1. Wochenabschnitte
  2. Schemot
  3. Tezawe

תְּצַוֶּה

Tezawe

die Gewänder des Kohen und der Dienst

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
20 von 54
Verse
Schemot 27,20–30,10
Teile
9
Lesezeit
1 Std. 53 Min.

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Tezawe (Tezaweh) – der Wochenabschnitt über den Dienst im Mischkan. Alex Blend behandelt das Licht, die Gewänder des Kohen, die Weihe der Priester und den heiligen Alltag. Das Stenogramm enthält den Text der Tora auf Hebräisch, eine Transliteration, eine Übersetzung und die Kommentare des Autors über die Heiligkeit und den Sinn der Gewänder.

Tezawe: Ein Raumanzug für die Heiligkeit

Schemot 27,20–28,12

Mit Gottes Hilfe beginnen wir heute gemeinsam, den Wochenabschnitt Tezawe zu lesen. Wir haben uns schon mit der ausführlichen Anweisung vertraut gemacht, die der Höchste durch Mosche den Söhnen Israels in Bezug auf die Einrichtung des Mischkan gegeben hat. Hier werden wir darüber lesen, wie in diesem Mischkan, in diesem Zelt der Begegnung, der Dienst vor sich gehen wird. Beginnen wir also mit Vers 20 von Kapitel 27 zu lesen.

וְאַתָּה תְּצַוֶּה אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְיִקְחוּ אֵלֶיךָ שֶׁמֶן זַיִת זָךְ כָּתִית לַמָּאוֹר לְהַעֲלֹת נֵר תָּמִיד׃

we'attá tezawwé et-benéj jisra'él wejikchú elécha schémen sájit sach katít lammaór leha'alót ner tamíd

20 Und du, gebiete den Söhnen Israels, und sie sollen dir reines, geschlagenes Olivenöl nehmen für die Beleuchtung, um eine ewige Kerze aufsteigen zu lassen.

 Der HERR wendet sich hier an Mosche, und die Söhne Israels sollen ihm nehmen, das heißt sammeln, ihm zur Verfügung stellen, unter seine Verantwortung geben, Olivenöl. Was bedeutet reines und geschlagenes Olivenöl? Rein bedeutet nicht, dass es gefälscht ist, dass dem echten Öl das damals verbreitete Sesamöl oder das damals nicht existierende Sonnenblumenöl beigemischt wurde. Rein bedeutet, dass das Öl kein Fruchtfleisch der Olive selbst enthalten darf, das heißt, nur die ersten paar Tropfen nach dem Drücken auf die Olive wurden in einem eigenen Gefäß gesammelt. Solche Oliven nannte man geschlagene, weil man auf sie schlug, damit das Öl austritt. Es war frei von allen Beimischungen. Dann gab man es, schon für die zweite Pressung, auf die Mühlsteine. Die Pressung konnte heiß oder kalt sein, mehrere verschiedene Pressungen, mehrere in der Qualität verschiedene Ölsorten wurden aus ein und denselben Oliven gewonnen. Das Öl der höchsten Sorte heißt auf Englisch extra virgin, und auf Hebräisch katít (geschlagen) me'ulé (ausgezeichnet), das heißt vollkommenes geschlagenes Öl, Öl von allerbester Qualität. Genau solches Öl musste man für Mosche sammeln.

Weiter – ein erstaunliches Gebot: eine ewige Kerze aufsteigen zu lassen, das heißt, die Menorá anzuzünden. Der Höchste, die Quelle allen Lichts, bittet uns, gebietet uns, einen Leuchter im Zelt der Begegnung zu haben – wie ein Elternteil, der das Kind um Hilfe bittet, um das Kind selbst, das Kleine selbst etwas zu lehren. Es ist eine große Gnade, dass uns die Möglichkeit gegeben wird, eine Lichtquelle zu schaffen, in gewissem Maße auf gleicher Stufe mit dem Höchsten. Der Höchste erweist uns eine solche Gnade mit dem Gebot, den Leuchter anzuzünden.

בְּאֹהֶל מוֹעֵד מִחוּץ לַפָּרֹכֶת אֲשֶׁר עַל־הָעֵדֻת יַעֲרֹךְ אֹתוֹ אַהֲרֹן וּבָנָיו מֵעֶרֶב עַד־בֹּקֶר לִפְנֵי יְהוָה חֻקַּת עוֹלָם לְדֹרֹתָם מֵאֵת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

be'óhel mo'éd michúz lapparóchet aschér al-ha'edút ja'aróch otó aharón uwanáw me'érew ad-bóker lifnéj adonáj chukkát olám ledorotám me'ét benéj jisra'él

21 Im Zelt der Begegnung, hinter dem Vorhang, der an der Lade des Zeugnisses ist, sollen Aharon und seine Söhne es herrichten, vom Abend bis zum Morgen vor dem HERRN, ein ewiges Gesetz für alle ihre Generationen im Namen der Söhne Israels.

Das ist also das erste Gebot, das die Diener im Zelt der Begegnung erhalten: In ihm soll Licht sein, alles beginnt mit dem Leuchter.

Hier endet Kapitel 27, und ab Vers 1 von Kapitel 28 gibt der Höchste Mosche weiter Gebote.

וְאַתָּה הַקְרֵב אֵלֶיךָ אֶת־אַהֲרֹן אָחִיךָ וְאֶת־בָּנָיו אִתּוֹ מִתּוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לְכַהֲנוֹ־לִי אַהֲרֹן נָדָב וַאֲבִיהוּא אֶלְעָזָר וְאִיתָמָר בְּנֵי אַהֲרֹן׃

we'attá hakréw elécha et-aharón achícha we'et-banáw ittó mittóch benéj jisra'él lechahano-líIn der russischen Umschrift fehlt in diesem Wort eine Silbe. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. aharón nadáw wa'awihú el'asár we'itamár benéj aharón

1 Und du (Mosche), bringe nahe zu dir Aharon, deinen Bruder, und seine Söhne mit ihm aus allen Söhnen Israels zum Priestertum für Mich: Aharon, Nadaw und Awihu, Elasar und Itamar, die Söhne Aharons.

 Die Wurzel des Wortes hakréw (bringe nahe) ist dieselbe (Kuf-Resch-Waw) wie beim Wort kórban (Opfer), das heißt bringe ihn als Opfer dar: das eine wie das andere bedeutet nahebringen; in diesem Fall – Aharon zu einer Art „Nahebringer“ oder „Annäherator“ zu machen. Aharon als Kohen wird zur Verbindung des Volkes Israel mit dem Höchsten eingesetzt werden, eine eigentümliche Brücke zwischen Himmel und Erde. Das ist das Amt der Kohanim – einzustehen, einerseits für das Volk vor dem Höchsten, andererseits den Höchsten vor dem Volk zu vertreten. Eine solche doppelte Gesandtschaft, darüber wird sehr viel und ausführlich im Hebräerbrief gesprochen, gerade über die Gesandtschaft.

Der Höchste erwählt Aharon. Wir wissen, dass Aharon schon seit langer Zeit das Volk Israel vor dem Höchsten und den Höchsten vor den Söhnen Israels vertritt. Er ist jener „redegewandte Mensch“, der die Reden und Gebote Mosches zum Volk Israel bringt. In den Midraschim, in der Tradition wird er als ein Mensch dargestellt, der Israel liebt, der Familien versöhnt, der sich um alle kümmert. Wenn Mosche in den Midraschim (und auch in der Tora zeichnet es sich so ab) mehr zur Zurückgezogenheit neigt, so ist Aharon ständig mitten im Volk.

Also werden Aharon und seine Söhne zum Dienst für den Höchsten erwählt. Der Name Aharon, sagten wir, ist mit dem Wort ohel (der im Zelt Weilende oder der in Zelten Sitzende) verbunden, und in einer dem Hebräischen näheren Sprache würde er ahaljon lauten, aber da Aharon in Ägypten geboren wurde, kann das in südsemitischen Dialekten tatsächlich wie aharon oder Zeltmacher klingen. Der Name Nadáw bedeutet gut im Herzen, der, der gibt, von ganzem Herzen spendet, der, den das Herz zum Spenden bewegt. Der Name Awihú bedeutet Er ist mein Vater (ein Hinweis natürlich auf den Höchsten), der gnädige, gute, fürsorgliche Höchste ist mein Vater. Der Name des dritten Sohnes ist Elasár, was Gott hat geholfen bedeutet, und der Name des vierten Sohnes Itamár. Wenn man einen heutigen Israeli fragt, so wird er im Namen das Wort tamár (Dattel) hören, aber in Wirklichkeit hat dieser Name mit der Dattel nichts zu tun. Itamár – das ist dasselbe wie im Aramäischen das (vielen wohl bekannte) Wort memrá – Aussage, Rede, Wort, Logos, Spruch, Spruch, der eine bestimmte Kraft besitzt. Und das sind die Söhne Aharons, die, die der Höchste eingesetzt hat, der Anfang des Priestertums Aharons in Israel zu sein.

וְעָשִׂיתָ בִגְדֵי־קֹדֶשׁ לְאַהֲרֹן אָחִיךָ לְכָבוֹד וּלְתִפְאָרֶת׃

we'assíta wigdej-kódesch le'aharón achícha lechawód ultif'áret

2 Und du sollst heilige Gewänder machen für Aharon, deinen Bruder, zur Herrlichkeit und zur Größe.

Das heißt, damit Aharon würdig ist und damit er die Herrlichkeit des Höchsten vor dem Volk Israel offenbart, werden besondere Gewänder angefertigt. Das sind die Gewänder, die Aharon gerade während seines Dienstes trägt; in der gewöhnlichen Zeit soll er in ziviler Kleidung gehen. Diese Bekleidung heißt bigdéj kódesch (Gewänder der Heiligkeit), eine Art Tauchgerät oder Raumanzug, Schutzkleidung, die es erlaubt, in einer Welt von anderer Beschaffenheit zu handeln.

וְאַתָּה תְּדַבֵּר אֶל־כָּל־חַכְמֵי־לֵב אֲשֶׁר מִלֵּאתִיו רוּחַ חָכְמָה וְעָשׂוּ אֶת־בִּגְדֵי אַהֲרֹן לְקַדְּשׁוֹ לְכַהֲנוֹ־לִי׃

we'attá tedabbér el-kol-chachmej-léw aschér milletíw rúach chochmá we'asú et-bigdéj aharón lekaddeschó lechahano-lí

3 Und du (Mosche), rede mit allen, die weisen Herzens sind (begabt), von denen Ich jeden mit Weisheit erfüllt habe, und sie sollen Gewänder für Aharon machen, um ihn zum Dienst für Mich zu weihen.

Hier spricht der Höchste über Menschen, deren Begabungen bekannt sind, Menschen, die in diesen oder jenen Arbeiten geschickt sind, und der Höchste sagt, dass, wenn ein Mensch eine Begabung hat, Er sie dem Menschen gegeben hat, Er ihn mit dem Geist dieser Weisheit erfüllt hat.

In Vers 4 werden die Gewänder aufgezählt, die man für Aharon anfertigen muss.

וְאֵלֶּה הַבְּגָדִים אֲשֶׁר יַעֲשׂוּ חֹשֶׁן וְאֵפוֹד וּמְעִיל וּכְתֹנֶת תַּשְׁבֵּץ מִצְנֶפֶת וְאַבְנֵט וְעָשׂוּ בִגְדֵי־קֹדֶשׁ לְאַהֲרֹן אָחִיךָ וּלְבָנָיו לְכַהֲנוֹ־לִי׃

we'élle habbegadím aschér ja'asú chóschen we'efód ume'íl uchtónet taschbéz miznéfet we'awnét we'asú wigdej-kódesch le'aharón achícha ulwanáw lechahano-lí

4 Und das sind die Gewänder, die sie machen sollen: Choschen, Efod, und Me'il, Chtonet Taschbez, Miznefet und Awnet. Und sie sollen heilige Gewänder machen für Aharon, deinen Bruder, und für seine Söhne, damit er Mir als Priester dient.

Lasst uns hier anhalten und es genauer betrachten. Also, chóschen – das ist der Brustschild.

Efód – das ist eine besondere Art von Kleidung, die einerseits einer Weste (kugelsicheren Weste) ähnelt, andererseits einem Korsett. Das ist eine eigentümliche breite Gürtelbinde, die den ganzen Rumpf bedeckt, mit Schulterträgern und Verbindungsteilen. Im modernen Hebräisch ist efód magén – das die kugelsichere Weste, die Schutzweste, was völlig zutreffend ist.

Me'íl – das ist der Mantel, so übersetzt man das Wort heute gewöhnlich, von der Wurzel me'ál (darüber), der obere Teil der Kleidung. Das heißt, me'íl – das ist ein über den Kopf anzuziehendes, langes Obergewand, wie eine Tunika.

Uchtónet taschbéz – das ist ebenfalls eine Tunika, oder ein Chiton, oder ein Hemd, aber das ist ein Untergewand, wie ein Kittel, in dem man überall herumgeht, oder wie die heutige arabische Galabíja, die ebenfalls über den Kopf angezogen wird, ohne Ärmel, und sie ist sehr einfach. In diesem Fall ist dieses Hemd netzartig, voller Vertiefungen, so gemacht, dass man es mit etwas schmücken kann.

Miznéfet – das ist eine Art Kopfschmuck, oft deutet man ihn als Turban, oder Kopfbund, oder Bandana, eine Kopfbinde.

Awnét – das ist eine Schärpe oder ein Gürtel.

וְהֵם יִקְחוּ אֶת־הַזָּהָב וְאֶת־הַתְּכֵלֶת וְאֶת־הָאַרְגָּמָן וְאֶת־תּוֹלַעַת הַשָּׁנִי וְאֶת־הַשֵּׁשׁ׃

wehém jikchú et-hassaháw we'et-hattechélet we'et-ha'argamán we'et-tola'át haschaní we'et-haschésch

5 Sie sollen das Gold nehmen und die blauen Fäden und den Purpur und die scharlachroten Fäden und die Leinenfäden.

In diesem Fall sind sie jene geschickten und begabten Menschen, denen diese Arbeit aufzutragen der Höchste gebietet.

וְעָשׂוּ אֶת־הָאֵפֹד זָהָב תְּכֵלֶת וְאַרְגָּמָן תּוֹלַעַת שָׁנִי וְשֵׁשׁ מָשְׁזָר מַעֲשֵׂה חֹשֵׁב׃

we'asú et-ha'efód saháw techélet we'argamán tolá'at schaní weschésch moschsár ma'assé choschéw

6 Und sie sollen den Efod machen aus Gold, blauem Faden und Purpur und scharlachrotem Faden und aus Leinenfaden, gezwirnt, als Werk des Webers (als kunstvolle Arbeit).

שְׁתֵּי כְתֵפֹת חֹבְרֹת יִהְיֶה־לּוֹ אֶל־שְׁנֵי קְצוֹתָיו וְחֻבָּר׃

schetéj chetefót chowerót jihje-ló el-schenéj kezotáw wechubbár

7 Zwei Schulterstücke (Träger), befestigt, sollen an ihm an seinen beiden Enden sein, und sie sollen verbunden werden.

Das ähnelt der Art, wie Arbeitslatzhosen auf dem Bau geschlossen werden, wenn hinten die Träger hochgezogen und vorne festgemacht werden, nur sind sie hier befestigt und verbinden den vorderen und den hinteren Teil des Efod.

וְחֵשֶׁב אֲפֻדָּתוֹ אֲשֶׁר עָלָיו כְּמַעֲשֵׂהוּ מִמֶּנּוּ יִהְיֶה; זָהָב תְּכֵלֶת וְאַרְגָּמָן וְתוֹלַעַת שָׁנִי וְשֵׁשׁ מָשְׁזָר׃

wechéschew afuddató aschér aláw kema'asséhu mimménnu jihjé sahaw techélet we'argamán wetolá'at schaní weschésch moschsár

8 Und der Gürtelteil des Efod, der auf ihm ist, soll genauso gemacht werden (auf dieselbe Weise, in derselben Arbeit) aus Gold, blauem Faden und Purpur und scharlachrotem Faden und aus Leinenfaden, gezwirnt.

וְלָקַחְתָּ אֶת־שְׁתֵּי אַבְנֵי־שֹׁהַם וּפִתַּחְתָּ עֲלֵיהֶם שְׁמוֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

welakachtá et-schetéj awnej-schóham ufittachtá alejhém schemót benéj jisra'él

9 Und du nahmst zwei Steine aus Onyx (Opal), und graviertest auf ihnen die Namen der Söhne Israels ein.

שִׁשָּׁה מִשְּׁמֹתָם עַל הָאֶבֶן הָאֶחָת וְאֶת־שְׁמוֹת הַשִּׁשָּׁה הַנּוֹתָרִים עַל־הָאֶבֶן הַשֵּׁנִית כְּתוֹלְדֹתָם׃

schischá mischemotám al ha'éwen ha'echát we'et-schemót haschischá hannotarím al-ha'éwen haschenít ketoledotám

10 Sechs von den Namen – auf dem einen Stein, und die Namen der übrigen sechs – auf dem zweiten Stein, nach ihrer Geburt mache sie.

מַעֲשֵׂה חָרַשׁ אֶבֶן פִּתּוּחֵי חֹתָם תְּפַתַּח אֶת־שְׁתֵּי הָאֲבָנִים עַל־שְׁמֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל מֻסַבֹּת מִשְׁבְּצוֹת זָהָב תַּעֲשֶׂה אֹתָם׃

ma'assé charásch éwen pittuchéj chotám tefattách et-schetéj ha'awaním al-schemót benéj jisra'él mussabbót mischbezót sahaw ta'assé otám

11 Mit dem Handwerk des Steinschneiders, wie ein geschnittenes Siegel, mache sie, die zwei Steine mit den Namen der Söhne Israels, mit Gold eingefasst mache sie.

 Die zwei Steine mit den Namen der Söhne Israels, mit Gold verziert, mit Gold umsäumt, wie Epauletten, werden in besondere Fassungen auf den Schulterstücken des Efod (der Weste) eingesetzt, den der Kohen Gadol trägt.

וְשַׂמְתָּ אֶת־שְׁתֵּי הָאֲבָנִים עַל כִּתְפֹת הָאֵפֹד אַבְנֵי זִכָּרֹן לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל וְנָשָׂא אַהֲרֹן אֶת־שְׁמוֹתָם לִפְנֵי יְהוָה עַל־שְׁתֵּי כְתֵפָיו לְזִכָּרֹן׃

wesamtá et-schetéj ha'awaním al kitfót ha'efód awnéj sikkarón liwnéj jisra'él wenassá aharón et-schemotám lifnéj adonáj al-schetéj chetefáw lesikkarón

12 Und du sollst diese zwei Steine auf die Schultern des Efod legen, Steine des Gedenkens für die Söhne Israels. Und Aharon soll diese Namen vor dem HERRN tragen, auf seinen beiden Schultern, zu ihrem Gedenken.

Das heißt, wenn der Kohen Gadol hineinging, um vor dem Höchsten zu stehen, trug er auf sich die Namen des ganzen Volkes Israel. Wir werden noch den Segen Aharons lesen (Bemidbar 6,22–27), den der Höchste mit dem Gebot abschließt: „Und ihr sollt Meinen Namen auf die Söhne Israels legen, und Ich werde sie segnen.“ Der Höchste gibt Israel die Möglichkeit, Seinen Namen zu tragen, und das geschieht durch die Kohanim. Aber auch die Namen der Söhne Israels treten ebenfalls durch die Kohanim vor den Höchsten, durch den Kohen Gadol. Er ist einerseits der Träger des Namens des Höchsten und steht andererseits vor dem Höchsten für ganz Israel.

Die Namen der Söhne Israels zu tragen ist natürlich nicht dazu nötig, damit der Höchste sich an sie erinnert, falls Er sie plötzlich vergisst. Der Höchste vergisst nichts. Es ist nötig zum Gedenken, zur Kennzeichnung, damit Aharon selbst daran denkt, damit es offenbar wird. Die Wahrheit muss nicht nur existieren, sondern auch offen, sichtbar sein, so geschieht es im Dienst.

Geheimnisse, in Licht gehüllt

Schemot 28,13–30

Mit Gottes Hilfe setzen wir das Studium des Wochenabschnitts Tezawe fort und werden ab Vers 13 von Kapitel 28 des Buches Schemot lesen. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass der Höchste in unserem Wochenabschnitt durch Mosche spezialisierten Fachleuten Anweisungen gibt – besonders begabten, kundigen Handwerkern, die Er mit dem Geist der Kenntnis dieses Handwerks erfüllt hat, mit Kunstfertigkeit, mit der Fähigkeit, besonders feine und schwierige Arbeiten auszuführen. Das heißt, der Höchste spricht mit Fachleuten mit einem engen Spezialgebiet. Wir lesen ab Vers 13:

וְעָשִׂיתָ מִשְׁבְּצֹת זָהָב׃

we'assíta mischbezót saháw

13 Und du sollst goldene Rahmen (Zellen, Kästchen) machen.

Im modernen Hebräisch bedeutet das Wort mischbézet Kästchen. Zum Beispiel: kariertes Hemd – chulza mischubbézet. Ein Kreuzworträtsel, das dem Aussehen nach aus Kästchen besteht, heißt taschbéz. Jemanden irgendwo einordnen, in bestimmte Rahmen stellen, heißt lischabbéz – das passende Kästchen finden. Und somit bedeutet das Wort mischbézet Kästchen, Rahmen, Einfassung. Entsprechend im Plural mischbezót – Zellen, Kästchen, Rahmen. Wir verstehen aus dem Text, dass es um Zellen geht, in die später Edelsteine und Halbedelsteine eingesetzt werden, worüber wir im Weiteren lesen werden.

וּשְׁתֵּי שַׁרְשְׁרֹת זָהָב טָהוֹר מִגְבָּלֹת תַּעֲשֶׂה אֹתָם מַעֲשֵׂה עֲבֹת וְנָתַתָּה אֶת־שַׁרְשְׁרֹת הָעֲבֹתֹת עַל־הַמִּשְׁבְּצֹת׃

uschtéj scharscherót saháw tahór migbalót ta'assé otám ma'assé awót wenatattá et-scharscherót ha'awotót al-hammischbezót

14 Und zwei Ketten aus reinem Gold, an den Rändern mache sie, durch Flechten gefertigt. Und du sollst diese geflochtenen Ketten mit den Einfassungen verbinden.

Das heißt, die Ketten werden nicht aus Gliedern gefertigt, wie es Kettchen gibt, die aus Gliedern gefertigt werden – aus kleinen Ringlein, die miteinander verbunden sind. Hier ist eine andere Art von Kette: eine geflochtene Kette, die einem Geflecht aus mehreren Fäden ähnelt, teurer, von kunstvollerer Arbeit, eine Schmuckkette.

וְעָשִׂיתָ חֹשֶׁן מִשְׁפָּט מַעֲשֵׂה חֹשֵׁב כְּמַעֲשֵׂה אֵפֹד תַּעֲשֶׂנּוּ זָהָב תְּכֵלֶת וְאַרְגָּמָן וְתוֹלַעַת שָׁנִי וְשֵׁשׁ מָשְׁזָר תַּעֲשֶׂה אֹתוֹ׃

we'assíta chóschen mischpát ma'assé choschéw kema'assé efód ta'assénnu saháw techélet we'argamán wétola'at schaní weschésch moschsár ta'assé otó

15 Und du sollst einen Brustschild des Gerichts machen, von einem Weber gefertigt, mache ihn wie eine Weste: Gold, blauer Faden, Purpurfaden, scharlachroter Faden und Leinenfaden, zusammengezwirnt, mache ihn.

Viele Kommentatoren versuchen zu verstehen: Was bedeutet Brustschild des Gerichts? Einige sagen: „Wie alle Gewänder des Kohen Gadol – jedes Gewand ist dazu bestimmt, eine bestimmte Sünde zu sühnen, ein bestimmtes Problem.“ Damit das Volk Israel in Reinheit vor dem Höchsten steht, bedecken die Gewänder bestimmte Sünden, darüber haben wir gesprochen. Das Wort lewúsch (Kleidung) kann man als Abkürzung verstehen: lo wúsch – der sich nicht schämt. Die Kleidung bedeckt die Scham. Und in diesem Fall deckt der Brustschild des Gerichts die Fehler im Gericht im Volk Israel zu. Das ist eine der Auffassungen.

Nach einer anderen Auffassung (im Licht dessen, was wir weiter lesen werden über urím wetummím) ist dieser Brustschild selbst ein Werkzeug des Gerichts, ein gewisses besonderes Werkzeug, das es dem Kohen ermöglicht, ein gerechtes Gericht zu halten.

רָבוּעַ יִהְיֶה כָּפוּל זֶרֶת אָרְכּוֹ וְזֶרֶת רָחְבּוֹ׃

rawúa jihjé kafúl séret orkó weséret rochbó

16 Wenn er doppelt gefaltet ist, wird er quadratisch sein: 25 Zentimeter – die Breite und 25 Zentimeter – die Länge.

Das heißt, ursprünglich ist der Brustschild rechteckig, aber wenn man ihn doppelt faltet (er muss doppelt gefaltet sein), wird er quadratisch. Das Wort séret bedeutet eine halbe Elle (das heißt 25 Zentimeter).

וּמִלֵּאתָ בוֹ מִלֻּאַת אֶבֶן אַרְבָּעָה טוּרִים אָבֶן טוּר אֹדֶם פִּטְדָה וּבָרֶקֶת הַטּוּר הָאֶחָד׃

umilletá wo millú'at éwen arba'á turím áwen tur ódem pitdá uwaréket hattúr ha'echád

17 Und fülle ihn mit einer Füllung aus Steinen  in vier Reihen von Steinen. Und die erste Reihe: drei Steine (Arten) – das sind Karneol, Smaragd und Topas.

Das heißt, die Einfassungen müssen mit Edelsteinen und Halbedelsteinen gefüllt sein. Wenn ich über die Namen der Steine spreche, muss man verstehen, dass die Tora, wie ich schon gesagt habe, zu spezialisierten Fachleuten sprach, zu Menschen, die sich mit Steinen auskannten (in diesem Fall), die Namen der Steine verstanden und einen Opal von einem Karneol oder einen Granat von einem Rubin unterscheiden konnten. Bei Weitem nicht alle können das. Und da es lange Zeit im Volk Israel, unter den Lehrern der Tora, unter denen, die die Tora studieren, keine Fachleute für Steine gab, nicht jene kunstfertigen Menschen, von denen wir am Anfang gesprochen haben, ist die Tradition der Bestimmung dieser Steine leider fast verloren gegangen. Und deshalb könnt ihr in verschiedenen Übersetzungen verschiedene Namen der Steine finden. Verschiedene Menschen sagen Verschiedenes darüber, was das für Steine sind, die zum Brustschild gehören. Ich gebe eine der zahlreichen Rekonstruktionen. Vielleicht ist sie nicht die zutreffendste, aber sie beruht auf der Sprachwissenschaft, auf der Erforschung der semitischen und persischen Sprachen in den Regionen, in denen das Juwelierhandwerk blühte. Also, die erste Reihe – das sind Karneol, Smaragd und Topas.

וְהַטּוּר הַשֵּׁנִי נֹפֶךְ סַפִּיר וְיָהֲלֹם׃

wehattúr haschení nófech sappír wejahalóm

18 Und die zweite Reihe – das sind roter Granat, Saphir und Diamant.

הַטּוּר הַשְּׁלִישִׁי לֶשֶׁם שְׁבוֹ וְאַחְלָמָה׃

wehattúr haschelischí léschem schewó we'achláma

19 Noch drei Steine: Zirkon, Achat, Amethyst.

וְהַטּוּר הָרְבִיעִי תַּרְשִׁישׁ וְשֹׁהַם וְיָשְׁפֵה מְשֻׁבָּצִים זָהָב יִהְיוּ בְּמִלּוּאֹתָם׃

wehattúr harewi'í tarschísch weschóham wejaschefé meschubbazím saháw jihjú bemillu'otám

20 Und die vierte Reihe: Aquamarin, Onyx und Jaspis. Und ihre Fassung soll so sein, dass alle vier Reihen zu je drei Steinen in jeder, dass sie alle jeder für sich in eigene Zellen gefasst sind.

וְהָאֲבָנִים תִּהְיֶיןָ עַל־שְׁמֹת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל שְׁתֵּים עֶשְׂרֵה עַל־שְׁמֹתָם פִּתּוּחֵי חוֹתָם אִישׁ עַל־שְׁמוֹ תִּהְיֶיןָ לִשְׁנֵי עָשָׂר שָׁבֶט׃

weha'awaním tihjéna al-schemót benej-jisra'él schetém esré al-schemotám pittuchéj chotám isch al-schemó tihjéna lischnéj assár scháwet

21 Und die Steine sollen nach den Namen der Söhne Israels sein, zwölf, und diese Namen sollen auf ihnen eingeschnitten sein wie Siegel, jedem mit seinem Namen soll es sein für die zwölf Stämme.

Das heißt, auf jedem der zwölf Steine muss man den Namen eines der Stämme einschneiden. Und höchstwahrscheinlich musste man das in der Reihenfolge der Geburt der Söhne Jaakows tun, wie wir beim vorigen Mal gelesen haben. Hier entsteht eine sehr interessante Frage: Wie konnte man etwas in einen Diamanten einschneiden? Der Diamant ist sehr hart. Wir wissen aus dem Juwelierhandwerk, dass sich der Diamant ohne spezielle Technologien nicht bearbeiten lässt. Man kann ihn nicht zerkratzen, und erst recht kann man nichts in ihn hineinbohren. Einige Kommentatoren sagen, dass es eine solche Technologie gab: Mit Hilfe von Diamantstaub und auf irgendwelche anderen Weisen machte man Gravuren auf dem Diamanten. Andere sagen, dass es einen solchen besonderen Wurm gab, der half, das zu tun. Es gibt viele verschiedene Versionen, und die Frage der Technologie bleibt offen.

וְעָשִׂיתָ עַל־הַחֹשֶׁן שַׁרְשֹׁת גַּבְלֻת מַעֲשֵׂה עֲבֹת זָהָב טָהוֹר׃

we'assíta al-hachóschen scharschót gawlút ma'assé awót saháw tahór

22 Und du sollst am Brustschild an seinen Rändern geflochtene Ketten aus reinem Gold machen.

Das ist eine Anweisung, die wir schon früher erhalten haben, und ab Vers 23 beginnt die Tora zu erklären, wie man diese Ketten am chóschen (Brustschild) befestigt. Man kann sich vorstellen, dass der Höchste zuerst die Überschrift „Mache“ gibt und dann in einigen Versen erklärt, wie man es machen muss.

וְעָשִׂיתָ עַל־הַחֹשֶׁן שְׁתֵּי טַבְּעוֹת זָהָב וְנָתַתָּ אֶת־שְׁתֵּי הַטַּבָּעוֹת עַל־שְׁנֵי קְצוֹת הַחֹשֶׁן׃

we'assíta al-hachóschen schetéj tabbe'ót saháw wenatattá et-schetéj hattabba'ót al-schenéj kezót hachóschen

23 Und du sollst an ihm zwei goldene Ringe machen, und du sollst diese zwei Ringe an die zwei Ränder setzen (an die zwei äußersten Ecken des Brustschilds).

וְנָתַתָּה אֶת־שְׁתֵּי עֲבֹתֹת הַזָּהָב עַל־שְׁתֵּי הַטַּבָּעֹת אֶל־קְצוֹת הַחֹשֶׁן׃

wenatattá et-schetéj awotót hassaháw al-schetéj hattabba'ót el-kezót hachóschen

24 Zwei goldene Geflechte (zwei goldene Flechtwerke, zwei geflochtene Ketten), setze diese geflochtenen Ketten in die zwei Ringe, die am Rand des Brustschilds sind.

וְאֵת שְׁתֵּי קְצוֹת שְׁתֵּי הָעֲבֹתֹת תִּתֵּן עַל־שְׁתֵּי הַמִּשְׁבְּצוֹת וְנָתַתָּה עַל־כִּתְפוֹת הָאֵפֹד אֶל־מוּל פָּנָיו׃

we'ét schetéj kezót schetéj ha'awotót tittén al-schetéj hammischbezót wenatattá al-kitfót ha'efód el-múl panáw

25 Und die zwei anderen Enden dieser zwei Ketten setze in die Einfassung und setze sie in das Schulterstück des Efod, oben.

Das heißt, oben, im oberen Teil des Brustschilds, zwei Ringe an den Rändern, durch die die geflochtene Kette läuft, und sie wird an den Schulterstücken befestigt, an den Trägern des Efod (der Weste).

וְעָשִׂיתָ שְׁתֵּי טַבְּעוֹת זָהָב וְשַׂמְתָּ אֹתָם עַל־שְׁנֵי קְצוֹת הַחֹשֶׁן עַל־שְׂפָתוֹ אֲשֶׁר אֶל־עֵבֶר הָאֵפֹד בָּיְתָה׃

we'assíta schetéj tabbe'ót saháw wesamtá otám al-schenéj kezót hachóschen al-sefató aschér el-éwer ha'efód bájta

26 Und du sollst zwei goldene Ringe nehmen (machen), und du sollst sie an die zwei Ränder des Brustschilds stellen (anbringen), an seiner unteren Seite, und sie sind von der Innenseite dem Efod zugewandt.

וְעָשִׂיתָ שְׁתֵּי טַבְּעוֹת זָהָב וְנָתַתָּה אֹתָם עַל־שְׁתֵּי כִתְפוֹת הָאֵפוֹד מִלְּמַטָּה מִמּוּל פָּנָיו לְעֻמַּת מֶחְבַּרְתּוֹ מִמַּעַל לְחֵשֶׁב הָאֵפוֹד׃

we'assíta schetéj tabbe'ót saháw wenatattá otám al-schetéj chitfót ha'efód millemátta mimmúl panáw le'ummát machbartó mimmá'al lechéschew ha'efód

27 Und du sollst noch zwei goldene Ringe machen, und du sollst sie an die zwei Befestigungen des Efod setzen  unten, gegenüber. Berechne es so, dass sie einander gegenüber sind, gegenüber dem gewebten Efod.

וְיִרְכְּסוּ אֶת־הַחֹשֶׁן מִטַּבְּעֹתוֹ (מִטַּבְּעֹתָיו) אֶל־טַבְּעֹת הָאֵפֹד בִּפְתִיל תְּכֵלֶת לִהְיוֹת עַל־חֵשֶׁב הָאֵפוֹד וְלֹא־יִזַּח הַחֹשֶׁן מֵעַל הָאֵפוֹד׃

wejirkesú et-hachóschen mittabbe'otáw el-tabbe'ót ha'efód biftíl techélet lihjot al-chéschew ha'efód welo-jissách hachóschen me'ál ha'efód

28 Und binde die Ringe des Brustschilds mit den Ringen der Weste mit blauem Faden, damit er mit dem Gewebe der Weste verbunden ist, damit der Brustschild sich nicht vom Efod verschiebt (sich nicht auf dem Efod bewegt, auf dem Bauch des Priesters, nirgendwohin rutscht, damit er sehr zuverlässig befestigt ist).

וְנָשָׂא אַהֲרֹן אֶת־שְׁמוֹת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּחֹשֶׁן הַמִּשְׁפָּט עַל־לִבּוֹ בְּבֹאוֹ אֶל־הַקֹּדֶשׁ לְזִכָּרֹן לִפְנֵי־יְהוָה תָּמִיד׃

wenassá aharón et-schemót benej-jisra'él bechóschen hammischpát al-libbó bewo'ó el-hakkódesch lesikkarón lifnej-adonáj tamíd

29 Und Aharon soll die Namen der Söhne Israels tragen auf dem Brustschild des Gerichts und auf seinem Herzen bei seinem Hineingehen in das Heiligtum, um ihrer vor dem HERRN immer zu gedenken.

Auf seinem Herzen – das ist schon kein physisches Bild mehr. Das heißt, nicht nur auf dem Brustschild, demonstrativ und deklarativ, sondern auch auf dem Herzen Aharons müssen die Namen der Söhne Israels sein. Aharon muss immer daran denken, dass er vor dem HERRN nicht als Aharon steht, nicht als Priester, sondern als ganz Israel, als die Söhne Israels, als Israel in seiner Gesamtheit.

וְנָתַתָּ אֶל־חֹשֶׁן הַמִּשְׁפָּט אֶת־הָאוּרִים וְאֶת־הַתֻּמִּים וְהָיוּ עַל־לֵב אַהֲרֹן בְּבֹאוֹ לִפְנֵי יְהוָה וְנָשָׂא אַהֲרֹן אֶת־מִשְׁפַּט בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל עַל־לִבּוֹ לִפְנֵי יְהוָה תָּמִיד׃

wenatattá el-chóschen hammischpát et-ha'urím we'et-hattummím wehajú al-léw aharón bewo'ó lifné adonáj wenassá aharón et-mischpát bene-jisra'él al-libbó lifné adonáj tamíd

30 Und du sollst an dem Brustschild des Gerichts die Urim und Tummim machen. Und sie sollen auf dem Herzen Aharons sein, wenn er vor den HERRN hineingeht, und Aharon trägt das Gericht der Söhne Israels (die Gerichtssachen, die richtige Ordnung der Gesellschaft) auf seinem Herzen vor dem HERRN allezeit.

Urím und Tummím – ein sehr rätselhaftes Instrument. Fast immer, wenn man Fragen beantworten muss, wird gefragt: Was ist das? Manche sagen, dass es eine Pergamentrolle ist, die in den Brustschild hineingelegt wird und die, man kann sagen, den Brustschild gleichsam einschaltet, ihn zu einer Art „Monitor“ macht, auf dem die Buchstaben aus den Namen der Stämme aufleuchten, oder die Wörter „ja“ oder „nein“. Kurz gesagt, der Brustschild funktioniert wie ein Monitor.

Es gibt viele verschiedene Versionen, wie das funktioniert und wie er Fragen beantwortet. Das ist ein koscheres jüdisches Orakel, ein koscheres Mittel der Verbindung mit dem Höchsten, der Empfang von Antworten auf Fragen vom Höchsten. Ein solches Instrument hat selbstverständlich in allen Generationen Aufmerksamkeit auf sich gezogen, denn man möchte sehr gern vom Höchsten genaue und völlig eindeutige „Telegramme“ bekommen. Deshalb gab es Weise, Meister der Kabbala, die Tabellen aufstellten, Nachbildungen der Urím und Tummím machten, als es keinen Tempel gab, etwas machten, das daran erinnerte oder ihm ähnlich war. Es entstanden verschiedene Systeme der Wahrsagerei, und die Urím und Tummím wurden von Legenden umrankt.

Die klassische Übersetzung des Begriffs Urím und Tummím ist diese: ur – vom Wort or (Licht), tum – vom Wort tom (vollkommen, ganz). Aber wenn wir uns den altsemitischen Sprachen zuwenden, dann ist ur – Fluch, tom – Segen, tamím – ganz, gerecht, und arúr – verflucht. Das heißt, man kann sagen, dass die Urím und Tummím mit Segen oder Fluch antworteten: „Diese deine Handlung, nach der du fragst, wird gesegnet sein, aber diese deine Handlung, nach der du fragst, wird verflucht sein.“ Und auf diese Weise konnte man eine sehr ernste Antwort vom Höchsten bekommen. Vielleicht hat es so funktioniert.

Alles, worüber wir hier sprechen, alles, was ich sage, und alles, was andere Lehrer sagen, – das sind nur Vermutungen. Wir haben keine genaue, klare Tradition, wie das funktionierte. Und wenn wir die Midraschim, den Talmud oder andere Quellen lesen, in denen die Urím und Tummím behandelt werden, lesen wir: Manche sagen so, andere sagen anders, und ich denke so. So sprechen die Leute gewöhnlich, und auch ich lege nur meinen Gedanken dar.

Vielleicht war diese Wirkung einem Regenbogen ähnlich. Der Regenbogen ist eine physikalische Erscheinung, die eine Brechung des Lichts in Regen- oder Nebeltropfen darstellt. Das Licht wird gebrochen, es entsteht eine Erscheinung ähnlich einem Prisma, und das Licht wird in ein Spektrum zerlegt, und wir sehen, dass das Licht zu sieben verschiedenen Farben wird. Genauso können auch andere Wellen, die sich in der Welt befinden, in verschiedene Bestandteile zerlegt werden. Und eine gewisse göttliche Energie, eine göttliche Kraft wird, kann man sagen, in zwölf zerlegt. Deshalb gibt es zwölf Söhne Israels, zwölf Stämme, zwölf Apostel, zwölf Monate. Und wir sehen auf dem Chóschen des Gerichts  zwölf Bestandteile – eine Art Regenbogen des Heiligen Geistes, so kann man sagen, einen Regenbogen der göttlichen Kraft. Deshalb gibt es zwölf Steine, deshalb gibt es fünfzig Buchstaben auf zwölf Steinen, und auch das kann man berücksichtigen. Das ist eine Art Zerlegung in ein Spektrum, die das zum Vorschein bringen kann, was uns im jeweiligen Moment als Antwort auf eine Frage dient. Und wie der Regenbogen ein Zeichen des Bundes ist, eine Erinnerung an die  Verbindung mit dem Höchsten, Seine Verheißung, die Welt nicht zu zerstören, so ist auch hier eine Art Regenbogen. Ein Abbild des Regenbogens wird in den Bund hineingelegt, und der Kohen trägt es. Und hier gibt es eine Offenbarung der göttlichen Kraft in Bildern, die für den Menschen verständlich sind. Vielleicht ist es ein Monitor, vielleicht sind es irgendwelche Bilder, wir wissen es nicht. Möglicherweise wurden diese Steine zusammengesetzt und funktionierten wie ein guter Flüssigkristallbildschirm. Alles ist möglich. Diese Erscheinung ist rätselhaft.

Respekt vor der Uniform

Schemot 28,31–43

Wir lesen weiter die ausführliche Anweisung, die der Höchste den begabten Handwerkern, den engen Fachleuten, in Bezug auf die Anfertigung der Gewänder für Aharon und seine Söhne gibt. Vorerst ist allerdings nur von Aharon die Rede.

וְעָשִׂיתָ אֶת־מְעִיל הָאֵפוֹד כְּלִיל תְּכֵלֶת׃

we'assíta et-me'íl ha'efód kelíl techélet

31 Und du machtestIm Russischen steht hier eine Vergangenheitsform ohne ausgedrücktes Subjekt („und machte“). Da sich die Anweisung an Mosche richtet, steht im Deutschen „du“. das Obergewand unter dem Efod aus rein blauem Stoff (techélet).

Wir haben schon über das Wort me'íl gesprochen, dass es mit dem Wort me'ál (oben) die gleiche Wurzel hat, das heißt, es ist irgendein Obergewand. Ich habe versucht, adäquate russischsprachige Übersetzungen zu finden. Gewöhnlich bezeichnet man dieses Gewand als RisaDer Autor nennt hier das in russischen Bibelübersetzungen übliche kirchensprachliche Wort für dieses Gewand (etwa „Ornat“). Es bleibt in Umschrift stehen, weil er gerade über dieses Wort spricht., ein Wort, das den meisten heutigen Lesern nicht sehr verständlich ist. Lasst uns me'íl einfach als Mantel, als Obergewand auffassen.

וְהָיָה פִי־רֹאשׁוֹ בְּתוֹכוֹ שָׂפָה יִהְיֶה לְפִיו סָבִיב מַעֲשֵׂה אֹרֵג כְּפִי תַחְרָא יִהְיֶה־לּוֹ לֹא יִקָּרֵעַ׃

wehája fi-roschó betochó safá jihjé lefíw sawíw ma'assé orég kefí tachrá jihje-ló lo jikkaréa

32 Und es war eine Öffnung für den Kopf in der Mitte, mit umgeschlagenen Rändern rings um den ganzen Ausschnitt, und eingefasst, und das wird ihm (der Öffnung) eine Verstärkung sein, so dass es nicht zerreißt.

Auf diese Weise wird der Me'íl über den Kopf angezogen. Und es geht hier darum, wie die Öffnung für den Kopf sein soll. Der ganze Kragen, der am Mantel des Priesters, am Obergewand des Priesters ist, ist so gemacht, dass der Stoff nach innen umgeschlagen und oben mit einer Overlocknaht versäubert ist (wenn man es in heutiger Sprache sagt), damit der Kragen fest ist und nicht reißt, denn es ist dem Kohen nicht erlaubt, dass seine Gewänder zerreißen. Selbstverständlich können mich die, die den Brit chadaschá gelesen haben, fragen: Wie hat dann aber der Hohepriester seine Gewänder zerrissen (Matitjahu 26,65)? Er hat nicht diese Gewänder zerrissen, da zur Zeit der römischen Verwaltung diese Gewänder nur für die Tage des Dienstes ausgegeben wurden. Und an gewöhnlichen Tagen war der Priester in ziviler Kleidung, wie sie damals auch immer gewesen sein mag, war nicht im Dienstgewand und nicht in Uniform.

וְעָשִׂיתָ עַל־שׁוּלָיו רִמֹּנֵי תְּכֵלֶת וְאַרְגָּמָן וְתוֹלַעַת שָׁנִי עַל־שׁוּלָיו סָבִיב וּפַעֲמֹנֵי זָהָב בְּתוֹכָם סָבִיב׃

we'assíta al-schuláw rimmoné techélet we'argamán wetolá'at schaní al-schuláw sawíw ufa'amoné saháw betochám sawíw

33 Und du sollst am Saum dieses Obergewandes (an seinem unteren Rand) Granatäpfel machen (man kann sagen, Kugeln in Gestalt von Granatäpfeln) aus einer Mischung von Blau, Purpur und Scharlachrot, und zwischen ihnen (zwischen den Granatäpfeln) sollst du noch Glöckchen annähen, rings um den ganzen Saum.

Die rote Farbe an einer Biegung, bei einer gewissen Beleuchtung, wird reflektiert, gebrochen, wie Blau. Viele mittelalterliche Maler haben das bemerkt. Und in der Kunst des Altertums wurde dem Rot oft Blau beigemischt, um seine Röte hervorzuheben. Deshalb ist hier zwar ein Granatapfel, aber seine Farbe ist nicht ganz rot, er ist tatsächlich so, mit Pünktchen, mit Schattierungen, zu ihm kommt die blaue Farbe hinzu.

Was ist ein Granatapfel? In vielen östlichen Königreichen war der Granatapfel (da die Frucht gleichsam eine Krone hat, gleichsam eine Krone trägt) ein Symbol der königlichen Macht. Der Granatapfel ähnelt dem Kopf eines Königs mit Krone, deshalb wurden viele königliche Accessoires bei den Völkern, in deren Umgebung Israel lebte, mit Granatäpfeln verziert.

 In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass der Granatapfel hier am Saum des Gewandes befestigt wird, und man kann darin einen Hinweis darauf sehen, dass sich das Priestertum über das Königtum erhebt. Der Priester hat gleichsam die Kronen aller irdischen Könige am Saum seines Gewandes in dem Moment, in dem er in den Kódesch Kodaschím eintritt und vor den Höchsten tritt. Das erhebt ihn auf eine Stufe weit höher als alle Könige, und das ist ein für den Nahen Osten allgemeiner Kontext. Aber außerdem ist wichtig, dass der Granatapfel eine erstaunliche Frucht ist, die in vielem zum Symbol des israelischen Volkes geworden ist. Der Granatapfel ist voller Kerne, so wie die Juden, die voller Mizwót (Gebote) sind, voller Tugend sind. Deshalb klappert der Granatapfel nicht, so wie ein vollgestopfter Krug nicht klappert, nicht klingt, wenn man versucht, mit ihm zu rasseln.

Andererseits klingt eine Münze in einem leeren Krug. Im Aramäischen gibt es ein solches Sprichwort: „Istará satír belóga kisch-kisch karíja: ein AstariusDer Autor bezeichnet die Münze im aramäischen Sprichwort mit einem eigenen Wort; gemeint ist wohl der Stater. Das Wort ist hier wörtlich übernommen. in einem großen Krug ruft kisch-kisch, das heißt, er klingt“ Gemeint ist, dass ein Mensch, der wenig weiß, der zwei, drei Gedanken im Kopf hat, sehr laut ist. Und das Volk Israel besteht nach der Auslegung der Weisen aus zwei Teilen: aus den Gerechten, die voll sind wie ein Granatapfel, und aus denen, die man am meisten hört, aber sie haben nicht so viele Gebote. Und deshalb vermischen sie sich am Saum des Priesters: ein Teil, die, die lärmen – die Glöckchen, ein Teil, die, die voll sind – das sind die Granatäpfel.

פַּעֲמֹן זָהָב וְרִמּוֹן פַּעֲמֹן זָהָב וְרִמּוֹן עַל־שׁוּלֵי הַמְּעִיל סָבִיב׃

pa'amón saháw werimmón pa'amón saháw werimmón al-schulé hamme'íl sawíw

34 Ein goldenes Glöckchen und ein Granatapfel, ein goldenes Glöckchen und ein Granatapfel sollen rings um den ganzen Saum des Me'íl sein.

וְהָיָה עַל־אַהֲרֹן לְשָׁרֵת וְנִשְׁמַע קוֹלוֹ בְּבֹאוֹ אֶל־הַקֹּדֶשׁ לִפְנֵי יְהוָה וּבְצֵאתוֹ וְלֹא יָמוּת׃

wehajáIn der russischen Umschrift hat das erste Wort eine überzählige Silbe. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. al-aharón lescharét wenischmá koló bewo'ó el-hakkódesch lifnéj adonáj uwzetó weló jamút

35 Und er (der Me'íl) soll an Aharon sein, um zu dienen, und seine Stimme soll zu hören sein, wenn er (Aharon) ins Heilige vor das Angesicht des HERRN kommt und wenn er hinausgeht, und er wird nicht sterben.

Wenn wir einen solchen Schmuck aus Granatäpfeln und Glöckchen machen, wenn Aharon ins Heilige nicht als Vertreter nur der Gerechten und nicht als Vertreter nur der Bösewichte kommt, wenn beide Teile des Volkes – sowohl die Gerechten als auch die, die vorerst noch nicht so recht Gerechte sind – verstehen werden, dass sie eine Vertretung vor dem Höchsten brauchen, dann erst, nur wenn er das ganze Volk vertritt, wird Aharon nicht sterben. Deshalb befinden sich am Saum seines me'íl, am Saum seines Obergewandes, schon, er hat schon genommen, er hat schon getragen auch die einfachen Israeliten, die sich nicht durch Gerechtigkeit auszeichnen.

Hier ist wohl der richtige Ort, über eine sehr bekannte Legende zu sprechen. Über die Legende, nach der man dem Hohepriester zu der Zeit, als er das Allerheiligste betrat, eine goldene Kette anband, damit man ihn, wenn er dort stirbt, herausziehen konnte. Aus irgendeinem Grund wird diese Legende oft mit den Glöckchen am Saum seines me'íl verbunden: Wenn die Glöckchen aufgehört hatten zu läuten, bedeutete das, dass ihm etwas zugestoßen war. Es gibt ein wichtiges Detail, das darauf hinweist, warum das eine Legende ist. Dem Hohepriester war es verboten, etwas Metallisches an sich zu haben, wenn er das Allerheiligste betrat. Das ist ein direktes Verbot der Tora. Der Priester legt den me'íl (eben jenes Gewand, über das wir sprechen) nicht an, wenn er das Allerheiligste betritt. Er betritt es nur in den vier unteren Gewändern, deshalb kann man ihm kein Seil, keine goldene Kette anbinden. Außerdem, wenn man annimmt, dass der Priester im Allerheiligsten gestorben ist, dann ist dort keine Heiligkeit mehr. Der tote Körper ist unrein, der Ort ist entweiht, und es gibt kein Problem, dort hineinzugehen. Und auch für Reparaturen, für irgendwelche anderen Arbeiten gab es kein Problem, das Allerheiligste zu betreten: Wenn ein Mensch zum Beispiel Maler ist, dann gab es Fälle, in denen man dort hineingehen durfte. Das Allerheiligste zu betreten war gerade für den Dienst gefährlich, für eine Arbeit, die nicht die eigene ist. Selbstverständlich durfte man, wenn, Gott bewahre, der Priester im Allerheiligsten gestorben war, dort hineingehen, und keine Kette war nötig. Die Legende von der Kette erscheint in einer Sammlung, die Tikkunej Sohar (Verbesserungen des Sohar) heißt. Sie stammt aus dem 13.–14. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, und man kann getrost sagen, dass das doch eine Legende ist, weil es so etwas in den frühen Quellen nicht gibt. Das ist ein wenig eine Abschweifung von unserem Thema, aber ich wollte das gern sagen.

In Vers 36 lesen wir von einem anderen Gegenstand, der an Aharon sein soll:

וְעָשִׂיתָ צִּיץ זָהָב טָהוֹר וּפִתַּחְתָּ עָלָיו פִּתּוּחֵי חֹתָם קֹדֶשׁ לַיהוָה׃

we'assíta ziz saháw tahór ufittachtá aláw pittuchéj chotám kódesch ladonáj

36 Und du sollst eine Platte aus reinem Gold machen, und auf ihr sollst du eine Inschrift machen, wie man Siegel macht (das heißt, du sollst sie ausschneiden, eingravieren): „Heiligtum dem HERRN“;

Das Wort ziz kann man als Kämmchen übersetzen, etwas, das nach oben absteht. Manchmal übersetzt man dieses Wort als Brettchen. Aber es ist unverständlich, wie es ein Brettchen aus reinem Gold geben kann. Ich habe das Wort ziz als Platte übersetzt.

וְשַׂמְתָּ אֹתוֹ עַל־פְּתִיל תְּכֵלֶת וְהָיָה עַל־הַמִּצְנָפֶת אֶל־מוּל פְּנֵי־הַמִּצְנֶפֶת יִהְיֶה׃

wesamtá otó al-petíl techélet wehajá al-hammiznáfet el-múl penej-hammiznéfet jihjéIn der russischen Umschrift ist das letzte Wort fehlerhaft geschrieben. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text.

37 Du sollst sie (die Platte) auf einen blauen Faden ziehen, und sie soll an der Kopfbedeckung sein, vorn (am Gesicht).

Im Original, historisch, machte man in diese Platte drei Löcher, durch sie zog man den blauen Faden, und so wurde die Platte an der Kopfbedeckung befestigt, er (der Faden) wurde am Hinterkopf zugebunden.

Wir wissen nicht sehr gut, wie die Kopfbedeckung beschaffen ist, die wir schon Turban oder eine Art Kopfbinde (28,4) genannt haben. Es gibt viele verschiedene Zeichnungen und viele verschiedene Rekonstruktionen, aber konkrete, ernsthaftere, feinere Angaben gibt es nicht.

So hat der Kohen also auf der Stirn ein goldenes Plättchen mit der Inschrift „Heiligtum dem HERRN“. Wozu das nötig ist, lesen wir in Vers 38.

וְהָיָה עַל־מֵצַח אַהֲרֹן וְנָשָׂא אַהֲרֹן אֶת־עֲוֹן הַקֳּדָשִׁים אֲשֶׁר יַקְדִּישׁוּ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לְכָל־מַתְּנֹת קָדְשֵׁיהֶם וְהָיָה עַל־מִצְחוֹ תָּמִיד לְרָצוֹן לָהֶם לִפְנֵי יְהוָה׃

wehajá al-mézach aharón wenassá aharón et-awón hakkodaschím aschér jakdíschu benéj jisra'él lechol-mattenót kodschehém wehajá al-mizchó tamíd lerazón lahém lifnéj adonáj

38 Und sie soll auf der Stirn Aharons sein, und Aharon soll die Sünde der heiligen Opfer tragen, die die Söhne Israels geweiht haben, aller heiligen Gaben; und das soll beständig auf seiner Stirn sein, damit das euch den Höchsten geneigt macht (damit die Vergebung wirkt).

Eine erstaunliche Sache. Aharon wird, wenn er die goldene Platte mit der Inschrift „Heiligtum dem HERRN“ an sich trägt, zu allen Opfern für die Sünde, zu allen Opfern zugleich, zu den Weihegaben für die Sünde, die das Volk Israel dargebracht hat. Er stellt ein gewaltiges, in Zeit und Raum vereintes Opfer des Volkes Israel dar. Selbstverständlich ist das kein wörtlicher Begriff.

Wenn es heißt, dass „die Platte beständig an ihm sein soll“, dann ist gerade die Zeit des Dienstes gemeint. Er geht mit ihr nicht auf den Markt. Jedes Mal, wenn Aharon vor dem Höchsten steht, ist es, als ob alle Opfer Israels vor Ihm stehen.

וְשִׁבַּצְתָּ הַכְּתֹנֶת שֵׁשׁ וְעָשִׂיתָ מִצְנֶפֶת שֵׁשׁ וְאַבְנֵט תַּעֲשֶׂה מַעֲשֵׂה רֹקֵם׃

weschibbaztá hakketónet schesch we'assíta miznéfet schesch we'awnét ta'assé ma'assé rokém

39 Und du sollst aus feinem Leinen ein Hemd weben, und du sollst einen Turban aus feinem Leinen machen, und du sollst eine Schärpe machen, und all das sollst du als Werk des Stickers machen.

In Bezug auf diese drei Gegenstände gibt es keine konkreten Angaben, wie man sie machen soll.

Mit diesem Vers endet die Beschreibung der Gewänder Aharons. Wir haben sehr lange darüber gelesen, was Aharon anzieht. Die Tora widmet, wie wir sehen, der Beschreibung der Gewänder Aharons viel mehr Raum als sogar der Erschaffung der Welt, als ob es schwieriger wäre, Aharon anzukleiden, als die Welt zu erschaffen. Aber die Welt hat der Höchste Selbst erschaffen, und Aharon müssen kunstfertige Meister aus dem Volk Israel ankleiden. Worin besteht die Besonderheit, wozu braucht man so genaue, so detailliert vorgeschriebene Gewänder? Wir wissen, dass die Welt mit dem Sündenfall Adams zerbrochen ist, es kam zu einem Riss zwischen Himmlischem und Irdischem. Wenn wir über Aharon lesen, wissen wir, was wir in ihm bauen. Wir sprechen von einem Menschen, der wie in einem Raumanzug oder in einem Tauchgerät ins Allerheiligste hineingehen wird, der fähig sein wird, in den Himmel aufzusteigen. Und hier lesen wir außerdem, dass er auch noch die Sünden auf sich tragen wird, die Opfer des ganzen Volkes auf sich tragen wird. Und damit das funktioniert, damit der Mensch, der sich damit befassen wird, überlebt, braucht er eine fein durchdachte Arbeitskleidung, und darüber spricht eigentlich der Höchste.

Weiter werden wir lesen, was die einfachen Priester, die Söhne Aharons, anziehen.

וְלִבְנֵי אַהֲרֹן תַּעֲשֶׂה כֻתֳּנֹת וְעָשִׂיתָ לָהֶם אַבְנֵטִים וּמִגְבָּעוֹת תַּעֲשֶׂה לָהֶם לְכָבוֹד וּלְתִפְאָרֶת׃

weliwnéj aharón ta'assé chuttonót we'assíta lahém awnetím umigba'ót ta'assé lahém lechawód ultif'áret

40 Und den Söhnen Aharons mache Hemden, und du sollst ihnen Schärpen machen, und hohe Kopfbedeckungen mache ihnen zur Größe und zur Herrlichkeit.

Die einfachen Priester haben andere Kopfbedeckungen – migba'ót (das Wort giw'á bedeutet Hügel), hohe Kopfbedeckungen, eine Art Zylinder. Die einfachen Priester haben einfachere Kleidung, aber auch sie ist zur Größe und zur Herrlichkeit. Jeder Mensch verherrlicht den Höchsten. Und der Priester als ein Mensch, der doch berufen ist, wenn auch als einfacher Priester, so doch im Tempel zu dienen, er muss zweifellos in Würde und Pracht gekleidet sein.

וְהִלְבַּשְׁתָּ אֹתָם אֶת־אַהֲרֹן אָחִיךָ וְאֶת־בָּנָיו אִתּוֹ וּמָשַׁחְתָּ אֹתָם וּמִלֵּאתָ אֶת־יָדָם וְקִדַּשְׁתָּ אֹתָם וְכִהֲנוּ לִי׃

wehilbaschtá otám et-aharón achícha we'et-banáw ittó umaschachtá otám umilletá et-jadám wekiddaschtá otám wechihanú li

41 Und kleide in sie Aharon, deinen Bruder, und seine Söhne mit ihm, und salbe sie, fülle ihre Hände mit Öl (gieß sie ordentlich mit Öl voll), und heilige sie, damit sie Mir als Priester dienen (und sie werden Mir als Priester dienen).

Jede Einsetzung in einen Dienst beginnt mit der Salbung: sowohl die königliche als auch die priesterliche. Könige, die Nachkommen von Königen sind, brauchen keine Salbung – sie sind schon gesalbt. Eine der Erklärungen, warum der Maschiach Gesalbter genannt wurde, ist diese: dass er als Erbe des Königs David, für den Thron bestimmt, schon mit dieser Salbung geboren wurde. Aber den Kohen muss man ganz am Anfang des Kohendienstes salben.

Die Tora hat von drei Teilen der Kleidung der Söhne Aharons erzählt: vom Hemd, von der Schärpe und von der Kopfbedeckung, aber sie hat wenig über sie erzählt, deshalb geben wir ihnen keine ausführlichen Beschreibungen. Weiter, wenn wir die eigentliche Anfertigung der Gewänder berühren werden, werde ich versuchen, Beschreibungen anzuführen, die es in späteren Quellen gibt. Man kann sie schwerlich zuverlässig nennen, aber das sind interessante Vermutungen, wir werden unbedingt darüber sprechen. Erzählen wir jetzt auch vom vierten Gegenstand.

וַעֲשֵׂה לָהֶם מִכְנְסֵי־בָד לְכַסּוֹת בְּשַׂר עֶרְוָה מִמָּתְנַיִם וְעַד־יְרֵכַיִם יִהְיוּ׃

wa'assé lahém michnesej-wád lechassót bessár erwá mimmotnájim we'ad-jerechájim jihjú

42 Und mache ihnen Hosen aus Stoff, um das schamhafte Fleisch zu bedecken, von der Hüfte bis zu den Schenkeln sollen sie sein.

Man muss für die Priester ein Stück Unterwäsche machen, das Shorts, einer Badehose oder Boxershorts ähnelt, um ihre Blöße zu bedecken. Hier ist es wichtig zu bemerken, dass für die nahöstliche Männerkleidung die Bedeckung der Blöße, das heißt die Unterwäsche, nichts Selbstverständliches ist, das ist eine sehr teure Kleidung. Man muss sie ja ständig wechseln, waschen und auf besondere Weise für Hygiene und Sauberkeit sorgen. Und nach den meisten Meinungen, wer schaut denn da schon hin? Deshalb zeigt die Notwendigkeit, eine solche Kleidung für die Priester zu machen, dass sie unter besonderer, genauer Aufmerksamkeit stehen, vom Höchsten von allen Seiten betrachtet werden. Und da ist der natürliche Einwand, der oft nicht nur in Bezug auf die Priester, sondern auch in Bezug auf das alltägliche Leben aufkommt: Ja, sieht denn der Höchste nicht, was wir da unter der Wäsche haben? Sieht Er etwa nicht ständig unsere Blöße? Der Höchste ist zweifellos der Allsehende, und Er kann alles sehen. Zugleich ist Er feinfühlig genug, unsere Blöße nicht anzusehen, wo wir nicht danach streben, sie zu zeigen. Deshalb schlägt uns der Höchste hier vor, unsere Blöße zu bedecken, nicht deswegen, um nicht von ihrem Anblick beleidigt zu werden, sondern vor allem um der Wahrung unserer Würde willen.


וְהָיוּ עַל־אַהֲרֹן וְעַל־בָּנָיו בְּבֹאָם אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד אוֹ בְגִשְׁתָּם אֶל־הַמִּזְבֵּחַ לְשָׁרֵת בַּקֹּדֶשׁ וְלֹא־יִשְׂאוּ עָוֹן וָמֵתוּ חֻקַּת עוֹלָם לוֹ וּלְזַרְעוֹ אַחֲרָיו:

wehajú al-aharón we'al-banáw bewo'ám el-óhel mo'éd o wegischtám el-hammisbéach lescharét bakkódesch welo-jis'ú awón wamétu chukkát olám lo ulsar'ó acharáw

43 Und sie sollen auf Aharon und auf seinen Söhnen sein, wenn sie in das Zelt der Begegnung hineingehen und wenn sie an den Altar herantreten, um in Heiligkeit zu dienen, und sie werden keine Sünde tragen; das ist ein ewiges Gesetz für ihn und für seinen Samen nach ihm (für Aharon).

Das heißt, sie werden keine Sünde dafür tragen, dass sie in das Heilige hineingehen und zum Altar hinaufsteigen. Gerade in einer solchen Bekleidung dürfen sie das tun, und das ist keine Sünde.

Wir haben also die Beschreibung der Gewänder Aharons und seiner Söhne gelesen. Die Beschreibung der Gewänder Aharons ist sehr sorgfältig gegeben, das ist die Beschreibung der Gewänder nicht nur Aharons, sondern jedes Hohepriesters, des obersten Fürsprechers für das Volk Israel und für die ganze Welt. Die Beschreibung der Gewänder der Söhne Aharons ist weniger ausführlich gegeben. Aber all das zusammen ist Spezialkleidung, die es Israel erlaubt, mit dem Höchsten in Wechselwirkung zu treten, und gerade deshalb wird ihr so genaue Aufmerksamkeit geschenkt. Wir haben auch darüber gelesen, dass Aharon gesalbt werden muss, durch die Salbung gehen muss, um zum Dienst geweiht zu werden.

Die Weihe zu Priestern

Schemot 29,1–18

Mit Gottes Hilfe setzen wir das Studium des Wochenabschnitts Tezawe fort und werden vom Anfang des 29. Kapitels des Buches Schemot an lesen. In den vorigen Passagen des Wochenabschnitts haben wir die Anweisungen gelesen, die der Höchste den kunstfertigen Handwerkern in Bezug auf die Anfertigung der Kleidung für Aharon und seine Söhne gibt, damit man sie zum Priestertum weihen kann. In diesem Kapitel spricht der Höchste schon unmittelbar mit Mosche und gibt ihm selbst Anweisungen. Und diese Anweisungen handeln davon, wie man aus einem fast einfachen Israeliten namens Aharon und aus seinen Söhnen Priester für das Volk Israel macht (oder wie man einen Menschen zum Priester macht).

וְזֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר־תַּעֲשֶׂה לָהֶם לְקַדֵּשׁ אֹתָם לְכַהֵן לִי לְקַח פַּר אֶחָד בֶּן־בָּקָר וְאֵילִם שְׁנַיִם תְּמִימִם׃

wesé haddawár aschér ta'assé lahém lekaddésch otám lechahén li lekách par echád ben-bakár we'elím schenájim temimím

1 Und das ist die Handlung, die du mit ihnen tun sollst, um sie zum Priestertum für Mich zu heiligen: Nimm einen Stier, den Sohn eines Stiers (einen Stier Stierssohn), und zwei reine Lämmer (makellose Lämmer).

 Das Wort dawár hat eine sehr weite Bedeutung (und darüber haben wir mehr als einmal gesprochen) – das ist Rede, Handlung, irgendein Thema, irgendein Ereignis. In diesem Fall ist das Handlung.

Sie heiligen – wen? Mit ihnen tun – mit wem? Es geht um Aharon und seine Söhne. Das ist eine Anweisung darüber, wie man mit den Söhnen Aharons und mit Aharon selbst verfahren muss, um sie zu Priestern für den Höchsten zu machen.

Nimm einen Stier, den Sohn eines Stiers – wovon ist die Rede? Davon, was wir in Bezug auf ihn wissen, dass er ein reinblütiger Stier ist, ohne irgendwelche allerlei Beimischungen, was zu jener Zeit ziemlich verbreitet war. Das heißt, nimm einen echten, reinrassigen Stier.

…und zwei reine Lämmer. Sobald bei uns eine solche Beschreibung auftaucht, möchte man sofort verstehen: Was bedeutet das denn? Und die Kommentatoren sagen Verschiedenes. Zum Beispiel so: „Der Stier ist die Sühne für die Sünde des goldenen Kalbs. Der Höchste sieht sie im Voraus vor, dass sie geschehen wird. Eines der Lämmchen ist die Sühne für die Sünde Aharons, das zweite ist die Weihe, das Weiheopfer.“ Andere behaupten: „Der Stier ist tatsächlich für das goldene Kalb. Eines der Lämmchen ist das Ganzopfer, das zweite ist die Weihe.“ Dritte sagen: „Nun, das goldene Kalb hat hier wohl überhaupt nichts damit zu tun. Der Stier bedeutet Awraham, denn über Awraham ist gesagt: ‚Und er lief zur Herde, zum gehörnten Großvieh.‘ Und die zwei Lämmchen bedeuten eigentlich Jizchak und Jaakow. Auf diese Weise symbolisieren der Stier und die zwei Lämmchen die Erzväter.“ Es gibt auch solche, die sagen, dass in dieser Darbringung etwas Prophetisches liegt. Aharon hatte vier Söhne: Nadaw, Awihu, Elasar und Itamar, aber nur Elasar und Itamar werden letzten Endes als Priester dienen, Nadaw und Awihu werden umkommen. Deshalb symbolisiert in diesem Fall die Opferdarbringung nach Meinung dieser Kommentatoren Aharon und seine zwei Söhne, die auch im Priestertum bleiben werden.

Es ist schwer, eine dieser Varianten zu wählen, und überhaupt denke ich, dass diese Varianten entstehen, wenn wir nicht annehmen wollen, nicht bereit sind anzunehmen, dass der Höchste so gesprochen hat, dass das Sein Wille ist und dass er in manchem, irgendwo für uns unbegreiflich ist. Wir brauchen eine für uns verständliche Erklärung. Ich brauche sie auch. Obwohl ich verstehe, dass das ein bisschen „Kinderei“ ist. Wir sind Seine Kinder, und Er liebt es, wenn wir Kinder bleiben. Deshalb kann man aus den aufgezählten wählen oder eine eigene Variante der Auslegung finden.

Wir haben erfahren, was man aus der Tierwelt nehmen musste. Weiter lesen wir:

         וְלֶחֶם מַצּוֹת וְחַלֹּת מַצֹּת בְּלוּלֹת בַּשֶּׁמֶן וּרְקִיקֵי מַצּוֹת מְשֻׁחִים בַּשָּׁמֶן סֹלֶת חִטִּים תַּעֲשֶׂה אֹתָם׃

weléchem mazzót wechallót mazzót belulót baschémen urkiké mazzót meschuchím baschámen sólet chittím ta'assé otám

2 Nimm ungesäuerte Brote, ungesäuerte Brote, mit Öl angerührt, und ungesäuerte Fladen, mit Öl bestrichen – aus dem besten Weizenmehl mache sie.

Léchem mazzót – das ist wörtlich ungesäuertes Brot. In Wirklichkeit sind das Brote aus Mehl, die in kochendem Wasser gekocht werden, und dann werden sie auf einer eigentümlichen umgedrehten Pfanne gebacken und ein klein wenig in Öl angebraten. Das ist die erste Art Brot, die man nehmen muss.

Die zweite Art Brot heißt chalját mazzót (ungesäuerter Kringel oder ungesäuerter Laib). Es wird aus Mehl hergestellt, das vorher mit Öl vermischt wird, und dann gebacken. Das ist ein eigenes Zubereitungsrezept.

Und die dritte Art Brot, die dargebracht wird, die Mosche nehmen muss, – das sind rakikéj mazzót (ungesäuerte Fladen). Sie werden ohne Öl gebacken. Das ist Mehl und Wasser, aber dann, wenn man sie zusammenlegt, bestreicht man sie mit Öl. Die Kommentatoren sagen: „Es gibt eine solche alte Tradition, dass die Fladen mit Öl bestrichen wurden, auf ihnen wurde ein solcher eckiger Buchstabe Kaf oder der griechische Buchstabe Lambda gezeichnet, der einerseits, als Buchstabe Kaf, den ersten Buchstaben des Wortes kohén symbolisiert, und andererseits weist er auf den Segen Aharons hin, der mit einer Gruppe gespreizter Finger geschieht, einer besonderen Haltung der Hand, in der man ebenfalls ein solches Lambda oder den Buchstaben V (v) sehen kann, oder den eckigen Buchstaben Kaf, wie es einem die Vorstellungskraft erlaubt.“ Aber das sind die Kommentatoren, und der einfache Text sagt, dass man drei Arten Fladen nehmen muss. Wiederum sagen die Kommentatoren, dass es je zehn Stück von jeder Art Fladen sind.

Die drei Arten Fladen stellt man den drei Maß Mehl gegenüber, die Awraham Sara zu kneten befahl. Das heißt, die Kommentatoren versuchen, für die Bestandteile der Opferdarbringung, die hier beschrieben werden, Parallelen in der jüdischen Geschichte zu finden, und alles wird auf Awraham zurückgeführt. Das erste Mahl, an dem Himmlische und Irdische teilnehmen, muss nach Meinung der Kommentatoren, nach Meinung der Weisen, auch in den übrigen Mahlzeiten Parallelen finden.

וְנָתַתָּ אוֹתָם עַל־סַל אֶחָד וְהִקְרַבְתָּ אֹתָם בַּסָּל וְאֶת־הַפָּר וְאֵת שְׁנֵי הָאֵילִם׃

wenatattá otám al-sál echád wehikrawtá otám bassál we'et-happár we'ét schené ha'elím

3 Und du sollst sie in einen Korb legen und sie im Korb darbringen, und außerdem sollst du den Stier und die zwei Widder darbringen.

Alle dreißig Fladen muss man in den Korb legen: drei Arten Fladen, je zehn Stück von jeder Art (wie wir gesagt haben, zehn Stück – das ist die Meinung der Kommentatoren).

וְאֶת־אַהֲרֹן וְאֶת־בָּנָיו תַּקְרִיב אֶל־פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד וְרָחַצְתָּ אֹתָם בַּמָּיִם׃

we'ét-aharón we'et-banáw takríw el-pétach óhel mo'éd werachaztá otám bammájim

4 Und Aharon und die Söhne bringe nahe zum Eingang des Mischkan und wasche sie mit Wasser.

Beachtet, dass in Vers 3 über die Fladen geschrieben steht, man müsse sie lehakríw (als Opfer darbringen), wehikrawtá (und brachtest sie als Opfer dar). Und in Vers 4 sehen wir wieder die Parallele, von der ich schon früher gesprochen habe – wetakríw el-pétach (bringe nahe zum Eingang) Aharon und die Söhne. Ein und dieselbe Wurzel (Kuf-Resch-Bet) – als Opfer darbringen und nahebringen. Es scheint, dass sowohl das eine als auch das andere als Opfer dargebracht wird oder sowohl das eine als auch das andere nahegebracht wird.

Aharon und die Söhne muss man mit Wasser waschen. Das heißt, offenbar soll nicht Mosche sie mit dem Waschlappen waschen. Er soll ihnen befehlen, sich zu waschen, oder mit ihnen in die Mikwe gehen, als Variante. Auch hier gibt es verschiedene Varianten des Verständnisses, und wie es oft vorkommt, gibt es auch genau entgegengesetzte Verständnisse. Und um folgerichtig zu sein, werde ich ein solches Verständnis bald auch anführen.


וְלָקַחְתָּ אֶת־הַבְּגָדִים וְהִלְבַּשְׁתָּ אֶת־אַהֲרֹן אֶת־הַכֻּתֹּנֶת וְאֵת מְעִיל הָאֵפֹד וְאֶת־הָאֵפֹד וְאֶת־הַחֹשֶׁן וְאָפַדְתָּ לוֹ בְּחֵשֶׁב הָאֵפֹד׃

welakachtá et-habbegadím wehilbaschtá et-aharón et-hakkuttónet we'ét me'íl ha'efód we'et-ha'efód we'et-hachóschen we'afadtá lo bechéschew ha'efód

5 Und du nahmst die Gewänder und kleidetest Aharon an: das Hemd, den Mantel, den Efod und den Brustschild, und „bewestetest“ (bandest, gürtetest) ihn mit dem Gürtelchen weise (auf besondere Weise an ihm zugebunden, ihn hinten geschlossen).

Zuallererst kleidet sich Aharon in die Gewänder des Hohepriesters. In unserer Liste ist ausgelassen (und die Kommentatoren ergänzen das), dass als erstes Kleidungsstück die michnasájim (michnase-wád) oder Hosen, Shorts kommen, über die wir in 28,42 gesprochen haben. Aber wieder: Im Text steht das nicht, man kann sich einfach merken, dass sie dort irgendwo sein müssen. Aus Bescheidenheit sagt die Tora nicht: „Und du, zieh Aharon die Hosen an.“

 Mosche hilft also Aharon, sich anzukleiden. Man kann sagen (wenn man die östliche Tradition anwendet), dass, wenn ein Mensch Sklaven hatte, sie ihm halfen, irgendeine Arbeit zu tun, die der Mensch auch selbst tun konnte, aber es war üblich, es war besonders ehrenvoll, dass diese Arbeit durch Sklaven getan wurde. Möglicherweise kann man sowohl die Waschung als auch das Ankleiden hier so verstehen, dass Mosche sich demütig auf die Stufe eines Sklaven herablässt und Aharon und seine Söhne doch selbst wäscht und sie auch selbst ankleidet.

וְשַׂמְתָּ הַמִּצְנֶפֶת עַל־רֹאשׁוֹ וְנָתַתָּ אֶת־נֵזֶר הַקֹּדֶשׁ עַל־הַמִּצְנָפֶת׃

wesamtá hammiznéfet al-roschó wenatattá et-néser hakkódesch al-hammiznáfet

6 Und du sollst den Turban auf seinen Kopf setzen und die goldene Krone (eine Art davon) auf diesen Turban geben.

וְלָקַחְתָּ אֶת־שֶׁמֶן הַמִּשְׁחָה וְיָצַקְתָּ עַל־רֹאשׁוֹ וּמָשַׁחְתָּ אֹתוֹ׃

welakachtá et-schémen hammischchá wejazaktá al-roschóDie russische Umschrift hat hier eine andere Endung. Nach dem Hebräischen (sein Kopf) lautet das Wort roschó, wie auch in Vers 6. umaschachtá otó

7 Und du sollst das Öl der Salbung nehmen und auf ihn ausgießen und ihn salben.

Die Kommentatoren sagen, dass Mosche zuerst siebenmal die Geräte, den Altar und alle Gefäße, die im Tempel sind, besprengen sollte. Dann eine gewisse Menge auf den Kopf Aharons gießen, indem er ihm das Öl zwischen die Augenlider, auf die Nasenwurzel und auf den Scheitel aufträgt, so dass es über die Stirn floss. Und wiederum sagen die Kommentatoren, dass das Herabfließen des Öls in Gestalt desselben Buchstabens Lambda oder Kaf geschehen sollte. Aber so sagen die Kommentatoren, und sie stützen sich auf irgendein eigenes Verständnis. Ohne das Gesagte zu bestreiten, kann ich nur präzisieren, dass das im Text nicht direkt steht.

וְאֶת־בָּנָיו תַּקְרִיב וְהִלְבַּשְׁתָּם כֻּתֳּנֹת׃

we'et-banáw takríw wehilbaschtám kuttonót

8 Bringe seine Söhne nahe und kleide auch sie in Hemden.

וְחָגַרְתָּ אֹתָם אַבְנֵט אַהֲרֹן וּבָנָיו וְחָבַשְׁתָּ לָהֶם מִגְבָּעֹת וְהָיְתָה לָהֶם כְּהֻנָּה לְחֻקַּת עוֹלָם וּמִלֵּאתָ יַד־אַהֲרֹן וְיַד־בָּנָיו׃

wechagartá otám awnét aharónDie russische Umschrift schreibt den Namen Aharon hier mit einem g-Laut und zwei Betonungszeichen. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. uwanáw wechawaschtá lahém migba'ót wehajetá lahém kehunná lechukkát olám umilletá jad-aharón wejad-banáw

9 Und gürte sie mit Gürteln – Aharon und die Söhne, und setze ihnen Zylinder auf, und sie sollen die Kehuná (Priestertum) haben nach ewigem Gesetz; und gefüllt hast du die Hand Aharons und die Hand seiner Söhne.

Was bedeutet die Hand füllen? Das Wort malé bedeutet voll, das Wort jad – Hand, das heißt „bevollhändigt“, die genaue Entsprechung des russischen bevollmächtigt: Du hast ihre Hand mit Kraft gefüllt, von diesem Moment an besitzen sie alle Vollmachten eines Kohen („Vollhändigkeiten“) und können alles ausführen, was ein Kohen ausführen muss. Darauf folgt: 

וְהִקְרַבְתָּ אֶת־הַפָּר לִפְנֵי אֹהֶל מוֹעֵד וְסָמַךְ אַהֲרֹן וּבָנָיו אֶת־יְדֵיהֶם עַל־רֹאשׁ הַפָּר׃

wehikrawtá et-happár lifné óhel mo'éd wessamách aharón uwanáw et-jedehém al-rósch happár

10 Und du wirst den Stier als Opfer darbringen vor dem Eingang in das Zelt der Begegnung, und Aharon und seine Söhne sollen ihre Hände auf diesen Stier legen.

Wozu ist das nötig? Dazu, dass der Stier aus einfachem Fleisch und das Schlachten aus einfachem Schlachten zu einem priesterlichen Schlachten wird. Der Stier wird zuerst zu einem Stier, der für das Opfer bestimmt ist, und erst danach wird er geschlachtet. Das heißt, man kann sagen, dass der Stier durch die Handauflegung Aharons und der Söhne beginnt, vor dem Höchsten zu stehen, und gerade als einer, der vor dem Höchsten steht, wird er geschlachtet.

וְשָׁחַטְתָּ אֶת־הַפָּר לִפְנֵי יְהוָה פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃

weschachattá et-happár lifné adonáj pétach óhel mo'éd

11 Und du hast diesen Stier vor dem HERRN geschlachtet (abgestochen), am Eingang des Zeltes der Begegnung.

וְלָקַחְתָּ מִדַּם הַפָּר וְנָתַתָּה עַל־קַרְנֹת הַמִּזְבֵּחַ בְּאֶצְבָּעֶךָ וְאֶת־כָּל־הַדָּם תִּשְׁפֹּךְ אֶל־יְסוֹד הַמִּזְבֵּחַ׃

welakachtá middám happár wenatattá al-karnót hammisbéach be'ezba'écha we'et-kol-haddám tischpóch el-jesód hammisbéach

12 Und du nahmst (oder wirst nehmen) vom Blut des Stieres, und du wirst damit die Hörner des Altars mit deinem Finger salben, das ganze Blut aber gieße an den Fuß des Altars.

Die Hörner des Altars – das sind jene Vorsprünge, von denen wir gesprochen haben, sie befinden sich an den vier Ecken des Altars. Wenn Aharon mit Öl gesalbt wird, so wird der Altar sowohl mit Öl als auch mit Blut gesalbt (wir haben schon darüber gesprochen, dass ein solcher Ritus auf einen bestimmten Grad der Verwandtschaft hinweist, auf eine verwandtschaftliche Verbindung, eine „Verbrüderung“ mit dem Höchsten, damit wir mit dem Höchsten, die Kohanim mit dem Höchsten, eines Blutes sind).

וְלָקַחְתָּ אֶת־כָּל־הַחֵלֶב הַמְכַסֶּה אֶת־הַקֶּרֶב וְאֵת הַיֹּתֶרֶת עַל־הַכָּבֵד וְאֵת שְׁתֵּי הַכְּלָיֹת וְאֶת־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עֲלֵיהֶן וְהִקְטַרְתָּ הַמִּזְבֵּחָה׃

welakachtá et-kol-hachélew hamchassé et-hakkérew we'ét hajotéret al-hakkawéd we'ét scheté hakkelajot we'et- hachélew aschér alehén wehiktartá hammisbécha

13 Und du sollst alles Fett nehmen, das die Eingeweide bedeckt, und du sollst die Membran (oder das Häutchen) nehmen, die die Leber bedeckt, und die zwei Nieren und das Fett, das an ihnen ist, und hast sie auf dem Altar als Opfer dargebracht.

 Ein schwieriger anatomischer Vers. Wichtig ist, auf das Wort chélew (Fett) zu achten, es wird hier mehrmals erwähnt. In der Tora gibt es das Verbot, inneres Fett zu verzehren: Fett, das die Eingeweide bedeckt, und Fett, das an den Nieren ist. Und genau das wird mit dem Wort chélew bezeichnet. Ich bin darauf gestoßen, dass viele irrtümlich an ein Verbot jeglichen Fettes denken. Nein, nicht jedes Fett. Es gibt Fett, das die Rippen bedeckt (schumán), zum Beispiel an Hammelrippchen; es gibt Schwanzfett (alja). Beide Arten von Fett darf man selbstverständlich als Nahrung verwenden, und sie werden verwendet. Als Nahrung verboten ist nur chélew.

In diesem Vers lesen wir, dass Mosche geboten wird, das ganze chélew zu nehmen, das ganze innere Fett, das die Eingeweide, den Leib bedeckt, und jenes Häutchen, das die Leber bedeckt, und die zwei Nieren und das Fett, das an den Nieren ist, und sie als Ganzopfer auf dem Altar darzubringen.

וְאֶת־בְּשַׂר הַפָּר וְאֶת־עֹרוֹ וְאֶת־פִּרְשׁוֹ תִּשְׂרֹף בָּאֵשׁ מִחוּץ לַמַּחֲנֶה חַטָּאת הוּא׃

we'et-bessár happár we'et-oró we'et-pirschó tisróf ba'ésch michúz lammachané chattát hu

14 Das Fleisch des Stieres aber und seine Haut und seinen Kot, verbrenne ihn auf einem Feuer außerhalb des Lagers; er wird ein Opfer für die Sünde sein, ein Reinigungsopfer.

אֶת־הָאַיִל הָאֶחָד תִּקָּח וְסָמְכוּ אַהֲרֹן וּבָנָיו אֶת־יְדֵיהֶם עַל־רֹאשׁ הָאָיִל׃

we'et-ha'ájil ha'echád tikkách wessamechú aharón uwanáw et-jedehém al-rósch ha'ájil

15 Einen von den Widdern nimm, und Aharon und seine Söhne sollen die Hände auf den Kopf dieses Widders legen;

וְשָׁחַטְתָּ אֶת־הָאָיִל וְלָקַחְתָּ אֶת־דָּמוֹ וְזָרַקְתָּ עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃

weschachattá et-ha'ájil welakachtá et-damó wesaraktá al-hammisbéach sawíw

16 Und schlachte diesen Widder, und nimm sein Blut, und du wirst es rings um den Altar verstreuen (sprengen).

וְאֶת־הָאַיִל תְּנַתֵּחַ לִנְתָחָיו וְרָחַצְתָּ קִרְבּוֹ וּכְרָעָיו וְנָתַתָּ עַל־נְתָחָיו וְעַל־רֹאשׁוֹ׃

we'et-ha'ájil tenattéach lintacháw werachaztá kirbó uchra'áw wenatattá al-netacháw we'al-roschó

17 Den Widder aber zerlege in Stücke, und wasche seine Eingeweide und seine Beine (Unterschenkel), und füge sie zu seinen Stücken und zu seinem Kopf hinzu (lege das alles zusammen).

וְהִקְטַרְתָּ אֶת־כָּל־הָאַיִל הַמִּזְבֵּחָה עֹלָה הוּא לַיהוָה רֵיחַ נִיחוֹחַ אִשֶּׁה לַיהוָה הוּא׃

wehiktartá et-kol-ha'ájil hammisbécha olá hu ladonáj réach nichóach isché ladonáj hu

18 Und räuchere den ganzen Widder auf dem Altar: Das ist für den HERRN ein Duft des Wohlgefallens, das ist ein Wohlgeruch, angenehm für den HERRN, das ist ein (so genanntes) Feueropfer für den Höchsten.

Dieser zweite Widder ist ein Weiheopfer von Seiten des Volkes, Mosche bringt es dar, das ist ein solcher einzigartiger Fall (wir werden noch über den Status Mosches sprechen). Mosche bringt es als Widderchen der Weihe dar, und wir werden weiter unten noch ausführlich darüber sprechen.

Ein Festmahl im großen Stil

Schemot 29,19–37

Wir lesen weiter den Wochenabschnitt Tezawe ab Vers 19 von Kapitel 29. Im vorigen Abschnitt haben wir begonnen, die Anweisung zu lesen – die Vorschrift darüber, wie Mosche Aharon und seine Söhne zu Kohanim weihen soll. Ein erstaunlicher Vorgang, der es erlaubt, aus einem einfachen Menschen (vielleicht keinem ganz einfachen, wie Aharon einer war) einen Kohen zu machen – einen Menschen, der fähig ist, der Heiligkeit zu begegnen und nicht zu sterben, einen Menschen, der fähig ist, der Heiligkeit in seinem Alltagsleben zu begegnen. Der Höchste gebot, dafür drei Tiere vorzubereiten – zwei Widderchen (Lämmer) und einen Stier – und 30 Fladen. Im vorigen Abschnitt haben wir von einem der Lämmer und vom Stier gelesen. Und jetzt werden wir die Fortsetzung über den dritten lesen, den ungewöhnlichsten der Widder, die jemals vom Volk Israel als Opfer dargebracht wurden.

וְלָקַחְתָּ אֵת הָאַיִל הַשֵּׁנִי וְסָמַךְ אַהֲרֹן וּבָנָיו אֶת־יְדֵיהֶם עַל־רֹאשׁ הָאָיִל׃

welakachtá et ha'ájil haschení wessamách aharón uwanáw et-jedehém al-rósch ha'ájil

19 Und du wirst den zweiten Widder nehmen, und Aharon und seine Söhne sollen ihre Hände auf den Kopf dieses Widders legen.

Wir haben darüber gesprochen, dass, wenn der Kohen seine Hände auf das Opfer legt, das Opfer zu einem wird, das vor dem Höchsten steht, es wird „delegiert“, für das Volk davorzustehen. In diesem Fall legte man beide Hände auf das Opfer. Wenn einem Menschen ein neuer Auftrag gegeben wird, wenn sein Status geändert wird, wenn man ihn als Diener einsetzt oder etwas Ähnliches, legt man ihm zwei Hände auf. Wenn er aber mit einer Mission geht, die das Wesen seines Dienstes nicht verändert, legt man eine Hand auf.

וְשָׁחַטְתָּ אֶת־הָאַיִל וְלָקַחְתָּ מִדָּמוֹ וְנָתַתָּה עַל־תְּנוּךְ אֹזֶן אַהֲרֹן וְעַל־תְּנוּךְ אֹזֶן בָּנָיו הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן יָדָם הַיְמָנִית וְעַל־בֹּהֶן רַגְלָם הַיְמָנִית וְזָרַקְתָּ אֶת־הַדָּם עַל־הַמִּזְבֵּחַ סָבִיב׃

weschachattá et-ha'ájil welakachtá middamó wenatattá al-tenúch ózen aharón we'al-tenúch ózen banáw hajmanít we'al-bóhen jadám hajmanít we'al-bóhen raglám hajmanít wesaraktá et-haddám al-hammisbéach sawíw

20 Und du schlachtetest (wirst schlachten) diesen Widder, und du wirst von seinem Blut nehmen, und du wirst es (das Blut) auf das Ohrläppchen (oder auf das Knörpelchen) des Ohres Aharons (das rechte) geben, und auf das Ohrläppchen des rechten Ohres seiner Kinder, und auf den Daumen ihrer rechten Hand, und auf die große Zehe ihres rechten Fußes; und du hast mit dem Blut den ganzen Altar übergossen.

Es gibt einen gewissen Streit darüber, was das Wort tenúch bedeutet? Klar ist, dass es irgendein Teil des Ohres ist. Die meisten Kommentatoren neigen dazu, dass es das Ohrläppchen ist, aber einige sagen, dass es das Knörpelchen ist, das in der Mitte des Ohres ist.

Eine solche Weihe Aharons und seiner Söhne musste vollzogen werden. Selbstverständlich konnte es in all den Jahren des Kommentierens nicht vorkommen, dass die Kommentatoren nicht versucht hätten zu verstehen, worum es hier geht, warum gerade diese Körperteile? Die einfachsten Kommentare sagen, dass das die bequemsten Stellen für die Salbung sind, das sind Salbungen der Grenzen des Menschen. Man hat einfach die Ränder Aharons und der Söhne an drei bequemen Stellen gesalbt.

Der Autor des Buches „Chessed le-Awraham“ (Barmherzigkeit für Awraham), Rabbi Asulai, erzählt einen solchen Midrasch: Als Jaakow um Rachel warb, fürchtete er, dass Lawan irgendeine List anwenden würde, und es könnte sich herausstellen, dass in der Hochzeitsnacht nicht Rachel bei ihm sein würde, sondern jemand anderes. Und Rachel gab ihm Zeichen. Sie sagte: „Ich werde dein Ohrläppchen berühren, den Daumen deiner Hand, die große Zehe deines Fußes, so wirst du erkennen, dass ich es bin.“ Danach teilte Rachel diese Zeichen schwesterlich mit Lea (als sie sah, dass man sie mit Gewalt weggibt), damit Lea nicht beschämt würde. So ein Midrasch, so eine Überlieferung, aber für uns ist die Wiederholung dieser drei Elemente wichtig.

Andere, frühere Kommentatoren sagten, dass die unreine Macht, irgendwelche unreinen Geister, die gegen das Hören gerichtet sind, gegen die Aufnahme von Information (die Ohren sind das Werkzeug des Hörens, „der Glaube kommt aus dem Hören“), gerichtet gegen die richtige Analyse von Information, richtige Handlungen (die Hände) und richtige Absichten (die Füße), dass sie sich an den Menschen an genau diesen Stellen heften: am Ohrläppchen, am Daumen der Hand und an der großen Zehe des Fußes. Deshalb, um den Menschen (in diesem Fall – Aharon) von dämonischen Einflüssen zu reinigen, reinigte man ihn auf diese Weise.

Andere Kommentatoren sagen, dass überhaupt der jézer ha-rá (der böse Trieb) den Menschen wie eine Marionette an Fäden an diesen drei Punkten hält, weil er nicht den Körper lenkt, sondern die néfesch (Seele), und ihm diese drei Punkte genügen. Er lenkt die Seele des Menschen, und erst die Seele regiert den Menschen. Deshalb sagten die Kommentatoren: „Um sich von der sündigen Leidenschaft zu befreien, damit bei der Nähe mit der Ehefrau die Empfängnis nicht leidenschaftlich, sondern gerade in Heiligkeit sei, musste die Frau das Ohrläppchen, den Daumen der Hand, die große Zehe des Fußes berühren.“ Mit solchen mystischen Eigenschaften hat man diese drei Punkte am Körper ausgestattet (oder sie waren von Anfang an damit ausgestattet).

Eine ähnliche Beschreibung gibt es auch bei den Nachbarvölkern: In sumerischen und akkadischen Mythen wird ebenfalls davon gesprochen, dass irgendwelche bösen Götter Pfeile in diese Teile des menschlichen Körpers stechen oder Wurfspieße darauf schleudern. Und es ist durchaus möglich, dass wir hier die Möglichkeit haben, auf irgendeine Weise in die Tiefen der Geheimnisse des menschlichen Körpers zu blicken. Das alles ist zweifellos sehr interessant, und man kann das alles nicht eindeutig nehmen und verwerfen, deshalb führe ich es hier auch an. Aber man muss daran denken, dass die Midraschim und die mystischen Auslegungen menschliche Versuche sind (wenn auch von sehr weisen Menschen), in den Sinn der Worte der Tora einzudringen. Zugleich sind die Elemente selbst – das Ohrläppchen und die beiden großen Finger und Zehen – Worte der heiligen Tora, und sie sind nicht zufällig, nicht zufällig hat der Höchste Mosche geboten, gerade diese Stellen zu wählen.

Weiter steht geschrieben: und du hast mit dem Blut den ganzen Altar übergossen. Das heißt, es geschieht ein Verwandtwerden, eine Verbindung des Kohen und des Altars. Der Altar ist auch der Tisch des Höchsten. Wieder geschieht eine „Verbrüderung“, eine Verbindung des Kohen und des Höchsten.

וְלָקַחְתָּ מִן־הַדָּם אֲשֶׁר עַל־הַמִּזְבֵּחַ וּמִשֶּׁמֶן הַמִּשְׁחָה וְהִזֵּיתָ עַל־אַהֲרֹן וְעַל־בְּגָדָיו וְעַל־בָּנָיו וְעַל־בִּגְדֵי בָנָיו אִתּוֹ וְקָדַשׁ הוּא וּבְגָדָיו וּבָנָיו וּבִגְדֵי בָנָיו אִתּוֹ׃

welakachtá min-haddám aschér al-hammisbéach umischémen hammischchá wehissetá al-aharón we'al-begadáw we'al-banáw we'al-bigdé wanáw ittó wekadásch hu uwgadáw uwanáw uwigdé wanáw ittó

21 Und du wirst vom Blut nehmen, das auf dem Altar ist, und vom Öl der Salbung, und du wirst Aharon und seine Kleider besprengen, und seine Söhne und die Kleider seiner Söhne mit ihm, und heilig wird er sein und seine Kleider, und seine Söhne und die Kleider der Söhne mit ihm.

Damit endet die Heiligung Aharons, seiner Söhne und seiner Kleider.

וְלָקַחְתָּ מִן־הָאַיִל הַחֵלֶב וְהָאַלְיָה וְאֶת־הַחֵלֶב הַמְכַסֶּה אֶת־הַקֶּרֶב וְאֵת יֹתֶרֶת הַכָּבֵד וְאֵת שְׁתֵּי הַכְּלָיֹת וְאֶת־הַחֵלֶב אֲשֶׁר עֲלֵהֶן וְאֵת שׁוֹק הַיָּמִין כִּי אֵיל מִלֻּאִים הוּא׃

welakachtá min-ha'ájil hachélew weha'aljá we'et-hachélew hamchassé et-hakkérew we'ét jotéret hakkawéd we'ét scheté hakkelajot we'et-hachélew aschér alehén we'ét schok hajamín ki el millu'ím hu

22 Und du wirst von dem Widder (dem schon geschlachteten) das innere Fett und das Schwanzfett nehmen, und von dem Fett, das die Eingeweide umgibt, und das Häutchen, das die Leber bedeckt, und die zwei Nieren und das Fett, das an ihnen ist, und den rechten hinteren Unterschenkel, denn er ist ein Widderchen der Bevollmächtigung (ein Widderchen der Füllung).

Hier wird das Zerlegen des Opfers schelamím, des Opfers der Versöhnung, der Versöhnung mit dem Höchsten, beschrieben. Es gibt verschiedene Arten von Opfern, die sich danach unterscheiden, auf welche Weise sie dargebracht werden und wie sie gegessen werden. Das Opfer schelamím essen drei Gruppen: der Altar (das, was auf dem Altar bleibt, isst, bedingt gesprochen, der Höchste, obwohl Er nicht isst), der Kohen, der die Opferung vollzieht, und der Besitzer des Opfers. Und auf diese Weise wird Frieden geschlossen. Dieses Mahl wird ein Mahl der Versöhnung sein.

Hier sagt der Höchste zu Mosche, jene Teile des Friedensopfers zu nehmen, die ursprünglich für den Höchsten bestimmt sind, zum Verbrennen auf dem Altar. Das ist das Fett und das Schwanzfett, und das Fett, das die Eingeweide bedeckt (ich habe schon darüber gesprochen, dass es verschiedene Bezeichnungen für Fett gibt, und hier sehen wir zwei – inneres Fett (chélew) und Schwanzfett (aljá)), und das oberflächliche Häutchen, das die Leber bedeckt, die zwei Nieren und das Nierenfett, und schok (das Wort, wäre wohl richtig zu übersetzen als Unterschenkel des rechten Beines). Und was muss man mit ihnen tun? Dazu muss man noch Brote zu ihnen hinzufügen:

וְכִכַּר לֶחֶם אַחַת וַחַלַּת לֶחֶם שֶׁמֶן אַחַת וְרָקִיק אֶחָד מִסַּל הַמַּצּוֹת אֲשֶׁר לִפְנֵי יְהוָה׃

wechikkár léchem achát wechallát léchem schémen achát werakík echád missál hammazzót aschér lifné adonáj

23 Und einen von den Fladen, und einen von den Öllaiben, und eines von den dünnen Broten aus dem Körbchen, die vor dem Höchsten sind

Wir haben schon über die drei Sorten von Broten gesprochen, die sich im Körbchen befinden. Das heißt, man muss jene Fleischstücke und die Brote aus dem Korb nehmen, die vor dem Höchsten sind. 

וְשַׂמְתָּ הַכֹּל עַל כַּפֵּי אַהֲרֹן וְעַל כַּפֵּי בָנָיו וְהֵנַפְתָּ אֹתָם תְּנוּפָה לִפְנֵי יְהוָה׃

wesamtá hakkól al kappé aharón we'ál kappé wanáw wehenaftá otám tenufá lifné adonáj

24 Und du hast das alles auf die Hände Aharons und auf die Hände seiner Söhne gelegt, und schwinge sie (schwenke sie mit Schwenken) vor dem Höchsten.

Hier wird das Wort tenufá verwendet – man kann sagen schwenken, im Wind wehen lassen, winken. Von derselben Wurzel kommt zum Beispiel das Wort menifá (Fächer). In unserem Fall ist das eine solche Art des Schwingens: nach oben, nach unten, nach rechts, nach links, alle zusammen, einander an den Händen gefasst. In diesem Fall werden das Mosche, Aharon und die Söhne sein, aber künftig, wenn Opfer dargebracht werden, bringt der Kohen seinen Teil und den Teil des Altars dar, der Besitzer – seinen Teil. Jeder, der seinen Teil hält, schwenkt ihn in der Luft: nach oben, nach unten, nach rechts, nach links, hebt das auf seinen Händen hoch. Das ist eine Art Brauch der Versöhnung. Und man stellt sich vor, dass der Höchste auf der anderen Seite uns an den Händen nimmt, und wir zusammen mit Ihm diesen Teil des Opfers schwingen, schwenken. Und dieser gemeinsame „Tanz“ beginnt den Prozess der Versöhnung zwischen uns. Wir bezeugen, dass zwischen uns Frieden geschlossen wird, dass wir von diesem Moment an beginnen, friedlich miteinander zu leben.

So erstaunlich es auch ist, ich denke, dass die meisten von uns einen solchen Vorgang nicht nur gesehen, sondern auch selbst daran teilgenommen haben. Wenn kleine Kinder einander am kleinen Finger nehmen und sagen (wenn das auf Russisch ist): „Vertrag dich, vertrag dich und prügle dich nicht mehr.“ Wenn das auf Hebräisch ist, sagen sie: „Schólem, schólem – le-olám, brógez, brógez (das ist ein Kinderwort) – af-pa'ám“ („Frieden, Frieden – für immer, Streit, Streit – niemals“). Und sie schaukeln dabei auch so die Finger nach allen Seiten. Das ist ein Abbild von Bräuchen der Versöhnung, die es auch bei sehr alten Völkern gibt, die sich aber heute hauptsächlich auf der Ebene der Kinder erhalten haben. Das ist ein sehr, sehr ähnlicher Brauch. Was er bedeutet, sieht man an der englischsprachigen Variante. Auf Russisch sagt man: „Wenn du dich prügelst, werde ich beißen“ oder noch etwas anderes (es gibt verschiedene Varianten defensiver Art). Auf Englisch sagt man: „Pinky swear, hope to die“ („Halten wir die kleinen Finger zusammen, oder willst du ohne ihn bleiben?“ – so ungefähr kann man es übersetzen). So schließen wir einen Vertrag. Wir schließen mit Dir einen Friedensvertrag, aber wenn von meiner Seite etwas schiefgeht, dann kann man mich „zerlegen“ wie dieses unglückliche, gesegnete Widderchen. Gesegnet – weil nicht jedes der Widderchen, die in der Herde umherlaufen, dieses historische Widderchen werden kann, das Urbild der Versöhnung zwischen Mensch und Gott.

וְלָקַחְתָּ אֹתָם מִיָּדָם וְהִקְטַרְתָּ הַמִּזְבֵּחָה עַל־הָעֹלָה לְרֵיחַ נִיחוֹחַ לִפְנֵי יְהוָה אִשֶּׁה הוּא לַיהוָה׃

welakachtá otám mijadám wehiktartá hammisbécha al-ha'olá leréach nichóach lifné adonáj isché hu ladonáj

25 Und du wirst das Fleisch und das Brot aus ihren Händen nehmen, und du wirst sie als Opfer auf dem Altar darbringen zum Ganzopfer, zum Duft des Wohlgefallens vor dem HERRN – das ist ein gebranntes (verbranntes) Opfer für den Höchsten.

Weiter, im 26. Vers, lesen wir die Fortsetzung dessen, was man mit dem Opfer tun soll. 

וְלָקַחְתָּ אֶת־הֶחָזֶה מֵאֵיל הַמִּלֻּאִים אֲשֶׁר לְאַהֲרֹן וְהֵנַפְתָּ אֹתוֹ תְּנוּפָה לִפְנֵי יְהוָה וְהָיָה לְךָ לְמָנָה׃

welakachtá et-hechasé me'él hammillu'ím aschér le'aharón wehenaftá otó tenufá lifné adonáj wehajá lechá lemaná

26 Und du nahmst das Bruststück von dem Widderchen der Versöhnung, das für Aharon bestimmt sein sollte, und schwinge auch es vor dem Höchsten, und das wird dein Anteil sein.

Gewöhnlich wissen wir, dass das Bruststück (chasé) und der rechte Unterschenkel (schok) jene Teile sind, die der Kohen vom Friedensopfer bekommt. (Wie ich schon gesagt habe, wird das Friedensopfer vom Altar, vom Kohen und vom Besitzer des Opfers „gegessen“). In diesem Fall bekommt Mosche das Bruststück, gleichsam indem er die Rolle des Kohen ausfüllt. Einige Kommentatoren sagen: „Hier erfüllt Mosche die Rolle des Priesters der Priester, er ist kohen ha-kohaním. So eine einmalige Funktion, die einmal im Leben vorkommt. Ein einziges Mal in der Geschichte der Menschheit.“ Andere sprechen davon, dass tatsächlich die Funktionen des Kohen während der Entstehung des Priestertums selbst, das heißt in jenem ersten und einzigen Mal, geteilt sind. Aharon ist das Gefäß, das geheiligt werden wird, Mosche ist das Licht, eine eigentümliche „Phiole“ mit Priestertum, die Aharon füllen wird. Mosche ist auf diese Weise das innere Wesen des Dienstes Aharons, ein Kohen nicht nach dem Fleisch, sondern nach seinem inneren Wesen, nach seiner Füllung. Und er nimmt für sich als seinen Teil des Opfers gerade das Bruststück. Nicht den zweiten Teil, der dem Priester zusteht und der schok (Unterschenkel) heißt. Darüber lesen wir weiter: 

וְקִדַּשְׁתָּ אֵת חֲזֵה הַתְּנוּפָה וְאֵת שׁוֹק הַתְּרוּמָה אֲשֶׁר הוּנַף וַאֲשֶׁר הוּרָם מֵאֵיל הַמִּלֻּאִים מֵאֲשֶׁר לְאַהֲרֹן וּמֵאֲשֶׁר לְבָנָיו׃

wekiddaschtá et chasé hattenufá we'ét schok hatterumá aschér hunáf wa'aschér hurám me'él hammillu'ím me'aschér le'aharón ume'aschér lewanáw

27 Und du wirst das Bruststück durch Schwenken heiligen, und den Unterschenkel, der eine Erhebung ist, der ebenfalls geschwungen werden wird, und alles, was von dem Widderchen der Versöhnung geopfert werden wird, für Aharon oder seine Söhne.

Das heißt, hier sagt der Höchste, dass nicht nur dieses Mal, sondern für alle Zeiten die Söhne Aharons und Aharon, solange er lebt, ihren Teil vom Opfer bekommen werden. Das Wort terumá (wir haben gesagt, das war der Name des vorigen Wochenabschnitts) – das, was erhoben wird, das, was als Opfer dargebracht wird, und die Kohanim werden chasé (Bruststück) und schok (Unterschenkel) vom Opfer für alle Zeiten bekommen.

וְהָיָה לְאַהֲרֹן וּלְבָנָיו לְחָק־עוֹלָם מֵאֵת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל כִּי תְרוּמָה הוּא וּתְרוּמָה יִהְיֶה מֵאֵת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מִזִּבְחֵי שַׁלְמֵיהֶם תְּרוּמָתָם לַיהוָה׃

wehajá le'aharón ulwanáw lechok-olám me'ét bené jisraél ki terumá hu utrumá jihjé me'ét bene-jisraél missiwché schalmehém terumatám ladonáj

28 Und das wird Aharon und seinen Söhnen ein ewiges Gesetz sein von den Söhnen Israels, denn das ist eine Erhebung, die Terumá des HERRN von den Söhnen Israels, ihre Opfer der Versöhnung, die Terumá der Spende für den HERRN.

Das heißt, der Höchste sagt hier: „Diese Teile werden als ewiges Gesetz für Aharon bestimmt sein, als Teil der Erhebung, die die Söhne Israels unter den Erhebungen für den HERRN erheben.“ Im Voraus ist klar, wie man das Widderchen aufteilt. 

וּבִגְדֵי הַקֹּדֶשׁ אֲשֶׁר לְאַהֲרֹן יִהְיוּ לְבָנָיו אַחֲרָיו לְמָשְׁחָה בָהֶם וּלְמַלֵּא־בָם אֶת־יָדָם׃

uwigdé hakkódesch aschér le'aharón jihjú lewanáw acharáw lemoschchá wahém ulmalle-wám et-jadám

29 Die heiligen Kleider aber, die Aharon hat, werden später seinen Söhnen gehören, zur Salbung für sie und zum Füllen ihrer Hände.

Das heißt, die nach Aharon folgenden Söhne, die Söhne der Söhne und die Urenkel wird man nicht gesondert salben müssen. Sondern die Kleidung selbst wird ihnen als Salbung und als Übertragung der Vollmachten dienen. Auf welche Weise wird das geschehen? 

שִׁבְעַת יָמִים יִלְבָּשָׁם הַכֹּהֵן תַּחְתָּיו מִבָּנָיו אֲשֶׁר יָבֹא אֶל־אֹהֶל מוֹעֵד לְשָׁרֵת בַּקֹּדֶשׁ׃

schiw'át jamím jilbaschám hakkohén tachtáw mibbanáw aschér jawó el-óhel mo'éd lescharét bakkódesch

30 Sieben Tage wird sie der Priester anziehen, der nach ihm aus seinen Söhnen sein wird, der in das Zelt der Begegnung kommen wird, um dem Heiligen zu dienen.

Das heißt, um geheiligt zu werden und um Kohen, Gesalbter und Bevollmächtigter zu werden, wird der Kohen der nächsten Generation nicht durch diese ganze Prozedur gehen müssen, aber er wird diese Kleidung sieben Tage lang anlegen müssen. So hat man zur Zeit des Tempels die Kohanim geübt, und sieben Tage vor dem Eintritt in den Tempel an Jom Kippur hatte er eine Art Proben.

Im 31. Vers kehren wir zu unseren Hammeln zurück:

וְאֵת אֵיל הַמִּלֻּאִים תִּקָּח וּבִשַּׁלְתָּ אֶת־בְּשָׂרוֹ בְּמָקֹם קָדֹשׁ׃

we'ét el hammillu'ím tikkách uwischaltá et-besaró bemakóm kadósch

31.Nimm dieses Widderchen der Füllung (die dir gehörenden Teile) und koche sein Fleisch an einem heiligen Ort.

וְאָכַל אַהֲרֹן וּבָנָיו אֶת־בְּשַׂר הָאַיִל וְאֶת־הַלֶּחֶם אֲשֶׁר בַּסָּל פֶּתַח אֹהֶל מוֹעֵד׃

we'achál aharón uwanáw et-besár ha'ájil we'et-halléchem aschér bassál pétach óhel mo'éd

32 Und Aharon und seine Söhne werden das Fleisch dieses Widderchens essen und das Brot, das im Korb ist, am Eingang des Zeltes der Begegnung (drinnen, im Hof).

 Das heißt, weil das heilige Speise ist, darf man sie nicht in einem Döschen mit nach Hause nehmen und zu Hause in der Mikrowelle aufwärmen. Nein, man muss sie im inneren Hof essen.

וְאָכְלוּ אֹתָם אֲשֶׁר כֻּפַּר בָּהֶם לְמַלֵּא אֶת־יָדָם לְקַדֵּשׁ אֹתָם וְזָר לֹא־יֹאכַל כִּי־קֹדֶשׁ הֵם׃

we'achelú otám aschér kuppár bahém lemallé et-jadám lekaddésch otám wesár lo-jochál ki-kódesch hem

33 Und sie werden das alles essen, was zur Sühne dargebracht wurde bei ihrer Weihe und ihrer Heiligung, ein Fremder aber wird das nicht essen, denn sie sind ein Heiligtum.

וְאִם־יִוָּתֵר מִבְּשַׂר הַמִּלֻּאִים וּמִן־הַלֶּחֶם עַד־הַבֹּקֶר וְשָׂרַפְתָּ אֶת־הַנּוֹתָר בָּאֵשׁ לֹא יֵאָכֵל כִּי־קֹדֶשׁ הוּא׃

we'im-jiwwatér mibbesár hammillu'ím umin-halléchem ad-habbóker wesaraftá et-hannotár ba'ésch lo je'achél ki-kódesch hu

34 Wenn aber vom Fleisch des füllenden (versöhnenden) Lammes und vom Brot bis zum Morgen etwas übrig bleibt, dann wirst du alles Übriggebliebene im Feuer verbrennen, und es wird nicht gegessen werden, denn es ist heilig.

Heilige Speise isst man weder kalt noch aufgewärmt, und man kann sie nicht mit allen teilen.

וְעָשִׂיתָ לְאַהֲרֹן וּלְבָנָיו כָּכָה כְּכֹל אֲשֶׁר־צִוִּיתִי אֹתָכָה שִׁבְעַת יָמִים תְּמַלֵּא יָדָם׃

we'assíta le'aharón ulwanáw kácha kechól ascher-ziwwíti otácha schiw'át jamím temallé jadám

35 Und du wirst Aharon und seinen Söhnen so tun, wie Ich dir geboten habe: Sieben Tage wirst du ihn bevollmächtigen.

 Das heißt, ein solches Verfahren, das wir hier und im vorigen Abschnitt gelesen haben, wird man 7 Tage lang durchführen und wiederholen müssen.

Außerdem muss noch der Altar vorbereitet werden, und in Vers 36 lesen wir von der Vorbereitung des Altars:

וּפַר חַטָּאת תַּעֲשֶׂה לַיּוֹם עַל־הַכִּפֻּרִים וְחִטֵּאתָ עַל־הַמִּזְבֵּחַ בְּכַפֶּרְךָ עָלָיו וּמָשַׁחְתָּ אֹתוֹ לְקַדְּשׁוֹ׃

ufár chattát ta'assé lajom al-hakkippurím wechittetá al-hammisbéach bechapperchá aláw umaschachtá otó lekaddeschó

36 Und einen Stier für die Sünde bereite über die Sühneopfer hinaus, und du wirst den Altar reinigen, indem du ihn besprengst (reinigst), und du wirst ihn mit Öl salben zu seiner Heiligung.

Achtet auf eine interessante Übereinstimmung, auf einen interessanten Zusammenhang. Die Wörter chattát (Opfer für die Sünde) und chittetá (reinigte, sterilisierte), im heutigen Hebräisch – chittúj (Sterilisierung, vollständige Reinigung), werden ganz gleich geschrieben. Chet (Sünde) und lechatté (reinigen, sterilisieren) – das sind nahe, im Grunde wurzelgleiche Wörter.

Auch der Altar wird mit Öl gesalbt, wie wir auch schon früher darüber gesprochen haben.

שִׁבְעַת יָמִים תְּכַפֵּר עַל־הַמִּזְבֵּחַ וְקִדַּשְׁתָּ אֹתוֹ וְהָיָה הַמִּזְבֵּחַ קֹדֶשׁ קָדָשִׁים כָּל־הַנֹּגֵעַ בַּמִּזְבֵּחַ יִקְדָּשׁ׃

schiw'át jamím techappér al-hammisbéach wekiddaschtá otó wehajá hammisbéach kódesch kodaschím kol-hannogéa bammisbéach jikdásch

37 Sieben Tage sühne den Altar, und du wirst ihn heiligen, und der Altar wird ein Allerheiligstes sein: Jeder, der den Altar berührt, wird geheiligt werden.

 Wovon kann man den Altar sühnen? Was hat denn der Altar getan? Und wozu braucht er Sühne, wenn er überhaupt unbeseelt ist? Es geht darum, dass möglicherweise etwas für ihn gespendet wurde, das auf unehrliche Weise erworben wurde. Vielleicht hat jemand gestohlenes Altmetall gegeben oder ein falsches Holzstückchen gebracht. Kurz, damit dieser Altar rein ist, muss man alle Verfahren ausführen. Deshalb wird er sieben Tage lang geheiligt. Also: Sieben Tage wirst du die Sühnung des Altars vollziehen.

Und dieser Altar wird superheilig sein. Im Original steht kódesch kodaschím, aber das hat nichts mit dem Allerheiligsten zu tun. Hier ist kódesch – heilig, aufhellendIm Russischen steht hier ein Wort, das „aufhellend“ bedeutet; gemeint ist vermutlich „heiligend“. Es ist wörtlich übersetzt., und heilig machend. Warum so? Weil weiter geschrieben steht kol-hannogéa bammisbéach jikdásch (jeder, der den Altar berührt, wird geheiligt werden). Eine erstaunliche Eigenschaft ist an einem Gegenstand aufgetreten – alles zu heiligen, was ihn berührt. Und davon wird in der Tora noch viel die Rede sein.

Heiliger Alltag

Schemot 29,38–46

 In den vorigen Kapiteln, in den vorigen Gesprächen haben wir über die Einrichtung des Zeltes der Begegnung, des Altars und über die Weihe der Kohanim gesprochen – Aharons und seiner Söhne. In diesem unserem Abschnitt werden wir über die anfänglichen Pflichten der Kohanim sprechen, darüber, wozu sie zu Kohanim geweiht werden, welche Pflichten, die mit dem Opferdienst verbunden sind, sie haben werden. Also, wir lesen ab Vers 38 von Kapitel 29.


וְזֶה אֲשֶׁר תַּעֲשֶׂה עַל־הַמִּזְבֵּחַ כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה שְׁנַיִם לַיּוֹם תָּמִיד׃

wesé aschér ta'assé al-hammisbéach kewassím bene-schaná schenájim lajom tamíd

38 Das ist das, was du auf dem Altar tun wirst: einjährige Widder, man muss sie darbringen, zwei am Tag, beständig.

 Wenn wir auf Hebräisch über das Alter sprechen und sagen wollen, dass ein Mensch zum Beispiel sechsundzwanzig Jahre alt ist, sagen wir, dass er Sohn von sechsundzwanzig ist – ben esrím weschésch. Ein einjähriger Widder aber ist ein Sohn des Jahres. Deshalb, wenn wir kewassím bene-schaná (Widder – Söhne des Jahres) lesen, dann sind das einjährige Widder. Das heißt, am Tag wird man zwei einjährige Widder darbringen müssen, täglich.

אֶת־הַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד תַּעֲשֶׂה בַבֹּקֶר וְאֵת הַכֶּבֶשׂ הַשֵּׁנִי תַּעֲשֶׂה בֵּין הָעַרְבָּיִם׃

et-hakkéwes ha'echád ta'assé wabbóker we'ét hakkéwes haschení ta'assé ben ha'arbajim

39 Den ersten Widder bringe am Morgen als Opfer dar, den zweiten Widder aber bereite zwischen den Abenden.

Das bedeutet, dass die Priester kurz vor dem Morgengrauen den Widder schlachteten, und mit dem Morgengrauen musste man ihn zerlegen, schon auf den Altar bringen. Das heißt, wenn das Schlachten in der Sommerzeit stattfand, begann es um vier Uhr dreißig – fünf Uhr morgens. Keine einfache Arbeit: Die Priester zerlegten das Fleisch im Tempel, auf dem Gelände des Tempels. Sie gingen barfuß, das ist auch noch etwas kalt, manchmal nasskalt. Kurz, die Arbeit begann in aller Frühe.

Zu dem Gebot, dass der zweite Widder zwischen den Abenden (oder in der Abenddämmerung) geschlachtet werden muss, gibt es eine sehr interessante Geschichte. Rabbi Akiwa sagte, dass das Gebot „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ das wichtigste Prinzip ist, die wichtigste allgemeine Regel der Tora. Außerdem waren zwei andere Meinungen darüber bekannt, welche Regel der Tora die wichtigste ist. Ben Asaj (ein Zeitgenosse Rabbi Akiwas) sagte, das Wichtigste sei hiné toldót adám, „siehe, das Erzeugnis des Menschen“, siehe das, was der Mensch hervorgebracht hat, welche Früchte er im Leben hat, was er tut, wie er die Welt verändert. Und ein anderer Gelehrter, der etwas später lebte, Schimon ben Pási, sagt, dass gerade dieser unser Vers: „der erste Widder früh am Morgen und der zweite Widder am Abend in der Dämmerung“ das wichtigste Prinzip der Tora ist. Was meint er damit? Eifer, Beständigkeit, Sorgfalt bei der Erfüllung der Gebote. Man kann in einem schönen Moment dem Höchsten tausende Widder opfern und für ein halbes Jahr Seine Existenz vergessen. Viel schwieriger ist es, täglich sorgfältig die Gebote der Tora zu erfüllen. Warum gingen die Meinungen der Weisen darüber auseinander, was in der Tora wichtiger ist? Im Grunde sind sowohl die Früchte des Menschen wichtig als auch die Beständigkeit und die Liebe (sie ist sicher das Wichtigste von allem). Jeder sprach von dem, was für ihn eine besondere Schwierigkeit darstellt, was gerade für ihn eine Herausforderung ist. Für manchen, für Rabbi Akiwa zum Beispiel, war es am schwersten, den Nächsten zu lieben. Jetzt kann man sich empören: „Wie wagst du es, so über Rabbi Akiwa zu reden?!“ Rabbi Akiwa sagt selbst so über sich. Und ich will nicht sagen, dass er den Nächsten weniger liebte als ich. Er sah darin eine Schwierigkeit, eine Schwierigkeit, die er erfolgreich überwand. Ben Asaj dachte: „Was werde ich nach mir hinterlassen, was wird nach mir bleiben, was wird nach mir sein?“ Das war sein größtes Problem. Und Schimon ben Pasi, Rabbi Schimon, dachte darüber nach, wie man die Sorgfalt bewahren, wie man die Disziplin im Einhalten der Tora bewahren könnte. Und er hob als das wichtigste Prinzip in der Tora hervor – den Widder am Morgen und den Widder am Abend.

In Vers 40 lesen wir, was noch nötig ist.


וְעִשָּׂרֹן סֹלֶת בָּלוּל בְּשֶׁמֶן כָּתִית רֶבַע הַהִין וְנֵסֶךְ רְבִעִית הַהִין יָיִן לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד׃

we'issarón sólet balúl beschémen katít réwa hahín wenéssech rewi'ít hahín jájin lakkéwes ha'echád

40 Den zehnten Teil einer Efa grob gemahlenen Mehls, das mit einem Viertel Hin Olivenöl verdünnt ist, und ein Viertel Hin Wein zu jedem Widder.

Sólet – das ist das, was auf Italienisch Durum genannt wird, Mehl von grobem Mahlgrad, das man in Italien zur Herstellung von Pasta und Pizza verwendet, Mehl von höchster Qualität. Man kann es ins Russische als Grieß übersetzen, als etwas, das dem Grießmehl ähnlich ist. Den zehnten Teil wovon muss man nehmen? Den zehnten Teil von einer Efa, von einem Maß, das zweiundzwanzig Liter beträgt. Somit ist issarón 2,2 Liter Grieß.

In diesem Fall darf das Olivenöl „gestoßen“ sein, es darf aus der zweiten Pressung sein. Und von diesem Öl muss man réwa hahín (ein Viertel Hin) nehmen. Noch eine Maßeinheit – hin. Das ist ein Maß von 3,6–3,9 Litern. Und dementsprechend ist ein Viertel Hin etwa 0,8 Liter. Es ergibt sich, dass man 2,2 Liter Grieß mit fast einem Liter Olivenöl vermischen muss. Die Menge Wein soll rewi'ít hahín (der vierte Teil eines Hin) sein, in diesem Fall etwa 0,9 Liter.


וְאֵת הַכֶּבֶשׂ הַשֵּׁנִי תַּעֲשֶׂה בֵּין הָעַרְבָּיִם כְּמִנְחַת הַבֹּקֶר וּכְנִסְכָּהּ תַּעֲשֶׂה־לָּהּ לְרֵיחַ נִיחֹחַ אִשֶּׁה לַיהוָה׃

we'ét hakkéwes haschení ta'assé ben ha'arbájim keminchát habbóker uchniská ta'asse-lá leréach nichóach isché ladonáj

41 Den zweiten Widder aber bereite zwischen den Abenden, wie auch bei der morgendlichen Darbringung, mit allem, was zusammen mit der morgendlichen dargebracht wurde, bereite ihn zum erfreuenden Duft, ein Feueropfer für den Höchsten.


עֹלַת תָּמִיד לְדֹרֹתֵיכֶם פֶּתַח אֹהֶל־מוֹעֵד לִפְנֵי יְהוָה אֲשֶׁר אִוָּעֵד לָכֶם שָׁמָּה לְדַבֵּר אֵלֶיךָ שָׁם׃

olát tamíd ledorotechém pétach ohel-mo'éd lifné adonáj aschér iwwa'éd lachém schámma ledabbér elécha scham

42 Das ist ein ewiges Ganzopfer für eure Generationen, am Eingang zum Zelt der Begegnung, vor dem HERRN, dort, wo Ich mit euch verkehren und dort mit dir reden werde.


וְנֹעַדְתִּי שָׁמָּה לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל וְנִקְדַּשׁ בִּכְבֹדִי׃

weno'adtí schámma liwné jisraél wenikdásch bichwodí

43 Und Ich werde ihnen dort begegnen, den Söhnen Israels, und sie werden geheiligt werden durch Meine Herrlichkeit.

Das heißt, durch das Schauen der Gegenwart der Herrlichkeit des Höchsten wird auch das Volk Israel geheiligt werden. Zuerst wurden die Kohanim geheiligt. Sie bringen das Opfer dar, das der Höchste geboten hat. Dadurch begegnet der Höchste den Kohanim im ohel-mo'éd (im Zelt der Begegnung). Und am Eingang des ohel-mo'éd können die Israeliten dem Höchsten begegnen und durch Seine Herrlichkeit geheiligt werden.


וְקִדַּשְׁתִּי אֶת־אֹהֶל מוֹעֵד וְאֶת־הַמִּזְבֵּחַ וְאֶת־אַהֲרֹן וְאֶת־בָּנָיו אֲקַדֵּשׁ לְכַהֵן לִי׃

 wekiddaschtí et-ohel mo'éd we'et-hammisbéach we'et- aharón we'et-banáw akaddésch lechahén li

44 Und Ich werde das Zelt der Begegnung heiligen und den Altar, und Aharon und seine Söhne werde Ich heiligen, Mir zum Priestertum.

Zuerst gebietet der Höchste Mosche, alles Nötige für die Heiligung Aharons zu tun, mit den Worten an ihn: „Und sie werden geheiligt werden.“ Aber diese Heiligkeit, sie ist wie eine Vertretung des Volkes Israel, das heißt, sie werden sich vom Volk absondern, man wird sie gleichsam vor das Volk stellen, in seinem Namen. Und weiter sagt der Höchste: „Ich werde sie heiligen, Ich werde sie zu Mir nehmen, in Mein Priestertum, und sie werden Mir Priester sein.“ Und wenn wir einen Gesandten im Himmel in der Person des Priesters haben, wird durch diese Verbindung das geschehen, was weiter beschrieben ist:


וְשָׁכַנְתִּי בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְהָיִיתִי לָהֶם לֵאלֹהִים׃

weschachantí betóch bené jisraél wehajíti lahém lelohim

45 Und Ich werde wohnen (Ich werde Nachbar sein, Ich werde Einer der Bewohner sein) inmitten der Söhne Israels, und Ich werde ihnen Gott sein.

 Das heißt: „Ich werde unter den Söhnen Israels wohnen, Ich werde ihnen Gott sein, Ich werde ihnen das Maß des Gerichts sein, Ich werde ihr innerer Richter sein, ihr Kompass in allen Taten, Ich werde Das sein, was sie in allen Lebenssituationen lenkt. Und wenn dieser ganze beschriebene, dieser erstaunliche Mechanismus zu arbeiten beginnt, dann:


וְיָדְעוּ כִּי אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיהֶם אֲשֶׁר הוֹצֵאתִי אֹתָם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לְשָׁכְנִי בְתוֹכָם אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיהֶם׃

wejade'ú ki aní adonáj elohehém aschér hozéti otám me'érez mizrájim leschochní wetochám aní adonáj elohehém

46 Und sie werden erkennen, dass Ich der HERR bin, ihr Gott, Der sie aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, um in ihnen zu wohnen. Ich bin der HERR, euer Gott.

Hier sagt der Höchste: „Ich habe sie aus Ägypten herausgeführt, damit sie Mir ein Haus seien, damit Ich unter ihnen wohne“.

Damit endet unser Abschnitt. Er ist ganz klein, aber historisch, sehr wichtig und bedeutsam. Der Höchste sagt, dass, wenn die Kohanim das beständige Opfer darbringen werden (das Opfern im Tempel beständig vollzogen werden wird), Er, der HERR, den Altar heiligen und die Kohanim heiligen und sie zu Sich nehmen wird, das heißt, Er wird von Seiner, der himmlischen Seite aus den Bau des Aufzugs „Erde–Himmel“ oder der Brücke „Erde–Himmel“ vollenden, und dadurch wird durch Seine Herrlichkeit das ganze Volk Israel geheiligt werden. Und der HERR wird im Volk Israel wohnen, wird die Grundlage für jedes innere Gericht sein, wird das Volk und jeden aus dem Volk leiten. Jeder wird geheiligt werden und wird diese Heiligkeit bewahren und wird daran denken, dass es der HERR ist, der das Volk herausgeführt hat – uns herausgeführt hat, mich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, um in mir zu wohnen, um in meinem Inneren zu wohnen. Denn Er ist der HERR. Das ist die Bedeutung des heutigen Abschnitts.

Ach ja! Fast vergessen

Schemot 30,1–10

וְעָשִׂיתָ מִזְבֵּחַ מִקְטַר קְטֹרֶת עֲצֵי שִׁטִּים תַּעֲשֶׂה אֹתוֹ׃

we'assíta misbéach miktár ketóret azé schittím ta'assé otó

1 Und du wirst einen Altar zum Räuchern von Wohlgerüchen machen, aus Akazie mache ihn.

Die Wurzel kuf-tet-resch – von ihr stammt das Wort ketóret (Räuchern oder Räuchern von Wohlgerüchen). Dieses Wort kann einfach qualmen oder sogar einfach murren bedeuten. Mekatér – das ist ein Mensch, der murrt und sich über alles beklagt, bildlich gesprochen „qualmt“. Die Eisenbahnlokomotive, die man heute nicht mehr baut und die fuhr und vor dem Zug qualmte und eigentlich den ganzen Zug hinter sich herzog – das ist katár, von derselben Wurzel. Also, lekatér (Wohlgerüche räuchern) – das ist emporrauchen lassen, das Räuchern ist ein Emporrauchen. Der Höchste gebietet, einen Altar für die Räucherungen zu machen.

Das sieht erstaunlich aus, als ob der Höchste gesagt hätte: „Ach ja! Fast vergessen: Dort muss noch ein Räucheraltar sein!“ Denn die ganze Beschreibung aller Geräte, aller Gegenstände des Mischkan ist abgeschlossen, und plötzlich fügt der Höchste ganz am Ende die Notwendigkeit hinzu, noch einen Altar zu machen. Irgendwie fällt dieses Abschnittchen chronologisch nicht sehr logisch aus. Und selbstverständlich hat das nicht nur meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, das hat die Aufmerksamkeit vieler Kommentatoren auf sich gezogen, viele haben darüber nachgedacht. Ein interessanter Gedanke ist der (es gibt eine solche Überlieferung, ein solches Verständnis), dass der menschliche Körper Genuss von Essen, Trinken und vielen anderen Genüssen erhält, die Seele aber Genuss nur vom Geruch erhält. Als Chawa, unsere Urmutter, im Paradies auf den Baum schaute, nannte sie sowohl das Aussehen als auch die Farbe als auch den Geschmack. Den Geruch nannte sie nicht. Über den Geruch wurde nichts gesagt, und der Geruch wurde nicht beschädigt. Der Geruch, der Geruchssinn ist der einzige (nach der Überlieferung) unbeschädigte Sinn beim Menschen. Und der Geruch trägt uns hinüber, ist gleichsam eine Brücke, in eine andere Welt. Deshalb ist der Räucheraltar (ketóret) mit der Welt verbunden, in der der Mischkan schon vollendet ist, sein Bau schon abgeschlossen ist. Das heißt, ketóret kann von Menschen dargebracht werden, die in eine Welt getreten sind, in der das Seelische oder Geistige schon das Übergewicht über das Leibliche hat. Das ist ein solches Verständnis dieses Bruchs in der Chronologie. Ketóret ist die erhabenste aller Gaben, die ein Mensch darbringen kann.

Im 2. Vers lesen wir über diesen Altar:


אַמָּה אָרְכּוֹ וְאַמָּה רָחְבּוֹ רָבוּעַ יִהְיֶה וְאַמָּתַיִם קֹמָתוֹ מִמֶּנּוּ קַרְנֹתָיו׃

ammá orkó we'ammá rochbó rawúa jihjé we'ammatájim komató mimménu karnotáw

2 Eine Elle – seine Länge und eine Elle – seine Breite, quadratisch soll er sein, und zwei Ellen seine Höhe, und aus ihm selbst mache die Hörner.

Das heißt, das ist ein kleiner Altar, er ist aus Holz (Akazie) gemacht. Wir haben darüber gesprochen, dass die Worte aus ihm selbst mache die Hörner bedeuten, dass die Hörner nicht angedreht, nicht angeschraubt, nicht angeklebt werden, sondern aus einem ganzen Stück mit dem Altar gemacht werden.


וְצִפִּיתָ אֹתוֹ זָהָב טָהוֹר אֶת־גַּגּוֹ וְאֶת־קִירֹתָיו סָבִיב וְאֶת־קַרְנֹתָיו וְעָשִׂיתָ לּוֹ זֵר זָהָב סָבִיב׃

wezippitá otó saháw tahór et-gaggóDie russische Umschrift hat beim Wort für „sein Dach“ einen überzähligen Buchstaben am Anfang. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. we'et-kirotáw sawíw we'et-karnotáw we'assíta lo ser saháw sawíw

3 Und überziehe ihn mit reinem Gold: seinen Deckel und seine Wände ringsum und seine Hörner; und mache ihm ein goldenes Krönchen ringsum.

Da er dafür bestimmt ist, im Heiligen zu stehen und nicht im Vorhof, wird er natürlich nicht mehr mit Kupfer überzogen, sondern mit Gold. Und daraus, dass er mit Gold überzogen wird, verstehen wir, dass er ganz und gar nicht draußen stehen wird.


וּשְׁתֵּי טַבְּעֹת זָהָב תַּעֲשֶׂה־לּוֹ מִתַּחַת לְזֵרוֹ עַל שְׁתֵּי צַלְעֹתָיו תַּעֲשֶׂה עַל־שְׁנֵי צִדָּיו וְהָיָה לְבָתִּים לְבַדִּים לָשֵׂאת אֹתוֹ בָּהֵמָּה׃

uschté tabbe'ót saháw ta'asse-ló mittáchat leseróDie russische Umschrift hat beim Wort für „sein Kranz“ in der ersten Silbe einen anderen Vokal. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. al scheté zal'otáw ta'assé al-schené ziddáw wehajá lewattím lewaddím lassét otó bahémma

4 Und zwei Ringe aus Gold mache ihm, unter seinem Kranz (Krönchen), an zwei Ecken, an zwei Seiten. Und sie sollen für die Balken sein, die hineingesteckt werden, um ihn zu tragen.

Das heißt, das ist ein solcher kleiner Altar: 50x50 Zentimeter ist seine Größe im Grundriss und ein Meter seine Höhe. Er ist mit reinem Gold verkleidet, er hat zwei Ringe, durch sie werden zwei Balken gesteckt, die auch (wie wir lesen werden) mit Gold verkleidet sein werden. Und so wird man diesen Altar tragen.


וְעָשִׂיתָ אֶת־הַבַּדִּים עֲצֵי שִׁטִּים וְצִפִּיתָ אֹתָם זָהָב׃

we'assíta et-habbaddím azé schittím wezippitá otám saháw

5 Und du wirst Stangen aus Akazienholz machen und wirst sie mit Gold überziehen.

Alle Gegenstände des Heiligen werden mit Gold überzogen, darunter auch dieser Altar.


וְנָתַתָּה אֹתוֹ לִפְנֵי הַפָּרֹכֶת אֲשֶׁר עַל־אֲרֹן הָעֵדֻת לִפְנֵי הַכַּפֹּרֶת אֲשֶׁר עַל־הָעֵדֻת אֲשֶׁר אִוָּעֵד לְךָ שָׁמָּה׃

wenatattá otó lifné happaróchet aschér al-arón ha'edút

lifné hakkappóret aschér al-ha'edút aschér iwwa'éd lechá schámma

6 Und du wirst ihn vor den Vorhang stellen, der die Lade des Bundes bedeckt, gegenüber der Lade des Bundes selbst, wo Ich dir erscheinen werde.

Was bedeutet das? In Wirklichkeit bedeckt der Vorhang nicht nur die Lade des Bundes, er teilt den ganzen Mischkan. Aber gemeint ist: Stelle ihn an jener Stelle gegenüber der Lade des Bundes auf. Das heißt, dieser Altar wird an einen Ort gestellt, der kódesch (das Heilige) heißt, einige Ellen von der Lade des Bundes entfernt, aber zwischen ihnen gibt es einen trennenden Vorhang.


וְהִקְטִיר עָלָיו אַהֲרֹן קְטֹרֶת סַמִּים בַּבֹּקֶר בַּבֹּקֶר בְּהֵיטִיבוֹ אֶת־הַנֵּרֹת יַקְטִירֶנָּה׃

wehiktír aláw aharón ketóret sammím babbóker babbóker behetiwó et-hannerót jaktirénna

7 Und Aharon soll auf ihm gesammeltes Räucherwerk räuchern, am Morgen, am Morgen, wenn er die Lichter der Menora zurechtmacht, soll er sie räuchern.

Das heißt, bevor Aharon irgendeinen Dienst beginnt (der Kohen beginnt den Dienst früh, früh am Morgen), räuchert er vor allem das Räucherwerk.


וּבְהַעֲלֹת אַהֲרֹן אֶת־הַנֵּרֹת בֵּין הָעֲרְבַּיִם יַקְטִירֶנָּה קְטֹרֶת תָּמִיד לִפְנֵי יְהוָה לְדֹרֹתֵיכֶם׃

uwha'alót aharón et-hannerót ben ha'arbájim jaktirénna ketóret tamíd lifné adonáj ledorotechém

8 Und wenn Aharon die Lichter in der Abenddämmerung herrichtet, soll er ewiges Räucherwerk vor dem HERRN räuchern, in euren Generationen.

Tatsächlich bestand die Tradition des Räucherns während des ganzen Bestehens des Tempels. Unter den Kohanim entstand diese Tradition aufgrund des Verständnisses des 33. Kapitels des Buches Dewarim, des letzten Kapitels der Tora, wo Jaakow Lewi segnet. Und er sagt dort so (Dewarim 33,10): „Er (Lewi und seine Nachkommen) soll Jaakow Deine Gesetze lehren, Israel Deine Lehre. Er soll vor Dir das Räuchern vollziehen, das Ganzopfer auf Deinem Altar. Segne, HERR, seine Kraft, habe Wohlgefallen am Werk seiner Hände.“

Unter den Kohanim gab es das Verständnis, dass das Darbringen des Opfers ketóret (das Darbringen der Räucherungen) den Kohen reich macht: Wer von den Kohanim gewürdigt wurde, ein solches Opfer darzubringen, der wird unbedingt reich werden (so eine „Wohlstandsdoktrin“). Deshalb war das Räucheropfer eines der Opfer, die man durch das Los darbrachte. Einem Kohen fiel es einmal im Leben zu, ein solches Opfer darzubringen. Und das war für ihn wichtig, weil davon das Gedeihen (der Wohlstand) seiner Familie abhing. Außer natürlich dem Aspekt, dass er vor dem Höchsten steht und zum ersten (einzigen Mal im Leben) in das Heilige eintritt, um dort mit dem Räuchern zu dienen. Dieses Los nahm man sehr ernst. Wir lesen, dass Zacharias hineinging, um zu dienen, denn es fiel ihm durch das Los zu (Lukas 1,8–9).

Das Los wurde unter allen Kohanim durchgeführt. Wie geschah das? Die Kohanim teilten sich, kann man sagen, in Gruppen, in Reihen. Wenn es einem zufiel, am Morgen das Opfer darzubringen, dann gab er dem neben ihm Stehenden das Recht, am Abend das Opfer darzubringen. Es gab sehr viele Kohanim, bei weitem nicht jeder von ihnen wurde einer solchen Möglichkeit gewürdigt – ein Opfer darzubringen. Viele Kohanim empfingen gerade während des Darbringens des Räucheropfers Offenbarungen, darüber gibt es viele Geschichten. Deshalb ist verständlich, dass es viele gab, die dieses Opfer darbringen wollten. Und dieses Opfer ist tatsächlich in den Generationen geblieben.


לֹא־תַעֲלוּ עָלָיו קְטֹרֶת זָרָה וְעֹלָה וּמִנְחָה וְנֵסֶךְ לֹא תִסְּכוּ עָלָיו׃

lo-ta'alú aláw ketóret sará we'olá uminchá wenéssech lo tissechú aláw

9 Und kein anderes Räucherwerk soll man auf ihm darbringen: weder Ganzopfer noch irgendwelche Gaben, und Wein soll man nicht auf ihn gießen.

Das heißt, der Höchste wird die Zusammensetzung eines konkreten Räucherwerks geben, und kein anderes Räucherwerk (nach irgendwelchen anderen, besonderen Rezepten) darf man auf diesem Altar darbringen. Auch rund um dieses wird es viele Fachleute geben, die jede Komponente, jede Zutat dieses Räucherwerks kennen und auf die Richtigkeit der Zusammensetzung achten werden. Und auch damit sind viele interessante Geschichten verbunden.

Das heißt, das ist ein besonderer Altar, der eigens für eine einzige außergewöhnliche Art von Opferdarbringung gemacht ist – für Räucherungen. Nichts anderes darf man auf ihm darbringen. Man kann nicht sagen: „Ach, bringen wir einmal ein Brotopfer auf ihm dar! Was macht es für den Höchsten für einen Unterschied, durch welches Tor dieses Opfer zu Ihm eintritt.“ Nein, der Höchste sagt: „Dieser Altar ist ausschließlich für das Darbringen von Räucheropfern.“


וְכִפֶּר אַהֲרֹן עַל־קַרְנֹתָיו אַחַת בַּשָּׁנָה מִדַּם חַטַּאת הַכִּפֻּרִים אַחַת בַּשָּׁנָה יְכַפֵּר עָלָיו לְדֹרֹתֵיכֶם קֹדֶשׁ־קָדָשִׁים הוּא לַיהוָה׃

wechippér aharón al-karnotáw achát baschaná middám chattát hakkippurím achát baschaná jechappér aláw ledorotechém kodesch-kadaschím hu ladonáj

10 Und Aharon soll die Sühnung seiner Hörner einmal im Jahr vollziehen, vom Blut des Opfers für die Sünde, das am Tag der Sühnung sein wird; einmal im Jahr soll er ihn entsühnen, in all euren Generationen; mit Heiligung geheiligt ist er für den HERRN.

Mit Heiligung geheiligt (kodesch-kodaschím) – gemeint ist, dass er mit einer bestimmten Aussonderung ausgesondert ist, für eine bestimmte Heiligung geheiligt ist. Wie wir schon gesagt haben, ist dieser Altar abgesondert, er ist heilig für das Opfer der Ketóret, für das Räuchern. In diesem Fall bedeutet das Wort kódesch eben geweiht. Nicht immer hat das mit Heiligkeit zu tun. Nach unserem Verständnis wird auch eine Frau, wenn sie heiratet, ihrem Mann geweiht. Sie ist mukdéschet – dem Mann geweiht, abgesondert. Das heißt nicht, dass sie heilig wird, das heißt, dass sie die Frau eines Mannes wird. Wenn sie Gottes wird, wird sie auch heilig. Wenn ihr einen emaillierten Topf habt, in dem ihr leicht gesalzene Gurken macht (und nur leicht gesalzene Gurken!), wenn ihr beschlossen habt, nichts anderes mehr darin zu machen, dann ist dieser Topf den leicht gesalzenen Gurken geweiht. Genau so ist der Altar dem Räucheropfer geweiht. Nun, selbstverständlich, da er sich im Heiligen befindet und für das Heilige ausgesondert ist, ist er auch heilig für den Höchsten. Aber im Rahmen dieser Heiligkeit können wir nicht sagen: „Nun, das Brotopfer ist auch heilig, also bringen wir das Brotopfer auf ihm dar.“ Nein, er ist für einen ganz konkreten, bestimmten Zweck ausgesondert. Und dieser Zweck ist das Räucheropfer, nichts anderes.

Tora in 5 Minuten

Beginnend mit dem Wochenabschnitt Jitro lesen wir davon, wie der Höchste die Beziehung zum Volk Israel herstellt. Im Wochenabschnitt Jitro selbst haben wir vom Schließen des Bundes gelesen, von der Gabe der Tora, man kann sagen, von der Hochzeit zwischen Israel und dem Höchsten. Das war eine erstaunliche Hochzeit: mit Blitzen, Donner, Posaunenklängen. So, dass es allen Anwesenden angesichts der Gewaltigkeit dieses Ereignisses angst wurde. Und Israel wurde während dieser Hochzeit auf eine sehr hohe Stufe der Heiligkeit gehoben. Deshalb haben wir gleich danach davon gelesen, wie der Höchste das Volk anleitet, mit dieser Heiligkeit zu leben. Das war der Wochenabschnitt Mischpatim, der davon erzählte, wie man Heiligkeit im Alltag zeigt, Tag für Tag, wie ein heiliges Volk sein soll. Und dort gab es eine Menge kleinster Einzelheiten des ganz, ganz alltäglichen menschlichen Lebens.

Danach begann das Volk Israel den Bau des Mischkan – des Ortes der Begegnung Israels und des Höchsten. Man kann sagen, wenn man sich auf jene Metapher der Hochzeit stützt, die wir angenommen haben, dass das ein Haus für das junge Paar ist – für Israel und den Höchsten, ein Ort, an dem Israel dem Höchsten begegnen wird. Dieser Bau ist in kleinsten Einzelheiten und in kleinsten Details beschrieben. Wir haben das Zusammenwirken gesehen, die Einheit, die das Volk beim Bau des Mischkan gezeigt hat. Das war ein erstaunliches Ereignis. Und wieder stieg Israel auf eine hohe Stufe der Heiligkeit. Der Mischkan wurde zu einer Art Leiter der Heiligkeit für das jüdische Volk.

Im Wochenabschnitt Tezawe lesen wir von den letzten Pinselstrichen, von der Kleidung der Kohanim, von der Vorbereitung derer, durch die diese Begegnung stattfinden wird – die Begegnung Israels und des Höchsten. Und als wir von all dem erfahren haben, beginnen wir wieder vom Alltagsleben zu lesen. Was wird denn in diesem Haus geschehen, in dem Israel und der Höchste wohnen? In Kapitel 29, in Vers 38, lesen wir: „Und dies ist es, was du auf dem Altar darbringen sollst: zwei einjährige Lämmer für den Tag, beständig. Das eine Lamm bringe am Morgen dar, und das andere Lamm bringe in der Abenddämmerung dar“. Es gibt eine ausführliche Beschreibung dessen, wie genau man diese Lämmer darbringen muss, aber gerade damit beginnt der Höchste die Beschreibung des Dienstes. Dieses ganze gewaltige historische Vorwort einer prachtvollen Hochzeit mit ausführlichen Anweisungen, mit dem Bau des wunderbaren Zeltes der Begegnung, damit zwei Lämmer dargebracht werden: eines am Morgen, eines am Abend.

Und das ist es, was in unserem Dienst oft geschieht. Es ist leicht, irgendwelche großartigen Dinge zu tun, es ist leicht, irgendwelche großartigen Veranstaltungen durchzuführen. Viel schwieriger ist es, in der Beständigkeit zu bleiben. Die Beziehung des Bundes erfordert Beständigkeit: Das eine Lamm bringe am Morgen dar, und das andere Lamm bringe in der Abenddämmerung dar. Das ist gut in der Beziehung zum Höchsten zu tun, wenn wir uns nicht nur zu großen Taten aufmachen, sondern auch jeden Tag, wie die Tora sagt, beim Niederlegen und beim Aufstehen denken: „Was haben wir für den Höchsten getan?“, uns bemühen, etwas für den Höchsten zu tun.

Dasselbe ist auch im Familienleben gut, in unserem Alltagsleben. Natürlich ist es gut, der Ehefrau teure Geschenke zu machen oder etwas Großes und Bedeutendes in der Familie zu tun. Aber manchmal muss man den Müll hinaustragen, Kartoffeln schälen, die Frau einfach umarmen, küssen, ihr zuhören. Auch im alltäglichen Familienleben braucht es ein Lamm am Morgen und ein Lamm am Abend. Das ist die Grundlage für die Beziehung zu Gott. Das ist auch das Fundament für eine gute Beziehung zur Ehefrau. Wenn wir so handeln, werden wir den Bund bewahren.

Die Kleidung des Kohen und die Waffenrüstung Gottes

Aus unserem Wochenabschnitt wissen wir, dass der Kohen acht Gewänder hat, die von den Weisen in sieben verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Hier muss man anmerken, dass die jüdische kabbalistische Tradition die Welt überhaupt in sieben verschiedene Schichten geteilt sieht, in sieben Ebenen des Seins.

Wenn wir einen kleinen historischen Exkurs machen, erinnern wir uns, dass Awraham (gesegneten Andenkens, unser Stammvater) seinerzeit die Söhne der Nebenfrauen weit von sich fortschickte und ihnen gewisse Geschenke gab. Darüber, was das für Geschenke waren, gibt es viele verschiedene Meinungen. Die einen sagen: „Er gab ihnen Geld.“ Andere sagen, dass er ihnen den unreinen Teil des mystischen (esoterischen) Wissens gab, das heißt des Wissens über die unreine Welt. Nicht dazu, dass sie unrein würden, ganz und gar nicht dazu. (So wie ein heutiger Virologe Viren erforscht, hauptsächlich nicht, um Viren zu erschaffen, sondern um den Viren entgegenzuwirken). Awraham, der wusste, dass jene seiner Söhne, seine Nachkommen, die weit von ihm fortgeschickt würden, ständig mit der Welt der unreinen Mächte, der Dämonen, der Geister, der Geister der Verstorbenen und so weiter zusammenstoßen würden, rüstete sie mit einem besonderen Wissen aus, wie man mit diesen Mächten fertig wird. Er lehrte sie viele Fragen der Weltordnung, damit sie in der materiellen Welt bestehen konnten. Darin liegt keinerlei Verachtung. Vorerst gab Awraham alles Jizchak. Aber wir glauben, dass die ganze Menschheit gesammelt werden wird, und der HERR sagt, dass jedes Knie sich vor Ihm beugen wird. Das heißt, es gibt heute keine minderwertigen und hochwertigen Völker, und Gott will, dass alle Völker Ihn anbeten. Aber damals, vorerst, waren die Nachkommen Awrahams, sagen wir so, unter gewissen Treibhausbedingungen. Die anderen Kinder Awrahams wurden weit weg von Jizchak geschickt, damit Jizchak in Gerechtigkeit heranwachsen konnte. Und jene erhielten Geschenke der Unreinheit. Daher kommt sehr viel Wissen, das sich in Indien, in Tibet und so weiter erhalten hat. Dieses Wissen hat sich nach der jüdischen Tradition (wir sprechen jetzt nicht über die Position der Wissenschaft, wir sprechen über die Tradition) bei diesen Völkern aus dem erhalten, was Awraham übergeben worden war. Und daher entstand bei den alten Völkern, in Indien, ein solcher Begriff wie das schreckliche Sanskritwort Chákra. Chakra oder Energiezentrum des Menschen, Rad – auf Indisch, auf Sanskrit. Einfach „Rad“, das heißt, schon nicht mehr so schrecklich.

Auch die Gewänder der Kohanim werden nach der jüdischen Tradition mit den sieben Schichten der Schöpfung verglichen, mit sieben Zentren der Wirklichkeit, und jede Schicht wirkt auf ihre eigene Weise. Im Epheserbrief (6,11–17) spricht Paulus ebenfalls von sieben Gewändern. Erinnern wir uns, dass der Kohen acht Gewänder hatte, aber me'íl (Mantel) und któnet (Hemd) werden zu einem zusammengefasst – das Obergewand. Und deshalb kann man von sieben Gewändern sprechen. Paulus nennt ebenfalls sieben Gewänder der Treue: den Gürtel der Wahrheit, den Panzer der Gerechtigkeit, die Schuhe – die Bereitschaft, die gute Botschaft zu verkünden, den Schild des Glaubens, das Schwert – das Wort Gottes, den Helm des Heils und das Gebet. Und wir werden versuchen, die Gewänder der Kohanim durchzugehen und zu verstehen, wozu sie so sind, was sie konkret bewirken, und uns dementsprechend ein Bild von dem Dresscode zu machen, von dem Paulus spricht, – von der militärischen Ausrüstung des Kriegers jenes Kampfes, zu dem wir alle berufen sind.

Aber wir beginnen in historischer Reihenfolge mit der Kleidung des Kohen, und jedes Element der Kleidung werden wir im Licht der jüdischen Tradition und im Licht der Beschreibung des Paulus betrachten, das heißt in der christlichen Tradition.

Das oberste Gewand des Menschen ist der geschnürte Kopfbund (Miznéfet), eine Art Abbild einer Kippa oder eines kleinen Turbans. Er befindet sich auf dem Scheitel des Kohen – der, man kann sagen, wichtigsten, höchsten Stelle am Körper des Menschen.

Machen wir wieder eine kleine Abschweifung. Der Talmud sagt, dass die Beschreibung der Gewänder des Kohen nicht umsonst unmittelbar auf die Beschreibung der Opfer folgt. Das ist so geschrieben, um uns zu lehren, dass die Gewänder der Kohanim ebenfalls sühnen, wie auch die Opfer. Indem der Kohen sich in diese Gewänder kleidet und sich demütigt, sich in einen Zustand versetzt, der diesen Gewändern entspricht, sühnt er irgendwelche seiner Eigenschaften und sühnt zugleich die Eigenschaften des ganzen Volkes. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass der Kohen Gadol nicht für sich allein in das Allerheiligste eintritt. Mit ihm tritt, bildlich gesprochen, notwendigerweise das ganze Volk ein. Geistlich tritt er für das ganze Volk ein. Im Tempel gibt es keine Person des Kohen, es gibt keinerlei private Elemente, er ist nicht für sich allein, er gehört sich nicht selbst. Er ist einerseits der Gesandte des Volkes vor dem Höchsten und andererseits der Gesandte des Höchsten vor dem Volk. In ihm begegnen sich Göttliches und Menschliches. Wenn er in das Allerheiligste eintritt, wird er zum Gottmenschen, als Vorbild Jeschuas, und das war für ihn möglich in Momenten der Erleuchtung und durch Gottes Gnade, dank dem Bestehen des Heiligtums. Und deshalb: Alles, was der Kohen sühnt, sühnt auch das Volk. Das ist die Antwort an viele unserer Gegner, die sagen: „Wie können durch die Gerechtigkeit eines Einzelnen viele gerettet werden?“ Nun, das Judentum selbst (der Traktat Sewachim des Talmud) sagt, dass die Gewänder der Kohanim sühnen. Das heißt, wenn der Kohen Gadol in das Allerheiligste eintritt, geschieht die Sühnung des Volkes durch die Gerechtigkeit, die ein einzelner, konkreter Kohen Gadol bei der Begegnung mit dem Schöpfer erlangt. Und nun werden wir jetzt die Kleidung betrachten und die Eigenschaften, die sie sühnt, nach dem Talmud (Traktat Sewachim, Blatt 88, Seite 2).

Das oberste Kleidungsstück ist, wie wir gesagt haben, die miznéfet – das ist der Scheitel. Nach dem Talmud sühnt sie solche Eigenschaften wie Stolz, Hochmut, Grobheit, Geringschätzung anderer. Der höchste Teil der Ausrüstung, die Paulus im Epheserbrief beschreibt, ist der Helm der Rettung. Warum ist die Rettung ein Helm? Warum ist die Rettung nicht der Panzer, nicht die Hose, sondern der Helm? Der Helm ist auf dem Kopf. Und die Rettung erhebt sich über uns wie die Feder über dem Hut eines Husaren. Das heißt, die Rettung ist unsere Hoffnung, unsere Zuversicht, unsere Fortsetzung in der kommenden Welt. Unser geistlicher Mensch, der sich viel höher als wir befindet, er ist schon ein geretteter Mensch und wohnt schon in der kommenden Welt. Und das Symbol dieses Wohnens befindet sich wie ein Helm über uns. Und da wir nicht durch eigene Gerechtigkeit gerettet werden, da wir an die Gnade des Höchsten glauben, indem wir unsere Rettung haben, steht die Rettung als Gegengewicht zum Stolz, als Gegengewicht zur Geringschätzung anderer Menschen. Denn wenn Gott uns Seine Liebe erwiesen und uns diese Rettung geschenkt hat, dann müssen wir uns zu anderen hinbewegen und sie retten, denn dieses Geschenk haben wir nicht durch unsere Schönheit verdient, nicht durch unseren Verstand, nicht, Gott bewahre, durch unseren Reichtum, sondern nur durch Seine Gnade. Und indem wir Ihn lieben, auf Ihn hoffen, werden wir bereit und froh sein, dass Gott diese Gnade mit anderen teilt. Und die Rettung ist wie eine Feder ein Schmuck, eine Zuversicht. Und diese Zuversicht bewegt uns in der Welt. Das ist die Grundlage für unsere Beziehung zum Höchsten. Beim Kohen ist das der geschnürte Kopfbund (miznéfet).

Etwas tiefer kommt beim Kohen der ziz. Viele Könige hatten einen solchen Schmuck. Er hing von der Stirn bis zur Nasenwurzel herab. Im Buch Schemot (28,36) steht geschrieben: „Mache dir ein poliertes Brettchen aus reinem Gold.“ Die Frage ist, wie man aus Gold ein Brettchen machen kann? Darüber will ich nicht streiten, aber der allgemeine Sinn ist klar: Mache eine kleine flache Platte aus reinem Gold, auf der der Name geschrieben war. Das ist das geistliche Zentrum im Menschen: Es ist zuständig für die Gedanken, für den Verstand, für das, worüber wir nachdenken, für unsere Denkweise. Und dementsprechend können wir damit das Gebet vergleichen, von dem Paulus spricht. Unser Verstand, indem er sich in das Gebet kleidet, beginnt sich ständig an den Höchsten zu wenden. Das heißt, wir wissen, dass unsere Gedanken der sogenannte innere Dialog sind, das innere Geschwätz, es ist sehr schwer, es anzuhalten, und sehr schwer, es zu lenken. Bei Weitem nicht immer gelingt es, zu verfolgen, welcher Gedanke uns in den Kopf kommt. Und die Tora warnt: „Hüte dich, dass sich nicht ein Gedanke bei dir einschleicht.“ Zwar spricht die Tora vom denkenden Herzen, aber heute sprechen wir vom Verstand, von dem, was im Kopf ist. Dieser Verstand unterscheidet sich stark vom Herzen. Wir können mit dem Verstand begreifen, dass Rauchen schädlich ist, und trotzdem rauchen. Mit dem Verstand können wir begreifen, dass Zorn Sünde ist und dass er uns schadet, und das Herz kann dabei voller Zorn sein. Herz und Verstand gehen nicht immer im Gleichschritt, wenn man so sagen kann. Der Verstand weiß, was richtig ist, aber das Herz entspricht dem nicht immer. Der Verstand gleicht dem Mund, denn der Mund folgt dem Verstand, der Mund folgt oft dem Kopf und nicht dem Herzen. Und erst wenn im Herzen ein Überfluss ist, wenn das Herz schon überläuft (was wir im Zorn sagen können, das sagen wir nicht in gewöhnlicher Rede), dann beginnt der Mund aus dem Überfluss des Herzens zu reden. Wenn kein Überfluss des Herzens da ist, dann ertönt dieses unser inneres Kopfgeschwätz.

Und genau hier ist es gleichsam so: Den Verstand in das Gebet zu kleiden – das ist der erste Anfang. Danach können wir sagen, dass es einen solchen Begriff gibt wie das Herzensgebet, das innere Gebet. Es ist sehr wichtig. Das unablässige Gebet im Herzen – das ist, wenn wir wirklich versuchen, uns auf das Herz zu konzentrieren, zum Höchsten zu beten. Das ist die hesychastische Praxis (das Einsiedlermönchtum der schweigenden Anachoreten), eine sehr alte Praxis bei den Christen, die heute leider fast vergessen ist. Aber versucht, an das Herz denkend, gleichsam euer „Ich“ in das eigene Herz legend, zu beten, und ihr werdet im Herzen Wärme spüren, und, so seltsam es ist, ihr könnt davon Süße im Herzen spüren, wenn euer Mund Gott aus dem Überfluss des Herzens preisen wird.

Aber hier sprechen wir von der Disziplin des Kriegers, von der allerersten Einkleidung. Und deshalb zuallererst den Verstand bekleiden, ein richtiges Verständnis geben, wenigstens auf der Ebene des Verstandes. Und in diesem Sinn ist gleichsam das goldene Täfelchen auf der Stirn Aharons zuständig für die Frechheit und für die Scham, für die Fähigkeit, sich zurückzuhalten, für die Fähigkeit, die menschliche Gestalt zu bewahren. Auf Englisch sagt man: „Das Gesicht verlieren“, – und auf Russisch sagt man heute: „Das Gesicht verlieren.“ In Jirmejahu (3,3) lesen wir, dass du die Stirn einer Hure hattest, das heißt eine hurerische Denkweise. Selbst der Verstand unterschied gleichsam schon nicht mehr Gutes und Böses. Als ob ihr die Hurerei auf die Stirn geschrieben war, das heißt, nicht nur das Herz war schon verdorben, sondern auch das Gehirn. Und nach dem Talmud sühnt diese Grobheit, Frechheit das Element der Kleidung des Kohen, das ziz heißt, oder dieses polierte Täfelchen. Es demütigt die Gedanken des Menschen, indem es sie ins Gebet lenkt, und zwingt diesen unseren inneren Dialog, den wir die ganze Zeit nicht übertönen können, sich an den Höchsten zu wenden.

Das nächste Kleidungsstück ist das Schwert oder der Efod. Der Efod – das ist, welche Werte wir uns wählen, welche Ziele wir uns und der Welt um uns herum setzen. Jeder von uns ist in gewissem Maß ein Kollege des Schöpfers. Wir verändern die Wirklichkeit um uns herum. Vielleicht scheint es uns nur so, aber wir, nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, tragen auch die schöpferische Kraft in uns, die sich in dem zeigt, was wir tun. Und das Schwert, das Paulus mit dem Wort Gottes vergleicht, und der Efod als Zeichen des Verwalters, unsere Rede, mit der wir sprechen (wir lenken ja Menschen, verkehren mit ihnen durch Worte, wir zeigen uns in der Wirklichkeit vor allem durch Worte), – das ist eben unser schöpferisches Prinzip. Und wenn wir das Wort Gottes predigen, predigen wir das lebendige Wort Gottes. Das heißt, Gott hat nicht schon alles gesagt und Sein Buch geschlossen, Er kann durch uns sprechen. Wir sind berufen, Sein Wort ins Leben umzusetzen, Sein Wort den Menschen zu wiederholen. Das jüdische Volk nennt man das Volk des Buches. Aber das ist nicht ganz so, denn die Tora selbst gebietet: „Erzähle dem Sohn, wiederhole es dem Sohn, sage. Der Sohn wird fragen, und du wirst erzählen.“ Das zwingt unser schöpferisches Prinzip, unser Wort, ihm nicht nachzusprechen, ihm nicht Verse zu zitieren (aus irgendeinem Grund ist es in der christlichen Welt üblich, in Zitaten miteinander zu reden), sondern mit eigenen Worten zu erzählen, damit er die Stimme des Vaters hört, die Stimme der Mutter und das Verständnis des Vaters, das Verständnis der Mutter, damit er sagen kann: „Das ist der Gott meines Vaters.“ Nicht irgendwelcher alten Menschen, die die Tora aufgeschrieben haben, sondern der Gott meines Vaters, denn hier erzählt mein Vater mit seinen eigenen Worten davon. Und wenn wir uns an andere Menschen wenden, wenn wir die frohe Botschaft bringen (und gerade durch die frohe Botschaft verändern wir die Welt), darin liegt unser Mitschöpfertum mit Gott. Auch wir müssen uns bemühen, mit eigenen Worten zu sprechen, lernen, unser Verständnis hineinzulegen. Uns, so verschiedene, hat der Höchste zum Dienst für Seinen Sohn berufen, damit wir, so verschiedene, Sein Wort so verschieden predigen.

Im Judentum gilt, dass der Efod den Götzendienst sühnt. Wir müssen verstehen, welchen Gott wir predigen, um welcher Werte willen wir die Welt bauen. Wir können etwas Neues entdecken in der Erforschung des Gehirns, in der Erforschung des Kosmos, in der Erforschung der Tiefen der Erde oder des Meeres. Aber wir müssen verstehen, dass wir dabei Gott dienen, wir entdecken Seine Schöpfung, selbst wenn wir von irgendwelchen neuen Entdeckungen erzählen. Vor Kurzem erst wurden Hunderte neuer Arten von Meerestieren in der Antarktis entdeckt. Man kann darüber zum Ruhm der Wissenschaft sprechen, zum Ruhm jener Expedition, die diese Forschung organisiert hat. Man kann aber auch darüber zum Ruhm des Höchsten sprechen, Den wir, wie viel man die Welt auch entdeckt, in immer neuen und neuen Geschöpfen entdecken. Und dort durchsichtige Fische oder durchsichtige Krebse sehen und viele andere Wunder, und staunen und nicht nur sagen: „Wie groß sind Deine Werke, Höchster!“, sondern auch: „Wie klein sind Deine Werke, Höchster. Was für kleine und, so scheint es, in einem sehr engen Lebensraum lebende Tiere hast Du geschaffen, und wie Du auch für sie sorgst!“ Und diese schöpferische Aufrechterhaltung der Verbindung mit dem Höchsten soll daran erinnern, dass wir nicht uns selbst in unser Schaffen tragen, nicht uns selbst durch unser Schaffen in die Welt einbringen, durch unser schöpferisches Prinzip, durch alles, was wir tun. Wir sind gleichsam ein Filter nicht für das Eigene, ein schönes Glasstück, auserwählt nicht dazu, um durch es das Eigene zu beleuchten; wir sind nicht dazu besonders, um unsere Besonderheit zu offenbaren, sondern um durch unsere Besonderheit andere Facetten des Höchsten zu offenbaren.

Hoschea sagt (3,4): „Ihr seid ohne Opfer geblieben, ohne Altar, ohne Efod, ohne Terafim“. Das heißt, der Efod (wie die Terafim im Heidentum) gewährleistet die Verbindung unseres schöpferischen Prinzips, das Aufsteigen unseres schöpferischen Prinzips zum Höchsten. Und alles, was wir schaffen: ob wir Musik schreiben oder Gedichte über die Liebe, sie können ebenfalls Gott verherrlichen, der uns gelehrt hat, so zu lieben. Ich dachte einmal, dass ich nur mich allein lieben kann. Dann traf ich plötzlich eine Frau, die ich lieb gewann, und entdeckte, dass du schon jemand anderen lieben kannst. Dann wird ein Kind geboren, und du denkst: „Dieses rotznasige Wesen da, und niemanden auf der Welt werde ich mehr lieben als es.“ Dann stellt sich plötzlich heraus, dass Platz ist für noch einen, noch einen, noch einen. Und dann kommen vielleicht schon die Enkel, und der Platz geht nicht aus. Gott gibt uns unendliche Liebe und schöpferische Kraft, unendliche, damit wir in allem – in einem neu entdeckten Fischlein, in einer neu gezüchteten Rosensorte – Seine Herrlichkeit offenbaren.

Das nächste Kleidungsstück ist der chóschen (Brustschild), der Panzer der Gerechtigkeit oder der Rechtschaffenheit. Das Wort, das hier in der griechischen Sprache gebraucht wird, es ist, kann man sagen, wie ein Kettenhemd, geflochten aus Gerechtigkeit und Glauben. Und dieses Kettenhemd ist ein solcher Panzer, in dem Gerechtigkeit und Glaube nur zusammen existieren können, denn gerade durch den Glauben wird der Begriff der Gerechtigkeit bestimmt. Die Gerechtigkeit (Rechtschaffenheit) lässt uns nicht zur falschen Seite hin neigen. Mit dem Geist ausgestattet, sehen wir das Gesamtbild, und darum können wir in all unseren Taten rechtschaffen und gerecht handeln. Das heißt, man kann sagen, dass es hier um Richtigkeit und Anständigkeit geht, um Ehrlichkeit vor dem Höchsten. Und wenn wir ehrlich vor dem Höchsten sind, rechtschaffen und, mehr noch, gerechtfertigt vom Höchsten selbst durch den Sohn, werden wir wie hinter einem Panzer unverwundbar für alles. Und auch die jüdische Tradition sagt, dass der chóschen (Brustschild) das Gericht berichtigt, die Gerichtsurteile berichtigt, die Urteilssprüche und so weiter. Wir wissen, dass es so einen Staatsanwalt gibt – den Satan, der ständig umhergeht und sagt: „Ist dieser Mensch denn rechtschaffen? Ist er bereit? Lasst uns prüfen!“ Er ist so ein ewiger Crashtester. Ein Crashtest ist ein Test auf Bruch, das heißt der Versuch, einen Gegenstand zu zerbrechen, um ihn zu prüfen. Da versucht also der Satan, uns zu zerbrechen, aber wir haben einen Panzer, und selbst gute Panzerabwehrgeschosse können uns nichts anhaben. Unser Panzer wird fester sein als der Kampfpanzer „Merkawá“, wenn wir uns der Rechtschaffenheit zuwenden, denn der Rechtschaffene wird vom Höchsten beschützt. Und diese Rechtschaffenheit zeigt sich nicht dadurch, dass wir alle ganz in Weiß und flauschig oder ganz in Weiß und glänzend herumlaufen, sondern durch Liebe, durch Wohltat, durch Barmherzigkeit.

Wie hängen Gericht und Barmherzigkeit zusammen? Paulus sagt, dass die Barmherzigkeit sich über das Gericht erhebt. Dieser Gedanke ist nicht nur bei Paulus erhalten geblieben. Im Talmud sagt Rabbi Jochanan, dass Jerusalem dafür zerstört wurde, dass man in ihr nach dem Gericht der Tora richtete. „Was ist schlecht daran, dass man in ihr nach dem Gericht der Tora richtete?“, fragen die Schüler. „Nach welchem Gericht hätte man dort eurer Meinung nach richten sollen?“ Und Jochanan sagt, dass das Problem darin bestand, dass man nach der Tora richtete, nach dem Buchstaben des Gesetzes, aber keine Barmherzigkeit erwies. Die Barmherzigkeit erhob sich nicht über das Gericht. Gottes Gerechtigkeit besteht darin, dass die Barmherzigkeit sich über das Gericht erhebt. Der Talmud sagt, dass, wenn irgendein Mensch gut über andere spricht, auch die Engel im Himmel gut über ihn sprechen. Alle Engel im Himmel, darunter auch jener Verleumder selbst. So erreichen wir durch gute Gedanken über die Menschen gute Gedanken und gute Urteile für uns selbst, wie Jeschua sagt: „Mit welchem Gericht ihr richtet, mit dem werdet ihr gerichtet werden.“

Man wird mich fragen: „Na, Alex, du bist natürlich ein Meister im Reden, aber wie ist es in der Praxis?“ In der Praxis gibt es eine gute Methode. Wenn ihr einen bösen Menschen anseht, einen Menschen, der euch Böses tut, stellt ihn euch so vor, wie der Höchste ihn im Reich zu sehen vorgesehen hat. Der Höchste plant, jeden erschaffenen Menschen im Reich zu sehen. Und wenn ihr euch das vorstellt, schaut hin, und ihr werdet verstehen, dass das wie ein verlorener Geldbeutel ist. Ihr habt einen Geldbeutel gefunden, und darin ist die Visitenkarte des Besitzers. Ihr werdet ihn dem Menschen zurückgeben, weil es unehrlich ist, Fremdes zu nehmen. Und man kann sogar traurig darüber werden, dass irgendein Mensch seinen Geldbeutel verloren hat und ihn jetzt sucht. Genauso können wir dem Höchsten diese Seelen zurückbringen. Wenn wir alles getan haben, was oben schon gesagt ist, dann ist der erste Gedanke, der in uns aufkommt: „Wie schade, dass dieser Mensch (nein, nicht schade, dass er uns gekränkt hat, nicht schade, dass er uns auf den Fuß getreten ist), wie schade, dass er heute für den Höchsten verloren ist. Wie wichtig ist es dem Höchsten, diesen Menschen zurückzubekommen.“ Das ist eine sehr hohe Messlatte, aber im Grunde sagt uns Paulus genau das, und Jeschua lehrt uns gerade das. Gerade danach müssen wir streben.

Obwohl wir auch das andere verstehen müssen, dass unser Umfeld rein sein muss. Das heißt, indem wir diesen Menschen helfen, indem wir uns um diese Menschen kümmern, müssen wir unser Haus rein halten und unsere Versammlung rein, und man muss sich gleichsam vor dem Bösen hüten. Deshalb heißt es eigentlich auch so: „Nach der zweiten, dritten Ermahnung – lass ab.“ Das heißt, es braucht Fürsorge, es braucht das Zeigen von Fürsorge, und wir werden etwas säen. Aber hier kann uns noch unser Wunsch im Stich lassen, alles selbst in Ordnung zu bringen, obwohl es eigentlich der Höchste ist, der in Ordnung bringt. Deshalb zwei-, dreimal, zehnmal, zwanzigmal, aber dann lassen wir ab.

Dem Nächsten vergeben wir bis zu siebenmal siebzig Mal, das gilt unter denen, die mit uns auf dem Weg stehen. Aber die, die nicht auf dem Weg stehen, rufen wir, predigen ihnen zwei-, dreimal. Und danach (es gibt so einen Begriff wie Time-Management – die Verwaltung der Zeit) müssen wir weitergehen, in der Hoffnung, dass das von uns Gesäte aufgehen wird. Und es gibt solche Zeugnisse, dass das Gesäte sogar viele Jahre, nachdem es gesät wurde, aufgeht.

Wir haben also über das Herz gesprochen, und darüber, wie das Herz rechtschaffen (gerecht) geworden ist, und darüber, dass die Gerechtigkeit (Rechtschaffenheit) in ihrer heutigen Erscheinungsform die Liebe ist.

Das nächste sehr wichtige Kleidungsstück ist der awnét (Schärpe oder Gürtel), und er ist mit dem Trachten des Menschen verbunden. In der jüdischen Tradition finden wir, dass die Schärpe, der Gürtel für den Willen zuständig ist, für unsere Wünsche, für das Trachten, dafür, wie sehr wir überhaupt nach unseren Zielen streben. Das heißt, man kann sagen, das ist gleichsam unser „Benzin“. Wie viel Willen wir haben, wie viel Vorrat, wie viel Kraft da ist, so viel sind wir fähig, in unser Handeln hineinzulegen. Wir können Kraft aus verschiedenen Quellen schöpfen. Geld zum Beispiel ist auch eine Kraft. Die Unterstützung nahestehender Menschen ist auch eine Kraft. Stellt euch vor, wie wichtig für einen Sportler, der im Stadion läuft, oder für Fußballer die Unterstützung der Zuschauer, der Fans ist. Sie sprechen oft darüber. Wir aber suchen nicht menschlichen Ruhm, suchen nicht die Unterstützung der Leute, sondern gürten uns mit dem Gürtel der Wahrheit. Er bedeckt den Bauch und ist zugleich mit dem Chiton verbunden (an ihn gebunden), über den wir weiter unten sprechen werden.

Also, der awnét bedeckt den Bauch und erlaubt uns zu wählen, worin die Quelle unserer Kraft liegt, wo wir Unterstützung suchen, ob es für uns etwas bedeutet, was die Leute über uns denken, oder was die Regierung über uns denkt, oder was die Zuschauer über uns denken. Paulus zum Beispiel bezeugt über sich: „Ich suche nicht die Unterstützung anderer Menschen. Ich denke nicht darüber nach, was die Menschen über mich denken. Mir ist wichtig, was der Höchste über mich denkt!“ Paulus sagt auch: „Und alles vermag ich in dem mich verstärkenden, in dem mich beschleunigenden, in dem mich kräftigenden Jeschua!“ Das heißt, ich vermag alles, wenn Er mein „Treibstoff“ ist, wenn Er meine Kraft ist. Das ist diese Eigenschaft des Dienstes des Kohen, wenn die Frage steht, was er wählt, was für ihn die Quelle des Lebens ist?

Die Quelle des Lebens für den Kohen ist emét (Wahrheit), das ist das Verständnis dessen, dass allein die Wahrheit das Siegel des Höchsten ist. Das Wort Wahrheit beginnt im Hebräischen mit dem Buchstaben álef und endet mit dem Buchstaben taw. Sie umfasst alles: von álef bis taw. Und der Buchstabe mem zwischen ihnen, mit dem das Wort máwet (Tod) beginnt, ermöglicht es dem Sterblichen, in der Wahrheit zu stehen (sich zu befinden). Emét ist die Offenbarung der göttlichen Wahrheit auf Erden, und mit ihr rät Paulus, die Lenden zu gürten. Und es ist wichtig, dass die Quelle unseres Dienstes der Höchste ist. Wir können auf die begeisterten Augen derer schauen, die uns zuhören. Das ist angenehm. Aber wir müssen vor allem danach streben, Gnade in den Augen des Höchsten zu erlangen. Im Hebräischen bedeutet das Wort gefallen bis heute Gnade finden (limzó chen). Und wir versuchen, mit unserem ganzen Dienst Gnade in den Augen des Höchsten zu erlangen.

Der Kohen betritt das Allerheiligste im awnét (in der Schärpe), um Gnade zu erlangen. Und dieser awnét (die Schärpe) ist ebenfalls eines der Elemente der Sühne. Er sühnt das Trachten, die Gedanken des Menschen: „Und was denkt dieser über mich? Und was denkt jener über mich?“ und so weiter.

In der Lehre des Paulus ist das mit dem Schild (magén) des Glaubens verbunden, den wir mit uns nehmen. Warum ein Schild? Der Schild ist gleichsam eine passive Waffe. Der Schild kann niemanden angreifen. „Der Schild“, sagt Paulus, „wehrt die Pfeile des Satans ab, widersteht dem Satan.“ Und welcher Zusammenhang besteht hier zwischen Glauben und Willen? Der Hebräerbrief (11,1) gibt, wie wir wissen, die berühmte Definition des Glaubens: „Der Glaube ist die Verwirklichung des Erwarteten, die Gewissheit über das Unsichtbare.“ Gewissheit über das Unsichtbare – das ist, wenn wir den Plan Gottes noch nicht verwirklicht sehen. Unsere Gegner sagen uns: „Ihr behauptet, dass der Maschiach schon gekommen ist. Wo ist denn der Wolf, der mit dem Lamm wohnt? Wo ist der Sieg des Friedens auf Erden? Wo ist das alles? Wölfe und Lämmer sind nach wie vor keine Freunde, und darum ist euer Glaube vergeblich!“ Aber wir sind gewiss, dass der Weg Jeschuas uns dahin führen wird, dass unser Glaube sich als richtig erweist. Wie ein Mensch, der zum Beispiel an Flüge ins All glaubte und sein ganzes Leben, seine ganze Seele hineinlegte, sein ganzes Leben lang Entwürfe von Raumschiffen konstruierte und sogar starb, ohne seinen Entwurf verwirklicht zu sehen, aber sein Entwurf wurde verwirklicht. Menschen träumten vom Fliegen, Menschen sagten die Entdeckung irgendwelcher Elementarteilchen voraus. Warum widmeten sie ihr Leben etwas, das sie noch nicht kannten? Weil sie glaubten. Sie glaubten daran, dass es sich verwirklichen kann.

Es gab auch Menschen, deren Glaube sich als vergeblich erwies, zum Beispiel solche, die den nicht existierenden Stoff Phlogiston erforschten, aus dem angeblich das Feuer entsteht. Es gab Menschen, die Dissertationen schrieben und die vermutete mögliche Vegetation auf dem Mars erforschten, und es stellte sich heraus, dass es auf dem Mars keine Vegetation gibt.

Aber der Glaube – das ist das, was uns bewegt. Wenn die Wahrheit unser Treibstoff ist, dann ist der Glaube unser Antrieb, das ist unser Motor, der uns fährt. Und dieser Motor, indem er die Reibungskraft überwindet, schützt uns, unsere Bewegung vor allen möglichen Hindernissen. Wenn wir glauben, wenn wir das Ziel sehen und nach diesem Ziel streben, und der Antrieb ist unsere Gerechtigkeit, dann lässt unser Glaube alle Zweifel hinter sich. Alle, die sagen: „Ach, daraus wird nichts, wozu gibst du dort Geld hin? Kauf dir lieber selbst etwas! Wozu gehst du sonntags in die Kirche, am Sabbat in die Gemeinde? Wozu tust du das überhaupt? Hättest du lieber mit den Männern beim Domino gesessen und gespielt, Bier getrunken, dann hättest du wenigstens irgendein Vergnügen gehabt. Wozu gibst du dich mit diesen Obdachlosen ab? Wozu tust du dies? Wozu tust du das?“ Wir verhalten uns in den Augen der Welt irrational, weil wir etwas bauen, das noch unsichtbar ist. In jeder unserer Handlungen vollziehen wir nicht einfach eine Handlung – wir erfüllen teilweise den göttlichen Plan. Und diese Erfüllung des Plans führt uns dahin, dass wir vom Glauben bewegt sind, wir bauen das, was Gott uns zu bauen geboten hat, ohne unser Bauwerk schon zu sehen.

Wir leben eine sehr kurze Zeit. Etwas mehr als zweitausend Jahre sind seit dem Tag der Auferstehung Jeschuas vergangen, und wir sehen heute, dass das Evangelium unter allen Völkern gepredigt ist. Vom äußersten russischen Norden bis Papua-Neuguinea, bis in den Süden Australiens ist die frohe Botschaft gelangt. All das haben Menschen getan, die vom Glauben bewegt waren.

Und auch der Kohen war vom Glauben bewegt, lebte darin, vollzog seinen heiligen Dienst. Und das ist sehr furchterregend – sich im Allerheiligsten zu befinden. Der Kohen Gadol trat für das Volk ein, trat für seine Gerechtigkeit ein, im Glauben, dass das Dasein Israels, dass der ganze Plan Gottes nicht vergeblich ist und dass man darin stehen muss, dadurch geschieht die Sühne des Volkes.

Und wir müssen uns erinnern (wiederum, damit haben wir angefangen), dass alles im Tempel nicht mit einem einzigen Menschen verbunden ist. Auch wir sind nicht für uns allein. Jeder von uns ist ein Teil des Leibes Jeschuas. Und im Leib Jeschuas, wenn irgendein Organ erkrankt ist, irgendein Organ seine Funktionen nicht erfüllt hat, dann wird der ganze Leib bedeutungslos sein. Jeder von uns befindet sich potenziell in diesem Allerheiligsten, im Gewand des Kohen. Deshalb tragen unsere Handlungen (wir sind nicht die kleine Maus, die ins Meer ihr Geschäft verrichtet und sagt: „Da ist jetzt auch mein Anteil drin“) real zur Verwirklichung des göttlichen Plans bei. Und der Glaube erlaubt uns, Kräfte darauf zu verwenden, das Unsichtbare zu bauen, um es mit den Worten Majakowskis zu sagen: „In vier Jahren wird hier eine Gartenstadt sein!“ Vielleicht wird in tausend Jahren hier eine Welt sein, in der Gott der Eine und absolute Herrscher sein wird, und jedes Knie wird sich vor Ihm beugen, jedes Volk wird sich vor Ihm beugen. Genau dieser Glaube bewegt uns. Und für den Kohen ist das der Dienst am Volk, das, was ihn nicht dazu gebracht hat, alles hinzuwerfen und zu sagen: „Ich gehe in Rente, werde dasitzen und die Werke Senecas wieder lesen.“ Was brachte ihn dazu, ins Allerheiligste hineinzugehen? Der Glaube daran, dass sein Dienst nicht vergeblich ist, alles, was er tut, nicht vergeblich ist. Und genau das ist es, was der awnét symbolisierte.

Die nächste, vorletzte Ebene – das sind die michnassáim (Hosen). Auf Russisch – Hose, Jeans, Rock. Das, was unsere Geschlechtsorgane bedeckt, verbirgt und dementsprechend die Ausschweifung sühnt. Die Tora selbst sagt, dass die Hosen geschaffen sind, um unsere Blöße zu bedecken, und Ausschweifung heißt auf Hebräisch Aufdecken der Blöße. Das Bedecken der Blöße sühnt das Aufdecken der Blöße. Der Kohen Gadol tritt für das Volk ein. Und zwar ist er, nachdem er das Opfer dargebracht hat, schon in den Tempel hineingegangen. Und wir erinnern uns, dass wir einen vollkommenen Kohen Gadol haben, der mit seinem Blut steht, aber er steht ja in denselben Kleidern des Kohen, nur in himmlischen Kleidern des Kohen. Und zum Bedecken der Blöße, zum Bedecken von gilúj rajót (Aufdecken der Blöße) gibt es das Bedecken der Blöße. Alle unguten Regungen, alle unzüchtigen Gedanken, mit denen wir versucht werden, – all das hängt mit dem Bedecken der Blöße zusammen.

Aber im umfassenden Sinn geht es nicht nur um Unzucht. Jeschua legt uns die Latte sehr, sehr hoch. Er spricht davon, dass in der kommenden Welt alle wie Engel sein werden: Sie heiraten nicht, sie werden nicht verheiratet. Und das bedeutet nicht, dass man heute alles hinwerfen und ins Mönchtum gehen muss. Das Mönchtum ist möglicherweise ein Weg für die, die ihn gewählt haben. Und ich rate niemandem, sich zu beeilen, und bewege niemanden auf diesen Weg, und stehe selbst keineswegs auf diesem Weg. Heute ist es für uns besser, eigene Familien zu haben und unsere Familien zu leiten. Aber uns ist nicht gegeben, Ausschweifung zu treiben, selbst nicht in der eigenen Familie. Ich sage gleich, dass zwischen Eheleuten alles erlaubt ist, was keinen der Eheleute kränkt. Niemand soll zu euch sagen: „So macht es nicht! Und so macht es nicht!“ Und überhaupt soll sich niemand in diese Dinge einmischen. Aber alles, was ihr tut, tut im Verständnis, dass ihr einander nicht mit fleischlicher Liebe liebt, dass ihr zusammenlebt, weil Gott euch einander gegeben hat, weil ihr einander von Gott gegeben seid. Und das Gebot der Liebe zum Nächsten entspringt vor allem dem Gebot der Liebe zum Höchsten. Zuerst sind die fünf Gebote der Beziehungen zwischen Gott und Mensch geschrieben und danach – fünf Gebote der Beziehungen zwischen den Menschen. Alles, was ihr tut, muss in Heiligkeit geschehen. Das betrifft nicht nur die Bettangelegenheiten, das betrifft das gemeinsame (oder nicht gemeinsame) Zubereiten des Abendessens, die Arbeit, das Zur-Arbeit-Gehen, die Erziehung der Kinder und so weiter, eben das Herstellen von Ordnung, von Frieden in der Familie. Wiederum soll niemand zu euch sagen: „Warum lebt ihr so oder warum lebt ihr anders?“, wenn Eintracht und Frieden in der Familie sind. Euer Stehen ist vor dem Höchsten, und deshalb geschieht alles, was in Heiligkeit geschieht, in Heiligkeit. Und Paulus spricht davon, dass unser Geschlechtsleben in Heiligkeit sein soll.

Und das Allerletzte, wovon wir sprechen, – das ist das Schuhwerk. Das Schuhwerk – das ist unsere Bereitschaft, die frohe Botschaft zu verkünden. Wenn wir schon etwas mit dem Treibstoff verglichen haben, etwas mit dem Motor, dann ist das Schuhwerk der Zündschlüssel. „Wozu brauchen wir das alles überhaupt?“, werdet ihr fragen. „Ich gehe zur Arbeit, verdiene Geld, ernähre die Familie, gehe am Sabbat in meine Gemeinde, wir studieren die Tora (oder ich gehe sonntags in die Kirche, und wir hören Predigten). Wozu muss ich irgendwohin gehen und die frohe Botschaft verkünden?“ Die Bereitschaft, die frohe Botschaft zu verkünden, entspringt wiederum der Liebe zum Schöpfer. Und es ist wichtig zu verstehen, dass diese Welt unvollkommen ist und dass der Schöpfer uns beauftragt hat, diese Welt vollkommen zu machen, Er hat uns anvertraut, Seine Mitarbeiter zu werden. Er hätte es natürlich leicht so machen können, dass die Welt von selbst vollkommen geworden wäre, dass sie nicht einmal zerbrochen wäre, nicht aufgehört hätte, vollkommen zu sein. Aber Gott hat uns erwählt, um diese Welt vollkommen zu machen. Das Gespür für diesen Ruf, der Schmerz über die Unvollkommenheiten dieser Welt und die Freude über die Möglichkeit, diese Welt vollkommen zu machen – das ist die riesige Freude, Mitarbeiter des Schöpfers zu sein. Ich kannte einen Menschen, der bei Google eingestellt wurde. Er freute sich, sprang beinahe bis an die Decke, weil Google gute Verdienstmöglichkeiten bedeutet, hervorragende Arbeitsbedingungen und so weiter. Und hier lädt uns der Schöpfer selbst zur Arbeit ein, und zwar verlangt Er nicht von uns, Ihm eine Autobiografie oder einen Lebenslauf zu schicken, Er bittet uns nicht, irgendwelche Prüfungen abzulegen, obwohl es viele Prüfungen geben wird. Er sagt zu uns: „Kommt zu Mir in den Dienst, Ich kann euch einen Auftrag geben. Geht hin und verwandelt die ganze Welt, macht aus der ganzen Welt Jünger!“ Das ist unser Zündschlüssel, das ist das, was uns antreibt, das, wohin wir eigentlich fahren wollen. Sonst lohnt es sich gar nicht, den Motor anzulassen.

Im Gewand des Kohen ist das, was mit der äußeren Welt verbunden ist, – der me'íl und die któnet. In der jüdischen Tradition sühnen sie zwei sehr miteinander verbundene Sünden, deshalb hat man sie zu einer vereinigt – das ist die üble Nachrede (laschon- hara) und das Blutvergießen (schfichút damím). Was üble Nachrede ist, ist klar. Aber warum ist sie mit Blutvergießen verbunden? Weil, wenn wir einen Menschen beleidigen, wenn wir über einen Menschen Schlechtes reden, viele Menschen erröten. Und wenn ein Mensch errötet, ergießt sich sein Blut gleichsam von innen nach außen. Deshalb haben die Weisen die üble Nachrede und das Blutvergießen miteinander verbunden. Wenn wir einen Menschen öffentlich beschämen, wenn wir einen Menschen öffentlich beschimpfen, wenn wir Böses über einen Menschen reden und ihn so erröten lassen, vergießen wir damit gleichsam sein Blut. Und das erste Blutvergießen geschah nicht, als Kajin Hewel tötete, sondern als Adam von der Frucht aß, und es ist gesagt: „Des Todes wirst du sterben.“ Eben diese äußere Kleidung sühnt die Sünde Adams, sühnt die ganze Sündhaftigkeit dieser Welt. Und gegen die Sündhaftigkeit dieser Welt, gegen die Unreinheit dieser Welt, wie wir schon gesagt haben, richtet sich eben unser Krieg. Ein Krieg sowohl innerlich als auch äußerlich. Und vor allem ist es natürlich, wie wir an den Kleidern gesehen haben, ein äußerer Kampf. Wenn wir all das vollbracht haben, dann können wir im Schuhwerk der Bereitschaft, die frohe Botschaft zu verkünden, unser „Auto“ „anlassen“, uns selbst „anlassen“ und hingehen, dem Höchsten zu dienen. So ein nicht einfaches Gespräch ist es bei uns geworden über die Kleider des Kohen, über das Gewand des Gläubigen und dementsprechend über den Dresscode.

Lest auch: Teruma, die Kleider des Priesters, die Salbung und die Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    1. 1Tezawe: Ein Raumanzug für die Heiligkeit 27,20–28,12
    2. 2Geheimnisse, in Licht gehüllt 28,13–30
    3. 3Respekt vor der Uniform 28,31–43
    4. 4Die Weihe zu Priestern 29,1–18
    5. 5Ein Festmahl im großen Stil 29,19–37
    6. 6Heiliger Alltag 29,38–46
    7. 7Ach ja! Fast vergessen 30,1–10
    8. 8Tora in 5 Minuten
    9. 9Die Kleidung des Kohen und die Waffenrüstung Gottes

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