- Wochenabschnitte
- Schemot
- Beschalach
בְּשַׁלַּח
Beschalach
das Meer, das Manna und der Weg Israels
- Wochenabschnitt
- 16 von 54
- Verse
- Schemot 13,17–17,16
- Teile
- 12
- Lesezeit
- 2 Std. 59 Min.
- Hörfassung
- 4 Std. 41 Min.
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Beschalach ist der Wochenabschnitt über den Weg Israels nach dem Auszug aus Ägypten. Alex Blend behandelt den Durchzug durch das Meer, das Lied, das Manna, das Gebet um Auskommen und den Kampf mit Amalek. Das Stenogramm enthält Hebräisch, Transliteration, Übersetzung, Kommentare des Autors und die Haftara aus dem Buch Schoftim.
Beschalach: Helden gehen einen Umweg
Schemot 13,17–14,8
Mit Gottes Hilfe beginnen wir, einen neuen Wochenabschnitt der Tora zu lesen, den Abschnitt Beschalach. Er beginnt mit Vers 17 von Kapitel 13 des Buches Schemot, und wir lesen weiter die Geschichte des Auszugs Israels aus Ägypten.
וַיְהִי בְּשַׁלַּח פַּרְעֹה אֶת־הָעָם וְלֹא־נָחָם אֱלֹהִים דֶּרֶךְ אֶרֶץ פְּלִשְׁתִּים כִּי קָרוֹב הוּא כִּי אָמַר אֱלֹהִים פֶּן־יִנָּחֵם הָעָם בִּרְאֹתָם מִלְחָמָה וְשָׁבוּ מִצְרָיְמָה׃
wajhí beschallách par'ó et-ha'ám welo-nachám elohím dérech érez pelischtím ki karów hu ki amár elohím pen-jinnachém ha'ám bir'otám milchamá wescháwu mizrájma
17 Und es geschah, als der Pharao das Volk vertrieb, führte Gott sie nicht durch das Land der Plischtim, denn das ist ein naher Weg. Denn der HERR sprach: „Damit das Volk es sich nicht anders überlegt, wenn es den Krieg sieht, und nach Ägypten zurückkehrt.“
Es lohnt sich, auf das Verb nachám zu achten. Das Verb lehanchót – führen, lenken; manché ‒ heute ist das ein Moderator (einer Fernsehsendung), hanchajá – das ist eine Anweisung. Und man kann übersetzen: Der Höchste lenkte sie nicht, führte sie nicht durch das Land der Plischtim (Philister). Durch das Land der Plischtim – das bedeutet an der Küste des Mittelmeers entlang. Man hätte an der Küste des Mittelmeers entlang gehen können, wo heute der südliche Teil des Gazastreifens ist: Rafiach, dann Gaza, Aschkelon – und schon sind wir in Israel. Das ist eine bekannte, gut ausgetretene Handelsstraße. Die ägyptischen Streitkräfte legten seinerzeit diesen 321 Kilometer langen Weg in 10 Tagen zurück. Natürlich hätte das Volk Israel etwas mehr Zeit gebraucht. Das ist ein gut ausgebauter Handelsweg mit vielen Karawansereien. Aber zugleich liegen an ihm auch viele militärische Befestigungen. Also, warum führte der Höchste das Volk nicht diesen Weg? Es steht so geschrieben: denn das ist ein naher Weg. Nicht immer ist der nahe Weg der beste.
Ein interessantes Wort ist pen, das gibt es im Russischen nicht. Dieses Wort besteht aus zwei Buchstaben, Pe und Nun, und es bedeutet auf dass nicht, damit nicht; pen-jinnachém – damit es sich nicht anders überlegt, das Volk. Hier gibt es ein Wortspiel zwischen dem Wort nachám (führte sie), wo das Buchstäbchen Mem am Ende eine Pronominalendung ist, und dem Wort jinnachém, das genau gleich geschrieben wird und es sich anders überlegte bedeutet. Der HERR führte das Volk einen langen Weg, damit sie es sich nicht anders überlegten, wenn sie den Krieg sähen.
Was bedeutet es, dass das Volk den Krieg sehen konnte? Wie ich schon gesagt habe, gab es an dieser Stelle viele militärische Befestigungen, Verteidigungsanlagen, Festungen. Ägypten war ein reiches Land und ein Leckerbissen für allerlei Räuber, Eroberer, Aggressoren, Imperialisten. Und entsprechend baute es Befestigungen, gab nicht wenig Geld für die Verteidigung aus. Und man konnte annehmen, dass das Volk ernsthaft erschrecken würde, wenn es durch dieses Land zöge.
Es gibt auch einen anderen Kommentar, eher einen historischen Midrasch, und er hängt mit Ereignissen zusammen, auf die im ersten Buch Diwre haJamim (7,20–22) angespielt wird: „Die Söhne Efrajims: Schutelach und Bered, und sein Sohn Tachat, und sein Sohn Elada, und Sawad, sein Sohn, und Schutelach, sein Sohn. Und es töteten sie die Bewohner von Gat, die Eingeborenen jenes Landes, als sie hinabzogen, um ihre Herden zu erbeuten. Und Efrajim, ihr Vater, trauerte um sie viele Tage, und seine Brüder kamen, ihn zu trösten.“ Eine sehr erstaunliche Stelle. Um im Wald der Namen den Kern des Textes nicht zu verlieren, erzähle ich es nach. Der Text sagt, dass die Söhne Efrajims auf irgendeine Weise in Richtung Gat vorrückten, eben auf dieser Meeresstraße, und die Einheimischen sie auf diesem Weg töteten. Die Midraschim, die Kommentatoren, die Tradition sagen, dass die Söhne Efrajims ‒ ein bestimmter Teil Israels sind (Efrajim wird auch Israel als Ganzes genannt), dass sie das Ende der Zeit falsch berechneten und lange vor dem erwarteten Auszug aus Ägypten selbst beschlossen, diesen Auszug zu organisieren, in die Kampfhandlungen des Feindes gerieten, umkamen, und ihre Leichen dort „bis heute“ lagen. Verschiedene Midraschim sagen Verschiedenes darüber, wer sie getötet hat. Die einen sagen, die Ägypter (wir haben doch gerade gesagt, dass es dort viele militärische Anlagen gibt); andere sagen, dass gerade die Plischtim sie getötet haben, die Eingeborenen von Gat. Es gibt auch einige Gelehrte, gläubige Gelehrte, die sagen, dass die berühmte Merenptah-Stele, die gerade an der ägyptischen Grenze steht, ungefähr an jener Stelle, und auf der vermutlich ein Sieg der Ägypter über Israel erwähnt wird, eben auf diese Ereignisse hinweist. Ich wiederhole es noch einmal, erzähle nach, was geschehen ist: Ein bestimmter Teil des Volkes Israel hat 30 Jahre vor dem Auszug aus Ägypten aufgrund der Besonderheiten der Arithmetik falsch berechnet, wann man ausziehen muss, ist mit aller Begeisterung aus Ägypten losgestürmt und umgekommen, und deshalb erklären die Kommentatoren es so: „Jetzt kann das Volk gehen, die Leichen dieser Menschen sehen, die dort unbestattet liegen, erschrecken und, weil der Weg kurz ist, nach Ägypten zurückkehren.“
Es gibt also zwei Erklärungen, warum der Höchste das Volk nicht den kurzen, ausgetretenen Weg führte. Die erste Variante – weil es dort viele militärische Verteidigungsanlagen gibt, und für Sklaven, die gerade erst aufgehört haben, Ziegel zu machen, ist das sehr beängstigend. Die zweite – das ist die Geschichte mit den Söhnen Efrajims, deren Leichen dort vielleicht am Weg lagen und die das Volk sehen konnte. Eine sehr rätselhafte Geschichte, über die sehr viel Verschiedenes geschrieben worden ist; so ist es immer, wenn etwas unklar ist. So oder so führt der Höchste das Volk einen langen Weg.
וַיַּסֵּב אֱלֹהִים אֶת־הָעָם דֶּרֶךְ הַמִּדְבָּר יַם־סוּף וַחֲמֻשִׁים עָלוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajassév elohím et-ha'ám dérech hammidbár jam-súf wachamuschím alú wene-jisraél me'érez mizrájim
18 Und der HERR führte (jassév bedeutet: führte herum, auf einem Umweg) das Volk durch die Wüste zum Roten Meer. Die Juden zogen aus, versehen mit allem Nötigen (mit voller Ausrüstung), aus Ägypten.
Was ins Russische als Rotes Meer übersetzt ist (und ins Englische ebenso – Red sea), heißt auf Hebräisch Jam-súf – Schilfmeer (suf – Schilf). Erstaunlich, aber dieses Wort, suf, kann man auch als sof – Ende lesen, das heißt und führte sie durch das Meer des Endes, führte sie über den Rand der Welt.
Das Wort chamuschím – ein schwer verständliches Wort. Seht mal, nur zwei Verse, und wie viele schwierige Wörter und Begriffe schon hier. Das Wort chamuschím verstehen manche als abgeleitet von der Wurzel chamésch (ein Fünftel): nur ein Fünftel des Volkes zog aus. Die Midraschim leiten grandiose Zahlen ab: Jemand sagt, dass nur ein Fünfzigstel des Volkes auszog, manche „übertreiben“ und sagen, dass nur ein Fünftausendstel auszog, und die Mehrheit des Volkes blieb oder starb als Frevler, als die Plage der Finsternis in Ägypten war. Und weil die Juden Licht hatten, konnten sie in Ruhe alle ihre Frevler begraben. Kurz, es ist sehr viel um dieses Wort chamuschím herum geschrieben worden, wenn man es von chamésch her liest und deutet.
Eine andere Variante – das Wort chamuschím als bewaffnet, mit aller Ausrüstung versehen, mit allem Nötigen versehen zu lesen. Das Wort tachmóschet – Bewaffnung (Munition), lechamésch – bewaffnen, chamúsch bedeutet auch im modernen Hebräisch bewaffnet, wiederum vom Wort chamésch ‒ in die Hand genommen, mit voller Hand, mit einer vollen Hand Waffen. Und das ist die wahrscheinlichste der Deutungen. Wir wissen, wir haben gelesen, wie sie sich von den Ägyptern Geschenke erbeten haben.
Und Mosche, Mosche – das ist eine besondere Sache.
וַיִּקַּח מֹשֶׁה אֶת־עַצְמוֹת יוֹסֵף עִמּוֹ כִּי הַשְׁבֵּעַ הִשְׁבִּיעַ אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר פָּקֹד יִפְקֹד אֱלֹהִים אֶתְכֶם וְהַעֲלִיתֶם אֶת־עַצְמֹתַי מִזֶּה אִתְּכֶם׃
wajikkách mosché et-azmót josséf immó ki haschbéa hischbía et-bené jisraél lemór pakód jifkód elohím etchém weha'alitém et-azmotáj missé ittechém
19 Und Mosche nahm die Gebeine Josefs mit sich, denn er hatte die Söhne Israels mit einem Eid beschworen (Josef hatte die Söhne Israels mit einem Eid beschworen), indem er sprach: „Wenn Gott euch heimsucht und euch befehligt, nehmt meine Gebeine von hier mit.“
Es heißt, dass, während das Volk von den Ägyptern Schmuck erbat, Mosche sich mit den Gebeinen Josefs beschäftigte, das sind Besonderheiten des Charakters.
Das Wort missé ist, wie wir schon gesagt haben, so eine vereinfachte, geringschätzige Haltung gegenüber Ägypten, als würde man auf Russisch sagen „von hier weg“: nehmt meine Gebeine von hier weg.
וַיִּסְעוּ מִסֻּכֹּת וַיַּחֲנוּ בְאֵתָם בִּקְצֵה הַמִּדְבָּר׃
wajis'ú missukkót wajachanú we'etám bikzé hammidbár
20 Und sie zogen aus Sukkot und gelangten bis zur Stadt Etam am Rand der Wüste.
Manche meinen (wir haben schon über das Wort sukkót gesprochen), dass das so eine Mitfahrgelegenheit vom Himmel war, man hat sie auf heiligen Laubhütten, auf himmlischen Laubhütten ein Stück weit mitgenommen, und am zweiten Tag ziehen sie aus und gelangen bis zur Stadt Etam. Wo diese Stadt liegt, wissen wir nicht, es gibt viele verschiedene Karten. Wir haben dazu keinerlei ägyptische Materialien, deshalb können wir nicht richtig sagen, was das für eine Stadt war. Aber wir können im Großen und Ganzen verfolgen, dass sie in Richtung des heutigen Suezkanals gehen, mitten durch die Wüste Sinai, das heißt auf dem allerweitesten Umweg.
וַיהוָה הֹלֵךְ לִפְנֵיהֶם יוֹמָם בְּעַמּוּד עָנָן לַנְחֹתָם הַדֶּרֶךְ וְלַיְלָה בְּעַמּוּד אֵשׁ לְהָאִיר לָהֶם לָלֶכֶת יוֹמָם וָלָיְלָה׃
wadonáj holéch lifnehém jomám be'ammúd anán lanchotám haddérech welájla be'ammúd esch leha'ír lahém laléchet jomám walájla
21 Und der HERR geht vor ihnen her am Tag in einer Rauchsäule, um sie zu führen, und in der Nacht – in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie am Tag und in der Nacht gehen.
Der HERR geht am Tag in einer Rauchsäule, um ihnen den Weg zu zeigen. Das schützt außerdem vor der Sonne, und Rauch ist auch von weitem zu sehen, sehr viele in der Wüste nutzen Rauch. Bei uns im Nahen Osten gibt es keine Verständigung mit Hilfe von Rauch, keine Rauchsprache wie bei den Indianern. Aber sehr oft zündeten Menschen auf einem Berg Feuer mit Rauch an, um irgendein Zeichen zu geben, irgendein Signal zu einem anderen Berg zu senden. Und da, wie wir schon bemerkt haben, Rauch von weitem zu sehen ist, konnte man leicht sehen, wohin man gehen musste. Das war so ein GPS rund um die Uhr, ein Wegweiser rund um die Uhr, der es erlaubte, sowohl am Tag als auch in der Nacht zu gehen. Und es brauchte noch ein Wunder, damit das Volk, das nicht besonders an weite Märsche gewöhnt war, Tag und Nacht gehen konnte.
לֹא־יָמִישׁ עַמּוּד הֶעָנָן יוֹמָם וְעַמּוּד הָאֵשׁ לָיְלָה לִפְנֵי הָעָם׃
lo-jamischIn der russischen Umschrift steht im Wort „jamisch“ ein falscher Buchstabe. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. ammud he'anan jomam we'ammud ha'esch lajla lifne ha'am
22 Nicht wich die Rauchsäule am Tag und die Feuersäule in der Nacht vom Volk.
Wir sehen ein Wunder, dass das Volk auszieht, noch ein Wunder, dass das Volk den langen Weg gegangen ist, dass das Volk Tag und Nacht geht. Hier endet Kapitel 13, und wir beginnen Kapitel 14 zu lesen, gleichsam „und unterdessen...“: Was geschieht hinter den Kulissen, was geschieht dort in Ägypten?
וַיְדַבֵּר יְהוָֹה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
1 Und der HERR sprach zu Mosche und sagte:
דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְיָשֻׁבוּ וְיַחֲנוּ לִפְנֵי פִּי הַחִירֹת בֵּין מִגְדֹּל וּבֵין הַיָּם לִפְנֵי בַּעַל צְפֹן נִכְחוֹ תַחֲנוּ עַל־הַיָּם׃
dabbér el-bené jisraél wejaschúwu wejachanú lifné pi hachirót ben migdól uwén hajám lifné bá'al zefón nichchó tachanú al-hajám
2 „Sprich zu den Söhnen Israels: Und sie werden aufstehen, und sie werden herankommen, und sie werden anhalten bei dem Ort, der Pi-haChirot heißt, zwischen Migdol und dem Meer, vor Ba'al-Zefon; haltet an und kommt zur Ruhe am Ufer des Roten Meeres (richtet euch einen Lagerplatz und Rast ein).“
Pi-haChirot – das ist, wörtlich, Mund der Freiheit auf Hebräisch. Wir kennen wiederum keinen ägyptischen Ort mit diesem Namen, aber wir wissen, dass es ungefähr dort, auf der Route, einen Ort gibt, der Pi-Tchor heißt. Möglich ist auch eine andere Aussprache des Namens dieses Ortes, aber der Kern ist, dass das der Mund einer gewissen ägyptischen Gottheit namens Hathor ist. Man glaubte, dass dieser Ort verzaubert ist und dass die, die dorthin kommen, dass sie nicht weitergehen können. Das war so ein spezieller ägyptischer Zauber für entlaufene Sklaven. Vielleicht glaubten die Ägypter selbst daran, vielleicht redeten sie es den Sklaven ein. Hinter diesem „Mund“, hinter zwei Felsen, die am Ende einer Schlucht nebeneinander stehen, – die Freiheit, der Ausgang, aber niemand konnte sie passieren, und der Legende nach, der Überlieferung nach, begann das Volk durch die Wüste zu irren. Und der Höchste sagt ihnen nicht, über diesen Ort hinauszugehen, sondern im Gegenteil, Er sagt: „Haltet hier an.“
Bá'al Zefón ‒ das ist der nordöstliche Teil des Nildeltas, der nördlichste Punkt des Nils.
וְאָמַר פַּרְעֹה לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל נְבֻכִים הֵם בָּאָרֶץ סָגַר עֲלֵיהֶם הַמִּדְבָּר׃
we'amár par'ó liwné jisraél newuchím hem ba'árez sagár alehém hammidbár
3 Und der Pharao sprach zu den Söhnen Israels: „Sie haben sich in jenem Land verstrickt, haben sich verirrt, die Wüste hat sie eingeschlossen.“
Woher kommt hier der Pharao, und wie spricht er mit den Söhnen Israels? Gar nicht! Das ist der Höchste, der Mosche nacherzählt, was dort geschieht, im fernen Ramses, in der fernen ägyptischen Hauptstadt. In der fernen Hauptstadt spricht der Pharao gleichsam mit dem Volk Israel: „Sie haben sich in jenem Land verstrickt, haben sich verirrt, weil dort alles verzaubert ist, sie werden dort im Kreis gehen, die Wüste hat sie eingeschlossen, die Wüste hat sie verschlungen, hat sie mit Trugbildern, mit Luftspiegelungen fortgelockt, so werden sie dort eben umherirren. Wie bequem für mich! Na, und noch ein Beweis dafür, dass ihr Gott vielleicht ja ein Gott ist, der nichts wert ist!“ Warum konnte der Pharao überhaupt so etwas denken nach allem, was mit ihm geschehen war? Der Höchste fährt fort und sagt:
וְחִזַּקְתִּי אֶת־לֵב־פַּרְעֹה וְרָדַף אַחֲרֵיהֶם וְאִכָּבְדָה בְּפַרְעֹה וּבְכָל־חֵילוֹ וְיָדְעוּ מִצְרַיִם כִּי־אֲנִי יְהוָה וַיַּעֲשׂוּ־כֵן׃
wechissaktí et-lew-par'ó weradáf acharehém we'ikkawedá befar'ó uwchol-cheló wejade'ú mizrájim ki-aní adonáj waja'assu-chén
4 „Und Ich stärkte das Herz des Pharao, und er wird euch verfolgen, und Ich werde Mich verherrlichen am Pharao und an seinem ganzen Heer. Und die Ägypter werden erkennen, dass Ich der HERR bin!“ Und sie taten so.
Da dem Pharao noch irgendein Zweifel geblieben war, noch glomm, gab der Höchste ihm die Freiheit, diesen Zweifel anzufachen: Vielleicht hat der ägyptische Zauber doch gewirkt, seht ihr, wo sie haltgemacht haben? Mir werden sie nicht entkommen!
Das Wort we'ikkawedá kann man übersetzen als und Ich werde schwer machen, und Ich werde schwer schlagen, man kann es aber auch übersetzen als wenn Ich Mich verherrliche, Mir Herrlichkeit verschaffe am Pharao und an seinem ganzen Heer.
Und sie taten so – das sind nicht die Ägypter, die so taten, sondern die Juden taten so und lagerten sich, wie der Höchste es ihnen befohlen hatte.
וַיֻּגַּד לְמֶלֶךְ מִצְרַיִם כִּי בָרַח הָעָם וַיֵּהָפֵךְ לְבַב פַּרְעֹה וַעֲבָדָיו אֶל־הָעָם וַיֹּאמְרוּ מַה־זֹּאת עָשִׂינוּ כִּי־שִׁלַּחְנוּ אֶת־יִשְׂרָאֵל מֵעָבְדֵנוּ׃
wajuggád lemélech mizrájim ki warách ha'ám wajehaféch lewáw par'ó wa'awadáw el-ha'ám wajomerú ma-sót assínu ki-schilláchnu et-jisraél me'owdénu
5 Und es wurde dem König von Ägypten gemeldet, dass das Volk geflohen war, und das Herz des Pharao und seiner Diener kehrte sich um. Und sie sprachen: „Was haben wir denn getan, dass wir Israel aus unserer Sklaverei entlassen haben?“
Das Wort lehehaféch bedeutet sich umdrehen, héfech heißt umgekehrt, mahpechá – Umsturz, Revolution. Es geschah eine Revolution im Inneren des Herzens des Pharao. Sie begriffen, dass das Volk einerseits nicht für drei Tage weggegangen war; andererseits hat das Volk anscheinend nicht vor, den Pharao irgendwie zu segnen, wie er gebeten hatte, irgendwie für ihn zu beten. Denn vielleicht hatte der Pharao gehofft, dass ein Teil dieses Segens darin bestehen würde, dass die Juden beten und die Erstgeborenen wieder lebendig werden (na, jedenfalls sein Erstgeborener wieder lebendig wird), er hatte ja genau dafür die diplomatischen Pässe ausgestellt, und da läuft das Volk weg. Aber der Zauber wirkt, und die Ägypter vermissten auch schon die Juden, denen man an allem Unglück die Schuld geben konnte.
Das Volk begriff, dass man es hereingelegt hatte. Das Volk begriff nicht oder vergaß, dass hier ein Wirken des Höchsten ist. Der Höchste gab dem Menschen die Freiheit, an seinen Zweifeln festzuhalten. Genauso wird das übrigens auch weiterhin mit den Juden geschehen, die die Wunder in der Wüste sahen, alles sahen, was dort geschieht, aber sie murrten, weil der Höchste ihnen die Freiheit gab zu murren; trotz der Wunder gab es Murren. Der Höchste half ihnen zugleich, erzog sie, lehrte sie, dieses Murren zu bezähmen. Hier, mit dem Pharao, ist es ein bisschen anders. Der Pharao hat gerade viel mehr Willensfreiheit, und seine Zweifel blähen sich leicht zu weltweiten Ausmaßen auf, und er versteht schon, er denkt, dass es ein verhängnisvoller Fehler war, eine solche Menge an Arbeitskräften gehen zu lassen, und dass der Gott, vor Dem sie sich gebeugt haben, Dem sie sich unterworfen haben, gar nicht so stark ist, wenn die Juden nicht aus der magischen ägyptischen Mausefalle herauskommen können. Der Pharao handelt sehr emotional:
וַיֶּאְסֹר אֶת־רִכְבּוֹ וְאֶת־עַמּוֹ לָקַח עִמּוֹ׃
waje'sór et-richbó we'et-ammó lakách immó
6 Der Pharao selbst (eigenhändig) spannte seinen Streitwagen an, und sein Volk nahm er mit sich.
Wir haben schon erwähnt, als wir über Josef sprachen, dass die Liebe die Rangordnung bricht, genauso bricht auch der Hass die Rangordnung. Wenn ein Mensch von irgendwelchen Emotionen getrieben ist, sagt er nicht mehr: „Das zu tun ist unter meinem Rang, ich bitte die Diener“, nein, er will selbst seinen Zorn in irgendeine Praxis ausschütten, und der Pharao lässt sich so weit herab, dass er selbst den Streitwagen anspannt.
וַיִּקַּח שֵׁשׁ־מֵאוֹת רֶכֶב בָּחוּר וְכֹל רֶכֶב מִצְרָיִם וְשָׁלִשִׁם עַל־כֻּלּוֹ׃
wajikkách schesch-me'ót réchew bachúr wechól réchew mizrájim weschalischím al-kulló
7 Und er nahm sechshundert auserlesene Streitwagen, und er nahm alle Streitwagen Ägyptens (den ganzen ägyptischen Fuhrpark), und Befehlshaber über alle.
Als wir (12,37) über die 600 000 Männer zu Fuß sprachen, die aus Ägypten auszogen, haben wir erwähnt, dass die Zahl 600 eine Kampfeinheit bezeichnen kann, das kann ein Heer bedeuten, ein starkes Heer, und hier sehen wir eine Bestätigung dafür: 600 auserlesene Streitwagen – das ist die ägyptische Streitwagen-„Spezialeinheit“, die der Pharao mit sich nimmt. Aber außerdem verkündet er auch die vollständige Mobilmachung, das heißt den ganzen ägyptischen Fuhrpark, die ganze ägyptische Kavallerie und die Panzertruppen – alles, was Ägypten an Bewaffnung hatte, und das war nicht wenig. Wie ich schon gesagt habe, musste Ägypten sich irgendwie schützen, und sein Heer musste groß und trainiert sein. Es hat sehr viel militärisches Know-how, es hat schnelle Streitwagen, die sich sehr schnell bewegen und die andere nicht haben, viele Pferdegespanne, und überhaupt ist Ägypten gut bewaffnet. All das sammelt der Pharao in Eile, nimmt es mit sich.
וַיְחַזֵּק יְהוָֹה אֶת־לֵב פַּרְעֹה מֶלֶךְ מִצְרַיִם וַיִּרְדֹּף אַחֲרֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל יֹצְאִים בְּיָד רָמָה׃
wajchassék adonáj et-léw par'ó mélech mizrájim wajirdóf acharé bené jisraél uwné jisraél joze'ím bejád ramá
8 Und der HERR stärkte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, und er begann, die Söhne Israels zu verfolgen, und die Söhne Israels ziehen aus mit starker Hand.
Diese ganze Expressivität, die hier beschrieben wird, diese ganze Eile, die in Ägypten herrscht, wenn der Pharao selbst anspannt und alle mobilisiert und alle sammelt – all das zerschellt am letzten Satz von Vers 8: „Und die Söhne Israels ziehen aus mit starker Hand.“ Sie gehen mit all ihren Möglichkeiten – einerseits gehen sie Tag und Nacht, andererseits gehen sie ohne Eile, gehen wie im Lied: „Der Mensch geht dahin wie ein Hausherr“. Sie gehen in ihrem eigenen freien, guten Tempo, ohne jemanden zu fürchten, wie auf eigenem Land. Es zieht ein starkes Volk aus, mit starker Hand, vor dem Hintergrund dieses ganzen ägyptischen Durcheinanders.
Wir sahen dem Tod ins Gesicht
Schemot 14,9–14
Wir haben darüber gesprochen, dass das Volk Israel, das aus Ägypten ausgezogen war, auf Befehl des Höchsten sein Lager an einem Ort aufschlug, der Pi-haChirot heißt, direkt am Ufer, am Zugang zum Roten Meer. Außerdem erzählte der Höchste Mosche, was in Ägypten vor sich geht, und auch, dass der Pharao eigenhändig den Streitwagen angespannt hat, entgegen allen Regeln der ägyptischen Rangordnung, und sich an der Spitze des Heeres auf der Jagd nach den Israeliten bewegt, in der Erwartung, dass sie sich in der Wüste wegen der starken ägyptischen Zauberei verirrt haben und auf keinen Fall herauskommen. Genau hier kann die ägyptische Ideologie, der ägyptische Glaube triumphieren, und eigentlich die Macht und die persönliche Autorität des Pharao gestärkt werden.
Also, wir fahren fort mit Vers 9 von Kapitel 14.
וַיִּרְדְּפוּ מִצְרַיִם אַחֲרֵיהֶם וַיַּשִּׂיגוּ אוֹתָם חֹנִים עַל־הַיָּם כָּל־סוּס רֶכֶב פַּרְעֹה וּפָרָשָׁיו וְחֵילוֹ עַל־פִּי הַחִירֹת לִפְנֵי בַּעַל צְפֹן׃
wajirdefú mizrájim acharehém wajassígu otám choním al-hajám kol-sús réchew par'ó ufarascháw wecheló al-pí hachirót lifné ba'ál zefón
9 Und Ägypten verfolgte sie (wir werden auf diesen Ausdruck noch zurückkommen), und sie erreichten sie, als sie am Meer lagerten, ‒ alle Kavalleriepferde des Pharao und seine Reiter und sein Heer, sie alle erreichten sie an dem Ort, der Pi-haChirot, vor Ba'al-Zefon heißt.
וּפַרְעֹה הִקְרִיב וַיִּשְׂאוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֶת־עֵינֵיהֶם וְהִנֵּה מִצְרַיִם נֹסֵעַ אַחֲרֵיהֶם וַיִּירְאוּ מְאֹד וַיִּצְעֲקוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֶל־יְהוָה׃
ufar'o hikriw wajis'u wene-jisrael et-enehem wehinne mizrajim nosse'a acharehem wajireu me'od wajiz'aku wene-jisrael el-adonaj
10 Und der Pharao brachte heran, und die Söhne Israels erhoben ihre Augen, und siehe – Ägypten. Und die Söhne Israels fürchteten sich, und die Söhne Israels schrien zum HERRN.
Man hätte schreiben können: der Pharao näherte sich, aber hier geht es darum, dass der Pharao sich nähert und damit sein Heer dazu anfeuert, sich zu nähern, Israel anzugreifen. Der Pharao bewegt sich an der Spitze dieses Heeres. Hier steht, wie wir es auch im vorigen Vers gelesen haben, Ägypten, es steht nicht die Ägypter, es steht nicht das ägyptische Heer, sondern – Ägypten. Das ist es, was die Juden mit eigenen Augen sahen: Ein riesiges Imperium, so schien es ihnen, bewegt sich hinter ihnen her. Ein riesiges schwarzes Feld von Kriegern des ägyptischen Heeres, des Heeres des mächtigsten Imperiums in der Region, und die Region war zu jener Zeit ja ohnehin eine einzige. Die Juden, die Söhne Israels, befinden sich in einer schweren Lage. Hinter ihnen – das salzige Meer, das ja nicht einmal richtig Wasser gibt, ringsum – Wüste, kein Sträuchlein, kein Steinchen, hinter dem man sich mit einer Muskete verstecken könnte (allerdings, was für Musketen, Musketen waren noch nicht erfunden). Keine Möglichkeit, die Verteidigung zu halten, wenigstens irgendwo die Kinder und Frauen zu verstecken ‒ nichts gibt es. Gegen sie steht ein riesiges Heer, die Wüste, die Hitze, und man kann nirgendwohin fliehen. Es ist beängstigend. Sie erhoben die Augen, und siehe: Ägypten.
Im Text der Tora steht nach dem Wort mizrájim, Ägypten, ein senkrechter Strich, das bedeutet ‒ eine Theaterpause: Und siehe, Ägypten fährt hinter ihnen her, jagt ihnen nach. Das ist ein sehr furchterregendes Bild. Bis dahin haben wir von verschiedenen Situationen gelesen, die den Erzvätern widerfuhren, wie Awraham, Jizchak, Jaakow handelten, wie sie in schwierigen Umständen vorgingen. Jetzt lesen wir zum ersten Mal, wie das Volk in einer schwierigen Situation handeln wird.
Der Talmud sagt, dass sich das Volk in vier Teile teilte: in die Verzweifelten, die sagten: „Stürzen wir uns ins Meer!“; in diejenigen, die sagten: „Ergeben wir uns, liefern wir uns den Ägyptern aus, kehren wir nach Ägypten zurück!“; in die Ungestümen, sagen wir es so, die sagten: „Lasst uns aneinandergeraten, lasst uns kämpfen!“; in die Gottesfürchtigen, die sagten: „Lasst uns um Hilfe von außen bitten!“ Und von außen haben wir, Gott sei Dank, nur den Höchsten. Das Volk ist vielfältig, es besteht aus verschiedenen Menschen, und verschiedene Menschen verhalten sich verschieden.
Und die Söhne Israels fürchteten sich, und die Söhne Israels schrien zum HERRN. Die Erschrockenen konnten entweder so reagieren wie diejenigen, die sich ergeben wollten (Panikmacher), oder wie diejenigen, die zum Höchsten schrien. Von noch einer Art der Reaktion auf den Schrecken lesen wir weiter:
וַיֹּאמְרוּ אֶל־מֹשֶׁה הַמִבְּלִי אֵין־קְבָרִים בְּמִצְרַיִם לְקַחְתָּנוּ לָמוּת בַּמִּדְבָּר מַה־זֹּאת עָשִׂיתָ לָּנוּ לְהוֹצִיאָנוּ מִמִּצְרָיִם׃
wajomerú el-mosché hamibbelí en-kewarím bemizrájim lekachtánu lamút bammidbár ma-sót assíta lánu lehozi'ánu mimmizrájim
11 Und sie sagten zu Mosche: „Hast du uns etwa aus Mangel an Gräbern in Ägypten genommen, um in der Wüste zu sterben? Was hast Du uns angetan, uns aus Ägypten herauszuführen?
הֲלֹא־זֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר דִּבַּרְנוּ אֵלֶיךָ בְמִצְרַיִם לֵאמֹר חֲדַל מִמֶּנּוּ וְנַעַבְדָה אֶת־מִצְרָיִם כִּי טוֹב לָנוּ עֲבֹד אֶת־מִצְרַיִם מִמֻּתֵנוּ בַּמִּדְבָּר׃
halo-sé haddawár aschér dibbárnu elécha wemizrájim lemór chadál mimménu wena'awdá et-mizrájim ki tow lánu awód et-mizrájim mimmuténu bammidbár
12 Das ist doch das Wort, das wir dir in Ägypten gesagt haben, indem wir sprachen: „Lass von uns ab, und wir werden Ägypten dienen, denn es ist besser für uns, in Ägypten Sklaven zu sein, als in der Wüste zu sterben!“
Die dritte Art der Reaktion, die wir hier sehen, ist eine Reaktion von der Art: Ich hab's doch gesagt, wir haben es doch gesagt! Hier gibt es keinen Ausweg aus der Situation, sie schlagen in diesem Fall nichts vor, aber sie trösten sich wenigstens: „Wir haben es doch gesagt! Wenn wir sterben, dann finden wir wenigstens einen anderen Schuldigen daran, und der andere Schuldige – das ist Mosche.“ Das ist eine Frage der Suche nach dem Schuldigen.
Wenn wir eine so unterschiedliche Reaktion sehen, können wir uns mit der einen oder mit der anderen Gruppe identifizieren und sagen: „Diese hier – sind gut, und jene – sind schlecht.“ Das ist leicht gesagt, wenn wir in einem geheizten Raum oder einem Raum mit Klimaanlage sitzen und die Möglichkeit haben zu analysieren, wie wir selbst in so einem Moment handeln würden. Was schaltet sich in uns ein, wenn hinter uns das Meer ist, vor uns Ägypten? Panik (sich ins Meer stürzen)? Der Wunsch, sich zu ergeben (und nach Ägypten zurückzukehren)? Aggression (der Wunsch zu kämpfen)? Oder doch der Glaube (zum Höchsten schreien)?
Also, alle Varianten sind aufgezählt, aber wir werden später sehen, dass der Höchste etwas anderes lehren will.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־הָעָם אַל־תִּירָאוּ הִתְיַצְבוּ וּרְאוּ אֶת־יְשׁוּעַת יְהוָה אֲשֶׁר־יַעֲשֶׂה לָכֶם הַיּוֹם כִּי אֲשֶׁר רְאִיתֶם אֶת־מִצְרַיִם הַיּוֹם לֹא תֹסִיפוּ לִרְאֹתָם עוֹד עַד־עוֹלָם׃
wajomer mosché el-ha'ám al-tiráu hitjazewú ur'ú et-jeschu'át adonáj ascher-ja'assé lachém hajom ki aschér re'itém et-mizrájim hajom lo tossífu lir'otám od ad-olám
13 Und Mosche sprach zum Volk: „Fürchtet euch nicht, steht auf, und ihr werdet die Erlösung des HERRN sehen, die Er euch heute bewirkt hat! Denn so, wie ihr Ägypten heute seht, werdet ihr sie nie mehr in der Geschichte sehen.
Das heißt, ihr werdet nie mehr eine solche Kraft bei Ägypten sehen, und zugleich werdet ihr nie mehr mit solchen ängstlichen Augen auf Ägypten schauen. Der Höchste wird euch Rettung bewirken und euch nicht nur von Ägypten befreien, sondern auch von der Angst vor Ägypten als vor dem Heer eines riesigen Imperiums.
יְהוָה יִלָּחֵם לָכֶם וְאַתֶּם תַּחֲרִישׁוּן׃
adonáj jillachém lachém we'attém tacharischún
14 Der HERR wird für euch kämpfen, ihr aber, verstummt hier (beruhigt euch, oder vielleicht ein strengerer Zuruf)!“
Mosche sagt: „Mischt euch nicht in diese Sache ein. Beruhigt euch, schweigt innen und schweigt außen, als wärt ihr taub geworden. Hört auf, euch zu fürchten, hört auf, gespannt auf diese Wirklichkeit zu horchen. Genießt das Schauspiel, schaut zu, wie der Höchste die Erlösung bewirken wird. Tut eure Sache ruhig, demütig, achtet nicht auf Ägypten, vergesst jetzt, dass es existiert. Diesen Krieg wird der Höchste führen!“
Meereskavallerie
Schemot 14,15–31
Also, die Ägypter haben die Israeliten eingeholt, das Volk Israel verhält sich unterschiedlich. Mosche beruhigt alle und verspricht, dass der Höchste für sie den Krieg führen wird, und sagt: „Seid ruhig!“ Das heißt nicht, dass man sich mit Popcorn eindecken und die Schlacht beobachten kann. Das heißt, ruhig, abgestimmt und ohne Panik zu handeln.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה מַה־תִּצְעַק אֵלָי דַּבֵּר אֶל־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל וְיִסָּעוּ׃
wajomer adonáj el-mosché ma-tiz'ák eláj dabbér el-bene-jisraél wejissáu
15 Und der HERR sprach zu Mosche: „Warum schreist du zu Mir? Sage den Söhnen Israels, und sie sollen aufbrechen!
Das sind erstaunliche Worte, denn wir haben nicht davon gelesen, dass Mosche hier geschrien oder sich an den Höchsten gewandt hätte. Manche Kommentatoren sagen: „Na also, da Gott ihm so geantwortet hat, können wir daraus verstehen, dass auch Mosche unter denen war, die zum Höchsten schrien.“ Man kann es so verstehen. Andere Kommentatoren dagegen sagen, dass der Höchste sich an Mosche teilweise wie an das Volk Israel wendet. Er wendet sich nicht an das ganze Volk, Er sagt zu Israel durch Mosche: „Was ruft ihr? Warum schreit ihr zu Mir?“ Aber trotzdem ist es unverständlich: Was ist schlecht daran, in einer Notlage zum Höchsten zu rufen? Und die Kommentatoren sagen, dass das Volk alles Nötige hatte, um einfach zu handeln, es gab keinerlei Grund, zu erschrecken und sich in Not zu fühlen, denn der Höchste hatte Seinen Schutz versprochen, versprochen, dass das Volk in das verheißene Land gelangen wird, in Sicherheit gelangen wird. Man konnte (und musste) sich nur an den Höchsten wenden, sagen wir so, um Anweisungen.
Das letzte Verb, linsóa, bedeutet losfahren, aufbrechen, sich in Bewegung setzen. Wir wissen, dass das Volk Israel ans Meer gedrängt ist und sich scheinbar nirgendwohin bewegen kann. Der Höchste fährt fort, Mosche Anweisungen zu geben, und sagt zu ihm:
וְאַתָּה הָרֵם אֶת־מַטְּךָ וּנְטֵה אֶת־יָדְךָ עַל־הַיָּם וּבְקָעֵהוּ וְיָבֹאוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּתוֹךְ הַיָּם בַּיַּבָּשָׁה׃
we'attá harém et-mattechá unté et-jadechá al-hajám uwka'éhu wejawóu wene-jisraél betóch hajám bajabbaschá
16 Du aber erhebe deinen Stab und richte deine Hand auf das Meer, und das Meer wird gespalten werden ‒ und die Söhne Israels werden im Inneren des Meeres gehen wie auf trockenem Land.
Das ganze Volk Israel ist mit aller nötigen Ausrüstung ausgezogen. Wir haben schon gesagt, dass sie alles haben, was nötig ist: Halte irgendeinen an, frag nach einem 14er-Schlüssel, er kramt in der Tasche und gibt ihn dir. Auch Mosche hat alles Nötige: Er hat einen Stab. Deshalb sagt der Höchste zum Teil: „Warum rufst du zu Mir? Du hast einen Stab. Du kannst die Hand auf das Meer richten, und das Meer wird gespalten werden, wird sich in zwei teilen.“
וַאֲנִי הִנְנִי מְחַזֵּק אֶת־לֵב מִצְרַיִם וְיָבֹאוּ אַחֲרֵיהֶם וְאִכָּבְדָה בְּפַרְעֹה וּבְכָל־חֵילוֹ בְּרִכְבּוֹ וּבְפָרָשָׁיו׃
wa'aní hinení mechassék et-léw mizrájim wejawóu acharehém we'ikkawedá befar'ó uwchol-cheló berichbó uwfarascháw
17 Ich aber werde die Herzen der Ägypter verstärken, festigen, und sie werden ihnen nachgehen (die Ägypter dem Volk Israel), und Ich werde Meine ganze Schwere auf den Pharao legen, auf sein Heer und auf seine Reiter.
Die Worte des Höchsten: „Ich werde Meine ganze Schwere auf den Pharao legen“ kann man auch so übersetzen: „Ich werde Mich verherrlichen am Pharao, an seinem Heer und seinen Reitern.“ Wenn man die erste Variante annimmt, das Wort kawéd als Schwere übersetzt und sich daran erinnert, dass in der Physik die Kraft das Produkt aus Masse und Beschleunigung ist, dann kann man verstehen, dass der Höchste den Ägyptern Masse verleihen wird, ihnen Schwere hinzufügen wird, damit sie sich schön, stark fühlen, damit sie sich mit großer Geschwindigkeit bewegen. Der Höchste wird die Ägypter auf jede mögliche Weise stärken, ihnen die Möglichkeit geben, sich stark zu fühlen. Oft wollen wir etwas im Namen des Höchsten tun oder, Gott bewahre – umgekehrt, neinDieser Satzteil ist schon im russischen Original abgebrochen und nicht eindeutig. Er wurde wörtlich übersetzt, ohne ihn zu glätten., und uns hindert die Angst, uns verwirrt die Angst, und wir beten zum Höchsten, dass er diese Ängste von uns entfernt. Hier erweist der Höchste der Bosheit des Pharao „Gnade“ und gibt ihm Kräfte, seine Wünsche zu erfüllen, den Schöpfer nicht zu fürchten. Der Höchste sagt: „Ich werde dem Pharao Kräfte geben, seinem ganzen Heer und seinen Wagen und seinen Reitern.“
וְיָדְעוּ מִצְרַיִם כִּי־אֲנִי יְהוָה בְּהִכָּבְדִי בְּפַרְעֹה בְּרִכְבּוֹ וּבְפָרָשָׁיו׃
wejadeú mizrájim ki-aní adonáj behikkawedí befar'ó berichbó uwfarascháw
18 Und sie werden wissen, dass Ich der HERR bin, wenn Ich sie stärke (oder Mich an ihnen verherrliche).“
וַיִּסַּע מַלְאַךְ הָאֱלֹהִים הַהֹלֵךְ לִפְנֵי מַחֲנֵה יִשְׂרָאֵל וַיֵּלֶךְ מֵאַחֲרֵיהֶם וַיִּסַּע עַמּוּד הֶעָנָן מִפְּנֵיהֶם וַיַּעֲמֹד מֵאַחֲרֵיהֶם׃
wajissá mal'ách ha'elohím haholéch lifné machané jisraél wajélech me'acharehém wajissá ammúd he'anán mippenehém waja'amód me'acharehém
19 Und es setzte sich in Bewegung der Engel Gottes, der vor dem Lager Israels herging, und ging mitten unter ihnen, die Wolkensäule setzte sich vor ihnen in Bewegung und stellte sich hinter sie.
Normalerweise lesen wir in allen Texten malách adonáj, malách mit dem Namen des Höchsten. Malách elohím – das ist ein seltener Fall, wenn so die Gegenwart Gottes auf der Erde beschrieben wird. In diesem Fall geht Gott, wie wir wissen, mit der Rauchsäule und der Feuersäule, geht vor dem Volk her, und hier geschieht etwas Ungewöhnliches: Die göttliche Gegenwart wendet sich dem Meer mit Feuer zu, den Ägyptern mit Nebel, und es tritt eine so scharfe Trennung in Licht und Finsternis ein. Die Ägypter sind in Dunkelheit gehüllt, bei Israel – das erleuchtete Meer. Und das zeigt an, dass man sich bewegen muss.
Das sind also zwei Bilder der Gegenwart des Höchsten.
וַיָּבֹא בֵּין מַחֲנֵה מִצְרַיִם וּבֵין מַחֲנֵה יִשְׂרָאֵל וַיְהִי הֶעָנָן וְהַחֹשֶׁךְ וַיָּאֶר אֶת־הַלָּיְלָה וְלֹא־קָרַב זֶה אֶל־זֶה כָּל־הַלָּיְלָה׃
wajawó ben machané mizrájim uwén machané jisraél wajhí he'anán wehachóschech wajá'er et-hallájla welo-karáw se el-sé kol-hallájla
20 Und er trat zwischen das Lager der Ägypter und das Lager Israels, und es war eine Wolke der Finsternis, und die Nacht war erleuchtet. Und sie näherten sich einander die ganze Nacht nicht.
So eine vollständige Trennung in Licht und Finsternis zwischen Israel und Ägypten für die ganze Nacht.
וַיֵּט מֹשֶׁה אֶת־יָדוֹ עַל־הַיָּם וַיּוֹלֶךְ יְהוָה אֶת־הַיָּם בְּרוּחַ קָדִים עַזָּה כָּל־הַלַּיְלָה וַיָּשֶׂם אֶת־הַיָּם לֶחָרָבָה וַיִּבָּקְעוּ הַמָּיִם׃
wajét mosché et-jadó al-hajám wajolech adonáj et-hajám berúach kadím assá kol-hallájla wajássem et-hajám lecharawá wajibbake'ú hammajim
21 Und Mosche streckte seine Hand über das Meer aus, und es führte (wie an der Hand) der Höchste das Meer mit einem starken Ostwind die ganze Nacht (gleichsam sich durch das Meer hindurchkämpfend, es mit den Händen auseinanderschiebend). Und machte das Meer wie zu Ruinen, und das Wasser trat auseinander.
Das heißt, im Meer entstand ein Durchgang, das trockene Land wurde freigelegt, und jetzt werden die Juden, das Volk Israel, gehen und dabei auf trockenes Land treten, das niemand außer ihnen, weder vorher noch nachher, betreten wird. Jeder wird irgendeinen eigenen Streifen trockenen Landes haben, den von der ganzen Menschheit nur er betreten hat.
וַיָּבֹאוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל בְּתוֹךְ הַיָּם בַּיַּבָּשָׁה וְהַמַּיִם לָהֶם חוֹמָה מִימִינָם וּמִשְּׂמֹאלָם׃
wajawó'u wene-jisraél betóch hajám bajabbaschá wehammájim lahém chomá miminám umissemolám
22 Und die Söhne Israels gingen im Meer auf trockenem Land hindurch, und das Wasser steht wie eine Mauer rechts und links von ihnen.
Das ist ziemlich unheimlich – auf diese Weise durch das Meer zu gehen. Der Höchste brachte das Meer durch den Wind dazu, auseinanderzutreten. Das stellt natürlich viele Forscher vor ein Rätsel, die dem Höchsten die Sache irgendwie erleichtern wollen, sich darum bemühen, und sagen: „Höchstwahrscheinlich geschah das nicht am großen Roten Meer, sondern in einem Seengebiet. Dort, im Nildelta, gab es einige miteinander verbundene Seen, die von den Ägyptern zur Melioration, zur Verbindung des Nils mit dem Meer, für die Schifffahrt genutzt wurden, und es gibt sogar Papyri, die diesen Ort Suf“ nennen. Mehr noch, der altägyptische Papyrus Anastasi sagt, dass dieser Ort auch auf Hebräisch Suf heißt. Und man kann annehmen, dass gerade dort – nicht im Meer, sondern in diesem so seichten, beinahe Kinderbecken – das Wunder geschah und die Juden dort das Meer durchquerten. Das ist, wie ich schon gesagt habe, natürlich ein Versuch, dem Höchsten die Arbeit und den Dienst zu erleichtern. Vielleicht war es auch so. Wir haben keine genauen Zeugnisse, keine Karte, keine Fotos. Die Söhne Israels hatten kein Instagram, haben dort keine Selfies gepostet, damit wir heute sehen, wo sie hindurchgezogen sind. Und man kann diesen Ort aus Sicht der Archäologie, aus Sicht der Geschichte suchen, aber ihn danach auszuwählen, zu welchem Wunder der Höchste fähig ist und zu welchem nicht, das ist, denke ich, ein unvernünftiger Ansatz.
וַיִּרְדְּפוּ מִצְרַיִם וַיָּבֹאוּ אַחֲרֵיהֶם כֹּל סוּס פַּרְעֹה רִכְבּוֹ וּפָרָשָׁיו אֶל־תּוֹךְ הַיָּם׃
wajirdefú mizrájim wajawó'u acharehém kol sus par'ó richbó ufarascháw el-tóch hajám
23 Und Ägypten verfolgte sie, und sie gingen hinter ihnen her, jedes Pferd des Pharao, alle seine Streitwagen und seine Reiter, alle gingen ins Meer hinein.
Es kommt ein gewisser Moment, in dem alle im Meer sind: das Volk Israel und die Ägypter. Selbstverständlich kommt das Volk Israel als Erstes am anderen Ufer heraus, und im 24. Vers lesen wir, was am Morgen zu geschehen beginnt:
וַיְהִי בְּאַשְׁמֹרֶת הַבֹּקֶר וַיַּשְׁקֵף יְהוָה אֶל־מַחֲנֵה מִצְרַיִם בְּעַמּוּד אֵשׁ וְעָנָן וַיָּהָם אֵת מַחֲנֵה מִצְרָיִם׃
wajhí be'aschmóret habbóker wajaschkéf adonáj el-machané mizrájim be'ammúd esch we'anán wajáhom et machané mizrájim
24 Und es war in der Morgenschicht, und der Höchste schaute herab auf das Lager der Ägypter aus beiden Säulen, und hüllte das Lager der Ägypter in Verwirrung.
Die Tora verwendet oft eine Sprache, man kann sagen, eine Tempelsprache, die man in jedem Tempel verwendet, auch im Tempel des Volkes Israel. Schichten und Wachen wurden praktisch überall verwendet, sowohl in Tempeln als auch in Palästen. Die Nacht wurde in drei gleiche Teile geteilt, und drei Wachwechsel fanden in der Nacht statt. Mit der Morgenwache endet die Abendschicht, endet die letzte Nachtschicht, und es ist Zeit, die Wache an die morgendlichen Vorgesetzten zu übergeben, Zeit des morgendlichen Schichtwechsels, das heißt der allerallererste Tagesanbruch.
Das Wort lehaschkíf bedeutet immer von oben blicken. Wir haben schon (12,7) über das Wort maschkóf (Türsturz) gelesen – das ist das, was sich oben befindet, der obere Querbalken; von derselben Wurzel ‒ herabschauen, von oben schauen; von derselben Wurzel das Wort mischkafájim, Brille im modernen Hebräisch, und das Wort haschkafá – Weltanschauung, das heißt überhaupt sehen, im Allgemeinen sehen.
Viele sagen, dass sich Feuer und Rauch über dem ägyptischen Volk vermischten. Das trockene Land wurde schlammig, die Pferde begannen in diesem trockenen Land bis zu den Steigbügeln einzusinken, die Ägypter gerieten in Verwirrung. Wir können sagen, dass der Pharao mit riesiger Geschwindigkeit ins Meer stürmte, sich wie in einem „Geländewagen“ mit lauter Musik fühlte und mit aller Kraft aufs Gas drückte, mit der Ermutigung des Höchsten. Der Höchste selbst drückte ihm gleichsam aufs Gaspedal und gab ihm noch mehr Kraft. Und plötzlich, ohne das Gaspedal loszulassen, in völliger Dunkelheit, trat der Pharao auch noch auf die Bremse. Und natürlich kam es zu einer kleinen technischen Panne.
וַיָּסַר אֵת אֹפַן מַרְכְּבֹתָיו וַיְנַהֲגֵהוּ בִּכְבֵדֻת וַיֹּאמֶר מִצְרַיִם אָנוּסָה מִפְּנֵי יִשְׂרָאֵל כִּי יְהוָה נִלְחָם לָהֶם בְּמִצְרָיִם׃
wajássar et ofán markewotáw wajnahagéhu bichwedút wajomer mizrájim anússa mippené jisraél ki adonáj nilchám lahém bemizrajim
25 Und die Räder flogen von seinen Streitwagen ab, und er wurde schwer dahingetragen, und das Volk Ägyptens sagt: „Wir sollten wohl zurückweichen, lasst uns vor Israel fliehen, denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten!“
Das heißt, die Räder rissen ab, sprangen vom Streitwagen ab, aber durch die Kraft der Trägheit wurde der Pharao weiter dahingetragen. Vielleicht hat er auch nicht recht verstanden, was geschieht – die Musik im „Geländewagen“ war in den Kopfhörern.
Das Wort lanús bedeutet zurückweichen, fliehen, sich verbergen. Das Heer des Pharao murrte und wollte fliehen, wollte umkehren. Aber es hatte doch lange, lange aufs Gas gedrückt, da ist viel Kraft drin, und umzukehren, zu fliehen ist gar nicht so einfach. Und der Höchste sagt in diesem Moment zu Mosche:
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה נְטֵה אֶת־יָדְךָ עַל־הַיָּם וְיָשֻׁבוּ הַמַּיִם עַל־מִצְרַיִם עַל־רִכְבּוֹ וְעַל־פָּרָשָׁיו׃
wajomerIn der russischen Umschrift ist das erste Wort verschrieben. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: „wajomer“ (und er sprach). adonáj el-mosché neté et-jadechá al-hajám wejaschúwu hammájim al-mizrájim al-richbó we'al-parascháw
26 Und der HERR sprach zu Mosche: „Strecke deine Hand über das Meer aus, und die Wasser werden zurückkehren, und sie werden Ägypten überfluten und seine Streitwagen und seine Reiter.“
וַיֵּט מֹשֶׁה אֶת־יָדוֹ עַל־הַיָּם וַיָּשָׁב הַיָּם לִפְנוֹת בֹּקֶר לְאֵיתָנוֹ וּמִצְרַיִם נָסִים לִקְרָאתוֹ וַיְנַעֵר יְהוָה אֶת־מִצְרַיִם בְּתוֹךְ הַיָּם׃
wajét mosché et-jadó al-hajám wajáschow hajám lifnót bóker le'etanó umizrájim nassím likrató wajna'ér adonáj et-mizrájim betóch hajám
27 Und Mosche streckte seine Hand über das Meer aus, und das Meer kehrte in der Stunde vor dem Morgen zu seiner Kraft zurück. Und die Ägypter versuchen zurückzuweichen, und der Höchste schüttelte die Ägypter ins Meer.
Wenn der Höchste irgendwie im Inneren des Meeres wirkte und es zurückhielt, dann kehrte das Meer zum Morgen hin zu seiner Form zurück. Der Höchste hörte auf, auf es einzuwirken. Es gibt sehr viele Midraschim dazu, wir werden zu gegebener Zeit darüber sprechen.
Der Höchste hob gleichsam ihr ganzes Fuhrwerk, alle ihre Pferde hoch und schüttelte sie ab; wie ein Pferd einen glücklosen Reiter abwirft, so warf der Höchste die Ägypter ins Meer.
וַיָּשֻׁבוּ הַמַּיִם וַיְכַסּוּ אֶת־הָרֶכֶב וְאֶת־הַפָּרָשִׁים לְכֹל חֵיל פַּרְעֹה הַבָּאִים אַחֲרֵיהֶם בַּיָּם לֹא־נִשְׁאַר בָּהֶם עַד־אֶחָד׃
wajaschúwu hammájim wajchassú et-haréchew we'ét-happaraschím lechól chel par'ó habba'ím acharehém bajám lo-nisch'ár bahém ad-echád
28 Und die Wasser kehrten zurück, und sie bedeckten die Streitwagen und die Reiter und das ganze Heer des Pharao, das ihnen ins Meer gefolgt war, und es blieb von ihnen nicht einer übrig.
Das ganze Heer des Pharao kam um. Die Tora sagt hier nichts über den Pharao selbst. Das erlaubt den Kommentatoren, den Midraschim, anzunehmen, dass der Pharao doch der Einzige ist, der in dieser ganzen Geschichte überlebt hat und irgendwie wieder Karriere gemacht hat. Der Prophet Jona kommt in die Stadt Ninwé, um zu prophezeien, und siehe da, dort an der Macht ist unser alter Bekannter, der Pharao, der schon gut weiß, wie gefährlich es ist, mit dem Höchsten zu streiten, keine zweite Folge, keine zweite Staffel der ägyptischen Plagen will und schnell aufgibt. Deshalb also haben sie so schnell Buße getan. Nun, das alles sind selbstverständlich nur Midraschim, ob man ihnen glaubt oder nicht – das ist jedermanns eigene Wahl. Für mich sind das schöne, aber zweifelhafte Midraschim. So oder so blieb keiner der Ägypter am Leben, dieses ganze schöne, mächtige, technisch ausgerüstete Heer, alles kam um.
וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל הָלְכוּ בַיַּבָּשָׁה בְּתוֹךְ הַיָּם וְהַמַּיִם לָהֶם חֹמָה מִימִינָם וּמִשְּׂמֹאלָם׃
uwné jisraél halechú wajabbaschá betóch hajám wehammájim lahém chomá miminám umissemolám
29 Die Söhne Israels aber gingen einfach so ihres Weges trockenen Fußes im Wasser, und das Wasser steht ihnen wie eine Mauer rechts und links.
Man kann annehmen, dass sich das Meer schloss, wie sich ein Reißverschluss an der Kleidung schließt. In dem Teil, in dem die Ägypter waren, hatte sich das Meer gleichsam schon „zugemacht“, und in dem Teil, in dem die Israeliten gehen, ist das Meer noch offen. Deshalb wiederholt uns die Tora diesen Text; es scheint, dass das eine Wiederholung ist, aber nein, die Tora beschreibt die Situation.
Hier gibt es eine interessante Schreibung des Wortes chomá (Mauer). Im Unterschied zu Vers 22 ist das Wort chomá ohne das Buchstäbchen וֹ (Waw) geschrieben. Den Vokal o kann man in diesem Wort auf zwei Arten schreiben: indem man einfach einen Punkt neben den Buchstaben חֹ (Chet) setzt oder durch den Buchstaben וֹ (Waw). Es wird genau gleich gelesen, aber das nennt man unvollständige Schreibung. Wenn wir in der Tora eine kurze oder unvollständige Schreibung antreffen, sehen wir darin irgendeinen Hinweis.
Das Wort chomá ohne das Buchstäbchen Waw, wie hier, kann man auch als chemá (Zorn) lesen. Das Wasser hat bestimmte Kräfte, und es will schon zu seiner Kraft zurückkehren, und der Höchste hat einerseits dem Meer die volle Kraft zurückgegeben, hält andererseits das Meer zurück. Viele sagen, dass hier der Zorn des HERRN ist, der sich für irgendwelche künftigen Taten Israels offenbart. Man kann es auch so verstehen.
Das Volk Israel beendete seinen Weg ruhig, obwohl es ohne Eile ging, mit Frauen, mit Kindern, mit dem Vieh. Und die Ägypter, die auf der für jene Zeit modernen Technik fuhren, sie alle kamen um. Das Volk Israel wurde gerettet ohne Panik, ohne Hektik, ohne irgendwohin laufen zu müssen, – ruhig und ohne Eile, wie Mosche es auch gesagt hatte, wie der Höchste es auch verheißen hatte.
וַיּוֹשַׁע יְהוָה בַּיּוֹם הַהוּא אֶת־יִשְׂרָאֵל מִיַּד מִצְרָיִם וַיַּרְא יִשְׂרָאֵל אֶת־מִצְרַיִם מֵת עַל־שְׂפַת הַיָּם׃
wajoscha adonáj bajom hahú et-jisraél mijád mizrájim waír jisraél et-mizrájim met al-sefát hajám
30 Und der HERR rettete an jenem Tag Israel aus der Hand Ägyptens, und Israel sah Ägypten tot am Ufer des Meeres.
Die toten Ägypter wurden an das Ufer des Meeres gespült. Dieses ganze grandiose, bis an die Zähne bewaffnete Ägypten – alles wurde an das Ufer des Meeres gespült. Mosche sagte: „So, wie ihr sie seht, werdet ihr sie nie wieder sehen.“ Das tote, nasse, gerupfte, überhaupt nicht furchterregende Ägypten wurde ans Ufer gespült, wie Mosche es versprochen hatte.
וַיַּרְא יִשְׂרָאֵל אֶת־הַיָּד הַגְּדֹלָה אֲשֶׁר עָשָׂה יְהוָה בְּמִצְרַיִם וַיִּירְאוּ הָעָם אֶת־יְהוָה וַיַּאֲמִינוּ בַּיהוָה וּבְמֹשֶׁה עַבְדּוֹ׃
wajár jisraél et-hajád haggedolá aschér assá adonáj bemizrájim wajireú ha'ám et-adonáj waja'amínu badonáj uwmosché awdó
31 Und Israel sah die große Hand, mit der der HERR gegen Ägypten gehandelt hatte. Und das Volk fürchtete den HERRN, und sie glaubten dem HERRN und Mosche, Seinem Knecht.
Nach all diesen Taten glaubten sie nicht nur daran, dass der HERR seine Versprechen erfüllt, dass Er imstande ist, damit fertigzuwerden und zu schützen, sogar in der kritischsten Situation, sondern sie glaubten auch (was ebenfalls nicht unwichtig ist) daran, dass Mosche wirklich ein Diener des Höchsten ist. Gott handelte offen so, wie Mosche spricht. Wenn Mosche früher dem Pharao Plagen versprochen hatte und sie eintrafen, so erfüllte sich hier das Versprechen, das der Höchste durch Mosche dem Volk Israel gegeben hatte, und Israel glaubte, dass Mosche wirklich Knecht, Gesandter des Höchsten ist. Damit beginnt die Geschichte eigentlich Israels als Volk.
Mit einem Lied durchs Leben
Schemot 15,1–26
Wir sind dabei stehen geblieben, dass nach dem grandiosen Sieg über Ägypten, als der Höchste die zu jener Zeit stärkste Armee der Welt im Meer versenkte, die Israeliten an den HERRN und an Mosche, Seinen Knecht, glaubten. Und weiter, in dem Abschnitt, den wir heute lesen werden, erklang ein erstaunliches Lied des Lobpreises. Das Volk Israel, überfließend vom Gefühl der Dankbarkeit gegenüber dem Höchsten, ergießt einen Gesang für den HERRN. Wir werden, im Großen und Ganzen, den ersten Lobpreis des Höchsten in der Geschichte lesen.
אָז יָשִׁיר־מֹשֶׁה וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל אֶת־הַשִּׁירָה הַזֹּאת לַיהוָה וַיֹּאמְרוּ לֵאמֹר אָשִׁירָה לַיהוָה כִּי־גָאֹה גָּאָה סוּס וְרֹכְבוֹ רָמָה בַיָּם׃
as jaschir-mosché uwné jisraél et-haschirá hassót ladonáj wajomerú lemór aschíra ladonáj ki-ga'ó ga'á sus werochewó ramá wajám
1 Da sang Mosche und die Söhne Israels dieses Lied dem HERRN: „Ich will dem HERRN singen, denn mit Hoheit hat Er sich erhöht, Pferd und Reiter ins Meer geschleudert.
Schon erstaunlich. Wir wissen, dass Mosche mehrfach über sich selbst bezeugt hat, dass er es schwer mit dem Reden hat, dass er es schwer mit der Aussprache hat, dass er irgendeinen Sprachfehler hat. Es ist eine Sache, wenn Mosche stotterte: Wir wissen, dass Stotterer im Großen und Ganzen gut singen, und Stottern wird sogar durch Singen behandelt. Wir wissen nicht, ob Mosche stotterte oder ob er irgendeinen anderen Fehler hatte. Wenn es etwas anderes war, zum Beispiel, wie man sagt, eine „Hasenscharte“, dann sehen wir hier ein Zeugnis der Heilung Mosches. Aber mehr noch, wir sehen hier, dass Mosche das Lied zusammen mit allen Söhnen Israels anstimmte. Das heißt, eine riesige Versammlung von Menschen (wir haben gesagt, dass dort sechshunderttausend Männer waren), wahrscheinlich der größte Männerchor der Weltgeschichte, stimmt einträchtig ein Lied an. Es wäre toll, das live zu hören. Menschen, die mit einem Chor arbeiten, Chordirigenten – es gibt so einen Beruf wie Regent oder Chorleiter –, wissen, wie schwer es ist, einem Chor beizubringen, diesen oder jenen Gesang aufzuführen. Hier stimmte das Volk auf einmal das Lied an, und die Kommentatoren sagen, dass zum ersten Mal der Heilige Geist auf das Volk Israel herabkam, dieses Lied wurde berúach hakodesch gesungen, wurde durch den Heiligen Geist gesungen. Das Volk sang dieses Lied mit einem Geist, mit gemeinsamem Geist, einmütig. Und vielleicht wurde Mosche auch gar nicht geheilt, sondern war ein Werkzeug des Heiligen Geistes, der durch ihn sang, und er brauchte im Großen und Ganzen keine Heilung, denn ruach hakodesch, der Heilige Geist, kann unvollkommene Gefäße gebrauchen.
Die Wurzel gímel-álef-hej, von der das Wort ga'awá – Stolz, Selbsterhöhung stammt, wird hier natürlich nicht im negativen Sinn gebraucht: ki-ga'ó ga'á, denn mit großer Hoheit hat Er sich erhöht, oder auch eine solche doppelte Wiederholung hat sich erhöht- hat sich erhöht: „Wenn Er sich schon verherrlicht hat, dann hat Er sich aber verherrlicht!“
Die Wurzel des Wortes ramá ‒ das ist eine interessante Wurzel, sie hat sich gerade in den südlichen Dialekten des Hebräischen, in den südsemitischen Sprachen als Wurzel erhalten, die schießen mit dem Bogen, „pfeffern“, etwas schleudern bedeutet. Pferd und Reiter – das ist etwas sehr Gewichtiges, dafür braucht man eine gewaltige Kraft. Zu jenen Zeiten hatte man Panzer und Artillerie noch nicht erfunden.
עָזִּי וְזִמְרָת יָהּ וַיְהִי־לִי לִישׁוּעָה זֶה אֵלִי וְאַנְוֵהוּ אֱלֹהֵי אָבִי וַאֲרֹמְמֶנְהוּ׃
ossí wesimrát ja wajhí-li lischu'á se elí we'anwéhu elohé awí wa'aromeménhu
2 Meine Kraft und meine Kraft, unerschütterlich zu sein ‒ der HERR, und wird mir zur Befreiung sein; das – ist mein Gott, und ich will Ihn rühmen; der Gott meines Vaters, und ich will Ihn erheben.
Das erste Wort, ossí, stammt vom Wort os. Es bedeutet einerseits Kraft, Mut, andererseits bedeutet es eine bestimmte Kühnheit, die Fähigkeit, der Wirklichkeit standzuhalten, man kann sagen: mein Mut, meine Kühnheit. Das zweite Wort – simrát. Gewöhnlich, wenn man es vom Standpunkt der modernen Sprache aus betrachtet, wird das Wort simrá einfach als Gesang übersetzt, das heißt, die zwei ersten Wörter kann man als meine Kraft und mein Gesang übersetzen. Aber im biblischen Hebräisch stammt das Wort simrát von der Wurzel dalet-mem-resch, damir – gezügelte Kraft, eine Kraft, die gütig zu sein weiß, eine Kraft, die nicht aggressiv ist, sondern im Gegenteil eintritt und beschützt. Das ist bis heute eine der Bedeutungen des Männernamens Damir: ein ruhiger, starker Mensch. Das heißt, ein ruhiger, starker Gott, unerschütterlich stark, und man kann übersetzen als meine Kraft und meine Kraft, unerschütterlich zu sein.
Noch ein sehr interessantes Wort – anwéhu. Es ist nicht nur dadurch interessant, dass Anwehu der Name meines jüngsten Sohnes ist (er wurde in der Zeit geboren, als gerade dieses Kapitel studiert wurde, obwohl es nicht der Wochenabschnitt war, sondern der Vorabend von Pessach, aber es erklang). Das Wort anwéhu hat viele verschiedene Bedeutungen, und einem einfachen Israeli ist es in der modernen Sprache unverständlich. Man kann das Wort anwéhu als aní we hu ‒ ich und Er verstehen: Das ist Der, mit Dem ich ein Bündnis haben werde, mit Dem ich zu einem verschmelzen werde. Man kann es übersetzen als ich werde Ihn rühmen, ich werde allen Seine Schönheit offenbaren. Man kann übersetzen als Er wird mein Schmuck sein, Er wird mich herrlich machen. Und noch zwei Varianten. Die erste ist ich werde in Ihm leben, Er wird meine Oase sein, die zweite –Er wird in mir leben. Alle diese fünf Bedeutungen hat dieses wunderbare Wort anwéhu.
Es gibt einen erstaunlichen Midrasch, der davon erzählt, dass diese Worte die israelitischen Säuglinge sprachen, die kleinen Kinderchen, und gerade diese Zeile sangen Kinderstimmen. Die Kinder erinnerten sich, dass, als man sie in den Nil warf, sie ans Ufer gespült wurden, und Gott in Gestalt eines Jünglings umherging und sie vom Finger mit Nektar fütterte, wie mit Milch. Und als sie ihn am Meer sahen, riefen sie aus: „Das hier – ist mein Gott, und ich will Ihn rühmen (we'anwéhu)!“, in allen Bedeutungen dieses Wortes. Sie erkannten Gott, man kann sagen, von Angesicht, es gibt so einen Midrasch.
יְהוָה אִישׁ מִלְחָמָה יְהוָה שְׁמוֹ׃
adonáj isch milchamá adonáj schemó
3 Der HERR ‒ ein Mann des Krieges, der HERR ist Sein Name!
Das Wort isch kann man übersetzen als der, der besitzt; König der Schlacht ‒ der HERR, der HERR herrscht über die Schlacht. Aber die einfache Bedeutung des Wortes isch – das ist Mann, das heißt der HERR ‒ ein Mann des Krieges. Die Kommentatoren sagen, und das ist der wahrscheinlichste einfache Sinn: „Sie sahen Ihn am Meer in Kriegsmontur, und Er trat wirklich in menschlicher Gestalt hinein und zertrümmerte die Streitwagen, so eine Vision war das.“ Das ist so ein grandioser, der erste Actionfilm der Welt (da kann Hollywood nicht mithalten), den sie sich ansehen durften. Und ihr ganzer Gesang ist eine Erzählung, die unter dem Eindruck dieses Sieges des Höchsten entstanden ist: „Der HERR – ein Mann des Krieges, der HERR ist Sein Name, wenn einer kämpfen kann ‒ dann der HERR. Dieser Held – ist allen Helden ein Held!“
Und weiter folgt eine Erzählung, wie man tatsächlich eine erstaunliche Geschichte einer menschlichen Heldentat nacherzählen würde, deren Zeuge man geworden ist. Nur ist hier der Hauptheld natürlich kein Mensch.
מַרְכְּבֹת פַּרְעֹה וְחֵילוֹ יָרָה בַיָּם וּמִבְחַר שָׁלִשָׁיו טֻבְּעוּ בְיַם־סוּף׃
markewót par'ó wecheló jará wajám umiwchár schalischáw tubbe'ú wejam-súf
4 Die Streitwagen des Pharao und sein Heer hat Er ins Meer „gepfeffert“, und die auserlesene Spezialeinheit des Pharao ertrank, versank im Schilfmeer (das Meer wurde wie Schlamm, so ein Morast, ein Abgrund, „es saugte sie der gefährliche Morast ein)“.
תְּהֹמֹת יְכַסְיֻמוּ יָרְדוּ בִמְצוֹלֹת כְּמוֹ־אָבֶן׃
tehomót jechas'júmu jaredú wimzolót kemo-áwen
5 Die reißende Flut hat sie wie ein Trichter eingesogen, hat sie bedeckt, und wie ein Stein sanken sie auf den Grund.
יְמִינְךָ יְהוָה נֶאְדָּרִי בַּכֹּחַ יְמִינְךָ יְהוָה תִּרְעַץ אוֹיֵב׃
jeminechá adonáj ne'darí bakkóach jeminechá adonáj tir'áz ojéw
6 Deine Rechte, HERR, hat sich durch Kraft verherrlicht, durch herausragende Kraft, Deine Hand wird den Feind zerreiben (zermahlen, zerbrechen, zerknüllen).
Deine Rechte – die rechte Hand. Das Wort jamín bedeutet rechte, wenn man einfach jeminechá (deine rechte) sagt, meint man natürlich die rechte Hand: Deine rechte Hand von herausragender Kraft.
וּבְרֹב גְּאוֹנְךָ תַּהֲרֹס קָמֶיךָ תְּשַׁלַּח חֲרֹנְךָ יֹאכְלֵמוֹ כַּקַּשׁ׃
uwrów ge'onechá taharós kamécha teschallách charonechá jochelémo kakkásch
7 Mit Deiner großen Weisheit (mit Deinem großen Können) zerstörst Du (zerbrichst Du) Deine Feinde, sendest Deinen Zorn, und er frisst sie wie Stroh,
Das Wort kam bedeutet sich erhebend, kamécha – die, die sich gegen dich erheben.
Das Wort charón (Zorn) ist mit den Nasenlöchern verbunden, das ist wie Rauch, der aus den Nasenlöchern des Höchsten kommt. Gewöhnlich sagt man charón af, das ist der volle Ausdruck ‒ Zorn der Nasenlöcher, Schnauben der Nasenlöcher: Der HERR schnaubt, bildlich gesprochen, Feuer, und das verbrennt, diese Düse verbrennt seine Feinde wie Stroh.
וּבְרוּחַ אַפֶּיךָ נֶעֶרְמוּ מַיִם נִצְּבוּ כְמוֹ־נֵד נֹזְלִים קָפְאוּ תְהֹמֹת בְּלֶב־יָם׃
uwrúach appécha ne'ermu-májim nizzewú chemo-néd noselím kafe'ú tehomót belew-jám
8 Und durch den Atem Deiner Nase (durch den Atem Deiner Nasenlöcher) zogen sich die Wasser zusammen und türmten sich zu einem Haufen auf. Sie standen da wie ein Kamm (wie ein Felsen), und die fließenden Wasser gefroren, erstarrten; Aufruhr im Meer.
Das Wort nosél bedeutet Flüssigkeit, aber Flüssigkeit im Sinne dessen, was fließt, was Fließfähigkeit besitzt. Aufruhr im Meer – das ist zugleich ein Erstarren und ein Gefrieren und ein Zusammenziehen. Irgendwo hält der Höchste die Wasser zurück, und deshalb entsteht irgendwo ein Brodeln der Wasser. Und es gibt Midraschim, die sagen, dass es irgendwo gefror, irgendwo kochte. So ein wunderbares Einwirken des Höchsten auf das Meer war das!
Der neunte Vers – ein sehr erstaunlicher Vers, erstaunlich in seiner Ausdruckskraft.
אָמַר אוֹיֵב אֶרְדֹּף אַשִּׂיג אֲחַלֵּק שָׁלָל תִּמְלָאֵמוֹ נַפְשִׁי אָרִיק חַרְבִּי תּוֹרִישֵׁמוֹ יָדִי׃
amár ojéw erdóf assíg achallék schalál timla'émo nafschí arík charbí torischémo jadí
9 Der Feind sprach: „Ich jage nach, hole ein, verteile die Beute, und ich fülle meine Seele, ziehe mein Schwert aus der Scheide (leere), und meine Hände werden sie ausplündern.“
Amár ojéw erdóf assíg achallék ‒ fünf Wörter, von denen jedes mit dem Buchstaben Alef beginnt. Der Pharao ist eben jener Feind, der sagt: „Ich jage jetzt nach, oh, hol ich sie ein und verteile die Beute! Ich werde nicht sitzen, und nicht zu meinen Füßen wird man die Beute legen, wie es sich für anständige Pharaonen gehört. Nein, ich selbst werde ihre Beute verteilen, ich, wie der barbarischste der Krieger! Und meine Seele wird sich mit ihrem Leiden füllen. Oh, da mache ich mir Luft und ziehe mein Schwert, und – ‚Hol aus, Schulter!‘ – zerschmettere alles, was sie haben.“ Viele Kommentatoren sehen hier auch Gewalt, sexuelle Gewalt, die Vergewaltigung von Frauen. Der Pharao ist im Überschwang, er hat einen Traum, er stürmt voran. Hier gibt es nicht einmal die Konjunktion und, das Buchstäbchen Waw, er sagt nicht: „Ich jage nach, und hole ein, und verteile.“ Nein, nein, nein, er sagt das alles ununterbrochen, so einen Traum hat er. Er wird wirklich von seinem eigenen inneren Geist fortgerissen.
נָשַׁפְתָּ בְרוּחֲךָ כִּסָּמוֹ יָם צָלֲלוּ כַּעוֹפֶרֶת בְּמַיִם אַדִּירִים׃
nascháfta weruchachá kissámo jam zalelú ka'oféret bemájim addirím
10 Aber Du hast mit Deinem Geist geblasen, und das Meer bedeckte ihn, und sie versanken in der Tiefe (gingen unter) wie ein Stück Blei.
Interessant, und das hat sich bis in unsere Tage erhalten: Manche in Ägypten warfen geschmolzenes Blei ins Wasser, als Zeugnis, um zu sehen, was für eine Figur dort herauskommt, um zu sehen, wer den bösen Blick geworfen oder wer irgendeinen Schaden angehext hat, um das Porträt des Feindes zu sehen, und viele sehen hier eine Anspielung darauf. Sie gingen ins Wasser wie Blei, Du ‒ bist der Zeuge, Dein bleiernes Siegel hat sie versenkt, damit alle sehen, dass Du das getan hast. Sie sanken auf den Grund, aber damit war die Sache nicht zu Ende.
מִי־כָמֹכָה בָּאֵלִם יְהוָה מִי כָּמֹכָה נֶאְדָּר בַּקֹּדֶשׁ נוֹרָא תְהִלֹּת עֹשֵׂה פֶלֶא׃
mi-chamócha ba'elím adonáj mi kamócha ne'dár bakkódesch norá tehillót ósse féle
11 Wer ist Dir gleich unter den Göttern, wer ist wie Du, erhaben in Heiligkeit, gepriesen durch Schrecken, Wunder tuend!
Der Pharao hielt sich für einen Gott, und seine Priester wandten sich an die Götter, jeder an seinen. Und jeder, der in Ägypten Erstgeborene verloren hatte, betete zu seinem Gott.
נָטִיתָ יְמִינְךָ תִּבְלָעֵמוֹ אָרֶץ׃
natíta jeminechá tiwla'émo árez
12 Du hast Deine Hand ausgestreckt, und die Erde verschlang sie.
Es wird gesagt, dass, selbst als sie auf den Grund gesunken waren, die Erde sie noch verschlang, sodass die Menschen von der Erde verschlungen wurden, nur die Streitwagen blieben übrig. Es gibt eine solche Überlieferung, aber ich denke, dass hier einfach Ausdruckskraft ist, die von der Macht des Handelns des Höchsten erzählt.
נָחִיתָ בְחַסְדְּךָ עַם־זוּ גָּאָלְתָּ נֵהַלְתָּ בְעָזְּךָ אֶל־נְוֵה קָדְשֶׁךָ׃
nachíta wechasdechá am-sú ga'álta nehálta we'ossechá el-newé kodschécha
13 Du hast in Deiner Gnade dieses Volk für Deine Erlösung bestimmt, Du hast dieses Volk gerettet, Du hast es mit Deiner Kraft zur Oase Deiner Heiligkeit geleitet.
Wir haben gesagt, dass eine der Bedeutungen des Wortes anwehu ‒ ich werde in Ihm wohnen, Er wird meine Oase sein ist. Die Wurzel im Wort anwehu ist, in einer der Varianten des Verständnisses, newé. Newé midbár – das ist heutzutage eine Oase. Das Wort midbár bedeutet Wüste, und newé – das ist ein Wohnort, ein Ort des Aufenthalts. Das heißt: „Du führst das Volk zur Oase Deiner Heiligkeit, zu dem Ort, wo sich Deine Heiligkeit offenbart. Du hast das Volk durch das Meer geführt, es gerettet und es zu Deiner Heiligkeit geführt. Die Ägypter hast Du zum Untergang bestimmt, das Volk Israel aber zur Heiligkeit abgesondert.“ Und genau das macht Eindruck in der ganzen Welt, genau das, dass eine Trennung möglich ist: Jemand, vielleicht sogar ein Volk, ist aufgrund seines geistlichen Zustands zum Untergang bestimmt, und ein anderer – zur Heiligkeit.
שָׁמְעוּ עַמִּים יִרְגָּזוּן חִיל אָחַז יֹשְׁבֵי פְּלָשֶׁת׃
schame'ú ammím jirgasún chil achás joschewé peláschet
14 Die Völker hörten es und erschraken (gerieten in Aufruhr), Entsetzen, Furcht ergriff die Bewohner von Pleschet (die Bewohner der ganzen Region, die Bewohner der Küste).
אָז נִבְהֲלוּ אַלּוּפֵי אֱדוֹם אֵילֵי מוֹאָב יֹאחֲזֵמוֹ רָעַד נָמֹגוּ כֹּל יֹשְׁבֵי כְנָעַן׃
as niwhalú allufé edóm elé mo'áw jochasémo ra'ád namógu kol joschewé chená'an
15 Es erschraken die Heerführer Edoms, die Anführer Moaws, Zittern ergriff sie, als wären alle Bewohner Kanaans zerschmolzen (in den Untergrund gegangen).
תִּפֹּל עֲלֵיהֶם אֵימָתָה וָפַחַד בִּגְדֹל זְרוֹעֲךָ יִדְּמוּ כָּאָבֶן עַד־יַעֲבֹר עַמְּךָ יְהוָה עַד־יַעֲבֹר עַם־זוּ קָנִיתָ׃
tippól alehém emáta wafáchad bigdól sero'achá jiddemú ka'áwen ad-ja'awór ammécha adonáj ad-ja'awór am-sú kaníta
16 Es fiel auf sie Entsetzen und Furcht, vor der Größe Deiner Hand erstarrten sie wie ein Stein, bis Dein Volk vorüberzieht, Adonaj, bis das Volk vorüberzieht, das Du erworben hast.
Dieser Ausdruck tippól alehém emáta wafáchad wird übrigens inzwischen für einen Fluch verwendet, mit dem orthodoxe Juden die an Jeschua Glaubenden verfluchen. Es hat sich ergeben, dass ich in einer Gemeinde war, und ständig riefen sie mir und den Kindern so etwas hinterher: „Tippól alehém emáta wafáchad!“ Nie ist es uns gegeben vorauszusehen, wie ein Wort nachhallen wird.
Sie erstarrten wie ein Stein ‒ sie erstarrten in Erwartung des Endes dieses Geschehens. Das ist wie bei einem Menschen, an dem eine Elefantenherde vorbeizieht, oder einem Menschen, vor dem jemand Bewaffnetes hergeht. Auch wenn sie keine Beteiligten dieses Konflikts sind, erstarrten alle Völker vor Angst: Wäre das doch bald vorbei, und wäre es doch weit weg von uns.
תְּבִאֵמוֹ וְתִטָּעֵמוֹ בְּהַר נַחֲלָתְךָ מָכוֹן לְשִׁבְתְּךָ פָּעַלְתָּ יְהוָה מִקְּדָשׁ אֲדֹנָי כּוֹנְנוּ יָדֶיךָ׃
tewi'émo wetitta'émo behár nachalatechá machón leschiwtechá pa'álta adonáj mikkedásch adonáj konenú jadécha
17 Du wirst sie hinbringen (wirst sie kosten lassen, wirst sie an den Geschmack gewöhnen) auf den Berg, auf dem Du wohnst, zum Ort Deines Wohnens bringst Du sie (Du handelst), HERR, das Heiligtum des HERRN haben Deine Hände bereitet.
Wir wissen noch nichts über Jerusalem, wir haben noch nichts darüber gelesen. Und auch Mosche hat noch nichts darüber gelesen, er hat die Propheten nicht gelesen. Wovon spricht Mosche hier? Vor allem vom Berg Sinai und vom Himmlischen Tempel. Es gibt eine Überlieferung, dass Mosche eine Vision des Himmlischen Tempels hatte: Als der HERR sich am Meer offenbarte, war zu sehen, dass Er aus dem Himmlischen Tempel herabkommt, und Mosche sagt: „Du wirst sie hinbringen und sie kosten lassen, wirst ihnen den Himmlischen Tempel zeigen.“
Hier ist nicht die Rede von dem Heiligtum, das Menschenhände gemacht haben, sondern vom Himmlischen Heiligtum: Du führst sie zum Himmlischen Heiligtum heran. Die Tora sollte tatsächlich eine Leiter in den Himmel sein, durch den Abschluss des Bundes mit dem Höchsten sollte man bis zum Himmel heranwachsen. Aber nicht alles lief so, wie es geplant war, darüber werden wir später noch lesen.
יְהוָה יִמְלֹךְ לְעֹלָם וָעֶד׃
adonáj jimlóch le'olám wa'éd
18 Der HERR wird als König herrschen in Ewigkeit.
כִּי בָא סוּס פַּרְעֹה בְּרִכְבּוֹ וּבְפָרָשָׁיו בַּיָּם וַיָּשֶׁב יְהוָה עֲלֵהֶם אֶת־מֵי הַיָּם וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל הָלְכוּ בַיַּבָּשָׁה בְּתוֹךְ הַיָּם׃
ki wa sus par'ó berichbó uwfarascháw bajám wajáschew adonáj alehém et-mé hajám uwné jisraél halechú wajabbaschá betóch hajám
19 Als die Pferde des Pharao mit seinem Streitwagen und seine Reiter ins Meer kamen, lenkte der HERR die Wasser des Meeres auf sie, die Söhne Israels aber gingen auf dem Trockenen im Meer.
Das ist gleichsam eine Zusammenfassung aller Ereignisse, ein kurzer Spoiler des Actionfilms, den das Volk Israel gesehen hat, eine Zusammenfassung des ganzen Gesangs. Aber damit endet der Gesang nicht.
וַתִּקַּח מִרְיָם הַנְּבִיאָה אֲחוֹת אַהֲרֹן אֶת־הַתֹּף בְּיָדָהּ וַתֵּצֶאןָ כָל־הַנָּשִׁים אַחֲרֶיהָ בְּתֻפִּים וּבִמְחֹלֹת׃
wattikkách mirjám hannewi'á achót aharón et-hattóf bejadá wattezéna chol-hannaschím acharéha betuppím uwimcholót
20 Und Mirjam, die Prophetin, die Schwester Aharons, nahm eine Trommel in ihre Hände, und alle Frauen zogen hinter ihr hinaus, mit Trommeln und Tänzen.
Hier wird Mirjam nicht „Schwester Mosches“ genannt, sie wird „Schwester Aharons“ genannt. Warum? Weil Aharon derjenige ist, der eigentlich das Volk unterrichtete, der mit dem Volk sprach. Und als Schwester Aharons wurde sie mehr wahrgenommen, Mosche war etwas weiter weg. Und wenn die Frauen einstimmen, dann ist die Chorleiterin, sozusagen, des Frauenchors ‒ die Schwester Aharons, Mirjam, sie wird hier Prophetin genannt.
Man hat mich wegen des Schmucks gefragt. Es gab so eine interessante Frage: Wozu nahm man Schmuck mit? Du gehst doch in die Wüste, gehst auf so einen Marsch, und man muss nur das Allernötigste mitnehmen. Das Volk Israel zieht voll versorgt aus, aber die Frauen, was erstaunlich ist, nicht nur Mirjam, sondern, wir sehen es, alle Frauen, haben Trommeln mitgenommen. Sie haben nicht nur Trommeln, und man muss auch nicht erst irgendwohin gehen, um sie zu holen, in den Koffer greifen, auf den Hängeboden steigen. Nein, sie haben die Trommel sofort, wenn es so weit ist, haben sie gleich da die Trommel neben sich. Das ist natürlich so ein kleines Tamburin, auf das die Frauen schlagen und dazu tanzen. Und als die Männer, der Männerchor, ihren Auftritt beendet hatten, nahm Mirjam die Trommel und antwortete ihnen.
Die Männer gingen einfach. Die Frauen, Wesen, die für die Schönheit geschaffen sind, bei ihnen sind sowohl Trommeln als auch Tänze vorbereitet. Man kann darauf achten, dass, wenn der Heilige Geist herabkommt, die Männer in Reih und Glied stehen oder in Reih und Glied gehen; die Frauen zieht der Geist oft in Reigentänze hinein.
וַתַּעַן לָהֶם מִרְיָם שִׁירוּ לַיהוָה כִּי־גָאֹה גָּאָה סוּס וְרֹכְבוֹ רָמָה בַיָּם׃
wattá'an lahém mirjám schíru ladonáj ki-ga'ó ga'á sus werochewó ramá wajám
21 Und Mirjam antwortete ihnen: „Singt dem HERRN ein Lied, denn mit Hoheit hat Er sich erhoben, Pferd und Reiter ins Meer geschleudert.“
Was bedeutet antwortete? Sehr oft gibt es in der Musik im Osten, in der östlichen Tradition, einen gewissen Wettstreit. Die Männer haben gesungen, jetzt sind die Frauen an der Reihe, ihnen zu antworten. Das ist so ein weibliches „Alaverdi“ auf den männlichen Lobpreis, ein Versuch, die eigene Variante zu machen.
Einerseits kann man sagen, dass die Frauen wenig sangen, aber mit Genuss sangen, und man möchte, dass sie noch mehr singen, denn sie sangen nur diese eine Zeile. Andererseits kann man diesen Text als Anfang eines Zitats verstehen. Sie sangen genau so, wie Mosche diesen ganzen Gesang gesungen hat, nur wird hier einfach nur die erste Zeile des Liedes angeführt. Es gibt viele Lieder, die ihr, da bin ich sicher, an der ersten Zeile erkennt, und dann versteht ihr, wie es weiterging. Und es ist durchaus möglich, dass die Frauen denselben Gesang vortrugen, aber auf weibliche Art, mit Musik, nicht a cappella, sondern mit Tamburinen, mit Tänzen, schwungvoll, schön. Das ganze Volk Israel singt, das ganze Volk Israel ist vom Heiligen Geist ergriffen. Ein erstaunliches Erleben. Aber wie es immer ist, ist in der menschlichen Natur alles dynamisch. Deshalb lasst uns lesen, was weiter geschah.
וַיַּסַּע מֹשֶׁה אֶת־יִשְׂרָאֵל מִיַּם־סוּף וַיֵּצְאוּ אֶל־מִדְבַּר־שׁוּר וַיֵּלְכוּ שְׁלֹשֶׁת־יָמִים בַּמִּדְבָּר וְלֹא־מָצְאוּ מָיִם׃
wajassá mosché et-jisraél mijam-súf wajezeú el-midbar-schúr wajelechú scheloschet-jamím bammidbár welo-mázeu májim
22 Und Mosche führte das Volk Israel vom Schilfmeer weg, und sie zogen hinaus in die Wüste Schur, und gingen drei Tage durch die Wüste und fanden kein Wasser.
Nun könnte man an dieser Stelle scheinbar sagen: „Jetzt wird das Volk Israel anfangen zu murren, zu nörgeln und zu sagen: ‚Was, haben wir etwa schon wieder kein Wasser?‘“ Aber stellt euch vor, dass das Volk mit einer großen Zahl von Kindern und Frauen unterwegs ist. Das Volk hat natürlich Wunder gesehen, aber man hat Durst. Die Temperatur ist im Plusbereich, zu dieser Zeit sind es im Sinai ungefähr +45–50 °C. Heiß, verschwitzt, stickig, man hat Durst, man möchte sich das Gesicht abspülen, sich waschen, na und vieles andere möchte man noch. Wasser ist Leben. Und drei Tage ‒ das ist schon eine sehr lange Zeit, um durchzuhalten. Dann fangen die Kinder an zu weinen, nach ihnen fangen die Ehefrauen an zu schreien, dann greifen sich natürlich die Männer an den Kopf.
וַיָּבֹאוּ מָרָתָה וְלֹא יָכְלוּ לִשְׁתֹּת מַיִם מִמָּרָה כִּי מָרִים הֵם עַל־כֵּן קָרָא־שְׁמָהּ מָרָה׃
wajawóu maráta weló jachelú lischtót májim mimmará ki marím hem al-kén kara-schemá mará
23 Und sie kamen an einen Ort, der Mara genannt wird, und sie konnten das Wasser aus Mara nicht trinken, denn diese Wasser waren bitter. Deshalb heißt dieser Ort auch Mara.
Manchmal wird im Hebräischen die Richtung am Ende des Wortes angegeben. Zum Beispiel bajt (Haus) ‒ habájta (nach Hause). Timná (Name eines Ortes) ‒ Timnáta (nach Timná), das ist der Ort, wohin Jehuda geht, wo er Tamar trifft. Mara (der Ort, wo die bitteren Wasser sind) ‒ Marata (nach Mará), an den Ort, wohin sie kamen. Mará wird geschrieben mit dem Buchstaben He am Ende, und im Südsemitischen – Marát, der Buchstabe He geht in den Buchstaben Taw über, das lesen wir bei den Propheten. Also, sie gingen drei Tage, suchten Wasser. Endlich erreichten sie ein Gewässer, aber weit gefehlt: Die Wasser dieses Ortes sind bitter.
וַיִּלֹּנוּ הָעָם עַל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר מַה־נִּשְׁתֶּה׃
wajillónu ha'ám al-mosché lemór ma-nischté
24 Und das Volk begann gegen Mosche zu murren (sich zu beklagen) und sprach: „Was sollen wir trinken?“
וַיִּצְעַק אֶל־יְהוָה וַיּוֹרֵהוּ יְהוָה עֵץ וַיַּשְׁלֵךְ אֶל־הַמַּיִם וַיִּמְתְּקוּ הַמָּיִם שָׁם שָׂם לוֹ חֹק וּמִשְׁפָּט וְשָׁם נִסָּהוּ׃
wajiz'ák el-adonáj wajoréhu adonáj ez wajaschléch el-hammájim wajimtekú hammájim scham sam lo chok umischpát weschám nissahu
25 Und Mosche schrie zum HERRN, und der HERR zeigte ihm ein Holz, und er warf es ins Wasser, und die Wasser wurden süß. Dort legte Er ihm Recht und Gesetz auf (dort gab er ihm das erste Gesetz), und dort prüfte er ihn.
Man kann sagen, hier kann man es so verstehen, dass genau so, wie der Höchste die Streitwagen des Pharao ins Meer geschleudert hat, Er auch das Holz ins Wasser geschleudert hat. Aber höchstwahrscheinlich hat Er hier gezeigt, ihm einen Hinweis auf das Holz gegeben, und Mosche warf es ins Wasser.
Zwei Wörter: scham (dort) und sam (legte) werden völlig gleich geschrieben, obwohl sie verschieden ausgesprochen werden.
Was bedeutet Gesetz? Es gibt Gebote. Ein Gebot sagt zum Beispiel: „Dieser Monat ist für euch der erste Monat. Macht es so und so, und so und so verfahrt in Bezug auf Pessach, dann und dann schlachtet das Opfer“, das alles gab es schon. Was bedeutet also Gesetz? Das sind Regeln des Umgangs, Regeln der Beziehungen. Zum ersten Mal erzählte der Höchste, wie man mit Ihm, mit Gott, eine Beziehung aufbaut: „Damit ihr für die Zukunft wisst, wie ihr euch an Mich wenden sollt.“ Dieses Gesetz werden wir im 26. Vers lesen:
וַיֹּאמֶר אִם־שָׁמוֹעַ תִּשְׁמַע לְקוֹל יְהוָה אֱלֹהֶיךָ וְהַיָּשָׁר בְּעֵינָיו תַּעֲשֶׂה וְהַאֲזַנְתָּ לְמִצְוֹתָיו וְשָׁמַרְתָּ כָּל־חֻקָּיו כָּל־הַמַּחֲלָה אֲשֶׁר־שַׂמְתִּי בְמִצְרַיִם לֹא־אָשִׂים עָלֶיךָ כִּי אֲנִי יְהוָה רֹפְאֶךָ׃
wajomer im-schamóa tischmá lekól adonáj elohécha wehajaschár be'enáw ta'assé weha'asantá lemizwotáw weschamartá kol-chukkáw kol-hammachalá ascher-sámti wemizrájim lo-assím alécha ki aní adonáj rofe'écha
26 Wenn du hörend auf die Stimme des HERRN, deines Gottes, hören wirst, tun wirst, was gut ist in Seinen Augen (in den Augen des Höchsten), und dein Ohr Seinen Geboten zuneigen und alle Seine Gesetze bewahren wirst, dann werde Ich keine Krankheit, die Ich auf Ägypten gelegt habe, über dich bringen, denn Ich ‒ bin der HERR, dein Heiler.
Zum ersten Mal, zum ersten Mal in der ganzen Tora wird hier der Ausdruck der HERR, dein Gott (adonáj elohécha) erwähnt. Und dieser Ausdruck wird noch für lange Zeit der Name des Höchsten werden. Das heißt: „Wenn du auf den HERRN, deinen Gott, hören wirst, wenn du willst, dass Er der HERR, dein Gott, ist, dann muss die Beziehung zu Ihm so sein ‒ du wirst auf Ihn hören.“
Das Volk ist ständig in Unruhe: Was, wenn wir jetzt gesündigt haben, etwas falsch gemacht haben, unser Gott es sich anders überlegt hat und Er uns jetzt durch Wassermangel oder durch irgendetwas anderes töten will. Der Höchste legt hier die Beziehung fest, legt das System der Beziehungen fest: „Hör auf Mich, achte auf Meine Gebote, erfülle Meine Gesetze, und Ich werde dich nicht schlagen, wie Ich Ägypten geschlagen habe. Denn Ich ‒ bin der HERR, dein Arzt. Ich – bin der Heilende. Mein Ziel ist es, dich zu heilen und nicht zu verderben, zu heilen und nicht zu verderben. Wenn du nach Meinen Geboten lebst, auf Mich hörst, dann nimm es, wenn etwas geschieht, als Heilung wahr und nicht so, als ob Ich versuche, dich zu schlagen und zu verderben.“
Gebt das Beschweeerdebuch
Schemot 15,27–16,10
Wir haben schon davon gelesen, dass das Volk Israel an einem Ort lagerte, der Mará heißt, was Bitterkeit bedeutet, und akuten Wassermangel litt, weil das Wasser jenes Ortes bitter war, weshalb jener Ort eigentlich auch so hieß. Der Höchste befahl, ein Holz ins Wasser zu werfen, das Wasser wurde süß (süß nennt man im Hebräischen das Süßwasser). Auch gab der Höchste Israel eine Art erstes Gesetz, das Gesetz aller Gesetze, die Urgrundlage der Beziehung zwischen dem Menschen und dem Höchsten: „Wenn du auf Mich hören wirst, auf Meine Gebote hören, dann werde Ich, der HERR, keine einzige der Plagen über dich bringen, die Ich über Ägypten gebracht habe, denn Ich ‒ bin der HERR, dein Heiler.“ Das war die wichtigste Schlussfolgerung, die Lehre des Aufenthalts an dem Ort, der Mará heißt.
Und wir lesen weiter.
וַיָּבֹאוּ אֵילִמָה וְשָׁם שְׁתֵּים עֶשְׂרֵה עֵינֹת מַיִם וְשִׁבְעִים תְּמָרִים וַיַּחֲנוּ־שָׁם עַל־הַמָּיִם׃
wajawóu elíma weschám schetém esré enót májim weschiw'ím temarím wajachanu-schám al-hammájim
27 Und sie kamen an einen Ort, der Elim heißt, und dort sind 12 Wasserquellen und 70 Dattelpalmen, und sie ließen sich dort am Wasser nieder (am Ufer eines Flusses, am Ufer irgendeines Gewässers).
Hier sehen wir, dass es schon genug Wasser gibt, sogar im Überfluss, ganze 12 Quellen. Ein erfahrenes Auge kann erfassen, dass diese Quellen gar nicht so mächtig sind, wenn es dort nur 70 Palmen gibt. 70 Palmen – das ist keine Fülle an Wasser. Aber es reichte für alle, und niemand beklagte sich, wie wir sehen. Und natürlich, wenn wir auf Zahlen stoßen, möchten wir sehr gern ihre Symbolik verstehen. 12 Quellen – na, natürlich, das sind die 12 Stämme, 70 Palmen – na, das sind die 70 Ältesten, die es später geben wird, oder die 70 Menschen, die nach Ägypten hinabzogen, die 70 Seelen, die mit Jaakow kamen – sehr symbolträchtige Zahlen für Israel. Wozu geschieht das? Ja, die meisten Kommentatoren sehen das, weil man es unmöglich übersehen kann, und stellen die Frage: „Und wozu? Na gut, schön: Wir sind 12, und Quellen sind es 12; wir waren 70, und Palmen sind es 70 ‒ seht mal, was für ein Zufall!“ Und darin liegt eine gewisse kindliche Freude: „Schau, Papa, mein T-Shirt ist rot, und der Sitz, auf dem ich sitze, ist rot, und einen Teller haben sie mir auch einen roten gegeben!“ So haben jedenfalls meine Kinder gesprochen, und viele andere Kinder habe ich gehört, die sich über solche Zufälle freuten und in dieser Freude ein Telegramm in ihr Leben sahen, eine Botschaft vom Höchsten: „Schau, was für einen Zufall uns Derjenige bereitet hat, Der diese Zufälle einrichtet – Er ist der Meister, der Gebieter aller Zufälle. Und deshalb sagen die Kommentatoren, dass der Höchste von Anfang an, noch vor der Erschaffung der Welt, vorgesehen hat, dass es eine solche Oase geben wird, wo es 12 Quellen und 70 Dattelpalmen geben wird, nicht 65, nicht 73, sondern genau 70, damit das Volk Israel diese Fürsorge um die kindliche Freude sieht, sieht, dass der Höchste sich um unsere allerallerkindlichsten Freuden kümmert, um unsere allerallereinfachsten Freuden, wenn wir uns, so scheint es, über eine solche allereinfachste Sache freuen werden. Und das war die Lehre – der Ort, der Elim heißt.
Natürlich versucht man, wie jeden Ort jedes Lagerplatzes, auch ihn zu finden. Es gibt einen solchen Ort, der Ajun-Mussa, oder Quellen Mosches heißt, er liegt an der Grenze der Wüste Sinai, heute ist das ein Beduinendorf, und dort gibt es tatsächlich 12 Quellen. Mit den Palmen gibt es dort heutzutage ein Problem, es sind unzählig viele gewachsen, aber die 12 Quellen haben sich erhalten, und viele sagen, dass das genau dieser Ort ist. So oder so, das ist die wichtigste Lehre dieses Ortes, das, was wir aus dem einfachen Sinn der Tora sehen können.
Es gibt selbstverständlich viele mystische Kommentare zu den Zahlen 12 und 70, zu ihrer Bedeutung für den Ort Elim, den man als olám (Welt) oder als he'elém (Verschwinden) verstehen kann, und noch vieles Interessante mehr. Aber das ist schon nicht mehr der einfache Sinn der Tora, sondern Remes oder sogar Sod, die Grundlagen der Kabbala, und dorthin werden wir, zumindest jetzt, nicht gehen.
Damit haben wir das 15. Kapitel abgeschlossen und beginnen, das 16. Kapitel zu lesen.
וַיִּסְעוּ מֵאֵילִם וַיָּבֹאוּ כָּל־עֲדַת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל אֶל־מִדְבַּר־סִין אֲשֶׁר בֵּין־אֵילִם וּבֵין סִינָי בַּחֲמִשָּׁה עָשָׂר יוֹם לַחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי לְצֵאתָם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajis'ú me'elím wajawóu kol-adát bene-jisraél el- midbar-sín aschér ben-elím uwén sináj bachamischá assár jom lachódesch haschení lezetám me'érez mizrájim
1 Und sie zogen aus von dem Ort, der Elim genannt wird, und sie kamen mit der ganzen Versammlung des Volkes Israel bis an die Grenze der Wüste Sin, die zwischen Elim und Sinai liegt, am fünfzehnten Tag des zweiten Monats nach ihrem Auszug aus Ägypten.
Warum wird besonders hervorgehoben, dass alle kamen, dass sie ohne Verluste ankamen? Es gab lange Märsche, die Menschen legten die Märsche mit Kindern und mit Frauen zurück, und eine solche Strecke ohne Verluste zurückzulegen, das war schon ein Wunder. Trotz des Wassermangels, trotz aller Entbehrungen sieht man, dass sich hier die Fürsorge des Höchsten gezeigt hat.
Also kamen sie genau einen Monat nach dem Auszug aus Ägypten dorthin. Ein Monat war vergangen. Was bedeutet das? Dem Volk begann der Proviant auszugehen. Das gekochte Huhn von der Oma hatten sie am ersten Tag aufgegessen, an der Mazza kauten sie noch lange, dann kamen vielleicht Konserven zum Einsatz, aber bis zum dreißigsten Tag war alles zu Ende. Natürlich stellt sich die Frage: Sie haben doch Vieh, sie ziehen doch mit einer großen Menge Vieh? Und hier muss man verstehen, wir haben gesagt, dass Vieh mikné heißt ‒ Erwerb, Wirtschaft. Das Vieh ist ihre Rücklage, das ist ihre Investition. Und die Situation ähnelt der Situation eines Menschen, der unerwartet entlassen wurde, er ist ohne Arbeit geblieben, er hat Ersparnisse, aber er kann die Ersparnisse nicht aufessen, er hat sie nicht dafür angespart. Und der Mensch sorgt sich darum, dass er Arbeit haben will, ein ständiges Auskommen haben will, denn in der Wüste werden wir wer weiß wie lange sein, und die Ersparnisse können sehr schnell zu Ende gehen. Kein einziger Hirte, kein einziger Mensch, der beruflich Viehzucht betreibt, isst seine Herde auf, deshalb war eine angespannte Lage entstanden. Und die Menschen denken ein klein wenig weiter: Die Herde wird nicht so lange zum Aufessen reichen, und im Großen und Ganzen ist die Sorge um den morgigen Tag tatsächlich nötig. Die Menschen verstehen, dass der Weg noch lang ist, der Proviant ist zu Ende, man hat sie auf einem langen Weg geführt, man hätte schneller gehen können, und die Menschen haben verschiedene Gedanken über die Zukunft, und sie teilen sie eifrig mit.
וַיִּלִּינוּ (וַיִּלּוֹנוּ) כָּל־עֲדַת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל עַל־מֹשֶׁה וְעַל־אַהֲרֹן בַּמִּדְבָּר׃
wajillónu kol-adát bene-jisraél al-mosché we'al-aharón bammidbár
2 Und es beklagte sich die ganze Gemeinde der Söhne Israels über Mosche und über Aharon in der Wüste.
Obwohl sie alle zusammen angekommen sind, ohne Verluste, beklagen sie sich. Sie wurden unzufrieden damit, dass Mosche und Aharon sie in die Wüste gebracht oder sie auf einem solchen Weg geführt haben, und hier ist, was ihnen auf den Lippen liegt, was ihnen auf dem Herzen liegt, hier ist, worüber sie sich beklagen:
וַיֹּאמְרוּ אֲלֵהֶם בְּנֵי יִשְׂרָאֵל מִי־יִתֵּן מוּתֵנוּ בְיַד־יְהוָה בְּאֶרֶץ מִצְרַיִם בְּשִׁבְתֵּנוּ עַל־סִיר הַבָּשָׂר בְּאָכְלֵנוּ לֶחֶם לָשֹׂבַע כִּי־הוֹצֵאתֶם אֹתָנוּ אֶל־הַמִּדְבָּר הַזֶּה לְהָמִית אֶת־כָּל־הַקָּהָל הַזֶּה בָּרָעָב׃
wajomerú alehém bené jisraél mi-jittén muténu wejad-adonáj be'érez mizrájim beschiwténu al-sír habbassár be'ochlénu léchem lassówa ki-hozetém otánu el-hammidbár hassé lehamít et-kol-hakkahál hassé bara'áw
3 Und die Söhne Israels sprachen zu ihnen: „Wer hätte doch gegeben, dass wir durch die Hand des HERRN im Land Ägypten gestorben wären, als wir am Kessel mit Fleisch saßen und Brot aßen bis zur Sättigung! Denn ihr habt uns in diese Wüste herausgezerrt, um uns alle durch Hunger zu töten!“
Das heißt, welchen Tod wollt ihr sterben? Wenn schon sterben, dann wäre es großartig, beim Abendessen zu sterben, wenn wir al-sír habbassár (am Kessel mit Fleisch) sitzen, neben, um den Kessel herum, den Topf mit Fleisch, heiße Fladen-Pitas essen, und wir zu Abend essen; nach so einem sättigenden Abendessen, da wäre es gut zu sterben! Gut ist es, satt zu sterben, zufrieden, am Lagerfeuer, beim Kesselchen mit ägyptischem Fleisch und ägyptischem Brot. Wenn schon sterben, dann wären wir doch besser an der Sattheit, am ägyptischen Überfluss gestorben – na ja, so erinnern sich die Leute, wie in dem bekannten Film: Und im Gefängnis gibt es jetzt Makkaroni! So erinnern sie sich an Ägypten und sagen: „Großartig wäre es gewesen, satt zu sterben, und jetzt werden wir hier vor Hunger sterben!“ Vor Hunger zu sterben, das ist tatsächlich ein trauriger und schmerzhafter Tod, aber sie wissen nicht, dass ihnen das nicht droht.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה הִנְנִי מַמְטִיר לָכֶם לֶחֶם מִן־הַשָּׁמָיִם וְיָצָא הָעָם וְלָקְטוּ דְּבַר־יוֹם בְּיוֹמוֹ לְמַעַן אֲנַסֶּנּוּ הֲיֵלֵךְ בְּתוֹרָתִי אִם־לֹא׃
wajomer adonáj el-mosché hinení mamtír lachém léchem min-haschamájim wejazá ha'ám welaketú dewar-jom bejomó lemá'an anassénnu hajeléch betoratí im-ló
4 Und der HERR sprach zu Mosche: „Siehe, Ich werde euch mit Brot vom Himmel ‚beregnen‘, und das Volk wird hinausgehen und es sammeln. Und das wird eine alltägliche Sache sein (Tag für Tag), damit Ich es prüfe, ob es nach Meiner Tora gehen wird oder nicht.
Das Wort léchem bedeutet im modernen Hebräisch, und überhaupt im biblischen Hebräisch, Brot. Einmal wird es beim Propheten Zefanja in einer anderen semitischen Bedeutung verwendet, in der Bedeutung Fleisch. Fleisch, Brot und Leib ‒ ein und dasselbe Wort. Die Wörter milchamá (Krieg), lehilachém (kämpfen) – kommen ebenfalls vom Wort léchem, gerade in der Bedeutung Leib.
Die Frage: Wie kann das sein, was bedeutet das? Wozu ist diese Prüfung des Volkes nötig? Der erste Teil – nun, wenn das Volk Nahrung hat, wenn es weiß, dass ihm das Essen für den morgigen Tag garantiert ist, wird es dann wirklich dem Höchsten gehorchen? Wird es das Gesetz des Höchsten dann noch brauchen? Wenn man ihm die Rettung ohnehin verspricht, wird es dann das Gesetz halten? Na, lasst uns das prüfen. Lasst uns ihm ständiges Brot versprechen, das Brot wird ohne jegliche Bedingungen gegeben werden, Ich werde es ganz sicher nicht wegnehmen, aber die Frage ist: Werdet ihr Mir dann gehorchen?
Der zweite Teil der Prüfung: Wenn ein Mensch Wohlstand hat, kann er „abheben“. Er hat plötzlich einen Haufen freie Zeit, diese freie Zeit kann man dafür einsetzen, die Erkenntnis des Höchsten irgendwie zu vertiefen, eine Beziehung mit dem Höchsten aufzubauen, oder man kann sie dafür einsetzen, seine Freizeit abwechslungsreich zu gestalten und aus diesem Überfluss in nicht gute Dinge zu verfallen. Auch das ist eine der Prüfungen.
Außerdem: Inwieweit wird das Volk wirklich mit Wenigem zufrieden sein können und vor dem Hintergrund dieses Überflusses keine Zänkereien anfangen? Wem wird ein einfacher Unterhalt genügen, um nicht mehr mit dem Nächsten zu streiten? Wir werden später lesen, dass Mosche von morgens bis abends sitzt und das Volk richtet. Ein Volk, das im Großen und Ganzen sowohl Brot als auch Nahrung, sowohl ein Nachtlager als auch Vieh hat, prozessiert ständig um Besitz, zankt sich ständig. Ein entwickeltes Gerichtswesen hat man einem einzigen Menschen „aufgehalst“. Davon wird im nächsten Wochenabschnitt die Rede sein, aber wir können schon jetzt sagen, dass das vielleicht eine Prüfung ist, ob jeder mit seinem kleinen Anteil am himmlischen Brot zufrieden sein wird, wie es heißt: „Unser tägliches Brot gib uns für jeden Tag.“ Oder vielleicht nicht nur unseres, vielleicht wollen wir auch noch irgendjemandes fremdes?
וְהָיָה בַּיּוֹם הַשִּׁשִּׁי וְהֵכִינוּ אֵת אֲשֶׁר־יָבִיאוּ וְהָיָה מִשְׁנֶה עַל אֲשֶׁר־יִלְקְטוּ יוֹם יוֹם׃
wehajá bajom haschischí wehechínu et ascher-jawíu wehajá mischné al ascher-jilketú jom jom
5 Am sechsten Tag aber (das heißt am Freitag) werden sie zubereiten, was sie bringen (sie werden zubereiten, Essen machen aus dem, was sie bringen), und es wird eine doppelte Portion dessen sein, was sie jeden Tag sammeln.“
Mit anderen Worten: „Am Freitag werde Ich auch das Schabbatbrot geben.“ Interessant ist, dass die Kommentatoren sagen: „Das bedeutet, dass im Vorfeld des Kommens des Maschiach, in der Epoche des Maschiach, wenn wir uns dem Schabbat nähern, sich dann eine doppelte Portion an Erkenntnis offenbart. Es kann sich sowohl die Erkenntnis des einfachen Sinnes öffnen, als auch die Erkenntnis der Geheimnisse offenbart sich. Es ergibt sich eine doppelte Offenbarung der Tora, denn die Tora ‒ ist Brot, und der Maschiach offenbart sich mehr, weil auch der Maschiach ‒ Brot ist, das vom Himmel herabgekommen ist.“ Eine solche Verheißung gab der Höchste Mosche. Der Höchste sagte: „Ihr wollt Essen? Essen wird es geben!“
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן אֶל־כָּל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל עֶרֶב וִידַעְתֶּם כִּי יְהוָה הוֹצִיא אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajomer mosché we'aharón el-kol-bené jisraél érew wida'tém ki adonáj hozí etchém me'érez mizrájim
6 Und sie sprachen zu allen Söhnen Israels: „Es wird Abend werden, und ihr werdet wissen, dass der HERR euch aus dem Land Ägypten herausgeführt hat (es wird euch noch ein Beweis vorgelegt werden).
וּבֹקֶר וּרְאִיתֶם אֶת־כְּבוֹד יְהוָה בְּשָׁמְעוֹ אֶת־תְּלֻנֹּתֵיכֶם עַל־יְהוָה וְנַחְנוּ מָה כִּי תַלּוֹנוּ (תַלִּינוּ) עָלֵינוּ׃
uwóker ur'itém et-kewód adonáj beschom'ó et-telunnotechém al-adonáj wenáchnu ma ki tallínu alénu
7 Und am Morgen werdet ihr die Herrlichkeit Gottes sehen, wenn Er eure Klagen gegen den HERRN hört (ihr dachtet, dass ihr euch über uns beklagt, über Mosche und Aharon, aber nein, ihr beklagt euch über den HERRN); und wir, was sind wir schon, dass ihr euch über uns beklagt?
Mosche und Aharon, die zwei Anführer, sagen: „Wir – was?“ Achten wir auf das Wort ma, gewöhnlich wird es mit dem Wort was übersetzt. Es gibt eine andere Übersetzungsvariante, in der das Wort ma auf eine gewisse mystische Stufe gehoben wird. Mosche und Aharon sagen: „…wenáchnu ma – und wir, wir sind nur ‚ma‘. In dieser Variante ist ma ‒ ein Instrument zur Wahrnehmung des Höchsten, ma ‒ das ist die empfangende Kraft, das ist das Weltall. Im Unterschied dazu ist mi (wer)‒ der HERR, das ist die handelnde Kraft. Mi ‒ das ist der Schöpfer, ma ‒ das ist das Weltall. Der Schöpfer wird „Wer“ genannt, das Weltall – „was“. Das heißt: „Was sind wir? Wir sind hier bloß und nichts weiter als Werkzeuge des Höchsten. Ihr müsst nicht, wie Hunde, in den Stock beißen, was beklagt ihr euch denn über uns?“
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה בְּתֵת יְהוָה לָכֶם בָּעֶרֶב בָּשָׂר לֶאֱכֹל וְלֶחֶם בַּבֹּקֶר לִשְׂבֹּעַ בִּשְׁמֹעַ יְהוָה אֶת־תְּלֻנֹּתֵיכֶם אֲשֶׁר־אַתֶּם מַלִּינִם עָלָיו וְנַחְנוּ מָה לֹא־עָלֵינוּ תְלֻנֹּתֵיכֶם כִּי עַל־יְהוָה׃
wajomer mosché betét adonáj lachém ba'érew bassár le'echól weléchem babbóker lisbóa bischmoá adonáj et-telunnotechém ascher-attém malliním aláw wenáchnu ma lo-alénu telunnotechém ki al-adonáj
8 Und Mosche sprach: „Wenn der HERR euch am Abend Fleisch zu essen gibt und Brot am Morgen zur Sättigung (wie sie gebeten hatten, dass sie Brot zur Sättigung hätten und Fleisch zum Essen, so ist es ihnen auch verheißen), wird der HERR eure Klagen hören, mit denen ihr euch über uns beklagt, und wir, was sind wir schon? Nicht gegen uns richten sich eure Klagen, sondern gegen den HERRN!“
Was sagt Mosche? Er sagt: „Am Abend werdet ihr erfahren, am Abend werdet ihr Fleisch bekommen.“ Daraus entstand die Tradition, dass man Fleischmahlzeiten am Abend isst. Daraus entstand auch die Tradition, zweimal am Tag zu essen, es gibt sie im Nahen Osten. Natürlich isst man heute öfter, aber es war so, dass man am Morgen einfache Speise aß, Brot vom Himmel zum Beispiel, und am Abend aß man eine, sagen wir mal, luxuriösere Speise – fleischige Wachtel, wie wir später erfahren werden, also fettes Vogelfleisch. Der Monat Ijar, der Monat nach dem Auszug des Volkes aus Ägypten – das ist der Monat, in dem die Wachteln sich vor dem langen Flug Fett anfressen, zu dieser Zeit ist der Vogel am fettesten. Im Frühling steht die Wachtel natürlich hoch im Preis, aber das Volk weiß das noch nicht. Dem Volk wurde einfach Fleisch versprochen, und es wurde versprochen, dass der Höchste Selbst kommen wird, um anzuhören, kommen wird, um zu reagieren, um auf die Vorwürfe zu antworten, die das Volk Israel Ihm vorbringt.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן אֱמֹר אֶל־כָּל־עֲדַת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל קִרְבוּ לִפְנֵי יְהוָה כִּי שָׁמַע אֵת תְּלֻנֹּתֵיכֶם׃
wajomer mosché el-aharón emór el-kol-adát bené jisraél kirwú lifné adonáj ki schamá et telunnotechém
9 Und Mosche sprach zu Aharon: „Sag der ganzen Versammlung des Volkes Israel: ‚Tretet heran vor den Höchsten, denn Er hat eure Klage gehört.‘
וַיְהִי כְּדַבֵּר אַהֲרֹן אֶל־כָּל־עֲדַת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל וַיִּפְנוּ אֶל־הַמִּדְבָּר וְהִנֵּה כְּבוֹד יְהוָה נִרְאָה בֶּעָנָן׃
wajhí kedabbér aharon el-kol-adát bene-jisraél wajifnú el-hammidbár wehinné kewód adonáj nir'á be'anán
10 Und es geschah, als Aharon dies zur ganzen Gemeinde der Söhne Israels sagte, da wandten sie sich in Richtung der Wüste, und siehe, die Herrlichkeit des HERRN erschien in der Wolke.
Die göttliche Küche
Schemot 16,11–36
Stehen geblieben sind wir, ihr und ich, dabei, dass das Volk unzufrieden war, dass die Vorräte zu Ende waren, es gibt nichts zu essen, vor den Augen zeichnet sich der Hungertod ab, die Aussicht auf den Hungertod. Und das Volk begann zu sagen: „Besser wäre es für uns gewesen, Gott hätte uns nach einem sättigenden Abendessen in Ägypten getötet, als so hier in der Wüste vor Hunger zu sterben.“ Mosche und Aharon lenkten das Volk um, sie sagten: „Was beschwert ihr euch denn bei uns? Ihr beschwert euch nicht über uns, ihr murrt gegen den Höchsten. Der Höchste wird mit euch reden.“ Und ab Vers 11 lesen wir, dass der Höchste, wie Er es versprochen hat, davon spricht, dass Er Brot und Fleisch geben wird, dem Volk Nahrung geben wird.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
11 Und der HERR redete zu Mosche und sprach:
שָׁמַעְתִּי אֶת־תְּלוּנֹּת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל דַּבֵּר אֲלֵהֶם לֵאמֹר בֵּין הָעַרְבַּיִם תֹּאכְלוּ בָשָׂר וּבַבֹּקֶר תִּשְׂבְּעוּ־לָחֶם וִידַעְתֶּם כִּי אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם׃
Schamá'ti et-telunnót bené jisraél dabbér alehém lemór ben ha'arbájim tochelú wassár uwabbóker tisbe'u-láchem wida'tém ki aní adonáj elohechém
12 „Ich habe die Klage der Söhne Israels gehört. Sage ihnen und sprich: In der Dämmerung (in den Stunden vor dem Abend) werdet ihr Fleisch essen, und am Morgen werdet ihr euch an Brot sättigen. Und ihr werdet wissen, dass Ich ‒ der HERR, euer Gott, bin!“
Der Höchste sagt: „Am Abend werde Ich euch Fleisch geben, am Morgen werde Ich euch Brot zur Genüge geben. Fleisch einfach, um am Abend etwas zu essen, Brot aber wird es am Morgen zur Genüge geben. Und weil Ich euch das geben werde, werdet ihr wissen, dass Ich ‒ der HERR, euer Gott, bin.“ Der HERR erfüllt Seine Versprechen, der HERR handelt nach Plan, und in Seinem Plan ist nicht vorgesehen, dass jemand in der Wüste den Hungertod stirbt.
וַיְהִי בָעֶרֶב וַתַּעַל הַשְּׂלָו וַתְּכַס אֶת־הַמַּחֲנֶה וּבַבֹּקֶר הָיְתָה שִׁכְבַת הַטַּל סָבִיב לַמַּחֲנֶה׃
wajhí wa'érew wattá'al hasseláw wattechás et-hammachané uwabbóker hajetá schichwát hattál sawíw lammachané
13 Und es geschah am Abend, und es stieg die Wachtel auf und bedeckte das Lager, und am Morgen war eine Schicht Tau rings um das Lager.
Das Wort Wachtel steht hier in der Einzahl. Genauso sagt man, wenn es viele Fische gibt, „Fisch“, oder wenn es viele Vögel gibt, „Vogel“ – ein Sammelbild. Und auch hier heißt es dem Text nach „es stiegen viele Wachteln auf“, aber das Hebräische benutzt ein einziges Sammelwort: Wachtel, deshalb – und es stieg die Wachtel auf (wattá'al hasselaw).
Die Wachtel fällt auf das Gebiet des Lagers nieder, den ganzen Ijar hindurch, um einen Regen aus Wachteln niedergehen zu lassen, die, wie wir gesagt haben, in dieser Zeit ziemlich fett sind. Sie fressen sich zum Monat des Vogelzugs ein Fettpolster an. Man sammelte sie, und (wie manche Kommentatoren sagen) einen Teil von ihnen ließ man „zur Zucht“ übrig. Es ist nicht schwer, Käfige zu basteln und außer dem Vieh noch Wachteln für den täglichen Gebrauch zu haben. Einen Widder kann man nicht immer schlachten: Wir haben gesagt, dass das Volk das Vieh ins Land Israel führt. Das Vieh ist sein Besitz, das ist seine Investition, seine Ersparnis. Wachteln dagegen sind für das alltägliche Leben sehr praktisch, und vielleicht haben viele noch eine Zeit lang Wachteln gezüchtet. Es gibt Kommentatoren, die sagen, dass es in der Wüste die ganze Zeit Wachteln gab. Das passt ein bisschen nicht zum einfachen Sinn der Tora, und wir werden darüber sprechen, wenn wir von der zweiten Folge der Geschichte mit den Wachteln lesen. Aber bleiben wir vorerst dabei, dass der Höchste am Abend Wachteln sandte und am Morgen etwas besonders Interessantes schickte: eine Schicht Tau.
וַתַּעַל שִׁכְבַת הַטָּל וְהִנֵּה עַל־פְּנֵי הַמִּדְבָּר דַּק מְחֻסְפָּס דַּק כַּכְּפֹר עַל־הָאָרֶץ׃
wattá'al schichwát hattál wehinné al-pené hammidbár dak mechuspás dak kakkefór al-ha'árez
14 Und die Schicht Tau stieg auf, und auf der ganzen Oberfläche der Wüste lag es als dünne Schicht, wie Reif, auf der Erde (das heißt, weit, bis zum Horizont, erstreckt sich dieses mit Tau bedeckte Gebiet vom Lager weg).
Niemand weiß, was das Wort mechuspás bedeutet, weil es in der ganzen Tora nur ein einziges Mal vorkommt. Im modernen Hebräisch bedeutet mechuspás rau anzufühlen, uneben. Der Sinn des Wortes kann auch so verstanden werden: gleichsam von der Schale befreit, etwas Glattes, von dem man die Hülle abgenommen hat. Ein unverständliches Wort, und leider wird es auch unverständlich bleiben, aber man kann es übersetzen als dünne und raue Schicht. Das ist das, was die Juden sahen, als sie am Morgen aufwachten. Frühling, die Temperatur im Plusbereich, sogar am frühen Morgen schon +25-30 C˚, und da plötzlich etwas, das einer Schicht Reif auf der Erde ähnelt.
וַיִּרְאוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל וַיֹּאמְרוּ אִישׁ אֶל־אָחִיו מָן הוּא כִּי לֹא יָדְעוּ מַה־הוּא וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֲלֵהֶם הוּא הַלֶּחֶם אֲשֶׁר נָתַן יְהוָה לָכֶם לְאָכְלָה׃
wajir'ú wene-jisraél wajomerú isch el-achíw man hu ki lo jade'ú ma-hú wajomer mosché alehém hu halléchem aschér natán adonáj lachém le'ochlá
15 Und die Söhne Israels sahen es, und sie sagten jeder zu seinem Bruder: „Man hu?“, denn sie wussten nicht, was das ist. Und Mosche sagte zu ihnen: „Das ist das Brot, das euch der HERR zur Speise gegeben hat.
Diesen Ausdruck, man hu, kann man auf mehrere Weisen verstehen. Das Wort man kann man als was übersetzen, aber das ist nicht aus der hebräischen Sprache, sondern wahrscheinlicher aus dem Aramäischen. Im Hebräischen wurde es möglicherweise als etwas Gehobenes verwendet, als etwas so Pompöses, eine erstaunte Frage: Was ist denn das?! Vielleicht wurde es als Fremdwort verwendet. Manchmal stellen Menschen, um den Grad ihrer Verwunderung und des Unverständnisses auszudrücken, als ob etwas, wonach sie fragen, nicht von dieser Welt wäre, erstaunlich wäre, die Frage in einer Fremdsprache, zum Beispiel „Was ist das?“Im Russischen steht hier als Beispiel für eine Frage in einer Fremdsprache ausgerechnet die deutsche Frage „Was ist das?“, in russischen Buchstaben geschrieben. Im Deutschen geht dieser Fremdsprachen-Effekt verloren. statt „Was ist denn das?“ Etwas in diesem Sinn, das ist auch ein mögliches Verständnis. Noch eine Variante des Verständnisses schlägt Raschi vor: Das Wort man bedeutet Aperitif oder Antipasti, das, was man üblicherweise vor dem Essen isst, eine Art kleine Vorspeise. Das heißt, die Menschen sahen es und sagten: „Hoppla! Da ist ja eine Vorspeise für uns!“ Sie sagten so (ki lo jade'ú ma-hú), weil sie nicht wussten, was das ist. Sie probierten, schauten und sagten: „Das ist für uns vor dem lieben Brot, man will uns hier mit irgendetwas füttern.“ Mir ist das Verständnis am nächsten, dass sie wirklich fragten was ist das, einfach weil sie es nicht wussten.
Aber es gibt noch eine wichtige Bedeutung, die ein klein wenig nicht Pschat ist, und dennoch ist sie ihm nahe. Wir haben gesagt: Das Wort man in der Bedeutung was – das ist nicht einfach das Wort „was“, das ist die materielle Welt, das ist die Schöpfung. Alles in der Schöpfung heißt was. So sagten Aharon und Mosche (16,7): „…wenáchnu ma“ ‒ „Und wir, was sind wir schon?“ So fragt ein Mensch oft: „Was bin ich schon?“ in der Bedeutung „Ich bin nichts wert, ich bin nur ein Geschöpf.“ Man lässt sich verstehen als ein „Was“ vom Himmel herabgekommen, als ein „Was“ von jemandem herabgestiegen oder als ein „Was“ ‒ Wort, das Fleisch geworden ist. Wir lesen gleich darüber, und ich erkläre, warum der einfache Sinn ein solches Verständnis zulässt.
Und weiter fährt Mosche fort:
זֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה לִקְטוּ מִמֶּנּוּ אִישׁ לְפִי אָכְלוֹ עֹמֶר לַגֻּלְגֹּלֶת מִסְפַּר נַפְשֹׁתֵיכֶם אִישׁ לַאֲשֶׁר בְּאָהֳלוֹ תִּקָּחוּ׃
se haddawár aschér ziwwá adonáj liktú mimménu isch lefí ochló ómer laggulgólet mispár nafschotechém isch la'aschér be'aholó tikkáchu
16 Das ist das Wort, das der HERR verordnet hat. Sammelt davon, jeder nach seinem Appetit, ein Omer für jeden, je ein Omer pro Seele, nach der Zahl eurer Seelen, jeder Mensch, nehmt nach der Zahl der Leute bei ihm im Zelt“.
Und diesen Satz „das ist das Wort, das der HERR verordnet hat“ kann man auf den vorigen Vers beziehen: „Das ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, und das ist das Wort, das der HERR befiehlt.“ Aber man kann ihn auch auf diesen Vers beziehen: „Sammelt davon, jeder nach seinem Appetit…“ Wozu sage ich das? Dazu, dass der Pschat es erlaubt zu lesen, dass die Tora hier sagt: „Das ist das Brot, das euch der Höchste gegeben hat, das ist das Wort, das Er geboten hat.“ Und außerdem kann man daran erinnern, dass das Wort léchem (Brot) auch Fleisch bedeutet: „Dieses Fleisch, dieses Fleisch, das euch der Höchste gegeben hat (es bezieht sich sowohl auf die Wachteln als auch auf das Brot) ‒ das ist das Wort, das Er euch geboten hat.“ Ein solches Vorbild kann man hier sehen, und es ist nicht weit vom Pschat, das ist kein Drasch, das ist sehr nahe am einfachen Sinn.
Omer ‒ das sind 2,2 Liter. Wenn man auf 2,5 Liter aufrundet, dann konnte man so viel von diesem „Reif“ von der Erde, von diesem Brot, für jeden sammeln. Das heißt, ein Mensch ging hinaus, sammelte für fünf, das ist etwas mehr als ein Eimer Man. Oder ein Mensch ging hinaus, sammelte für zehn, sammelte 2 Eimer Man, damit es für jeden reichte, je nachdem, wie viel einer isst. Keine Kantinenration, nach der du so viel isst, wie man dir aufgetan hat, sondern damit es dir reicht: Nimm jeder nach seinem Appetit.
וַיַּעֲשׂוּ־כֵן בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וַיִּלְקְטוּ הַמַּרְבֶּה וְהַמַּמְעִיט׃
waja'asu-chén bené jisraél wajilketú hammarbé wehammam'ít
17 Und die Söhne Israels taten so, und sie sammelten – der, der gern mehr mag, und der, der gern weniger mag.
וַיָּמֹדּוּ בָעֹמֶר וְלֹא הֶעְדִּיף הַמַּרְבֶּה וְהַמַּמְעִיט לֹא הֶחְסִיר אִישׁ לְפִי־אָכְלוֹ לָקָטוּ׃
wajamóddu wa'ómer weló he'díf hammarbé wehammam'ít lo hechsír isch lefi-ochló lakátu
18 Und alle maßen mit dem Omer, und der, der gern mehr mochte, nahm nicht mehr, und der, der gern weniger mochte, nahm nicht weniger, und jeder sammelte nach seinem Essen.
Das heißt, obwohl der eine mehr mochte, der andere weniger mochte, schützte der Omer ‒ er schützte davor, dass etwas übrig blieb und dass etwas fehlte.
Hier führen uns die Kommentatoren zu dem unverständlichen Wort mechuspás (rau) zurück, über das ich schon gesprochen habe. Manche sagen, dass die Gematrie, der Zahlenwert des Wortes mechuspás (rau), ‒ 248 ist, das ist die Zahl der Organe des Menschen. Und so liegt hier ein gewisser Hinweis darauf, dass das Man alle Organe des Menschen nährte, das ist so ein vollkommenes Produkt, es reichte allen in der Dosierung, in der es gegeben wurde. Nun, und wie sollte man hier nicht an das denken, was im Buch Dewarim (8,3) gesagt wird: „…nicht vom Brot selbst lebt der Mensch, sondern von dem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.“ Wenn der Mensch sich an Brot satt äße, dann hätte die Proportion, die Menge eine Bedeutung in Bezug auf das Man, aber da der Mensch sich am Wort Gottes sättigt, durch das dieses Brot geschaffen ist, gibt es auch keine Notwendigkeit, mehr oder weniger als ein Omer zu nehmen. Solche Kommentare, solche Gedanken entstehen um dieses Thema herum.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֲלֵהֶם אִישׁ אַל־יוֹתֵר מִמֶּנּוּ עַד־בֹּקֶר׃
wajomer mosché alehém isch al-jotér mimménnu ad-bóker
19 Und Mosche sprach zu ihnen: „Ein Mensch, jeder von euch, soll nichts davon für den Morgen übrig lassen.“
Das heißt, alles, was ihr genommen habt, esst bis zum Abend auf, lasst nichts für den Morgen übrig. Was ist der Sinn? Warum sollte ein Mensch plötzlich Man bis zum Morgen bei sich übrig lassen wollen? Wir werden weiter lesen, dass dieses Man schmolz, sobald die Sonne aufging und mit ihren ersten Strählchen die Wüste erwärmte. Also muss man, um es zu sammeln, früh aufwachen. Sagen wir, im Monat Ijar muss man etwa um 05.15 ‒ 05.20 Uhr morgens aufwachen, denn um 05.50 ist es schon zu spät, irgendetwas zu sammeln, alles wird geschmolzen sein. Nicht jeder hat Lust, nachdem er am Abend Wachteln gegessen hat, am Morgen um 5 Uhr früh aufzustehen und nach dem Man hinauszugehen. Deshalb ist es logisch zu sagen: „Lassen wir doch ein bisschen bei uns übrig, frühstücken wir am Morgen, und dann, mit Gottes Hilfe, halten wir bis zu den Wachteln durch, dieses Man, das ist so sättigend!“ Deshalb macht es das Volk, wie es immer ist, fast immer, wenn Mosche etwas sagt, nicht so:
וְלֹא־שָׁמְעוּ אֶל־מֹשֶׁה וַיּוֹתִרוּ אֲנָשִׁים מִמֶּנּוּ עַד־בֹּקֶר וַיָּרֻם תּוֹלָעִים וַיִּבְאַשׁ וַיִּקְצֹף עֲלֵהֶם מֹשֶׁה׃
welo-schame'ú el-mosché wajotíru anaschím mimménnu ad-bóker wajarúm tola'ím wajiw'ásch wajikzóf alehém mosché
20 Und sie hörten nicht auf Mosche, und die Leute ließen davon (vom Man) bis zum Morgen übrig. Und es wurde wurmig, und es verdarb, und Mosche zürnte ihnen.
Sie hörten nicht auf ihn, schon auf dieser Ebene hatten die Leute keine Lust, früh aufzustehen, Man zu sammeln. Und weil es sich so ergab, dass es nicht klappt, sich mit Man einzudecken, lesen wir im 21. Vers:
וַיִּלְקְטוּ אֹתוֹ בַּבֹּקֶר בַּבֹּקֶר אִישׁ כְּפִי אָכְלוֹ וְחַם הַשֶּׁמֶשׁ וְנָמָס׃
wajilketú otó babbóker babbóker isch kefí ochló wechám haschémesch wenamás
21 Und sie sammelten es früh, früh am Morgen, jeder nach seinem Appetit. Und wenn die Sonne aufstieg, löste es sich auf (schmolz).
Das heißt, die Leute mussten doch, trotz der jüdischen Erfindungsgabe, mussten doch früh am Morgen aufstehen und jeden Morgen Man sammeln.
וַיְהִי בַּיּוֹם הַשִּׁשִּׁי לָקְטוּ לֶחֶם מִשְׁנֶה שְׁנֵי הָעֹמֶר לָאֶחָד וַיָּבֹאוּ כָּל־נְשִׂיאֵי הָעֵדָה וַיַּגִּידוּ לְמֹשֶׁה׃
wajhí bajom haschischí laketú léchem mischné schené ha'ómer la'echád wajawóu kol-nessi'é ha'eda wajaggídu lemosché
22 Und es war am sechsten Tag (das heißt am Freitag), sie sammelten doppeltes Brot (eine doppelte Portion Brot), zwei Omer pro Mensch. Und alle Leiter der Gemeinde kamen und sagten es Mosche.
Freitag – das ist der Vorabend des Schabbat. Zur Erinnerung an dieses Ereignis, zur Erinnerung an diese Erscheinung sprechen die Juden bei jeder Schabbatmahlzeit den Segen über zwei ganzen Broten, über zwei Brötchen oder über zwei anderen Broten, über zwei Challot, wie das doppelte Brot, das man in der Wüste sammelte.
Diesmal beschloss das Volk, das Man nicht in den Vorratskammern zu verstecken. Sie wunderten sich, dass es so viel davon gibt, kamen und sagten zu Mosche: „Was sollen wir damit machen? Bei uns ist unerwartet doppelt so viel wie die Norm herausgekommen, hat man uns die Ration erhöht, oder was geht hier überhaupt vor?“
וַיֹּאמֶר אֲלֵהֶם הוּא אֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה שַׁבָּתוֹן שַׁבַּת־קֹדֶשׁ לַיהוָה מָחָר אֵת אֲשֶׁר־תֹּאפוּ אֵפוּ וְאֵת אֲשֶׁר־תְּבַשְּׁלוּ בַּשֵּׁלוּ וְאֵת כָּל־הָעֹדֵף הַנִּיחוּ לָכֶם לְמִשְׁמֶרֶת עַד־הַבֹּקֶר׃
wajomer alehém hu aschér dibbér adonáj schabbatón schabbat-kódesch ladonáj machár et ascher-tofú efú we'ét ascher-tewaschelú baschélu we'ét kol-ha'odéf hanníchu lachém lemischméret ad-habbóker
23 Und er sprach zu ihnen: „Das ist es, wovon der HERR gesprochen hat: Schabbat (der Schabbattag) ‒ ein heiliger Schabbat dem HERRN ist morgen. Was zu backen ist, backt heute, was zu kochen ist, kocht heute, und alles, was übrig bleibt, hebt zur Aufbewahrung bis zum Morgen auf.“
Das heißt, bereitet alles, was nötig ist, heute für den Schabbat zu, und bereitet alles zu, was ihr gesammelt habt, die doppelte Portion, und lasst bis zum Morgen alles übrig, was ihr für den Schabbat brauchen werdet. Am Schabbatmorgen wird es nicht nötig sein, früh aufzustehen. Daher die alte Tradition, am Schabbat lange zu schlafen, es gilt als großes Vergnügen, am Schabbat sowohl morgens als auch tagsüber zu schlafen, und überhaupt schläft es sich am Schabbat sehr gut. Und dieses Mal hörten sie auf Mosche.
וַיַּנִּיחוּ אֹתוֹ עַד־הַבֹּקֶר כַּאֲשֶׁר צִוָּה מֹשֶׁה וְלֹא הִבְאִישׁ וְרִמָּה לֹא־הָיְתָה בּוֹ׃
wajanníchu otó ad-habbóker ka'aschér ziwwá mosché weló hiw'ísch werimmá lo-hájeta bo
24 Und sie ließen es bis zum Morgen übrig, wie Mosche geboten hatte, und es schimmelte nicht (verdarb nicht), und es wurde nicht wurmig.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אִכְלֻהוּ הַיּוֹם כִּי־שַׁבָּת הַיּוֹם לַיהוָה הַיּוֹם לֹא תִמְצָאֻהוּ בַּשָּׂדֶה׃
wajomer mosché ichlúhu hajom ki-schabbát hajom ladonáj hajom lo timza'úhu bassadé
25 Und Mosche sprach: „Heute esst ihr es, denn heute ist ein Schabbat des HERRN, und ihr werdet es nicht auf dem Feld finden.
שֵׁשֶׁת יָמִים תִּלְקְטֻהוּ וּבַיּוֹם הַשְּׁבִיעִי שַׁבָּת לֹא יִהְיֶה־בּוֹ׃
schéschet jamím tilketúhu uwajom haschewi'í schabbát lo jihje-bó
26 Sechs Tage werdet ihr es sammeln, und am siebten Tag (am Schabbat) wird es an diesem Tag nicht da sein.“
וַיְהִי בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי יָצְאוּ מִן־הָעָם לִלְקֹט וְלֹא מָצָאוּ׃
wajhí bajom haschewi'í jaze'ú min-ha'am lilkót weló mazá'u
27 Und es war am siebten Tag, da gingen welche aus dem Volk hinaus, um zu sammeln, und fanden nichts.
Aber wer wären wir denn, wenn wir es nicht überprüfen würden? Es fanden sich doch Naturforscher-Experimentatoren. Trotzdem gab es solche, die beschlossen, es zu überprüfen, und am siebten Tag hinausgingen, um zu sammeln, und nichts fanden.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה עַד־אָנָה מֵאַנְתֶּם לִשְׁמֹר מִצְוֹתַי וְתוֹרֹתָי׃
wajomer adonáj el-mosché ad-ána me'antém lischmór mizwotáj wetorotáj
28 Und der HERR sprach zu Mosche: „Bis wann werdet ihr euch weigern, Meine Gebote und Meine Tora zu halten?
רְאוּ כִּי־יְהוָה נָתַן לָכֶם הַשַּׁבָּת עַל־כֵּן הוּא נֹתֵן לָכֶם בַּיּוֹם הַשִּׁשִּׁי לֶחֶם יוֹמָיִם שְׁבוּ אִישׁ תַּחְתָּיו אַל־יֵצֵא אִישׁ מִמְּקֹמוֹ בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי׃
re'ú ki-adonáj natán lachém haschabbát al-kén hu notén lachém bajom haschischí léchem jomaíim schewú isch tachtáw al-jéze isch mimmekomó bajom haschewi'í
29 Seht, der HERR hat euch doch den Schabbat gegeben, dafür hat Er euch am Freitag Brot für zwei Tage gegeben; sitzt jeder an seinem Platz (sitzt jeder in seiner Wohnung), und kein Mensch soll am siebten Tag aus seiner Wohnung hinausgehen.“
Erinnert ihr euch, als wir über die Ägypter lasen, sagten wir, dass jeder an seinem Platz saß. Sitzt, sozusagen, ruhig, an eurem Platz. Selbstverständlich ist das kein allgemeines Verbot, am Schabbat aus dem Haus zu gehen. Wir gehen am Schabbat in die Synagoge, wir gehen am Schabbat zu Besuch. Aber hier ist gemeint, dass man nicht herumzappeln, nicht hektisch sein und sich am siebten Tag keine Nahrung suchen soll.
וַיִּשְׁבְּתוּ הָעָם בַּיּוֹם הַשְּׁבִעִי׃
wajischbetú ha'ám bajom haschewi'í
30 Und das Volk stellte am siebten Tag alle Arbeit ein („schabbatete“).
וַיִּקְרְאוּ בֵית־יִשְׂרָאֵל אֶת־שְׁמוֹ מָן וְהוּא כְּזֶרַע גַּד לָבָן וְטַעְמוֹ כְּצַפִּיחִת בִּדְבָשׁ׃
wajikre'ú wet-jisraél et-schemó man wehú keséra gad lawán weta'mó kezappichít bidwásch
31 Und das Haus Israel nannte es „Man“, und es gleicht Koriandersamen, und sein Geschmack ist wie Teig, in Honig gebraten (nicht ganz Teig, in Honig gebraten, sondern Honigteig).
Wet-jisraél, Haus Israel – das ist eine übliche Bezeichnung für die Frauen, so wird es gelesen. Wenn man einen Mann fragen will, wie es um die Gesundheit seiner Frau steht, sagt man: „Ma ba-bejtó?“ ‒ „Wie ist es bei dir zu Hause?“ Sowohl das Haus eines Menschen als auch die Frau eines Menschen werden sein „Haus“ genannt, denn die Frau baut das Haus, wie man sagt: „Die Weisheit der Frau baut das Haus.“ Und die Frauen nannten dieses Brot Man. Das Wort Manna, das ihm in der russischen Sprache entspricht, Manna vom Himmel ‒ das ist eine Schöpfung jüdischer Frauen, die schon fast dreieinhalbtausend Jahre alt ist. Kleine Kügelchen, der Form nach dem Koriandersamen ähnlich, aber der Farbe nach weiß, wie darüber im Talmud gesagt wird. Andere sagen: dem Aussehen nach ist Man dunkelrot, dem Aussehen nach gleicht es Leinsamen. Es gibt viel Streit über die Farbe des Man, aber irgendwie wird es traditionell mit Weiß verbunden, vielleicht deshalb, weil es Raureif gleicht.
Hier passt es, sich an die tatarische und sonstige orientalische Süßigkeit zu erinnern, die Tschak-Tschak heißt, Teigstückchen, in Fett ausgebacken, mit Honigsirup, oder in noch größerem Maße an das jüdische Gericht Teiglach – Teigkügelchen, in Zucker-Honig-Sirup gekocht. Wenn ihr euch den Geschmack des Man vorstellen wollt, dann sind Tschak-Tschak, oder Teiglach, oder Chworost, der in Honig gebraten wird, ungefähr das. Obwohl die Midraschim sagen, wir werden das noch berühren, dass im Man alle Geschmäcker waren, jeder Mensch konnte den Geschmack bekommen, den er wollte. Manche fügten hinzu: jeden Geschmack, den ein Mensch will, außer dem Geschmack von Zwiebel und Knoblauch, weil es dem Höchsten irgendwie unangenehm ist, Zwiebel und Knoblauch zu erschaffen. Man sagte auch noch: und der Geschmack von Radieschen – auch nicht. Kurz, die Kindheit, die in den Rabbinern weiterlebte, schloss aus dem Geschmack des Man das aus, was ihnen nicht gefiel: Zwiebel, Knoblauch, GrießbreiGrießbrei heißt auf Russisch „Mannabrei“ – das Wort klingt wie das Manna, um das es hier geht. Dieses Wortspiel lässt sich im Deutschen nicht nachbilden., vielleicht Buchweizenbrei ‒ wer was nicht mag. Und umgekehrt, dem Man alle Geschmäcker zuzuschreiben, die wir nur wollen. Aber die Tora sagt ziemlich klar, dass sein Geschmack „wie der Geschmack von Teig in Honig“ ist. Da ist Tschak-Tschak ein sehr gutes Beispiel, Teiglach (das Rezept ist nicht schwer zu finden, wenn es jemand will) ‒ auch kein schlechtes Beispiel, das heißt ein nicht allzu süßes Törtchen, Gebäck mit Honig.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה זֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה מְלֹא הָעֹמֶר מִמֶּנּוּ לְמִשְׁמֶרֶת לְדֹרֹתֵיכֶם לְמַעַן יִרְאוּ אֶת־הַלֶּחֶם אֲשֶׁר הֶאֱכַלְתִּי אֶתְכֶם בַּמִּדְבָּר בְּהוֹצִיאִי אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajomer mosché se haddawár aschér ziwwá adonáj meló ha'ómer mimménnu lemischméret ledorotechém lemá'an jir'ú et-halléchem aschér he'echálti etchém bammidbár behozi'í etchém me'érez mizrájim
32 Und Mosche sprach: „Das ist es, was der HERR geboten hat (das ist das Wort, das der HERR geboten hat): Füllt einen Omer (sammelt einen Omer) davon, vom Man, zum Gedenken für die Generationen, damit sie das Brot sehen, mit dem Ich euch in der Wüste gespeist habe, als Ich euch aus Ägypten herausführte.“
Das heißt, stellt der Manna vom Himmel ein Denkmal aus Manna vom Himmel auf. Der HERR gebietet, das Man, einen Omer vom Man, aufzubewahren, damit alle sehen können, wie dieses Brot aussieht. Das ist interessant, ja? Das heißt, der Höchste sagt nicht einfach, dass das ein Zeugnis dafür sein soll, dass „Ich euch herausgeführt habe“, – nein, damit man nicht nur weiß, dass es dieses Brot gab, sondern auch sieht, wie es aussieht, dieses Brot, „mit dem Ich, der HERR, euch bei eurem Auszug aus Ägypten gespeist habe“.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן קַח צִנְצֶנֶת אַחַת וְתֶן־שָׁמָּה מְלֹא־הָעֹמֶר מָן וְהַנַּח אֹתוֹ לִפְנֵי יְהוָה לְמִשְׁמֶרֶת לְדֹרֹתֵיכֶם׃
wajomer mosché el-aharón kach zinzénet achát weten-schámma melo-ha'ómer man wehannách otó lifné adonáj lemischméret ledorotechém
33 Mosche sprach zu Aharon: „Nimm irgendein Gefäß (wir wissen nicht, was das in jenen Zeiten bedeutete), und lege dort den ganzen (vollen) Omer Man hinein, und stelle es vor den HERRN, zum Gedenken für alle eure Generationen (zur Aufbewahrung für alle eure Generationen).
Zinzénet bedeutet im modernen Iwrit Glas, ein Einmachglas, in dem man saure Gurken verkauft (eine Blechdose ist übrigens auch Zinzénet). Die ersten, sozusagen, Konserven – ein Glas mit Man, das aufbewahrt werden und, auf Geheiß des Höchsten an Mosche und Aharon, vor den HERRN gestellt werden und ständig bei Israel sein wird, zur Erinnerung für alle Generationen. Leider haben wir um unserer vielen Sünden willen dieses Glas jetzt nicht, und wir können nicht sehen, wie dieses wunderbare Brot aussah.
כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וַיַּנִּיחֵהוּ אַהֲרֹן לִפְנֵי הָעֵדֻת לְמִשְׁמָרֶת׃
ka'aschér ziwwá adonáj el-mosché wajannichehu aharón lifné ha'edút lemischmáret
34 Wie der HERR Mosche geboten hatte, und Aharon stellte es ab vor dem Zeugnis (anstelle des Zeugnisses, oder vor dem HeiligenIm Russischen ist „Heiligen“ großgeschrieben und kann den Heiligen (Gott) oder das Heilige (den heiligen Ort) meinen. Das Deutsche lässt beides offen.) zur Aufbewahrung.
וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל אָכְלוּ אֶת־הַמָּן אַרְבָּעִים שָׁנָה עַד־בֹּאָם אֶל־אֶרֶץ נוֹשָׁבֶת אֶת־הַמָּן אָכְלוּ עַד־בֹּאָם אֶל־קְצֵה אֶרֶץ כְּנָעַן׃
uwné jisraél achelú et-hammán arba'ím schaná ad-bo'ám el-érez noscháwet et-hamman achelú ad-bo'ám el-kezé érez kená'an
35 Die Söhne Israels aßen das Man 40 Jahre lang, bis sie in das Gelobte Land kamen; sie aßen das Man so lange, bis sie an den Rand (die Grenze) des kanaanäischen Landes kamen.
וְהָעֹמֶר עֲשִׂרִית הָאֵיפָה הוּא׃
weha'ómer assirít ha'efá hu
36 Der Omer aber – das ist der zehnte Teil eines Efa.
Das ist gleichsam eine Anmerkung, ein Abschluss zum Text, damit wir verstehen, was ein Ómer ist. Dem heutigen Leser sagt das wenig, weil er weder weiß, was ein Ómer ist, noch was ein Efá ist. Efá – das ist ein großer Eimer. Beim Propheten Secharja passt in so einen Eimer, nur einen fliegenden, eine ganze Frau. Sie sitzt darin wie die Baba Jaga im Mörser. Aber Secharja ist eine eigene Geschichte.
Diesen Kampf vergisst man nimmermehr
Schemot 17,1–16
Die Wanderungen des Volkes Israel durch die Wüste gehen weiter, und mit ihnen gehen auch die Abenteuer weiter.
וַיִּסְעוּ כָּל־עֲדַת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מִמִּדְבַּר־סִין לְמַסְעֵיהֶם עַל־פִּי יְהוָה וַיַּחֲנוּ בִּרְפִידִים וְאֵין מַיִם לִשְׁתֹּת הָעָם׃
wajis'ú kol-adát bene-jisraél mimmidbar-sín lemas'ehém al-pí adonáj wajachanú birfidím we'én májim lischtót ha'ám
1 Und die ganze Gemeinde der Söhne Israels brach aus der Wüste Sin auf zu ihrer Reise (zu ihren Wanderungen) nach dem Wort des HERRN. Und sie machten Halt an einem Ort, der Refidim heißt, und das Volk hat kein Wasser zu trinken.
Tatsächlich wird im Wochenabschnitt Mas'ej (Buch Bemidbar 33,12–14), wo alle Lagerplätze aufgezählt werden, gesagt werden, dass das Volk Israel noch zwei Lagerplätze aufsuchte, Dofká und Alúsch, aber von ihnen wird nicht die Rede sein, weil dort nichts so Ungewöhnliches geschah. Wir springen über sie hinweg und gelangen mit dem Volk Israel sofort an den Ort, der Refidim heißt. Es gibt sehr viele Versuche, diesen Ort zu finden, diesen Ort zu bestimmen. Wichtig wird für uns hier sein, dass eine der Lesarten des Namens Refidim von den Wörtern – rafím (schwach werdend) und jadajim (Hände) herkommen kann, das heißt herabgesunkene, geschwächte Hände. Das Sinkenlassen der Hände, so kann man den Namen dieses Ortes übersetzen.
Hier, wenn man wörtlich übersetzt: und es gibt kein Wasser trinken das Volk. Richtiger wäre es, lischtót le'ám statt lischtót ha'ám zu sagen. Aber dennoch wird ein solcher Ausdruck verwendet, wenn jemand als verpflichtet gilt, dem Volk zu trinken zu geben: „Wer das Volk durch die Wüste führt, wer das Volk führen ‒ der es auch trinken“, ungefähr so kann man es übersetzen.
Also, das Volk ist in einem Zustand, der én májim lischtót (nichts zu trinken) heißt. Wie wir schon wissen, ist diese Situation einerseits für die Wüste gewöhnlich, sie wird sich später noch in Kadesch wiederholen, und sie wird sich auch weiter wiederholen. Das ist durchaus so eine, sagen wir mal, Routine-, eine Standardsituation: kein Wasser. Und andererseits, auch wenn die Situation Standard ist, trinken muss man ja, das Volk geht mit Kindern, mit Vieh, und das alles ist sehr schwer. Es ist schwer, in einer solchen Situation den Glauben zu bewahren, sehr schwer, den Glauben zu bewahren, und auch dem Volk gelingt es nicht.
וַיָּרֶב הָעָם עִם־מֹשֶׁה וַיֹּאמְרוּ תְּנוּ־לָנוּ מַיִם וְנִשְׁתֶּה וַיֹּאמֶר לָהֶם מֹשֶׁה מַה־תְּרִיבוּן עִמָּדִי מַה־תְּנַסּוּן אֶת־יְהוָה׃
wajárew ha'ám im-mosché wajomerú tenu-lánu májim wenischté wajomer lahém mosché ma-teriwún immadí ma-tenassún et-adonáj
2 Und das Volk haderte mit Mosche, und sie sagten: „Gebt uns Wasser, und wir werden trinken!“ Und Mosche sagte zu ihnen: „Was zankt ihr euch denn mit mir, warum stellt ihr den HERRN auf die Probe?“
Im ganzen Kapitel wird sich viermal die Verbindung larív (sich streiten, sich zanken) – lenassót (auf die Probe stellen) wiederholen. Das Wort larív kommt von raw – in viele Teile zersplittern, an Größe zunehmen, groß werden oder, anders gesagt, in viele Teile zerfallen. Das heißt, das Volk stellte sich Mosche entgegen und stellte damit den HERRN auf die Probe.
וַיִּצְמָא שָׁם הָעָם לַמַּיִם וַיָּלֶן הָעָם עַל־מֹשֶׁה וַיֹּאמֶר לָמָּה זֶּה הֶעֱלִיתָנוּ מִמִּצְרַיִם לְהָמִית אֹתִי וְאֶת־בָּנַי וְאֶת־מִקְנַי בַּצָּמָא׃
wajizmá scham ha'ám lammájim wajálen ha'ám al-mosché wajomer lámma se he'elitánu mimmizrájim lehamít otí we'et-banáj we'et-miknáj bazzamá
3 Und das Volk dürstete dort nach Wasser, und das Volk beklagte sich bei Mosche und sagte: „Wozu hast du uns aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Söhne und mein Vieh durch Durst zu töten?“
Wieder „das alte Lied vom Wichtigsten“: Das Volk fürchtet den Tod, das Volk fürchtet, dass Gott sie im Stich lässt, dass Mosche sie umsonst in diese Beziehung mit dem Höchsten hineingezogen hat, dass sie jetzt einfach alle sterben werden. Jeder machte gleichsam Mosche Vorwürfe und sagte: „Wozu hast du mich in diese Sache hineingezogen, damit jetzt ich und meine Söhne und mein Vieh hier vor Durst sterben?“ Genauso wie es dem Volk schwerfällt, den Glauben zu bewahren, genauso fällt es auch Mosche schwer, die Duldsamkeit zu bewahren, es fällt ihm schwer, die Liebe zum Volk zu bewahren, obwohl Mosche einer der bescheidensten Menschen genannt wird, der bescheidenste, der demütigste der Menschen. Und Mosche schreit zum HERRN.
וַיִּצְעַק מֹשֶׁה אֶל־יְהוָה לֵאמֹר מָה אֶעֱשֶׂה לָעָם הַזֶּה עוֹד מְעַט וּסְקָלֻנִי׃
wajiz'ák mosché el-adonáj lemór ma e'essé la'ám hasse od me'át uskalúni
4 Und Mosche schrie (rief laut auf) zum HERRN und sagte: „Was soll ich mit diesem Volk tun? Noch ein klein wenig, und sie steinigen mich (sie bringen mich hier um)!“
Man kann darin einfach einen Durst nach Anweisungen sehen: „Wie soll ich mit ihnen reden? Lehre mich.“ Aber hier gibt es eine gewisse Unduldsamkeit, eine Müdigkeit von diesem Volk: „Wie lange kann man es noch ertragen? So bringen sie mich noch um.“
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה עֲבֹר לִפְנֵי הָעָם וְקַח אִתְּךָ מִזִּקְנֵי יִשְׂרָאֵל וּמַטְּךָ אֲשֶׁר הִכִּיתָ בּוֹ אֶת־הַיְאֹר קַח בְּיָדְךָ וְהָלָכְתָּ׃
wajomer adonáj el-mosché awór lifné ha'ám wekách ittechá missikné jisraél umattechá aschér hikkíta bo et-haj'ór kach bejadechá wehaláchtaDie russische Umschrift hat hier zwei Schreibfehler (ein w statt b bei „bo“ und ein fehlender Vokal im letzten Wort). Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text.
5 Der HERR spricht zu Mosche: „Geh vor dem Volk vorüber und nimm die Greise Israels mit dir (versammle die Ältesten Israels), und deinen Stab, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, nimm mit dir, und geh.
Mosche versammelt die Ältesten des Volkes. Über die Ältesten kann man mit dem Volk in Verbindung treten, 70 Älteste können gemeinsam die Kunde verbreiten und anfangen zu helfen, das Volk zu beruhigen. Das heißt, Mosche stellt in diesem Fall ein Team von Menschen zusammen, die unter dem Volk dienen, Nachrichten verbreiten werden. Also, Mosche soll gehen und den Stab mitnehmen. Und der Höchste sagt weiter:
הִנְנִי עֹמֵד לְפָנֶיךָ שָּׁם עַל־הַצּוּר בְּחֹרֵב וְהִכִּיתָ בַצּוּר וְיָצְאוּ מִמֶּנּוּ מַיִם וְשָׁתָה הָעָם וַיַּעַשׂ כֵּן מֹשֶׁה לְעֵינֵי זִקְנֵי יִשְׂרָאֵל׃
hinení oméd lefanécha scham al-hazzúr bechoréw wehikkíta wazzúr wejazeú mimménu májim weschatá ha'ám wajá'as ken mosché le'ené sikné jisraél
6 Und siehe, Ich werde dort vor dir stehen, auf dem Felsen in Choreb, und du wirst auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser aus ihm herauskommen, und das Volk wird trinken.“ Und Mosche tat so vor den Augen der Ältesten Israels.
Das heißt, der Höchste selbst wird Seine Herrlichkeit offenbaren – ob als Wolke, ob als Licht, ob auf irgendeine andere Weise, von der wir nichts wissen. Man hat mich einmal gefragt: „Wie sprach der HERR mit Mosche?“ Wir wissen nicht, wie der HERR mit Mosche sprach, wir wissen nur, dass von Angesicht zu Angesicht. Das heißt, Mosche sah manchmal auch Gott, hörte manchmal auch eine Stimme. Wie war das? War das eine innere Stimme? Erschien neben ihm ein Engel, oder kam die Stimme von irgendeinem Punkt neben ihm? Es gibt sehr viele Versionen dazu, aber niemand weiß es. Ich denke, dass das Hören der Stimme das Bewusstsein Mosches so sehr veränderte, dass er außerhalb des Körpers war, und das zu beschreiben ist schwer. Wobei der HERR Mosche auch in leiblicher Gestalt erschien, und das geschah „vielmals und auf vielerlei Weise“ (wie der Brief an die Hebräer sagt). Das heißt, auf viele verschiedene Weisen: Es begann alles mit dem brennenden Busch, und es gab eine Stimme, und es gab eine Wolke, und auf vielen verschiedenen Wegen sprach der HERR mit Mosche (wie Er auch mit jedem von uns oft spricht, selbstverständlich auf einer ganz anderen Ebene).
Also, der Höchste befahl Mosche, eine Volkskommission einzuberufen, eine Delegation der Ältesten Israels. In Gegenwart der Ältesten (gewöhnlich sagt man, dass es siebzig Älteste waren), in Gegenwart der siebzig Ältesten oder aller Ältesten, schlug Mosche, nachdem er den Rat der Aksakale versammelt hatte, auf den Felsen, damit Wasser aus ihm herauskam. Alle sahen das, alle konnten bezeugen und sich daran erinnern, dass der Höchste Wasser gibt, dass Mosche die Vollmacht haben kann, dieses Wasser aus dem Felsen zu holen. Wir wissen nicht, ob die Greise Gott sahen, der auf dem Felsen stand, darüber kann man nichts sagen. Aber Mosche schlug vor allen auf den Felsen, und das Wasser, das aus ihm herauskam, sahen alle.
וַיִּקְרָא שֵׁם הַמָּקוֹם מַסָּה וּמְרִיבָה עַל־רִיב בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְעַל נַסֹּתָם אֶת־יְהוָה לֵאמֹר הֲיֵשׁ יְהוָה בְּקִרְבֵּנוּ אִם־אָיִן׃
wajikrá schem hammakóm massá umriwá al-ríw bene jisraél we'ál nassotám et-adonáj lemór hajésch adonáj bekirbénu im-ajin
7 Und dieser Ort wurde „Prüfung und Streit“ genannt, wegen des Streits der Söhne Israels, deswegen, weil sie den HERRN auf die Probe stellten, indem sie sagten: „Ist der HERR uns nahe oder nicht?“
Meriwá – das ist Auseinandersetzung, Streit, massá – das ist Prüfung. Wie stellten sie den HERRN auf die Probe? Obwohl das nicht direkt gesagt wird, wird hier gleichsam ein Fazit gezogen: Was dachten sie denn wirklich, als sie sich bei Mosche beklagten, als sie murrten? Sie stellten den HERRN auf die Probe, um zu prüfen: Kann der HERR unter uns wirken oder nicht? Deswegen wurde der Ort auch massá umriwá (Prüfung und Streit) genannt. Wenn ein Streit geschieht, wenn eine Zersplitterung in Israel geschieht, macht das Israel sofort schwach und verwundbar. Deshalb lesen wir im 8. Vers:
וַיָּבֹא עֲמָלֵק וַיִּלָּחֶם עִם־יִשְׂרָאֵל בִּרְפִידִם׃
wajawó amalék wajilláchem im-jisraél birfidím
8 Und es kam Amalek und kämpfte mit Israel in Refidim.
Amalék – das ist der Name eines Volkes. Das Volk Amalék – das sind die Nachkommen Amaleks, des Sohnes von Elifas, des Enkels Esaws. Das heißt, Amalék – das sind die Nachkommen Esaws, ebenfalls Semiten. Das ist ein Volk, das sowohl in der Gegend von Sch'chem lebte (wie wir später erfahren werden) als auch im ganzen Land Kanaan, und hauptsächlich im Süden. Ein Volk, das sich mit Viehzucht und Banditentum beschäftigte. Auch das wissen wir aus anderen Büchern der Tora. In äußeren Quellen gibt es keine Erwähnung von Amalék, nur die Tora spricht von ihm, genauer gesagt, die Tora und der Tanach. Wir wissen, dass dieses Volk ein Nomadenvolk war, dass es ein kriegerischer Stamm war, der sich mit Raub und Handel beschäftigte. Das heißt, wo sie konnten, trieben sie selbst Handel, und wo jemand zu konkurrieren versuchte, da würgten sie die Sache ab. Das Volk Amalék lebte sehr weit von dem Ort entfernt, an dem alle beschriebenen Ereignisse geschehen. Deshalb heißt es hier, im 8. Vers, auch wajawó amalék, was und es kam Amalék bedeutet. Einige Kommentatoren sagen, dass er 800 Kilometer zurücklegte, einige sagen 1200 Kilometer. Das heißt, Amalék wird von Hass getrieben, getrieben vom Wunsch, seine Macht zu bewahren, seine Fähigkeit, die Region zu kontrollieren, und er versucht anzugreifen, das Volk Israel in seine Gewalt zu bringen. Erstens, um es auszuplündern: Das Volk geht, wie wir wissen, nicht mit leichtem Gepäck, es hat „Goldkram-Kleinkram“, den es aus Ägypten mitgenommen hat, es hat gesunde Männer, die man zu Sklaven machen kann, Vieh, das man wegnehmen kann. Kurz, für normale Banditen gibt es da etwas zu holen. Außerdem hat Esaw eine alte, uralte Feindschaft mit dem Volk Israel. Und obwohl sie, kann man sagen, Cousins vierten, fünften Grades sind, können sie es sich durchaus erlauben, Israel anzugreifen.
Interessant ist, dass im 14. Kapitel des Buches Bereschit, noch bevor Amalék überhaupt in Planung war, als Awraham noch lebt und mit den Königen Krieg führt, dort gesagt wird, dass die Könige durch das Feld Amaléks zogen. Daraus wird der Schluss gezogen, dass Amalék möglicherweise schon an einem Ort geboren wurde, der Amalék heißt. Über Amalék wird auch gesagt, dass er der Erste der Völker ist, der Erstgeborene aller Völker, das älteste Volk, das sich in der Region herausgebildet hat. Davon spricht Bil'am in seiner Prophetie (Buch Bemidbar 24,20). Das heißt, das sind die Ureinwohner, die Aborigines, die von Rechts wegen hier sind („euch gab es hier gar nicht“). Kurz, sie haben einen Haufen verschiedenster Interessen. Sie kommen von weit her, um fern von ihren Grenzen jede Alternative zu ihrer Macht, ihrer Staatlichkeit (oder ihrem Chaos) in der Region im Keim zu zerschlagen.
Also, Amalék kam von weit her, um mit Israel in Refidim zu kämpfen. Ich wiederhole, dass man Refidim als herabgesunkene Hände verstehen kann, obwohl diese Deutung eine bildliche ist. Das Volk Israel bereitet sich auf seinen ersten Krieg vor, das ist der erste und entscheidende Kampf des Volkes Israel. Und so geschieht es.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־יְהוֹשֻׁעַ בְּחַר־לָנוּ אֲנָשִׁים וְצֵא הִלָּחֵם בַּעֲמָלֵק מָחָר אָנֹכִי נִצָּב עַל־רֹאשׁ הַגִּבְעָה וּמַטֵּה הָאֱלֹהִים בְּיָדִי׃
wajomer mosché el-jehoschúa bechar-lánu anaschím wezé hillachém ba'amalék machár anochí nizzáw al-rósch haggiw'á umatté ha'elohím bejadí
9 Und Mosche sagte zu Jehoschua (dem Sohn Nuns): „Wähle uns Leute aus und geh, kämpfe mit Amalek! Morgen werde ich auf dem Gipfel des Hügels (der Anhöhe) stehen, und der Stab des Höchsten – in meinen Händen.“
Jehoschua ist hier noch nicht ausreichend vorgestellt, aber wir werden später darauf zurückkommen.
Diesen Kriegsplan arbeitet Mosche selbst aus. Hier gibt es das nicht, dass der Höchste ihm sagt, wie er vorgehen soll. Mosche kennt seinen Stab und dessen taktisch-technische Eigenschaften schon ein wenig. Und er sagt, dass er mit dem Stab auf dem Gipfel des Berges stehen wird. Jehoschua stellt die erste israelische Spezialeinheit der Geschichte zusammen. Er sammelt auserlesene Leute, um mit Amalek zu kämpfen.
וַיַּעַשׂ יְהוֹשֻׁעַ כַּאֲשֶׁר אָמַר־לוֹ מֹשֶׁה לְהִלָּחֵם בַּעֲמָלֵק וּמֹשֶׁה אַהֲרֹן וְחוּר עָלוּ רֹאשׁ הַגִּבְעָה׃
wajá'as jehoschúa ka'aschér amar-ló mosché lehillachém ba'amalék umosché aharón wechúr alú rosch haggiw'á
10 Und Jehoschua tat, wie Mosche ihm gesagt hatte, um mit Amalek zu kämpfen, und Mosche, Aharon und Chur stiegen auf den Gipfel des Hügels.
Einige Kommentatoren sagen, dass Chur ‒ der Sohn Kaléws ist. Es gibt verschiedene Vermutungen darüber, wer Chur ist: Es gibt eine Version in Diwre haJamim, es gibt noch einige Quellen dazu. Zum Beispiel sagt Josef ben Matitjahu (Flavius Josephus), dass er der Mann Mirjams ist, also der Schwager von Mosche und Aharon.
וְהָיָה כַּאֲשֶׁר יָרִים מֹשֶׁה יָדוֹ וְגָבַר יִשְׂרָאֵל וְכַאֲשֶׁר יָנִיחַ יָדוֹ וְגָבַר עֲמָלֵק׃
wehajá ka'aschér jarím mosché jadó wegawár jisraél wecha'aschér janíach jado wegawár amalék
11 Und es geschah, wenn Mosche seine Hand hob, dann siegte Israel, und wenn er die Hand sinken ließ, dann siegte Amalek.
Das heißt, wenn die Ereignisse ihren natürlichen Lauf nahmen, dann siegte Amalek, da auf seiner Seite die kriegerische Überlegenheit war. Aber wenn Mosche eingriff, indem er die Hand mit dem Stab hob, dann siegte Israel.
וִידֵי מֹשֶׁה כְּבֵדִים וַיִּקְחוּ־אֶבֶן וַיָּשִׂימוּ תַחְתָּיו וַיֵּשֶׁב עָלֶיהָ וְאַהֲרֹן וְחוּר תָּמְכוּ בְיָדָיו מִזֶּה אֶחָד וּמִזֶּה אֶחָד וַיְהִי יָדָיו אֱמוּנָה עַד־בֹּא הַשָּׁמֶשׁ׃
widé mosché kewedím wajikchu-éwen wajassímu tachtáw wajéschew aléha we'aharón wechúr tamechú wejadáw missé echád umissé echád wajhí jadáw emuná ad-bó haschámesch
12 Aber die Hände Mosches sind schwer, und sie nahmen einen Stein (einen ziemlich großen Stein) und legten ihn unter ihn, und er setzte sich auf ihn (auf sie, das Wort Stein ist im Hebräischen weiblich). Aharon und Chur stützen seine Hände, einer von der einen Seite, einer von der anderen Seite. Und seine Hände waren Glaube bis zum Untergang der Sonne.
Es ist schwer, die erhobenen Hände mit dem Stab zu halten, das weiß jeder, der auch nur versucht hat, einfach die Hände erhoben zu halten.
Einen sehr interessanten Satz haben wir hier angetroffen: wajhí jadáw emuná (und seine Hände waren Glaube). Das Wort emuná bedeutet Glaube. Wörter mit derselben Wurzel: lehit'amén (sich üben); umán (Meister); omanút (Kunst); ne'emanút (Würde, Treue). Und auch das Wort amén (Amen), das wir sagen, ist mit dem Wort Glaube verbunden. Worin liegt der Kern, warum ist die Kunst mit dem Glauben verbunden? Ein kunstfertiger Meister, ein kunstfertiger Töpfer macht ein Gefäß, das fest steht, nicht wackelt, nicht schwankt. Die Fähigkeit, standhaft zu sein, fest zu sein, ist mit dem Glauben verbunden. Die Hände Mosches waren wie aus Eisen, als Aharon und Chur sie stützten. Das ist Glaube, das ist Unerschütterlichkeit, Standhaftigkeit, Beharrlichkeit, langes Verharren in Unbeweglichkeit, trotz der Müdigkeit, trotz der Einwirkung irgendwelcher äußerer Kräfte. Lehit'amén (trainieren) ‒ das heißt eigentlich, genau diese Eigenschaften zu erwerben; amen, amen (wahrlich, wahrlich) – das bedeutet standhaft, beständig, das heißt, ich sage irgendwelche Dinge, die sich unter dem Druck der Umstände nicht ändern werden, unter dem Druck irgendwelcher äußerer oder innerer Faktoren. Standhaftigkeit ist die Fähigkeit, weiterhin an dem festzuhalten, worin du verharrst, an deinen Prinzipien, deinen Eigenschaften. Das ist im Grunde eben der Glaube. Somit: Glaube ist ein Prozess, nicht nur die Fähigkeit, nicht zu schwanken, nicht von dem abzuweichen, was du auf dich genommen, angenommen hast, sondern auch die Verwirklichung dieser Fähigkeit. Das ist natürlich nur eine der Schichten des Verständnisses.
Sehr, sehr vieles kann man über den Glauben sagen. Man kann sagen, dass der Glaube mit dem Wort omná – Lehrmeister sein für jemanden – verbunden ist. Glaube ist ein Verharren in ständiger Schülerschaft und unter ständiger Anleitung von jemandem. Und dann kann man sagen, dass Aharon und Chur die Hände Mosches halten oder gleichsam anleiten, ihn stützen. Auch so kann man es verstehen. Kurz, ein sehr umfassendes, starkes Wort, Glaube, das hier zum ersten Mal als Substantiv gebraucht wird.
וַיַּחֲלֹשׁ יְהוֹשֻׁעַ אֶת־עֲמָלֵק וְאֶת־עַמּוֹ לְפִי־חָרֶב׃
wajachalósch jehoschúa et-amalék we'et-ammó lefi-chárew
13 Und Jehoschua schwächte Amalek und sein Volk mit dem Schwert.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה כְּתֹב זֹאת זִכָּרוֹן בַּסֵּפֶר וְשִׂים בְּאָזְנֵי יְהוֹשֻׁעַ כִּי־מָחֹה אֶמְחֶה אֶת־זֵכֶר עֲמָלֵק מִתַּחַת הַשָּׁמָיִם׃
wajomer adonáj el-mosché ketów sot sikkarón basséfer wesím be'osné jehoschúa ki-machó emché et-sécher amalék mittáchat haschamájim
14 Und der HERR sagte zu Mosche: „Schreib dies zum Gedenken in einem Buch auf und lege es in die Ohren Jehoschuas (unterweise Jehoschua darin), denn mit Auslöschen werde Ich das Andenken Amaleks unter dem Himmel auslöschen (merkt euch, dass Ich das Andenken an ihn vernichten werde; denkt daran, das Andenken an ihn zu vernichten).“
Immer wenn ich davon spreche, erinnere ich mich: Sehr viele Armeen, sehr viele Völker haben im Laufe der langen Geschichte des Volkes Israel Israel angegriffen. Sehr viele Völker haben Juden in Friedenszeiten getötet, verbrannt, ertränkt, abgeschlachtet. Im Vergleich zu ihnen ist Amalek nur so ein erbärmlicher Clown. Warum spricht der Höchste so über Amalek? Weil Amalek der Erste war, der begriff, dass man Israel angreifen kann, er ist der Erstgeborene unter den Gegnern Israels, der Erste unter den Völkern, der sich entschloss, gegen Israel Krieg zu führen. Raschi (Rabbi Schlomo Jizchaki) führt das Beispiel mit einem Becken an, in dem sehr heißes Wasser ist, die Leute wagen nicht, dort einzutauchen. Und plötzlich kam einer, plumpste mit Anlauf hinein, und man sieht, dass er nicht gestorben ist, und dann stiegen auch andere hinein. Amalek war der Erste, der bewies, dass ein Krieg gegen Israel überhaupt möglich ist, der Erste, der den Krieg gegen Israel erfand (der Erste, versteht sich, nach dem Pharao, nach dem Auszug aus Ägypten). Der erste Antisemit, wenn auch semitischer Herkunft. Möglicherweise auch nicht von Ideologie getrieben, möglicherweise, wie viele sagen, „das vollkommene Böse“. Amalek wollte nicht Israel vernichten, sondern gerade den göttlichen Plan vernichten, er war gerade mit Gott verfeindet und nicht mit dem Volk. Aber im einfachen Sinn, auf der einfachen Ebene, denke ich, dass Amalek sich nicht allzu sehr für Mystik oder Ideologie begeisterte, sondern einfach leichte, zugängliche Beute suchte und dachte, dass es toll ist, das unerwartet reich gewordene Volk Israel ein bisschen auszuplündern, und die ehemaligen Sklaven, die die Sklaverei gelernt haben, in die Sklaverei zurückzubringen – das ist doppelt toll.
וַיִּבֶן מֹשֶׁה מִזְבֵּחַ וַיִּקְרָא שְׁמוֹ יְהוָה נִסִּי׃
wajíwen mosché misbéach wajikrá schemó adonáj nissí
15 Mosche aber baute einen Altar und nannte ihn „Der HERR ‒ mein Banner (Der HERR ‒ meine Flagge)“.
Aber interessant ist, dass das Wort nes, nissí (Banner, mein Banner) der Wurzel nach dem Wort lenassót (auf die Probe stellen) sehr nahe ist, und man kann so sagen: „Der HERR ‒ Mein Erprobter, Mein Bewährter. Ich bezeuge mit diesem Altar, dass der HERR einmal erprobt ist, dass Er erprobt, bewährt ist, und Er bedarf keiner Erprobung.“ Obwohl es verboten ist, Gott auf die Probe zu stellen, ist Er doch erprobt und bewährt.
וַיֹּאמֶר כִּי־יָד עַל־כֵּס יָהּ מִלְחָמָה לַיהוָה בַּעֲמָלֵק מִדֹּר דֹּר׃
wajomer ki-jád al-kés ja milchamá ladonáj ba'amalék middór dor
16 Und Mosche sagte: „Denn die Hand ist über dem Thron des Höchsten ausgestreckt (der Höchste hält die Hand beständig im Schwur), Krieg hat der HERR mit Amalek von Generation zu Generation.
Das heißt, der HERR schwört, dass dieser Krieg nicht aufhören wird. Einerseits bedeutet das, dass Er, solange es den HERRN gibt, mit Amalek Krieg führen wird. Andererseits bedeutet es auch etwas anderes: dass Amalek, solange er existiert, sich nicht mit der Existenz Israels abfinden wird, und solange man ihm nicht endgültig den Garaus macht, wird er gegen Israel Krieg führen. Heute ist es schwer zu sagen, wer Amalek ist. Eine Zeit lang wurden sehr unverdient, meiner Ansicht nach völlig unverdient, die Armenier Amalekiter genannt. Es gab eine Zeit, da nannte man die Spanier, die Franzosen, die Türken, die Deutschen Amalekiter, jetzt die Palästinenser. Und in letzter Zeit hat sich Amalek in der volkstümlichen Tradition, die politische Landkarte zu lesen, sozusagen, längst in den „Geist Amaleks“ verwandelt, der einfach wie eine rote Wanderfahne von Volk zu Volk zieht und sie mit Antisemitismus ansteckt. Und dennoch ist das irgendein Volk, das irgendwo existiert, wahrscheinlich, und der Höchste führt mit ihm einen unsichtbaren Kampf, und so wird es ewig weitergehen. Und das ist unser Gebot, wir werden das weiter lesen: Wenn wir in das Land kommen, wenn der Höchste uns Sicherheit vor allen unseren Feinden gibt, dann das Andenken Amaleks für immer auslöschen und das ja nicht vergessen.
Kurzer Überblick
Der Abschnitt Beschalach – das sind die Kapitel des Buches Schemot von 13,17 bis 17,16.
Alles beginnt damit, dass, als der Pharao das Volk aus Ägypten wegschickt, der Höchste Israel nicht durch das Land der Plischtim führt, weil das der nahe Weg ist, weil der HERR sagte: „Dass das Volk es nur nicht bereue, wenn es den Krieg sieht, und nach Ägypten zurückkehre.“ Lasst uns lesen.
פְּלִשְׁתִּים כִּי קָרוֹב הוּא כִּי אָמַר אֱלֹהִים פֶּן־יִנָּחֵם הָעָם בִּרְאֹתָם מִלְחָמָה וְשָׁבוּ מִצְרָיְמָה׃
wajhí beschallách par'ó et-ha'ám welo-nachám elohím dérech érez pelischtím ki karów hu ki amár elohím pen-jinnachém ha'ám bir'otám milchamá wescháwu mizrájma
17 Und es geschah, als der Pharao das Volk wegschickte, führte Gott sie nicht durch das Land der Plischtim, weil das ein naher Weg ist. Denn der HERR sagte: „Damit das Volk es sich nicht anders überlege, wenn es den Krieg sieht, und nach Ägypten zurückkehre.“
Und man kann versuchen zu verstehen, wovon dieser Vers spricht. Er beginnt damit, dass „der Pharao das Volk wegschickte“, und es ist ein bisschen unverständlich: Hat denn der Pharao die Juden aus Ägypten herausgeführt? Der HERR sagt in 12,17: „Ich habe euer Heer aus dem Land Ägypten herausgeführt“, und in Tehillim 114,1 heißt es: „Als Israel aus Ägypten auszog …“ Im einen Fall ist die handelnde Person der Höchste, im anderen Fall Israel. Und trotzdem ist es unverständlich: Was hat der Pharao hier damit zu tun? Und um wirklich zu verstehen, was der Pharao hier damit zu tun hat, lohnt es sich, ein wenig zurückzugehen, zum 1. Vers des 5. Kapitels.
אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל שַׁלַּח אֶת־עַמִּי וְיָחֹגּוּ לִי בַּמִּדְבָּר׃
weachár báu mosché weaharón wajomerú el-par'ó ko-amár adonáj elohé jisraél schallách et-ammí wejachóggu li bammidbár
1 Und danach (dann) kamen Mosche und Aharon und sagten zum Pharao: „So hat HaSchem gesagt, der Gott Israels: ‚Lass Mein Volk frei, und sie werden Mir in der Wüste ein Fest feiern.‘“
Mosche kommt zum Pharao und sagt zu ihm: „So hat der HERR gesagt: Lass frei, schick das Volk weg.“ Und es folgt die Antwort des Pharao im 2. Vers: „Ich kenne den HERRN nicht, ich werde nicht wegschicken.“ Und im Verlauf aller Dialoge zwischen Mosche und dem Pharao wiederholt sich siebenmal das Wort „ich werde wegschicken“, „schick weg“. Die Zahl sieben – das ist so eine nicht einfache Zahl in der Tora. Sieben bezeichnet viel, eine hinreichende Menge. Man kann finden: „es wird siebenmal so viel sein gegen unsere Sünden“, „siebenfach für eure Sünden“. Und auch in Tehillim: „siebenmal am Tag will ich Dich preisen“. Und Jeschua gebraucht das und sagt, dass man „bis siebenmal siebzigmal“ vergeben muss. Der Höchste wiederholt siebenmal Seine Forderung: „Schick mein Volk weg!“, die Forderung wiederholt sich. Und wir sehen, dass der Pharao jedes Mal sagt: „Ich werde nicht wegschicken.“ Und so sagt der Anfang dieses Wochenabschnitts, dass das Wort des Höchsten gesiegt hat. Genau davon zeugt die Tora: Als der Höchste gesiegt hatte, da schickte der Pharao das Volk weg.
Man muss auch den zweiten Teil des Verses verstehen: Warum führte der Höchste Israel nicht auf dem nahen Weg? Der Weg durch das Land der Plischtim – das ist ein sehr kurzer Weg: Man kann ihn in 10 Tagen oder in zwei Wochen zurücklegen. Unterwegs wird das Volk Israel so oder so kämpfen müssen: Das ist das Land der Plischtim, und das Volk des Landes hätte sie mit Krieg empfangen. Und Israel hätte sagen können: „Wir setzen uns jetzt einen Befehlshaber ein und kehren nach Ägypten zurück, wozu sollen wir hier kämpfen?“ Und außerdem war für Israel irgendeine Vorbereitung nötig, um nach Kanaan hineinzukommen. Und deshalb führte der Höchste Israel nicht auf dem kurzen Weg.
Noch eine Sache, die man verstehen muss. Als der Höchste den Juden das Man gibt, heißt es, dass Er es gibt, um das Volk zu prüfen. Worin besteht hier die Prüfung des Volkes? Es gibt verschiedene Ansätze zu dieser Frage.
Der erste sagt, dass das Man eine karge Speise ist und dass es in einer streng festgelegten Menge gegeben wird. Und in dieser Kargheit ist es sehr schwer, den Glauben zu bewahren.
Es gibt auch einen anderen Ansatz, man kann sagen, einen genau entgegengesetzten: Die Prüfung besteht darin, dass man sich nicht um die Nahrung sorgen muss. Wenn wir ein Leben leben, in dem es an nichts mangelt, und wir alles haben können, was wir wollen – wir haben Kleidung, Nahrung und alles, was der Mensch braucht –, wie soll man in einer solchen Lage, in einer solchen Situation den Glauben bewahren?
Es gibt auch noch einen dritten Ansatz. Der dritte Ansatz sagt, dass die Juden jeden Tag ihren Blick auf den Höchsten richten mussten. Sie konnten keinen Vorrat an Nahrung für zwei Tage, für drei Tage im Voraus bekommen. Jeden Tag musste man fragen, sich voller Hoffnung hinwenden: Wird der Höchste das Man geben oder nicht geben?
Solche drei Ansätze gibt es im Verständnis dieser Frage. Wir können von außen sagen, dass alle drei Ansätze richtig sind. Jeder Mensch hatte seine eigene Prüfung, abhängig von seinem Charakter. Jemand konnte der Versuchung erliegen, dass man sich nicht um die Zukunft sorgen muss, und wenn das so ist – wozu dann dem Höchsten dienen, das Man gibt es ja jeden Tag. Jemand anderes konnte der Versuchung erliegen, dass der Höchste karg ernährt, und dann den Glauben verlieren und aus dem Gehorsam gegenüber dem Höchsten heraustreten. Jemand konnte ausrutschen in Bezug auf die Beharrlichkeit, in Bezug auf die Notwendigkeit, sich jeden Tag wieder und wieder an den Höchsten zu wenden. Diese drei Prüfungen (und wahrscheinlich gab es noch irgendwelche anderen Varianten, jede für ihre Situation, jede für den einzelnen Menschen) sind nicht nur ein Examen, sondern zugleich auch eine Lektion. Man lehrt uns, mit solchen Situationen, mit solchen Versuchungen fertigzuwerden. Das ist natürlich nicht nur in Bezug auf den Auszug aus Ägypten aktuell. Jedes Mal, bei irgendwelchen Ereignissen, die in unserem Leben im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage geschehen, können wir darin eine Lektion des Vertrauens auf den Höchsten sehen, diese Lektion annehmen, diese Lektion mit Dankbarkeit durchlaufen, wie schwierig die Situation auch erscheinen mag.
Wir sehen, dass für die Juden, die aus Ägypten auszogen, die Erinnerung an Ägypten eine Versuchung war. Die Juden erinnern sich an die Kessel mit Fleisch, daran, dass sie bei den Kesseln mit Fleisch saßen, sich an Brot satt aßen. Und in diesem Zusammenhang überlegen die Kommentatoren, wie die Juden in Ägypten wirklich lebten: Was sind das für Kessel mit Fleisch?
Manche sagen, dass die Juden hauptsächlich Sklaven der königlichen Familie waren, und deshalb konnten sie auf dem Markt nehmen, was sie wollten, oder in den Gärten nehmen, was sie wollten, das heißt, sie verfügten über bestimmte Verbindungen und bestimmte Rechte. Andere sagen, dass die Juden tatsächlich Fleisch aus den Kesseln aßen, aber das war gestohlenes Fleisch. Warum sehnen sie sich dann zurück? Die einen sehnen sich nach ihrer Abstammung, nach ihren Rechten, besonderen Rechten, die sie in Ägypten hatten. Die anderen – nach ihrer Kenntnis der Welt, nach der Fähigkeit, in ihr zu leben und sich zurechtzufinden, denn auch ein Dieb muss sich in den Feinheiten auskennen, um ständig Fleisch stehlen zu können.
Und was können wir daraus für unser eigenes Leben verstehen? Wenn wir die Hektik unserer Welt verlassen, wenn wir uns Schätze im Himmel wählen, finden wir uns oft in einer neuen, für uns völlig unbekannten Welt wieder – in einer Welt, deren Natur wir nicht kennen, in der wir keine Verbindungen haben und nichts stehlen können. Und oft ruft das bei uns Sehnsucht hervor. Der alte Mensch in uns seufzt gleichsam und will in die Welt zurückkehren. Wenn wir den Auszug aus Ägypten betrachten, können wir diese Prozesse sehen und lernen, sie zu beobachten.
Drei Geschichten
Ich möchte hier über einige Verse aus unserem Wochenabschnitt Beschalach (13,17–17,16) sprechen.
Der Schabbat des Wochenabschnitts Beschalach (alle Schabbate, die auf diesen Abschnitt fallen) heißt Schabbát schirá, oder Schabbat des Liedes, Schabbat der Gesänge und Lobpreisungen, weil in diesem Wochenabschnitt, wie wir sehen, zwei Lieder enthalten sind: das Lied Mosches und das Lied Mirjams. Das Lied Mosches besteht aus 19 Versen (15,1–19). Nachdem Mosche sein Lied beendet hatte, lesen wir, dass Mirjam eine Pauke in die Hand nahm, dass alle Frauen Pauken in die Hand nahmen, und auch sie beginnen ein Lied des Lobpreises. Die Frauen begannen den Lobpreis, um den Männern auf ihren Gesang zu antworten, eine Art feministische Geste von Mirjam – den Männern auf ihr Lied mit ihrem eigenen Lied zu antworten, um zu zeigen, dass die Frauen ihnen gleichberechtigt sind, zumindest im Stehen vor dem Höchsten. Aber die Kommentatoren sagen, dass das Lied Mirjams nur aus einem einzigen Vers besteht (das ist Vers 21 von Kapitel 15):
וַתַּעַן לָהֶם מִרְיָם שִׁירוּ לַיהוָה כִּי־גָאֹה גָּאָה סוּס וְרֹכְבוֹ רָמָה בַיָּם׃
wattá'an lahem mirjám schíru ladonáj ki-ga'ó ga'á sus werochewó ramá wajám
21 Singt dem Höchsten ein Lied, denn hoch hat Er sich erhoben, das Ross und seinen Reiter hat Er ins Meer gestürzt.
Nur ein einziger Vers als Antwort auf die 19 Verse des Liedes Mosches. Und die Kommentatoren sagen, dass dies darauf hinweist, dass Mirjam sich auf einer höheren Stufe befindet und die Frauen sich auf einer höheren Stufe befinden als die Männer. Noch eine Bestätigung dafür – alle Frauen hatten Pauken in den Händen. Sie verließen sich nicht auf Mirjam als ihre Anführerin, jede hatte ihre eigene Pauke. Sie suchten keine äußere Führung, sondern jede suchte den Höchsten selbst. Die Kommentatoren und die Midraschim sagen, dass jede Frau, selbst wenn sie alleinstehend war, in der Familie ihre eigene Pauke hatte. Das stellt die Frauen im Glauben wieder auf eine größere Höhe als die Männer, und dafür gibt es noch einen Beweis. Wie der Midrasch sagt, waren die Frauen, als die Israeliten das goldene Kalb machten, nicht die Initiatorinnen und beteiligten sich nicht daran. Die Männer aber verließen sich auf Mosche als Anführer, und sobald Mosche verschwunden war, wollten sie sich sofort einen Gott machen, der sie aus Ägypten herausgeführt hat. Darin besteht die Äußerung eines höheren Glaubens bei den Frauen als bei den Männern. Und obwohl die Kommentatoren und der Talmud davon sprechen, dass es einen Propheten wie Mosche nicht mehr gab (das ist direkte Rede des Tanach), ist dennoch – der Einfluss Mirjams auf die Frauen, der Glaube der Frauen, ihre Fähigkeit, Mirjam wahrzunehmen und die Worte des Höchsten wahrzunehmen –, er ist von der Stufe her höher als bei den Männern. Deshalb, wenn ihr darauf achtet, wird im Text, im 20. Vers, Mirjam die Schwester Aharons genannt und nicht die Schwester Mosches. Warum stellt man sie Aharon gegenüber? Weil Aharon als Priester in gewissem Sinn Feminist sein muss, er bringt gleichermaßen und gleichwertig Opfer dar, sowohl für die Männer als auch für die Frauen.
Noch eine Stelle, bei der wir in diesem Abschnitt verweilen sollten, noch ein wichtiges Detail – das ist, dass in unserem Abschnitt sehr viele Wunder geschehen. Und diese Wunder kann man bedingt in zwei Teile einteilen.
Im vorhergehenden Abschnitt, im Abschnitt Bo, geschehen die zehn Plagen Ägyptens, die der Höchste selbst führt. Und in unserem Wochenabschnitt gibt es die Spaltung des Roten Meeres, und auch das ist das Werk Gottes, und nur Gottes. Das Volk Israel selbst hat daran nicht teilgenommen, weil Mosche sagte: „Der HERR wird die Schlacht für euch führen, und ihr schweigt.“ Sowohl der Krieg mit den Ägyptern als auch das Wunder der Spaltung des Meeres war ausschließlich das Werk des Höchsten.
Das zweite Wunder, das wir sehen und mit dem ersten vergleichen können, – das ist das Man, das vom Himmel gesandt wurde. Es kam nicht sofort in die Mägen der Menschen herab, man musste es sammeln, mahlen, kochen und so weiter. Die Menschen erhielten Anteil an diesem Wunder, am Empfangen dieses Wunders. So beginnt für das ganze Volk die Zusammenarbeit mit dem Höchsten, und den Namen Israel kann man übersetzen als der, der den Höchsten in diese Welt überträgt, weitergibt. Die Aufgabe jedes Israeliten (und im weiteren Sinn auch jedes, der zum Volk Gottes gehört, das heißt der Gläubigen, die durch Jeschua gekommen und in den Bund eingetreten sind) – das ist, ein Mitarbeiter Gottes zu sein. Davon spricht auch Paulus, dass „Gott uns zu Mitarbeitern gemacht hat“, das bezieht sich sowohl auf Israel als auch auf die aus den Heiden zum Glauben Gekommenen. Es gibt Wunder, die wir nicht ohne irgendeine Anstrengung von uns empfangen können, ohne Anstrengung von unserer Seite. Mehr noch, die chassidischen Lehrer sagen, dass das Herabkommen des Man vom Himmel selbst dadurch geschah, dass Mosche und Aharon eine sehr hohe Stufe in dem erreicht hatten, was im Chassidismus bitúl (Selbstaufhebung, Aufhebung des eigenen Willens) genannt wird.
Lasst uns den 8. Vers aus dem 16. Kapitel lesen, die Antwort Mosches an die Israeliten, die gekommen waren, um sich über ihre Nöte zu beklagen:
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה בְּתֵת יְהוָה לָכֶם בָּעֶרֶב בָּשָׂר לֶאֱכֹל וְלֶחֶם בַּבֹּקֶר לִשְׂבֹּעַ בִּשְׁמֹעַ יְהוָה אֶת־תְּלֻנֹּתֵיכֶם אֲשֶׁר־אַתֶּם מַלִּינִם עָלָיו וְנַחְנוּ מָה לֹא־עָלֵינוּ תְלֻנֹּתֵיכֶם כִּי עַל־יְהוָה׃
wajomer mosché betét adonáj lachém ba'érew bassár le'echól weléchem babbóker lisbó'a bischmó'a adonáj et-telunnotechém ascher-attém malliním aláw wenáchnu ma lo-alénu telunnotechém ki al-adonáj
8 Und Mosche sagte: „Wenn der HERR euch am Abend Fleisch zu essen geben wird und Brot am Morgen zur Sättigung, wird der HERR eure Klagen hören, mit denen ihr euch über uns beklagt, und was sind wir schon? Nicht gegen uns habt ihr Klagen, sondern gegen den HERRN!“
Mosche sagt: „…wenáchnu ma – und was sind wir schon?“ Das heißt, das Wort ma (was) bedeutet in seinem ursprünglichen Sinn nichts. Mit anderen Worten: „Wir aber sind nichts, und gegen uns lohnt es sich nicht zu murren.“ So geschieht es, wenn ein Mensch seinen Willen aufhebt und sein Verlangen um des Verlangens des Höchsten willen unterdrückt, seinen Willen dem Willen des Höchsten unterordnet, wenn man so sagen kann, oder im noch besseren Fall seinen Willen in Übereinstimmung mit dem Willen des Höchsten bringt. So sagt auch Paulus im Brief an die Galater (2,20) in Bezug auf den Maschiach: „Nicht mehr ich lebe, sondern der Maschiach lebt in mir.“ Und hier sehen wir, dass eben dieser bitúl geschehen ist, wie eine Leere, offen für den Willen des Höchsten, um deren Verdienst willen (nach Meinung der chassidischen Lehrer, wie ich schon sagte) das Man auch vom Himmel herabkommen konnte.
Wenn Jeschua sagt (Ev. Jochanan 6,48): „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“, weist Er darauf hin (worüber Er viele Male zuvor gesprochen hat und auch danach sprechen wird), dass Sein Wille der Wille des Vaters ist, der Ihn gesandt hat. Und wenn wir Wunder tun wollen, wenn wir, bedingt gesagt, unser eigenes Man vom Himmel herabholen wollen, müssen auch wir lernen, das durch Selbsterniedrigung zu tun: Vor allem werden wir den Willen des Schöpfers in uns herabholen und anfangen, in uns all das zu sehen, was uns vom Schöpfer unterscheidet.
Oft fragen die Menschen: Was fehlt mir, um eine göttliche Offenbarung zu empfangen, damit Gott in mir lebt? Aber meistens wird es richtiger sein zu suchen, was in mir überflüssig ist, wo ich selbst mich zeige, wo mein „alter“ Mensch noch nicht gestorben ist und Gott nicht vollständig in mir lebt. Wenn wir sagen, dass wir nichts sind (náchnu ma), und wenn wir das nicht verkünden, sondern bezeugen, nachdem wir uns selbst erkannt haben, dann sind wir wirklich fähig, Wunder zu tun. Und gebe Gott, dass wir alle einen solchen Zustand erreichen.
Und natürlich darf man den 27. Vers des 15. Kapitels nicht übergehen:
וַיָּבֹאוּ אֵילִמָה וְשָׁם שְׁתֵּים עֶשְׂרֵה עֵינֹת מַיִם וְשִׁבְעִים תְּמָרִים וַיַּחֲנוּ־שָׁם עַל־הַמָּיִם׃
wajawóu elíma weschám schetém esré enót májim weschiw'ím temarím wajachanu-schám al-hammájim
27 Und sie kamen an einen Ort, der Elim heißt, und dort sind 12 Wasserquellen und 70 Dattelpalmen, und sie ließen sich dort am Wasser nieder.
Dorthin kamen sie übrigens vom Ort Mará, wo das Wasser bitter war. Datteln aber wachsen bekanntlich nicht dort, wo bitteres Wasser ist, sie wachsen nur bei süßem Wasser. Und deshalb kommen die Juden nach der ganzen Geschichte mit dem Murren wegen des bitteren Wassers in Mará an einen Ort, wo 12 Quellen süßen Wassers sind, und sie lassen sich dort nieder. Und das Wunder besteht darin, dass 70 Palmen kein so großer Ort ist, selbst für eine Oase. Zumal, stellt euch vor, 600 tausend Männer ausgezogen sind, das heißt etwa 2 Millionen Menschen zusammen mit Frauen und Kindern, plus Vieh. Sie brauchen eine große Menge Wasser, aber das Wasser reicht nur für 70 Palmen, das heißt, es ist gar nicht so viel. Und trotzdem machte Israel dort Halt, weil das Wasser sehr süß war und weil dieses Wasser für alle reichte, für das ganze Volk. Israel konnte dort Halt machen, und darin lag das Wunder.
Natürlich ziehen die Zahlen 12 und 70 die Menschen an. Man kann sagen (so sagen viele Kommentatoren), dass das die 12 Stämme und die 70 Ältesten Israels sind, dass dieser Ort symbolisch von Anfang an für Israel bestimmt war. Man kann auch sagen, nach einer anderen Version, dass es hier eine umfassendere Vorbereitung für die Verbindung mit der ganzen Welt gibt. Dann sind die Zahlen 12 und 70 die 12 Stämme Israels und die 70 Völker. Und an diesem Ort begann man zum ersten Mal, die ersten empfangenen Gesetze zu studieren, wie geschrieben steht (15,25): „Dort setzte Er ihm (dem Volk) Gesetz und Recht.“ Nach der Prüfung mit dem bitteren Wasser ging das Volk, nachdem es die Gesetze empfangen hatte, zum süßen Wasser und begann zu studieren, was in Mará empfangen worden war. Und dieser erste Ort des Studiums der Tora vereint symbolisch in sich sowohl die 12 Stämme Israels als auch die 70 Völker der Welt, weil sich die Tora dem Potenzial nach für die ganze Welt offenbaren sollte. Wir sehen, dass das wiederum auch in Jeschua Maschiach geschehen ist, als die Trennwand, die Israel und die anderen Völker trennt, fiel.
Was können wir also in diesem Wochenabschnitt sehen? Wir können sehen, dass erstens schon dieser Abschnitt auf die Gleichheit zwischen Männern und Frauen im Lobpreis des Höchsten hinweist. Zweitens können wir sehen, dass diese Wendung, náchnu ma, zweimal erwähnt wird. Das Wort ma (nach der Gematrie ist das 45), zweimal gebraucht (was 90 ergibt), entspricht der Gematrie des Wortes man (ebenfalls 90). Und das weist darauf hin, dass dieser bitúl (Aufhebung seiner selbst) mit dem Herabkommen des Brotes verbunden ist. Und wenn wir Jeschua gleich werden und Brot vom Himmel herabbringen wollen, dann müssen wir selbst verschwinden, unser Wille muss verschwinden, aufgehoben werden gegenüber dem Willen des Höchsten. Und wir sehen auch, dass der Höchste uns zur Zusammenarbeit mit Ihm ruft, dass wir erwählt sind, Ihm Mitarbeiter zu sein.
Bemerkenswert ist, dass der Wochenabschnitt Beschalach, wie jeder andere Wochenabschnitt, eine Vielzahl von Überschneidungen mit der Brit chadaschá hat.
Was gibt es bei euch zum Mittagessen
Der Wochenabschnitt Beschalach ist sehr reich an verschiedenen Ereignissen. Von grandiosen – wie dem Auszug aus Ägypten, dem Pessachopfer, der Spaltung des Meeres und noch vielem anderen – bis zu etwas weniger bedeutenden Ereignissen. Und wir lesen mit euch ein paar Verse aus dem 16. Kapitel.
וַתַּעַל שִׁכְבַת הַטָּל וְהִנֵּה עַל־פְּנֵי הַמִּדְבָּר דַּק מְחֻסְפָּס דַּק כַּכְּפֹר עַל־הָאָרֶץ׃
wattá'al schichwát hattál wehinné al-pené hammidbár dak mechuspás dak kakkefór al-ha'árez
14 Kaum hatte sich der Tau gehoben, und siehe, auf der Oberfläche der Wüste etwas Feines (Graupenförmiges), fein wie Reif auf der Erde.
Die Übersetzung des Wortes kefór als Reif ist natürlich eine bedingte Übersetzung. In den Sprachen der nördlichen Völker gibt es je 30 Wörter für die Farbe des Schnees und je 20 Wörter für seine Beschaffenheit, weil diese Völker an Orten leben, wo oft Schnee fällt, und das ist natürlich. Hebräisch ist eine Sprache, die sich dort herausgebildet hat, wo Schnee und alles, was mit Frost zusammenhängt, eine seltene Erscheinung ist. Deshalb ist auch die Terminologie entsprechend nicht reich. Wenn ein Übersetzer auf das Wort kefór stößt, fällt es ihm schwer, ein passendes russisches Wort zu finden, deshalb werdet ihr sowohl Raureif als auch Glatteis antreffen, und welchem Wort ihr nicht alles begegnen werdet. Es geht natürlich um etwas Weißes, Feines, Graupenähnliches, das in einer dünnen Schicht über die Erde verstreut ist. Was genau? Nun, jeder wird das nach seinen Kenntnissen der russischen Sprache entscheiden.
וַיִּרְאוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל וַיֹּאמְרוּ אִישׁ אֶל־אָחִיו מָן הוּא כִּי לֹא יָדְעוּ מַה־הוּא וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֲלֵהֶם הוּא הַלֶּחֶם אֲשֶׁר נָתַן יְהוָה לָכֶם לְאָכְלָה׃
wajir'ú wene-jisraél wajomerú isch el-achíw man hu ki loIn der russischen Umschrift fehlt das Wort „ki“ (denn), das im hebräischen Vers steht. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen und enthält es. jade'ú ma-hu wajomer mosché alehém hu halléchem aschér natán adonáj lachém le'ochlá
15. Und die Söhne Israels sahen es und sagten zueinander: „Man hu – Was ist das?“, denn sie wussten nicht, was das ist (ma-hu). Und Mosche sagte zu ihnen: „Das ist das Brot, das euch der HERR zur Speise gegeben hat.“
Einen so seltsamen Satz finden wir hier. Folgt denn nicht schon aus den Fragen selbst, die die Söhne Israels einander zu stellen begannen: „Was ist das? Hör mal, weißt du nicht, was das ist? Was ist das denn?“, folgt denn nicht daraus, dass die Söhne Israels nicht wussten, was das ist? Wozu erklären, dass sie diese Frage stellten, weil sie nicht wissen, was das ist? Die Sache ist die, dass die Frage der Söhne Israels man hu gar nicht so einfach ist. Das Wort hu ist verständlich, es bedeutet in diesem Zusammenhang das. Mit dem Wort man dagegen ist es etwas schwieriger. Das Wort man ist höchstwahrscheinlich kein hebräisches Wort, obwohl man es in Tehillim 61,8 finden kann. Und wenn man die Bedeutung annimmt, die in diesem Vers festgelegt ist, dann kann man die Frage man hu? übersetzen als wofür ist das bestimmt, worin besteht die Bestimmung von diesem Weißen da? Es gibt ein anderes Verständnis, das besagt, dass die Söhne Israels fragen: wer ist das? oder wessen ist das? oder für wen ist das? So oder so fragten sie entweder „was ist das?“ oder „wer ist das?“ oder „wessen ist das?“ oder „wofür ist das bestimmt?“ Und Mosche gibt eine Antwort auf ihre Fragen, stillt ihre Neugier. In der aramäischen Übersetzung des Jonatan gibt es eine ausführlichere Antwort Mosches, die so lautet: „Das ist das Brot, das seit den Tagen der Schöpfung für euch bestimmt war, und jetzt gibt es euch der HERR zur Speise.“
Etwas später lesen wir in unserem Kapitel:
וַיִּקְרְאוּ בֵית־יִשְׂרָאֵל אֶת־שְׁמוֹ מָן וְהוּא כְּזֶרַע גַּד לָבָן וְטַעְמוֹ כְּצַפִּיחִת בִּדְבָשׁ׃
wajikre'ú wet-jisraél et-schemó man wehú keséra gad lawán weta'mó kezappichít bidwásch
31. Und das Haus Israel gab ihm, diesem Brot, den Namen „Man“. Es ist wie Koriandersamen, weiß, und sein Geschmack – wie der eines Fladens mit Honig.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה זֶה הַדָּבָר אֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה מְלֹא הָעֹמֶר מִמֶּנּוּ לְמִשְׁמֶרֶת לְדֹרֹתֵיכֶם לְמַעַן יִרְאוּ אֶת־הַלֶּחֶם אֲשֶׁר הֶאֱכַלְתִּי אֶתְכֶם בַּמִּדְבָּר בְּהוֹצִיאִי אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajomer mosché se haddawár aschér ziwwá adonáj meló ha'ómer mimménu lemischméret ledorotechém lemá'an jir'ú et-halléchem aschér he'echálti etchém bammidbár behozi'í etchém me'érez mizrájim
32. Und Mosche sagte: „Das ist es, was der HERR geboten hat: Füllt davon einen Omer (ein Maß) zur Aufbewahrung für eure Geschlechter, damit sie das Brot sehen, mit dem Ich euch in der Wüste gespeist habe, als Ich euch aus dem Land Ägypten herausführte.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל־אַהֲרֹן קַח צִנְצֶנֶת אַחַת וְתֶן־שָׁמָּה מְלֹא־הָעֹמֶר מָן וְהַנַּח אֹתוֹ לִפְנֵי יְהוָה לְמִשְׁמֶרֶת לְדֹרֹתֵיכֶם׃
wajomér mosché el-aharón kach zinzénet achát weten-schámma melo-ha'ómer man wehannách otó lifné adonáj lemischméret ledorotechém
33. Und Mosche sagte zu Aharon: Nimm ein Gefäß und lege dort einen vollen Omer Man hinein, und stelle es vor den HERRN zur Aufbewahrung für eure Geschlechter“.
Das Volk Israel gibt dem neuen Produkt einen neuen Namen. Und wie nennt es denn dieses Produkt, dieses Brot? Es nennt es nicht „Brot, das der HERR gegeben hat“, es nennt es nicht mit dem Wort „Brot Gottes“ oder „Brot vom Himmel“, es nennt es mit dem Wort „Man“ – mit genau der Frage, mit deren Verständnis wir begonnen haben. Das heißt, zum Namen des Produkts wurde die Frage: Was ist das? Mit anderen Worten: Was gibt es bei uns zum Mittagessen? Und die Antwort: Bei uns gibt es zum Mittagessen „Was“, wir werden heute „Was“ essen, und im Laufe von 40 Jahren werden wir täglich „Was“ sammeln und „Was“ essen. Während der ganzen Wanderung durch die Wüste werden wir gerade Fragen essen. Die Zeit der Wanderung durch die Wüste ist die Zeit des Fragenstellens.
Liebt ihr es, Fragen zu stellen, liebt ihr es, euch von Fragen zu ernähren? Wie entsteht beim Menschen der Hunger? Der Hunger ist auch eine Frage an die Welt, eine Anfrage nach Essen, ein Gefühl des Mangels an Essen, das durch Essen gestillt wird. Eine Frage ist Nichtwissen, Nichtverstehen von etwas, der Wunsch, „die Antwort zu essen“. In unserem Fall sättigt der „Man“ den Menschen so, dass bei ihm neue Fragen entstehen. Die Bewegung nach vorn, das geistliche Wachstum – das ist ein ständiges Fragenstellen. Aber das ist zugleich auch das Gefühl der Freiheit. Es gibt einen alten sowjetischen Witz: Auf irgendeiner Versammlung steht jemand auf und sagt: „Ich möchte da mal fragen, wo sind die Milch und das Fleisch hingekommen?“ Es wird eine Pause angekündigt, nach der Pause steht ein anderer auf und sagt: „Ich frage nicht, wo die Milch und das Fleisch hingekommen sind, ich frage, wo derjenige hingekommen ist, der gefragt hat, wo die Milch und das Fleisch hingekommen sind?“ Das heißt, gegen einen Menschen, der unbequeme Fragen stellt, können in einer unfreien Gesellschaft Repressionen angewandt werden. Wie oft begegne ich verschiedenen Menschen, die aus der Gemeinde hinausgeworfen werden, die von irgendwelchen Versammlungen, von irgendwelchen Treffen, von irgendwelchen Kursen hinausgeworfen werden, weil sie unbequeme Fragen gestellt haben. Man nimmt sie als Feinde wahr, als Provokateure, und dem Menschen wird verboten, bestimmte Fragen zu stellen.
Das ist nicht das, was in der Wüste geschieht, wohin der Höchste das Volk geführt hat. Hier werden die Fragen, die Fähigkeit, Fragen zu stellen, die Fähigkeit, sich Fragen zu stellen, zur Hauptnahrung für das Volk Israel. Wahrscheinlich hat es viele verwundert, dass Mosche nach dem ersten Besuch beim Pharao gleichsam über den Höchsten herfällt und sagt: „Warum hast Du diesem Volk Böses getan?“ Mosche wendet sich mit einer Frage an den Höchsten, die Frage ist nicht rhetorisch: „Wenn Du, HERR, uns die Tora geben willst, uns Lehren geben willst, uns Wissen geben willst, dann sei bereit, auf Fragen zu antworten. Wenn Du ein Lehrer bist, der die Tora, Wissen geben will, dann sei bereit, auf Fragen zu antworten.“
Was ist hier wichtig? Wichtig ist, dass Fragen gerade das Bedürfnis des Schülers sind. Oft werden Fragen gestellt, um den Lehrer darauf zu prüfen, „ob er einer von uns ist oder ein Fremder“, ihn auf „Koscherheit“ zu prüfen, sagen wir so, auf Übereinstimmung mit GOST oder TU. Das ist ein anderes Thema. Aber auf Fragen zu antworten, Fragen zu unterstützen, Menschen mit Fragen zu nähren und sie durch Fragen wachsen zu lassen – das ist die Grundlage der jüdischen Jüngerschaft. Und das ist dadurch verewigt, dass der Krug mit der Frage, mit dem Brot, das „Was“ heißt, vor der Lade steht, vor dem HERRN steht. Der Mensch muss sich ständig vor dem HERRN im Zustand der Frage befinden, muss ständig auf der Suche nach der Antwort auf irgendwelche seiner Fragen sein, aus denen neue Fragen geboren werden. Und darin liegt das Leben, darin liegt das geistliche Leben des Menschen. Deshalb hat man das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, auch „Was“ genannt – als Freiheit, Fragen zu stellen, als Freiheit der Suche und, andererseits, als Freiheit des lebendigen Umgangs mit dem Höchsten, wenn man zu Ihm kommen und Ihn fragen kann; als Schaffung einer Gemeinde, in der man einander fragen und gemeinsam Antworten auf irgendwelche eigenen Fragen, auf irgendwelche eigenen Anliegen, auf irgendwelche eigenen Nöte suchen kann. Darin liegt das Wesen der Jüngerschaft. Jüngerschaft – das heißt nicht, allen die richtigen Antworten auf beliebige Fragen zu geben, das ist nicht das Wissen der Antworten. Jüngerschaft – das heißt, einen Menschen zu lehren, Fragen zu stellen, und sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach Antworten auf die Fragen zu machen, die er stellt.
Gebet um Auskommen
In diesem Abschnitt wird es bei uns in größerem Maße ein Gebet als ein Gespräch geben. In letzter Zeit bitten mich sehr viele Menschen, für ihre finanzielle Situation zu beten. Vielen Menschen ist das Leben viel schwerer geworden, es ist viel schwerer geworden, ihre Familie zu versorgen, aber obwohl sie arbeiten und sich wirklich bemühen, dass Auskommen in ihrem Haus ist, obwohl sie versuchen, eine richtige Lebensweise zu führen, läuft doch irgendetwas nicht. Die jüdische Tradition rät einem Menschen, der seine wirtschaftliche Situation verbessern will, die Erzählung vom Man zu lesen, genau die, die sich gerade in unserem Wochenabschnitt Beschalach befindet, im 16. Kapitel des Buches Schemot. Hier entsteht natürlich eine Frage, gleich die erste Frage. Wie kann man etwas lesen, etwas herunterleiern, etwas flüstern, etwas herbeischamanisieren und irgendeine Veränderung bekommen? Die Tradition verwendet das Wort sgulá. Dieses Wort übersetzt man am besten als Eigentum, etwas Besonderes, Einzigartiges und Kostbares, das jemand besitzt, eine Art Schatz. Das Lesen des Abschnitts über den Man ist eine sgulá, um die finanzielle Lage zu verbessern. Das Wort sgulá (von der Wurzel Samech-Gimel-Lamed) ist eine besondere Fähigkeit, irgendwelche verborgenen Möglichkeiten zu verwirklichen. Der Höchste nennt das Volk Israel am sgulá (Volk der Sgula) – ein Volk, das berufen ist, die Eigenschaften des Höchsten in dieser Welt zu verwirklichen. Das Lesen des Abschnitts über den Man kann uns helfen, in uns irgendein verborgenes Potenzial zu entdecken, irgendwelche verborgenen Möglichkeiten, irgendwelche verborgenen Eigenschaften, die uns helfen werden, unsere finanzielle Lage zu verbessern.
Manchmal ist das etwas, das man aus uns herausholen, aufdecken und offenbaren muss, das man dazu bringen muss, sich in dieser Welt zu zeigen. Aber so ist es nicht immer. Sehr oft fragt man: „Alex, sag bitte, was fehlt mir, damit …?“ Damit ich die Tora verstehe, damit ich gut verdiene, damit ich gerecht bin. Und die Frage – was fehlt mir – ist eine sehr verbreitete Frage. Viel seltener fragt man: „Alex, was habe ich zu viel, was hindert mich?“ Manchmal muss man nicht etwas hinzufügen, sondern im Gegenteil (stellenweise sogar mit der Feile oder dem Hobel) muss man an uns nacharbeiten, damit wir irgendeine andere, neue Stufe erreichen. Der Abschnitt über den Man erzählt davon, wie der Höchste das Volk in der Wüste ernährt. Genau mit derselben Methode, genauso wie beim Ernähren des Volkes in der Wüste, ernährt der Höchste uns auch jetzt in unseren Städten, nur ist Sein Handeln verborgen. Wenn wir in der Wüste deutlich sahen – da ist er, der Man, da fällt er, da kann man ihn sammeln –, dann funktioniert alles genauso auch in unserer Welt, nur ist es nicht offensichtlich. Deshalb, wenn wir den Abschnitt über den Man lesen, können wir auf der Ebene der Theorie die Einrichtung dessen studieren, wie der Höchste diese Welt speist, wie der Höchste Leben gibt, allem Lebendigen Nahrung gibt, und vielleicht ändert sich etwas in unseren Beziehungen zum Höchsten und dementsprechend in unserer finanziellen Lage.
Und das jüdische Volk hat sich seit alters gemerkt: Wenn du etwas verbessern willst, dann schau nach, was darüber in der Tora geschrieben steht, und studiere es, da die Tora die allerbeste der Wissensquellen ist. Und jedes Mal, wenn der Wochenabschnitt Beschalach gelesen wird und vom Man die Rede ist, ist das eine gute Gelegenheit, gemeinsam zu lesen, gemeinsam um den Lebensunterhalt zu beten, zumal bei sehr vielen Menschen die finanzielle Situation so ist, dass sie Gebet erfordert. Vor dem Lernen ist es üblich, mit einem besonderen Gebet zu beten. Ich werde es vorlesen und dann versuchen zu erklären, warum es gerade so ist:
Möge es Dir wohlgefällig sein, HERR, unser Gott und Gott unserer Väter, Dein ganzes Volk, das Haus Israel, mit Lebensunterhalt zu versorgen, und mich, meine Familie unter ihnen, mit Leichtigkeit und nicht mit Leiden, mit Ehre und nicht mit Schande, auf erlaubte Weise und nicht auf verbotene, um Dir zu dienen und Deine Tora zu lernen, so wie Du unsere Vorväter mit Man in der Wüste ernährt hast, in einem wasserlosen und verlassenen Land.
Vor allem bitten wir den Höchsten für das ganze Volk. Was geschieht, wenn ich nicht nur für mich bitte, sondern gleich für das ganze Volk Gottes? Ich bete in diesem Moment sowohl für John aus Australien als auch für José aus Mexiko. Und es geschieht, dass sowohl José aus Mexiko als auch John aus Australien, wenn auch sie mit diesem Gebet beten, ebenfalls auch für mich beten. Vielleicht wird sich etwas, was John aus Australien oder José aus Mexiko versteht, etwas, was er in der Welt eröffnet, auch in meinem Herzen eröffnen und widerspiegeln. Wir treten als ein einziger Leib, als ein einziger Organismus vor den Höchsten. Wir bitten darum, dass wir diesen Lebensunterhalt, den wir bekommen werden, mit Leichtigkeit und nicht mit Leiden bekommen, das ist ja eigentlich auch verständlich. Mit Ehre und nicht mit Schande. Es ist sehr unangenehm, zu einer Arbeit zu gehen, bei der man dich erniedrigt, deine Würde erniedrigt. Auf erlaubte Weise und nicht auf verbotene. Sehr oft sagt mir ein Mensch: Ich habe eine so schwere Situation, dass ich vielleicht am Sabbat arbeiten werde, vielleicht werde ich noch irgendwie da …, aber es ist mir unmöglich, ohne Übertretung zurechtzukommen. Wir beten darum, dass unsere Versorgung mit Lebensunterhalt auf erlaubte Weise geschieht, dass es keinen kleinen Schwindel, keinen kleinen Betrug gibt, dass alles, was wir tun, rein vor dem Höchsten ist: dass unsere Waagen nicht lügen, unsere Zunge nicht lügt, dass wir nicht irgendeine Ware verkaufen, die der Mensch nicht braucht. Und wir fügen hinzu: „Das alles ist nötig, um Dir zu dienen und Deine Tora zu lernen“. Das ist sehr interessant. Wenn wir beten, bitten wir nicht einfach um etwas, wir sprechen aus, wozu wir es wollen. Der Maschiach sagte (Ev. Jochanan 14,14): „Wenn ihr in Meinem Namen bittet …“, das heißt, das, worum wir bitten, ist dazu da, dem Maschiach zu dienen, für den Dienst am Maschiach. Wenn wir im Gebet sagen: „Wir erbitten dies, um Dir zu dienen und Deine Tora zu lernen. Gib es uns, so wie Du unsere Vorväter mit Man in der Wüste ernährt hast, in einem wasserlosen und verlassenen Land“, dann ist das dasselbe Prinzip, wir wollen, dass es auch auf uns angewandt wird. Damit wird eigentlich das Studium des Abschnitts über den Man. eingeleitet.
Und jetzt wollen wir versuchen, mit Gottes Hilfe, auch die Geschichte selbst zu lesen. Wie ich schon bemerkt habe, ist das das 16. Kapitel des Buches Schemot.
4. Und der HERR sagte zu Mosche: „Siehe, Ich werde euch als Regen Brot vom Himmel schicken, und das Volk wird hinausgehen, und sie werden sammeln, wie viel für den Tag nötig ist an diesem Tag, damit Ich es prüfe, ob es nach Meiner Weisung handeln wird oder nicht“.
Ein sehr erstaunliches Verb verwendet hier der Höchste und sagt: „Als Regen werde Ich euch Brot schicken, Ich werde euch mit Brot ‚beregnen‘, das wird ein Brotregen sein“. Worin besteht die Besonderheit des Regens? Regen ist im Grunde eine meteorologische Erscheinung, das ist Wasser, das vom Himmel strömt. Wenn der Boden mit nichts besät ist, dann wird der Regen keinerlei Nutzen bringen. Damit auf dem Boden, auf der Erde etwas wächst, muss man säen und ihn möglichst bearbeiten, und dann wird der Regen irgendein Ergebnis bringen; sonst, selbst wenn du Regengüsse auf ihn gießt, wird unbesäter Boden keine Frucht geben. Und genauso wird dieser Lebensunterhalt, den wir bekommen, das Brot, das wir bekommen, einen Sinn haben, wenn wir Frucht bringen. Wie wir gesagt haben: „Gib uns Lebensunterhalt, damit wir Dir dienen.“ Wenn wir ganz am Anfang treu sind, bei den ersten Stückchen Brot, dann wird auch der Lebensunterhalt wachsen. Das ist eine Prüfung, die wir durchlaufen. Außerdem steckt hier ein sehr interessanter Gedanke darin, dass sie sammeln werden, wie viel für den Tag nötig ist an diesem Tag. Man kann immer fragen: Und wenn man dreimal so lange sammelt? Es gab Leute, die hinausgingen, etwas sammelten und in ihr Zelt gingen. Es gab auch Leute, die von morgens bis abends auf dem Feld waren und den ganzen Tag sammelten. Und im Ergebnis stellte sich heraus, dass jeder so viel gesammelt hatte, wie nötig war.
Da wir den Lebensunterhalt vom König der Könige bekommen, ist unser Bemühen das, was man aufbringen muss, unsere Anstrengung ist nötig, eine Anstrengung ist nötig, die von ganzer Seele aufgebracht wird. Aber die Tora sagt hier, dass wir genau so viel bekommen werden, wie nötig ist. Und was möchte man noch? Es ist sehr schwer zu leben, wenn du Geld nur für den heutigen Tag hast. Man möchte ein Sicherheitspolster haben. Wenn bei einem Menschen plötzlich der Kühlschrank kaputtgeht, Gott bewahre, kann er dann einfach hingehen und einen neuen Kühlschrank kaufen, hat er dafür Geld auf dem Konto? Lassen wir den Kühlschrank. Wie viele Menschen schieben die Zahnbehandlung auf, einfach weil sie dafür kein Geld haben. Will das Gott? Sagt Er das: „Du wirst nur das haben, was du für den heutigen Tag brauchst“? Er sagt, dass, wenn du heute den Kühlschrank reparieren musst, wenn du dich heute um die Zähne kümmern musst, du so viel Lebensunterhalt haben kannst, dass es reicht, um dich um die Zähne zu kümmern und den Kühlschrank zu reparieren. Das ist kein Minimalsatz, das ist nicht das Existenzminimum – das ist Wohlstand, den der Höchste gewährleistet: Jeder hat so viel gesammelt, wie ihm nötig war.
5. Und es wird sein: am sechsten Tag, und sie werden zubereiten, was sie bringen, und es wird doppelt so viel sein wie das, was sie jeden Tag sammeln.
Das heißt, am sechsten Tag arbeitete man nicht doppelt so lange, man ging wie gewöhnlich hinaus, um zu arbeiten, sammelte aber zweimal so viel. Der Höchste gab zweimal so viel, weil der Sabbat (Schabbat) – der Tag der Ruhe, kein Arbeitstag sein wird, der Höchste wird dafür sorgen.
In Israel ist das zu einem ganzen Problem geworden. Es gibt Menschen, nichtgläubige Menschen, die sich längst von allem Jüdischen entfernt haben, die wollen, dass man ihnen erlaubt, am Schabbat zu arbeiten. Andere Menschen, genauso nichtgläubige (hier ist es überhaupt keine Frage des Glaubens), wollen nicht, dass man erlaubt, am Schabbat zu arbeiten. Sie sagen: „Wir haben einen kleinen Laden. Wenn der Besitzer eines großen Supermarkts die Arbeiter wechseln kann, dann werde ich, um mit ihm zu konkurrieren, sieben Tage in der Woche ohne Ruhe arbeiten müssen. Das werde ich nicht schaffen, deshalb bin ich dagegen, dass der Sabbat ein Arbeitstag wird, obwohl ich den Sabbat überhaupt nicht halte.“ Es gibt Menschen, die so sagen: „Der Mensch braucht Ruhe.“ Der Mensch hat Angst (wenn er nichtgläubig ist), diese wirtschaftliche Sicherheit zu verlieren. Hier sagt der Höchste: „Wenn ihr nach der Tora lebt, wenn ihr im Einklang mit Mir lebt, dann habt ihr wirtschaftliche Sicherheit.“
6. Und Mosche und Aharon sagten zu allen Söhnen Israels: „Am Abend werdet ihr erkennen, dass der HERR euch aus dem Land Ägypten herausgeführt hat,
7. Und am Morgen werdet ihr die Herrlichkeit des HERRN sehen, denn Er hat euer Murren gegen den HERRN gehört. Und was sind wir, dass ihr gegen uns murrt?“
8. Und Mosche sagte: „Wenn der HERR euch am Abend Fleisch geben wird, um zu essen, und am Morgen Brot zur Sättigung – so hört der HERR euer Murren, mit dem ihr gegen Ihn murrt. Und was sind wir? Nicht gegen uns ist euer Murren, sondern gegen Gott.“
Mosche und Aharon zeigen hier Bescheidenheit und sagen: „Wenn ihr mit Beschwerden gekommen seid, dass euch der Lebensunterhalt nicht reicht, dann seid ihr an der falschen Adresse. Obwohl wir tatsächlich die Anführer des Volkes sind, liegt die Verantwortung für euren Lebensunterhalt nicht bei uns. Wendet euch an den Höchsten.“
Auch uns scheint es sehr oft, dass wir mehr verdienen würden, wenn nicht die Frau wäre, wenn nicht der Mann wäre, wenn nicht der Chef wäre, wenn nicht der Minister wäre, wenn nicht der Präsident wäre. Tatsächlich: Sowohl jemand in der Familie als auch die Vorgesetzten, der Minister und der Präsident können den Lebensunterhalt beeinflussen. Und tatsächlich können eine unfähige und grausame Politik des Präsidenten, irgendeine Steuerpolitik die Wirtschaft sehr stark zum Einsturz bringen, und man muss einen schlechten Präsidenten auswechseln, einen schlechten Chef auswechseln, die Arbeitsstelle wechseln, den Minister auswechseln. Aber der Lebensunterhalt hängt vom Höchsten ab, wenden muss man sich an den Höchsten. Und wenn man sich schon an den Höchsten wendet, dann nicht mit Murren, sondern mit Gebet.
9. Und Mosche sagte zu Aharon: „Sag der ganzen Gemeinde der Söhne Israels: Naht euch dem HERRN, denn Er hat euer Murren gehört.“
Mit anderen Worten: „Begreift, dass der HERR die Quelle von allem ist, und wenn ihr Lebensunterhalt sucht, dann naht euch Ihm.“ Um die Ursache finanzieller Probleme zu finden, findet einen Weg, euch dem Höchsten zu nähern.
10. Und es war, als Aharon zur ganzen Gemeinde der Söhne Israels redete, und sie wandten sich zur Wüste, und siehe, die Herrlichkeit des HERRN ist sichtbar in der Wolke.
11. Und der HERR redete zu Mosche so:
12. „Ich habe das Murren der Söhne Israels gehört, sag ihnen so: „In der Dämmerung werdet ihr Fleisch essen, und am Morgen werdet ihr euch an Brot sättigen, und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, euer Gott“.
13. Und es war, am Abend flogen Wachteln heran und bedeckten das Lager, und am Morgen war eine Tauschicht rings um das Lager.
14. Und die Tauschicht hob sich, und siehe, auf der Oberfläche der Wüste, ohne Hülle, fein, wie Reif lag es auf der Erde.
15. Und die Söhne Israels sahen es und sagten zueinander: „Man hu? Was ist das?“ Denn sie wussten nicht, was es war. Und Mosche antwortete ihnen, und Mosche sagte: „Das ist das Brot, das der HERR euch zum Essen gegeben hat.
Das sind Fragen, die der Mensch sich stellt, Reaktionen auf irgendwelche Situationen, die im Leben geschehen. Wenn wir in materieller Hinsicht sprechen, dann ist jede Situation ein Moment des Dienstes für den Höchsten. Wenn man sich nicht um den Lebensunterhalt sorgt, wenn man auf jede Situation als auf einen Moment des Dienstes für den Höchsten reagiert, dann wird der Lebensunterhalt dazugegeben werden.
16. Das ist es, was der HERR geboten hat: „Sammelt davon, jeder so viel er essen kann, einen Ómer auf jeden, nach der Zahl eurer Seelen, jeder für die, die in seinem Zelt sind, nehmt.“
Es gibt aus jeder Familie einen Menschen, der hinausgeht, (es müssen nicht alle hinausgehen), jeder wird nehmen und jeder wird für alle sammeln, die in seinem Zelt sind. Mancher sammelte viel, wie wir sehen werden.
17. Und die Söhne Israels taten so, und sie sammelten: mancher viel und mancher wenig.
Mancher ging aufs Feld hinaus und beschloss: „Ich werde vom Aufgang der Sonne bis zum Ausgang der Seele sammeln, mezetá chamá, ad- zetá neschamá, wie man auf Hebräisch sagt. Und mancher ging hinaus, sammelte und dachte: „Na, mir reicht's, ich geh mal nach Hause.“
18. Und am Ende maß jeder nach, und jeder bekam so viel, wie nötig war, jeder so viel er isst, sammelten sie.
Wieder sehen wir, dass man nicht immer mehr Zeit braucht, nicht immer härter arbeiten muss, um das zu bekommen, was man braucht. Im Zustand der Nähe zum Höchsten, wenn wir verstehen, dass unser Lebensunterhalt vom Höchsten ausgeht, funktioniert alles anders. Das bedeutet nicht (ich unterstütze das hier keineswegs), dass man ein Faulpelz sein oder wenig arbeiten kann, aber jeder sieht, wie viel Mühe er aufwenden muss. Und außer dass wir arbeiten, haben wir noch Familien, und wir wollen noch die Tora studieren, und ausruhen muss man sich auch. So funktioniert das.
19. Und Mosche sagte zu ihnen: „Niemand soll davon etwas bis zum Morgen übrig lassen.“
20. Aber sie hörten nicht auf Mosche, und Leute ließen davon etwas bis zum Morgen übrig, und es bildeten sich Würmer darin, und es wurde stinkend, und Mosche wurde zornig über sie.
Es gab Leute, die sagten: „Und wenn morgen nichts fällt, und wenn es morgen anders ist, und wenn uns eine Milliarde nicht reicht, und wenn uns zehn Milliarden nicht reichen?“ Und die Leute konnten nicht aufhören. Und ihr Verdienst – das, was sie verdient hatten, das, was sie ins Haus gebracht hatten – alles wurde von Würmern bedeckt und wurde stinkend. Schaut, jeder kann sehen, wie das auf unser Leben anwendbar ist.
21. Und sie sammelten ihn jeden Morgen, jeder, so viel er isst, und die Sonne brannte, und er schmolz.
22. Und es geschah, am sechsten Tag sammelten sie doppelt so viel Brot, zwei Omer für jeden, und alle Fürsten der Gemeinde kamen und berichteten es Mosche.
Das war erstaunlich: Auf einmal ergeben sich zwei Portionen Man für jeden.
23. Und er sagte zu ihnen: „Das ist es, was der HERR gesagt hat: völlige Ruhe und ein heiliger Schabbat für den HERRN ist morgen; was ihr backt, backt, was ihr kocht, kocht, und alles Übrige legt euch zur Aufbewahrung bis zum Morgen hin.“
Wenn es morgen tatsächlich keinen Man geben wird, wenn morgen Schabbat ist, wenn morgen ein Fest des HERRN ist, dann kann man auch etwas bis zum Morgen zurücklegen, man kann etwas für den Schabbat zurücklegen.
24. Und sie legten ihn hin bis zum Morgen, wie Mosche geboten hatte, und er verdarb nicht, und es waren keine Würmer darin.
Wieder wird etwas für den Dienst am Höchsten zurückgelegt und wird nicht wurmig.
25. Und Mosche sagte: „Esst das heute, denn heute ist Schabbat für den HERRN. Heute werdet ihr ihn nicht auf dem Feld finden.
26. Sechs Tage sammelt ihn, aber am siebten Tag ist Schabbat, da wird keiner da sein.“
27. Und es geschah am siebten Tag, da gingen welche aus dem Volk hinaus, um zu sammeln, und fanden nichts.
Ich bin Menschen begegnet, die suchen, wie sie mehr verdienen könnten, und ich bin einem Menschen begegnet, der sogar an Jom Kippur, dem Feiertag des Gerichtstages, eine Stadt in Israel suchte, wo man doch als Taxifahrer arbeiten kann, und dorthin hinunterfuhr. Er sah kein Glück im Leben außer diesem Verdienst. Und hier sehen wir, dass am siebten Tag jemand versuchte, hinauszugehen und zu sammeln: Vielleicht hatten sie nichts vom Vortag zurückgelegt, oder sie hatten etwas zurückgelegt, wollten aber noch mehr sammeln. Und das ruft natürlich den Zorn des Höchsten hervor.
28. Und der HERR sagte zu Mosche: „Wie lange werdet ihr euch weigern, Meine Gebote, Meine Weisungen zu halten?
29. Seht, der HERR hat euch den Schabbat gegeben, darum gibt Er euch am sechsten Tag Brot für zwei Tage. Bleibt jeder dort, wo er sitzt, niemand soll am siebten Tag von seinem Platz weggehen.“
Selbstverständlich geht es hier nicht darum, dass man nicht vom Stuhl aufstehen darf oder vom Bett, das heißt, jeder bleibt in seinem Zelt. Das ist der Tag, an dem ihr auf den HERRN hofft. Ihr bekommt ja ohnehin offen vom HERRN den Lebensunterhalt, aber am siebten Tag vertraut dem HERRN, wie lange kann man Ihn denn noch prüfen? Übrigens, die Frage mit dem Schabbat, mit dem Vertrauen auf den Höchsten – das ist das, worüber wir ganz am Anfang gesprochen haben: Es ist sehr wichtig, sein Einkommen auf erlaubte Weise zu bekommen.
30. Und das Volk ruhte am siebten Tag.
31. Und das Haus Israel gab ihm den Namen „Man“. Und er ist wie Koriandersamen, weiß, und sein Geschmack ist wie ein Honigfladen.
Obwohl es natürlich Midraschim gibt, es gibt eine Tradition, die sagt, dass jeder im Man irgendeinen eigenen Geschmack fand. Aber wir haben schon darüber gesprochen, dass das ein Regen ist, und er beregnet jeden Menschen, und jeder entfaltet irgendwelche eigenen Fähigkeiten. Ein Mensch isst und geht Traktor fahren, ein anderer Mensch isst und geht mit der Schaufel Schnee schippen, ein dritter Mensch geht eine chirurgische Operation durchführen, möglicherweise sogar, nachdem sie ein und dasselbe Essen gegessen haben.
32. Und Mosche sagte: „Das ist es, was der HERR geboten hat: Ein voller Omer davon soll zur Aufbewahrung für eure Geschlechter sein, damit sie das Brot sehen, mit dem Ich euch in der Wüste ernährt habe, als Ich euch aus dem Land Ägypten führte.“
Obwohl wir in einer anderen Welt leben und unser Lebensunterhalt nicht so offensichtlich ist, wollte der Höchste, dass dieses Wunder vor unseren Augen ist, dass jenes Brot da ist, das der Höchste offen gab. Jetzt gerade, wenn wir diesen Abschnitt lesen, ist das so, als stünden wir vor diesem Gläschen mit dem Man und schauten es an.
33. Und Mosche sagte zu Aharon: „Nimm ein Gefäß und lege einen vollen Omer Man hinein und stelle es vor den HERRN zur Aufbewahrung für alle eure Geschlechter.“
34. Wie der HERR Mosche geboten hatte, so stellte Aharon es vor die Lade des Bundes zur Aufbewahrung.
35. Und die Söhne Israels aßen den Man vierzig Jahre lang bis zu ihrer Ankunft im Gelobten Land. Den Man aßen sie bis zur Ankunft an der Grenze des Landes Kanaan.
36. Und ein Omer – das ist der zehnte Teil eines Efa.
Ein Omer – das ergibt ungefähr, nach manchen Versionen, ein Zweiliterglas, nach anderen ein Dreiliterglas. Jeder Mensch aß das am Tag, unabhängig von Alter, Beschäftigung und so weiter. Das heißt, hier geht es nicht um ein Raummaß, sondern darum, dass jeder im Grunde das bekommt, was er zum Leben braucht.
Das sind nur, sozusagen, mit einer gestrichelten Linie angedeutete Gedanken über den Lebensunterhalt. Und jeder, der das aufmerksam wieder lesen wird, seine Situation kennend, sein Herz kennend, wird etwas Eigenes spüren. Ich wollte das mit euch zusammen lesen und wiederum mit einem anderen Gebet um Lebensunterhalt abschließen, das man üblicherweise nach dem Studium des Abschnitts über den Man liest. Das hebt natürlich nicht die Möglichkeit für jeden auf, mit eigenen Worten zu beten, so, wie jeder es gewohnt ist, aber wenn wir mit einem gemeinsamen Gebet beten, darüber habe ich ganz am Anfang gesprochen, vereinen wir uns mit dem ganzen Volk:
„Du bist der HERR, Du bist der Einzige, Du bist Derjenige, der die Himmel und die Himmelshöhen erschaffen hat, die Erde und alles, was auf ihr ist, die Meere und alles, was in ihnen ist, und Du erhältst das Leben aller. Du bist Derjenige, der beständig große Wunder und Zeichen an unseren Vorvätern getan hat, auch in der Wüste ließest Du Brot vom Himmel wie Regen auf sie herabströmen und holtest aus dem Kieselfelsen Wasser für sie hervor und versorgtest sie auch mit allem Nötigen, die Kleider nutzten sich an ihnen nicht ab. So versorge auch uns nach Deiner großen Gnade und nach Deiner großen Güte mit Lebensunterhalt und versieh uns mit allem Nötigen, und stille auch die zahlreichen Bedürfnisse Deines Volkes, des Hauses Israel, in Freigebigkeit und in Fülle, ohne große Mühe und Anstrengung, aus Deiner reinen Hand und nicht aus den Händen von Menschen. Möge es Dir wohlgefällig sein, HERR, mein Gott und Gott meiner Väter, mir und allen meinen Hausgenossen alles zu bereiten, was uns fehlt, und uns all unsere Bedürfnisse zu sichern – jeden Tag unseres Lebens nach unserem Bedarf und jede Stunde nach unserem Erfordernis, und jedem Knochen von unseren Knochen nach dem Lebensbedarf, wie es Deiner guten und freigebigen Hand gebührt, und nicht entsprechend unseren nichtigen Taten, unserer begrenzten Güte und unserer winzigen Barmherzigkeit. Möge mein Lebensunterhalt und der Lebensunterhalt meiner Hausgenossen, meiner Nachkommen und der Nachkommen meiner Nachkommen in Deine Hände gelegt sein und nicht in die Hände von Menschen.
Mit einem solchen Gebet endet das Studium des Abschnitts über den Man.
Haftara. Teil 1. Schoftim
Schemot Kapitel 4
Zusammen mit unserem Wochenabschnitt Beschalach wird ein Abschnitt aus dem Buch Schoftim gelesen. Da dieser Abschnitt lang und wichtig ist (von Vers 4 des Kapitels 4 bis zum Ende von Kapitel 5), werden wir ihn in zwei Teile aufteilen. Und damit verständlicher ist, worum es überhaupt geht, beginnen wir mit Vers 1 zu lesen. Also, Kapitel 4, Vers 1:
1. Und die Söhne Israels fuhren fort, Böses zu tun in den Augen des HERRN, Ehud aber war gestorben.
Ehud – das ist der Richter, von dem im vorherigen Teil des Buches die Rede war, wir werden nicht zu ihm zurückkehren.
2. Und der Höchste verkaufte sie in die Hände Jawins, des kanaanäischen Königs, der in Chazor regierte; und sein Heerführer – Sisra, er wohnt in der Stadt, die Charoschet-haGojim heißt.
Wenn sich jemand erinnert: Im Buch Jehoschua ben Nun wurde schon Jawin erwähnt – der kanaanäische König, der in Chazor regierte. Aber das ist nicht derselbe Jawin. Die Sache ist die, dass es einen Namen gibt, der Herrschern eigen ist. So geschieht es oft an Königshöfen, wie zum Beispiel mit den Ludwigen in Frankreich. Die Fantasie war gering, deshalb nannte man sie oft mit ein und demselben Namen. Und vielleicht geht es hier um Jawin VIII. oder Jawin X. – kurz, um irgendeinen der nummerierten Jawins. Das ist der kanaanäische König, der in der Stadt Chazor sitzt. Und sein Heerführer heißt Sisra. Dieser Name ist philistäisch, das ist wichtig. Und was sagt uns die Tatsache, dass der Name philistäisch ist? Dass die Philister zu dieser Zeit (13. Jahrhundert v. Chr.) begannen, in das Land Israel einzudringen. Möglicherweise gab das dem kanaanäischen König Jawin aus Chazor Hoffnung, den Kopf zu erheben. Die Ankunft einer neuen Kraft in der Region, und zwar einer realen Kraft (die Philister sind ziemlich starke Krieger, mit einer gut ausgerüsteten Armee) – das ist eine Chance auf Revanche.
Die Lage der Stadt Charoschet-haGojim ist bis heute nicht bestimmt, und es gibt viel Streit darüber. Es gibt 4–5 verschiedene Varianten, aber eines ist klar – das ist eine Stadt, ein Ort, der sich im Tal Jisre'el befindet, und das Tal Jisre'el ist die zentrale Ader, die den Süden und den Norden Israels verbindet. Indem sie sich im Tal Jisre'el niederlassen, an einem so sehr strategischen Ort, trennen Sisra und seine Armee den Süden und den Norden Israels. Er trennt den Stamm Jissachar, Sewulun und Naftali, das heißt die nördlichen Stämme, von den südlichen Stämmen. So eine politische Lage hatte sich ergeben.
וַיִּצְעֲקוּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֶל־יְהוָה כִּי תְּשַׁע מֵאוֹת רֶכֶב־בַּרְזֶל לוֹ וְהוּא לָחַץ אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל בְּחָזְקָה עֶשְׂרִים שָׁנָה׃
3 Und es schrien (riefen) die Söhne Israels zum HERRN, denn er hatte 900 eiserne Streitwagen, und er unterdrückte die Söhne Israels mit Gewalt 20 Jahre lang.
Das heißt, er, der kanaanäische König, hat für die damaligen Zeiten schwere Panzertechnik. Israel hat zu diesem Zeitpunkt – Bögen, Schleudern, Steine und Knüppel und die Hilfe des Höchsten, an die sie sich bis zu dieser Zeit nicht gewandt hatten. Nach 20 Jahren kanaanäischer Besatzung, offenbar mit Unterstützung der Philister, schrien die Israeliten zum HERRN. Das ist also die Vorgeschichte. Und mit Vers 4 beginnt eigentlich unsere Haftara, jener prophetische Abschnitt, der mit unserem Wochenabschnitt gelesen wird.
וּדְבוֹרָה אִשָּׁה נְבִיאָה אֵשֶׁת לַפִּידוֹת הִיא שֹׁפְטָה אֶת־יִשְׂרָאֵל בָּעֵת הַהִיא׃
udworá ischá newi'á éschet lappidót hi schofetá et-jisraél ba'ét hahí
4 Und Dworá, eine Frau, eine Prophetin, und sie richtete Israel zu jener Zeit.
Der Ausdruck, der hier verwendet wird, éschet lappidót – das ist ein erstaunlicher Ausdruck. Die Kommentare dazu sagen mehr über die Kommentatoren als über Dwora selbst. Manche sagen, dass éschet lappidót bedeutet, dass Dwora die Frau eines gewissen Lapidot ist, und er, wie manche weiter sagen, sei eben jener Barak, von dem wir in Vers 6 lesen werden. Woher kommt eine solche Version? Auf Hebräisch sind lappidót – Fackeln, Antlitze der Flamme; barák – das ist Blitz, und im Grunde läuft alles auf ein und denselben Mann hinaus. Andere sagen, dass éschet lappidót bedeutet, dass sie in der von der Gerichtsarbeit freien Zeit Dochte für die Leuchter des Tempels machte. Aber am wahrscheinlichsten ist es doch, den Ausdruck éschet lappidót im selben Sinn zu verstehen wie den Ausdruck éschet cháil aus dem Buch Mischle (31,29) – gotterfolgreiche Frau, tatkräftige Frau. Somit ist éschet lappidót eine Frau der feurigen Antlitze, fähig, Feuer in den Herzen der Menschen zu entfachen, eine initiativreiche oder, wie man heute sagen würde, charismatische Frau mit Führungsqualitäten. Und das ist an sich schon wunderbar, dass eine Frau ein solches Amt innehaben kann: Wir schreiben ja, erinnern wir uns, das 13. Jahrhundert v. Chr.
וְהִיא יוֹשֶׁבֶת תַּחַת־תֹּמֶר דְּבוֹרָה בֵּין הָרָמָה וּבֵין בֵּית־אֵל בְּהַר אֶפְרָיִם וַיַּעֲלוּ אֵלֶיהָ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לַמִּשְׁפָּט׃
wehí joschéwet tachat-tómer Dworá ben haramá uwén bet-él behár efrájim waja'alú eléha bené jisraél lammischpát
5 Und sie sitzt unter der Palme Dworas zwischen Rama und Bejt-El (nördlich von Jerusalem), auf dem Berg Efrajims, und die Söhne Israels kamen zu ihr zum Gericht.
Dwora sitzt unter einer Palme, die eben so heißt – Palme Dworas, das heißt, alle wissen, wo man sie findet, ihr Büro befindet sich unter der Palme. Und sie ist nicht nur Prophetin, sie ist auch Richterin. Was bedeutet – die Söhne Israels kamen zum Gericht? Wenn jemand irgendeine Sache hatte, irgendeinen Streit, irgendeine Frage, kamen sie zu ihr, um diese Frage zu klären, um Weisheit, um Urteilsvermögen kamen sie zu ihr. Und das ist es, was diese erstaunliche Frau tut:
וַתִּשְׁלַח וַתִּקְרָא לְבָרָק בֶּן־אֲבִינֹעַם מִקֶּדֶשׁ נַפְתָּלִי וַתֹּאמֶר אֵלָיו הֲלֹא צִוָּה יְהוָה אֱלֹהֵי־יִשְׂרָאֵל לֵךְ וּמָשַׁכְתָּ בְּהַר תָּבוֹר וְלָקַחְתָּ עִמְּךָ עֲשֶׂרֶת אֲלָפִים אִישׁ מִבְּנֵי נַפְתָּלִי וּמִבְּנֵי זְבֻלוּן׃
wattischlách wattikrá lewarák ben-awinó'am mikkédesch naftalí wattómer eláw halo-ziwwá adonáj elohe-jisraél lech umaschachtá behár tawór welakachtá immechá asséret alafím isch mibbené naftalí umibbené sewulún
6 Und sie sandte und rief zu sich einen Mann namens Barak ben Awino'am, aus Kedesch-Naftali, und so sagte sie zu ihm: „Der HERR, der Gott Israels, hat dir doch geboten; und organisiere dich auf dem Berg Tawor und sammle mit dir zehntausend Mann aus den Söhnen Naftalis und aus den Söhnen Sewuluns.
Dwora schickte irgendwelche Boten und rief zu sich, auf die Lichtung vor der Palme, einen Mann namens Barak, den Sohn Awino'ams, der in der Stadt Kedesch im Stamm Naftali wohnt. Der von Dwora gesagte Satz kann bedeuten: „Du hast dieses Gebot schon von Ihm gehört, aber du hast nicht darauf geantwortet, deshalb wiederhole ich es dir.“ Wie ich schon gesagt habe, meinen manche, dass das ihr Mann ist. Ich kann diese Meinung nicht teilen, aber das ist die Meinung angesehener Rabbiner, und streiten werde ich mit ihnen auch nicht.
Der Berg Tawor (Tabor) ist heute als Berg der Verklärung bekannt, und zu jenem Zeitpunkt ist das der einzige Berg, der sich buchstäblich mitten in der flachen Ebene Jisre'el erhebt. Das ist ein Berg, auf dem es viel Vegetation gibt, dort gibt es Grün – hauptsächlich nicht fruchttragendes, dort sind hauptsächlich nicht fruchttragende Bäume, und es gibt keine Quellen, aber was wichtig ist – es ist der einzige Berg im Tal Jisre'el. Einerseits natürlich ein strategisch günstiger Ort, aber nicht ohne Nachteile.
Warum muss man Leute aus den Stämmen Naftali und Sewulun sammeln? Weil das die Stämme sind, die am meisten unter der Unterdrückung leiden.
וּמָשַׁכְתִּי אֵלֶיךָ אֶל־נַחַל קִישׁוֹן אֶת־סִיסְרָא שַׂר־צְבָא יָבִין וְאֶת־רִכְבּוֹ וְאֶת־הֲמוֹנוֹ וּנְתַתִּיהוּ בְּיָדֶךָ׃
umaschachtí elécha el-náchal kischón et-Sisrá sar-zewá jawín we'et-richbó we'ét-hamonó untattíhu bejadécha
7 Und ich werde zu dir heranziehen, herbeiführen, zum Bach Kischon, Sisra, der der Feldherr Jawins ist, und seinen Streitwagen und sein ganzes Heer, und werde ihn in deine Hände geben.“
Was sagt die Prophetin hier zu Barak? Barak ist offenbar ein Militärmann. Das ist ein Mensch, der es schaffen wird, 10 000 zu sammeln und sie anzuführen. Sie sagt zu ihm: „So gebietet es ja der HERR. Organisiere eine Armee auf dem Berg Tawor, sammle dort 10 000 Mann. Ich werde Sisra, seine ganze Armee zu dir heranziehen, herbeiführen und ihn dort in deine Hände geben.“
וַיֹּאמֶר אֵלֶיהָ בָּרָק אִם־תֵּלְכִי עִמִּי וְהָלָכְתִּי וְאִם־לֹא תֵלְכִי עִמִּי לֹא אֵלֵךְ׃
wajomer eléha barák im-telechí immí wehaláchti we'im-ló telechí immí lo eléch
8 Und Barak sagte zu ihr: „Wenn du mit mir gehst, gehe ich; wenn du nicht mit mir gehst, gehe ich nicht.“
Die Antwort Baraks, der, wie wir gesagt haben, ein Militärmann ist, wirkt hier ziemlich kindisch. Wozu braucht er unterwegs diese Frau? Wiederum sagen Kommentatoren (diejenigen, die die Version vorbringen, dass er mit Dwora verheiratet war): Seht, so ein Pantoffelheld, ohne seine Frau geht er nirgendwohin. Höchstwahrscheinlich geht es hier um etwas völlig anderes. Natürlich ist der Berg Tawor ein strategisch vorteilhafter Ort, aber Sisra hätte diesen Berg umzingeln können, und diejenigen, die sich dort verbarrikadiert hätten (wie später auf Masada, im 1. Jahrhundert n. Chr. während des Jüdischen Krieges), hätten zur Niederlage verurteilt sein können, da es auf ihm kein Wasser gibt und wenig Nahrung. Und wenn Barak plötzlich anfängt, eine Armee zu sammeln und einen solchen Plan für die Kriegshandlungen vorzuschlagen, dann werden viele potenzielle Reservisten sich an die Stirn tippen und sagen: „Barak, diese Mission ist selbstmörderisch, auf diese Sache lassen wir uns nicht ein.“ Und damit das Volk sich auf diese Sache einlassen kann, damit wirklich 10 000 Mann mobilisiert werden, damit das gelingt, damit das Volk sich entschließt, muss Dwora mitgehen. Daher ist es natürlich, dass Barak denkt: „Wenn Dwora mitgeht, an die man glaubt, von der man weiß, dass sie Prophetin ist, dann wird das nicht einfach bedeuten, dass Dwora mit uns gegangen ist, das wird bedeuten, dass der HERR mit uns geht.“ Dwora hört Baraks Antwort an.
וַתֹּאמֶר הָלֹךְ אֵלֵךְ עִמָּךְ אֶפֶס כִּי לֹא תִהְיֶה תִּפְאַרְתְּךָ עַל־הַדֶּרֶךְ אֲשֶׁר אַתָּה הוֹלֵךְ כִּי בְיַד־אִשָּׁה יִמְכֹּר יְהוָה אֶת־סִיסְרָא וַתָּקָם דְּבוֹרָה וַתֵּלֶךְ עִם־בָּרָק קֶדְשָׁה׃
wattómer halóch eléch immách éfes ki lo tihjé tif'artechá al-haddérech aschér attá holéch ki wejad-ischá jimkór adonáj et-sisrá wattákom dworá wattélech im-barák kédscha
9 Und sie sagte zu ihm: „Ich werde mit dir gehen, aber wisse du, dass dir auf diesem Weg kein Ruhm zuteilwerden wird, denn in die Hände einer Frau wird der HERR Sisra geben.“ Und Dwora stand auf und ging mit Barak nach Kedesch (in seine Stadt).
Man kann das so verstehen: „Wenn ich mit dir gehe, dann weißt du, dass es keinen Ruhm geben wird, denn ich werde als Siegerin gelten.“ Aber wieder geht es nicht ganz darum. Wir werden später erfahren, dass in der Geschichte noch eine Frau namens Ja'el beteiligt sein wird, in deren Hände der Höchste Sisra tatsächlich ausliefern wird. Und hier warnt Dwora Barak und sagt: „Ich werde mit dir gehen, aber wisse du, dass wir beide nicht um des Ruhmes willen gehen, der Ruhm wird dem Höchsten gehören.“
וַיַּזְעֵק בָּרָק אֶת־זְבוּלֻן וְאֶת־נַפְתָּלִי קֶדְשָׁה וַיַּעַל בְּרַגְלָיו עֲשֶׂרֶת אַלְפֵי אִישׁ וַתַּעַל עִמּוֹ דְּבוֹרָה׃
wajas'ék barák et-sewulún we'et-naftalí kédscha wajá'al beragláw asséret alfé isch wattá'al immó dworá
10 Und Barak rief die Krieger aus Sewulun und aus Naftali nach Kedesch zusammen, und es versammelten sich zu ihm zehntausend Mann, und Dwora stieg zusammen mit ihm hinauf.
Stieg hinauf – gemeint ist wohl, dass sie auf den Berg Tawor hinaufstieg. Der nächste Vers unterbricht gleichsam unsere interessante Erzählung und berichtet ein wichtiges Detail, das wir später brauchen werden.
וְחֶבֶר הַקֵּינִי נִפְרָד מִקַּיִן מִבְּנֵי חֹבָב חֹתֵן מֹשֶׁה וַיֵּט אָהֳלוֹ עַד־אֵלוֹן בַּצְעַנִּים )בְּצַעֲנַנִּים( אֲשֶׁר אֶת־קֶדֶשׁ׃
wechéwer hakkení nifrád mikkájin mibbené chowáw chotén mosché wajét aholó ad-elón beza'ananním aschér et-kédesch
11 Chewer der Keniter aber trennte sich von den Kenitern, die Söhne Chowaws, des Schwiegervaters Mosches, sind, und er stellte sein Zelt unweit von Kedesch auf.
Das heißt, unter den Verwandten Jitros (hier wird er Chowaw genannt), des Schwiegervaters Mosches, gab es den Stamm der Keniter, der neben Israel wohnte, und ein gewisser Chewer aus diesem Stamm trennte sich von ihnen. Wieder werden wir dieses Detail später für die Erzählung brauchen. Es ist hier hineingeflochten und erscheint uns zufällig – irgendein Chewer von den Kenitern ist irgendwohin umgezogen, und dieser Umzug hat, so scheint es, mit unseren Ereignissen überhaupt nichts zu tun. Aber beim Höchsten gibt es so etwas nicht.
וַיַּגִּדוּ לְסִיסְרָא כִּי עָלָה בָּרָק בֶּן־אֲבִינֹעַם הַר־תָּבוֹר׃
wajaggídu lessisserá ki alá barák ben-awinó'am har-tawór
12 Und man meldete Sisra, dass Barak, der Sohn Awino'ams auf den Berg Tawor hinaufgezogen war.
Sisra (wie wir es auch vermutet haben) kann so überlegen: „Auf dem Berg kann man Barak belagern und zusammen mit den zehntausend Kriegern vernichten. Das wird die Wende bringende Siegesschlacht. Das ist unser letzter und entscheidender Kampf.“
וַיַּזְעֵק סִיסְרָא אֶת־כָּל־רִכְבּוֹ תְּשַׁע מֵאוֹת רֶכֶב בַּרְזֶל וְאֶת־כָּל־הָעָם אֲשֶׁר אִתּוֹ מֵחֲרֹשֶׁת הַגּוֹיִם אֶל־נַחַל קִישׁוֹן׃
wajas'ék sisrá et-kol-richbó teschá meót réchew barsél we'et-kol-ha'ám aschér ittó mecharóschet haggojím el-náchal kischón
13 Und Sisra versammelte sein ganzes schweres Heer, neunhundert eiserne Kampfwagen, und das ganze Volk, das mit ihm war, aus seiner Stadt Charoschet-haGojim zum Bach Kischon.
וַתֹּאמֶר דְּבֹרָה אֶל־בָּרָק קוּם כִּי זֶה הַיּוֹם אֲשֶׁר נָתַן יְהוָה אֶת־סִיסְרָא בְּיָדֶךָ הֲלֹא יְהוָה יָצָא לְפָנֶיךָ וַיֵּרֶד בָּרָק מֵהַר תָּבוֹר וַעֲשֶׂרֶת אֲלָפִים אִישׁ אַחֲרָיו׃
wattomér dworá el-barák kum ki se hajom aschér natán adonáj et-sisrá bejadécha haló adonáj jazá lefanécha wajéred barák mehár tawór wa'asséret alafím isch acharáw
14 Und Dwora sagte zu Barak: „Steh auf, das ist der Tag, an dem der HERR Sisra in deine Hände geben wird, der HERR geht doch vor dir her.“ Und Barak stieg vom Berg Tawor hinab, und zehntausend Mann gingen mit ihm.
Also steigen zehntausend schwach bewaffnete Krieger vom Berg Tawor in Richtung des Baches Kischon hinab, dem Angriffsheer Sisras entgegen, in dem neunhundert Kampfwagen und sonstige Ausrüstung sind.
וַיָּהָם יְהוָה אֶת־סִיסְרָא וְאֶת־כָּל־הָרֶכֶב וְאֶת־כָּל־הַמַּחֲנֶה לְפִי־חֶרֶב לִפְנֵי בָרָק וַיֵּרֶד סִיסְרָא מֵעַל הַמֶּרְכָּבָה וַיָּנָס בְּרַגְלָיו׃
wajáhomDie russische Umschrift hat in der ersten Silbe des ersten Wortes einen falschen Vokal. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: „wajáhom“. adonáj et-sisrá we'et-kol-haréchew we'et-kol-hammachané lefi-chérew lifné warák wajéred sisrá me'ál hammerkawá wajános beragláw
15 Und der HERR verwirrte Sisra und seine ganze schwere motorisierte Infanterie und das ganze Lager, und in Verwirrung begannen sie vor dem Schwert Baraks zu fliehen. Und Sisra stieg von seinem Streitwagen herab und floh zu Fuß.
Also, etwas ist geschehen. Verwirrung ist im Heer geschehen, in der motorisierten Infanterie, in den motorisierten Schützeneinheiten Sisras, was Sisra zwang, vom Streitwagen herabzusteigen und loszulaufen. Was ist denn geschehen? Aus der Geschichte, die uns später Dwora erzählen wird, und auch aus dem, was Josef ben Matitjahu (Flavius Josephus) erzählt, kann man verstehen, dass der Bach Kischon durch einen unerwarteten Regenguss, durch ein unerwartetes Hochwasser anstieg, über die Ufer trat und den Boden des Tals Jisre'el in schwer passierbaren Schlamm verwandelte, in dem die Streitwagen Sisras stecken blieben, sodass man sie zurücklassen musste. Obwohl ein Mensch ja nicht einfach so von einem Panzer steigt. Ein Wunder? Nun, natürlich ein Wunder. Gibt es im Sommer Regen im Land Israel (und wir verstehen, dass sich das Geschehen im Sommer abspielt)? Sehr selten. Vielleicht kommt es mit einer Periodizität von einmal in 10–15 Jahren im Sommer in Israel, besonders im Tal Jisre'el, zu starken Regenfällen und Gewittern. Im Indischen Ozean entstehen Monsune – Winde, die im Sommer vom Ozean her aufs Festland wehen. Und obwohl sie in jener fernen Region wehen, weht manchmal einer der Windströme in Richtung des Landes Israel, und dann beginnen Gewitter – von Eilat und weiter hinauf durch das Tal Jisre'el bis nach Bejt-Schean. Dieser Wind heißt „Strom des Roten Meeres“. Und hier können wir eine Parallele zum prophetischen Abschnitt zu unserem Wochenabschnitt sehen: Es wehte ein Wind vom Roten Meer, ließ den Bach steigen und hat erneut die Streitwagen Sisras, wenn schon nicht versenkt, so doch zumindest demoliert, und Sisra floh.
וּבָרָק רָדַף אַחֲרֵי הָרֶכֶב וְאַחֲרֵי הַמַּחֲנֶה עַד חֲרֹשֶׁת הַגּוֹיִם וַיִּפֹּל כָּל־מַחֲנֵה סִיסְרָא לְפִי־חֶרֶב לֹא נִשְׁאַר עַד־אֶחָד׃
uwarák radáf acharé haréchew we'acharé hammachané ad charóschet haggojím wajippól kol-machané sisrá lefi-chérew lo nisch'ár ad-echád
16 Und Barak jagte den (wohl durch den Schlamm) fahrenden Streitwagen nach bis ganz nach Charoschet-haGojim, und das ganze Lager Sisras kam durch das Schwert um, niemand blieb übrig.
וְסִיסְרָא נָס בְּרַגְלָיו אֶל־אֹהֶל יָעֵל אֵשֶׁת חֶבֶר הַקֵּינִי כִּי שָׁלוֹם בֵּין יָבִין מֶלֶךְ־חָצוֹר וּבֵין בֵּית חֶבֶר הַקֵּינִי׃
wesisrá nas beragláw el-óhel ja'él éschet chéwer hakkení ki schalóm ben jawín melech-chazór uwén bet chéwer hakkení
17 Und Sisra floh auf seinen Füßen (zu Fuß), gelangte bis zum Zelt einer Frau namens Ja'el, denn es gab einen Friedensvertrag zwischen Jawin, dem König von Chazor, und zwischen dem Haus Chewers des Keniters.
Vielleicht war das die Frau Chewers des Keniters selbst, des Oberhaupts des Volksstammes selbst. Vielleicht war sie aber auch einfach eine der Frauen, die in seinem Volksstamm lebten. Wie wir gesagt haben, ist Chewer ein Verwandter Jitros, des Schwiegervaters Mosches. Und warum kam Sisra dorthin? Weil sie einen Friedensvertrag hatten. Er dachte, dass er in ein verbündetes Haus einkehrt, aber, wie es oft vorkommt, weit gefehlt.
וַתֵּצֵא יָעֵל לִקְרַאת סִיסְרָא וַתֹּאמֶר אֵלָיו סוּרָה אֲדֹנִי סוּרָה אֵלַי אַל־תִּירָא וַיָּסַר אֵלֶיהָ הָאֹהֱלָה וַתְּכַסֵּהוּ בַּשְּׂמִיכָה׃
wattezé ja'él likrát sisrá wattómer eláw surá adoní surá eláj al-tirá wajássar eléha ha'óhela wattechasséhu bassemichá
18 Und Ja'el ging Sisra entgegen und sagte zu ihm: „Komm herein, komm herein, Herr, zu mir, fürchte dich nicht.“ Und er ging zu ihr ins Zelt hinein, und sie bedeckte ihn mit einer Decke.
Es drängt sich das allereinfachste Verständnis auf. Im modernen Hebräisch ist smichá eben eine Decke. Und, sozusagen, kam Sisra zu Ja'el, und sie deckte ihn mit einer Decke zu, was sehr nett ist. Aber man kann das auch anders verstehen, wenn man annimmt, dass smícha in diesem Fall den Vorhang des Zeltes bedeutet. Das heißt, Sisra trat bei ihr ein, und sie zog den Vorhang des Zeltes zu, damit niemand etwas sieht.
וַיֹּאמֶר אֵלֶיהָ הַשְׁקִינִי־נָא מְעַט־מַיִם כִּי צָמֵאתִי וַתִּפְתַּח אֶת־נֹאוד הֶחָלָב וַתַּשְׁקֵהוּ וַתְּכַסֵּהוּ׃
wajomer eléhaDie russische Umschrift schreibt im zweiten Wort einen Ch-Laut statt eines H. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: „eléha“ (zu ihr). haschkini-ná me'at-májim ki zaméti wattiftách et-nód hechaláw wattaschkéhu wattechasséhu
19 Und er sagte zu ihr: „Gib mir ein wenig Wasser zu trinken, denn ich dürste.“ Und sie öffnete den Schlauch mit Milch und gab ihm zu trinken und deckte ihn zu.
Eine Begegnung eines Mannes und einer Frau unter solchen Umständen ruft natürlich Gerede hervor. Diese Begegnung hat auch unter den Weisen Gerede hervorgerufen. Es gibt Weise, die sagen, dass es unbedingt intime Nähe zwischen Sisra und Ja'el gab, nun, anders kann es nicht sein. Einige Weise sagen, gestützt auf spätere Worte Dworas, dass Sisra Ja'el siebenmal genommen hat, bis er sich völlig erschöpft hatte. Man kann alles Mögliche sagen, aber hier ist das nicht zu sehen. Hier ist zu sehen, dass ein müder, vom Kampf ausgezehrter Mann ins Haus zu einer Frau kam, die ihm Milch eingoss. (Wiederum sagen einige Kommentatoren, dass es Muttermilch war, und wiederum sagen Kommentare oft mehr über die Kommentatoren als über die Ereignisse.) Und dieser Mann, nachdem er Milch getrunken hat, will schlafen.
וַיֹּאמֶר אֵלֶיהָ עֲמֹד פֶּתַח הָאֹהֶל וְהָיָה אִם־אִישׁ יָבוֹא וּשְׁאֵלֵךְ וְאָמַר הֲיֵשׁ־פֹּה אִישׁ וְאָמַרְתְּ אָיִן׃
wajomer eléha amód pétach ha'óhel wehajá im-ísch jawó usch'eléch we'amár hajesch-pó isch we'amárt ájin
20 Und er sagte zu ihr: „Steh am Eingang des Zeltes. Und es wird sein, wenn jemand kommt und fragt: ‚Ist hier jemand?‘ Und du wirst sagen: ‚Nein‘.“
Interessant ist, dass er sich an sie in der männlichen Form wendet: amod (steh) statt imdi. Aber hier ist das vielleicht ein Befehl solcher Art: „Ich beauftrage dich, am Eingang des Zeltes zu stehen.“
וַתִּקַּח יָעֵל אֵשֶׁת־חֶבֶר אֶת־יְתַד הָאֹהֶל וַתָּשֶׂם אֶת־הַמַּקֶּבֶת בְּיָדָה וַתָּבוֹא אֵלָיו בַּלָּאט וַתִּתְקַע אֶת־הַיָּתֵד בְּרַקָּתוֹ וַתִּצְנַח בָּאָרֶץ וְהוּא־נִרְדָּם וַיָּעַף וַיָּמֹת׃
wattikkách ja'él eschet-chéwer et-jetád ha'óhel wattásem et-hammakkéwet bejadáh wattawó eláw ballát wattitká et-hajatédIn der russischen Umschrift sind im Wort für „Pflock“ zwei Buchstaben vertauscht, und die Worte vom Hammer bis „und schlug“ fehlen. Die deutsche Umschrift folgt dem vollständigen hebräischen Vers. berakkató wattiznách ba'árez wehu-nirdám wajá'af wajamót
21 Und Ja'el, von den Frauen Chewers, nahm, sie nahm einen Pflock vom Zelt, und nahm einen kleinen Vorschlaghammer (vielleicht hatte sie einen Hammer für Schnitzel), trat leise an ihn heran und stieß ihm den Pflock in die Schläfe, und er sackte zusammen; so starb er, schläfrig und müde.
וְהִנֵּה בָרָק רֹדֵף אֶת־סִיסְרָא וַתֵּצֵא יָעֵל לִקְרָאתוֹ וַתֹּאמֶר לוֹ לֵךְ וְאַרְאֶךָּ אֶת־הָאִישׁ אֲשֶׁר־אַתָּה מְבַקֵּשׁ וַיָּבֹא אֵלֶיהָ וְהִנֵּה סִיסְרָא נֹפֵל מֵת וְהַיָּתֵד בְּרַקָּתוֹ׃
wehinné warák rodéf et-sisrá wattezé ja'él likrató wattómer lo lech we'ar'ékka et-ha'ísch ascher-attá mewakkésch wajawó eléha wehinné sisrá nofél met wehajatéd berakkató
22 Und Barak jagte inzwischen auf der Suche nach Sisra umher. Und Ja'el ging ihm entgegen und sagte zu ihm: „Komm, ich zeige dir den, den du suchst.“ Und er kam zu ihr, und siehe, Sisra liegt tot da, und der Pfahl in seiner Schläfe.
וַיַּכְנַע אֱלֹהִים בַּיּוֹם הַהוּא אֵת יָבִין מֶלֶךְ־כְּנָעַן לִפְנֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל׃
wajachná elohím bajom hahú et jawín melech-kená'an lifné bené jisraél
23 Und der HERR unterwarf an jenem Tag Jawin, den König von Kanaan, vor den Söhnen Israels.
וַתֵּלֶךְ יַד בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל הָלוֹךְ וְקָשָׁה עַל יָבִין מֶלֶךְ־כְּנָעַן עַד אֲשֶׁר הִכְרִיתוּ אֵת יָבִין מֶלֶךְ־כְּנָעַן׃
wattélech jad bene-jisraél halóch wekaschá al jawín melech-kená'an ad aschér hichrítu et jawín melech-kená'an
24 Und die Hand der Israeliten lag immer schwerer und schwerer auf Jawin, dem König von Kanaan, bis sie Jawin, den König von Kanaan, endgültig vernichtet hatten.
So endet das vierte Kapitel des Buches Schoftim, aber nicht unser wöchentlicher Abschnitt. Wir setzen im zweiten Teil des Gesprächs fort, aber man kann schon eine gewisse Schlussfolgerung ziehen. Manchmal geschehen die Wunder des HERRN nicht als etwas völlig Übernatürliches, sondern wie ein Puzzle, das sich zeitlich so genau zusammenfügt, wie es nur Der zusammenfügen kann, Der die Welt lenkt. Und wenn wir vom Wind aus dem Indischen Ozean sprechen, wenn wir von jemandem sprechen, der zur rechten Zeit an den rechten Ort umgezogen ist, und von einer Prophezeiung, die zur rechten Zeit gesprochen ist – all das, zusammengenommen, ist auch ein Wunder des HERRN. Und solche Wunder sollen wir auch in unserem eigenen Leben bemerken und für sie danken.
Haftara. Teil 2. Schoftim (Kapitel 5)
Das ist die Fortsetzung unseres Gesprächs über die Haftara zum Wochenabschnitt Beschalach. Im vierten Kapitel haben wir davon gelesen, dass der Höchste durch die Prophetin Dwora Israel ermutigte, den Krieg gegen den König von Kanaan, Jawin, zu beginnen, der in Chazor saß, und gegen seinen Heerführer Sisra. Dieser Krieg endete mit einem wunderbaren Sieg Israels in einem ungleichen Kampf. Und im fünften Kapitel lesen wir ein Preislied, das bekannte Lied Dworas, das sie zum Lobpreis des Höchsten verfasst.
וַתָּשַׁר דְּבוֹרָה וּבָרָק בֶּן־אֲבִינֹעַם בַּיּוֹם הַהוּא לֵאמֹר׃
wattáschar deworá uwarák ben-awinó'am bajom hahú lemór
1 Und Dwora und Barak, der Sohn Awino'ams, sangen an diesem Tag und sprachen:
בִּפְרֹעַ פְּרָעוֹת בְּיִשְׂרָאֵל בְּהִתְנַדֵּב עָם בָּרֲכוּ יְהוָה׃
bifróa pera'ót bejisraél behitnaddéw am barechú adonáj
2 „Als Israel sich in Empörung empörte, als das Volk seinen guten Willen zeigte, segnet den HERRN!
שִׁמְעוּ מְלָכִים הַאֲזִינוּ רֹזְנִים; אָנֹכִי לַיהוָה אָנֹכִי אָשִׁירָה אֲזַמֵּר לַיהוָה אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל׃
schim'ú melachím ha'asínu rosením anochí ladonáj anochí aschíra asammér ladonáj elohé jisraél
3 Hört, ihr Könige, horcht auf, ihr Würdenträger, ich werde dem HERRN singen, und spielen werde ich dem HERRN, dem Gott Israels!
יְהוָה בְּצֵאתְךָ מִשֵּׂעִיר בְּצַעְדְּךָ מִשְּׂדֵה אֱדוֹם אֶרֶץ רָעָשָׁה גַּם־שָׁמַיִם נָטָפוּ גַּם־עָבִים נָטְפוּ מָיִם׃
adonáj bezetechá misse'ír beza'dechá missedé edóm érez ra'áscha gam-schamájim natáfu gam-awím nátefu májim
4 HERR, als Du aus Se'ir auszogst, als Du von den Feldern Edoms schrittest, war das Land in AufruhrDer Autor gebraucht hier ein seltenes russisches Wort, das etwa „von Lärm betäubt“ oder „aufgewühlt“ bedeutet. Es ist mit „in Aufruhr“ wiedergegeben. (das Land erbebte – man kann sagen, das wurde von Erdbeben begleitet), und die Himmel troffen von Tropfen, und aus den Wolken floss Wasser.
Wir haben, als wir das vierte Kapitel besprachen, über die Natur dessen gesprochen, wie es dazu kam, dass die im Grunde kleine Quelle Kischon die Wagen Sisras fortgerissen hat. Sie trat über die Ufer, es gab Schlamm, und die Wagen blieben stecken. Und wir haben gesagt, dass es Fälle gibt, in denen im Sommer Gewitter vorkommen und die Quellen über die Ufer treten, der Boden weich wird und alles im Schlamm versinkt. Hier beschreibt Dwora, wie der Höchste daherkommt: als Wind durch die ganze Wüste zieht Er, und die Himmel tropfen von Wasser.
הָרִים נָזְלוּ מִפְּנֵי יְהוָה זֶה סִינַי מִפְּנֵי יְהוָה אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל׃
harím naselú mippené adonáj se sináj mippené adonáj elohe jisraél
5 Und die Berge schmolzen vor dem HERRN. Das war, wie vom Sinai, ein Wehen des Windes, das vom HERRN ausging, dem Gott Israels.
Wörtlich – die Berge flossen (naselú), von dem Wort nosél (Flüssigkeit). Wenn man sich das als einen wirklich starken Wind vorstellt, der von Süden kam und durch den Sinai zog, sagt Dwora, dass es wie vom Sinai ist. Und verbindet damit diesen starken Wind mit dem Geist der Tora, mit dem Geist der Rückkehr des Volkes zur Tora, der eigentlich auch zur Ursache des Sieges wurde, der Rückkehr des Volkes zum HERRN.
Im sechsten Vers beschreibt Dwora, was für eine traurige Situation vorher war.
בִּימֵי שַׁמְגַּר בֶּן־עֲנָת בִּימֵי יָעֵל חָדְלוּ אֳרָחוֹת וְהֹלְכֵי נְתִיבוֹת יֵלְכוּ אֳרָחוֹת עֲקַלְקַלּוֹת׃
bimé schamgár ben-anát bimé ja'él chadelú orachót weholeché netiwót jelechú orachót akalkallót
6 In den Zeiten Schamgars, des Sohnes Anats (Schamgar ist ein Richter in Israel), in den Zeiten Ja'els verschwanden die geraden Wege, und die, die reisen mussten, gingen auf irgendwelchen Seitenwegen, Umwegen, krummen Straßen, auf geheimen Pfaden.
… in den Zeiten Ja'els – es stellt sich die Frage, wer diese Ja'el ist. Wenn das jene Ja'el ist, die im vorigen Kapitel vorkam, warum wird sie dann hier erwähnt? Rabbi Schlomo Jizchaki, ein maßgeblicher jüdischer Kommentator, sagt: „Daraus schließen wir, dass auch Ja'el Richterin in Israel war.“ Obwohl wir lesen, dass Ja'el im Grunde ja gar keine Israelitin ist, vielleicht. Sie gehört zum Volksstamm der Nachkommen Jitros. Andererseits gibt es einen Kommentar, gibt es ein solches Verständnis: seit dem Moment, als Ja'el dort ein Zelt aufstellte. Denn weiter lesen wir es verschwanden die geraden Wege, das heißt, man konnte nicht mehr auf der Hauptstraße, auf der großen Landstraße gehen, alles war gesperrt. Und möglicherweise hat Ja'el in jenen Tagen dort das Zelt aufgestellt und half den Reisenden auf den fernen Pfaden. So kann man die Erwähnung Ja'els hier verstehen. Aber ich wiederhole noch einmal: Raschi sagt, dass diese Erwähnung hier davon spricht, dass auch Ja'el Richterin in Israel war.
חָדְלוּ פְרָזוֹן בְּיִשְׂרָאֵל חָדֵלּוּ עַד שַׁקַּמְתִּי דְּבוֹרָה שַׁקַּמְתִּי אֵם בְּיִשְׂרָאֵל׃
chadelú ferasón bejisraél chadellú ad schakkámti deworá schakkámti em bejisraél
7 Es verschwanden in jener Zeit die offenen Städte in Israel, bis ich aufstand, Dwora, bis ich aufstand, eine Mutter in Israel!
Es verschwanden die offenen Städte – es verschwanden die Städte, die nachts nicht geschlossen werden. Es verschwanden die Städte, die man nicht mit Verteidigungsmauern umgeben würde. Aber man kann es auch in einem weiteren Sinn verstehen, dass das Gefühl der Sicherheit verschwand. Das ist so das erste „Ich bin doch Mutter“ – die jüdische Version. Ich bin Mutter in Israel. Ich bin aufgestanden und bin für mein Volk eingetreten.
יִבְחַר אֱלֹהִים חֲדָשִׁים אָז לָחֶם שְׁעָרִים מָגֵן אִם־יֵרָאֶה וָרֹמַח בְּאַרְבָּעִים אֶלֶף בְּיִשְׂרָאֵל׃
jiwchár elohím chadaschím as lachém sche'arím magén im-jera'é warómach be'arba'ím élef bejisraél
8 Gott erwählte Neue (oder: erwählte neue Götter), da kam der Krieg bis an die Tore der Stadt, und wird man jetzt etwa vierzigtausend Krieger Israels mit Lanzen sehen? (wie es bei Jehoschua ben Nun war)
Gott erwählte Neue oder erwählte neue Götter. Hier kann man es unterschiedlich verstehen. Einige Kommentatoren sagen, dass der Höchste gleichsam seine Beziehungen erneuert hat, Sein Bündnis mit Israel erneuert und sie von Neuem erwählt hat. Gleichsam sie von Neuem geboren und mit ihnen einen Bund geschlossen. Aber man kann es auch in Richtung einer Anklage verstehen: Das Volk Israel erwählte andere Götter. Davor, dass das Volk Israel anderen Göttern nachgehen kann, warnte schon Mosche am Ende des Buches Dewarim. Und ich neige zu diesem Verständnis: Das Volk Israel wurde dafür bestraft, dass es andere Götter erwählt hat. Und weil das Volk Israel sich anderen Göttern zugewandt hat, hat Israel jetzt nicht mehr solche Kraft, wie sie in den Zeiten Jehoschua ben Nuns war. Wenn wir aber gemäß dem anderen Verständnis sprechen, das ich als erstes angeführt habe, dann hat der HERR erneut mit Israel einen Bund geschlossen, und jetzt wird es sich nicht vor vierzigtausend Kriegern mit Lanzen fürchten. Man kann auch so sagen, dass Israel jetzt waffenlos dastand. Unter den Kriegern hat vielleicht nur einer auf vierzigtausend eine Lanze. Man kann es auch so übersetzen.
Es gibt solche Stellen der Schrift, bei denen unklar ist, wie man richtig übersetzt. Und der ehrlichste, der kompetenteste Übersetzer wird zwischen verschiedenen Verständnissen schwanken. Hier kann man entweder dem Glauben folgen oder der Intuition folgen. Und ich habe euch einige Übersetzungsvarianten angeboten, damit ihr entscheidet, ob ihr dem Glauben oder der Intuition folgt.
Und so hat Dwora beschrieben, wie das alles war. Und weiter sagt sie:
לִבִּי לְחוֹקְקֵי יִשְׂרָאֵל הַמִּתְנַדְּבִים בָּעָם בָּרֲכוּ יְהוָה׃
libbí lechokeké jisraél hammitnaddewím ba'ám barechú adonáj
9 Mein Herz gilt den Gesetzgebern Israels, ihr Tugendhaften im Volk, segnet den HERRN!
רֹכְבֵי אֲתֹנוֹת צְחֹרוֹת יֹשְׁבֵי עַל־מִדִּין וְהֹלְכֵי עַל־דֶּרֶךְ שִׂיחוּ׃
rochewé atonót zechorót joschewé al-middín weholeché al-dérech síchu
10 Die, die auf weißen Eselinnen reiten (das heißt reiche, angesehene Leute), die, die auf Atlaskissen sitzen (das heißt wieder irgendein Adel), und die, die einfach Fußgänger durch Pfützen sind (das heißt aus dem einfachen Volk, die, die vielleicht barfuß über die Erde gehen), preist, preist den HERRN!
Auf weißen Eselinnen reiten – das ist wie heute in einem schwarzen getönten Geländewagen fahren. Preist, preist den HERRN dafür, dass sich alles verändert hat. Dafür, dass man jetzt ohne Furcht durch Israel reisen kann.
מִקּוֹל מְחַצְצִים בֵּין מַשְׁאַבִּים שָׁם יְתַנּוּ צִדְקוֹת יְהוָה צִדְקֹת פִּרְזֹנוֹ בְּיִשְׂרָאֵל אָז יָרְדוּ לַשְּׁעָרִים עַם־יְהוָה׃
mikkól mechazezím ben masch'abbím scham jetannú zidkót adonáj zidkót pirsonó bejisraél as jaredú lasche'arím am-adonáj
11 Lauter als die Stimme der Pfeifchen wird dem Höchsten Lobpreis dargebracht werden. Israel ist befreit! Und auf diese Ausrufung hin wird sich das Volk an den Toren der Städte versammeln, um den Höchsten zu preisen.
Lauter als die Stimme der Pfeifchen (der Instrumente, die die Herden zu den Brunnen rufen) – man kann sagen, dass man an den Orten, wo sich die Leute versammeln, um die Herden zu tränken, lauter, als sie die Herden zusammenrufen, dort den Höchsten preisen wird, wenn man von diesem Fest hört, von diesem Tag des Sieges.
עוּרִי עוּרִי דְּבוֹרָה עוּרִי עוּרִי דַּבְּרִי־שִׁיר קוּם בָּרָק וּשֲׁבֵה שֶׁבְיְךָ בֶּן־אֲבִינֹעַם׃
urí urí deworá urí urí dabberi-schír kum barák uschawé schewechá ben-awinó'am
12 Erwache, erwache, Dwora (Dwora ermuntert sich selbst), wach auf, wach auf, sprich ein Lied! Erhebe dich, Barak, und nimm deine Gefangenen gefangen, Sohn Awino'ams.
Sieg! Man kann den Höchsten preisen. Man kann Beute nehmen, sammeln.
אָז יְרַד שָׂרִיד לְאַדִּירִים עָם יְהוָה יְרַד־לִי בַּגִּבּוֹרִים׃
as jerád saríd le'addirím am adonáj jerad-lí baggibborím
13 Da überwand der Rest, das kaum überlebende Volk, die Großen, zusammen mit dem HERRN bezwang es die Helden.
Und im vierzehnten Vers erwähnt Debora diejenigen, die daran teilgenommen haben.
מִנִּי אֶפְרַיִם שָׁרְשָׁם בַּעֲמָלֵק אַחֲרֶיךָ בִנְיָמִין בַּעֲמָמֶיךָ מִנִּי מָכִיר יָרְדוּ מְחֹקְקִים וּמִזְּבוּלֻן מֹשְׁכִים בְּשֵׁבֶט סֹפֵר׃
minní efrájim schorschám ba'amalék acharécha winjamín ba'amamécha minní machír jaredú mechokekím umissewulún moschechím beschéwet sofér
14 Jene Gezählten aus Efrajim, die schon vor langer Zeit den Sieg über Amalek auf ihr Konto verbucht hatten, und nach dir Binjamin, merkt euch auch Machir; und von Machir kamen Gelehrte, und von Sewulun diejenigen, die den Pinsel führen.
Machir ist der Sohn Menasches. Wenn man von Machir spricht, wird er oft mit Menasche in Verbindung gebracht.
… diejenigen, die den Pinsel führen. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass nicht Proletarier kamen, nicht Krieger, nicht Teilnehmer irgendwelcher militärischen Wettkämpfe, nicht Ritter, sondern sogar Schreiber, sogar, sozusagen, die kreative und nicht kreative Intelligenz aus dem Stamm Sewulun, aus dem Stamm Menasche kam.
וְשָׂרַי בְּיִשָּׂשכָר עִם־דְּבֹרָה וְיִשָּׂשכָר כֵּן בָּרָק בָּעֵמֶק שֻׁלַּח בְּרַגְלָיו בִּפְלַגּוֹת רְאוּבֵן גְּדֹלִים חִקְקֵי־לֵב׃
wesaráj bejissachár im-deworá wejissachár ken barák ba'émek schullách beragláw biflaggót re'uwén gedolím chikeke-léw
15 Und die Anführer Jissachars mit Dwora, Jissachar und Barak zogen zu Fuß durch das Tal (sie kämpften, sozusagen: „Wir beide, Bruder, sind von der Infanterie“), aber in den Reihen Re'uwens gibt es viele Zweifelnde (Re'uwen überlegte zu lange, ob er an dieser Sache teilnehmen sollte oder nicht).
לָמָּה יָשַׁבְתָּ בֵּין הַמִּשְׁפְּתַיִם לִשְׁמֹעַ שְׁרִקוֹת עֲדָרִים לִפְלַגּוֹת רְאוּבֵן גְּדוֹלִים חִקְרֵי־לֵב׃
lámma jascháwta ben hammischpetájim lischmóa scherikót
adarím liflaggót re'uwén gedolím chikre-léw
16 Warum saßest du zwischen den Pferchen (dort bei dir im fernen Ausland; Re'uwens Erbteil liegt jenseits des Jordan), um zu hören, wie man den Herden pfeift? Sehr viele Zweifel und Qualen in den Reihen Re'uwens.
גִּלְעָד בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן שָׁכֵן וְדָן לָמָּה יָגוּר אֳנִיּוֹת אָשֵׁר יָשַׁב לְחוֹף יַמִּים וְעַל מִפְרָצָיו יִשְׁכּוֹן׃
gil'ád be'éwer hajardén schachén wedán lámma jagúr onijot aschér jascháw lechóf jammím we'ál mifrazáw jischkón
17 Gil'ad blieb denn auch jenseits des Jordan. Und Dan – wozu hat er die Schiffe mit seinem Reichtum vollgestopft, um zu warten, wann man ablegt? Genauso auch Ascher, der am Ufer der Meere wohnt, der dort an seinen Buchten weilt.
Gil'ad – das ist der zweite Teil des Stammes Menasche, die Nachkommen Ja'irs, des Sohnes Menasches.
Bei Weitem nicht alle schlossen sich diesem Krieg an. Alle entfernten Stämme kamen nicht, um in diesem Krieg zu kämpfen. Das spricht natürlich von der Uneinigkeit unter den Söhnen Israels.
זְבֻלוּן עַם חֵרֵף נַפְשׁוֹ לָמוּת וְנַפְתָּלִי עַל מְרוֹמֵי שָׂדֶה׃
sewulún am cheréf nafschó lamút wenaftalí al meromé sadé
18 Sewulun kämpfte bis zur Selbstaufopferung, und Naftali siegte auf dem Schlachtfeld (man kann es übersetzen als: kämpfte auf den Hügeln).
בָּאוּ מְלָכִים נִלְחָמוּ אָז נִלְחֲמוּ מַלְכֵי כְנַעַן בְּתַעְנַךְ עַל־מֵי מְגִדּוֹ בֶּצַע כֶּסֶף לֹא לָקָחוּ׃
báu melachím nilchámu as nilchamú malché chená'an beta'nách al-mé megiddó béza késsef lo lakáchu
19 Es kamen Könige (es versammelten sich Könige), um zu kämpfen, alle kanaanäischen Könige (alle kanaanäischen Heere versammelten sich, um zu kämpfen) von der Stadt Ta'anach bis Me Megiddo. Und diese ganze Menge (dieses ganze große Heer) blieb ohne Beute.
Von der Stadt Ta'anach bis Me Megiddo – hier wird die Entfernung (das Gebiet) beschrieben, das die Horden einnahmen, die sich gegen 10 000 schwach bewaffnete Krieger Israels zusammengerottet hatten.
Zu jenen Zeiten war ein Mensch, wenn er in den Krieg zog, entweder ein Söldner und bekam Lohn, oder er rechnete damit, irgendwo etwas zu plündern, und am häufigsten sowohl das eine als auch das andere. Und diese Menge, die danach gierte, sich an etwas aus israelischer Produktion zu bereichern, an irgendwelchen Waren aus israelischer Produktion, blieb ohne Beute.
מִן־שָׁמַיִם נִלְחָמוּ הַכּוֹכָבִים מִמְּסִלּוֹתָם נִלְחֲמוּ עִם־סִיסְרָא׃
min-schamájim nilchámu hakkochawím mimmessillotám nilchamú im sisserá
20 Und es war ein solches Gefühl, dass auch die Sterne sich so fügten, dass sie gegen Sisra kämpften.
Wenn Sisra nach irgendeinem Horoskop Ausschau hielt, nach irgendetwas, das ihn hätte ermutigen können (denn unter anderem verehrte er auch die Sterne und glaubte an die Astrologie), und wenn er erwartete, dass die Sterne ihn irgendwie schützen könnten, dann nein, nichts davon geschah. Viele Kommentatoren sagen, dass auch Meteoriten vom Himmel fielen und die Munition Sisras bombardierten. Man kann es auch so verstehen.
נַחַל קִישׁוֹן גְּרָפָם נַחַל קְדוּמִים נַחַל קִישׁוֹן תִּדְרְכִי נַפְשִׁי עֹז׃
náchal kischón gerafám náchal kedumím náchal kischón tidrechí nafschí
21 Der Strom des Kischon riss sie fort (schwemmte sie weg). Das ist ein uralter Bach, der Bach des Kischon. Schreite, meine Seele, mutig!
Das heißt, sie spricht davon, dass sie alle von diesem Schlamm aus dem Kischon-Strom weggeschwemmt worden sind. Bloß der Strom des Kischon! Mutig, mutig schreite, meine Seele! Das heißt, geh über dieses Schlachtfeld, geh umher, meine Seele, geh umher, genieße den Sieg! Das ist ein großes, großes Fest. Das Gefühl der Freude, des Sieges lässt Dwora offenbar einfach schier platzen.
אָז הָלְמוּ עִקְּבֵי־סוּס מִדַּהֲרוֹת דַּהֲרוֹת אַבִּירָיו׃
as halému ikkewe-sús middaharót daharót abbiráw
22 Und da schlugen die Hufe der Pferde die eigenen Reiter tot.
Das handelt von den Helden. Das handelt vom Sieg.
Im dreiundzwanzigsten Vers stehen erstaunliche Worte:
אוֹרוּ מֵרוֹז אָמַר מַלְאַךְ יְהוָה אֹרוּ אָרוֹר יֹשְׁבֶיהָ כִּי לֹא־בָאוּ לְעֶזְרַת יְהוָה לְעֶזְרַת יְהוָה בַּגִּבּוֹרִים׃
óru merós amár mal'ách adonáj óru arór joscheweha ki lo-wáu le'esrát adonáj le'esrát adonáj baggibborím
23 „Verflucht Meros – sprach der Engel des HERRN –, verflucht ihn, Verfluchte, die in ihm wohnen, denn sie sind dem HERRN nicht zu Hilfe gekommen in Seinem Krieg gegen die Krieger.“
Es gibt eine Diskussion darüber, was Meros ist. Die einen sagen, dass das irgendeine so wichtige Familie ist. Andere sagen (und das ist die passendste Variante), dass Meros irgendeine Stadt ist, die sich dort in der Nähe befand. Aber es gibt auch eine kühnere Meinung, in der gesagt wird, dass Meros der Mars ist. Das heißt, gemäß diesem kühnen Kommentar ist Meros der Name des Planeten Mars. Da wir sagen, dass auch die Sterne kämpften, ist hier gleichsam gemeint: Verflucht sind die Marsianer, weil sie dem HERRN nicht zu Hilfe gekommen sind. Nun, lassen wir das als einen solchen exotischen Kommentar stehen, obwohl er ziemlich verbreitet ist. Nach der Verteilung der Flüche gibt es auch eine Verteilung der Segnungen.
תְּבֹרַךְ מִנָּשִׁים יָעֵל אֵשֶׁת חֶבֶר הַקֵּינִי מִנָּשִׁים בָּאֹהֶל תְּבֹרָךְ׃
teworách minnaschím ja'él eschét chéwer hakkení minnaschím ba'óhel teworách
24 Gesegnet sei unter den Frauen Ja'el, von den Frauen Chewers, des Keniters, gesegnet sei sie unter allen Frauen, die in Zelten wohnen.
Weiter sehen wir, mit welchem Spott Dwora die Geschichte Ja'els und Sisras nacherzählt.
מַיִם שָׁאַל חָלָב נָתָנָה בְּסֵפֶל אַדִּירִים הִקְרִיבָה חֶמְאָה׃
májim scha'ál chaláw natána beséfel addírim hikríwa chem'á
25 Er kam und bat sie um Wasser, sie aber gab ihm Milch in einem großen Becher, Sähnchen gab sie ihm.
יָדָהּ לַיָּתֵד תִּשְׁלַחְנָה וִימִינָהּ לְהַלְמוּת עֲמֵלִים וְהָלְמָה סִיסְרָא מָחֲקָה רֹאשׁוֹ וּמָחֲצָה וְחָלְפָה רַקָּתוֹ׃
jadá lajatéd tischláchna wiminá lehalmút amelím wehalemá sisserá machaká roschó umachazá wechalefá rakkató
26 Ihre Hand streckte sie nach dem Pflock vom Zelt aus, und ihre Rechte nach dem Hammer, und (ein ziemlich derbes Wort) sie knallte Sisra eine, zerschmetterte seinen Kopf, und sie durchschlug seine Schläfe.
בֵּין רַגְלֶיהָ כָּרַע נָפַל שָׁכָב בֵּין רַגְלֶיהָ כָּרַע נָפָל בַּאֲשֶׁר כָּרַע
שָׁם נָפַל שָׁדוּד׃
ben ragléha kará nafál schacháw ben ragléha kará nafál ba'aschér kará scham nafál schadúd
27 Zwischen ihren Beinen beugte er sich und fiel, lag zwischen ihren Beinen, beugte sich und fiel. Dort, wo er sich beugte, dort fiel er auch, ausgeplündert.
Gerade auf Grundlage dieses Verses gibt es Ausleger, die sagen, dass Sisra, bevor er wegdämmerte und bevor er getötet wurde, sich siebenmal Ja'els bemächtigt hat. Denn es steht geschrieben kará nafál (beugte sich, fiel), zwischen ihren Beinen beugte er sich, fiel, beugte sich, fiel. Und so wird hier auf irgendeine Weise siebenmal errechnet. Aber ich kann einen solchen Kommentar nicht annehmen. Viel logischer ist, dass ein Mann, der vom Schlachtfeld geflohen war, einfach vor Müdigkeit umgekippt ist. Und man kann es so verstehen (und viele sehen das), dass er sich krampfhaft an ihre Beine klammerte, wie man sich an die Hörner des Altars klammert. Das heißt, er versuchte irgendwie in den letzten Zuckungen, sich an etwas festzuhalten, wie man sich an die Hörner des Altars klammert. Man kann diese Symbolik sehen.
Weiter malt Dwora sarkastisch folgendes Bild.
בְּעַד הַחַלּוֹן נִשְׁקְפָה וַתְּיַבֵּב אֵם סִיסְרָא בְּעַד הָאֶשְׁנָב מַדּוּעַ בֹּשֵׁשׁ רִכְבּוֹ לָבוֹא מַדּוּעַ אֶחֱרוּ פַּעֲמֵי מַרְכְּבוֹתָיו׃
be'ád hachallón nischkefá wattejabbéw em sisserá be'ád ha'eschnáw maddúa boschésch richbó lawó maddúa echerú pa'amé markewotáw
28 Sie schaut ins Fensterchen und jault leise, die Mutter Sisras, sie schaut durch das Klappfenster: „Warum verspätet sich denn sein schneller Wagen? Warum hört man nicht das Pferdegetrappel seiner Wagen?“
חַכְמוֹת שָׂרוֹתֶיהָ תַּעֲנֶינָּה אַף־הִיא תָּשִׁיב אֲמָרֶיהָ לָהּ׃
chachmót sarotéha ta'anénna af-hí taschíw amaréha la
29 Es beruhigen sie mit einem Gespräch ihre klugen Dienerinnen, sie aber spricht in ihrem Herzen weiter mit ihm (mit Sisra).
הֲלֹא יִמְצְאוּ יְחַלְּקוּ שָׁלָל רַחַם רַחֲמָתַיִם לְרֹאשׁ גֶּבֶר שְׁלַל צְבָעִים לְסִיסְרָא שְׁלַל צְבָעִים רִקְמָה צֶבַע רִקְמָתַיִם לְצַוְּארֵי שָׁלָל׃
haló jimzé'u jechallekú schalál rácham rachamatájim lerósch géwer schelál zewa'ím lesisséra schelál zewa'ím rikmá zéwa rikmatájim lezaweré schalál
30 Da werden auch sie (sowohl die Mama Sisras als auch ihre weisen Dienerinnen) gefunden und als Beute verteilt werden, nach Gebärmutter, je zwei Gebärmütter auf den Kopf eines Mannes, und siehe, für sie sind bunte Überwürfe bereitet, bestickte vielfarbige Überwürfe. Diese Überwürfe sind über die Hälse der Frauen geworfen, die als Beute genommen wurden.
Und vielleicht weint sie gerade jetzt und wartet auf ihren Sohn: „Warum kommt er denn nicht?“ Doch es werden die kommen, die sowohl sie als auch alle ihre Dienerinnen gefangen nehmen. Sehr, man kann sagen, grobe, harte Worte – jedem Kerl zwei Frauen, zwei Schöße. Und in diesen bunten Überwürfchen werden sie in die Gefangenschaft ziehen: Es gibt eine solche Tradition, dass die Gefangenen solche bunten bestickten Überwürfe mitnahmen (rikmá bedeutet Stickerei).
Und Dwora beschließt ihren Lobpreis mit den Worten:
כֵּן יֹאבְדוּ כָל־אוֹיְבֶיךָ יְהוָה וְאֹהֲבָיו כְּצֵאת הַשֶּׁמֶשׁ בִּגְבֻרָתוֹ וַתִּשְׁקֹט הָאָרֶץ אַרְבָּעִים שָׁנָה׃
ken jowedú chol-ojewécha adonáj we'ohawáw kezét haschémesch bigwurató wattischkót ha'árez arba'ím schaná
31 So sollen alle Deine Feinde vergehen, HERR! Die aber, die Ihn lieben, werden strahlen wie die aufgehende Sonne! Und es wird Ruhe sein auf der Erde vierzig Jahre.“
Lange, lange wird das reichen, um alle zu bändigen, die gekommen sind, um gegen Israel zu kämpfen. Nun, man kann die Worte Dworas wiederholen: „So sollen alle Deine Feinde vergehen, HERR!“ (ken jowedú chol-ojewécha adonáj). Nun, natürlich konnte unser Volk nicht anders, als aus diesen Worten ein Lied zu machen. Damit endet das fünfte Kapitel des Buches Schoftim, und es endet unsere Haftara zum Wochenabschnitt Beschalach.
Lest auch: Bo, Jitro, Gebet und Wochenabschnitte der Tora.