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- Bereschit
- Chaje Sara
חַיֵּי שָֹרָה
Chaje Sara
Machpela und die Braut Jizchaks
- Wochenabschnitt
- 5 von 54
- Verse
- Bereschit 23,1–25,18
- Teile
- 9
- Lesezeit
- 1 Std. 51 Min.
- Hörfassung
- 2 Std. 57 Min.
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Chaje Sara ist der Wochenabschnitt über die Familie Awrahams und die Fortsetzung seines Weges. Im Stenogramm untersucht Alex Blend den Kauf der Höhle Machpela, die Suche nach einer Braut für Jizchak, die Taten Eliesers und die Schicksale der Söhne Keturas. Das Material umfasst Hebräisch, Transliteration, Übersetzung und die Auslegung des Autors.
Chaje Sara: Awraham und die Erdlinge
Bereschit 23,3–20
Wir beginnen, die Geschichte zu lesen, wie Awraham als Grabbesitz für sich und unser ganzes Volk (und auch für uns) die Höhle kaufte, die damals wie heute Me'arat Hamachpela (oder Doppelhöhle) heißt. Man könnte meinen, die Tora hätte dieses Ereignis einfach als Tatsache erwähnen und sagen können: „Seht, Awraham ging zu seinem Nachbarn, der Efron Ben-Zochar hieß, und kaufte ihm für den vollen Preis, für vierhundert Schekel (acht Kilogramm Silber nach heutigem Verständnis) ein Grundstück mit einer Höhle ab, das zum Grabbesitz wurde, wo er Sara begrub und wo er später selbst begraben wurde. Es wäre eine so kurze Erzählung gewesen, die bei der Knappheit der Tora durchaus in einen Vers hätte passen können. Dennoch gibt uns die Tora den vollständigen Inhalt der Verhandlungen Awrahams mit Efron wieder, der manchem langweilig erscheinen mag, wie ein Vertrag über den Verkauf einer Wohnung, aus dem höchstens ein Jurist schlau wird. Da wir keine Juristen sind und wenig über die antike Rechtswissenschaft wissen, werden wir versuchen zu lesen, was die Tora uns mit dieser Geschichte sagen will und welchen Schluss wir für uns ziehen können, was wir verstehen können. Versuchen wir, etwas für uns Aktuelles zu verstehen und zu sehen.
וַיָּקָם אַבְרָהָם מֵעַל פְּנֵי מֵתוֹ וַיְדַבֵּר אֶל-בְּנֵי-חֵת לֵאמֹר׃
Wajákom awrahám me'ál pené metó Wajdabbér el-bene-chét lemór
3 Und Awraham erhob sich von seinem Verstorbenen, von Sara, Und begann mit den Söhnen Chets zu reden:
Die Söhne Chets sind Söhne eines Nachkommen Kanaans. Kanaan ist, zur Erinnerung, der Sohn Chams, den Noach verfluchte. Das Land, in dem Awraham lebt, heißt eigentlich Kanaan, nach dem Namen ihres Vorfahren. Das Wort kanaan bedeutet Ergebenheit, Demut. Das Wort chet bedeutet Furcht, Schrecken. Ein unfroher Name für ein Volk weist in gewissem Maße auf eine Eigenschaft hin, an der das Volk in sich arbeitet. Wenn wir von Ergebenheit sprechen, gibt es gute Arten von Ergebenheit: Ergebenheit gegenüber dem Höchsten, Ergebenheit gegenüber den Geboten. Es gibt eine negative Ergebenheit: gegenüber dem Schicksal, den Umständen, Ergebenheit gegenüber Götzen, den eigenen bösen Eigenschaften usw. Das Wort chet – das ist Furcht, und auch Schrecken, eine negativere, schwere Eigenschaft, aber man kann sagen, dass Gott chet bringt, Furcht über Seine Feinde bringt, das begegnet uns im Tanach. So einen Namen hat das Volk. Das Land selbst heißt auch Kanaan. Das Land, das Awraham zum Erbe erhielt, hieß Kanaan, ein Ort der Berichtigung der Eigenschaft Ergebenheit. Also, Awraham spricht mit seinen Nachbarn. Und er beginnt so:
גֵּר-וְתוֹשָׁב אָנֹכִי עִמָּכֶם
ger-wetoscháw anochí immachém
4 „Fremdling und ständiger Bewohner bin ich bei euch,
Eine erstaunliche Verbindung zweier gegensätzlicher Wörter. Wer nennt sonst noch jemanden so? Das ganze Volk Israel wird so genannt. So nennt uns der Höchste. Im Buch Wajikra sagt Er, dass man das Land nicht für immer verkaufen darf, weil das Land Ihm gehört, und wir sind Fremdlinge und ständige Bewohner – gerím-wetoschawím, derselbe Ausdruck, nur im Plural. immadí – bei Mir, sagt der HERR. In gewissem Sinn sind wir alle Außerirdische, wir alle gehören einer anderen Welt an, der Welt des Höchsten, und sind Fremdlinge auf der Erde. Oder aber (auch das kommt leider vor) umgekehrt: Wir sind ständige Bewohner auf der Erde und Fremdlinge beim Höchsten. Dann sind wir, ist unsere Verbindung mit Ihm vorübergehend, solange wir hier leben. Was sagte Awraham dem Volk der Hethiter? Er sagte: „Ich bin ein Außerirdischer und Bewohner bei euch, zusammen mit euch“, das heißt, auch ihr könnt wie ich Außerirdische sein, Touristen auf dieser Erde, im Bewusstsein der Vorläufigkeit eures Aufenthalts auf dieser Erde. Und weiter sagt er etwas noch Seltsameres:
תְּנוּ לִי אֲחֻזַּת-קֶבֶר עִמָּכֶם וְאֶקְבְּרָה מֵתִי מִלְּפָנָי׃
tenú li achussat-kéwer immachém we'ekberá metí millefanáj
Gebt mir einen Grabbesitz unter euch, Und ich werde meine Toten bei mir begraben“.
Awraham braucht einen Grabbesitz. Was ist das? Das ist ein Ort, an den die Menschen die Verstorbenen legten. Man vergrub sie nicht in der Erde – man legte sie in eine Höhle. Nach einem Jahr, wenn der Körper verwest war, blieben die Knochen übrig, man sammelte sie und legte sie in einen besonderen Steinkasten, der gljuskma hieß (oder im Russischen Ossuarium) heißt, und stellte ihn auf ein Regal. Daneben wurden andere Verstorbene aus dieser Familie zu den Vorfahren gelegt, zu ihrem Volk gelegt. Auf diese Weise konnte ein Mensch einen Grabbesitz erwerben. Für jene Zeit konnte, wie wir aus den Gesetzen, den Gesetzessammlungen des Nahen Ostens wissen, die auf uns gekommen sind, Land als Besitz, als Grabbesitz, nur ein Einheimischer haben. Im Grunde bittet Awraham hier die Hethiter um das Bürgerrecht, bittet, ihm einen Pass im Zusammenhang mit dem Kauf einer Immobilie zu geben. Man sagt, dass wir letzten Endes alle Fremdlinge auf dieser Erde sind.
וַיַּעֲנוּ בְנֵי-חֵת אֶת-אַבְרָהָם לֵאמֹר לוֹ׃
waja'anú wene-chét et-awrahám lemór lo
5 Und die Hethiter antworteten Awraham und sagten zu ihm:
שְׁמָעֵנוּ
schema'énu
6 „Gehört haben wir
Schema'énu ist ein Begriff, der, wie wir wissen, in akkadischen, babylonischen Dokumenten als Beginn der Redebeiträge in Verhandlungen verwendet wird, er erklärt den Beginn der Verhandlungen. Jeder Redebeitrag jedes Teilnehmers beginnt mit dem Verb lischmó'a – hören.
שְׁמָעֵנוּ אֲדֹנִי נְשִׂיא אֱלֹהִים אַתָּה בְּתוֹכֵנוּ
schema'énu adoní nesí elohim attá betochénu
Hör, Herr, Du bist bei uns – Präsident (Minister oder Fürst Gottes),
Du bist unter uns ein Außerirdischer, du bist unter uns ein Fremdling. Du hast zu uns keinerlei Beziehung. Wir wollen nicht jenen Teil, jenen zweiten Teil, den du dort mit einem gewissen Elohim hast. Du bist unser Sein Botschafter hierIm Russischen steht hier wörtlich „unser Sein Botschafter“. Der Satz ist grammatisch ungewöhnlich und wurde bewusst wörtlich wiedergegeben., wir selbst wollen uns mit Ihm nicht einlassen. Aber zugleich sind wir ein gastfreundliches Volk.
בְּמִבְחַר קְבָרֵינוּ קְבֹר אֶת-מֵתֶךָ
bemiwchár kewarénu kewór et-metécha
In jedem unserer Gräber begrabe deinen Nächsten.
Wir werden dir unsere Höhle nicht geben, das heißt, eine Wohnung werden wir dir für deine Toten nicht verkaufen, wir werden dir für sie ein Hotel vermieten.
אִישׁ מִמֶּנּוּ אֶת-קִבְרוֹ לֹא-יִכְלֶה מִמְּךָ מִקְּבֹר מֵתֶךָ׃
isch mimménnu et-kiwró lo-jichlé mimmechá mikkewór metécha
Niemand wird es verbieten, niemand wird dir sein Grab wegnehmen, Begrabe deine Toten“.
Das heißt, wir geben dir hier kein Daueraufenthaltsrecht und eine Wohnung werden wir dir hier nicht verkaufen, aber als bloß Geduldeter, sozusagen, kannst du in unseren Gräbern wohnen. Scheinbar sind wir gut zu dir, aber verlange nicht zu viel von uns. Warum antworten sie so? Wir sagten, dass nur ein Bürger eine Wohnung bekommen kann, und deshalb werden sie sie auch nur einem Bürger verkaufen. Man kann es auch von der anderen Seite angehen und sagen, dass man durch den Erwerb einer Wohnung das Bürgerrecht erhält, das ist eine Frage der Auslegung des Gesetzes. Die Hethiter legen es in diese Richtung aus. Was heißt das: Ja, tatsächlich sagt der HERR, dass die ganze Erde Ihm gehört, deshalb kann man Land überhaupt niemandem verkaufen, und jeder Verkauf wird nur der Anschein eines Verkaufs sein. Deshalb nennt uns der Höchste Selbst gerim-wetoschawim – Fremdlinge und Bewohner. Aber die Hethiter wollen keine Brücke, wollen keine Verbindung, keine gegenseitige Durchdringung der göttlichen und der irdischen Welt, deshalb legen sie das Gesetz aus, wie sie es auslegen. Awraham hat offenbar gewisse Beziehungen unter den Hethitern, denn er sagt im siebten Vers:
וַיָּקָם אַבְרָהָם וַיִּשְׁתַּחוּ לְעַם-הָאָרֶץ לִבְנֵי-חֵת׃
wajákom awrahám wajischtáchu le'am-ha'árez liwne-chét
7 Und Awraham stand auf und verneigte sich vor dem Volk der ErdeDas russische Wort bedeutet zugleich „Land“ und „Erde“. Weil im Folgenden auf „Erdlinge“ angespielt wird, steht hier „Volk der Erde“ statt „Volk des Landes“. – den Hethitern.
Beachtet: Von diesem Moment an werden die Hethiter am-ha'arez – Volk der Erde genannt. Wenn Awraham ein Fremdling ist, dann sind die Hethiter Erdlinge.
וַיְדַבֵּר אִתָּם לֵאמֹר אִם-יֵשׁ אֶת-נַפְשְׁכֶם לִקְבֹּר אֶת-מֵתִי מִלְּפָנַי שְׁמָעוּנִי
wajdabbér ittám lemór im-jésch et-nafschechém likbór et-metí millefanáj schema'úni
8 Und er sprach zu ihnen und sagte: „Wenn eure Seele geneigt ist, Dass ich begraben kann, wenn ihr mir überhaupt helfen wollt, meine Verstorbenen zu begraben, Hört mich an,
Hier beginnt die Darlegung der Bitten. Ja, wir sagten, dass Bitten oder Erklärungen in Verhandlungen mit dem Verb hören beginnen.
וּפִגְעוּ-לִי בְּעֶפְרוֹן בֶּן-צֹחַר׃
ufig'u-lí be'efrón ben-zóchar
Verbindet mich mit einem Mann namens Efron ben-Zochar.
Ein sehr interessanter Name. Efron – Staub, eine Verkleinerungsform des Wortes Staub – ofar. Zochar ist weiß, hell, schneeweiß. Die Midraschim und besonders das Buch Sohar erzählen viel Interessantes über diesen Menschen. Insbesondere heißt es, dass Efron derselbe ist wie Dumá – der Engel, der im Scheol für die Gräber der Menschen zuständig ist und die Schlüssel zu allen Gräbern hat. Warum sagt das Buch Sohar das? Das ist natürlich nicht wörtlich zu verstehen, aber es hilft uns ein wenig, den wörtlichen Sinn hier zu verstehen. Da Awraham einen Grabbesitz im Land Israel erhalten will, wählt Awraham (und wir haben oft darüber gesprochen, dass Awraham gleichsam ein neuer Adam ist, er berichtigt vieles von dem, was Adam getan hat) den Ort, wo seine Verstorbenen liegen werden, symbolisch das ganze Volk Gottes bis zur Auferstehung. Er wählt, macht die Erde fähig, Menschen aufzuerwecken, und legt damit den Grund für das, was dann der Maschiach vollständig verwirklicht. Und deshalb gelangen diese Schlüssel symbolisch in die Hände Efron ben Zochars. Ebenso symbolisch heißt es auch, dass dort, in der Höhle, bereits Adam und Chawa liegen. Obwohl man das auch wörtlich verstehen kann, jedenfalls erzählt man auch heute, dass Adam dort begraben ist. Chawa ist eine etwas andere Geschichte, auf die wir nicht eingehen werden.
וְיִתֶּן-לִי אֶת-מְעָרַת הַמַּכְפֵּלָה אֲשֶׁר-לוֹ אֲשֶׁר בִּקְצֵה שָׂדֵהוּ בְּכֶסֶף מָלֵא יִתְּנֶנָּה לִי בְּתוֹכְכֶם לַאֲחֻזַּת-קָבֶר׃
wejitten-lí et-me'arát hammachpelá ascher-ló aschér bikzé sadéhu bechéssef malé jittenénna li betochechémDie Umschrift im Original hat hier „betotechem“. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: „betochechém“. la'achussat-káwer
9 Und dieser Efron ben-Zochar wird mir jene doppelte Höhle geben, Die er am Ende des Feldes hat, Für die volle Summe wird er sie mir geben Mitten, unter euch Als Grabbesitz“.
Das heißt, ich will doch versuchen, mit dem Mann zu sprechen, der Efron ben Zochar heißt, und ihn bitten, sie mir doch als Grabbesitz zu überlassen, das heißt nicht ein Hotel, sondern eine Grabwohnung will ich doch bei euch kaufen, bei diesem Mann, der Efron ben Zochar heißt.
וְעֶפְרוֹן יֹשֵׁב בְּתוֹךְ בְּנֵי-חֵת וַיַּעַן עֶפְרוֹן הַחִתִּי אֶת-אַבְרָהָם בְּאָזְנֵי בְנֵי-חֵת לְכֹל בָּאֵי שַׁעַר-עִירוֹ לֵאמֹר׃
we'efrón joschew betóch bene-chét wajá'an efrón hachittí et-awrahám be'osné wene-chét lechól ba'é scha'ar-iró lemór
10 Efron aber sitzt gerade mitten unter ihnen allen. Und Efron, der Hethiter, antwortete Awraham In die Ohren der Söhne Chets, So dass alle angesehenen Leute, alle, die zum Tor der Stadt kommen, es hörten.
לֹא-אֲדֹנִי
lo-adoní
11 „Nein, mein Herr.
Was – nein? Er ist nicht einverstanden, Awraham einen Grabbesitz zu geben. Folgendes sagt er:
שְׁמָעֵנִי הַשָּׂדֶה נָתַתִּי לָךְ וְהַמְּעָרָה אֲשֶׁר-בּוֹ לְךָ נְתַתִּיהָ לְעֵינֵי בְנֵי-עַמִּי נְתַתִּיהָ לָּךְ קְבֹר מֵתֶךָ׃
schema'éni hassadé natátti lach wehamme'ará ascher-bó lechá netattíha le'ené wene-ammí netattíha lach kewór metécha
Hör, Ich habe dir das Feld gegeben Und die Höhle, die darin ist, ich habe sie dir gegeben, Vor dem Angesicht des ganzen Volkes Habe ich sie dir gegeben, begrabe du deine Toten“.
Was hat Efron geantwortet? Lasst es uns noch einmal nacherzählen. Er sagte: „Nein, nicht so! Ich habe dir das Feld gegeben, und im Feld ist eine Höhle. Begrabe darin deine Toten.“ Nun, scheinbar ist das das, worum Awraham auch gebeten hat. Auf den ersten Blick. Warum sagt Efron dann nein, wenn es ja ist? In Wirklichkeit gibt es einen feinen Unterschied. Awraham bat um die Höhle und dazu das Feld. Der Hauptteil des Besitzes wird die Höhle sein. Wie besitzt man einen Grabbesitz? Ein Grabbesitz wird dadurch erworben, dass man darin Verstorbene begräbt. Wie nimmt man ein Feld in Besitz? Ein Feld nimmt man auf zwei Arten in Besitz. Die erste Variante des Erwerbs eines Grundstücks überhaupt ist, Geld dafür zu geben. Und von dem Moment an, in dem ich dafür bezahlt habe, gilt es als meins. Die zweite Variante: Ich habe bezahlt, aber es gilt nicht als meins, solange ich nicht begonnen habe, es zu bearbeiten. In jedem Fall gilt das Feld als mein Eigentum, solange ich es bearbeite. Awraham sagt: „Gebt mir die Höhle, gebt mir die Möglichkeit zu säen, das Tote hineinzulegen, das in der kommenden Welt auferstehen wird. Und daneben soll das Feld sein.“ Efron sagt: „Nein, so geht das nicht. Ich werde dir das Feld geben, in dem man säen muss, was jährlich aufgehen wird. Und dazu gebe ich dir als Zugabe die Höhle. Und wenn du das Feld nicht bestellst, dann wird auch dein Eigentum an der Höhle fraglich sein.“ Und diese Situation passt Awraham nicht besonders.
וַיִּשְׁתַּחוּ אַבְרָהָם לִפְנֵי עַם הָאָרֶץ׃
wajischtáchu awrahám lifné am-ha'árez
12 Und Awraham verneigte sich vor dem Volk der Erde (Awraham verneigte sich vor den Erdlingen).
וַיְדַבֵּר אֶל-עֶפְרוֹן בְּאָזְנֵי עַם-הָאָרֶץ לֵאמֹר אַךְ אִם-אַתָּה לוּ שְׁמָעֵנִי נָתַתִּי כֶּסֶף הַשָּׂדֶה קַח מִמֶּנִּי וְאֶקְבְּרָה אֶת-מֵתִי שָׁמָּה׃
wajdabbér el-efrón be'osné am-ha'árez lemór ach im-attá lu schema'éni natátti késsef hassadé kach mimménni we'ekberá et-metí schámma
13 Und er redete zu Efron in die Ohren der Erdlinge, in Gegenwart der Erdlinge, Und sagte: „Wenn du hören wirst, hör bitte /oder/ mein Angebot. Ich habe dir Geld für das Feld gegeben, Nimm es von mir, Damit ich dort die Toten begrabe“.
Das heißt, ich werde dir das Feld abkaufen, aber mit dem Recht, diese landwirtschaftliche Nutzfläche als Friedhof zu verwenden. Awraham schlägt ein anderes juristisches Schlupfloch vor.
וַיַּעַן עֶפְרוֹן אֶת-אַבְרָהָם לֵאמֹר לוֹ׃
wajá'an efrón et-awrahám lemór lo
14 Und Efron sprach zu Awraham und sagte:
אֲדֹנִי שְׁמָעֵנִי אֶרֶץ אַרְבַּע מֵאֹת שֶׁקֶל-כֶּסֶף
adoní schema'éni érez arbá me'ót schekel-késsef
15 „Hör mich an, Herr, hier ist mein Angebot: Ein Stück Land, das vierhundert Schekel Silber wert ist,
Und wir haben gesagt, dass ein Schekel etwa 19,2 SilberAuch im Original fehlt hier die Maßeinheit, gemeint sind vermutlich Gramm. Die Angabe wurde unverändert übernommen. ist. Also irgendwo acht Kilogramm (sehr grob gerundet).
בֵּינִי וּבֵינְךָ מַה-הִוא וְאֶת-מֵתְךָ קְבֹר׃
bení uwenécha ma-hí we'et-metechá kewór
Was ist das für uns? Begrabe du deine Toten“.
Hier übersetzen wir: Das Land, das vierhundert Schekel wert ist, zwischen mir und dir, was ist es. Und, was hier wichtig zu sehen ist, das ist eine Art Zuzwinkern Efrons an Awraham: „Zwischen mir und dir, dass du das Feld gekauft hast und dass du dafür bezahlt hast. Vierhundert Schekel Silber – das ist so ein guter, voller Preis. Niemand wird gegen dieses Geschäft Einwände erheben, und dann wirst du, mitcha kawer – dadurch, dass du hier die Toten begräbst, dieses Land erwerben. Das heißt, nicht die Bearbeitung des Feldes wird der Erwerb dieses Landes sein, sondern dass du hier Sara begräbst. Auf diese Weise wird es dir zum Grabbesitz.
וַיִּשְׁמַע אַבְרָהָם אֶל-עֶפְרוֹן וַיִּשְׁקֹל אַבְרָהָם לְעֶפְרֹן אֶת-הַכֶּסֶף אֲשֶׁר דִּבֶּר בְּאָזְנֵי בְנֵי-חֵת אַרְבַּע מֵאוֹת שֶׁקֶל כֶּסֶף עֹבֵר לַסֹּחֵר׃
wajischmá awrahám el-efrón wajischkól awrahám le'efrón et-hakkéssef aschér dibbér be'osné wene-chét arbá me'ót schékel késsef owér lassochér
16 Und Awraham hörte auf Efron Und Awraham wog Efron Das Gewicht des Silbers ab, von dem er in die Ohren der Söhne Chets gesprochen hatte. Und es wurden vierhundert Schekel Silber bezahlt.
Auf diese Weise erhielt Awraham durch einen verborgenen Vertrag die Möglichkeit, gerade das Land als Land zu erwerben, das die Toten für die Auferweckung bewahrt, das das Göttliche bewahrt. In den Augen aller Menschen aber ist das einfach ein Erwerb von Land für Geld. Und wir lesen weiter die juristische Erklärung, was für die anderen sichtbar war und was nur für den Leser sichtbar war.
וַיָּקָם שְׂדֵה עֶפְרוֹן אֲשֶׁר בַּמַּכְפֵּלָה
wajákom sedé efrón aschér bammachpelá
17 Und es wurde das Feld Efrons, das bemachpelá ist (das bei der Höhle ist)
Beachtet: Wenn früher die Höhle beim Feld war, dann ist jetzt das Feld bei der Höhle, das heißt, das Feld ist zweitrangig.
אֲשֶׁר לִפְנֵי מַמְרֵא הַשָּׂדֶה וְהַמְּעָרָה אֲשֶׁר-בּוֹ וְכָל-הָעֵץ אֲשֶׁר בַּשָּׂדֶה אֲשֶׁר בְּכָל-גְּבֻלוֹ סָבִיב׃
aschér lifné mamré hassadé wehamme'ará ascher-bó wechol-ha'éz aschér bassadé aschér bechol-gewuló sawíw
Vor dem Eichenhain Mamre, das Feld Und die ganze Höhle, die darin ist, Und jeder Baum, der auf dem Feld ist, Der in allen Grenzen ist.
לְאַבְרָהָם לְמִקְנָה לְעֵינֵי בְנֵי-חֵת בְּכֹל בָּאֵי שַׁעַר-עִירוֹ׃
le'awrahám lemikná le'ené wene-chét bechól ba'é scha'ar-iró
18 Es wurde zum Erwerb Awrahams Vor den Augen der Hethiter, aller, die dort sitzen.
Das heißt, alle verstanden, dass er das Feld gekauft hat, und die Höhle darin, und alles, was um die Höhle herum ist, alle Bäume und den ganzen Besitz. Den ganzen Garten kaufte Awraham, aber er begann nicht, ihn zu bearbeiten. Nicht durch die Bearbeitung des Landes hat er ihn erworben. Das Land Israel wird nicht durch Landwirtschaft erworben, obwohl die Landwirtschaft in Israel wunderbar ist, sie ist vielfach gesegnet. Aber wie hat Awraham eigentlich dieses Eigentum gesichert? Wir lesen darüber im 19. Vers:
וְאַחֲרֵי-כֵן קָבַר אַבְרָהָם אֶת-שָׂרָה אִשְׁתּוֹ אֶל-מְעָרַת שְׂדֵה הַמַּכְפֵּלָה עַל-פְּנֵי מַמְרֵא הִוא חֶבְרוֹן בְּאֶרֶץ כְּנָעַן׃
we'achare-chén kawár awrahám et-sará ischtó el-me'arát sedé hammachpelá al-pené mamré hi chewrón be'érez kená'an
19 Und danach Begrub Awraham seine Frau, Sara, in der Höhle beim Feld Machpela, vor dem Eichenhain Mamre, Der – Chewron ist, Im kanaanäischen Land.
וַיָּקָם הַשָּׂדֶה וְהַמְּעָרָה אֲשֶׁר-בּוֹ לְאַבְרָהָם
wajákom hassadé wehamme'ará ascher-bó le'awrahám
20 Und da wurde das Feld und die Höhle, die darin ist – Awrahams
Scheinbar wiederholt sich, was im 17. Vers geschrieben steht, aber wichtig ist gerade, wie Awraham erworben hat. Durch den Glauben, dass das Land im Grunde keine landwirtschaftliche Nutzfläche ist, sondern ein Grabbesitz, in dem auch die Auferstehung nach dem Begräbnis sein wird.
לַאֲחֻזַּת-קָבֶר מֵאֵת בְּנֵי-חֵת׃
la'achussat-kawér me'ét bene-chét
Es wurde zum Grabbesitz, Es wurde von den Erdlingen erhalten.
Die Fremdlinge haben gesiegt. Gesiegt haben nicht die, die mit der Erde leben und sich von der Erde ernähren, gesiegt haben die, die auf die Auferweckung von den Toten hoffen. Gesiegt haben die, die durch das Säen, so seltsam es ist, Me'arat Hamachpela wählen, als Grabhöhle, als Ort, an dem der tote Mensch sich auf seine Auferstehung vorbereitet, in Erwartung seiner Auferstehung. Man kann fragen: Und wozu brauchte das Efron, der Hethiter? Offenbar kannte er Awraham und handelte wie ein Schüler Awrahams. Nicht umsonst kannte Awraham ihn beim Namen. Das ist die Möglichkeit für einen Menschen aus dem Volk, die Lehre Awrahams zu berühren, durch das Erkennen der Lebensprinzipien, nach denen Awraham lebt.
Die Midraschim, ich wiederhole es, sagen sehr viel Schlechtes über Efron. Er ist ein sehr übler Kerl, wenn man den Midraschim glaubt: Er hat zu viel geredet, und einen hohen Preis hat er auch verlangt. Aber der Preis – der Preis ist ein ziemlich gewöhnlicher, und geredet hat er im Großen und Ganzen gewöhnlich. Wenn man den Pschat der Schrift liest, dann ist diese Schlechtigkeit Efrons nicht zu sehen. Was sich aber auf der Ebene des Pschat eröffnet, plus ein wenig das, was ich auch versucht habe nachzuerzählen.
וְאַבְרָהָם זָקֵן בָּא בַּיָּמִים וַיהוָה בֵּרַךְ אֶת־אַבְרָהָם בַּכֹּל׃
we'awrahám saken ba bajamim wadonáj berách et-awrahám bakkol
1 Awraham wurde alt, kam in die Tage, und der HERR segnete Awraham in allem.
Das heißt, das Alter Awrahams kam rechtzeitig, er wurde nicht vor der Zeit alt. Jaakow wird zum Pharao sagen (47,9): „Ich sehe viel älter aus als mein Alter. In Wirklichkeit sollte ich nicht so alt sein, das Leben hat mir zugesetzt.“ Awraham sieht alt aus, entsprechend seinem Alter. Er ist alt, aber er hat, sozusagen, sein Leben gelebt, er hat die Fülle der Tage erfahren.
„Der HERR segnete in allem“ – das bedeutet geistlich, materiell, in allen-allen-allen Schichten des Lebens. Der Midrasch fragt: „Wie kann man denn sagen, dass der Höchste Gott Awraham in allem gesegnet hat, wenn Awraham keine Tochter hatte?“ Und der Midrasch selbst antwortet: „Er hatte eine Tochter, es steht nur nicht darüber geschrieben. Er hatte eine Tochter, und sie hieß eben Bakkol (in allem).“ Nun, das ist nur ein Midrasch. Um diesen Midrasch herum bauen sich viele Gedanken darüber auf, dass der Knecht Awrahams seinen Sohn mit der Tochter Awrahams verheiraten wollte. Nun, und vieles dergleichen. Aber, wie die Kommentatoren sagen, man kann nicht einen Sohn aus dem einfachen Sinn der Tora mit einer Tochter aus dem Midrasch verheiraten, deshalb konnten sie auch nicht heiraten. Also, Awraham ist alt geworden, er ist in allem erfolgreich.
וַיֹּאמֶר אַבְרָהָם אֶל־עַבְדּוֹ זְקַן בֵּיתוֹ הַמֹּשֵׁל בְּכָל־אֲשֶׁר־לוֹ שִׂים־נָא יָדְךָ תַּחַת יְרֵכִי׃
wajomer awrahám el-awdo sekán betoDie Umschrift im Original schreibt hier „weto“. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: „beto“ (sein Haus). hammoschel bechol-ascher-lo sim-ná jadechá táchat jerechi
2 und Awraham sagte zu seinem Knecht, dem Ältesten seines Hauses, dem, der den ganzen Besitz Awrahams verwaltet: „lege mir die Hand unter die Hüfte (das heißt auf die Beschneidung)
Wenn wir das Wort Knecht lesen (wir haben unsere eigenen Vorstellungen von Knechtschaft), stellen wir uns den Knecht als einen solchen Menschen vor, der mit einer entblößten Schulter herumläuft (bei reichen Leuten waren beide Schultern bedeckt, beim Knecht – eine, um den Stoff des Herrn zu schonen, damit er die Lasten auf seiner eigenen Haut trug und nicht auf der Haut oder dem Stoff, aus dem der Herr die Kleidung nähte), also einen solchen von der Arbeit geplagten Menschen. Der Knecht Awrahams, von dem hier die Rede ist, – das ist der Geschäftsführer Awrahams, das ist der Vermögensverwalter, das ist ein Mensch vom Rang eines Ministers eines kleinen Landes. Gerade an ihn wendet sich Awraham.
Die Menschen schwören heute auf die Bibel, oder auf die Amerikanische Verfassung, oder auf die Verfassung Frankreichs, aber Awraham bittet seinen Knecht, auf die Beschneidung zu schwören, auf das Siegel des Bundes mit dem Höchsten. Er hat noch keine Tora, keinen Tanach, keine Bibel, auf die man die Hand legen könnte, deshalb schlägt er vor, die Hand auf die Beschneidung zu legen.
וְאַשְׁבִּיעֲךָ בַּיהוָה אֱלֹהֵי הַשָּׁמַיִם וֵאלֹהֵי הָאָרֶץ אֲשֶׁר לֹא־תִקַּח אִשָּׁה לִבְנִי מִבְּנוֹת הַכְּנַעֲנִי אֲשֶׁר אָנֹכִי יוֹשֵׁב בְּקִרְבּוֹ׃
we'aschbi'achá badonáj elohé haschamájim welohé ha'árez aschér lo-tikkách ischá liwní mibbenót hakkena'aní aschér anochí joschéw bekirbó
3 und ich werde dich beim HERRN beschwören, dem Gott des Himmels und der Erde, dass du meinem Sohn keine Frau von den Töchtern Kanaans nimmst, inmitten dessen ich wohne.
Hier wird Gott Gott des Himmels und der Erde genannt, weiter werden wir einen anderen Namen sehen und versuchen zu verstehen, worin denn der Unterschied besteht.
Awraham versteht, dass er gesegnet ist, dass er erfolgreich ist, und es gibt wahrscheinlich viele Nachbarinnen, Anwärterinnen, die davon träumen, dass Jizchak für sie eine gute Partie sein könnte. Oder jemand könnte ihm gefallen, und wenn etwas mit Awraham passiert, dann könnte der Knecht hingehen und Jizchak mit irgendeinem kanaanäischen Mädchen verheiraten – selbst urteilen, dass irgendein kanaanäisches Mädchen eine passende Partie für ihn sein wird.
כִּי אֶל־אַרְצִי וְאֶל־מוֹלַדְתִּי תֵּלֵךְ וְלָקַחְתָּ אִשָּׁה לִבְנִי לְיִצְחָק׃
ki el-arzí we'el-moladtí teléch welakachtá ischá liwní lejizchak
4 Sondern in mein Land, in meine Heimat geh, und dort wirst du eine Frau für meinen Sohn Jizchak nehmen.
Awraham selbst hatte sich seinerzeit auf den Weg gemacht und diesen Weg von seiner Heimat in das kanaanäische Land zurückgelegt, und er wünscht, dass auch die Frau, die sein Sohn haben wird, diesen Weg geht. Awraham weiß noch nicht, dass es Riwka sein wird, dass es wieder die Familie Terachs sein wird – im Grunde werden alle Frauen der Patriarchen später Terach-Töchter sein, werden aus der Familie Terachs stammen. Aber Awraham schickt den Knecht und sagt: „Möge auch die künftige Frau diese Entfernung zurücklegen.“ Viele sagen, dass natürlich, wenn ein Mensch sich mit jemandem in Kanaan verschwägert, er zu irgendwelchen Festen zum Schwiegervater gehen und allmählich, allmählich die Bräuche übernehmen kann. Wenn der Schwiegervater dagegen weit weg ist, wird es auch schwer sein, die Bräuche zu übernehmen, und ein Mädchen nimmt die Bräuche eines fernen Volkes leichter an, in dessen Mitte sie geholt wird. Viele Kommentatoren sagen, dass es, nachdem Awraham beinahe seinen Sohn als Opfer dargebracht hätte, nicht gerade viele gab, die sich mit seinem Sohn einlassen wollten, und die Familie Awrahams galt als so eine seltsame Familie. Deshalb bleibt Jizchak bis zum Alter von vierzig Jahren praktisch ein unverheirateter Mensch, das ist ein ziemlich hohes Alter.
Und der Knecht stellt eine so natürliche Frage:
וַיֹּאמֶר אֵלָיו הָעֶבֶד אוּלַי לֹא־תֹאבֶה הָאִשָּׁה לָלֶכֶת אַחֲרַי אֶל־הָאָרֶץ הַזֹּאת הֶהָשֵׁב אָשִׁיב אֶת־בִּנְךָ אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר־יָצָאתָ מִשָּׁם׃
wajomer eláw ha'éwed uláj lo-towé ha'ischá laléchet acharáj el-ha'árez hassót hehaschéw aschíw et-binchá el-ha'árez ascher-jazáta mischám
5 Und der Knecht sagte zu ihm: „Vielleicht will die Frau, die ich finde, die potenzielle Schwiegertochter, nicht in das kanaanäische Land umziehen, dann soll in diesem Fall Jizchak umziehen, werde ich ihn in das Land zurückbringen, aus dem du ausgezogen bist?“
So ist es immer, wenn Jungvermählte entscheiden, wo sie leben werden: in Jerusalem oder in Bne Brak, in Ur Kasdim oder in Charan, oder vielleicht werden sie in Chewron leben. Vielleicht sagt die Frau: „Gut, soll er herkommen und hier leben.“
Aber Awraham sagt, dass wir berufen sind, dieses Land zu erschließen, es ist uns gegeben, und wir bringen Menschen in dieses Land, um es zu erschließen. Das Ziel unseres Lebens, das Ziel unserer Entwicklung ist, in Zusammenarbeit mit diesem Land zu leben, deshalb bring Jizchak auf keinen Fall dorthin zurück.
וַיֹּאמֶר אֵלָיו אַבְרָהָם הִשָּׁמֶר לְךָ פֶּן־תָּשִׁיב אֶת־בְּנִי שָׁמָּה׃
wajomer eláw awrahám hischámer lechá pen-taschiw et-beni schámma
6 Und Awraham sagte zu ihm: „Hüte dich doch, dass du meinen Sohn nicht dorthin zurückbringst!
Und weiter erklärt er und sagt so:
יְהוָה אֱלֹהֵי הַשָּׁמַיִם אֲשֶׁר לְקָחַנִי מִבֵּית אָבִי וּמֵאֶרֶץ מוֹלַדְתִּי וַאֲשֶׁר דִּבֶּר־לִי וַאֲשֶׁר נִשְׁבַּע־לִי לֵאמֹר לְזַרְעֲךָ אֶתֵּן אֶת־הָאָרֶץ הַזֹּאת הוּא יִשְׁלַח מַלְאָכוֹ לְפָנֶיךָ וְלָקַחְתָּ אִשָּׁה לִבְנִי מִשָּׁם׃
adonáj elohé haschamájim aschér lekacháni mibbét awí ume'érez moladtí wa'aschér dibber-lí wa'aschér nischba-lí lemór lesar'achá ettén et-ha'árez hassót hu jischlách mal'achó lefanécha welakachtá ischá liwní mischám
7 Der HERR, der Gott des Himmels, der mich aus dem Haus meines Vaters genommen hat, aus dem Land meiner Heimat, der mit mir geredet hat, der mir geschworen hat (wir haben im vorigen WochenabschnittDas russische Wort kann sowohl „Kapitel“ als auch „Abschnitt“ bedeuten. Da der Schwur nicht im vorigen Kapitel, sondern im vorigen Wochenabschnitt steht, heißt es hier „Wochenabschnitt“. diesen Schwur gelesen), indem er sagte: „Deinem Samen werde ich dieses Land geben“, er wird einen Engel vor dir her senden, und du wirst von dort eine Frau für meinen Sohn nehmen.
Im dritten Vers haben wir gelesen, dass der HERR der Gott des Himmels und der Erde ist. Hier lesen wir „der HERR – der Gott des Himmels“. Das heißt, als Awraham Elieser beschwört, sagt er: „Ich werde dich beim Namen des HERRN beschwören – des Gottes des Himmels und der Erde“, hier, im 7. Vers – nur Gott des Himmels. Warum so? Weil gerade Awraham durch sein Gehen über das Land Israel die irdische Facette der Göttlichkeit Gottes verkörpert. Das heißt, gerade durch Awraham, durch diesen Bund offenbart sich der Höchste als Gott der Erde. Als er sich Awraham ganz am Anfang offenbarte, war Er der Gott des Himmels. Es ist klar, dass Er auch die absolute Macht auf der Erde hatte, wir sprechen von der Verwirklichung, der Umsetzung des Plans.
Was sagt Awraham hier über den Engel? Es ist nicht gemeint, dass buchstäblich ein paar Meter vor dem Knecht ein Engel hergehen und alles regeln wird. Aber der Höchste wird Seine Diener senden und alles so einrichten, dass „du von dort eine Frau für meinen Sohn nehmen wirst“. Wir werden noch auf diesen Engel zurückkommen.
וְאִם־לֹא תֹאבֶה הָאִשָּׁה לָלֶכֶת אַחֲרֶיךָ וְנִקִּיתָ מִשְּׁבֻעָתִי זֹאת רַק אֶת־בְּנִי לֹא תָשֵׁב שָׁמָּה׃
we'im-ló towé ha'ischá laléchet acharécha wenikkíta mischewu'atí sot rak et-bení lo taschéw schámma
8 Und wenn die Frau dir nicht folgen will, so wirst du frei sein von diesem Schwur, nur meinen Sohn bring nicht dorthin zurück.“
Nachdem alle Bedingungen des Schwurs geklärt sind, leistet der Knecht diesen Schwur:
וַיָּשֶׂם הָעֶבֶד אֶת־יָדוֹ תַּחַת יֶרֶךְ אַבְרָהָם אֲדֹנָיו וַיִּשָּׁבַע לוֹ עַל־הַדָּבָר הַזֶּה׃
wajassem ha'ewed et-jado táchat jerech awrahám adonáw wajischáwa lo al-haddawár hasse
9 Und der Knecht legte seine Hand unter die Hüfte seines Herrn und schwor ihm in dieser Sache.
וַיִּקַּח הָעֶבֶד עֲשָׂרָה גְמַלִּים מִגְּמַלֵּ אֲדֹנָיו וַיֵּלֶךְ וְכָל־טוּב אֲדֹנָיו בְּיָדוֹ וַיָּקָם וַיֵּלֶךְ אֶל־אֲרַם נַהֲרַיִם אֶל־עִיר נָחוֹר׃
wajikkach ha'ewed assara gemallím miggemallé adonaw wajélech wechol-tuw adonaw bejado wajakom wajélech el-aram naharajim el-ír nachor
10 Und der Knecht nahm zehn Kamele von den Kamelen seines Herrn und ging, und alles Gut des Herrn in seiner Hand; und er machte sich auf und ging nach Aram-Naharajim, ins Zweistromland, in die Stadt Nachors.
Zehn Kamele… Um es sich vorzustellen: Die durchschnittliche Tragfähigkeit eines Kamels liegt bei etwa 400 Kilogramm. Frage: Wozu zehn Kamele? Sie können doch 4 Tonnen Last tragen – hat er Lebensmittel mitgenommen oder so viel Gold und Geschenke? In Wirklichkeit nimmt der vorausschauende Knecht das Transportmittel mit, auf dem später Riwka und ihre Mägde reiten werden – das heißt, ein ganzer Taxifuhrpark macht sich auf den Weg, um die Braut für Jizchak zu holen.
וַיַּבְרֵךְ הַגְּמַלִּים מִחוּץ לָעִיר אֶל־בְּאֵר הַמָּיִם לְעֵת עֶרֶב לְעֵת צֵאת הַשֹּׁאֲבֹת׃
wajawréch haggemallím michúz la'ír el-be'ér hammájim le'ét
érew le'ét zet hascho'awót
11 Und er band die Kamele los außerhalb der Stadt, am Wasserbrunnen, in der Zeit vor dem Abend, wenn die Schöpferinnen herauskommen, um das Vieh zu tränken.
Und hier hat der Knecht ein schwieriges Dilemma, er hat eine schwierige Frage: Wie soll er eigentlich erkennen, welche Braut er nehmen soll? Er ist in einem fremden Land, gleich werden die Mädchen herauskommen, und dann heißt es „Karawai, Karawai, wen du willst, den wähle“.
וַיֹּאמַר יְהוָה אֱלֹהֵי אֲדֹנִי אַבְרָהָם הַקְרֵה־נָא לְפָנַי הַיּוֹם וַעֲשֵׂה־חֶסֶד עִם אֲדֹנִי אַבְרָהָם׃
wajomar adonaj elohe adoni awraham hakre-ná lefanáj hajom wa'asse-chessed im adoni awrahám
12 Und er sagte: „HERR, Gott meines Herrn Awraham! Lass vor mir einen solchen Zufall geschehen und erweise Gnade an meinem Herrn, an Awraham!
הִנֵּה אָנֹכִי נִצָּב עַל־עֵין הַמָּיִם וּבְנוֹת אַנְשֵׁי הָעִיר יֹצְאֹת לִשְׁאֹב מָיִם׃
hinné anochí nizzáw al-én hammájim uwnót ansché ha'ír joze'ót lisch'ów májim
13.Siehe, ich werde an der Quelle stehen, und die Töchter der Städter werden herauskommen, um Wasser zu pumpen.
וְהָיָה הַנַּעֲרָ אֲשֶׁר אֹמַר אֵלֶיהָ הַטִּי־נָא כַדֵּךְ וְאֶשְׁתֶּה וְאָמְרָה שְׁתֵה וְגַם־גְּמַלֶּיךָ אַשְׁקֶה אֹתָהּ הֹכַחְתָּ לְעַבְדְּךָ לְיִצְחָק וּבָהּ אֵדַע כִּי־עָשִׂיתָ חֶסֶד עִם־אֲדֹנִי׃
wehajá hanna'ará aschér omár eléha hatti-ná chaddéch we'eschté we'amerá scheté wegam-gemallécha aschké otá hocháchta le'awdechá lejizchák uwá edá ki-assíta chéssed im-adoní
14 Und es wird sein: Das Mädchen, zu dem ich sage: „Neige den Krug, ich will trinken“, und das zu mir sagt: „Trink, und auch deine Kamele werde ich tränken“, die hast du für deinen Knecht bestimmt, für Jizchak, und dadurch werde ich wissen, dass du an meinem Herrn Gnade erwiesen hast“
Das heißt, Elieser bittet den Höchsten als Zeichen um ein bestimmtes Verhalten des Mädchens: Ich sage so zu dem Mädchen, wenn sie so antwortet, dann soll es so sein. Darf man das im Alltag tun, wie Elieser es getan hat? Es gibt Fälle, in denen wir sehen, dass der Höchste darauf im Guten antwortet, wie zum Beispiel hier oder bei Gid'on. Es gibt den Fall mit Jiftach, der sagte: „Das Erste, was aus meinem Haus herauskommt, werde ich als Ganzopfer darbringen“, und es geschah eine große Tragödie. Deshalb kann man es, wenn es innerlich eine solche Offenbarung gibt, wohl so machen, aber man muss mit derartigen Versprechen sehr vorsichtig umgehen.
וַיְהִי־הוּא טֶרֶם כִּלָּה לְדַבֵּר וְהִנֵּה רִבְקָה יֹצֵאת אֲשֶׁר יֻלְּדָה לִבְתוּאֵל בֶּן־מִלְכָּה אֵשֶׁת נָחוֹר אֲחִי אַבְרָהָם וְכַדָּהּ עַל־שִׁכְמָהּ׃
wajhi-hú térem killá ledabbér wehinné riwká jozét aschér julledá liwtu'él ben-milká éschet nachór achí awrahám wechaddá al-schichmá
15 Und es geschah, er hatte noch nicht einmal zu Ende geredet, und siehe, da kommt Riwka heraus, die dem Betu'el geboren worden war, dem Sohn Milkas, der Frau Nachors, eine Enkelin Nachors, des Bruders Awrahams, und ihr Krug auf ihrer Schulter.
Er weiß noch nichts über dieses Mädchen, aber wenn es auf der Welt einen wunderbaren Augenblick gibt, dann hat der Knecht sofort begriffen – das ist er. Höchstwahrscheinlich hat der Knecht etwas gesehen, was ihn dazu brachte, das zu tun, was er später tun wird.
וְהַנַּעֲרָ טֹבַת מַרְאֶה מְאֹד בְּתוּלָה וְאִישׁ לֹא יְדָעָהּ וַתֵּרֶד הָעַיְנָה וַתְּמַלֵּא כַדָּהּ וַתָּעַל׃
wehanna'ará towát mar'é me'ód betulá we'ísch lo jeda'á wattéred ha'ájna wattemallé chaddá wattá'al
16 Und das Mädchen ist sehr schön von Aussehen (das konnte der Knecht auch sehen), sie ist eine Jungfrau, und kein Mann hat sie erkannt (das weiß der Knecht nicht, das teilt uns die Tora mit). SIE STIEG ZUR QUELLE HINAB, FÜLLTE DEN KRUG UND HOB IHN HOCH.
Das heißt, man musste den Krug an einem Seil nach unten hinablassen, in den Brunnen, und das können 35–40 Meter sein, und der Krug übrigens ein 25-Liter- oder 30-Liter-Krug.
Und da begreift der Knecht, dass sie es ist. Genau jetzt, genau an dieses Mädchen muss man mit einer für die damalige Zeit so originellen Art des Kennenlernens herantreten.
וַיָּרָץ הָעֶבֶד לִקְרָאתָהּ וַיֹּאמֶר הַגְמִיאִינִי נָא מְעַט־מַיִם מִכַּדֵּךְ׃
wajároz ha'éwed likratá wajomer hagmi'íni na me'at-májim mikkaddéch
17 Und der Knecht lief ihr entgegen und sagte: „Gib mir bitte einen Schluck Wasser, die Lippen ein klein wenig zu benetzen aus deinem Krug (er sagt zu ihr nicht das, was er sich vorgenommen hatte, aber der allgemeine Sinn ist derselbe).
וַתֹּאמֶר שְׁתֵה אֲדֹנִי וַתְּמַהֵר וַתֹּרֶד כַּדָּהּ עַל־יָדָהּ וַתַּשְׁקֵהוּ׃
wattómer scheté adoní wattemahér wattóred kaddá al-jadá wattaschkéhu
18 Und sie sagte zu ihm: „Trink, Herr!“, und sie eilte und nahm den Krug von der Schulter auf die Hand und tränkte ihn.
Das heißt, sie lässt ihn nicht einmal den Krug halten, damit er selbst daraus trinkt, sie hält den Krug in der Schwebe, und der Knecht trinkt daraus.
וַתְּכַל לְהַשְׁקֹתוֹ וַתֹּאמֶר גַּם לִגְמַלֶּיךָ אֶשְׁאָב עַד אִם־כִּלּוּ לִשְׁתֹּת׃
wattechál lehaschkotó wattómer gam ligmallécha esch'áw ad im-killú lischtót
19 Und sie beendete es, ihn zu tränken, und sagte: „Ich werde auch deinen Kamelen schöpfen, bis sie fertig getrunken haben.“
Interessant ist, dass sie die Kamele nicht dasselbe Wasser trinken lässt, das er getrunken hat. Sie gießt das Wasser aus und schöpft es für die Kamele nach. Wir haben über die Tragfähigkeit der Kamele gesprochen: Um zehn Kamele zu tränken, muss man mindestens 500 Liter Wasser nehmen, das heißt, ihren Krug von 25 Litern wird sie 20 Mal hinunterlassen und heraufziehen.
Und es gibt noch etwas, um an dieser Stelle innezuhalten und über das Alter Riwkas zu sprechen. Jedes Mal, wenn dieser Wochenabschnitt gelesen wird, fragt man mich, ob es stimmt, dass Riwka 3 Jahre alt war. Woher kommt diese Zahl überhaupt? Wir haben früher darüber gesprochen, woraus abgeleitet wird, dass Jizchak zum Zeitpunkt der Opferung 37 Jahre alt war. Sara stirbt, sie ist 127 Jahre alt, Jizchak hat sie mit 90 geboren, und so ergibt sich, dass er 37 Jahre alt ist, da man den Tod Saras mit der Nachricht von der Opferung verbindet. Gleich nach der Opferung steht geschrieben: „Und da erfuhr man, dass Riwka geboren wurde.“ Und weiter lesen wir, dass Jizchak heiratete, als er 40 war, 3 Jahre später – na, so kommt eben heraus, dass Riwka bei solch einer schlauen Mathematik 3 Jahre alt ist. Natürlich ist Riwka hier ein junges Mädchen im Teenageralter, sie ist 13–14 Jahre alt, und ganz sicher keine 3 Jahre. Aber warum entstehen solche Midraschim? Vielleicht, um den Charakter Riwkas zu zeigen. Wir sehen hier, dass sie sich ein wenig wie ein Teenager verhält, so ein freies Mädchen, aber in ihr ist auch die Unschuld eines dreijährigen Mädchens, vielleicht die Fähigkeit, zu staunen, sich über Kleinigkeiten zu freuen und so weiter. Das ist also eine Bemerkung zum Alter Riwkas.
וַתְּמַהֵר וַתְּעַר כַּדָּהּ אֶל־הַשֹּׁקֶת וַתָּרָץ עוֹד אֶל־הַבְּאֵר לִשְׁאֹב וַתִּשְׁאַב לְכָל־גְּמַלָּיו׃
wattemahér watte'ár kaddá el-haschóket wattaróz od el-habbe'ér lisch'ów wattisch'áw lechol-gemalláw
20 Und sie lief mit ihrem Krug, und sie lief noch zum Brunnen, um zu schöpfen, und schöpfte für alle Kamele.
Und im 21. Vers lesen wir, dass eine kleine Veränderung geschieht. Der Knecht wird nicht mehr Knecht genannt, er wird ha'isch (Mann) genannt, das ist irgendein Mann der Geschäfte, nicht so, wie wir uns einen Knecht vorgestellt haben. Isch ist ein Mensch, den man sich in einem teuren Sakko vorstellen kann, mit Krawatte, Manschettenknöpfen und so weiter. Er ist ein Mann mit zehn Kamelen, mit Dienern, mit goldenen Geschenken – kurz, ein Geschäftsmann, der Eindruck macht.
וְהָאִישׁ מִשְׁתָּאֵה לָהּ מַחֲרִישׁ לָדַעַת הַהִצְלִיחַ יְהוָה דַּרְכּוֹ אִם־לֹא׃
weha'ísch mischta'é la macharísch ladá'at hahizlíach adonáj darkó im-ló
21 Jener Mann staunt über sie, und er ist erschüttert, und will wissen, ob der HERR seinen Weg gelingen ließ oder nicht.
וַיְהִי כַּאֲשֶׁר כִּלּוּ הַגְּמַלִּים לִשְׁתּוֹת וַיִּקַּח הָאִישׁ נֶזֶם זָהָב בֶּקַע מִשְׁקָלוֹ וּשְׁנֵי צְמִידִים עַל־יָדֶיהָ עֲשָׂרָה זָהָב מִשְׁקָלָם׃
wajhi ka'aschér killú haggemallím lischtót wajikkách ha'ísch
nésem saháw béka mischkaló uschné zemidím al-jadéha assará saháw mischkalám
22 Und es geschah, als die Kamele aufhörten zu trinken, da nahm jener Mann einen goldenen Ring für die Nase (ein verbreiteter Schmuck, praktisch bis ins Mittelalter) von einem halben Schekel Gewicht (etwa 100 Gramm, ein schwerer goldener Ring), und zwei goldene Armreifen legte er ihr an die Arme, mit einem Gewicht von zehn Goldstücken (jeder davon ebenfalls etwa hundert Gramm schwer).
וַיֹּאמֶר בַּת־מִי אַתְּ הַגִּידִי נָא לִי הֲיֵשׁ בֵּית־אָבִיךְ מָקוֹם לָנוּ לָלִין׃
wajomer bat-mí att haggídi na li hajésch bet-awích makóm lánu lalín
23 Und er sagte: „Wessen Tochter bist du? Sag mir bitte, ist im Haus deines Vaters Platz, damit wir übernachten können?“
Natürlich ist fast jeder Bewohner, der zum Brunnen kommt, daran interessiert, Gäste zum Übernachten aufzunehmen. Jedes Haus wird bei Bedarf zu einer Herberge, weil das eine gute Gelegenheit ist, etwas zu verdienen, na und einen Menschen kennenzulernen.
וַתֹּאמֶר אֵלָיו בַּת־בְּתוּאֵל אָנֹכִי בֶּן־מִלְכָּה אֲשֶׁר יָלְדָה לְנָחוֹר׃
wattómer eláw bat-betu'él anóchi ben-milká aschér jaledá lenachór
24 Und sie sagte zu ihm: „Ich bin die Tochter Betu'els, des Sohnes Milkas, der Nachor geboren wurde.“
וַתֹּאמֶר אֵלָיו גַּם־תֶּבֶן גַּם־מִסְפּוֹא רַב עִמָּנוּ גַּם־מָקוֹם לָלוּן׃
wattómer eláw gam-téwen gam-mispó raw immánu gam-makóm lalún
25 Und sie sagte zu ihm: „Sowohl Heu als auch alles, was nötig ist, wir haben von allem genug, und auch Platz zum Übernachten.“
וַיִּקֹּד הָאִישׁ וַיִּשְׁתַּחוּ לַיהוָה׃
wajikkód ha'isch wajischtáchu ladonáj
26 Und es verneigte sich jener Mann vor dem HERRN.
וַיֹּאמֶר בָּרוּךְ יְהוָה אֱלֹהֵי אֲדֹנִי אַבְרָהָם אֲשֶׁר לֹא־עָזַב חַסְדּוֹ וַאֲמִתּוֹ מֵעִם אֲדֹנִי אָנֹכִי בַּדֶּרֶךְ נָחַנִי יְהוָה בֵּית אֲחֵי אֲדֹנִי׃
wajomer barúch adonáj elohé adoní awrahám aschér lo-asáwIn der Umschrift des Originals steht hier versehentlich die Ziffer 3 statt eines Buchstabens. Nach dem Hebräischen lautet das Wort für „verlassen“ hier „asáw“. chasdó wa'amittó me'ím adoní anochí baddérech nachání adonáj bét aché adoní
27 Und er sagte: „Gesegnet ist der HERR, der Gott meines Herrn Awraham, der seine Gnade und seine Wahrheit nicht verlassen hat und der mich geradewegs in das Haus des Bruders meines Herrn geführt hat.
Er hatte keine solchen Anweisungen, keine solchen Instruktionen, in das Haus des Bruders zu gehen, und er sieht, dass ein wundersames Wunder, ein staunenswertes Staunen geschehen ist. Er ist nicht einfach in ein gutes Haus in Charan geraten, sondern in das Haus Awrahams geraten.
וַתָּרָץ הַנַּעֲרָ וַתַּגֵּד לְבֵית אִמָּהּ כַּדְּבָרִים הָאֵלֶּה׃
wattároz hanna'ará wattaggéd lewét imma kaddewarím ha'élle
28 Und das Mädchen lief und erzählte dem Haus ihrer Mutter all dies.
וּלְרִבְקָה אָח וּשְׁמוֹ לָבָן וַיָּרָץ לָבָן אֶל־הָאִישׁ הַחוּצָה אֶל־הָעָיִן׃
ulriwká ach uschmó lawán wajároz lawán el-ha'ísch hachúza el-ha'ájin
29 Und Riwka hat einen Bruder, sein Name ist Lawan. Und er lief diesem edlen Mann entgegen, hinaus, aus der Stadt, zur Quelle.
וַיְהִי כִּרְאֹת אֶת־הַנֶּזֶם וְאֶת־הַצְּמִדִים עַל־יְדֵי אֲחֹתוֹ וּכְשָׁמְעוֹ אֶת־דִּבְרֵי רִבְקָה אֲחֹתוֹ לֵאמֹר כֹּה־דִבֶּר אֵלַי הָאִישׁ וַיָּבֹא אֶל־הָאִישׁ וְהִנֵּה עֹמֵד עַל־הַגְּמַלִּים עַל־הָעָיִן׃
wajhí kir'ót et-hannésem we'et-hazzemidím al-jedé achotó
uchschom'ó et-diwré riwká achotó lemór ko-dibbér eláj ha'ísch wajawó el-ha'ísch wehinné oméd al-haggemallím al-ha'ájin
30 Und es geschah, als er den goldenen Ring in der Nase und die Armreifen an der Hand seiner Schwester sah und als er die Erzählung Riwkas hörte, die sagte: „So hat dieser Mann zu mir gesprochen“, da kam er zu dem Mann, und der steht noch bei den Kamelen an der Quelle.
Und natürlich lädt Lawan den reichen Gast nach Hause ein. Und er weiß noch nicht, dass das ein Verwandter ist, aber da ist ein reicher Gast gekommen und hat offenbar irgendwelche Absichten auf seine Schwester. Mit ihm kann man Bekanntschaft schließen, vielleicht kann man mit ihm Geschäfte machen.
וַיֹּאמֶר בּוֹא בְּרוּךְ יְהוָה לָמָּה תַעֲמֹד בַּחוּץ וְאָנֹכִי פִּנִּיתִי הַבַּיִת וּמָקוֹם לַגְּמַלִּים׃
wajomer bo berúch adonáj lámma ta'amód bachúz we'anochí
pinníti habbájit umakóm laggemallím
31 Und er sagte zu ihm: „Komm, gesegnet ist der HERR. Wozu sollst du hier allein draußen stehen? Ich habe das Haus vorbereitet und einen Platz für die Kamele.“
וַיָּבֹא הָאִישׁ הַבַּיְתָה וַיְפַתַּח הַגְּמַלִּים וַיִּתֵּן תֶּבֶן וּמִסְפּוֹא לַגְּמַלִּים וּמַיִם לִרְחֹץ רַגְלָיו וְרַגְלֵי הָאֲנָשִׁים אֲשֶׁר אִתּוֹ׃
wajawó ha'ísch habbájta wajfattách haggemallím wajittén téwen umispó laggemallím umájim lirchóz ragláw weraglé ha'anaschím aschér ittó
32 Und der Mann kam ins Haus, schirrte die Kamele ab, und gab Heu und Futter den Kamelen, und Wasser zum Waschen der Füße für ihn und die Leute, die bei ihm sind (alle werden aufgenommen, alle werden verköstigt).
וַיִּישֶׂם (וַיּוּשַׂם) לְפָנָיו לֶאֱכֹל וַיֹּאמֶר לֹא אֹכַל עַד אִם־דִּבַּרְתִּי דְּבָרָי וַיֹּאמֶר דַּבֵּר׃
wajussám lefanáw le'echól wajomer lo ochál ad im-dibbárti
dewaráj wajomer dabbér
33 Und man setzte ihm Essen vor, und er sagte (er ist ja ein Isch, er ist ja ein Herr): „Ich werde nichts essen, bis ich gesagt habe, was ich zu sagen habe.“ Und er sagte zu ihm: „Sprich!“
וַיֹּאמַר עֶבֶד אַבְרָהָם אָנֹכִי׃
wajomár éwed awrahám anóchi
34 Und er sagte: „Ich bin der Knecht Awrahams
Wahrscheinlich weiß man in dieser Familie, wer Awraham ist. Awraham ist ihr Bruder, Nachrichten über ihn kommen nicht gerade viele an.
וַיהוָה בֵּרַךְ אֶת־אֲדֹנִי מְאֹד וַיִּגְדָּל וַיִּתֶּן־לוֹ צֹאן וּבָקָר וְכֶסֶף וְזָהָב וַעֲבָדִם וּשְׁפָחֹת וּגְמַלִּים וַחֲמֹרִים׃
wadonáj berách et-adoní me'ód wajigdál wajitten-ló zon uwakár wechéssef wesaháw wa'awadím uschfachót ugmallím
wachamorím
35. Und der HERR hat meinen Herrn sehr stark gesegnet. Und er machte ihn groß, und gab ihm Kleinvieh, Großvieh, und Silber, und Gold, und Knechte, und Mägde, und Kamele, und Eselinnen.
וַתֵּלֶד שָׂרָה אֵשֶׁת אֲדֹנִי בֵן לַאדֹנִי אַחֲרֵי זִקְנָתָהּ וַיִּתֶּן־לּוֹ אֶת־כָּל־אֲשֶׁר־לוֹ׃
wattéled sará éschet adoní wén ladoní acharé siknatá wajitten-ló et-kol-ascher-ló
36 Und Sara, die Frau meines Herrn, gebar meinem Herrn einen Sohn, nachdem sie alt geworden war. Und er hat ihm alles vermacht, was er hat.
So eine Vorbereitung darauf, dass Jizchak eine hervorragende Partie ist.
וַיַּשְׁבִּעֵנִי אֲדֹנִי לֵאמֹר לֹא־תִּקַּח אִשָּׁה לִבְנִי מִבְּנוֹת הַכְּנַעֲנִי אֲשֶׁר אָנֹכִי יֹשֵׁב בְּאַרְצוֹ׃
wajaschbi'éni adoní lemór lo-tikkách ischá liwní mibbenót hakkena'aní aschér anochí joschew be'arzó
37 Und mein Herr beschwor mich und sagte: „Nimm meinem Sohn keine Frau von den kanaanäischen Töchtern, in deren Land ich wohne.
Man muss immer, wenn es eine Nacherzählung gibt, auf gewisse Ungenauigkeiten achten. Awraham hat es nicht so gesagt. Er sagte: „… von den kanaanäischen Töchtern, unter denen ich wohne.“ Mit anderen Worten: Seht, in welcher Umgebung man leben muss, seht, mit wem ich es zu tun habe. Hier sagt der Knecht „… in deren Land ich wohne“, ohne die Haltung Awrahams, ohne irgendeine Geringschätzung der Kanaaniter. Das wird verborgen. Wozu? Damit kein unnötiges Gerede entsteht.
אִם־לֹא אֶל־בֵּית־אָבִי תֵּלֵךְ וְאֶל־מִשְׁפַּחְתִּי וְלָקַחְתָּ אִשָּׁה לִבְנִי׃
im-ló el-bet-awí teléch we'el-mischpachtí welakachtá ischá liwní
38 Sondern nein, du wirst in das Haus meines Vaters gehen, in das Haus meiner Familie, und von dort meinem Sohn eine Frau nehmen.
Auch das ist etwas, was Awraham nicht gesagt hat, so seltsam es ist. Awraham schickte ihn in die Heimatstadt, aber er schickte ihn nicht ins Vaterhaus. Hier verändert Elieser wieder die Geschichte und erzählt sie anders nach, als sie war. Es gibt sehr viele verschiedene Meinungen, warum er so spricht. Und am verständlichsten ist es, es so zu sagen. Wenn man nicht erzählt, dass Awraham ihn an eine bestimmte Adresse geschickt hat – „diese Straße hier, dieses Haus hier“, und erzählt, wie es ist, dass Elieser auf so wundersame Weise Riwka getroffen hat, dann kann eine so starke Beschreibung der Offenbarung des göttlichen Willens der Familie Lawans, Riwkas, die Freiheit der Wahl nehmen. Wenn so viele Wunder geschehen, wie soll man dann nicht einwilligen? Anstatt auf die Wunder „zu pochen“ und zu sagen: „Seht, wie wunderbar alles gekommen ist, das hat doch Gott Selbst befohlen!“, erzählt hier der Knecht Awrahams, der ja ein angesehener Mann ist, es anders: „So hat Awraham es vorgesehen – mich ins Heimathaus zu schicken.“
וָאֹמַר אֶל־אֲדֹנִי אֻלַי לֹא־תֵלֵךְ הָאִשָּׁה אַחֲרָי׃
wa'omár el-adoní uláj lo-teléch ha'ischá acharáj
39 Und ich sagte zu meinem Herrn: „Vielleicht wird sie mir nicht folgen.
וַיֹּאמֶר אֵלָי יְהוָה אֲשֶׁר־הִתְהַלַּכְתִּי לְפָנָיו יִשְׁלַח מַלְאָכוֹ אִתָּךְ וְהִצְלִיחַ דַּרְכֶּךָ וְלָקַחְתָּ אִשָּׁה לִבְנִי מִמִּשְׁפַּחְתִּי וּמִבֵּית אָבִי׃
wajomer eláj adonáj ascher-hithalláchti lefanáw jischlách mal'achó ittách wehizlíach darkécha welakachtá ischá liwní mimmischpachtí umibbét awí
40 Und er sagte zu mir: „Der HERR, vor dem ich gewandelt bin, wird einen Engel mit dir senden und deinen Weg mit Erfolg krönen, und du wirst meinem Sohn eine Frau aus meinem Geschlecht nehmen, aus dem Haus meines Vaters.
Die dritte Veränderung, die Elieser in die Beschreibung der Ereignisse einbringt, ist „… wird einen Engel mit dir senden“. In der Rede Awrahams hieß es „… vor dir“. Wenn der Engel vor dir hergeht, richtet er alles ein, wenn mit dir – na, wie im Lied: „Wenn man mit einem Freund auf den Weg geht, ist der Weg fröhlicher.“ Es ist klar, dass es mit einem Engel einfacher ist, das heißt, alles wird gelingen. Im ersten Fall aber, wie Awraham sagte, wird alles eingerichtet sein. Wieder unterdrückt Elieser durch seine Erzählung nicht die Willensfreiheit, die Freiheit der Wahl bei Betu'el, bei Riwka, bei Lawan, bei allen Anwesenden.
אָז תִּנָּקֶה מֵאָלָתִי כִּי תָבוֹא אֶל־מִשְׁפַּחְתִּי וְאִם־לֹא יִתְּנוּ לָךְ וְהָיִיתָ נָקִי מֵאָלָתִי׃
as tinnaké me'alatí ki tawó el-mischpachtí we'im-ló
jittenú lach wehajíta nakí me'alatí
41 Und dann wirst du frei sein von meinem Schwur, wenn du in meine Familie kommst. Und wenn sie dir nicht geben (nicht einwilligen, dir ihre Tochter zu geben), dann wirst du rein sein von meinem Schwur.
וָאָבֹא הַיּוֹם אֶל־הָעָיִן וָאֹמַר יְהוָה אֱלֹהֵי אֲדֹנִי אַבְרָהָם אִם־יֶשְׁךָ־נָּא מַצְלִיחַ דַּרְכִּי אֲשֶׁר אָנֹכִי הֹלֵךְ עָלֶיהָ׃
wa'awó hajom el-ha'ájin wa'omár adonáj elohé adoní awrahám im-jeschcha-ná mazlíach darkí aschér anochí holéch aléha
42 Heute kam ich an den Brunnen und sagte: „HERR, Gott meines Herrn Awraham, wenn du den Willen hast, mir Gelingen zu geben auf dem Weg, den ich gehe,
הִנֵּה אָנֹכִי נִצָּב עַל־עֵין הַמָּיִם וְהָיָה הָעַלְמָה הַיֹּצֵאת לִשְׁאֹב וְאָמַרְתִּי אֵלֶיהָ הַשְׁקִינִי־נָא מְעַט־מַיִם מִכַּדֵּךְ׃
hinné anochí nizzáw al-en hammájim wehajá ha'almá hajozét lisch'ów we'amartí eléha haschkini-ná me'at-májim mikkaddéch
43 siehe, ich werde am Brunnen stehen, und es wird sein: Das Mädchen (alma – eine junge Maid) wird herauskommen, um Wasser zu schöpfen, und ich werde sagen: „Gib mir ein klein wenig Wasser aus deinem Krug zu trinken“
וְאָמְרָה אֵלַי גַּם־אַתָּה שְׁתֵה וְגַם לִגְמַלֶּיךָ אֶשְׁאָב הִוא הָאִשָּׁה אֲשֶׁר־הֹכִיחַ יְהוָה לְבֶן־אֲדֹנִי׃
we'amerá eláj gam-attá scheté wegám ligmallécha esch'áw hi
ha'ischá ascher-hochíach adonáj lewen-adoní
44 und wenn sie zu mir sagt: „Auch du wirst trinken, und auch deinen Kamelen schöpfe ich“, dann ist das die Frau, die der HERR für den Sohn meines Herrn bestimmt hat.
Er erzählt es mehr oder weniger so nach, wie es auch gewesen ist.
אֲנִי טֶרֶם אֲכַלֶּה לְדַבֵּר אֶל־לִבִּי וְהִנֵּה רִבְקָה יֹצֵאת וְכַדָּהּ עַל־שִׁכְמָהּ וַתֵּרֶד הָעַיְנָה וַתִּשְׁאָב וָאֹמַר אֵלֶיהָ הַשְׁקִינִי נָא׃
aní térem achallé ledabbér el-libbí we
hinnéIn der Umschrift des Originals fehlt hier das h. Dem hebräischen Text folgend steht „we hinné“ (und siehe). riwká jozét wechaddá al-schichmá wattéred ha'ájna wattisch'áw wa'ómar eléha haschkíni na
45 Ich hatte gerade erst zu Ende gesprochen zu meinem Herzen, und siehe, Riwka kam heraus, und ihr Krug auf ihrer Schulter, und sie stieg hinab und schöpfte, und ich sagte: „Gib mir zu trinken!“
Er erzählt, man kann sagen, er preist die Tochter vor ihren Verwandten an.
וַתְּמַהֵר וַתּוֹרֶד כַּדָּהּ מֵעָלֶיהָ וַתֹּאמֶר שְׁתֵה וְגַם־גְּמַלֶּיךָ אַשְׁקֶה וָאֵשְׁתְּ וְגַם הַגְּמַלִּים הִשְׁקָתָה׃
wattemahér wattóred kaddá me'aléha wattómer scheté wegam-
gemallécha aschké wa'éscht wegám haggemallím hischkáta
46 Und sie eilte und nahm den Krug herunter und sagte: „Trink, ich tränke auch deine Kamele.“ Ich trank, und sie tränkte auch meine Kamele.
וָאֶשְׁאַל אֹתָהּ וָאֹמַר בַּת־מִי אַתְּ וַתֹּאמֶר בַּת־בְּתוּאֵל בֶּן־נָחוֹר אֲשֶׁר יָלְדָה־לּוֹ מִלְכָּה וָאָשִׂם הַנֶּזֶם עַל־אַפָּהּ וְהַצְּמִידִים עַל־יָדֶיהָ׃
wa'esch'ál otá wa'omár bat-mí att wattómer bat-betu'él ben-
nachór aschér jaleda-ló milká wa'assím hannésem al-appá
wehazzemidím al-jadéha
47 Ich fragte sie und sagte: „Wessen Tochter bist du?“ Und sie erzählte: „Die Tochter Betu'els, des Sohnes Nachors, den Milka ihm geboren hat.“ Und da legte ich ihr einen Ring in die Nase und streifte ihr Armreifchen an ihre Hand.
וָאֶקֹּד וָאֶשְׁתַּחֲוֶה לַיהוָה וָאֲבָרֵךְ אֶת־יְהוָה אֱלֹהֵי אֲדֹנִי אַבְרָהָם אֲשֶׁר הִנְחַנִי בְּדֶרֶךְ אֱמֶת לָקַחַת אֶת־בַּת־אֲחִי אֲדֹנִי לִבְנוֹ׃
wa'ekkód wa'eschtachawé ladonáj wa'awaréch et-adonáj elohé adoní awrahám aschér hincháni bedérech emét lakáchat et-bat-achí adoní liwnó
48 Ich verneigte mich vor dem HERRN und segnete den HERRN, den Gott meines Herrn Awraham, der mich auf dem wahren Weg geführt hat, um die Tochter des Bruders meines Herrn dem Sohn meines Herrn zur Frau zu nehmen.
Nach allem, was er hier erzählt, macht er ein Angebot, das man schwer ablehnen kann.
וְעַתָּה אִם־יֶשְׁכֶם עֹשִׂים חֶסֶד וֶאֱמֶת אֶת־אֲדֹנִי הַגִּידוּ לִי וְאִם־לֹא הַגִּידוּ לִי וְאֶפְנֶה עַל־יָמִין אוֹ עַל־שְׂמֹאל׃
we'attá im-jeschchém ossím chéssed we'emét et-adoní haggídu li we'im-ló haggídu li we'efné al-jamín o al-semól
49 Nun aber, wenn ihr mit meinem Herrn nach Gnade und Wahrheit handeln wollt, sagt es mir, und wenn nicht, dann sagt es auch. Und dann werde ich nach rechts oder nach links gehen.
Das heißt: „Wenn ihr wollt, nach diesen Worten hier – könnt ihr es richtig machen, wie ich es verstehe, und Riwka dem Sohn meines Herrn zur Frau geben, Jizchak. Und wenn ihr nicht wollt – nun ja, ich verstehe, alles liegt in Gottes Hand, und ich werde nach rechts oder nach links gehen.“
Beeindruckt von dieser Geschichte (so ein gottloses Haus hat Riwka also doch nicht), antworten sie ihm:
וַיַּעַן לָבָן וּבְתוּאֵל וַיֹּאמְרוּ מֵיְהוָה יָצָא הַדָּבָר לֹא נוּכַל דַּבֵּר אֵלֶיךָ רַע אוֹ־טוֹב׃
wajá'an lawán uwtu'él wajomeru me'adonáj jazá haddawár lo nuchál dabbér elécha ra o-tów
50 Und Lawan und Betu'el antworteten und sagten: „Das ist vom HERRN ausgegangen. Wir können dir weder Schlechtes noch Gutes sagen.“
Lawan ist der ältere Bruder, und der Vater spricht ihm nach. Hier sieht man an der Reihenfolge der Namen, dass Lawan alles entscheidet.
הִנֵּה־רִבְקָה לְפָנֶיךָ קַח וָלֵךְ וּתְהִי אִשָּׁה לְבֶן־אֲדֹנֶיךָ כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה׃
hinne-riwká lefanécha kach waléch uthí ischá lewen-adonécha ka'aschér dibbér adonáj
51 Siehe, Riwka ist vor dir, nimm und geh. Und sie soll die Frau des Sohnes deines Herrn sein, wie der HERR gesagt hat.
וַיְהִי כַּאֲשֶׁר שָׁמַע עֶבֶד אַבְרָהָם אֶת־דִּבְרֵיהֶם וַיִּשְׁתַּחוּ אַרְצָה לַיהוָה׃
wajhí ka'aschér schamá éwed awrahám et-diwrehém wajischtáchu árza ladonáj
52 Und es war, als er ihre Worte hörte, verneigte er sich bis zur Erde vor dem HERRN.
וַיּוֹצֵא הָעֶבֶד כְּלֵי־כֶסֶף וּכְלֵי זָהָב וּבְגָדִים וַיִּתֵּן לְרִבְקָה וּמִגְדָּנֹת נָתַן לְאָחִיהָ וּלְאִמָּהּ׃
wajozé ha'éwed kele-chéssef uchlé saháw uwgadím wajittén leriwká umigdanót natán le'achíha ul'immá
53 Und der Knecht holte silberne Gefäße hervor, Erzeugnisse aus Silber, Erzeugnisse aus Gold, und Kleider, und gab sie Riwka, und Süßigkeiten (allerlei Nüsschen und Plätzchen) gab er den Brüdern und der Mama.
וַיֹּאכְלוּ וַיִּשְׁתּוּ הוּא וְהָאֲנָשִׁים אֲשֶׁר־עִמּוֹ וַיָּלִינוּ וַיָּקוּמוּ בַבֹּקֶר וַיֹּאמֶר שַׁלְּחֻנִי לַאדֹנִי׃
wajochelú wajischtú hu weha'anaschím ascher-immó wajalínu
wajakúmu wabbóker wajomer schallechúni ladoní
54 Und sie aßen und tranken, er und die Leute, die bei ihm waren, und übernachteten dort, und standen am Morgen auf, und er sagte zu ihnen: „Lasst mich ziehen zu meinem Herrn.“
Es gibt verschiedene Bräuche dazu, wie man eine Tochter, eine Schwester ziehen lassen kann. Man kann sagen: „Wir haben hier jetzt die Verlobung geschlossen, und die Hochzeit ist später, in einem Jahr“, wie es sehr oft üblich war. Und deshalb schlagen sie ihm als Möglichkeit vor:
וַיֹּאמֶר אָחִיהָ וְאִמָּהּ תֵּשֵׁב הַנַּעֲרָ אִתָּנוּ יָמִים אוֹ עָשׂוֹר אַחַר תֵּלֵךְ׃
wajomer achíha we'immá teschéw hanna'ará ittánu jamím o asór achár teléch
55 Und ihre Brüder und ihre Mama sagten: „Die Kleine soll bei uns bleiben, einen Tag oder einige, oder ein Jahr, während du gehst.“
Das heißt, lass sie die Mitgift zusammenstellen, lass sie ihre Gedanken sammeln, lass sie sich vorbereiten. Das ist im Prinzip auch eine normale Variante des Umgangs miteinander. Aber was bedeutet das? Es bedeutet – komm noch einmal in zehn Tagen, zwei Wochen, einem Monat, einem halben Jahr mit ebensolchen Geschenken, und wir geben sie dir.
וַיֹּאמֶר אֲלֵהֶם אַל־תְּאַחֲרוּ אֹתִי וַיהוָה הִצְלִיחַ דַּרְכִּי שַׁלְּחוּנִי וְאֵלְכָה לַאדֹנִי׃
wajomer alehém al-te'acharú otí wadonáj hizlíach darkí
schallechúni we'elechá ladoní
56 Und er sagte: „Haltet mich bitte nicht auf. Seht ihr denn nicht, dass der HERR alles vorgesehen hat? Lasst mich ziehen, und ich werde zu meinem Herrn gehen.“
וַיֹּאמְרוּ נִקְרָא לַנַּעֲרָ וְנִשְׁאֲלָה אֶת־פִּיהָ׃
wajomerú nikrá lanna'ará wenisch'alá et-píha
57 Und sie sagten: „Lasst uns doch das Mädchen rufen und sie fragen.“
Da wenden sie einen solchen Kniff an: „Fragen wir die Kleine!“ Bis dahin, beachtet, hat Riwka überhaupt niemand nach irgendetwas gefragt. Und das ist im Grunde das erste und wahrscheinlich einzige Mal, dass eine Frau gefragt wird, ob sie jemanden heiraten will.
וַיִּקְרְאוּ לְרִבְקָה וַיֹּאמְרוּ אֵלֶיהָ הֲתֵלְכִי עִם־הָאִישׁ הַזֶּה וַתֹּאמֶר אֵלֵךְ׃
wajikreú leriwká wajomerú eléha hatelechí im-ha'ísch hassé wattómer eléch
58 Und sie riefen Riwka und sagten zu ihr: „Wirst du mit diesem Mann gehen?“ Und sie sagte: „Ich gehe.“
Das ist eine sehr unerwartete Antwort, sogar vom Stil her: „Was, du willst mit diesem Mann gehen?! – Doch, ich gehe!“
וַיְשַׁלְּחוּ אֶת־רִבְקָה אֲחֹתָם וְאֶת־מֵנִקְתָּהּ וְאֶת־עֶבֶד אַבְרָהָם וְאֶת־אֲנָשָׁיו׃
wajschallechú et-riwká achotám we'et-meniktá we'et-éwed awrahám we'et-anascháw
59 Und sie schickten Riwka, ihre Schwester, fort, und ihre Amme, und den Knecht Awrahams und seine Leute.
Wieder wird er zum ewed Awraham (Knecht Awrahams), verwandelt sich zurück vom isch, vom Geschäftsmann, in den Knecht Awrahams.
וַיְבָרֲכוּ אֶת־רִבְקָה וַיֹּאמְרוּ לָהּ אֲחֹתֵנוּ אַתְּ הֲיִי לְאַלְפֵי רְבָבָה וְיִירַשׁ זַרְעֵךְ אֵת שַׁעַר שֹׂנְאָיו׃
wajwarechú et-riwká wajomerú la achoténu att hají le'alfé
rewawá wejirásch sar'éch et schá'ar sone'áw
60 Und sie segneten Riwka und sagten zu ihr: „Unser Schwesterchen bist du, mögen von dir Tausende und Tausende geboren werden, und möge dein Same die Tore, die Wohnstätten deiner Feinde besitzen.“
Ein sehr schöner Segen, muss man sagen, den sie ihrer Schwester sagen: „Mögest du viele Kinder haben, und sie sollen erfolgreich sein.“ Mit einem solchen Segen lassen sie sie ziehen. Sehr oft sehen wir in den Segnungen die Werte „Land“ und „Same“ (wie wir segnen würden, ich weiß nicht, vielleicht würden wir irgendwelche anderen Werte wünschen), das ist der Grundwert für jene Generationen.
וַתָּקָם רִבְקָה וְנַעֲרֹתֶיהָ וַתִּרְכַּבְנָה עַל־הַגְּמַלִּים וַתֵּלַכְנָה אַחֲרֵי הָאִישׁ וַיִּקַּח הָעֶבֶד אֶת־רִבְקָה וַיֵּלַךְ׃
wattakóm riwká wena'arotéha wattirkáwna al-haggemallím watteláchna acharé ha'ísch wajikkách ha'éwed et-riwká wajelách
61 Und Riwka stand auf, und ihre Mägde (auch Riwka geht mit Gefolge), und sie setzten sich auf die Kamele, und sie gingen diesem Mann nach. Und der Knecht nahm Riwka und ging.
Das heißt, die Mädchen sehen, dass sie dem isch folgen, stellen sich vor, dass sie mit einem edlen Don reisen. Aber es führt sie ein Knecht. Und wie schön sich das in einem Vers verbindet!
Und nun endlich sehen wir, wie diese Menschen einander begegnen. Das erste jüdische Kind, ein rein jüdisches Kind, das erste Kind, dessen Papa und Mama Juden sind, findet sich eine Frau.
וְיִצְחָק בָּא מִבּוֹא בְּאֵר לַחַי רֹאִי וְהוּא יוֹשֵׁב בְּאֶרֶץ הַנֶּגֶב׃
wejizchák ba mibbó be'ér lacháj ro'í wehu joschéw be'érez hannégew
62 Und Jizchak kam vom Brunnen, der Be'er Lachaj-Ro'i heißt, und er wohnt im Negew.
Das ist der Brunnen Hagars, und offenbar war Jizchak bei seinem Bruder Jischmael zu Gast. Er selbst wohnt im Negew, in der Gegend von Be'er-Schewa, reist zwischen Be'er-Schewa und Jerucham umher, ungefähr diese Ecke. Dort gibt es sehr viel Wüste, die im Frühling blüht, viel duftendes Kraut – Rosmarin, Senf, Minze, Lavendel – was wächst darin nicht alles.
וַיֵּצֵא יִצְחָק לָשׂוּחַ בַּשָּׂדֶה לִפְנוֹת עָרֶב וַיִּשָּׂא עֵינָיו וַיַּרְא וְהִנֵּה גְמַלִּים בָּאִים׃
wajezé jizchák lasúach bassadé lifnót árew wajissá enáw wajár wehinné gemallím ba'ím
63 Und Jizchak ging hinaus, um auf dem Feld nachzusinnen, vor dem Abend, und erhob die Augen und sah, siehe, jemand auf Kamelen.
Interessant ist, dass die alten Übersetzungen, insbesondere die lateinischen, das Wort meditation (ein wenig meditieren), geben, aber lasúach – das ist nachsinnen, sich hineinvertiefen, hineinhorchen, eine Weile mit sich selbst sein.
וַתִּשָּׂא רִבְקָה אֶת־עֵינֶיהָ וַתֵּרֶא אֶת־יִצְחָק וַתִּפֹּל מֵעַל הַגָּמָל׃
wattissá riwká et-enéha wattére et-jizchák wattippól me'ál haggamál
64 Und in diesem Moment erhebt auch Riwka die Augen, sieht Jizchak und fliegt einfach herunter, fällt vom Kamel.
Es scheint, vom Anblick dieses meditierenden, gemächlich gehenden Menschen, der sich höchstwahrscheinlich sehr seltsam benimmt – Jizchak erscheint oft als ein seltsamer Mensch –, fällt Riwka vom Kamel.
וַתֹּאמֶר אֶל־הָעֶבֶד מִי־הָאִישׁ הַלָּזֶה הַהֹלֵךְ בַּשָּׂדֶה לִקְרָאתֵנוּ וַיֹּאמֶר הָעֶבֶד הוּא אֲדֹנִי וַתִּקַּח הַצָּעִיף וַתִּתְכָּס׃
wattómer el-ha'éwed mi-ha'ísch hallasé haholéch bassadé likraténu wajomer ha'éwed hu adoní wattikkáchDie Umschrift des Originals beginnt das Wort für „und sie nahm“ mit „ba-“. Dem hebräischen Text folgend steht hier „wattikkách“. hazza'íf wattitkás
65. Und sie sagte zum Knecht (schon redet auch sie ihn so an – Knecht): „Was ist das für ein Mann, für so einer (so wird dieses Wort verstanden – hallasé), der uns auf dem Feld entgegengeht?“ Und der Knecht sagte: „Das ist mein Herr.“ Und sie nahm so ein Kopftuch und bedeckte sich (sie verstand, dass das ihr Bräutigam ist, der künftige Ehemann).
וַיְסַפֵּר הָעֶבֶד לְיִצְחָק אֵת כָּל־הַדְּבָרִים אֲשֶׁר עָשָׂה׃
wajsappér ha'éwed lejizchák et kol-haddewarím aschér assá
66 Und der Knecht erzählte Jizchak alles, was er getan hatte.
Offenbar wusste Jizchak womöglich gar nicht, dass überhaupt jemand eine Braut für ihn sucht. Hier erzählt ihm der Knecht alles, aber zu dem Knecht hat Jizchak Vertrauen.
וַיְבִאֶהָ יִצְחָק הָאֹהֱלָה שָׂרָה אִמּוֹ וַיִּקַּח אֶת־רִבְקָה וַתְּהִי־לוֹ לְאִשָּׁה וַיֶּאֱהָבֶהָ וַיִּנָּחֵם יִצְחָק אַחֲרֵי אִמּוֹ׃
wajwi'éha jizchák ha'óhela sará immó wajikkách et-riwká wattehi-ló le'ischá waje'ehaweha wajinnachém jizchák acharé immó
67 Und Jizchak brachte sie in das Zelt Saras, seiner Mutter, und nahm Riwka, und sie wurde seine Frau, und er gewann sie lieb, und Jizchak tröstete sich über seine Mutter.
Das klingt nach einem nicht einfachen Satz: dass Jizchak sie zuerst ins Zelt nimmt, und erst danach, als sie schon seine Frau geworden ist, gewann er sie lieb. Jizchak und Riwka bauen gemeinsam eine Beziehung auf, in der Liebe geboren wird. Nicht die Liebe hat die Beziehung hervorgebracht, sondern die Beziehung hat die Liebe hervorgebracht. So ist diese Geschichte.
Das 25. Kapitel ist reich an sehr unterschiedlichen Ereignissen.
וַיֹּסֶף אַבְרָהָם וַיִּקַּח אִשָּׁה וּשְׁמָהּ קְטוּרָה׃
wajossef awrahám wajikkách ischá uschmá keturá
1. Und Awraham fügte hinzu, und nahm eine Frau, ihr Name ist Ketura.
Den Kommentatoren bereitet das allererste Wort Und er fügte hinzu Schwierigkeiten. Gewöhnlich fügt man etwas zu etwas hinzu, das schon da ist. Man kann sagen: „Awraham hatte zwei Frauen, Hagar und Saraj, und er fügte ihnen eine dritte Frau hinzu, und das ist Ketura. Manche Kommentatoren sagen: „Und schon vor dem Tod Sarajs hatte Awraham noch eine Frau, und ihr Name ist Ketura.“ Aber das ist eine ziemlich seltsame Erklärung. Andere sagen, dass Awraham einfach wieder eine Frau nahm, die schon seine Frau gewesen war – Hagar, und jetzt heißt sie Ketura. Sehr viele Kommentatoren, Ausleger lehren, dass Ketura und Hagar ein und dieselbe Person sind. Warum ist es so gekommen? Weil einer der populärsten Kommentatoren der Tora, Rabbi Schlomo Jizchaki, genau diese Meinung anführt. Er sagt, dass Ketura Hagar ist. Warum wurde sie Ketura genannt? Erstens: Den Namen Ketura kann man vom Wort Räucherung, her übersetzen, weil von ihrem edlen Verhalten ein solcher Duft durch die ganze Welt ging. Und zweitens: Ketura kann man als die Gebundene übersetzen, sie bewahrte ihre Anhänglichkeit, ihre Verbundenheit mit Awraham trotz allem. Es gibt noch einen Midrasch, der sagt, dass Awraham drei Frauen hatte: Saraj – aus den Nachkommen Schems, Hagar – aus den Nachkommen Chams und Ketura – aus den Nachkommen Jefets. Das heißt, Ketura stammt nach diesem Verständnis (und höchstwahrscheinlich ist das das richtigste Verständnis) aus einem anderen Volk, sie ist nicht Hagar.
Was bedeutet also in diesem Zusammenhang „und Awraham fügte hinzu“? Nachdem Jizchak sich eine Frau genommen hatte, sah Awraham sich das an und dachte: „Ich bin noch jung, es ist noch Pulver im Pulverhorn“, und nahm ebenfalls eine Frau. Das heißt, in der Familie Awrahams, in der Familie Jizchaks, in ihrer großen, großen Familie gleich zwei Hochzeiten. Wir sagten, dass es Hochzeiten als Partys, als Feiern möglicherweise nicht gab, aber so oder so nahm auch Awraham sich eine Frau, und ihr Name ist Ketura.
Wozu nimmt er sich eine Frau? Nun, vor allem erinnert er sich noch daran, dass er der Vater vieler Völker ist, und wenn er sich eine Frau aus den Nachkommen Jefets nimmt, dann ist das auch im einfachen Sinn ziemlich gut verständlich.
וַתֵּלֶד לוֹ אֶת־זִמְרָן וְאֶת־יָקְשָׁן וְאֶת־מְדָן וְאֶת־מִדְיָן וְאֶת־יִשְׁבָּק וְאֶת־שׁוּחַ׃
watteléd lo et-simrán we'et-jokschán we'et-medán we'et-midján we'et-jischbák we'et-schúach.
2 Und sie gebar ihm Simran und Jakschan und Madan und Midjan und Jischbak und Schuach.
Der älteste Sohn ist Simran. Der Name Simran kann der Feiernde, der dem Höchsten Lobgesänge Singende bedeuten, oder der den Weinstock Beschneidende. Den Weinstock beschneidet man, damit er nicht viel Saft wegnimmt. In jedem Fall kann man sagen, dass das einer ist, der auf dem Acker Gottes arbeitet.
Der Name Jakschan – von der Wurzel des Wortes ekésch – der Fangende, Vogelfänger.
Madan – der, der richtet. Midjan – der, der Streit stiftet, der den Frieden zu stören versteht. Man kann sagen – der, der ein Anführer und Dissident zu sein versteht.
Der Name Jischbak bedeutet verlassen, vergessen, der, auf den man nicht achtet. Solche Namen wie zum Beispiel Chaim (Leben), oder Alter (Greis), oder Rafael (mein Gott ist Heiler), oder Muschka (Fliege), oder Paul (klein) gibt man Kindern, die krank waren, damit die unreinen Geister von ihnen abließen (es gab einen solchen Aberglauben). Nun, welcher unreine Geist will schon mit einem Jungen namens Greis oder einem Mädchen namens Fliege kämpfen? Wozu sich mit ihnen abgeben?
Und der letzte Sohn von den sechs – Schuach, der, der Dialoge zu führen versteht, seinen Gedanken dem Zuhörer vermitteln kann.
Im Großen und Ganzen, wenn man es sich ansieht, sind die Namen, die Awraham seinen Kindern von Ketura gibt, mit dem Dienst verbunden, und man kann sie so verstehen.
וְיָקְשָׁן יָלַד אֶת־שְׁבָא וְאֶת־דְּדָן וּבְנֵי דְדָן הָיוּ אַשּׁוּרִם וּלְטוּשִׁים וּלְאֻמִּים׃
wejokschán jalád et-schewá we'et-dedán uwné dedán hajú aschurím ultuschím ul'ummím
3 Jakschan zeugte Schwa und Dedan. Und die Söhne Dedans – Aschurim und Letuschim und Le'umim (das sind Familien, die in Zelten lebten, nomadische Familien).
Schwa – ein weise gewordener Mensch, bei dem das graue Haar zusammen mit der Weisheit kam, das heißt weise wie ein Greis. Dedan – der, der nährt, der fähig ist zu nähren wie mit der Brust, das heißt einer, der um Versorgung besorgt ist, ein Versorger.
וּבְנֵי מִדְיָן עֵיפָה וָעֵפֶר וַחֲנֹךְ וַאֲבִידָע וְאֶלְדָּעָה כָּל־אֵלֶּה בְּנֵי קְטוּרָה׃
uwné midján efá wa'éfer wachanóch wa'awidá we'elda'á kol-élle bené keturá
4 Und die Söhne Midjans – Efa und Efer und Chanoch und Awida und Elda'a, alle Söhne Keturas.
Der Name Chanoch kommt bei vier verschiedenen Menschen vor, ein sehr populärer Name. Awida – das ist und mein Vater weiß. Elda'a – das ist Gott-Wissen. Wir sehen, dass die Namen der Kinder Midjans mit Wissen, mit dem Lernen verbunden sind.
וַיִּתֵּן אַבְרָהָם אֶת־כָּל־אֲשֶׁר־לוֹ לְיִצְחָק׃
wajittén awrahám et-kol-ascher-ló lejizchák
5 Awraham gab alles, was er hat, Jizchak.
Die Kinder, die von Ketura geboren wurden, erhielten, kann man sagen, kein materielles Erbe. Rabbi Schlomo Jizchaki, über den wir schon gesprochen haben, erzählt davon, dass Awraham seinen Kindern von den Nebenfrauen Geschenke gab. Diese Geschenke sind mit der Mystik des Ostens verbunden (das Buch der Wandlungen, Tarotkarten und allerlei solches), mit den dunklen Seiten der Erkenntnis. So erklärt er wohl die jüdische Herkunft all dieser Ideen. Höchstwahrscheinlich erhielten sie auch materielle Geschenke, aber absolut das ganze Erbe gab Awraham Jizchak.
וְלִבְנֵי הַפִּילַגְשִׁים אֲשֶׁר לְאַבְרָהָם נָתַן אַבְרָהָם מַתָּנֹת וַיְשַׁלְּחֵם מֵעַל יִצְחָק בְּנוֹ בְּעוֹדֶנּוּ חַי קֵדְמָה אֶל־אֶרֶץ קֶדֶם׃
weliwné happilagschím aschér le'awrahám natán awrahám mattanót
wajschallechém me'ál jizchák benó be'odénnu chaj kédma el-eréz kédem
6 Und den Söhnen der Nebenfrauen, die Awraham hat, gab Awraham Geschenke, und schickte sie weg von Jizchak, seinem Sohn, solange er noch lebte, in das östliche Land (östlich vom Land Israel).
Das heißt, einer der letzten Wünsche Awrahams, eine seiner letzten Sorgen war es, Jizchak vor diesen seinen neuen Brüdern zu bewahren, die sowohl auf das Erbe als auch auf irgendeinen geistlichen Krieg mit ihm Anspruch erheben konnten. Deshalb schickte Awraham sie noch zu Lebzeiten weg.
Wir begegnen im weiteren Verlauf der Schrift fast all ihren Namen als Vätern von Völkern.
וְאֵלֶּה יְמֵי שְׁנֵי־חַיֵּי אַבְרָהָם אֲשֶׁר־חָי מְאַת שָׁנָה וְשִׁבְעִים שָׁנָה וְחָמֵשׁ שָׁנִים׃
we'élle jemé schené-chajé awrahám ascher-cháj me'át schaná weschiw'ím schaná wechamésch schaním
7 Und dies sind die Lebensjahre Awrahams, die er lebte – hundert Jahre, und siebzig Jahre und fünf Jahre (das heißt, Awraham lebte 175 Jahre).
וַיִּגְוַע וַיָּמָת אַבְרָהָם בְּשֵׂיבָה טוֹבָה זָקֵן וְשָׂבֵעַ וַיֵּאָסֶף אֶל־עַמָּיו׃
wajigwá wajámot awrahám besewá towá sakén wesawéja waje'ásef el-ammáw
8 Und er erreichte die Grenze der Erschöpfung, und Awraham starb in gutem Greisenalter, alt, des Lebens satt (das heißt, er starb ohne Bedauern über etwas, was nicht getan ist, so ist der Segen Awrahams), und schloss sich seinem Volk an.
וַיִּקְבְּרוּ אֹתוֹ יִצְחָק וְיִשְׁמָעֵאל בָּנָיו אֶל־מְעָרַת הַמַּכְפֵּלָה אֶל־שְׂדֵה עֶפְרֹן בֶּן־צֹחַר הַחִתִּי אֲשֶׁר עַל־פְּנֵי מַמְרֵא׃
wajikberú otó jizchák wejischma'él banáw el-me'arát hammachpelá el-sedé efrón ben-zóchar hachittí aschér al-pené mamré
9 Jizchak und Jischmael begruben ihn gemeinsam in der Höhle Machpela, der doppelten Höhle, auf dem Feld Efrons, des Sohnes Zochars, des Hethiters, bei Mamre.
הַשָּׂדֶה אֲשֶׁר־קָנָה אַבְרָהָם מֵאֵת בְּנֵי־חֵת שָׁמָּה קֻבַּר אַבְרָהָם וְשָׂרָה אִשְׁתּוֹ׃
hassadé ascher-kaná awrahám me'ét bene-chét schámma kubbár awrahám wesará ischtó
10 Auf ebendem Feld, das Awraham von den Söhnen Chets kaufte; dort ist auch Awraham begraben, und Sara, seine Frau.
וַיְהִי אַחֲרֵי מוֹת אַבְרָהָם וַיְבָרֶךְ אֱלֹהִים אֶת־יִצְחָק בְּנוֹ וַיֵּשֶׁב יִצְחָק עִם־בְּאֵר לַחַי רֹאִי׃
wajhí acharé mót awrahám wajwárech elohím et-jizchák benó wajéschew jizchák im-be'ér lacháj ro'í
11 Und es war, nach dem Tod Awrahams segnete Gott Jizchak, seinen Sohn (das heißt, der Segen Awrahams ging auf Jizchak über), und Jizchak wohnt beim Brunnen Lachaj-Ro'i (an ebendem Ort, bei ebendem Brunnen, dem Hagar seinerzeit den Namen gegeben hatte).
Auf diese Weise wohnt Jizchak neben Jischmael. Da die Tora das erwähnt hat und da wir von der Verheißung des Höchsten gelesen haben, dass Er Jischmael segnen wird, lesen wir weiter die Geschlechterfolge Jischmaels.
וְאֵלֶּה תֹּלְדֹת יִשְׁמָעֵאל בֶּן־אַבְרָהָם אֲשֶׁר יָלְדָה הָגָר הַמִּצְרִית שִׁפְחַת שָׂרָה לְאַבְרָהָם׃
we'élle toledót jischma'él ben-awrahám aschér jaledá hagár hammizrít schifchát sará le'awrahám
12 Dies ist die Geschlechterfolge Jischmaels, des Sohnes Awrahams, den Hagar, die Ägypterin, die Sklavin Saras, Awraham gebar.
וְאֵלֶּה שְׁמוֹת בְּנֵי יִשְׁמָעֵאל בִּשְׁמֹתָם לְתוֹלְדֹתָם בְּכֹר יִשְׁמָעֵאל נְבָיֹת וְקֵדָר וְאַדְבְּאֵל וּמִבְשָׂם׃
we'élle schemót bené jischma'él bischmotám letoledotám bechór jischma'él newajot wekedár we'adbe'él umiwsám
13 Dies sind die Namen der Söhne Jischmaels nach ihren Namen, nach ihrer Geburt: der Erstgeborene Newajot (der, der die Pflöcke am Zelt einschlägt), und Kedar (das ist die schwarze Farbe der Zelte), und Adbe'el (der, der Gott weckt, in Gott die Großzügigkeit weckt), und Miwsam (der, der mit Gewürzen handelt).
וּמִשְׁמָע וְדוּמָה וּמַשָּׂא׃
umischmá wedumá umassá
14 Und Mischma (der, der unterweist, Unterricht gibt), und Duma (der Schweigende), und Massa (der Tragende).
חֲדַד וְתֵימָא יְטוּר נָפִישׁ וָקֵדְמָה׃
chadád wetemá jetúr nafísch wakédma
15 Chadad (scharf, geschäftstüchtig), und Tema (fähig, einen Plan aufzustellen), Jetur (fähig, irgendwelche Programme umzusetzen), Nafisch (der, der sich mit Skalierung, mit Erweiterung befasst), und Kadma (der Vorangehende, der, der den Fortschritt in die Gesellschaft trägt).
Insgesamt sieht man an diesen Namen, dass die Nachkommen Jischmaels Menschen sind, die sich hauptsächlich mit Handel befassen, obwohl sich kein Handel ohne Heer bewegt.
אֵלֶּה הֵם בְּנֵי יִשְׁמָעֵאל וְאֵלֶּה שְׁמֹתָם בְּחַצְרֵיהֶם וּבְטִירֹתָם שְׁנֵים־עָשָׂר נְשִׂיאִם לְאֻמֹּתָם׃
élle hém bené jischma'él we'élle schemotám bechazrehém uwtirotám schenem-assár nesi'ím le'ummotám
16 Das also sind die Söhne Jischmaels, und das sind ihre Namen nach ihren Höfen, nach ihren Burgen, zwölf Herrscher.
Zwölf Herrscher – das ist das, was der Höchste aus Jischmael hervorzubringen verheißen hat. Wichtig ist es wohl, hier zu sagen, wichtig und interessant: Wir sind es gewohnt zu meinen und so gewohnt zu sagen, dass die Araber als Nachkommen Jischmaels gelten. In Wirklichkeit lebten die Söhne, die Nachkommen Jischmaels bis zur persischen Zeit rings um das Land Israel und wurden zusammen mit den zehn Stämmen Israels in die Verbannung weggeführt. Deshalb ist ihre Spur verloren, und heute lässt sich nicht bestimmen, wer tatsächlich Nachkomme Jischmaels ist. Aber die Tradition hat sich so ergeben, dass man Kaufleute, Wüstennomaden Jischmaeliten nannte. Das ist sozusagen ein ideologischer Beiname, er ist an ihnen haften geblieben. Und natürlich, als sich der Islam herausbildete und Muhammad seinen Anspruch mit etwas untermauern musste, auf welcher Grundlage und in welchem „Bundes“-StatusIm Original steht hier ein Adjektiv in Anführungszeichen, das sowohl „hochgeschätzt, heilig gehütet“ als auch „zum Bund gehörig“ bedeuten kann. Es wurde als „Bundes“-Status wiedergegeben. er sich an diese ganze Tradition anhängt, da entstand auch die Tradition, dass sie Nachkommen Jischmaels seien. Der Koran erzählt nicht, nennt nicht den Namen des Sohnes, den Awraham als Opfer darbrachte. At-Tabari, ein Historiker des Islam, führt zehn Argumente zur Verteidigung dessen an, dass es Jizchak ist, und zehn Argumente zur Verteidigung dessen, dass es Jischmael ist. Die Historiker des frühen Islam wussten das nicht, aber allmählich festigte sich im Islam die Tradition, dass sie Nachkommen Jischmaels seien. Keinerlei historische Grundlage hat das.
וְאֵלֶּה שְׁנֵי חַיֵּי יִשְׁמָעֵאל מְאַת שָׁנָה וּשְׁלֹשִׁים שָׁנָה וְשֶׁבַע שָׁנִים וַיִּגְוַע וַיָּמָת וַיֵּאָסֶף אֶל־עַמָּיו׃
we'élle schené chajé jischma'él me'át schaná uschloschím schaná weschéwa schaním wajígwa wajamót waje'ásef el-ammáw
17 Und dies sind die Lebensjahre Jischmaels – 137 Jahre, und er ermattete, und starb, und schloss sich seinem Volk an.
וַיִּשְׁכְּנוּ מֵחֲוִילָה עַד־שׁוּר אֲשֶׁר עַל־פְּנֵי מִצְרַיִם בֹּאֲכָה אַשּׁוּרָה עַל־פְּנֵי כָל־אֶחָיו נָפָל׃
wajischkenú mechawilá ad-schúr aschér al-pené mizrajím bo'achá aschúra al-pené chol-echáw nafál
18 Und diese Nachkommen lebten vom südlichen Teil des Landes Israel an, vor Ägypten, über das Gebiet des ganzen südlichen Teils der Wüste Sinai.
Damit endet ein kleines Stück, das der Geschichte der Söhne Jischmaels gewidmet war. Wir werden sie später ein wenig berühren, wenn wir andere Kapitel lesen.
Wir sprechen miteinander sowohl über den jetzigen Wochenabschnitt Chaje Sara als auch über den vorherigen Wochenabschnitt Wajera. Wir beginnen mit dem 18. Kapitel des Buches Bereschit, in dem erzählt wird, wie der Höchste Selbst zu Awraham zu Gast kam und ihm verkündete, dass er und Sara bald einen Sohn haben werden. Im 12. Vers lesen wir von der Reaktion Saras:
וַתִּצְחַק שָׂרָה בְּקִרְבָּהּ
wattizchák sará bekirbá
12 Und Sara lachte nahe bei sich (wenn man wörtlich übersetzt) oder in ihrem Inneren,
Sara lachte innerlich.
לֵאמֹר אַחֲרֵי בְלֹתִי
lemór acharé welotí
Indem sie sagte: „Nachdem bei mir das gewöhnliche Weibliche aufgehört hat,
Das Wort blot bedeutet im modernen Hebräisch, und auch im Hebräisch jener Zeit, das Aufhören der monatlichen Blutungen der Frau oder die Wechseljahre. Nachdem bei mir die Wechseljahre eingetreten sind
הָיְתָה-לִּי עֶדְנָה
hajeta-lí edná
Die Jugend ist zu mir zurückgekehrt, mit mir ist eine Verjüngung geschehen
Mich hat die Wonne ereilt – wenn man wörtlich übersetzt.
וַאדֹנִי זָקֵן׃
wadoní sakén
Und mein Mann ist alt.
Wahrscheinlich kennen alle diesen Vers. Alle haben sich irgendwie sogar die lachende Sara vorgestellt. Manche Kommentatoren sagen, dass Sara genau in diesem Moment, bevor sie lachte, spürte, dass ihr Körper sich verjüngt oder dass bei ihr die Monatsblutungen eingesetzt haben, und das rief bei ihr ein Schmunzeln hervor.
Wir haben darüber gesprochen, dass es immer die Möglichkeit gibt, diesen oder jenen uns gut bekannten Vers der Tora aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und heute schlage ich euch vor, dieses Fragment mit den Augen von Raw Naftali Zwi Jehuda Berlin zu lesen. Und er sagt so: „Hier lacht Sara darüber, dass das Geschehende unerwartet ist, sogar wie ein Wunder.“ Gewöhnlich stellen wir Menschen uns, sogar wenn wir auf ein Wunder warten, vor, dass das Wunder auf eine bestimmte Weise geschehen wird. Natürlich wusste Sara, dass der Höchste Awraham ein Kind verheißen hatte. Als Awraham und Sara alt geworden waren, was kann man sich da vorstellen? Wie wird dieses Wunder sein? Vielleicht werden sie beide unerwartet jünger, werden jung und empfangen ein Kind? Oder vielleicht geschieht ein solches Wunder, dass die Alten – Awraham und Sara – ein Kind empfangen? Man kann es sich so vorstellen, und man kann es sich so vorstellen.
Wir alle stellen uns, wenn wir uns ein Wunder ausmalen, es oft auf eine bestimmte Weise vor. „Wenn ein Zauberer angeflogen kommt – stellte sich das Krokodil Gena vor –, dann kommt er unbedingt in einem blauen Hubschrauber angeflogen. Kann ein Zauberer etwa ohne Hubschrauber fliegen? Und er zeigt kostenlos einen Film.“ Wir sehen im Voraus, wie dieses Wunder sein wird. Die Lösung des Höchsten in diesem Fall (wie Raw Naftali Zwi Jehuda diesen Text versteht) ist aber eine ungewöhnliche Lösung. Sara wurde jünger, Awraham aber wurde nicht jünger. Und einerseits ergibt sich, dass das ein Wunder für Sara ist: Die Jugend ist zu ihr zurückgekehrt, und sie wird empfangen und gebären können. Und das Wunder für Awraham besteht darin, dass er als alter Mann ein Kind bekommen kann.
Als der Höchste diese Worte Awraham gegenüber wiederholt, lesen wir im 13. Vers:
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל-אַבְרָהָם לָמָּה זֶּה צָחֲקָה שָׂרָה לֵאמֹר הַאַף אֻמְנָם אֵלֵד וַאֲנִי זָקַנְתִּי׃
wajomer adonáj el-awrahám lámma se zachaká sará lemór ha'áf umnám eléd wa'aní sakanti
13 Und der HERR sprach zu Awraham: „Warum hat Sara gelacht, indem sie sagte: ‚Werde ich wirklich gebären? Ich war alt, und mein Mann ist ein Greis geblieben‘.“
Wir alle wissen, wie die klassischen Kommentatoren diesen Text auslegen, warum der Höchste nicht wörtlich wiedergegeben hat, was Sara sagt. Darum geht es jetzt nicht. Es geht darum, dass unsere Welt, unser Blick auf die Welt, unsere Vorstellung von der Welt schablonenhaft ist, sogar wenn wir manchmal ein Wunder erwarten. Wir erwarten, dass dieses Wunder auf eine bestimmte Weise geschehen wird. Und ich habe schon über das Wort zchok (Lachen) gesprochen. Das Wort zchok (Lachen) besteht gleichsam aus zwei Wörtern: ze (geh hinaus) und chok (Grenzen) – geh über die Grenzen des Gesetzes hinaus, zerreiß deine Schablone. Bei Sara geschah ein Riss, ein Bruch des schablonenhaften Denkens, und davon lachte sie. Ihre Vorstellungen vom Wunder reichten nicht an die Allmacht des Schöpfers heran. Deshalb sagt der Schöpfer zu ihr auch: „Programmiere nicht, lege kein Drehbuch für das Wunder fest.“ Die Wunderhaftigkeit des Schöpfers steht über jedem Drehbuch.
Wir haben darüber gesprochen und werden noch darüber sprechen, dass der Blick auf diesen oder jenen Vers der Tora unterschiedlich sein kann. Aber wenn dieser oder jener Kommentar die Tora erklärt, ist es wichtig, dass das Bild der Auslegung ganzheitlich ist. Deshalb ist es interessant, wie Raw Naftali Zwi Jehuda das Alter, die Lebensdauer Awrahams und Saras auslegt. Sara lebte, wie wir wissen (das ist schon unser Wochenabschnitt), hundertsiebenundzwanzig Jahre, und Awraham lebte hundertfünfundsiebzig Jahre. Erstaunlich: Wenn man das mit den Augen von Raw Naftali Zwi betrachtet, kann man sagen: Bei Sara gab es ein „Zurückspulen“, sie wurde jünger, sagen wir, auf 25–30 Jahre (wir wissen es nicht). Sie verjüngte sich. Und eigentlich hätte doch gerade sie viel länger leben müssen als Awraham. Warum lebte Awraham 175 Jahre und Sara – 127? Und der Raw erklärt, dass Sara, weil sie jünger war, manche ihrer Aufgaben, manche ihrer Arbeit schneller erledigte und mit all ihren Aufgaben, mit allem, was sie in ihrem Leben zu erfüllen hatte, früher fertig wurde als Awraham. Wir sehen oft irgendwelche Menschen, die nie mehr in unserem Alter sein werden, die gestorben sind, ohne vierzig, fünfunddreißig, dreißig Jahre zu erreichen, und die es geschafft haben, mehr zu tun als wir, weil sie vielleicht irgendwie zu schnell gelebt haben. So etwas kommt auf Schritt und Tritt vor. Die junge Sara schaffte mehr als der gemächliche alte Awraham, deshalb vollendete sie ihren Dienst früher und ging früher aus dieser Welt.
Das kann auch für uns eine Lehre sein. Wenn wir versuchen, so viel wie möglich zu tun, dies zu schaffen, noch das und noch dies, ist das eine gute Eigenschaft, aber man muss auch das Maß kennen. Und man muss daran denken, dass es für jedes Ding unter der Sonne seine Zeit gibt. Und manchmal muss man innehalten können, sein Leben nicht antreiben und die Dinge mit einer gewissen Gemächlichkeit tun, um seine Jahre zu verlängern.
Einen solchen unkonventionellen Blick auf einen uns allen bekannten Vers findet man bei Rabbi Naftali Zwi Jehuda Berlin. Man muss dem nicht zustimmen und, was das Wichtigste ist, man muss nicht sofort widersprechen und heraussuchen, wo er denn hier nicht recht hat, und herausreißen: „Aber vielleicht widerspricht dieser Vers dem, oder dieser Vers widerspricht dem?“ Denn vielleicht werdet ihr euch überzeugen, dass der Raw sowohl für jenen Vers als auch für den anderen eine Erklärung hat. Wichtig ist nicht, zu finden, wo man streiten kann, und nicht, das, was wir hören, in eine Parole zu verwandeln, sondern etwas aus dem zu lernen, was wir hören aus diesen unkonventionellen, ungewöhnlichen Blicken auf die Tora. Dafür teile ich eigentlich diese unkonventionellen Ansätze.
Erinnern wir uns zu Beginn ein wenig daran, womit der vorige Wochenabschnitt endete. Er endete damit, dass man Awraham erzählte, dass seine Verwandte Milka ebenfalls geboren hatte. Und das Wort ebenfalls weist auf Sara hin (genauso wie Sara), vielleicht auf genau dieselbe Weise, vielleicht aber auch genauso, zur selben Zeit. Darin liegt eine eigentümliche Andeutung der Tora darauf, dass, wenn wir im Vordergrund die Beschreibung des Lebens der Väter, der Nachkommen Terachs, sehen, es im Hintergrund, am Rand der Tora, am Rand unserer Erzählung, eine Geschichte über die Mütter der Nation gibt, die ebenfalls in der Familie Terachs heranwachsen. Sowohl Sara als auch Riwka und später Rachel und Lea werden ebenfalls aus der Familie Terachs sein, und nichts zufällig, niemand wird zufällig geboren. Man könnte erwarten, dass Riwka geboren wurde und dass sie (offensichtlich doch) als Braut für Jizchak bestimmt ist. Doch so einfach ist das alles nicht. Und unser Wochenabschnitt Chaje Sara wird unter anderem der Suche nach einer Braut für Jizchak gewidmet sein. Alles beginnt damit, dass Awraham seinen Knecht, Elieser, in seine Heimat schickt, damit er nicht eine kanaanäische Frau für den Sohn des Herrn nimmt, sondern ihm eine Frau aus seiner Heimat nimmt. Und über die Beweggründe dafür werden wir heute nicht sprechen, sondern wir versuchen anzusehen, wie es sich zugetragen hat und warum gerade so. Beginnen wir damit, dass wir das Gespräch zwischen Elieser und Awraham lesen:
3-5. Ich nehme dir einen Schwur ab beim HERRN, dem Gott des Himmels und dem Gott der Erde, dass du keine Frau für meinen Sohn von den Töchtern des Kanaani nehmen wirst, in dessen Mitte ich wohne. Sondern in mein Land, in meine Heimat wirst du gehen und eine Frau für meinen Sohn nehmen, für Jizchak.“ Und der Knecht sprach zu ihm: „Vielleicht will die Frau mir nicht in dieses Land folgen, soll ich dann deinen Sohn in das Land zurückbringen, aus dem du ausgezogen bist?“
Worin besteht die Frage des Knechts? Nun, es ist klar, dass die Braut aus der Familie sein wird. Die Frage ist, wo werden wir wohnen oder wohin werden wir zum Schabbat gehen? Wenn man es jüdisch sagt: In welche Synagoge werden wir gehen? Und Awraham antwortet: „Nein, Jizchak dorthin zu schicken, das ist keine Option.“
6. Und Awraham sprach zu ihm: „Hüte dich, dass du meinen Sohn nicht dorthin zurückbringst.“
Wohnen werden wir also hier, bei uns.
7. „Der HERR, der Gott des Himmels, der mich aus dem Haus meines Vaters und aus dem Land meiner Heimat genommen hat, und Der über mich gesprochen und mir so geschworen hat: ‚Deinen Nachkommen werde ich dieses Land geben‘, Er wird Seinen Engel vor dir her senden, und du wirst eine Frau für meinen Sohn von dort nehmen.“
Was sagt Awraham? „Gott hat mir dieses Land verheißen. In dieses Land werden wir die Braut auch holen, sonst, ohne Land, wozu brauchen wir eine Braut?“
8. „Wenn aber die Frau dir nicht folgen will, so bist du frei von diesem Schwur mir gegenüber. nur meinen Sohn bringe nicht dorthin zurück.“
Das also ist das Gespräch, das zwischen Elieser und Awraham stattfand. Obwohl wir Elieser sagen, muss man hier anmerken, dass der Name Eliesers in dieser ganzen Geschichte kein einziges Mal erwähnt wird. Er wird die ganze Zeit einfach als Knecht Awrahams bezeichnet, er hat keinen eigenen Namen. Sein ganzer Dienst im Verlauf des ganzen Abschnitts ist ein Dienst an Awraham. Er ist gleichsam die Verkörperung Awrahams, bei Awraham in der Heimat, deshalb wird sein Name hier nicht genannt, ihn persönlich gibt es hier nicht. So seltsam es ist, die wortkarge Tora, die gewöhnlich Jahrtausende in wenigen Zeilen beschreiben kann, wiederholt plötzlich unerwartet mit den Worten Eliesers die ganze Erzählung davon, wie es sich zugetragen hat und wie er den Schwur Awrahams leistete. Und wir werden sehen, dass Elieser, wenn er nacherzählt, wie es sich zugetragen hat, einige Änderungen an der Erzählung der Ereignisse vornimmt. Wir werden das noch einmal lesen und versuchen zu verstehen, warum, wozu Elieser das tut und welche Schlussfolgerungen daraus für uns aktuell sind. Das ist es, was Elieser im Haus Riwkas erzählt:
37. Und mein Herr nahm mir einen Schwur ab und sprach: „Nimm keine Frau für meinen Sohn von den Töchtern des Kanaani, in dessen Land ich wohne.“
Wir erinnern uns, dass Awraham sagte: „In deren Mitte ich wohne.“ Das heißt, seht doch, in deren Mitte, mitten unter wem man wohnen muss. Nimm nicht von diesen. Hier, beim Nacherzählen, glättet Elieser eine gewisse Geringschätzung gegenüber Kanaan, die Awraham hat, denn er will, dass Riwka dorthin fährt, er will sie nicht im Voraus abschrecken.
38. „Wenn du nicht zuerst in das Haus meines Vaters gehst und zu meiner Familie“, erzählt Elieser.
Aber so war es nicht. Awraham schickte ihn in mein Land und in meine Heimat. Es ist eine Sache, in die Heimatstadt Awrahams zu gelangen, eine andere Sache, in die Familie Awrahams zu gelangen. Warum ändert Elieser das? Wenn man annimmt, dass Awraham Elieser einfach in seine Stadt schickte, und hier gibt es so ein erstaunliches Zusammentreffen, dass Elieser nicht einfach ankam, sondern gerade in das Haus Riwkas kam, dann kann das den Willen der Zuhörer fesseln, sie dazu bringen zu sagen: „Nun, wenn sich alles schon so gefügt hat, dann muss man jetzt aber wirklich heiraten, muss man Riwka verheiraten. Es ist wirklich notwendig.“ Und eine solche Formulierung kann den Menschen die Freiheit der Wahl nehmen.
Und weiter erzählt Elieser alles mehr oder weniger genau, mit Ausnahme eines Details über den Engel, über den Awraham sagte: „Gott wird ihn vor dir her senden.“ Elieser sagt: „Gott wird ihn mit dir senden.“ Warum, und wozu, und worin liegt der Unterschied? Wenn der Engel vor jemandem hergeht, dann geht er voraus, bereitet alles vor, löst alle Probleme, sodass sich vor dem Menschen schon ein roter Teppich ausbreitet und ihm nur noch bleibt, einen Schritt zu tun, nur noch darüber zu gehen. Wenn der Engel mit dem Menschen geht, dann löst der Mensch selbst die Probleme, so wie sie anfallen. Der Engel, der neben ihm ist, hilft ihm einfach dabei. Wozu ist es wichtig, das zu ändern? Zum selben Zweck. Wenn der Engel vorausgegangen ist, dann wird erwartet, dass man in der Familie Betuels, in der Familie Riwkas, schon alles entschieden hat und dass sie bereit sein müssen, Riwka herzugeben. Wenn der Engel vorausgegangen ist, dann … Bei euch ist der Engel nicht vorbeigekommen, ihr habt den Engel nicht gesehen? Dann habt ihr den Engel nicht gesehen, ihr seid unwürdig, ihr seid ungläubig. Und das fesselt wiederum die Freiheit der Wahl der Familie Betuels. Und das ist nicht das, was Elieser will. Deshalb ändert er einige Details in der Beschreibung der Ereignisse.
Für Elieser ist es schon klar, er hat schon gesagt, dass der Höchste hizliach – ihm Gelingen gegeben hat auf seinem Weg. Er hat schon die Hand Gottes in all diesen Ereignissen gesehen, aber er will nicht, dass sein ganzes Bild, seine Sicht Riwka die Freiheit des Willens nimmt. Er will nicht, dass Riwka nach einer Prophezeiung heiratet, dass es so aussieht, als wäre der HERR im Haus Betuels erschienen und hätte gesagt: „So sage Ich: Riwka muss heiraten und mit diesem Mann gehen.“ Elieser erzählt die Umstände nach, aber er lässt der Familie der Braut Spielraum. Er sagt ihnen nicht: „Wenn ihr nicht zustimmt, dann handelt ihr gegen die Prophezeiung, dann handelt ihr gegen den Willen Gottes.“ Er will, dass sie selbst sehen und dass sie selbst zustimmen. Und das ist es, was geschieht.
50. Und Lawan und Betuel antworteten und sprachen: „Vom HERRN geht das aus. Wir können dir nichts entgegen sagen, weder Gutes noch Schlechtes.“
Sie sagten: „Wirklich, das alles ist von Gott. Wie können wir widersprechen?“ Und trotzdem gingen sie nicht zu Riwka und sagten ihr nicht: „Wir haben Prophezeiungen empfangen. Der Heilige Geist hat es uns offenbart. So spricht der HERR: Du musst heiraten, jetzt gleich mit diesem Mann gehen, mit ihm nach Kanaan gehen.“ Sie fragen den Mund des Mädchens, sie fragen die junge Frau:
58. „Wirst du mit diesem Mann gehen?“ Und sie antwortet: „Ich werde gehen.“
59. Und sie nahmen ihre Schwester Riwka, ihre Amme, und schickten sie mit Elieser fort.“
Im Verlauf der ganzen Geschichte hatten Elieser und die Leser und sogar auf einer gewissen Etappe die Brüder und die Eltern das Verständnis, dass alles vom HERRN geschieht. Es gab das Verständnis, dass der Höchste genau diese, ebendiese Entscheidung erwartet, aber das war bis zum allerletzten Moment verborgen, damit Riwka selbst entscheiden konnte, ob sie dieser Prophezeiung folgt.
Das ist die allererste Beschreibung einer Brautwerbung, früher gibt es keine. Und darauf bauen sich die jüdischen Hochzeitsbräuche auf. Erstens: Man muss die Braut fragen, ob sie heiraten will. Der Vater hat nicht das Recht, die Tochter gewaltsam zu verheiraten. Was tun, wenn das Mädchen heiraten will, aber die Eltern dagegen sind? Was sagt die Tradition? Die Tradition sagt: „Heirate.“ Genau so ist alles eingerichtet, dass alle Umstände in den Hintergrund treten und nur dein Wille bleibt. Die Tradition sagt: „Es ist unmöglich, einen Menschen durch eine Prophezeiung zu zwingen, zu heiraten oder sich zu verheiraten.“ Wir werden später bei Hoschea eine gewisse Ausnahme sehen, aber das ist eine besondere Prophezeiung, die ihm gegeben wurde. Gott kann einen Menschen nicht durch Seine Prophezeiung zwingen, irgendeine Ehe einzugehen, und die Eltern können es auch nicht. Darin liegt volle Freiheit. Und diese Freiheit wird sogar dadurch gewährleistet, dass Elieser vor seinen Zuhörern einen Teil der Wirklichkeit verbirgt. In Bezug auf die Ehe gibt der Höchste volle Freiheit. Wir lesen an mehreren Stellen in der Schrift, dass die Ehe vom Höchsten ist und dass der Höchste will, dass das verborgen ist, dass das geheim ist, dass es nicht offenbart wird als: „So spricht der HERR. Diese ist für diesen bestimmt.“ Obwohl der Talmud erzählt, dass im Himmel eine solche Stimme erklingt und jedes Mädchen und jeder junge Mann mit einer Bestimmung geboren werden. Für jeden gibt es jemanden Eigenen, Bestimmten, aber es ist die Freiheit des Willens gegeben, und nur aus freiem Willen kann der Mensch eine Ehe eingehen. Das klingt für uns als Warnung vor allerlei Ehen nach Prophezeiungen und vor Prophezeiungen in Bezug auf die Ehe. Wir sehen, dass sogar, als die Umstände prophetisch waren, das vor den Zuhörern verborgen war, damit die Wahl nicht nach einer Prophezeiung, sondern nach dem eigenen menschlichen Willen getroffen wurde. Und darin besteht die Erfüllung des Willens Gottes. Wir sehen, dass Riwka Jizchak heiratet, für den sie vielleicht schon von der Geburt Jizchaks an bestimmt ist. Alles wird durch Gottes Willen verwirklicht, aber in Synergie, in Harmonie mit dem freien Willen des Menschen.
Das ist es, was wir aus dieser Geschichte für uns selbst, für unsere Kinder, für den Frieden in unseren Familien mitnehmen können.
Wir werden einen Teil der Geschichte darüber lesen, wie Elieser, der Knecht Awrahams, ging, um eine Braut für Jizchak zu holen.
וַיֹּאמֶר אַבְרָהָם אֶל-עַבְדּוֹ זְקַן בֵּיתוֹ הַמֹּשֵׁל בְּכָל-אֲשֶׁר-לוֹ
wajomer awrahám el-awdó sekán betó hammoschél bechol-ascher-ló
2 Und Awraham sprach zu seinem Knecht, dem Ältesten seines Hauses, der über alles herrscht, was er hat:
Awraham spricht zu einem Menschen, der sein langjähriger, alter Knecht ist, der den ganzen Besitz Awrahams verwaltet. Stellt euch das Maß an Vertrauen vor, das Awraham zu diesem Menschen hat.
שִׂים-נָא יָדְךָ תַּחַת יְרֵכִי׃
sim-ná jadechá táchat jerechí
„Lege deine Hand unter meine Hüfte
Das heißt, schiebe die Hand unter die Hüfte und lege sie auf die Stelle, wo die Beschneidung ist, wo das Zeichen des Bundes ist, zum Schwur.
וְאַשְׁבִּיעֲךָ בַּיהוָה אֱלֹהֵי הַשָּׁמַיִם וֵאלֹהֵי הָאָרֶץ אֲשֶׁר לֹא-תִקַּח אִשָּׁה לִבְנִי מִבְּנוֹת הַכְּנַעֲנִי אֲשֶׁר אָנֹכִי יוֹשֵׁב בְּקִרְבּוֹ׃
we'aschbi'achá badonáj elohé haschamájim welohé ha'árez aschér lo-tikkách ischá liwní mibbenót hakkena'aní aschér anochí joschéw bekirbó
3 Und ich werde dich beschwören beim Namen des Gottes der Himmel und des Gottes der Erde, dass du keine Frau für meinen Sohn von den Töchtern des kanaanäischen Volkes nimmst, unter dem ich wohne.
כִּי אֶל-אַרְצִי וְאֶל-מוֹלַדְתִּי תֵּלֵךְ
ki el-arzí we'el-moladtí teléch
4 Sondern du wirst in mein Land und in meine Heimat gehen,
Das heißt, buchstäblich in mein Viertel, in meinen Hof.
וְלָקַחְתָּ אִשָּׁה לִבְנִי לְיִצְחָק׃
welakachtá ischá liwní lejizchák
Um meinem Sohn, Jizchak, eine Frau zu nehmen.“
וַיֹּאמֶר אֵלָיו הָעֶבֶד אוּלַי לֹא-תֹאבֶה הָאִשָּׁה לָלֶכֶת אַחֲרַי אֶל-הָאָרֶץ הַזֹּאת
wajomer eláw ha'éwed uláj lo-towéIn der Umschrift des Originals steht das Betonungszeichen hier auf einem Konsonanten. Nach dem Hebräischen und wie beim selben Wort in Vers 8 liegt die Betonung auf der letzten Silbe. ha'ischá laléchet acharáj el-ha'árez hassót
5 Der Knecht sprach zu ihm: „Vielleicht wird diese Frau nicht gewillt sein, mir in dieses Land zu folgen?
Nicht jede Frau ist zur Auswanderung um einer Ehe willen bereit, selbst mit einem Menschen aus einer so vornehmen Familie wie der Familie Awrahams.
הֶהָשֵׁב אָשִׁיב אֶת-בִּנְךָ אֶל-הָאָרֶץ אֲשֶׁר-יָצָאתָ מִשָּׁם׃
hehaschéw aschíw et-binchá el-ha'árez ascher-jazáta mischám
Muss ich vielleicht in diesem Fall deinen Sohn in das Land zurückbringen, aus dem du ausgezogen bist?“
וַיֹּאמֶר אֵלָיו אַבְרָהָם הִשָּׁמֶר לְךָ פֶּן-תָּשִׁיב אֶת-בְּנִי שָׁמָּה׃
wajomer eláw awrahám hischámer lechá pen-taschíw et-bení schámma
6 Und Awraham sprach zu ihm: „Hüte dich, dass du meinen Sohn nicht dorthin zurückbringst.
יְהוָה אֱלֹהֵי הַשָּׁמַיִם אֲשֶׁר לְקָחַנִי מִבֵּית אָבִי וּמֵאֶרֶץ מוֹלַדְתִּי וַאֲשֶׁר דִּבֶּר-לִי וַאֲשֶׁר נִשְׁבַּע-לִי לֵאמֹר לְזַרְעֲךָ אֶתֵּן אֶת-הָאָרֶץ הַזֹּאת הוּא יִשְׁלַח מַלְאָכוֹ לְפָנֶיךָ וְלָקַחְתָּ אִשָּׁה לִבְנִי מִשָּׁם׃
adonáj elohé haschamájim aschér lekacháni mibbét awí ume'érez moladtí wa'aschér dibber-lí wa'aschér nischba-lí lemór lesar'achá ettén et-ha'árez hassót hu jischlách mal'achó lefanécha welakachtá ischá liwní mischám
7 Der Gott der Himmel, Der mich aus dem Haus meines Vaters genommen hat, aus meinem heimatlichen Winkel, Der mit mir geredet hat und der mir geschworen hat mit den Worten: ‚Deinem Samen werde Ich dieses Land geben‘, Er wird Seinen Engel vor dir her senden, und du wirst die Frau für meinen Sohn von dort zurückbringen.
„Ich glaube, dass der HERR, der verheißen hat, meinen Nachkommen dieses Land zu geben, Er alles so einrichten wird, dass mein Sohn es nicht nötig haben wird, irgendwohin aus diesem Land wegzufahren, um sich eine Frau zu nehmen.“ Und tatsächlich ist Jizchak der Einzige von den Erzvätern, der niemals die Grenzen des Landes Israel verlassen hat. Vielleicht dank diesem Gebet Awrahams. Awraham sagt: „Der HERR wird einen Engel vor dir her senden.“ Das bedeutet, dass gleichsam jemand vor dir hergehen und alle deine Angelegenheiten ordnen wird, und du wirst meinem Sohn von dort eine Frau nehmen.
וְאִם-לֹא תֹאבֶה הָאִשָּׁה לָלֶכֶת אַחֲרֶיךָ וְנִקִּיתָ מִשְּׁבֻעָתִי זֹאת רַק אֶת-בְּנִי לֹא תָשֵׁב שָׁמָּה׃
we'im-ló towé ha'ischá laléchet acharécha wenikkíta mischewu'atí sot rak et-bení lo taschéw schámma
8 Wenn aber diese Frau dir dennoch nicht folgen will, wirst du rein sein von diesem Schwur, du bist nichts schuldig, nur meinen Sohn bring nicht dorthin zurück.“
Awraham gibt Elieser also einen ganz konkreten Befehl, an einen sehr konkreten Ort mit einer sehr konkreten Mission zu gehen.
וַיָּשֶׂם הָעֶבֶד אֶת-יָדוֹ תַּחַת יֶרֶךְ אַבְרָהָם אֲדֹנָיו וַיִּשָּׁבַע לוֹ עַל-הַדָּבָר הַזֶּה׃
wajássem ha'éwed et-jadó táchat jérech awrahám adonáw wajischáwa lo al-haddawár hassé
9 Und der Knecht legte seine Hand unter die Hüfte Awrahams, seines Herrn, und schwor ihm, schwor ihm in dieser Sache.
וַיִּקַּח הָעֶבֶד עֲשָׂרָה גְמַלִּים מִגְּמַלֵּי אֲדֹנָיו וַיֵּלֶךְ וְכָל-טוּב אֲדֹנָיו בְּיָדוֹ וַיָּקָם וַיֵּלֶךְ אֶל-אֲרַם נַהֲרַיִם אֶל-עִיר נָחוֹר׃
wajikkach ha'éwed assará gemallím miggemallé adonáw wajélech wechol-túw adonáw bejadó wajákom wajélech el-arám naharájim el-ír nachór
10 Und der Knecht nahm zehn Kamele von den Kamelen seines Herrn und ging. Und alles Gut, alle Reichtümer seines Herrn in seiner Hand. Und er machte sich auf und ging nach Aram-Naharajim, in die Stadt Nachors.
Ob lang, ob kurz, der Knecht kommt in die Stadt Nachors. Die Tora erzählt nicht davon, wie schnell das geschah. Die Midraschim erzählen davon, dass das nicht sehr schnell geschah, aber das ist für uns jetzt unwichtig.
וַיַּבְרֵךְ הַגְּמַלִּים מִחוּץ לָעִיר
wajawréchDie Umschrift des Originals lautet hier etwa „wa'awréch“, ohne das j der hebräischen Form. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: „wajawréch“. haggemallím michúz la'ír
11 Und er ließ die Kamele sich niederlegen, sich niedersetzen, außerhalb der Stadt,
Das Wort ewarech ähnelt lewarech – segnen. Das Wort Bracha ist von derselben Wurzel und wird mit Segen übersetzt. Tatsächlich, die Wurzel berech – Knie. Wie das Knie das ist, was die zwei Teile des Beines verbindet, so verbindet auch die Bracha, wie das Kniegelenk das Obere und das Untere verbindet. Er ließ die Kamele sich niederlegen, die Kamele legen sich nieder, indem sie die Knie einknicken.
אֶל-בְּאֵר הַמָּיִם לְעֵת עֶרֶב לְעֵת צֵאת הַשֹּׁאֲבֹת׃
el-be'ér hammájim le'ét érew le'ét zet hascho'awót
Beim Brunnen vor der Abenddämmerung; bevor man hinausgeht, um Wasser zu schöpfen.
Und da geschieht etwas Ungewöhnliches. Der Knecht beginnt zu beten. Das ist wahrscheinlich die erste Geschichte eines Reisegebets.
וַיֹּאמַר יְהוָה אֱלֹהֵי אֲדֹנִי אַבְרָהָם הַקְרֵה-נָא לְפָנַי הַיּוֹם
wajomár adonáj elohé adoní awrahám hakre-ná lefanáj hajóm
12 Und er sprach: „HERR meines Herrn, HERR Awrahams! Lass mir heute geschehen…
Das Wort hakre – vom Wort mikre – Zufall.
וַעֲשֵׂה-חֶסֶד עִם אֲדֹנִי אַבְרָהָם׃
wa'asse-chéssed im adoní awrahám
Und erweise meinem Herrn, Awraham, Gnade.
הִנֵּה אָנֹכִי נִצָּב עַל-עֵין הַמָּיִם וּבְנוֹת אַנְשֵׁי הָעִיר יֹצְאֹת לִשְׁאֹב מָיִם׃
hinné anochí nizzáw al-én hammájim uwnót ansché ha'ír joze'ót lisch'ów majim
13 Siehe, ich befinde mich an der Wasserquelle, und die Töchter der Stadtbewohner gehen hinaus, um Wasser zu schöpfen,
וְהָיָה הַנַּעֲרָ אֲשֶׁר אֹמַר אֵלֶיהָ הַטִּי-נָא כַדֵּךְ וְאֶשְׁתֶּה וְאָמְרָה שְׁתֵה וְגַם-גְּמַלֶּיךָ אַשְׁקֶה אֹתָהּ הֹכַחְתָּ לְעַבְדְּךָ לְיִצְחָק וּבָהּ אֵדַע כִּי-עָשִׂיתָ חֶסֶד עִם-אֲדֹנִי׃
wehajá hanna'ará aschér omár eléha hatti-ná chaddéch we'eschté we'amerá scheté wegam-gemallécha aschké otá hocháchta le'awdechá lejizchák uwá edá ki-assíta chéssed im-adoní
14 Und es wird sein: das Mädchen, zu dem ich sagen werde: ‚Neige deinen Krug, und ich werde trinken‘, – und sie wird zu mir sagen: ‚Trink, auch deine Kamele werde ich tränken‘, – die hast Du für deinen Knecht Jizchak erwählt, und an ihr werde ich erkennen, dass Du meinem Herrn Gnade erwiesen hast.“
Weiter wissen wir, dass er noch nicht fertig gesprochen hatte, als Riwka kommt, und alles geschah so, wie er gebeten hatte, und sogar besser. Und es geschah sogar so, dass er genau in das Haus gelangte, in das er kommen sollte, usw. Alles geschah, wie es nötig war.
Die Frage ist folgende. Awraham schickte den Knecht an einen völlig konkreten Ort innerhalb der Stadt. Niemand sagte dem Knecht, irgendwie zu beten und irgendwie festzulegen, welche Frau herauskommen würde. Und wenn plötzlich eine Frau herausgekommen wäre, die hinkt, oder einäugig, oder grauhaarig, oder kahl, oder sonst irgendwie, und gesagt hätte, was Elieser hören wollte? Im Buch Schoftim lesen wir die traurige Geschichte eines Menschen, der versprach, dem HERRN das Erste, was ihm aus dem Haus entgegenkommen würde, als Ganzopfer darzubringen, und es kam seine Tochter heraus. Das ist die Geschichte Jiftachs. Und wie kann man wissen, dass nicht etwas Ähnliches geschieht? Die Kommentatoren streiten und sprechen viel darüber.
Nicht alle wissen, dass der Text der Tora nicht nur aus Buchstaben allein besteht, sondern auch noch Kantillationszeichen enthält, eigentümliche Noten, die die Intonation anzeigen, mit der man dieses oder jenes Wort aussprechen muss. Auf Hebräisch heißt das ta'amej hamikra – die Geschmäcker des Textes. Und tatsächlich zeigt das die Intonationen an, denn davon, wie wir dieses oder jenes Wort aussprechen, hängt ab, wie man es verstehen kann. Man kann sagen: „Entschuldigung“, man kann sagen: „Na, Entschuldigung“. Und das werden völlig verschiedene „Entschuldigung“ sein. Und so ist es mit vielen Wörtern. Und wenn wir den Text der Tora lesen, kann man ihn in der alten Sprache lesenIm Original heißt es wörtlich, man könne den Text „mit alter Sprache“ lesen. Gemeint ist vielleicht eine überlieferte Vortragsweise; die Wendung wurde wörtlich übersetzt., mit Ausdruck sprechend, und ausdrücken kann man jene Kantillationszeichen, die im Text angegeben sind. Manche Zeichen wurden sogar durch Gesten weitergegeben, und nicht nur durch Intonation. Und hier, über dem Wort Und er sprach, das am Anfang des 12. Verses steht, steht ein ungewöhnliches Zeichen, das silsul (oder Triller) heißt. Im ganzen Buch Bereschit kommt es nur dreimal vor. Einmal kommt es in Bereschit (19,16) vor, wenn wir über Lot lesen. Über ihn ist gesagt: „Lot zögerte, säumte.“
וַיִּתְמַהְמָהּ
wajitmahma, – wenn man einfach liest. Dort wird das Wort mit einem Triller ausgesprochen.
Das zweite Mal dasselbe Wort, aber in Bezug auf Josef. Als Josef vor der Frau Potifars flieht, steht dort dasselbe Wort, eine gewisse Verwirrung, Bestürzung Lots, eine gewisse Verwirrung, Bestürzung bei Josef. Und das dritte Mal kommt dieses Wort hier vor, im 12. Vers. Mit diesen Intonationen vermittelt die Tora die Bestürzung, ein gewisses Durcheinander im Bewusstsein des Helden.
Wenn ich mich auf den Weg mache, versuche ich, alles, alles, alles zu planen: wo ich in den Bus steige und in welchen Bus ich steige, wo ich aussteige, wo ich einen Happen esse, wo ich übernachte und alles Übrige, das möchte man gern wissen. Wir alle wollen planen, wenn wir uns auf den Weg machen. Wir alle sind es gewohnt, für das zu beten, was wir tun. Und so klingt das Reisegebet, das traditionelle Gebet, das jeder Jude betet, wenn er sich auf den Weg macht:
Möge es Dein Wille sein, Gott, unser Allmächtiger, und Allmächtiger Gott unserer Väter, uns auf friedlichem Weg zu führen, unsere Schritte auf friedlichem Pfad zu lenken, uns einen glücklichen Weg zu bahnen und uns an das Ziel unserer Reise zu bringen, zum Leben, zur Freude und zum Frieden; und uns in Frieden zurückkehren zu lassen, und uns zu erretten aus den Händen aller Feinde und von allen, die uns im Hinterhalt auflauern, von wilden Tieren, und aus den Händen von Räubern, die uns auf dem Weg begegnen können, und von allen Plagen, die in der Welt geschehen. Sende Segen auf alle Werke unserer Hände. Und lass uns Gnade, Segen und Erbarmen finden in Deinen Augen und in den Augen eines jeden, der uns sieht. Und erhöre die Stimme unseres Flehens, denn Du bist Gott, der Gebete und Flehen erhört. Gepriesen seist Du, Gott, der das Gebet erhört.
Dieses Gebet spricht jeder Jude, wenn er sich auf den Weg macht. Was steht in diesem Gebet? Wer betet ein solches Gebet? Ein Mensch, der überhaupt nichts weiß. Der nicht weiß, wohin er geraten kann, wo er haltmachen muss und womit er zusammenstoßen kann. Wenn wir alles geplant haben, alles gut geplant und in Schubladen einsortiert haben, dann findet sich in diesem unserem Plan manchmal kein Platz dafür, dass der Höchste darin Sein Wirken zeigt. Wir haben alles geplant, aber wir haben Ihn nicht gefragt, was Er will. Mit unserem Gebet, mit unserer Hinwendung zum Höchsten halten wir unsere Pläne gleichsam an und fragen, wenden dem Höchsten unser Herz zu und versuchen, unsere Pläne mit Ihm abzugleichen, Ihm Raum in unseren Plänen zu geben. Wie der Rabbi aus Kozk sagte: „Gott ist dort, wo wir Ihn hineinlassen.“ In diesem Reisegebet lassen wir Gott in unseren gut geplanten, in Schubladen einsortierten Weg hinein.
In diesem seinem Gebet lässt auch Elieser, der Knecht Awrahams, den Höchsten hinein, wendet sich an den Höchsten, obwohl er sowohl von dem Engel weiß, der vor ihm hergeht, als auch einen klaren Zeitplan hat, eine klare Anweisung von Awraham. Hier ist die Zeit, sich bestürzt zu fühlen, sich nicht als Herr der Lage zu fühlen, ganz und gar nicht als Herr der Lage, sich mit der Frage an den Höchsten zu wenden: „Was sind Deine Pläne für meinen Weg?“
Ich musste sehr viel reisen, mit Kindern reisen. Und wenn etwas nicht so lief, wie es sollte, wenn man im Stau stecken blieb, den Bus verpasste oder sonst etwas passierte, geschahen immer erstaunliche Dinge. Gerade in diesen Abweichungen von den Plänen, als wir, abgewichen, unsere Pläne vergessend, mit den Kindern beteten, schickte der Höchste sehr ungewöhnliche, gute Menschen in unser Leben, deren Bekanntschaft mir für viele Jahre geblieben ist. Mit vielen Lehrern, einfach guten Menschen, ungewöhnlichen Menschen, Menschen, die mir geholfen haben, oder Menschen, die meine Hilfe brauchten. Der Höchste führte mich in dem Moment, in dem ich auf dem Weg stecken blieb, in dem meine Pläne durcheinandergerieten, in dem alles nicht so geschah, wie ich wollte. In diesem Moment geschahen Wunder, die sich manchmal als wichtiger erwiesen als der Weg selbst, wichtiger als alles, was ringsum geschah. Das Ziel der Reise erwies sich schon als zweitrangig, auch das kam vor.
Der Maschiach sagt: „Ich bin der Weg.“ Im Maschiach verbinden sich das Göttliche und das Menschliche. Das ist eine ständige Synchronisierung, ein ständiges Abgleichen der eigenen Pläne mit den Plänen Gottes, ein ständiges Verweilen in diesem inneren Gebet, das schon nicht mehr Durcheinander gibt, sondern Gewissheit. Ein ständiges Schweben über dieser Welt, über den Plänen und Absichten dieser Welt. Das Überwinden des Reliefs des zerklüfteten Geländes dieser Welt und sogar das Nutzen dieses Reliefs für die eigenen Ziele. Das ist eines der möglichen Verständnisse dessen, was der Maschiach sagt: „Ich bin der Weg.“ Der Weg, das ist eine geplante Reise, mit einer eingeplanten minütlichen, sekündlichen Hinwendung zum Schöpfer. Keine einfache Sache, aber nur so gelangen wir zu dem, zu dem Ziel, wohin der Höchste uns führen will. Zum Frieden, zum Segen in den Herzen all derer, die uns sehen, wie es auch das Reisegebet sagt.
Das ist einer der Blickwinkel des Verständnisses. Natürlich kann man auch Dutzende andere anführen in Bezug darauf, warum Elieser hier haltmacht und betet. Das ist eine Schule für uns – haltzumachen zum Gebet. Sogar dann, wenn wir denken, dass Gott uns schon alles gesagt hat, sogar dort, wo wir denken, dass wir Seinen Willen verstehen, sogar dort, wo uns scheinbar völlig klare Anweisungen in Bezug darauf gegeben sind, was zu tun ist.
Ein erstaunliches Buch ist die Tora. Manchmal ist sie sehr ausführlich. Manche Dialoge, die man in einigen Zeilen darlegen oder einfach nacherzählen könnte, erzählt die Tora haargenau nach und entfaltet sie über ganze Kapitel. In unserem Wochenabschnitt sehen wir das Feilschen Awrahams um die Höhle Me'arat haMachpela oder zum Beispiel die Überlegungen des Knechts Elieser, als er geht, um eine Braut für Jizchak zu holen. Vielen mag das überflüssig und unverständlich erscheinen. Wozu beschreibt die Tora das alles so haargenau? Natürlich gibt es, Gott bewahre, in der Tora kein einziges überflüssiges Wort. Es kommt auch umgekehrt vor, dass die Tora sehr knapp ist. Und manche Handlung, die Dostojewski einem Roman zugrunde legen könnte und Hollywood einem abendfüllenden Film, legt die Tora in nur wenigen Zeilen dar, gehaltvoll, lebendig, aber sehr kurz.
Wir werden über ein Beispiel der zweiten Art sprechen, über einen Vers sprechen, oder genauer, sogar nur über ein einziges Wort, das sehr wichtig ist, das lange Zeit verschiedene Menschen zu verstehen versucht haben. Und wie es oft vorkommt, sagt das nicht nur etwas über das Wort selbst, sondern auch über die Menschen. Wir werden aus dem ersten Vers des 24. Kapitels des Buches Bereschit lesen.
וְאַבְרָהָם זָקֵן בָּא בַּיָּמִים וַיהוָה בֵּרַךְ אֶת-אַבְרָהָם בַּכֹּל׃
we'awrahám sakén ba bajamím wadonáj berách et-awrahám bakkól
1 Awraham wurde alt und kam in die Tage, und der HERR segnete Awraham mit allem.
Wir wollen bei dem Wort bakol stehen bleiben. Bakol kann man übersetzen als in allem, das heißt in allem, was er hatte, oder mit allem – mit allem als Werkzeug, wie mit einem Hammer. Es gibt etwas, das alles heißt, und damit hat Gott Awraham gesegnet. Es ist schwer zu verstehen, worum es geht. Der Knecht Awrahams selbst, den wir schon erwähnt haben, sagt, dass Gott Awraham mit vielem gesegnet hat: „Und der HERR hat meinen Herrn sehr gesegnet, und er wurde groß, und Er gab ihm Schafe und Rinder und Silber und Gold und Knechte und Mägde und Kamele und Esel.“ Mit vielem hat Gott Awraham gesegnet. Natürlich kann man oft sagen: „Gott hat mich mit vielem gesegnet.“ Und auch ich habe vieles, aber ich möchte, dass ich im Alter sagen könnte: „Und der HERR hat mich mit allem gesegnet.“ Noch besser, wenn jemand anderes so etwas über mich sagen könnte. Das kann man auch auf einen Grabstein schreiben. Das wird eine gute Inschrift. Worum geht es also? Warum hat die Tora uns hier nicht aufgezählt, wie es Elieser aufgezählt hat, wie viele Kamele er hatte, wie viele Mägde, wie viele Knechte, wie viel Silber und wie viel Gold. Weil Mägde, Silber und Gold irgendeine Grenze haben. Das ist nicht alles.
Was ist also alles? Viele haben im Lauf vieler Generationen versucht, das zu verstehen. Im Talmud gibt es einen Streit, und es werden verschiedene Meinungen geäußert. Einer der Weisen sagt: „In allem – das bedeutet, dass er keine Tochter hatte. Wenn einem Menschen Söhne geboren werden – so argumentiert dieser Weise –, dann ist das ein großer Segen, und wer so gesegnet ist, der ist in allem gesegnet.“ Was kann ich sagen, als Vater von Töchtern, der in seinen Töchtern einen so großen Segen sieht, dass er nicht nur eigene hat, sondern auch noch Mädchen adoptiert hat, mit Gottes Hilfe? Ich freue mich sehr über meine Töchter, und ich halte das für einen großen Segen, und diesem Lehrer kann ich nicht zustimmen.
Ein anderer widerspricht: „Im Gegenteil, der Segen Awrahams bestand gerade darin, dass er auch Töchter hatte. Und es gelang ihm, die Töchter gerecht zu erziehen.“ Eine schöne Meinung, sie gefällt mir besser, aber aus der Tora ist sie schwer zu begründen.
Der Dritte meint, dass Awraham eine Tochter hatte, ihr Name war Bakol (mit allem). Das ist der Name der Tochter, und diese Tochter ist ein solcher Segen, eine solche Freude für den Papa. Wieder gefällt mir das, aber es zu begründen ist schwer.
Andere sagen: „Awraham war ein großer Heilkundiger, ein Kenner von allem, und die Menschen kamen zu ihm um Rat, mit Fragen, mit Aufgaben, mit Ideen, und er half allen, allen. Der HERR segnete ihn mit dem Wissen von allem.“ Jeder kann natürlich selbst urteilen, aber meiner Ansicht nach ist das, na ja, ein mäßiger Segen, wenn ständig Menschen um dich herum sind und dich ständig etwas fragen.
Wieder andere meinen, dass Awraham einen Edelstein auf der Brust hatte, so eine Art Kamee, und jeder, der sie sah, wurde sofort geheilt. Nach seinem Tod nahm der Höchste diese Kamee weg.
Es gibt solche, die sagen, dass das Wort bakol nach der Gematria ben (Sohn), bedeutet, und der Segen Awrahams ist sein würdiger Sohn, Jizchak. Auch das kann man verstehen. Aber warum sagt die Tora nicht: „Und der HERR segnete Awraham mit dem wunderbaren Sohn Izik, einem guten jüdischen Jungen aus einer guten jüdischen Familie?“ Auch das ist strittig.
Der Midrasch sagt, dass bakol bedeutet, dass der Höchste Awraham gab, seinen bösen Trieb zu beherrschen, was auch immer mit Awraham geschah, was für Ereignisse auch immer um ihn herum geschahen. Und wer ist er zu diesem Zeitpunkt? Er ist zu diesem Zeitpunkt ein Witwer, ein Mensch, dessen Sohn noch nicht verheiratet ist. Er konnte weder mit Gebeten noch mit seiner Gerechtigkeit die Verbannung des Volkes Israel aufheben, die Verbannung seiner Nachkommen, von der der Höchste gesprochen hatte. Und alle seine Tage sind sehr schwer. Lange Zeit war er kinderlos, hoffte auf ein Kind. Da ist noch Jischmael, bei dem auch nicht sehr klar ist, was vor sich geht. Wenn man von außen schaut, dann ist bei Awraham nicht ganz alles gut. Überhaupt, wenn wir sagen alles ist gut, sind das ziemlich pathetische Worte. Es gibt das nicht, dass alles gut ist. Es gibt das nicht, dass alles da ist, es gibt das nicht, dass ich alles kann oder alles weiß. Aber hier sagen das nicht wir, das bezeugt die Tora über Awraham. Und wenn die Weisen sagen, dass alles das ist, dass der Höchste Awraham zum Verwalter seines eigenen bösen Triebs gemacht hat, diente sogar der böse Trieb Awrahams dem Höchsten, das ganze geistliche Wesen Awrahams war gesegnet, war dem Höchsten untergeordnet.
Noch ein Verständnis besagt, dass bakol mit dem Gebot der Liebe zum Höchsten zu tun hat. Es gibt ein Gebot, in dem ebenfalls dieses Wort bachol erklingt: „Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen“ – bechol lewawcha. Was bedeutet mit ganzem Herzen? Kann ich mit ganzem Herzen so lieben, dass in meinem Herzen kein Platz wäre, weder für meine Kinder noch für meine Frau, weder für meine Eltern noch für meine Freunde, noch letzten Endes für das Motorrad „Harley Davidson“, das der Nachbar nicht weit von mir parkt? Kann es so etwas geben? Und hier wird über Awraham gesagt, dass Awraham sogar seine Liebe zu jemandem oder zu etwas sich zur Belehrung, sich zur Besserung nutzte, um sein Herz mit Liebe zum Höchsten zu füllen. Sogar wenn er jemanden liebte oder sich an etwas band, sah Awraham darin den Segen des Höchsten und wandte diese Liebe dem Höchsten zu. Jezer hara – sein böser Trieb – ist wie ein Sparringspartner im Sport. Jeder Mensch, der Sport getrieben hat, wird sagen, dass ein starker Partner, ein starker Gegner derjenige ist, der stärkt, derjenige, der dich überhaupt erst zum Sportler macht. Wenn alle deine Kämpfe mit jemandem sind, der schwächer ist als du, wirst du als Sportler niemals wachsen. Wenn alle Aufgaben, die du lösen wirst, solche sind, die du schon lösen kannst, die dir leicht zu lösen fallen, wirst du niemals wachsen. Der Höchste gab Awraham einen solchen Segen, dass er nicht in der äußeren Welt war. Er drückte sich nicht in Anzügen aus, in teuren Parfums, in Eseln, in Mägden oder Kamelen, obwohl es Esel, Mägde und Kamele gab. Er drückte sich darin aus, dass Awraham alles, was bei Awraham geschah, alles mit Liebe aufnehmen konnte, alles darauf wenden konnte, die Liebe zum Schöpfer zu lernen. Das ist genau jenes bakol, mit dem der HERR Awraham gesegnet hat. Mit Awraham beginnt die Überwindung der Sünde, die Überwindung des bösen Triebs. In Bezug auf Jizchak, den Sohn Awrahams, wird später in Bereschit (Kapitel 27) gesagt werden:
Und Jizchak erbebte mit einem sehr großen Beben und sprach: „Wer ist denn der, der Wild gejagt und mir gebracht hat, und ich aß von allem?“
Jizchak hatte nicht alles – er aß von allem. Wie kann man den Unterschied zwischen in allem oder mit allem und von allem umreißen? Wenn bei Awraham alles wie ein Köfferchen ist, eine Tasche, die er ständig bei sich trägt, dann bekommt Jizchak nicht die Tasche selbst, er bekommt aus ihr. Alles ist in den Händen des Höchsten, von diesem allem segnet der Höchste Jizchak. Awraham hatte das ganze Gefäß, Jizchak aber wurde nur aus diesem Gefäß gespeist. Und schließlich steigt Jaakow auf die höchste Stufe. Wir lesen im 33. Kapitel von Bereschit (hier geht es um die Begegnung Jaakows mit Esaw):
Und er sprach: „Wozu hast du all diese Scharen, denen ich begegnet bin?“ Und Jaakow sprach: „Um Gnade zu finden in den Augen meines Herrn.“ Und Esaw sprach: „Ich habe viel, mein Bruder, es sei bei dir, was dein ist.“
Wieder sehen wir hier, dass Esaw, wie auch Elieser, wenn er von Awraham spricht, sagt: „Ich habe viel, und mein Herr hat viel.“
Aber Jaakow sagte: „O nein. Wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen, dann nimm mein Geschenk aus meiner Hand an, denn ich habe dein Angesicht gesehen wie das Angesicht eines Engels. Du hast mir Wohlwollen erwiesen. Nimm doch mein Geschenk an, das dir dargebracht ist, denn Gott hat mich beschenkt, und ich habe alles.“
Wenn Awraham dieses Gefäß vor sich hatte und Jizchak aus diesem Gefäß gespeist wurde, dann hat Jaakow dieses alles schon in sich selbst. Und obwohl Jaakow später sagen wird: „Bitter, traurig und schwer waren meine Tage“, sich beim Pharao beklagen wird, sind diese Tage, diese Schwere das, was ihn lehrt, wie schwere Trainingseinheiten. Wie ein Mensch, der sagen kann: „Ich habe hart trainiert.“
Dieser Weg beginnt mit Awraham, der vom Höchsten den Segen bakol erhielt. Wenn wir als Gäste das Birkat hamason (den Segen für das Essen) sprechen, bitten wir, die Gastgeber zu segnen, die ihr Essen mit uns geteilt haben, bakol mikol kol: bakol – wie Awraham gesegnet ist, mikol – von allem, wie Jizchak gesegnet ist, und kol – wie Jaakow gesegnet ist. Das ist kein äußerer Wohlstand oder, sagen wir, nicht nur äußerer Wohlstand. Es geht überhaupt nicht um Besitz, nicht um das, was außen geschieht. Es geht um das, was in Awraham innen geschieht. Innen in Awraham – ist er mit allem gesegnet. Denn alles, was mit ihm geschieht, alle Ereignisse seines Lebens, alle seine Freuden und alle seine Leiden nimmt er als Segnungen wahr. Der Midrasch sagt: „Das sind drei, denen der Höchste den Geschmack der kommenden Welt schon in dieser Welt zu kosten gab. Diese drei sind Awraham, Jizchak, Jaakow, wie geschrieben steht: bakol, mikol, kol. Das sind drei, über die der böse Trieb keine Macht hatte – das sind Awraham, Jizchak, Jaakow, wie über sie geschrieben steht: bakol, mikol, kol“. Das heißt, es geht um innere Verwandlungen, um Segnungen des Inneren des geistlichen Aufbaus unserer Stammväter.
Der chassidische Lehrer, den wir nach dem Buch, das er geschrieben hat, Sfat Emet nennen, lehrt ebenfalls zu diesem Thema, überlegt ebenfalls, was bakol denn bedeutet. Awraham war an die Quelle „angeschlossen“, die kol – alles heißt. Wenn wir den Höchsten für die Speise segnen, die Er uns gibt, sagen wir: „Gesegnet bist Du, HERR, unser Gott, König, Gebieter des Universums, dass alles durch Sein Wort geschieht.“ Alles in der Welt wird durch das Wort des Höchsten geschaffen. Das Wort des Höchsten ist das, was allem Leben gibt. Im allerersten Kapitel des Buches Bereschit, ganz am Anfang der Tora, sehen wir schon, dass der Höchste die ganze Welt durch Sein Wort erschafft. Der Höchste sagt: „Licht – sei.“ Und das Licht wurde. Das Wort des Höchsten ist das, was alles erschafft, was in dieser Welt ist. Im Buch Dewarim steht geschrieben: „Nicht vom Brot allein wird der Mensch leben.“ Das kann man verstehen, kann man übersetzen als „nicht vom Brot selbst lebt der Mensch, sondern vom Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht“. Das, was Leben gibt … Es scheint, dass es Brot ist, es scheint, dass es etwas ist, das die Form von Brot angenommen hat, in Wirklichkeit ist es das Wort Gottes, das dem Brot Leben gegeben hat und uns Leben geben wird. Das ist das, was der Maschiach dem Satan auf den Vorschlag antwortet, Steine in Brot zu verwandeln. Die erste Offenbarung über das Wort als über die Bausteinchen, aus denen alles im Weltgebäude besteht, ist Awraham gegeben. Awraham wurde als Erstem gegeben zu kosten, zu sehen, dass alles durch das Wort Gottes geschieht. Das ist der Anfang eines langen Weges der Berichtigung der Beziehungen zwischen Gott und Mensch, eines Weges, an dessen Ende das Wort Fleisch werden wird. Und man kann sagen, dass Awraham eine Berührung, eine Begegnung mit dem Wort des Höchsten hatte. Durch Awraham, Jizchak und Jaakow begann die Offenbarung des Wortes des Höchsten in der Menschheit.
Und nachdem ich verschiedene Meinungen und verschiedene Antworten auf die Frage angeführt habe, möchte ich meine eigene Antwort auf die Frage geben – was bedeutet: Der HERR segnete Awraham mit allem? Das ist kein Besitz, das ist keine Gesundheit, das ist nicht etwas außerhalb Awrahams. Das bedeutet, alles, was mit Awraham geschieht, alles ist sein Segen. Denn hinter allem, was mit ihm geschieht, sieht er das Angesicht des Höchsten. Was auch immer mit ihm geschieht, er weiß, dass kol (alles) der Segen des Höchsten ist. Jaakow lebt schon und kann Träger dieses Segens sein, kann ihn dem Volk Israel weitergeben. Aber alles beginnt mit Awraham. So ein einfaches Wort, und viele Streitigkeiten darüber.
Heute werden wir eine erstaunliche Geschichte lesen, die die Tora ganz am Anfang des 25. Kapitels des Buches Bereschit erzählt. Nach allen Wechselfällen seines nicht einfachen Lebens, schon verwitwet, nachdem er seine geliebte Frau Sara begraben und beweint und seinen geliebten Sohn Jizchak verheiratet hat, nimmt Awraham Awinu, der Stammvater Awraham, plötzlich wieder eine Frau. In dieser Geschichte ist alles erstaunlich. Und es ist nicht erstaunlich, dass jeder Vers, jedes Wort dieser Geschichte Streit unter den Weisen und Kommentatoren hervorruft. Lasst uns diese Geschichte miteinander lesen und versuchen zu verstehen, was dahintersteht.
וַיֹּסֶף אַבְרָהָם
wajossef awrahám
1 Und Awraham fügte hinzu
Das Verb wajossíf (oder leossíf) wird verwendet, wenn ein Mensch etwas tut, was schon getan wurde, was er schon getan hat. Zum Beispiel, wenn ein Mensch zwei Frauen hat und eine dritte nimmt, dann ist das und er fügte hinzu, und er nahm sich eine dritte Frau.
וַיִּקַּח אִשָּׁה וּשְׁמָהּ קְטוּרָה׃
wajikkách ischá uschmá keturá
Und er nahm eine Frau. Diese Frau heißt Ketura.
Die erste Bedeutung des Wortes Ketura – die Räuchernde. Die zweite Bedeutung des Wortes Ketura – die Gebundene, vom Wort Knoten, gebunden oder gebunden bis zu einer Zeit.
Selbstverständlich streiten die Weisen in allen Punkten. Was bedeutet wajossef – und er fügte hinzu? Hinzufügen kann man nur zu schon vorhandenen Frauen, sagen einige. Awraham hat zu diesem Zeitpunkt keine Frauen. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass die Tora, wie es oft vorkommt, nicht alles in chronologischer Reihenfolge erzählt. Hier, am Ende der Geschichte, am Ende der Darstellung der Biografie Awrahams, erinnert sich die Tora: „Übrigens hatte Awraham noch eine Frau. Schon als Sara noch lebte, fügte er zu ihr eine Frau hinzu, die Ketura heißt, und auch sie gebar ihm Kinder. Jetzt, wo die Zeit gekommen ist, das Erbe zu teilen, erinnert sich die Tora an diese Kinder. Deshalb steht geschrieben wajossef!“
Andere erklären wajossef anders. Jizchak heiratete, und Awraham heiratete auch. Wajossef, das heißt, in der Familie Awrahams noch ein Mensch, Awraham selbst trat in die Ehe. Jizchak heiratete, und Awraham ging hin und heiratete auch. Und das ist meiner Ansicht nach das richtigere Verständnis.
Es gibt auch noch die Meinung, dass Ketura dieselbe Hagar ist, und dann bedeutet wajossef, dass Awraham Hagar wieder zur Frau nahm. Hagar, die ihre Taten geändert, ihre Lebensweise geändert hat, und ihre guten Taten wurden wie ein gutes Räucherwerk, deshalb wird sie auch Ketura genannt (oder die Räuchernde, oder die als Räucherwerk Dargebrachte). Es gibt Gründe für eine solche Position, denn wie wir sehen, kommt Jizchak, als er Riwka begegnet, von einem Ort, der Be'er Lachaj Ro'i heißt, einem Ort, wo Jischmael lebt, das ist sein Wohnort. Und viele sagen: „Er ging dorthin, um Hagar mit Awraham zu versöhnen.“ Und die andere Deutung des Namens Ketura als die Gebundene kann sich auch auf Hagar beziehen. Sie band sich an Awraham, heiratete niemand anderen, was es Awraham auch ermöglichte, sie zurückzuholen.“ Es gibt auch ein solches Verständnis, obwohl ich ihm nicht zustimme, aber warum sollte man es nicht auch mitteilen?
Aber wenn wir „Diwre haJamim“ lesen, wenn wir andere Quellen lesen, kann man doch verstehen, dass die Kinder Hagars und die Kinder Keturas getrennt aufgezählt werden. Es gibt ernsthafte Einwände dagegen, anzunehmen, dass das ein und dieselbe Frau ist. Es hat sich so ergeben, dass der bekannteste, der populärste Kommentator – Raschi – gerade diesen Kommentar angeführt hat. Deshalb ist gerade seine Meinung die verbreitetste geworden. Aber in Wirklichkeit ist das nicht die einzige Meinung.
Im Talmud gibt es die Meinung eines Mannes, der sagt: „Wir wissen es nicht. Das ist irgendeine andere Frau.“ Wir kennen die, die Ketura heißt, und außer diesem wissen wir nichts über sie.
Es gibt einen Midrasch, der sagt: „Awraham hatte drei Frauen: Saraj – eine Nachfahrin Schems, Hagar die Ägypterin – eine Nachfahrin Chams, und eben Ketura – von den Söhnen Jefets. Auf diese Weise erfüllte sich an Awraham die Prophezeiung, dass er der Vater vieler Völker sein wird. Vieler Völker sowohl in der Familie Chams als auch in der Familie Jefets als auch in der Familie Schems. Das ist ein schöner Midrasch. Also nimmt Awraham sich eine Frau, die Ketura heißt.
וַתֵּלֶד לוֹ אֶת-זִמְרָן
wattéled lo et- simrán
2 Und sie gebar ihm sechs Söhne, Der Älteste – Der, der den Weinstock beschneidet.
So wird die Bedeutung dieses Namens übersetzt. Er kann auch der Feiernde bedeuten, vom Wort lisamer – singen. Der den Weinstock Beschneidende – das ist nicht einfach eine Arbeit. Das ist der, der vom Weinstock alles Überflüssige entfernt, der durch einen komplizierten, schmerzhaften Prozess den Weinstock lebensfähiger macht. Nicht einfach eine Arbeit, sondern ein schwerer Dienst.
יָקְשָׁן
Jokschán
Vogelfänger
Das Wort jokesch – Vogelfalle. Fänger.
מְדָן
medán
Streiter, Rebell, der, der Streit, Schlägereien anzettelt.
Das ist ganz und gar nicht unbedingt im schlechten Sinn. Das kann auch ein Dienst für den Höchsten sein, wenn auch ein schwerer. Im 15. Kapitel des Buches Jirmejahu klagt der Prophet: „Wehe mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast als einen Mann des Haders und des Streits – riw und madon mit der ganzen Erde. Niemandem habe ich auf Zins gegeben, und niemand hat mir geliehen, und doch verfluchen mich alle.“ Das heißt, eben dieses madon – Streit, das dem Namen zugrunde liegt, kann auch ein Dienst für den Höchsten sein, darunter auch der Dienst eines Propheten.
מִדְיָן
midján
Ein Mensch, der ein Gericht zu organisieren versteht, ein erfahrener Organisator, ein Manager. Er versteht es auch, Preise festzulegen usw. (die Wurzel ist höchstwahrscheinlich din – Gericht).
יִשְׁבָּק
jischbak
Der, der verlassen werden wird.
Wenn wir solchen Namen begegnen, scheint es uns: Warum nennt man einen Menschen denn so, verlassen oder im Stich gelassen? Wir begegnen auch Ortschaften, die anim – die Armen oder sanoach – die Verlassenen, die Verwahrlosten heißen. Warum geben Menschen solche Namen? Um nicht ausgeplündert zu werden. Es ist besser, ein unauffälliger, kleiner Mensch zu sein. Wie Joseph Brodsky sagte: „Wenn es dir beschieden ist, im Imperium geboren zu werden, ist es besser, in einer abgelegenen Provinz am Meer zu leben.“ Also, jischbak kann man auch übersetzen als der, der in einer abgelegenen Provinz am Meer lebt. Dieselbe Wurzel steckt im Wort sawachwani, wie die russischen Übersetzungen es transkribieren. Als Jeschua am Kreuz sagt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Schibbaktani in der aramäischen Fassung des Psalms, das als sawachwani, – transkribiert wird, dieselbe Wurzel.
Und das letzte der Kinder:
שׁוּחַ׃
schúach
Der, der weit schwimmt, fähig, sich auf dem Wasser zu halten, oder befestigt, von einem Graben umgeben, gut geschützt.
Das sind die Namen der sechs Kinder, die Ketura Awraham gebar.
וְיָקְשָׁן יָלַד אֶת-שְׁבָא וְאֶת-דְּדָן
wejokschán jalád et-schewá we'et- dedán
3 Jokschan wurden zwei Söhne geboren: Schaba – der Alte, und Dedan – das niedrige Land.
Warum kann man ein Kind den Alten nennen? Im Jiddischen, bei den aschkenasischen Juden nannte man alter – der Alte. Mädchen gab man manchmal den Namen Muschka, MuchaIm Original stehen hier zwei Mädchennamen, die „Fliegchen“ und „Fliege“ bedeuten. Beide bleiben als Namen stehen, damit der Satz von Namen spricht., wiederum, um es klein, unauffällig zu machen, keine Aufmerksamkeit erregend, auch nicht die Aufmerksamkeit irgendwelcher unreiner Mächte, aber auch die Aufmerksamkeit der Obrigkeit, die Aufmerksamkeit der Feinde. Ein bescheidener Name für die Bescheidenheit.
וּבְנֵי דְדָן הָיוּ אַשּׁוּרִם וּלְטוּשִׁים וּלְאֻמִּים׃
uwné dedán hajú aschurím ultuschím ul'ummím
Und die Söhne Dedans waren Die in Lagern Lebenden, Die in Hütten oder Zelten Lebenden Und die sich nach Dörfern, nach Ortschaften Teilenden.
Das heißt, die Tora erzählt einfach, dass die Söhne Dedans sich in kleine Stämme und kleine Sippen aufteilten.
וּבְנֵי מִדְיָן עֵיפָה וָעֵפֶר וַחֲנֹךְ וַאֲבִידָע וְאֶלְדָּעָה כָּל-אֵלֶּה בְּנֵי קְטוּרָה׃
uwné midján efá wa'éfer wachanóch wa'awidá we'elda'á kol-élle bené keturá
4 Und die Söhne Midjans: Der Müde Und Staub, waChanoch (über ihn haben wir schon gesprochen), Mein Vater, der Wissende, oder Gott, der Wissende, Gott weiß. Alle diese – Söhne Keturas.
וַיִּתֵּן אַבְרָהָם אֶת-כָּל-אֲשֶׁר-לוֹ לְיִצְחָק׃
wajittén awrahám et-kol-ascher-ló lejizchák
5.Und Awraham gab alles, was er hatte, Jizchak.
Alles, was er hatte – das ist natürlich der Grundbesitz, Häuser usw., das heißt Immobilien. Alle Rechte auf das Land und auf das Erbe des heiligen Landes – all das bekam nur Jizchak.
וְלִבְנֵי הַפִּילַגְשִׁים אֲשֶׁר לְאַבְרָהָם
weliwné happilagschím aschér le'awrahám
6 Und den Söhnen der Nebenfrauen, Die Awraham hatte…
Was bedeutet den Söhnen der Nebenfrauen, oder genauer, um welche Nebenfrauen geht es? Einige sagen, dass Awraham hinging und alle, alle, alle Nebenfrauen wegschickte, die bei ihm im Lager lebten, alle unehelichen Kinder, nicht seine eigenen, sondern fremde, alle, die da waren, schickte er weg und machte sein Lager rein. Ein ziemlich seltsamer Kommentar. Andere behaupten, dass Awraham ein reicher Mann war, ein angesehener Mann, und er konnte sich (für die damaligen Zeiten verletzte das keine moralischen Prinzipien) viele Nebenfrauen leisten. Dritte sagen: „In Wirklichkeit hatte Awraham zwei Nebenfrauen, Hagar und Ketura, und um sie geht es.“ Aber dann ist unverständlich, warum Jischmael nicht weggeschickt wird, er wird doch später an der Beerdigung Awrahams teilnehmen? Wieder andere sagen, dass pilagschim geschrieben steht, und damit sind viele Nebenfrauen gemeint. Aber in Wirklichkeit kann man es nach der Schreibweise als eine Nebenfrau verstehen, und es geht um dieselbe Ketura. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, und ich neige mehr zu der Meinung, dass Awraham durchaus mehrere Nebenfrauen gehabt haben könnte und er sie wegschickt. Letztendlich hatte ja auch Jaakow viel später Nebenfrauen. Also, indem Awraham die Nebenfrauen wegschickt, schickt er sie nicht einfach so weg:
נָתַן אַבְרָהָם מַתָּנֹת וַיְשַׁלְּחֵם מֵעַל יִצְחָק בְּנוֹ בְּעוֹדֶנּוּ חַי
natán awrahám mattanót wajschallechém me'ál jizchák benó be'odénnu chaj
…Gab Awraham Geschenke Und schickte sie weg von Jizchak, seinem Sohn, Solange jener noch lebte oder solange er noch lebt
Wer lebt noch? Wenn es um Awraham geht (wir sind natürlich schon Fällen begegnet, in denen Menschen an Wahlen teilnehmen, nachdem sie gestorben sind, aber dass Menschen jemanden wegschicken, nachdem sie gestorben sind, so etwas ist uns noch nicht begegnet), ist klar, dass Awraham zu Lebzeiten weggeschickt hat, wozu aufschreiben, dass es noch zu Lebzeiten war? Zu Lebzeiten Jizchaks? Dann ist es auch unverständlich. Denn wenn Awraham lebt, dann lebt auch Jizchak. Wozu be'odenu chaj aufschreiben? Es geht darum, dass Awraham alle diese Söhne noch zu Lebzeiten Jizchaks von Jizchak wegschickte, damit Jizchak nicht dachte, dass das irgendein Erbe ist, eine Hinterlassenschaft, die er den nächsten Generationen hinterlassen muss. Awraham entschied, dass, noch solange Jizchak leben wird, schon vor seinem Tod, diese Völker, diese Söhne schon weggegangen sein werden.
קֵדְמָה
kédma
Nach Osten, in das Land des Ostens.
Die Geschenke und das Land des Ostens haben sich so schön zusammengefügt, dass viele Kommentatoren sagen: „Die ganze Mystik des Ostens, Yoga, das Buch der Wandlungen, Geschenke, Zaubertricks, alles Übrige. Die Söhne Awrahams wollten so sehr nicht von ihm weggehen, liebten das Land Israel so sehr, dass er ihnen allerlei Zaubertricks, allerlei östliche Zauberei zeigen, schenken musste, damit sie aus diesem Land weggingen.“ Und die Chinesen, Inder und andere sind nach einer solchen Auslegung Nachkommen eben jener Söhne Keturas, die Awraham nach dieser Auslegung allerlei magische, mystische, esoterische und sonstige Praktiken gelehrt hat. Da er Kenntnisse in Magie und Zauberei hatte, habe er, heißt es, solche Kenntnisse seinen Söhnen weitergegeben und sie nach Osten geschickt. Es gibt eine solche Auslegung. Ich kann nicht sagen, dass ich ihr zustimmen kann. Im Tanach begegnen wir Madianitern und MidjaniternAuch das Original nennt hier zwei Schreibweisen nebeneinander, eine griechisch und eine hebräisch geprägte. Ob zwei Völker oder dasselbe Volk gemeint ist, bleibt offen; beide Formen wurden übernommen. und anderen aus dieser Liste als Leuten, die mit Gold handeln, mit Räucherwerk handeln. Und höchstwahrscheinlich kann man es sich so vorstellen, dass Awraham seine Söhne tatsächlich wegschickte und ihnen Geschenke gab, ihnen Geld gab, das es ihnen ermöglichen würde, Handel zu treiben und ein sorgenfreies Leben zu führen. Das heißt, er ließ sie nicht mit leeren Händen gehen, sondern schickte sie weg, und sie zerstreuten sich. Wir können heute nicht genau sagen, wer sich wohin zerstreut hat, aber wenn wir die Version des Midrasch annehmen, dass Awraham eine Tochter Jefets heiratete, und die Version ist ziemlich logisch, dann sind diese Völker höchstwahrscheinlich später in Europa gelandet.
Der mittelalterliche Kommentator Abarbanel, der zur Zeit der Vertreibung aus Spanien lebte, führt sechs Gründe an, aus denen Awraham seiner Ansicht nach Ketura zur Frau nahm. Erstens, wie wir schon gesagt haben, weil er der Vater vieler Völker ist. Weil der Höchste, wie Er selbst sagt, das Werk der Hände segnet. Man muss irgendwelche Gefäße machen, die gesegnet werden. Zweitens, damit man nicht denkt, dass die Beschneidung den Menschen schwächt. Im Gegenteil, um die These zu bekräftigen, die später Jeschajahu (Kapitel 40) formulieren wird: „Die auf den HERRN hoffen, werden ihre Kraft erneuern.“ Drittens, damit Jischmael begreift, dass Jizchak der einzige Erbe sein wird. Wenn die Söhne der rechtmäßigen Frau und die Söhne des Alters nicht erben werden, dann erst recht nicht Jischmael, der der Sohn der Magd ist. Viertens (ein ziemlich seltsamer Grund, aber Abarbanel nennt ihn), um uns, seine Nachkommen, zu lehren, dass es bei der ersten Ehe wichtig ist, sich die Frau auszuwählen und auszusuchen und ihre Abstammung zu erforschen, wie Awraham es mit Saraj tut und wie Awraham es Elieser befiehlt, mit Riwka zu tun. Er selbst fürchtet sich nicht, sich eine Frau aus irgendwelchen falschen Völkern zu nehmen, weil er eine zweite Ehe eingeht. Abarbanel sagt: „Das ist, um uns zu zeigen, dass die zweite Ehe nicht so wichtig ist wie die erste“ (nicht allen seinen Ideen muss man zustimmen). Fünftens, um Jizchak besondere Liebe zu zeigen. Wir wissen ja, dass Kinder des Alters besonders geliebt werden. Ben sekunim (Sohn des Alters) ist gewöhnlich ein verwöhntes, mit Liebe überschüttetes Kind, aber Awraham schickt sogar die Söhne des Alters von Jizchak weg. Meiner Ansicht nach eine ziemlich grausame pädagogische Aktion – sechs Kinder zur Welt zu bringen, um sie wegzuschicken und Jizchak etwas zu demonstrieren. Und sechstens sagt Abarbanel: „Damit Jischmael Jizchak nicht so sehr hasst. Wenn er nicht nur ihn wegschickt, wird es für Jischmael nicht ganz so kränkend sein.“ Das sind die Argumente, die Abarbanel anführt. Und im Großen und Ganzen systematisiert, fasst das die Hauptargumente zusammen, die die jüdische Tradition hier anführt.
Aber lasst uns versuchen, in der jüdischen Tradition noch weitere Hinweise darauf zu erkennen, wer die Söhne Keturas sind, und das werden messianische Versionen sein. Es gibt eine interessante Geschichte im Talmud. Im Traktat Seraim besprechen die Weisen die Maße des Altars. Rabbi Mani (das ist etwa das 3. Jahrhundert) sagt, dass die Maße des Altars im Großen und Ganzen gar nicht so wichtig sind, Hauptsache, sie sind nicht kleiner als der Altar, den Mosche gebaut hat. Das heißt, die Maße von Mosches Altar sind kein Dogma, sondern eine Art Minimum, denn Mosche baute den Altar unter Marschbedingungen. Derselbe Rabbi Mani sagt: „Und das bedeutet, dass er eine Elle groß ist.“ Sofort beginnen die Schüler, über ihn zu lachen: „Die Tora sagt doch konkret im 27. Kapitel des Buches Schemot: ‚Fünf Ellen auf fünf Ellen.‘ Hat dieser Raw etwa die Tora nicht gelesen, dass er sagt: ‚Eine Elle‘?“ Aber Rabbi Jossi mischt sich in das Gespräch ein und sagt: „Wahrscheinlich meinte der Lehrer den Sockel, auf dem der Altar steht. Er ist rings um den Altar tatsächlich eine Elle.“ Und er sagt: „Ja, du hast meine Meinung verstanden, und die, die über mich lachen, sind Söhne Keturas.“ Für uns ist der Kern des Streits nicht wichtig, worüber die Weisen stritten. Für uns ist wichtig, dass Rabbi Mani die Schüler, die ihm nicht zuhören wollten, die sich nicht in seine Worte vertiefen wollten, Söhne Keturas nannte.
Wenn der Talmud einen Ausdruck verwendet, der den Schülern vielleicht nicht verständlich ist, führt er noch ein weiteres Beispiel für die Verwendung dieses Ausdrucks an. In unserem Fall erzählt der Talmud eine Geschichte über Rabbi Tarfon und seine Neffen. Er saß einmal da und lehrte seine Neffen, und die Neffen waren Taugenichtse, wollten ihm nicht zuhören und waren unaufmerksam. Da sagte Rabbi Tarfon zu ihnen: „Es steht im Buch Bereschit geschrieben: ‚Und Awraham nahm sich noch eine Frau, und ihr Name ist Jochani.‘“ Statt zu sagen, dass sie Ketura hieß, sagte er ihnen, dass sie Jochani hieß. Jochani ist der Name einer Art babylonischer Baba Jaga, einer bekannten Hexe. Und die Schüler schreckten plötzlich auf und riefen: „Nein, nein, nein! Nicht Jochani hat er zur Frau genommen, sondern Ketura.“ Und er sagte: „Ihr seid Nichtzuhörer, solche, die nicht zuhören können, solche, die keine Fragen stellen können, ihr seid Söhne Keturas.“
Warum sind die einen Söhne Keturas, und warum sind die anderen Söhne Keturas?Der Satz ist auch im Original ungewöhnlich gebaut und wurde wörtlich übersetzt. Gemeint ist wohl, warum sowohl die einen (die lachenden Schüler) als auch die anderen (die Neffen) so genannt werden. Wie wir gesagt haben, ist eine der Bedeutungen des Namens Ketura gebunden, zugebunden, die, die gebunden ist, deren Bewusstsein gebunden ist, die noch nicht fähig ist zu verstehen und aufzunehmen. Die Söhne Keturas sind die, die noch nicht bereit sind, die Lehre aufzunehmen, die noch nicht bereit sind für das Erschließen der Tora. So kann man es verstehen.
In der jüdischen Tradition gibt es noch eine interessante Überlieferung, die unsere Version bestätigt, dass die Söhne Keturas Menschen sind, die dazu vorbereitet sind, die Tora zu hören, vorbereitet zum Hören der Tora, aber es hat sich ihnen bis zur gegebenen Zeit noch nicht eröffnet. Vielleicht bis zur Zeit des Kommens des Maschiach. Im Traktat Sofrim gibt es noch eine interessante Geschichte über die Söhne Keturas. Dort wird erzählt, dass Awraham die Söhne Keturas nahm und ihnen im Westen eine große Stadt baute, umgeben von einer riesig hohen eisernen Mauer. So riesig hoch, dass nicht einmal die Sonne dorthin dringt, deshalb sind sie auch Söhne Keturas – gebunden bis zur gegebenen Zeit in der eisernen Stadt. Und er ließ ihnen dort Geschenke: Edelsteine und andere kostbare Dinge, damit sie sie wie Licht benutzten. Und am Ende der Tage, in den Zeiten des Maschiach, werden sie mit diesen Geschenken aus dieser eisernen Stadt herauskommen. Hier kann man eine Parallele zu den Magiern sehen, die kamen, um den Maschiach anzubeten. Ein anderes Verständnis dieses Midrasch ist, dass, wenn die Sonne sich verfinstert, wenn ein Wechsel der Himmelslichter geschieht, diese Söhne Keturas herauskommen und der Welt ein neues Licht bringen werden. Und auch dieses Verständnis ist im messianischen Sinn.
Es gibt also eine gewisse Tradition, dass die Söhne Keturas, die Söhne der Gebundenen, Nachkommen Awrahams sind, verborgen unter anderen Völkern. Nachkommen, denen es bevorsteht, den Samen Awrahams in sich zu erschließen, durch den Glauben, durch die Offenbarung, die sie empfangen werden, wenn sie bereit sind. So eine messianische Auslegung, und wir haben sie nicht so sehr erfunden, als vielmehr gelesen. Sie ist tatsächlich in alten jüdischen Quellen aufgezeichnet. Wie jede Geschichte in der Tora hat auch diese Geschichte noch viele Facetten, die man noch erschließen und erschließen könnte. Wir aber bleiben hier stehen.
Unter anderem erzählt der Wochenabschnitt die Geschichte davon, wie Awraham seinen Knecht zu sich rief – Elieser – und ihm einen Schwur abnahm, dass er nach Aram Naharajim gehen und von dort eine Braut für Jizchak holen werde, damit die Braut für Jizchak nicht von den einheimischen Mädchen sei.
Gesagt – getan. Elieser macht sich auf den Weg und gelangt, ob lange oder kurz, nach Aram Naharajim, wo er an einem Brunnen haltmacht. Nun, bis zur Stadt zu kommen – das ist der halbe Weg, die halbe Sache, aber wie wählt man in der Stadt, in einer unbekannten fremden Stadt, eine Braut für einen so erstaunlichen Menschen wie Jizchak? Wie erkennt man ein solches Mädchen, das in eine solche Familie passt und eine gute Frau für Jizchak wird? Man kann weltlich auswählen: nach Schönheit – schön, nach Reichtum – reich oder arm, und nach Beziehungen – wie vornehm ihre Herkunft ist. Aber in unserem Fall kann man natürlich irgendwelche wundersamen Zeichen einsetzen. Zum Beispiel, wenn sie ihm auf Tschuwaschisch sagt: Yr kaç pultăr! – Irakasch puldar! – Guten Abend! – dann ist das die passende Braut. Oder wie findet man ein Erkennungszeichen für eine Schwiegertochter für Awraham? Die tschuwaschische Sprache passt nicht sehr. Und da sagt Elieser:
„Und er sprach: ‚HERR, Gott meines Herrn Awraham, lass es mir heute begegnen und erweise Gnade an meinem Herrn Awraham. Siehe, ich stehe an der Wasserquelle, und die Töchter der Bewohner der Stadt kommen heraus, um Wasser zu schöpfen. So möge das Mädchen, zu dem ich sage: ‚Neige deinen Krug, und ich will trinken‘, und sie sagt: ‚Trink. Auch deine Kamele will ich tränken‘, die sein, die Du Deinem Knecht Jizchak bestimmt hast. Und daran werde ich erkennen, dass Du an meinem Herrn Gnade erwiesen hast.‘“
Das ist das Zeichen, um das Elieser den Höchsten bittet: „Ich werde das Mädchen bitten: ‚Gib mir zu trinken.‘ Und sie wird sagen: ‚Trink! Auch deine Kamele will ich tränken!‘“ So sieht es auf den ersten Blick aus.
Schauen wir uns das ein wenig von außen an. Ein großer Mann, von riesigem Wuchs (wie man erzählt), aber jedenfalls ein Mann, Elieser, der an der Spitze einer Karawane steht, der sowohl Diener bei sich hat als auch Begleiter, der nicht allein ist, steht direkt an der Quelle und wendet sich an ein zierliches kleines Mädchen: „Gib mir zu trinken!“ Und sie antwortet ihm: „Trink! Auch deine Kamele will ich tränken!“ Das heißt, sie antwortet ihm nicht: „Geh arbeiten!“ oder „Hast du selbst etwa krumme Hände, kannst du nicht trinken?“ Ohne jeden Vorwurf hilft sie ihm, und das ist an sich schon erstaunlich.
Wir helfen gern, wenn einem Menschen niemand außer uns helfen kann oder wenn niemand anderes in der Nähe ist. Hier sind ringsum jede Menge andere Mädchen, ringsum jede Menge Männer, die ihm zu trinken geben können, und auch er selbst kann trinken. Warum hilft Riwka ihm trotzdem? Und warum ist das ein Zeichen?
Erinnern wir uns, was wir gesehen haben und was Elieser im Haus Awrahams gesehen hat? Als Awraham an einem glühend heißen Tag dasitzt und Wanderer sieht, weiß er noch nicht, dass sie Engel sind, er weiß überhaupt nicht, wer sie sind. Er läuft ihnen schon entgegen, gibt schon den Befehl, ein Kalb zu schlachten, nicht einfach so, sondern ein Kalb zu Ehren irgendwelcher zufälliger Gäste. Wir haben das Buch Bereschit gelesen und wissen, dass sie nicht zufällig sind. Awraham hat, wie darüber geschrieben steht, ohne es zu wissen, Engel aufgenommen. Wenn er sie gekannt hätte, hätte er sie auch nicht bewirtet, denn wozu brauchen Engel Essen. Aber er war für unbekannte Menschen bereit, irgendwohin zu laufen, zu organisieren, Sara zu bitten, Fladen zu formen, zu verlangen, ein Kalb zu schlachten. Das bedeutet, dass die Bewirtung der Gäste sich über mehrere Stunden hinziehen wird.
Oft fragt man mich: Wie ist das denn mit Milch und Fleisch bei Awraham? Stellt euch vor, die Fladen hat er sofort aufgetragen, und bis das Fleisch des Kalbs gekocht ist – das sind mehrere Stunden.
Es scheint, Awraham brennt einfach vor Verlangen nach Gastfreundschaft, und nur das treibt ihn an. Und dasselbe treibt Riwka an. Es hat für sie keinerlei Sinn, die Kamele Eliesers zu tränken und Elieser selbst zu tränken. Sie ist gastfreundlich, in ihr ist die Glut dieses Gebots, genau deshalb passt sie am meisten zu Jizchak. Wo findet man noch eine solche „richtig Verrückte“, die zu Jizchak passen würde? Genau deshalb bittet Elieser um ein solches Zeichen.
Lest auch: Wajera, Toldot, die Söhne Keturas und die Wochenabschnitte der Tora.