berg Sinai, wie der HERR ihm geboten hatte, und nahm zwei steinerne Täfelchen mit sich.

         וַיֵּרֶד יְהוָה בֶּעָנָן וַיִּתְיַצֵּב עִמּוֹ שָׁם וַיִּקְרָא בְשֵׁם יְהוָה׃

wajéred adonáj be'anán wajitjazzéw immó scham wajikrá weschém adonáj

5 Und der HERR stieg in der Wolke herab und stellte sich ihm gegenüber (oder neben ihn) und verkündete den Namen des HERRN.

Da wir hier nicht recht verstehen können, wer den Namen des HERRN verkündete, gibt es einen Streit. Natürlich bleibt die unterschiedliche Lesart auch unter den Kommentatoren der Tora bestehen. Die einen sagen, dass Mosche den Namen des HERRN verkündete, die anderen sagen, dass nein: Wie der Höchste versprochen hatte, Mosche seinen Namen zu offenbaren, so offenbart Er auch den Namen.

Und jener Name, den wir jetzt lesen werden, oder jene Eigenschaften, von denen wir jetzt lesen werden, heißen in der jüdischen Tradition Dreizehn Maße der Barmherzigkeit. Man geht davon aus, dass die Tora hier dreizehn positive, barmherzige Eigenschaften des Höchsten aufzählt, das heißt, die Tradition sagt, dass es dreizehn sind. Aber verschiedene Kommentatoren haben versucht, dieses Fragment auf verschiedene Weise in dreizehn Teile zu zerlegen. Die einen trennten Verse, die anderen verbanden Verse, verbanden und trennten Sätze. Das heißt, alle stimmen mit der Tradition überein, dass es dreizehn sind, aber die Liste dieser dreizehn Eigenschaften existiert in vier, fünf verschiedenen Versionen. So geschieht es oft im Judentum, wenn es irgendeine konkrete traditionelle Zahl gibt, die durch die Tradition überliefert wird. Genau dasselbe kann man auch in Bezug auf die 613 Gebote sagen. Man nimmt gewöhnlich an, dass es in der Tora 613 Gebote gibt, und deshalb haben verschiedene Lehrer, von Saadja Gaon und Rambam an, im Ⅹ., Ⅻ., ⅩⅠⅠⅠ., ⅩⅤ. und ⅩⅠⅩ. Jahrhundert Listen dieser 613 Gebote zusammengestellt. Und diese Listen sind verschieden. Woher stammt die Zahl 613?

Im ⅠⅠⅠ. Jahrhundert lebte ein Mensch, der Rabbi Simlai hieß. Das war ein sehr charismatischer Prediger, der viele Überlieferungen, viele erstaunliche Geschichten kannte und sehr gern mit den damaligen Gegnern des Judentums diskutierte, mit den Christen, den Juden, die an Jeschua glaubten, von denen ein Teil schon damals auf die Einhaltung des Gesetzes und der Gebote verzichtet hatte. Und Rabbi Simlai verglich die Gebote der Tora mit einer Arznei, mit einem lebenspendenden Balsam für den menschlichen Körper. Die Medizin jener Zeit, auch die östliche Medizin (das kann man sowohl im tibetischen Buch Gyüschi als auch im indischen Ayurveda und in der arabischen Medizin sehen), zählte im Menschen 613 verschiedene Teile: 365 Sehnen und 248 Organe. Das war die allgemein anerkannte Vorstellung von der Medizin. Rabbi Simlai sagte: „613 Gebote der Tora, jedes der Gebote nährt ein einzelnes Organ. Deshalb gibt es ohne Tora, ohne die Gebote zu halten, kein Leben für den Menschen.“ So entstand aus seinem Midrasch die Idee, dass es genau 613 Gebote der Tora gibt, und die Menschen versuchten, verschiedene Listen dieser Gebote zusammenzustellen. In Wirklichkeit sagt die Tora: „Unzählbar ist Dein Gebot.“ Es gibt keine Liste, es gibt keine konkrete Zahl der Gebote in der Tora, diese Zahl ist symbolisch. Die Listen sind dementsprechend auch symbolisch, was keineswegs bedeutet, dass man diese Listen oder diese Zahlen vernachlässigen sollte. Zahlen sind bequem zum Einprägen, zur Systematisierung, zum Verständnis. Das war ein historischer Exkurs zur Erweiterung des Horizonts über die jüdische Systematisierung der Tora.

Aber kehren wir zu unserem Text und zu den dreizehn Maßen der Barmherzigkeit zurück. Auch hier gab es eine Tradition, dass es dreizehn Facetten der Barmherzigkeit des Höchsten gibt, und deshalb teilte man diesen Abschnitt auf verschiedene Weise in dreizehn verschiedene Stückchen. Wir lesen also ab Vers 6:

         וַיַּעֲבֹר יְהוָה עַל־פָּנָיו וַיִּקְרָא יְהוָה יְהוָה אֵל רַחוּם וְחַנּוּן אֶרֶךְ אַפַּיִם וְרַב־חֶסֶד וֶאֱמֶת׃

waja'awór adonáj al-panáw wajikrá adonáj adonáj el rachúm wechannún érech appájim weráw-chéssed we'emét

6 Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: „HERR, HERR ‒ Gott, der Starke, Barmherzige und Erbarmende, Langmütige, bei Ihm ist viel Gnade, und Sein Gericht ‒ Wahrheit.

Wieder gibt es einen Streit, wer genau rief. Ich denke, dass der Höchste selbst verkündete.

HERR, HERR. Wozu wird das Wort HERR zweimal wiederholt? Die Kommentatoren sagen, dass der HERR nicht nur der Herrschende Herr ist, nicht nur König. Die Bedeutung des Namens des Höchsten יהוה (jud-he-waw-he), eine seiner Bedeutungen, ist der beständig Leben Gebende. Der Höchste gibt dem Sünder Leben, selbst wenn Er im Voraus weiß, dass dieser Mensch sündigen wird. Und Er gibt ihm Leben nach der Sünde, gibt ihm die Möglichkeit, begnadigt zu werden. Genau dieses vor und nach, genau das, dass Er Leben gibt vor dem Sündenfall und Leben gibt nach dem Sündenfall (obwohl Er vom Sündenfall weiß) ‒ genau das wird in der zweifachen Wiederholung des Namens Adonaj, Adonaj ausgedrückt.

El – Gott, aber Gott in einem sehr persönlichen Sinn: nicht Elohim, der Richter alles Lebendigen ist, sondern El – Gott-Hüter, der Starke, Der sich neben uns befindet, der Starke, Der Seine Kraft zum Schutz gebraucht.

Das nächste Wort ist rachúm. Das Wort rachúm hängt mit dem Wort lerachém zusammen, das man gewöhnlich mit sich erbarmen, barmherzig sein übersetzt. Mit ihm wurzelverwandt ist das Wort réchem – Gebärmutter, Leib der Frau. Es gibt einen Vogel, der rachám heißt, der fremde Küken aufzieht: wenn er irgendwo Küken in einem verlassenen Nest findet, zieht er sie unbedingt auf. Im Aramäischen bedeutet das Wort rachám Liebe. Im Hebräischen kann man sagen, dass es bedingungslose, durch nichts bestimmte Barmherzigkeit ist, wenn ein Mensch (oder Gott) barmherzig sein will, einfach weil er nicht streng sein will. Das ist, wie wenn wir sehen, dass ein Mensch Strafe verdient, verdient, dass wir ihn bestrafen, aber wir wollen ihn nicht bestrafen, er tut uns leid. Wir verstehen, was er fühlen kann, und deshalb verzichten wir auf die Strafe. Das ist rachamím, und Gott wird rachúm genannt. Dieses Wort hat noch eine Bedeutung. Wie wir schon gesagt haben, hängt es mit dem Wort réchem (Gebärmutter) zusammen. Wenn uns ein Kind geboren wird, lieben wir es einfach, weil es unser Kind ist: nicht für irgendwelche Eigenschaften, nicht für Charakterzüge, nicht für irgendwelche Leistungen. Es ist uns lieb und teuer einfach durch die Tatsache, dass es unseres ist, dass es Fleisch von unserem Fleisch ist, unser eigen Blut, wie auch immer man es ausdrücken mag. Und der Höchste liebt die Welt mit genau solcher Liebe. Und so kann man auch das Wort rachúm verstehen.

Das nächste Wort ist channún (erbarmend). Das Wort channún hängt damit zusammen, etwas umsonst, unentgeltlich zu geben, und wiederum ist es an keinerlei Bedingungen gebunden, einfach Geschenke geben. Wenn man dasselbe Beispiel mit der Geburt eines Kindes verwendet wie beim vorigen Wort, kann man so sagen: Wenn das Kind wächst und heranwächst, erwachsen wird, wollen wir schon etwas von ihm, wollen von ihm irgendwelche Leistungen, wollen von ihm Gehorsam, manchmal zeigen wir ihm gegenüber Strenge, es entstehen Anforderungen. Und obwohl die Liebe zu ihm nach wie vor bedingungslos ist, ist das Wohlwollen schon nicht mehr so bedingungslos. In diesem Sinn bedeutet das Wort channún (erbarmend) gebend und liebend, obwohl irgendwelche Erwartungen, irgendwelche Kriterien, die im Voraus festgelegt sind, sich nicht erfüllen. Obwohl wir nicht so sind, wie Er uns sehen will, nicht so, wie Er uns im Reich erdacht hat, ist Er dennoch barmherzig zu uns und gibt uns umsonst, unentgeltlich unser Leben, schenkt uns Seine Unterstützung, Seine Liebe.

Der nächste Ausdruck ist érech appájim. Wörtlich übersetzt man das als mit langen Nasenlöchern, langnasig. Das bezeichnet jemanden, der tief atmet. Wenn ein Mensch zürnt, sagt man ihm oft: „Bevor du die Hand erhebst, bevor du den Mund aufmachst, atme einmal tief ein oder atme dreimal tief ein.“ Der Höchste atmet beständig tief. In Bezug auf Gott übersetzt man diesen Ausdruck mit Langmütiger: Der, Der fähig ist, seinen Zorn zu bezähmen, Der, bei Dem der Atem lang ist.

Ráw-chéssed we'emét ‒ Der, bei Dem viel Barmherzigkeit ist und wahrhaftig. Wieder benutzen wir russische Wörter, und jetzt suche ich gerade nach Worten, wie man das Wort rachamím (Barmherzigkeit) vom Wort chéssed (Barmherzigkeit) unterscheidet. Wahrscheinlich kann man das Wort chéssed hier mit Gnade übersetzen: Der, bei Dem viel Gnade ist. Was ist Gnade? Gnade ist, wenn der Höchste uns Werkzeuge gibt, gut zu sein, uns hilft, Seine Gebote zu erfüllen. Das heißt, der Höchste gibt uns innere, seelische Spickzettel, damit wir richtige Entscheidungen treffen können, damit wir besser werden können. Wenn wir Gutes tun, bläst der Wind namens chéssed (Gnade) in unsere Segel. Wenn wir versuchen, „Nicht-Gutes“ zu tun, bläst Gegenwind und es gibt Widerstand. Das ist eine besondere Barmherzigkeit (und wieder ein Durcheinander mit den Wörtern), die der Höchste uns erwiesen hat. In diesem Fall ist gesagt, dass Er ráw-chéssed ist ‒ bei Ihm ist viel Gnade. Er unterstützt mit starker Hand, mit starkem Wind in die Segel die, die Gutes tun. Aber Er ist auch emét (wahrhaftig). Wenn wir etwas tun, wenn Er über uns ein Urteil fällt, dann ist Sein Gericht Wahrheit, es ist ein wahrhaftiges Gericht.

נֹצֵר חֶסֶד לָאֲלָפִים נֹשֵׂא עָוֹן וָפֶשַׁע וְחַטָּאָה וְנַקֵּה לֹא יְנַקֶּה פֹּקֵד עֲוֹן אָבוֹת עַל־בָּנִים וְעַל־בְּנֵי בָנִים עַל־שִׁלֵּשִׁים וְעַל־רִבֵּעִים׃

nozér chéssed la'alafím nossé awón waféscha wechatta'á wenakké lo jenakké pokéd awón awót al-baním we'ál-bené waním al-schilleschím we'ál-ribbe'ím

7 Der Gnade bewahrt für Tausende (von Generationen), Der die Sünde vergibt – sowohl die absichtlich begangene Sünde als auch die unabsichtliche Sünde, und Der reinigt, aber durch Reinigen nicht reinigen wird, Der auferlegt die Missetaten der Väter auf die Kinder und auf die Söhne der Söhne und auf die dritte und auf die vierte Generation.

Gewöhnlich sagt man, dass es nicht eintausend, sondern zweitausend Generationen sind. Warum zwei? Weil, wenn der Plural verwendet wird, Tausende, das bedeutet, dass der Höchste mindestens zweitausend Generationen die Gnade bewahrt. Das heißt, der Höchste hat uns irgendwelche Werkzeuge gegeben (wie ich gesagt habe), damit wir Gnade haben, damit wir Seine Gebote halten können, und selbst wenn wir das nicht nutzen, wenn wir aus irgendeinem Grund darauf verzichten, sie vergessen, diese Werkzeuge, lässt der Höchste sie uns trotzdem. Der Höchste wartet darauf, dass wir (oder unsere Kinder, Enkel, Urenkel und so weiter über tausend Generationen) davon Gebrauch machen. Der Höchste sucht für uns eine Rechtfertigung – wo wir das wirklich genutzt haben, wo es funktioniert hat – und lässt Seine Gnade bei uns. Er bewahrt, hütet in Seiner Schatzkammer die uns gegebene Gnade, selbst wenn wir sie geringschätzen. Deshalb bleibt sie, von Ihm behütet, bei uns in Tausenden von Generationen.

Noch eine Eigenschaft des Höchsten – nossé (der Vergebende) oder, wie wir gesagt haben, der auf sich Hebende. Was genau vergibt der Höchste? Awón – das ist absichtliche Sünde. Das ist, wenn ich verstehe, dass man zum Beispiel keinen Bacon essen darf, aber ich ihn sehr liebe, und ich sage: „Na, HERR, vergib mir, ja?“, oder ich sage das nicht, sondern sage: „Ach, egal, ich esse ihn.“ Ein Geist der Dummheit ist in mich gefahren, und ich habe beschlossen, Gott bewahre, mich daran gütlich zu tun. Ich verstehe, dass man es nicht darf, es ist mir sogar bitter, aber ich tue es. Ich führe das als Beispiel an, in Wirklichkeit enthalte ich mich unreiner Speise, aber als Mensch werde ich wahrscheinlich in irgendwelchen anderen Situationen schwach. Das ist eine menschliche Eigenschaft, und mal aus Dummheit, mal aus Kleinglauben, mal aus Kleinmut sündige ich, und sündige absichtlich; obwohl ich weiß, dass es Sünde ist, tue ich es trotzdem so, und das nennt man awón.

Das nächste Wort aus der kurzen Liste dessen, was der Höchste vergibt, ist das Wort péscha (absichtliche, zum Trotz begangene Sünde). Das ist, wenn ich weiß, dass der Höchste das nicht will, und nur deshalb tue ich es. Wisst ihr, das kommt oft vor. Uns scheint: Na, wer wird so etwas tun, wer wird so etwas begehen? Ich kann euch sagen, dass sehr viele gläubige Menschen, aufrichtig gläubige Menschen so etwas begehen. Wenn man zum Beispiel irgendwohin kommt und sagt, dass man dieses und jenes nicht isst, weil Gott es verbietet, aber man versucht, einem genau das unterzuschieben, einen genau damit zu füttern. Und oft erzählen Brüder und Schwestern und prahlen hinterher: „Da, wir haben dich damit gefüttert, mit Unkoscherem!“ Das ist das einfachste Beispiel dafür, was péscha ist. Aber es gibt auch andere Dinge, die Menschen tun, die vom Glauben abgefallen sind, die auf den Höchsten wütend sind. Péscha – das ist, was getan wird, um den Höchsten zu erzürnen.

Das Dritte, was der Höchste vergibt, wie geschrieben steht, ist chatta'á (unabsichtliche Sünde). Das Wort chatta'á – das ist Fehlschuss, wenn man das Ziel treffen wollte, aber danebengeschossen hat, es hat nicht geklappt.

Und diese dreizehn Prinzipien (aber nicht der ganze Vers) enden mit dem Wort wenakké (und reinigend, befreiend) davon. Aber wenn wir den ganzen Vers lesen, dann muss man so lesen: wenakké lo jenakké – aber durch Reinigen nicht reinigen wird. Es scheint, hier gibt es einen klaren Widerspruch: wird also vergeben oder doch angerechnet? Und dann kann man sich an das erinnern, was schon gesagt wurde (20,5): „… denen, die Mich hassen“, das ist der Schlüsselbegriff: demjenigen, der den Höchsten hasst, hält der Höchste seine Vorfahren vor, die Ihn hassten. Hass ist nicht unbedingt Hass in dem Verständnis, wie wir heute sprechen. Hass – das ist das hebräische Wort soné (Verb lisnó), es bedeutet geringschätzend, an die zweite Stelle setzend, in den Hintergrund schiebend. Das heißt, der den Höchsten Hassende – das ist derjenige, der den Höchsten geringschätzt. Wenn Er bei uns nicht der Eckstein ist, dann kann es sich so ergeben, dass der Höchste nicht vergibt, unsere Verfehlungen nicht tragen wird.

Also, der Höchste ging an Mosche vorüber und rief Seine Eigenschaften aus. Und damit antwortete Er Mosche auf die Frage, wodurch Er verherrlicht wird: Er wird dadurch gerühmt, dass Er sich erbarmen kann. Der Erschaffer der Welt, Der, in Dessen Macht sich absolut alles befindet, Der, stärker als Den es niemanden gibt, der Schützende, Erbarmende, Liebende, Langmütige Gott – gerade durch diese Seine Eigenschaften wird Er verherrlicht. Das ist jenes Gute, das ist das, was Er Mosche zeigen wollte, das ist Seine Herrlichkeit. Im Unterschied zu allen anderen Göttern ist nur Er der Liebende, Erbarmende Gott. Die Völker der Welt haben sich verschiedene Götter ausgedacht, aber kaum jemand hat sich Götter ausgedacht, die die Menschen lieben. Der wahre Gott, der echte Gebieter des Himmels und der Erde, der Erschaffer alles Lebendigen liebt seine Schöpfung, erbarmt sich, und gerade dadurch will Er verherrlicht werden.

         וַיְמַהֵר מֹשֶׁה וַיִּקֹּד אַרְצָה וַיִּשְׁתָּחוּ׃

wajmahér mosché wajikkód árza wajischtáchu

8 Und Mosche eilte und neigte sich bis zur Erde und verneigte sich.

In Vers 9 lesen wir, was Mosche sagt:

         וַיֹּאמֶר אִם־נָא מָצָאתִי חֵן בְּעֵינֶיךָ אֲדֹנָי יֵלֶךְ־נָא אֲדֹנָי בְּקִרְבֵּנוּ כִּי עַם־קְשֵׁה־עֹרֶף הוּא וְסָלַחְתָּ לַעֲוֹנֵנוּ וּלְחַטָּאתֵנוּ וּנְחַלְתָּנוּ׃

wajomer im-ná mazáti chen be'enécha adonáj jelech-ná adonáj bekirbénu ki am-kesche-óref hu wessalachtá la'awonénu ulchattaténu unchaltánu

9 „Wenn ich Gnade gefunden habe in Deinen Augen, HERR, so gehe der HERR in unserer Mitte, auch ungeachtet dessen, dass wir ein halsstarriges Volk sind. Und Du wirst uns unsere Übertretungen und unsere Fehlschüsse vergeben, und wir werden Dein Erbteil sein.“

Das heißt: „Wir werden Dein Teil in dieser Welt sein, der Ort, an dem Du wohnen wirst, wir werden Deine Wohnstätte sein.

Brot und Licht

Schemot 34,10–35

Wir lesen weiter ab Vers 10 von Kapitel 34. Der Höchste sagt zu Mosche:

         וַיֹּאמֶר הִנֵּה אָנֹכִי כֹּרֵת בְּרִית נֶגֶד כָּל־עַמְּךָ אֶעֱשֶׂה נִפְלָאֹת אֲשֶׁר לֹא־נִבְרְאוּ בְכָל־הָאָרֶץ וּבְכָל־הַגּוֹיִם וְרָאָה כָל־הָעָם אֲשֶׁר־אַתָּה בְקִרְבּוֹ אֶת־מַעֲשֵׂה יְהוָה כִּי־נוֹרָא הוּא אֲשֶׁר אֲנִי עֹשֶׂה עִמָּךְ׃

wajomer hinné anochí korét berít néged kol-ammechá e'essé nifla'ót aschér lo-niwre'ú wechól-ha'árez uwchól-haggojím wera'á chol-ha'ám aschér-attá wekirbó et-ma'assé adonáj ki-norá hu aschér aní ossé immách

10 Und Er sprach: „Siehe, Ich schließe einen Bund vor deinem ganzen Volk. Ich werde Wunder tun, die nicht vollbracht worden sind auf der ganzen Erde und unter allen Völkern. Und das ganze Volk, in dessen Mitte du dich befindest, wird die Taten des Höchsten sehen, denn sie sind schrecklich (furchtbar), die Ich mit dir tun werde.

Lasst uns auf das Wort berít (Bund) achten. Wenn es in der russischen Sprache mit den Wörtern etwas gebieten, etwas vermachen verbunden ist, dann gibt es im Hebräischen, wenn man sich mit Etymologie beschäftigt (der Wissenschaft von der Herkunft der Wörter), zwei Vermutungen, woher dieses Wort stammen könnte. Erstens von der Wurzel bet-resch-hej, die wählen, auswählen, aus allen auswählen bedeutet. Und zweitens von der ähnlichen Wurzel bet-resch-hej, die aber Brot essen bedeutet, das Wort bar ist Korn oder Brot. Und man kann sagen: Wenn man korét berít wörtlich liest, dann ist das nicht schließen (von Schlüssel) den Bund, sondern abschneiden, den Bund brechen. Und den ganzen Ausdruck korét berít kann man übersetzen als: ich vollziehe mit dir das Brotbrechen zum Zeichen des Bundesschlusses.

Der Höchste sagt: „Ich schließe mit dir einen Bund vor dem ganzen Volk, und das Volk wird erstaunliche Wunder sehen, eine erstaunliche Offenbarung Meiner Kraft in seiner Mitte, damit sie erkennen, dass Ich Mich unter ihnen befinde.“

Und in Vers 11 fährt der Höchste fort und spricht einen Befehl aus. Man kann sagen, dass von hier an die Bedingungen des Bundes dargelegt werden.

שְׁמָר־לְךָ אֵת אֲשֶׁר אָנֹכִי מְצַוְּךָ הַיּוֹם הִנְנִי גֹרֵשׁ מִפָּנֶיךָ אֶת־הָאֱמֹרִי וְהַכְּנַעֲנִי וְהַחִתִּי וְהַפְּרִזִּי וְהַחִוִּי וְהַיְבוּסִי׃

schemór-lechá et aschér anochí mezawwechá hajom hinení gorésch mippanécha et-ha'emorí wehakkena'aní wehachittí wehapperissí wehachiwwí wehajwussí

11 Bewahre dir (oder dir selbst) das, was Ich dir heute gebiete. Siehe, Ich werde vor deinem Angesicht den Emoriter vertreiben, und den Kanaaniter, und den Chittiter, und den Perisiter, und den Chiwwiter, und den Jewussiter.

         הִשָּׁמֶר לְךָ פֶּן־תִּכְרֹת בְּרִית לְיוֹשֵׁב הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתָּה בָּא עָלֶיהָ פֶּן־יִהְיֶה לְמוֹקֵשׁ בְּקִרְבֶּךָ׃

hischámer lechá pen-tichrót berít lejoschéw ha'árez aschér attá ba aléha pen-jihjé lemokésch bekirbécha

12 Hüte dich, dass du keinen Bund schließt mit den Bewohnern des Landes, in das du kommst, damit es dir nicht zum Anstoß wird.

Man kann sagen: „Wir ziehen in ein neues Land, lasst uns nicht kämpfen, lasst uns versuchen, hier friedlich Nachbarn zu werden, lasst uns eine Abmachung treffen.“ Und der Höchste sagt: „Hüte dich! Triff keine Abmachungen mit ihnen, keine Bündnisse.“

כִּי אֶת־מִזְבְּחֹתָם תִּתֹּצוּן וְאֶת־מַצֵּבֹתָם תְּשַׁבֵּרוּן וְאֶת־אֲשֵׁרָיו תִּכְרֹתוּן׃

ki et-misbechotám tittozún we'et-mazzewotám teschabberún we'et-ascheráw tichrotún

13 Sondern ihre Altäre reißt nieder, und die Sockel, ihre Stelen zerbrecht (zerschlagt), und ihre magischen Zauberbäume haut um.

Achtet darauf, dass das Wort tichrotún (haut sie um) dasselbe Verb ist wie korét (ich schließe einen Bund), es ist genau dasselbe Verb lichrót.


כִּי לֹא תִשְׁתַּחֲוֶה לְאֵל אַחֵר כִּי יְהוָה קַנָּא שְׁמוֹ אֵל קַנָּא הוּא׃

ki lo tischtachawé le'él achér ki adonáj kanná schemó el kanná hu

14 Damit du nicht einen anderen Gott anbetest, denn der HERR, Sein Name ist ‒ Eiferer, ein eifersüchtiger Gott ist Er.

Was bedeutet eifersüchtiger Gott? Wir wissen, dass es keinen anderen Gott in der Welt gibt. Wie kann man auf jemanden eifersüchtig sein, der nicht existiert? Aber Gott ist eifersüchtig darauf, dass wir Ihn geringschätzen, wenn wir uns, Gott bewahre, für Götzen begeistern. Man kann sich nicht für einen Götzen begeistern, einem anderen Gott nachgehen, ohne zuvor den Gott Israels verlassen zu haben. Und der Höchste eifert darum. Der Höchste ist erhabener als alle Götter, und wenn wir Ihn verlassen, eifert Er darum, dass man Ihn verlässt.

פֶּן־תִּכְרֹת בְּרִית לְיוֹשֵׁב הָאָרֶץ וְזָנוּ אַחֲרֵי אֱלֹהֵיהֶם וְזָבְחוּ לֵאלֹהֵיהֶם וְקָרָא לְךָ וְאָכַלְתָּ מִזִּבְחוֹ׃

pen-tichrót berít lejoschéw ha'árez wesanú acharé elohehém wesawechú lelohehém wekaráIn der russischen Umschrift beginnt dieses Wort („und er wird dich rufen“) mit b statt mit w. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: wekará. lechá we'achaltá missiwchó

15 Damit du keinen Bund schließt mit dem Volk, das im Land wohnt, und sie werden gehen und hinter ihren Göttern herhuren, und werden ihren Göttern Opfer darbringen, und werden dich rufen, und du wirst von ihren Opfern essen.

Es wird eine einfache Alltagssituation beschrieben: Der Nachbar hat uns zu Gast eingeladen, und er hat dem Ba'al, der Aschera oder dem Marduk ein Lamm geschlachtet und leckeres Essen zubereitet und uns ganz nachbarschaftlich eingeladen. Und wir haben ja mit ihm einen Bund über gutnachbarliche Beziehungen geschlossen, und es ist sehr unangenehm abzulehnen, und wir können zustimmen.

         וְלָקַחְתָּ מִבְּנֹתָיו לְבָנֶיךָ וְזָנוּ בְנֹתָיו אַחֲרֵי אֱלֹהֵיהֶן וְהִזְנוּ אֶת־בָּנֶיךָ אַחֲרֵי אֱלֹהֵיהֶן׃

welakachtá mibbenotáw lewanécha wesanú wenotáw acharé elohehén wehisnu et-banécha acharé elohehén

16 Und du wirst von seinen Töchtern für deine Söhne nehmen, und seine Töchter werden hinter ihren Göttern herhuren, und deine Söhne werden hinter ihrem Gott herhuren.

Noch eine ganz alltägliche Situation, wenn Mann und Frau verschiedenen Religionen angehören. Wenn das Glaubensbekenntnis der Frau sich vom Glaubensbekenntnis des Mannes unterscheidet, besteht eine große Gefahr, dass der Mann, verführt von der Schönheit, der Zuneigung, dem Lächeln oder dem Tanz der Frau, auch ihren Göttern nachgehen wird. Man kann sich nicht nur mit der Liebe zur Küche eines fremden Landes, zur Sprache anstecken, sondern auch mit der Liebe zur Religion, zur Anbetung anderer Götter. Und die Eheschließung ist ja auch eine Form des Bundes, der Bund wird zwischen Mann und Frau geschlossen. Deshalb soll man keinen Bund mit anderen Völkern schließen.

אֱלֹהֵי מַסֵּכָה לֹא תַעֲשֶׂה־לָּךְ׃

elohé massechá lo ta'asse-lách

17 Gegossene Götter mache dir nicht.

Nachdem das Volk Israel das goldene Kalb gemacht hatte, und wir haben gesagt (32,1), dass das durchaus nicht unbedingt als ein anderer Gott gemacht wurde, sondern möglicherweise als eine Brücke gemacht wurde, als Bindeglied zu Gott, eine Art Orakel, GPS – man kann es nennen, wie man will. Aber der Höchste sagt jetzt zu Mosche eindeutig: „Das darf man nicht!“

אֶת־חַג הַמַּצּוֹת תִּשְׁמֹר שִׁבְעַת יָמִים תֹּאכַל מַצּוֹת אֲשֶׁר צִוִּיתִךָ לְמוֹעֵד חֹדֶשׁ הָאָבִיב כִּי בְּחֹדֶשׁ הָאָבִיב יָצָאתָ מִמִּצְרָיִם׃

et-chag hammazzót tischmór schiw'át jamím tochál mazzót aschér ziwwitícha lemo'éd chódesch ha'awíw ki bechódesch ha'awíw jazáta mimmizrájim

18 Das Fest der ungesäuerten Brote halte: Sieben Tage iss ungesäuerte Brote, wie Ich dir geboten habe, zur Zeit des Monats Awiw (des Monats des Frühlings), denn im Frühlingsmonat bist du aus Ägypten ausgezogen.

         כָּל־פֶּטֶר רֶחֶם לִי וְכָל־מִקְנְךָ תִּזָּכָר פֶּטֶר שׁוֹר וָשֶׂה׃

kol-péter réchem li wechol-miknechá tissachár péter schor wassé

19 Jeder, der den Mutterschoß öffnet – Mir, und jeder Erstgeborene von all deinem Vieh, der Erstgeborene (der Öffnende) männlichen Geschlechts, vom Rind oder vom Schaf.

וּפֶטֶר חֲמוֹר תִּפְדֶּה בְשֶׂה וְאִם־לֹא תִפְדֶּה וַעֲרַפְתּוֹ כֹּל בְּכוֹר בָּנֶיךָ תִּפְדֶּה וְלֹא־יֵרָאוּ פָנַי רֵיקָם׃

uféter chamór tifdé wessé we'im-ló tifdé wa'araftó kol bechór banécha tifdé welo-jera'ú fanáj rekám

20 Den Erstgeborenen der Esel aber löse mit einem Schaf aus. Und wenn du ihn nicht auslösen willst, dann durchschlage (zerschlage) ihm den Kopf. Den Erstgeborenen eines jeden deiner Söhne löse aus, und komm nicht mit leeren Händen zu Mir.

Einerseits ist der Esel ein unreines Tier. Andererseits haben wir über den Esel schon gesagt, dass er gewisse Verdienste im Volk Israel hat. Deshalb ist dieses Tier zwar unrein, nicht essbar, aber geachtet. Und seinen Erstgeborenen muss man mit einem Schaf auslösen, das heißt, er wird nicht dem Kohen gegeben, für ihn gibt man ein Schaf oder den Preis eines Schafes. Und du darfst einen nicht ausgelösten Esel nicht nutzen, und du wirst ihm den Kopf zerschlagen müssen. Willst du kein Lösegeld geben – nutze ihn auch selbst nicht.

Und komm nicht mit leeren Händen zu Mir ‒ wörtlich wird das übersetzt als und sie werden Mein Angesicht nicht sehen, wenn sie leer sind. Hier sind die 3 Tage der Anbetung gemeint: Denn der HERR hat gesagt, wie wir uns erinnern, dass die ganze männliche Bevölkerung dreimal im Jahr vor Sein Angesicht kommen soll.

שֵׁשֶׁת יָמִים תַּעֲבֹד וּבַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי תִּשְׁבֹּת בֶּחָרִישׁ וּבַקָּצִיר תִּשְׁבֹּת׃

schéschet jamím ta'awód uwajom haschewi'í tischbót becharísch uwakkazír tischbót

21 Sechs Tage arbeite, aber am siebten Tag halte inne von deinen Mühen. Und zur Zeit des Pflügens (charísch, zur Zeit der Aussaat) und zur Zeit der Ernte (kazír), halte inne.

Selbst während der Feldarbeiten, wenn bei dir Erntezeit ist, und wenn du dringend säen musst, sonst wird die Zeit verpasst, und wenn du einbringen musst, sonst geht die Zeit vorüber, halte trotzdem inne, wenn du deine Früchte sammelst. Was ist erlaubt? Erlaubt ist, die Garbe zu schneiden, die man in den Tagen des Ómer sammelt, zwischen Pessach und Schawuot.

         וְחַג שָׁבֻעֹת תַּעֲשֶׂה לְךָ בִּכּוּרֵי קְצִיר חִטִּים וְחַג הָאָסִיף תְּקוּפַת הַשָּׁנָה׃

wechág schawu'ót ta'assé lechá bikkuré kezír chittím wechág ha'assif tekufát haschaná

22 Und das Fest Schawuot mache dir, der Erstlinge vom Weizen, und das Fest der Einsammlung der Ernte (das heißt Sukkot) am Ende des Jahres.

שָׁלֹשׁ פְּעָמִים בַּשָּׁנָה יֵרָאֶה כָּל־זְכוּרְךָ אֶת־פְּנֵי הָאָדֹן יְהוָה אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל׃

schalósch pe'amím baschaná jera'é kol-sechurechá et-pené ha'adón adonáj elohé jisraél

23 Dreimal im Jahr wird jeder männlichen Geschlechts das Angesicht des HERRN, Gottes, des Gottes Israels, sehen.

כִּי־אוֹרִישׁ גּוֹיִם מִפָּנֶיךָ וְהִרְחַבְתִּי אֶת־גְּבוּלֶךָ וְלֹא־יַחְמֹד אִישׁ אֶת־אַרְצְךָ בַּעֲלֹתְךָ לֵרָאוֹת אֶת־פְּנֵי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ שָׁלֹשׁ פְּעָמִים בַּשָּׁנָה׃

ki-orísch gojím mippanécha wehirchawtí et-gewulécha welo-jachmód isch et-arzechá ba'alotechá lera'ót et-pené adonáj elohécha schalósch pe'amím baschaná

24 Und wenn Ich die Heiden vor deinem Angesicht vertreibe und deine Grenzen erweitere, wird niemand dein Land begehren, während du hinaufziehst, um das Angesicht des HERRN, deines Gottes, zu sehen, dreimal im Jahr.

Wovon spricht hier der Höchste? Er sagt: „Du wirst ein sehr reiches Land haben, aber niemand wird deine Grenzen begehren, niemand wird dein Land begehren, niemand wird dich angreifen in den Tagen, wenn du nach Jerusalem hinaufziehst.“ Man sollte meinen, dieses reiche Land wird besonders Schutz brauchen, auf Hab und Gut muss man ein wachsames Auge haben. Der Höchste aber sagt, dass man das ganze Land leer lassen kann, und selbst wenn alle Männer nach Jerusalem gehen, wird es einen besonderen Schutz geben, man wird sich nicht um die Sicherheit des Landes kümmern müssen, und die Grenzsoldaten kann man abziehen.


לֹא־תִשְׁחַט עַל־חָמֵץ דַּם־זִבְחִי וְלֹא־יָלִין לַבֹּקֶר זֶבַח חַג הַפָּסַח׃

lo-tischchát al-chaméz dam-siwchí welo-jalín labbóker séwach chag happássach

25 Schlachte nicht auf Gesäuertes das Blut Meiner Opfer, und lass das Pessachopfer nicht bis zum Morgen übrig.

Das betrifft das Pessachopfer, und wir haben diesen Vers schon erklärt (12,15), weil hier das Gebot des Höchsten wiederholt wird: chaméz (Gesäuertes) muss aus dem Haus entfernt werden, bevor das Pessachopfer dargebracht wird. Und wir haben schon gesagt, sogar mehrmals gesagt, dass das Opfer bis zum Morgen gegessen werden muss.


רֵאשִׁית בִּכּוּרֵי אַדְמָתְךָ תָּבִיא בֵּית יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לֹא־תְבַשֵּׁל גְּדִי בַּחֲלֵב אִמּוֹ׃ 

reschít bikkuré admatechá tawí bet adonáj elohécha lo-tewaschél gedí bachaléw immó

26 Den Anfang der Erstlinge deines Landes bringe in das Haus des HERRN, deines Gottes, und koche nicht das Böcklein in der Milch seiner Mutter.“

Diesen Ausdruck – koche nicht das Böcklein in der Milch seiner Mutter – verstehen sehr viele verschieden. In der heutigen Tradition hat sich ein Brauch herausgebildet, hat sich ein Gesetz herausgebildet, das gebietet, milchige und fleischige Speise zu trennen, sogar milchiges und fleischiges Geschirr. Und die meisten Menschen machen sogar eine Pause nach dem Verzehr fleischiger Speise, um danach milchige zu essen, um sich der Vermischung von Fleischigem und Milchigem zu enthalten. So legt es das heutige Gesetz aus, so legt es die heutige Tradition aus. Und ich selbst bemühe mich persönlich für mich, das Gesetz so zu halten, wie es festgelegt ist. Aber wenn wir vom Verständnis des Sinnes der Tora sprechen, dann kann man es auch so verstehen, dass man ein konkretes Böcklein nicht gerade in der Milch seiner konkreten Mutter kochen darf, dass das eine besondere Schändung ist oder, wie viele meinen, irgendein besonderes Opfer, das von den Völkern Kanaans dargebracht wurde (obwohl wir darüber keinerlei Information haben). Und es gibt noch eine Version, eine landwirtschaftliche, nach der man das Böcklein zwingen konnte, sich lange von der Muttermilch zu ernähren, damit sein Fleisch zarter wird. Und hier verbietet die Tora derartige Experimente an der Natur. Genauso verfährt man manchmal mit der Gans. Man füttert sie besonders und schränkt ihre Bewegung besonders ein, damit ihre Leber wächst. Oder man kastriert zum Beispiel einen Hahn, damit es einen besonderen Kapaun gibt, damit es Fleisch von besonderer Qualität gibt. So kann man dieses Verbot auslegen. Aber, ich wiederhole mich, das heutige Gesetz legt es aus, und so kann man es auch verstehen, als Trennung von fleischiger und milchiger Speise.

Oft sehen wir, dass ein Mensch, wenn er gerade erst anfängt, den Tanach zu lesen, sagt: „Warum habt ihr das nicht so ausgelegt, hier steht doch nicht ganz das geschrieben?“ Und ich kann sagen, dass es zum Beispiel eine Erklärung gibt, dass das Wort gedí nicht nur als konkretes Böcklein verstanden werden kann, sondern überhaupt als Junges. Und chaléw immó kann auch als Milch verstanden werden, die neben diesem Böcklein gekocht wird. Das heißt, man kann es tatsächlich verschieden auslegen, ohne dem Text Gewalt anzutun. Aber wer sind wir, um mit gefestigten Bräuchen zu streiten? Obwohl, ich wiederhole es noch einmal, es auch andere Verständnisse gibt.


וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה כְּתָב־לְךָ אֶת־הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה כִּי עַל־פִּי הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה כָּרַתִּי אִתְּךָ בְּרִית וְאֶת־יִשְׂרָאֵל׃

wajomer adonáj el-mosché ketów-lechá et-haddewarím ha'élle ki al-pí haddewarím ha'élle karátti ittechá berít we'ét-jisraél

27 Und der HERR sprach zu Mosche: „Schreibe dir diese Worte auf, denn nach diesen Worten habe Ich einen Bund mit dir und mit Israel geschlossen.“

Ein wichtiges Detail, das man ziemlich leicht übersehen kann, ist die Tatsache, dass Mosche – ebenfalls eine Partei in diesem Bund ist. Der Höchste hat den Bund nicht mit Israel geschlossen, Mosche inbegriffen, sondern dieser Bund – er ist mit Mosche und mit Israel. Mosche steht hier gesondert, und wir werden in den folgenden Kapiteln verstehen, warum das so ist.

Und in Vers 28 lesen wir, dass die Reden des Höchsten an Mosche zu Ende waren:


וַיְהִי־שָׁם עִם־יְהוָה אַרְבָּעִים יוֹם וְאַרְבָּעִים לַיְלָה לֶחֶם לֹא אָכַל וּמַיִם לֹא שָׁתָה וַיִּכְתֹּב עַל־הַלֻּחֹת אֵת דִּבְרֵי הַבְּרִית עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים׃

wajhi-schám im-adonáj arba'ím jom we'arba'ím lájla léchem lo achál umájim lo schatá wajichtów al-halluchót et diwré habberít asséret haddewarím

28 Und Mosche war dort beim HERRN vierzig Tage und vierzig Nächte, er aß kein Brot und trank kein Wasser. Und schrieb auf die Tafeln (der Höchste schrieb, Er hatte es so versprochen) die Worte des Bundes, das Zehnwort.

Daraus wird ein sehr interessanter Schluss gezogen. Wie ein römisches Sprichwort sagt: „In Rom benimm dich wie ein Römer.“ Ein talmudisches Sprichwort sagt etwas sehr Ähnliches: „In der Stadt benimm dich wie ein Städter.“ In jeder Stadt benimm dich entsprechend den Gesetzen dieser Stadt. Wenn ein Mensch in irgendeine Stadt kommt, in der manche Bräuche auf besondere Weise ausgelegt werden, ist er verpflichtet, die Auslegung der Bräuche jener Stadt auf sich zu nehmen, in der er zu Gast ist. Als die Engel bei Awraham waren, auf der Erde, dort, wo man isst und trinkt, da aßen sie auch und tranken, obwohl ihnen das nicht eigen ist. Wenn Mosche im Himmel zu Gast ist, ins Himmlische hinaufsteigt, braucht er weder Essen noch Trinken. Und genauso ist der Maschiach während seines Fastens in der Wüste fähig, auf der Erde seiend, im Himmel zu verweilen, deshalb kann er genauso 40 Tage ohne Wasser und ohne Trinken auskommen. Und dieses Fasten ist nötig als Zeugnis der Fähigkeit Mosches, himmlisch und irdisch zugleich zu sein. Und das macht ihn größer als Mosche, denn er stieg auf den Berg, ins Himmlische, für ein solches Fasten, der Maschiach aber ging dafür in die Wüste und blieb auf der Erde.

Und schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, das Zehnwort. Aus diesem (ebenfalls erstaunlichen) Satz schließen viele, dass das Zehnwort das ist, was der Höchste davor gesagt hat, eben jene Gebote mit dem Erstgeborenen und dem Verzicht auf Bünde. Und man könnte es auch so denken, wenn wir nur dieses Kapitel lesen würden: Der Höchste gab Mosche bestimmte Gebote, und dann sagt die Tora, dass Er sie aufschrieb, und nennt das das Zehnwort; also ist es das, was sich in eben diesem Kapitel 34 befindet. Und man kann die Menschen verstehen, die solche Theorien aufstellen. Aber ich sage immer in Bezug auf neue Theorien, in Bezug auf diejenigen, die die Tora unter einem neuen Blickwinkel betrachten, etwas Neues in ihr sehen wollen: Wenn du Argumente „dafür“ gefunden hast oder wenn du alle Argumente „dafür“ gefunden hast, wie viele es auch sein mögen, schau dir auch die Argumente „dagegen“ an. In diesem Fall sehen wir ein sehr ernstes Argument „dagegen“ darin, dass im Buch Dewarim die Gebote geschrieben stehen, die auf den zweiten Tafeln waren, und das ist nicht das, was hier, in Kapitel 34 des Buches Schemot, geschrieben steht. Deshalb – ja, es sieht auf den ersten Blick sehr danach aus, dass hier noch eine Variante der Zehn Gebote vorliegt, aber in anderen Quellen, an einer anderen Stelle der Tora sind bei uns die Gebote auf den Tafeln noch einmal aufgezählt, deshalb muss man nicht in den Text hineinlesen, was dort nicht steht.

וַיְהִי בְּרֶדֶת מֹשֶׁה מֵהַר סִינַי וּשְׁנֵי לֻחֹת הָעֵדֻת בְּיַד־מֹשֶׁה בְּרִדְתּוֹ מִן־הָהָר וּמֹשֶׁה לֹא־יָדַע, כִּי קָרַן עוֹר פָּנָיו בְּדַבְּרוֹ אִתּוֹ׃

wajhí berédet mosché mehár sináj uschné luchót ha'edút bejád-mosché beridtó min-hahár umosché lo-jadá ki karán or panáw bedabberó ittó

29 Und es geschah, als Mosche vom Berg Sinai herabstieg, und die zwei Tafeln des Bundes in der Hand Mosches, als er vom Berg herabstieg, – und Mosche wusste nicht, dass sein Gesicht leuchtet, wenn man mit ihm redet (oder als er mit Gott redete, man kann es so und so verstehen).

Mosches Gesicht leuchtet. Mosche als ein Mensch, der eine besondere Mission erhalten hat, hat auch eine Art göttliche Gabe in Bezug auf das Volk erhalten, man kann sagen, er hat sich mit dem göttlichen Licht „angesteckt“, hat ein wenig göttliches Licht erhalten.


וַיַּרְא אַהֲרֹן וְכָל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֶת־מֹשֶׁה וְהִנֵּה קָרַן עוֹר פָּנָיו וַיִּירְאוּ מִגֶּשֶׁת אֵלָיו׃

wajár aharón wechól-bené jisraél et-mosché wehinné karán or panáw wajireú miggéschet eláw

30 Und Aharon und alle Söhne Israels sahen Mosche, und siehe, sein Gesicht leuchtete, und sie fürchteten sich, zu ihm heranzutreten.

Wahrscheinlich wissen alle, dass man das Wort karán (leuchtete) auch als das Wort kéren (war gehörnt) übersetzen kann. Daher hat Genosse Michelangelo Mosche in der gleichnamigen Marmorskulptur gehörnt gemacht. Dieser Zufall ist entstanden, weil das Wort kéren im Hebräischen zugleich Strählchen, wie ein Strählchen der Sonne, und Horn, wie Horn eines Tieres, bedeutet. Karán (strahlte oder leuchtete) kann man somit in der Bedeutung war gehörnt lesen, wenn man vom Wort kéren (Horn) ausgeht. Daher also die Verwirrung.

Das Licht zog nicht immer an, und wenn die Menschen die hohe Stufe der Heiligkeit sahen, zitterten sie manchmal, fürchteten sich, zu Mosche heranzutreten.


וַיִּקְרָא אֲלֵהֶם מֹשֶׁה וַיָּשֻׁבוּ אֵלָיו אַהֲרֹן וְכָל־הַנְּשִׂאִים בָּעֵדָה וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֲלֵהֶם׃

wajikrá alehém mosché wajaschúwu eláw aharón wechól-hannessi'ím ba'edá wajdabbér mosché alehém

31 Und Mosche rief sie, und Aharon und alle Vorsteher in der Gemeinde kehrten zu ihm zurück, und Mosche redete mit ihnen.

Damit sie es wagten, zu ihm heranzutreten, sich entschlossen, zu ihm heranzutreten, ruft Mosche sie selbst.


וְאַחֲרֵי־כֵן נִגְּשׁוּ כָּל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וַיְצַוֵּם אֵת כָּל־אֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אִתּוֹ בְּהַר סִינָי׃

we'acharé-chen niggeschú kol-bené jisraél wajzawwém et kol-aschér dibbér adonáj ittó behár sináj

32 Und danach traten alle Söhne Israels heran, und er gebot ihnen alles, was der HERR zu ihm geredet hatte auf dem Berg Sinai.

         וַיְכַל מֹשֶׁה מִדַּבֵּר אִתָּם וַיִּתֵּן עַל־פָּנָיו מַסְוֶה׃

wajchál mosché middabbér ittám wajittén al-panáw maswé

33 Und Mosche hörte auf, mit ihnen zu reden, und bedeckte sein Gesicht vor dem Leuchten.

Als Mosche die Tora weitergab, war sein Gesicht offen. Als aber das Volk anfing, die Tora zu studieren, zu verstehen, aufzunehmen, als die Worte zu Ende waren und der Mensch daranging, die Tora neu zu überdenken, zu lernen – bedeckte Mosche sein Gesicht.

וּבְבֹא מֹשֶׁה לִפְנֵי יְהוָה לְדַבֵּר אִתּוֹ יָסִיר אֶת־הַמַּסְוֶה עַד־צֵאתוֹ וְיָצָא וְדִבֶּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֵת אֲשֶׁר יְצֻוֶּה׃

uwewó mosché lifné adonáj ledabbér ittó jassír et-hammaswé ad-zetó wejazá wedibbér el-bené jisraél et aschér jezuwwé

34 Und wenn Mosche hineinging, sich an den HERRN zu wenden, mit Ihm zu reden, nahm er die Hülle ab bis zu seinem Hinausgehen. Und er ging hinaus und sagte den Söhnen Israels das, was der Höchste ihm geboten hatte.

Wie war es danach? Wenn das Volk die Tora hörte, wenn Mosche aus dem Zelt herauskam, bedeckte er sein Gesicht. Wenn das Volk die Tora hört, liegt die Hülle auf dem Gesicht (vielleicht auf dem Gesicht Mosches). Heute wird die Tora in den Synagogen am Montag, Donnerstag und Sabbat in der Versammlung des Volkes gelesen, und zur Erinnerung daran und gemäß den Traditionen des Lesens, wie es üblich ist, bedeckt der Lesende während der Lesung in der Synagoge sein Gesicht. Wenn das Gebet beginnt, wenn man sich an den HERRN wendet, wird die Hülle abgenommen. Als Mosche die Tora verkündete, lag die Hülle auf seinem Gesicht. Worin liegt hier der Kern, worin liegt hier die Besonderheit? Warum spricht die Tora besonders davon? Wie das Volk sich „fürchtete“, an den Berg heranzutreten, und Mosche schickte, genauso „fürchtete“ sich das Volk, das göttliche Licht unmittelbar aufzunehmen. Und weil er diese Furcht verstand, bedeckte Mosche sich aus Mitgefühl mit dem Volk mit einer Hülle. Und jetzt, bei der Lesung der Tora, liegt diese Hülle auf dem Volk Israel.

וְרָאוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֶת־פְּנֵי מֹשֶׁה כִּי קָרַן עוֹר פְּנֵי מֹשֶׁה וְהֵשִׁיב מֹשֶׁה אֶת־הַמַּסְוֶה עַל־פָּנָיו עַד־בֹּאוֹ לְדַבֵּר אִתּוֹ׃

weraú wené-jisraél et-pené mosché ki karán or pené mosché weheschíwIn der russischen Umschrift steht in diesem Wort statt des h ein Zeichen ohne eigenen Laut, offenbar ein Schreibfehler. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: weheschíw. mosché et-hammaswé al-panáw ad-boó ledabbér ittó

35 Und alle Söhne Israels sahen das Gesicht Mosches, denn das Gesicht Mosches leuchtete mit Licht. Und Mosche legte die Hülle auf sein Gesicht, bis er mit dem HERRN redete.

Das ist das, worüber wir schon gesprochen haben.

Die Tora in 5 Minuten

Im Wochenabschnitt Ki Tissa lesen wir von einer erstaunlichen Tragödie. Das Volk Israel verrechnete sich und beschloss, dass Mosche, wenn er nicht zur festgesetzten Zeit zurückgekehrt ist, vielleicht überhaupt irgendwohin verschwunden ist. Das Volk wandte sich an Aharon mit der Bitte, ein goldenes Kalb anzufertigen – eine Art Navigator, der das Volk durch die Wüste führen würde. Das goldene Kalb wurde angefertigt, und eine der größten Sünden des ganzen Volkes in der jüdischen Geschichte wurde begangen.

In Wirklichkeit war Mosche natürlich nirgendwohin verschwunden. Der Höchste sagt zu Mosche: „Steig jetzt vom Berg hinab, denn das Volk, das du aus Ägypten herausgeführt hast, ist verdorben“. Mosche steigt vom Berg herab, und seine Begegnung verwandelt sich von einer festlichen in eine sehr tragische: Mosche zerbricht die Tafeln, und noch vieles andere geschieht. Nach alledem befiehlt der Höchste Mosche, neue Tafeln anzufertigen, und sagt außerdem (33,3): „Geh in das Land, das von Milch und Honig fließt; Selbst aber werde Ich nicht in deiner Mitte erscheinen, da du ein halsstarriges Volk bist, damit Ich dich nicht auf dem Weg vernichte“. Weiter lesen wir: „Als das Volk diese Unglückskunde hörte, trauerte es, und niemand legte seinen Schmuck an. Denn der HERR sprach zu Mosche: ‚Sage zu den Söhnen Israels: „Ihr seid ein halsstarriges Volk; ginge Ich auch nur einen Augenblick in deiner Mitte, Ich würde dich vernichten“.

Der Höchste bestraft nicht für die Sünde selbst des goldenen Kalbes, sondern für die Wurzel der Sünde, für das, was diese Sünde hervorgebracht hat – für die Halsstarrigkeit. Der Begriff halsstarrig (kesche-óref – mit hartem Nacken) bedeutet schwer wendbar oder stur, verbohrt. Ein Volk, das, obwohl es alle Wunder und alle Zeichen gesehen hat, stur zum Götzendienst zurückkehrt.

Mosche fertigt auf Befehl des Höchsten andere Tafeln an, steigt zum Höchsten hinauf und fleht den Höchsten um Vergebung an, und das ist es, was er sagt (34,9): „Und er sprach: Wenn ich Gnade gefunden habe in Deinen Augen, Gebieter, so gehe der Gebieter in unserer Mitte, denn dieses Volk ist halsstarrig. Du aber wirst unsere Schuld und unsere Sünde vergeben und uns zu Deinem Erbe machen“. Man könnte erwarten, dass Mosche sagt: „Vergib uns, wir werden uns bemühen, nicht mehr halsstarrig zu sein, wir werden biegsam sein, wir werden gehorsam sein, wir werden nicht in unserer Sünde verharren, wir werden es nicht mehr tun.“ Aber Mosche sagt etwas völlig anderes, Mosche sagt: „Gerade weil dieses Volk halsstarrig ist, vergib ihm.“

Diese Sturheit wird es dem Volk ermöglichen, in allen möglichen Verfolgungen standzuhalten. Perser, Meder, Aramäer, Assyrer: Wer wird nicht alles kommen und versuchen, die Juden vom wahren Weg abzubringen, wer wird nicht alles versuchen, die Juden zu assimilieren, wer wird nicht alles versuchen, das Volk zu vernichten. Es wird eine Zeit geben, in der die Mehrheit des Volkes anderen Göttern dienen wird, aber dank eben dieser Halsstarrigkeit, dank dieser Sturheit, dieser Verbohrtheit werden immer Menschen übrig bleiben, die dem Höchsten dienen und huldigen werden. Diese Halsstarrigkeit hat auch einen positiven Zug (wie man manchmal sagt: deine Kraft sollte man für friedliche Zwecke einsetzen), man kann sie für den Dienst am Schöpfer nutzen.

Und der Höchste vergibt auf dieses Wort hin, der Höchste vergibt dem Volk auf dieses Wort Mosches hin. Und tatsächlich hat der jüdische Starrsinn in vielem der Bewahrung des Judentums gedient. Das kann auch uns helfen: Wenn wir manchmal an unseren Kindern irgendwelche Züge sehen (vielleicht irgendeine übermäßige Energie, vielleicht noch etwas anderes), die uns lästig sind, die uns negativ erscheinen, können wir überlegen, wie wir sie auf die Tora anwenden, wie wir diese Energie auf die Tora anwenden, wie wir diese oder jene Eigenschaft unserer Kinder auf die Tora anwenden können, nach dem Beispiel dessen, wie Mosche mit dem Höchsten sprach.

Anwalt des Nächsten

Im Zentrum des Wochenabschnitts Ki Tissa steht die Erzählung von der Sünde des Volkes durch das goldene Kalb. In Kapitel 32 wird beschrieben, was im Lager Israels in Abwesenheit Mosches geschieht. Israel feiert die Erschaffung des Kalbes. Natürlich nimmt nur eine kleine Zahl von Menschen aus Israel daran teil. Dennoch dringen der Lärm und die Freude dieses Festes bis zum Berg Sinai. Und der Höchste sagt zu Mosche (32,7): „Geh, steig vom Berg hinab, denn dein Volk hat sich verdorben.“ Und da beginnt Mosche, den Höchsten anzuflehen und Ihn zu bitten, nicht über das Volk zu zürnen, und sein Gebet zum Höchsten (32,11) beginnt Mosche mit den Worten: „Warum soll Dein Zorn entbrennen gegen Dein Volk?“ Mosche beginnt dieses Gebet, so scheint es, sogar mit einer Art Vorwurf. Erstaunlich, wie kann man auf diese Weise ein Gebet in einer solchen Situation beginnen? Das Volk Israel hat sich im Grunde einen Götzen gemacht. Und wie kann man in diesem Fall „warum“ fragen? Der Zorn des Höchsten ist wegen des Götzendienstes entbrannt. Dennoch beginnt Mosche sein Gebet gerade so. Und viele Kommentatoren haben versucht zu verstehen, warum er das tut. Wir können zwei Hauptgründe sehen, die sie nennen.

Mosche sagt in demselben Gebet, dass der Höchste das Volk mit großer Kraft aus Ägypten herausgeführt hat. Im Grunde war Israel eine Ansammlung von Sklaven. Das waren Menschen, die nichts gesehen hatten außer Stroh und Lehm. Und der Höchste hat sie mit Kraft aus dem Land Ägypten herausgeführt. Und Mosche sagt, nach einer der Meinungen: „Du warst es doch, der ein Volk von Sklaven aus Ägypten herausgeführt hat. Wie kannst Du jetzt über dieses Volk zürnen?“ Wie kann man über Menschen zürnen, die ihr ganzes Leben lang Sklaven waren? Sie sind als Sklaven geformt worden, sie standen ganz und gar unter dem Einfluss Ägyptens. Und wenn man in Ägypten ein Kalb anbetete, dann ist es kein Wunder, dass dieses Volk beschloss, ein Kalb anzubeten. Wozu also jetzt über dieses Volk zürnen?

Eine andere Meinung besagt, dass Mosche an die Verheißungen des Höchsten erinnert. Der Höchste hatte versprochen, das Volk aus Ägypten herauszuführen. Und wenn Israel in der Wüste zugrunde gerichtet wird, dann können die Völker der Welt sagen: „Ihr Gott hatte nicht die Kraft, das Volk bis nach Kanaan zu bringen.“

Das sind die zwei Haupterklärungen dafür, warum Mosche so zu sprechen beginnt. Aber im Grunde läuft das auf eines hinaus: „Versöhne Dich mit dem Volk – das sind Deine Kinder.“ Mosche versteht, dass das Volk gesündigt hat. Wenn er zum Lager kommt, werden wir seine Gefühle sehen. Er selbst zerbricht die Tafeln im Zorn. Aber wenn er mit dem Höchsten spricht, bittet er den Höchsten, den Zorn nicht über das Volk auszugießen, er sucht Wege, für sein Volk einzutreten. Einer der allergrößten Lehrer in der Geschichte, der erste Anführer des jüdischen Volkes, er hat es nicht eilig zu richten, sein erstes Streben ist, das Volk zu rechtfertigen. Und er steht ziemlich kühn vor dem Höchsten für das Volk ein.

Für uns, die heutigen Gläubigen, ist das eine wichtige Lehre. Wenn wir sehen, dass Sünde begangen wird, müssen wir versuchen, wie Mosche Gott um Gnade zu bitten und nicht um Zorn. Leider sind wir sehr oft bestrebt, die Sünder zu verurteilen, und rufen den Zorn des Höchsten auf die Sündigenden herab. Aber Mosche handelt nicht so, und darin liegt das Beispiel echten Lehrertums. Zum Höchsten zu sagen: „Wenn Du diesem Volk nicht vergibst, dann tilge mich aus Deinem Buch, das Du geschrieben hast“ – das klingt wie Dreistigkeit. Und dennoch hat der Höchste gerade einen Menschen mit solchen Eigenschaften erwählt, um das Volk herauszuführen.

Ähnlich wird viele Jahrhunderte später der Apostel Paulus schreiben, dass er bereit wäre, um seines Volkes willen von Christus getrennt zu sein. Und gerade Paulus hat der Höchste erwählt, um die gute Botschaft zu bringen.

Wenn wir also für unser Volk einstehen wollen, dann müssen wir kühn einstehen, buchstäblich unsere Seele für das Volk hingeben – um der Gnade Gottes willen und nicht um der Ausgießung Seines Zorns willen, wir müssen versuchen, die Sünder in unseren Gebeten zu rechtfertigen. Das ist genau jenes Lehrertum, das der Höchste von uns will.

Haftara. 1 Melachim

Schemot 18,1–39

In dieser Woche studieren wir den Wochenabschnitt Ki Tissa, und zusammen mit ihm wird ein prophetischer Abschnitt aus dem ersten Buch Melachim gelesen. Gewöhnlich liest man von Vers 1 bis 39 von Kapitel 18, die jemenitischen Gemeinden lesen von Vers 1 bis 40, wir aber gehen einen dritten Weg und lesen das ganze Kapitel 18, von Vers 1 bis 46. Bevor wir beginnen, das Kapitel selbst zu lesen, ist eine gewisse historische Vorbemerkung nötig, um die Hauptfiguren vorzustellen. Natürlich muss man den Propheten Elijahu nicht vorstellen, ihn kennen alle. König Achaw ist dafür bekannt, dass er der größte Bösewicht von allen Königen ist, die in Israel regiert haben. Er machte die Anbetung des Ba'al zur offiziellen Religion, brachte seine Frau Isewel her, eine Prinzessin aus Zidon. Lasst uns nach und nach beginnen, uns zu erinnern, wie das war.

König Achaw begann seine Herrschaft, als seine Stadt, seine Hauptstadt fast belagert war. Er begann über ein sehr kleines Gebiet zu herrschen, regierte 22 Jahre und fiel im Kampf jenseits des Jordan, in Gilad, das heißt, er hat das Gebiet seines Königreichs erheblich erweitert. Erhalten ist der sogenannte Monolith von Karch, der davon erzählt, dass Salmanassar III., der König von Assyrien, mit einem Feldzug in unsere Gegend zog und in der Schlacht bei Karkar von einer Koalition aus 12 Heeren geschlagen wurde, die Achaw geschaffen hatte. Achaw war derjenige, der es verstand, ein Dreierbündnis zwischen Israel, Judäa und Zidon zu schließen, und als Folge davon nahm er sich die Tochter des Königs von Zidon, Etba'al, zur Frau, eine Frau namens Isewel. Isewel Etba'alowna war eine Prinzessin aus Zidon, erzogen in den besten zidonischen Traditionen – treu, dem Ba'al ergeben, eine Missionarin sowohl des Ba'al als auch der monarchischen Traditionen Zidons. Der König von Israel verhielt sich nicht so wie die heidnischen Könige, das missfiel Isewel sehr. Sie vernichtete jede Anbetung des HERRN, des Gottes Israels, und tötete die Propheten. Überall wurden die Altäre des HERRN zerstört und der Ba'al-Kult eingepflanzt. Der Prophet Elijahu selbst war gezwungen, sich zu verbergen, da er alles sah, was geschah. Bevor er das tat, sagte er zu Achaw: „Von diesem Moment an wird es keinen Regen geben. Im ganzen Land, im ganzen israelitischen Königreich – Dürre.“ Die Dürre dauert Jahr um Jahr an, und das führt natürlich dazu, dass das Volk verarmt, zu hungern beginnt und sich am Rand des Untergangs befindet. Und gerade in diesem historischen Moment geschehen die Ereignisse, von denen wir ab Vers 1 von Kapitel 18 zu lesen beginnen.


וַיְהִי יָמִים רַבִּים וּדְבַר־יְהוָה הָיָה אֶל־אֵלִיָּהוּ בַּשָּׁנָה הַשְּׁלִישִׁית לֵאמֹר לֵךְ הֵרָאֵה אֶל־אַחְאָב וְאֶתְּנָה מָטָר עַל־פְּנֵי הָאֲדָמָה׃

wajhi jamím rabbím udwar-adonáj haja el-elijahuIn der russischen Umschrift ist das h im Namen Elijahu verdoppelt. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen mit einfachem h. baschaná haschelischít lemór lech hera'é el-ach'áw we'ettená matár al-pené ha'adamá

1 Und es war, es vergingen viele Tage, und es war das Wort des HERRN an Elijahu im dritten Jahr, sagend: „Geh, zeige dich Achaw, und Ich werde Regen auf die Erde geben.“

Im dritten Jahr der Dürre wendet sich der Höchste an Elijahu. Die Kommentatoren streiten, warum der Höchste gerade jetzt vom Ende der Dürre spricht. Vielleicht, weil das Volk im dritten Jahr, am Rand des Untergangs angelangt, zu bereuen beginnt. Oder vielleicht, weil das Volk sonst einfach zugrunde gehen wird und man das Volk nicht weiter mit Dürre quälen kann. Es gibt keine solchen Technologien, moderne, um einen Brunnen zu bohren, das Meer zu entsalzen, das ist unmöglich. Das Volk hat tatsächlich nicht nur nichts mehr zu essen, sondern auch nichts zu trinken, und das bringt das Volk natürlich an den Rand des Untergangs. Elijahu weiß, dass Achaw, und in größerem Maß Isewel, ihm nach dem Leben trachten. Aber da der Höchste es gesagt hat, geht Elijahu und führt es aus.

         וַיֵּלֶךְ אֵלִיָּהוּ לְהֵרָאוֹת אֶל־אַחְאָב וְהָרָעָב חָזָק בְּשֹׁמְרוֹן׃

wajélech elijáhu lehera'ót el-ach'áw wehara'áw chasák beschomerón

2 Und Elijahu ging, sich Achaw zu zeigen, und in Schomron war starker Hunger.

Warum sagt uns der Tanach das? Man kann es so verstehen, dass in Schomron, das heißt im israelitischen Königreich, starker Hunger ist, weil das israelitische Königreich weiter abgefallen ist, in Judäa aber gibt es einen solchen Hunger nicht, vielleicht ist das ein Hinweis darauf. Oder vielleicht geht es darum, dass Schomron das Hauptstadtgebiet ist, das ist sozusagen Moskau und das Moskauer Umland, und dort ist schon starker Hunger, das heißt, der Hunger ist sogar bis dorthin gelangt. Elijahu geht, sich mit Achaw zu treffen, und zu dieser Zeit geschieht im Palast Achaws etwas Interessantes.


וַיִּקְרָא אַחְאָב אֶל־עֹבַדְיָהוּ אֲשֶׁר עַל־הַבָּיִת וְעֹבַדְיָהוּ הָיָה יָרֵא אֶת־יְהוָה מְאֹד׃

wajikrá ach'áw el-owadjáhu aschér al-habbájit we'owadjáhu hajá jaré et-adonáj me'ód

3 Achaw ruft Owadjahu, der Vorsteher über sein ganzes Haus ist, und Owadjahu war ein sehr gottesfürchtiger Mensch.

Es ist sehr wichtig, sich das vorzustellen. Da ist der bösartigste König der ganzen Geschichte, ein König, der die Verfolgung der Propheten leitet oder jedenfalls aktiv fördert, eine fremde Religion, eine fremde Ideologie einpflanzt und den Glauben an den Gott Israels vernichtet. Als sein erster Stellvertreter oder Premierminister an seinem Hof dient ein Mensch namens Owadjahu, ein Mensch, der den HERRN fürchtet. Ist das richtig, ist es richtig, sich in einer solchen Situation wiederzufinden? Ist es richtig für einen gläubigen Menschen, in die Regierung einzutreten, an der Verwaltung in einem bösartigen Staat teilzunehmen? Die jüdischen Kommentatoren sagen, dass die Frau aus dem Kreis der Prophetenschüler (2 Melachim 4,1–7), bei der sich durch den Propheten Elischa auf wunderbare Weise alle Gefäße im Haus mit Öl füllten, die Witwe eben dieses Owadjahu ist, und so wird ihm für seine guten Taten vergolten; das heißt, die Kommentatoren sehen das positiv. Tatsächlich, wenn du an den Höchsten glaubst und dich dort wiederfindest, wo du Einfluss nehmen kannst, dort, wo du etwas tun kannst, dann tu es, selbst wenn es so aussieht, als ob du diese Macht unterstützt und an ihrer Festigung teilnimmst.

Weiter erzählt uns der Tanach, worin sich die Gerechtigkeit Owadjahus in der Praxis äußerte:


וַיְהִי בְּהַכְרִית אִיזֶבֶל אֵת נְבִיאֵי יְהוָה וַיִּקַּח עֹבַדְיָהוּ מֵאָה נְבִאִים וַיַּחְבִּיאֵם חֲמִשִּׁים אִישׁ בַּמְּעָרָה וְכִלְכְּלָם לֶחֶם וָמָיִם׃

wajhi behachrit isewél et newi'é adonáj wajikkách

owad'jáhu me'á newi'ím wajachbi'ém chamischím isch bamme'ará

wechilkelám léchem wamájim

4 Und es geschah, als Isewel die Propheten des HERRN vernichtete, nahm Owadjahu hundert Propheten und brachte sie in zwei Höhlen unter, je fünfzig Mann, und speiste sie mit Brot und Wasser.

Vielleicht teilte er sie deshalb auf, damit, wenn man eine Höhle plötzlich entdeckt, man die andere retten kann – so wie Jaakow seine Familie in zwei Lager teilte. Kurz und gut, Owadjahu ist mit gefährlicher konterrevolutionärer Arbeit am Hof Isewels, am Hof Achaws beschäftigt und behindert die religiöse Revolution, die das Land Israel zur Anbetung des Ba'al führen soll. Also, Achaw rief Owadjahu zu sich, und das ist es, was er ihm sagt:


וַיֹּאמֶר אַחְאָב אֶל־עֹבַדְיָהוּ לֵךְ בָּאָרֶץ אֶל־כָּל־מַעְיְנֵי הַמַּיִם וְאֶל כָּל־הַנְּחָלִים אוּלַי נִמְצָא חָצִיר וּנְחַיֶּה סוּס וָפֶרֶד וְלוֹא נַכְרִית מֵהַבְּהֵמָה׃

wajomer ach'áw el-owad'jáhu lech ba'árez el-kol-ma'ené hammájim we'él kol-hannechalím uláj nimzá chazír unchajé sus waféred weló nachrít mehabbehemá

5 „Geh, zieh durch das Land, zu allen Wasserstellen und zu allen Quellen, vielleicht finden wir ein wenig Stroh, Heu, und wir werden etwas haben, womit wir Pferd und Maultier füttern können, und wir werden das Vieh nicht verlieren.“


וַיְחַלְּקוּ לָהֶם אֶת־הָאָרֶץ לַעֲבָר־בָּהּ אַחְאָב הָלַךְ בְּדֶרֶךְ אֶחָד לְבַדּוֹ וְעֹבַדְיָהוּ הָלַךְ בְּדֶרֶךְ־אֶחָד לְבַדּוֹ׃

wajchallekú lahém et-ha'árez la'awor-bá ach'áw halách bedérech echád lewaddó we'owad'jáhu halách bederech-echád lewaddó

6 Und sie teilten das Land unter sich auf, um es zu durchziehen; auf dem einen Weg ging Achaw, auf dem anderen Weg ging Owadjahu.

Stellt euch nur das ganze Grauen vor, die ganze Tragik der Situation, wenn der König und sein Premierminister selbst anfangen, das Land zu durchkämmen und etwas für ihr Vieh zu suchen. Was für eine Tiefe der Verzweiflung muss da bei diesen Menschen sein!


וַיְהִי עֹבַדְיָהוּ בַּדֶּרֶךְ וְהִנֵּה אֵלִיָּהוּ לִקְרָאתוֹ וַיַּכִּרֵהוּ וַיִּפֹּל עַל־פָּנָיו וַיֹּאמֶר הַאַתָּה זֶה אֲדֹנִי אֵלִיָּהוּ׃

wajhí owad'jáhu baddérech wehinné elijáhu likrató wajakkiréhu wajippól al-panaw wajomer ha'attá se adoní elijáhu

7 Und Owadjahu war auf dem Weg, und siehe, Elijahu kommt ihm entgegen, und er erkannte ihn, und fiel auf sein Angesicht, und sagte: „Bist du es, mein Herr Elijahu?“

Nachdem Elijahu sich drei Jahre lang versteckt hatte (und wir wissen, dass Elijahu ohnehin eine üppige Behaarung im Gesicht hat, er hat einen großen Bart), sah er wahrscheinlich ganz anders aus, aber Owadjahu erkennt ihn. Und die Frage, die er hier stellt, ist nicht einfach so eine Frage: „Entschuldigung, irre ich mich nicht, bist das wirklich du?“ Das ist so eine respektvolle Form der Anrede.

וַיֹּאמֶר לוֹ אָנִי לֵךְ אֱמֹר לַאדֹנֶיךָ הִנֵּה אֵלִיָּהוּ׃

wajomer lo aní lech emór ladonécha hinné elijáhu

8 Und er sagte zu ihm: „Ja, ich bin es, geh und sage deinem Herrn: Siehe, Elijahu.“

Geh, geh, sag Achaw, dass du mich gefunden hast. Aber Owadjahu hat es nicht eilig, zu Achaw zu laufen.


וַיֹּאמֶר מֶה חָטָאתִי כִּי־אַתָּה נֹתֵן אֶת־עַבְדְּךָ בְּיַד־אַחְאָב לַהֲמִיתֵנִי׃

wajomer me chatáti ki-attá notén et-awdechá bejad-ach'áw

lahamiténi

9. Und er sagte: „Worin habe ich denn gesündigt, dass du deinen Knecht schickst, ihn in die Hand Achaws gibst, damit er mich tötet?

Ich sage jetzt: „Siehe, Elijahu, dann kommen wir mit ihm, und du wirst nicht hier sein, und er wird mich einfach töten.“


חַי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אִם־יֶשׁ־גּוֹי וּמַמְלָכָה אֲשֶׁר לֹא־שָׁלַח אֲדֹנִי שָׁם לְבַקֶּשְׁךָ וְאָמְרוּ אָיִן וְהִשְׁבִּיעַ אֶת־הַמַּמְלָכָה וְאֶת־הַגּוֹי כִּי לֹא יִמְצָאֶכָּה׃

chaj adonáj elohécha im-jesch-gój umamlachá aschér lo-schalách adoní scham lewakkeschchá we'amerú ájin wehischbíja et-hammamlachá we'et-haggój ki lo jimza'ékka

10 Es lebt der HERR, dein Gott, wenn es irgendein Volk und irgendein Königreich gibt, wohin mein Herr nicht gesandt hätte, um dich zu suchen, und sie sagten: „Er ist nicht bei uns“, und er beschwor jedes Königreich und jedes Volk, dich auszuliefern, weil er dich nicht finden konnte.

Owadjahu sagt zum Propheten Elijahu: „Du bist ja schon lange bei uns sowohl bundesweit als auch international zur Fahndung ausgeschrieben, und der König ist bereit, teuer für dich zu bezahlen, man will dich lebend oder tot, aber, wie es scheint, lieber tot.“

         וְעַתָּה אַתָּה אֹמֵר לֵךְ אֱמֹר לַאדֹנֶיךָ הִנֵּה אֵלִיָּהוּ׃

we'attá attá omér lech emór ladonécha hinné elijáhu

11 Jetzt sagst du mir: „Geh und sage deinem Herrn: Siehe, Elijahu.

וְהָיָה אֲנִי אֵלֵךְ מֵאִתָּךְ וְרוּחַ יְהוָה יִשָּׂאֲךָ עַל אֲשֶׁר לֹא־אֵדָע וּבָאתִי לְהַגִּיד לְאַחְאָב וְלֹא יִמְצָאֲךָ וַהֲרָגָנִי וְעַבְדְּךָ יָרֵא אֶת־יְהוָה מִנְּעֻרָי׃

wehajá aní eléch me'ittách werúachIn der russischen Umschrift ist das Wort für „Geist“ versehentlich in zwei Teile getrennt. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: rúach. adonáj jissa'achá al aschér lo-edá uwáti lehaggíd le'ach'áw weló jimza'achá waharagáni we'awdechá jaré et-adonáj minne'uráj

12 Und siehe, ich gehe jetzt von dir weg, und der Geist Gottes wird dich forttragen, unbekannt wohin, und ich werde es sagen, aber er wird dich nicht finden, und er wird mich töten, und dein Knecht fürchtet den HERRN von seiner Jugend an.

Das heißt: Ich bin von meiner Jugend an ein gottesfürchtiger Mensch, wofür bestrafst du mich so, wofür reitest du mich so hinein?


הֲלֹא־הֻגַּד לַאדֹנִי אֵת אֲשֶׁר־עָשִׂיתִי בַּהֲרֹג אִיזֶבֶל אֵת נְבִיאֵי יְהוָה וָאַחְבִּא מִנְּבִיאֵי יְהוָה מֵאָה אִישׁ חֲמִשִּׁים חֲמִשִּׁים אִישׁ בַּמְּעָרָה וָאֲכַלְכְּלֵם לֶחֶם וָמָיִם׃

halo-huggád ladoní et ascher-assíti baharóg isewél et newi'é adonáj wa'achbí minnewi'é adonáj me'a isch chamischím chamischím isch bamme'ará wa'achalkelém léchem wamájim

13 Wahrscheinlich hat man meinem Herrn erzählt, was ich getan habe, als Isewel die Propheten des HERRN tötete, und ich versteckte von den Propheten des HERRN hundert Mann, je fünfzig Mann in einer Höhle, und ich speiste sie mit Brot und Wasser.

         וְעַתָּה אַתָּה אֹמֵר לֵךְ אֱמֹר לַאדֹנֶיךָ הִנֵּה אֵלִיָּהוּ וַהֲרָגָנִי׃

we'attá attá omér lech emór ladonécha hinné elijáhu waharagáni

14 Und jetzt sagst du mir: „Geh und sage deinem Herrn: Siehe, Elijahu. Und er wird mich töten.“

Warum wird dieser Satz zweimal wiederholt? Vielleicht aus zwei Gründen: Erstens wird es dich dann plötzlich forttragen, man wird dich nicht finden, und der Herr wird mich im Zorn töten; zweitens wird der Herr sagen: „Ah, du hast dich mit Elijahu getroffen, du hattest also Verbindungen zu ihnen, man hat es mir zugetragen, man hat mir Bericht erstattet, ich habe es immer vermutet.“ Und auch dafür kann man mich töten. Owadjahu hat wirklich Angst, und er hat auch allen Grund, Angst zu haben.

        
וַיֹּאמֶר אֵלִיָּהוּ חַי יְהוָה צְבָאוֹת אֲשֶׁר עָמַדְתִּי לְפָנָיו כִּי הַיּוֹם אֵרָאֶה אֵלָיו׃

wajomer elijáhu chaj adonáj zewa'ót aschér amádti lefanáw ki hajom era'é eláw

15 Und Elijahu sagte: „Es lebt der HERR Gott, vor dem ich stehe, dass ich mich heute ihm zeigen werde, mich Achaw zeigen werde.“

Das ist eine Form des Schwurs. Nachdem Elijahu geschworen hat, dass er nirgendwohin abtauchen wird, dass er nicht verschwinden wird, danach kann Owadjahu gehen und mit Achaw reden.


וַיֵּלֶךְ עֹבַדְיָהוּ לִקְרַאת אַחְאָב וַיַּגֶּד־לוֹ וַיֵּלֶךְ אַחְאָב לִקְרַאת אֵלִיָּהוּ׃

wajélech owad'jáhu likrát ach'áw wajagged-ló wajélech ach'áw

likrát elijáhu

16 Und Owadjahu ging Achaw entgegen und erzählte ihm alles, und nun ging Achaw zur Begegnung mit Elijahu.

וַיְהִי כִּרְאוֹת אַחְאָב אֶת־אֵלִיָּהוּ וַיֹּאמֶר אַחְאָב אֵלָיו הַאַתָּה זֶה עֹכֵר יִשְׂרָאֵל׃

wajhí kir'ót ach'áw et-elijáhu wajomer ach'áw eláw ha'attá se ochér jisra'él

17 Und es geschah, als Achaw Elijahu sah, sagte Achaw zu ihm: „Bist du der, der Israel trübt (verdirbt)?!“

Ochér Jisra'él – das ist so ein klassisches Brandmal für den, der uns nicht gefällt, der, wie es uns scheint, Israel schadet und versucht, es zu vernichten. „Du, der Unheil über Israel bringt“ – diese Anschuldigung schleudert Achaw dem Propheten Elijahu sofort entgegen. Wofür? Dafür, dass jener die Dürre herbeigeführt hat und Israel dementsprechend umkommen kann.


וַיֹּאמֶר לֹא עָכַרְתִּי אֶת־יִשְׂרָאֵל כִּי אִם־אַתָּה וּבֵית אָבִיךָ בַּעֲזָבְכֶם אֶת־מִצְוֹת יְהוָה וַתֵּלֶךְ אַחֲרֵי הַבְּעָלִים׃

wajomer lo achárti et-jisra'el ki im-attá uwét awícha ba'asowchém et-mizwót adonáj wattélech acharé habbe'alím

18 Und Elijahu antwortet ihm: „Nein, nicht ich bin der Feind Israels, das bist du und das Haus deines Vaters, denn ihr habt den HERRN verlassen und seid den Ba'alim nachgegangen.


וְעַתָּה שְׁלַח קְבֹץ אֵלַי אֶת־כָּל־יִשְׂרָאֵל אֶל־הַר הַכַּרְמֶל וְאֶת־נְבִיאֵי הַבַּעַל אַרְבַּע מֵאוֹת וַחֲמִשִּׁים וּנְבִיאֵי הָאֲשֵׁרָה אַרְבַּע מֵאוֹת אֹכְלֵי שֻׁלְחַן אִיזָבֶל׃

we'attá schelách kewóz eláj et-kol-jisra'él el-hár hakkarmél we'et-newi'é habbá'al arbá me'ót wachamischím unwí'e ha'ascherá arbá me'ót ochelé schulchánIn der russischen Umschrift sind im Wort für „Tisch“ die Laute vertauscht. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: schulchán. isáwel

19 Und jetzt geh, versammle mir ganz Israel auf dem Berg Karmel, und vierhundertfünfzig Propheten des Ba'al und vierhundert Propheten der Aschera, die am Tisch Isewels essen.“

Wir sehen, dass Isewel eine ernstzunehmende missionarische Propagandamaschine hat, sie hat 850 Propheten: 450 Propheten des Ba'al und 400 Propheten der Aschera. Und all das arbeitet darauf hin, Israel zum neuen Glauben zu bekehren – sie sind angefüttert, sie essen am Tisch Isewels, sie ernährt sie; die Propheten sind ihre Propagandisten. Was kann man hier sehen? Erstens sagt Elijahu hier zu Achaw nicht mehr: „Töte mich nicht.“ Er sagt ihm zwei Dinge: „Du bist es, der Unheil über Israel gebracht hat“ und „Jetzt versammle ganz Israel und alle Propheten“, als ob Achaw ihn schon gefragt hätte: „Und was soll ich jetzt tun, um gerettet zu werden?“, als ob eine solche Frage vielleicht im Herzen Achaws schon aufzukommen begonnen hätte. Warum eigentlich soll Achaw auf ihn hören, er steht doch auf der Seite des Ba'al, und Elijahu ist ein Konterrevolutionär? Offenbar ist im Herzen Achaws schon etwas geschehen, und deshalb sagt Elijahu: „Versammle ganz Israel und alle Propheten auf dem Berg Karmel.“ Elijahu spricht hier auch nicht vom Regen, das heißt, er wendet sich unmittelbar an das Herz Achaws.

Warum gerade der Berg Karmel? Erstens ist der Berg Karmel ein Berg, und wir werden eine Analogie zum Stehen am Berg Sinai sehen. Denn hier ist wieder eine Situation, in der das ganze Volk sich versammelt hat und der Höchste sich vor dem ganzen Volk offenbart hat. Andererseits (ein einfacheres Verständnis) ist der Berg Karmel die Grenze des Königreichs Israel, weiter beginnt Zidon, dort weiter ist die Grenze zu Zidon. Das ist gewissermaßen eine Beratung an der Grenze: Falls etwas ist, werden die Propheten des Ba'al und der Aschera wissen, wohin sie fliehen können. So werden üblicherweise parlamentarische Treffen angesetzt. Für nicht befreundete Seiten wurden seinerzeit bei den Verhandlungen mit Ägypten die Verhandlungen am 101. Kilometer geführt, gleichsam einen Kilometer Meter von der Grenze entfernt. Und Achaw gehorcht dem Propheten Elijahu, obwohl das offenbar nicht einfach ist und eine gut eingespielte Logistik erfordert, um das ganze Volk zu versammeln.

וַיִּשְׁלַח אַחְאָב בְּכָל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וַיִּקְבֹּץ אֶת־הַנְּבִיאִים אֶל־הַר הַכַּרְמֶל׃

 wajischlách ach'áw bechol-bené jisra'él wajikbóz et-hannewi'ím el-har hakkarmél

20 Und Achaw sandte zu allen Söhnen Israels und versammelte die Propheten auf dem Berg Karmel.


וַיִּגַּשׁ אֵלִיָּהוּ אֶל־כָּל־הָעָם וַיֹּאמֶר עַד־מָתַי אַתֶּם פֹּסְחִים עַל־שְׁתֵּי הַסְּעִפִּים אִם־יְהוָה הָאֱלֹהִים לְכוּ אַחֲרָיו וְאִם־הַבַּעַל לְכוּ אַחֲרָיו וְלֹא־עָנוּ הָעָם אֹתוֹ דָּבָר׃

wajiggásch elijáhu el-kol-ha'ám wajomer ad-matáj attém possechím al-schetté hasse'ippím im-adonáj ha'elohím lechú acharáw we'im-habba'al lechú acharáw welo-anú ha'ám otó dawár

21 Und Elijahu trat zum ganzen Volk und sagte: „Wenn der HERR Gott ist, dann geht Ihm nach, wenn Ba'al – dann geht ihm nach.“ Darauf antwortete das Volk nichts.

Gewöhnlich wird der Satz ad-matáj attém possechím al-schetté hasse'ippím übersetzt als bis wann hinkt ihr auf beiden Knien, oder bis wann springt ihr von Ast zu Ast, bis wann entscheidet ihr euch nicht.

Man kann nicht gleichzeitig sowohl den Ba'al als auch den HERRN anbeten. Und das Volk schweigt. Warum schweigt das Volk? Vielleicht, weil das Volk sich wirklich nicht entschieden hat. Sicherlich war auch 600 Jahre nach der Gabe der Tora der Glaube an Gott lebendig, sicherlich gab es noch Menschen, die an den Gott Israels glauben. Aber hier befinden sich nur Propheten, nicht nur Elijahu, hier ist auch noch Achaw mit seinem Heer, und es ist gar nicht so einfach, als Erster offen mit konterrevolutionären Ideen aufzutreten.

וַיֹּאמֶר אֵלִיָּהוּ אֶל־הָעָם אֲנִי נוֹתַרְתִּי נָבִיא לַיהוָה לְבַדִּי וּנְבִיאֵי הַבַּעַל אַרְבַּע־מֵאוֹת וַחֲמִשִּׁים אִישׁ׃

wajomer elijahu el-ha'ám ani notárti naví ladonáj lewaddí unwi'é habbá'al arba-me'ót wachamischím isch

22 Elijahu sprach zum Volk: „Ich bin als einziger Prophet dem HERRN übrig geblieben, und hier sind gegen mich vierhundertfünfzig Propheten des Ba'al.

 Er weiß ja, dass es noch 100 versteckte Propheten gibt (zumindest hat Owadjahu ihm das gesagt), aber man muss seine geheimen Treffpunkte nicht preisgeben. Deshalb sagt Elijahu: „Ich bin der einzige Prophet.“

Irgendwie sind die weiteren 400 Propheten der Aschera nicht gekommen. Vielleicht hält man sie in Reserve und hat sie nicht zu so einer Sache geschickt, aber Elijahu zeichnet das Bild eines ungleichen Wettkampfs, 1 gegen 450.


וְיִתְּנוּ־לָנוּ שְׁנַיִם פָּרִים וְיִבְחֲרוּ לָהֶם הַפָּר הָאֶחָד וִינַתְּחֻהוּ וְיָשִׂימוּ עַל־הָעֵצִים וְאֵשׁ לֹא יָשִׂימוּ וַאֲנִי אֶעֱשֶׂה אֶת־הַפָּר הָאֶחָד וְנָתַתִּי עַל־הָעֵצִים וְאֵשׁ לֹא אָשִׂים׃

wejittenu-lánu schenájim parím wejiwcharú lahém happár ha'echád winattechúhu wejassímu al-ha'ezím we'ésch lo jassímu wa'aní e'essé et-happár ha'echád wenatattí al-ha'ezím we'ésch lo assím

23 Man soll uns zwei Stiere geben, und sie sollen sich selbst einen Stier auswählen und ihn auf das Holz legen, aber kein Feuer darunterlegen. Ich werde auch einen jungen Stier nehmen und ihn auf das Holz legen und kein Feuer darunterlegen.


וּקְרָאתֶם בְּשֵׁם אֱלֹהֵיכֶם וַאֲנִי אֶקְרָא בְשֵׁם־יְהוָה וְהָיָה הָאֱלֹהִים אֲשֶׁר־יַעֲנֶה בָאֵשׁ הוּא הָאֱלֹהִים וַיַּעַן כָּל־הָעָם וַיֹּאמְרוּ טוֹב הַדָּבָר׃

ukratém beschém elohéchem wa'aní ekrá weschem-adonáj wehajá ha'elohím ascher-ja'ané wa'ésch hu ha'elohím wajá'an kol-ha'ám wajomerú tow haddawár

24 Ihr werdet den Namen eures Gottes anrufen, und ich werde den Namen des HERRN anrufen, und der Gott, der damit antworten wird, dass er Feuer herabbringt, der ist der wahre Gott.“ Und es antwortete das ganze Volk, und es antwortete: „Das ist ein richtiger Gedanke.“

Hier ist es schon logisch zu folgern: Wer das Feuer herabbringen konnte, der ist der wahre Gott. Hier ist es natürlich sehr interessant zu wissen, ob Elijahu nach einer Anweisung handelt, die er vom Höchsten erhalten hat, das heißt, ob der Höchste ihm gesagt hat, genau so zu handeln, oder ob das seine Entscheidung an Ort und Stelle ist, eine Entscheidung, die er in einer bestimmten Situation getroffen hat. Ich neige dazu, das Zweite zu denken: Der Prophet hat die Vollmacht zu entscheiden, und der Höchste handelt gnädig in Zusammenarbeit mit dem Propheten.


וַיֹּאמֶר אֵלִיָּהוּ לִנְבִיאֵי הַבַּעַל בַּחֲרוּ לָכֶם הַפָּר הָאֶחָד וַעֲשׂוּ רִאשֹׁנָה כִּי אַתֶּם הָרַבִּים וְקִרְאוּ בְּשֵׁם אֱלֹהֵיכֶם וְאֵשׁ לֹא תָשִׂימוּ׃

wajomer elijáhu linwi'é habbá'al bacharú lachém happár ha'echád wa'asú rischoná ki attém harabbím wekir'ú beschém elohechém we'ésch lo tassímu

25 Und Elijahu sprach zu den Propheten des Ba'al: „Wählt euch einen jungen Stier und macht ihr es zuerst, denn ihr seid mehr (Elijahu überlässt es ihnen gnädig, als Erste zu beginnen), und wendet euch nur an den Namen eures Gottes, Feuer legt nicht darunter.“


וַיִּקְחוּ אֶת־הַפָּר אֲשֶׁר־נָתַן לָהֶם וַיַּעֲשׂוּ וַיִּקְרְאוּ בְשֵׁם־הַבַּעַל מֵהַבֹּקֶר וְעַד־הַצָּהֳרַיִם לֵאמֹר הַבַּעַל עֲנֵנוּ וְאֵין קוֹל וְאֵין עֹנֶה וַיְפַסְּחוּ עַל־הַמִּזְבֵּחַ אֲשֶׁר עָשָׂה׃

wajikchú et-happár ascher-natán lahém waja'asú wajikre'ú weschem-habbá'al mehabbóker we'ad-hazzahorájim lemór habbá'al anénu we'én kol we'én oné wajfassechú al-hammisbéach aschér assá

26 Und sie nahmen den jungen Stier, den man ihnen gegeben hatte, und taten alles, wie gesagt, und riefen den Namen des Ba'al an vom Morgen bis zum Mittag und sprachen: „Ba'al, antworte uns!“ Keine Stimme und keine Antwort. Und sie sprangen über den Altar und sprangen auf den Altar und machten verschiedene andere Kunstgriffe, um die Antwort des Ba'al zu wecken.


וַיְהִי בַצָּהֳרַיִם וַיְהַתֵּל בָּהֶם אֵלִיָּהוּ וַיֹּאמֶר קִרְאוּ בְקוֹל־גָּדוֹל כִּי־אֱלֹהִים הוּא כִּי שִׂיחַ וְכִי־שִׂיג לוֹ וְכִי־דֶרֶךְ לוֹ אוּלַי יָשֵׁן הוּא וְיִקָץ׃

wajhí wazzahorájim wajhattél bahém elijáhu wajomer kir'ú wekol-gadól ki-elohím hu ki-síach wechi-síg lo wechi-dérech lo uláj jaschén hu wejikáz

27 Und es war gegen Mittag, und Elijahu begann, über sie zu spotten, und sprach zu ihnen: „Lauter, lauter schreit! Vielleicht ist euer Gott mit etwas beschäftigt, vielleicht hat er ein Gespräch, vielleicht jagt er jemandem nach, vielleicht ist er weggegangen, um die große Notdurft zu verrichten, vielleicht schläft er, und ihr weckt ihn auf?! Schreit lauter!“

Elijahu fing an, sagen wir sogar so, sie sarkastisch anzufeuern. Wisst ihr, wie man manchmal bei Kinderfeiern darum bittet, dass die Kinder Snegurotschka herbeirufen: „Wir hören nichts, schreit lauter!“ Und die Propheten, als hätten sie das als Ermutigung aufgefasst, fingen wirklich an, lauter zu schreien.


וַיִּקְרְאוּ בְּקוֹל גָּדוֹל וַיִּתְגֹּדְדוּ כְּמִשְׁפָּטָם בַּחֲרָבוֹת וּבָרְמָחִים עַד־שְׁפָךְ־דָּם עֲלֵיהֶם׃

wajikre'ú bekól gadól wajitgodedú kemischpatám bacharawót uwaremachím ad-schefoch-dám alehém

28 Und sie schrien mit lauten Stimmen und schlugen sich, wie es bei ihnen Brauch ist, mit Schwertern und Speerspitzen, bis Blut herauskam.

Sie hatten einen solchen Brauch. Auch heute gibt es in vielen östlichen Kulten einen solchen Brauch: sich, wenn man seine Götter anruft, bis aufs Blut zu schlagen.


וַיְהִי כַּעֲבֹר הַצָּהֳרַיִם וַיִּתְנַבְּאוּ עַד לַעֲלוֹת הַמִּנְחָה וְאֵין־קוֹל וְאֵין־עֹנֶה וְאֵין קָשֶׁב׃

wajhí ka'awór hazzahorájim wajitnabbe'ú ad la'alót hamminchá we'en-kól we'en-oné we'én káschew

29 Und es war, als der Mittag schon vorüber war, und es war die Zeit vor dem Abend, und keine Stimme und keine Antwort (weder Laut noch Hauch).

        
וַיֹּאמֶר אֵלִיָּהוּ לְכָל־הָעָם גְּשׁוּ אֵלַי וַיִּגְּשׁוּ כָל־הָעָם אֵלָיו וַיְרַפֵּא אֶת־מִזְבַּח יְהוָה הֶהָרוּס׃

wajomer elijáhu lechol-ha'ám geschú eláj wajiggeschú chol-ha'ám eláw wajrappé et-misbách adonáj heharús

30 Und da sprach Elijahu zum ganzen Volk: „Tretet zu mir heran.“ Und das ganze Volk trat zu ihm heran, und Elijahu begann, den zerbrochenen Altar des HERRN auszubessern.

In jenen Zeiten baute man Altäre auf den Höhen. Offenbar war der Altar während der Verfolgungen zerstört worden, und Elijahu bessert ihn aus.


וַיִּקַּח אֵלִיָּהוּ שְׁתֵּים עֶשְׂרֵה אֲבָנִים כְּמִסְפַּר שִׁבְטֵי בְנֵי־יַעֲקֹב אֲשֶׁר הָיָה דְבַר־יְהוָה אֵלָיו לֵאמֹר יִשְׂרָאֵל יִהְיֶה שְׁמֶךָ׃

wajikkach elijahu schetém esré awaním kemispár schiwté wene-jaaków aschér hajá dewar-adonáj eláw lemór jisraél jihjé schemécha

31 Und Elijahu nahm zwölf Steine nach der Zahl der Stämme der Söhne Jaakows, als der HERR zu ihm sprach: „Israel wird dein Name sein.“

Elijahu macht ein bestimmtes Symbol der Einheit Israels.


וַיִּבְנֶה אֶת־הָאֲבָנִים מִזְבֵּחַ בְּשֵׁם יְהוָה וַיַּעַשׂ תְּעָלָה כְּבֵית סָאתַיִם זֶרַע סָבִיב לַמִּזְבֵּחַ׃

wajiwné et-ha'awaním misbéach beschém adonáj wajá'as te'alá kewét satájim séra sawíw lammisbéach

32 Und er richtete diese Steine auf dem Altar her im Namen des HERRN, und um diesen Altar herum grub er einen Graben, der zwei Se'a Weizen fassen konnte.

Das heißt, wenn man diesen Graben in ein Feld verwandeln würde, dann könnte man ungefähr in der Größenordnung eines Zehn-Liter-Glases Weizenkörner in diesen Graben säen, keine einfache Arbeit. Leider verstehe ich nicht genug von Landwirtschaft, um zu verstehen, was das bedeutet, was für eine Fläche das ist.


וַיַּעֲרֹךְ אֶת־הָעֵצִים וַיְנַתַּח אֶת־הַפָּר וַיָּשֶׂם עַל־הָעֵצִים׃

waja'aróch et-ha'ezím wajnattách et-happár wajassém al-ha'ezím

33 Und er richtete das Holz her und legte den Stier darauf, auf dieses Holz.


וַיֹּאמֶר מִלְאוּ אַרְבָּעָה כַדִּים מַיִם וְיִצְקוּ עַל־הָעֹלָה וְעַל־הָעֵצִים וַיֹּאמֶר שְׁנוּ וַיִּשְׁנוּ וַיֹּאמֶר שַׁלֵּשׁוּ וַיְשַׁלֵּשׁוּ׃

wajomer mil'úDie russische Umschrift schreibt dieses Wort mit einem h-Laut; im Hebräischen steht dort ein Alef, deshalb heißt es hier mil'ú. arba'á chaddím májim wejizekú al-ha'olá we'al-ha'ezím wajomer schenú wajischnú wajomer schalléschu wajschalléschu

34 Und er sprach: „Füllt vier große Krüge mit Wasser und gießt sie auf das Ganzopfer und auf das Holz.“ Und er sprach: „Wiederholt es“, und sie wiederholten es. Und er sprach: „Tut es zum dritten Mal“, und sie taten es.

Hier sind große Krüge – das sind Dreißig-Liter-Krüge. Das heißt, Elijahu stellte nicht einfach einen Altar ohne Feuer auf, damit niemand ihn irgendeines Betrugs beschuldigt, irgendwelcher geheimen Machenschaften und jüdischer Tricks. Er sagte: „Übergießt alles mit Wasser.“ Jetzt lässt sich das nicht einmal mehr einfach so anzünden.

         וַיֵּלְכוּ הַמַּיִם סָבִיב לַמִּזְבֵּחַ וְגַם אֶת־הַתְּעָלָה מִלֵּא־מָיִם׃

wajelechu hammajim sawíw lammisbeach wegam et-hatte'ala mille-majim

35 Und das Wasser läuft rings um den Altar, und eben dieser Graben, den er gegraben hatte, füllte sich auch mit Wasser.


וַיְהִי בַּעֲלוֹת הַמִּנְחָה וַיִּגַּשׁ אֵלִיָּהוּ הַנָּבִיא וַיֹּאמַר יְהוָה אֱלֹהֵי אַבְרָהָם יִצְחָק וְיִשְׂרָאֵל הַיּוֹם יִוָּדַע כִּי־אַתָּה אֱלֹהִים בְּיִשְׂרָאֵל וַאֲנִי עַבְדֶּךָ וּבְדִבְרֵיךָ (וּבִדְבָרְךָ) עָשִׂיתִי אֵת כָּל־הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה׃

wajhí ba'alót hamminchá wajiggásch elijáhu hannawí wajomár adonáj elohé awrahám jizchák wejisraél hajom jiwwadá ki-attá elohím bejisraélDie russische Umschrift hat hier „und Israel“; im Hebräischen steht „in Israel“, deshalb heißt es hier bejisraél. wa'aní awdécha uwidwarechá assíti et kol-haddewarím ha'éle

36 Und es war, als die Zeit des Opfers kam, trat Elijahu heran und sprach (wir lesen das Gebet Elijahus): „Gott Awrahams, Jizchaks und Israels! Heute wird man erkennen, dass Du Gott in Israel bist und ich, Dein Knecht, all dies getan habe.

        
עֲנֵנִי יְהוָה עֲנֵנִי וְיֵדְעוּ הָעָם הַזֶּה כִּי־אַתָּה יְהוָה הָאֱלֹהִים וְאַתָּה הֲסִבֹּתָ אֶת־לִבָּם אֲחֹרַנִּית׃

anéni adonáj anéni wejede'ú ha'ám hassé ki-attá adonáj ha'elohím we'attá hassibbóta et-libbám achorannít

37 Antworte mir, HERR, antworte mir, und dieses Volk wird erkennen, dass Du der HERR Gott bist, und Du hast ihre Herzen zurückgewandt.“

Zu diesen letzten Worten des Gebets Elijahus gibt es Streit darüber, wie man sie übersetzen soll. In den meisten russischsprachigen Übersetzungen steht so: „Und Du wirst wenden ihre Herzen zu Dir“. Aber hier ist es richtiger, so zu übersetzen: „Und Du hast gewandt ihre Herzen zurück“, wie auch in Bezug auf den Pharao: „Du hast ihre Herzen schwer gemacht. Wegen all dieser Ereignisse – wegen des Hungers, deswegen, dass der Kult des Ba'al so grausam aufgezwungen wurde – hast Du ihre Herzen schwer gemacht, und gerade deshalb war es für sie schwer zurückzukehren. Mögen sie erkennen, dass das eine Prüfung von Dir war.“

וַתִּפֹּל אֵשׁ־יְהוָה וַתֹּאכַל אֶת־הָעֹלָה וְאֶת־הָעֵצִים וְאֶת־הָאֲבָנִים וְאֶת־הֶעָפָר וְאֶת־הַמַּיִם אֲשֶׁר־בַּתְּעָלָה לִחֵכָה׃

wattippól esch-adonáj wattóchal et-ha'olá we'et-ha'ezím we'et-ha'awaním we'et-he'afár we'et-hammájim ascher-batte'alá lichécha

38 Und das Feuer des HERRN kam herab, und dieses Feuer fraß das Ganzopfer und das Holz und die Steine und die Erde, und das Wasser, das im Graben war, leckte dieses Feuer auf (alles verbrannte, sogar das Wasser).


וַיַּרְא כָּל־הָעָם וַיִּפְּלוּ עַל־פְּנֵיהֶם וַיֹּאמְרוּ יְהוָה הוּא הָאֱלֹהִים יְהוָה הוּא הָאֱלֹהִים׃

wajár kol-ha'ám wajippelú al-penehém wajomerú adonáj hu ha'elohím adonáj hu ha'elohím

39 Und das ganze Volk sah es, und sie fielen auf ihre Gesichter, und sie sprachen: „Der HERR, Er ist Gott, der HERR, Er ist Gott.“

Mit diesen Worten endet in unserer Zeit das Gebet an Jom Kippur, das sind Worte der Buße. Hier endet auch die Haftara zum Wochenabschnitt, die in der Synagoge gelesen wird. Wir aber machen weiter.

Achtet darauf: Das hört Achaw, und er schweigt. Schon fürchtet niemand mehr irgendjemanden.


וַיֹּאמֶר אֵלִיָּהוּ לָהֶם תִּפְשׂוּ אֶת־נְבִיאֵי הַבַּעַל אִישׁ אַל־יִמָּלֵט מֵהֶם וַיִּתְפְּשׂוּם וַיּוֹרִדֵם אֵלִיָּהוּ אֶל־נַחַל קִישׁוֹן וַיִּשְׁחָטֵם שָׁם׃

40 Und Elijahu sprach zu ihnen: „Fangt jetzt die Propheten des Ba'al, damit keiner von ihnen entkommen kann.“ Und sie fingen sie, und Elijahu führte sie hinab zur Quelle Kischon und tötete sie dort.

Offenbar flohen sie, denn man musste sie fangen. Es wurden 450 Propheten des Ba'al getötet. Wieder: Achaw ist bei all dem anwesend, vor seinen Augen wird die ganze Propagandamaschine seines Königreichs vernichtet. Es genügt, in moderner Sprache gesagt, ein Warnschuss in die Luft, und niemand stürzt sich irgendwohin. Achaw schweigt, in Achaw geschieht in diesem Moment etwas. Achaw spricht danach auch noch mit seiner Frau über all diese Ereignisse, und wer seine Frau ist, wissen wir.


וַיֹּאמֶר אֵלִיָּהוּ לְאַחְאָב עֲלֵה אֱכֹל וּשְׁתֵה כִּי־קוֹל הֲמוֹן הַגָּשֶׁם׃

41 Und Elijahu sprach zu Achaw: „Geh jetzt, iss und trink, denn bald wird Regen kommen.“

Jetzt wendet sich Elijahu an Achaw und schlägt ihm vor, vor dem Hintergrund all dieser Ereignisse ein Fest zu veranstalten. Nicht einfach sich hinsetzen und einen Happen essen, sondern eben ein Festmahl veranstalten, denn bald wird Regen kommen, und das ist wichtiger, muss wichtiger sein als 450 getötete Propheten des Ba'al. Gott ist (unter anderem) auch für den Regen verantwortlich, denn Regen ist eine Quelle des Lebens, denn hier offenbart sich, wer der wahre Gott ist und dass Er Israel Gnade erweist. Das ist ein Fest wert. Und offenbar geschieht im Herzen Achaws in diesem Moment Teschuwá (Reue), wenn auch für kurze Zeit, wie wir später erfahren werden, aber sie geschieht.

        
וַיֹּאמֶר אֵלִיָּהוּ לְאַחְאָב עֲלֵה אֱכֹל וּשְׁתֵה כִּי־קוֹל הֲמוֹן הַגָּשֶׁם׃

42 Und Achaw ging hinauf, um zu essen und zu trinken, und Elijahu ging hinauf auf den Gipfel des Berges Karmel und beugte sich zur Erde und ließ den Kopf auf die Knie sinken.

Elijahu wartet, Elijahu hat wohl einen sehr schweren, nicht einfachen Tag durchlebt. Er ließ den Kopf auf die Knie sinken und wartet.

        
וַיֹּאמֶר אֶל־נַעֲרוֹ עֲלֵה־נָא הַבֵּט דֶּרֶךְ־יָם וַיַּעַל וַיַּבֵּט וַיֹּאמֶר אֵין מְאוּמָה וַיֹּאמֶר שֻׁב שֶׁבַע פְּעָמִים׃

43 Und er sprach zu seinem Diener: „Geh, schau auf das Meer.“ Und er ging und schaute und sprach: „Da ist nichts.“ Und so schickte er ihn sieben Mal.

Nach einiger Zeit fragte Elijahu jedes Mal: „Na, schau, ist da nicht etwas?“ Und er antwortete: „Nein, da ist nichts.“


וַיְהִי בַּשְּׁבִעִית וַיֹּאמֶר הִנֵּה־עָב קְטַנָּה כְּכַף־אִישׁ עֹלָה מִיָּם וַיֹּאמֶר עֲלֵה אֱמֹר אֶל־אַחְאָב אֱסֹר וָרֵד וְלֹא יַעַצָרְכָה הַגָּשֶׁם׃

44 Und es war beim siebten Mal, und er sprach: „Siehe, eine kleine Wolke, so groß wie die Handfläche eines Menschen, steigt aus dem Meer auf.“ Und er sprach: „Geh und sag Achaw: Spann an und fahr hinab (los, spann an und kehr nach Hause zurück), damit dich der Regen nicht unterwegs überrascht.“

Die Straßen sind ja zu jener Zeit nicht asphaltiert; wenn es aufweicht und Achaws Streitwagen im Schlamm stecken bleibt, dann … wird das für Achaw unangenehm sein.


וַיְהִי עַד־כֹּה וְעַד־כֹּה וְהַשָּׁמַיִם הִתְקַדְּרוּ עָבִים וְרוּחַ וַיְהִי גֶּשֶׁם גָּדוֹל וַיִּרְכַּב אַחְאָב וַיֵּלֶךְ יִזְרְעֶאלָה׃

45 Und siehe, allmählich bezog sich der Himmel mit Wolken, und der Wind wehte, und ein starker Regen, und Achaw setzte sich und jagte nach Jisre'el.

Das heißt, Achaw fuhr in die Winterhauptstadt, in die Stadt Jisre'el. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass sich die Sache im Winter abspielt, es ist das Ende des Winters, und Achaw wohnt im Winterpalast. Oder vielleicht ist das ein besonderes Wunder, und alles geschah im Sommer, aber Jisre'el liegt viel näher am Berg Karmel (am heutigen Haifa) als Schomron, bis wohin man länger fährt.


וְיַד־יְהוָה הָיְתָה אֶל־אֵלִיָּהוּ וַיְשַׁנֵּס מָתְנָיו וַיָּרָץ לִפְנֵי אַחְאָב עַד־בֹּאֲכָה יִזְרְעֶאלָה׃

46 Und die Hand des HERRN war auf Elijahu, und er zog seinen Gürtel fest und machte sich bereit, und er lief vor Achaw her bis zu dem Moment, als dieser in Jisre'el ankam. Wozu läuft Elijahu vor Achaw her, und dabei lesen wir, dass die Hand des HERRN auf ihm ist? Elijahu ist doch kein junger Mensch mehr, und selbst für einen jungen Menschen ist es eine schwierige Aufgabe, vor einem galoppierenden Pferd herzulaufen. Als König Achaw Teschuwá vollzogen hat, wenn der König sich im Zustand der Gerechtigkeit befindet, dann bedeutet vor seinem Streitwagen herzulaufen, ihm Ehre zu erweisen. König Achaw wird eine solche Ehre erwiesen, dass der Prophet Elijahu selbst vor seinem Streitwagen herläuft. Eine erstaunlich mutige, heldenhafte Tat vollbringt Elijahu. Hier wird uns eine seltene Gelegenheit gegeben zu sehen, dass auch Achaw sich ändern kann, wenn der Höchste sein Herz berührt, nur ist diese Veränderung kurzlebig. Aber selbst in diesem Zustand kurzzeitiger Teschuwá erweist Elijahu Achaw Ehrerbietung. Ein erstaunliches Kapitel, eine erstaunliche Geschichte…

Weitere Materialien: Wochenabschnitte der Tora, was Salbung ist, Schelach – Gebet und Vertrauen.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    1. 1Ki Tissa: die Erfassung 30,11–38
    2. 2Dem Schabbat die Zeit, der Arbeit die Stunde 31,1–17
    3. 3Ki Tissa: unerwartete Taten 31,18–32,35
    4. 4Ki Tissa: die Kraft des Wortes 33,1–16
    5. 5Ki Tissa: Ehre sei Gott! 33,17–34,9
    6. 6Brot und Licht 34,10–35
    7. 7Die Tora in 5 Minuten
    8. 8Anwalt des Nächsten
    9. 9Haftara. 1 Melachim 18,1–39

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