1. Wochenabschnitte
  2. Bereschit
  3. Toldot

תּוֹלְדוֹת

Toldot

Jizchak, Jaakow und Esaw

Illustration: alexblend.com
Wochenabschnitt
6 von 54
Verse
Bereschit 25,19–28,9
Teile
8
Lesezeit
1 Std. 58 Min.
Hörfassung
3 Std. 11 Min.

markiert Stellen, an denen die Übersetzung bewusst vom russischen Original abweicht. Antippen zeigt den Hinweis.

Toldot ist der Wochenabschnitt über die Familie Jizchaks, über Jaakow und Esaw. Im Stenogramm behandelt Alex Blend die Erstgeburt, die Brunnen, die Beziehungen zwischen Eltern und Söhnen sowie drei Segnungen. Der hebräische Text, die Transliteration und die Übersetzung werden von Kommentaren zur Tora und zur Haftara aus Malachi begleitet.

Toldot: die göttliche Genetik

Bereschit 25,19–28

וְאֵלֶּה תּוֹלְדֹת יִצְחָק בֶּן-אַבְרָהָם אַַבְרָהָם הוֹלִיד אֶת-יִצְחָק׃

we'élle toledót jizchák ben-awrahám awrahám holíd et-jizchák

19 Dies ist der Stammbaum Jizchaks, des Sohnes Awrahams: Awraham zeugte Jizchak.

Erstaunliche Sache: Die wortkarge Tora sagt uns zuerst, dass Jizchak der Sohn Awrahams ist, und dann, beim Erklären des Stammbaums, sagt sie: Awraham zeugte Jizchak. Wozu sich so wiederholen? Das ist doch auch so eigentlich klar.

Abarbanel, einer der mittelalterlichen Kommentatoren, sagt: „Wir sehen im Stammbaum Jizchaks, dass er der Sohn Awrahams ist. Er ist Awraham ähnlich. Awraham nahm eine Frau, als er vierzig Jahre alt war (das steht nicht ausdrücklich geschrieben, das ergibt sich aus Berechnungen), und Jizchak nahm eine Frau, als er vierzig Jahre alt war (und das steht tatsächlich geschrieben). Awraham nahm eine Frau aus seiner Familie, und Jizchak nahm eine Frau aus seiner Familie. Bei beiden waren die Frauen unfruchtbar. Awraham zeugte zuerst (nun, sagen wir es in Anführungszeichen) einen ‚falschen Sohn‘, Jischmael, und erst danach zeugte er Jizchak. Und auch Jizchak wurde zuerst ein ‚Taugenichts‘, sagen wir es so, geboren, Esaw, und danach Jaakow. Awraham liebte den Taugenichts Jischmael, und Jizchak liebte den Taugenichts Esaw. Aber gegen seinen Willen schickte Awraham Jischmael auf Drängen Saras vom Erbe weg; Jizchak, gegen seinen Willen, ebenfalls nicht ohne Mitwirkung seiner Frau, entzog Esaw den Segen. In beiden Fällen verwirklichte sich dabei natürlich der Wille Gottes und der Plan Gottes. Sowohl in den Tagen Jizchaks als auch in den Tagen Awrahams gab es eine Hungersnot, beide zogen nach Gerar, beide gruben Brunnen… Sehr viel Ähnliches! Und man sieht, dass Awraham Jizchak zeugte, Jizchak wiederholt seine Biografie. Menschen ähneln sich nicht nur äußerlich, und nicht nur die DNA überträgt Ähnlichkeit. Genau davon spricht hier die Tora zu uns: Jizchak ist ganz der Vater. Das ist es eigentlich, was dieser Vers sagen will.

הִי יִצְחָק בֶּן-אַרְבָּעִים שָׁנָה בְּקַחְתּוֹ אֶת-רִבְקָה בַּת-בְּתוּאֵל הָאֲרַמִּי מִפַּדַּן אֲרָם אֲחוֹת לָבָן הָאֲרַמִּי לוֹ לְאִשָּׁה׃

wajhí jizchák ben-arba'ím schaná bekachtó et-riwká bat-betu'él ha'arammí mippaddán arám achót lawán ha'arammí lo le'ischá

20 Und Jizchak war vierzig Jahre alt, als er Riwka, die Tochter Betu'els, des Aramäers, aus Paddan-Aram, die Schwester Lawans, des Aramäers, sich zur Frau nahm.

Wir haben im letzten Gespräch darüber gesprochen, warum die Tora mehrmals daran erinnert, dass Riwka eine Aramäerin ist, dass ihre Familie Aramäer sind, obwohl sie selbst nicht sehr aramäisch ist. Ihre Familie ist assimiliert, sie aber hat sich vor der Assimilation bewahrt, doch das ist ein anderes Gespräch.

Und hier kann man sich eine andere Frage stellen. Der Stammbaum Jizchaks, die Biografie Jizchaks… Wenn ihr der Biograf Jizchaks wärt, wenn ich der Biograf Jizchaks wäre, ich würde nicht mit der Hochzeit beginnen. Ich würde mit der wundersamen Geburt beginnen oder mit der Gewalt in der Familie, als Jischmael ihn drangsalierte. Offenbar war das schmerzhaft. Heute kann ein Mensch sein ganzes Leben mit diesen Traumata leben und von Psychologe zu Psychologe gehen. Die Opferung, das allerradikalste, das allerungewöhnlichste Ereignis in der Geschichte Israels. Warum beginnt die Tora gerade mit der Hochzeit?

Rabbi RaJaZ gibt darauf eine erstaunliche Antwort: „Das ist, um euch zu lehren, dass die tägliche, alltägliche Veränderung der Welt wichtiger ist als die Opferung.“ Der alltägliche Dienst, wenn die Mama zum Kind aufsteht, wenn der Papa einkaufen geht; wenn der Papa zum Kind aufsteht und die Mama einkaufen geht; wenn der Papa das Geschirr spült, wenn die Mama aufräumt, wenn wir miteinander reden… Wenn wir uns mit den täglichen, alltäglichen Sorgen beschäftigen, wenn wir die alltägliche, routinemäßige, scheinbar langweilige Wirklichkeit verändern, tun wir etwas Wichtigeres als die akedá, denn die akedá ist eine Heldentat, ist ein ungewöhnliches Ereignis, Gott aber hat die Welt erschaffen und will sich in der gewöhnlichen Welt offenbaren. Deshalb ist das Sieben der kleinen Dinge, das kleine, feine Sieben der Welt, das Trennen des Schlechten vom Guten im Kleinen viel wichtiger als die akedá. Deshalb beginnt die Tora das Leben Jizchaks mit der Heirat Jizchaks.

וַיֶּעְתַּר יִצְחָק לַיהוָה לְנֹכַח אִשְׁתּוֹ כִּי עֲקָרָה הִוא וַיֵּעָתֶר לוֹ יְהוָה וַתַּהַר רִבְקָה אִשְׁתּוֹ׃

waje'tár jizchák ladonáj lenóchach ischtó ki akará hi waje'áter lo adonáj wattahár riwká ischtó

21 Und es wandte sich (wir werden dieses Wort noch auseinandernehmen) Jizchak an den HERRN wegen seiner Frau, denn sie war unfruchtbar, und der HERR antwortete ihm, und Riwka, seine Frau, wurde schwanger.

Dieses Wort waje'tár kann man auseinandernehmen. Dieses Wort ist verbunden mit der Wurzel Ajin-Taw-Resch, und es bedeutet Heugabel, mit der man das Heu durchwühlt und umwendet. Wenn man wörtlich übersetzt, stieg Jizchak in den Himmel, ging mit der Heugabel zum Gebet hinaus, stieg in den Himmel, um darin herumzustochern, die Gerichte umzuwenden, Urteile aufzuheben, die Wirklichkeit durch sein Gebet dort oben zu verändern, und es heißt: und der Höchste wendete für ihn um. Hier wird ein und dasselbe Wort sowohl im Gebet als auch in der Antwort verwendet. Jizchak versuchte umzuwenden, und der Höchste wendete um nach seinem Wort. Und das ist eine Antwort für die Menschen – ja, es gibt ein wirksames Gebet, das zur Veränderung in den höheren Welten berufen ist, in den Welten, in denen die Zukunft vorbereitet ist, und man kann mit der Heugabel dort hinaufsteigen. Aber das ist rein symbolisch, denn in Wirklichkeit wendet der Höchste um. Und in diesem Fall brauchte Jizchak offenbar zwanzig Jahre Gebet, damit Riwka schwanger wurde.

וַיִּתְרֹצֲצוּ הַבָּנִים בְּקִרְבָּהּ

wajitrozezú habbaním bekirbá

22 Und die Kinder liefen umher, tummelten sich in ihrem Mutterleib, in ihren Eingeweiden (wenn man wörtlich übersetzt) …

Hier muss man sagen, dass Riwka selbst nicht weiß, dass es Söhne sind, dass es Söhne sind, die in ihrem Bauch herumtoben. Aus ihrer Sicht geschieht etwas in ihrem Bauch. Wie beschreibt die Tora gewöhnlich Geburten? Und sie wurde schwanger und gebar (wattahár weteléd). Hier stehen unerwartet zwischen empfing und gebar ganze zwei Verse, eine ganze Kette von Ereignissen. Riwka spürte etwas Ungutes in ihrem Bauch. Ihre Mama ist weit weg, ihre Schwiegermutter ist gestorben; möglicherweise hat sie bei den Frauen herumgefragt, wie man heute sagen würde, ist durch „Mama“-Foren gestreift und hat keine Antwort gefunden.

וַתֹּאמֶר אִם-כֵּן לָמָּה זֶּה אָנֹכִי

wattómer im-kén lámma se anóchi

…und sie sprach: Wenn es so ist, wozu denn ich?

Der Satz ist sehr unverständlich, es gibt zu ihm mystische Kommentare, die mit dem Gott dieser Welt, dem Gott der kommenden Welt zusammenhängen. Darauf gehen wir jetzt nicht ein. Schauen wir uns den einfachen Satz einer einfachen Frau an. Er kann bedeuten: „Wofür trifft mich das, niemand hatte das, wofür trifft mich das, warum geschieht das mit mir?“ Und im anderen Fall: „Was ist denn mit mir? Was sitze ich da, denke nach, rätsele, streife durch ‚Mama‘-Foren? Ich wende mich an den Höchsten.“ Und sie ging, den Höchsten zu bitten. Das heißt, die erste Variante – sie sagte: „Wofür trifft mich das?“ Nun, und mit dieser Frage ging sie zum Höchsten. Und die zweite Variante – sie sagte: „Was stehe ich denn so auf dem Schlauch, man muss doch mit der Frage zum Höchsten gehen. Vielleicht ist das kein ‚Wofür?‘, vielleicht ist das ein ‚Wozu?‘, vielleicht noch etwas anderes.“ In jedem Fall ist Riwkas Entscheidung, dass man, wenn die Situation sich der Kontrolle entzieht, wenn etwas nicht so geschieht, wie man es will, vor den Höchsten treten muss, weniger denken, mehr den Höchsten fragen.

וַתֵּלֶךְ לִדְרֹשׁ אֶת-יְהוָה׃

wattélech lidrósch et-adonáj

…und sie ging, den Höchsten zu befragen.

Die Kommentatoren kommen zu dem Gedanken, dass sie an den Ort ging, der bei Awraham, in der Familie Awrahams, seit Langem als Ort der Zwiesprache mit dem Höchsten galt. Das ist der Brunnen El Chaj Ro'i, wo der Engel mit Hagar sprach. Wir sehen, dass fast fünfzig Jahre nach diesem Gespräch, viele Jahre später, Jizchak zur Zeit seiner Hochzeit, der vierzigjährige Jizchak, aus El Chaj Ro'i zurückkehrt, wohin er hinausgegangen war, um zu beten. Offenbar kann man annehmen, dass es so einen Gebetsort der Familie Awrahams gab, und dorthin ging Riwka beten. Aber das ist nicht einmal so wichtig. Wichtig ist, dass wir hier zum ersten Mal sehen, dass ein Mensch sich nach seinen Überlegungen mit einer Frage an den Höchsten wandte. Davor sahen wir, dass man dem Höchsten Wünsche vortrug: Wenn es so sein wird, dann so, oder Jizchak, wie wir jetzt sehen, der mit der Heugabel für seine Frau betete... Hier ist eine Frau, Riwka, die Erste in der Familie Awrahams, die erste Frucht der Erziehung Awrahams, die mit ihrem inneren Dialog, mit ihren inneren Problemen zum Höchsten kommt.

וַיֹּאמֶר יְהוָה לָהּ

wajomer adonáj la …

23 Und der HERR sprach zu ihr…

Wir wissen nicht, was sie eigentlich fragen ging. Vielleicht fragte sie: „Was ist in meinem Bauch, besteht keine Gefahr für meine Schwangerschaft, besteht keine Gefahr für mein Leben?“ Auch die Frage ist nicht selbstverständlich: „Sind meine Kinder nicht krank?“ Nun, und alles Übrige. Möglicherweise sogar: „Bin ich nicht von irgendeinem unreinen Geist besessen.“ Es ist schwer, sich vorzustellen, was im Kopf einer Frau jener Zeit vorgegangen sein konnte. Aber der HERR antwortet ihr und sagt:

שְׁנֵי גֹיִים (גוֹיִם) בְּבִטְנֵךְ וּשְׁנֵי לְאֻמִּים מִמֵּעַיִךְ יִפָּרֵדוּ

schené gojím bewitnéch uschné le'ummím mimme'ájich jipparédu

…zwei Völker sind in deinem Mutterleib, und zwei Nationen werden sich aus deinen Eingeweiden trennen (aus deinem Mutterleib werden sich, im Grunde, zwei Völker trennen) …

Wörtlich – me'ájim; aber wenn die Tora bétel – Bauch, kerwáim – Eingeweide, me'ájim – Gedärme sagt, muss man nicht verstehen, dass diejenigen, die die Tora lasen, glaubten, dass die Säuglinge aus dem Darm kommen. Nein, das ist einfach eine Beschreibung der Eingeweide.

וּלְאֹם מִלְאֹם יֶאֱמָץ וְרַב יַעֲבֹד צָעִיר׃

ul'óm mil'óm je'emáz weráw ja'awód za'ír

…einer wird den anderen überwinden, und der Ältere der Jüngere dienenIm Russischen stehen „der Ältere“ und „der Jüngere“ ohne erkennbaren Fall nebeneinander, sodass offenbleibt, wer wem dient. Die Übersetzung behält diese ungrammatische Wendung bewusst bei, weil der Autor sie im Folgenden selbst erläutert. (damit werden wir uns noch befassen).

In der Geschichte werden, wie der Höchste es vorhersagt, zwei Völker ständig streiten, um das Königtum wetteifern.

Im Buch des Propheten Jecheskel (26,5) ist das sehr gut beschrieben. Tyrus sagt über Jerusalem: „Es ist zerschmettert, es ist das Tor des Volkes, es wendet sich mir zu, ich werde mich füllen, es ist verwüstet. Wenn ich mich fülle, ist es verwüstet. Nun, entsprechend umgekehrt, wenn es sich füllt, bin ich verwüstet.“ Es gibt diesen Zusammenhang: mal herrscht Rom, mal herrscht Israel. Aber wir werden sehen, dass die Herrschaft Israels, die Offenbarung der Herrlichkeit Israels – nach der Offenbarung der Herrlichkeit Esaws kommt.

Mit dem letzten Teil der Prophezeiung gibt es Schwierigkeiten. Wörtlich klingt es – und der Ältere wird dienen der Jüngere. Man kann verstehen: und dem Älteren wird der Jüngere dienen, oder umgekehrt, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Hier kann man einwenden: Aber wenn der Jüngere dem Älteren dienen wird, wozu sollte man dann überhaupt eine solche Prophezeiung aussprechen, so geschieht es ja gewöhnlich. Aber gerade in der jüdischen Geschichte geschieht es unterschiedlich, und wir sehen, dass der Jüngere zum Älteren wird, die Letzten werden die Ersten, und ein Wunder ist es umgekehrt, wenn das nicht geschieht. Und deshalb gibt es in Bezug auf das, was weiter im Wochenabschnitt gesagt wird, ein solches Verständnis, dass Riwka verstand, dass Esaw den Segen nicht bekommen darf, weil sie eben diese Prophezeiung kannte, dass der Ältere dem Jüngeren dienen wird. Und Jizchak kannte diese Prophezeiung vielleicht aus Riwkas Worten, versuchte aber, sie anders auszulegen, getrieben von der Liebe zu Esaw. Nun, über diese Jungs erfahren wir ja erst noch etwas.

Also konnte man diese Prophezeiung möglicherweise auf zweierlei Weise auslegen, und später legten Riwka und Jizchak sie auf zweierlei Weise aus.

וַיִּמְלְאוּ יָמֶיהָ לָלֶדֶת

wajimle'ú jaméha lalédet

24 Und es erfüllten sich ihre Tage zu gebären…

Für jene Zeiten ist das wichtig, wenn eine Frau mit Zwillingen schwanger ist, und eine so schwere Schwangerschaft, dass sie sie nicht im siebten Monat oder im achten Monat gebar. Sie hat sie ausgetragen, die Kleinen kamen ausgetragen zur Welt, das heißt, Gott hat ihre Schwangerschaft behütet.

וְהִנֵּה תוֹמִם בְּבִטְנָהּ׃

wehinné tomím bewitná

…und siehe, Zwillinge in ihrem Mutterleib, in ihrem Bauch.

Das Wort tomím ist hier mit einem Fehler geschrieben. Richtiger wäre die Schreibung Taw-Alef-Waw-Mem-Mem. Hier fehlt der kleine Buchstabe Alef. Die Tora macht keine grammatischen Fehler, lässt aber oft irgendeinen Buchstaben aus, wenn es um irgendeine Unvollkommenheit geht. Und hier wird gesagt: Ja, äußerlich sind sie tomím, äußerlich sind sie Zwillinge, aber innerlich wird diese „Zwillingshaftigkeit“ nicht unbedingt so sein. Und auch äußerlich werden sie danach auseinandergehen, es gibt keine Ganzheit, denn der eine wird im Grunde auf ungute Wege abweichen, der andere wird den gerechten Weg gehen.

Andere Kommentatoren sagen, dass man das Wort tomím hier als das Wort tumím verstehen muss (vom Wort tam – ganz vollkommen). Der eine ein vollkommener Gerechter, der andere ein vollkommener Bösewicht. Aber lasst uns Esaw nicht als vollkommenen Bösewicht verleumden. Wir wissen, dass er einen Platz im Plan Gottes hat.

Es ist interessant, das Wort tomá (Zwilling) zu betrachten: Das ist, genau genommen, der Name Foma, ein bekannter griechischer, russischer Name. Foma – das ist ein Wort, das Zwilling bedeutet. Die Sache ist die, dass der kleine Buchstabe Taw nicht immer so ausgesprochen wurde. Man kann sagen, dass er auf einer bestimmten Stufe ähnlich wie das englische ti-eitsch (th) ausgesprochen wurde, und deshalb wurde Toma zu Foma. Hier also – zwei Fomas in ihrem Bauch.

וַיֵּצֵא הָרִאשׁוֹן אַדְמוֹנִי כֻּלּוֹ כְּאַדֶּרֶת שֵׂעָר וַיִּקְרְאוּ שְׁמוֹ עֵשָׂו׃

wajezé harischón admoní kulló ke'addéret se'ár wajikre'ú schemó essáw

25 Und es kam der Erste heraus, rötlich und ganz mit Haaren bedeckt, und man nannte ihn Esaw.

Rötlich, behaart, munter, reif – das sind alles keine sehr schlechten Eigenschaften, man kann sogar sagen, gute. Heraus kam so ein munteres Kerlchen, ein Pausback, schon mit einem Haarschopf, und deshalb nannte man ihn Esaw. Das Wort Esaw kann man einerseits als gemacht verstehen, vom Wort la'assót; assáw – das sind auch seine Taten, seine Handlungen – diese Bedeutungen des Namens werden wir später berühren. Eine weitere Bedeutung verbindet man mit dem Wort éssew – mit Gras bewachsen, ein Rasenfleckchen, so kann man es übersetzen. Und wiederum wissen wir, dass Midraschim typologisch sind, und dort, wo Esaw in den Midraschim zu einem vollkommenen Bösewicht wird, sagt man: Esaw – das ist assá scháw (umsonst gemacht). Nun, wohin soll ein Mensch, der mit so einem Namen benannt ist? Eine Niete. Geh und lebe damit. Wenn man ihn schon so genannt hat, was will man ihm dann vorwerfen? Nun, das ist mehr Midrasch, rückwirkend. Die Tora verwendet wiederum ein Wortspiel, und die mündliche Tora auch, um irgendwelche Eigenschaften zu zeigen, auf sie hinzuweisen.

וְאַחֲרֵי-כֵן יָצָא אָחִיו וְיָדוֹ אֹחֶזֶת בַּעֲקֵב עֵשָׂו וַיִּקְרָא שְׁמוֹ יַעֲקֹב וְיִצְחָק בֶּן-שִׁשִּׁים שָׁנָה בְּלֶדֶת אֹתָם׃

we'acharé-chén jazá achíw wejadó ochéset ba'akéw essáw wajikrá schemó jaaków wejizchák ben-schischím schaná belédet otám

26 Danach kam sein Bruder heraus, und sein Händchen hält die Ferse Esaws; und ihm wurde der Name Jaakow gegeben. Jizchak war sechzig, als sie geboren wurden.

Wie wir schon gesagt haben, heiratete er mit vierzig, die Kinder wurden mit sechzig geboren, zwanzig Jahre Gebet brachten solche Früchte.

Geboren wurde Jaakow, der sich an der Ferse Esaws festhielt, und ihm wurde der Name Jaakow gegeben. Daraus, dass Jaakow sich an der Ferse Esaws festhält, leitet man als Prophezeiung ab, dass die Herrschaft Jaakows nach der Herrschaft Esaws sein wird, dass die Herrschaft Jaakows – in der kommenden Welt ist. Jaakow kann man vom Wort akéw – Ferse ableiten; es gibt das Wort Hindernis, und hier das Wort Hinterfersnis. Jaakow – der, der von hinten an der Ferse packt.

Es gibt eine Überlegung darüber, wer ihm diesen Namen gab, da gesagt ist: und genannt wurde ihm der Name Jaakow. Und als Esaw, empört über die gestohlene Bracha (den Segen), seinem Vater Vorhaltungen macht, spricht er: „Nicht umsonst wurde ihm der Name Jaakow gegeben.“ Er sagt nicht: „Du hast ihn Jaakow genannt“, sondern: „Nicht umsonst wurde ihm der Name Jaakow gegeben“ – und hier hat er mich abgefangen, und hier hat er mich übers Ohr gehauen, so kann man sagen. Das heißt, die Kommentatoren sehen darin (und tatsächlich kann man darin sehen), dass der Name Jaakow ihm prophetisch vom Höchsten gegeben worden war.

וַיִּגְדְּלוּ הַנְּעָרִים וַיְהִי

wajigdelú hanne'arím wajhí

27 Und die Jungen wuchsen heran…

Man erzählt, dass man einen Myrtenbaum, wenn man ihn neben einen Dornbusch pflanzt, anfangs nicht von ihm unterscheiden kann. Es gibt einen solchen Baum, der dem Myrtenbaum sehr ähnlich ist, und anfangs sieht man nicht, wer wer ist. Wenn die Bäume heranwachsen, gibt die Myrte ihren Duft, nun, und der Dornbusch gibt seine Dornen. Als die Kinder herangewachsen waren, wurde klar, wer wer ist. Und wer ist wer?

עֵשָׂו אִישׁ יֹדֵעַ צַיִד אִישׁ שָׂדֶה וְיַעֲקֹב אִישׁ תָּם יֹשֵׁב אֹהָלִים׃
essáw isch jodéja zájid isch sadé wejaaków isch tám joschéw ohalím

…Esaw – ein Mann des Wissens um die Jagd, ein Mann-Fachmann für die Jagd, ein Mann des Feldes, und Jaakow – ein einfacher Mann, der in Zelten sitzt.

Wieder, wenn die Kommentatoren auf die in Zelten Sitzenden stoßen und wenn wir irgendein lichtes Bild von Jaakow schaffen, sagt man: „Er saß in den Zelten der Tora.“ Hier sagt der einfache Sinn höchstwahrscheinlich nichts über die Zelte der Tora, sondern sagt, dass Jaakow ein einfacher Hirte war, das ist eine weniger komplizierte Arbeit als die eines Jägers, der irgendwohin auf fremdes, neutrales Land hinausgehen und die Welt bezwingen muss, im Grunde Tiere fangen dort, wo es keine offensichtliche, offene menschliche Herrschaft gibt.

וַיֶּאֱהַב יִצְחָק אֶת-עֵשָׂו כִּי-צַיִד בְּפִיו וְרִבְקָה אֹהֶבֶת אֶת-יַעֲקֹב׃

waje'eháw jizchák et-essáw ki zajíd befíw weriwká ohéwet et-jaaków

28 Und Jizchak liebte Esaw, denn die Beute ist in seinem Mund, und Riwka liebt Jaakow.

Und Jizchak gewann lieb, so kann man übersetzen, Esaw, und Riwka liebt Jaakow. Jizchak gewann Esaw lieb, weil er Beute im Mund hat. Gewann lieb, das heißt, er liebte ihn anfangs nicht, sondern begann zu lieben. Beute im Mund – die Kommentatoren sehen darin, dass Esaw nicht nur ein guter Jäger war, sondern auch ein redegewandter Kerl, ein guter Manipulator, ein guter Redner, der Eindruck zu machen verstand.

Einige Kommentatoren führen ein solches Beispiel an, und dieser Midrasch begegnet oft, deshalb möchte ich ihn auseinandernehmen. Esaw kam und stellte Jizchak kluge Fragen: wie man den Zehnten von Heu und Salz absondert. Und natürlich, wenn ein Mensch kommt und solche komplizierten Fragen stellt, dann – sieh an, woran er sogar denkt, sieh an, was für ein tiefsinniger Kerl. Jizchak gefiel das. Nun, in Wirklichkeit, was ist denn schlecht daran, wenn ein Mensch tatsächlich so sehr von Liebe zu Gott durchdrungen ist, dass er sogar von seinem Salz den Zehnten absondern will? Wir wissen tatsächlich nicht, wie man den Zehnten vom Salz absondert, wie man den Zehnten vom Heu absondert. Was ist überhaupt das Absondern des Zehnten im biblischen Verständnis, wenn wir von Gemüse, Obst, von den Erzeugnissen des Landes Israel sprechen? Wenn wir den Zehnten von den Früchten absondern, die wir angebaut haben, teilen sich die Früchte in Heiliges und Alltägliches. Wir essen das Alltägliche, im Heiligen wird das Heilige gegessen. Aber unsere Früchte haben Berührung mit der Heiligkeit durch den Zehnten, durch den Zehnten lassen wir sie an der Heiligkeit teilhaben. Und da ist Esaw, der auch das Stroh an der Heiligkeit teilhaben lassen will, und das Salz. Und wir sagen, dass er ein Jäger ist, er herrscht auch dort, jenseits der Grenzen der sesshaften Welt, die ganze Zeit… Da wäre doch, so scheint es, ein Mensch, der die frohe Botschaft tragen wird, die frohe Botschaft Jizchaks in die Welt tragen wird: Esaw, er will sogar das Salz an der Heiligkeit teilhaben lassen! Aber das Problem ist, dass, als man ihm antwortete: „Wir wissen vorerst nicht, wie man vom Salz den Zehnten absondert, und vom Stroh wissen wir nicht, wie man das macht.“ Da sagt Esaw: „Nun, dann werde ich überhaupt keinen Zehnten absondern.“ Wenn es unmöglich ist, die ganze Welt an der Heiligkeit teilhaben zu lassen, dann kann überhaupt nichts an der Heiligkeit teilhaben. Das ist eines der geistlichen Probleme Esaws.

Man kann in sich selbst Esaw finden, wenn ein Mensch sagt: „Alles – oder nichts! Wenn ich nicht absolut alle-alle-alle Gebote halten kann, dann werde ich sie überhaupt nicht halten. Wenn ich nicht alle-alle-alle Punkte irgendeiner Sache erfüllen kann, nehme ich sie überhaupt nicht in Angriff!“ Alles oder nichts – das funktioniert sehr selten als gute Eigenschaft, öfter als schlechte.

Nun, das ist die Frage über Esaw, und Riwka liebt Jaakow. Warum liebt sie Jaakow? Nun, erstens, weil Jaakow so ein häuslicher Junge ist, und weil sie die Prophezeiung aus dem Mund des Höchsten gehört hat.

Linsen-Tauschhandel

Bereschit 25,29–34

Wir lesen die Geschichte von der Linsensuppe und dem verkauften Erstgeburtsrecht noch einmal.

וַיָּזֶד יַעֲקֹב נָזִיד

wajásed jaaków nasíd

29 Und Jaakow kochte ein Ragout, eine dicke Suppe…

Das erste Wort – kochte – wird im Hebräischen genauso mehrdeutig verwendet wie im Russischen. Man kann sagen: Wer hat diese Sache ausgekocht, wer hat das alles angezettelt? Das Wort kochen wird deutlich häufiger im kulinarischen Sinn verwendet.

Jaakow zettelte ein Ragout an. Warum zettelte er das an, warum ging Jaakow plötzlich an den Kochtopf? Auf diese Frage gibt es verschiedene Antworten. Zuallererst die einfachste, die sich aufdrängt: Ein Ragout aus Linsen (wir werden später erfahren, dass es aus Linsen ist) ist so eine Art Junggesellenessen. Selbst in einem reichen Haus, in dem es an nichts fehlt, gibt es eine eigene Art Fastfood. Linsensuppe, Linsenragout mit ein wenig angebratener Zwiebel oder Knoblauch, Olivenöl, Linsen und kochendem Wasser – das typische „Rollton“ jener Zeit. Jaakow konnte einfach Fastfood essen, während er sich mit irgendwelchen eigenen Dingen beschäftigte.

Andere Kommentatoren sagen (und wir werden später verstehen, warum das wichtig ist), dass Linsen ein Zeichen der Trauer sind. Die kleinen orangefarbenen Linsen ähneln menschlichen Gesichtern, nur haben sie keinen Mund. Und für einen Menschen in Trauer kochte man eine Suppe aus Linsen als Symbol einer Art Schweigen; das ist ein Schweigen, das man essen kann, ein Schweigen der Trauer, das man essen kann. Vielen ist das nicht verständlich, aber so war die Symbolik in jenen Zeiten.

Noch eine interessante Version bietet das Buch „Sohar“. Es sagt, dass Jaakow wusste, dass Esaw auf die Linsensuppe hereinfallen würde, er fand die Saite seiner Seele, denn Esaw heißt ja eben deshalb edóm – rot oder rothaarig. Und so wie er es später mit den Stäben im Haus Lawans machen wird, fängt Jaakow hier auf genau dieselbe listige Weise Esaw.

Das sind also die drei Erklärungen, die es gibt. Mir liegt die Erklärung näher, dass Jaakow einfach kochte, er hatte Lust auf Linsensuppe, warum sollte er sie sich nicht machen. Über die anderen Erklärungen werden wir noch sprechen.

וַיָּבֹא עֵשָׂו מִן-הַשָּׂדֶה וְהוּא עָיֵף׃

wajawó essáw min-hassadé wehú ajéf

…und Esaw kam vom Feld; und er war müde.

Wiederum gibt es zahlreiche Kommentare. Die Kommentatoren der Tora und die Midraschim schimpfen sehr gern über Esaw, das ist, man kann sagen, ein Nationalsport – Schlechtes über Esaw zu erzählen. Und die Kommentatoren sagen: „An diesem Tag beging er einen Mord und vergewaltigte ein verlobtes Mädchen, fünf Verbrechen beging er, und zwei Verbrechen beging er – kurz, er war müde von der Sünde, davon, dass er den ganzen Tag absichtlich und beharrlich gesündigt hatte.“

Andere Kommentatoren sagen: „Ein Mensch, der auf die Jagd gegangen ist, kann sich für mehrere Tage verirren, sich unterwegs verlieren, drei, vier Tage ohne Weg umherlaufen, ohne Essen, ohne Wasser, und da wird man unweigerlich müde.“ Esaw ist ein ehrlicher Jäger, er wächst im Haus Jizchaks auf; und es ist einfach ein Mensch, der auf die Jagd ging, sich verirrte, umherirrte und müde wurde. Im Grunde eine natürliche Sache.

Es gibt Kommentatoren, die all das annehmen und noch eine weitere Schicht sehen. Esaw ist vom Leben her müde. Es gibt eine Kategorie von Menschen, die vom Leben müde sind, ihnen ist alles über, und nichts gefällt ihnen, und davon verfallen Menschen oft in Sünde, in Unzucht, in irgendwelche solchen ausschweifenden Abenteuer; und dann kann man die Taten, die Sünden Esaws im übertragenen Sinn verstehen. Esaw ist ein vom Leben her müder Mensch.

Von all diesen Kommentaren würde ich wiederum den einfachsten, den offensichtlichsten wählen: Esaw hatte sich verirrt, war umhergeirrt, hatte den ganzen Tag gejagt, und er kam müde nach Hause. Keine Mystik.

וַיֹּאמֶר עֵשָׂו אֶל-יַעֲקֹב הַלְעִיטֵנִי נָא מִן-הָאָדֹם הָאָדֹם הַזֶּה כִּי עָיֵף אָנֹכִי עַל-כֵּן קָרָא-שְׁמוֹ אֱדוֹם׃

wajomer essáw el-jaaków hal'iténiIn der russischen Umschrift fehlt bei diesem Wort der erste Vokal. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: hal'iténi. na min-ha'adóm ha'adóm hassé ki ajéf anóchi al-kén kara-schemó edóm

30 Und Esaw sprach zu Jaakow (ein erstaunliches Verb, al'iténi – füttere mich mit dem Löffelchen, wie man einen Säugling füttert oder wie man einen Kranken gesund pflegt): „Gieß mir ein, füttere mich (eben behutsam füttern) von diesem Roten, Roten, denn ich bin müde“; darum heißt er Edom.

Hier ist es nicht sehr verständlich. Sollte Jaakow ihn etwa von da an geneckt und gesagt haben: „Rotes, Rotes.“ Und als ob das Volk ringsum anfing, ihn zu necken, weil Jaakow allen diese Geschichte erzählt hatte. Das ziemt sich für Jaakow nicht sehr, eine solche Tat gereicht ihm nicht sehr zur Ehre.

Aber man kann diesen Text auch anders verstehen. Esaw war müde, deshalb hatte er keine Kraft zu unterscheiden, was vor ihm stand – Haferbrei oder Crème brûlée –, und er sagte einfach „vom Roten, Roten“, um sich nicht zu erinnern, wie das überhaupt heißt; nicht zu sagen: Gib mir diesen nasíd, gib mir dieses Ragout. Solche Wörter hatte er vor Erschöpfung nicht in seinem Wortschatz, denn er war so müde, dass ihm nicht einmal nach dem Namen der Suppe zumute war. Hier ist die Situation verständlich: Ein müder Mensch kam nach Hause, dort kocht sein jüngerer Bruder, und der jüngere Bruder hat gegenüber dem älteren gewisse Pflichten. Und der ältere Bruder sagt ihm vor Müdigkeit: „Füttere mich, erwecke mich wieder zum Leben mit dieser Suppe.“

וַיֹּאמֶר יַעֲקֹב מִכְרָה כַיּוֹם אֶת-בְּכֹרָתְךָ לִי׃

wajomer jaaków michrá chajom et-bechoratechá li

31 Und Jaakow sagt: „Verkauf du mir wie heute dein Erstgeburtsrecht.“

Scheinbar eine nicht sehr gute Tat, statt den eigenen Bruder zu füttern. Und wer würde den hungrigen Bruder, der vom Feld kommt, nicht füttern, selbst wenn er ein Bösewicht ist, selbst wenn man sich daran erinnert, wie es manchmal zwischen Brüdern ist, dass die älteren Brüder die jüngeren drangsalierten? Und wo hat man Euch erzogen, Genosse Jaakow, wisst Ihr etwa nicht, dass man die Älteren achten muss, auch die älteren Brüder, den Hungrigen speisen, den Armen speisen? Warum redet Ihr plötzlich so seltsam? Das ist für die Kommentatoren eine sehr ernste und wichtige Frage. Und manche sagen: Wenn Esaw schon bittet wie in der Kindheit (Esaw hat den kleinen Jaakow mit dem Löffelchen gefüttert – das sind die Pflichten des älteren Bruders gegenüber dem jüngeren), und wenn Esaw Jaakow die Rolle des älteren Brüderchens auferlegt, das sich um den jüngeren kümmert, dann kann man auch das Erstgeburtsrecht verkaufen.

Eine andere Variante sagt, dass ein Teil des Gesprächs hinter den Kulissen blieb. Esaw fragte: „Was, gibt’s bei uns heute Linsensuppe?“ Worauf Jaakow antwortete: „Das ist die Trauersuppe zum Tod Awrahams.“ Und Esaw sagt: „Wie? Awraham ist gestorben?! Dieser Mensch, dieser große Gerechte, ein Mensch, der sein ganzes Leben Gott gedient hat, der bereit war, unseren Vater als Opfer darzubringen, er ist gestorben?! Na, dann habe ich überhaupt keine Chance, wie soll ich mich mit ihm an Gerechtigkeit messen? Wozu brauche ich überhaupt das Erstgeburtsrecht, und wozu brauche ich das Leben?“ Und seht, was im vorigen Vers geschrieben steht: „Ich bin ohnehin so müde.“ Man kann das auch so verstehen, und dann sagte Jaakow: „Na, verkauf mir das Erstgeburtsrecht, wenn du schon so müde bist.“

Aber höchstwahrscheinlich versucht Jaakow einfach, mit Esaw zu reden, wenn er müde ist, wenn er eher geneigt ist, das Erstgeburtsrecht zu verkaufen, und gerade dieser Rollentausch, von dem wir gesprochen haben, treibt ihn möglicherweise dazu an. Wir können nicht sagen, dass ein Mensch immer aufrichtig und hundertprozentig ehrlich handelt. Bei Jaakow kommt es unterschiedlich vor, es gibt hier eine gewisse Gewandtheit oder Gerissenheit bei unserem Stammvater. Aber er schlägt ein ehrliches Geschäft vor – verkauf mir heute dein Erstgeburtsrecht. Was antwortet ihm Esaw?

וַיֹּאמֶר עֵשָׂו הִנֵּה אָנֹכִי הוֹלֵךְ לָמוּת וְלָמָּה-זֶּה לִי בְּכֹרָה׃

wajomer essáw hinné anochí holéch lamút welamma-sé li bechorá

32 Und Esaw sprach: „Siehe, ich gehe in den Tod, wozu brauche ich denn überhaupt das Erstgeburtsrecht?“.

Das kann man im Licht dessen verstehen, was wir über jene Linie erzählt haben, die von der Trauer um Awraham spricht: „Wenn Awraham gestorben ist und er keine Chancen hat, dann gehe auch ich sterben, und wozu überhaupt dieses Erstgeburtsrecht mit seinem Dienst für den Höchsten, mit all seinen Vorzügen und Nachteilen. Selbst wenn man davon spricht, dass der Erstgeborene einen größeren Anteil am Haus bekommt, wozu brauche ich das? Ich bin Jäger, ich gehe jeden Tag in den Tod, ich werde sowieso sterben, und wozu Reichtümer anhäufen, wenn man sowieso stirbt, wozu brauche ich das Erstgeburtsrecht?“

Aber man kann es auch so verstehen: „Ich gehe jeden Tag in den Tod, ich bin Jäger, ich habe so eine Arbeit. Das Erstgeburtsrecht mit seiner Notwendigkeit, das Familienbudget zu verwalten, Priester zu sein, für die Familie verantwortlich zu sein, für alle – das ist nichts für mich, ich bin ein Freischütz, ‚weder Haus noch Hof, dafür zahlt man dem König keine Steuern‘. Ich werde so leben, und wozu brauche ich das Erstgeburtsrecht?“ – so urteilte Esaw.

וַיֹּאמֶר יַעֲקֹב הִשָּׁבְעָה לִּי כַּיּוֹם וַיִּשָּׁבַע לוֹ וַיִּמְכֹּר אֶת-בְּכֹרָתוֹ לְיַעֲקֹב׃

wajomer jaaków hischáwe'a li kajom wajischawá lo wajimkór et-bechorató lejaaków

33 Und Jaakow sagte zu ihm: „Schwöre mir heute!“ Und Esaw schwor.

Er schwor, weil das Erstgeburtsrecht überhaupt schwer zu verkaufen ist, und es muss eine klare Formulierung geben: Ich übergebe dir, ich gebe dir mein Erstgeburtsrecht. Gewöhnlich wird ein Schwur vor Gericht geleistet, vor Zeugen, weil man sich aus einem Schwur im Grunde leicht herauswinden kann. Aber in der Familie Jaakows gibt es den Namen Gottes, es gibt die Erkenntnis Gottes, es gibt das Verständnis, dass dort die ganze Zeit, in jedem von ihnen, Awraham und Jizchak gegenwärtig sind – sowohl in Jaakow als auch in Esaw. Und jeder von ihnen ist so ein wanderndes GerichtIm Russischen steht wörtlich ein „übergehendes“ oder „weitergereichtes“ Gericht. Gemeint ist wohl ein Gericht, das jeder in sich trägt; daher hier „wanderndes Gericht“., deshalb schwört Esaw kühn und übergibt sein Erstgeburtsrecht an Jaakow. Darüber wird es im Weiteren noch Streit geben, aber nicht in diesem unserem Textabschnitt.

וְיַעֲקֹב נָתַן לְעֵשָׂו לֶחֶם וּנְזִיד עֲדָשִׁים

wejaaków natán le'essáw léchem unsíd adaschím

34 Und Jaakow gab Esaw Brot und eine Suppe aus Linsen...

Hier wird klar, dass die Suppe ja aus Linsen war. Warum wurde das nicht gleich gesagt? Weil man uns die Welt ein wenig auch mit den Augen Esaws gezeigt hat. Beachtet, dass Jaakow Esaw auch Brot gibt, damit nicht gesagt werde, er habe die Lebensgefahr ausgenutzt, um das Geschäft abzuschließen und nur das Leben zu erhalten. Jaakow gibt mehr, als Esaw erbeten hat. Manche Kommentatoren sehen hier ein Festmahl, das Schließen eines Bundes, also so ein Bild des Brotbrechens, und sagen außerdem, dass, wenn Brot und Suppe das Werk der Hände Jaakows waren und nur er sie geben konnte, Esaw den Wein holen und aus dem häuslichen Kellerchen nehmen konnte. Und deshalb sehen viele darin auch das Schließen eines Bundes, den Abschluss eines Vertrags, der über Brot und Wein gemacht wird. Aber nicht überall und nicht immer kann man das so verstehen.

וַיֹּאכַל וַיֵּשְׁתְּ וַיָּקָם וַיֵּלַךְ וַיִּבֶז עֵשָׂו אֶת-הַבְּכֹרָה׃ 

wajochal wajéscht wajákom wajelách wajíwes essáw et-habbechorá

…und er aß, und er berappelte sich, und er stand auf, und er ging, und Esaw verachtete seine Erstgeburt.

Hier wird in sehr kurzen Sprüngen beschrieben: wajochal – und er aß, wajéscht – und er berappelte sich, wajákom – und er stand auf, wajelách – und er ging, wajíwes – und verachtete. Das Wort bus bedeutet hielt für schändlich, hielt für nichtig, hielt für etwas, das man anderen hinwerfen kann.

Lesen wir noch einmal: und er aß, und er erholte sich, und er stand auf, und er ging und Esaw verachtete seine Erstgeburt. Schon nachdem er gegessen hatte und zu sich gekommen war – und er stand auf, und er ging, und, wieder zu Kräften gekommen, verachtete Esaw trotzdem seine Erstgeburt. Es gibt bei ihm nicht so einen Aufschrei: „Was habe ich getan, und warum habe ich so gehandelt?“ Nein, er hat kein besonderes Bedauern über das Geschehene.

Einer der Kommentatoren, Ibn Esra, sagt, dass Esaw die Erstgeburt verachtete, weil die Familie Jizchaks zu dem Zeitpunkt, als das geschah, völlig verarmt war, da gibt es kein Erbe zu teilen.

Das ist es, was Ibn Esra sagt. Diese Erstgeburt verachtete er, weil er sah, dass der Vater kein reiches Erbe hat. Viele wundern sich darüber: „Wie konnte so etwas sein? Awraham hat Jizchak doch ein reiches Erbe hinterlassen.“ Aber haben denn die, die sich wundern, nie Menschen gesehen, die in der Jugend reich waren und bis zum Alter verarmt sind? Davon zeugt, dass Jizchak Esaw liebte, weil er auf seine Speise angewiesen war. Wäre im Haus seines Vaters reichlich Brot gewesen, dann hätte Esaw, der ihn ehrte, die Erstgeburt nicht für ein Gericht verkauft. Hätte sein Vater sich täglich von köstlichen Speisen ernährt, worin läge dann der Sinn des Gesagten: „Erjage mir Wild“? Und warum hatte Jaakow keine schönen Kleider, und warum gab ihm die Mutter kein Gold und Silber auf den Weg mit, sodass er sagen musste: „Und Gott wird mir Brot zur Speise geben und ein Gewand zur Kleidung“? Warum schickte die liebende Mutter ihm keine Mittel zum Lebensunterhalt, sodass er die Herde hüten musste? Und der Vers, in dem über Jizchak gesagt ist – „und dieser Mann wurde groß (26,13)“ – bezieht sich auf die Zeit, als er noch nicht alt geworden war. Menschen mit blindem Herzen meinen, Reichtum sei eine der Tugenden des Gerechten. Doch die Geschichte des Propheten Elijahu beweist das Gegenteil. Oder man fragt: „Warum hat der Höchste Jizchak an Besitz benachteiligt?“ Vielleicht beantworten sie lieber, warum Er ihm das Augenlicht genommen hat? Und sie sollen uns keine Midraschim unterschieben, in denen in Wirklichkeit ein Geheimnis verborgen ist, denn unergründlich sind die Pläne des Höchsten, und der menschliche Verstand ist nicht imstande, sie zu begreifen. Andere sagten: „Aber er hatte doch Vieh, Riwka sagte doch: ‚Geh doch zur Herde.‘“ Möglicherweise ist ihm eine kleine Menge Vieh geblieben. Oder vielleicht ist die Auslegung richtig, dass mit geh zur Herde gemeint war, an einen Ort zu gehen, wo es eine Herde gibt, das heißt dorthin, wo man Vieh verkauft.

Und Ibn Esra führt hier die verbreitete Meinung an, dass Esaw, der von materiellen Interessen lebte, im Besitz Jizchaks keine materiellen Interessen sah, weil Jizchak zu jener Zeit ruiniert war. Ob Jizchak ruiniert war – das ist eine eigene Geschichte. Der Sinn hier ist der, dass für Esaw die Erstgeburt eine materielle Sache ist; da es hier keinerlei materiellen Vorteil gibt, ist es besser, heute zu essen, besser die Linsensuppe im Topf als ein zweifelhaftes Erbe in der Zukunft. Auf diese Weise macht man Esaw zu einem Menschen nur dieser Welt, der nur zu dieser Welt gehört.

Aber es gibt die, die natürlich in Bezug auf Jizchak widersprechen, und das ist ein langer Streit. Wenn wir den Segen und den Weg Jaakows nach Charan durchnehmen, werden wir darüber noch sprechen. Vorerst lassen wir die Frage nach dem Reichtum oder der Armut Jizchaks offen. Esaw hielt die Erstgeburt für nichts wert, hielt sie überhaupt für nichts wert, denn Linsensuppe ist das Billigste, was es geben kann. Das ist, wie wenn man aus Wut ein Haus für eine Schachtel Streichhölzer verkauft, das sind unvergleichbare Werte. Esaw hat sich der Erstgeburt entledigt, und es geht dabei nicht so sehr um die Linsensuppe.

So eine Geschichte hat sich also zugetragen. Von ihr zweigen noch Fragen ab, auf die die Tora im Weiteren Antworten geben wird. Nicht immer ist am Ende eines Kapitels alles klar.

Steig nicht hinab nach Ägypten

Bereschit 26,1–17

Wir beginnen mit euch, das 26. Kapitel des Buches Bereschit zu lesen.

וַיְהִי רָעָב בָּאָרֶץ מִלְּבַד הָרָעָב הָרִאשׁוֹן אֲשֶׁר הָיָה בִּימֵי אַבְרָהָם וַיֵּלֶךְ יִצְחָק אֶל-אֲבִימֶּלֶךְ מֶלֶךְ-פְּלִשְׁתִּים גְּרָרָה׃

Wajhí ra'áw ba'árez millewád hara'áw harischón aschér hajá bimé awrahám wajélech jizchák el-awimélech melech-pelischtím gerára

1 Und es war eine Hungersnot im Land, eine stärkere, außer jener ersten Hungersnot, die in den Tagen Awrahams gewesen war. Und Jizchak ging zu Awimelech, dem König der Plischtim, nach Grar.

 Das Wort millewád – hier kann man sagen: eine noch stärkere Hungersnot als in den Tagen Awrahams. Wir erinnern uns, wir haben gelesen, dass ganz am Anfang seines Umgangs mit dem Höchsten, sobald Awraham im Heiligen Land war, eine Hungersnot war und Awraham nach Ägypten hinabstieg. In unserem Fall begibt sich Jizchak auf den Weg nach Ägypten. Er geht zu einem König, dessen Königreich am Weg nach Ägypten liegt.

Awimélech – das ist höchstwahrscheinlich kein Eigenname, sondern möglicherweise die Bezeichnung des philistäischen Königs. Mein Vater ist König, das heißt mein Gott ist König oder Ich bin König durch Gottes Macht – so kann man diesen Namen in diesem Fall übersetzen, auslegen. Er ist also König der Plischtim. Aber das sind nicht dieselben Plischtim, die später, in der Zeit der Richter, kommen werden, das sind andere Plischtim. Plischtim – die, die in das Land einbrechen, vom Wort liflósch – angreifen, einbrechen. Das ist irgendein Volk, das sich selbst mit so einem Angriff, mit der Eroberung, verbindet, und es lebt im kanaanäischen Land. Und Jizchak kommt nach Grar zu Awimelech, höchstwahrscheinlich mit dem Ziel, weiter nach Ägypten hinabzusteigen.

וַיֵּרָא אֵלָיו יְהוָה וַיֹּאמֶר אַל-תֵּרֵד מִצְרָיְמָה שְׁכֹן בָּאָרֶץ אֲשֶׁר אֹמַר אֵלֶיךָ׃

wajerá eláw adonáj wajomer al-teréd mizrájma schechón ba'árez aschér omár elécha

2 Und der HERR erschien ihm und sprach zu ihm: „Steig nicht hinab nach Ägypten, sondern wohne gutnachbarlich in dem Land, von dem ich dir sagen werde.

Es gibt viele verschiedene Wörter zur Bezeichnung des Wohnens. Sch'chón – das ist sei Nachbar, wohne gutnachbarlich in dem Land, in dem Ich wohnen werde. Von demselben Wort kommt das Wort schachén (Nachbar); und von ihm auch das Wort sch'chiná (göttliche Gegenwart, Gottesnachbarschaft mit uns). Das heißt, der Höchste sagte zu Jizchak: „Du musst nicht nach Ägypten hinabsteigen; sei, wohne nachbarlich in dem Land, von dem Ich dir sagen werde.“ In diesem Fall ist hier Grar gemeint. Warum sagt der Höchste zu Jizchak, er solle nicht nach Ägypten hinabsteigen? Es ergibt sich, dass von allen Patriarchen – Awraham, Jizchak, Jaakow – nur Jizchak, er als Einziger, das kanaanäische Land niemals verlassen hat. Jizchak ist ständiger Bewohner Kanaans, ständiger Bewohner des Heiligen Landes. Wie kann man das auslegen? Einmal auf den Altar gehoben, ist Jizchak für den Altar geheiligt. Selbst wenn er vom Altar heruntergenommen wurde, selbst wenn das Opfer nicht dargebracht wurde – sein Körper ist geheiligt, er ist ganz geheiligt und kann nicht mehr hinabsteigen, der Status seines Dienstes kann sich nicht ändern. Deshalb bleibt er im Land Israel und hat dafür einen besonderen Segen. Der Höchste sagt zu ihm:

גּוּר בָּאָרֶץ הַזֹּאת וְאֶהְיֶה עִמְּךָ וַאֲבָרְכֶךָּ כִּי-לְךָ וּלְזַרְעֲךָ אֶתֵּן אֶת-כָּל-ָאֲרָצֹת הָאֵל וַהֲקִמֹתִי אֶת-הַשְּׁבֻעָה אֲשֶׁר נִשְׁבַּעְתִּי לְאַבְרָהָם אָבִיךָ׃

gur ba'árez hasót we'ehjé immechá wa'awarechékka ki-lechá ulsar'achá ettén et-kolDie russische Umschrift hat hier „el-kol“, der hebräische Text lautet jedoch „et-kol“. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. ha'arazót ha'él wahakimotí et-haschewu'á aschér nischbá'ti le'awrahám awícha

3 Wohne vorübergehend gutnachbarlich, Ich werde mit dir sein, und Ich werde dich segnen. Denn dir und deinem Samen werde ich alle diese Länder geben, Und ich werde den Schwur erfüllen, den ich Awraham, deinem Vater, geschworen habe.

Wenn sch'chón – das ist wohne gutnachbarlich, wie wir gelesen haben, dann ist hier gur – vorübergehendes Wohnen; halte dich auf, halte dich auf in diesem Land. Und all das, alle diese Staaten, die hier ringsum sind, und die Könige – all das wird dir und deinem Samen gehören.

וְהִרְבֵּיתִי אֶת-זַרְעֲךָ כְּכוֹכְבֵי הַשָּׁמַיִם וְנָתַתִּי לְזַרְעֲךָ אֵת כָּל-הָאֲרָצֹת הָאֵל וְהִתְבָּרֲכוּ בְזַרְעֲךָ כֹּל גּוֹיֵי הָאָרֶץ׃

wehirbetí et-sar'achá kechochewé haschamájim wenatattí lesar'achá et kol-ha'arazót ha'él wehitbarechú wesar'achá kol gojé ha'árez

4 Und ich werde deinen Samen mehren wie die Sterne des Himmels, Und ich werde deinem Samen alle diese Länder geben, Und durch deinen Samen werden sich alle Völker der Erde segnen.

Der fünfte Vers unseres Kapitels ist sehr wichtig. Viele nehmen ihn und verwenden ihn, um diese oder jene ihrer Positionen zu beweisen. Warum sagt der Höchste zu Jizchak, dass Er ihn segnen wird und sich durch seinen Samen alle Völker segnen werden? Wir lesen:

עֵקֶב אֲשֶׁר-שָׁמַע אַבְרָהָם בְּקֹלִי וַיִּשְׁמֹר מִשְׁמַרְתִּי מִצְוֹתַי חֻקּוֹתַי וְתוֹרֹתָי׃

Ékew ascher-schamá awrahám bekolí wajischmór mischmartí mizwotáj chukkotáj wetorotáj

5 Weil Awraham auf meine Stimme hörte und meine Hut hütete, meine Gebote, meine Gesetze und meine Lehren.“

 Und diese mehreren Kategorien (hütete die Hut, Gebote, Gesetze und Lehren) versuchen viele auf ihre Weise aufzuschlüsseln. Im Wesentlichen kommt die Mehrheit der Kommentatoren zu dem Schluss, dass Awraham sogar die kleinsten Verordnungen der Rabbiner einhielt und bis in die kleinsten Einzelheiten auch die mündliche Tora einhielt und alles, alles, alles einhielt.

 Die älteste Aufschlüsselung dieser Liste sagt, dass schamár mischmartí (stand auf der Wache) – das bedeutet, er bewahrte sich vor dem Götzendienst. Hier ist ein Verweis auf jenen Fall, als Awraham der Überlieferung nach die Götzen im Haus des Vaters zerhieb, zerschlug. Obwohl das eine Überlieferung ist, ist es doch eine ziemlich alte Überlieferung, sie wird in Büchern schon vor dem 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnt. Mizwotáj (das ist in der Tora gesagt) – die Gebote, Gericht einzusetzen und mit dem Gericht der Wahrheit zu richten. Chukkotáj – das sind die Gesetze, die mit der Beschneidung verbunden sind. Torotaj – das ist die Lehre, die Awraham in die Welt trug. Das heißt, Awraham war nicht einfach Träger der Lehre, er war derjenige, der sie weitergab, der sie verbreitete. Und deshalb können sich, durch die Gesamtheit all dessen, die Völker der Welt durch den Samen Awrahams segnen.

Ein späterer Ansatz sagt, dass Awraham die eigentliche Tora einhielt. Er hielt sie ein, aber welches Licht hatten die umliegenden Völker davon? Einen solchen Einwand gibt es gegen diesen Kommentar. Obwohl auch dieser Kommentar natürlich seine Daseinsberechtigung hat, sehr angesehene Leute haben die Ansicht vertreten, dass die Stammväter die ganze Tora samt den Verordnungen der Rabbiner einhielten. Diese Sicht begann das Pharisäertum im Zeitraum vom 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. zu entwickeln, nach der Zerstörung des Tempels, als man die Position der mündlichen Tora stärken musste gegenüber den Positionen zuerst der Samaritaner und dann auch anderer Menschen, die die Autorität der Mündlichen Tora nicht anerkannten und die Pharisäer auf irgendeine Weise bestritten. Kurz gesagt, diese Auslegung, sie soll die Autorität des orthodoxen Judentums in der Form, in der es bis in unsere Tage gekommen ist, schützen und bestätigen. Zu sagen, dass die Auslegung falsch ist – das geht nicht, aber solche Fragen an sie gibt es.

וַיֵּשֶׁב יִצְחָק בִּגְרָר׃

wajéschew jizchák bigrár

6 Und Jizchak ließ sich in Gerar nieder.

 Und wir lesen hier, was interessant ist, ein drittes Verb, das das Wohnen bezeichnet: jeschéw bedeutet sesshaftes Wohnen. Als Jizchak all das gehört hatte, beschloss er: Na gut, ich werde in Gerar wohnen, dieses ganze Land wird mir ja sowieso gegeben werden.

וַיִּשְׁאֲלוּ אַנְשֵׁי הַמָּקוֹם לְאִשְׁתּוֹ וַיֹּאמֶר אֲחֹתִי הִוא כִּי יָרֵא לֵאמֹר אִשְׁתִּי פֶּן-יַהַרְגֻנִי אַנְשֵׁי הַמָּקוֹם עַל-רִבְקָה כִּי-טוֹבַת מַרְאֶה הִיא׃

wajisch'alú ansché hammakóm le'ischtó wajomer achóti hi ki jaré lemór ischtí pen-jahargúni ansché hammakóm al-riwká ki-towát mar'é hi

7 Und die Leute, die Ortsansässigen, begannen wegen seiner Frau zu fragen: „Was ist das für eine Schöne bei dir?“ Und er sagte: „Das ist meine Schwester“, denn er fürchtete sich zu sagen: „Das ist meine Frau“, damit ihn die Bewohner dieses Ortes nicht wegen seiner Frau, wegen Riwka, töteten, denn sie ist sehr schön.

Wieder sehen wir dasselbe Problem in der Wahrnehmung derer, die nicht zur Familie Awrahams gehören, durch die Familie Awrahams. Wieder hat Jizchak ein großes Maß an Misstrauen gegenüber seiner Umgebung. Er glaubt nicht, dass man ihn wegen Riwka einfach nicht töten wird, er glaubt nicht, dass bei Awimelech irgendeine Gottesfurcht vorhanden ist.

וַיְהִי כִּי אָרְכוּ-לוֹ שָׁם הַיָּמִים וַיַּשְׁקֵף אֲבִימֶלֶךְ מֶלֶךְ פְּלִשְׁתִּים בְּעַד הַחַלּוֹן וַיַּרְא וְהִנֵּה יִצְחָק מְצַחֵק אֵת רִבְקָה אִשְׁתּוֹ׃

wajhí ki-arechu-ló scham hajamím wajaschkéf awimélech mélech pelischtím be'ád hachallón wajár wehinné jizchák mezachék et riwká ischtó

8 Und es geschah, als er lange genug dort gelebt hatte, da schaute Awimelech, der König der Plischtim, einmal aus dem Fenster und sah: Siehe, Jizchak bringt (wörtlich) Riwka, seine Frau, zum Lachen.

 Jizchak mezachék – man kann sagen, Jizchak „jizchakt“ seine Frau, Jizchak spielt mit seiner Frau. Offenbar sah der König von Gerar etwas, das nicht dem ähnelte, was zwischen Bruder und Schwester geschieht. Er sah irgendwelche Liebkosungen oder irgendwelche zärtlichen Berührungen, er sah etwas, das zu verstehen gab: Es geht nicht um Bruder und Schwester. Und natürlich erschrak er. Beachtet: Hier hat, anders als in den vorherigen Geschichten, niemand Riwka weggenommen, niemand hat sich an ihr vergriffen. Hier gibt es keinen Pharao, und auch der König zeigt seine Macht nicht.

וַיִּקְרָא אֲבִימֶלֶךְ לְיִצְחָק וַיֹּאמֶר אַךְ הִנֵּה אִשְׁתְּךָ הִוא וְאֵיךְ אָמַרְתָּ אֲחֹתִי הִוא וַיֹּאמֶר אֵלָיו יִצְחָק כִּי אָמַרְתִּי פֶּן-אָמוּת עָלֶיהָ׃

wajikrá awimélech lejizchák wajomer ach hinné ischtechá hi we'éch amárta achóti hi wajomer eláw jizchák ki amárti pen-amút aleha

9 Und Awimelech rief Jizchak und sagte: „Das ist doch deine Frau, wie hast du denn sagen können: ‚Sie ist mir – eine Schwester‘?“ Und Jizchak sagte: „Ich habe mir überlegt, mich bringen sie hier ihretwegen ja noch um.“

וַיֹּאמֶר אֲבִימֶלֶךְ מַה-זֹּאת עָשִׂיתָ לָּנוּ כִּמְעַט שָׁכַב אַחַד הָעָם אֶת-אִשְׁתֶּךָ וְהֵבֵאתָ עָלֵינוּ אָשָׁם׃

wajomer awimélech ma-sót assíta lánu kim'át schacháw achád ha'ám et-ischtécha wehewetá alénu aschám

10 Und Awimelech sagte: „Was hast du uns da angetan? Beinahe wäre es so gekommen, dass einer aus dem Volk bei deiner Frau gelegen hätte, und du hättest uns in Sünde gebracht.“

Gibt es bei Awimelech Gottesfurcht? Natürlich gibt es sie. Awimelech sagt: „Was hast du da angerichtet? Du hast mit deinen Verdächtigungen dazu geführt, dass jemand bei uns in Sünde hätte fallen können. Du hast dich um dein Leben gesorgt, aber was ist mit uns, was ist mit unserem Zustand?“ Und dann, unter Berücksichtigung der ganzen Feinheit von Jizchaks Empfindungen und der ganzen Schwierigkeit der entstandenen Lage, macht Awimelech Folgendes:

וַיְצַו אֲבִימֶלֶךְ אֶת-כָּל-הָעָם לֵאמֹר הַנֹּגֵעַ בָּאִישׁ הַזֶּה וּבְאִשְׁתּוֹ מוֹת יוּמָת׃

wajzáw awimélech et-kol-ha'ám lemór hannogéja ba'ísch hassé uw'ischtó mot jumát

11 Und Awimelech gebot dem ganzen Volk und sprach: „Jeder, der diesen Mann und seine Frau anrührt, wird des Todes sterben.“

Das heißt: Wenn ihr so ängstlich seid, wenn ihr euch so fürchtet, stelle ich ein besonderes Gesetz auf: „Und jeder, der diesen Mann und seine Frau anrührt, wird des Todes sterben.“ Jizchak bleibt im Land Awimelechs wohnen.

וַיִּזְרַע יִצְחָק בָּאָרֶץ הַהִוא וַיִּמְצָא בַּשָּׁנָה הַהִוא מֵאָה שְׁעָרִים וַיְבָרֲכֵהוּ יְהוָה׃

wajisrá jizchák ba'árez hahí wajimzá baschaná hahí me'á sche'arím wajwarechehu adonáj

12 Und Jizchak säte in jenem Land und fand in jenem Jahr hundert Maß, und der HERR segnete ihn.

Das heißt, alles, was Jizchak gesät hatte, bekam er in jenem Jahr hundertfältig zurück, er vermehrte es sozusagen um das Hundertfache. Und der HERR segnete ihn. Und das, obwohl wir im Grunde von Hungerjahren sprechen.

וַיִּגְדַּל הָאִישׁ וַיֵּלֶךְ הָלוֹךְ וְגָדֵל עַד כִּי-גָדַל מְאֹד׃

wajigdál ha'ísch wajélech halóch wegadél ad ki-gadál me'ód

13 Und der Mann wuchs heran, der Mann wurde groß, und er ging und ging und wurde größer, bis er überaus groß geworden war.

וַיְהִי-לוֹ מִקְנֵה-צֹאן וּמִקְנֵה בָקָר וַעֲבֻדָּה רַבָּה וַיְקַנְאוּ אֹתוֹ פְּלִשְׁתִּים׃

wajhi-ló mikne-zón umikné wakár wa'awuddá rabbá wajkan'ú otó pelischtím

14 Und er hatte einen Besitz an Kleinvieh, einen Besitz an Großvieh und eine Menge Knechte. Und die Plischtim begannen, ihn zu beneiden.

Sie begannen zu sagen: „Da kommt irgendein Mann auf unseren Boden, in unser Land. Wir haben ihm ja eigentlich Zuflucht gegeben. Und er sät ja eigentlich ganz still und leise vor sich hin. Vielleicht hat er nicht die besten Böden bekommen, aber bei ihm gelingt alles, er hat alles. Und was ist mit uns? Bei uns ‚fängt sich kein Krokodil, wächst keine Kokosnuss‘. Wir haben keinen solchen Segen wie Jizchak!“ Und das ruft Neid hervor, und Neid ist ein schreckliches Gefühl, das, wie die Weisen sagen, den Menschen aus dieser Welt vertreibt, ihn aus ihr aussiedelt.

וְכָל-הַבְּאֵרֹת אֲשֶׁר חָפְרוּ עַבְדֵי אָבִיו בִּימֵי אַבְרָהָם אָבִיו סִתְּמוּם פְּלִשְׁתִּים וַיְמַלְאוּם עָפָר׃

wechol-habbe'erót aschér chaferú awdé awíw bimé awrahám awíw sittemúm pelischtím wajmal'úm afár

15 Und alle Brunnen, die die Knechte Awrahams, seines Vaters, zur Zeit Awrahams, seines Vaters, gegraben hatten, sie alle schütteten die Plischtim zu, verschlossen sie und füllten sie mit Staub.

 Brunnen sind Orte der öffentlichen Nutzung. Ein Brunnen ist etwas Gutes, ein unersetzlicher Ort in der Wüste. Einerseits kann man hingehen und Wasser trinken. Aber es ist auch ein Ort, an dem die Besitzer öffentliche Veranstaltungen abhalten können: so eine Art Wohltätigkeitsbrunnen, man kann dort Broschüren verteilen, man kann dort noch irgendetwas in der Art machen. Und natürlich sind diese Brunnen, jeder einzelne der Brunnen, ein Sieg des Menschen über die Wüste. Wenn das ein Werk Awrahams ist, dann bewahrt es auch die Erinnerung an Awraham. Es gibt Kommentatoren, die das Geschehen auf der Ebene von rémes, durch eine Andeutung, verstehen und auslegen. Sie sagen, dass die Menschen, die seinerzeit bei Awraham im Zelt einkehrten, die Glieder der Gemeinde Awrahams waren, aufhörten, dorthin zu gehen, als die Brunnen zugeschüttet waren, als man sie mit Staub verschlossen hatte.

וַיֹּאמֶר אֲבִימֶלֶךְ אֶל-יִצְחָק לֵךְ מֵעִמָּנוּ כִּי-עָצַמְתָּ-מִמֶּנּוּ מְאֹד׃

wajomer awimélech el-jizchák lech me'immánu ki-azámta-mimménu me'ód

16 Und Awimelech sagte zu Jizchak: „Geh weg von uns, denn du bist viel stärker geworden als wir.“

Möglicherweise stellt Jizchak wirtschaftlich eine Gefahr dar, weil das ein sehr erfolgreiches Projekt ist, die Leute schauen hin. Nun, und außerdem, im Licht dessen, was wir gesagt haben, möglicherweise auch ideologisch. Warum gelingt bei Jizchak alles, bei Awimelech aber nicht in dem Maß?

וַיֵּלֶךְ מִשָּׁם יִצְחָק וַיִּחַן בְּנַחַל-גְּרָר וַיֵּשֶׁב שָׁם׃

wajélech mischám jizchák wajíchan benachal-gerár wajéschew scham

17 Und Jizchak ging von dort weg und schlug sein Lager an der Quelle Gerar auf und ließ sich dort nieder.

 Wajíchan – noch ein interessantes Wort zur Bezeichnung des Wohnortes: Jizchak ging noch ein klein wenig weiter nach Südosten und hielt dort an.

Vom Brunnen zum Tempel

Bereschit 26,18–33

Wir lesen noch einmal den Abschnitt, der davon erzählt, wie unser Stammvater Jizchak Brunnen grub und seine Nachbarn, die Plischtim (Plischtim), ihn daran hinderten.

וַיָּשָׁב יִצְחָק

wajáschow jizchák

18 Und Jizchak saß…

Das Wort saß (jescháw) bedeutet saß im wörtlichen Sinn, er saß, um etwas zu lernen, das heißt, er setzte sich bequem hin und führte ein sesshaftes Leben. Es gibt das Wort lagúr – vorübergehend irgendwo wohnen, und es gibt das Wort laschéwet – irgendwo für lange Zeit wohnen. Jizchak ließ sich also in einer bestimmten Gegend nieder.

וַיַּחְפֹּר אֶת-בְּאֵרֹת הַמַּיִם אֲשֶׁר חָפְרוּ בִּימֵי אַבְרָהָם אָבִיו וַיְסַתְּמוּם פְּלִשְׁתִּים אַחֲרֵי מוֹת אַבְרָהָם וַיִּקְרָא לָהֶן שֵׁמוֹת כַּשֵּׁמֹת אֲשֶׁר-קָרָא לָהֶן אָבִיו׃

wajachpór et-be'erót hammájim aschér chaferú bimé awrahám awíw wajsattemúm pelischtím acharé mot awrahám wajikrá lahén schemót kaschemót ascher-kará lahén awíw

…und er grub die Brunnen des Wassers wieder auf, die zur Zeit seines Vaters Awraham gegraben worden waren, und es verstopften sie, schütteten sie zu die Plischtim, die Plischtim nach dem Tod Awrahams; und er benannte sie mit Namen (sie, das sind die Brunnen) wie die Namen, mit denen sein Vater Awraham sie benannt hatte.

Vieles ist auf Anhieb unverständlich. Ein so bekannter Kommentator der Tora wie Nachmanides stellt sich sofort die Frage: Wozu erzählt uns die Tora das alles? Das Graben von Brunnen ist überhaupt die Arbeit eines Erdarbeiters, keine so ruhmwürdige Arbeit. Viele Menschen verdienen damit ihr Geld; ein schweres, würdiges, geachtetes Handwerk. Aber wozu davon erzählen wie von irgendeinem großen Ereignis? Aus allen Ereignissen über Hunderte von Jahren wählt die Tora das Wichtigste aus, und natürlich stellt sich die Frage: Was ist denn hier das Wichtige?

Noch eine Frage, die sich stellt: Woher kommen hier die Plischtim? Die Plischtim tauchten im Land Israel viel später auf, zur Zeit der Richter, schon nach der ägyptischen Gefangenschaft, man kann sagen, einige Jahrhunderte später. Jene Plischtim bauten sich Städte am Meer, sie sprachen keine semitische Sprache, und sie hatten Sganim (militärische Anführer), sie hatten kein einheitliches monarchisches System. Hier sehen wir, dass die Plischtim einen König haben, dass sie Hirten sind und dass sie, nach den Namen zu urteilen, eine semitische Sprache sprechen.

Und was sagen nicht alles die Kommentatoren, die Forscher! Es gibt Leute, die kritisch an die Tora herangehen, und für sie ist sofort klar, dass die Juden das alles erfunden haben und dass derjenige, der das geschrieben hat, die Geschichte nicht kannte. Aber man kann sagen, dass die Plischtim überhaupt Ankömmlinge sind, Eroberer, „Durchsickerer“, wenn man das Wort leflósch, wörtlich übersetzt, und dass es viele Völker gab, die so genannt wurden. So seltsam es ist, auch unsere heutigen Nachbarn, die Palästinenser, haben sich einen solchen Namen gewählt, obwohl sie selbstverständlich weder mit den Plischtim zur Zeit Awrahams noch mit den Plischtim zur Zeit Davids etwas zu tun haben. Das ist ganz zufällig zu einem ständigen Namen geworden, zu einem weitergereichten roten Wanderbanner für die Feinde Israels im Land Israel.

Wir erinnern uns, dass schon Awraham mit Awimelech Streit wegen der Brunnen hatte. Awraham brachte damals sieben Lämmer und sagte, das sei ein Zeichen dafür, dass er den Brunnen Awimelechs nicht angerührt habe, und darauf versöhnten sie sich. So entstand Be'er-Schewa. Der Streit um das Wasser, um die Brunnen als Quellen des Lebens, wird zwischen den Juden und den Plischtim weitergereicht. Und eine der Eigenschaften der Iwrim im Land ist es, Brunnen zu öffnen. Jizchak gräbt die Brunnen wieder aus, die der Vater gegraben und die die Plischtim zugeschüttet hatten. Und, wie wir gesagt haben, Nachmanides und viele andere Kommentatoren verstehen nicht, wozu man das tut. Und wenn die Kommentatoren etwas nicht verstehen, übertragen sie die unmittelbaren Ereignisse auf irgendeine gleichnishafte Weise. Wir werden jetzt dem Gedanken des Nachmanides folgen und danach trotzdem versuchen herauszufinden, worin denn der einfache Sinn des Geschehens liegt, wozu Jizchak das alles tut.

וַיַּחְפְּרוּ עַבְדֵי-יִצְחָק בַּנָּחַל וַיִּמְצְאוּ-שָׁם בְּאֵר מַיִם חַיִּים׃

wajachperú awde-jizchák bannáchal wajimze'u-schám be'ér májim chajím

19 Und die Knechte Jizchaks gruben an der Mündung des Baches (bannáchal – Mündung der Quelle) und fanden dort eine Quelle, einen Brunnen lebendigen Wassers.

Das ist schon nicht mehr die Wiederherstellung der Brunnen, die Awraham gemacht hatte, das sind schon neue Brunnen. Jizchak setzt das Werk Awrahams fort, er gräbt weiter Brunnen. Aber so einfach war es nicht.

וַיָּרִיבוּ רֹעֵי גְרָר עִם-רֹעֵי יִצְחָק לֵאמֹר לָנוּ הַמָּיִם וַיִּקְרָא שֵׁם-הַבְּאֵר עֵשֶׂק כִּי הִתְעַשְּׂקוּ עִמּוֹ׃

wajaríwu ro'é gerár im-ro'é jizchák lemór lánu hammájim wajikrá schem-habbe'ér éssek ki hit'assekú immó

20 Und die Hirten von Gerar kamen und fingen an, mit den Hirten Jizchaks zu streiten, und sagten: „Das ist unser Wasser!“ Und Jizchak nannte diesen Brunnen Óschek (was Kränkung oder Bedrängung bedeutet), weil man ihn kränkte, weil man ungerecht mit ihm umging.

Zum Beispiel, wenn ein Mensch die Notlage eines anderen ausnutzt, ihn zur Arbeit anstellt und ihm wenig Geld zahlt, ihm nicht die ganze Summe auszahlt oder noch etwas anderes, dann nennt man das óschek. Danach zu urteilen, dass Jizchak diesem Brunnen einen Namen gab, hat er den Brunnen doch behauptet. Also, der erste Brunnen, von dem die Rede ist, heißt Óschek.

וַיַּחְפְּרוּ בְּאֵר אַחֶרֶת וַיָּרִיבוּ גַּם-עָלֶיהָ וַיִּקְרָא שְׁמָהּ שִׂטְנָה׃

wajachperú be'ér achéret wajaríwu gam-aléha wajikrá schemá sitná

21 Und sie gruben einen anderen Brunnen, und sie stritten auch über ihn, und er nannte diesen Brunnen mit dem Wort Sitná. (Sitná – von derselben Wurzel wie satán – Feindschaft).

וַיַּעְתֵּק מִשָּׁם וַיַּחְפֹּר בְּאֵר אַחֶרֶת וְלֹא רָבוּ עָלֶיהָ וַיִּקְרָא שְׁמָהּ רְחֹבוֹת וַיֹּאמֶר כִּי-עַתָּה הִרְחִיב יְהוָה לָנוּ וּפָרִינוּ בָאָרֶץ׃

waja'ték mischám wajachpór be'ér achéret weló rawú aléha wajikrá schemá rechowót wajomer ki-attá hirchíw adonáj lánu ufarínu wa'árez

22 Und er kopierte sich von dort, zog an einen anderen Ort, und grub einen anderen Brunnen, und über sie, über diesen Brunnen, stritten sie nicht (ich sage „über sie“, weil Brunnen im Hebräischen weiblich ist); und er nannte ihren Namen Rechowót – Breite, Weite, und sagte: „Heute hat uns der HERR ‚weit gemacht‘, und wir haben uns vermehrt auf der Erde.“

Und kopierte sich – vom Wort umziehen, verbunden mit der Wurzel ótek (Kopieren, Exemplar). Der Name der Stadt Rechowot in Israel existiert bis heute. Beachtet: rechowót – hirchíw von ein und derselben Wurzel.

וַיַּעַל מִשָּׁם בְּאֵר שָׁבַע׃

wajá'al mischám be'ér scháwa

23 Und er zog von dort hinauf nach Be'er-Schawa.

Also, wir kehren zum Gedanken des Nachmanides (oder Rambans) zurück, der sagt: „Offenbar gibt es in dieser Sache keinen einfachen Sinn; und da es keine so große Beschäftigung ist, Brunnen zu graben, liegt hier irgendein Geheimnis.“ Was für ein Geheimnis liegt hier? Und Ramban sagt: „Da das Wasser lebendig ist und der Brunnen überhaupt mit der Tora verbunden ist (dafür lassen sich in der Schrift leicht Beispiele anführen), kann man die drei Brunnen mit den drei Tempeln vergleichen.“

Der erste Tempel – Óschek (Kränkung) – wurde wegen innerer Zwistigkeiten zerstört, als die Menschen das Land teilten, den Besitz teilten; Ungerechtigkeit bei der Aufteilung des Landes. Der Fall des Tempels begann damit, dass Israel sich spaltete, und erst danach entstand der Götzendienst und alles andere, aber alles begann mit Besitzstreitigkeiten in Israel.

Der zweite Tempel wurde wegen grundlosen Hasses zerstört. Einfach Kränkung, einfach Bosheit in reiner Form, oder Sitná.

Und der Dritte Tempel, der kommen wird, er wird endlich Weite sein. Erinnert ihr euch an das Gebet Secharjas, als Jochanan der Eintauchende (der Täufer) geboren wurde? Secharja sagte: „Jetzt wird man uns gewähren, ohne Furcht dem Höchsten zu dienen, jetzt werden wir Weite bekommen.“ Die messianische Erwartung ist verbunden mit der Erwartung von Weite im Dienst, von Freiheit im Dienst für den Höchsten, Freiheit sowohl von der Bedrängung durch die Völker als auch von der Sünde und von allem. Und genau hier das Wort Rechowót. Ramban führt das in Bezug auf den Dritten Tempel an. Er sagt: „Diese drei Brunnen symbolisieren die drei Tempel.“

Andere Kommentatoren sagen, dass die drei Brunnen mit den drei Festen des Monats Tischrej verbunden sind. Der erste, zweite Tag von Rosch haSchana, wenn es Anklagen gibt, und wenn es Zurechtweisung gibt, und wenn es eine Prüfung der Besitzhandlungen des Menschen gibt, und wenn oben gegen den Menschen ein Gericht eröffnet wird – das sind die ersten zwei Brunnen. Der dritte Brunnen (Rechowot) ist Jom Kippur, wenn der Mensch kommt und es gegen ihn schon keine Anklage mehr gibt, das Gericht hört die anklagende Seite schon nicht mehr an. Als Nächstes kommt der Brunnen Be'er-Schewa, der Brunnen lebendigen Wassers (wir werden noch über ihn sprechen), er symbolisiert Sukkot, über das gesagt ist: „Schöpft Wasser in Heiligkeit.“

Solche mystischen Kommentare also. Und obwohl mystische Kommentare überhaupt eine gute Sache sind, muss man auch den einfachen Sinn der Tora verstehen, den einfachen Sinn des Geschriebenen, und wir werden ihn unbedingt auseinandernehmen.

Nach einem Video, das erzähle ich übrigens, erschien so ein Kommentar: „Wie schämt ihr euch nicht zu erzählen, dass all diese Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben. Wir haben das 21. Jahrhundert, es wäre Zeit, die Wissenschaft Kabbala zu studieren.“ Nun, die Wissenschaft Kabbala wurde, wie wir wissen, im 21. Jahrhundert erfunden, und die Kabbala selbst haben wir gelernt, aber wir werden uns nicht mit ihr beschäftigen. Und tatsächlich ist es unsere Aufgabe, darüber zu sprechen, dass die Tora einen einfachen, gewöhnlichen Sinn hat. Diesen einfachen Sinn versuchen wir auseinanderzunehmen, um von dort aus weiter zu neuen Tiefen des Verständnisses voranzugehen.

Also, solche mystischen, übernatürlichen Deutungen gibt es, aber wir werden ein klein wenig fortfahren und versuchen, darüber zu sprechen, wozu Jizchak das alles überhaupt tut.

וַיֵּרָא אֵלָיו יְהוָה בַּלַּיְלָה הַהוּא וַיֹּאמֶר אָנֹכִי אֱלֹהֵי אַבְרָהָם אָבִיךָ אַל-תִּירָא כִּי-אִתְּךָ אָנֹכִי וּבֵרַכְתִּיךָ וְהִרְבֵּיתִי אֶת-זַרְעֲךָ בַּעֲבוּר אַבְרָהָם עַבְדִּי׃

wajerá eláw adonáj ballájla hahú wajomer anochí elohé awrahám awícha al-tirá ki-ittechá anóchi uwerachtícha wehirbetí et-sar'achá

ba'awúr awrahám awdí

24 Und der HERR offenbarte sich ihm in jener Nacht und sprach: „Ich bin der Gott Awrahams, deines Vaters; fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir, und ich werde dich segnen und deinen Samen mehren um Awrahams, meines Knechtes, willen.“

וַיִּבֶן שָׁם מִזְבֵּחַ וַיִּקְרָא בְּשֵׁם יְהוָה וַיֶּט-שָׁם אָהֳלוֹ וַיִּכְרוּ-שָׁם עַבְדֵי-יִצְחָק בְּאֵר׃

wajíwen schám misbéach wajikrá beschém adonáj wajet-schám aholó wajichru-schám awde-jizchák be'ér

25 Und Jizchak baute dort einen Altar und rief den Namen des HERRN an, und schlug dort sein Zelt auf, und dort gruben die Arbeiter Jizchaks, die Knechte Jizchaks, ebenfalls einen Brunnen.

Nachdem Jizchak drei Brunnen gegraben hat, erscheint ihm der HERR in Be'er-Schawa und sagt: „Ich bin mit dir, ich werde dich segnen um Awrahams willen.“ Jizchak setzt das Werk Awrahams fort.

Man kann die mittelalterlichen Kommentatoren verstehen, die schrieben, was sie schrieben. Ich lebe in der Stadt Be'er-Schewa, von der hier die Rede ist, die vor vielen Jahrhunderten aufgehört hatte zu existieren. Als die Juden zur Zeit der türkischen Herrschaft zurückkehrten, wurde um das Jahr 1917 die Stadt Be'er-Schewa wiederhergestellt, neu aufgebaut. Und man nannte sie mit dem Namen Be'er-Schewa. Genauso wurden die Städte Tel Aviv, Bnei Brak, Rechawot, die Siedlung Ischtamoa, Susija, das galiläische Bet Lechem und so weiter wiederhergestellt. Die Juden kehrten ins Land zurück, und sie gaben den Städten, die sie an der Stelle der alten Städte bauten, die Namen der alten Städte. Wir sind keine neuen Menschen in diesem Land, wir setzen fort. Ein Pionier zu sein ist sehr schwer, aber der Pionier hat Feuer, Enthusiasmus, er ist voller Kraft, er brennt. Ein Zweitpionier zu sein ist viel schwieriger. Es ist viel einfacher, Brunnen zu graben, als zugeschüttete Brunnen wieder auszugraben.

Jizchak ist dafür berühmt, dass er der erste Fortsetzer des Werkes ist, er ist der erste Sohn gläubiger Eltern, die zweite Generation von Gläubigen, die zweite Generation von Revolutionären. Der „Sohar“, ebenfalls ein mystisches Buch, sagt, dass von dem Moment an, als die Plischtim die Brunnen zuschütteten, von dem Moment an alle Proselyten, die meisten Proselyten, die Awraham bekehrt hatte, aufhörten zu glauben. Das ist natürlich Mystik, aber man kann sich Awraham als einen sehr tatkräftigen Menschen vorstellen: Er grub Brunnen. Und, in moderner Sprache gesagt, bei den Brunnen verteilte man Flyer, Broschüren; der Brunnen ist ein Zentrum, wohin der Mensch kommt, Wasser will doch jeder; jeder wollte trinken, das Vieh tränken – und hier finden direkt nebenan für dich Tora-Unterrichte statt, Vorträge zum Wochenabschnitt, hier verteilt man dir auch Broschüren, und, wenn nötig, macht man sogar die Beschneidung. Ein sehr guter Ort für den Dienst – der Brunnen, ein Punkt, zu dem alle kommen. Und man kann durchaus annehmen, dass Awraham als Mann der Tat die Brunnen für den Dienst nutzte, für die gemeinnützige Arbeit. Wir haben in diesem Abschnitt schon gesagt, dass man zum Brunnen hinausging, der Brunnen war so ein Ort der Begegnung des Menschen mit der geistlichen Natur. Am Brunnen finden in der Tora überhaupt sehr viele Begegnungen statt. Der Brunnen ist ein sehr bedeutsamer und zeichenhafter Ort. Indem er die Brunnen ausgräbt, übernimmt Jizchak, der Zweitpionier, den Staffelstab Awrahams sogar dort, wo er misslungen ist, und gibt diesen selben Brunnen die alten Namen, stellt im Grunde das Werk Awrahams wieder her. Und deshalb wendet sich der Höchste an ihn, kommt und segnet Jizchak, erneuert, verkündet noch einmal den Segen für Jizchak um Awrahams, des Knechtes, willen; das heißt, Jizchak ist dadurch gesegnet, dass er das Werk Awrahams fortsetzt. Es ist leicht, neue Projekte zu beginnen, für neue Ideen zu brennen. Viel schwerer ist es, zu leben und den Dienst in irgendeinem alltäglichen Leben zu zeigen. Wir selbst müssen oft in uns Brunnen ausgraben, indem wir täglich zum Gebet aufstehen, uns täglich mit den Kindern beschäftigen, irgendeine tägliche Routinearbeit tun, indem wir Zweitpioniere, Drittpioniere, Viertpioniere sind... Das ist manchmal schwieriger, als Pioniere zu sein, wirklich eine schwierige Aufgabe.

Und von dem Moment an, als Jizchak mit den Brunnen fortfährt, gibt es eine Wende im Verhältnis zu den Philistern.

וַאֲבִימֶלֶךְ הָלַךְ אֵלָיו מִגְּרָר וַאֲחֻזַּת מֵרֵעֵהוּ וּפִיכֹל שַׂר-צְבָאוֹ׃

wa'awimélech halách eláw miggerár wa'achussát mere'éhu ufichól sar-zewaó

26 Aus Gerar kam Awimélech zu ihm; Awimélech, der philistäische König, kam zu ihm aus der Hauptstadt; und Achusát, sein Wirtschaftsverwalter, der Landwirtschaftsminister, und ein Mann namens Fichól, und er ist der Heerführer Awiméléchs.

Das Wort fichól, wenn man es als semitische Wurzel liest, bedeutet pi – um ein Vielfaches, multipliziert mit und kol – multipliziert mit allem. Wenn man sagt: pischtájim – zweifach, dann ist pichól – allfach; das heißt, pichól kann man übersetzen als so ein krasser als alle, so ein Name eines Menschen.    

Und so kamen diese drei Genossen – der König, der Landwirtschaftsminister und der Verteidigungsminister – mit einer Delegation zu Jizchak, der gerade erst aus Gerar vertrieben worden war. Eine scharfe Veränderung des Status, die eigentlich weswegen geschah? Wegen beharrlicher, konsequenter Arbeit.

וַיֹּאמֶר אֲלֵהֶם יִצְחָק מַדּוּעַ בָּאתֶם אֵלָי וְאַתֶּם שְׂנֵאתֶם אֹתִי וַתְּשַׁלְּחוּנִי מֵאִתְּכֶם׃

wajomer aléhem jizchák maddúa batém eláj we'attém senetém otí watteschallechúni me'ittechém

27 Und Jizchak sagte zu ihnen: „Wozu seid ihr zu mir gekommen? Ihr habt mich doch gehasst, und ihr habt mich doch von euch weggejagt.“

וַיֹּאמְרוּ רָאוֹ רָאִינוּ כִּי-הָיָה יְהוָה עִמָּךְ וַנֹּאמֶר תְּהִי נָא אָלָה בֵּינוֹתֵינוּ בֵּינֵינוּ וּבֵינֶךָ וְנִכְרְתָה בְרִית עִמָּךְ׃

wajomerú raó ra'ínu ki-hajá adonáj immách wannómer tehí na alá benoténu benénu uwenécha wenichretá werít immách

28 Und sie sagten zu ihm: „Sehend haben wir gesehen (es gibt so eine Verdopplung – ‚mut tamút‘ – des Todes sollst du sterben, ‚schamó schamáti‘ – hörend habe ich gehört, ‚raó ra'ínu‘ – sehend haben wir gesehen), das heißt, wir haben mit voller Gewissheit gesehen, dass der HERR mit dir war.“ Und sie sagten zu ihm: „Lass uns mit dir einen Bund schließen.

אִם-תַּעֲשֵׂה עִמָּנוּ רָעָה כַּאֲשֶׁר לֹא נְגַעֲנוּךָ וְכַאֲשֶׁר עָשִׂינוּ עִמְּךָ רַק-טוֹב וַנְּשַׁלֵּחֲךָ בְּשָׁלוֹם אַתָּה עַתָּה בְּרוּךְ יְהוָה׃

im-ta'assé immánu ra'á ka'aschér lo nega'anúcha wecha'aschér assínu immechá rak-tów wanneschallechachá beschalóm attá attá berúch adonáj

29 Wenn du uns Böses tust, da wir dich nicht angerührt haben und da wir dir nur Gutes getan haben. und du bist nun gesegnet vom HERRN.“

Wenn ein Bund geschlossen wird, sagt man gewöhnlich: Das und das wird dir geschehen, wenn du uns etwas Böses tust. Aber manchmal wird das nicht genannt, damit man versteht, dass es ganz, ganz schlimm sein wird, wir wollen nicht einmal sagen, was: So und so wird dir geschehen, wenn du uns Böses tust, da wir dich nicht angerührt haben.

Es kommt also eine öffentliche Delegation, und sie sagt zu Jizchak Folgendes: „Wir sind, sagen wir so, zu hitzig gewesen, als wir dich vertrieben haben. Lass uns zwischen uns einen Bund schließen: Wir lassen dich gewissermaßen in Frieden ziehen und tun dir nichts Böses, und du rührst uns auch nicht an, führst keinen Krieg mit uns und verhältst dich friedlich.“ Offenbar fürchteten die Plischtim irgendwelche Handlungen vonseiten Jizchaks. Aber höchstwahrscheinlich ist das kein Bund der Sicherheit. Sie wollen Freundschaft haben, ein Bündnis mit Jizchak haben. Beachtet: Im Wort brít (Bündnis) sind, wie im Wort brachá (Segen), die ersten zwei Buchstaben Bet-Resch. Bet-Resch – das ist die Wurzel, die die Verbindung mit etwas bedeutet. Die Plischtim sagen gewissermaßen: „Durch dieses Bündnis mit einem Menschen, der von Gott gesegnet ist, schließen wir uns dem an, der von Gott gesegnet ist, indem wir mit ihm einen Friedensvertrag schließen, und dadurch werden wir einen Anteil an den Segnungen haben. Und siehe, du bist von Gott gesegnet.“

וַיַּעַשׂ לָהֶם מִשְׁתֶּה וַיֹּאכְלוּ וַיִּשְׁתּוּ׃

wajá'as lahém mischté wajochelú wajischtú

30 Und Jizchak machte ihnen ein Festmahl, und sie aßen, und sie tranken.

וַיַּשְׁכִּימוּ בַבֹּקֶר וַיִּשָּׁבְעוּ אִישׁ לְאָחִיו וַיְשַׁלְּחֵם יִצְחָק וַיֵּלְכוּ מֵאִתּוֹ בְּשָׁלוֹם׃

wajaschkímu wabbóker wajischawe'ú isch le'achíw wajschallechém jizchák wajelechú me'ittó beschalóm

31 Und sie erwachten am Morgen, und sie schworen einander, Bruder dem Bruder, und Jizchak schickte sie fort, und er geleitete sie (nicht mehr sie haben ihn vertrieben. Wir haben gesagt, dass das Wort lischlóach sowohl vertreiben als auch wegschicken als auch geleiten bedeutet. Hier hat Jizchak sie im positiven Sinn geleitet), und sie gingen von ihm in Frieden.

Die Beharrlichkeit, die Konsequenz Jizchaks hat die Plischtim gebrochen: Zu Jizchak kamen gleich drei Menschen, eine mächtige politische Delegation, und überredeten ihn, einen Friedensvertrag zu schließen, Frieden aus einer Position der Stärke. Wie interessant sich die Geschichte wiederholt: Auch heute haben wir Krieg mit denen, die sich „Palästinenser“ nennen, unter anderem auch einen Krieg um Wasser.

Und danach, nachdem Jizchak den Bund mit den Plischtim geschlossen hatte (und das ist noch ein Aspekt), begann das Volk Israel, potenziell in Jizchak, der Welt lebendiges Wasser zu geben, zu öffnen. Er schloss einen Bund, nach dem auch die ganze Welt, in der Person der Philister, des ersten fremdstämmigen Volkes, die Möglichkeit hat, sich anzuschließen, sich zu verbinden, sich zu diesem Wasser niederzubeugen. Und das ist das Ergebnis der Arbeit Jizchaks und des Segens des Höchsten.

וַיְהִי בַּיּוֹם הַהוּא וַיָּבֹאוּ עַבְדֵי יִצְחָק וַיַּגִּדוּ לוֹ עַל-אֹדוֹת הַבְּאֵר אֲשֶׁר חָפָרוּ וַיֹּאמְרוּ לוֹ מָצָאנוּ מָיִם׃

wajhí bajóm hahú wajawó'u awdé jizchák wajaggídu lo al-odót habbe'ér aschér chafáru wajomerú lo mazánu májim

32 Und an demselben Tag kamen die Knechte Jizchaks, und sie erzählten ihm von dem Brunnen, den sie gegraben hatten, und sagten zu ihm: „wir haben Wasser gefunden“.

וַיִּקְרָא אֹתָהּ שִׁבְעָה עַל-כֵּן שֵׁם-הָעִיר בְּאֵר שֶׁבַע עַד הַיּוֹם הַזֶּה׃

wajikrá otá schiw'á al-kén schem-ha'ír be'ér schéwa ad hajóm hasé

33 Und er nannte diesen Brunnen Schewa, deshalb ist der Name dieser Stadt Be'er-Schewa bis auf diesen Tag.

Hier kann ein aufmerksamer Leser fragen: „Wartet, wartet, hieß diese Stadt denn nicht schon früher, schon in der Zeit Awrahams, Be'er-Schewa?“ Nicht ganz richtig – sie hieß Be'er-Schawa, von der Sieben. Obwohl die Sieben auf Hebräisch auch schéwa heißt, ändern sich in Wortverbindungen die Vokalzeichen ein wenig; und dort war es der Brunnen der Sieben, hier aber ist es im vollen Sinn der Brunnen des Schwurs, obwohl es auch dort mit einem Schwur verbunden war. So eine kleine sprachliche Knacknuss ist das.

Wovon handelt dieses Gleichnis? Wenn man nicht in die Mystik geht – von beständiger, beharrlicher Arbeit, von der Übergabe des Staffelstabs, davon, dass man nicht nur Pionier sein muss, man muss eine zweite, dritte, vierte Generation derer haben, die dienen werden; von denen, die gekommen sind, um das Land Israel wiederaufzubauen (es ist sogar erstaunlich zu denken, die wievielte Generation sie waren). In der Tora wird erzählt, dass, als der Höchste hinausführte – nachdem Mirjam gestorben war –, das Volk zum Brunnen hinausführte, dorthin, wo Aharon und Mosche auf den Felsen schlugen, dort ein erstaunliches Wort gesagt ist: „Brunnen, von Fürsten gegraben, die Edlen des Volkes haben ihn mit ihren Stäben ausgehoben.“ Das ist der Text der Tora. Midrasch Raba stellt die Frage: „Wie haben sie denn mit Stäben gegraben?“ Und der Midrasch sagt: „Das ist um des Verdienstes Awrahams willen, wie im Psalm geschrieben steht: ‚Er spaltete den Felsen, und Wasser floss, strömte wie ein Fluss durch die Wüste, denn Er gedachte seines heiligen Bundes mit Awraham, seinem Knecht.‘“

Eine der Seiten des Bundes: Wir graben – Gott gibt Wasser. Wir graben in der Wüste, dort, wo es scheinbar kein Wasser gibt – der Höchste gibt Wasser. Wenn du unter jenen Völkern erscheinst, in jenen Gegenden, wo es keine Tora gibt, wo man Gott scheinbar nicht kennt, wenn du ein Schüler Awrahams bist, dann grab, und es wird Wasser geben.

Es gibt noch eine erstaunliche Stelle über die Verbindung der Brunnen mit der Tora, der Brunnen mit dem Dienst. Das ist das Buch des Propheten Jirmejahu (2,13): „Denn zweifach Böses hat dein Volk getan. Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen und sich zerbrochene Zisternen gehauen, die kein Wasser halten können.“ Außer dass man einen Brunnen machen und Wasser unter der Erde suchen kann, Wasser, das unter der Erde hervor aufsteigt, kann man eine Grube machen und dort Regenwasser sammeln. Es wird natürlich durch die Erde weggehen, in die Erde einsickern, es wird zerfallen. Eine Grube ist auch eine Art, Wasser zu sammeln, aber eine sehr schlechte Art. Und der Höchste sagt: „Mich haben sie vergessen, sie haben aufgehört, die Brunnen lebendigen Wassers zu benutzen.“ Nicht nur für die Völker der Welt, nicht nur für andere muss man ständig graben, sondern auch in sich selbst muss man ständig einen Brunnen graben, damit es lebendiges Wasser gibt.

Der Stammvater undercover

Bereschit 26,34–27,18

Uns erwartet die Erzählung davon, wie Jizchak seine Söhne segnen wollte. Oft geschieht es, dass eine Geschichte ihren Sinn ändert, je nachdem, mit welchem Vers, an welcher Stelle man beginnt, sie zu lesen. Wenn wir ganz am Anfang des 27. Kapitels zu lesen beginnen, damit, dass Jizchak alt wurde, verwandelt sich unsere Geschichte in eine Beschreibung dessen, wie die Frau und der jüngere Sohn eines alten Mannes ihn und seinen älteren Sohn betrogen, und das alles wird eine Geschichte über Betrug sein.

Wenn wir aber zwei Verse früher zu lesen beginnen, mit der Erzählung von der Heirat Esaws, dann sehen wir eine Geschichte, die mit der Heirat Esaws beginnt und mit der Heirat Esaws endet. So ergibt sich eine symmetrische Erzählung, in der es einen Segen gibt, einen Versuch des Betrugs gibt, aber es geht überhaupt nicht darum.

Verschiedene Kommentatoren kommentieren diese Stelle unterschiedlich, je nachdem, was sie ihren Lesern, ihren Schülern sagen wollen. Wir beginnen nicht klassisch: Wir beginnen mit dem Ende des 26. Kapitels, mit Vers 34, mit der Erzählung von der Heirat Esaws. Warum passt das? Wir sehen wiederum das Wort wajhí (und es war) als Anfang irgendeiner Geschichte. Mit diesem Wort kann, wie mit den Worten es war einmal, durchaus eine Geschichte beginnen. Also,

וַיְהִי עֵשָׂו בֶּן-אַרְבָּעִים שָׁנָה וַיִּקַּח אִשָּׁה אֶת-יְהוּדִית בַּת-בְּאֵרִי הַחִתִּי וְאֶת-בָּשְׂמַת בַּת-אֵילֹן הַחִתִּי׃

wajhí essáw ben-arba'ím schaná wajikkách ischá et-jehudít

bat-be'erí hachittí we'et-basemát bat-elón hachittí

34 Und Esaw war vierzig Jahre alt (das ist das klassische Heiratsalter im Haus Awrahams), und er nahm zur Frau Jehudít, die Tochter Berís, des Hethiters, und Basmát, die Tochter Elons, des Hethiters.

Das heißt, mit vierzig Jahren beschloss Esaw, nach den Traditionen seiner Vorfahren zu heiraten, und nahm sich zwei Frauen, beide Hethiterinnen, beide von den Einheimischen. Das ist nicht ganz nach der Tradition, und die Schrift sagt weiter:

וַתִּהְיֶיןָ מֹרַת רוּחַ לְיִצְחָק וּלְרִבְקָה׃

wattihjéna mórat rúach lejizchak ulriwká

35 Und es war bitter für den Geist Jizchaks und Riwkas deswegen.

Sie waren mórat rúach – Bitterkeit des Geistes oder Bedrückung des Geistes. Das Wort mórat kann vom Wort mor – Bitterkeit, oder vom Wort morá – Furcht herkommen. Hier herrscht Einmütigkeit im wörtlichen Sinn zwischen Jizchak und Riwka, ihnen beiden gefallen die hethitischen Frauen Esaws nicht.

וַיְהִי כִּי-זָקֵן יִצְחָק וַתִּכְהֶיןָ עֵינָיו מֵרְאֹת

wajhí ki-sakén jizchák wattichhéna enáw mere'ót

1 Und es war, als Jizchak alt wurde und seine Augen sich verdunkelten, um zu sehen…

Das Wort kehe bedeutet dunkel werden oder trüb werden. In der antiken Welt glaubte man, dass die Augen dadurch sehen, dass sie einen Strahl in Richtung des Objekts aussenden und den zurückgeworfenen Strahl auffangen, das heißt, die Augen sehen dadurch, dass sie selbst leuchten. Das Hebräische hat sich durch die Vorstellungen des Volkes geformt, und deshalb sind dunkle, verdunkelte Augen „halb erblindete“ Augen.

וַיִּקְרָא אֶת-עֵשָׂו בְּנוֹ הַגָּדֹל וַיֹּאמֶר אֵלָיו בְּנִי וַיֹּאמֶר אֵלָיו הִנֵּנִי׃

wajikrá et-essáw benó haggadól wajomer eláw bení wajomer

eláw hinnéni

…und er rief seinen Sohn Esaw, seinen älteren Sohn, und sagte zu ihm: „Söhnchen!“ und er sagte zu ihm: „hier bin ich!“

Hier beginnt eine Parallele, die sich unterschwellig entwickeln wird, eine Parallele zur Geschichte der Opferung Jizchaks. Wir werden das gleich sehen.

וַיֹּאמֶר הִנֵּה-נָא זָקַנְתִּי לֹא יָדַעְתִּי יוֹם מוֹתִי׃

wajomer hinne-ná sakánti lo jadá'ti jom motí

2 Und er sagte: „Siehe doch, ich bin alt geworden, und ich weiß nicht, wann ich sterbe.

וְעַתָּה שָׂא-נָא כֵלֶיךָ תֶּלְיְךָ וְקַשְׁתֶּךָ וְצֵא הַשָּׂדֶה וְצוּדָה לִּי צֵידָה (צָיִד)׃

we'attá sa-ná chelécha teljechá wekaschtécha wezé hassadé wezúda li zájid

3 Und nun nimm deine Geräte, deinen Köcher und deine Pfeile (oder, man kann sagen, deine Speere und Pfeile) deine, und geh hinaus aufs Feld und erjage mir Wild.

Das Wort sa bedeutet bring herbei, erhebe; teljechá – Geräte, das Wort kli – jedes Gerät, nicht unbedingt eine WaffeDas russische Wort am Satzende kann sowohl „Werkzeug“ als auch „Waffe“ bedeuten. Da es um Jagdgerät geht, ist es hier mit „Waffe“ wiedergegeben..

וַעֲשֵׂה-לִי מַטְעַמִּים כַּאֲשֶׁר אָהַבְתִּי וְהָבִיאָה לִּי וְאֹכֵלָה בַּעֲבוּר תְּבָרֶכְךָ נַפְשִׁי בְּטֶרֶם אָמוּת׃

wa'asse-lí mat'ammím ka'aschér aháwti wehawí'a li we'ochéla ba'awúr tewarechechá nafschí betérem amút

4 Und mach mir Delikatessen, Leckereien (das Wort mat'ammím ist von derselben Wurzel wie das Wort ta'ám – Geschmack), und mach mir Leckereien, die ich liebe, und bring sie mir, und ich werde sie essen, damit meine Seele dich segne, bevor ich sterbe.“

Dieser Dialog (in der Tora eine sehr häufige Geschichte) spielt sich in wechselnden Szenen mit je zwei Personen ab: Zwei Beteiligte sprechen miteinander, andere erfahren davon, es gibt eine Kette von Verbindungen zwischen diesen Szenen. Es gibt zwei Beteiligte und den Leser, der das eben beobachtet. Hier haben wir die erste Szene – Esaw und sein Vater, aber es gibt noch eine dritte, unsichtbare Person.

וְרִבְקָה שֹׁמַעַת בְּדַבֵּר יִצְחָק אֶל-עֵשָׂו בְּנוֹ וַיֵּלֶךְ עֵשָׂו הַשָּׂדֶה לָצוּד צַיִד לְהָבִיא׃

weriwká schomá'at bedabbér jizchák el-essáw benó wajélech essáw hassadé lazúd zájid lehawí

5 Und Riwka hört, was Jizchak zu Esaw, seinem Sohn, sagt. und Esaw ging aufs Feld, um Beute zu bringen.

Beachtet, das ist doch eigentlich auch ihr Sohn, und man hätte sagen können – bna, ihrem Sohn oder bnam, ihrer beider Sohn; aber die Tora sagt, dass Jizchak sich an Esaw, seinen Sohn, wendet, und spricht damit von der engen Beziehung, die zwischen Esaw und Jizchak besteht. Esaw weiß, welches Fleischchen der Papa mag, welche Gewürze man hineintun muss, und wir werden hier noch einige Male sehen, wie fein Esaw und Jizchak miteinander verbunden sind.

וְרִבְקָה אָמְרָה אֶל-יַעֲקֹב בְּנָהּ לֵאמֹר הִנֵּה שָׁמַעְתִּי אֶת-אָבִיךָ מְדַבֵּר אֶל-עֵשָׂו אָחִיךָ לֵאמֹר׃

weriwká amerá el-jaaków bená lemór hinné schamá'ti et-awícha medabbér el-essáw achícha lemór

6 Und Riwka sagte zu ihrem Sohn, Jaakow, sagend: „Siehe, ich hörte deinen Vater mit Esaw, deinem Bruder, reden, sagend:

Und Riwka erzählt Jaakow nach, was Jizchak zu Esaw gesagt hat. Und, beachtet, sie erzählt es nicht sehr genau nach.

הָבִיאָה לִּי צַיִד וַעֲשֵׂה-לִי מַטְעַמִּים וְאֹכֵלָה וַאֲבָרֶכְכָה לִפְנֵי יְהוָה לִפְנֵי מוֹתִי׃

hawí'a li zajíd wa'asse-lí mat'ammím we'ochéla wa'awarechechá lifné adonáj lifné motí

7 „Bring mir Beute, und mach mir Leckereien, und ich werde essen, und ich werde dich vor dem HERRN segnen, bevor ich sterbe.“

Wenn wir anschauen, was Jizchak gesagt hat, dann sehen wir, dass er sagte: „Erjage mir Beute“; hier – „bring“. Bring kann bedeuten – „wenn du keine bekommst, bring etwas aus der Herde“. „Mach mir Leckereien“ – Riwka fügt dem nicht hinzu „wie ich es mag“, denn woher soll Jaakow wissen, wie er es mag. Sie will ihn überzeugen, dass die Aufgabe einfach ist. „Und ich werde essen“ – hier hat Jizchak gesagt: „Fang und bring, und ich werde essen“; aber Riwka kann, da sie schon bring gesagt hat, nicht ein zweites Mal bring wiederholen. Wenn man sich etwas ausdenkt, wenn man etwas umdreht, muss man das stimmig machen oder, wissenschaftlich gesprochen, kohärent. Riwka macht das stimmig, und deshalb sagt sie nicht ein zweites Mal bring; das ist die dritte Änderung der Worte Jizchaks. „Und ich werde dich vor dem HERRN segnen“ – den HERRN hat Jizchak eben nicht erwähnt, aber so ist es erstens überzeugender für Jaakow, zweitens überzeugender für Riwka selbst, dass sie richtig handelt, dass das vor dem HERRN sein wird.

Vier Änderungen in wenigen Worten. Beachtet, wie Riwka es versteht, Worte so weiterzugeben, dass sie ihr Ziel erreicht. Und weiter sagt Riwka:

וְעַתָּה בְנִי שְׁמַע בְּקֹלִי לַאֲשֶׁר אֲנִי מְצַוָּה אֹתָךְ׃

we'attá wení schemá bekolí la'aschér aní mezawwá otách

8 „Nun aber, Söhnchen, höre auf meine Stimme, mit der ich dir gebiete.

Die letzten zwei Wörter mezawwá otách (gebiete dir) bringen Jaakow in die Lage, dass die Mutter ihm geboten hat, und es geht schon um die Ehrung der Eltern, da ist es nicht so einfach abzulehnen.

לֶךְ-נָא אֶל-הַצֹּאן וְקַח-לִי מִשָּׁם שְׁנֵי גְּדָיֵי עִזִּים טֹבִים וְאֶעֱשֶׂה אֹתָם מַטְעַמִּים לְאָבִיךָ כַּאֲשֶׁר אָהֵב׃

lech-ná el-hazzón wekach-lí mischám schené gedajé issím towím we'e'essé

otám mat'ammím le'awícha ka'aschér ahéw

9 Geh zur Herde (zur Herde, oder auf den Markt, wo man Vieh verkauft), und nimm mir von dort zwei Junge der Ziegen, zwei gute Zicklein; ich werde aus ihnen Leckereien für deinen Vater machen, wie er es mag.

Achten wir auf den Ausdruck gedajé issím, wobei das Wort gedajé in Bezug auf ein Zicklein in der Milch der Mutter kochen verwendet wird. Woher kommt die Auslegung, dass ein Zicklein jedes beliebige Junge sein kann? Daraus, dass hier „Junge der Ziege“ gesagt ist, nimmt man an, dass es auch andere Junge sein können, sonst hätte sie einfach gesagt: schtéj gdajím (zwei Zicklein). Zicklein einer Ziege gibt es nicht, man kann nicht sagen zwei Zicklein einer Ziege. So verstehen es jedenfalls die Kommentatoren.

Wie er es mag – das ist der Teil der Arbeit, den Riwka auf sich nimmt. Jaakow hat sie nicht gesagt, dass er es so machen soll, wie er es mag, wir erinnern uns, dass sie die Worte verändert hat.

Es stellt sich die Frage: Sind zwei Zicklein für den betagten Großvater Jizchak nicht zu viel? Manche Kommentatoren sagen: „Es war Pessach, und das eine Zicklein ist ein Vorbild, ein Vorbild des Pessachopfers.“ Es gibt verschiedene Meinungen dazu, aber man kann sagen, dass Zicklein, wenn es Junge der Ziege waren, am schmackhaftesten waren, sie sind ziemlich klein und wurden vielleicht nicht nur für Jizchak selbst zubereitet, deshalb tauchen hier zwei Zicklein auf. Und weiter fährt Riwka fort zu sagen, was zu tun ist:

וְהֵבֵאתָ לְאָבִיךָ וְאָכָל בַּעֲבֻר אֲשֶׁר יְבָרֶכְךָ לִפְנֵי מוֹתוֹ׃

wehewetá le'awícha we'achál ba'awúr aschér jewarechechá lifné motó

10 Und du wirst sie dem Vater bringen, und er wird essen, damit er dich vor dem Tod segnet.“

וַיֹּאמֶר יַעֲקֹב אֶל-רִבְקָה אִמּוֹ

wajomer jaaków el-riwká immó

11 Und Jaakow sagte zu Riwka, seiner Mutter…

Was wird Jaakow jetzt sagen? „Gott bewahre! Wozu den Papa betrügen? Lass uns nicht so handeln.“ Nein, das sagt er nicht. Er sagt zu ihr Folgendes:

הֵן עֵשָׂו אָחִי אִישׁ שָׂעִר וְאָנֹכִי אִישׁ חָלָק׃

hen essáw achí isch sa'ír we'anochí isch chalák

…siehe, mein Bruder, Esaw, ist ein behaarter Mensch, ich aber bin ein glatter Mensch.

Warum sagt er das so? Man kann die Mama ja nicht beschuldigen und sagen: „Mama, du bist eine Betrügerin.“ Es gibt auch noch die Achtung vor der Mutter, und hier, kann man sagen, versucht Jaakow, zwischen den Regentropfen hindurchzulaufen. Er will die Mama nicht kränken, ihm gefällt dieses ganze Vorhaben offenbar nicht sehr. Riwka, wie wir sehen, gebietet ihm, und er versucht zu widersprechen.

אוּלַי יְמֻשֵּׁנִי אָבִי וְהָיִיתִי בְעֵינָיו כִּמְתַעְתֵּעַ וְהֵבֵאתִי עָלַי קְלָלָה וְלֹא בְרָכָה׃

uláj jemuschéni awí wehajíti we'enáw kimta'téja wehewetí aláj kelalá weló werachá

12 Vielleicht wird mich der Vater betasten, und ich werde in seinen Augen ein Betrüger sein, und ich werde Fluch über mich bringen und nicht Segen.“

Das Wort lita'atéa bedeutet zum Narren halten, verhexen, vielleicht eine Fata Morgana erzeugen; ta'atúa – das ist Fata Morgana im modernen Hebräisch.

Das heißt, wenn der Vater erfährt, dass ich ein Betrüger bin, wird er mich verfluchen und nicht segnen.

וַתֹּאמֶר לוֹ אִמּוֹ עָלַי קִלְלָתְךָ בְּנִי אַךְ שְׁמַע בְּקֹלִי וְלֵךְ קַח-לִי׃

wattómer lo immó aláj kilelatechá bení ach schemá bekolí weléch

kach-lí

13. Und seine Mutter sagte zu ihm: „Dein Fluch sei auf mir; du aber hör, und geh, und nimm mir, geh und nimm mir Ziegen.“

Dein Fluch sei auf mir kann zwei Dinge bedeuten. Das Erste – wenn du verflucht wirst, dann werde ich diesen Fluch tragen. Das Zweite – ich werde mich um die Frage des Fluches kümmern. Das Erste – man kann sagen: „Ich habe nur den Befehl der Mama ausgeführt, und deshalb gewissermaßen die Mutter, die du mir gegeben hast, sie hat es mir gesagt, und ich habe es getan“ (der Fall mit Adam). Nun, und die zweite Variante – Riwka wird sagen: „Ich bin an allem schuld, ich nehme die Flüche auf mich, ich werde den Fluch meines Sohnes tragen.“ Wir werden sehen, dass es noch weitere Varianten gibt.

וַיֵּלֶךְ וַיִּקַּח וַיָּבֵא לְאִמּוֹ

wajélech wajikkách wajawé le'immó

14 Und er ging, und nahm, und brachte seiner Mutter…

Oft werden solche aufeinanderfolgenden Ausdrücke verwendet, wenn ein Mensch etwas entschlossen tut, ohne es sehr zu wollen, und es tut, ohne nachzudenken. Sehr oft begegnet so etwas in den Erinnerungen von Soldaten, die in eine schwere Lage geraten. Da gibt es bei ihm kein ich dachte, sondern – ich stand auf, rannte los, ich ging in die Hocke, ich fiel, ich verbarg mich… Nachdenken gibt es hier nicht, es gibt eine gewisse Automatik des Körpers, der handelt. Das ist sowohl im guten Sinn als auch im nicht so guten Sinn. Hier ging Jaakow, nahm, brachte, das heißt, er tat ohne besonderen Wunsch, was nötig war, und brachte es seiner Mutter.

וַתַּעַשׂ אִמּוֹ מַטְעַמִּים כַּאֲשֶׁר אָהֵב אָבִיו׃

wattá'as immó mat'ammím ka'aschér ahéw awíw

…und seine Mutter machte Leckereien, wie sein Vater es mag.

וַתִּקַּח רִבְקָה אֶת-בִּגְדֵי עֵשָׂו בְּנָהּ הַגָּדֹל הַחֲמֻדֹת אֲשֶׁר אִתָּהּ בַּבָּיִת וַתַּלְבֵּשׁ אֶת-יַעֲקֹב בְּנָהּ הַקָּטָן׃

wattikkách riwká et-bigdé essáw bená haggadól hachamudót aschér ittá babbájit wattalbésch et-jaaków bená hakkatán

15 Und Riwka nahm die Kleider Esaws, ihres älteren Sohnes, die festlichen, in denen er zu Hause ging, und zog sie Jaakow, ihrem jüngeren Sohn, an.

Lesen wir es noch einmal: „Und Riwka nahm die Kleider, die Festkleider ihres älteren Sohnes, in denen er zu Hause ging, und zog sie dem jüngeren Sohn an.“ Daraus schließen wir, und die Weisen schließen es, dass Esaw eine besondere, festliche Kleidung hatte, in der er zu Hause ging. Viele Menschen haben ein Jackett, einen Frack zum Ausgehen; Esaw hatte einen Frack zum Hineingehen. Deshalb sagt man, Esaw habe angeblich seine Eltern sehr geliebt und geehrt. Viele Kommentatoren sagen, dass man von Esaw die Ehrfurcht vor den Eltern lernen kann; andere sagen, dass Esaw ein Heuchler ist. Darauf werden wir nicht eingehen, wir gehen vielmehr auf Folgendes ein: Riwka kleidet Jaakow an wie einen Kleinen.

וְאֵת עֹרֹת גְּדָיֵי הָעִזִּים הִלְבִּישָׁה עַל-יָדָיו וְעַל חֶלְקַת צַוָּארָיו׃

we'ét orót gedáje ha'issím hilbíscha al-jadáw we'ál chelkát zawwaráw

16 Und die Häutchen der Geißlein zog sie ihm über die Hände und über die Teile seines Halses.

Und sie klebte ihm auch Stückchen Ziegenhaut mit dem Fell an.

וַתִּתֵּן אֶת-הַמַּטְעַמִּים וְאֶת-הַלֶּחֶם אֲשֶׁר עָשָׂתָה בְּיַד יַעֲקֹב בְּנָהּ׃

wattítten et-hammat'ammím we'et-hallechem aschér assáta bejád jaaków bená

17 Und sie gab ihm die Leckereien und das Brot, das sie gebacken hatte, und übergab es in die Hände Jaakows, ihres Sohnes.

Sie zog ihn an, beklebte ihn mit Fell und überreichte ihm, drückte ihm ein Tablett in die Hand, und auf dem Tablett – Leckereien, die sie für Jizchak gemacht hatte, und Brot. Woher kommt hier das Brot? Es ist klar, dass Jizchak, der lange mit Riwka gelebt hat, Riwkas Brot jedenfalls ganz sicher erkannte. Die Bedeutung des Brotes liegt darin, dass, wenn Jizchak das Brot sieht, falls die ganze Sache aufgeklärt wird, ihm klar sein wird, dass Riwka hier mit drinsteckt, und möglicherweise wird der Fluch an Jaakow vorbeigehen und Riwka treffen, weil man sehen wird, dass sie an dieser Sache beteiligt ist. Oder vielleicht beherrscht sich Jizchak und verflucht niemanden.

Es gibt noch eine Parallele dazu, dass seinerzeit Esaw, als er hungrig kam (das war in demselben Wochenabschnitt), Jaakow um Linsensuppe bat und Jaakow ihm als Bonus Brot gab. In der Familie gibt es so eine Tradition – Brot zu dem dazuzugeben, was serviert wird. So kann es mehrere Erklärungen geben, warum hier das Brot auftaucht.

וַיָּבֹא אֶל-אָבִיו וַיֹּאמֶר אָבִי וַיֹּאמֶר הִנֶּנִּי מִי אַתָּה בְּנִי׃

wajawó el-awíw wajomer awí wajomer hinnéni mi attá bení

18 Und er kam zu seinem Vater und sagte: „Mein Vater!“ Und er sagte: „Hier bin ich; und wer bist du, Söhnchen?“

Das ist übrigens das einzige Mal im ganzen Gespräch, dass Jaakow Jizchak awí (mein Vater) nennt, im Unterschied zu Esaw, der später viele Male gerade awí sagen wird. Sei es, weil Jaakow mit Jizchak keine so gute Beziehung hat, sei es, weil er sich, verkleidet, geniert und schämt, in einer fremden Gestalt Jizchak Vater zu nennen.

So endet die Geschichte von der Vorbereitung Jaakows und seiner Einschleusung ins Haus, ins Zelt Jizchaks, in der Gestalt Esaws, die ganze Geschichte mit den Verkleidungen. Weiter folgt die Geschichte mit den Segnungen und ihrem Fehlen, sie ist nicht weniger interessant.

Drei Segnungen

Bereschit 27,18–28,9

Wir werden die Geschichte lesen, wie Jaakow und Esaw zu ihrem Vater Jizchak hineingingen, um den Segen zu holen. Also, Riwka rüstete Jaakow aus, zog ihm die Festkleider Esaws an, klebte ihm Ziegenfellchen an, damit er sich beim Betasten behaart anfühlte, und gab ihm ein Tablett mit allerlei Leckereien und mit Brot für Jizchak. Und in diesem Aufzug trifft der 18. Vers des 27. Kapitels Jaakow an.

וַיָּבֹא אֶל-אָבִיו וַיֹּאמֶר אָבִי וַיֹּאמֶר הִנֶּנִּי מִי אַתָּה בְּנִי׃

wajawó el-awíw wajomer awí wajomer hinnénni mi attá bení

18 Und er kam zu seinem Vater und sagte: „Papa!“ Und Jizchak antwortete ihm: „Hier bin ich; wer bist du, Söhnchen?“

Warum fragt er? Wen hat er erwartet? Oder eher, wen hat er nicht erwartet? Esaw war auf Beute ausgegangen und hätte nach Jizchaks Berechnungen offenbar noch nicht zurückkehren sollen. Deshalb auch so eine Frage – wer bist du, Söhnchen?

Es gibt eigentlich viele Auslegungen, aber wir lesen den Pschat und versuchen, gerade den einfachen Sinn zu verstehen; und mystische Auslegungen, die gibt es, und ich will mit ihnen keineswegs streiten, nur ist unsere Aufgabe die Untersuchung des einfachen Sinns.

וַיֹּאמֶר יַעֲקֹב אֶל-אָבִיו אָנֹכִי עֵשָׂו בְּכֹרֶךָ עָשִׂיתִי כַּאֲשֶׁר דִּבַּרְתָּ אֵלָי קוּם-נָא שְׁבָה וְאָכְלָה מִצֵּידִי בַּעֲבוּר תְּבָרֲכַנִּי נַפְשֶׁךָ׃

wajomer ja'aków el-awíw anochí essáw bechorécha assíti ka'aschér dibbárta eláj kum-ná schewá we'ochlá mizzedí ba'awúr tewarechánni nafschécha

19 Und Jaakow sagte zu seinem Vater: „Ich bin dein Sohn, der Erstgeborene, Esaw; ich habe getan, wie du mir gesagt hast; steh doch auf (oder nimm doch), setz dich und iss von meinem Erjagten, von meiner Beute, damit deine Seele mich segne.“

Vielen Kommentatoren gefällt das natürlich nicht. Es gibt Midraschim, die archetypisch genannt werden. Jaakow ist einerseits nach dem Pschat (nach dem einfachen Sinn) einfach Jaakow, der Sohn Jizchaks, einfach ein Mensch. In der archetypischen Welt, in der Welt, in der alles eine symbolische Bedeutung hat, ist Jaakow Israel; und es ist das ganze jüdische Volk, das den Segen gestohlen hat. Deshalb muss man in Streitgesprächen mit Opponenten Midraschim und Auslegungen anführen, die Jaakow rechtfertigen. So sind in der christlichen Welt Midraschim entstanden, die sagen, dass Jaakow hier nicht gelogen hat. Auf die Frage wer bist du? antwortete er: „Ich. Esaw, dein Erstgeborener.“ Das heißt, er sagte zwei getrennte Sätze. Nun, selbstverständlich ist das Drasch, und nach dem einfachen Sinn betrügt Jaakow seinen Vater banal und grob und sagt – anochí essáw bechorécha (ich bin Esaw, dein Erstgeborener).

Ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Wenn ihr euch erinnert, weiß Jizchak nicht, dass jemand anderes sein Gespräch mit Esaw gehört hat, und deshalb ist schon die Tatsache selbst, dass der Junge, der vor ihm steht, davon weiß, – gleichsam bereits ein guter Beweis dafür, dass er Esaw ist; dazu kommt, er hat getan, was man ihm gesagt hat.

וַיֹּאמֶר יִצְחָק אֶל-בְּנוֹ מַה-זֶּה מִהַרְתָּ לִמְצֹא בְּנִי וַיֹּאמֶר כִּי הִקְרָה יְהוָה אֱלֹהֶיךָ לְפָנָי׃

wajomer jizchák el-benó ma-sé mihárta limzó bení wajomer ki hikrá adonáj elohécha lefanáj

20 Und Jizchak fragt den Sohn: „Wie hast du denn, was ist das für eine Schnelligkeit, mit der du gefunden hast, mein Sohn, wie konntest du so schnell Beute finden“? Und er antwortete ihm: „Denn der HERR, dein Gott, hat es mir erlaubt, hat es mir ‚zufallen lassen‘, hat mir eine Gelegenheit gefügt.“

Und wir können hier sehen, was für eine Parallele es zwischen diesem und der Geschichte von der Opferung Jizchaks gibt. Der Höchste wendet sich an Awraham und sagt: „Steh auf, nimm deinen Sohn, geh und bring ihn mir als Opfer dar.“ Einen im Aufbau der Rede ähnlichen Befehl gibt Jizchak Esaw: „Steh auf, nimm deinen Bogen, nimm deinen Köcher und bring mir Beute.“ Und es gibt die Frage – was ist das für eine Beute, woher kam die Beute, woher wird die Beute kommen? Und die Antwort: Der HERR hat die Beute ersehen. Für den Leser der Tora ist das eine gute, klare Parallele: Jizchak befindet sich in derselben Situation, man lässt ihn wieder im Unwissen, indem man die Allwissenheit des Höchsten benutzt. Das ist symbolisch.

וַיֹּאמֶר יִצְחָק אֶל-יַעֲקֹב גְּשָׁה-נָּא וַאֲמֻשְׁךָ בְּנִי הַאַתָּה זֶה בְּנִי עֵשָׂו אִם-לֹא׃

wajomer jizchák el-ja'aków gescha-ná wa'amuschechá bení ha'attá se bení essáw im-ló

21 Und Jizchak sagte zu Jaakow: „Komm doch näher, und ich will dich betasten, Söhnchen, ob du es bist, mein Sohn Esaw, oder nicht.“

Eine ganze Reihe von Kommentatoren sagt: „Weil Jaakow Adonáj Elohécha sagte, witterte Jizchak Unheil.“ Esaw ist in den Augen dieser Kommentatoren ein ungläubiger Mensch, und so leicht erwähnt er den Namen Gottes nicht. Jaakow hat sich, indem er Adonáj Elohécha sagte, indem er der HERR, dein Gott sagte, verraten. Aber wir wissen von denselben Kommentatoren, dass Esaw herumging und Jizchak weise Fragen stellte, und wie kann es sein, dass, wie auch immer der Sohn sein mag, der im Haus Jizchaks aufwächst, er den Namen Gottes nicht erwähnen würde?

Warum hat Jizchak also gezweifelt? Wenn man wiederum gerade den einfachen Sinn betrachtet, werden wir weiter sehen: Esaw fügt jedes Mal, wenn er sich an den Vater wendet, awí hinzu. Er beendet jeden Satz mit dem Wort Papa, Vater, bei ihm wird nach jedem Wort der Vater erwähnt. Jaakow spricht nicht so höflich, und vielleicht ist es gerade das, was bei Jizchak Zweifel hervorruft.

וַיִּגַּשׁ יַעֲקֹב אֶל-יִצְחָק אָבִיו וַיְמֻשֵּׁהוּ וַיֹּאמֶר הַקֹּל קוֹל יַעֲקֹב וְהַיָּדַיִם יְדֵי עֵשָׂו׃

wajiggásch ja'aków el-jizchák awíw wajmuschéhu wajomer hakkól kol ja'aków wehajadájim jedé essáw

22 Und Jaakow trat zu Jizchak, seinem Vater, heran, und er betastete ihn und sagte: „Die Stimme – die Stimme Jaakows, aber die Hände – die Hände Esaws.“

Diese Redewendung wird übrigens heute im Hebräischen verwendet. Wenn jemand eine Sache mit fremden Händen erledigt, können wir sagen: „Die Hände Lewans, die Stimme Erans“ oder etwas noch Spezielleres.

Jizchak hört das eine, beim Betasten nimmt er das andere wahr. Was entscheidet er? Er folgt dem, was er beim Betasten wahrgenommen hat.

וְלֹא הִכִּירוֹ כִּי-הָיוּ יָדָיו כִּידֵי עֵשָׂו אָחִיו שְׂעִרֹת וַיְבָרְכֵהוּ׃

weló hikkiró ki-hajú jadáw kidé essáw achíw se'irót wajwarechéhu

23 Und er erkannte ihn nicht, er erkannte Jaakow nicht, denn seine Hände waren wie die Hände Esaws, seines Bruders, behaart – und er segnete ihn.

Er hat noch nicht gesegnet, aber schon beschlossen zu segnen, das heißt, er hat verstanden, dass er ihn jetzt segnen wird. Und er fragte noch einmal nach:

וַיֹּאמֶר אַתָּה זֶה בְּנִי עֵשָׂו וַיֹּאמֶר אָנִי׃

wajomer attá se bení essáw wajomer áni

24 Und er sagte: „Bist du wirklich mein Sohn Esaw?“ Und er sagte, bestätigte: „Ja, ich.“

Hier sucht Jizchak schon eine Bestätigung für das, wovon er sich selbst überzeugt hat.

וַיֹּאמֶר הַגִּשָׁה לִּי וְאֹכְלָה מִצֵּיד בְּנִי לְמַעַן תְּבָרֶכְךָ נַפְשִׁי וַיַּגֶּשׁ-לוֹ וַיֹּאכַל וַיָּבֵא לוֹ יַיִן וַיֵּשְׁתְּ׃

wajomer haggíscha li we'ochelá mizzéd bení lemá'an tewarechechá nafschí wajaggesch-ló wajochál wajáwe lo jájin wajéscht

25 Und er sagte: „Reich mir her, und ich will essen vom Erjagten, Söhnchen, damit meine Seele dich segne.“ und er reichte es ihm, und er aß, und er brachte ihm Wein, und er trank.

Beachtet: Wie wir beim vorigen Fall, beim Verkauf der Erstgeburt, gesagt haben, gab es möglicherweise Wein. Hier sehen wir genau, dass es bei der Segnung Jaakows Brot und Wein gibt, obwohl Jizchak denkt, dass er Esaw segnet.

וַיֹּאמֶר אֵלָיו יִצְחָק אָבִיו גְּשָׁה-נָּא וּשְׁקָה-לִּי בְּנִי׃

wajomer eláw jizchák awíw gescha-ná uschaka-li bení

26 Und Jizchak, sein Vater, sagte zu ihm: „Komm zu mir her und küss mich, Söhnchen.“

וַיִּגַּשׁ וַיִּשַּׁק-לוֹ וַיָּרַח אֶת-רֵיחַ בְּגָדָיו וַיְבָרֲכֵהוּ וַיֹּאמֶר רְאֵה רֵיחַ בְּנִי כְּרֵיחַ שָׂדֶה אֲשֶׁר בֵּרֲכוֹ יְהוָה׃

wajiggásch wajischak-ló wajárach et-réjach begadáw wajwarechéhu wajomer re'e réjach bení keréjach sadé aschér berechó adonáj

27 Und er trat heran und küsste ihn, und Jizchak roch, schnupperte den Geruch seiner Kleider, und er segnete ihn. Und er sagte: „Seht doch, schau nur, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der HERR gesegnet hat (oder weil der HERR es gesegnet hat).

Das Feld… Wir erinnern uns, dass Jizchak, als er Riwka begegnet, aufs Feld hinausgeht. Das Feld ist der Ort des Gebets Jizchaks, der Ort seiner Meditation, der Ort seiner Überlegungen, der Begegnung mit dem Höchsten. Der Geruch Esaws ist wie der Geruch des Feldes, der Geruch von Jizchaks jungen Jahren, seine Jugend, sein Umgang mit dem Höchsten, die Begegnung mit Riwka… Romantik, und nicht nur das. Und Jizchak segnet ihn und sagt:

וְיִתֶּן-לְךָ הָאֱלֹהִים מִטַּל הַשָּׁמַיִם וּמִשְׁמַנֵּי הָאָרֶץ וְרֹב דָּגָן וְתִירֹשׁ׃

wejitten-lécha ha'elohím mittál haschamájim umischmanné ha'árez werów dagán wetirósch

28 Und Gott wird dir geben vom Tau des Himmels und von den Fetten der Erde, von den fruchtbarsten Böden, viel Getreide und Trauben;

Das ist ein Segen darauf, dass das Land, das Land Israel Frucht tragen wird (ha'árez – das ist das Land Israel), Frucht tragen wird für Esaw, aber im Grunde erhält diesen Segen Jaakow.

יַעַבְדוּךָ עַמִּים וְיִשְׁתַּחֲוֻ (וְיִשְׁתַּחֲווּ) לְךָ לְאֻמִּים הֱוֵה גְבִיר לְאַחֶיךָ וְיִשְׁתַּחֲוּוּ לְךָ בְּנֵי אִמֶּךָ אֹרְרֶיךָ אָרוּר וּמְבָרֲכֶיךָ בָּרוּךְ׃

ja'awduchá ammím wejischtachawú lécha le'ummím hewé gewír le'achécha wejischtachawú lechá bené immécha orerécha arúr umwarechécha barúch

29 Völker werden dir dienen, und Nationen werden sich vor dir verneigen (gemeint ist die Regierungsmacht im Land), und du wirst Herr sein über deinen Bruder, und die Söhne deiner Mutter werden sich vor dir verneigen; wer dich verflucht – verflucht, und wer dich segnet – gesegnet.“

Die benachbarten Stämme werden Esaw dienen, das meint Jizchak, aber es ergibt sich – Jaakow. Interessant ist, dass die Wendung ja'awduchá ammím als scherzhafte Form von danke verwendet wird, wenn man einem Menschen dankt, sagt man zu ihm (für ein gereichtes Glas Tee kann man sagen): ja'awduchá ammím. Wir erinnern einfach an den Segen, der empfangen wurde.

So einen Segen, so eine Bracha gab Jizchak. Er dachte, dass er ihn Esaw gibt, aber er gab ihn Jaakow.

Und das ist nicht der Segen Awrahams, wie Riwka es vielleicht erwartet hat, als sie sagte: „Er wird segnen vor dem HERRN.“ Der Kern des Segens – Jizchak wollte die Familie segnen, den Erstgeborenen zur Leitung der Familie. Genauso wird Jaakow vor seinem Tod Jehuda segnen und ebenfalls sagen: „Deine Brüder werden sich vor dir verneigen.“ Die Brüder werden sich verneigen bedeutet du wirst die Brüder anführen, aber das stellt ihn nicht über alle Brüder.

Das heißt, Jizchak gibt Jaakow erstens den Segen des Landes, zweitens die politische Führung, die Außenpolitik – das sind ammím (Völker) und le'ummím (Nationen), und die Führung der Chamula (Familie) – das ist die Vorherrschaft in der Familie, die Innenpolitik. So ein Segen. Und der Segen darüber, dass orerécha arúr – wer mit dir Krieg führt, verflucht sein wird, und umwarechécha barúch – wer segnet, wer sich dir anschließt, gesegnet sein wird. Die, die im Bündnis, im Frieden mit dir sein werden, werden gesegnet sein; die, die mit dir Krieg führen werden, werden verflucht sein. So ein Segen ist das.

Es gibt sehr viele mystische und tiefe Kommentare dazu. Wiederum streite ich nicht mit ihnen und unterschätze sie in keiner Weise. Wir untersuchen hier einfach den Pschat (oder den einfachen Sinn des Geschriebenen).

וַיְהִי כַּאֲשֶׁר כִּלָּה יִצְחָק לְבָרֵךְ אֶת-יַעֲקֹב וַיְהִי אַךְ יָצֹא יָצָא יַעֲקֹב מֵאֵת פְּנֵי יִצְחָק אָבִיו וְעֵשָׂו אָחִיו בָּא מִצֵּידוֹ׃

wajhí ka'aschér killá jizchák lewaréch et-ja'aków wajhí ach jazó jazá ja'aków me'ét pené jizchák awíw we'essáw achíw ba mizzedó

30 Und es geschah, als Jizchak geendet hatte, Jaakow zu segnen; und es geschah, kaum war Jaakow hinausgegangen, das heißt, kaum hatte Jaakow es geschafft, von Jizchak, seinem Vater, hinauszugehen, da kommt auch schon Esaw.

Nun, woran erinnert das? Es erinnert an die Geburt, als Esaw als Erster herauskam. Jetzt ändert sich die Situation, und als Erster ist Jaakow herausgekommen. Jaakow ist Esaw zuvorgekommen. Es gibt noch eine Parallele, eine ältere: zwei Brüder, Kajin und Hewel. Kajin ist Jäger, Hewel ist Ackerbauer; Hewel erhält den Segen, im Grunde wird sein Opfer angenommen, Kajin erhält ihn nicht. Das führte damals zum Brudermord, und hier, nun, was soll man sagen, hier ist eine sehr ähnliche Situation.

יַּעַשׂ גַּם-הוּא מַטְעַמִּים וַיָּבֵא לְאָבִיו וַיֹּאמֶר לְאָבִיו יָקֻם אָבִי וְיֹאכַל מִצֵּיד בְּנוֹ בַּעֲבוּר תְּבָרֲכַנִּי נַפְשֶׁךָ׃

wajá'as gam-hú mat'ammím wajawé le'awíw wajomer le'awíw jakúm awí wejochál mizzéd benó ba'awúr tewarechánni nafschécha

31 Und auch er bereitete Leckereien zu, und brachte sie dem Vater, und sagte zum Vater: „Mein Vater wird aufstehen (seht ihr, er verwendet oft das Wort Vater), und wird essen von der Jagdbeute seines Sohnes, damit deine Seele mich segne.“

וַיֹּאמֶר לוֹ יִצְחָק אָבִיו מִי-אָתָּה וַיֹּאמֶר אֲנִי בִּנְךָ בְכֹרְךָ עֵשָׂו׃

wajomer lo jizchák awíw mi-átta wajomer aní binchá wechorechá essáw

32 Und sein Vater Jizchak sagte zu ihm: „Wer bist du“? Und er sagte: „Ich bin dein Sohn, dein Erstgeborener, Esaw.“

Beachtet: dein Sohn, dein Erstgeborener, zweimal wendet er sich an den Vater. Esaw erinnert ständig daran, dass Jizchak sein Papa ist, er redet ganz anders mit dem Vater.

וַיֶּחֱרַד יִצְחָק חֲרָדָה גְּדֹלָה עַד-מְאֹד וַיֹּאמֶר מִי-אֵפוֹא הוּא הַצָּד-צַיִד וַיָּבֵא לִי וָאֹכַל מִכֹּל בְּטֶרֶם תָּבוֹא וָאֲבָרֲכֵהוּ גַּם-בָּרוּךְ יִהְיֶה׃

wajecherád jizchák charadá gedolá ad-me'ód wajomer mi-efó hu hazzad-zájid wajáwe li wa'ochál mikkól betérem tawó wa'awarechéhu gam-barúch jihjé

33 Und Jizchak erschrak mit großem Schrecken (was geht denn da in seiner Familie vor?!), und sagte: „Und wer ist dann jenes Jägerlein? Und er hat mir gebracht, und ich habe schon alles gegessen, bevor ich ihn gesegnet habe; auch er wird gesegnet sein.“

Allmählich begreift Jizchak, dass hier ein großes Unglück für ihn geschehen ist, dass jemand gekommen ist. Na, wer ist gekommen? Jaakow ist gekommen, das ist doch schon klar. Aber es war doch gesagt: „Wer dich segnet, ist gesegnet, und wer dich verflucht, wird verflucht sein.“ Und er kann das nicht mehr ändern. Man kann die Bracha nicht zurückholen, nicht zurückspulen, und deshalb sagt er: „Und auch er wird gesegnet sein.“ Schon als er erfahren hatte, dass das Jaakow war, sagt Jizchak trotzdem: „Und auch er wird gesegnet sein.“

כִּשְׁמֹעַ עֵשָׂו אֶת-דִּבְרֵי אָבִיו וַיִּצְעַק צְעָקָה גְּדֹלָה וּמָרָה עַד-מְאֹד וַיֹּאמֶר לְאָבִיו בָּרֲכֵנִי גַם-אָנִי אָבִי׃

kischmóa essáw et-diwré awíw wajiz'ák ze'aká gedolá umará ad-me'ód wajomer le'awíw barechéni gam-áni awí

34 Und als Esaw die Worte seines Vaters hörte, schrie er auf mit einem großen und bitteren Schrei, sehr heftig; und er sagte zu seinem Vater: „Und mich, segne auch mich, Papa!“

וַיֹּאמֶר בָּא אָחִיךָ בְּמִרְמָה וַיִּקַּח בִּרְכָתֶךָ׃

wajomer ba achícha bemirmá wajikkách birchatécha

35 Und Jizchak antwortete ihm: „Dein Bruder ist mit Betrug gekommen und hat deinen Segen genommen.“

Das ist sehr seltsam. Und wir müssen versuchen zu verstehen, warum Jizchak nicht auch Esaw segnen kann, warum ihm kein Segen geblieben ist?

וַיֹּאמֶר הֲכִי קָרָא שְׁמוֹ יַעֲקֹב וַיַּעְקְבֵנִי זֶה פַעֲמַיִם אֶת-בְּכֹרָתִי לָקָח וְהִנֵּה עַתָּה לָקַח בִּרְכָתִי וַיֹּאמַר הֲלֹא-אָצַלְתָּ לִּי בְּרָכָה׃

wajomer hachí kará schemó jaaków waja'kewéni se fa'amájim et-

bechoratí lakách wehinné attá lakách birchatí wajomár halo-

azálta li berachá

36 Und er sagte (das sagt Esaw): „Darum wird er ja Jaakow genannt, er hat mich überlistet (ausgeflinkt, ausgetrickst), zweimal. Er hat meine Erstgeburt genommen, und jetzt hat er auch meinen Segen genommen; vielleicht findet sich bei dir für mich irgendein Segen?“

Das Wort jaaków – das ist gewieft, flink. Oft übersetzt man das als List, ich habe eben auch überlistet gesagt, aber das ist nicht ganz List, das ist eher gerade Gewieftheit, lebenspraktisches Geschick, die Fähigkeit, Erfolg zu haben, sich an der Ferse festzuhalten, Geschicklichkeit, sagen wir so.

Jizchak will nicht sagen, was er jetzt sagen wird:

וַיַּעַן יִצְחָק וַיֹּאמֶר לְעֵשָׂו הֵן גְּבִיר שַׂמְתִּיו לָךְ וְאֶת-כָּל-אֶחָיו נָתַתִּי לוֹ לַעֲבָדִים וְדָגָן וְתִירֹשׁ סְמַכְתִּיו וּלְכָה אֵפוֹא מָה אֶעֱשֶׂה בְּנִי׃

wajá'an jizchák wajomer le'essáw hen gewír samtíw lách we'et-kol-echáw natátti lo la'awadím wedagán wetirósch semachtíw ulchá efó ma e'essé bení

37 Jizchak antwortete, und sagte zu Esaw: „Ich habe ihn dir zum Herrn gesetzt, und alle seine Brüder habe ich ihm in die Knechtschaft gegeben; und ich habe ihm Getreide und Trauben gegeben – und jetzt, was kann ich tun, mein Sohn?“

Beachtet, dass auch Jizchak die Reihenfolge ändert, und er beginnt mit dem, was für Esaw das Wichtigste ist, und sagt: „Alle seine Brüder habe ich ihm in die Knechtschaft gegeben und ihn dir zum Vorgesetzten gesetzt.“ Damit endete der Segen, angefangen aber hatte er mit den Trauben und dem Getreide. Aber hier ändert Jizchak es – er geht vom Schrecklichen zum weniger Schrecklichen, wenn er den Segen nacherzählt. Es lohnt sich immer, auf die Details in Nacherzählungen zu achten, sie sagen viel aus. Jizchak sagte: „Ich habe dies, und dies, und dies getan. Was soll ich denn jetzt ändern?“

וַיֹּאמֶר עֵשָׂו אֶל-אָבִיו הַבְרָכָה אַחַת הִוא-לְךָ אָבִי בָּרֲכֵנִי גַם-אָנִי אָבִי וַיִּשָּׂא עֵשָׂו קֹלוֹ וַיֵּבְךְּ׃

wajomer essáw el-awíw hawerachá achát hi-lechá awí barechéni gam-áni awí wajissá essáw koló wajéwk

38 Und Esaw sagte zu seinem Vater: „Hast du denn nur einen Segen, Papa? Segne auch mich, Papa!“ Und Esaw schrie laut auf und weinte.

Ein Krieger, ein Jäger, ein kampferprobter, durchtrainierter Kerl, bereit, lange im Wald zu überleben – und plötzlich weinte er. Das Herz eines Vaters zerreißt, wenn er so etwas hört.

וַיַּעַן יִצְחָק אָבִיו וַיֹּאמֶר אֵלָיו הִנֵּה מִשְׁמַנֵּי הָאָרֶץ יִהְיֶה מוֹשָׁבֶךָ וּמִטַּל הַשָּׁמַיִם מֵעָל׃

wajá'an jizchák awíw wajomer eláw hinné mischmanné ha'árez jihjé moschawécha umittál haschamájim me'ál

39 Und Jizchak antwortete, und sagte zu ihm: „Siehe, fern vom Fett der Erde wird deine Wohnstätte sein und vom Tau des Himmels von oben;

Man kann das unterschiedlich übersetzen – mischmanné, aber da ist dieser kleine Buchstabe mi (von) am Anfang des Wortes, und man kann es (und wahrscheinlich ist es hier richtig, es so zu übersetzen) übersetzen als fern.

וְעַל-חַרְבְּךָ תִחְיֶה וְאֶת-אָחִיךָ תַּעֲבֹד וְהָיָה כַּאֲשֶׁר תָּרִיד וּפָרַקְתָּ עֻלּוֹ מֵעַל צַוָּארֶךָ׃

we'al-charbechá tichjé we'et-achícha ta'awód wehajá ka'aschér taríd ufaraktá ulló me'ál zawwarécha

40 Und von deinem Schwert wirst du leben, und deinem Bruder wirst du dienen. Und es warIm Russischen steht hier „und es war“ in der Vergangenheit, obwohl der Satz von der Zukunft spricht. Die Übersetzung übernimmt das wörtlich.: Wenn du weggehst, dieses Land verlässt, ein Umherirrender der Erde wirst, dann wirst du seine Last von deinem Hals abwerfen.“

Oh, ein schwer zu übersetzendes Wort, taríd. Manche sagen, dass es vom Wort méret (wenn du dich auflehnst), kommt, aber grammatisch ist das nicht sehr richtig. Andere sagen, es kommt vom Wort weinen – wenn du aufheulst, wenn du aufschreist. Dritte sagen: wenn du weggehst, wenn du „wegnomadisierst“, wenn du dieses Land verlässt. Übersetzen wir es am ehesten nach der dritten Variante – wenn du weggehst.

וַיִּשְׂטֹם עֵשָׂו אֶת-יַעֲקֹב עַל-הַבְּרָכָה אֲשֶׁר בֵּרֲכוֹ אָבִיו וַיֹּאמֶר עֵשָׂו בְּלִבּוֹ יִקְרְבוּ יְמֵי אֵבֶל אָבִי וְאַהַרְגָה אֶת-יַעֲקֹב אָחִי׃

wajistóm Essaw et-jaaków al-habberachá aschér berechó awíw wajomer essáw belibbó jikrewú jemé éwel awí we'ahargá et-jaaków achí

41 Und Esaw hasste Jaakow wegen des Segens, den ihm der Vater gegeben hatte, und Esaw sagte in seinem Herzen: „Bald gehen die Tage meiner Trauer um den Vater zu Ende (zu Lebzeiten des Vaters will ich das nicht tun, damit er mich nicht verflucht), und ich werde Jaakow, meinen Bruder, töten.“

וַיֻּגַּד לְרִבְקָה אֶת-דִּבְרֵי עֵשָׂו בְּנָהּ הַגָּדֹל וַתִּשְׁלַח וַתִּקְרָא לְיַעֲקֹב בְּנָהּ הַקָּטָן וַתֹּאמֶר אֵלָיו הִנֵּה עֵשָׂו אָחִיךָ מִתְנַחֵם לְךָ לְהָרְגֶךָ׃

wajuggád leriwká et-diwré essáw bená haggadól wattischlách wattikrá lejaaków bená hakkatán wattomér eláw hinné essáw achícha mitnachém lechá lehorgécha

42 Und zu Riwka gelangten die Worte Esaws, ihres älteren Sohnes, und sie sandte hin, und rief Jaakow, ihren jüngeren Sohn, und sagte zu ihm: „Siehe, Esaw, dein Bruder, wartet auf dich, um dich zu töten;

Und das wurde Riwka gesagt, man hat es Riwka hinterbracht. Wer hat es denn hinterbracht, wenn Esaw das in seinem Herzen gesagt hat? Die Kommentatoren sagen: „Woher weiß Riwka das alles, hört alles? Sie betet viel, und sie spürt prophetisch, was vor sich geht, sowohl zwischen Mann und Sohn als auch im Herzen des Sohnes.“ Jedenfalls lesen wir hier: Was Esaw im Herzen plante, weiß Riwka, und es ist ihr berichtet worden. Beide sind ihre Kinder, um beide sorgt sie sich, sorgt sich darum, dass sie sich jetzt gegenseitig umbringen können. Und nicht, dass Jaakow sich unbedingt vor Esaw fürchtete (vielleicht ist er sogar stärker), aber den Bruder zu töten und vom Bruder getötet zu werden – weder das eine noch das andere ist eine sehr gute Aussicht.

וְעַתָּה בְנִי שְׁמַע בְּקֹלִי וְקוּם בְּרַח-לְךָ אֶל-לָבָן אָחִי חָרָנָה׃

we'attá wení schemá bekolí wekúm berach-lechá el-lawán achí charána

43 Und jetzt, Söhnchen, hör auf meine Stimme: Geh, lauf du nur weg zu meinem Bruder Lawan nach Charan.

וְיָשַׁבְתָּ עִמּוֹ יָמִים אֲחָדִים עַד אֲשֶׁר-תָּשׁוּב חֲמַת אָחִיךָ׃

wejaschawtá immó jamím achadím ad ascher-taschúw chamát achícha

44 Und du wirst ein paar Tage bei ihm sitzen, bis sich der Zorn deines Bruders gesetzt hat,

Beachtet die Wurzel schuw, die immer und immer wieder wiederkehrt.

עַד-שׁוּב אַף-אָחִיךָ מִמְּךָ וְשָׁכַח אֵת אֲשֶׁר-עָשִׂיתָ לּוֹ וְשָׁלַחְתִּי וּלְקַחְתִּיךָ מִשָּׁם לָמָה אֶשְׁכַּל גַּם-שְׁנֵיכֶם יוֹם אֶחָד׃

ad-schúw af-achícha mimmechá weschachách et ascher-assíta lo weschalachtí ulkachtícha mischám lamá eschkál gam-schenechém jom echád

45 Bis sich der Zorn deines Bruders umwendet (wieder die Wurzel schuw), und er vergisst, was getan wurde; und dann werde ich senden und dich von dort holen; warum soll ich euch beide an einem Tag verlieren?“

וַתֹּאמֶר רִבְקָה אֶל-יִצְחָק קַצְתִּי בְחַיַּי מִפְּנֵי בְּנוֹת חֵת אִם-לֹקֵחַ יַעֲקֹב אִשָּׁה מִבְּנוֹת-חֵת כָּאֵלֶּה מִבְּנוֹת הָאָרֶץ לָמָּה לִּי חַיִּים׃

wattómer riwká el-jizchák kázti wechajáj mippené benót chét im-lokéach jaaków ischá mibbenot-chét ka'élle mibbenót ha'árez lámma li chajím

46 Und Riwka kam, und sagte zu Jizchak: „Zu Tode leid sind mir die Töchter Chets (diese Hethiterinnen habe ich zu Tode satt, schlimmer als Grießbrei); wenn Jaakow sich eine Frau von den Töchtern Chets nimmt, von diesen, die hier wohnen, dann brauche ich überhaupt nicht mehr zu leben.“

Jaakow hört sie, aber im Unterschied zum letzten Mal reagiert er nicht. Wir hören, sehen keine Reaktion Jaakows darauf, dass Riwka ihm sagte, er solle weglaufen. Jaakow will nicht weglaufen, es ziemt sich nicht für den Gründer eines Volkes, davonzulaufen. Aber Riwka lässt den Mut nicht sinken, und sie geht zu Jizchak. Und erinnert ihr euch, womit alles angefangen hat? Angefangen hat alles damit, dass Esaw Hethiterinnen zu Frauen nahm. Und hier sagt sie: „Wenn unser Jascha eine Gojte heiratet, dann ist mein Leben verfehlt.“

Da sie im Gespräch mit Jaakow keinen Erfolg hatte, wendet sich Riwka an Jizchak, und es scheint, hier ist die Szene, in der wir zum ersten Mal sehen können, dass Jizchak und Riwka miteinander gesprochen haben. Aber wir sehen nicht, dass sie miteinander gesprochen haben. Jizchak hört sie, aber wir hören keine Antwort, wir hören keinen Dialog zwischen Jizchak und Riwka.

Am Anfang des 28. Kapitels lesen wir:

וַיִּקְרָא יִצְחָק אֶל-יַעֲקֹב וַיְבָרֶךְ אֹתוֹ וַיְצַוֵּהוּ וַיֹּאמֶר לוֹ לֹא-תִקַּח אִשָּׁה מִבְּנוֹת כְּנָעַן׃

wajikrá jizchák el-jaaków wajwárech otó wajzawwéhu wajomer lo lo-tikkách ischá mibbenót kená'an

1 Und Jizchak rief Jaakow, und segnete ihn, und befahl ihm, und sagte zu ihm: „Nimm dir keine kanaanäische Frau;

Und zu diesem Zeitpunkt wissen wir, dass der erste Segen für Esaw bestimmt war, aber Jaakow hat ihn erhalten. Den zweiten Segen, der eigentlich gar nicht so richtig ein Segen ist, – den hat Esaw erhalten; er hat erhalten, was eigentlich für Jaakow bestimmt war. Jetzt spricht Jizchak gezielt eigens zu Jaakow.

Und befahl ihm – wir erinnern uns, im ersten Fall befiehlt Riwka, und Jaakow führt es aus; im zweiten Fall sagt sie hör, und Jaakow hört nicht. Jetzt kommt Jizchak, und er befiehlt:

קוּם לֵךְ פַּדֶּנָה אֲרָם בֵּיתָה בְתוּאֵל אֲבִי אִמֶּךָ וְקַח-לְךָ מִשָּׁם אִשָּׁה מִבְּנוֹת לָבָן אֲחִי אִמֶּךָ׃

kum lech paddéna arám béta wetu'él awí immécha wekach-lechá mischám ischá mibbenót lawán achí immécha

2 Steh auf, geh nach Padan-Aram, geh zum Vater deiner Mutter (das heißt, geh zu deinem Großvater), nimm dir dort eine Frau von den Töchtern Lawans, des Bruders deiner Mutter (nimm dir eine Nichte zur Frau).

וְאֵל שַׁדַּי יְבָרֵךְ אֹתְךָ וְיַפְרְךָ וְיַרְבֶּךָ וְהָיִיתָ לִקְהַל עַמִּים׃

we'él schaddáj jewaréch otechá wejafrechá wejarbécha wehajíta likhál ammím

3 Und der HERR Schaddaj, Gott Schaddaj, wird dich segnen, und dich mehren, und dich groß machen, und du wirst eine Versammlung von Völkern sein.

וְיִתֶּן-לְךָ אֶת-בִּרְכַּת אַבְרָהָם לְךָ וּלְזַרְעֲךָ אִתָּךְ לְרִשְׁתְּךָ אֶת-אֶרֶץ מְגֻרֶיךָ אֲשֶׁר-נָתַן אֱלֹהִים לְאַבְרָהָם׃

wejitten-lécha et-birkát awrahám lechá ulsar'achá ittách lerischtechá et-eréz megurécha ascher-natán elohím le'awrahám

4 Und wird dir den Segen Awrahams geben, dir und deinem Samen, damit du dein Land erbst, das Gott Awraham gegeben hat“.

Das also ist es, wem der Segen Awrahams gegeben wird, und dabei war er für Esaw nicht bestimmt; Jaakow gibt ihn Jizchak: „Du gehst in ein fremdes Land, aber Gott Schaddaj wird dir und deinem Samen dieses Land zum Erbe geben.“

וַיִּשְׁלַח יִצְחָק אֶת-יַעֲקֹב וַיֵּלֶךְ פַּדֶּנָה אֲרָם אֶל-לָבָן בֶּן-בְּתוּאֵל הָאֲרַמִּי אֲחִי רִבְקָה אֵם יַעֲקֹב וְעֵשָׂו׃

wajischlách jizchák et-jaaków wajélech paddéna arám el-lawán ben-betu'él ha'arammí achí riwká em jaaków we'éssaw

5 Und Jizchak sandte Jaakow, und er ging nach Padan-Aram zu Lawan, dem Sohn Betu'els, dem Bruder Riwkas, die die Mutter Jaakows und Esaws ist.

Warum hier die Mutter Jaakows und Esaws erwähnt wird, darüber sprechen wir am Anfang des nächsten Wochenabschnitts.

וַיַּרְא עֵשָׂו כִּי-בֵרַךְ יִצְחָק אֶת-יַעֲקֹב וְשִׁלַּח אֹתוֹ פַּדֶּנָה אֲרָם לָקַחַת-לוֹ מִשָּׁם אִשָּׁה בְּבָרֲכוֹ אֹתוֹ וַיְצַו עָלָיו לֵאמֹר לֹא-תִקַּח אִשָּׁה מִבְּנוֹת כְּנָעַן׃

wajár essáw ki-werách jizchák et-jaaków weschillách otó paddéna arám lakachat-ló mischám ischá bewarechó otó wajzáw aláw lemór lo-tikkách ischá mibbenót kená'an

6 Esaw aber sah, dass Jizchak Jaakow gesegnet und ihn ins aramäische Padan gesandt hatte, damit er sich von dort eine Frau nehme, und dass er, indem er ihn segnete, ihm gebot und sprach: „Nimm dir keine Kanaaniterin zur Frau.“

Seht, was geschieht. Anstatt zu fliehen, nachts in kurzen Sprüngen vor dem Zorn des Bruders zu fliehen, bekommt Jaakow offiziell ein Beglaubigungsschreiben. Er geht heiraten, sein Papa hat ihn geschickt, vor niemandem flieht er, mit stolz erhobenem Kopf geht er nach Padan-Aram, zu seinem Opa, zu seinen Nichten, um zu heiraten. So gut hat sich alles entwickelt.

Wir werden im nächsten Wochenabschnitt darüber sprechen, warum es so gekommen ist, dass Jaakow ohne einen Pfennig Geld aufbrach und nicht einmal Brot und Kleidung für den Weg hat.

וַיִּשְׁמַע יַעֲקֹב אֶל-אָבִיו וְאֶל-אִמּוֹ וַיֵּלֶךְ פַּדֶּנָה אֲרָם׃

wajischmá jaaków el-awíw we'el-immó wajélech paddéna arám

7 Und Jaakow hörte auf seinen Vater, und auf seine Mutter, und ging ins aramäische Padan.

וַיַּרְא עֵשָׂו כִּי רָעוֹת בְּנוֹת כְּנָעַן בְּעֵינֵי יִצְחָק אָבִיו׃

wajár essáw ki ra'ót benót kená'an be'ené jizchák awíw

8 Und Esaw sah (genau das ist wichtig), dass die Töchter Kanaans schlecht sind in den Augen Jizchaks, seines Vaters.

Erinnert ihr euch, womit alles angefangen hat? Beiden, Jizchak und Riwka, gefiel es nicht, dass Esaw Hethiterinnen geheiratet hatte (26,35). Und hier sehen wir, dass es sowohl der Mutter als auch dem Vater nicht gefiel (im 7. Vers). Und Esaw verstand, dass es dem Vater unangenehm ist, dass es dem Vater wehtut, und da versucht Esaw, vielleicht etwas Gutes zu tun.

וַיֵּלֶךְ עֵשָׂו אֶל-יִשְׁמָעֵאל וַיִּקַּח אֶת-מָחֲלַת בַּת-יִשְׁמָעֵאל בֶּן-אַבְרָהָם אֲחוֹת נְבָיוֹת עַל-נָשָׁיו לוֹ לְאִשָּׁה׃ 

wajélech essáw el-jischma'él wajikkách et-machalát bat-jischma'él ben-awrahám achót newajót al-nascháw lo le'ischá

9 Und Esaw ging zu Jischmael und nahm eine Frau, die Machalat bat Jischmael ben Awraham heißt (die Tochter Jischmaels Awramowitsch), die die Schwester Nawiots ist, und er fügte sie zu seinen Frauen hinzu.

Und Jischmael ist auch ein Verwandter, auch, die Söhne Jischmaels sind auch Neffen Jizchaks.

Machalát – das bedeutet die Kränkliche oder die, die Krankheiten schickt. So nennt man manchmal Kinder – Kranke, oder Alte, oder Fliegchen –, um nach dem Volksglauben böse Geister zu vertreiben. In dem Sinne, dass, wenn ein böser Geist weiß, dass das Mädchen Altchen oder Fliegchen heißt, was soll er sich dann an sie heranmachen, sie ist ohnehin schon gestraft.

Esaw hat sich eine solche Abstammungslinie geschaffen, die Jizchak und Riwka möglicherweise weniger stören wird. Auch Esaw hat, im Großen und Ganzen, über etwas nachgedacht.

Wir haben im vorigen Gespräch (26,34) genau mit der Hochzeit begonnen, mit der Heirat Esaws, und hier endet es wieder mit der Heirat Esaws, und Jaakow geht fort, um zu heiraten. Eigentlich wird dadurch die Trennung in der Familie der Väter bestimmt. Es hätte so kommen können, dass Esaw und Jaakow beide Teile des Volkes sein werden, aber jetzt sind sie vorübergehend getrennt. Und der Kern des Ganzen ist nicht so sehr der gestohlene Segen, nicht so sehr ist hier Jaakow der negative Held (obwohl man sich natürlich auf alle möglichen Weisen zum gestohlenen Segen stellen kann); sondern es gibt auch die Geschichte der Ehe Esaws mit den einheimischen Frauen, seine Versuche, sich mit anderen Völkern zu vermischen.

Und Jizchak liebte Esaw

Mit Gottes Hilfe sprechen wir heute miteinander über die väterliche Liebe und über die Haltung zu ihr im Laufe vieler Jahrhunderte. In Bereschit (25,28) lesen wir:

וַיֶּאֱהַב יִצְחָק אֶת־עֵשָׂו כִּי־צַיִד בְּפִיו וְרִבְקָה אֹהֶבֶת אֶת־יַעֲקֹב׃

waje'eháw jizchák et-essáw ki-zájid befíw weriwká ohéwet et-jaaków

28 Und Jizchak liebte Esaw, weil die Beute in seinem Mund ist, Riwka aber liebt Jaakow.

Also, versuchen wir zunächst, verschiedene Varianten der Übersetzung und des Verständnisses dieses Verses zu geben. Klar ist, dass Jizchak Esaw liebte, ki-zájid befíw, man kann sagen, weil Esaw Beute zwischen den Zähnen bringt, weil er ein Versorger ist. Beute zwischen den Zähnen bringen, das ist eine Art Metapher. Esaw ist ein Versorger. Er ist, kann man sagen, ein in der Welt erfolgreicher Mensch, er hat Erfolg. Er kann Wild bringen. Und dafür liebt Jizchak ihn.

Eine andere Version: zájid befíw – das ist Wild im Munde, im Mund von Jizchak selbst. Das heißt, Esaw bringt Wild. Jizchak isst gern Wild. Und für das schmackhafte Essen, das für den Tisch erbeutet wurde, liebt Jizchak ihn. Es gibt noch einige verschiedene Verständnisse, wir werden über sie sprechen.

weriwká ohéwet et-jaaków – das ist klar, Riwka liebt Jaakow.

Die Kommentatoren (und Kommentatoren, das sind die, die die Tora bis zum Ende gelesen haben und wissen, was für ein Bösewicht Esaw ist. Und sie haben sogar die Propheten gelesen, bei denen gesagt ist: „Esaw habe Ich gehasst“) fragen sich, wie es geschehen konnte, dass Jizchak Esaw liebt.

Manche Kommentatoren sagen: „Aber es ist nichts Besonderes geschehen. Ihr versteht den Text der Tora einfach falsch. Oder den Text der Tora muss man unter einem anderen Blickwinkel verstehen.“ Zum Beispiel schreibt Rabbi David Kimchi so: „Man muss nicht einmal davon reden, dass er Jaakow liebte.“ Das heißt, für die Tora ist klar, nach Meinung von Rabbi David Kimchi, dass Jizchak Jaakow liebt. „Und Jaakow liebte er mehr, Esaw aber liebte er nur wegen des Wildes, das er erbeutete.“ Das heißt, Jizchak liebt Jaakow mehr. Es versteht sich von selbst, dass er Jaakow mehr liebt, weil Jaakow gerecht ist, weil er in Zelten wohnt, weil er eigentlich die ganze Tradition der Familie erbt. Aber auch Esaw liebt Jizchak, weil er Beute erbeutet. Das heißt, bei Jizchak gibt es kraft seiner Gerechtigkeit oder kraft irgendeiner kulinarischen Anhänglichkeit Raum, Raum dafür, auch Esaw zu lieben. Und Riwka, die vielleicht nicht so gerecht ist, vielleicht im Gegenteil gerechter, die keine solche Leidenschaft für Wild hat, sie liebt Jaakow. Rabbi Sforno denkt ungefähr genauso und sagt: „Und auch Esaw liebte er, obwohl er ohne Zweifel wusste, dass er nicht so vollkommen war wie Jaakow.“

Was also sagen diese Kommentatoren? Natürlich liebte er Jaakow mehr, aber auch an Esaw fand er etwas, wofür er ihn lieben konnte, weil Jizchak gerecht ist und Esaw immerhin ein Sohn ist. Und deshalb muss man sich nicht wundern, dass die Tora hier von der Liebe Jizchaks zu Esaw spricht.

Warum ist es schwer, der Sicht dieser geschätzten Kommentatoren zuzustimmen? Weil die Tora, wie es scheint, hier doch Jizchak und Riwka gegenüberstellt und sagt, dass Jizchak Esaw liebt, gerade Esaw mehr liebt, Riwka aber Jaakow liebt.

Es gibt eine andere Meinung, die sagt, dass Jizchak, kraft dessen, dass er ein Stubengelehrter, ein Heiliger ist, kraft dessen, dass seine Sehkraft nachgelassen hat, oder kraft irgendetwas anderem, so ein Einfaltspinsel ist. Und Esaw ist ein Jäger, Beute in seinem Mund. Und er fängt Jizchak mit seinem Mund ein. Esaw geht herum, streift vor den Toren der Jeschiwot umher, vor den Toren jener Orte, wo man das Gesetz studiert. Er hört zu, hört zu, hört zu und stellt Fragen, um in den Augen des Papas klug und heilig auszusehen. Wie als Beispiel angeführt wird, fragte er den Vater: „Und wie sondert man den Zehnten vom Salz ab? Und wie sondert man den Zehnten vom Heu ab?“ Er stellte solche klugen Fragen, um heilig zu erscheinen, und formte von sich den Eindruck eines gerechten Menschen. Und nach Meinung der Kommentatoren nahm Jizchak ein solches Bild als liebender Vater auf und liebte deshalb den Betrüger Esaw.

Und andere Kommentatoren sagen, dass Jizchak den Erfolg Esaws sah, seinen Geschäftssinn, den Geschäftssinn eines Geschäftsmannes. Nebenbei gesagt, als Mensch, der seine Zeit mit dem Studium der Tora, mit Nachdenken und Gebeten verbracht hatte, liebte er diesen weltlichen Geschäftssinn und bewunderte ihn. Auf Riwka aber, die aus einem anderen Milieu stammt, machte das keinen Eindruck. Also, es gibt eine Erklärung: Jizchak liebt Esaw, weil Jizchak ein bisschen einfältig und naiv ist, ein bisschen nicht von dieser Welt, und Esaw nutzt das aus.

Die dritte Meinung sagt, dass Jizchak einfach gern isst, einfach weltliche Genüsse liebt. So sagt zum Beispiel der Midrasch Schocher Tow: „Da Jizchak ein Sohn des Alters war, war er verwöhnt und an verschiedene teure Speisen gewöhnt. Und Esaw beschaffte ihm Essen und gab ihm guten Wein zu trinken.“ Scheint auch verständlich. Schwach ist Jizchak. Er wurde in der Familie Awrahams geboren, als Sohn des Alters. Natürlich verwöhnten Awraham und Sara ihr Kind. Jizchak wuchs auf, seine Verwöhntheit überwand er nicht. Deshalb das, dass Esaw ihm Essen bringt, und wir wissen, dass Esaw sich tatsächlich um den Papa kümmert, er brachte ihm Essen. Wir haben an einer anderen Stelle gelesen, dass Esaw in Festkleidern zu ihm ging. Esaw konnte dem Papa ein Fest bereiten. Offenbar bereitete er dem Papa gern ein Fest. Und Jizchak liebte ihn dafür sehr. Es gibt auch so eine Sicht, die zu erklären versucht, warum doch ein so gerechter, so heiliger Jizchak einen solchen missratenen, glücklosen Esaw liebt.

Es gibt auch andere Kommentatoren, die in Jizchak einen Strategen sehen. Und sie sagen: Beim Blick auf dieses Ausmaß von Esaws Jagd, auf seine Fähigkeiten, in der Welt Erfolg zu erzielen, verstand Jizchak, dass Jaakow natürlich ein reiner, naiver, für die Tora offener, ehrlicher Mensch ist, aber die Tora in der Welt zu verbreiten, das ist nicht seins. Hier braucht es einen geschäftlichen Business-Sinn. Hier braucht es ein Business-Projekt. Und hier braucht es den Erfolg Esaws. Und es wäre doch großartig, diesen ganzen Erfolg, die Fähigkeiten Esaws zur Tora hin zu wenden. Und deshalb liebt Jizchak als Stratege Esaw sehr, sieht in ihm dieses Potenzial, das Potenzial eines Machers, das gebraucht werden wird, wenn die Tora, die Lehre sich nicht nur im kanaanäischen Land, sondern in der ganzen Welt verbreiten wird.

Es gibt solche, die sagen, dass Jizchak verstand, wie verdorben Esaw ist, wie schlecht seine seelischen Eigenschaften sind. Und zugleich verstand er, dass, wenn der Höchste in Esaw ein solches (sagen wir in Anführungszeichen oder ohne) schlechtes Potenzial gelegt hat, Er in ihn auch das Potenzial der Berichtigung gelegt hat. Und dieses Potenzial der Berichtigung, das ist die Fähigkeit, Sünden zu berichtigen, nicht nur zu sündigen, sondern auch Sünden zu berichtigen. Man kann sagen, später ist das die Eigenschaft König Davids, gerade die Fähigkeit, Teschuwa zu tun, Reue zu üben, das ist es, was David in vollem Maß verwirklicht hat. Es gibt viel Ähnlichkeit zwischen David und Esaw. Jaakow sah dieses Potenzial, und schätzte es sehr, und wollte es sehr wecken, verwirklichen. Denn diese selbe Fähigkeit, die Sünde zu besiegen, ist eine messianische Eigenschaft.

Andere Kommentatoren, insbesondere Raw Jehuda Ilai, spricht vom Andersdenken Esaws, sieht in Esaw einen Menschen, der außerhalb der allgemein anerkannten Rahmen denkt. Später wird es in der jüdischen Geschichte einen solchen Lehrer geben, Rabbi Meir, der immer anderer Meinung ist. Und wenn die Weisen irgendeine Meinung äußern, versucht Rabbi Meir, eine alternative Meinung zu äußern, die irgendwie nicht in die Weisen hineinpasst, obwohl er oft um einen Kopf klüger ist als sie. Aber später wird er so in der jüdischen Gesetzgebung bleiben als „und andere, die anders denken, sagen“, manchmal sogar ohne den Namen „Rabbi Meir“, ein Mensch völlig unkonventionellen Denkens, der Vater, kann man sagen, des Verschiedendenkens, aus dem Kunstfertige geboren werdenIm Russischen heißt es nur, dass „Kunstfertige“ geboren werden, ohne zu sagen, wer genau gemeint ist. Die knappe, unvollständige Wendung wurde wörtlich übernommen., so verschieden Denkende, dass im Talmud die Erwähnung vorkommt: „Und in der Tora des Rabbi Meir ist es nicht so, sondern so geschrieben. Geschrieben ist zum Beispiel nicht Kleid aus Haut, sondern Kleid aus Licht.“ So verschiedenes Denken, dass man meinen könnte, bei ihm sei in der Tora anders geschrieben. Nein, natürlich nicht. Bei ihm ist in der Tora genauso geschrieben, aber er sieht andere Bedeutungen, ist fähig, absolut anders zu denken als alle anderen. Und dieses Andersdenken, diese Fähigkeit, einen anderen Gedanken darzustellen, sieht Jizchak möglicherweise.

Es gibt solche, die sagen, dass Jizchak verstand, dass Esaw, in moderner Sprache ausgedrückt, ein schwieriger Jugendlicher ist und ein schwieriger Jugendlicher besonders Liebe braucht. Wenn du einem Menschen mit irgendwelchen schweren Eigenschaften begegnest, ist es eine sehr wichtige Aufgabe, bei ihrer Berichtigung zu helfen. Mit deinen eigenen Eigenschaften, mit denen du konfrontiert bist, muss man es auch schaffen, sich selbst zu lieben, obwohl auch du manchmal Esaw bist. Man muss es verstehen, diese Eigenschaften zu berichtigen, und nicht zu brechen.

Denn nirgendwo, in Wirklichkeit, lehren die Tora, die jüdische Lehre von Moral und Ethik, das Brechen irgendwelcher Eigenschaften, immer sprechen sie von Berichtigung. Und sehr oft kommt es vor, dass ein Mensch an den Straßenrand geworfen wird, weil man ihn zu den Esaws gezählt und einfach weggeworfen hat. Oder er hat sich selbst zu den Esaws gezählt und weggeworfen. Oder er hat im Gegenteil angefangen, sich selbst zu brechen, indem er sich demütigte, trat seinem eigenen Lied auf die Kehle, und am Ende hielt er dieses Brechen nicht aus, und fand sich wieder am Straßenrand wieder, oder kam sogar ganz vom Weg ab. Und Jizchak als Pädagoge, gemäß diesem Ansatz, als Lehrer, verstand, dass Esaw Liebe unbedingt braucht. Und deshalb liebte er Esaw sehr.

Es gibt noch einen Ansatz, der unter den Kommentatoren angenommen ist, der in Jizchak einen absolut demütigen Gerechten sieht, der alles annimmt, was ihm der Höchste gibt. Er liebt Esaw, weil das der Erstgeborene ist, den ihm der Höchste gegeben hat. Wenn der Höchste entschieden hat, dass Jizchak einen solchen Erstgeborenen haben soll, dann soll es auch so sein. Der Gott liebende Jizchak liebt seinen Erstgeborenen Esaw, versteht, dass es zum Guten ist, versteht, dass es so nötig ist. Und er liebt Esaw, weil er Gott liebt, Der Esaw in sein Leben gesandt hat, nach Dessen Entscheidung, nach Dessen Willen Esaw selbst Erstgeborener wurde. Gerade deshalb, gemäß einem solchen Ansatz, ist Jizchak auch nicht sehr aufgeregt, als dieses ganze Durcheinander mit dem Segen geschieht, weil er versteht, dass auch das von Gott ist, das hat Gott eingefädelt, das wird Gott zum Guten fügen. Das ist also noch eine wunderbare Sicht auf die Beziehung zwischen Jizchak und Esaw. Und sie ist mir nahe.

Obwohl mir die Sicht näher ist, dass es dem Menschen, und dem Menschen Jizchak, einfach eigen ist, seinen Sohn zu lieben, weil er ihn klein gesehen hat, weil er ihn neugeboren gesehen hat, weil er ihn auf den Armen gehalten hat, weil das dein Sohn ist, Fleisch von deinem Fleisch. Und selbst wenn er potenziell ein Bösewicht ist, kann man ihm trotzdem Liebe erweisen, er ist der Erstgeborene, und er braucht deine Liebe. Du brauchst die Liebe zu ihm. Das geschieht einfach. Die Liebe kommt unverhofft. Deshalb ist hier auch gesagt: „Jizchak liebte Esaw.“ Er liebte ihn, weil das einfach sein Sohn ist.

All diese Vielfalt der Ansätze zähle ich keineswegs auf, um irgendeine Tabelle aufzustellen, ein Schema zu machen oder irgendeine Sammlung zusammenzustellen. Das alles spiegelt verschiedene Sichtweisen der Menschen auf irgendwelche Beziehungen wider, mit denen wir konfrontiert sind. In diesem Fall die Liebe des Vaters zum Sohn. Warum liebt der Vater den Sohn? Weil vielleicht der Vater irgendwo etwas einfältig, etwas dümmlich ist. Und der Sohn betrügt ihn. Oder, was wollen wir in der Situation sehen? Menschliche Dummheit, menschliche Anhänglichkeit an etwas Fleischliches? Oder vielleicht menschliche Heiligkeit? Oder vielleicht, natürlich, Liebe? Mit welchen Instrumenten und wie analysieren wir die Situation? Was sagt das über uns selbst? Sind wir fähig, Esaw zu lieben? Lieben wir jemanden für das Essen, das er uns gibt? Lieben wir jemanden, weil wir uns davon täuschen ließen, dass jemand ein schönes Bild geschaffen hat. Versuchen wir, schöne, kluge Fragen zu stellen, um klug und gerecht zu erscheinen?

Das alles ist die Erfahrung des Volkes im Verständnis eines einzigen einfachen Verses über die Liebe von Vater und Sohn. Und so viele Facetten eröffnen sich darin.

Haftara

Bereschit Malachi 1–2

Unserem Wochenabschnitt Toldot entspricht der Anfang des Buches des Propheten Malachi.

מַשָּׂא דְבַר־יְהוָה אֶל־יִשְׂרָאֵל בְּיַד מַלְאָכִי׃

massa dwar adonaj el jisrael bejad malachi

1 Die Last der Worte des HERRN an Israel in den Händen Malachis.

„Hier sind die Worte des HERRN, die Last der Worte des HERRN oder die Bürde der Worte des HERRN.“ Ein solches Epitheton, eine solche Metapher verwendet der Prophet. „Hier habt ihr einen Sack der Worte des HERRN in meinen Händen, die Bürde der Worte des HERRN in meinen Händen, den Händen des Propheten Malachi.“ Wer Malachi ist, wissen wir nicht. Es gibt so viele verschiedene Meinungen darüber, dass es welche gibt, die sagen, dass das überhaupt kein Eigenname ist, das ist nicht der persönliche Name eines Menschen, das ist nicht irgendein Mensch, der Malachi hieß. Das ist ein Prophet, der über den Engel des HERRN prophezeit, und deshalb ist das so sein Künstlername Malachi. Es gibt viele verschiedene Meinungen, und wahrscheinlich haben wir keine Möglichkeit, eindeutig zu entscheiden, wer von ihnen recht hat. Deshalb werden wir die Prophezeiung selbst lesen.

אָהַבְתִּי אֶתְכֶם אָמַר יְהוָה וַאֲמַרְתֶּם

ahawti etchem amar adonaj wa'amartem

2 „Ich habe euch geliebt, – spricht der HERR (so ein schöner, heller Anfang, eine frohe Botschaft). Ihr aber werdet sagen:

Man muss anmerken, dass das ganze Buch des Propheten Malachi in Form eines solchen Dialogs aufgebaut ist: Der Höchste spricht, und das Volk (oder der Kohen, oder noch jemand anders) antwortet ihm. Das ist die literarische Form des Buches des Propheten Malachi. Ihr habt gesagt:

בַּמָּה אֲהַבְתָּנוּ הֲלוֹא־אָח עֵשָׂו לְיַעֲקֹב נְאֻם־יְהוָה

bamma ahawtanu halo achDie russische Umschrift hat hier statt „ach“ (Bruder) die Silbe „et“. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text. essaw leja'akow ne'um adonaj

„…worin besteht deine Liebe zu uns?“ (auf diese Frage antwortet der Höchste) „Ist doch Esaw der Bruder Jaakows…

Der Vater von Esaw und von Jaakow ist ein und derselbe, und ihre Mama ist ein und dieselbe. Das ist nicht das Verdienst der Väter. Das ist nicht irgendein genealogischer Grund. Beide sind Söhne derselben Eltern.

וָאֹהַב אֶת־יַעֲקֹב׃

wa'ohaw et ja'akow

… ich aber habe Jaakow geliebt.

וְאֶת־עֵשָׂו שָׂנֵאתִי

we'et essaw saneti

3 Esaw aber habe ich gehasst…

„Hier gibt es keinerlei Verbindung zu den Vorfahren. Hier ist Esaw, hier ist Jaakow. Den einen habe Ich geliebt, den anderen gehasst.“ Das Wort saneti wird übersetzt mit gehasst. Im Russischen klingt alles, was mit Hass verbunden ist, sehr scharf. In Wirklichkeit ist sena nicht Hass, nicht immer Hass in diesem scharfen russischen Sinn des Wortes. Manchmal ist es weniger geliebt. Wie es zum Beispiel in der Tora heißt, dass ein Mensch zwei Frauen haben wird, die eine wird er lieben und die andere hassen. Nicht, dass er sie hassen wird – er wird ihr mit weniger Liebe begegnen. „Und Esaw habe ich gehasst.“

וָאָשִׂים אֶת־הָרָיו שְׁמָמָה וְאֶת־נַחֲלָתוֹ לְתַנּוֹת מִדְבָּר׃

wa'assim et haraw schemama we'et nachalato letannot midbar

…und ich werde seine Berge zur Öde machen, und sein Erbteil werde ich den Füchsen der Wüste geben (oder den Schakalen der Wüste).“

„Seht, – sagt der Höchste, – erhebt eure Augen und seht nach Südosten, auf Edom, auf das Land Esaws. Ihr seid in euer Land zurückgekehrt, ihr stellt euer Land wieder her, und das Land gibt euch seine Früchte. Seht, was mit dem Land Edoms geschieht. Dort, wo meine Liebe nicht offenbart ist. Seht, Edom ist Öde. Schakale und Füchse auf seinem Land; dort, wo ihr pflanzt und Ernte bekommt, leben eure Nachbarn, die Edomiter, bei weitem nicht so. Das ist der Ausdruck meiner Liebe. Ihr werdet sagen: „Nun gut, wir haben doch so eine alte zionistische Bewegung, eine nationale Bewegung für die Rückkehr. Da sind wir zurückgekehrt und hatten Erfolg. Aber vielleicht dreht es sich plötzlich so, dass diese Edomiter parallel zu unserem Zionismus einen Edumismus erfinden, sie kehren zurück und fangen an, ihr Land wiederherzustellen. Ist das etwa Deine Liebe? Das ist unser Verdienst.“ Und hier sagt der Höchste:

כִּי־תֹאמַר אֱדוֹם רֻשַּׁשְׁנוּ וְנָשׁוּב וְנִבְנֶה חֳרָבוֹת כֹּה אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת הֵמָּה יִבְנוּ וַאֲנִי אֶהֱרוֹס וְקָרְאוּ לָהֶם גְּבוּל רִשְׁעָה וְהָעָם אֲשֶׁר־זָעַם יְהוָה עַד־עוֹלָם׃

ki tomar edom ruschaschnu wenaschuw weniwne charawot ko amar adonaj zwaot hemma jiwnu wa'ani ehros wekaru lahem gwul risch'a weha'am ascher sa'am adonaj ad olam

4 Und wenn Edom sagt: „Wir sind verwüstet, lasst uns gehen, zurückkehren und unsere Trümmer wieder aufbauen.“ So hat der HERR der Heerscharen gesprochen: „Sie werden bauen, und ich werde zerstören. Und man wird sie das Gebiet der Übeltäter nennen, das Volk, dem der HERR ewig zürnt.

וְעֵינֵיכֶם תִּרְאֶינָה וְאַתֶּם תֹּאמְרוּ יִגְדַּל יְהוָה מֵעַל לִגְבוּל יִשְׂרָאֵל׃

we'ejnejchem tir'ena we'attem tomru jigdal adonaj me'al ligwul jisraelIn der russischen Umschrift fehlt das letzte Wort „jisrael“ (Israel), das im hebräischen Text steht. Es wurde nach dem Hebräischen ergänzt.

5 Und eure Augen werden das sehen. Und dann werdet ihr sagen: „Groß erwiesen hat sich der HERR auch jenseits der Grenzen Israels.“

Seht, Edom hat keine Wiederherstellung. Selbst wenn sie wollen, werden sie ihr Land nicht wiederherstellen können, und wenn sie es versuchen, werden sie eine noch größere Zerstörung bekommen. Ich werde darin verherrlicht werden, und ihr werdet dessen Zeuge sein. Darum versteht und verinnerlicht, dass Ich euch liebe.

Aber nicht alles ist so rosig, wie es nach den ersten Worten des Propheten scheinen mag.


בֵּן יְכַבֵּד אָב וְעֶבֶד אֲדֹנָיו וְאִם־אָב אָנִי אַיֵּה כְבוֹדִי וְאִם־אֲדוֹנִים אָנִי אַיֵּה מוֹרָאִי אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת לָכֶם הַכֹּהֲנִים בּוֹזֵי שְׁמִי וַאֲמַרְתֶּם בַּמֶּה בָזִינוּ אֶת־שְׁמֶךָ׃

ben jechabbed aw we'ewed adonaw we'im aw ani aje chwodi we'im adonim ani aje mora'i amar adonaj zwaot lachem hakkohanimIn der russischen Umschrift fehlt im Wort für „die Kohanim“ der erste Vokal. Die deutsche Umschrift folgt dem hebräischen Text: hakkohanim. bosej schmi wa'amartem bamme wasinu et schmecha

6 „Ein Sohn ehrt den Vater, und ein Knecht ehrt seinen Herrn. Wenn ich euch Vater bin, wo ist dann die Ehre für mich? Und wenn ich euch Herr bin, wo ist die Furcht vor mir?“ – hat der HERR der Heerscharen gesagt (wenn wir HERR der Heerscharen lesen, ist das die Offenbarung des Schöpfers mit seiner zerstörerischen Kraft, einer Kraft über ihre, über die HeerscharenDie Klammerbemerkung über die zerstörerische Kraft ist im Russischen grammatisch unvollständig. Sie wurde bewusst wörtlich übersetzt.). Bei euch aber sind Kohanim, die meinen Namen verachten. Ihr aber werdet sagen: „Worin besteht unsere Verachtung deines Namens?“

Der Höchste sagt in Vers 7:


מַגִּישִׁים עַל־מִזְבְּחִי לֶחֶם מְגֹאָל וַאֲמַרְתֶּם בַּמֶּה גֵאַלְנוּךָ בֶּאֱמָרְכֶם שֻׁלְחַן יְהוָה נִבְזֶה הוּא׃

maggischim al misbechi lechem mego'al wa'amartem bamme ge'alnucha be'emarchem schulchan adonaj niwseIn der russischen Umschrift sind „adonaj“ und „niwse“ zu einem Wort zusammengeschrieben. Die deutsche Umschrift trennt sie wie im hebräischen Text. hu

7 „Ihr bringt abscheuliches (widerwärtiges) Brot auf meinen Tisch (auf meinen Altar). Ihr werdet sagen: „Was haben wir dir denn Widerwärtiges getan?“ „Nun, ihr sagt doch, verachtenswert ist die Speisekarte bei Gott (verachtet ist sein Tisch, und so wird dieser Gott es essen, Er isst jeden Dreck)

וְכִי־תַגִּשׁוּן עִוֵּר לִזְבֹּחַ אֵין רָע

wechi taggischun iwwer lisboach ejn ra

8 „Wenn ihr ein blindes Tier als Opfer darbringt, ist das nicht böse?

Im Buch Dewarim (15,21) gibt es ein direktes Verbot, Blindes als Opfer darzubringen: „Wenn es aber einen Makel hat, lahm oder blind, überhaupt einen bösen Makel, dann bringe es nicht als Opfer dem HERRN, deinem Gott, dar.“ Und hier beschuldigt der Höchste die Kohanim der Übertretung dieses direkten Verbots und fährt fort:

וְכִי תַגִּישׁוּ פִּסֵּחַ וְחֹלֶה אֵין רָע הַקְרִיבֵהוּ נָא לְפֶחָתֶךָ הֲיִרְצְךָ

wechi taggischu pisseach wechole ejn ra hakriwehu na lefechatecha hajirzecha

… Wenn ihr Lahmes und Krankes darbringt, ist das nicht böse? Vielleicht bringt ihr es eurem Pascha (eurem Herrscher)?

Als die Perser im Heiligen Land herrschten, nannte man die Herrscher pacha. Und entsprechend nannte man dieses oder jenes Herrschaftsgebiet pachwa, Paschatum. Später entlehnten die Türken diese Bezeichnung, und deshalb haben viele wahrscheinlich den Ausdruck türkischer Pascha gehört. Hier schlägt der Höchste vor – versucht, ihm so ein Tier als Geschenk zu bringen.

אוֹ הֲיִשָּׂא פָנֶיךָ אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת׃

o hajissa fanecha amar adonaj zwaot

… Wird er zufrieden sein und dir Wohlwollen erweisen?“ – spricht der HERR der Heerscharen.

Der Höchste sagt: „Versucht, so etwas einem irdischen König darzureichen, beobachtet seine Reaktion. Lasst uns ein Experiment durchführen.“


וְעַתָּה חַלּוּ־נָא פְנֵי־אֵל וִיחָנֵנוּ מִיֶּדְכֶם הָיְתָה זֹּאת הֲיִשָּׂא מִכֶּם פָּנִים אָמַר

יְהוָה צְבָאוֹת׃

we'atta challu na fnej el wichaneni mijedchem hajta sot hajissa mikkem panim amar adonaj zwaot

9 „Und jetzt bittet ihr Gott, dass er euch gnädig sei? Von euren Händen ist das alles gekommen. Ihr selbst habt dieses Unheil über euch gebracht. Rechnet ihr etwa damit, dass er dieses Opfer von euch annimmt?“ – spricht der HERR.

Rechnet ihr etwa damit, dass Er, der himmlische König, das Opfer annimmt, das nicht einmal ein irdischer König annehmen würde.

מִי גַם־בָּכֶם וְיִסְגֹּר דְּלָתַיִם וְלֹא־תָאִירוּ מִזְבְּחִי חִנָּם אֵין־לִי חֵפֶץ בָּכֶם אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת וּמִנְחָה לֹא־אֶרְצֶה מִיֶּדְכֶם׃

mi gam bachem wejisgor delatajim welo ta'iru misbechi chinnam ejn li chefez bachem amar adonaj zwaot umincha lo erze mijedchem

10 „Wer unter euch würde die Türen schließen (vielleicht findet sich da jemand unter euch, der die Türen zum Tempel schließt, damit ihr nicht mehr hierher geht), damit ihr nicht erleuchtet (vom Wort Licht), vergeblich, meinen Altar (macht schon das Licht aus, legt den Schalter um, schließt die Türen und vergesst den Weg zu meinem Altar)? Ich habe keinerlei Gefallen an euch, – hat der HERR gesagt, – und keinerlei Gabe von euch brauche ich.


כִּי מִמִּזְרַח־שֶׁמֶשׁ וְעַד־מְבוֹאוֹ גָּדוֹל שְׁמִי בַּגּוֹיִם וּבְכָל־מָקוֹם מֻקְטָר מֻגָּשׁ לִשְׁמִי וּמִנְחָה טְהוֹרָה כִּי־גָדוֹל שְׁמִי בַּגּוֹיִם אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת׃

ki mimmisrach schemesch we'ad mewo'o gadol schmi baggojim uwechol makom muktar muggasch lischmi umincha tehora ki gadol schmi baggojim amar adonaj zwaot

11 Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang (in diesem Fall von Osten bis Westen) ist groß mein Name unter den Völkern, und an jedem Ort Räucherwerk für meinen Namen und eine reine Gabe, denn groß ist mein Name unter den Völkern.

Ein sehr schwer zu verstehender Satz. Zu jenem Zeitpunkt dient, soweit wir wissen, nur das Volk Israel dem Höchsten. Und man kann das so verstehen. „Wenn ich mich an irgendeines der anderen Völker gewandt hätte, hätte man mir an jedem Ort das Beste vom Besten gebracht und mir das beste Räucherwerk zu meiner Ehre gegeben.“

Ein anderes Verständnis sagt, dass besonders nach dem Erlass über die Wiederherstellung Jerusalems, als alle Völker sahen, wie der Höchste seine Liebe zu seinem Volk offenbart, Gerechte aufkamen, die die Kraft des Höchsten erkannten und begannen, Ihm zu räuchern und Opfer darzubringen. Es gibt auch ein solches, man kann sagen, pharisäisches Verständnis, nach dem die Weisen in der ganzen Welt Tora lehren, und das ist wie Räucherwerk und wie Opferdarbringung. Und hier ein Gegensatz zwischen den Priestern und den Weisen.

Noch ein Verständnis sagt, dass es sogar unter den Götzendienern, unter denen, die Götzen anbeten, solche gibt, die verstehen, dass hinter alldem ein einziger Gott steht. „Und dennoch preisen und verstehen sie Mich.“

וְאַתֶּם מְחַלְּלִים אוֹתוֹ בֶּאֱמָרְכֶם שֻׁלְחַן אֲדֹנָי מְגֹאָל הוּא וְנִיבוֹ נִבְזֶה אָכְלוֹ׃

we'attem mechallelim oto be'emarchem schulchan adonaj mego'al hu weniwo niwse achlo

12 „Ihr aber schmäht, entehrt meinen Namen (den Namen, der unter den Heiden gepriesen wird). Ihr schmäht, wenn ihr sagt: „Dieser widerwärtige Altar des Höchsten. Ihr beschmutzt mit euren abscheulichen Worten das, was ihr auf den Altar bringt.“

Man kann das auch so verstehen: Einfach kläglich ist diese Gabe, die dem HERRN dargebracht wird. Oder man kann es auch so verstehen: Es gibt keinerlei Gewinn, die Einnahmen von diesem Altar sind nichtig. Ein sehr schwer zu verstehender Ausdruck. Daher viele Übersetzungsvarianten.

וַאֲמַרְתֶּם הִנֵּה מַתְּלָאָה וְהִפַּחְתֶּם אוֹתוֹ אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת וַהֲבֵאתֶם גָּזוּל וְאֶת־הַפִּסֵּחַ וְאֶת־הַחוֹלֶה וַהֲבֵאתֶם אֶת־הַמִּנְחָה הַאֶרְצֶה אוֹתָהּ מִיֶּדְכֶם אָמַר יְהוָה׃ 

wa'amartem hinne mattla'a wehippachtem oto amar adonaj zwa'ot wahawetem gasulDie russische Umschrift gibt hier „gadol“ (groß) wieder, der hebräische Text hat jedoch „gasul“ (geraubt). Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen. we'et happisseach we'et hacholeIn der russischen Umschrift steht am Ende des Wortes für „das Kranke“ ein überzähliger Konsonant. Nach dem hebräischen Text heißt es „hachole“. wahawetem et hammincha ha'erze ota mijedchem amar adonaj

13 Und ihr sagt: „Da ist ein schwaches, altersschwaches Tier.“ Und ihr hübscht es auf und bringt es mir als Opfer dar. Ihr sagt: „Da ist eine Mühsal, das ist doch eine Plage, ein Opfer darzubringen.“ Und ihr zieht unzufriedene Fratzen“.

Man kann es so und so verstehen. Und das eine wie das andere ist für die Kohanim höchst wenig schmeichelhaft. Der Höchste sagt: „Ich liebe euch. Das ganze Volk liebe ich, nicht nur die Kohanim.“ Dieses Gespräch mit den Kohanim ist, wie wir seit dem ersten Vers des ersten Kapitels sehen, kein Gespräch mit den Kohanim unter vier Augen, es ist ein Gespräch mit dem Volk in Gegenwart des ganzen Volkes und mit den Kohanim über die Kohanim. Der Höchste wendet sich hier nicht an die Kohanim, sondern in erster Linie an das ganze Volk, dem sie dienen, und sagt: „Ich liebe euch, aber ihr habt ein Problem: Eure Kohanim sind angefault, eure Diener sind angefault. Ich habe euch nicht für irgendwelche Verdienste lieb gewonnen, habe euch einfach so lieb gewonnen. Aber wo ist die Achtung? Wo ist die Achtung vonseiten derer, die in der Vorhut sein müssen, an der Spitze des ganzen Volkes in dieser Achtung, in dieser Ehrerbietung? Wo ist die Achtung und Ehrerbietung der Kohanim, wenn eure Mission, die ehrenvolle Mission, die große Mission des Priestertums, die euch auferlegt ist, für euch eine Plage ist, für euch irgendeine Mühsal, von der es keinerlei Gewinn gibt, und ihr alle erwartet nur Gewinn. Und ihr bringt Geraubtes, unehrlich Erworbenes.“ Und das Lahme und das Kranke. Ihr überlegt: „Wenn der Höchste isst, was gerade kommt, dann geben wir Ihm, was gerade kommt, und bringen es dar. Wenn es von diesem Altar sowieso keinerlei Einkommen gibt, dann laden wir doch auf ihm ab, geben wir alles dorthin, was dafür nicht taugt. Das Beste geben wir dem Herrscher, was schlechter ist, nehmen wir uns, und die dritte Sorte oder die siebte Sorte geht dann schon für den Höchsten auf den Altar. Er isst sowieso alles.“ Diese Gabe bringt ihr mir.“

הַאֶרְצֶה אוֹתָהּ מִיֶּדְכֶם אָמַר יְהוָה׃

ha'erze ota mijedchem amar adonaj

… Meint ihr etwa, dass ich sie aus euren Händen annehmen will, spricht der HERR?


וְאָרוּר נוֹכֵל וְיֵשׁ בְּעֶדְרוֹ זָכָר וְנֹדֵר וְזֹבֵחַ מָשְׁחָת לַאדֹנָי כִּי מֶלֶךְ גָּדוֹל אָנִי אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת וּשְׁמִי נוֹרָא בַגּוֹיִם׃

we'arur nochel wejesch be'edro sachar wenoder wesoweach maschchat la'adonaj ki melech gadol ani amar adonaj zwa'ot uschmi nora waggojim

14 „Verflucht ist der Betrüger, der in seiner Herde ein makelloses Männchen hat, und er hat ein Gelübde abgelegt, und ein verfaultes Opfer opfert er dem Höchsten, denn ich bin ein großer König, – spricht der HERR, – und mein Name verbreitet Furcht unter den Heiden (oder versetzt die Heiden in Zittern)“.

Der HERR sagt: „Verflucht ist, wer ein gutes Tier in seiner Herde hat, Mir aber irgendein krankes Tier darbringt. So darf man mit Mir nicht umgehen, denn Ich bin der Große König. Wenn der Paschá, euer persischer Herrscher, eine solche Gabe von euch nicht annimmt, wie könnt ihr damit rechnen, dass ich so etwas von euch annehme?“

Das ist das Ende des ersten Kapitels. Wir lesen weiter das zweite Kapitel.

וְעַתָּה אֲלֵיכֶם הַמִּצְוָה הַזֹּאת הַכֹּהֲנִים׃

we'atta alechem hammizwa hassot hakkohanim

1 „Nun aber, da habt ihr dieses Gebot, Kohanim.

Hier richtet sich die Anrede an die Kohanim, aber das Gespräch findet, wie wir ganz am Anfang gelesen haben, vor dem ganzen Volk statt. Der Höchste tuschelt hier nicht heimlich mit den Kohanim, sondern spricht vor allem Volk darüber, was mit ihnen geschehen kann.


אִם־לֹא תִשְׁמְעוּ וְאִם־לֹא תָשִׂימוּ עַל־לֵב לָתֵת כָּבוֹד לִשְׁמִי אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת וְשִׁלַּחְתִּי בָכֶם אֶת־הַמְּאֵרָה וְאָרוֹתִי אֶת־בִּרְכוֹתֵיכֶם

im lo tischme'u we'im lo tassimu al lew latet kawod lischmi amar adonaj zwa'ot weschillachti wachem et hamme'era we'aroti et birchotejchem

2 Wenn ihr nicht gehorcht, wenn ihr es euch nicht zu Herzen nehmt, Ehre zu erweisen, meinen Namen zu ehren, – spricht der HERR Zwa'ot, – werde ich Flüche über euch senden (das kann man auch so verstehen und übersetzen: Ich werde durch euch Fluch senden, ihr werdet zum Fluch), und ich werde euren Segen zum Fluch machen…

Wir wissen aus dem Buch Bemidbar (Kapitel 6), dass eine der Aufgaben, eines der Vorrechte der Kohanim darin besteht, das Volk Israel zu segnen. Es heißt: „Und ihr sollt Meinen Namen auf die Söhne Israels legen, und Ich werde sie segnen.“ Hier sagt der HERR: „Ich werde sie verfluchen. Euren Segen werde Ich zum Fluch machen.“

וְגַם אָרוֹתִיהָ כִּי אֵינְכֶם שָׂמִים עַל־לֵב׃

we gam arotiha ki ejnechem samim al lew

… Und so gut wie verflucht habe ich ihn schon (euren Segen), weil ihr es euch nicht zu Herzen nehmt, (ihr bringt euer Herz nicht in Ordnung)

הִנְנִי גֹעֵר לָכֶם אֶת־הַזֶּרַע וְזֵרִיתִי פֶרֶשׁ עַל־פְּנֵיכֶם פֶּרֶשׁ חַגֵּיכֶם וְנָשָׂא אֶתְכֶם אֵלָיו׃

hineni go'er lachem et hassera weseriti feresch al pnejchem peresch chaggechemDie russische Umschrift beginnt das Wort für „eure Feste“ mit einem He statt mit einem Chet. Nach dem hebräischen Text heißt es „chaggechem“. wenassa etchem elaw

3 Ich werde eure Nachkommen strafen und den Mist der Opfer auf eure Gesichter streuen (hier gibt es ein Wortspiel: hasera (Same) und seriti (ich habe verstreut). Nicht einfach Mist, sondern), den Mist eurer Opfer. Und ich werde euch zusammen mit ihm hinauswerfen. (Ich werde euch hinauswerfen, so wie man Mist hinauswirft, wegwirft).

וִידַעְתֶּם כִּי שִׁלַּחְתִּי אֲלֵיכֶם אֵת הַמִּצְוָה הַזֹּאת לִהְיוֹת בְּרִיתִי אֶת־לֵוִי אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת׃

wida'etem ki schillachti alechem et hammizwa hassot lihjot briti et lewi amar adonaj zwa'ot

4 Und ihr werdet wissen, dass Ich euch dieses Gebot gegeben habe, um mit dem Bund Lewis zu sein, – sprach der HERR. – Ihr seid diejenigen, die jenem Bund dienen, den Ich seinerzeit mit dem Stamm Lewi geschlossen habe.

בְּרִיתִי הָיְתָה אִתּוֹ הַחַיִּים וְהַשָּׁלוֹם וָאֶתְּנֵם־לוֹ מוֹרָא וַיִּירָאֵנִי וּמִפְּנֵי שְׁמִי נִחַת הוּא׃

briti hajta itto hachajim wehaschalom wa'ettnem lo mora wajira'eni umippnej schmi nichat hu

5 Es war ein Bund mit ihm: des Lebens und des Friedens. Und ich gab ihnen Furcht, und sie fürchteten sich, zitterten vor Mir UND HATTEN EHRFURCHT VOR Meinem Namen.

תּוֹרַת אֱמֶת הָיְתָה בְּפִיהוּ וְעַוְלָה לֹא־נִמְצָא בִשְׂפָתָיו בְּשָׁלוֹם וּבְמִישׁוֹר הָלַךְ אִתִּי וְרַבִּים הֵשִׁיב מֵעָוֹן׃

torat emet hajta befihu we'awla lo nimza wisfataw beschalom uwemischor halach itti werabbim heschiw me'awon

6 Die wahre Tora war in ihrem Mund, und keinerlei Falschheit war in Seinem Mund. Auf friedlichen und geraden Wegen ging er. Friedlich und gerade wandelte er mit Mir, und viele brachte er von der Gesetzlosigkeit ab.

Als Lewi diente, als die Kohanim gemäß ihrem Bund dienten und im Bund waren, konnten sie viele von der Sünde befreien.

כִּי־שִׂפְתֵי כֹהֵן יִשְׁמְרוּ־דַעַת וְתוֹרָה יְבַקְשׁוּ מִפִּיהוּ כִּי מַלְאַךְ יְהוָה־צְבָאוֹת הוּא׃

ki siftej kohen jischmeru da'at wetora jewakschu mippihu ki mal'ach adonaj zwa'ot hu

7 Denn der Mund des Kohen bewahrt Erkenntnis, und die Tora soll man aus Seinem Mund erbitten, denn Er ist ein Engel (Bote) des HERRN der Heerscharen, Er (das heißt, an den Kohen soll man sich wenden, und er muss entsprechend ein Bote Gottes sein, des Gottes der Heerscharen)

וְאַתֶּם סַרְתֶּם מִן־הַדֶּרֶךְ הִכְשַׁלְתֶּם רַבִּים בַּתּוֹרָה שִׁחַתֶּם בְּרִית הַלֵּוִי אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת׃

we'attem sartem min hadderech hicheschaltem rabbim battora schichattem brit hallewi amar adonaj zwa'ot

8 Ihr aber seid vom Weg abgewichen und habt im Gegenteil zugelassen, dass viele in der Tora ausgleiten, und habt den Bund mit Lewi zerstört, – sprach der HERR der Heerscharen.

וְגַם־אֲנִי נָתַתִּי אֶתְכֶם נִבְזִים וּשְׁפָלִים לְכָל־הָעָם כְּפִי אֲשֶׁר אֵינְכֶם שֹׁמְרִים אֶת־דְּרָכַי וְנֹשְׂאִים פָּנִים בַּתּוֹרָה׃

wegam ani natatti etchem niwsim uschfalim lechol ha'am kefi ascher ejnechem schomrim et drachaj wenos'im panim battora

9 Und Ich werde euch ebenfalls verachtet und erniedrigt machen vor dem ganzen Volk, weil ihr Meine Wege nicht bewahrt und mit der Tora parteiisch umgeht.“ Hier endet die Haftara des Wochenabschnitts, das heißt jener Abschnitt aus dem Buch der Propheten, der zusammen mit dem Wochenabschnitt Toldot gelesen wird. Der Wochenabschnitt Toldot ist der Abschnitt, der von der Geburt Esaws und Jaakows erzählt, vom Beginn der Konfrontationen zwischen ihnen, vom Verkauf der Erstgeburt, vom Streit um den Segen – all das spiegelt sich in gewissem Maß in der Geschichte des Propheten Malachi wider, der ebenfalls vom Segen, vom Bund und von der Liebe des Höchsten spricht. Davon, dass, ja, die Gnade des Höchsten nach wie vor Jaakow gilt, und Esaw ist, sagen wir es so, eine Nebenfigur. Aber zugleich können auch die, die ganz im Vordergrund stehen, auch die Kohanim, mit denen es einen Bund gibt, denen Liebe gilt, die die Liebe des Volkes zum Höchsten ausdrücken sollen, den Segen in Fluch verwandeln. Das Wesen des Segens besteht darin, dass er zwei Enden hat. Und wenn das Volk nicht zur Besinnung kommt, wenn die Kohanim nicht aufhören, den Namen des Höchsten zu missachten, dann kann das für das Volk und für die Diener des Volkes sehr schlimm enden. Und diese Worte gelten ja nicht nur den Kohanim. Das sind Worte an jeden Menschen, der es auf sich genommen hat oder der meint, dass der Höchste ihm die Mission gegeben hat, Ihm zu dienen, und ihn als Lehrer, als Unterweiser eingesetzt hat. Ja, jede Mission, die der Höchste uns gegeben hat, kann man aus einem Segen in einen Fluch verwandeln, wenn man sie missachtet. Und man muss ständig auf sich achten und in sich hineinschauen.

Lest auch: Chaje Sara, Wajeze, Toldot im Audioformat und die Wochenabschnitte der Tora.

Russisches Original: alexblend.com
Diese Übersetzung wurde mit Unterstützung von KI erstellt und bedarf einer weiteren sprachlichen Bearbeitung und Korrektur durch Muttersprachler.

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    1. 1Toldot: die göttliche Genetik 25,19–2800:33
    2. 2Linsen-Tauschhandel 25,29–3427:43
    3. 3Steig nicht hinab nach Ägypten 26,1–1747:17
    4. 4Vom Brunnen zum Tempel 26,18–331:05:21
    5. 5Der Stammvater undercover 26,34–27,181:33:39
    6. 6Drei Segnungen 27,18–28,91:53:58
    7. 7Und Jizchak liebte Esaw 2:29:21
    8. 8Haftara Malachi 1–22:45:35

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