1. Wochenabschnitte
  2. Bemidbar
  3. Pinchas

פִּינְחָס

Pinchas

Bund des Friedens, Erbe und Nachfolger

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
41 von 54
Verse
Bemidbar 25,10–30,1
Teile
9
Lesezeit
1 Std. 49 Min.

markiert Stellen, an denen die Übersetzung bewusst vom russischen Original abweicht. Antippen zeigt den Hinweis.

Pinchas ist der Wochenabschnitt über den Bund des Friedens, die Vorbereitung auf das Leben im Land Israel und die Kontinuität des Dienstes. Im Stenogramm von Alex Blend werden die Zählung des Volkes, das Erbe der Töchter Zelofchads, die Ernennung des Nachfolgers Mosches und die Festopfer besprochen. Der hebräische Text wird von einer Transliteration, einer ÜbersetzungIm Original heißt es, der hebräische Text werde von einer russischen Übersetzung begleitet. Da sich das auf diese Seite selbst bezieht, steht hier neutral „einer Übersetzung“. und der religiösen Auslegung des Autors begleitet.

Der langlebige Priester

Bemidbar 25,10–26,11

Wir beginnen mit Gottes Hilfe das Studium des Wochenabschnitts Pinchas und werden ab Vers 10 von Kapitel 25 des Buches Bemidbar lesen. Wir sind dabei stehen geblieben, dass das gesegnete Volk Israel in Schittim lebt, einen engen Umgang mit midjanitischen Frauen beginnt und ihrem Gott anhängt – Ba'al-Pe'or, dem Gott des Todes, dem Gott des Grabes, dem Gott, der mit der Unterwelt verbunden ist. Das Volk Israel begann, einen Bund mit Ba'al-Pe'or zu schließen, und verließ den Bund mit dem Höchsten. Und als ein Israelit ein midjanitisches Mädchen in sein Zelt brachte, weinte das ganze Volk. Und während das ganze Volk weint, ging Pinchas, der Sohn Elasars, des Kohen, an den Ort hinein, an dem sie allein waren, ging mit einem Speer hinein und tötete, durchbohrte beide mit dem Speer. Dadurch wandte sich der Zorn des Höchsten vom Volk Israel ab, und die Seuche, die im Volk ausgebrochen war, hörte auf.

Und wir lesen ab Vers 10 von Kapitel 25 die Fortsetzung dieser Geschichte.


וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

10 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:


פִּינְחָס בֶּן־אֶלְעָזָר בֶּן־אַהֲרֹן הַכֹּהֵן הֵשִׁיב אֶת־חֲמָתִי מֵעַל בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּקַנְאוֹ אֶת־קִנְאָתִי בְּתוֹכָם וְלֹא־כִלִּיתִי אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּקִנְאָתִי׃

pinechás ben-el'asár ben-aharón hakkohén heschíw et-chamatí me'ál bene-jisraél bekan'ó et-kin'atí betochám welo-chillíti et-bene-jisraél bekin'atí

11 „Pinchas, ben Elasar, ben Aharon, der Kohen, hat Meinen Zorn von den Söhnen des Volkes Israel abgewandt, weil er Meinen Eifer unter ihnen erwiesen hat, und Ich habe das Volk Israel nicht vernichtet in meinem Eifer.

Als der Eifer des Höchsten sich zeigte und als sogar ein einziger Mensch den Eifer des Höchsten inmitten des Volkes Israel erwies, da hat dieser eine Mensch die Lage schon so verändert, dass er dadurch das ganze Volk Israel gerechtfertigt hat. Wir sehen hier, wie groß die Gefahr war, die in diesem Moment über Israel schwebte, von was für einer großen Gefahr Pinchas Israel durch seine Tat befreit hat.


לָכֵן אֱמֹר הִנְנִי נֹתֵן לוֹ אֶת־בְּרִיתִי שָׁלוֹם׃

lachén emór hinení notén lo et-berití schalóm

12 Darum sage du: Siehe, Ich gebe ihm den Bund des Friedens.


וְהָיְתָה לּוֹ וּלְזַרְעוֹ אַחֲרָיו בְּרִית כְּהֻנַּת עוֹלָם תַּחַת אֲשֶׁר קִנֵּא לֵאלֹהָיו וַיְכַפֵּר עַל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wehájeta lo ulsar'o acharáw berít kehunnát olám táchat aschér kinné leloháw wajchappér al-bené jisraél

13 Und es wird ihm und seinem Samen nach ihm ein Bund ewigen Priestertums sein, dafür, dass er für den HERRN geeifert und für das Volk Israel gesühnt hat.“

Also erhält Pinchas ben Elasar ben Aharon, der Kohen, für seine Tat die Zustimmung des Höchsten und einen Lohn: Der Höchste schließt mit ihm einen Bund des Friedens und sagt, dass Pinchas und sein Same ewiges Priestertum erhalten. Aber wir haben doch gelesen, wir wissen, dass Pinchas der Sohn Elasars ist, des Sohnes Aharons, des Kohen, und eigentlich ist er ohnehin Kohen, und dementsprechend sind auch seine Kinder Kohanim. Und wozu braucht es einen eigenen Vertrag? Nun, erstens wissen wir, dass Aharon und die Kinder Aharons zum Priestertum gesalbt wurden, die Enkel aber wurden nicht gesalbt. Deshalb ist es durchaus möglich, dass Pinchas zu diesem Zeitpunkt gar nicht zum Priestertum gesalbt war. Ein anderer Gedanke ergibt sich aus der Erinnerung an die Herkunft des Pinchas. Über Pinchas wird zum ersten Mal in Kapitel 6 des Buches Schemot gesprochen, in Vers 25: „Und Elasar, der Sohn Aharons, nahm sich eine Frau von den Töchtern Putiels, und sie gebar ihm Pinchas“, das heißt, Elasar heiratete eine der Töchter eines gewissen Putiel. Die Kommentatoren sagen, dass Putiel niemand anderes ist als der ägyptische Pharao. Und einerseits führt das Pinchas scheinbar auf den Pharao selbst zurück, auf edles ägyptisches Blut. Andererseits wird sein Judentum, seine Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, die Reinheit des Blutes in Zweifel gezogen. Und darin sehen die Midraschim auch einen der wahrscheinlichen Gründe, warum er nicht zum Dienst gesalbt wurde. Andere Kommentatoren sagen: In diesem Moment, als der Israelit die Midjaniterin brachte, führte er sie zu Mosche und fragte: „Sag, Mosche, ist mir diese Frau erlaubt? Wenn du sagst, dass sie nicht erlaubt ist, mit welchem Recht hast du dir eine Midjaniterin genommen?“ Und darüber weinte Mosche, Mosche war ratlos, und nur Pinchas, der den Geist Gottes aufnahm und verstand, was der Höchste will, erwies den göttlichen Eifer. Und genau diese Eigenschaft, den göttlichen Geist aufzunehmen, den göttlichen Willen aufzunehmen, die Fähigkeit des Pinchas, den göttlichen Eifer zu erweisen und für das Volk zu sühnen, genau das hat ihn zum Kohen gemacht. Er hat einfach die Eigenschaften eines Kohen in sich bezeugt.

Pinchas selbst hat ein erstaunliches Schicksal, das sich sowohl im Tanach als auch in den Midraschim verfolgen lässt. Im Buch Jehoschua bin Nun, in Kapitel 22, wird die Geschichte erzählt, wie die Söhne der Stämme Gad, Re'uwen und des halben Stammes Menasche beschlossen, in ihrem Erbteil einen Altar zu bauen, der dem Altar Mosches gleicht. Sie bauten sich einen Altar, der von weitem zu sehen war. Das empörte natürlich die Söhne Israels, denn da entsteht eine alternative heilige Stätte, ein alternativer Ort der Anbetung, was wieder zum Eifer des Höchsten und zum Zorn über ganz Israel führen kann. Und das Volk Israel hatte sich schon zu einem Bürgerkrieg gegen diese Abtrünnigen aufgemacht, beschloss aber zuerst, eine Delegation unter der Führung von Pinchas, dem Sohn Elasars, zu schicken. Pinchas hielt ihnen eine eindringliche Rede, und sie antworteten ihm: „Der HERR – Er ist auch unser HERR, wir haben an nichts anderes gedacht. Aber wir fürchteten, dass ihr euch wegen unserer geografischen Lage irgendwann von uns lossagt und sagt: ‚Ihr seid überhaupt kein Teil unseres Volkes.‘ Und da haben wir eine Kopie des Heiligtums gebaut für den Fall, dass ihr irgendeinen Vorwurf habt, und dann sagen wir euch: ‚Seht, wir haben genau das gleiche Heiligtum, nicht für Opfer, sondern ein Zeuge ist es zwischen uns und euch, wir sind von einem Blut.‘“ Diese Antwort stellte Pinchas zufrieden, und der Bürgerkrieg wurde verhindert.

Das nächste Mal begegnen wir Pinchas schon nach der sehr traurigen Geschichte mit der Nebenfrau aus der Stadt Giwa, im Gebiet des Stammes Binjamin (Buch Schoftim, 19–20). Ein gewisser Mann ging, um seine Nebenfrau zurückzuholen, die sich mit ihm gestritten hatte und zu ihrem Vater nach Bejt-Lechem gegangen war. Er holte sie aus dem Haus ihres Vaters, und sie gingen nach Hause, zu den Rändern des Gebirges Efrajim. Unterwegs kehrten sie zum Übernachten in der Stadt Giwa ein. Und es versammelte sich die Bevölkerung, die die Herausgabe der Nebenfrau erzwang, und sie vergewaltigten sie die ganze Nacht. Und viele traurige Ereignisse, die damit zusammenhingen (auf die Einzelheiten will ich nicht eingehen), brachten das ganze Volk Israel gegen den Stamm Binjamin auf. Und wir lesen (20,28), dass Pinchas ben Elasar in jenen Tagen für das Volk einstand, und sie sagten: „Soll ich wieder in den Kampf ziehen gegen die Söhne Binjamins, meines Bruders, oder soll ich davon ablassen?“ Und der HERR sprach: „Zieht hinaus, denn morgen gebe Ich ihn in deine Hand.“ Das heißt, Pinchas versucht wieder irgendwie Frieden zu schaffen, den Bürgerkrieg zu umgehen, aber diesmal gelingt es ihm nicht.

Noch ein weiteres Mal begegnen wir Pinchas im ersten Buch Diwre haJamim, in Kapitel 9, wo davon die Rede ist, dass er schon zur Zeit Davids Vorsteher über die Leviten war. Halten wir die Langlebigkeit des Pinchas fest: Dieser Mensch lebte mindestens fünf Jahrhunderte. Das ist das, wovon die Schrift unmittelbar spricht.

Die Midraschim aber sagen viel mehr. Die Midraschim sagen, dass Pinchas nach den beschriebenen Ereignissen gleichsam zu einem Engel wurde, und er ist nicht der Einzige, den die Midraschim zu einem Engel gemacht haben.

Chanoch wurde lebendig zum Höchsten genommen und wurde zu Metatron, dem Engel des unteren Antlitzes (nach der Hierarchie der Engel). Lemech wurde zum Engel des Todes, davon spricht auch ein Midrasch, wenn auch kein so bekannter und kein so populärer.

Und da ist nun Pinchas, noch ein Engel, der ein Mensch gewesen war und zum ewigen Verkünder des Friedens wurde. Er ist eben jener Engel, der Gidon und Jiftach erschien. Pinchas wird mit dem Propheten Elijahu gleichgesetzt, der Midrasch zieht sehr viele Parallelen zwischen ihnen und sagt, dass Pinchas-Elijahu, von dem der Prophet sagt: „Siehe, ich sende einen Engel“, das Kommen des Maschiach verkünden wird. Und wenn wir diese Idee als messianische Juden aufnähmen, würden wir sagen, dass Pinchas Elijahu ist, und er ist auch Jochanan der Eintauchende, der ebenfalls von sich bezeugt, dass er gekommen ist, um die Väter und die Kinder zu versöhnen, das heißt, auch sein Ziel ist die Versöhnung. Jenen Bund des Friedens (brít schalóm) kann man hier als Parallele sehen. Wobei man bedenken muss, dass ein Midrasch ein Midrasch ist und nur ein Versuch menschlichen Verstehens des biblischen Textes. So eine ungewöhnliche Persönlichkeit ist Pinchas ben Elasar, offenkundig ein Langlebiger und ein Mensch mit einem sehr erstaunlichen Schicksal.


וְשֵׁם אִישׁ יִשְׂרָאֵל הַמֻּכֶּה אֲשֶׁר הֻכָּה אֶת־הַמִּדְיָנִית זִמְרִי בֶּן־סָלוּא נְשִׂיא בֵית־אָב לַשִּׁמְעֹנִי׃

weschém isch jisraél hammukké aschér hukká et-hammidjanít simrí ben-salú nesí wet-áw laschim'oní

14 Und der Name des getöteten Israeliten, der zusammen mit der Midjaniterin getötet wurde, ist Simri ben Salu, und er war Vorsteher im Haus Schimons.

Der Name Simri kann mit Gesang verbunden sein; das Wort samár – das ist ein Sänger, sémer – Lied, Melodie, Weise. Er kann auch das Beschneiden von Zweigen (smirá) bedeuten, wenn man zum Beispiel die Weinreben beschneidet, damit sie der Pflanze keinen überflüssigen Saft entziehen. Der Name Salu bedeutet Ganzheit, Überfluss, Fülle. Und Simri ben Salu war Vorsteher in einem der Häuser, in einer der fünf Familien Schimons. Das zeigt, dass Pinchas keine Angst hatte, gegen eine Person vorzugehen, die eine hohe Stellung im Volk innehatte. Das heißt, er sagte nicht: „Die Giraffe ist groß, sie sieht es besser. Er ist der Vorgesetzte, und meine Sache ist klein“, sondern ging hin und durchbohrte, im Eifer des HERRN eifernd, mit dem Speer sogar einen großen Vorgesetzten.


וְשֵׁם הָאִשָּׁה הַמֻּכָּה הַמִּדְיָנִית כָּזְבִּי בַת־צוּר רֹאשׁ אֻמּוֹת בֵּית־אָב בְּמִדְיָן הוּא׃

weschém ha'ischá hammukká hammidjanít kosbí wat-zúr rosch ummót bet-áw bemidján hu

15 Und der Name der getöteten Frau, der Midjaniterin, ist Kosbi, Tochter Zurs, er ist Haupt eines der Häuser in Midjan.

Der Name Kosbi ist, wenn man ihn auf der Grundlage des modernen Hebräisch übersetzt, mit dem Wort koséw – trügerisch, irreführend, verbunden, das Verb leachséw bedeutet enttäuschen. So konnte man ein Mädchen nennen, das anstelle des lang ersehnten Jungen geboren wurde. Ich hatte mit einem Mädchen zu tun, das Achsawá (Enttäuschung) hieß. In unseren Tagen und in unserer Zeit haben die Eltern sie so genannt, weil sie wollten, dass ein Junge geboren wird, und mit diesem Namen lebt es sich für sie nicht leicht. Und ein anderes Verständnis des Namens Kosbi – Überfluss, Fülle, Wohlstand. Und im Grunde kann man ihn genauso übersetzen wie den Namen Salu. Der Name Zur bedeutet Fels oder großer Stein. Und dieser Zur – er ist Haupt eines der Häuser in Midjan.

Also, der Mensch, der von Pinchas getötet wurde, hieß Simri. Das hat ein Sprichwort hervorgebracht. Wenn ein Mensch seine Taten beschönigt, dann sagt man, er sei einer, der die Tat Simris tut und den Lohn wie Pinchas verlangt.

Mit Vers 16 beginnt ein anderes Thema.


וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

16 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:


צָרוֹר אֶת־הַמִּדְיָנִים וְהִכִּיתֶם אוֹתָם׃

zarór et-hammidjaním wehikkitém otám

17 „Befeinde die Midjaniter, und ihr werdet sie schlagen,


כִּי צֹרְרִים הֵם לָכֶם בְּנִכְלֵיהֶם אֲשֶׁר־נִכְּלוּ לָכֶם עַל־דְּבַר־פְּעוֹר וְעַל־דְּבַר כָּזְבִּי בַת־נְשִׂיא מִדְיָן אֲחֹתָם הַמֻּכָּה בְיוֹם־הַמַּגֵּפָה עַל־דְּבַר־פְּעוֹר׃

ki-zorerím hem lachém benichlehém ascher-nikkelú lachém al-dewár pe'ór we'al-dewár kosbí wat-nesí midján achotám hammukká wejom-hammaggefá al-dewar-pe'ór

18 denn sie befeinden euch mit ihren Listen, die sie gegen euch ausgeklügelt haben, wegen Pe'or und wegen eben jener Kosbi, der Tochter des Fürsten Midjans, ihrer Schwester, die am Tag der Seuche wegen der Verbindung mit Pe'or getötet wurde“.

Das heißt, der Höchste sagt: „Jetzt haben die Midjaniter gesehen, dass ihr Pe'or geschändet ist, dass ihr euch von ihm getrennt, den Bund mit ihm zerrissen habt, und dafür werden sie sich an euch rächen, sie bereiten gegen euch allerlei Listen vor. Sie werden Übles gegen euch im Schilde führen, werden Verschwörungen gegen euch schmieden und versuchen, gegen euch Krieg zu führen, darum kommt ihnen zuvor und greift sie an.“ Daraus ist die Regel abgeleitet: Wer dich zu töten plant, dem komm zuvor und töte ihn, warte nicht, bis man dich angreift.

Hier endet Kapitel 25, und wir lesen weiter ab Vers 1 von Kapitel 26.

וַיְהִי אַחֲרֵי הַמַּגֵּפָה וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל אֶלְעָזָר בֶּן־אַהֲרֹן הַכֹּהֵן לֵאמֹר׃

wajhí acharé hammaggefá wajomer adonáj el-mosché we'él el'asár ben-aharón hakkohén lemór

1 Und es war nach der Seuche (der Epidemie): Und der HERR redete zu Mosche und zu Elasar ben Aharon, dem Kohen, und sprach:

Da Aharon gestorben ist, wendet sich der HERR nicht mehr an Mosche und Aharon, sondern an Mosche und an den Sohn Aharons, Elasar.

שְׂאוּ אֶת־רֹאשׁ כָּל־עֲדַת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מִבֶּן עֶשְׂרִים שָׁנָה וָמַעְלָה לְבֵית אֲבֹתָם כָּל־יֹצֵא צָבָא בְּיִשְׂרָאֵל׃

se'ú et-rósch kol-adát bene-jisraél mibbén esrím schaná wamá'la lewét awotám kol-jozé zawá bejisraél

2 „Erfasst (zählt) die Köpfe der ganzen Gemeinde Israels von zwanzig Jahren und darüber, nach dem Haus ihrer Väter, jeden, der tauglich ist für das Heer in Israel.“

Das heißt, um das Volk auf den Krieg mit Midjan vorzubereiten, befiehlt der Höchste, eine allgemeine Mobilmachung durchzuführen. Der Höchste sagte nicht: „Versammelt euch, zehn Mann, Ich werde ein Wunder tun, und ihr werdet sie besiegen.“ Nein, es braucht die volle Hingabe vonseiten des Volkes Israel für die Teilnahme an diesem Krieg.


וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה וְאֶלְעָזָר הַכֹּהֵן אֹתָם בְּעַרְבֹת מוֹאָב עַל־יַרְדֵּן יְרֵחוֹ לֵאמֹר׃

wajdabbér mosché we'el'asár hakkohén otám be'arwót mo'áw al-jardén jerechó lemór

3 Und es redeten mit ihnen (mit dem Volk Israel) Mosche und Elasar, der Kohen, in den Steppen Moaws, am Jordan, bei Jericho, und sprachen:


מִבֶּן עֶשְׂרִים שָׁנָה וָמָעְלָה כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֶת־מֹשֶׁה וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל הַיֹּצְאִים מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃

mibbén esrím schaná wamá'la ka'aschér ziwwá adonáj et-mosché uwné jisraél hajoze'ím me'érez mizrájim

4 „Von zwanzig Jahren und darüber, wie der HERR Mosche und den Söhnen Israels geboten hatte, die aus Ägypten ausgezogen waren.“

Und es beginnt eigentlich die Aufzählung, die Erfassung der Söhne Israels.


רְאוּבֵן בְּכוֹר יִשְׂרָאֵל בְּנֵי רְאוּבֵן חֲנוֹךְ מִשְׁפַּחַת הַחֲנֹכִי לְפַלּוּא מִשְׁפַּחַת הַפַּלֻּאִי׃

re'uwén bechór jisraél bené re'uwén chanóch mischpáchat hachanochí lefallú mischpáchat happallu'í

5 Re'uwen ist der Erstgeborene Israels. Die Söhne Re'uwens: Chanoch und die Familie Chanochi (haChanochi), Palu und die Familie Palui (haPalui).


לְחֶצְרֹן מִשְׁפַּחַת הַחֶצְרוֹנִי לְכַרְמִי מִשְׁפַּחַת הַכַּרְמִי׃

lechezrón mischpáchat hachezroní lecharmí mischpáchat hakkarmí

6 Bei Chezron – die Familie Chezroni (haChezroni), und bei Karmi – die Familie Karmi (haKarmi).

 Vielleicht ist das eine Gelegenheit, ein wenig darüber zu sagen, wozu die Tora sagt: „Bei Karmi – die Familie Karmis, bei Chezron – die Familie Chezrons.“ Das ist dafür, dass die Leute nicht sagen: „Sie haben dort in Ägypten in Sklaverei gelebt, und die Ägypter haben über sie geherrscht. Und ihre Frauen waren auch Sklavinnen bei den Ägyptern, darum – geh und finde heraus, welche Frau von wem Kinder hat? Woher wissen sie überhaupt, dass das ihre Kinder sind?“ Und darum nennt die Tora hier die Namen: bei Chezron – Chezrons Kinder, bei Karmi – Karmis Kinder, jeder hat seine eigenen Kinder, damit es keinerlei Verdacht gibt. Wir werden darüber noch beim weiteren Studium von Kapitel 26 sprechen.


אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת הָרֻאוּבֵנִי וַיִּהְיוּ פְקֻדֵיהֶם שְׁלֹשָׁה וְאַרְבָּעִים אֶלֶף וּשְׁבַע מֵאוֹת וּשְׁלֹשִׁים׃

élle mischpechót haruwení wajihjú fekudehém scheloschá we'arba'ím élef uschwá meót uschloschím

7 Das sind die Familien Re'uwenis; und ihre Zählung war dreiundvierzigtausendsiebenhundertdreißig.


וּבְנֵי פַלּוּא אֱלִיאָב׃

uwné fallú eli'áw

8 Und von den Söhnen Palus: Eli'aw.

Und einer der Söhne Palus war ein Mann namens Eli'aw, wir haben über ihn gelesen und werden uns jetzt erinnern.


וּבְנֵי אֱלִיאָב נְמוּאֵל וְדָתָן וַאֲבִירָם הוּא־דָתָן וַאֲבִירָם קְרוּאֵי (קְרִיאֵי) הָעֵדָה אֲשֶׁר הִצּוּ עַל־מֹשֶׁה וְעַל־אַהֲרֹן בַּעֲדַת־קֹרַח בְּהַצֹּתָם עַל־יְהוָה׃

uwné eli'áw nemu'él wedatán wa'awirám hu-datán wa'awirám keri'é ha'edá ascher hizzú al-mosché we'al-aharón ba'adat-kórach behazzotám al-adonáj

9 Und von den Söhnen Eli'aws: Nemu'el und Datan und Awiram. Das sind jene vornehmen Datan und Awiram, die gegen Mosche und Aharon in der Gemeinde Korachs rebellierten, indem sie gegen den Höchsten rebellierten.

 Da nun schon die Rede auf Re'uwen und seine Nachkommen gekommen ist, erinnert uns die Tora daran, was das für eine Familie Palu ist und was das für Datan und Awiram sind.

In Vers 10 erinnert uns die Tora wieder an die Geschichte:


וַתִּפְתַּח הָאָרֶץ אֶת־פִּיהָ וַתִּבְלַע אֹתָם וְאֶת־קֹרַח בְּמוֹת הָעֵדָה בַּאֲכֹל הָאֵשׁ אֵת חֲמִשִּׁים וּמָאתַיִם אִישׁ וַיִּהְיוּ לְנֵס׃

wattiftách ha'árez et-piha wattiwlá otám we'et-kórach bemót ha'edá ba'achól ha'ésch et chamischím umatájim isch wajihjú lenés

10 Und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie und Korach durch den Tod der Gemeinde, und damals, als das Feuer zweihundertfünfzig Menschen verzehrte, und sie wurden zum Zeichen.

Wir haben gesagt, dass es außer jener Gemeinde noch Leute gab, die mit Pfannen zum Heiligtum hinausgingen und den Dienst der Kohanim beanspruchten, und das Feuer verzehrte sie, und sie wurden zum Zeichen, sie wurden zum Gerede in aller Munde, sie wurden zum Wunder.

וּבְנֵי־קֹרַח לֹא־מֵתוּ׃

uwne-kórach lo-métu

11 Und die Söhne Korachs starben nicht.

Eine erstaunliche Sache. Die Söhne Korachs beschlossen, wie der Midrasch sagt, im letzten Moment, dass sie nicht mit dem Vater sind, dass sie mit diesem Aufstand nicht einverstanden sind, nicht daran teilnehmen wollen, und ihre Teschuwá (Reue) im letzten Moment hat sie davor gerettet, von der Unterwelt verschlungen zu werden. Einige Kommentatoren sagen, dass gleichsam eine Säule in diesem Erdspalt entstand, und die Söhne Korachs blieben stehen und wurden nicht von der Unterwelt verschlungen. Wir lesen über die Söhne Korachs, dass sie Psalmensänger am Hof Davids waren, und es gibt Psalmen der Söhne Korachs in Tehillim.

Vorbereitung auf den Einzug ins neue Zuhause

Bemidbar 26,12–65

Mit Gottes Hilfe setzen wir das Studium des Wochenabschnitts Pinchas fort und werden ab Vers 12 von Kapitel 26 des Buches Bemidbar lesen. Letztes Mal haben wir begonnen, die Liste zu lesen, den Bericht über die Zählung, die letzte Zählung vor dem Einzug nach Israel, die auf Befehl des Höchsten Mosche und Elasar, der Sohn Aharons, durchgeführt haben, unter anderem auch für die Aufteilung des Landes in Erbteile. Wir haben begonnen, sie zu lesen, und sind am Anfang stehen geblieben. Höchste Zeit, über die ersten, sagen wir es so, jüdischen Familiennamen zu sprechen, denen wir hier begegnen. Sie werden gebildet, indem man zum Namen des Familienvaters vorne das Buchstäbchen He und am Ende das Buchstäbchen Jud hinzufügt. Das heißt, wenn wir dem Namen Namu'el begegnen, dann wird der Familienname der Nachkommen Namu'els haNamu'eli sein. Und, wie wir schon gesagt haben, das ist ein Zeugnis dafür, dass die Familienväter auch die biologischen Väter der Kinder sind, damit kein Verdacht aufkommt, dass diese Kinder außerhalb der Ehe geboren wurden, von irgendwelchen ägyptischen Herren, unter Druck, als Folge von Gewalt oder einer Verbindung jüdischer Frauen mit Ägyptern.

בְּנֵי שִׁמְעוֹן לְמִשְׁפְּחֹתָם לִנְמוּאֵל מִשְׁפַּחַת הַנְּמוּאֵלִי לְיָמִין מִשְׁפַּחַת הַיָּמִינִי לְיָכִין מִשְׁפַּחַת הַיָּכִינִי׃

bené schim'ón lemischpechotám linmu'él mischpáchat hannemu'elí lejamín mischpáchat hajaminí lejachín mischpáchat hajachiní

12 Das sind die Söhne Schimons nach ihren Geschlechtern: bei Nemu'el – die Familie haNemu'eli, bei Jamin – die Familie haJamini, bei Jachin – die Familie haJachini.

לְזֶרַח מִשְׁפַּחַת הַזַּרְחִי לְשָׁאוּל מִשְׁפַּחַת הַשָּׁאוּלִי׃

lesérach mischpáchat hassarchí leschaúl mischpáchat haschaulí

13 Bei Serach – die Familie haSarchi, bei Scha'ul – die Familie haScha'uli.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת הַשִּׁמְעֹנִי שְׁנַיִם וְעֶשְׂרִים אֶלֶף וּמָאתָיִם׃

élle mischpechót haschim'oní schenájim we'esrím élef umatájim

14 Das sind die Familien Schimons – zweiundzwanzigtausendzweihundert.

Wie es gewöhnlich ist, wenn die Tora irgendwelche Listen anführt, erfindet sie keine neue Sprache, bemüht sich nicht, literarisch reich zu sein, sondern setzt mit derselben Sprache auch die Beschreibung aller übrigen Stämme fort. So kann dieses Kapitel wegen dieses Rezitativs der Namen langweilig erscheinen, und dennoch wird es auch darin sehr interessante Details geben.

בְּנֵי גָד לְמִשְׁפְּחֹתָם לִצְפוֹן מִשְׁפַּחַת הַצְּפוֹנִי לְחַגִּי מִשְׁפַּחַת הַחַגִּי לְשׁוּנִי מִשְׁפַּחַת הַשּׁוּנִי׃

bené gad lemischpechotám lizfón mischpáchat hazzefoní lechaggí mischpáchat hachaggí leschuní mischpáchat haschuní

15 Die Söhne Gads nach ihren Geschlechtern: bei Zfon – die Familie haZefoni, bei Chagi – die Familie haChagi, bei Schuni – die Familie haSchuni.

לְאָזְנִי מִשְׁפַּחַת הָאָזְנִי לְעֵרִי מִשְׁפַּחַת הָעֵרִי׃

le'osní mischpáchat ha'osní le'erí mischpáchat ha'erí

16 Bei Osni – die Familie haOsni, bei Eri – die Familie haEri.

 Hier, im Namen Osni, begegnen wir vielleicht zum ersten Mal in der ganzen Tora einem Kosenamen. Der Name Osni ist vom Namen Osnijahu gebildet, wie zum Beispiel der Name Kolja vom Namen Nikolaj oder der Name Kostja vom Namen Konstantin. Osnijahu – der, den der Höchste wiegt, ins Gleichgewicht bringt. Das kann man auch verstehen als der, der den Höchsten hört, oder der, den der Höchste hört. Es geht darum, dass man die Ohren des Menschen mit den Schalen einer Waage vergleichen kann: Sie befinden sich auf beiden Seiten des Kopfes und wiegen, bildlich gesprochen, durch das Gehör das Schlechte und das Gute, das Gütige und das Üble gegeneinander ab. Darum ist es interessant, dass es eine Verbindung gibt zwischen dem Wort ósen (Ohr) und dem Verb leasén (ins Gleichgewicht bringen), das sind wurzelverwandte Wörter.

לַאֲרוֹד מִשְׁפַּחַת הָאֲרוֹדִי לְאַרְאֵלִי מִשְׁפַּחַת הָאַרְאֵלִי׃

la'aród mischpáchat ha'arodí le'ar'elí mischpáchat ha'ar'elí

17 Bei Arod – die Familie haArodi, bei Ar'el – die Familie haAr'eli.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת בְּנֵי־גָד לִפְקֻדֵיהֶם אַרְבָּעִים אֶלֶף וַחֲמֵשׁ מֵאוֹת׃

élle mischpechót bene-gád lifkudehém arba'ím élef wachamésch meót

18 Das sind die Familien der Söhne Gads nach ihrer Erfassung – vierzigtausendfünfhundert.

Ab Vers 19 werden die Söhne Jehudas aufgezählt, des zahlreichsten aller Stämme Israels.

בְּנֵי יְהוּדָה עֵר וְאוֹנָן וַיָּמָת עֵר וְאוֹנָן בְּאֶרֶץ כְּנָעַן׃

bené jehudá er weonán wajámot er weonán be'érez kená'an

19 Die Söhne Jehudas: Er und Onan, und Er und Onan starben im Land Kanaan.

 Wir wissen, dass seine beiden Söhne, Er und Onan, schon lange gestorben waren, noch bevor das Volk nach Ägypten hinabzog. Und dennoch werden sie hier aufgezählt. Ein Mensch vergisst niemals seine Söhne, auch nicht die verstorbenen. Und die Tora erweist Jehuda Ehre, indem sie diese seine Söhne erwähnt.

וַיִּהְיוּ בְנֵי־יְהוּדָה לְמִשְׁפְּחֹתָם לְשֵׁלָה מִשְׁפַּחַת הַשֵּׁלָנִי לְפֶרֶץ מִשְׁפַּחַת הַפַּרְצִי לְזֶרַח מִשְׁפַּחַת הַזַּרְחִי׃

wajihjú wene-jehudá lemischpechotám leschelá mischpáchat haschelaní leférez mischpáchat happarzí lesérach mischpáchat hassarchí.

20 Und so waren die Söhne Jehudas nach ihren Familien, von denen, die zu jener Zeit am Leben waren: von Schela – die Familie haSchelani, von Perez – die Familie haParzi, von Serach – die Familie haSarchi.

 Natürlich haben Familiennamen mit der Zeit die Eigenschaft, sich zu ändern. Heute trifft man kaum einen Menschen mit dem Familiennamen haParzi. Einen Menschen mit dem Familiennamen Pérez dagegen trifft man ziemlich leicht, sehr viele orientalische Juden tragen diesen Familiennamen. Und die Tradition sagt, dass sie zu den Nachkommen König Davids gehören. Unter anderen orientalischen Familien, die Familiennamen des Hauses David tragen (wenn wir schon davon sprechen), kann man den Familiennamen Dajan (Richter) und den Familiennamen Mani erwähnen. Mani ist buchstäblich eine Abkürzung von Min Nezar Jischaj (aus den Nachkommen Jischajs), das heißt aus den Nachkommen Davids. Und der Familienname Kárga gehört ebenfalls zu den Nachkommen des Hofes Davids. Höchstwahrscheinlich gehören zu den Nachkommen Davids Lurie, Rubinstein, Charlap und Grossman, unter den aschkenasischen Juden. Und wenn jemand einen solchen Familiennamen in seiner Familie hat, dann kann man annehmen (natürlich mit großer Vorsicht), dass König David einer eurer Vorfahren ist. So sind diese sprechenden Familiennamen. Dass sie in der Tora in anderer Form erwähnt sind, zeigt, dass sie so waren, dass sie so klangen in dem Moment, als das Volk Israel in das Heilige Land einzog. Selbstverständlich konnte es damals Rubinsteins nicht einmal annähernd geben. Aber so sind nun einmal die Wechselfälle der Geschichte, dass David ben Jischaj irgendwo dort, später, auch das Geschlecht der Rubinsteins hervorbrachte. Da habt ihr die ersten Namensvettern der Geschichte.

Wir halten fest, dass es Serach und die Sippe haSarchi sowohl bei den Söhnen Schimons als auch bei den Söhnen Jehudas gibt.

וַיִּהְיוּ בְנֵי־פֶרֶץ לְחֶצְרֹן מִשְׁפַּחַת הַחֶצְרֹנִי לְחָמוּל מִשְׁפַּחַת הֶחָמוּלִי׃

wajihjú wene-férez lechezrón mischpáchat hachezroní lechamúl mischpáchat hechamulí

21 Und dies sind die Söhne des Perez: von Chezron – die Familie haChezroni, von Chamul – die Familie heChamuli.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת יְהוּדָה לִפְקֻדֵיהֶם שִׁשָּׁה וְשִׁבְעִים אֶלֶף וַחֲמֵשׁ מֵאוֹת׃

élle mischpechót jehudá lifkudehém schischá weschiw'ím élef wachamésch meót

22 Dies ist die Liste der Familien Jehudas nach ihrer Zählung – sechsundsiebzigtausendfünfhundert.

בְּנֵי יִשָּׂשכָר לְמִשְׁפְּחֹתָם תּוֹלָע מִשְׁפַּחַת הַתּוֹלָעִי לְפֻוָה מִשְׁפַּחַת הַפּוּנִי׃

bené jissachár lemischpechotám tolá mischpáchat hattola'í lefuwá mischpáchat happuní

23 Die Söhne Jissachars nach ihren Familien: von Tola – die Familie haTola'i, von Puwa – die Familie haPuni.

 Der Name Tola hat natürlich nichts mit dem modernen Namen Anatoli zu tun. Er kommt von tolá'at schaní (ein Faden oder Wolle, in Scharlachrot gefärbt). Wahrscheinlich ist es interessant festzuhalten, dass auch der Name Puwa mit dem Färben verbunden ist: Das ist die Bezeichnung einer Pflanze (Färberkrapp), die ebenfalls beim Färben von Stoffen verwendet wird. Beide diese Namen wurden höchstwahrscheinlich zu Sippennamen, das heißt zu allgemein gebräuchlichen, traditionellen Namen im Stamm Jissachar. Im Buch Schoftim (10,1–2) lesen wir die Erzählung über einen Mann namens Tola ben Pua, der zur Rettung Israels aufstand und dreiundzwanzig Jahre Richter war. Er ist aus dem Stamm Jissachar, obwohl er in Schamir, auf dem Gebirge Efrajim, lebte und begraben ist. Das heißt, hier sind genau diese zwei Namen erwähnt, wenn auch nicht mehr als Namen von Brüdern, sondern als Namen von Sohn und Vater. Über Schamir werden wir auch gleich sprechen.

לְיָשׁוּב מִשְׁפַּחַת הַיָּשׁוּבִי לְשִׁמְרֹן מִשְׁפַּחַת הַשִּׁמְרֹנִי׃

lejaschúw mischpáchat hajaschuwí leschimrón mischpáchat haschimroní

24 Von Jaschuw – die Sippe haJaschuwi, von Schimron – die Sippe haSchimroni.

Der Sohn Jissachars Jaschuw, der in diesem Vers erwähnt wird, ist derselbe Mensch, der im Buch Bereschit (46,13) Jow genannt wird, unter denen, die mit Jaakow nach Ägypten hinabziehen. Den Namen Schimrón kann man mit dem Wort schamír (der, der Steine schneiden kann, der Steine durchbohrt) verbinden oder mit dem Verb leschamér – bewahren, das heißt er wird bewahrt werden. Einige Kommentatoren sagen, dass auch die Siedlung Schamir selbst, in der der oben erwähnte Retter Israels, Tola ben Pui, lebte, nach eben diesem Schimron benannt ist, einem der Söhne Jissachars.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת יִשָּׂשכָר לִפְקֻדֵיהֶם אַרְבָּעָה וְשִׁשִּׁים אֶלֶף וּשְׁלֹשׁ מֵאוֹת׃

élle mischpechót jissachár lifkudehém arba'á weschischím élef uschlósch meót

25 Dies sind die Sippen Jissachars nach ihrer Zählung – vierundsechzigtausenddreihundert.

בְּנֵי זְבוּלֻן לְמִשְׁפְּחֹתָם לְסֶרֶד מִשְׁפַּחַת הַסַּרְדִּי לְאֵלוֹן מִשְׁפַּחַת הָאֵלֹנִי לְיַחְלְאֵל מִשְׁפַּחַת הַיַּחְלְאֵלִי׃

bené sewulún lemischpechotám leséred mischpáchat hassardí le'elón mischpáchat ha'eloní lejachle'él mischpáchat hajachle'elí

26 Die Söhne Sewuluns nach ihren Sippen: von Sered – die Familie haSardi, von Elon – die Sippe haEloni, von Jachle'el – die Familie haJachle'eli.

 Und auch über diesen Namen, Elon, können wir sagen, dass er zu einem Sippennamen wurde, zu einem Namen, der im Stamm Sewulun verbreitet war. Im selben Buch Schoftim (12,11–12) lesen wir: „Und nach ihm richtete Israel Elon, der Sewuluniter, und er richtete Israel 10 Jahre. Und Elon, der Sewuluniter, starb und wurde in Elon begraben (und der Ort, die Stadt ist nach dem Namen dieser Söhne benannt), im Land Sewuluns.“ So sehen wir also, dass sich Namen auf diese Weise verwurzeln und zu Sippennamen werden. Da haben wir schon das dritte Beispiel.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת הַזְּבוּלֹנִי לִפְקֻדֵיהֶם שִׁשִּׁים אֶלֶף וַחֲמֵשׁ מֵאוֹת׃

élle mischpechót hassewuloní lifkudehém schischím élef wachamésch meót

27 Dies sind die Familien Sewuluns nach ihrer Erfassung – sechzigtausendfünfhundert.

בְּנֵי יוֹסֵף לְמִשְׁפְּחֹתָם מְנַשֶּׁה וְאֶפְרָיִם׃

bené josséf lemischpechotám menasché we'efrájim

28 Die Söhne Josefs nach Familien: Menasche und Efrajim.

בְּנֵי מְנַשֶּׁה לְמָכִיר מִשְׁפַּחַת הַמָּכִירִי וּמָכִיר הוֹלִיד אֶת־גִּלְעָד לְגִלְעָד מִשְׁפַּחַת הַגִּלְעָדִי׃

bené menasché lemachír mischpáchat hammachirí umachír holíd et-gil'ád legil'ád mischpáchat haggil'adí

29 Die Söhne Menasches: von Machir – die Familie haMachiri, und Machir zeugte Gil'ad, und von Gil'ad – die Familie haGil'adi.

אֵלֶּה בְּנֵי גִלְעָד אִיעֶזֶר מִשְׁפַּחַת הָאִיעֶזְרִי לְחֵלֶק מִשְׁפַּחַת הַחֶלְקִי׃

élle bené gil'ád i'éser mischpáchat ha'i'esrí lechélek mischpáchat hachelkí

30 Und dies sind die Söhne Gil'ads: von I'eser – die Familie haI'esri, von Chelek – die Familie haChelki.

וְאַשְׂרִיאֵל מִשְׁפַּחַת הָאַשְׂרִאֵלִי וְשֶׁכֶם מִשְׁפַּחַת הַשִּׁכְמִי׃

we'asri'él mischpáchat ha'asri'elí weschéchem mischpáchat haschichmí

31 Von Asri'el – die Familie haAsri'eli und von Schechem – die Familie haSchichmi.

Der Name Schechem bedeutet Schulter – der, der bereit ist, die Schulter hinzuhalten, eine Stütze im Leben.

וּשְׁמִידָע מִשְׁפַּחַת הַשְּׁמִידָעִי וְחֵפֶר מִשְׁפַּחַת הַחֶפְרִי׃

uschmidá mischpáchat haschemida'í wechéfer mischpáchat hachefrí

32 Von Schmida – die Familie haSchemida'i und von Chefer – die Familie haChefri.

וּצְלָפְחָד בֶּן־חֵפֶר לֹא־הָיוּ לוֹ בָּנִים כִּי אִם־בָּנוֹת וְשֵׁם בְּנוֹת צְלָפְחָד מַחְלָה וְנֹעָה חָגְלָה מִלְכָּה וְתִרְצָה׃

uzlofchád ben-chéfer lo-háju lo baním ki im-banót weschém benót zelofchád machlá weno'á choglá milká wetirzá

33 Und Zelofchad ben Chefer hatte keine Söhne, sondern nur Töchter, und der Name der Töchter Zelofchads: Machla (die, die Gesundheit gibt), No'a (die Schöne) und Chogla (Steinhuhn oder Chukarhuhn), Milka (die, die herrschen wird, Prinzessin) und Tirza (die, die den Schöpfer erfreuen wird).

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת מְנַשֶּׁה וּפְקֻדֵיהֶם שְׁנַיִם וַחֲמִשִּׁים אֶלֶף וּשְׁבַע מֵאוֹת׃

élle mischpechót menasché ufkudehém schenájim wachamischím élef uschwá meót

34 Und dies ist die Familie Menasches und ihre Zählung – zweiundfünfzigtausendsiebenhundert.

Die Tora zählt hier nicht alle Söhne Menasches auf. Weiter, in Kapitel 32 unseres Buches (41–42), werden wir noch über zwei Söhne Menasches lesen, Jair und Nowach, die auf der anderen Seite des Jordan blieben. Wir wissen, dass sich der Stamm Menasche geteilt hat, und in diesem Fall werden nur diejenigen aufgezählt, die in das Land Israel einziehen werden.

אֵלֶּה בְנֵי־אֶפְרַיִם לְמִשְׁפְּחֹתָם לְשׁוּתֶלַח מִשְׁפַּחַת הַשֻּׁתַלְחִי לְבֶכֶר מִשְׁפַּחַת הַבַּכְרִי לְתַחַן מִשְׁפַּחַת הַתַּחֲנִי׃

élle wene-efrájim lemischpechotám leschutélach mischpáchat haschutalchí lewécher mischpáchat habbachrí letáchan mischpáchat hattachaní

35 Und dies sind die Söhne Efrajims nach ihren Familien: von Schutelach – die Familie haSchutalchi, von Becher – die Familie haBachri, und von Tachan – die Familie haTachani.

וְאֵלֶּה בְּנֵי שׁוּתָלַח לְעֵרָן מִשְׁפַּחַת הָעֵרָנִי׃

we'élle bené schutálach le'erán mischpáchat ha'eraní

36 Und dies sind die Söhne Schutelachs: von Eran – die Familie haErani.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת בְּנֵי־אֶפְרַיִם לִפְקֻדֵיהֶם שְׁנַיִם וּשְׁלֹשִׁים אֶלֶף וַחֲמֵשׁ מֵאוֹת אֵלֶּה בְנֵי־יוֹסֵף לְמִשְׁפְּחֹתָם׃

élle mischpechót bene-efrájim lifkudehém schenájim uschloschím élef wachamésch meót élle wene-josséf lemischpechotám

37 Und dies ist die Zählung der Familien Efrajims – zweiunddreißigtausend und fünfhundert. Das ist die Zählung der Söhne Josefs.

בְּנֵי בִנְיָמִן לְמִשְׁפְּחֹתָם לְבֶלַע מִשְׁפַּחַת הַבַּלְעִי לְאַשְׁבֵּל מִשְׁפַּחַת הָאַשְׁבֵּלִי לַאֲחִירָם מִשְׁפַּחַת הָאֲחִירָמִי׃

bené winjamín lemischpechotám lewéla mischpáchat habbal'í le'aschbél mischpáchat ha'aschbelí la'achirám mischpáchat ha'achiramí

38 Dies sind die Söhne Binjamins nach ihren Familien: von Bela – die Familie haBal'i, von Aschbel – die Familie haAschbeli, von Achiram – die Familie haAchirami.

לִשְׁפוּפָם מִשְׁפַּחַת הַשּׁוּפָמִי לְחוּפָם מִשְׁפַּחַת הַחוּפָמִי׃

lischfufám mischpáchat haschufamí lechufám mischpáchat hachufamí

39 Von Schfufam – die Familie haSchufami, von Chufam – die Familie haChufami.

וַיִּהְיוּ בְנֵי־בֶלַע אַרְדְּ וְנַעֲמָן מִשְׁפַּחַת הָאַרְדִּי לְנַעֲמָן מִשְׁפַּחַת הַנַּעֲמִי׃

wajihjú wene-wéla árd wena'amán mischpáchat ha'ardí lena'amán mischpáchat hanna'amí

40 Und unter den Söhnen Belas: Ard und Na'aman, von Ard – die Familie haArdi, von Na'aman – die Familie haNa'ami.

אֵלֶּה בְנֵי־בִנְיָמִן לְמִשְׁפְּחֹתָם וּפְקֻדֵיהֶם חֲמִשָּׁה וְאַרְבָּעִים אֶלֶף וְשֵׁשׁ מֵאוֹת׃

élle wene-winjamín lemischpechotám ufkudehém chamischá we'arbá'im élef weschésch meót

41 Das sind die Söhne Binjamins nach ihren Familien, ihre Zählung – fünfundvierzigtausendsechshundert.

אֵלֶּה בְנֵי־דָן לְמִשְׁפְּחֹתָם לְשׁוּחָם מִשְׁפַּחַת הַשּׁוּחָמִי אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת דָּן לְמִשְׁפְּחֹתָם׃

élle wene-dán lemischpechotám leschuchám mischpáchat haschuchamí élle mischpechót dan lemischpechotám

42 Und dies sind die Söhne Dans nach ihren Familien: von Schucham – die Familie haSchuchami, das sind die Sippen Dans nach ihren Familien.

כָּל־מִשְׁפְּחֹת הַשּׁוּחָמִי לִפְקֻדֵיהֶם אַרְבָּעָה וְשִׁשִּׁים אֶלֶף וְאַרְבַּע מֵאוֹת׃

kol-mischpechót haschuchamí lifkudehém arba'á weschischím élef we'arbá meót

43 Und die ganze Sippe haSchuchami nach ihrer Zählung – vierundsechzigtausendvierhundert.

בְּנֵי אָשֵׁר לְמִשְׁפְּחֹתָם לְיִמְנָה מִשְׁפַּחַת הַיִּמְנָה לְיִשְׁוִי מִשְׁפַּחַת הַיִּשְׁוִי לִבְרִיעָה מִשְׁפַּחַת הַבְּרִיעִי׃

bené aschér lemischpechotám lejimná mischpáchat hajimná lejischwí mischpáchat hajischwí liwri'á mischpáchat habberi'í

44 Dies sind die Söhne Aschers nach ihren Familien: von Jimna – die Familie haJimna, von Jischwi – die Familie haJischwi, von Bri'a – die Familie haBeri'i.

לִבְנֵי בְרִיעָה לְחֶבֶר מִשְׁפַּחַת הַחֶבְרִי לְמַלְכִּיאֵל מִשְׁפַּחַת הַמַּלְכִּיאֵלִי׃

liwné weri'á lechéwer mischpáchat hachewrí lemalki'él mischpáchat hammalki'elí

45 Von den Söhnen Bri'as: von Chewri – die Familie haChewri, und von Malki'el – die Familie haMalki'eli.

Der nächste Vers ist erstaunlich, er durchbricht die Gleichförmigkeit unserer Erzählung.

וְשֵׁם בַּת־אָשֵׁר שָׂרַח׃

weschém bat-aschér sárach

46 Und der Name der Tochter Aschers ist Serach.

Serach, die Tochter Aschers, wird unter denen erwähnt, die mit Jaakow nach Ägypten hinabzogen, das heißt, sie lebte schon in jenen Zeiten und hat also den ganzen Galút (Exil) in Ägypten und den ganzen Weg zurück überlebt, was ebenfalls von ihr als einer Langlebigen spricht. Und das ist der einfache Sinn der Tora. Als wir von der Langlebigkeit des Pinchas sprachen, haben wir Midraschim angeführt; und auch hier gibt es Midraschim und Auslegungen.

Lesen wir aus dem zweiten Buch Schmu'el (20,15–22): „Und sie kamen und belagerten ihn (Schewa ben Bichri) in Awejl-Bejt-Maacha; und sie schütteten vor der Stadt einen Wall auf, der bis an (die Höhe der) Mauer reichte, und das ganze Volk, das mit Jo'aw war, begann die Mauer zu zerstören, damit sie einstürze. Und eine kluge Frau aus der Stadt rief: Hört, hört, bitte, sagt zu Jo'aw: Komm hierher, damit ich mit dir rede; und er trat zu ihr, und die Frau sagte: Bist du Jo'aw? Und er sagte: Ich. Und sie sagte zu ihm: Höre die Worte deiner Magd. Und er sagte: Ich höre. Und sie sprach so: Man hätte zuvor reden, die awejlím (die Bewohner von Awejl) fragen sollen, und dann hätte man die Sache entschieden. Ich bin von den friedlichen und treuen Leuten in Israel, und du willst eine der Mutterstädte in Israel zerstören. Wozu willst du das Erbteil des HERRN verderben?“ Das heißt, die kluge Frau ist eine Frau, die ebenfalls Frieden stiftet, einen Krieg verhindert. Irgendwie ähneln ihre Funktionen hier den Funktionen des Pinchas. Und die Midraschim bringen diese kluge Frau mit eben jener Serach, der Tochter Aschers, in Verbindung. Es gibt dafür keine besonderen Gründe, aber mystisch sehen sie hier dieses Bild. Genauso sagen sie, dass Serach bat Ascher eine der Frauen ist, die lebendig in den Gan Eden eingegangen ist, die den Tod nicht kennengelernt hat. Der Midrasch Pirke de Rabbi Elieser erzählt, dass Ascher, der Sohn Jaakows, seiner Tochter ein Geheimnis weitergab: Wenn der Erlöser kommt, wird er sagen müssen: pakod jifkod (Er hat sich erinnert). Als der Höchste Mosche gebietet, in Ägypten mit den Ältesten Israels zu reden (Schemot 3,16), sagt Er ihm: „Geh und versammle die Ältesten Israels und sage ihnen … pakód pakádti (erinnert habe Ich Mich, mit Heimsuchung heimgesucht habe Ich) …“ Und als Mosche und Aharon zu den Ältesten kamen, gingen jene, um sich mit der alten Frau Serach bat Ascher zu beraten, die die Hüterin des Zeichens der Erlösung war und sich erinnert, wie man die Retter erkennt. Und sie sagte ihnen: „Höchstwahrscheinlich sind das Hochstapler!“ Da erzählten sie ihr die Worte Mosches nach: „Da ist Mosche gekommen und sagt: pakód jiwkód“, und an dieser Stelle sagt sie: „Aha, wenn er das so gesagt hat, dann kann man diesem Menschen glauben!“ So ein Midrasch ist das, der davon erzählt, dass im Volk Israel insgeheim Zeichen weitergegeben werden, um die echten Erlöser zu bestimmen, und dass Serach bat Ascher die Hüterin des ersten dieser Zeichen war. So einen Ruf hat Serach Ascherowna in den Midraschim, in der Überlieferung, bekommen. In der Tora sehen wir das nicht unmittelbar, obwohl die Midraschim Wege finden, sich auf die Tora zu stützen. Aber die Midraschim sind an ihrem Platz schön, und an unserem Platz werden wir weiterlesen.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת בְּנֵי־אָשֵׁר לִפְקֻדֵיהֶם שְׁלֹשָׁה וַחֲמִשִּׁים אֶלֶף וְאַרְבַּע מֵאוֹת׃

élle mischpechót bene-aschér lifkudehém scheloschá wachamischím élef we'arbá me'ót

47 Das ist die Zählung der Söhne Aschers – dreiundfünfzigtausendvierhundert.

בְּנֵי נַפְתָּלִי לְמִשְׁפְּחֹתָם לְיַחְצְאֵל מִשְׁפַּחַת הַיַּחְצְאֵלִי לְגוּנִי מִשְׁפַּחַת הַגּוּנִי׃

bené naftalí lemischpechotám lejachze'él mischpáchat hajachze'elí leguní mischpáchat hagguní

48 Die Söhne Naftalis nach ihren Familien: von Jachze'el – die Familie haJachze'eli, von Guni – die Familie haGuni.

לְיֵצֶר מִשְׁפַּחַת הַיִּצְרִי לְשִׁלֵּם מִשְׁפַּחַת הַשִּׁלֵּמִי׃

lejézer mischpáchat hajizrí leschillém mischpáchat haschillemí

49 Von Jezer – die Familie haJizri, von Schilem – die Familie haSchilemi.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת נַפְתָּלִי לְמִשְׁפְּחֹתָם וּפְקֻדֵיהֶם חֲמִשָּׁה וְאַרְבָּעִים אֶלֶף וְאַרְבַּע מֵאוֹת׃

élle mischpechót naftalí lemischpechotám ufkudehém chamischá we'arba'ím élef we'arbá me'ót

50 Das ist die Zählung der Söhne Naftalis nach ihren Familien – vierundfünfzigtausendvierhundert.

אֵלֶּה פְּקוּדֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל שֵׁשׁ־מֵאוֹת אֶלֶף וָאָלֶף שְׁבַע מֵאוֹת וּשְׁלֹשִׁים׃

élle pekudé bené jisraél schesch-me'ót élef wa'álef schewá me'ót uschloschím

51 Und das ist der Gesamtbericht über die Anzahl der Söhne Israels – sechshunderteintausendsiebenhundertdreißig.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

52 Und der HERR sprach zu Mosche und sagte:

לָאֵלֶּה תֵּחָלֵק הָאָרֶץ בְּנַחֲלָה בְּמִסְפַּר שֵׁמוֹת׃

la'élle techalék ha'árez benachalá bemispár schemót

53 „Unter diese teile das Land als Erbe nach der Zahl der Namen.

לָרַב תַּרְבֶּה נַחֲלָתוֹ וְלַמְעַט תַּמְעִיט נַחֲלָתוֹ אִישׁ לְפִי פְקֻדָיו יֻתַּן נַחֲלָתוֹ׃

laráw tarbé nachalató welam'át tam'ít nachalató isch lefí fekudáw juttán nachalató

54 Wer eine große Familie hat, dem vergrößere das Erbteil, und wer eine kleine Zahl hat, dem verkleinere auch das Erbe; jedem nach seiner Zählung soll das Erbteil gegeben werden.

אַךְ־בְּגוֹרָל יֵחָלֵק אֶת־הָאָרֶץ לִשְׁמוֹת מַטּוֹת־אֲבֹתָם יִנְחָלוּ׃

ach-begorál jechalék et-ha'árez lischmót mattot-awotám jinchálu

55 Aber durch das Los teile das Land; nach den Namen der Lager ihrer Väter sollen sie es aufteilen.

עַל־פִּי הַגּוֹרָל תֵּחָלֵק נַחֲלָתוֹ בֵּין רַב לִמְעָט׃

al-pí haggorál techalék nachalató ben raw lim'át

56 Nach dem Los teile zwischen dem Größeren und dem Kleineren.

Ziemlich widersprüchliche und unverständliche Anweisungen sind in den Versen 54–56 enthalten. Denn wenn wir die Anweisung erhalten, auf irgendeiner logischen Grundlage zu teilen, nach irgendeinem uns bekannten Kriterium (zum Beispiel nach der Anzahl der Menschen), dann sagen wir: Jeder Stamm erhält ein Gebiet je nach seiner Kopfzahl. Dieses Gebiet wird auch nicht in Quadratmetern gemessen, sondern nach seiner Fruchtbarkeit. Es ist klar, dass ein Hektar fruchtbaren Landes fünf Hektar weniger fruchtbaren Landes gleichkommen kann, und all das muss man berücksichtigen. Und dennoch sind das irgendwelche logischen Kriterien, die man anwenden kann und auf deren Grundlage man das Land teilen kann. Und der Höchste sagt hier zu Mosche: „Nach der Zahl der Menschen teile das Land, nach der Zahl jedes Stammes teile das Land.“ Und dennoch sagt der Höchste zugleich: „Nach dem Los teile das Land.“ Das Los – das ist Kopf oder Zahl, das ist das Ziehen irgendwelcher Zettel (es gibt viele verschiedene Arten, das Los zu werfen), und der Höchste sagt: „Hier wende das Los an.“ Aber wenn wir das Los anwenden, dann brauchen wir keine logischen Kriterien. Und wenn wir die Logik anwenden, wozu brauchen wir dann das Los? Und die Kommentatoren streiten darüber.

Die einen sagen: „In Wirklichkeit hat jeder Stamm sein Erbteil nach der Zahl der Menschen erhalten. Innerhalb dieses Stammes aber hat jeder Mensch sein Erbteil durch das Los erhalten.“ Das heißt, wenn eine Familie für die Anzahl ihrer Familienmitglieder eine Fünfzimmerwohnung gekauft hat, dann entscheidet man durch das Los, wer in welchem Zimmer wohnt. Jemand will im Zimmer mit Balkon wohnen, jemand will in irgendeinem anderen Zimmer wohnen – größer, kleiner, heller, dunkler. Und man wirft das Los, damit niemand gekränkt ist. Und das ist noch verständlicher, wenn es um einen ganzen Stamm geht, damit es kein Gerede darüber gibt, dass die Häupter der Stämme sich die besten Ländereien genommen und jemand anderem die schlechteren Ländereien gegeben haben. Jemand will helleres Land, jemand will eine Bodenart, jemand will eine andere: Jeder hat seine Wünsche. Damit es innerhalb keinen Skandal gibt (dieser Meinung zufolge), wird das Los zur Aufteilung der Erbteile innerhalb des Stammes verwendet. Aber das ist nur einer der Ansätze. Das Los ist in der Praxis oft gerade dann anwendbar, wenn es keine logischen Gründe für die Wahl gibt. Lange Zeit gab es in Israel ein solches Mitglied der Knesset – Rabbiner Awraham Rawiz. Er war Abgeordneter der Knesset, Politiker, kandidierte für die orthodoxe Partei Degel ha-Tora, deren Name übersetzt Banner der Tora bedeutet. Über seine Politik werden wir nicht sprechen. Außerdem war er ein religiöser Mensch, Rabbiner, Vater von zwölf Kindern, und außerdem war er ein kranker Mensch. Lange Zeit war er krank, seine Nieren waren krank, und an einem schönen oder nicht so schönen Tag sagte der Arzt zu ihm: „Raw Awraham, du brauchst eine Nierentransplantation, sonst wirst du nicht lange leben.“ Raw Awraham kam nach Hause und erzählte seinen Kindern, was der Arzt gesagt hatte. Alle zwölf Kinder begannen zu streiten. Wir wissen, dass bei einer Organtransplantation die Verträglichkeit ein ziemlich ernster Faktor ist, und Verwandte, Söhne und Töchter, sind die besten Spender für den Vater. Die Söhne und Töchter begannen zu streiten, der Erstgeborene sagte: „Ich bin der Erstgeborene! Ich gebe Papa eine Niere!“ Ein anderer Bruder sagte: „Ich begleite Papa die ganze Zeit zu allen Ärzten, ich fahre ihn überallhin, ich pflege ihn, und ich gebe ihm eine Niere.“ So stritten sie lange, entschieden nichts und kamen zum Rabbinatsgericht. Und das Rabbinatsgericht sagte ihnen: „Leute, werft das Los! Werft das Los, denn so lässt es sich nicht entscheiden.“ Das Los wirft man, wenn es unmöglich ist, genau anzugeben, unmöglich, genau zu verstehen, was zu tun ist, wie zu entscheiden ist, wie zu teilen ist. Und was ist nun in unserem Fall? Gut, in unserem Fall ist ja klar, wie zu teilen ist, alles ist gesagt – nach der Kopfzahl der Stämme, und die Aufteilung innerhalb des Stammes – durch das Los. Tatsächlich teilte das Los das ganze Land in 600 oder in 1000 kleine Teile, und jeder erhielt durch das Los eine Zuweisung für sein Erbteil.

Andere Kommentatoren sagen: „Nein, in Wirklichkeit, wenn wir Kriterien benutzen – selbst offene, selbst eindeutige, selbst logisch begründete –, ist es wichtig, dass es zusätzlich noch eine Bestätigung gibt. Und um die Richtigkeit der Wahl zu bestätigen, wurde zusätzlich noch vom Himmel das Los gegeben.“

Ich möchte ein wenig bei dem Wort gorál verweilen. Gewöhnlich übersetzt man es als Los. Ich würde sagen, dass gorál – das ist die Bestimmung des Himmels. Wenn wir keine Wahl treffen können (nicht dann, wenn uns der Verstand oder die Daten fehlen), wenn die Wahl gleichwertig ist und es unmöglich ist, gestützt auf die Logik, eine Wahl zu treffen, können wir uns durch ein solches Instrument wie das Los an den Schöpfer wenden. Wir sehen das in unserem Fall, wir sehen, dass König Scha'ul das tut, als er erfahren will, wer denn vom Honig gegessen hat, wer ihn denn im Stich gelassen hat. Wir sehen auch einen anderen Fall, wo die Heiden das auf dem Schiff tun, auf dem Jona fährt. Wir wissen aus der Geschichte, dass man im Tempel das Los warf, um einen Kohen zum Dienst zuzulassen. Wir lesen im Evangelium nach Lukas (1,9) über Zacharias, dem durch das Los zufiel, am Altar zu dienen, nicht einfach so. Das heißt, das Los spielte eine wichtige Rolle beim Treffen vieler Entscheidungen im Leben der Menschen dort, wo es unmöglich ist zu bestimmen, wo es unmöglich ist, eindeutig zu wählen und zu entscheiden, welchen der Wege man gehen soll. Und hier kann eine durchaus zu erwartende Frage für einen gläubigen Menschen heute gestellt werden: Darf man das Los werfen? Darf man in allen Fällen das Los werfen? Die Antwort ist folgende: Das Los werfen darf man im Prinzip. Wir sehen, dass auch die Apostel das getan haben (Apg. 1,26). Die Frage ist, wie man das richtig macht. Nun, stellt euch eine Situation vor: Ich komme in die Synagoge und sage: „Einer von euch muss mir tausend Dollar geben. Ich werfe jetzt die Namen von euch allen in einen Hut, und wen ich ziehe, der muss nach Gottes Willen mir tausend Dollar geben.“ Warum ist dieses Los falsch? Weil es keine Zustimmung der Beteiligten zur Durchführung dieses Losens gibt. Ein Mensch sagt: „Ich will nicht geben. Ich bin nicht einverstanden. Ich habe nicht darum gebeten zu fragen, ob ich Alex tausend Dollar geben muss.“ Und dafür gibt es sehr viele Beispiele. Um ein Los durchzuführen, müssen alle Beteiligten damit einverstanden sein, dass es notwendig ist, und das in dem Fall, wenn es keine logische Lösung gibt. Und damit das Los uns nicht die Logik ersetzt, nicht unser Gewissen ersetzt, unser eigenes Denken, unsere eigene Freiheit zu entscheiden: Dort, wo wir entscheiden müssen, müssen wir entscheiden und nicht auf das Los vertrauen. Dennoch darf man in den Fällen, von denen ich gesprochen habe, und in den Fällen, die wir in der Schrift sehen, wahrscheinlich das Los werfen, muss sich dabei aber erinnern, dass es kein Spielzeug ist. Wenn man eine andere Frage stellt: Rate ich, das Los zu werfen, oder nicht, dann rate ich in den meisten Fällen nicht dazu. Tatsächlich, im Fall, wenn zum Beispiel mehrere Menschen sich äußern wollen und es schwer ist, jemandem den Vorzug zu geben, kann man das Los werfen, wer als Erster beginnt. Man kann das Los werfen, wer als Erster der Reihe nach anfängt, den Müll hinauszutragen – dort, wo Gleichheit herrscht, wo es keine Benachteiligungen geben wird. Im Ganzen rate ich nicht, das zu missbrauchen, ich wiederhole es. Aber ob man meinen Rat annimmt oder nicht – werft eine Münze und findet selbst eure Antwort.

Also sagt der Höchste, dass das Land sowohl entsprechend der Kopfzahl jedes Stammes als auch durch das Los geteilt werden wird. Die Leviten aber kommen nicht in die allgemeine Liste, sondern werden gesondert gezählt, wovon wir weiter lesen.

וְאֵלֶּה פְקוּדֵי הַלֵּוִי לְמִשְׁפְּחֹתָם לְגֵרְשׁוֹן מִשְׁפַּחַת הַגֵּרְשֻׁנִּי לִקְהָת מִשְׁפַּחַת הַקְּהָתִי לִמְרָרִי מִשְׁפַּחַת הַמְּרָרִי׃

we'élle fekudé hallewí lemischpechotám legereschón mischpáchat haggereschunní likhát mischpáchat hakkehatí limrarí mischpáchat hammerarí

57 Und dies ist die Zählung der Familien Lewis nach ihren Familien: von Gerschon – die Familie haGerschuni, von Kehat – die Familie haKehati, von Merari – die Familie haMerari.

אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת לֵוִי מִשְׁפַּחַת הַלִּבְנִי מִשְׁפַּחַת הַחֶבְרֹנִי מִשְׁפַּחַת הַמַּחְלִי מִשְׁפַּחַת הַמּוּשִׁי מִשְׁפַּחַת הַקָּרְחִי וּקְהָת הוֹלִד אֶת־עַמְרָם׃

élle mischpechót lewí mischpáchat halliwní mischpáchat hachewroní mischpáchat hammachlí mischpáchat hammuschí mischpáchat hakkorchí ukhát holíd et-amrám

58 Dies sind die Familien Lewis: die Familie haLiwni, die Familie haChewroni, die Familie haMachli, die Familie haMuschi, die Familie haKorchi; und Kehat zeugte Amram.

Und hier, ganz am Ende des Kapitels, öffnet uns die Tora auf erstaunliche Weise ein Stück weit den Stammbaum Mosches.

וְשֵׁם אֵשֶׁת עַמְרָם יוֹכֶבֶד בַּת־לֵוִי אֲשֶׁר יָלְדָה אֹתָהּ לְלֵוִי בְּמִצְרָיִם וַתֵּלֶד לְעַמְרָם אֶת־אַהֲרֹן וְאֶת־מֹשֶׁה וְאֵת מִרְיָם אֲחֹתָם׃

weschém éschet amrám jochéwed bat-lewí aschér jaledá otá lelewí bemizrájim wattéled le'amrám et-aharón we'et-mosché we'ét mirjám achotám

59 Und der Name der Frau Amrams ist Jochewed, die Tochter Lewis, die die Frau Lewis in Ägypten geboren hatte, und sie gebar dem Amram Aharon, Mosche und ihre Schwester Mirjam.

וַיִּוָּלֵד לְאַהֲרֹן אֶת־נָדָב וְאֶת־אֲבִיהוּא אֶת־אֶלְעָזָר וְאֶת־אִיתָמָר׃

wajiwwaléd le'aharón et-nadáw we'et-awihú et-el'asár we'et-itamár

60 Und dem Aharon wurden Nadaw und Awihu und Elasar und Itamar geboren.

וַיָּמָת נָדָב וַאֲבִיהוּא בְּהַקְרִיבָם אֵשׁ־זָרָה לִפְנֵי יְהוָה׃

wajámot nadáw wa'awihú behakriwám esch-sará lifné adonáj

61 Und es starben (kamen um) Nadaw und Awihu (wir haben gesehen, dass die Tora in Bezug auf Jehuda die umgekommenen Kinder erwähnt, und hier ist es dasselbe), als sie fremdes Feuer vor dem HERRN darbrachten.

וַיִּהְיוּ פְקֻדֵיהֶם שְׁלֹשָׁה וְעֶשְׂרִים אֶלֶף כָּל־זָכָר מִבֶּן־חֹדֶשׁ וָמָעְלָה כִּי לֹא הָתְפָּקְדוּ בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל כִּי לֹא־נִתַּן לָהֶם נַחֲלָה בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wajihjú fekudehém scheloschá we'esrím élef kol-sachár mibben-chódesch wamá'la ki lo hotpakedú betóch bené jisraél ki lo-nittán lahém nachalá betóch bené jisraél

62 Und ihre Zählung war dreiundzwanzigtausend, alles Männliche von einem Monat an und darüber, denn sie wurden nicht unter den Söhnen Israels gezählt, da sie keinen Erbteil unter den Söhnen Israels erhielten.

Wenn die übrigen Stämme von zwanzig Jahren an und darüber gezählt wurden, so die Leviten von einem Monat an und darüber. Wir wissen, dass die Leviten für den Dienst des Höchsten bestimmt sind, und deshalb ist ihr Erbteil der Höchste Selbst, einen Erbteil im Land aber werden sie nicht haben.

אֵלֶּה פְּקוּדֵי מֹשֶׁה וְאֶלְעָזָר הַכֹּהֵן אֲשֶׁר פָּקְדוּ אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל בְּעַרְבֹת מוֹאָב עַל יַרְדֵּן יְרֵחוֹ׃

élle pekudé mosché we'el'asár hakkohén aschér pakedú et-bené jisraél be'arwót mo'áw al jardén jerechó

63 Dies ist die Zählung Mosches und Elasars, des Kohen, die das Volk Israel in den Steppen Moaws zählten, am Jordan, gegenüber Jericho.

וּבְאֵלֶּה לֹא־הָיָה אִישׁ מִפְּקוּדֵי מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן הַכֹּהֵן אֲשֶׁר פָּקְדוּ אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל בְּמִדְבַּר סִינָי׃

uw'élle lo-hája isch mippekudé mosché we'aharón hakkohén aschér pakedú et-bené jisraél bemidbár sináj

64 Und unter diesen war kein einziger Mensch von den durch Mosche und Aharon, den Kohen, Gezählten, als sie die Söhne Israels in der Wüste Sinai zählten,

Es gab keinen, es ist kein einziger Mann von denen übrig geblieben, über die der Höchste gesagt hatte: „Ich werde sie vertilgen und sie nicht in das Land hineinkommen lassen.“ Alle haben die Strafe erhalten, und jetzt, wenige Tage, wenige Kilometer vor dem Einzug in das Heilige Land, ist niemand mehr von denen übrig, die damals bei der Zählung waren. Ich füge hinzu (oder erinnere noch einmal daran), dass diese Strafe die Frauen nicht betraf. Die Frauen sind nicht infolge dieser Strafe in der Wüste gestorben, die Strafe erstreckte sich nicht auf die Frauen.

כִּי־אָמַר יְהוָה לָהֶם מוֹת יָמֻתוּ בַּמִּדְבָּר וְלֹא־נוֹתַר מֵהֶם אִישׁ כִּי אִם־כָּלֵב בֶּן־יְפֻנֶּה וִיהוֹשֻׁעַ בִּן־נוּן׃

ki-amár adonáj lahém mot jamútu bammidbár welo-notár mehém isch ki im-kaléw ben-jefunné wihoschúa bin-nún.

65 Denn der HERR hatte ihnen gesagt: „Des Todes sollen sie sterben in der Wüste.“ Und es blieb keiner von ihnen übrig außer Kalew ben Jefunne und Jehoschua ben Nun.

Ein Nachfolger wird gebraucht

Bemidbar 27,1–23

Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Pinchas fort und werden Kapitel 27 des Buches Bemidbar lesen. Es beginnt mit der Geschichte, wie fünf junge Frauen zu Mosche vor Gericht kamen, mit einer Sache kamen, einer Rechtsfrage, die sie zu klären bitten.

וַתִּקְרַבְנָה בְּנוֹת צְלָפְחָד בֶּן־חֵפֶר בֶּן־גִּלְעָד בֶּן־מָכִיר בֶּן־מְנַשֶּׁה לְמִשְׁפְּחֹת מְנַשֶּׁה בֶן־יוֹסֵף וְאֵלֶּה שְׁמוֹת בְּנֹתָיו מַחְלָה נֹעָה וְחָגְלָה וּמִלְכָּה וְתִרְצָה׃

wattikráwna benót zelofchád ben-chéfer ben-gil'ád ben-machír ben-menasché lemischpechót menasché wen-josséf we'élle schemót benotáw machlá no'á wechoglá umilká wetirzá

1 Und es traten herzu die Töchter Zelofchads, ben Chefer, ben Gil'ad, ben Machir, ben Menasche, aus der Familie Menasches ben Josef. Die Namen der jungen Frauen: Machla, Noa, und Chogla, und Milka, und Tirza.

Was bedeutet der Name Zelofchad? Man kann ihn als zaláf chad verstehen – einer, der treffsicher schießt, oder einer, der auf sein Ziel zugeht, zielstrebig. Man kann ihn aber auch als zél (Schatten) páchad (Furcht) verstehen – einer, der seine Furcht zu verbergen weiß, seine Furcht im Schatten zu verstecken und seine Furcht zu überwinden. Noch eine Variante: Wenn der Höchste sich Furcht Jizchaks (páchad Jizchak) nennt, kann man das Wort páchad auch hier in derselben Bedeutung verstehen. Und dann bedeutet der Name Zelofchad: einer, der den Namen trägt und den Schutz Gottes genießt, Den man fürchten muss, vor Dem man zittern muss, der den Namen des furchtbaren, gewaltigen Gottes trägt.

So hieß der Vater dieser jungen Frauen, aber die Tora beschränkt sich nicht auf den Namen des Vaters, sondern führt ihren längeren Stammbaum an. Die Tora führt den Stammbaum dieser jungen Frauen bis hin zu Josef, dem Sohn Jaakows, an. Warum macht die Tora das so? Natürlich stellen sich auch die Kommentatoren diese Frage. Und hier ist eine der Antworten: Wie Josef das Land Israel liebte und im Gedächtnis behielt, als er in Ägypten war, so hat auch Zelofchad diese Eigenschaft geerbt und liebte das Land Israel, ob in Ägypten oder in der Wüste. Das drückt sich darin aus, welche Namen er seinen Töchtern gab: Der Name jeder der jungen Frauen entspricht der Bezeichnung irgendeiner Gegend im Land Israel. Jede der fünf Töchter ist nicht einfach mit einem Namen benannt, sondern mit einem Namen, der zugleich auch die Bezeichnung irgendeiner Gegend in Israel ist. Später, wenn die Erbteile verteilt werden, werden wir sehen, dass jede der jungen Frauen ein Erbe in dem Gebiet erhält, das nach ihrem Namen benannt ist. Gewöhnlich erbt ein Mensch zuerst das Land und benennt es dann nach seinem Namen, hier aber geschieht es umgekehrt. Die Stadt Tirza wird später, eine gewisse Zeit lang, die Hauptstadt des Königreichs Israel sein.

So kamen diese fünf jungen Frauen zu Mosche vor Gericht.


וַתַּעֲמֹדְנָה לִפְנֵי מֹשֶׁה וְלִפְנֵי אֶלְעָזָר הַכֹּהֵן וְלִפְנֵי הַנְּשִׂיאִם וְכָל־הָעֵדָה פֶּתַח אֹהֶל־מוֹעֵד לֵאמֹר׃

watta'amódna lifné mosché welifné el'asár hakkohén welifné hannesi'ím wechol-ha'edá pétach ohel-mo'éd lemór

2 Und sie traten vor Mosche und vor Elasar, den Kohen, und vor die Häupter der Gemeinde und vor die ganze Gemeinde am Eingang des Zeltes der Begegnung und sprachen:


אָבִינוּ מֵת בַּמִּדְבָּר וְהוּא לֹא־הָיָה בְּתוֹךְ הָעֵדָה הַנּוֹעָדִים עַל־יְהוָה בַּעֲדַת־קֹרַח כִּי־בְחֶטְאוֹ מֵת וּבָנִים לֹא־הָיוּ לוֹ׃

awínu met bammidbár wehú lo-hajá betóch ha'edá hanno'adím al-adonáj ba'adat-kórach ki-wechet'ó met uwaním lo-háju lo

3 „Unser Vater ist in der Wüste gestorben, und er war nicht unter denen, die sich gegen den HERRN empörten, in der Gemeinde Korachs, denn er ist für seine Sünde gestorben.

Die jungen Frauen sagen nicht, für welche Sünde ihr Vater gestorben ist. Natürlich wirft das bei den Kommentatoren Fragen auf: Es ist doch immerhin interessant, für welche Sünde ein Mensch gestorben ist. Die einen sagen, dass Zelofchad eben jener Mann ist, der am Schabbat Hölzer sammelte und hingerichtet wurde, und genau von ihm, von dieser Sünde, sprechen die jungen Frauen. Andere sagen, dass Zelofchad unter jenen Leuten war, die nach der Rückkehr der Kundschafter ins Lager in den Kampf zogen, als Mosche sagte: „Der HERR ist nicht mit euch, geht nicht“, aber das Volk sündigte. Natürlich möchte man die Stelle füllen, wenn wir etwas nicht wissen, man möchte diese Lücke füllen und sagen: „Wir aber wissen, von welcher Sünde die jungen Frauen sprechen!“ Aber der einfache Sinn der Tora enthüllt uns nicht, für welche Sünde der Mensch gestorben ist. Verschiedene Menschen haben verschiedene Sünden, und für unsere Geschichte ist das für uns im Großen und Ganzen unwichtig. Sie sagen nur, dass er sich nicht gegen den HERRN empört hat. Und ihre Frage ist diese:

לָמָּה יִגָּרַע שֵׁם־אָבִינוּ מִתּוֹךְ מִשְׁפַּחְתּוֹ כִּי אֵין לוֹ בֵּן תְּנָה־לָּנוּ אֲחֻזָּה בְּתוֹךְ אֲחֵי אָבִינוּ׃

lámma jiggará schem-awínu mittóch mischpachtó ki en lo ben tena-lánu achussá betóch aché awínu

4 Warum soll der Name unseres Vaters aus seiner Familie weggenommen werden (gestrichen werden), nur weil er keinen Sohn hat? Gib uns ein Erbteil unter den Brüdern unseres Vaters!“

Mosche weiß nicht, was er mit dieser Frage anfangen soll, obwohl er im Buch Schemot (18,26) gesagt hat, man solle sich mit schwierigen Sachen an ihn wenden. Davon lesen wir auch in Mosches Nacherzählung im Buch Dewarim (1,17): „Mit jeder Frage kommt zu mir, und ich werde zuhören.“ Einige Kommentatoren sagen, dass der Höchste Mosche gezeigt hat, dass er noch nicht in allen Fragen selbst entscheiden kann, manchmal kennt er nicht alle Gesetze. Ja, du hast auf dem Berg Sinai vierzig Tage gelernt, du warst dort, du hast das Jurastudium abgeschlossen, du bist Mosche, du bist Rabejnu, du bist unser Lehrer, und die Tora wird nach deinem Namen, deinem Namen benannt werden (Torat Mosche), aber du kennst nicht die Antworten auf alle Fragen. Deshalb wandte sich Mosche an den Höchsten. Andere Kommentatoren sagen: „Der Höchste hätte Mosche diese Gesetze ohnehin gesagt, diktiert, geboten. Aber die jungen Frauen wurden durch ihre Liebe zu Israel, durch ihren Wunsch, ein Erbteil in Israel zu erhalten, dessen gewürdigt, dass dieser Teil der Gesetze mit ihren Namen verbunden sein wird.“


וַיַּקְרֵב מֹשֶׁה אֶת־מִשְׁפָּטָן לִפְנֵי יְהוָה׃

wajakréw mosché et-mischpatán lifné adonáj

5 Und Mosche brachte ihre Sache vor den HERRN.

Also wandte sich Mosche an den Höchsten, übergab ihre Sache der höchsten, der allerhöchsten Instanz, die es überhaupt geben kann.

וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajomer adonáj el-mosché lemór

6 Der HERR sprach zu Mosche und sagte:


כֵּן בְּנוֹת צְלָפְחָד דֹּבְרֹת נָתֹן תִּתֵּן לָהֶם אֲחֻזַּת נַחֲלָה בְּתוֹךְ אֲחֵי אֲבִיהֶם וְהַעֲבַרְתָּ אֶת־נַחֲלַת אֲבִיהֶן לָהֶן׃

ken benót zelofchád dowerót natón tittén lahém achussát nachalá betóch aché awihém weha'awartá et-nachalát awihén lahén

7 „Recht reden die Töchter Zelofchads. Gib ihnen ein Erbteil zum Besitz unter den Brüdern ihres Vaters und übergib ihnen das Erbteil ihres Vaters.

Was für einen wunderbaren Segen kann man vom Höchsten erhalten, wenn der Höchste spricht und das in der Tora aufgeschrieben wird: „Der und der hat recht gesprochen, recht reden die Töchter Zelofchads.“ Das heißt, das Land, das als Erbteil für ihren Vater vorgesehen war, übergib ihnen: Die Töchter werden das Recht zu erben haben, wenn es keine Söhne gibt.


וְאֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל תְּדַבֵּר לֵאמֹר אִישׁ כִּי־יָמוּת וּבֵן אֵין לוֹ וְהַעֲבַרְתֶּם אֶת־נַחֲלָתוֹ לְבִתּוֹ׃

we'el-bené jisraél tedabbér lemór isch ki-jamút uwén en lo weha'awartém et-nachalató lewittó

8 Den Söhnen Israels aber erzähle und sprich: Wenn ein Mensch stirbt und er keinen Sohn hat, dann gebt sein Erbe seiner Tochter.

וְאִם־אֵין לוֹ בַּת וּנְתַתֶּם אֶת־נַחֲלָתוֹ לְאֶחָיו׃

we'im-én lo bat untattém et-nachalató le'echáw

9 Wenn er aber keine Tochter hat, dann gebt seinen Brüdern sein Erbe.

וְאִם־אֵין לוֹ אַחִים וּנְתַתֶּם אֶת־נַחֲלָתוֹ לַאֲחֵי אָבִיו׃

we'im-én lo achím untattém et-nachalató la'aché awíw

10 Wenn er aber keine Brüder hat, dann gebt sein Erbteil den Brüdern seines Vaters (seinen Onkeln).


וְאִם־אֵין אַחִים לְאָבִיו וּנְתַתֶּם אֶת־נַחֲלָתוֹ לִשְׁאֵרוֹ הַקָּרֹב אֵלָיו מִמִּשְׁפַּחְתּוֹ וְיָרַשׁ אֹתָהּ וְהָיְתָה לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל לְחֻקַּת מִשְׁפָּט כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֶת־מֹשֶׁה׃

we'im-én achím le'awíw untattém et-nachalató lisch'eró hakkarów eláw mimmischpachtó wejarásch otá wehajetá liwné jisraél lechukkát mischpát ka'aschér ziwwá adonáj et-mosché

11 Wenn aber sein Vater keine Brüder hat, dann gebt sein Erbteil jemandem von den übrigen nahen Verwandten aus seiner Familie, und er wird es erben. Und das soll für die Söhne Israels ein Gesetz des Rechts sein, wie der HERR Mosche geboten hat.“

Das ist eine allgemeine Anweisung, das ist ein allgemeines Gesetz für ganz Israel für viele Jahrhunderte. Mosche erhält eine Anweisung darüber, dass die Töchter das Recht haben zu erben, darüber, in welchem Fall das Land an die Verwandten väterlicherseits übergeben werden kann, die Einzelheiten der Erbfolge werden präzisiert.

Da könnte Mosche denken: „So, jetzt teile ich, ich beteilige mich schon irgendwie an der Aufteilung des Landes dort, im Land Kanaan, vielleicht ... vielleicht gibt es doch eine Chance für mich, dorthin hineinzukommen?“ Eine einfache menschliche Frage: Und was ist mit mir? Und vielleicht, aus Sorge um Mosche, sagt der Höchste weiter:


וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה עֲלֵה אֶל־הַר הָעֲבָרִים הַזֶּה וּרְאֵה אֶת־הָאָרֶץ אֲשֶׁר נָתַתִּי לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wajomer adonáj el-mosché alé el-hár ha'awarím hassé ur'é et-ha'árez aschér natátti liwné jisraél

12 Und der HERR sprach zu Mosche: „Steig hinauf auf diesen Berg Awarim und sieh dir dieses Land an, das Ich den Söhnen Israels gegeben habe.


וְרָאִיתָה אֹתָהּ וְנֶאֱסַפְתָּ אֶל־עַמֶּיךָ גַּם־אָתָּה כַּאֲשֶׁר נֶאֱסַף אַהֲרֹן אָחִיךָ׃

wera'íta otá wene'essaftá el-ammécha gam-átta ka'aschér ne'éssaf aharon achícha

13 Und du wirst es sehen und wirst deinem Volk beigesellt werden, auch du, wie Aharon, dein Bruder, beigesellt wurde;

Hier wieder so ein Euphemismus, den die Tora ständig verwendet, wenn sie vom Tod spricht: „Du wirst deinem Volk beigesellt werden.“

כַּאֲשֶׁר מְרִיתֶם פִּי בְּמִדְבַּר־צִן בִּמְרִיבַת הָעֵדָה לְהַקְדִּישֵׁנִי בַמַּיִם לְעֵינֵיהֶם הֵם מֵי־מְרִיבַת קָדֵשׁ מִדְבַּר־צִן׃

ka'aschér meritém pi bemidbar-zín bimriwát ha'edá lehakdischéni wammájim le'enehém hem me-meriwát kadésch midbar-zín

14 Dafür, dass ihr gegen Meinen Mund gehandelt habt in der Wüste Zin, als die Gemeinde stritt, Meine Heiligkeit mit dem Wasser vor ihren Augen zu erweisen. Das ist das Wasser des Streites, in Kadesch, in der Wüste Zin.“

Mosche versteht, dass die Zeit, in der er die Gemeinde leiten wird, zu Ende geht.

וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֶל־יְהוָה לֵאמֹר׃

wajdabbér mosché el-adonáj lemór

15 Und Mosche redete zum HERRN und sprach:

יִפְקֹד יְהוָה אֱלֹהֵי הָרוּחֹת לְכָל־בָּשָׂר אִישׁ עַל־הָעֵדָה׃

jifkód adonáj elohé haruchót lechol-bassár isch al-ha'edá

16 „Möge der HERR, der Gott der Geister allen Fleisches, einen Menschen über die Gemeinde erwählen,

Das heißt, nur Gott, der allem Fleisch die Geister gibt, der alles Fleisch lebendig macht und den Geist jedes Fleisches kennt, nur Er kann denjenigen erwählen, der ein würdiger Leiter, ein würdiger Führer des Volkes Israel sein wird. Deshalb spricht Mosche gerade von dieser Eigenschaft des Höchsten – den menschlichen Geist zu sehen: „Wähle einen Menschen, der dem Geist nach dazu passt, das Volk Israel weiterzuführen.“

אֲשֶׁר־יֵצֵא לִפְנֵיהֶם וַאֲשֶׁר יָבֹא לִפְנֵיהֶם וַאֲשֶׁר יוֹצִיאֵם וַאֲשֶׁר יְבִיאֵם וְלֹא תִהְיֶה עֲדַת יְהוָה כַּצֹּאן אֲשֶׁר אֵין־לָהֶם רֹעֶה׃

ascher-jezé lifnehém wa'aschér jawó lifnehém wa'aschér jozi'ém wa'aschér jewi'ém weló tihjé adát adonáj kazzón aschér en-lahém ro'é

17 Der vor ihnen hinausgehen und vor ihnen hineingehen wird, und der sie führen wird, und der sie zurückbringen wird. Und die Gemeinde des HERRN soll nicht sein wie Vieh, das keinen Hirten hat.“

Der Mensch, den Gott erwählen wird, wird die Söhne Israels in den Krieg hinausführen und sie aus dem Krieg zurückbringen. Er wird nicht nur selbst gehen, sondern wird auch dafür sorgen, sie hinauszuführen und sie zurückzubringen. Er wird sich darum kümmern, dass jeder der Krieger, jeder, der hinausgeht, nach Hause zurückkehrt. Wenn ein Hirte seine Herde führt, hat diese Herde eine bestimmte Form. Die Schafe gehen nicht einfach, es scheint nur so, als ob die Schafe als Menge gehen. Sie haben eine bestimmte Ordnung, sonst würden die Schafe einander einfach zertrampeln oder auseinanderlaufen. Und ein Mensch vom Fach, ein kundiger Mensch, sieht sofort, wie eine Herde geht, die keinen Hirten hat, und wie sich eine Herde verhält, die einen Hirten hat. Mosche sagt: „Möge das Volk Israel niemals aussehen wie eine Herde, die keinen Hirten hat.“


וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה קַח־לְךָ אֶת־יְהוֹשֻׁעַ בִּן־נוּן אִישׁ אֲשֶׁר־רוּחַ בּוֹ וְסָמַכְתָּ אֶת־יָדְךָ עָלָיו׃

wajomer adonáj el-mosché kach-lécha et-jehoschúa bin-nún isch ascher-rúach bo wesamachtá et-jadechá aláw

18 Und der HERR sprach zu Mosche: „Nimm dir Jehoschua ben Nun, in dem der Geist ist (eben jener Geist, von dem du gesprochen hast), und lege deine Hand auf ihn.

וְהַעֲמַדְתָּ אֹתוֹ לִפְנֵי אֶלְעָזָר הַכֹּהֵן וְלִפְנֵי כָּל־הָעֵדָה וְצִוִּיתָה אֹתוֹ לְעֵינֵיהֶם׃

weha'amadtá otó lifné el'asár hakkohén welifné kol-ha'edá weziwwitá otó le'enehém

19 Und stelle ihn vor Elasar, den Kohen, und vor die ganze Gemeinde, und gib ihm einen Befehl (eine Anweisung) vor ihren Augen.

Damit später niemand darüber streitet, wer der Nachfolger ist, gebietet der Höchste Mosche, den Nachfolger offen durch das Auflegen der Hände vor dem Angesicht der ganzen Gemeinde einzusetzen.

וְנָתַתָּה מֵהוֹדְךָ עָלָיו לְמַעַן יִשְׁמְעוּ כָּל־עֲדַת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃

wenatattá mehodechá aláw lemá'an jischme'ú kol-adát bené jisraél

20 Und du wirst ihm von deiner Herrlichkeit geben, damit die ganze Gemeinde der Söhne Israels es wisse (damit sie es höre).

Wir erinnern uns, dass das Gesicht Mosches strahlte, als er vom Berg herabstieg, dieses Strahlen blieb bei ihm. Und der Höchste sagt: „Du wirst mit Jehoschua dein Licht teilen.“ Die Kommentatoren bemerken hier, dass Mosche die Sonne ist und Jehoschua ben Nun der Mond, der das Licht Mosches widerspiegelt, dass Mosche ihn mit einem gewissen Licht ausgestattet hat.

וְלִפְנֵי אֶלְעָזָר הַכֹּהֵן יַעֲמֹד וְשָׁאַל לוֹ בְּמִשְׁפַּט הָאוּרִים לִפְנֵי יְהוָה עַל־פִּיו יֵצְאוּ וְעַל־פִּיו יָבֹאוּ הוּא וְכָל־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל אִתּוֹ וְכָל־הָעֵדָה׃

welifné el'asár hakkohén ja'amód weschá'al lo bemischpát haurím lifné adonáj al-píw jeze'ú we'al-píw jawó'u hu wechol-bene-jisraél ittó wechol-ha'edá

21 Und er wird vor Elasar, dem Kohen, stehen und wird ihn fragen, sich an die Urim und Tummim wenden vor dem HERRN; nach seinem Wort (mit seiner Zustimmung) werden sie in den Krieg ausziehen und werden aus dem Krieg zurückkehren, sowohl er selbst als auch alle Söhne Israels und die ganze Gemeinde.“

Warum ist das wichtig? Elasar, der Kohen, ist der Sohn Aharons, auf diese Weise verlieren weder die Familie Mosches noch die Priesterschaft ihre Macht. Sowohl Jehoschua ben Nun als auch der König, wie auch jeder Herrscher in Israel, konnten keinen Krieg ohne die Billigung des Kohen beginnen. Alles wird nach dem Wort Jehoschua ben Nuns geschehen, nachdem er sich an die Urím und Tummím gewandt und sich mit Elasar, dem Kohen, beraten hat.


וַיַּעַשׂ מֹשֶׁה כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֹתוֹ וַיִּקַּח אֶת־יְהוֹשֻׁעַ וַיַּעֲמִדֵהוּ לִפְנֵי אֶלְעָזָר הַכֹּהֵן וְלִפְנֵי כָּל־הָעֵדָה׃

wajá'as mosché ka'aschér ziwwá adonáj otó wajikkách et-jehoschúa waja'amidéhu lifné el'asár hakkohén welifné kol-ha'edá

22 Und Mosche tat, wie der Höchste ihm geboten hatte, und nahm Jehoschua und stellte ihn vor Elasar, den Kohen, und vor die ganze Gemeinde,


וַיִּסְמֹךְ אֶת־יָדָיו עָלָיו וַיְצַוֵּהוּ כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה בְּיַד־מֹשֶׁה׃

wajismóch et-jadáw aláw wajzawwéhu ka'aschér dibbér adonáj bejad-mosché

23 Und er legte beide Hände auf ihn und gebot ihm alles, wie der HERR durch Mosche gesagt hatte.

Der Höchste hat gesagt, wir haben es im 18. Vers gelesen: „Und lege deine Hand (eine) auf ihn.“ Mosche legt beide Hände auf, gleichsam von ganzem Herzen, mit aller Freude. Ohne jeden Schatten eines Zweifels setzt er sich einen Nachfolger ein, ohne jeden Schatten eines Zweifels übergibt er ihm die Leitung, wie man auf Russisch sagt: Ich bin mit beiden Händen „dafür“. So segnet auch Mosche mit beiden Händen Jehoschua dazu, sein Nachfolger zu sein und das Volk Israel weiterzuführen, damit das Volk Israel nicht wie Schafe ohne Hirten sei.

Mit dem Opfer durchs Leben

Bemidbar 28,1–30,1

Mit Gottes Hilfe setzen wir gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Pinchas fort und beginnen mit Kapitel 28 des Buches Bemidbar zu lesen. Unerwartet unterbricht dieses Kapitel die geschichtliche Erzählung, und es beginnt ein Gespräch über eine besondere Art von Opfern, sie heißen mussáf (Hinzufügung). Man bringt sie an besonderen Tagen dar – am Schabbat, am Neumond und an den Festen als Zusatz zu den täglichen Opfern. Und sofort entsteht die Frage: Warum hat die Tora gerade hier begonnen, über dieses Thema zu sprechen, wo doch das Buch Wajikra den Opfern gewidmet war? Rabbi Schlomo Jizchaki (Raschi) führt folgende Erklärung an. Er sagt, dass Mosche (27,17) den Höchsten gebeten hat, dass Israel nicht verlassen sei wie Schafe ohne Hirten, dass der Höchste Fürsorge für Israel zeige. Und er führt ein solches Gleichnis von einer sterbenden Mutter an, die die Kinder ihrem Mann, dem Vater, überlässt, ihm irgendwelche Ratschläge gibt und ihm erzählt, wie er für die Kinder sorgen soll. Und der Vater sagt: „Ermahne du auch noch die Kinder, dass sie mir gehorchen.“ Und hier erinnert auch der Höchste daran, dass Gehorsam Ihm gegenüber nötig ist, damit das Volk lebe, damit das Volk in das Land hineinkommen und im Land leben könne. Deshalb erinnert der Höchste an die Opfer, an den Schabbat, an die Neumonde und an die Feste, daran, wie das Volk leben wird. Also, lasst uns mit Vers 1 von Kapitel 28 zu lesen beginnen.

וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃

wajdabbér adonáj el-mosché lemór

1 Und der HERR redete mit Mosche und sprach:

צַו אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאָמַרְתָּ אֲלֵהֶם אֶת־קָרְבָּנִי לַחְמִי לְאִשַּׁי רֵיחַ נִיחֹחִי תִּשְׁמְרוּ לְהַקְרִיב לִי בְּמוֹעֲדוֹ׃

zaw et-bené jisraél we'amartá alehém et-korbaní lachmí le'ischáj réjach nichochí tischmerú lehakríw li bemo'adó

2 „Gebiete den Söhnen Israels und sage ihnen: Meine Darbringung, Mein Brot für die Ganzopfer, zum wohlgefälligen Wohlgeruch, achtet darauf, sie mir zur festgesetzten Zeit darzubringen.

Das heißt, achtet sorgfältig auf den Zeitplan, haltet den Plan der Opfer ein, um sie Mir zur rechten Zeit darzubringen, wenn man das in einer ganz einfachen, irdischen Sprache sagt.

וְאָמַרְתָּ לָהֶם זֶה הָאִשֶּׁה אֲשֶׁר תַּקְרִיבוּ לַיהוָה כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה תְמִימִם שְׁנַיִם לַיּוֹם עֹלָה תָמִיד׃

we'amartá lahém se ha'isché aschér takríwu ladonáj kewassím bene-schaná temimím schenájim lajom olá tamíd

3 Und sage ihnen: Dies sind die Darbringungen, die ihr dem HERRN darbringen werdet: einjährige, makellose Lämmchen – zwei am Tag, ein beständiges Opfer (Ganzopfer).

Der HERR beginnt mit der Beschreibung des Opfers tamíd (immer) zu sprechen, das heißt solcher Opfer, die jeden Tag dargebracht werden, 365 Mal im Jahr, unabhängig davon, welche Jahreszeit, welche Saison, welcher Tag ist. Tag für Tag werden verpflichtend die Opfer dargebracht, von denen jetzt die Rede ist. Das heißt, jeden Tag muss man dem HERRN zwei makellose einjährige Lämmchen als Opfer darbringen.

אֶת־הַכֶּבֶשׂ אֶחָד תַּעֲשֶׂה בַבֹּקֶר וְאֵת הַכֶּבֶשׂ הַשֵּׁנִי תַּעֲשֶׂה בֵּין הָעַרְבָּיִם׃

et-hakkéwes echád ta'assé wabbóker we'ét hakkéwes haschení ta'assé ben ha'arbájim

4 Ein Lämmchen bringe am Morgen dar, und das zweite Lämmchen bringe in der Abenddämmerung dar.

In den rabbinischen Quellen gibt es einen Streit: Welches Gebot ist das wichtigste, welches ist das größte Gebot in der Tora? Und es werden dazu drei Meinungen geäußert. Ben Asai sagt: „Das wichtigste Gebot in der Tora ist Höre, Israel, der HERR, unser Gott – Gott ist Einer.“ Das ist das, was auch Jeschua Maschiach lehrt. Das Wichtigste ist, die ganze Einheit der Schöpfung zu verstehen, zu verstehen, dass alles in der Welt miteinander verbunden ist und sich unter der Lenkung, unter der Kontrolle des Höchsten befindet. Alles, was es in dieser Welt gibt, klingt wie ein einziges Orchester, das der Höchste dirigiert. Ben Nanas und Rabbi Akiwa sagen: „Das wichtigste Gebot in der Tora ist Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Auch ein sehr wichtiges Gebot, und davon hat auch Jeschua gelehrt. Aber es gibt auch eine dritte Meinung. Die dritte Meinung ist eine sehr unpopuläre Meinung. Sie vertritt Rabbi Schimon Ben Pasi. Er sagt: „Das wichtigste Gebot in der Tora ist ein Lämmchen am Morgen, ein Lämmchen am Abend.“ Er spricht nicht von den Opfern, er spricht von Disziplin. Das Wichtigste ist, Gott in kleinen alltäglichen Dingen treu sein zu können, Tag für Tag etwas Routinemäßiges, Unauffälliges zu tun, zum Beispiel das Frühstück zuzubereiten, das Abendessen zuzubereiten. Das tägliche Lämmchen am Morgen und das Lämmchen am Abend – das ist das, was er für sich für das Wichtigste hielt. Jeder der Weisen sprach davon, was für ihn zum heutigen Tag eine Lektion ist, eine Herausforderung, die ihm die Tora stellt. Und es gibt eben eine solche Meinung. Deshalb kann man in diesem Vers eine besondere Tiefe sehen. Wichtig ist die Disziplin in kleinen, alltäglichen Dingen, wichtig ist Beständigkeit, Treue zum Höchsten im Kleinen.

Aber kehren wir zu unseren Schafen zurück, im wörtlichen Sinn. Wir sprechen vorerst über das tägliche Opfer, über das, was jeden Tag im Jahr vollzogen wird. Zusammen mit diesen Lämmchen wird dargebracht:

וַעֲשִׂירִית הָאֵיפָה סֹלֶת לְמִנְחָה בְּלוּלָה בְּשֶׁמֶן כָּתִית רְבִיעִת הַהִין׃

wa'assirít ha'efá sólet leminchá belulá beschémen katít rewi'ít hahín

5 Ein Zehntel Efa Mehl Solet, Speiseopfer, vermischt mit hochwertigem Öl in der Menge eines Viertels Hin.

 Ein Efa sind ungefähr 22 Liter. Wenn wir von einem Zehntel sprechen, kann man sagen, dass es 2,2 Liter sind. Das Wort sólet bedeutet im heutigen Hebräisch Grieß, hier kann man es als fein gemahlenes Mehl übersetzen. Schémen katít ist geschlagenes Öl, Öl, das man bei leichtem Druck auf die Olive ohne grobes, schweres Auspressen gewinnt; hin sind etwa 4 Liter, ein Viertel Hin ist folglich ein Liter. Das heißt, wir erhalten, dass außer den zwei Lämmchen 2,2 Liter Mehl Solet, vermischt mit einem Liter Olivenöl, als Opfer dargebracht werden.

עֹלַת תָּמִיד הָעֲשֻׂיָה בְּהַר סִינַי לְרֵיחַ נִיחֹחַ אִשֶּׁה לַיהוָה׃

olát tamíd ha'assujá behár sináj leréjach nichóach isché ladonáj

6 Das ist ein ewiges Opfer, wie am Berg Sinai, ein angenehmer Wohlgeruch, ein Ganzopfer für den Höchsten.

וְנִסְכּוֹ רְבִיעִת הַהִין לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד בַּקֹּדֶשׁ הַסֵּךְ נֶסֶךְ שֵׁכָר לַיהוָה׃

weniskó rewi'ít hahín lakkéwes ha'echád bakkódesch hasséch néssech schechár ladonáj

7 Sein Trankopfer – ein Viertel Hin (ein Liter) für jedes Lämmchen; im Heiligtum gieße dem HERRN berauschendes Trankopfer aus.

 Zu jedem Opfer gehört ein néssech (Trankopfer). Das Verb leschakér bedeutet sich berauschen, betrunken werden. Das heißt, man darf keinen jungen Wein ausgießen, der gerade erst aus der Kelter kommt, man muss gerade berauschenden (schechár) Wein ausgießen und nicht Traubensaft.

וְאֵת הַכֶּבֶשׂ הַשֵּׁנִי תַּעֲשֶׂה בֵּין הָעַרְבָּיִם כְּמִנְחַת הַבֹּקֶר וּכְנִסְכּוֹ תַּעֲשֶׂה אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה׃

we'ét hakkéwes haschení ta'assé ben ha'arbájim keminchát habbóker uchniskó ta'assé isché réjach nichóach ladonáj

8 Und das zweite Lämmchen bringe in der Abenddämmerung als Opfer dar, entsprechend der Morgendarbringung und mit seinem Trankopfer, tue dies zum wohlgefälligen Wohlgeruch, ein Ganzopfer für den HERRN.

Das ist die Anordnung (ich wiederhole sie): zwei Lämmchen, eines am Morgen, eines am Abend, und mit ihnen zusammen 2,2 Liter Mehl Solet, vermischt mit einem Liter Öl, und ein Liter Wein als Trankopfer – das tägliche Opfer. Ab Vers 9 lesen wir schon von den zusätzlichen Opfern des Schabbat.

וּבְיוֹם הַשַּׁבָּת שְׁנֵי־כְבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה תְּמִימִם וּשְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים סֹלֶת מִנְחָה בְּלוּלָה בַשֶּׁמֶן וְנִסְכּוֹ׃

uw'jom haschabbát schene-chewassím bene-schaná temimím uschné esroním sólet minchá belulá waschémen weniskó

9 Und am Tag des Schabbat – zwei einjährige makellose Lämmer und zwei Zehntel Efa (zwei Issaron) Solet-Mehl als seine Darbringung, mit Öl vermengt, und sein Trankopfer.

עֹלַת שַׁבַּת בְּשַׁבַּתּוֹ עַל־עֹלַת הַתָּמִיד וְנִסְכָּהּ׃

olát schabbát beschabbattó al-olát hattamíd weniská

10 Das ist das Ganzopfer von Schabbat zu Schabbat (jeden Schabbat), über das tägliche Opfer und sein Trankopfer hinaus.

וּבְרָאשֵׁי חָדְשֵׁיכֶם תַּקְרִיבוּ עֹלָה לַיהוָה פָּרִים בְּנֵי־בָקָר שְׁנַיִם וְאַיִל אֶחָד כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה שִׁבְעָה תְּמִימִם׃

uwrasché chodschechém takríwu olá ladonáj parím bene-wakár schenájim we'ájil echád kewassím bene-schaná schiw'á temimím

11 Und am Neumond bringt dem HERRN ein Ganzopfer dar: zwei junge Stiere und einen Widder, sieben makellose einjährige Lämmer.

Neumond (rosch chódesch) – ein heute fast völlig vergessenes Fest. Im Tanach begegnen wir dem, dass das Volk sich versammelt, um den Neumond zu feiern, zum Beispiel am Hof Scha'uls. Das ist ein großes Familienfest, das ist die Zeit der alten israelitischen Betriebsfeiern, wenn man sich beim Lehrmeister, beim Lehrer versammelte, zusammenkam. Es ist eine Zeit des Feierns, eine Zeit der Freude, eine Zeit der Erneuerung (chódesch bedeutet sowohl Monat als auch Erneuerung, vom Verb lechadésch, erneuern), eine Zeit, in der man sich dem Studium der Tora widmen kann. In unseren Tagen ist es eher ein Frauenfest. Es ist üblich, dass die Männer den Frauen an diesem Tag Geschenke machen. Bei uns ist Frauentag zwölf-, manchmal sogar dreizehnmal im Jahr. Die Frauen werden von der Arbeit freigestellt, zum Lernen, zur Selbstentfaltung und so weiter. So feiern wir heute den Neumond.

וּשְׁלֹשָׁה עֶשְׂרֹנִים סֹלֶת מִנְחָה בְּלוּלָה בַשֶּׁמֶן לַפָּר הָאֶחָד וּשְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים סֹלֶת מִנְחָה בְּלוּלָה בַשֶּׁמֶן לָאַיִל הָאֶחָד׃

uschloschá esroním sólet minchá belulá waschémen lappár ha'echád uschné esroním sólet minchá belulá waschémen la'ájil ha'echád

12 Und drei Zehntel Efa (drei Issaron) Solet-Mehl, mit Öl vermengt, als Darbringung für jeden Stier, und zwei Zehntel (zwei Issaron) Solet-Mehl, mit Öl vermengt, als Darbringung für den einen Widder.

וְעִשָּׂרֹן עִשָּׂרוֹן סֹלֶת מִנְחָה בְּלוּלָה בַשֶּׁמֶן לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד עֹלָה רֵיחַ נִיחֹחַ, אִשֶּׁה לַיהוָה׃

we'issarón issarón sólet minchá belulá waschémen lakkéwes ha'echád olá réjach nichóach isché ladonáj

13 Und je ein Zehntel (Issaron) Solet-Mehl, mit Öl vermengt, als Darbringung für jedes Lamm, zum Ganzopfer, zum Wohlgeruch, angenehm für den HERRN.

Diese Proportion, eine Art Rezept, bleibt ständig erhalten: drei Zehntel Efa Solet-Mehl für den Stier, zwei Zehntel Efa Mehl für einen Widder, ein Zehntel Efa Mehl für ein Lamm.

וְנִסְכֵּיהֶם חֲצִי הַהִין יִהְיֶה לַפָּר וּשְׁלִישִׁת הַהִין לָאַיִל וּרְבִיעִת הַהִין לַכֶּבֶשׂ יָיִן זֹאת עֹלַת חֹדֶשׁ בְּחָדְשׁוֹ לְחָדְשֵׁי הַשָּׁנָה׃

weniskehém chazí hahín jihjé lappár uschlischít hahín la'ájil urwi'ít hahín lakkéwes jájin sot olát chódesch bechodschó lechodsché haschaná

14 Und zusammen mit ihnen wird Wein ausgegossen: ein halbes Hin (zwei Liter) für den Stier, und ein Drittel Hin für den Widder, und ein Viertel Hin für das Lamm. Das ist das (zusätzliche) Opfer des Ganzopfers von Monat zu Monat, für jeden Monat des Jahres.

וּשְׂעִיר עִזִּים אֶחָד לְחַטָּאת לַיהוָה עַל־עֹלַת הַתָּמִיד יֵעָשֶׂה וְנִסְכּוֹ׃

us'ír issím echád lechattát ladonáj al-olát hattamíd je'assé weniskó

15 Und ein Ziegenbock als Sündopfer für den HERRN, über die ständigen Opfer hinaus soll er gemacht werden, und sein Trankopfer.

 In allen übrigen Fällen steht über den Ziegenbock geschrieben, dass er als Sündopfer für euch dargebracht wird, hier steht geschrieben – dem HERRN. Eine Meinung sagt, dass dieses Opfer für eine Sünde dargebracht wird, die nur dem HERRN bekannt ist, das heißt, wir bringen es für jene Sünden dar, die wir nicht erkennen. Eine andere Meinung sagt, dass hier eine Sühne dafür geschieht, dass der HERR dem Mond befahl, abzunehmen und zuzunehmen, dafür, dass der Mond ständig gleichsam neu geboren wird. Es ergibt sich, dass dies ein Opfer für die Sünde der Welt ist, für den nicht berichtigten Zustand der Welt. Und wiederum müssen diese Opfer der Neumonde über die gewöhnlichen täglichen Opfer hinaus dargebracht werden, nicht anstelle von ihnen, sondern zusätzlich zu ihnen.

Ab Vers 16 beginnt die Tora, die Feste aufzuzählen. Und natürlich ist das erste Fest Pessach. Denn es, Pessach, wurde zum Beginn der Geschichte des jüdischen Volkes als Volk, es ist der Tag, an dem das Volk beschloss, Ägypten zu verlassen, seine Vergangenheit zu verlassen. Und in unserer Generation, in der es auch jenes Ägypten längst nicht mehr gibt, kann heute jeder prüfen: wo, womit, mit welcher Stelle, mit welchem Teil seines Körpers er noch in Ägypten feststeckt. Und vielleicht ist es besser, ohne diesen Teil hinauszugehen, als sich an ihm festzuhalten. Oder vielleicht kann man diesen Teil auch reinigen und heiligen. Das Pessachfest handelt im Grunde davon, von der Befreiung aus der Sklaverei.

וּבַחֹדֶשׁ הָרִאשׁוֹן בְּאַרְבָּעָה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ פֶּסַח לַיהוָה׃

uwachódesch harischón be'arba'á assár jom lachódesch péssach ladonáj

16 Und im ersten Monat, am vierzehnten Tag des Monats – Pessach dem HERRN.

Was bedeutet am vierzehnten Tag des Monats? Es heißt, dass das Pessachopfer ganz am Ausklang des vierzehnten Tages geschlachtet wird, in der Abenddämmerung, wenn der Vierzehnte schon fast in den Fünfzehnten übergeht. Und mit dem Fünfzehnten, mit dem Abend, beginnt das Fest der ungesäuerten Brote.

וּבַחֲמִשָּׁה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ הַזֶּה חָג שִׁבְעַת יָמִים מַצּוֹת יֵאָכֵל׃

uwachamischá assár jom lachódesch hassé chag schiw'át jamím mazzót je'achél

17 Und am fünfzehnten Tag dieses Monats – ein Fest, sieben Tage wirst du Mazza essen.

בַּיּוֹם הָרִאשׁוֹן מִקְרָא־קֹדֶשׁ כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃

bajom harischón mikra-kódesch kol-meléchet awodá lo ta'asú

18 Am ersten Tag von diesen sieben – eine heilige Versammlung, keinerlei Arbeit tut an diesem Tag.

וְהִקְרַבְתֶּם אִשֶּׁה עֹלָה לַיהוָה פָּרִים בְּנֵי־בָקָר שְׁנַיִם וְאַיִל אֶחָד וְשִׁבְעָה כְבָשִׂים בְּנֵי שָׁנָה תְּמִימִם יִהְיוּ לָכֶם׃

wehikrawtém isché olá ladonáj parím bene-wakár schenájim we'ájil echád weschiw'á chewassím bené schaná temimím jihjú lachém

19 Und bringt dem HERRN ein Feueropfer dar: zwei junge Stiere und einen Widder und sieben einjährige makellose Lämmer sollen es bei euch sein.

וּמִנְחָתָם סֹלֶת בְּלוּלָה בַשָּׁמֶן שְׁלֹשָׁה עֶשְׂרֹנִים לַפָּר וּשְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים לָאַיִל תַּעֲשׂוּ׃

uminchatám sólet belulá waschámen scheloschá esroním lappár uschné esroním la'ájil ta'asú

20 Und die Darbringung zusammen mit ihnen: Solet-Mehl, mit Öl vermengt, drei Zehntel Efa für jeden Stier und zwei Zehntel Efa für jeden Widder macht.

עִשָּׂרוֹן עִשָּׂרוֹן תַּעֲשֶׂה לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד לְשִׁבְעַת הַכְּבָשִׂים׃

issarón issarón ta'assé lakkéwes ha'echád leschiw'át hakkewassím

21 Und je ein Zehntel Efa mach für jedes Lamm, für alle sieben Lämmer.

וּשְׂעִיר חַטָּאת אֶחָד לְכַפֵּר עֲלֵיכֶם׃

us'ír chattát echád lechappér alechém

22 Und einen Ziegenbock als Sündopfer, um euch zu sühnen.

מִלְּבַד עֹלַת הַבֹּקֶר אֲשֶׁר לְעֹלַת הַתָּמִיד תַּעֲשׂוּ אֶת־אֵלֶּה׃

millewád olát habbóker aschér le'olát hattamíd ta'asú et-élle

23 Außer dem morgendlichen ständigen Ganzopfer macht dies.

כָּאֵלֶּה תַּעֲשׂוּ לַיּוֹם שִׁבְעַת יָמִים לֶחֶם אִשֵּׁה רֵיחַ־נִיחֹחַ לַיהוָה עַל־עוֹלַת הַתָּמִיד יֵעָשֶׂה וְנִסְכּוֹ׃

ka'élle ta'asú lajom schiw'át jamím léchem isché rejach-nichóach ladonáj al-olát hattamíd je'assé weniskó

24 Und so macht es jeden Tag, sieben Tage, Brot des Ganzopfers zum Wohlgeruch, angenehm dem HERRN, außer dem ständigen Opfer und dem Trankopfer.

וּבַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃

uwajom haschewi'í mikra-kódesch jihjé lachém kol-meléchet awodá lo ta'asú

25 Und am siebten Tag soll wieder eine heilige Versammlung sein, keinerlei Arbeit tut an diesem Tag.

Sehr oft feiert man in irgendwelchen Versammlungen, im messianischen Dienst, den ersten Tag und lässt den siebten Tag irgendwie aus, indem man sagt: „Wir haben doch schon den ersten Tag gefeiert.“ Aber hier lesen wir, dass es wichtig ist, sowohl den ersten als auch den siebten Tag zu feiern, das ist das Wort des Höchsten. Gott sei Dank feiern jetzt immer mehr und mehr Menschen alle Feste des HERRN.

וּבְיוֹם הַבִּכּוּרִים בְּהַקְרִיבְכֶם מִנְחָה חֲדָשָׁה לַיהוָה בְּשָׁבֻעֹתֵיכֶם מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃

uw'jom habbikkurím behakriwechém minchá chadaschá ladonáj beschawu'otechém mikra-kódesch jihjé lachém kol-meléchet awodá lo ta'asú

26 Und am Tag der Erstlinge, wenn ihr dem HERRN ein neues Speiseopfer darbringt an euren Wochen (an Schawuot), soll euch eine heilige Versammlung sein, keinerlei Arbeit tut an diesem Tag.

 Beachtet, dass die Tora hier das Datum des Schawuotfestes nicht angibt. Das ist wichtig. Wir haben darüber viel im 23. Kapitel des Buches Wajikra nachgedacht, als wir überhaupt über Schawuot sprachen. Ich versuche, mit wenigen Worten in Erinnerung zu rufen, warum das Datum des Schawuotfestes hier nicht angegeben wird. Es gibt einen Streit darüber, von welchem Datum, von welchem Schabbat genau man zählen soll, aber auf diesen Streit werden wir uns nicht einlassen. Warum muss man von Pessach an 49 Tage zählen? Lasst uns nachdenken, was ein Jude war, der in Ägypten lebte. Er ist ein Sklave, ein unfreier Mensch. Ein unfreier Mensch ist nicht sein eigener Herr, er kann keinen Vertrag schließen. Zu welchem Vertrag ist ein Mensch in Drogenabhängigkeit oder in Abhängigkeit von irgendetwas anderem fähig? Ein Drogensüchtiger kann für eine Dosis alles unterschreiben, was man ihm sagt, und alles hergeben, was man ihm befiehlt. Deshalb schließt der Höchste den Vertrag mit dem Volk Israel nicht sofort beim Auszug aus Ägypten. Es gibt sieben Wochen der Reinigung, sieben Wochen des Wartens. Diese sieben Wochen muss man nicht ausrechnen, indem man ein Datum festlegt: aha, in 49 Tagen ist der und der Tag. Nein, man muss sie im Zustand des Wartens zählen. So sehnt sich eine Braut, wenn sie auf den Tag der Hochzeit wartet, und markiert vielleicht die Tage im Kalender mit einem Kreuzchen. Genau in solchem Warten bereitet man sich auf den Tag Schawuot vor, der der Tag des Vertragsschlusses sein wird, der Tag, an dem der Bund geschlossen oder der Bund erneuert wird: Jedes Jahr muss man seine Beziehung zum Höchsten bestätigen, festigen, erneuern. Und nicht umsonst geschahen auch jene Ereignisse, die in Jerusalem mit den Jüngern Jeschuas geschahen, gerade an Schawuot. Gerade diese Zeit ist die Zeit des Bundesschlusses mit freien, geistlich bereiten Menschen.

וְהִקְרַבְתֶּם עוֹלָה לְרֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה פָּרִים בְּנֵי־בָקָר שְׁנַיִם אַיִל אֶחָד שִׁבְעָה כְבָשִׂים בְּנֵי שָׁנָה׃

wehikrawtém olá leréjach nichóach ladonáj parím bene-wakár schenájim ájil echád schiw'á chewassím bené schaná

27 Und bringt ein Ganzopfer dar zum Wohlgeruch, wohlgefällig dem HERRN: zwei junge Stiere, einen Widder und sieben einjährige Lämmer.

וּמִנְחָתָם סֹלֶת בְּלוּלָה בַשָּׁמֶן שְׁלֹשָׁה עֶשְׂרֹנִים לַפָּר הָאֶחָד שְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים לָאַיִל הָאֶחָד׃

uminchatám sólet belulá waschámen scheloschá esroním lappár ha'echád schené esroním la'ájil ha'echád

28 Und die Darbringung aus Solet-Mehl, mit Öl vermengt: drei Zehntel Efa für einen Stier, zwei Zehntel Efa für einen Widder.

עִשָּׂרוֹן עִשָּׂרוֹן לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד לְשִׁבְעַת הַכְּבָשִׂים׃

issarón issarón lakkéwes ha'echád leschiw'át hakkewassím

29 Und je ein Zehntel Efa für jedes Lamm, für alle sieben Lämmer.

שְׂעִיר עִזִּים אֶחָד לְכַפֵּר עֲלֵיכֶם׃

se'ír issím echád lechappér alechém

30 Und einen Ziegenbock, damit dies eine Sühne für euch sei.

מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד וּמִנְחָתוֹ תַּעֲשׂוּ תְּמִימִם יִהְיוּ־לָכֶם וְנִסְכֵּיהֶם׃

millewád olát hattamíd umincható ta'asú temimím jihju-lachém weniskehém

31 All das macht außer der täglichen Darbringung, makellos sollen sie bei euch sein, und ihr Trankopfer.

Ich erinnere daran: Die tägliche Darbringung, das, womit wir begonnen haben, ist ein Lamm am Morgen, ein Lamm in der Abenddämmerung. Das war der letzte Vers von Kapitel 28.

 Wir wissen, dass die Tora ursprünglich nicht in Kapitel eingeteilt war, diese Einteilung ist spät. Sie ist sehr bequem, aber manchmal ungenau. In unserem Fall sind die zwei Kapitel, 28 und 29, ein und dieselbe Rede des Höchsten, ein und dasselbe Gespräch über die Feste und ihre Opfer. Hier kommentiere ich wenig, weil wir darüber schon viel im Buch Wajikra gesprochen haben.

Wir lesen also weiter ab Vers 1 von Kapitel 29.

וּבַחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ יוֹם תְּרוּעָה יִהְיֶה לָכֶם׃

uwachódesch haschewi'í be'echád lachódesch mikra-kódesch jihjé lachém kol-meléchet awodá lo ta'asú jom teru'á jihjé lachém

1 Und im siebten Monat, am ersten Tag des Monats, soll euch eine heilige Versammlung sein, keinerlei Arbeit sollt ihr tun, ein Tag des Trompetenschalls soll das für euch sein.

Mit dem siebten Monat ist der Monat Tischri gemeint, der auf den Herbstanfang fällt. Dieser Tag, der erste Tag des siebten Monats, wurde später Rosch haSchana (Kopf des Jahres, Neujahr) genannt. Was ist das Fest des Trompetenschalls (Jom Trua)? Trompetenschall und Freude – das ist ein Tag der Parade, ein Tag, an dem wir den König empfangen, Der Sich uns an diesem Tag gleichsam offenbart. Er prüft gleichsam Seine Welt, macht eine Inventur der ganzen Welt, und wir begrüßen Ihn; das ist eine eigenartige Begegnung mit dem König der Könige.

וַעֲשִׂיתֶם עֹלָה לְרֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה פַּר בֶּן־בָּקָר אֶחָד אַיִל אֶחָד כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה שִׁבְעָה תְּמִימִם׃

wa'assitém olá leréjach nichóach ladonáj par ben-bakár echád ájil echád kewassím bene-schaná schiw'á temimím

2 Und macht ein Ganzopfer, einen Wohlgeruch, wohlgefällig dem HERRN: einen jungen Stier, einen Widder, sieben makellose Lämmer.

וּמִנְחָתָם סֹלֶת בְּלוּלָה בַשָּׁמֶן שְׁלֹשָׁה עֶשְׂרֹנִים לַפָּר שְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים לָאָיִל׃

uminchatám sólet belulá waschámen scheloschá esroním lappár schené esroním la'ajil

3 Und die Darbringung mit ihnen: Mehl Solet, mit Öl vermengt, je drei Zehntel Efa für den Stier und je zwei Zehntel Efa für den Widder.

וְעִשָּׂרוֹן אֶחָד לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד לְשִׁבְעַת הַכְּבָשִׂים׃

we'issarón echád lakkéwes ha'echád leschiw'át hakkewassím

4 Und je ein Zehntel Efa für jedes Lamm, für jedes der sieben Lämmer.

וּשְׂעִיר־עִזִּים אֶחָד חַטָּאת לְכַפֵּר עֲלֵיכֶם׃

us'ir-issím echád chattát lechappér alechém

5 Und einen Ziegenbock als Sündopfer, um für euch zu sühnen.

מִלְּבַד עֹלַת הַחֹדֶשׁ וּמִנְחָתָהּ וְעֹלַת הַתָּמִיד וּמִנְחָתָהּ וְנִסְכֵּיהֶם כְּמִשְׁפָּטָם לְרֵיחַ נִיחֹחַ אִשֶּׁה לַיהוָה׃

millewád olát hachódesch uminchatá we'olát hattamíd uminchatá weniskehém kemischpatám leréjach nichóach isché ladonáj

6 All das – außer den Opfern des Neumonds und seinen Darbringungen, außer den täglichen Opfern und ihren Trankopfern, alles nach der Satzung, zum Wohlgeruch, angenehm dem HERRN.

 Am ersten Tag des siebten Monats ergibt sich also, dass es Folgendes gibt: das beständige Opfer – tamíd, das, welches jeden Tag dargebracht wird, unabhängig davon, was für ein Tag gerade ist; das Opfer, das am Neumond dargebracht wird, als an einem besonderen Tag; und noch ein besonderes Opfer, das mit Jom Trua (dem Tag des Trompetenschalls) verbunden ist. Wir sprechen weiter über die Feste des siebten Monats, des Monats Tischri, des Herbstmonats.

וּבֶעָשׂוֹר לַחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי הַזֶּה מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם וְעִנִּיתֶם אֶת־נַפְשֹׁתֵיכֶם כָּל־מְלָאכָה לֹא תַעֲשׂוּ׃

uwe'asór lachódesch haschewi'í hassé mikra-kódesch jihje lachém we'innitém et-nafschotechém kol-melachá lo ta'asú

7 Und am zehnten Tag ebendieses siebten Monats soll euch eine heilige Versammlung sein, und quält (wörtlich: macht arm, aní – arm) eure Seelen, keinerlei Arbeit sollt ihr tun.

 Im 23. Kapitel des Buches Wajikra wird dieser Tag Jom haKippurim (Tag der Sühne) genannt. An diesem Tag ist es üblich, trocken zu fasten, sich der ehelichen Gemeinschaft zu enthalten, der Salbung mit Öl, des Waschens mit heißem Wasser, des Tragens weicher Lederschuhe. So wird die Anweisung verstanden: quält eure Seelen.

וְהִקְרַבְתֶּם עֹלָה לַיהוָה רֵיחַ נִיחֹחַ פַּר בֶּן־בָּקָר אֶחָד אַיִל אֶחָד כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה שִׁבְעָה תְּמִימִם יִהְיוּ לָכֶם׃

wehikrawtém olá ladonáj réjach nichóach par ben-bakár echád ájil echád kewassím bene-schaná schiw'á temimím jihjú lachém

8 Und bringt dem HERRN ein Ganzopfer dar, zum wohlgefälligen Wohlgeruch: einen einjährigen Stier, einen Widder, und einjährige Lämmer, sieben makellose Lämmer sollen bei euch sein.

וּמִנְחָתָם סֹלֶת בְּלוּלָה בַשָּׁמֶן שְׁלֹשָׁה עֶשְׂרֹנִים לַפָּר שְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים לָאַיִל הָאֶחָד׃

uminchatám sólet belulá waschámen scheloschá esroním lappár schené esroním la'ájil ha'echád

9 Und zusammen mit ihm die Darbringung: Mehl Solet, mit Öl vermengt: drei Zehntel Efa für jeden Stier, zwei Zehntel Efa für jeden Widder.

עִשָּׂרוֹן עִשָּׂרוֹן לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד לְשִׁבְעַת הַכְּבָשִׂים׃

issarón issarón lakkéwes ha'echád leschiw'át hakkewassím

10 Und je ein Zehntel Efa für jedes Lamm, für die sieben Lämmer.

שְׂעִיר־עִזִּים אֶחָד חַטָּאת מִלְּבַד חַטַּאת הַכִּפֻּרִים וְעֹלַת הַתָּמִיד וּמִנְחָתָהּ וְנִסְכֵּיהֶם׃

se'ir-issím echád chattát millewád chattát hakkippurím we'olát hattamíd uminchatá weniskehém

11 Einen Ziegenbock als Chatat-Opfer, außer dem Sündopfer der Sühne, und dem beständigen Opfer, und ihren Darbringungen, und ihren Trankopfern.

Das heißt, an jedem der Feste, von denen wir sprechen, werden zusätzliche Opfer dargebracht, außer denen, die täglich vollzogen werden. An jedem Fest des HERRN bringen wir zusätzliche Opfer dar.

Ab Vers 12 spricht die Tora vom Fest Sukkot (der Hütten). Ein sehr ungewöhnliches Fest, mit einer sehr ungewöhnlichen Ordnung der Opfer.

וּבַחֲמִשָּׁה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ הַשְּׁבִיעִי מִקְרָא־קֹדֶשׁ יִהְיֶה לָכֶם כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ וְחַגֹּתֶם חַג לַיהוָה שִׁבְעַת יָמִים׃

uwachamischá assár jom lachódesch haschewi'í mikra-kódesch jihjé lachém kol-meléchet awodá lo ta'asú wechaggotém chag ladonáj schiw'át jamím

12 Und am fünfzehnten Tag des siebten Monats soll euch eine heilige Versammlung sein, keinerlei Arbeit sollt ihr tun, und feiert ein Fest für den HERRN sieben Tage lang.

וְהִקְרַבְתֶּם עֹלָה אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה פָּרִים בְּנֵי־בָקָר שְׁלֹשָׁה עָשָׂר אֵילִם שְׁנָיִם כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה אַרְבָּעָה עָשָׂר תְּמִימִם יִהְיוּ׃

wehikrawtém olá isché réjach nichóach ladonáj parím bene-wakár scheloschá assár elím schenájim kewassím bene-schaná arba'á assár temimím jihju

13 Und bringt ein Ganzopfer dar, einen Wohlgeruch, angenehm für den HERRN: junge Stiere – dreizehn, zwei Widder und vierzehn einjährige Lämmer, ohne Makel sollen sie sein.

Die Ordnung der Opfer am Fest Sukkot ist ungewöhnlich. Am ersten Tag werden dreizehn Stiere als Opfer dargebracht, dann zwölf Stiere, elf Stiere und so weiter, und am siebten Tag werden sieben Stiere dargebracht. In der Summe (13+12+11+10+9+8+7) ergibt das siebzig Stiere, was den siebzig Völkern der Welt entspricht. Sowohl im Fest Sukkot selbst als auch in seinen Opfern gibt es eine tiefe Verbindung mit den Völkern der Welt. Wir lesen beim Propheten Secharja (14,16–18): „Und es wird geschehen: Jeder Übriggebliebene aus all jenen Völkern, die gegen Jeruschalajim gezogen sind, wird Jahr für Jahr hinaufziehen, um sich vor dem König, dem HERRN Zewaot, niederzuwerfen und das Fest Sukkot zu feiern. Und es wird geschehen: Welches von den Geschlechtern der Erde nicht nach Jeruschalajim hinaufzieht, um sich vor dem König, dem HERRN Zewaot, niederzuwerfen – über ihnen wird kein Regen sein. Und wenn das ägyptische Geschlecht nicht hinaufzieht und nicht kommt, dann wird es bei ihnen nicht (die Überschwemmung des Nilus) geben. Es wird der Schlag sein, mit dem der HERR die Völker schlagen wird, die nicht hinaufziehen, um das Fest Sukkot zu feiern.“ Der Prophet Secharja prophezeit, dass alle Völker der Welt nach Jerusalem kommen werden, um Sukkot zu feiern. Deshalb ist gerade das Fest Sukkot mit den Völkern der Welt verbunden, verbunden mit der Sukká Davids. Man fragt mich oft nach der verfallenden Hütte Davids (so in der Synodalübersetzung und einigen anderen Übersetzungen, Amos 9,11). Im Originaltext ist das die Sukká (das Haus) Davids, das ist ein Vorbild des Königreichs Davids, ein Vorbild des Tempels Schlomos, wohin alle Völker kommen werden, sie werden kommen und in einer Sukka sein, in einer Hütte, und es wird ein gemeinsames Fest Sukkot sein. Und wenn die Ägypter nicht kommen, um zu feiern, dann wird es bei ihnen keine Überschwemmung geben, und das wird eine Strafe für Ägypten sein und eine Strafe für alle Völker, die nicht hinaufziehen, um das gemeinsame Fest Sukkot zu feiern. Deshalb, als Ausdruck der Fürsorge, brachte man schon im Zelt der Begegnung Mosches am Fest Sukkot in sieben Tagen siebzig Stiere für die siebzig Völker der Welt dar. Und warum werden vierzehn einjährige Lämmer dargebracht und nicht sieben wie an anderen Festen? Die Kommentatoren erklären, dass an Sukkot die Freude des Volkes doppelt ist, weil die Ernte eingebracht ist, das Ergebnis all unserer Mühen vor uns liegt, deshalb gibt es eine zusätzliche Stufe der Freude.

וּמִנְחָתָם סֹלֶת בְּלוּלָה בַשָּׁמֶן שְׁלֹשָׁה עֶשְׂרֹנִים לַפָּר הָאֶחָד לִשְׁלֹשָׁה עָשָׂר פָּרִים שְׁנֵי עֶשְׂרֹנִים לָאַיִל הָאֶחָד לִשְׁנֵי הָאֵילִם׃

uminchatám sólet belulá waschámen scheloschá esroním lappár ha'echád lischloschá assár parím schené esroním la'ájil ha'echád lischné ha'elím

14 Und zusammen mit ihnen die Darbringung: Mehl, mit Öl vermengt, je drei Zehntel Efa für den Stier, für alle dreizehn Stiere, je zwei Zehntel Efa für jeden Widder von den zweien.

וְעִשָּׂרוֹן עִשָּׂרוֹן לַכֶּבֶשׂ הָאֶחָד לְאַרְבָּעָה עָשָׂר כְּבָשִׂים׃

we'issarón issarón lakkéwes ha'echád le'arba'á assár kewassím

15 Und je ein Zehntel Efa für jedes Lamm, für die vierzehn Lämmer.

וּשְׂעִיר־עִזִּים אֶחָד חַטָּאת מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד מִנְחָתָהּ וְנִסְכָּהּ׃

us'ir-issím echád chattát millewád olát hattamíd minchatá weniská

16 Und einen Ziegenbock als Sündopfer, außer dem Opfer tamíd (dem beständigen Opfer), seinen Darbringungen und seinen Trankopfern.

וּבַיּוֹם הַשֵּׁנִי פָּרִים בְּנֵי־בָקָר שְׁנֵים עָשָׂר אֵילִם שְׁנָיִם כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה אַרְבָּעָה עָשָׂר תְּמִימִם׃

uwajom haschení parím bene-wakár scheném assár elím schenájim kewassím bene-schaná arba'áIn der russischen Umschrift sind im Wort für „vier“ zwei Buchstaben vertauscht. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: arba'á. assár temimím

17 Und am zweiten Tag: zwölf junge Stiere, zwei Widder, und einjährige Lämmer – vierzehn makellose.

 Man kann die Frage stellen: Warum hat der Höchste nicht geboten, an jedem der sieben Tage von Sukkot je zehn junge Stiere als Opfer für die Völker der Welt darzubringen? In sieben Tagen wären es auch siebzig Stiere geworden. Warum muss es eine so seltsame Verteilung geben, dass es am ersten Tag dreizehn sind und am zweiten Tag zwölf und so weiter? Warum nimmt die Zahl der Stiere ab? Weil das gleichsam ein Widerstand ist, den Israel überwindet, indem es das Opfer für die Völker der Welt darbringt. Die Unreinheit, die die Völker der Welt vom Höchsten trennt, nimmt mit jedem Tag ab, und mit jedem Tag sind weniger und weniger Opfer nötig, um die Völker der Welt zu reinigen. Darin liegt sehr viel Tiefe, die wir hier einfach nicht berühren können.

וּמִנְחָתָם וְנִסְכֵּיהֶם לַפָּרִים לָאֵילִם וְלַכְּבָשִׂים בְּמִסְפָּרָם כַּמִּשְׁפָּט׃

uminchatám weniskehém lapparím la'elím welakkewassím bemisparám kammischpát

18 Und ihre Darbringungen und ihre Trankopfer: für die Stiere, für die Widder und für die Lämmer nach ihrer Zahl, nach der für sie festgesetzten Regel.

וּשְׂעִיר־עִזִּים אֶחָד חַטָּאת מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד וּמִנְחָתָהּ וְנִסְכֵּיהֶם׃

us'ir-issím echád chattát millewád olát hattamíd uminchatá weniskehém

19 Und einen Ziegenbock als Sündopfer, außer dem beständigen Opfer, mit seiner Gabe und seinem Trankopfer.

וּבַיּוֹם הַשְּׁלִישִׁי פָּרִים עַשְׁתֵּי־עָשָׂר אֵילִם שְׁנָיִם כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה אַרְבָּעָה עָשָׂר תְּמִימִם׃

uwajom haschelischí parím aschte-assár elím schenájim kewassím bene-schaná arba'á assár temimím

20 Und am dritten Tag: elf Stiere, zwei Widder und einjährige Lämmer – vierzehn makellose.

וּמִנְחָתָם וְנִסְכֵּיהֶם לַפָּרִים לָאֵילִם וְלַכְּבָשִׂים בְּמִסְפָּרָם כַּמִּשְׁפָּט׃

uminchatám weniskehém lapparím la'elím welakkewassím bemisparám kammischpátIn der russischen Umschrift steht im Wort für „nach der Vorschrift“ ein p statt eines m. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: kammischpát.

21 Und ihre Darbringung und ihr Trankopfer: den Stieren, den Widdern und den Lämmern nach ihrer Zahl und nach dem für sie Vorgeschriebenen.

וּשְׂעִיר חַטָּאת אֶחָד מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד וּמִנְחָתָהּ וְנִסְכָּהּ׃

us'ír chattát echád millewád olát hattamíd uminchatá weniská

22 Und einen Ziegenbock für die Sünde, außer dem beständigen Opfer und seiner Darbringung, und sein Trankopfer.

וּבַיּוֹם הָרְבִיעִי פָּרִים עֲשָׂרָה אֵילִם שְׁנָיִם כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה אַרְבָּעָה עָשָׂר תְּמִימִם׃

uwajom harewi'í parím assará elím schenájim kewassím bene-schaná arba'á assár temimím

23 Und am vierten Tag: zehn Stiere, und zwei Widder, und vierzehn einjährige Lämmer ohne Makel.

מִנְחָתָם וְנִסְכֵּיהֶם לַפָּרִים לָאֵילִם וְלַכְּבָשִׂים בְּמִסְפָּרָם כַּמִּשְׁפָּט׃

minchatám weniskehém lapparím la'elím welakkewassím bemisparám kammischpát

24 Ihre Darbringung und ihr Trankopfer: den Stieren, den Widdern und den Lämmern – nach der für sie vorgeschriebenen Zahl.

וּשְׂעִיר־עִזִּים אֶחָד חַטָּאת מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד מִנְחָתָהּ וְנִסְכָּהּ׃

us'ir-issím echád chattát millewád olát hattamíd minchatá weniská

25 Und einen Ziegenbock als Sündopfer, außer dem beständigen Opfer und seinen Darbringungen, und seinen Trankopfern.

וּבַיּוֹם הַחֲמִישִׁי פָּרִים תִּשְׁעָה אֵילִם שְׁנָיִם כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה אַרְבָּעָה עָשָׂר תְּמִימִם׃

uwajom hachamischí parím tisch'á elím schenájim kewassím bene-schaná arba'á assár temimím

26 Und am fünften Tag: neun Stiere, zwei Widder und einjährige Lämmer – vierzehn makellose.

וּמִנְחָתָם וְנִסְכֵּיהֶם לַפָּרִים לָאֵילִם וְלַכְּבָשִׂים בְּמִסְפָּרָם כַּמִּשְׁפָּט׃

uminchatám weniskehém lapparím la'elím welakkewassím bemisparám kammischpát

27 Und ihre Darbringung und ihr Trankopfer: den Stieren, den Widdern und den Lämmern nach ihrer Zahl, wie es ihnen vorgeschrieben ist.

וּשְׂעִיר חַטָּאת אֶחָד מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד וּמִנְחָתָהּ וְנִסְכָּהּ׃

us'ír chattát echád millewád olát hattamíd uminchatá weniská

28 Und einen Ziegenbock als Sündopfer, außer dem beständigen Opfer und seinen Darbringungen, und seinen Trankopfern.

וּבַיּוֹם הַשִּׁשִּׁי פָּרִים שְׁמֹנָה אֵילִם שְׁנָיִם כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה אַרְבָּעָה עָשָׂר תְּמִימִם׃

uwajom haschischíIn der russischen Umschrift beginnt das Wort für „der sechste“ mit einem falschen Buchstaben und einem verirrten Betonungszeichen. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: haschischí. parím schemoná elím schenájim kewassím bene-schaná arba'á assár temimím

29 Und am sechsten Tag: acht Stiere, zwei Widder, einjährige Lämmer – vierzehn makellose.

וּמִנְחָתָם וְנִסְכֵּיהֶם לַפָּרִים לָאֵילִם וְלַכְּבָשִׂים בְּמִסְפָּרָם כַּמִּשְׁפָּט׃

uminchatám weniskehém lapparím la'elím welakkewassím bemisparám kammischpát

30 Und ihre Darbringungen und ihre Trankopfer: den Stieren, den Widdern und den Lämmern nach ihrer Zahl, wie vorgeschrieben.

וּשְׂעִיר חַטָּאת אֶחָד מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד מִנְחָתָהּ וּנְסָכֶיהָ׃

us'ír chattát echád millewád olát hattamíd minchatá unsachéha

31 Und ein Ziegenbock als Sündopfer, außer dem beständigen Opfer, seiner Darbringung und seinem Trankopfer.

וּבַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי פָּרִים שִׁבְעָה אֵילִם שְׁנָיִם כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה אַרְבָּעָה עָשָׂר תְּמִימִם׃

uwajom haschewi'í parím schiw'á elím schenájim kewassím bene-schaná arba'á assár temimím

32 Und am siebten Tag: Stiere – sieben, Widder – zwei, und vierzehn einjährige makellose Lämmer.

וּמִנְחָתָם וְנִסְכֵּהֶם לַפָּרִים לָאֵילִם וְלַכְּבָשִׂים בְּמִסְפָּרָם כְּמִשְׁפָּטָם׃

uminchatám weniskehém lapparím la'elím welakkewassím bemisparám kemischpatám

33 Und ihre Darbringung und ihr Trankopfer: für die Stiere, die Widder und die Lämmer nach ihrer Zahl, wie es ihnen vorgeschrieben ist.

וּשְׂעִיר חַטָּאת אֶחָד מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד מִנְחָתָהּ וְנִסְכָּהּ׃

us'ír chattát echád millewád olát hattamíd minchatá weniská

34 Und einen Ziegenbock zum Sündopfer, außer dem beständigen Ganzopfer, seiner Darbringung und seinem Trankopfer.

Damit beendet die Tora die Beschreibung der Opfer, die mit dem Fest Sukkot verbunden sind, und wird jetzt von dem letzten Fest in dieser Liste sprechen, von dem Tag, den man Schminí-Azéret (Versammlung des achten Tages) nennt. Dieser Tag, der direkt mit Sukkot verbunden ist, hat eine eigenständige Bedeutung, er ist der Rückkehr aus den Hütten nach Hause gewidmet. Wenn wir in den Hütten wohnen, sind wir in provisorischen Quartieren, das ist wie ein Symbol der vergänglichen Welt. Wir leben in unserer Vergänglichkeit, spüren unsere Vergänglichkeit und spüren die Abhängigkeit vom Höchsten. Das ist die Erinnerung daran, wie wir in diesen Hütten lebten, in diesen Zelten, wie man sagt: „In den Wolken der Herrlichkeit, zur Zeit des Auszugs aus Ägypten.“ Nach dem Ende dieses Festes, des Festes Sukkot, wird Schmini-Azeret gefeiert, was nach manchen Meinungen das Fest der Heimkehr bedeutet, der Rückkehr aus der Sukká in die beständige Wohnung. Im Land Israel feiert man an diesem Tag außerdem noch das Fest Simchat-Tora (Freude der Tora). An diesem Tag endet die Lesung der Tora und beginnt von Neuem, ganz vom Anfang, mit dem Wochenabschnitt Bereschit, und in einem Jahr (im Laufe jedes Jahres) wird die ganze Tora von Anfang bis Ende gelesen. Sowohl der Anfang als auch das Ende der Toralesung sind mit dem Fest Schmini-Azeret verbunden, deshalb heißt es nach der Tradition auch Simchat-Tora.

בַּיּוֹם הַשְּׁמִינִי עֲצֶרֶת תִּהְיֶה לָכֶם כָּל־מְלֶאכֶת עֲבֹדָה לֹא תַעֲשׂוּ׃

bajom hascheminí azéret tihjé lachém kol-meléchet awodá lo ta'asú

35 Am achten Tag soll bei euch eine festliche Versammlung sein, keinerlei Arbeit sollt ihr an diesem Tag tun.

וְהִקְרַבְתֶּם עֹלָה אִשֵּׁה רֵיחַ נִיחֹחַ לַיהוָה פַּר אֶחָד אַיִל אֶחָד כְּבָשִׂים בְּנֵי־שָׁנָה שִׁבְעָה תְּמִימִם׃

wehikrawtém olá isché réjach nichóach ladonáj par echád ájil echád kewassím bene-schaná schiw'á temimím

36 Und bringt dar als Ganzopfer, als Wohlgeruch, angenehm dem HERRN: einen Stier, einen Widder, und sieben einjährige Lämmer ohne Makel.

מִנְחָתָם וְנִסְכֵּיהֶם לַפָּר לָאַיִל וְלַכְּבָשִׂים בְּמִסְפָּרָם כַּמִּשְׁפָּט׃

minchatám weniskehém lappár la'ájil welakkewassím bemisparám kammischpát

37 Und ihre Darbringung und ihr Trankopfer: für den Stier, den Widder und die Lämmer – nach ihrer Zahl, wie es ihnen vorgeschrieben ist.

וּשְׂעִיר חַטָּאת אֶחָד מִלְּבַד עֹלַת הַתָּמִיד וּמִנְחָתָהּ וְנִסְכָּהּ׃

us'ír chattát echád millewád olát hattamíd uminchatá weniská

38 Und einen Ziegenbock zum Sündopfer, außer dem beständigen Opfer, und seiner Darbringung und seinem Trankopfer.

אֵלֶּה תַּעֲשׂוּ לַיהוָה בְּמוֹעֲדֵיכֶם לְבַד מִנִּדְרֵיכֶם וְנִדְבֹתֵיכֶם לְעֹלֹתֵיכֶם וּלְמִנְחֹתֵיכֶם וּלְנִסְכֵּיכֶם וּלְשַׁלְמֵיכֶם׃

élle ta'asú ladonáj bemo'adechém lewád minnidrechém wenidwotechém le'olotechém ulminchotechém ulniskechém ulschalmechém

39 Dies sollt ihr dem HERRN tun an euren Festen (Fristen), außer dem, worüber ihr ein Gelübde abgelegt habt, und euren freiwilligen Opfern: euren Ganzopfern, euren Speiseopfern, euren Trankopfern, euren Friedensopfern.“

Hier kann man im Wort mo'adím (Feste) noch eine andere Bedeutung sehen – Fristen, das heißt die Zeit der festgesetzten Verabredung mit dem Höchsten: An bestimmten Tagen des Jahres setzt uns der Höchste eine Verabredung fest. Manchmal ist es so, dass wir zu Ihm kommen müssen, manchmal ist es so, dass Er zu uns kommt. Der Höchste sagt also: „Bringt diese Opfer zur festgesetzten Zeit dar“, und die Tora zählt alle Opfer auf, die das Volk darbringen soll, den ganzen Terminplan der Begegnungen für das Jahr zwischen dem Volk und dem Höchsten.

Hier begegnen wir noch einem Beispiel einer völlig unverständlichen Einteilung in Kapitel. Der folgende Vers schließt unser Thema ab, er stünde gut am Ende von Kapitel 29. Aber das ist schon Vers 1 von Kapitel 30.

וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל כְּכֹל אֲשֶׁר־צִוָּה יְהוָה אֶת־מֹשֶׁה׃

wajomer mosché el-bené jisraél kechól ascher-ziwwá adonáj et-mosché

1 Und Mosche gab den Söhnen Israels alles wieder, was der HERR Mosche geboten hatte.

Wie wir schon gesagt haben: Nachdem der Höchste Jehoschua ben Nun beauftragt hat, Israel in das Gelobte Land zu führen, erinnert Er an die beständigen Opfer und spricht von den zusätzlichen Opfern, spricht von den Festen. Im Hebräischen hat das Wort Feiertag (chag) nicht die Bedeutung müßig sein, frei von etwas sein. Das hebräische Wort chag (vom Verb lachúg, Kreise beschreiben) ist irgendein Punkt auf dem Kreis, irgendeine Frist, irgendeine Zeit, in der bestimmte Veränderungen geschehen sollen. Ebenso auch das Wort mo'éd (Fest, Frist) – das ist die Zeit, in der man Zeugnis ablegen und für irgendwelche eigenen Taten Rechenschaft geben muss. Oder, wie ich schon gesagt habe, ist das die Zeit der festgesetzten Begegnung mit dem Höchsten.

Wenn ein Freund verzagt ist

Ich möchte mit Gottes Hilfe in diesem Gespräch das Thema der Verzweiflung berühren. Genauer gesagt, darüber sprechen, wie man einem Menschen helfen kann, wenn er in Verzweiflung und Niedergeschlagenheit ist. Im prophetischen Abschnitt (erstes Buch Melachim, 18,49–19,21), der zusammen mit unserem Wochenabschnitt Pinchas gelesen wird, wird vom Propheten Elijahu erzählt. Es gibt verschiedene Bräuche bezüglich der Lesung dieses prophetischen Abschnitts, aber wir werden, unserem Thema entsprechend, die Verse 1 bis 8 von Kapitel 19 lesen. Die Ereignisse geschehen, nachdem der Prophet Elijahu (wir haben davon in Kapitel 18 des Buches gelesen) einen überzeugenden Sieg im Zweikampf mit den Propheten des Ba'al errungen hat. Die Propheten des Ba'al sind vernichtet, und, so scheint es, da ist er, der Sieg des Glaubens an den Einen Gott, das ganze Volk hat den Einen Gott anerkannt, und es ist Zeit zu triumphieren und in Euphorie über den Erfolg zu sein. Und das lesen wir am Anfang von Kapitel 19:

1. Und Achaw erzählte Isewel alles, was Elijahu getan hatte, und wie er alle ProphetenIm russischen Original steht hier „alle Laster“, offensichtlich ein Schreibfehler für „alle Propheten“ (die Baalspropheten). Übersetzt ist „alle Propheten“. mit dem Schwert getötet hatte.

2. Und Isewel sandte einen Boten, um Elijahu zu sagen: „So und so (Böses) sollen mir die Götter tun, und noch mehr (als das), wenn ich morgen um diese Zeit mit deinem Leben nicht dasselbe tue, was (geschehen ist) mit dem Leben eines jeden von ihnen.“

Das heißt: „Wie du meine geliebten Propheten meines geliebten Ba'al getötet hast, genauso werde ich dich vernichten, Elijahu.“ Elijahu versteht, dass es im jüdischen Volk so eine fremdländische Krebsgeschwulst namens Isewel gibt, die die Anbetung des Ba'al in sich trägt. Sie sitzt nicht einfach auf dem Thron, sie vergiftet das Volk mit ihrer Macht. Und der Prophet muss, statt zu triumphieren, im Grunde handeln, um sein Leben zu retten. Und das lesen wir weiter:

3. Als er (das) sah, stand er auf und ging, um sein Leben (zu retten), und kam nach Be'er-Schewa, das in Judäa liegt, und ließ seinen Knaben dort.

4. Und er ging in die Wüste, einen Tagesweg weit, und als er angekommen war, setzte er sich unter (einen Strauch) Ginster und bat für seine Seele um den Tod und sagte: „Genug; nun, HERR, nimm meine Seele, denn ich bin nicht besser als meine Väter.“

Elijahu bleibt ganz allein. Und ihn ergreift Verzweiflung: „Bei mir gelingt nichts. Ich bin mit nichts fertig geworden. Was wie ein Sieg aussah, hat sich nicht als Sieg erwiesen. Ich bin des Lebens nicht würdig, nimm mich weg, HERR!“

5. Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginsterstrauch ein. Und siehe, ein Engel berührte ihn und sagte zu ihm: Steh auf, iss.

Vor allem – die Berührung. Der Engel ruft ihn nicht, während er abseits steht, der Engel berührt ihn, rüttelt ihn an der Schulter. Die Berührung – das ist sehr wichtig. Wichtig ist auch, dass es ein Engel tut. Das hebräische Wort mal'ách, ebenso wie das griechische ángelos (angelós), bedeutet Gesandter, Bote. Und es genügt nicht, einen Menschen einfach zu berühren, es genügt nicht, einfach zu wollen – und zu berühren. Wenn du ihn berührst, um ihn aus irgendeiner Verzweiflung, aus irgendeiner Niedergeschlagenheit aufzurichten, musst du spüren, dass du in diesem Moment ein Engel bist, dass du eine göttliche Mission erfüllst, dass du nicht einfach so handelst, sondern dem Menschen das Licht Gottes weitergibst, im Namen Gottes handelst. Und der Engel sagt ihm nicht: „Bete!“, „Tu Buße!“ oder „Tritt in den prophetischen Zustand ein!“, oder etwas Ähnliches. Der Engel sagt: „Steh auf, iss.“ Das heißt, vor allem, wenn wir sagen: „Der HERR liebt dich“, – das kann in einem Teller Suppe bestehen: Der HERR liebt dich, und darum nimm und iss. Das ist die Sorge um die allerallerersten Bedürfnisse des Menschen. Was geschieht dabei mit Elijahu?

6. Und er blickte auf, und siehe, zu seinen Häupten ein auf Kohlen gebackener Fladen und eine Flasche Wasser. Und er aß und trank und legte sich wieder hin.

Das heißt, so scheint es, das Essen hat ihm nicht der Engel gebracht, davon ist hier nichts gesagt. Er erwachte, kam zu sich und sah, dass er alles Nötige schon hat: einen auf Kohlen gebackenen Fladen und eine Flasche Wasser – alles, um seine grundlegenden Bedürfnisse zu stillen, hat er. Er aß, und uns scheint, dass er jetzt gleich aufsteht, wieder betet, in den prophetischen Zustand eintritt, Buße tut, noch ein Buch schreibt und noch jemandem begegnet. Aber nein, er aß und legte sich wieder hin. Beim ersten Mal klappt es manchmal nicht, sogar bei einem Engel klappt es beim ersten Mal manchmal nicht.

7. Und wieder kam der Engel des HERRN, zum zweiten Mal, berührte ihn und sagte: Steh auf, iss, denn ein weiter Weg liegt vor dir.“

 Der Engel kommt und berührt ihn wieder, wieder eine Berührung, das heißt, es geschieht ein Kontakt, ein körperlicher Kontakt. Der Engel berührt ihn und sagt: „Iss, denn ein weiter Weg liegt vor dir. Du hast noch viel zu tun, der Schöpfer braucht dich noch, der Höchste braucht dich noch, von dir wird in dieser Welt noch etwas verlangt. Steh auf und iss.“ Und das ist nicht einfach so ein iss, weil Gott dich liebt. Gott will dich gebrauchen, Gott braucht deinen Dienst in dieser Welt. Natürlich braucht Gott in Wirklichkeit nichts, aber Er hat einen Plan in Bezug auf deinen Dienst, Gott braucht dich für den Dienst, du bist ein Werkzeug zur Offenbarung des Lichtes Gottes in der Welt, darum liegt noch ein weiter Weg vor dir.

Man kann sich an die Geschichte von Schlomo Carlebach, dem singenden Rabbiner, erinnern, über einen Mann, der eine ertrinkende Frau sah. Er stürzte sich ihr nach ins Wasser und redete ihr auf jede Weise zu: „Komm zurück! Du hast noch viel zu tun! Du wirst gebraucht! Gott liebt dich! Zerstör dein Leben nicht!“ Und sie sagt: „Nein! Lasst mich in Ruhe sterben. Hör mal, was hängst du dich an mich? Lass mich in Ruhe ertrinken.“ Da sagte er: „Gut, dein Leben ist dir gleichgültig. Aber was ist mit mir? Ich kann doch nicht schwimmen, ich ertrinke ohne dich, ich gehe ohne dich zugrunde, ich brauche dich!“ Und da stürzte sie los, um ihn zu retten, zog ihn ans Ufer und begann, wie dieses Gleichnis sagt, ein neues Leben. Deshalb (und das ist wichtig): Du wirst nicht nur von Gott gebraucht, du bist nicht nur wichtig für den Dienst für den Höchsten, du bist mir wichtig. Ein Mensch muss spüren, dass er nicht nur vom Höchsten gebraucht wird, sondern auch von dem, der mit ihm Umgang hat, von seinem Nächsten. Es ist notwendig und wichtig, den Menschen daran zu erinnern, um ihn wiederherzustellen, um ihn zurückzuholen, um ihn aus der Verzweiflung und Niedergeschlagenheit aufzurichten, in der sich oft sowohl wir selbst als auch unsere Nächsten wiederfinden. Ein solches Rezept gibt die Schrift.

8. Und er stand auf, aß und trank, und er ging in der Kraft jener Mahlzeit vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, Choreb.

Wir sehen, dass Elijahu danach aufstand, aß, und diese Mahlzeit, die ihm mit der Weisung gegeben worden war: „Du hast noch das ganze Leben vor dir, du musst noch vieles tun“, diese Mahlzeit reichte ihm für vierzig Tage und vierzig Nächte des Weges, das reichte ihm, um ein Gespräch mit dem Höchsten zu beginnen. Um sich aus dieser Verzweiflung, aus diesem „Nimm meine Seele, ich will nichts mehr“, mit einem Gebet an den Höchsten zu wenden und anzufangen, bei Ihm Antworten zu suchen, anzufangen, seine Beziehung zum Höchsten zu verwirklichen. Elijahu ist kein einfacher Mensch: das ist ein Mensch, der Umgang mit dem Höchsten hat, der den Höchsten kennt, man kann sagen, einer der stärksten Propheten, von denen wir im Tanach lesen. Aber wir sehen, dass auch er Zeiten der Verzweiflung und Niedergeschlagenheit hatte. Das passiert allen. Der Höchste sorgt dafür, ihn aus dieser Situation herauszuführen, und gibt damit auch uns wichtige praktische Weisungen, wie wir unseren Nächsten helfen können, die in Verzweiflung und Niedergeschlagenheit geraten sind. Der Heilige, gepriesen sei Er, wird uns Weisheit geben, weise, besonnen und mit Liebe zu handeln mit all unseren Freunden, die niedergeschlagen sind, die in Trauer sind, die in Depression sind, die leiden. Natürlich gibt es professionelle Hilfe, aber wir haben als Nächste unseren eigenen Dienst gegenüber solchen Menschen.

Flüche in unserem Leben

Die Wochenabschnitte Balak und Pinchas sind ein guter Anlass, über Flüche zu sprechen, darüber, wie wir selbst unversehens einen Fluch in unser Leben und in das Leben der Menschen um uns herum bringen können. Nein, es wird nicht um irgendeine Mystik gehen, wir versuchen, fast ohne sie auszukommen.

In der Tora gibt es drei Wörter, die einen Fluch bezeichnen. Das erste Wort, klalá, stammt von derselben Wurzel, kuf-lámed-lámed, wie das Wort kal – leicht, nichts wert. Dieses Wort kann verwendet werden, wenn wir irgendwelche Talente, Fähigkeiten, Möglichkeiten geringschätzen, unsere eigenen oder die der anderen, wenn wir unsere eigene Würde oder die Würde der anderen geringschätzen. Zum Beispiel wächst bei uns ein Kind heran, und es hat ein Talent für Musik oder fürs Zeichnen, aber wir sagen: „Was willst du denn Künstler werden? Was willst du denn auf die Kunstfachschule gehen? Geh auf die Fachschule für Tierzucht, die ist in der Nähe, und da kommt man leicht rein. Wohin willst du denn zum Studieren fahren? Wo drängst du dich hinein, woran wagst du dich heran?“

Das heißt, dieses „du wirst niemals werden können“ oder „ich werde niemals werden können“ oder „was willst du schon, was wollen wir schon“ – das ist Geringschätzung irgendeines Talents, das von Gott gegeben ist. Oft wollen wir diese Talente, diese Fähigkeiten in den Kindern nicht sehen, weil wir etwas anderes in ihnen entwickeln wollen. Uns ist es nicht gelungen, jemand zu werden – zum Beispiel wollten wir im Ballett tanzen, und deshalb wollen wir, dass unsere Tochter im Ballett tanzt. Vielleicht will sie das überhaupt nicht, sie will zeichnen, aber wir wollen es eben anders, und ihr Talent zum Zeichnen, das von Gott ist, ersticken wir. Irgendwelche ihrer Fähigkeiten, irgendein Potenzial von ihr wird von uns geringgeschätzt. Genauso können wir auch irgendein eigenes Potenzial geringschätzen, und das ist klalá. Wenn wir das Schwere, Gewichtige, Würdige (mechubadím), verachten, die Würde Gottes in etwas Verächtliches verwandeln (mekalelím), wenn wir das geringschätzen, was Gott unseren Kindern gegeben hat, was sich in ihnen zeigen und sie zu glücklichen, verwirklichten Menschen machen kann, dann bringen wir damit unbewusst einen Fluch in unser Leben und in das Leben unserer Kinder. Ich denke, dass jeder viele Beispiele dafür findet, wie das im eigenen Leben wirkt und vielleicht im Leben der Menschen um uns herum, der Kinder, wenn wir dem Segen Gottes den Weg verschließen. Im Buch Bereschit, im 49. Kapitel, lesen wir vom Segen des Stammvaters Jaakow für seine Söhne, und im 28. Vers heißt es: „Er segnete jeden nach seinem Segen“, das heißt, er segnete das, womit seine Kinder schon vom HERRN gesegnet waren. Er segnete die Fähigkeiten, die sie hatten, die Charakterzüge, die sie hatten – dort, wo sich das göttliche Licht in ihnen schon gezeigt hatte, darin segnete er sie. Das ist sehr wichtig – in dem zu segnen, worin unser Kind schon gesegnet ist.

Ein anderes Beispiel betrifft jene Situationen, in denen wir unsere eigene Würde geringschätzen. Wir sind in eine Warteschlange geraten, wo alle drängeln und schreien. Zuerst standen wir ruhig, dann haben wir uns plötzlich von der allgemeinen Stimmung anstecken lassen und auch angefangen zu drängeln und zu schreien. Oder wir sind gewohnt, auf Sauberkeit zu achten und Papierchen nur in den Mülleimer zu werfen. Aber wenn wir an einen vermüllten Ort geraten, einen Ort, wo Häuser mit eingeschlagenen Fenstern stehen, fangen auch wir an, den Müll direkt vor unsere Füße zu werfen. Genauso können wir die Sprache derer übernehmen, mit denen wir Umgang haben. Wenn wir plötzlich in eine Umgebung geraten sind, wo die Sprache unrein ist, dann können wir diese unreine Sprache aufschnappen. Man kann seine Würde geringschätzen und sich leicht machen, damit es sich leichter lebt. Das ist ein Fluch genau derselben Art, der Fluch klalá, vom Wort kal (leicht), wie wir schon gesagt haben.

Ein anderes Wort zur Bezeichnung des Fluchs ist das Wort me'ará. Es hat dieselbe Wurzel, álef-waw-resch, wie das Wort or (Licht), so seltsam das auch ist. Ein Übermaß an Licht kann einen Segen in einen Fluch verwandeln, wenn man uns, in Anführungszeichen gesprochen, mit etwas segnet, was wir nicht aufnehmen können, wenn man uns etwas aufbürdet, was wir nicht tragen können. Im Buch Dewarim (28,30–31) lesen wir: „Mit einer Frau wirst du dich verloben, aber ein anderer Mann wird bei ihr liegen; ein Haus wirst du bauen, aber nicht darin wohnen; einen Weinberg wirst du pflanzen, aber ihn nicht in Gebrauch nehmen. Dein Stier wird vor deinen Augen geschlachtet, aber du wirst nicht von ihm essen; dein Esel wird dir mit Gewalt weggenommen und wird nicht zu dir zurückkehren; deine Schafe werden deinen Feinden gegeben, und niemand wird dir helfen.“ Das ist der Zustand arúr (verflucht), wenn der Mensch unter der Gewalt des Fluchs steht, des Fluchs me'ará. Das heißt, du hast eine Frau, du hast ein Haus, du hast einen Weinberg, du hast einen Stier, du hast einen Esel, du hast Schafe, aber von nichts davon kannst du Segen empfangen, weil du kein Gefäß hast, um diesen Segen zu fassen.

Es gibt Situationen (gewöhnlich geschieht das in östlichen Ländern), in denen man ein kleines Mädchen mit sieben oder neun oder dreizehn Jahren verheiratet, und manchmal sogar mit drei Jahren. Eigentlich ist die Ehe für eine junge Frau natürlich ein Segen, aber in diesem Alter wird sie für sie zum Fluch. Es kommt vor, dass das Mädchen stirbt, sich das Leben nimmt, und wenn sie auch lebt, dann ist ihr Leben zerstört. Das ist ebenfalls me'ará.

Mir hat einmal eine gute Frau geschrieben: „Bei mir hat sich hier ein Zehnter angesammelt, zehntausend Dollar, und nebenan wohnen Drogenabhängige in einem verlassenen Haus. Vielleicht gebe ich ihnen diese zehntausend Dollar, und sie fangen mit diesem Geld ein neues Leben an, was meinen Sie?“ Ich antwortete ihr: „Dieses Geld kann die Drogenabhängigen töten. Ohne irgendwelche Werkzeuge, um mit diesem Geld ein neues Leben anzufangen, werden sie es einfach für Drogen ausgeben, möglicherweise für solche Dosen, dass sie nicht überleben.“ Geld, das für andere ein Segen wäre, kann diese unglücklichen, verirrten Menschen zugrunde richten. Drogenabhängige, frühe Heirat – das sind vielleicht sehr radikale Beispiele, aber wiederum, wenn man in unserem Leben nachgräbt, kann man finden, wie das wirkt. Deshalb sagte König Schlomo (Mischle 30,8): „Nichtigkeit und Lüge entferne von mir, Armut und Reichtum gib mir nicht: Nähre mich mit dem täglichen Brot.“ Warum „gib keinen Reichtum“? Weil Reichtum sogar für einen Menschen, der frei von Drogensucht ist, zum Fluch werden kann. Auch Ruhm und Macht, für die ein Mensch nicht bereit ist, können für einen Menschen ein Fluch sein.

Es kommt auch so vor, dass ein Mensch irgendwo arbeitete, erfolgreich war, zum Beispiel ein guter Chirurg war, ein Chirurg von Gott. Wirklich von Gott, denn es ist ja Gott, der das Talent gibt. Und man beförderte ihn, machte ihn zunächst zum Chefarzt eines Krankenhauses. Er kam in eine Verwaltungsarbeit, mit der er nicht besonders gut zurechtkam, und dann erhielt er einen noch größeren Segen und wurde Gesundheitsminister. Und als Gesundheitsminister kann er sich als völlig unfähig erweisen. Da ist ein Segen, der sich in einen Fluch verwandelt hat, eine Fülle an Licht, die sich in Finsternis verwandelt hat.

Oder ein Mensch hat den Bau eines Hauses für seine Familie in Angriff genommen, aber den Bau eines riesigen dreistöckigen Hauses in Angriff genommen, hat für diesen Bau Kredite aufgenommen, sogar mit Krediten hat ihn die Bank gesegnet. Am Ende kann er dieses Haus einfach nicht fertigstellen, jahrelang steht das Haus unfertig da, während die Kinder heranwachsen. Und vielleicht hätte der Mensch ein kleineres Haus früher gebaut, aber er selbst hat überflüssiges Licht in sein Leben gebracht, hat me'ará gebracht. Deshalb muss man auch, wenn wir um irgendeinen Ruhm oder um irgendwelches Geld bitten, vorsichtig sein: Nicht jedes Geld, nicht jede neue Ernennung, nicht einmal jeden Dienst können wir tragen.

Und das ist die Bedeutung der zweiten Art des Fluchs, des Wortes me'ará, seine Erscheinung in unserem Leben. Man muss natürlich einschränkend sagen, dass ein Mensch nach Größerem streben muss, sonst gerät er unter den Fluch klalá, von dem wir ganz am Anfang gesprochen haben. Ein Mensch muss streben, ausholen, wagen, all das muss man tun. Aber man muss auch seine Möglichkeiten abwägen, man muss ständig beten, dass das, was wir empfangen, das, worin wir wachsen, das, wo der Höchste uns ins Weite hinausführt, für uns ein Segen ist.

Das dritte Wort, von dem wir sprechen, ist das Wort naków. Das Verb linków bedeutet die Dinge beim Namen nennen, eine Öffnung durchschlagen, gleichsam ein Löchlein bohren, um etwas ans Licht zu bringen. Man könnte meinen: Was ist daran schon schlimm?

Die Weisen sagen: „Alle wissen, wozu die Braut in das Brautgemach geht, aber wer darüber laut spricht, der ist verflucht.“ Es gibt gewisse Dinge, gewisse Handlungen, über die man nicht zu sprechen pflegt, die man in Zurückhaltung zu vollziehen pflegt. Das können sowohl natürliche Dinge sein, wie unsere natürlichen Bedürfnisse, als auch das, wofür wir uns schämen. Diese Probleme und diese Sünden sind in uns, wir arbeiten an ihrer Überwindung, aber wir schämen uns ihrer und identifizieren uns nicht mit ihnen.

Im Wochenabschnitt Balak (23,8) haben wir gelesen, wie Bil'am sagt: „Was soll ich denn verfluchen, wenn Gott nicht verflucht hat?“ Hier verwendet er genau dieses Verb linków. „Wie kann ich etwas zu ihrer Natur erklären, etwas mit ihrer Natur verbinden, wenn Gott das nicht getan hat?“ Und Raschi sagt hier: „Wie soll ich verfluchen, wenn Gott nicht verflucht hat? Selbst als sie den Fluch verdienten, als ihre Natur sich irgendwie zeigte, wurden sie nicht verflucht. Als ihr Vater Jaakow ihre Sünde erwähnte: denn in ihrem Zorn haben sie einen Mann getötet, übergab er nur ihren Zorn dem Fluch, wie gesagt ist: verflucht sei ihr Zorn“. Der Stammvater Jaakow sagte, als er seine Kinder segnete, nicht: „Ihr seid jähzornig“, und verband den Zorn nicht mit der Natur der Brüder. Er verfluchte nur ihren Zorn, nicht sie selbst. Und naków ist der Fluch, wenn man etwas verflucht, indem man es die Natur des Verfluchten nennt.

Bei uns allen können irgendwelche sündigen Gedanken, sündigen Wünsche aufkommen, etwas, was uns selbst manchmal erschüttert: Woher ist das in uns gekommen? Die Tiefe dessen, was in unseren Herzen geschieht, erscheint manchmal als Abgrund. Und wir sind gewohnt, uns dessen zu schämen, uns dafür zu genieren, es zu verstecken, es zu verbergen und zu versuchen, es zu besiegen. Deshalb bringt uns die vulgäre Sprache so in Verlegenheit, wenn ganz direkt die Bezeichnungen irgendwelcher Organe, irgendwelcher Tätigkeiten ausgesprochen werden, die man nicht zu benennen pflegt und für die wir Euphemismen haben.

Ich war Zeuge einer Situation, als in der psychiatrischen Klinik Kfar Scha'ul in Jerusalem eine Ärztin zusammen mit Studenten und anderen Ärzten des Krankenhauses Visite machte. Und ein Kranker sagt: „Was bist du denn hergekommen, mich zu untersuchen? Du hast heute mit deinem Mann das und das und das gemacht.“ Und dabei ist doch nichts Beschämendes an dem, was sie mit ihrem Mann tat, was es auch gewesen sein mag. Aber das erzeugt eine gewisse Gehemmtheit, eine gewisse Verkrampfung im Inneren: „Da ist sie, deine Natur, du bist in Wirklichkeit unrein, in Wirklichkeit ist überhaupt nichts Gutes in dir.“ Vulgäre Sprache macht uns unrein, oft hemmt sie uns.

Und wir lesen im Wochenabschnitt Pinchas (25,6–8):„Und siehe, es kam einer aus Israel und brachte eine Midjaniterin zu seinen Brüdern heran vor den Augen Mosches und vor den Augen ganz Israels, und sie weinten am Eingang des Zeltes der Begegnung. Und das sah Pinchas, ben Elasar, ben Aharon, dem Kohen, und er stand auf aus der Gemeinde, und in seiner Hand ein Speer. Und er ging hinter dem Israeliten her in die Nische (el-hakubá), und er durchbohrte sie beide, den Israeliten und die Frau, mitten in ihren Leib (Magen). Und die Seuche hörte auf unter den Söhnen Israels.“

Man muss eine Anmerkung zur Übersetzung machen. Mit dem Wort hakubá, das hier mit Nische übersetzt ist, wird auch ein Bordell oder eine Spelunke bezeichnet, ein Ort, wo man man selbst sein kann, wo man alles in Einfachheit beim Namen nennen kann, so sein kann, wie man ist. All das sage ich natürlich mit einer Portion Ironie und Sarkasmus. Was ist hier geschehen? Ein Mensch hat eine Midjaniterin vor den Augen ganz Israels hergebracht. Er geniert sich für nichts, er schämt sich für nichts, er sagt: „Und ihr, was ist mit euch, schaut ihr wirklich nicht nach diesen Midjaniterinnen? Was ist mit euch, denkt ihr wirklich nicht an sie? Ihr wollt doch alle mit ihnen zusammen sein, ihr seid alle genauso lüstern wie ich. Aber ich bin hier der einzige Mann, der gekommen ist und sie hergebracht hat, ohne sich zu genieren. Ach was, was spielt ihr hier die Edlen, was spielt ihr die Gläubigen, innerlich seid ihr alle genauso, ihr seid alle angefault.“ Und ganz Israel weinte. Es weinte, weil es wirklich sehr bitter ist, so etwas zu hören. Das ist es, was dieser Fluch sagt, der dich hemmt, der dir zu sagen versucht, dass du unrein bist, dass das auch in dir ist, und, mehr noch, dass das deine Natur ist, für die du dich heuchlerisch genierst, indem du dich als gerecht ausgibst.

So etwas begegnet einem oft im Leben: „Du bist gegen Pride-Paraden? Du bist homophob? Nein, du bist nicht homophob, du bist ein latenter Homosexueller. Du genierst dich einfach für deine Homosexualität, deshalb kämpfst du dagegen, aber in Wirklichkeit bist du innerlich genauso wie wir.“ Oder man sagt uns: „Ach komm, was spielst du dich denn als Gerechter auf? Ach komm, was handelst du denn so? Ich geniere mich wenigstens nicht, ich bin wenigstens ehrlich, und du bist nicht nur innerlich ein Bösewicht, du bist auch noch ein Heuchler. Deine ganze Gerechtigkeit ist Heuchelei.“ Das ist ein Köder, auf den man sehr leicht hereinfällt. Es ist oft sehr schwer, sich daran zu erinnern, dass die Gerechtigkeit unsere neue Natur ist, und das Sündige, das in uns ist, das Unreine, das in uns noch bleibt, das ist das Vergehende, Sterbende, das, was wir überwinden werden, und wir werden weitergehen. Manchmal ist es schwer, sich daran zu erinnern, dass wir uns gerade mit der Gerechtigkeit identifizieren, gleichsetzen müssen und nicht mit dem Unreinen, das in uns ist, wenn man uns sagt: „Ach komm, wir sind doch alle so, du willst das doch in Wirklichkeit, na erlaub es dir doch, sei doch kein Waschlappen, sei nicht gar so gerecht.“

Und das ist der Fall, in dem man nicht streiten soll, in dem man nach dem Prinzip des Pinchas handeln und den Speer nehmen muss. Nun, natürlich sind wir keine Pinchasse und können einfach das Gespräch beenden, abbrechen. Deshalb wird uns gesagt, dass wir keinen Umgang haben sollen mit dem, der Bruder genannt wird, selbst aber ein Unzüchtiger ist, ein Habsüchtiger oder Götzendiener, ein Verleumder, ein Trinker, ein Betrüger. Mit solchen soll man nicht einmal an einem Tisch essen, sich auf Diskussionen einlassen, sich auf irgendwelche Gespräche einlassen, auf irgendeinen Umgang, davon muss man sich entfernen. Denn wenn du den Umgang beginnst, dann wirst du anfangen, mit demselben Wortschatz zu sprechen, du wirst das in dich hineinlassen, wirst dir erlauben, genauso zu sein. Dieses Gefühl der eigenen Unreinheit wird Gehemmtheit erzeugen, manchmal kann es sogar lähmen. Und es kann geschehen, dass jener Gedanke, der nur manchmal irgendwo in deinen Tiefen auftaucht, nur für gewisse Augenblicke aufsteigt, plötzlich durch diesen Fluch Kraft bekommt, wieder anfängt, um sein Überleben zu kämpfen, wieder in dir von den Toten aufzuerstehen. In jedem Fall ist das Lähmung, das ist Unreinheit, das ist Unfreiheit, die mit diesem Fluch verbunden ist. Entfernt euch davon. So werdet ihr gerettet werden, so werdet ihr den Fluch in eurem Leben loswerden, diesen Fluch, der naków heißt.

Das sind drei Flüche. Ohne jede Mystik treten sie in unser alltägliches Leben ein. Wir können uns einen von ihnen einfangen und ihn in uns tragen, und man muss sehr aufmerksam sein und wachsam schauen, was um uns herum geschieht.

Sterne, Sonne und Mond

Der Wochenabschnitt Pinchas ist sehr interessant, vieles erzählt uns die Tora hier. Lasst uns einige meiner Meinung nach wichtige und interessante Details berühren.

 Im 26. Kapitel, im 54. Vers, gibt der Höchste eine Weisung über die Teilung des Landes. Und Er sagt: „Dem, der größer ist, gib mehr, und dem, der kleiner ist, gib weniger.“ Und es ist nicht ganz verständlich, wozu eine solche Wiederholung nötig ist. Es ist verständlich, dass ein Stamm umso mehr Land bekommen muss, je größer er ist. Wozu sagen, dass man dem kleineren Stamm weniger geben muss, wozu diese zweite Anordnung?

Viele Kommentatoren sehen hier, dass es nicht nur um die Teilung des Landes geht. Der Begriff nachalá (Anteil, Landbesitz, Erbe) ist nicht nur ein Ort für den Dienst, den ein Stamm erhält. In einem weiteren Sinn geht es um den Dienst des einzelnen Menschen, und der kann unterschiedlich sein.

Zum Beispiel gibt es einen Menschen, der seinem Geist nach dazu neigt, zu verbreiten, zu tragen, der dazu neigt, Einfluss zu nehmen, auf andere Menschen einzuwirken, andere Menschen anzuziehen. Wenn er irgendwo erscheint, dann ist seine Anwesenheit sofort zu spüren. Er ist aktiv, er spricht, er inspiriert andere, er führt andere mit sich. Und er hat einen solchen Dienst – Menschen mit sich zu führen. Aber es gibt einen anderen Menschen, der mehr zur inneren Arbeit neigt, der nicht so auffällt. Er sitzt vielleicht in einer Ecke und beschäftigt sich mit der Erforschung seiner selbst, und wenn er etwas hört, verwandelt er es in innere Arbeit.

Und man kann dieses Gebot, diese doppelte Anordnung so auslegen, so auf unsere Tage anwenden: Für jeden gibt es seinen eigenen Dienst, und jeder, jeder hat seinen eigenen Platz im gemeinsamen Dienst Israels. Dem, der zum Äußeren neigt, der dazu neigt, mit Menschen Umgang zu haben und Menschen einzubeziehen, Menschen zu helfen, Menschen zu dienen, das heißt, präsent zu sein und mit sich zu erfüllen, muss man die Möglichkeit geben, den Raum mit sich zu erfüllen, die Gemeinde mit sich zu erfüllen. Den anderen, denen, die mehr zum Inneren neigen, muss man helfen, bei ihrem Dienst zu bleiben und diesen Dienst nicht geringer zu schätzen als den ersten.

Die Weisen sagten, dass ein demütiger Dienst immer vorzuziehen ist. Ein Mensch muss vorsichtig sein in seinem Einfluss auf andere, in seinem Streben, andere mit sich zu ziehen, denn das ist manchmal gefährlich für diesen Menschen selbst. Lehrer zu werden, Mentor zu werden, ein einflussreicher Mensch zu werden, kann einfach gefährlich sein, deshalb rieten die Weisen, darin vorsichtig zu sein.

Jetzt gehen wir zu einem anderen Thema über, zu einem anderen Teil des Wochenabschnitts, wo wir einer völlig unerwarteten Erscheinung begegnen. Wir waren es sehr gewohnt, im Lauf aller vorherigen Kapitel zu lesen: „Wajdabbér adonáj el-mosché lemór – Und der HERR redete mit Mosche und sprach“. In unserem Wochenabschnitt (27,15) lesen wir etwas Erstaunliches: „Wajdabbér mosché el-adonáj lemór – Und Mosche redete zum HERRN und sprach“. Mosche wendet sich an den Höchsten, nachdem ihm klar geworden ist, dass er nicht in das Land kommen wird. Mosche sorgt dafür, dass die Gemeinde nach ihm nicht verwaist, er bittet den Höchsten, nach ihm einen Mentor einzusetzen (möglicherweise Pinchas, dessen Beliebtheit wächst). Und was sagt Mosche zum HERRN? Er sagt wiederum etwas Erstaunliches: „Es setze der HERR, der Gott der Geister allen Fleisches (das heißt Gott, Der den Geist jedes Menschen kennt: sowohl den Geist jenes Menschen, den Er als Mentor einsetzen wird, als auch den Geist jedes Menschen, der einen Mentor braucht), es setze einen Mann über diese Gemeinde, der vor ihnen hinausgehen wird und der vor ihnen hineingehen wird.“ Was bedeutet das? Bei vielen irdischen Königen ist es üblich, dass der König im Hauptquartier sitzt oder von einem Hügel aus die Schlacht beobachtet. Aber hier braucht das Volk einen solchen Anführer, der zusammen mit seinem Volk gehen wird, sich zusammen mit seinem Volk bewegen wird, der es hinausführen und wieder zurückbringen wird. Noch ein wichtiger Gedanke: Wenn ein König Menschen in den Krieg führt, dann kann man sagen: „Ja, wir sind für diesen Krieg, für jene Idee, für die wir kämpfen, wir sind überhaupt alle bereit zu sterben, und es ist uns um niemanden schade, ihn hinzugeben: Gut ist es, für die Heimat zu sterben, und um niemanden ist es schade.“ Hier braucht es einen Anführer, der nicht nur fähig ist, Menschen in den Krieg zu führen, sondern auch dafür sorgt, dass sie aus dem Krieg zurückkehren. Damit die Gemeinde des HERRN nicht sei wie Schafe, die keinen Hirten haben, damit dieser Mensch wie ein Hirte für die Schafe sei.

Was ist hier erstaunlich? Im Grunde bittet Mosche den Höchsten, seinen Nachfolger einzusetzen, einen Menschen einzusetzen, der die Gemeinde Israels nach seinem Tod leiten wird. Warum nicht einfach zum Höchsten sagen: „Setze den richtigen Menschen über die Gemeinde.“ Warum gibt Mosche Ihm, dem Höchsten, eine so genaue Anweisung? Weiß der Höchste etwa nicht, wen man einsetzen soll? Oder kann der Höchste den falschen Menschen einsetzen? Mosche beschreibt in diesen seinen Worten sich selbst. Er will einen solchen Mentor, wie er selbst einer ist, und weiter, im Buch Dewarim (18,15), werden wir sehen, wie das bei ihm durchbricht und wie er sagt: „Einen Propheten wie mich wird euch der Höchste einsetzen.“ Mosche ist aufrichtig, er ist ein ergebener, treuer Diener, der Höchste Selbst bezeugt das. Und er will, dass sein Nachfolger ein ebenso treuer Diener ist. Und obwohl er nicht in das Land Israel kommen wird, wo völlig andere Prinzipien der Leitung von allem gelten, bittet er den Höchsten: „Setze ein, mache einen solchen wie mich.“

Was antwortet ihm der Höchste? Wir lesen in den Versen 18–19 von Kapitel 27: „Nimm Jehoschua ben Nun, einen Menschen, in dem Geist ist, und lege deine Hand auf ihn, und stelle ihn vor Elasar, den Kohen, und vor die ganze Gemeinde, und unterweise ihn vor ihren Augen.“ Das heißt, auf das Wort Elasars, des Kohen, der die Urim und Tummim hat, wird Jehoschua ben Nun zusammen mit seiner Gemeinde in den Krieg ausziehen und aus dem Krieg zurückkehren. Und ja, er wird nicht ein solcher Anführer sein wie Mosche, er wird ein völlig anderes Prinzip der Macht haben. Wir erinnern uns, wie Mosche Kundschafter-Erkunder aussandte und eine lange, lange Liste von Aufgaben gab: Dies, dies und dies erkundet. Jehoschua ben Nun sendet Kundschafter-Spione (meraglím) mit dem Auftrag aus: „Geht und erkundet Jericho.“ Davon lesen wir im 2. Kapitel des Buches Jehoschua. Und im 9. Kapitel desselben Buches, in der Geschichte mit den Giwonitern, sehen wir, dass die Ältesten aktiv an der Leitung der Gemeinde teilnehmen.

Die jüdische Tradition sagt: „Das Gesicht Mosches ist wie die Sonne, das Gesicht Jehoschuas ist wie der Mond.“ Und es geht nicht nur darum, wer heller leuchtet: wer mit direktem Licht leuchtet und wer mit zurückgeworfenem. Es ist einfach so: Wenn der Mond scheint, sind auch noch die Sterne zu sehen, das Licht des Mondes verdunkelt das Licht der Sterne nicht. Es gibt einen Anführer, der für alles verantwortlich ist, und unter ihm weiß niemand, wer bei ihm Wirtschaftsminister ist, wer bei ihm Minister für Leichtindustrie ist, wer bei ihm noch irgendein Minister ist, weil alles auf ihm liegt, er hat alles in seine Hände genommen. Das ist wie im Licht der Sonne: Obwohl es Sterne gibt, sind sie nicht zu sehen. Und solange das Volk Israel, vereint durch eine Idee, einen gemeinsamen Weg, in der Wüste wanderte, war ein solcher Anführer wie Mosche nötig – ein Anführer mit sonnenhaftem Gesicht. Wenn aber das Volk Israel in das Land kommt, passt eine solche Leitung nicht mehr. Es braucht den, der Macht delegieren kann, der sich beraten kann, der auch andere leiten lässt, kollegial handelt, offener für andere ist.

Warum habe ich diese beiden Themen verbunden – über die verschiedenen Arten von Dienern und über die verschiedenen Arten von Anführern? Für Menschen mit unterschiedlicher Natur sagt der Höchste: „Wähle den Weg, unterstütze Menschen mit unterschiedlicher Natur.“ Ebenso auch für Situationen mit unterschiedlicher Natur: Verschiedene Situationen erfordern verschiedene Führung.

Der Anführer, um den Mosche jetzt bittet, unter dem die Herde, die Gemeinde, nicht ohne Hirten bleiben wird, wird später erscheinen. Über David ist gesagt: „Ganz Israel, Jehuda liebten David, denn er führte sie hinaus und brachte sie herein.“ Gerade zu David wird der Höchste sagen: „Du wirst Mein Volk weiden.“ Das heißt, das Gebet Mosches, die Bitte Mosches wurde erhört, aber sie verwirklicht sich später. Es wird die Zeit des Anführers mit sonnenhaftem Gesicht geben. Es wird die Zeit des Anführers mit mondhaftem Gesicht geben. Und natürlich ist David das Urbild des Maschiach, dessen, der nicht mehr nur das jüdische Volk, sondern die ganze Menschheit führen wird.

Es gibt noch einen Gedanken zu unserem Wochenabschnitt, den ich gern teilen möchte. Im 28. Kapitel gibt es das Gebot über das Opfer tamíd, was wörtlich übersetzt immer bedeutet. Dieses Opfer wird jeden Morgen und jeden Abend dargebracht. Es ist ein beständiges Opfer, das nach einem beständigen Zeitplan dargebracht wird.

Warum heißt es tamíd (immer)? Es gibt eine Geschichte über einen jungen Mann, der beschloss, sich ganz allmählich der Tora, den Geboten zu nähern. Und er verstand, dass das Erste, was er tun kann, ist, für den Anfang ein Gebet auf sich zu nehmen. Das heißt, von allen Gebeten, mit denen Juden traditionell beten, wird er eines auswählen. Er fragte den Rabbi, welches Gebet dieser am meisten schätzt, und der Rabbi sagte ihm: „Das Gebet Modé aní“, das Gebet, das jeder Jude liest, wenn er morgens aufwacht: „Ich danke Dir, HERR, der mir die Seele in seiner Gnade zurückgegeben hat. Groß ist Dein Glaube.“ Ein Jude, der seinen Tag beginnt, der seinen Mund zum ersten Mal am Tag öffnet, sagt das Wort modé (ich danke) und beendet am Abend seinen Tag ebenfalls mit einem Gebet des Dankes. Das ist wie gesetzte Klammern, die den ganzen Tag zusammenfassen. Und das Gebet erstreckt sich, wie das Opfer tamíd, auf den ganzen Tag, der ganze Tag vergeht wie in Klammern, in diesem Gebet. Und es ist sehr wichtig, wie wir den Tag beginnen und wie wir ihn beenden, wie wir jede Sache beginnen und wie wir sie beenden. Deshalb gibt es einen Segen vor einem Gebot, nach vielen Geboten gibt es ebenfalls einen Segen, es gibt ein Gebet vor dem Beginn und ein Gebet nach dem Abschluss jeder Sache. So spiegelt sich das Opfer tamíd in unseren Taten in unserer Zeit wider.

Das sind (kurz) solche Gedanken zu unserem Wochenabschnitt Pinchas.

Tora in 5 Minuten

Unser Wochenabschnitt Pinchas beginnt mit Vers 10 von Kapitel 25, als alle Ereignisse schon geschehen sind, als von Pinchas, dem Sohn Elasars, des Kohen, der mit dem Eifer des Höchsten geeifert hatte, der Israelit und das midjanitische Mädchen getötet worden sind, der Zorn des HERRN sich gelegt hat und die Seuche aufgehört hat, die vierundzwanzigtausend Menschen dahingerafft hatte.

Als Lohn für Mut und Heldentum könnte man erwarten, dass der Höchste sagt: „Pinchas soll ewiger Oberbefehlshaber der Verteidigungsarmee Israels sein. Pinchas soll ewiger Verteidigungsminister Israels sein, denn dieser Mann hat Mut bewiesen. Als alle wie gelähmt waren und niemand wusste, was zu tun ist, nahm Pinchas einen Speer, ging hin und durchbohrte zwei Menschen.“ Aber der Höchste sagt: „Der Lohn für Pinchas wird ein Bund des Friedens sein.“ Warum soll gerade ein Bund des Friedens sein Lohn sein? Weil das Ziel von Pinchas nicht war, Mut und Heldentum zu zeigen, er wollte nicht seine Kraft zeigen, er nahm nicht an einem Ritterturnier teil. Sein Ziel ist die Versöhnung des Volkes Israel und des Höchsten. Sein Ziel ist, die Gnade des Höchsten für das Volk Israel zu erwirken.

Genauso trat Mosche vor vielen Jahren, als er zum Brunnen hinausging und sah, wie die Hirten die Töchter Jitros bedrängten, für sie ein, riskierte, man kann sagen, sein Leben, aber nicht, um seine Kraft zu zeigen, sondern um den Töchtern Gnade zu erweisen. So kommt es vor, dass Mut und Heldentum, das Zeigen von Kraft, für die Versöhnung notwendig sind, deshalb dient Pinchas gerade der Bund des Friedens als Lohn, ein durchaus angemessener Lohn.

Aber das hat auch eine andere Seite. Wenn ein Mensch tötet, kann seine Seele traumatisiert werden. Man kann verrohen, man kann abstumpfen, man kann es sogar zur Gewohnheit machen, Menschen zu töten, Gott bewahre.

Zum Beispiel ist ein Mensch mit irgendeiner Arbeit beschäftigt, die mit Rehabilitation zu tun hat: ein Sozialarbeiter, der irgendwelche schwierigen, verworrenen Fälle bearbeitet, unter irgendwelchen schwierigen, verworrenen Umständen; oder eine Sozialarbeiterin, die mit Frauen arbeitet, die unter häuslicher Gewalt leiden, und ihnen hilft, den Frieden im Herzen zu bewahren, ihnen hilft, wieder heiraten zu wollen, wieder daran zu glauben, dass es normale, anständige Männer gibt; oder ein Gefängniswärter, der ständig mit Häftlingen arbeitet. Wie sollen diese Menschen glauben, dass die Welt voll von normalen, gesunden Menschen ist, wie soll man nicht zulassen, dass das eigene Herz hängen bleibt, sich hineinziehen lässt in das, was du um der Gnade willen tun musst, um der Versöhnung der Menschen mit Gott willen, um der Versöhnung der Menschen mit anderen Menschen willen, wie soll man den Frieden im Herzen bewahren? Und der Höchste segnet Pinchas und sagt: „Obwohl du Menschen getötet hast, gebe Ich dir den Bund des Friedens, du wirst Frieden in der Seele haben, deine Seele wird keinen Schaden nehmen, wird durch dieses Töten keinen Kratzer bekommen.“ Mehr noch, das ist der Bund des Priestertums: Der Kohen sühnt für andere Menschen, er ist Mittler im Prozess der Sühne. Der Segen des Kohen ist es, das Unreine zu sehen und selbst nicht unrein zu werden. Das ist das Wesen des Bundes des Friedens: „Du hast getötet, aber Ich werde dir Frieden im Herzen geben, du wirst kein Mörder werden.“

Pinchas: verwandte Gespräche

Lest auch den Wochenabschnitt Balak, den Beitrag über die jüdischen Feste, das Gespräch über die Bünde und die Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    Inhalt dieses Abschnitts

    1. 1Der langlebige Priester 25,10–26,11
    2. 2Vorbereitung auf den Einzug ins neue Zuhause 26,12–65
    3. 3Ein Nachfolger wird gebraucht 27,1–23
    4. 4Mit dem Opfer durchs Leben 28,1–30,1
    5. 5Wenn ein Freund verzagt ist
    6. 6Flüche in unserem Leben
    7. 7Sterne, Sonne und Mond
    8. 8Tora in 5 Minuten
    9. 9Pinchas: verwandte Gespräche

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