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- Schemot
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וָאֵרָא
Waera
Mosche, der Pharao und die Plagen Ägyptens
- Wochenabschnitt
- 14 von 54
- Verse
- Schemot 6,2–9,35
- Teile
- 9
- Lesezeit
- 2 Std. 12 Min.
- Hörfassung
- 3 Std. 27 Min.
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Waera ist der Wochenabschnitt über Gottes Plan zur Befreiung Israels. Alex Blend behandelt die Berufung Mosches und Aharons, die Konfrontation mit dem Pharao, die Plagen Ägyptens und die unvollständige Reue. Das Stenogramm enthält den Tora-Text auf Hebräisch, die Transliteration, die Übersetzung, die Kommentare des Autors und die Haftara aus Jecheskel.
Waera: Es gibt einen Plan
Schemot 6,2–13
Mit Gottes Hilfe beginnen wir zusammen heute, den Wochenabschnitt Waera zu lesen. Das ist der zweite Wochenabschnitt im Buch Schemot. Wir sind dabei stehen geblieben, dass Mosches Gang zum Pharao, gelinde gesagt, erfolglos war. Die Bedingungen des Volkes verschlechterten sich drastisch, und Mosche wandte sich mit einer Frage an den Höchsten. Man kann das als Vorwurf verstehen, aber wir haben gesagt, dass es eine Frage ist, denn der Höchste gibt dem Volk Israel durch Mosche die Tora, oder die Lehre. Eine Lehre umfasst einen ganzen Komplex von Wissen, und wenn ein Mensch in der Lehre unterwiesen wird, die Lehre empfängt, dann kann er selbstverständlich nicht nur nachfragen, sondern er muss es sogar, wenn ihm etwas unklar ist. Mosche war es unklar, und er fragte beim Höchsten nach, warum so etwas geschehen ist. Und der Höchste enthüllt in unserem Wochenabschnitt ein wenig Seine Pläne und sogar ein wenig Seine Natur.
Wir werden ab Vers 2 von Kapitel 6 lesen.
וַיְדַבֵּר אֱלֹהִים אֶל־מֹשֶׁה וַיֹּאמֶר אֵלָיו אֲנִי יְהוָה׃
wajdabér elohím el-mosché wajomer eláw aní adonáj
2 Und Gott redete mit Mosche und sprach zu ihm: „Ich bin der HERR.
Wenn wir das Wort Adonáj (der HERR) in der Tora oder irgendwo im Tanach lesen, müssen wir daran denken, dass meistens der Name aus vier Buchstaben gemeint ist, der, wie ich schon gesagt habe, falsch als Jehova transkribiert wird. Wir werden HaSchém sagen, einfach der Name. Also beginnt der Höchste das Gespräch mit Mosche damit, sich mit seinem Namen aus vier Buchstaben vorzustellen. Und weiter sagt Er Folgendes:
וָאֵרָא אֶל־אַבְרָהָם אֶל־יִצְחָק וְאֶל־יַעֲקֹב בְּאֵל שַׁדָּי וּשְׁמִי יְהוָה לֹא נוֹדַעְתִּי לָהֶם׃
wa'erá el-awrahám el-jizchák we'el-jaaków be'él schaddáj uschmí adonáj lo nodá'ti lahém
3 Ich habe Mich früher Awraham, Jizchak und Jaakow unter dem Namen El Schaddaj gezeigt, aber den Namen HERR habe Ich ihnen nicht offenbart.
Sehr seltsam ist es für einen Menschen, eine solche Offenbarung zum ersten Mal zu hören. Zum Beispiel hieß der französische Schriftsteller Jules Verne in Wirklichkeit Jules Gabriel Verne. Unter seinem zweiten Namen Gabriel ist er wenig bekannt, aber ein Mensch kann, das ist klar, einen Doppelnamen haben, und was macht das für uns eigentlich für einen Unterschied? Warum spricht der Höchste von Seinen verschiedenen Namen?
Man nimmt allgemein an, dass die verschiedenen Namen des Höchsten seine verschiedenen Eigenschaften widerspiegeln. Es gibt den Namen Zwaot, der HERR der Heerscharen bedeutet. Hier sehen wir die Namen El Schaddaj und den Namen HERR. Der Name El Schaddaj, mit dem sich der Höchste Awraham, Jizchak und Jaakow offenbarte, ist ein erstaunlicher Name. Er kommt im Buch Bereschit vor (der Name ist, kann man sagen, direkt mit dem Buch Bereschit verbunden), außerdem hier, in diesem Vers, und noch beim Propheten Jecheskel, in Kapitel 10. El ist, das ist klar, Gott. Das Wort Schaddaj ist ein sehr erstaunliches Wort, die Wurzel schín-dálet ist mit Grenzen verbunden: der die Grenzen bewacht, der die Grenzen festsetzt, der die Fristen festsetzt. Sadé ist das Feld, ein abgestecktes Gebiet; schéd ist der Teufel, vom Wort Grenzlinie, das heißt der, der die Grenzen verletzt, der von der anderen Seite kommt; schodéd ist der Räuber, der, der in dein Gebiet eindringt; schád ist die weibliche Brust, das, was das Kind nährt, das, was in das Kind eingeht, Mutter und Kind verbindet.
El Schaddaj ist einerseits der Gott, der mit Milchnahrung nährt, andererseits ist es der Gott der Planung, der Pläne, der Festsetzung von Fristen, der Verheißungen, der Träume und so weiter, Gott als Kindheit der Menschheit. Und mit diesem Namen offenbarte sich der Höchste Awraham, Jizchak und Jaakow.
Mit dem Namen HERR hat Er sich ihnen nicht offenbart. Der Name HERR ist der Verwalter, Der, Der ist, war und sein wird, der in Sich die drei Zeiten des Verbs lihjot (sein) vereint. Dieser Name ist mit der Erfüllung der Verheißungen verbunden, damit, dass die Pläne verwirklicht werden, damit, dass der Höchste tut, was Er verspricht. Man kann sagen, dass El Schaddaj der Weg ist und der HERR das Tor. Und wir sehen hier, dass es die Möglichkeit eines Übergangs von der Epoche des Wirkens des einen Namens zur Epoche des Wirkens des anderen Namens gibt. Das bedeutet, dass auch das Umgekehrte geschehen kann. Zum Beispiel geschah bei der Zerstörung des Tempels ein Rückschritt: Das, was schon verwirklicht war, jener Tempel, der schon mit Toren dastand, in den man eintreten konnte, verwandelte sich nun in das Warten auf den Bau des Tempels, ging in gewissem Maß von der Epoche des Namens HERR zur Epoche des Namens El Schaddaj über, in diesem konkreten Arbeitsbereich. Hier sagt der HERR: „Du weißt es noch nicht, aber Meiner Natur nach bin Ich der HERR, Der die Verheißungen erfüllt.“
וְגַם הֲקִמֹתִי אֶת־בְּרִיתִי אִתָּם לָתֵת לָהֶם אֶת־אֶרֶץ כְּנָעַן אֵת אֶרֶץ מְגֻרֵיהֶם אֲשֶׁר־גָּרוּ בָהּ׃
wegám hakimóti et-berití ittám latét lahém et-érez kená'an et érez megurehém ascher-gáru wa
4 Ich habe damals auch mit ihnen den Bund aufgerichtet: ihnen das Land Kanaan zu geben als Land ihres Aufenthalts, in dem sie Umherziehende waren.
Wir erinnern uns, dass unsere Väter im Land Kanaan als zeitweilige Bewohner umhergingen. Jaakow ließ sich darin erst nieder, und auch das, wie sich herausstellte, nicht für lange: er musste nach Ägypten hinabziehen. Und der Höchste sagt: „Als Ich Mich Awraham, Jizchak und Jaakow unter dem Namen El Schaddaj offenbarte, dort, in der Epoche der Planung und der Träume, habe Ich ihnen das Land zum ewigen Besitz versprochen, das Land, auf dem sie als zeitweilige Bewohner umhergingen.“
וְגַם אֲנִי שָׁמַעְתִּי אֶת־נַאֲקַת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר מִצְרַיִם מַעֲבִדִים אֹתָם וָאֶזְכֹּר אֶת־בְּרִיתִי׃
wegám aní schamá'ti et-na'akát bené jisraél aschér mizrájim ma'awidím otám wa'eskór et-berití
5 Und nun habe Ich das Wehgeschrei des Volkes Israel gehört, das von Ägypten versklavt ist, und Ich habe an meinen Bund gedacht.
Hier antwortet der Höchste Mosche auf die Frage, wozu Er das alles angefangen hat: Die Zeit der Erfüllung des Bundes ist gekommen.
לָכֵן אֱמֹר לִבְנֵי־יִשְׂרָאֵל אֲנִי יְהוָה וְהוֹצֵאתִי אֶתְכֶם מִתַּחַת סִבְלֹת מִצְרַיִם וְהִצַּלְתִּי אֶתְכֶם מֵעֲבֹדָתָם וְגָאַלְתִּי אֶתְכֶם בִּזְרוֹעַ נְטוּיָה וּבִשְׁפָטִים גְּדֹלִים׃
lachén emór liwne-jisraél aní adonáj wehozetí etchém mittáchat siwlót mizrájim wehizzaltí etchém me'awodatám wega'altí etchém bisróa netujá uwischfatím gedolím
6 Geh, sage den Söhnen Israels: Ich bin der HERR, Ich führe euch heraus, ziehe euch aus der Versklavung heraus, Ich befreie euch überhaupt von jeder Verbindung mit ihnen, wenn Ich euch über die Grenzen Ägyptens hinausführe, mit starker Hand rette Ich euch und mit großen Gerichten.
וְלָקַחְתִּי אֶתְכֶם לִי לְעָם וְהָיִיתִי לָכֶם לֵאלֹהִים וִידַעְתֶּם כִּי אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם הַמּוֹצִיא אֶתְכֶם מִתַּחַת סִבְלוֹת מִצְרָיִם׃
welakachtí etchém li le'ám wehajíti lachém lelohím wida'tém ki aní adonáj elohechém hammozí etchém mittáchat siwlót mizrájim
7 Ich nehme euch Mir zum Volk und werde euch Gott sein, und dann werdet ihr erkennen, dass Ich der HERR bin, euer Gott, Der euch aus den ägyptischen Leiden herausführt.
Der Höchste spricht von einer Befreiung in vier Etappen, vier Etappen wird es geben: Ich führe euch aus der Sklaverei heraus – das ist der erste Teil der Befreiung (man nimmt an, dass, als die Plagen begannen, die Sklaverei aufhörte); Ich befreie euch von jeder Verbindung mit ihnen, wenn Ich euch über die Grenzen Ägyptens hinausführe; Ich rette euch mit starker Hand und mit großen Gerichten – das ist am Meer; Ich nehme euch Mir zum Volk – das ist die Verheißung am Sinai. Das alles werden wir erst später erfahren. Das heißt, der HERR sagt: „Ich werde das alles tun, Ich werde die Befreiung in Etappen durchführen, mit einem klaren Plan. Und dann werdet ihr erkennen, dass Ich der HERR bin, euer Gott.“
Wir haben gesagt, dass vieles – sowohl im Buch Bereschit als auch in unserem Buch Schemot – verbunden ist mit dem Verb wissen. Awraham fragte: „Wie werde ich erkennen, dass ich dieses Land erben werde?“ Die ganze Geschichte, kann man sagen, begann damit, dass Awraham fragte: „Wie werde ich erkennen“. Der HERR ließ einen Schlaf über ihn kommen inmitten der zerteilten Körper und sagte zu ihm: „Mit Wissen wirst du erkennen.“ Und nun ist die Zeit gekommen, zu erkennen. Der Höchste sagt: „Ich werde das tun, Ich werde diese Befreiung vollbringen, und dann werdet ihr erkennen.“ Es stellt sich die Frage: Wusste das Volk Israel es denn früher nicht? Hier wird im Großen und Ganzen folgende Antwort gegeben: „Ich werde euch Gott sein, ihr werdet mich als Gott anerkennen, und ihr werdet erkennen“, das heißt, der Höchste beginnt diesen Prozess des Erkennens erst, denn bis dahin war da der Gott, der Verheißungen gibt. Jetzt aber sagt der Höchste: „Ich will Mich als Gott offenbaren, der die Verheißungen erfüllt, Ich will Mich mit dem Namen HERR offenbaren.“
וְהֵבֵאתִי אֶתְכֶם אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר נָשָׂאתִי אֶת־יָדִי לָתֵת אֹתָהּ לְאַבְרָהָם לְיִצְחָק וּלְיַעֲקֹב וְנָתַתִּי אֹתָהּ לָכֶם מוֹרָשָׁה אֲנִי יְהוָה׃
wehewetí etchém el-ha'árez aschér nassáti et-jadí latét otá le'awrahám lejizchák ulja'aków wenatattí otá lachém moraschá aní adonáj
8 Ich bringe euch in das Land, über das Ich die Hand erhoben habe (geschworen habe), es Awraham, Jizchak, Jaakow zu geben, und werde es euch zum Erbe geben, Ich bin der HERR.“
Während des Séder Péssach erheben die Juden vier Becher entsprechend den vier Ausdrücken der Befreiung, die wir hier in Vers 6–7 lesen: wehozetí etchém (und Ich führe euch heraus), wehizzaltí etchém (und Ich befreie euch), wega'altí etchém (und Ich rette euch), welakachtí etchém (und Ich nehme euch). Das heißt, entsprechend den vier Ausdrücken bis zur Offenbarung am Sinai, so wie wir es aufgeschlüsselt haben. Wehewetí etchém (und Ich bringe euch, führe euch hinein) – das wird noch nicht gelesenIm Russischen steht wörtlich „das wird noch nicht gelesen“. Gemeint ist vermutlich, dass dieser fünfte Ausdruck beim Seder noch nicht mit einem eigenen Becher begangen wird; wir haben die Stelle wörtlich übersetzt., das ist mit der Zeit des Maschiach verbunden. Davon spricht auch der Brief an die Hebräer (4,5): „Nicht hineingeführt hat er sie in Meine Ruhe.“ Das ist noch nicht geschehen, die Verheißung hat sich noch nicht vollständig verwirklicht, das ist eine Verheißung für die Zukunft, deshalb wird der fünfte Becher nicht getrunken. Warum wiederholt der Höchste hier: „Ich bin der HERR, das ist Mein Plan, Ich bin der HERR, Der die Pläne erfüllt“? Das ist kein Versprechen, das ist schon der Beginn der Erfüllung der Versprechen.
So antwortete der Höchste Mosche auf die Frage, wozu das alles und warum das alles. Der Höchste sagt: „Ich bin der HERR, Ich bin der Erfüller der Versprechen, Ich erfülle die Verheißungen.“ Aber die Erfüllung, der Prozess des Handelns des Höchsten – er verläuft in Etappen, Schritt für Schritt. Die Kraft des Höchsten liegt darin, dass Er Seine Befreiung allmählich vollbringt, Schritt für Schritt, nicht augenblicklich, nicht in Explosionen, sondern sie so aufbaut, dass der Mensch mit Ihm durch alle Etappen gehen kann, um einen möglichst großen Teil der Schöpfung in sie einzubeziehen. Die Befreiung geschieht wie die Morgendämmerung langsam, das Licht nimmt langsam zu.
In Vers 9 lesen wir, dass Mosche verstand und versuchte, das den anderen zu erklären.
וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה כֵּן אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְלֹא שָׁמְעוּ אֶל־מֹשֶׁה מִקֹּצֶר רוּחַ וּמֵעֲבֹדָה קָשָׁה׃
wajdabbér mosché ken el-bené jisraél weló schame'ú el-mosché mikkózer rúach ume'awodá kaschá
9 Und Mosche erzählte dies alles den Söhnen Israels, und sie hörten nicht auf Mosche wegen der Schwäche des Geistes und wegen der schweren Arbeit.
Kózer rúach bedeutet kurzer Atem, das heißt, es gibt keine Möglichkeit, zu verschnaufen, ständige Anspannung. Die Kommentatoren zeigen hier zwei verschiedene Ansätze.
Der bekannte Midrasch Mechílta sagt, dass die Juden davor erschraken, dass dieser Plan so vielstufig ist, und dann wird da noch, Gott bewahre, die Tora gegeben und man lädt ihnen einen Haufen aller möglichen Arbeiten und Regeln auf, und sie erschraken vor der schweren Arbeit. Irgendwohin da gehen, sich irgendwohin da retten – das alles ist schwere, komplizierte Arbeit. Besser so leben, wie man gelebt hat, und es ist doch gut, im Großen und Ganzen leben wir nicht schlecht. Das heißt, das Volk erschrak laut der Mechílta vor dem Prozess der Befreiung, der Gabe der Tora, der Einhaltung der Tora und allem Übrigen.
Spätere Kommentatoren sagen (und das ist dem einfachen Sinn näher), dass es das Volk schwer hatte. Wenn du vom Morgen bis zum Abend schwer arbeitest, wenn du vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang arbeitest und die Normen bei der Herstellung von Ziegeln erfüllen musst, dann erfasst man irgendwie nur schwer abstrakte philosophische Ideen über die Theophanie (Gotteserscheinung), die göttlichen Namen und allerlei anderes. Es gelang Mosche nicht (noch ein Misserfolg), es gelang ihm nicht, dem Volk eine Einführung in die jüdische Eschatologie (die Lehre vom Ende der Tage), die Soteriologie (die Lehre von der Rettung) und sogar ein bisschen in die Theologie (Gotteslehre) zu erklären. Das Volk nahm nichts auf, wegen seiner übergroßen Beschäftigung oder wegen der Angst vor den Schwierigkeiten. Ich neige dazu, dass es doch gerade die schwere Arbeit war, die die Juden daran hinderte, aufzunehmen, was Mosche sagt.
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór
10 Und der HERR sprach zu Mosche und sagte:
בֹּא דַבֵּר אֶל־פַּרְעֹה מֶלֶךְ מִצְרָיִם וִישַׁלַּח אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵאַרְצוֹ׃
bo dabbér el-par'ó mélech mizrájim wischallách et-bene-jisraél me'arzó
11 „Geh und rede mit dem Pharao, dem König von Ägypten, und er wird die Söhne Israels aus dem Land fortschicken.“
וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה לִפְנֵי יְהוָה לֵאמֹר הֵן בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל לֹא־שָׁמְעוּ אֵלַי וְאֵיךְ יִשְׁמָעֵנִי פַרְעֹה וַאֲנִי עֲרַל שְׂפָתָיִם׃
wajdabbér mosché lifné adonáj lemór hen bene-jisraél lo-schame'ú eláj we'éch jischma'éni far'ó wa'aní arál sefatájim
12 Und Mosche sprach zum HERRN und sagte: „Sieh, sogar die Söhne Israels haben nicht auf Mich gehört. Wie wird dann der Pharao auf mich hören, wenn ich so bin – na ja, nicht redegewandt?!“
Das heißt: „Es gelingt mir nicht, irgendetwas zu erklären. Ich konnte ja nicht einmal den Israeliten etwas begreiflich machen, und du willst, dass ich jetzt zum Pharao gehe, um ihm etwas begreiflich zu machen.“
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל־אַהֲרֹן וַיְצַוֵּם אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְאֶל־פַּרְעֹה מֶלֶךְ מִצְרָיִם לְהוֹצִיא אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajdabbér adonáj el-mosché we'el-aharón wajzawwém el-bene jisraél we'el-par'ó mélech mizrájim lehozí et-bene-jisraél me'érez mizrájim
13 Und der HERR redete zu Mosche und zu Aharon und gebot ihnen, den Söhnen Israels und dem Pharao, dem König von Ägypten, die Söhne Israels aus dem Land Ägypten herauszuführen.
Der Befehl erging an alle Beteiligten dieser Sache, dieser Spezialoperation: das Volk Israel aus dem Land Ägypten herauszuführen.
Und wieder eine Liste von Namen
Schemot 6,14–28
Das letzte Mal sprachen wir darüber, dass der Höchste Mosche das Geheimnis zweier seiner Namen ein wenig enthüllt hat: des Namens El Schaddaj und des Namens HERR. Wir sprachen über verschiedene Facetten des Höchsten, die sich durch diese Namen offenbaren, verschiedene Prinzipien der Lenkung der Welt. Wir sprachen darüber, dass der Höchste Mosche den Plan der Befreiung erzählt hat, dass Mosche versucht hat, ihn dem Volk Israel nahezubringen. Aber das Volk Israel nahm das wegen der Schwere seiner Sklavenarbeit nicht mit großer Begeisterung auf und weigerte sich einfach, ihn anzuhören. Trotzdem erklärte der Höchste feierlich den Beginn der Operation zur Herausführung des Volkes Israel aus Ägypten für eröffnet, gab allen den Befehl – sowohl Mosche als auch Aharon, sowohl dem Volk als auch dem Pharao –, den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten zu beginnen.
In unserem heutigen Gespräch verlässt die Tora unsere Helden für kurze Zeit, um von ihrem Stammbaum zu erzählen. Wozu erscheint der Stammbaum? Um auf die Herkunft des Menschen hinzuweisen (wir werden die Herkunft Mosches und Aharons sehen) und uns zu erklären, dass, obwohl Mosche dem Pharao Gott sein wird oder Aharon Gott sein wird, Mosche einfach ein Mensch aus Blut und Fleisch ist und auch Aharon ein Mensch aus Blut und Fleisch ist. Wir werden auch sehen, dass der Höchste lange vor ihrer Geburt einen Plan für ihr Erscheinen hatte und dass das Geschehen gerade durch sie verwirklicht werden würde, teilweise war das klar. Wir werden sehen, dass hier schon ein Hinweis auf die Erwählung der Priesterschaft liegt. Wir werden noch viel Interessantes sehen, aber wir werden es im Lauf des Lesens untersuchen. Die Tora beginnt ganz von vorn und kehrt zu dem längst durchgenommenen Stoff über den Stammbaum der Söhne Jaakows zurück.
Wir werden ab Vers 14 von Kapitel 6 lesen.
אֵלֶּה רָאשֵׁי בֵית־אֲבֹתָם בְּנֵי רְאוּבֵן בְּכֹר יִשְׂרָאֵל חֲנוֹךְ וּפַלּוּא חֶצְרוֹן וְכַרְמִי אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת רְאוּבֵן׃
élle rasché wet-awotám bené re'uwén bechór jisraél chanóch ufallú chezrón wecharmí élle mischpechót re'uwén
14 Und dies sind die Häupter der Häuser (die Häupter der Stämme) ihrer Väter. Dies sind die Söhne Re'uwens, des Erstgeborenen Israels: Chanoch und Palu, Chezron und Karmi – das sind die Familien Re'uwens.
וּבְנֵי שִׁמְעוֹן יְמוּאֵל וְיָמִין וְאֹהַד וְיָכִין וְצֹחַר וְשָׁאוּל בֶּן־הַכְּנַעֲנִית אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת שִׁמְעוֹן׃
uwné schim'ón jemu'él wejamín we'óhad wejachín wezóchar wescha'úl ben-hakkena'anít élle mischpechót schim'ón
15 Und dies sind die Söhne Schimons: Jemu'el, Jamin, Ohad, Jachin, Zochar und Scha'ul, der Sohn der Kanaaniterin. Das sind die Namen der Familien Schimons.
וְאֵלֶּה שְׁמוֹת בְּנֵי־לֵוִי לְתֹלְדֹתָם גֵּרְשׁוֹן וּקְהָת וּמְרָרִי וּשְׁנֵי חַיֵּי לֵוִי שֶׁבַע וּשְׁלֹשִׁים וּמְאַת שָׁנָה׃
we'élle schemót bene-lewí letoledotám gereschón ukhat umrarí uschné chajé lewí schéwa uschloschím um'át schaná
16 Und dies sind die Namen der Söhne Lewis nach ihrer Abstammung: Gerschon und Kehat und Merari; an Lebensjahren Lewis – 137 Jahre.
Im 46. Kapitel des Buches Bereschit, im Gespräch „Was ist dir mein Name?“, haben wir die Namen dieser unserer Helden ausführlich untersucht. Und die Tora kommt weiter zum wichtigsten Moment, weiter lesen wir nicht mehr vom nächsten Stamm, sondern vom Stamm Lewi. Die Tora wird den Stammbaum Lewis entfalten.
בְּנֵי גֵרְשׁוֹן לִבְנִי וְשִׁמְעִי לְמִשְׁפְּחֹתָם׃
bené gereschón liwní weschim'í lemischpechotám
17 Die Söhne Gerschons: Liwni (schneeweiß) und Schimi (der, von dem man gehört hat), nach ihren Familien.
וּבְנֵי קְהָת עַמְרָם וְיִצְהָר וְחֶבְרוֹן וְעֻזִּיאֵל וּשְׁנֵי חַיֵּי קְהָת שָׁלֹשׁ וּשְׁלֹשִׁים וּמְאַת שָׁנָה׃
uwné kehat amrám wejizhár wechewrón we'ussi'él uschné chajé kehát schalósch uschloschím um'át schaná
18 Die Söhne Kehats: Amram und Jizhar und Chewron und Ussi'el; die Lebensjahre Kehats – 133 Jahre.
Der Name Amrám bedeutet großer HERR. Obwohl das Wort am in den modernen semitischen Sprachen Volk bedeutet, ist es eine der Bezeichnungen Gottes. Amrám ist der erhabene HERR oder der Höchste. Jizhár ist Aufhellung. Aber das ist auch reines Olivenöl, das heißt etwas Durchsichtiges, Geklärtes, Helles, voller Licht. Chewrón ist der Ort, wo man Freunde findet, sich miteinander verbindet. Ussi'él – die Macht des HERRN.
וּבְנֵי מְרָרִי מַחְלִי וּמוּשִׁי אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת הַלֵּוִי לְתֹלְדֹתָם׃
uwné merarí machlí umuschí élle mischpechót hallewí letoledotám
19 Und die Söhne Meraris: Machli und Muschi; das ist der Stammbaum Lewis.
Machlí ist ein Schmuckstück, eines von zahlreichen Schmuckstücken. In der Tora werden tatsächlich 24 verschiedene Schmuckstücke erwähnt: Ohrringe, allerlei Armbänder, Ringe und sogar Intimpiercing. Machlí ist nach vielen Versionen ein Armband, das auf den Unterarm gelegt wird, auf den oberen Teil des Arms. Muschí ist ein Name, der seiner Herkunft nach dem Namen Mosché ähnelt – irgendwoher herausgezogen, irgendwoher befreit, deutet möglicherweise auf eine schwere Geburt hin.
וַיִּקַּח עַמְרָם אֶת־יוֹכֶבֶד דֹּדָתוֹ לוֹ לְאִשָּׁה וַתֵּלֶד לוֹ אֶת־אַהֲרֹן וְאֶת־מֹשֶׁה וּשְׁנֵי חַיֵּי עַמְרָם שֶׁבַע וּשְׁלֹשִׁים וּמְאַת שָׁנָה׃
wajikkách amrám et-jochéwed dodató lo le'ischá wattéled lo et-aharón we'et-mosché uschné chajé amrám schéwa uschloschím um'at schanáIn der russischen Umschrift fehlt beim Wort für „Jahr“ der erste Laut. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: schaná.
20 Und Amram nahm sich seine Tante Jochewed zur Frau, und sie ist die Schwester seines Vaters; und sie gebar ihm Aharon und Mosche. Und die Lebensjahre Amrams sind auch 137 Jahre.
Amrám ist der Sohn Kehats. Der Name der Frau Amráms, Jochéwed, bedeutet herrlicher HERR oder Herrlichkeit des HERRN, jo ist eine Abkürzung des Namens des Höchsten. Er nahm sie sich zur Frau, und sie ist die Schwester seines Vaters. Die Tora verbietet, das zu tun, aber das war vor der Gabe der Tora, deshalb gab es offenbar eine solche Praxis. Jochéwed ist zu jenem Zeitpunkt sehr viele Jahre alt, wahrscheinlich ebenfalls 130 Jahre. Verschiedene Berechnungen dazu sagen, dass Jochéwed möglicherweise an dem Tag geboren wurde, an dem Jaakow nach Ägypten hinabzog: Jochéwed – 130 Jahre, Mosche – 80, zusammen ergibt das 210 Jahre, das ist genau die Zeit des Aufenthalts des Volkes in Ägypten. Es gibt noch viel allerlei verschiedene interessante Arithmetik dazu, und man kann es tatsächlich so berechnen. Die Kommentatoren sagen, dass in dem Moment, als das Volk Israel hinabzog, schon die Mutter dessen geboren war, durch den die Befreiung bewirkt werden wird. Jedenfalls kann man über ihr Geburtsjahr sagen, dass das eine so erstaunliche Weisheit ist, eine erstaunliche Vorsehung des Höchsten, der uns tiefer eben diese Facette eröffnet – wie der HERR für die Befreiung wirkt, schon lange bevor die Befreiung eingetreten ist.
Also, Amrám nahm sich Jochéwed zur Frau, und sie gebar ihm Aharon und Mosche. Das Schwesterchen namens Mirjam wird noch nicht erwähnt.
וּבְנֵי יִצְהָר קֹרַח וָנֶפֶג וְזִכְרִי׃
uwné jizhár kórach wanéfeg wesichrí
21 Die Söhne Jizhars: Korach und Nefeg und Sichri.
Den Namen Kórach setzt man meistens mit Kraft gleich. Er bedeutet stark, fest, aber in diesem Fall ist es, wenn man ihn mit anderen semitischen Namen vergleicht, am wahrscheinlichsten, dass der Name vom Wort keréach (kahl) stammt, das heißt, der Name Kórach wurde im Zusammenhang mit dem Aussehen gegeben. Néfeg, der Name des zweiten Sohnes, stammt von der Wurzelzelle pej-gimel – hervorragend, über den Rahmen hinausgehend, die Rahmen der Wirklichkeit sprengend. Sichrí - der, an den man sich erinnern wird.
וּבְנֵי עֻזִּיאֵל מִישָׁאֵל וְאֶלְצָפָן וְסִתְרִי׃
uwné ussi'él mischa'él we'elzafán wesitrí
22 Und die Söhne Ussi'els: Mischa'el und Elzafan und Sitri.
Der Name Mischa'él ist unklarer Herkunft, aber man kann ihn ungefähr übersetzen als der, den Gott auf Händen tragen wird. Elzafán – der, der verschiedene seiner Züge offenbart, oder der, der seine Feinde auf die Wangen schlagen wird. Sitrí – der, der unter Schutz steht, sich in einer Zuflucht befindet. Solche Namen gaben die Eltern ihren Kindern.
וַיִּקַּח אַהֲרֹן אֶת־אֱלִישֶׁבַע בַּת־עַמִּינָדָב אֲחוֹת נַחְשׁוֹן לוֹ לְאִשָּׁה וַתֵּלֶד לוֹ אֶת־נָדָב וְאֶת־אֲבִיהוּא אֶת־אֶלְעָזָר וְאֶת־אִיתָמָר׃
wajikkách aharón et-elischéwa bat-amminadáw achót nachschón lo le'ischá wattéled lo et-nadáw we'et-awihú et-el'asár we'et-itamár
23 Aharon nahm sich Elischewa zur Frau, die Tochter Aminadaws, die Schwester Nachschons, und sie gebar ihm Nadaw und Awihu und Elasar und Itamar.
Der Name Elischéwa bedeutet Gott hat geschworen. Aminadáw bedeutet Gott hat ein Opfer gegeben, Gott hat als Opfer dargebracht (soweit das auf Gott anwendbar ist): Gott hat eine Gabe gegeben, Gott hat aus Gnade gegeben, Gott hat guten Willen gezeigt. Einen solchen Namen hat die Frau Aharons, des Kohen (aber damals noch nicht Kohen). Nachschón bedeutet entweder kleine Schlange, Schlangenjunges, oder der, der vorhergeahnt ist, vom Wort lenachésch (erraten). Nadáw ist ein freiwillig dargebrachtes Opfer, eine Spende, wurzelverwandte Wörter sind lenadév (Volontär sein, Freiwilliger sein) und nedawá (freiwilliges Opfer). Wir haben schon den Namen Aminadáw erwähnt, und hier ist der Name Nadáw – auch ein sehr ähnlicher Name. Awihu ist mein Vater ist Er oder mein Vater ist der HERR.
וּבְנֵי קֹרַח אַסִּיר וְאֶלְקָנָה וַאֲבִיאָסָף אֵלֶּה מִשְׁפְּחֹת הַקָּרְחִי׃
uwné kórach assír we'elkaná wa'awi'assáf élle mischpechót hakkorchí
24 Die Söhne Korachs aber: Assir und Elkana und Awiasaf, das sind die Familien Korachs.
Assír ist in diesem Fall der, der sich unterordnet, der Gehorsame. Elkaná – Gott hat erworben. Awiasáf – der HERR wird hinzufügen oder der HERR hat zusätzlichen Segen gegeben.
וְאֶלְעָזָר בֶּן־אַהֲרֹן לָקַח־לוֹ מִבְּנוֹת פּוּטִיאֵל לוֹ לְאִשָּׁה וַתֵּלֶד לוֹ אֶת־פִּינְחָס אֵלֶּה רָאשֵׁי אֲבוֹת הַלְוִיִּם לְמִשְׁפְּחֹתָם׃
we'el'asár ben-aharón lakach-ló mibbenót puti'él lo le'ischá wattéled lo et-pinechás élle rasché awót halwijím lemischpechotám
25 Elasar, der Sohn Aharons, nahm sich eine Frau von den Töchtern Putiels, und sie gebar ihm Pinchas. Das sind die Häupter der Häuser der Leviten nach ihren Familien.
Der Name Pinchás ist ein ägyptischer Name, er ist schwer aus dem Hebräischen zu übersetzen. Wir werden zu gegebener Zeit, wenn wir mehr über Pinchás sprechen, die Bedeutung dieses Namens ausführlicher besprechen.
הוּא אַהֲרֹן וּמֹשֶׁה אֲשֶׁר אָמַר יְהוָה לָהֶם הוֹצִיאוּ אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם עַל־צִבְאֹתָם׃
hu aharón umosché aschér amár adonáj lahém hozí'u et-bené jisraél me'érez mizrájim al-ziw'otám
26 Das sind Aharon und Mosche, denen der Höchste befahl, das Volk Israel aus Ägypten herauszuführen nach ihren Heerscharen.
Der Name Aharon. Wir haben hier nach und nach alle Namen besprochen, berührt, außer dem Namen Aharon. Es gibt eine interessante Auslegung, dass der Name Aharon von dem Wort ohel (Zelt) abstammt, da in einigen semitischen Dialekten die Buchstaben Rejsch und Lamed nicht zu unterscheiden sind. Und der Name Aharon könnte wie Ahalon klingen. (Eine solche Erscheinung gibt es auch in heutigen fernöstlichen Sprachen. Zum Beispiel klingen im koreanischen phonetischen Alphabet Hangul die Buchstaben „r“ und „l“ sehr ähnlich und werden als Laute manchmal nicht unterschieden.) Aharon ist der, der dazu bestimmt ist, sich im Zelt aufzuhalten. Vielleicht ist ihm ein solcher Name prophetisch gegeben.
הֵם הַמְדַבְּרִים אֶל־פַּרְעֹה מֶלֶךְ־מִצְרַיִם לְהוֹצִיא אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מִמִּצְרָיִם הוּא מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן׃
hem hamdabberím el-par'ó melech-mizrájim lehozí et-bene-jisraél mimmizrájim hu mosché we'aharón
27 Und sie werden mit dem Pharao, dem ägyptischen König, reden, um die Söhne Israels aus Ägypten herauszuführen; das sind Mosche und Aharon.
In Vers 26 sind das Aharon und Mosche, hier – nach dem Alter, zuerst Aharon und dann Mosche, weil es darum geht, dass Aharon dem Volk näher stehen wird. Für das Volk Israel zuerst Aharon, den sie kennen, dann Mosche, der sein Bruder ist.
וַיְהִי בְּיוֹם דִּבֶּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה בְּאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajhí bejom dibbér adonáj el-mosché be'érez mizrajim
28 Das also war zu der Zeit, als der Höchste mit Mosche im Land Ägypten zu reden begann.
Wozu war diese scheinbar langweilige Aufzählung von Namen nötig, von Namen der Nachkommen Lewis? Und selbst wenn wir die Bedeutung der Namen besprochen haben, wird es trotzdem vielen so vorkommen, dass es keinen Grund gab, ein so spannendes Kapitel zu unterbrechen, um hier darüber zu sprechen. Das ist dafür nötig, damit wir daran denken, dass Mosche und Aharon Leute sind, Menschen, ihrer Herkunft nach aus dem Volk. Damit wir sehen, dass der Höchste von Anfang an plante, durch das Geschlecht Lewis zu wirken, das Geschlecht Lewis erwählte und Aharon, den Kohen, zur Erwählung vorherbestimmte. Mir rührt das immer ans Herz, weil ich von seinen Nachkommen bin, und Aharon ist mein ferner-ferner-…ferner Großvater. Der Höchste hat Mosche erzählt, wie der Plan sein wird. Und hier gibt es so einen kleinen Bericht über die Arbeit, die zur Vorbereitung der Verwirklichung dieses Plans geleistet wurde: wie Mosche und Aharon auf die Welt kamen, wie sie gerade aus dem Geschlecht Lewis hervorgingen, wie der Höchste sie im Voraus großgezogen hat, noch lange vor ihrer Geburt. Deshalb also hat die Tora einen solchen genealogischen Exkurs gemacht, ihre Erzählung an der spannendsten Stelle unterbrochen und sich einem Minütchen Bürokratie und Genealogie gewidmet.
Gerade dich brauche Ich
Schemot 6,29–7,7
Dieser Abschnitt wird bei uns ziemlich kurz, aber zugleich gehaltvoll. Also, Kapitel 6, Vers 29:
וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר אֲנִי יְהוָה דַּבֵּר אֶל־פַּרְעֹה מֶלֶךְ מִצְרַיִם אֵת כָּל־אֲשֶׁר אֲנִי דֹּבֵר אֵלֶיךָ׃
wajdabbér adonáj el-mosché lemór aní adonáj dabbér el-par'ó mélech mizrajim et kol-aschér aní dowér elécha
29 Und der HERR sprach zu Mosche und sagte: „Ich bin der HERR, sage dem Pharao, dem ägyptischen König, alles, was Ich dir sage.“
Anscheinend ist das das, was der Höchste Mosche schon gesagt hat, als Er ihm von Seinem Vorhaben erzählte und den Plan der Befreiung Israels ein wenig enthüllte. Dann sind wir zur Abstammung abgeschweift, wir haben darüber gesprochen, woher Mosche und Aharon überhaupt kamen und dass sie von Anfang an im Vorhaben des Höchsten waren. Und jetzt sagt der Höchste zu Mosche (ohne Aharon zu erwähnen): „Und deine Aufgabe ist es, zu gehen und dem Pharao, dem ägyptischen König, alles zu sagen, was Ich dir sagen werde; das ist deine Rolle in Meinem Plan.“ Wiederum erinnern wir uns, dass der Höchste Aharon jetzt nicht erwähnt hat, und deshalb fängt Mosche wieder mit dem Alten an, kehrt zu seinem alten Einwand zurück.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה לִפְנֵי יְהוָה הֵן אֲנִי עֲרַל שְׂפָתַיִם וְאֵיךְ יִשְׁמַע אֵלַי פַּרְעֹה׃
wajomer mosché lifnéDie russische Umschrift hat in diesem Wort einen überzähligen Buchstaben. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: lifné. adonáj hen aní arál sefatájim we'éch jischmá eláj par'ó
30 Und Mosche sprach vor dem HERRN: „Siehe, ich habe doch einen unbeschnittenen Mund, wieso sollte der Pharao auf mich hören?“
Der Ausdruck unbeschnittener Mund bedeutet in diesem Fall keine grobe Rede oder irgendein Element des Tourétte-Syndroms (zum Beispiel Unbeherrschtheit in der Rede). Höchstwahrscheinlich ist es, nach dem Wort arél (unbeschnitten, nicht ganz ausgeformt) zu urteilen, ein Problem der Aussprache, vielleicht sogar eine Hasenscharte. Die Kommentatoren bemerken, dass der Pharao sagen kann: „Und was, hat dieser euer Gott Israels niemand Würdigeren gefunden, um jemanden zu mir zu schicken, der wenigstens die Wörter deutlich aussprechen wird? Wozu muss man unbedingt einen Menschen mit einem Sprachfehler zu mir schicken?“
Damit endet Kapitel 6, und wir beginnen mit Vers 1 von Kapitel 7.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה רְאֵה נְתַתִּיךָ אֱלֹהִים לְפַרְעֹה וְאַהֲרֹן אָחִיךָ יִהְיֶה נְבִיאֶךָ׃
wajomer adonáj el-mosché re'é netattícha elohim lefar'ó we'aharón achícha jihjé newi'écha
1 Und der HERR spricht zu Mosche: „Sieh, du wirst sehen, Ich mache dich zu Gott für den Pharao. Und Aharon, dein Bruder, wird dein Prophet sein.
Mit anderen Worten, der HERR sagt: „Ich mache dich zu einer Form der Offenbarung, das heißt, die einzige Möglichkeit für den Pharao, Mich zu erkennen, wird durch dich sein. Der Pharao wird nicht zu Mir kommen, anders als durch dich. So werde Ich es einrichten. Und er wird doch noch durch dich zu dem Verständnis kommen, dass Ich der Höchste bin. Du sagst, dass du einen Sprachfehler hast, dass du ungeeignet bist, aber gerade dich brauche Ich, denn durch diese Schwäche, durch dieses Wunder innerhalb des Wunders, das Wunder im Wunder, werde Ich dem Pharao Meine Kraft offenbaren.“
Viele Kommentatoren stellen oft die Frage: „Warum hat der Höchste Mosche nicht geheilt?“ Manche sagen: „Weil Mosche nie zum Höchsten um Befreiung gebetet hat.“ Andere sagen: „Weil der Höchste zu Mosche gesagt hat: Es genügt dir Meine Gnade und dass durch dich die Rettung geschehen wird. Was macht es für einen Unterschied, ob du einen Sprachfehler hast oder nicht, wenn sich durch dich in Fülle Meine Kraft offenbart?“
Wenn wir weiterlesen, schon Kapitel 15 des Buches Schemot, werden wir sehen, wie geschrieben steht: „Und da sang Mosche.“ Daraus kann man den Schluss ziehen, dass der Höchste Mosche doch von seiner problematischen Sprache geheilt hat. Aber hier lesen wir, dass der Höchste sagt: „Gerade dich, gerade mit unbeschnittenem Mund, gerade einen solchen nicht redegewandten Menschen, gerade den, der in Ägypten aufgewachsen ist, in Midjan gelebt hat und der auf den ersten Blick wenig mit dem Volk Israel zu tun hat, gerade dich mache Ich zu einem Gott für den Pharao. Ich mache gerade dich zur Quelle der Erkenntnis des Höchsten.“
Alles, wovon in diesem Vers die Rede ist, ist so ein Bild, so eine erstaunliche Metapher. Der Höchste sendet Propheten zu den Menschen. Ein wahrer Prophet kommt vom wahren Gott. Es gab natürlich sehr viele Lügenpropheten. Es gab sie, und es wird sie geben, und es gibt sie auch jetzt, aber ein wahrer Prophet kommt vom wahren Gott. Der Höchste sagt: „Ich gebe dir göttliche Vollmachten gegenüber dem Pharao, so starke, dass du sogar Aharon, deinen Propheten, zu ihm senden kannst.“ Genauso wie Gott durch die Propheten spricht, wird Mosche zum Pharao durch Aharon sprechen.
אַתָּה תְדַבֵּר אֵת כָּל־אֲשֶׁר אֲצַוֶּךָּ וְאַהֲרֹן אָחִיךָ יְדַבֵּר אֶל־פַּרְעֹה וְשִׁלַּח אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵאַרְצוֹ׃
attá tedabbér et kol-aschér azawwékka we'aharón achícha jedabbér el-par'ó weschillách et-bene-jisraél me'arzó
2 Du wirst alles sagen, was Ich geboten habe, und Aharon, dein Bruder, wird zum Pharao reden, und er wird die Söhne Israels aus seinem Land hinausschicken (wegschicken, oder man kann sogar sagen, vertreiben).
וַאֲנִי אַקְשֶׁה אֶת־לֵב פַּרְעֹה וְהִרְבֵּיתִי אֶת־אֹתֹתַי וְאֶת־מוֹפְתַי בְּאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wa'aní aksché et-léw par'ó wehirbetí et-ototáj we'et-mofetáj be'érez mizrájim
3 Und Ich werde das Herz des Pharao schwer machen, dadurch werde Ich Meine Zeichen und Meine Wunder im Land Ägypten vermehren.
Oft ist es so, nicht nur bei Pharaonen, sondern auch bei gläubigen Menschen: Wenn wir irgendwelchen Wundern begegnen, irgendwelchen Beschreibungen wunderbarer Erscheinungen, möchten wir dem irgendeine natürliche Grundlage unterlegen. Das Tote Meer hat sich geteilt – nun, das ist eine Naturerscheinung (der Pharao dachte auch, dass das eine Naturerscheinung sei, und nahm ein schlimmes Ende). Das Wasser verwandelte sich in Blut – das ist irgendeine Alge, die im Nil auftaucht, dort, in Äthiopien, ein ganzer See, der Rote, er ist überhaupt ständig rot. Und außerdem gibt es in Ägypten manchmal Frösche – na ja, auch für die Quak-Frösche finden wir irgendeine Erklärung. Wir versuchen sogar zu erklären, dass der Höchste die Welt nicht in sechs Tagen erschaffen hat, und geben Ihm ein bisschen mehr Zeit, damit Er es schafft. Das ist natürlich manchmal nützlich, manchmal muss man das tun, denn außer dass der Höchste, unser Gott, ein wunderbarer Gott ist, ist Er auch ein Gott, Der die Welt regiert, Der die Welt eingerichtet hat, die Welt als eine Art funktionierendes Gerät erschaffen hat, in dem die Sonne aufgeht, in dem es Winde und Regen gibt, das mit seinen festgesetzten Gesetzen existiert und wirkt. Aber so oder so sagt der Höchste: „Ich werde das Herz des Pharao schwer machen, es wird ihm schwerfallen, Mich in all diesen Wundern zu sehen, und damit es mehr Wunder gibt und sich durch diese Wunder Meine Kraft an jedem Aspekt des Lebens Ägyptens offenbart (das werden wir noch sehen). Ich werde ihm alle Argumente geben, die nur nötig sind, um für alles, was geschehen wird, natürliche Erklärungen zu finden. Ich werde ihm die Möglichkeit geben, Lehrbücher über Biologie, Geodäsie, Ägyptologie und was auch immer herunterzuladen, Ich werde ihm Wissen geben, Ich werde ihm Ratgeber geben, die ihm Hinweise geben werden. Ich werde, in Anführungszeichen gesagt, auf seiner Seite spielen, damit alles fair zugeht.“ Viele bemerken, dass das unfair ist – unfair, dem Pharao die Willensfreiheit zu nehmen und ihn dafür zu bestrafen. Wir haben schon gesagt, dass hier keine Wegnahme der Willensfreiheit vorliegt, und in diesem Fall auch nicht. Der Höchste sagt: „Ich werde dem Pharao alle Möglichkeiten geben, rational, logisch zu erklären, dass das in Wirklichkeit nicht Ich bin, oder durch seine Priester zu beweisen, dass Ich gar nicht so stark bin. Das heißt, die ganze nötige Argumentation, um Mir zu widerstehen, werde Ich dem Pharao zur Verfügung stellen.“
וְלֹא־יִשְׁמַע אֲלֵכֶם פַּרְעֹה וְנָתַתִּי אֶת־יָדִי בְּמִצְרָיִם וְהוֹצֵאתִי אֶת־צִבְאֹתַי אֶת־עַמִּי בְנֵי־יִשְׂרָאֵל מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם בִּשְׁפָטִים גְּדֹלִים׃
welo-jischmá alechém par'ó wenatattí et-jadí bemizrájim wehozetí et-ziw'otáj et-ammí wene-jisraél me'érez mizrájim bischfatím gedolím
4 Und der Pharao wird nicht auf euch hören, und Ich werde Meine Hand gegen Ägypten ausstrecken, und Ich werde Mein Heer herausziehen, Mein Volk, die Söhne Israels, aus dem Land Ägypten (wie werde Ich sie herausziehen?) mit großen Gerichten.
Wieder einmal: „Ich sende euch zum Pharao, geht ihr, redet, tut Wunder, aber er wird nicht auf euch hören.“ Je mehr der Pharao Gegenargumente bringt, sagen wir so, je mehr er sich in seinem Verstand widersetzt, desto länger wächst die Strafakte gegen ihn an. Der Höchste wird Israel mit starker, mit fester Hand herausführen, und wir kehren zu dem zurück, worüber wir schon gesprochen haben (Kommentar zu 1,8): Unsere Wochenabschnitte sind um das Wissen herum aufgebaut: das Wissen um den Beitrag Josefs, das Wissen um den Höchsten, das Wissen darum, dass der Höchste Seine Bünde erfüllt. Und ein wichtiges Wissen, wozu das alles nötig ist, wozu das alles dem Höchsten nötig ist:
וְיָדְעוּ מִצְרַיִם כִּי־אֲנִי יְהוָה בִּנְטֹתִי אֶת־יָדִי עַל־מִצְרָיִם וְהוֹצֵאתִי אֶת־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל מִתּוֹכָם׃
wejadeú mizrájim ki-aní adonáj bintotí et-jadí al-mizrájim wehozetí et-bene-jisraél mittochám
5 Und die Ägypter werden wissen, dass Ich der HERR bin, wenn Ich mit Meiner Hand gegen Ägypten aushole und die Söhne Israels aus ihnen herausführe.“
Das ist das Ziel all der zahlreichen Wunder. Warum hat der Höchste das Volk Israel nicht einfach in das Land Israel teleportiert? Warum hat Er sie nicht mittels irgendeines gewaltigen Erdbebens, eines Laserstrahls, einer biologischen oder bakteriologischen Waffe versetzt? Warum sind die Wunder zahlreich? Wir werden noch darüber sprechen, dass all diese Wunder, dass sie nicht ohne Grund sind: Das alles geschieht dazu, dass die Ägypter wissen, und später werden wir sehen, der Höchste wird auch zum Pharao sagen: „…damit du weißt!“ Der Höchste ist nicht nur der Gott Israels, das ist nicht irgendein kleiner Stammesgott, der sagen könnte: „Ich werde meinem Volk zeigen, wie stark ich bin, wie cool ich bin.“ Das Ziel des Plans des Höchsten ist, dass auch die Ägypter erkennen, dass Er der HERR ist, dass auch andere Völker ebenfalls erkennen, dass Er der HERR ist – durch die zahlreichen Wunder, die für Israel sein werden, durch die zahlreichen Gerichte, die für Ägypten sein werden, jeder auf seinem Weg. Der Höchste sagt: „Sie werden erkennen, dass Ich Gott bin, das ist eine Meiner Aufgaben.“
Man könnte meinen: Was macht es schon für einen Unterschied, woran die Ägypter da glauben? Sie haben Horus (den Gott des Krieges), den Sonnengott – Ra, Seth (den Gott der Stürme und der Wüste), Chnum (den Gott der Fruchtbarkeit), sehr viele Götter; sie haben eine sehr schöne Mythologie mit zahlreichen Märchen, sie haben viele schöne Bilder. Na, dann hätten sie doch an das alles geglaubt, und das Volk Israel hätte in Ruhe in der Wüste die Tora empfangen und wäre seinen Weg gegangen. Die Ägypter aber würden, wenn sie wollen, vielleicht kommen und Buße tun. Aber der Höchste sagt: „Ich will mit diesen Meinen Wundern, mit diesen euren vielfachen Gängen zum Pharao zeigen, dass das auch für die Ägypter nötig ist, und die Ägypter müssen erkennen, dass Ich Gott bin.“
וַיַּעַשׂ מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה אֹתָם כֵּן עָשׂוּ׃
wajá'as mosché we'aharón ka'aschér ziwwá adonáj otám ken asú
6 Und Mosche und Aharon taten, wie der HERR ihnen geboten hatte, so taten sie.
Was bedeutet taten sie? Sie haben doch bisher noch überhaupt nichts getan, darüber werden wir erst weiter lesen – darüber, was sie getan haben. Sie taten bedeutet hier, dass sie annahmen, dass sie das Wesen der Lehre verstanden, diese Lehre auf sich nahmen – die Lehre darüber, dass der Höchste Israel in vielen Etappen retten wird, darüber, dass es vier Etappen geben wird und dass diese Befreiung in jenen Tagen noch nicht abgeschlossen sein wird. Sie werden noch nicht in die Ruhe eingehen, es wird noch wehewetí (und Ich bringe hinein) geben, und auf diesem ihrem Weg werden die Rettung und die Befreiung, jedenfalls auf der Ebene der Gotteserkenntnis, auch die anderen Völker berühren: die Ägypter, werden erkennen, dass Ich Gott bin. Wir werden später sehen, dass viele Ägypter nicht einfach erkannten, dass Gott Gott ist, dass der Gott Israels der Schöpfer der Welt ist, dass hier der Schöpfer, der Gebieter der Welt, wirkt, sondern auch zusammen mit Israel aus Ägypten auszogen; wir werden sehen, dass die Menschen praktische Schlüsse gezogen haben.
וּמֹשֶׁה בֶּן־שְׁמֹנִים שָׁנָה וְאַהֲרֹן בֶּן־שָׁלֹשׁ וּשְׁמֹנִים שָׁנָה בְּדַבְּרָם אֶל־פַּרְעֹה׃
umosché ben-schemoním schaná we'aharón ben-schalósch uschmoním schaná bedabberám el-par'ó
7 Und Mosche war achtzig Jahre alt und Aharon dreiundachtzig Jahre alt, als sie anfingen, zum Pharao zu reden.
Dazu gibt es verschiedene Kommentare. Gewöhnlich teilen die Kommentatoren das Leben Mosches bedingt in drei Etappen: bis 40 Jahre – im Palast des Pharaos, von 40 bis 80 Jahre – in Midjan, nach 80 Jahren – in der Wüste die Wanderung Israels. Andere Kommentatoren sagen, dass Mosche 20 Jahre alt war, als er aus dem Palast des Pharaos wegging, und 40 Jahre – das ist eine symbolische Zahl, so eine „Midrasch-Zahl“, es gibt Erwähnungen davon, dass Mosche 40 Jahre alt war.
So oder so, 80 Jahre – das ist nicht einmal mehr das Alter des Königtums, das ist das Alter, in dem die Menschen sich schon von den Geschäften zurückziehen. Aber der Höchste erwählte eben solche zwei erstaunlichen Gefäße, zwei Greise, – den einen von ihnen noch dazu, sei es mit einem Sprachfehler beim R, sei es lispelnd, sei es mit irgendwelchen anderen Artikulationsproblemen – erwählte sie für seine Handlungen. Und weiter wird es interessant, und wir werden sehen, dass ihnen mit Gottes Hilfe alles gelingen wird.
Plagen bestellt?
Schemot 7,8–8,6
Mit Gottes Hilfe setzen wir zusammen das Studium des Wochenabschnitts Waera fort. Wir sind dabei stehen geblieben, dass der Höchste Mosche und Aharon erzählt hat, wie sie zusammenwirken sollen, man kann sagen, ein Team aus Mosche und Aharon gebildet hat, durch das die Befreiung Israels verwirklicht werden wird. Und hier, in unserem Textabschnitt, beginnt eigentlich alles. Wir lesen ab Vers 8 von Kapitel 7.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל־אַהֲרֹן לֵאמֹר׃
wajomer adonáj el-mosché we'el-aharón lemór
8 Und der HERR sprach zu Mosche und Aharon und sagte:
כִּי יְדַבֵּר אֲלֵכֶם פַּרְעֹה לֵאמֹר תְּנוּ לָכֶם מוֹפֵת וְאָמַרְתָּ אֶל־אַהֲרֹן קַח אֶת־מַטְּךָ וְהַשְׁלֵךְ לִפְנֵי־פַרְעֹה יְהִי לְתַנִּין׃
ki jedabbér alechém par'ó lemór tenú lachém mofét we'amartá el-Aharón kach et-mattechá wehaschléch lifne-far'ó jehí letannín
9 Wenn (sobald) der Pharao mit euch reden wird, indem er sagt, gebt euch ein Zeichen, dann sage zu Aharon: „Nimm deine Rute (deinen Stab) und wirf sie vor den Pharao, und sie wird sich in ein Kriechtier verwandeln.“
Was bedeutet gebt euch? Gebt irgendein Zeichen, das eure Kraft und eure Möglichkeiten demonstriert, zeigt als Vertreter Gottes euer professionelles Markenzeichen, zeigt etwas, das etwas über euch sagt, macht irgendein Zeichen.
Das Wort mofét bedeutet Muster, Beispiel oder Demonstration von etwas. In der Tora werden zwei Wörter verwendet, die ein Zeichen bezeichnen: das Wort ot (Zeichen) – das ist ein Zeichen am Himmel und mofét – das ist ein Zeichen auf der Erde. Der Pharao bittet darum, etwas zu zeigen, das die Kraft Mosches und Aharons offenbaren würde, das ihre Beglaubigung wäre, ihr Diplom. Das heißt: „Legt euer magisches Mandat vor!“ – das ist es, was der Pharao im Grunde in seiner heidnischen Sprache sagt. Und hier warnt der Höchste vorher, dass der Pharao um ein Zeichen bitten wird, um dieses magische Mandat bitten wird.
Warum übersetze ich das Wort tannín als Kriechtier? Im modernen Hebräisch (und im früheren Hebräisch) bedeutet tannín Krokodil. Und bei den Propheten wird das Wort tannín in Bezug auf den Pharao in der Bedeutung Krokodil gebraucht. Der Pharao ist ein großes Krokodil, das am Nil sitzt und sagt: „Mir gehört der Nil, ich habe ihn gemacht.“ Eine weitere Bedeutung des Wortes tannín ist Schlange, Kobraschlange, große Schlange. Und hier, wenn wir lesen, ist aus dem Text unklar, ob es um ein Krokodil oder um eine Schlange geht. Die Schlange ist ein Symbol der Macht Ägyptens, die Schlange ist das Zepter, das der Pharao in den Händen hält, und das Krokodil ist eigentlich das Symbol des Landes Ägypten. Deshalb kann es sowohl das eine als auch das andere sein. Obwohl die meisten Kommentatoren und die meisten Ausleger hier von einer Schlange sprechen, neige ich doch dazu zu verstehen, dass hier von einem Krokodil die Rede ist.
וַיָּבֹא מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן אֶל־פַּרְעֹה וַיַּעַשׂוּ כֵן כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה וַיַּשְׁלֵךְ אַהֲרֹן אֶת־מַטֵּהוּ לִפְנֵי פַרְעֹה וְלִפְנֵי עֲבָדָיו וַיְהִי לְתַנִּין׃
wajawóDie russische Umschrift beginnt hier mit einem o in der ersten Silbe. Nach dem Hebräischen lautet das Wort wajawó. mosché we'aharón el-par'ó waja'asu-chén ka'aschér ziwwá adonáj wajaschléch aharón et-mattéhu lifné far'ó welifné awadáw wajhí letannín
10 Und Mosche und Aharon kamen zum Pharao und taten, wie der HERR geboten hatte (ohne auch nur abzuwarten, dass der Pharao sie nach etwas fragt). Und Aharon warf seinen Stab vor den Pharao und vor seine Knechte, und er wurde zu einem Krokodil.
וַיִּקְרָא גַּם־פַּרְעֹה לַחֲכָמִים וְלַמְכַשְּׁפִים וַיַּעֲשׂוּ גַם־הֵם חַרְטֻמֵּי מִצְרַיִם בְּלַהֲטֵיהֶם כֵּן׃
wajikrá gam-par'ó lachachamím welamchaschefím waja'asú gam-hém chartummé mizrájim belahatehém ken
11 Auch der Pharao rief seine Weisen und Zauberer, und die ägyptischen Priester taten dasselbe mit Hilfe ihrer Tricks.
Das Wort lahatehém (mit ihren Tricks), das hier verwendet wird, stammt von derselben Wurzel wie das Wort lilót – im Nebel verbergen, vor den Augen verstecken. Das heißt, man kann verstehen, dass die ägyptischen Priester das taten, was auf Hebräisch achisát ejnájim (Festhalten der Augen) genannt wird. Das war einfach eine optische Augentäuschung, sie haben so eine „Veräppelung“ gemacht, so kann man das verstehen.
וַיַּשְׁלִיכוּ אִישׁ מַטֵּהוּ וַיִּהְיוּ לְתַנִּינִם וַיִּבְלַע מַטֵּה־אַהֲרֹן אֶת־מַטֹּתָם׃
wajaschlíchu isch mattéhu wajihjú letanniním wajiwlá matte-aharón et-mattotám
12 Und jeder warf seinen Stab, und sie wurden zu Krokodilen, und der Stab Aharons verschlang ihre Stäbe.
Nicht das Krokodil Aharons verschlang die Krokodile, denn es ist durchaus möglich, dass es gar keine Krokodile gab, sondern der Stab Aharons verschlang alle Stäbe. Das heißt, die optische Augentäuschung wirkt nicht auf alle. Es gibt selbstverständlich verschiedene Meinungen, und es ist durchaus möglich, dass die Weisen Ägyptens einen solchen Trick vermochten, wie tatsächlich einen Stab in ein Krokodil zu verwandeln, oder sie nahmen Krokodile und verwandelten sie in Stäbe. Darüber ist vieles gesagt worden, und genau können wir es nicht verstehen. Aber eben dieses interessante Wort lahatehém, über das wir schon gesprochen haben, verweist gerade auf Gaukelei, und man kann es schwer übergehen.
So oder so, die Weisen Ägyptens, die ägyptischen Priester, die Hofmagier haben etwas gemacht, das den Pharao beeindruckt hat, und es sah dann genauso aus wie bei Aharon und Mosche, obwohl deren Zauberschule etwas besser ist und das Krokodilchen bei ihnen etwas stärker geraten ist. Aber das ist eine Sache, die man sich aneignen kann, eine Sache der Erfahrung, und ansonsten – „auch wir kriegen unsere eigenen, einheimischen Krokodile hin, deshalb – nein, eure Technologien beeindrucken uns nicht“.
וַיֶּחֱזַק לֵב פַּרְעֹה וְלֹא שָׁמַע אֲלֵהֶם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה׃
wajechesák lew par'ó weló schamá alehém ka'aschér dibbér adonáj
13 Und das Herz des Pharaos wurde fest, und er hörte nicht auf sie, wie der HERR es auch gesagt hatte.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה כָּבֵד לֵב פַּרְעֹה מֵאֵן לְשַׁלַּח הָעָם׃
wajomer adonáj el-mosché kawéd lew par'ó me'én leschallách ha'ám
14 Und der HERR sprach zu Mosche: „Schwer ist das Herz des Pharaos, er will das Volk nicht wegschicken.
Der Geist der Rivalität, der Geist der Konkurrenz hat offenbar das Herz des Pharaos ergriffen. Es ist schwer, aufzugeben, schwer, dem zuzustimmen, womit man anfangs nicht einverstanden war, der Pharao will das Volk nicht ziehen lassen.
לֵךְ אֶל־פַּרְעֹה בַּבֹּקֶר הִנֵּה יֹצֵא הַמַּיְמָה וְנִצַּבְתָּ לִקְרָאתוֹ עַל־שְׂפַת הַיְאֹר וְהַמַּטֶּה אֲשֶׁר־נֶהְפַּךְ לְנָחָשׁ תִּקַּח בְּיָדֶךָ׃
lech el-par'ó babbóker hinné jozé hammájma wenizzawtá likrató al-sefát haj'ór wehammatté ascher-nehpách lenachásch tikkách bejadécha
15 Geh am Morgen zum Pharao, am Morgen geht er hinaus zum Wasser, du wirst dich ihm gegenüber am Ufer des Nil hinstellen, und genau jenen Stab, der sich in eine Schlange verwandelte, wirst du in deine Hände nehmen.
Es gibt eine Menge Kommentare dazu, warum und wozu der Pharao am Morgen zum Wasser hinausgeht. Wie ich immer sage, sagen die Kommentatoren mehr über sich selbst. Einer der mittelalterlichen Kommentatoren sagt, dass der Pharao einen Falken hatte und nach der Sitte der Könige hinausging, um am Ufer des Nil Falkenjagd zu betreiben. Dieser Kommentator lebt in Schlesien, und was er sieht, das sagt er auch, indem er es auf die Zeiten des Pharao bezieht. Andere Kommentatoren sagen, dass der Pharao sich als Gott ausgab und er nicht „seine Notdurft verrichten“ durfte, das Volk durfte nicht wissen, dass er irgendwohin geht, um seine Notdurft zu verrichten, deshalb lief er frühmorgens, vor der Morgendämmerung, heimlich zum Nil, um alles zu erledigen, was er physiologisch nötig hatte. Dann konnte er sich die übrige Zeit auch als Gott ausgeben; arme Verdauung und armes Urogenitalsystem des Pharao. Aber man kann auch das Allereinfachste annehmen: Wie alle Ägypter (wie es auf vielen ägyptischen Papyri festgehalten ist) ging der Pharao zum Wasser hinaus, um zu baden, so eine morgendliche Waschung.
Hier muss man daran denken, dass Mosche noch einen Stab hatte, einen Stab, der sich tatsächlich, ganz bestimmt nicht in ein Krokodil, sondern in eine Schlange verwandelte – dort, noch in Midjan, am Berg Choreb, und der Höchste sagte Mosche, diesen Stab mit sich zu nehmen.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה הַשְׁכֵּם בַּבֹּקֶר וְהִתְיַצֵּב לִפְנֵי פַרְעֹה הִנֵּה יוֹצֵא הַמָּיְמָה וְאָמַרְתָּ אֵלָיו כֹּה אָמַר יְהוָה שַׁלַּח עַמִּי וְיַעַבְדֻנִי׃
we'amartá eláw adonáj elohé ha'iwrím schelacháni elécha lemór schallách et-ammí weja'awdúni bammidbár wehinné lo-schamá'ta ad-kó
16 Und sage zum Pharao: „Der HERR, der Gott der Hebräer, hat mich zu dir gesandt, um zu sagen: Lass mein Volk ziehen, und sie werden Mir in der Wüste dienen. Und siehe, du hast bis jetzt nicht gehorcht.“
כֹּה אָמַר יְהוָה בְּזֹאת תֵּדַע כִּי אֲנִי יְהוָה הִנֵּה אָנֹכִי מַכֶּה בַּמַּטֶּה אֲשֶׁר־בְּיָדִי עַל־הַמַּיִם אֲשֶׁר בַּיְאֹר וְנֶהֶפְכוּ לְדָם׃
ko amár adonáj besót tedá ki aní adonáj hinné anochí makké bammatté ascher-bejadí al-hammájim aschér baj'ór wenehefchú ledám
17 So spricht der HERR: „So wirst du erkennen, dass Ich der HERR bin: Siehe, ich werde mit dem Stab, der in meiner Hand ist, auf die Wasser schlagen, die im Nil sind, und sie werden sich in Blut verwandeln.“
Hier ist das Wort dám (Blut), wir sprechen immer darüber, zur verbreiteten Bezeichnung für die Plage geworden – Wasser, das sich in Blut verwandelt. Ob es sich buchstäblich in Blut verwandelt oder nicht, darüber gibt es einen Streit. Die Mehrheit der jüdischen Kommentatoren sagt, dass es sich nur dem Aussehen nach in Blut verwandelt, weil Blut in flüssigem Zustand, in Form eines Flusses, nicht existieren kann: Es oxidiert, es gerinnt, Blut verdirbt augenblicklich. Deshalb sagt man, dass der Fluss das unangenehme Aussehen von Blut hatte, aber den Geschmack von Wasser.
וְהַדָּגָה אֲשֶׁר־בַּיְאֹר תָּמוּת וּבָאַשׁ הַיְאֹר וְנִלְאוּ מִצְרַיִם לִשְׁתּוֹת מַיִם מִן־הַיְאֹר׃
wehaddagá ascher-baj'ór tamút uwa'ásch haj'ór wenil'ú mizrájim lischtót májim min-haj'ór
18 Und alle Fische im Nil werden sterben, deswegen wird der Nil verfaulen (stinken), und die Ägypter werden es nicht können (werden sich nicht überwinden können), Wasser aus dem Nil zu trinken.
Die Fische gingen zugrunde, und gerade der Tod der Fische machte das Wasser im Nil widerlich. Wäre es anders gewesen, hätten die Ägypter es wohl noch getrunken, trotz dieser roten, blutigen Farbe, aber die gestorbenen Fische machten das Wasser widerlich.
Es gibt viele verschiedene Versuche, die Verwandlung des Wassers in Blut zu rekonstruieren, im buchstäblichen Sinn oder im Sinn von „dem Aussehen nach“. Im Jerusalemer Biblischen Zoo, der Gán haTanáchi (Biblischer Garten) heißt, gibt es so eine Vorführabteilung: Studenten zeigen den Kindern, wie ein bestimmtes Bakterium, das tatsächlich im Fluss Nil vorkommt und das grün aussieht, sich, wenn plötzlich unerwartet die Sonne es beleuchtet, in ein rotes verwandelt, dickflüssig wird und wie Blut wird. Und man sagt, dass es bestimmte Jahreszeiten gibt, in denen das geschieht, und in Äthiopien gibt es sogar solche roten Seen. Aber wenn das ein ständiger Prozess gewesen wäre, hätte so etwas niemanden in Ägypten gewundert. Das ist dasselbe, wie wenn man sagt: „Ich schlage im Dezember mit dem Stab, und morgen wird es schneien.“ Nein, das ist nicht verwunderlich. Das heißt, vielleicht gab es auch Zeiten, in denen der Nil rot wurde (obwohl man das nicht belegen konnte), aber hier ist ein offensichtliches Wunder. In der ägyptischen Überlieferung, in ägyptischen Papyri, ist eine Geschichte über einen gewissen Helden erhalten, der die Wasser des Nil in Blut verwandelte, und eine Woche lang war es unmöglich, das Wasser zu trinken. Vielleicht sind das Spuren unserer Geschichte, aber so oder so – ob es irgendein Bakterium war, das Blut ähnelte, oder ob es Blut im buchstäblichen Sinn war –, für die Ägypter war es ein Wunder, und die Fische starben, und gerade wegen der Fische stank der Nil, und das Wasser wurde zum Trinken unannehmbar. Es sieht so aus, als sei das doch nicht wegen des Blutes geschehen.
Wir haben also gelesen, dass Mosche das Gebot erhielt, am Morgen mit dem Stab hinauszugehen, der sich einst in eine Schlange verwandelt hatte, vor den Pharao zu treten und ihn zu warnen, indem er sagt: „Gleich schlage ich auf den Nil, und das Wasser wird sich in Blut verwandeln!“ Und das ist das erste Gebot, das Mosche erhält.
In Vers 19 lesen wir etwas völlig anderes.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה אֱמֹר אֶל־אַהֲרֹן קַח מַטְּךָ וּנְטֵה־יָדְךָ עַל־מֵימֵי מִצְרַיִם עַל־נַהֲרֹתָם עַל־יְאֹרֵיהֶם וְעַל־אַגְמֵיהֶם וְעַל כָּל־מִקְוֵה מֵימֵיהֶם וְיִהְיוּ־דָם וְהָיָה דָם בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרַיִם וּבָעֵצִים וּבָאֲבָנִים׃
wjomer adonáj el-mosché emór el-aharón kach mattechá unte-jadechá al-memé mizrájim al-naharotám al-je'orehém we'al-agmehém we'ál kol-mikwé memehém wejihju-dám wehája dam bechol-érez mizrájim uwa'ezím uwa'awaním
19 Und der HERR sprach zu Mosche: „Sage zu Aharon: Nimm deinen Stab und strecke deine Hand aus über die ägyptischen Wasser, über ihre Flüsse, über ihre Ströme, über ihre Seen und über jede Ansammlung ihrer Wasser – und sie werden zu Blut werden. Und es wird Blut sein im ganzen ägyptischen Land, sowohl in den Bäumen als auch in den Steinen.“
Ein völlig anderes Gebot ist hier. Aharon erhält von Mosche das Gebot, seinen Stab zu nehmen (nicht den Stab Mosches, nicht den, der sich in eine Schlange verwandelte) und nicht damit auf den Nil zu schlagen, sondern ihn über alle ägyptischen Wasser auszustrecken, das heißt, mit ausgestrecktem Stab seine Hand auszustrecken, wie es später Mosche über dem Meer tun wird, und nicht nur über dem Nil, sondern über ganz Ägypten. Alles Wasser wird sich nach diesem Gebot in Blut verwandeln. Man könnte meinen, hier sind zwei widersprüchliche Gebote. Aber wir haben gesagt, dass Mosche und Aharon ein Team sind, und sie handeln jeder in seiner Richtung. Hier kann man es so verstehen: Mosche handelt vor dem Pharao, für den Pharao ist der Nil wichtig – das ist sein Geschöpf, sein Vater und sein Sohn, das ist seine Stammesgottheit, das ist sozusagen sein Tempel. Und deshalb wird für den Pharao eine eigene, gesonderte Vorstellung gegeben, für alle Ägypter eine völlig andere. In diesem Fall muss der Pharao verstehen, dass der HERR der absolute Herrscher in der Welt ist. Wie sind sie denn nun vorgegangen?
וַיַּעֲשׂוּ־כֵן מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן כַּאֲשֶׁר צִוָּה יְהוָה וַיָּרֶם בַּמַּטֶּה וַיַּךְ אֶת־הַמַּיִם אֲשֶׁר בַּיְאֹר לְעֵינֵי פַרְעֹה וּלְעֵינֵי עֲבָדָיו וַיֵּהָפְכוּ כָּל־הַמַּיִם אֲשֶׁר־בַּיְאֹר לְדָם׃
waja'asu-chén mosché we'aharón ka'aschér ziwwá adonáj wajárem bammatté wajách et-hammájim aschér baj'ór le'ené far'ó ul'ené awadáw wajehafechú kol-hammájim ascher-baj'ór ledám
20 Und Mosche und Aharon taten, beide, wie der HERR geboten hatte, und erhoben den Stab und schlugen auf das Wasser, das im Nil ist, vor den Augen des Pharao (das heißt, Aharon erhob den Stab, und Mosche schlug mit dem Stab auf den Nil) und vor den Augen seiner Knechte. Und die Wasser, die im Nil sind, verwandelten sich in Blut.
וְהַדָּגָה אֲשֶׁר־בַּיְאֹר מֵתָה וַיִּבְאַשׁ הַיְאֹר וְלֹא־יָכְלוּ מִצְרַיִם לִשְׁתּוֹת מַיִם מִן־הַיְאֹר וַיְהִי הַדָּם בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wehaddagá aschér-baj'ór méta wajiw'ásch haj'ór welo-jachelú mizrájim lischtót májim min-haj'ór wajhí haddám bechol-érez mizrájim
21 Und alle Fische, die im Nil waren, starben, und der Nil stank, und die Ägypter konnten das Nilwasser nicht trinken, und es war Blut im ganzen ägyptischen Land.
וַיַּעֲשׂוּ־כֵן חַרְטֻמֵּי מִצְרַיִם בְּלָטֵיהֶם וַיֶּחֱזַק לֵב־פַּרְעֹה וְלֹא־שָׁמַע אֲלֵהֶם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה׃
waja'asu-chén chartummé mizrájim belatehém wajechesák lew-par'ó welo-schamá alehém ka'aschér dibbér adonáj
22 Und wieder machten die Priester (die Zauberer, die ägyptischen HeimarbeiterIn der Klammer steht im Original ein Wort, das wörtlich „Heimarbeiter“ bedeutet. Was der Autor damit genau meint, ist unklar; es wurde wörtlich übersetzt.) mit ihren Tricks genau dasselbe, und das Herz des Pharao wurde stark, und er hörte nicht auf sie, wie es der HERR auch gesagt hatte.
וַיִּפֶן פַּרְעֹה וַיָּבֹא אֶל־בֵּיתוֹ וְלֹא־שָׁת לִבּוֹ גַּם־לָזֹאת׃
wajífen par'ó wajawó el-betó welo-schát libbó gam-lasót
23 Und der Pharao wandte sich um und schenkte auch dem keine Beachtung (der Pharao wandte sich einfach um und ging nach Hause).
וַיַּחְפְּרוּ כָל־מִצְרַיִם סְבִיבֹת הַיְאֹר מַיִם לִשְׁתּוֹת כִּי לֹא יָכְלוּ לִשְׁתֹּת מִמֵּימֵי הַיְאֹר׃
wajachperú chol-mizrájim sewiwót haj'ór májim lischtót ki lo jachelú lischtót mimmemé haj'ór
24 Die Ägypter aber gruben in der Umgebung des Nil nach Wasser, um zu trinken (wahrscheinlich dachten sie, dass die Erde dieses verfluchte Bakterium herausfiltern würde oder noch etwas anderes geschehen würde und sie Trinkwasser finden würden), und konnten das ägyptische Wasser nicht trinken.
וַיִּמָּלֵא שִׁבְעַת יָמִים אַחֲרֵי הַכּוֹת־יְהוָה אֶת־הַיְאֹר׃
wajimmalé schiw'át jamím acharé hakkot-adonáj et-haj'ór
25 Es vergingen sieben Tage nach dem Schlag, den der Höchste dem Nil versetzt hatte.
Hier ist nicht ganz klar: Hatten sie alle sieben Tage kein normales Wasser, oder wurde das Wasser nur für eine gewisse Zeit zu Blut? Irgendwo haben die Priester ja Wasser gefunden, um es ebenfalls in Blut zu verwandeln. Viele Kommentatoren sagen, dass die Ägypter in dieser Zeit Wasser von den Juden kaufen mussten (so sagt der Midrasch) und die Juden sich daran bereicherten. Wenn jemand einen Ägypter bewirtete, dann verwandelte sich das Wasser in Blut. Wenn ein Ägypter versuchte, das Wasser wegzunehmen, dann verwandelte es sich in Blut, und nur Kaufen war möglich. Aber das ist wiederum ein Midrasch. Andere Kommentatoren sagen, dass das Wasser nicht sieben Tage lang Blut war.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה בֹּא אֶל־פַּרְעֹה וְאָמַרְתָּ אֵלָיו כֹּה אָמַר יְהוָה שַׁלַּח אֶת־עַמִּי וְיַעַבְדֻנִי׃
wajomer adonáj el-mosché bo el-par'ó we'amartá eláw ko amár adonáj schallách et-ammí weja'awdúni
26 Und der HERR sprach zu Mosche: „Geh zum Pharao und sage ihm: So hat der HERR gesagt: Lass Mein Volk ziehen, und sie werden Mir dienen.“
Dieser sehr charakteristische Satz, schallách et-ammi (Lass Mein Volk ziehen), wiederholt sich hier übrigens nicht zum ersten Mal; er ist zu einem Lied geworden, er wird vielfach zitiert. Sehr viele Menschen, die zum Höchsten kommen, sagen: „Ich war ein drogenabhängiger Mensch, ich war ein kranker Alkoholiker, ich war dies, ich war jenes. Gott hat mich befreit, und jetzt habe ich mit Gott Frieden, ich habe mit Gott eine gute Beziehung.“ Aber die Geschichte endet doch nicht mit dem Satz lass mein Volk ziehen, sondern hat eine Fortsetzung: schallách et-ammí weja'awdúni – lass Mein Volk ziehen, damit es Mir dient. Das heißt, Gott befreit die Menschen dazu, dass sie mit Ihm einen Bund schließen, mit Ihm in den Bund eintreten und Ihm dienen. Es bleibt also die Frage: Wem nützt du, so frei und befreit, wenn du dem Höchsten nicht dienst? Mosche bittet die ganze Zeit darum, dass der Pharao das Volk nicht einfach zum Spazierengehen ziehen lässt, sondern dass er es in den Dienst des Höchsten ziehen lässt. Der Höchste will nicht einfach Freiheit geben – Er will, dass diese Freiheit für den Dienst an Ihm genutzt wird.
וְאִם־מָאֵן אַתָּה לְשַׁלֵּחַ הִנֵּה אָנֹכִי נֹגֵף אֶת־כָּל־גְּבוּלְךָ בַּצְפַרְדְּעִים׃
we'im-ma'én attá leschalléach hinné anochí nogéf et-kol-gewulechá bazfarde'ím
27 Und wenn du dich weigerst zu senden, werde Ich alle deine Grenzen mit Kröten schlagen.
Das Wort zfardéa kann man als Frosch verstehen, man kann es als bezahnte Kröte verstehen, so eine Verwandte der Kröte, aber sie beißt schmerzhafter. Kröten sind unreine Tiere, obwohl die Ägypter eine Göttin mit Froschkopf haben, die für die Fruchtbarkeit, für das Gedeihen Ägyptens zuständig ist, aber bei ihnen steht das eine dem anderen nicht im Weg. Schlafzimmer wurden mit Kröten geschmückt, Frauen trugen kleine Talismane in Form von Kröten als Zeichen der Fruchtbarkeit. Wir haben gesagt, dass das Volk Israel, wenn man es mit den Augen der Ägypter betrachtet, in Ägypten jischrezú (wimmelte), und das empörte sie. Und hier geschieht nun als Antwort auf die Empörung der Ägypter ein Gewimmel von Kröten. Es gibt viele Kommentare, die erklären, warum der Schlag gerade mit Kröten geschieht. Zum Beispiel, weil die ägyptischen Kinder gern mit Fröschen spielten und die Juden zwangen, sie zu fangen. Oder weil die jüdischen Frauen ihren Schrei bei der Geburt unterdrücken mussten, damit man sie nicht aufspürte und die Säuglinge nicht tötete, und es kamen Kröten, die anfingen zu schreien. Aber wie auch immer, die Kröte ist ein Symbol der Fruchtbarkeit, ein sehr wichtiges Symbol für Ägypten, und zugleich ein Symbol der Unreinheit: Die Kröte macht jede Speise, jedes Geschirr, das sie berührt, unrein. Und Mosche sagt hier, dass der Höchste alle ägyptischen Grenzen mit Kröten (oder Fröschen) schlagen wird.
וְשָׁרַץ הַיְאֹר צְפַרְדְּעִים וְעָלוּ וּבָאוּ בְּבֵיתֶךָ וּבַחֲדַר מִשְׁכָּבְךָ וְעַל־מִטָּתֶךָ וּבְבֵית עֲבָדֶיךָ וּבְעַמֶּךָ וּבְתַנּוּרֶיךָ וּבְמִשְׁאֲרוֹתֶיךָ׃
wescharáz haj'ór zefarde'ím we'alú uwáu bewetécha uwachadár mischkawechá we'al-mittatécha uwewét awadécha uw'ammécha uwtannurécha uwmisch'arotécha
28 Und der Nil wird von Fröschen wimmeln, und sie werden heraufsteigen und in dein Haus kommen, in dein Schlafzimmer, auf dein Bett, und in das Haus deiner Knechte, und in dein Volk, in ihre Öfen und in ihre Backtröge.
Mosche sagt zum Pharao: „Wenn du meinst, dass die Plage mit dem Blut dich nicht berührt hat, dann wird hier alles bei dir anfangen, die Kröten werden in dein Haus kommen: Sie werden auch ins Schlafzimmer eindringen, dorthin, wo das Volk schläft, wo Kinder gezeugt werden, und dorthin, wo man das Essen macht. In alle Bereiche des Lebens wird das unreine, quakende, widerliche Tier eindringen – die Kröte.“
וּבְכָה וּבְעַמְּךָ וּבְכָל־עֲבָדֶיךָ יַעֲלוּ הַצְפַרְדְּעִים׃
uwchá uw'ammechá uwchol-awadécha ja'alú hazfarde'ím
29 Auf dich und auf dein Volk und auf alle deine Knechte werden die Frösche heraufsteigen.
Der Höchste kann den Pharao auch mithilfe von Fröschen bestrafen: „Du meinst, dass du ein großes Krokodil bist, aber für Mich bist du vielleicht nur ein Stab (so wie auch Assyrien ein strafender Stab genannt wird). Und jetzt kann deine ganze Kraft zerstört werden durch die Götter, die dich beschützen, darunter auch durch den Frosch, dessen Kopf ihr eurer Göttin angesetzt habt.“
Damit endet Kapitel 7, und wir lesen weiter ab Vers 1 von Kapitel 8.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה אֱמֹר אֶל־אַהֲרֹן נְטֵה אֶת־יָדְךָ בְּמַטֶּךָ עַל־הַנְּהָרֹת עַל־הַיְאֹרִים וְעַל־הָאֲגַמִּים וְהַעַל אֶת־הַצְפַרְדְּעִים עַל־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajomer adonáj el-mosché emór el-aharón neté et-jadécha bemattécha al-hanneharót al-haj'orím we'al-ha'agammím wehá'alDie russische Umschrift beginnt dieses Wort mit einem B statt mit einem W. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: wehá'al. et-hazfarde'ím al-érez mizrajim
1 Und der HERR sprach zu Mosche: „Sage zu Aharon: Strecke deine Hand mit deinem Stab aus über die Flüsse und über die Ströme und über die Seen und lass die Frösche (Kröten) über das ägyptische Land heraufsteigen.“
וַיֵּט אַהֲרֹן אֶת־יָדוֹ עַל מֵימֵי מִצְרָיִם וַתַּעַל הַצְּפַרְדֵּעַ וַתְּכַס אֶת־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajét aharón et-jadó al memé mizrájim wattá'al hazzefardéa wattechás et-érez mizrájim
2 Und Aharon erhob seine Hand über die ägyptischen Wasser, und der Frosch stieg herauf und bedeckte das ganze ägyptische Land.
Das Wort hazzefardéa, das hier gebraucht wird, – das ist ein Sammelbild, das ist nicht nur Fisch als ein einzelner Fisch, sondern auch als viel Fisch, als aller Fisch. Auch der Vogel des Himmels bedeutet nicht nur ein Vöglein, sondern kann alle Vögel bedeuten.
Also, der Frosch stieg herauf, und im Talmud gibt es einen Streit. Die einen sagen, dass viele Frösche heraufstiegen, das ist einfach ein Sammelname. Es gibt eine interessante Meinung von Rabbi Akiwa: Es war ein einziger Frosch, und er zerfiel, er breitete sich über ganz Ägypten aus. Jemand sagt, dass der Frosch pfiff und sich alle übrigen versammelten. Und es gibt noch so einen interessanten Midrasch. Die Ägypter sahen diesen riesigen Frosch von unglaublicher Größe, einen Godzilla-Frosch, und fingen an, ihn zu schlagen. Und als sie ihn schlugen, zerfiel er, und von ihm fielen Kröten ab, wie vom Drachen Gorynytsch die Köpfe, das heißt, es entstand so eine Vielkröterei. Und obwohl die Ägypter sahen, dass es ihnen davon, dass sie ihn schlugen, nur schlechter ging, schlugen sie ihn trotzdem weiter. Einen sehr interessanten Kommentar dazu habe ich von meinem Lehrer gehört, der sagte: „Wenn sie sahen, dass er sich nur vermehrt, warum schlugen sie ihn dann? Das ist die Natur des menschlichen Zorns. Wenn ein Mensch im Zorn ist, wenn er etwas schlägt, etwas zerbricht, etwas zertrümmert, versteht er in Wirklichkeit, dass ihn das nicht beruhigen wird, dass ihn das nur noch mehr anstacheln wird, aber der Zorn verschleiert ihm die Augen.“ Der Midrasch führt dieses Beispiel an, benutzt die Geschichte mit den Kröten als Material, um zu zeigen, wie der Zorn wirkt. Diesen Midrasch legen wir beiseite, und höchstwahrscheinlich geht es hier doch um den Frosch als Sammelbild, einfach um zahlreiche Frösche, die das ganze Land bedeckten.
וַיַּעֲשׂוּ־כֵן הַחֲרְטֻמִּים בְּלָטֵיהֶם וַיַּעֲלוּ אֶת־הַצְפַרְדְּעִים עַל־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
waja'asu-chén hachartummím belatehém waja'alú et-hazfarde'ím al-érez mizrájim
3 Und auch die ägyptischen Priester machten es ebenso, auch sie ließen Frösche über das ägyptische Land heraufsteigen.
וַיִּקְרָא פַרְעֹה לְמֹשֶׁה וּלְאַהֲרֹן וַיֹּאמֶר הַעְתִּירוּ אֶל־יְהוָה וְיָסֵר הַצְפַרְדְּעִים מִמֶּנִּי וּמֵעַמִּי וַאֲשַׁלְּחָה אֶת־הָעָם וְיִזְבְּחוּ לַיהוָה׃
wajikrá far'ó lemoschéDie russische Umschrift schreibt den Namen Mosche hier mit a statt o. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: lemosché. ul'aharón wajomer ha'tíru el-adonáj wejassér hazfarde'ím mimménni ume'ammí wa'aschallechá et-ha'ám wejisbechú ladonáj
4 Und der Pharao rief Mosche und Aharon und sprach zu ihnen: „Bitte, erfleht den HERRNIm Russischen stehen hier offenbar zwei Tippfehler, wörtlich etwa „Beschwert euch, vereinfacht den HERRN“. Übersetzt ist der erkennbar gemeinte Sinn „Bitte, erfleht den HERRN“., und Er wird die Frösche von mir wegnehmen, und von meinem Volk, und ich werde das Volk senden (wegschicken), und ihr werdet dem Höchsten Opfer bringen.“
Der Pharao bittet jetzt, zum HERRN zu beten, zu eben dem HERRN, den er noch in Kapitel 5 nicht kannte. Gesagt – getan. Es zeichnete sich eine große Verschiebung im Prozess der Erziehung des Pharao ab: Er glaubt schon an den Gott Israels. Aber Mosche braucht es, dass klar wird, dass das kein Zufall ist, kein Zusammentreffen von Umständen. Deshalb sagt Mosche weiter: „Nun, ganz wie es beliebt.“
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה לְפַרְעֹה הִתְפָּאֵר עָלַי לְמָתַי אַעְתִּיר לְךָ וְלַעֲבָדֶיךָ וּלְעַמְּךָ לְהַכְרִית הַצֲפַרְדְּעִים מִמְּךָ וּמִבָּתֶּיךָ רַק בַּיְאֹר תִּשָּׁאַרְנָה׃
wajomer mosché lefar'ó hitpa'ér aláj lematáj a'tír lechá wela'awadécha ul'ammechá lehachrít hazfarde'ím mimmechá umibbattécha rak baj'ór tischa'árna
5 Und Mosche sprach zum Pharao: „Wann beliebt es, dass die Frösche sich davonmachen? Und ich werde für dich und für deine Knechte und für dein Volk bitten, die Frösche von dir und aus deinem Haus wegzunehmen, nur im Nil werden sie bleiben.“
Mosche sagt: „Zu der von dir festgesetzten Frist, damit du verstehst, dass das keine astrologischen Kunststücke sind, dass das keine magisch abgepasste Zeit ist. Du wirst angeben, wann, und ich werde den Höchsten bitten, die Frösche wegzunehmen, damit du weißt, dass das Seine Hand ist.“
וַיֹּאמֶר לְמָחָר וַיֹּאמֶר כִּדְבָרְךָ לְמַעַן תֵּדַע כִּי־אֵין כַּיהוָה אֱלֹהֵינוּ׃
wajomer lemachárIn der russischen Umschrift endet das zweite Wort mit ch statt mit r. Nach dem Hebräischen heißt es lemachár (auf morgen), wie auch weiter unten. wajomer kidwarechá lemá'an tedá ki-én kadonáj elohénu
6 Und der Pharao sprach: „Auf den morgigen Tag.“ Und Mosche sprach: „Es sei nach deinen Worten, damit du weißt, dass es keinen Gott gibt wie unseren HERRN.“
Wiederum, um auf das Wissen zurückzukommen: damit du nicht nur weißt, dass es Gott gibt (das hat der Pharao anscheinend schon anerkannt), sondern damit du weißt, dass es keinen Gott gibt wie unseren HERRN.
Die Läuseprobe (8,7–18)Die Überschrift ist im Russischen eine Redewendung, wörtlich „Prüfung auf Verlaustheit“, im Sinn von „Bewährungsprobe“. Sie spielt auf die Läuseplage an; das Deutsche kann dieses Wortspiel nur annähernd wiedergeben.
Mit Gottes Hilfe werden wir gemeinsam weiter den Wochenabschnitt Waera lesen. Aber bevor wir weitermachen, möchte ich eine Frage beantworten, die bei denen aufkommt, die das Buch Schemot lesen. Eine Frage, die sich aufdrängt und ganz natürlich ist, und die aus zwei Teilen besteht. Der erste Teil der Frage: Warum spazieren Mosche und Aharon, Vertreter eines versklavten Volkes, so frei herum, woher haben sie so viel freie Zeit, und wie kann Aharon losgehen, um Mosche entgegenzugehen, offensichtlich über eine größere Entfernung als drei Tagesreisen? Und der zweite Teil der Frage: Warum vernichtet der Pharao diese Leute nicht einfach? Gleich nach der ersten Plage hätte man Mosche und Aharon zu Staatsverbrechern erklären, sie zu zehn Jahren ohne Recht auf Briefwechsel verurteilen und sie still irgendwo in der Tiefe einer der Pyramiden erschießen können. Warum tut der Pharao das nicht?
Mosche und Aharon sind, das muss man in Erinnerung rufen, über 80 Jahre alt, genauer gesagt Mosche 80 Jahre, Aharon 83. Wie man es auch dreht, das ist ein Rentenalter. In Ägypten gibt es zu jener Zeit zwei Arten von Sklaven. Die erste Art heißt chemúu. Chemúu – das sind Sklaven des Pharao oder Leibeigene, das heißt, einfacher gesagt, vom Staatshaushalt Bezahlte. Die Sache ist die, dass die Landwirtschaft den Menschen nicht viel Zeit wegnahm, weil Aussaat und Ernte in Ägypten zeitlich nah beieinander liegen, es gibt wenig Arbeit, und den größten Teil des Jahres hätte man müßig verbringen können. Aber, wie wir uns erinnern, hat Josef alle Bürger Ägyptens aufgekauft, hat sie vollständig versklavt, und sie begannen zu arbeiten, nach dem Kartensystem zu existieren. In der Zeit, in der sie sich nicht um ihre landwirtschaftlichen Parzellen kümmern konnten, nicht kümmern mussten, wurden sie zum Bau von Bauwerken herangezogen – zu allem Möglichen, zu beliebigen Arbeiten – und wurden entsprechend aus dem Staatshaushalt ernährt. Im Grunde nahm man ihnen den Weizen weg, den sie selbst erzeugt hatten, und zwang sie, für eben diesen zu arbeiten, das ist das System der Leibeigenschaft. Diese Leute gehörten sich selbst, sie konnten im Prinzip wegziehen, wohin es ihnen beliebte, sich bewegen, wo es ihnen beliebte, sie konnten Besitz haben und sogar selbst Sklaven haben (bakú). Bakú – das ist eine andere Kategorie von Sklaven, das sind Sklaven im vollen Sinn dieses Wortes, Besitz des Herrn, ein völlig rechtloses Wesen, das in der Regel bei häuslichen Arbeiten arbeitete, im Haus oder auf den Plantagen, nicht an staatlichen Bauvorhaben beteiligt war und dergleichen.
Wenn wir auf die Pyramiden schauen, auf diese riesigen Bauwerke, nehmen wir an, dass Sklaven sie gebaut haben. Aber nicht die Sklaven bakú, sondern gerade die chémuu – ägyptische Staatsbedienstete. Außerdem war die Arbeit der chémuu in verschiedene berufliche Stufen eingeteilt, und wenn man es von außen beurteilt, war die Arbeit eines „Ziegelformers“ leichter als die Arbeit eines Steinmetzen oder Steinträgers. Die Juden waren also als Ziegelformer in einer relativ privilegierten Lage, und entsprechend konnten Mosche und Aharon, als eben solche vom Staatshaushalt bezahlte Staatsbedienstete, in einem bestimmten Alter in Rente gehen und Versorgung aus dem Haushalt ihrer Gemeinde bekommen, der für die Alten bereitgestellt wurde. Davon sprechen ägyptische Papyri.
Nun zu den Repressionen. Warum hat der Pharao eigentlich Mosche und Aharon nicht einfach umgebracht? Weil es in Ägypten ein Rechtssystem gibt. Der Pharao untersteht der Göttin Maát, an die er glaubt, für ihn ist sie eine real existierende Göttin, sie ist die Göttin der Rechtsprechung. Und entsprechend heißt das System der ägyptischen Gesetze, auf das Ägypten sehr stolz ist, Gesetze der Maat. Nach diesen Gesetzen ist die Todesstrafe nur in sehr, sehr, sehr seltenen Fällen vorgesehen. Angewandt werden Stockschläge, Geldstrafen, Beschlagnahme des Vermögens, sogar Verstümmelung. Es gab einen Menschen, dem man die Nase abschnitt, es gab einen Menschen, dem man das Ohr abschnitt, aber die Todesstrafe wurde praktisch nicht angewandt.
Worin besteht das Verbrechen Mosches und Aharons? Sie erfüllen die Sendung als Gesandte ihres Gottes, und trotz des gewaltigen Schadens, der dadurch entsteht, haben Mosche und Aharon aus der Sicht der Rechtsprechung nichts Strafbares getan: Der Pharao ist nicht Kim Il-sung, nicht Stalin, und er lässt nicht links und rechts Menschen hinrichten. Irgendein Anschein von Rechtsprechung ist in Ägypten doch vorhanden. Wir erinnern uns, dass Mosche seinerzeit vor der Justiz geflohen ist. Als Mosche den Ägypter getötet hatte, da wäre genau die Zeit gewesen, ihn hinzurichten. Aber wir erinnern uns, dass der Engel zu Mosche sagte: „Gestorben sind die, die deine Seele suchten.“ Mit dem Tod des Pharao gab es eine Amnestie für alle gesuchten Verbrecher. Mosche fiel unter diese Amnestie – egal, ob er dabei persönlich anwesend war oder nicht, deshalb konnte er ruhig zurückkehren. Darüber wird Mosche seinerzeit über den Höchsten sagen: „Der mich vom Schwert des Pharao gerettet hat.“ Aber während der ganzen Geschichte mit den Plagen sind Mosche und Aharon nicht strafbar. Außerdem wird es einen Fall geben, wir werden ihn lesen, wo der Pharao sagen wird: „Noch einmal sehe ich dich, und du bist ein Todgeweihter.“ Diesen Fall nehmen wir gesondert durch, aber vorerst ist das die Antwort.
Und wir sind im letzten Abschnitt buchstäblich mitten im Gespräch Mosches mit dem Pharao über die Plage der Kröten stehen geblieben. Um es uns wieder ins Gedächtnis zu rufen, gehen wir ein kleines Stück zurück und lesen ab Vers 5 von Kapitel 8:
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה לְפַרְעֹה הִתְפָּאֵר עָלַי לְמָתַי אַעְתִּיר לְךָ וְלַעֲבָדֶיךָ וּלְעַמְּךָ לְהַכְרִית הַצֲפַרְדְּעִים מִמְּךָ וּמִבָּתֶּיךָ רַק בַּיְאֹר תִּשָּׁאַרְנָה׃
wajomer mosché lefar'ó hitpa'ér aláj lematáj a'tír lechá wela'awadécha ul'ammechá lehachrít hazfarde'ím mimmechá umibbattécha rak baj'ór tischa'árna
5 Und Mosche sprach zum Pharao: „Wie es dir beliebt, wann willst du, dass ich diese Kröten wegschaffe, ich werde für dich beten, und für deine Knechte, und für dein Volk, damit die Kröten weggeschafft, vernichtet (abgeschnitten) werden von dir und von deinem Haus, nur in ihrem Haus (im Nil) werden sie bleiben.
Das Wort lehachrit bedeutet vernichten, ausrotten, das Wort lichrót, karát – abschneiden. In Vers 4 bat der Pharao, dass die Frösche weggehen: „Er möge von mir entfernen (jejassér) die Frösche.“ Hier sagt Mosche: „Ich werde für dich beten, damit Er die Frösche vernichtet.“ Worin liegt der Unterschied? Der Unterschied ist groß. Wenn Frösche in das Haus eines Menschen gelangen (oder irgendwo anders hin) und sie einfach bei ihm im Bett sterben, bei ihm im Backtrog, überall, wo es nur geht, dann gibt es von ihnen einen Haufen Unannehmlichkeiten und Kopfschmerzen sogar nach ihrem Tod. Deshalb bittet der Pharao, dass der Höchste die Frösche vernichtet. Mosche sagt: „Bestell du zuerst, auf wann, und ich werde zum Höchsten beten, dass er diese Frösche tötet.“
וַיֹּאמֶר לְמָחָר וַיֹּאמֶר כִּדְבָרְךָ לְמַעַן תֵּדַע כִּי־אֵין כַּיהוָה אֱלֹהֵינוּ׃
wajomer lemachár wajomer kidwarechá lemá'an tedá ki-én kadonáj elohénu
6 Und er sprach: „Auf morgen.“ Und Mosche sprach: „Nach deinen Worten wird es sein (weiter werden wir sehen, dass es nicht nur darin nach seinen Worten sein wird) – damit du weißt, dass es keinen gibt, der unserem Gott gleich ist.“
וְסָרוּ הַצְפַרְדְּעִים מִמְּךָ וּמִבָּתֶּיךָ וּמֵעֲבָדֶיךָ וּמֵעַמֶּךָ רַק בַּיְאֹר תִּשָּׁאַרְנָה׃
wessarú hazfarde'ím mimmechá umibbattécha ume'awadécha ume'ammécha rak baj'ór tischa'árna
7 Und die Frösche werden von dir weichen, und aus deinem Haus, und von deinen Knechten, und aus deinem Volk, und nur im Nil werden sie bleiben.
Das Wort mimmechá kann man hier als aus deinem Körper übersetzen. Stellt euch vor: Frösche gelangen wie irgendwelche Parasiten in den Körper. Das ist natürlich eine unglaubliche Geschichte, aber wir sprechen ja von Wundern. Und stellt euch vor, dass sie dort, drinnen, sterben. Eine unangenehme Sache. Mosche sagt: „Es wird nach deinem Wort sein: Erstens wird es morgen sein, zweitens werden die Frösche weggehen. Sie werden nicht unmittelbar in euren Häusern sterben. Auf den Straßen eurer Städte werden sie vielleicht sterben, aber nicht auf euren Grundstücken.“
וַיֵּצֵא מֹשֶׁה וְאַהֲרֹן מֵעִם פַּרְעֹה וַיִּצְעַק מֹשֶׁה אֶל־יְהוָה עַל־דְּבַר הַצְפַרְדְּעִים אֲשֶׁר־שָׂם לְפַרְעֹה׃
wajezé mosché we'aharón me'ím par'ó wajiz'ák mosché el-adonáj al-dewár hazfarde'ím ascher-sám lefar'ó
8 Und Mosche und Aharon gingen vom Pharao hinaus, und Mosche rief zum HERRN, Mosche schrie zum HERRN wegen des Wortes über die Frösche, die Er dem Pharao gegeben hatte.
Nur von dieser Plage ist gesagt, dass Mosche zum HERRN schrie. Hat es Mosche etwa so sehr gebrannt, und hat er sich so sehr um den Pharao gesorgt? Worum schreit Mosche? Mosche hat sich nicht, Gott bewahre, darüber aufgeregt, dass die Frösche dem Pharao irgendein Unbehagen bereiten. Mosche schrie zum Höchsten, dass die Wahl, die der Pharao getroffen hatte, sich verwirklicht, damit keine Schmähung des Höchsten geschieht; damit das, was Mosche dem Pharao gesagt hatte, dass es nach Seinem Wort sein wird, damit das sich erfüllt; damit der Pharao den Höchsten wirklich erkennt, damit der Höchste unter den Ägyptern verherrlicht wird. Darum schreit Mosche.
וַיַּעַשׂ יְהוָה כִּדְבַר מֹשֶׁה וַיָּמֻתוּ הַצְפַרְדְּעִים מִן־הַבָּתִּים מִן־הַחֲצֵרֹת וּמִן־הַשָּׂדֹת׃
wajá'as adonáj kidwár mosché wajamútu hazfarde'ím min-habbattím min-hachazerót umin-hassadót
9 Und der HERR tat, wie Mosche gesagt hatte, und die Frösche starben, und aus den Häusern und aus den Gärten und aus den Feldern (man kann es verstehen als: hinausgehend, die Gärten, Häuser und Felder verlassend).
וַיִּצְבְּרוּ אֹתָם חֳמָרִם חֳמָרִם וַתִּבְאַשׁ הָאָרֶץ׃
wajizberú otám chomarím chomarím wattiw'ásch ha'árez
10 Und man sammelte sie Haufen um Haufen (oder man sammelte sie zu riesigen Haufen), und das Land stank (unangenehm, aber nicht tödlich).
וַיַּרְא פַּרְעֹה כִּי הָיְתָה הָרְוָחָה וְהַכְבֵּד אֶת־לִבּוֹ וְלֹא שָׁמַע אֲלֵהֶם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה׃
wajár par'ó ki hajetá harewachá wehachbéd et-libbó weló schamá alehém ka'aschér dibbér adonáj
11 Und der Pharao sah, dass Erleichterung gekommen war, und machte sein Herz schwer, und er hörte sie nicht, hörte nicht auf sie, wie der HERR gesagt hatte, wie es der HERR auch vorhergesagt hatte.
Auch das ist ein Wunder, dass der Pharao Widerstand leistet, den Schlag aushält: Als er sieht, dass es Erleichterung gibt, weigert sich der Pharao, sie wegzuschicken.
In Vers 12 lesen wir den Anfang der nächsten Plage. Wenn die ersten beiden Plagen, Blut und Frösche, mit dem Wasser verbunden waren, mit dem Nil, so werden die nächsten beiden Plagen mit Tieren verbunden sein, wie wir sehen werden.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה אֱמֹר אֶל־אַהֲרֹן נְטֵה אֶת־מַטְּךָ וְהַךְ אֶת־עֲפַר הָאָרֶץ וְהָיָה לְכִנִּם בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajomer adonáj el-mosché emór el-aharón neté et-mattechá wehách et-afár ha'árez wehajá lechinním bechol-érez mizrájim
12 Und der HERR sprach zu Mosche: „Sage zu Aharon: Strecke deinen Stab aus und schlage auf die Erde, auf den Staub der Erde, und er wird sich in Läuse verwandeln im ganzen Land Ägyptens.
Das Wort kinním, das hier gebraucht wird, wird in der modernen russischen Übersetzung gewöhnlich als Läuse verstanden. Möglicherweise ist tatsächlich die weiße Laus gemeint – der berühmte, verbreitete Schädling, der überall lebte – im Maghreb, im Nahen Osten, in Ägypten, im Land Israel und fast auf der ganzen Welt. Einst war das eine sehr verbreitete Erscheinung, ein ewiger Begleiter des Menschen. Der italienische Dichter Marino schrieb Verse, die den Läusen auf der Locke seiner Geliebten gewidmet sind. Bei den Juden glaubte man, dass Läuse vor dem bösen Blick schützen. Ich erinnere mich, dass der Lubawitscher Rebbe sowjetische jüdische Häftlinge ausfragte, ob sie Läuse gehabt hätten, und sich sehr freute, wenn sie sagten, dass sie welche hatten. Russische, ukrainische Sprichwörter sprechen auch zugunsten der Läuse: „Gibt es eine Laus, gibt es auch einen Groschen; Läuse bringen Reichtum.“ Nun, kurz gesagt, Läuse sind ein alter Begleiter des Menschen. Abgesehen davon, dass sie vielen so gesegnet erscheinen, verbreiten sie natürlich auch Krankheiten. Sie beißen, sie haben so einen eigenartig gebauten Kiefer, der es ihnen erlaubt, die Haut zu durchbeißen und Blut zu trinken, sie bereiten sehr viele Unannehmlichkeiten. Interessant ist, dass Läuse ein streng artgebundenes Tier sind. Das heißt, Läuse, die auf dem Menschen leben, kriechen nicht auf eine Katze hinüber, und Läuse, die auf einem Bären leben, gelangen nicht zum Menschen. Das lässt daran zweifeln, dass gerade Läuse in ganz Ägypten auftauchten.
Die Septuaginta deutet kinním als kleine Mücken. Das ist ein Tier, das auf Russisch mokrez heißt. Kleine, kleine, sehr kleine Mückchen, die sehr schmerzhaft und unangenehm stechen, einen Haufen, einen Haufen Unannehmlichkeiten bereiten. Wenn sich der ganze ägyptische Staub darin verwandelt hat, dann sind auch die Kinder ständig zerstochen, und man braucht nur den Mund aufzumachen, da fliegt dieses unangenehme, widerliche Mückenzeug in den Mund, ja auch in die Ohren. Und natürlich, wem kann es davon gut gehen? Und es gibt einen Streit darüber, was für ein Insekt das war. So ist es oft in der Schrift, dass die Namen dieser oder jener Tiere nicht bis zu uns gelangt sind, wir leben in verschiedenen Epochen. Und wenn wir zum Beispiel Käferchen oder Kakerlake sagen, dann können wir viele, viele verschiedene Insekten mit diesen Namen meinen; dasselbe geschieht auch hier.
וַיַּעֲשׂוּ־כֵן וַיֵּט אַהֲרֹן אֶת־יָדוֹ בְמַטֵּהוּ וַיַּךְ אֶת־עֲפַר הָאָרֶץ וַתְּהִי הַכִּנָּם בָּאָדָם וּבַבְּהֵמָה כָּל־עֲפַר הָאָרֶץ הָיָה כִנִּים בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
waja'asu-chén wajét aharón et-jadó wemattéhu wajách et-afár ha'árez wattehí hakkinnám ba'adám uwabbehemá kol-afár ha'árez hajá chinním bechol-érez mizrájim
13. Und Mosche und Aharon taten so, und Aharon streckte, breitete seine Hand mit dem Stab aus, und er schlug auf den Staub der Erde, und es waren Läuse auf dem Menschen und auf dem Vieh, der ganze Staub verwandelte sich in Läuse, in diese Insekten im ganzen ägyptischen Land.
Gerade daraus, dass gesagt ist, dass die Insekten sowohl auf dem Menschen als auch auf dem Vieh waren, schließt man, dass das höchstwahrscheinlich nicht die weiße Laus ist, die uns bekannt ist, sondern möglicherweise irgendwelche Mücken, Gnitzen, weil Läuse nicht vom Menschen auf das Vieh übergehen. Aber das ist unwichtig, wiederum befassen wir uns nicht mit der Insektenkunde. Und es ist klar, dass das eine riesige Demütigung, eine riesige Niederlage für das ägyptische Volk war, nichts konnte man tun: Die Frauen, die Kinder schrien, eine Masse von Hautkrankheiten trat zweifellos zusammen damit auf. Was erstaunlich ist: Mosche hat hier gleichsam nichts damit zu tun, aus der Sicht des Pharao. Früher kam Mosche und machte eine Ankündigung: Sieh, wenn du nicht ziehen lässt, dann werde ich so und so handeln. Die Plage, die in diesem Vers beschrieben wird, geschieht ohne Kriegserklärung. Warum das so geschieht, lesen wir in Vers 14.
וַיַּעֲשׂוּ־כֵן הַחַרְטֻמִּים בְּלָטֵיהֶם לְהוֹצִיא אֶת־הַכִּנִּים וְלֹא יָכֹלוּ וַתְּהִי הַכִּנָּם בָּאָדָם וּבַבְּהֵמָה׃
waja'asu-chén hachartummím belatehém lehozí et-hakkinním weló jachólu wattehí hakkinnám ba'adám uwabbehemá
14. Die ägyptischen Hofzauberer versuchten auch, es mit ihren Kunststücken so zu machen – die Läuse herauszuholen oder Läuse hervorzubringen, und sie konnten es nicht. Und es waren Läuse auf dem Menschen und auf den Tieren.
Ob sie versuchten, sie selbst hervorzubringen, oder ob sie versuchten, sie loszuwerden – das Wort lehozí, das hier gebraucht wird, kann man auf zweierlei Weise verstehen.
וַיֹּאמְרוּ הַחַרְטֻמִּים אֶל־פַּרְעֹה אֶצְבַּע אֱלֹהִים הִוא וַיֶּחֱזַק לֵב־פַּרְעֹה וְלֹא־שָׁמַע אֲלֵהֶם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה׃
wajomerú hachartummím el-par'ó ezbá elohím hi wajechesák lew-par'ó welo-schamá alehém ka'aschér dibbér adonáj
15 Und die Priester sprachen zum Pharao: „Das ist der Finger Gottes (das ist der Finger des Höchsten).“ Aber das Herz des Pharao wurde fest, und er hörte nicht auf sie, wie es auch der HERR gesagt hatte.
Hier gibt es keine Worte Mosches, es gibt eine Andeutung: Ratet, woher euch das zugeflogen ist, ratet, wer euch da bestraft. Aber sie verstehen schon auch ohne Mosche, ohne den jüdischen Propheten, von wem das gekommen ist, denn sie sagen: „Das ist der Finger Gottes.“ Aber der Pharao blieb stur. Sein Herz war stark genug, um das zu überstehen.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה הַשְׁכֵּם בַּבֹּקֶר וְהִתְיַצֵּב לִפְנֵי פַרְעֹה הִנֵּה יוֹצֵא הַמָּיְמָה וְאָמַרְתָּ אֵלָיו כֹּה אָמַר יְהוָה שַׁלַּח עַמִּי וְיַעַבְדֻנִי׃
wajomer adonáj el-mosché haschkém babbóker wehit'jazzéw lifné par'ó hinné jozé hammájma we'amartá eláw ko amár adonáj schallách ammí weja'awdúni
16 Und der HERR sprach zu Mosche: „Steh am Morgen auf und tritt wieder vor den Pharao, wenn er zum Wasser hinausgeht. Und sage ihm: ‚So hat der HERR gesagt: Sende Mein Volk, und es wird dienen!
כִּי אִם־אֵינְךָ מְשַׁלֵּחַ אֶת־עַמִּי הִנְנִי מַשְׁלִיחַ בְּךָ וּבַעֲבָדֶיךָ וּבְעַמְּךָ וּבְבָתֶּיךָ אֶת־הֶעָרֹב וּמָלְאוּ בָּתֵּי מִצְרַיִם אֶת־הֶעָרֹב וְגַם הָאֲדָמָה אֲשֶׁר־הֵם עָלֶיהָ׃
ki im-enechá meschalléach et-ammí hinení maschlíach bechá uwa'awadécha uw'ammechá uwewattécha et-he'arów umale'ú batté mizrájim et-he'arów wegám ha'adamá ascher-hém aléha
17 Denn wenn du Mein Volk nicht wegschickst, dann schicke Ich auf dich und auf deine Knechte und auf dein Volk und auf dein Haus arów (wilde Tiere), und sie werden die ägyptischen Häuser füllen, sogar die Erde, auf der diese Häuser stehen, all das wird sich mit diesen Tieren füllen.
Das Wort arów bedeutet Gemisch. Gewöhnlich sagen die Kommentatoren, dass das wilde Bestien sind, wilde Tiere, die die Ägypter angriffen und bissen. Darauf deuten Tehillim 78 und 105 hin, die die Geschichte der ägyptischen Plagen nacherzählen. Dort steht geschrieben, was arów taten – sie griffen an und bissen. Andere sagen, dass das kleine Geschöpfe sind wie Maulwürfe, Ratten, Skorpione, Waschbären und andere kleine Tiere, die ebenfalls alles ringsum verderben können. Wie ich gesagt habe, waren die ersten zwei Plagen mit dem Wasser des Nil verbunden, diese neuen Plagen sind mit Tieren verbunden. Aber es wird, nach den Worten des Höchsten, eine Besonderheit geben:
וְהִפְלֵיתִי בַיּוֹם הַהוּא אֶת־אֶרֶץ גֹּשֶׁן אֲשֶׁר עַמִּי עֹמֵד עָלֶיהָ לְבִלְתִּי הֱיוֹת־שָׁם עָרֹב לְמַעַן תֵּדַע כִּי אֲנִי יְהוָה בְּקֶרֶב הָאָרֶץ׃
wehifletí wajom hahú et-érez góschen aschér ammí oméd aléha lewiltí hejot-schám arów lemá'an tedá ki aní adonáj bekérew ha'árez
18 „An jenem Tag werde Ich das Land Goschen aussondern, auf dem mein Volk lebt, damit es dort diese wilden Tiere nicht gibt, damit du weißt, dass Ich über die Erde herrsche!“
Der Höchste sagt: „Ich werde abgrenzen, Ich werde die Grenze markieren.“ Wenn ihr euch erinnert: Als der Höchste von den Kröten sprach, sagte Er: „Die Kröten werden in allen deinen Grenzen sein.“ Dort bestimmten die Kröten genau die Grenze des ägyptischen Reiches. Es gibt so einen ironischen Kommentar, der sagt, dass Ägypten einen Gebietsstreit mit dem benachbarten Äthiopien hatte, und er wurde während der Plage mit den Fröschen in Ägypten gelöst, denn dort, wo die Frösche niedergegangen waren, dort endete auch Ägypten. Darauf einigten sie sich und schlossen endlich ein Friedensabkommen, dank der Plage mit den Fröschen. Hier sagt der Höchste: „Ich werde innerhalb deines Landes eine Trennung ziehen. Dort, wo Mein Volk lebt, wird es keinerlei Schäden geben, damit du siehst, wer im Haus der Herr ist.“
Ungebetene Gäste
Schemot 8,19–9,7
Wir gehen heute ein kleines bisschen zurück, zum Anfang des Themas, und lesen ab dem 16. Vers des 8. Kapitels des Buches Schemot.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה הַשְׁכֵּם בַּבֹּקֶר וְהִתְיַצֵּב לִפְנֵי פַרְעֹה הִנֵּה יוֹצֵא הַמָּיְמָה וְאָמַרְתָּ אֵלָיו כֹּה אָמַר יְהוָה שַׁלַּח עַמִּי וְיַעַבְדֻנִי׃
wajomer adonáj el-mosché haschkém babbóker wehitjazzéw lifné far'ó hinné jozé hammájma we'amartá eláw ko amár adonáj schallách ammí weja'awdúni
16 Und der HERR sprach zu Mosche: „Steh früh am Morgen auf und stell dich (tritt hin) vor den Pharao, der gerade zum Wasser hinausgehen wird, und sage zu ihm: „So sprach der HERR: „Lass Mein Volk gehen, und sie werden Mir dienen.
Das Wort haschkém bedeutet frühes Aufstehen, man kann das Wort haschkém unmöglich in der Bedeutung steh spät auf gebrauchen. Haschkém – das ist eben das frühe Erwachen.
Mosche ist einfach dazu berufen, ständig ein und dieselbe Forderung zu wiederholen. Wir haben gesagt, dass diese Forderung den ägyptischen Gesetzen entspricht. Wir haben früher über die ägyptische Rechtsprechung gesprochen, über die ägyptischen Gesetze. Hier sagt Mosche: „Komm, lass nach dem Gesetz Mein Volk gehen!“
כִּי אִם־אֵינְךָ מְשַׁלֵּחַ אֶת־עַמִּי הִנְנִי מַשְׁלִיחַ בְּךָ וּבַעֲבָדֶיךָ וּבְעַמְּךָ וּבְבָתֶּיךָ אֶת־הֶעָרֹב וּמָלְאוּ בָּתֵּי מִצְרַיִם אֶת־הֶעָרֹב וְגַם הָאֲדָמָה אֲשֶׁר־הֵם עָלֶיהָ׃
ki im-enechá meschalléach et-ammí hinení maschlíach bechá uwa'awadécha uw'ammechá uwewattécha et-he'arów umale'ú batté mizrájim et-he'arów wegám ha'adamá ascher-hém aléha
17 Denn wenn du Mein Volk wieder nicht wegschickst, werde Ich über dich und über deine Knechte und über dein Volk und über dein Haus eine solche Plage senden (he'arów), und die ägyptischen Häuser werden sich füllen (mit dieser Mischung) und das Land, auf dem sie (diese Häuser) stehen.
Wörtlich ist he'arów – eine Mischung, aber dieses Wort wird sehr breit verwendet. Zum Beispiel das Wort Bürge aréw – derjenige, der sich mit jemandem in einer Mischung befindet, angenehm; uréw – das, was sich mit mir leicht vermischt, was sich mit mir leicht verbindet. Die Dämmerung, wenn sich Licht und Finsternis vermischen, heißt ebenfalls érew. In der Tora lesen wir in den ersten Kapiteln: wajhi-érew wajhi-wóker – und es war Abend, und es war Morgen. Das Wort érew stammt auch von dieser Wurzel. Also bedeutet das Wort arów eine Menge, eine Vermischung von etwas.
Manche Kommentatoren verstehen es so: „Ich werde eine Lichtvermischung über dich senden, alles wird sich vermischen – sowohl der Tag als auch die Nacht, es wird eine Art nebelhafte Lage geben: mal Hitze, mal Kälte, mal Wind, mal Windstille.“ Kurz gesagt: „Ich werde eine Art Naturkatastrophe über dich senden.“ Aber die meisten Kommentatoren sagen, dass das Wort arów auf irgendwelche Tiere hinweist. Asaf (Tehillim 105) sagt, wenn er die Geschichte vom Aufenthalt Israels in Ägypten erzählt: „Er sandte wilde Tiere über sie (arów wird als wilde Tiere übersetzt), und sie bissen sie.“ Der Midrasch erzählt, dass es vom Himmel her Vögel waren – vom Adler bis zu irgendwelchen sehr großen Vögeln, und von unten waren es Ratten, Schlangen, Nagetiere und Ziesel, und in der Mitte, zwischen ihnen, – Löwen, Giraffen und so weiter. Einer der Kommentatoren sagt, dass es ausschließlich Panther waren, und eine der Bezeichnungen für Panther im Semitischen ist tatsächlich arub. Das heißt, man kann sagen: „Ich werde wilde Katzen über dich senden.“ So oder so können wir nicht konkret wissen, was das für Tiere waren. Die heute wahrscheinlichste Annahme, wie es ausgelegt wird, ist, dass es allerlei Nagetiere waren, Schädlinge – von Käferchen, Würmchen, Skorpionen bis zu Ratten, Zieseln, Stinktieren, Waschbären, Bibern und allerlei anderem, Fehlendes eintragen, Unzutreffendes streichen.
וְהִפְלֵיתִי בַיּוֹם הַהוּא אֶת־אֶרֶץ גֹּשֶׁן אֲשֶׁר עַמִּי עֹמֵד עָלֶיהָ לְבִלְתִּי הֱיוֹת־שָׁם עָרֹב לְמַעַן תֵּדַע כִּי אֲנִי יְהוָה בְּקֶרֶב הָאָרֶץ׃
wehifletí wajom hahu et-érez góschen aschér ammí oméd aléha lewiltí hejot-schám arów lemá'an tedá ki aní adonáj bekérew ha'árez
18 Und Ich werde an jenem Tag das Land Goschen absondern, auf dem Mein Volk lebt, damit es dort dieses Unheil nicht gibt (damit es dort keinen Einfall dieser Tiere gibt), damit du weißt, dass Ich – der HERR auf der ganzen Erde bin.
וְשַׂמְתִּי פְדֻת בֵּין עַמִּי וּבֵין עַמֶּךָ לְמָחָר יִהְיֶה הָאֹת הַזֶּה׃
wesamtíDie russische Umschrift beginnt dieses Wort mit b statt w. Nach dem Hebräischen heißt es wesamtí (und Ich setze). fedút ben ammí uwén ammécha lemachár jihjé ha'ót hassé
19 Und Ich habe eine Erlösung gesetzt zwischen Mein Volk und dein Volk – morgen wird dieses Zeichen sein.“ (Ich kündige den Beginn der Frist an, damit du nicht sagst, dass es zufällig ist.)
Hier, in Vers 19, lesen wir noch ein interessantes Wort. Man muss sagen, dass die meisten Wörter, die mit Rettung, Erlösung, Befreiung verbunden sind, auch mit Trennung verbunden sind, mit dem Absondern des einen vom anderen. Das Wort fedút bedeutet in seiner klassischen Bedeutung Erlösung. Wenn wir für einen Gefangenen zahlen, zahlen wir für ihn pidjon. Der Loskauf des Erstgeborenen, wenn man den erstgeborenen Sohn beim Kohen loskauft, heißt nach der Tora ebenfalls pidjon ben. Hier bedeutet fedút: „Ich werde eine Erlösung machen, Ich werde von euch absondern, Mein Volk von eurem Volk absondern, Ich werde eine Trennung beginnen. Du wirst sehen, dass diese Völker nicht ein und dasselbe sind.“
Eines der Zeichen bei dieser Plage – das ist die Absonderung Israels, die Fähigkeit des Höchsten, die Auserwählten zu befreien, Seine Kraft und Sein Wille, die Auserwählten zu befreien.
וַיַּעַשׂ יְהוָה כֵּן וַיָּבֹא עָרֹב כָּבֵד בֵּיתָה פַרְעֹה וּבֵית עֲבָדָיו וּבְכָל־אֶרֶץ מִצְרַיִם תִּשָּׁחֵת הָאָרֶץ מִפְּנֵי הֶעָרֹב׃
wajá'as adonáj ken wajawó arów kawéd béta far'ó uwét awadáw uwchol-érez mizrájim tischachét ha'árez mippené he'arów
20 Und der HERR tat so, und es kam eine gewaltige Schar in das Haus des Pharao und in das Haus seiner Knechte und über das ganze ägyptische Land. Und verderbt (ins Verderben geraten) wurde das Land wegen dieser Schar.
Man kann sich vorstellen, dass der Pharao ursprünglich in einer Art Kreml wohnt. Er wohnt nicht auf irgendeinem Grenzposten oder am Waldrand, deshalb wäre es logisch, dass zuerst überall in Ägypten Ratten auftauchen, wilde Tiere, seien es Elefanten oder Ameisen. Sie hätten eigentlich aus anderen Gegenden in die Städte kommen müssen, aber hier ist eines der Wunder, ein Wunder im Wunder, – alles beginnt beim Pharao. Die Tiere kommen zuerst in das Haus des Pharao, dann in das Haus seiner Knechte, und über das ganze ägyptische Land.
וַיִּקְרָא פַרְעֹה אֶל־מֹשֶׁה וּלְאַהֲרֹן וַיֹּאמֶר לְכוּ זִבְחוּ לֵאלֹהֵיכֶם בָּאָרֶץ׃
wajikrá far'ó el-mosché ul'aharón wajomer lechú siwchú lelohechém ba'árez
21 Der Pharao rief Mosche und Aharon: „Geht und bringt hier, bei uns in der Heimat (auf den vaterländischen Altären), dem Höchsten ein Opfer dar.“
Wenn wir in Vers 14 einen ähnlichen Satz gelesen haben, wajikrá far'ó le mosché (der Pharao rief Mosche und Aharon), so gibt es hier, so scheint es, einen ganz kleinen Unterschied: Statt le mosché steht hier el-mosché (und der Pharao rief zu Mosche und Aharon), er hat sie nicht einfach zu sich eingeladen, sondern zu ihnen gerufen, das heißt, zu ihnen geschrien. Und der Pharao hat einen Vorschlag, der Pharao beginnt zum ersten Mal, einen Kompromiss zu suchen, irgendwie zu versuchen, sich mit diesen Juden zu einigen, und er hat einen solchen Vorschlag: „Geht und bringt hier bei uns in der Heimat, auf den vaterländischen Altären, dem Höchsten ein Opfer dar. Wozu weit weggehen?“ Der Pharao fürchtet tatsächlich, erstens, dass die Juden davonlaufen. Davonlaufen nicht nur als Sklavenkraft, die Arbeitskraft ist auch wichtig, aber der Pharao denkt hier höchstwahrscheinlich nicht nur als Manager. Die Juden haben, so sieht es mit den Augen des Pharao aus, eine Fernbedienung, die allerlei ägyptische Unannehmlichkeiten ein- und ausschalten kann. Und wenn sie, während sie in Ägypten sind, diese Fernbedienung zum Ein- und Ausschalten benutzen, geh und wisse, vielleicht gehen sie weg und vergessen, das Licht auszuschalten, gehen weg und nehmen diese Tiere überhaupt nicht weg oder schicken womöglich noch irgendwelche Plagen, deshalb ist es besser, sie hier zu behalten.
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה לֹא נָכוֹן לַעֲשׂוֹת כֵּן כִּי תּוֹעֲבַת מִצְרַיִם נִזְבַּח לַיהוָה אֱלֹהֵינוּ הֵן נִזְבַּח אֶת־תּוֹעֲבַת מִצְרַיִם לְעֵינֵיהֶם וְלֹא יִסְקְלֻנוּ׃
wajomer mosché lo nachón la'asót ken ki to'awát mizrájim nisbách ladonáj elohénu hen nisbách et-to'awát mizrájim le'enehém weló jiskelúnu
22 Und Mosche sprach: „So zu handeln ist nicht richtig, denn das, was wir opfern werden, ist ein ägyptischer Gräuel. Wenn wir ihren eigenen Götzen vor ihren Augen schlachten, können sie uns da nicht steinigen?
Was heißt das? Die Ägypter verehren den Widder (das Lamm), das ist ein Symbol Ägyptens, und „wenn wir ihn opfern, dann wird es so aussehen, als ob wir den ägyptischen Götzen opfern, nicht dass die Ägypter noch etwas denken…“
„Du“, sagt Mosche zum Pharao, „zettelst mit dieser sozusagen deiner unbesonnenen Handlung beinahe einen Bürgerkrieg an, denn wenn wir hier Widder opfern, wird das die Gefühle der ägyptischen Gläubigen verletzen, sie können zum Schwert greifen oder jedenfalls zu Steinen, und das wird nicht gering erscheinen, vielleicht wird das sogar schlimmer sein als die wilden Tiere.“
דֶּרֶךְ שְׁלֹשֶׁת יָמִים נֵלֵךְ בַּמִּדְבָּר וְזָבַחְנוּ לַיהוָה אֱלֹהֵינוּ כַּאֲשֶׁר יֹאמַר אֵלֵינוּ׃
dérech schelóschet jamím neléch bammidbár wesawáchnu ladonáj elohénu ka'aschér jomár elénu
23 Drei Tage weit werden wir in die Wüste gehen und unserem HERRN opfern, wie Er es uns auch gesagt hat.“
וַיֹּאמֶר פַּרְעֹה אָנֹכִי אֲשַׁלַּח אֶתְכֶם וּזְבַחְתֶּם לַיהוָה אֱלֹהֵיכֶם בַּמִּדְבָּר רַק הַרְחֵק לֹא־תַרְחִיקוּ לָלֶכֶת הַעְתִּירוּ בַּעֲדִי׃
wajomer par'ó anochí aschallách etchém uswachtém ladonáj elohechém bammidbár rak harchék lo-tarchíku laléchet ha'tíru ba'adí
24 Und der Pharao sprach: „Ich werde euch senden, und ihr werdet eurem HERRN in der Wüste opfern, nur geht nicht weit weg (geht doch eine Tagesreise weit, lasst uns zu irgendeinem Kompromiss kommen). Betet für mich.“
Das Wort le'atér, das hier verwendet wird, wir haben schon darüber gesprochen, hängt mit den Gabeln zusammen, mit denen man das Heu wendet. Das heißt: „Wendet dort, im Himmel, für mich um, damit man dieses Urteil aufhebt, das alle mit wilden Tieren schlägt.“ Man kann unmöglich leben, wenn ringsum dieses Ekelzeug wimmelt. Das heißt, der Pharao sagt: „Gut, geht ihr für einen Tag, und betet ihr für mich.“ Das heißt: „Lasst es doch zum Wohl unseres Vaterlandes sein und nicht nur zum Wohl eures Volkes. Zeigt mir gegenüber Loyalität.“
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה הִנֵּה אָנֹכִי יוֹצֵא מֵעִמָּךְ וְהַעְתַּרְתִּי אֶל־יְהוָה וְסָר הֶעָרֹב מִפַּרְעֹה מֵעֲבָדָיו וּמֵעַמּוֹ מָחָר רַק אַל־יֹסֵף פַּרְעֹה הָתֵל לְבִלְתִּי שַׁלַּח אֶת־הָעָם לִזְבֹּחַ לַיהוָה׃
wajomer mosché hinné anochí jozé me'immách wehatartí el-adonáj wesár he'arów mippar'ó me'awadáw ume'ammó machár rak al-josséf par'ó hatél lewiltí schallách et-ha'ám lisbóach ladonáj
25 Und Mosche sprach: „Siehe, ich gehe aus dir hinaus (gehe von dir weg). Siehe, ich werde hinausgehen, ich werde für dich beten (und ich kann jetzt schon beten, dort oben für dich umwenden), und die Schar der Tiere wird vom Pharao weichen und von seinen Knechten und von seinem Volk, schon morgen. Nur soll der Pharao nicht fortfahren, uns zu zermürben, uns zu verhöhnen (man kann wörtlich übersetzen – uns zum Narren halten, uns hängen lassen), indem er das Volk nicht losschickt, dem HERRN Opfer zu bringen.“
Es gibt interessante Kommentare, die sagen, dass man me'immách hier als von deinem Volk verstehen kann. „Ich stamme von solchen wie du ab“, sagt Mosche. Das heißt: „Wenn ich gehe, kann ich leicht auch bei einer Tagesreise opfern. Aber das Volk braucht, um umzuschalten, um sich auf den Dienst einzustimmen, sozusagen einen Encounter, es muss in einen meditativen Zustand kommen, sich nach der Arbeit gut ausruhen, sich geistlich einstimmen, und deshalb braucht es, anders als ich, mehr Zeit. Bei einer einzigen Tagesreise wird es keinerlei Wirkung geben.“
וַיֵּצֵא מֹשֶׁה מֵעִם פַּרְעֹה וַיֶּעְתַּר אֶל־יְהוָה׃
wajezé mosché me'ím par'ó waje'tár el-adonáj
26 Und Mosche ging vom Pharao hinaus und erhob ein Gebet zum Höchsten.
Das Wort waje'tár, haben wir gesagt, hängt mit den Gabeln zusammen. In der heutigen Sprache ist atira eine Kassationsbeschwerde, ein Gnadengesuch oder die Anfechtung von etwas. Mosche bittet darum, das Urteil anzufechten.
וַיַּעַשׂ יְהוָה כִּדְבַר מֹשֶׁה וַיָּסַר הֶעָרֹב מִפַּרְעֹה מֵעֲבָדָיו וּמֵעַמּוֹ לֹא נִשְׁאַר אֶחָד׃
wajá'as adonáj kidwár mosché wajássar he'arów mippar'ó me'awadáw ume'ammó lo nisch'ár echád
27 Und der HERR tat, wie Mosche gebeten hatte, und nahm den Schwarm vom Pharao weg, von seinen Knechten und von seinem Volk, nicht einmal einer blieb übrig.
Nun, wie wir es auch erwartet haben, das Ende dieser Geschichte ist im Großen und Ganzen schon zum Klassiker geworden.
וַיַּכְבֵּד פַּרְעֹה אֶת־לִבּוֹ גַּם בַּפַּעַם הַזֹּאת וְלֹא שִׁלַּח אֶת־הָעָם׃
wajachbéd par'ó et-libbó gam bappá'am hassót weló schillách et-ha'ám
28 Und der Pharao machte sein Herz schwer, auch dieses Mal wieder, und sandte das Volk nicht.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה בֹּא אֶל־פַּרְעֹה וְדִבַּרְתָּ אֵלָיו כֹּה־אָמַר יְהוָה אֱלֹהֵי הָעִבְרִים שַׁלַּח אֶת־עַמִּי וְיַעַבְדֻנִי׃
wajomer adonáj el-mosché bo el-par'ó wedibbartá eláw ko-amár adonáj elohé ha'iwrím schallách et-ammí weja'awdúni
1 Und der HERR sprach zu Mosche: „Geh zum Pharao und sage ihm: So sprach Gott, der HERR der Hebräer: ‚Sende Mein Volk, und sie werden dienen.‘“
Es gibt einen Unterschied: Manchmal sagt Mosche schallách ammí (einfach schick mein Volk weg), und manchmal heißt es schallách et-ammí. Schallách et-ammí und schallách ammí sind sehr ähnliche Wendungen. Worin liegt hier der Unterschied? Hier steckt ein gewisses Drängen darin: „Sende gerade Mein Volk“, mit Betonung auf Mein, „lass es ziehen, denn es ist Mein.“
כִּי אִם־מָאֵן אַתָּה לְשַׁלֵּחַ וְעוֹדְךָ מַחֲזִיק בָּם׃
ki im-ma'én attá leschalléach we'odechá machasík bam
2 Wenn du zögerst oder dich weigerst, es zu senden, und sie noch immer festhältst (Mein Volk zurückhältst),
הִנֵּה יַד־יְהוָה הוֹיָה בְּמִקְנְךָ אֲשֶׁר בַּשָּׂדֶה בַּסּוּסִים בַּחֲמֹרִים בַּגְּמַלִּים בַּבָּקָר וּבַצֹּאן דֶּבֶר כָּבֵד מְאֹד׃
hinné jad-adonáj hojá bemiknechá aschér bassadé bassussím bachamorím baggemallím babbakár uwazzón déwer kawéd me'ód
3 Dann wird die Hand des HERRN auf all deinem Vieh sein, das auf dem Feld ist: auf die Pferde, auf die Esel, auf die Kamele, auf die Rinder und Kühe, auf Schafe, Widder, Böcke und Ziegen werde Ich eine Pest über sie senden, eine schwere Seuche.
Das Wort mikné bedeutet erworbenes Vieh. Es gibt Vieh, das auf die Weide genommen wird, Vieh, das von angeheuerten Hirten gehütet wird. Mikné – das ist Vieh, das ein Teil des Besitzes ist, das heißt, gerade den Reichtum des Menschen selbst ausmacht. Das Wort mikné kann man als Wirtschaft im umfassenden Sinn übersetzen. „In all deinem Vieh, das auf dem Feld ist“, das heißt, ohne die kasernierten TiereDer Autor sagt wörtlich „kasernierte Tiere“; vermutlich sind im Stall gehaltene Tiere gemeint. Die Stelle ist wörtlich übersetzt..
Ein interessantes Wort: déwer. Es ist mit dem Wort dawár verbunden – Wort, Gegenstand, es ist mit dem Wort dwir – Ort des Dienstes im Tempel verbunden und mit midbár – Ort, wo Worte ausgesprochen werden (Wüste). Das Wort déwer – totes, tötendes Wort, Verwüstung, Tötung.
וְהִפְלָה יְהוָה בֵּין מִקְנֵה יִשְׂרָאֵל וּבֵין מִקְנֵה מִצְרָיִם וְלֹא יָמוּת מִכָּל־לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל דָּבָר׃
wehiflá adonáj ben mikné jisraél uwén mikné mizrájim weló jamút mikkol-liwné jisraél dawár
4 Und der HERR wird eine Scheidung machen zwischen dem Vieh Israels und dem Vieh der Ägypter, bei keinem von den Söhnen Israels wird irgendwer, irgendetwas sterben.“
וַיָּשֶׂם יְהוָה מוֹעֵד לֵאמֹר מָחָר יַעֲשֶׂה יְהוָה הַדָּבָר הַזֶּה בָּאָרֶץ׃
wajássem adonáj mo'éd lemór machár ja'assé adonáj haddawár hassé ba'árez
5 Und der HERR setzte eine Frist und sprach: „Morgen wird der HERR diese Tat auf der Erde vollbringen.“
וַיַּעַשׂ יְהוָה אֶת־הַדָּבָר הַזֶּה מִמָּחֳרָת וַיָּמָת כֹּל מִקְנֵה מִצְרָיִם וּמִמִּקְנֵה בְנֵי־יִשְׂרָאֵל לֹא־מֵת אֶחָד׃
wajá'as adonáj et-haddawár hassé mimmachorát wajámot kol mikné mizrájim umimmikné wene-jisraél lo-mét echád
6 Und der HERR tat, wie versprochen (das ab dem folgenden Tag), und alles ägyptische Vieh starb, aber vom Vieh der Israeliten starb kein einziges.
Die Kommentatoren sagen, und das wird uns später wichtig sein, dass, wenn die Tora alles Vieh, das ganze Volk sagt, die überwältigende Mehrheit gemeint ist. Die Tora spricht in der Sprache der Menschen. Wenn ein Mensch sagt „alles ist verloren“, heißt das nicht, dass alles, alles verloren ist. Wenn ein Mensch sagt „mir ist gar nichts geblieben“, heißt das nicht, dass ihm gar nichts geblieben ist. Die Tora spricht nicht in der Sprache juristischer Dokumente, sondern spricht in der Sprache der Menschen. Alles Vieh starb – das heißt es blieb fast kein Vieh übrig.
וַיִּשְׁלַח פַּרְעֹה וְהִנֵּה לֹא־מֵת מִמִּקְנֵה יִשְׂרָאֵל עַד־אֶחָד וַיִּכְבַּד לֵב פַּרְעֹה וְלֹא שִׁלַּח אֶת־הָעָם׃
wajischlách par'ó wehinné lo-mét mimmikné jisraél ad-echád wajichbád lew par'ó weló schillách et-ha'ám
7 Und der Pharao schickte hin, um nachzuprüfen: Und vom ägyptischen Vieh war kein einziges Tier gestorben. Und das Herz des Pharao wurde schwer, und er schickte das Volk nicht weg.
Unvollständige Reue
Schemot 9,8–35
Mit Gottes Hilfe setzen wir heute gemeinsam das Studium des Wochenabschnitts Wa'era fort und werden ab Vers 8 von Kapitel 9 lesen. In Ägypten ein neuer Tag, und beim Pharao – neue Probleme (falls ihn jemand bedauert hat).
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה וְאֶל־אַהֲרֹן קְחוּ לָכֶם מְלֹא חָפְנֵיכֶם פִּיחַ כִּבְשָׁן וּזְרָקוֹ מֹשֶׁה הַשָּׁמַיְמָה לְעֵינֵי פַרְעֹה׃
wajomer adonáj el-mosché we'el-aharón kechú lachém meló chofnechémIn der russischen Umschrift steht hier ein w statt eines f. Nach dem Hebräischen lautet das Wort chofnechém. píach kiwschán usrakó mosché haschamájma le'ené far'ó
8 Und der HERR sprach zu Mosche und Aharon: „Nehmt euch volle Hände voll (Hände voll – das sind zwei Handflächen zusammen) Kohle aus dem Ofen (die Asche des Ofens), und Mosche soll diese Asche zum Himmel werfen vor den Augen des Pharao.
Ofenasche (das Wort Asche, piách, ist im Hebräischen männlich, deshalb und er wird ihn werfen, usrakó) – das ist der weiße Teil, so eine weiß gewordene Kohle, sie bleibt in den Öfen zurück. In diesem Fall geht es um einen Ofen, der kiwschán heißt, das sind große Öfen, die zum Brennen von Ziegeln und Tongefäßen verwendet werden, ein Ofen, in den man ohne Weiteres hineingehen kann.
Das heißt, Mosche und Aharon sollen volle Hände voll Asche nehmen. Aharon schüttet Mosche etwas hinüber, bei Mosche ergibt sich so eine „gehäufte“ Handvoll, und er wirft vor den Augen des Pharao die Asche, ohne Kommentare und ohne Worte. Keine Warnungen, keine Forderungen werden erhoben.
וְהָיָה לְאָבָק עַל כָּל־אֶרֶץ מִצְרָיִם וְהָיָה עַל־הָאָדָם וְעַל־הַבְּהֵמָה לִשְׁחִין פֹּרֵחַ אֲבַעְבֻּעֹת בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wehajá le'awák al kol-eréz mizrájim wehajá al-ha'adám we'al-habbehemá lischchín poréach awa'bu'ót bechol-érez mizrájim
9 Und sie wird zu Staub werden im ganzen Land Ägypten; und dieser Staub wird an dem Menschen und an dem Vieh zu Geschwüren werden, zu Erblühen und Blasen in ganz Ägypten.“
Und hier ist schon ein Wunder, denn mit zwei Händen voll, wie raffgierig die Hände von Mosche und Aharon auch sein mögen, füllt man nicht das ganze Land. Es gibt eine Vermehrung dieses Staubes in der Luft, zuerst wird es Staub sein.
Schchín – das ist so eine Hautkrankheit, ein Geschwür. Die wahrscheinlichste Annahme ist, dass das Nesselsucht ist, eine rote, juckende, sehr unangenehme Hautkrankheit. Und die zweite, nicht weniger lustige Variante, das ist Schistosomose, eine Krankheit, die ebenfalls von Hautausschlag begleitet wird, von sehr unangenehmen Geschwüren, eine Krankheit, die über die Atemorgane auch die inneren Organe befällt. Wir werden nicht auf die Etymologie dieser Krankheit eingehen, das ist eine schreckliche Krankheit, die mit Geschwüren von innen und von außen befällt; in der Regel hängt das mit kleinen lebenden Organismen zusammen, mit Parasiten. Nesselsucht ist etwas leichter, eine friedlichere Krankheit, aber auch wenig angenehm.
Hier wird ein aufmerksamer Mensch innehalten und fragen: „Wartet, wartet! Welches Vieh? Woher behemá? Behemá – das ist Großvieh, das ist doch anscheinend bei der vorigen Plage gestorben?“ Aber wir haben schon gesagt, dass nicht alles Vieh gestorben ist, dass es sozusagen alles war, aber in Wirklichkeit nicht alles. Und es gibt noch eine Nuance: Innerhalb Ägyptens liegt das Land Goschen, wo die Juden leben. Bei ihnen ist das Vieh geblieben, und die ägyptischen Wirtschafter (es ist durchaus möglich, dass es so war) kauften, nachdem ihr Vieh an der vorigen Plage zugrunde gegangen war, bei den Juden neues Vieh dazu. Natürlich schossen die Preise in die Höhe, die Juden haben sich daran bereichert. Aber das ist ein durchaus wahrscheinliches Szenario, woher die Tiere kamen.
Also werden alle Tiere und Menschen mit einer sehr unangenehmen dermatologischen Hautkrankheit angesteckt sein. So lautete der Befehl.
וַיִּקְחוּ אֶת־פִּיחַ הַכִּבְשָׁן וַיַּעַמְדוּ לִפְנֵי פַרְעֹה וַיִּזְרֹק אֹתוֹ מֹשֶׁה הַשָּׁמָיְמָה וַיְהִי שְׁחִין אֲבַעְבֻּעֹת פֹּרֵחַ בָּאָדָם וּבַבְּהֵמָה׃
wajikchú et-píach hakkiwschán waja'amdú lifné far'ó wajisrók otó mosché haschamájma wajhí schechín awa'bu'ót poréach ba'adám uwabbehemá
10 Und sie nahmen die Ofenasche und traten vor den Pharao, und Mosche warf sie zum Himmel, und es entstanden Geschwüre, Blasen und Blüten an dem Menschen und an den Tieren (alles, wie der Höchste befohlen hatte).
וְלֹא־יָכְלוּ הַחַרְטֻמִּים לַעֲמֹד לִפְנֵי מֹשֶׁה מִפְּנֵי הַשְּׁחִין כִּי־הָיָה הַשְּׁחִין בַּחֲרְטֻמִּם וּבְכָל־מִצְרָיִם׃
welo-jachelú hachartummím la'amód lifné mosché mippené haschechín ki-hajá haschechín bachartummím uwchol-mizrájim
11 Und die Priester (die ägyptischen Zauberer) konnten nicht vor Mosche stehen wegen der Geschwüre, denn die Geschwüre hatten auch die großen ägyptischen Zauberer und ganz Ägypten befallen.
Es ist sehr schmerzhaft zu stehen, wenn du Geschwüre an den Beinen hast – an den Fußsohlen und an den Knien, da kannst du überhaupt nicht stehen. Das ist eine große, große Schande. Hier versuchst du nicht einmal, etwas zu tun, weil du es nicht einmal versuchen kannst – du bist ganz von Geschwüren der Hautkrankheit übersät. Geschwüre wurden immer als eine gewisse Unreinheit wahrgenommen, als Verunreinigung, und deshalb kann man sagen, dass die ägyptischen Zauberer nach Strich und Faden blamiert sind. Aber der Pharao gibt nicht auf.
וַיְחַזֵּק יְהוָה אֶת־לֵב פַּרְעֹה וְלֹא שָׁמַע אֲלֵהֶם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה׃
wajchassék adonáj et-léw par'ó weló schamá alehem ka'aschér dibbér adonáj el-mosché
12 Aber der Höchste gab dem Pharao Kraft, bei seiner Sache zu bleiben, auf seinem Standpunkt zu beharren, und der Pharao hörte nicht auf sie, wie Gott es Mosche vorausgesagt hatte.
Im nächsten Vers werden wir die Fortsetzung der Geschichte lesen, und es entsteht noch eine Frage: Genauso wie im Fall der Plage mit den Läusen lesen wir nicht, dass die Plage mit den Geschwüren zu Ende ging. Und man kann fragen: „Und was, schwirren die Läuse da immer noch herum, in ganz Ägypten?“
Die Kommentatoren sagen, dass wir aus der ersten Plage, die eine Woche dauerte, den Schluss ziehen können, dass auch alle anderen Plagen ungefähr eine Woche dauerten. Und nach einer Woche ging dieser ganze Befall mit Geschwüren, diese ganze Krankheit zu Ende. Interessant ist, dass man sowohl von der Schistosomose als auch von der Nesselsucht sagt, dass, wenn sie nicht chronisch werden, ihre Krankheitsdauer 7 Tage beträgt. Aber das heißt nicht, dass wir jetzt von irgendeinem rationalen Ursprung der Krankheit sprechen. Eine solche massenhafte Erkrankung an einer im Grunde nicht ansteckenden Krankheit – das ist selbstverständlich ein Wunder. Wir versuchen nur, es ein wenig in unsere moderne Sprache zu übersetzen. Also hat die Plage höchstwahrscheinlich eine Woche gedauert, wenn man von dem ausgeht, was wir früher gelernt haben. Aber es gibt viele verschiedene andere Meinungen, und es ist nicht unsere Gewohnheit, mit ihnen zu streiten.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה הַשְׁכֵּם בַּבֹּקֶר וְהִתְיַצֵּב לִפְנֵי פַרְעֹה וְאָמַרְתָּ אֵלָיו כֹּה־אָמַר יְהוָה אֱלֹהֵי הָעִבְרִים שַׁלַּח אֶת־עַמִּי וְיַעַבְדֻנִי׃
wajomer adonáj el-mosché haschkém babbóker wehitjazzéw lifné far'ó we'amartá eláw ko-amár adonáj elohé ha'iwrím schallách et-ammí weja'awdúni
13 Und Gott sprach zu Mosche: „Steh früh am Morgen auf, und geh zum Pharao, und sage ihm: ‚So sprach der HERR, der Gott der Hebräer: „Lass Mein Volk ziehen, und sie werden Mir dienen.
כִּי בַּפַּעַם הַזֹּאת אֲנִי שֹׁלֵחַ אֶת־כָּל־מַגֵּפֹתַי אֶל־לִבְּךָ וּבַעֲבָדֶיךָ וּבְעַמֶּךָ בַּעֲבוּר תֵּדַע כִּי אֵין כָּמֹנִי בְּכָל־הָאָרֶץ׃
ki bappá'am hassót aní scholéach et-kol-maggefotáj el-libbechá uwa'awadécha uw'ammécha ba'awúr tedá ki en kamóni bechol-ha'árezIn der russischen Umschrift beginnt das letzte Wort mit g statt mit h. Nach dem Hebräischen lautet es ha'árez.
14 Denn dieses Mal werde Ich dich an alle Meine Epidemien erinnern, an alle Meine Seuchen, an alle Fälle von Seuche, auf dein Herz, auf deine Knechte, auf dein Volk, damit du weißt, dass es keinen wie Mich gibt auf der ganzen Erde.
Übrigens ist das hebräische Wort pá'am (Mal), wie auch im Russischen, mit dem Wort schlagen, stoßen verbunden. Man kann sagen: mit dem Schwert schlägt man – pa'amím, das Herz klopft – halew po'ém.
Mit anderen Worten: „Ich werde dir den Schlag aller Schläge schicken, von allen Schlägen – den Schlag, von allen Epidemien – die Epidemie. Ich werde so etwas über dich schicken, was noch nie gesehen und noch nie gehört wurde.“
כִּי עַתָּה שָׁלַחְתִּי אֶת־יָדִי וָאַךְ אוֹתְךָ וְאֶת־עַמְּךָ בַּדָּבֶר וַתִּכָּחֵד מִן־הָאָרֶץ׃
ki attá schaláchti et-jadí wa'ách otechá we'et-ammechá baddáwer wattikkachéd min-ha'árez
15 Denn jetzt würde Ich die Hand ausstrecken, und du könntest durch die Seuche von der Erde vertilgt werden.
וְאוּלָם בַּעֲבוּר זֹאת הֶעֱמַדְתִּיךָ בַּעֲבוּר הַרְאֹתְךָ אֶת־כֹּחִי וּלְמַעַן סַפֵּר שְׁמִי בְּכָל־הָאָרֶץ׃
we'ulám ba'awúr sot he'emadtícha ba'awúr har'otechá et-kochí ulmá'an sappér schemí bechol-ha'árez
16 Warum habe Ich dich überleben lassen, warum habe Ich dich bestehen lassen? Ich habe dich deshalb bestehen lassen, damit du Meine Kraft siehst, damit von dieser Geschichte, durch dieses dein Beispiel Mein Name erzählt wird, Mein Name auf der ganzen Erde bekannt wird.
Warum lässt Gott den Pharao bestehen, warum unterstützt Gott den Pharao die ganze Zeit in seiner Idee, das Volk nicht freizulassen? Die Kommentatoren sagen (überhaupt ist das so eine Tradition, ein allgemeiner Ansatz): Der Mensch wird auf dem Weg geführt, auf dem er gehen will. Und wenn der Pharao sagt: „Ich will bestehen, ich will mich mit diesem jüdischen Gott messen“, dann unterstützt ihn der Höchste ehrlich darin und hilft ihm zu bestehen.
עוֹדְךָ מִסְתּוֹלֵל בְּעַמִּי לְבִלְתִּי שַׁלְּחָם׃
odechá mistolél be'ammí lewiltí schallechám
17 Du windest dich noch heraus (du drehst dich noch herum) mit Meinem Volk, um sie nicht zu senden.
Das Wort lehistolél bedeutet sich drehen, sich herauswinden; maslúl – das ist eine angelegte Route; gedrehte Nudeln heißen auch maslúla.
Der Höchste sagt hier zum Pharao Folgendes: „Denk nicht, dass du so schlau bist. Ich sehe dich nicht nur durch und durch, Ich kenne dich von innen und stärke dich. Ich lehre dich auf diese Weise, aber jetzt bekommst du eine richtige Abreibung.“
הִנְנִי מַמְטִיר כָּעֵת מָחָר בָּרָד כָּבֵד מְאֹד אֲשֶׁר לֹא־הָיָה כָמֹהוּ בְּמִצְרַיִם לְמִן־הַיּוֹם הִוָּסְדָה וְעַד־עָתָּה׃
hinení mamtír ka'ét machár barád kawéd me'ód aschér lo-hajá chamóhu bemizrájim lemin-hajom hiwwassedá we'ad-átta
18 Morgen um diese Zeit werde Ich einen sehr schweren Hagel auf die Erde herabwerfen (regnen lassen), dergleichen es in Ägypten nicht gegeben hat seit dem Tag seiner Gründung bis jetzt.
So sollte Mosche es dem Pharao sagen, die Worte des Höchsten übermitteln. Was bedeutet „morgen um diese Zeit“? Die Ägypter benutzten eifrig Sonnenuhren. An vielen Häusern gab es solche Skalen, an denen man sehen konnte, wie die Sonne untergeht, und man konnte die Zeit bestimmen. Und Mosche zeigte gleichsam auf die Sonne, auf den Sonnenstrahl, auf welcher Höhe er an der Wand steht, und sagte: „Morgen um diese Zeit!“ Hier ist die Genauigkeit schon nicht mehr auf den Tag genau, hier ist die Genauigkeit auf die Stunde genau.
Da werden sich die ägyptischen Meteorologen wundern! Es gibt so ein Volk – die Meteorologen und die Ältesten. Sie erinnern sich nie an eine solche Hitze, erinnern sich an keine solche Kälte, erinnern sich an keinen solchen Hagel. Gerade in diesem Fall werden sie die Möglichkeit haben, das so zu sagen, weil der Höchste Selbst bezeugt, dass es niemals einen solchen Hagel gegeben hat.
וְעַתָּה שְׁלַח הָעֵז אֶת־מִקְנְךָ וְאֵת כָּל־אֲשֶׁר לְךָ בַּשָּׂדֶה כָּל־הָאָדָם וְהַבְּהֵמָה אֲשֶׁר־יִמָּצֵא בַשָּׂדֶה וְלֹא יֵאָסֵף הַבַּיְתָה וְיָרַד עֲלֵהֶם הַבָּרָד וָמֵתוּ׃
we'attá schelách ha'és et-miknechá we'ét kol-aschér lechá bassadé kol-ha'adám wehabbehemá ascher-jimmazé wassadé weló je'asséf habbájta wejarád alehém habbarád wamétu
19 Nun aber nimm schnell dein Vieh, deinen ganzen Besitz, der bei dir auf dem Feld ist: Auf jeden Menschen, der auf dem Feld bleibt und sein Vieh nicht einsammelt, wird der Hagel auf sie herabkommen, und sie werden sterben.“
Wieder: Woher haben sie Besitz? Er ist doch beim letzten Mal geschlagen worden, und beim vorletzten Mal geschlagen worden. Wieder haben die Juden verkauft, höchstwahrscheinlich, oder die Ägypter haben sich irgendwo anders eingekauft, sich wieder erholt.
הַיָּרֵא אֶת־דְּבַר יְהוָה מֵעַבְדֵי פַּרְעֹה הֵנִיס אֶת־עֲבָדָיו וְאֶת־מִקְנֵהוּ אֶל־הַבָּתִּים׃
hajaré et-dewár adonáj me'awdé par'ó henís et-awadáw we'et-miknéhu el-habbattím
20 Wer das Wort des HERRN durch Mich fürchten wird, von den Knechten des Pharao, der wird seine Knechte und das Vieh in die Häuser führen.
Die Ägypter hatten keinen so kalten Winter wie im Land Israel, dass man im Winter das Vieh in die Häuser trieb. Aber solche riesigen Herden hatten die Ägypter auch nicht, außer bei den Juden im Land Goschen. Nächtliche Pferche für das Vieh gab es, und in die nächtlichen Pferche kann man das Vieh treiben. Wer das Wort Gottes fürchtet, der wird (da habt ihr noch eine Prüfung) sein Vieh in die Häuser treiben.
וַאֲשֶׁר לֹא־שָׂם לִבּוֹ אֶל־דְּבַר יְהוָה וַיַּעֲזֹב אֶת־עֲבָדָיו וְאֶת־מִקְנֵהוּ בַּשָּׂדֶה׃
wa'aschér lo-sám libbó el-dewár adonáj waja'asów et-awadáw we'et-miknéhu bassadé
21 Wer aber dem Wort des HERRN keine Aufmerksamkeit schenkt (wer sein Herz nicht darauf gelegt hat), der soll seine Knechte und sein Vieh auf dem Feld lassen.
Auf Hebräisch heißt Aufmerksamkeit schenken lassím halew, wörtlich das Herz legen. Wenn man sagen will: „Achtung!“, sagt man símu haléw! (legt das Herz!). Das Wort Aufmerksamkeit ist simát-lew, das Legen des Herzens. Wir haben schon bemerkt, dass Gedanken und Überlegungen mit dem Herzen verbunden sind; im Hebräischen, in der Sprache der Tora war das so, und im modernen Hebräisch hat sich das erhalten.
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה נְטֵה אֶת־יָדְךָ עַל־הַשָּׁמַיִם וִיהִי בָרָד בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרָיִם עַל־הָאָדָם וְעַל־הַבְּהֵמָה וְעַל כָּל־עֵשֶׂב הַשָּׂדֶה בְּאֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajomer adonáj el-mosché neté et-jadécha al-haschamájim wihí warád bechol-érez mizrájim al-ha'adám we'al-habbehemá we'ál kol-éssew hassadé be'érez mizrájim
22 Und der HERR sprach zu Mosche: „Erhebe deine Hand zum Himmel, und es wird Hagel sein im ganzen ägyptischen Land, auf dem Menschen und auf dem Vieh, auf allem Gras des Feldes im ägyptischen Land.“
Wir haben gesagt, dass behemá hauptsächlich Kühe und Stiere sind, Großvieh. Interessant ist, dass es so einen biblischen Helden behemot gibt, er wird im Buch Ijow (40,10–19) erwähnt, ein gewisses märchenhaftes, na ja, nicht märchenhaftes, so ein erstaunliches Geschöpf, und von dort kommt das russische Wort begemot. Aber in Wirklichkeit ist das der Plural des Wortes behemá (Vieh), also so ein Megastier.
Mosche gehorchte selbstverständlich dem Höchsten:
וַיֵּט מֹשֶׁה אֶת־מַטֵּהוּ עַל־הַשָּׁמַיִם וַיהוָה נָתַן קֹלֹת וּבָרָד וַתִּהֲלַךְ אֵשׁ אָרְצָה וַיַּמְטֵר יְהוָה בָּרָד עַל־אֶרֶץ מִצְרָיִם׃
wajét mosché et-mattéhu al-haschamájim wadonáj natán kolót uwarád wattihalach-ésch árza wajamtér adonáj barád al-érez mizrájim
23 Und es erhob (neigte, neigte in diesem Fall nach oben) Mosche seinen Stab zum Himmel, und der HERR gab Stimmen, und Feuer kam auf die Erde herab, und der HERR warf (ließ herab) Hagel auf das ägyptische Land.
Das Wort wajét (und er erhob) – ist desselben Stammes wie das Wort matté (Stab), lehatot – beugen, neigen. Deshalb kann man sagen, dass der Stab – in gewissem Maße ein „Neiger“, ein „Hinwender“, ein „Zeiger“ und so weiter ist.
Überhaupt gibt es so eine Versuchung: Jedes Mal, wenn wir von Gottes Stimmen lesen, kann man hier den Schofar sehen, natürlich eine sehr bedeutsame Stimme. Der Midrasch sagt, dass der Klang des Schofars zu hören war, als der Höchste die Seele in Adam hineinblies. Und viele Kommentatoren sagen, dass Stimmen wie Schofarklänge ertönten, aber es kann gut sein, dass es hier Donner waren.
Feuer ging zur Erde, „ging sich“ zur Erde, wenn man wörtlich übersetzt. Das heißt, es gab eine Flamme, die umgekehrt brannte. Gewöhnlich steigen die Zungen einer Flamme, die auf der Erde brennt, nach oben. Hier kam die Flamme von oben herab – darin kann man deutlich eine Offenbarung des Höchsten sehen. Göttliches Feuer, das sich in Eisbrocken offenbart, die auf die Erde fallen. Ein Wunder im Wunder.
Das Wort wajamtér bedeutet wörtlich auch er ließ regnen, von derselben Wurzel kommt auch das Wort matár – Regen: und der HERR ließ Hagel auf das ägyptische Land regnen.
וַיְהִי בָרָד וְאֵשׁ מִתְלַקַּחַת בְּתוֹךְ הַבָּרָד כָּבֵד מְאֹד אֲשֶׁר לֹא־הָיָה כָמֹהוּ בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרַיִם מֵאָז הָיְתָה לְגוֹי׃
wajhí warád we'ésch mitlakkáchatIn der russischen Umschrift steht in der ersten Silbe des Wortes für „aufflammend“ ein a statt eines i. Nach dem Hebräischen heißt es mitlakkáchat. betóch habbarád kawéd me'ód aschér lo-hajá chamóhuIn der russischen Umschrift steht in diesem Wort (dergleichen) ein g statt eines h. Nach dem Hebräischen und wie in Vers 18 heißt es chamóhu. bechol-érez mizrájim me'ás hajetá legoj
24 Und es war Hagel und Feuer, das inmitten des Hagels aufflammte, dergleichen es im ägyptischen Land nicht gegeben hatte seit der Zeit, als es als Volk geboren wurde, ein Volk wurde.
Man kann sagen, dass das Blitze waren, aber höchstwahrscheinlich war es etwas Gewaltigeres, wie Feuerwolken. Die Kommentatoren, die Ausleger sehen darin die Gegenwart Gottes inmitten des sehr schweren Hagels.
Das Wort goj bedeutet einfach Volk. Wenn man von einem Menschen sagt, dass er ein Goj ist, wird das heute meistens als Nichtjude verstanden. Aber das jüdische Volk selbst wird auch goj kadósch (heiliges Volk) genannt. Goj – das ist jedes Volk, und Goj als Nichtjude – das ist ein Vertreter der Völker. Genauso bedeutet das WortDas russische Wort für „Heide“ ist von „Zunge“ abgeleitet, das im Russischen auch „Volk, Sprache“ bedeutet. Darauf beruht die Erklärung des Autors; im Deutschen lässt sich diese Verbindung nicht nachbilden. Heide nicht Götzendiener, sondern bedeutet – einer, der aus den Zungen, aus den Völkern der Welt stammt, ein Fremdstämmiger. Und seit Ägypten zu einem Volksstamm wurde, hat es keinen solchen Hagel in Ägypten gegeben.
וַיַּךְ הַבָּרָד בְּכָל־אֶרֶץ מִצְרַיִם אֵת כָּל־אֲשֶׁר בַּשָּׂדֶה מֵאָדָם וְעַד־בְּהֵמָה וְאֵת כָּל־עֵשֶׂב הַשָּׂדֶה הִכָּה הַבָּרָד וְאֶת־כָּל־עֵץ הַשָּׂדֶה שִׁבֵּר׃
wajách habbarád bechol-érez mizrájim et kol-aschér bassadé me'adám we'ad-behemá we'ét kol-éssew hassadé hikká habbarád we'et-kol-éz hassadé schibbér
25 Und der Hagel schlug im ganzen ägyptischen Land alles, was auf dem Feld war: vom Menschen bis zum Vieh, und alles Gras des Feldes schlug der Hagel, und jeden Baum des Feldes zerbrach er.
Eben haben wir „alles Gras des Feldes“ gelesen. Weiter werden wir sehen, dass das Wort jedes und das Wort alles nicht immer wirklich alles bedeuten.
רַק בְּאֶרֶץ גֹּשֶׁן אֲשֶׁר־שָׁם בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֹא הָיָה בָּרָד׃
rak be'érez góschen ascher-schám bené jisraél lo hajá barád
26 Nur im Land Goschen, in dem die Israeliten wohnten, dort gab es keinen Hagel.
Der Hagel ist ein riesiger Schaden für die ganze Wirtschaft Ägyptens, eine sehr schreckliche, zerstörerische Einwirkung. Die Ägypter betrieben hauptsächlich keine Viehzucht, sondern mehr Ackerbau, und der Hagel ist gerade ein Schaden für den Ackerbau. Kurz gesagt, das ist schon der Zusammenbruch der Wirtschaft: nicht irgendeine Untergrabung des Wohlstands, nicht irgendeine Untergrabung des Komforts, sondern ein überaus furchtbarer Schlag gegen die Wirtschaft Ägyptens.
וַיִּשְׁלַח פַּרְעֹה וַיִּקְרָא לְמֹשֶׁה וּלְאַהֲרֹן וַיֹּאמֶר אֲלֵהֶם חָטָאתִי הַפָּעַם יְהוָה הַצַּדִּיק וַאֲנִי וְעַמִּי הָרְשָׁעִים׃
wajischlách par'ó wajikrá lemosché ul'aharón wajomer alehem chatáti happá'am adonáj hazzaddík wa'aní we'ammí harescha'ím
27 Und der Pharao sandte und rief Mosche und Aharon und sprach zu ihnen: „Ich habe diesmal gesündigt, der HERR – der Gerechte, ich aber und mein Volk – Frevler.
Es stellt sich eine logische Frage: Draußen ist nicht einfach ein Regen, draußen ist ein starker Hagel. Es heißt, er tötet alle, die sich dort befinden. Bei solchem Wetter denkt ein Herr nicht einmal daran, seinen Hund hinaus auf die Straße zu jagen, aber der Pharao schickte jemanden nach Mosche und Aharon. Wer ist denn so ein Freiwilliger, wer geht bei solchem Wetter hinaus? Na ja, und danach geht auch Mosche hinaus, geht irgendwie zum Pharao. Und überhaupt sind diese Sätze, denen wir begegnen („er rief Mosche“, „der Pharao sandte zu Mosche und Aharon“ und so weiter), erstaunlich. Irgendwie geht alles sehr schnell, man findet sie schnell; höchstwahrscheinlich wohnen Mosche und Aharon in der Stadt Ramses, wohin zu jener Zeit die Hauptstadt Ägyptens verlegt worden ist, an die Grenze des Landes Góschen. Viele ägyptische Städte waren nicht groß. Sagen wir, die Fläche der Altstadt von Jerusalem ist etwas mehr als ein Quadratkilometer, sie sieht aus wie so ein kleines, kleines Städtchen. Und auch Ramses konnte eine ziemlich kleine Stadt sein. Innerhalb dieser kleinen Stadt gab es sehr viele Galerien, Balkone hingen über den Gehwegen. Wir sehen das in der ägyptischen Architektur: geschlossene oder offene Galerien, Bögen. In den Galerien wurde Handel getrieben, das heißt, es gab gewissermaßen überdachte Gehwege, auf der ganzen Länge der Gehwege waren Märkte, die Stadt war immer eine Handelsstadt. Aber darum geht es nicht: Wenn es überdachte Durchgänge gab und wenn man annimmt, dass Mosche und Aharon in der Hauptstadt wohnten, dann konnte man verhältnismäßig gefahrlos nach ihnen schicken. Aber es gab natürlich auch offene Höfe, und wenn der Pharao ein Gärtchen mit Grill, Schwimmbecken, Rasen und Wasserpfeife hatte, dann wurde ihm selbstverständlich alles zerschlagen. Aber überdachte Durchgänge gibt es dabei.
Also, der Pharao ruft Mosche und Aharon und sagt ihnen eine erstaunliche Sache. Was ist das, dass den Pharao so unerwartet die Reue gepackt hat? Der Höchste befahl zu warnen, dem Pharao durch Mosche zu sagen: „Siehe, wer die Menschen und das Vieh hineintreibt, wer sich fürchtet, der wird keinen Schaden erleiden, und wer sich nicht fürchtet, der wird auch bezahlen.“ Der Pharao sah, dass man ihn im Guten, freundlich gewarnt hatte, man hatte nicht gesagt: „Wir zerquetschen dich hier jetzt sowieso.“ Und man konnte den ganzen Besitz retten. Der Pharao denkt: „Vielleicht kann man jetzt etwas zurückgewinnen? Lasst uns anhalten, es gibt eine Chance, das Recht des Höchsten anzuerkennen.“ Und er sagt: „Ich verkünde, dass ich nicht recht habe, ich bin ein Frevler, und der Höchste – Er ist gerecht.“
הַעְתִּירוּ אֶל־יְהוָה וְרַב מִהְיֹת קֹלֹת אֱלֹהִים וּבָרָד וַאֲשַׁלְּחָה אֶתְכֶם וְלֹא תֹסִפוּן לַעֲמֹד׃
ha'tíruDie russische Umschrift beginnt dieses Wort mit einem G-Laut. Das Hebräische hat hier ein H, dem die deutsche Umschrift folgt: ha'tíru. el-adonáj weráw mihjot kolót elohím uwarád wa'aschallechá etchém weló tossifún la'amód
28 Beklagt euch, bringt (schon wieder!) den Höchsten davon ab, und Er soll diese Stimmen und den Hagel endlich aufhören lassen, und ich werde euch senden, ihr werdet euch hier nicht länger aufhalten (stehen, wenn man es wörtlich übersetzt).“
Die Stimmen, kolót elohím kann man hier als Stimmen Gottes verstehen. Aber das Wort elohím wird von manchen Übersetzern manchmal in der Bedeutung groß oder laut verwendet. Das heißt: „Und Er soll diese lauten Stimmen und diesen Hagel aufhören lassen“, so eine Bitte an den Höchsten.
In Vers 29 lesen wir die Antwort Mosches auf diesen Aufschrei des Pharao:
וַיֹּאמֶר אֵלָיו מֹשֶׁה כְּצֵאתִי אֶת־הָעִיר אֶפְרֹשׂ אֶת־כַּפַּי אֶל־יְהוָה הַקֹּלוֹת יֶחְדָּלוּן וְהַבָּרָד לֹא יִהְיֶה־עוֹד לְמַעַן תֵּדַע כִּי לַיהוָה הָאָרֶץ׃
wajomer eláw mosché kezetí et-ha'ír efrós et-kappáj el-adonáj hakkolót jechdalúnIn der russischen Umschrift fehlt am Anfang des Wortes für „werden aufhören“ der J-Laut. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: jechdalún. wehabbarád lo jihje-ód lemá'an tedá ki ladonáj ha'árez
29 Und Mosche sprach zu ihm: „Sobald ich jetzt nur aus der Stadt hinausgehe, werde ich meine Hände zum HERRN ausbreiten, und die Stimmen, die Donner werden sich beruhigen, und Hagel wird nicht mehr sein, damit du weißt, dass die Erde Gott gehört.
Schon immer, schon als Kind, habe ich mich gefragt: Warum fürchtet der Pharao den Donner mehr als den Hagel? Weil der Donner sogar dann erschreckt, wenn du zu Hause bist. Oft sehe ich, dass sogar erwachsene Menschen vom Donner sehr erschreckt werden, von seinem unerwarteten Grollen, wenn die Fensterscheiben klirren und noch etwas knackt. Die Menschen fürchten den Donner, denn der Hagel war ja draußen, aber die Donner drangen ins Haus.
וְאַתָּה וַעֲבָדֶיךָ יָדַעְתִּי כִּי טֶרֶם תִּירְאוּן מִפְּנֵי יְהוָה אֱלֹהִים׃
we'attá wa'awadécha jadá'ti ki térem tire'ún mippené adonáj elohím
30 Du und deine Knechte, ich weiß, ihr habt Gott noch nicht genug gefürchtet.
Und weiter werden wir verstehen, warum Mosche so spricht.
וְהַפִּשְׁתָּה וְהַשְּׂעֹרָה נֻכָּתָה כִּי הַשְּׂעֹרָה אָבִיב וְהַפִּשְׁתָּה גִּבְעֹל׃
wehappischtá wehasse'orá nukkáta ki hasse'orá awíw wehappischtá giw'ól
31 Denn der Flachs und der Hafer sind zerschlagen, denn der Hafer hatte sich zu diesem Zeitpunkt entfaltet, der Flachs hatte schon seine Stängel gebildet.
Der Flachs ist das wichtigste Industrieprodukt Ägyptens, eines der wichtigsten. Die Ägypter verarbeiten Flachs, sie stellen Leinöl her, das zur Heilung und zur Zubereitung von Speisen verwendet wird. Und außerdem wird der Flachs natürlich zu Stoff verarbeitet. Hafer ist die Speise der Armen, das ist die Nahrung armer Menschen. Das Wort awíw übersetzt man im modernen Hebräisch als Frühling. Der Frühling ist mit der Wurzel abúw (Knospen treiben, Fruchtansatz bilden) verbunden. Wenn der Flachs schon seine Stängel gebildet hat, dann bedeutet das, dass es um den Monat tewét (Januar – Februar) geht. Wenn wir vom Land Israel sprächen, das weiter nördlich liegt, würde das März–April bedeuten, wenn es ganz, ganz kurz vor Péssach ist. Und dann lassen sich die übrigen Plagen nicht in diesen Zeitraum „hineinpacken“. Aber es geht um Ägypten, und die Reifezeit tritt dort früher ein, deshalb ist es der Monat tewét, das heißt, es war höchstwahrscheinlich im Januar. Es gibt verschiedene Versionen, verschiedene Berechnungen, ich werde nicht mit ihnen streiten, ich lege eine der wichtigsten Meinungen dar, und das ist im Großen und Ganzen nicht grundsätzlich.
וְהַחִטָּה וְהַכֻּסֶּמֶת לֹא נֻכּוּ כִּי אֲפִילֹת הֵנָּה׃
wehachittá wehakkussémet lo nukkú ki afilót hénna
31 Aber der Weizen und der Dinkel wurden gerettet.
Wahrscheinlich ist einem russischsprachigen Menschen der Dinkel aus Puschkins Märchen „Vom Zaren und seinem Knecht Balda“ bekannt, dessen Held bat: „Zu essen gib mir gekochten Dinkel.“ Dinkel ist ein Getreide, eine Weizenart mit einer sehr brüchigen, unbeständigen Ähre, aber sehr ertragreich. Er hat ein bespelztes Korn, das heißt, man kann es nicht von der Hülse trennen. Das Korn wird nicht ausgedroschen, es bleibt immer mit der Kleie zusammen, und die Kleie ist von ihm untrennbar. Und so haben der Weizen und der Dinkel (das, was die etwas reicheren Leute essen) keinen Schaden genommen. Und da er keinen Schaden genommen hat, habt ihr, Leute, noch etwas zu verlieren, und ihr macht euch nicht so große Sorgen darüber, dass ihr hungrig bleibt. Deshalb sagt auch Mosche: „Ich weiß, dass ihr euch auch nicht besonders fürchtet.“
וַיֵּצֵא מֹשֶׁה מֵעִם פַּרְעֹה אֶת־הָעִיר וַיִּפְרֹשׂ כַּפָּיו אֶל־יְהוָה וַיַּחְדְּלוּ הַקֹּלוֹת וְהַבָּרָד וּמָטָר לֹא־נִתַּךְ אָרְצָה׃
wajezé mosché me'ím par'ó et-ha'ír wajifrós kappáw el-adonáj wajachdelú hakkolót wehabbarád umatár lo-nittách árza
33 Und Mosche ging vom Pharao aus der Stadt hinaus und breitete die Hände zum HERRN aus, und die Donner und der Hagel hörten auf, und der Regen hörte auf, auf die Erde zu schlagen, zu trommeln.
Man kann eine interessante Frage stellen: Warum geht Mosche immer aus der Stadt hinaus, um zu beten, was ist das für eine Idee? Die Kommentatoren sagen, dass es in der Stadt voll ist von allerlei verschiedenen Götzen und anderem. Und wenn es heißt, dass Mosche aus der Stadt hinausging, dann ist es durchaus möglich, dass er auf die Stadttore stieg, die gleichsam über der Stadt hängen (gleichsam „tritt ein“ für die StadtDas Wort in Anführungszeichen bedeutet im Russischen etwa „fürbittend vor jemandem stehen“. Ob damit die Tore oder Mosche gemeint sind, geht aus dem Satz nicht eindeutig hervor; die Übersetzung bleibt wörtlich.). Das heißt, er ging nicht ganz, nach unserem Verständnis, aus der Stadt hinaus.
Wenn es heißt, dass der Hagel aufhörte, zeichnen die Kommentatoren ein schönes Bild: Die Hagelkörner blieben einfach in der Luft hängen und lösten sich im selben Moment auf. Na, ein sehr schönes Bild. So oder so, der Hagel über Ägypten hörte auf. Der Hagel hörte auf, der Weizen, der Dinkel blieben übrig, ein Teil des Viehs blieb übrig, der in den Pferchen war, plus man kann bei den Juden noch kaufen. Und deshalb ...
וַיַּרְא פַּרְעֹה כִּי־חָדַל הַמָּטָר וְהַבָּרָד וְהַקֹּלֹת וַיֹּסֶף לַחֲטֹא וַיַּכְבֵּד לִבּוֹ הוּא וַעֲבָדָיו׃
wajár par'ó ki-chadál hammatár wehabbarád wehakkolót wajossef lacható wajachbéd libbó hu wa'awadáw
34 Und der Pharao sah, dass der Regen und der Hagel und die Stimmen aufgehört hatten, und fuhr fort zu sündigen, und machte sein Herz schwer und das seiner Knechte.
Und diesmal, seht ihr, als alles aufgehört hatte, stehen die Stimmen bei ihm schon an letzter Stelle.
Worin besteht die Sünde des Pharao? Mosche hat umrissen, worin die Sünde des Menschen bestehen wird – er glaubte nicht an das Wort des Höchsten, glaubte nicht an die Macht des Höchsten. Der Pharao sagte: „Na, macht nichts, auch das überstehen wir, wir halten stand. Hauptsache, wir halten an unserer ägyptischen Kultur fest und stehen für den Wohlstand des Vaterlandes ein, deshalb lassen wir die Juden nicht frei.“
וַיֶּחֱזַק לֵב פַּרְעֹה וְלֹא שִׁלַּח אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר יְהוָה בְּיַד־מֹשֶׁה׃
wajechesák lew par'ó weló schillách et-bené jisra'élIn der russischen Umschrift fehlt im Namen Israel das R. Die deutsche Umschrift folgt dem Hebräischen: jisra'él. ka'aschér dibbér adonáj bejad-mosché
35 Und das Herz des Pharao wurde stark, und er sandte die Söhne Israels nicht fort, wie der HERR es ihm durch Mosche gesagt hatte.
In Vers 34 haben wir gelesen, dass der Pharao sein Herz selbst schwer gemacht hat, hier aber sehen wir, dass sein Herz stark wurde.
Schwere Kindheit
Wir werden miteinander noch ein wenig über den Wochenabschnitt Wa'era sprechen, der die Erzählung vom Aufenthalt Israels, das noch nicht dazu gekommen war, ein Volk zu werden, im ägyptischen Land fortsetzt. Im Grunde ist das die Geschichte unserer Kindheit. Wir alle kommen, wie man so zu sagen pflegt, aus der Kindheit. Manch einer hatte das Glück, in einer gebildeten Familie geboren zu werden, einer reichen oder nicht so reichen. Und so ein Mensch war von Kindheit an von Liebe und Fürsorge umgeben, war, wie man sagt, „genug geliebt“, bekam eine gute Erziehung, und es scheint, dass er es im Leben leichter hat als ein Mensch, bei dem alles anders gekommen ist. Es kommt vor, dass ein Mensch von Geburt an unerwünscht, vergessen und verlassen ist. So wie zum Beispiel in dieser Geschichte einer jungen Frau:
„Mein Leben begann einfach schrecklich. Und es hätte beinahe geendet, kaum dass es begonnen hatte. Meine Mutter wollte mich überhaupt nicht gebären und hat mich deshalb heimlich geboren, auf dem Feld. Und genau dort hat sie mich auch zurückgelassen, ohne mich auch nur an die Brust zu legen und ohne die Nabelschnur durchzuschneiden. Hungrig und mit Blut beschmiert lag ich da und starb.“
Und diese Geschichte, diese traurige Geschichte – ist nicht einfach die Geschichte einer zufälligen jungen Frau. Das ist genau unsere Geschichte, genau die des jüdischen Volkes. Im 16. Kapitel des Buches Jecheskel lesen wir, wie der Höchste sie erzählt:
„Und dies ist deine Geburt: Am Tag deiner Geburt hat man dir die Nabelschnur nicht abgeschnitten, und mit Wasser wurdest du nicht gewaschen zur Reinigung, und mit Salz wurdest du nicht eingesalzen, und in Windeln wurdest du nicht gewickelt. Kein Auge hatte Mitleid mit dir, um für dich, aus Mitgefühl mit dir, wenigstens irgendetwas, eines von diesem, zu tun. Und hinausgeworfen wurdest du aufs Feld in deinem Unrat am Tag deiner Geburt“.
Das heißt, die Erzählung der jungen Frau ist eine Nacherzählung genau dieser selben Geschichte in der ersten Person. Das ist die Geschichte unser aller Kindheit – der Kindheit des Volkes Gottes. Sollte ein Mensch so etwas über sich erfahren, wird er möglicherweise anfangen, zum Psychologen zu gehen, wird sich beim Psychoanalytiker auf die Couch legen und wird sich lange, lange von diesem seelischen Trauma heilen, wird versuchen, es zu vergessen. Aber der Höchste lässt uns nicht nur nicht vergessen, Er erinnert uns ständig daran, als ob Er uns an die Geschichte unserer schweren Kindheit erinnert. Wir lesen zum Beispiel im 4. Kapitel des Buches Dewarim:
„Euch aber hat der HERR genommen und euch herausgeführt aus dem eisernen Schmelztiegel, aus dem Eisenschmelzofen, aus Ägypten, damit ihr das Volk Seines Erbteils seid, wie an diesem Tag“.
Hier erinnert der Höchste daran, dass wir ja nicht im Pionierlager „Artek“ waren, sondern dass wir im eisernen Schmelztiegel waren, an einem Ort, an dem man weder die Form noch den Inhalt bewahren kann. An einem qualvollen Ort, an einem Ort, an dem man unmöglich bleiben kann. Und von dort hat uns der Höchste herausgeführt. Die Erinnerungen an unsere schwere Kindheit sind Erinnerungen daran, aus welchem Zustand uns der Höchste herausgeführt hat, Erinnerungen daran, aus welchem Tiefstart, sportlich ausgedrückt, wir gestartet sind und trotzdem das erreicht haben, was wir erreicht haben. Es gibt Menschen, denen es gelungen ist, wie man sagt, „mit einem silbernen Löffel im Mund“ geboren zu werden, sie haben für nichts Krieg geführt, um nichts gekämpft. Aber das ist nicht unsere Geschichte. Unsere Geschichte ist die Geschichte der Überwindung schwerer Situationen. Und die Erinnerung an unsere schwere Kindheit ist die Erinnerung daran, dass wir schwere Situationen überwinden können.
Es gibt in unserem Abschnitt noch einige Geschichten, die mit Schwere verbunden sind und damit, wie Schwere auf uns und auf unser Leben wirkt. Im vierten Kapitel, in Vers 10, lesen wir davon, wie Mosche mit dem Höchsten spricht, Der ihn zur Befreiung des jüdischen Volkes sendet. Und Mosche sagt: „Ich bitte Dich, Gebieter, ich bin kein redegewandter Mensch, weder seit gestern noch seit vorgestern, noch seit dem Beginn Deines Gesprächs mit Deinem Knecht, denn ich bin ‚schwermündig‘ (hier steht im Original kawed-pé – ich habe einen schweren Mund). Und schwer von Zunge bin ich, (hier – kawéd laschón – und ich habe eine schwere Zunge), ich habe einen schweren Mund, schwere Lippen, und ich habe eine schwere Zunge. Es wird mir schwerfallen zu sprechen“. Wie wir aus der weiteren Geschichte wissen, überwindet Mosche diese Schwere und wird zu dem, durch den das Gesetz gegeben werden wird, und der am Ende ein solcher Redner wird, dass ein ganzes Buch der Tora mit dem Wort Dewarim (Reden) benannt ist. Er hat ein ganzes Buch von Reden gesprochen, indem er für Israel das Gesetz wiederholte, neu darlegte, das dann Torat Mosche (Gesetz des Mose) genannt wurde.
Andererseits lesen wir die Geschichte vom Pharao. Sehr oft wird die Frage gestellt: „Wenn der Höchste das Herz des Pharao schwer gemacht hat, warum zieht Er ihn dann trotzdem zur Rechenschaft?“ Es scheint doch: Wenn dem Pharao die Freiheit der Wahl genommen war, wie kann man ihn zur Rechenschaft ziehen? Wie kann man einen Menschen zur Rechenschaft ziehen, dem nicht die Möglichkeit gegeben war, die richtige Entscheidung zu wählen? Und die Antwort ist diese: So wie Mosche eine schwere Zunge und einen schweren Mund hatte, Mosche das aber überwunden hat, hinging und zu reden begann, genauso ist das schwere Herz etwas, das der Pharao überwinden konnte. Die nicht leichte Arbeit, die man den Söhnen Israels noch zusätzlich schwerer gemacht hatte, damit sie nicht an die Befreiung dachten, hat sie nicht dazu gebracht, die Idee der Befreiung aufzugeben. Ja – sie hat es erschwert, ja – sie hat es aufgehalten, ja – sie hat es gebremst, aber das Volk Israel ist trotzdem aus Ägypten ausgezogen.
Lasten können uns, wie Gewichte, wie Hanteln, stärker machen. Und wenn der Höchste von unserer schweren Kindheit spricht, erinnert Er: „Sieh, in welchen Situationen Ich dir geholfen habe. Sieh, welche Situationen du mit Meiner Hilfe überstanden hast. Ja, vielleicht hat man dich aufs Feld geworfen, dich schmutzig aufs Feld geworfen, in deinem Unrat, ohne dir die Nabelschnur durchzuschneiden, aber sieh, was du erreicht hast!“
Sieh dir deine Situation jetzt an, denk darüber nach und sag, ob du sie überwinden kannst? Ist deine Situation, in der du dich jetzt befindest, überwindbar nach dem, was in deiner Kindheit geschehen ist und was du in deiner schweren Kindheit durchgemacht hast? Diese Haltung hat das ganze Volk Israel geprägt, die ganze jüdische Geschichte. Und heute gibt es gerade im säkularen Israel so ein Sprichwort: „Den Pharao haben wir überlebt – das überleben wir auch.“ Wenn wir den Pharao überleben konnten, dann werden wir auch mit dem fertig, was heute mit uns geschieht.
Meir Ariel, ein israelischer Dichter, Sänger und Komponist, spricht darüber in einem populären israelischen Lied: „Manchmal kriege ich es ab in einem überfüllten Bus, bei der Ausfahrt vom Parkplatz oder wenn ich drängle und anderen auf die Füße trete. Manchmal einfach auf der Straße, wegen der Enge und des Gedränges, aus übermäßigem Streben, schnell ein Stückchen Glück zu ergattern – auf den Rücken, auf die Rippen und manchmal sogar ins Gesicht bekomme ich einen Stoß mit dem altbekannten Ellbogen. Aber wir haben doch den Pharao überlebt, also überleben wir auch das.“
Unsere Erinnerungen – sie handeln davon, dass wir den Pharao überlebt haben, wir haben den Menschen überlebt, der unsere Jungen in den Fluss warf, alle unsere Jungen tötete, der uns zwang, von morgens bis abends, ohne uns aufzurichten, Ziegel zu machen. Noch bevor wir eine Gemeinde wurden, bevor wir ein Volk wurden, haben wir das überlebt. Wir sind daraus herausgekommen, wir sind durch die Wüste gegangen, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten. Wir sind bis ins Land Israel gelangt. Wir sind nach zweitausend Jahren Exil ins Land Israel zurückgekehrt. Bei uns ist so vieles geschehen, aber auch alle übrigen Unannehmlichkeiten werden wir, mit Gottes Hilfe, überleben. Die Geschichte unserer schweren Kindheit ist eine Geschichte, die uns stärker gemacht hat, weil in dieser Geschichte der Höchste war; weil, als das Mädchen verlassen auf dem Feld lag, der Höchste ihr begegnete, der Höchste sie aufhob, und Er ist an unserer Seite: Es genügt, nur auf Ihn zu achten, sich an Ihn zu wenden, und dann werden wir sagen können: „Den Pharao haben wir überlebt – das überleben wir auch.“
Der Anfang
Man kann sagen, dass der Wochenabschnitt Wa'era in gewisser Weise in der Mitte beginnt. Wir haben den vorigen Abschnitt mit der Empörung Mosches beendet, damit, dass er sich mit der Frage an den Höchsten wendet: „Wozu hast du mich gesandt?“ Mit dieser seiner Äußerung endete der vorige Abschnitt. Und unser Wochenabschnitt beginnt mit Vers 2 von Kapitel 6, beginnt mit der Antwort des Höchsten auf die Frage Mosches.
וַיְדַבֵּר אֱלֹהִים אֶל־מֹשֶׁה וַיֹּאמֶר אֵלָיו אֲנִי יְהוָה׃
wajdabbér elohím el-mosché wajomer eláw aní adonáj
2 Und Elohim redete mit Mosche, und Er sprach zu ihm: „Ich bin Adonáj.“
Hier sehen wir zwei verschiedene Namen des Höchsten. Der traditionelle Ansatz sagt, dass immer, wenn wir den Namen Elohim lesen, dies auf die Strenge des Gerichts hinweist. Und umgekehrt, wenn wir den Vierbuchstabennamen, Adonáj lesen, bedeutet das Gnade. Und bei den Kommentatoren-Weisen entstand eine Frage zu diesem Vers: Was bedeutet ein solcher Wechsel des Namens? Wie wir uns erinnern, antwortet der Höchste hier auf die Empörung Mosches. Die Kommentatoren sagen, dass das Gericht die Antwort auf eine solche empörte Äußerung Mosches ist; in der Erwähnung des Namens Elohim hier liegt eine gewisse Anklage gegen Mosche, und wir werden später verstehen, warum.
Und weiter, in Vers 3, sagt der Höchste, dass Er von den Erzvätern, von Awraham, Jizchak und Jaakow, nicht unter dem Namen Adonáj erkannt worden ist. Das ruft Verwunderung hervor, denn wir begegnen in der Tora der Erwähnung, dass die Erzväter Gott mit diesem Namen nennen. Und wodurch kann man diesen Widerspruch auflösen?
Es wird verständlich, wenn wir uns daran erinnern, dass ein Name auch ein Hinweis auf ein bestimmtes Wesen ist. Es gibt etwas, das der Höchste jetzt offenbaren will, was den Erzvätern nicht offenbart wurde. Dieses Etwas (nach Meinung der Kommentatoren) sind die Wunder. Die Erzväter erkannten den Höchsten durch ihre innere Welt. Sie brauchten keine Wunder, um zu glauben. Wir können sehen, dass der Höchste ihnen im Leben half, aber es gab kein irgendwie übernatürliches Eingreifen von Seiner Seite. Und dennoch, trotzdem kannten sie Gott. Aber in IsraelIm Original steht hier wörtlich „in Israel“, obwohl vom Volk in Ägypten die Rede ist; gemeint ist vermutlich „im Volk Israel“ oder „in Ägypten“. Die Stelle ist wörtlich wiedergegeben. vermehrten sich die Nachkommen Jaakows, die Familie Jaakows wurde zu einem Volk. Und dieses Volk hatte schon eine völlig andere geistliche Stufe, es hatte keine solche Stufe des Glaubens wie die Erzväter. Und deshalb brauchte das Volk Wunder, brauchte übernatürliche Erscheinungen. Gerade deshalb sagt der Höchste, dass Er sich jetzt mit dem Namen Adonáj offenbaren wird. Das heißt, von diesem Moment an werden übernatürliche Dinge geschehen, die den Lauf der Natur durchbrechen. Das wird das Volk zum Auszug aus Ägypten anstoßen. Aber dieser Erweis der Gnade des Höchsten ist gerade dadurch bedingt, dass die geistliche Stufe des Volkes niedriger ist als bei den Vätern.
Der Midrasch stellt das in Form eines Gesprächs zwischen Mosche und dem Höchsten dar. Der Höchste sagt gleichsam zu Mosche: „Erinnere dich an Awraham, dem Ich verheißen hatte, das ganze Land zum Erbe zu geben, und er hatte keinen Ort, um seine Frau zu begraben, und er musste für sein eigenes Geld einen Platz kaufen. Und trotzdem hat er den Glauben nicht verloren.“ Und jetzt, nach dem Beginn der Mission und dem ersten Gang zum Pharao, antwortet Mosche mit Empörung. Das heißt, in Ägypten hat sich das Volk vermehrt, aber seine geistliche Stufe erwies sich als niedriger als bei den Erzvätern.
Weiter, schon in Vers 9, sagt die Tora, dass das Volk nicht auf Mosche hörte wegen Kleinmut und schwerer Arbeit, und die Kommentatoren versuchen zu verstehen, warum. Denn, so scheint es, je schwerer die Arbeit, desto freudiger die Nachricht, dass der Mensch von ihr befreit werden wird. Die Kommentatoren sagen, dass das Volk nicht hören wollte, weil es im Götzendienst versunken war. Das heißt, mit der Arbeit ist der Götzendienst gemeint, was auf Hebräisch wörtlich awodá sará (fremde Arbeit) heißt. Die Juden wollten nicht von Gott hören, weil sie die ägyptischen Götter, die sie anbeteten, nicht verlassen wollten. Die Tora sagt das hier nicht direkt, aber ein Bericht darüber findet sich beim Propheten Jecheskel, in Kapitel 20. Dort wird davon gesprochen, dass das Volk Israel sich weigerte, die ägyptischen Gräuel aufzugeben, die es anbetete. Aber auch im Text der Tora können wir sehen, dass das Volk Israel nicht auszog, bis der Pharao es praktisch vertrieb. In eben jener Nacht, in der der Schlag gegen die Erstgeborenen geschieht, sagt der Pharao: „Steht auf und geht aus meinem Land.“ Bis zu diesem Moment zogen die Juden nicht aus. Das heißt, die Erlösung selbst war ganz und gar Gnade (so sieht es die jüdische Tradition): Der Höchste führte Israel nur deshalb heraus, weil Er versprochen hatte, das zu tun; Israel selbst wollte nicht ausziehen.
Es gibt noch eine interessante Stelle, auf die man achten sollte, das ist Vers 13 von Kapitel 6. Hier sagt die Tora, dass der Höchste Mosche und Aharon zu Israel sandte, um ihnen ein Gebot zu geben. Aber die Tora sagt nicht genauer, was genau sie gebieten sollten. Die jüdische Tradition dagegen sagt, dass das erste Gebot, das die Juden in Ägypten erhielten, das Gebot der Freilassung der Sklaven ist, das heißt, die Juden erhielten das Gebot, im siebten Jahr alle ihre jüdischen Sklaven freizulassen. Wiederum sagt die Tora das nicht direkt. Aber davon spricht der Prophet Jirmejahu (34,13–14). Das wird nicht von allen Übersetzungen wiedergegeben, aber im Originaltext heißt es, dass dieses Gebot (Sklaven freizulassen) dem Volk am Tag des Auszugs aus Ägypten gegeben wurde:
„So sprach der HERR, der Gott Israels: Ich habe einen Bund mit euren Vätern geschlossen an dem Tag, als Ich sie aus dem Land Mizrajim herausführte, aus dem Haus der Knechtschaft, und sprach: Am Ende des siebten Jahres lasst ein jeder seinen Bruder frei, den Iwri, der sich dir verkauft; er soll dir sechs Jahre dienen, und (dann) entlasse ihn von dir in die Freiheit.“
Noch bevor Israel die Befreiung vom ägyptischen Joch erhielt, nahmen die Juden die Bereitschaft auf sich, jüdische Sklaven freizulassen. Und die Tradition sieht darin eine tiefe Symbolik. Ein Mensch kann keine Befreiung von der Sklaverei erhalten, wenn er selbst jemanden versklavt. Ohne die Bereitschaft, alle seine Sklaven freizulassen, allen seinen Schuldnern zu vergeben, gibt es für den Menschen keine Möglichkeit, frei zu werden. Und wir sehen darin eine wichtige Parallele zum Gebet des HERRN „Vater unser“, wenn Jeschua sagt: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben.“ Das heißt, ohne die Vergebung für unsere Schuldner erhalten wir selbst keine Vergebung. Und diese Vergebung, das Urbild dieser Vergebung, liegt im allerersten Gebot, das die Juden, noch nicht als Volk, in Ägypten erhielten.
Man kann noch einen Punkt anmerken. Einer der Kommentatoren, die in den letzten Jahrhunderten lebten, spricht davon, dass im Grunde 600 000 Juden aus Ägypten auszogen. Von ihnen werden nur zwei Menschen in das Land Israel hineinkommen, nur Jehoschua ben Nun und Kalew. Der Kommentator spricht davon, dass wir darin das Ungewöhnliche des göttlichen Plans sehen: dass der HERR globale Veränderungen in der Welt vornehmen, die Natur verändern, in den Lauf der Dinge eingreifen kann, selbst wenn letzten Endes nur zwei von 600 000 die Erlösung erreichen. Wenn man das von der menschlichen Seite her betrachtet, dann muss man darauf achten, dass die Wunder, die mit uns geschehen, mit der Gemeinde, deren Teil wir sind, und manchmal sogar, wenn wir irgendwelche Verheißungen hören – all das erfordert unsere Beteiligung, unsere Zusammenarbeit mit dem Höchsten. Wir können uns all dieser Verheißungen als unwürdig erweisen, und selbst nachdem wir aus Ägypten ausgezogen sind, selbst nachdem wir einen Bund geschlossen haben, können wir trotzdem in der Wüste umkommen, obwohl neben uns viele Menschen gehen. Wie wir sehen, sind von den 600 000 nur zwei angekommen.
Haftara. Jecheskel
Schemot 28,25–29,21
כֹּה־אָמַר אֲדֹנָי יְהוִה בְּקַבְּצִי אֶת־בֵּית יִשְׂרָאֵל מִן־הָעַמִּים אֲשֶׁר נָפֹצוּ בָם וְנִקְדַּשְׁתִּי בָם לְעֵינֵי הַגּוֹיִם וְיָשְׁבוּ עַל־אַדְמָתָם אֲשֶׁר נָתַתִּי לְעַבְדִּי לְיַעֲקֹב׃
ko-amár adonáj elohím bekabbezí et-bét jisraél min-ha'ammím aschér nafózu wam wenikdáschti wam le'ené haggojím wejaschewú al-admatám aschér natátti le'awdí lejaaków
25 So sprach der Gebieter, der HERR: „Wenn Ich das Haus Israels sammeln werde, und unter den Völkern, in die sie zerstreut sind, werde Ich durch sie geheiligt werden vor den Augen der anderen Völker, und sie werden auf ihrem Land wohnen, das Ich meinem Knecht Jaakow gegeben habe.
Worum geht es hier? Der Höchste spricht oft durch die Propheten davon, dass Er vor den anderen Völkern dadurch geheiligt wird, dass Er das Volk Israel sammelt, dadurch, dass Er im Volk Israel wirkt. Die erstaunliche Geschichte des Volkes Israel, seine Zerstreuung und seine erneute Sammlung im Heiligen Land, trotz der schwierigen historischen Wechselfälle, trotz allem, was das Volk Israel durchmacht! Und, so scheint es, wer sonst hätte in diesen historischen Ereignissen standgehalten, in diesen ständigen Unterdrückungen, Verfolgungen und Versuchungen, sich in anderen Völkern aufzulösen? Aber der Höchste sagt: „Ich werde sie sammeln und dadurch ihnen Meine Heiligkeit offenbaren.“
Heiligkeit ist in einer ihrer Bedeutungen Abgesondertheit von der Welt, das ist Unabhängigkeit von irgendwelchen weltlichen Ursachen, Erhabenheit über alle weltlichen Ursachen und Bedürfnisse. Und damit sagt der Höchste: „Ich werde ihnen Meine Macht offenbaren, Meine völlige Unabhängigkeit von allem, was in der Welt geschieht. Mein Plan wird verwirklicht werden, ungeachtet aller historischen Ereignisse, was auch immer geschieht, Ich werde Meine Heiligkeit offenbaren, indem Ich das Volk Israel sammle. Und außerdem wird auch das, dass das Volk Israel auf Meinen Ruf antworten wird, ein Zeugnis Meiner Heiligkeit sein. Und so werde Ich unter den Völkern geheiligt werden.“
Der Höchste sagt: „Ich werde sie zurückbringen, und sie werden auf ihrem Land wohnen…“. Das Wort jaschewú bedeutet ständiges Wohnen im Land, das heißt, sie werden ständige Bewohner sein, sie werden sich in dem Land niederlassen, das der Höchste Jaakow versprochen hat.
וְיָשְׁבוּ עָלֶיהָ לָבֶטַח וּבָנוּ בָתִּים וְנָטְעוּ כְרָמִים וְיָשְׁבוּ לָבֶטַח בַּעֲשׂוֹתִי שְׁפָטִים בְּכֹל הַשָּׁאטִים אֹתָם מִסְּבִיבוֹתָם וְיָדְעוּ כִּי אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיהֶם׃
wejaschewú alehá lawétach uwanú wattím wenate'ú cheramím wejaschewú lawétach ba'asotí schefatím bechól haschatím otám missewiwotám wejade'ú ki aní adonáj elohehém
26 Und sie werden darauf zuversichtlich wohnen, und sie werden Häuser bauen und Weinberge pflanzen, und sie werden in Sicherheit wohnen, wenn Ich Gericht übe an allen, die ihnen feind waren rings um sie her, und sie werden wissen, dass Ich der HERR bin, ihr Gott!“
Und sie werden darauf zuversichtlich wohnen – diese Verheißung ist auch durch Mosche im Buch Dewarim gegeben. Mosche spricht davon, dass dieses Leben im Heiligen Land ein sicheres, zuversichtliches Leben sein wird, ohne ständiges Erzittern, ohne ständige Angst vor der Vernichtung. Man muss sagen, dass der heutige Staat Israel erst auf diesem Weg geht. Israel hat sehr viele Feinde, und deshalb sind die Ausgaben für den Militärhaushalt sehr groß. Und man kann sagen, dass Israel sich bis heute nicht so sicher fühlt, dass uns niemand anrührt, niemand es wagt, uns anzugreifen. Noch gibt es das nicht, das ist nur eine Verheißung. Der Höchste sagt: „Sie werden zuversichtlich auf ihrem Land wohnen.“ Im Buch Dewarim heißt es: „Ich werde alle Feinde rings um sie vernichten.“
„Wenn Ich Gericht übe, an allen, die ihnen feind waren rings um sie her, und sie werden wissen, dass Ich der HERR bin, ihr Gott!“ – auch das ist ein Erweis der Heiligkeit. Und der HERR wird zeigen, dass Er Macht hat über jede Lage und dass Er Seine Fürsorge erweist, Seine Fürsorge für das Volk Israel nicht aufgegeben hat.
Das ist eigentlich das Ende des kleinen Abschnitts vom Ende des 28. Kapitels, und wir beginnen, Kapitel 29, Vers 1 zu lesen.
בַּשָּׁנָה הָעֲשִׂירִית בָּעֲשִׂרִי בִּשְׁנֵים עָשָׂר לַחֹדֶשׁ הָיָה דְבַר־יְהוָה אֵלַי לֵאמֹר׃
baschaná ha'assirít ba'assirí bischném assár lachódesch hajá dewar-adonáj eláj lemór
1 Im zehnten Jahr, im zehnten Monat, am zwölften Tag kam zu mir das Wort des HERRN:
Das zehnte Jahr – das ist das zehnte Jahr der Verbannung Jojakims, der zehnte Monat (das heißt Tewet), am zwölften Tag, wenn man es in die heutige Zeitrechnung überträgt, ist das der 7. Januar 587 v. Chr.
Vor 2600 Jahren ist diese Prophetie gesprochen worden. Wir lesen jetzt von einer Offenbarung, die vor 2600 Jahren empfangen wurde, und sie ist für uns aktuell. Es lohnt sich einfach, innezuhalten und zu begreifen, zu spüren, welch gewaltige Epoche der Tanach, die Bibel, die Offenbarungen des Höchsten umfassen! Wie aktuell sie die ganze Zeit hindurch sind! Und wenig von dem, was im 6. Jahrhundert v. Chr. geschrieben wurde, ist zu uns gelangt und für irgendjemanden so aktuell, wie diese Worte aktuell sind!
Also, am zwölften Tag des zehnten Monats Tewet, im zehnten Jahr der Verbannung Jojakims, kam das Wort des HERRN zu Jecheskel:
בֶּן־אָדָם שִׂים פָּנֶיךָ עַל־פַּרְעֹה מֶלֶךְ מִצְרָיִם וְהִנָּבֵא עָלָיו וְעַל־מִצְרַיִם כֻּלָּהּ׃
ben-adám sim panécha al-par'ó mélech mizrájim wehinnawé aláw we'al-mizrájim kullá
2 „Mensch! Richte dein Angesicht auf Paro, den ägyptischen König, und prophezeie über ihn und über ganz Ägypten.
דַּבֵּר וְאָמַרְתָּ כֹּה־אָמַר אֲדֹנָי יְהוִה הִנְנִי עָלֶיךָ פַּרְעֹה מֶלֶךְ־מִצְרַיִם הַתַּנִּים הַגָּדוֹל הָרֹבֵץ בְּתוֹךְ יְאֹרָיו אֲשֶׁר אָמַר לִי יְאֹרִי וַאֲנִי עֲשִׂיתִנִי׃
dabbér we'amartá ko-amár adonáj elohím hinení alécha par'ó melech-mizrájim hattanním haggadól harowéz betóch je'oráw aschér amár li je'orí wa'aní assitíni
3 Rede und sage: „So sprach der Gebieter, der HERR: „Siehe, Ich – gegen dich, Paro, ägyptischer König, großes Krokodil, das sich mitten im Nil hingelagert hat und spricht: „Mir gehört der Nil, und ich habe ihn für mich gemacht“.
„Siehe, Ich – gegen dich“ – das ist eine Form der Kriegserklärung, eine Art „Ich ziehe gegen euch!“
Und weiter vergleicht der Prophet den ägyptischen König mit einem Krokodil. Hier muss man einige Anmerkungen machen. Das Wort tanním endet in unserem Vers auf den Buchstaben Mem. Gewöhnlich endet das Wort Krokodil (tannín) auf den Buchstaben Nun. Aber in verschiedenen Dialekten des Hebräischen und in verschiedenen Varianten, Mundarten des Hebräischen können die Buchstaben Mem und Nun am Wortende einander ersetzen. Bei Jecheskel ersetzt in den Endungen oft das Mem den Buchstaben Nun. Das ist einfach eine Besonderheit der Mundart.
Der Pharao wird ein großes Krokodil genannt, das sich mitten im Nil breitgemacht hat. Wegen der scheinbaren Pluralform des Wortes je'oráw versucht man oft, es als Nile oder Flüsse zu übersetzen. Aber höchstwahrscheinlich ist je'oráw in diesem Fall eben der Name des Nils in der ägyptischen Sprache. So ein erhabener Name, wie Fluss der Flüsse oder Lied der Lieder. Der Nil ist der allerwichtigste Fluss, so heißen der Nil und seine 7 Arme.
Eine erstaunliche Form des Verbs assitíni – ich habe ihn für mich gemacht, das heißt nicht nur „ich habe ihn erschaffen“, sondern „ich habe ihn für mich, um meiner selbst willen erschaffen, um meinetwillen existiert er, durch meine Gnade existiert der Nil“. Und dabei ist der Nil doch nicht einfach ein Fluss, er ist eine Gnade für ganz Ägypten: Ganz Ägypten (die ganze Landwirtschaft, die ganze Ernährung Ägyptens) existiert durch den Fluss Nil.
Dieses Bild zeigt den Pharao, der sich für einen Gott hielt, für die Quelle des Wohlstands in Ägypten, für den absoluten Herrscher in Ägypten, der in absolutem Komfort verweilt, an einem sehr guten Ort, den er ja für sich selbst geschaffen hat, – ein unverwundbares, großes, gnädiges, allmächtiges Krokodil. So, genau so ist das Bild des Pharao.
וְנָתַתִּי חַחִיִּים (חַחִים) בִּלְחָיֶיךָ וְהִדְבַּקְתִּי דְגַת־יְאֹרֶיךָ בְּקַשְׂקְשֹׂתֶיךָ וְהַעֲלִיתִיךָ מִתּוֹךְ יְאֹרֶיךָ וְאֵת כָּל־דְּגַת יְאֹרֶיךָ בְּקַשְׂקְשֹׂתֶיךָ תִּדְבָּק׃
wenatattí chachím bilchajécha wehidbaktí degat-je'orécha bekaskessotécha weha'alitícha mittóch je'orécha we'ét kol-degát je'orécha bekaskessotécha tidbák
4 Aber Ich werde Haken in deine Wangen stoßen, und Ich werde alle Fische deines Nils an deine Schuppen kleben, und Ich werde dich aus deinem Nil herausangeln, und alle Nilfische (alle Fische deines Nils) werden an deinen Schuppen kleben bleiben und zusammen mit dir herausgezogen werden.
Ich erwähne oft die Tatsache, dass die Ägypter gern zeichneten. Sehr viele Elemente des ägyptischen Alltags existieren in Zeichnungen: wie sie Brot zubereiten, wie sie ernten, ihre Hochzeiten, irgendwelche Wettkämpfe von ihnen – die Ägypter zeichneten alles. Aber es ist keine einzige Zeichnung zu uns gelangt, die davon handelt, wie die Ägypter Krokodile fingen. Unter den frühesten Beschreibungen ist es die Beschreibung des Griechen Herodot, der tatsächlich sagt, dass man Krokodile mit Haken fängt. Warum zeichneten die Ägypter den Krokodilfang nicht? Vielleicht deshalb, weil das Krokodil für sie gerade ein heiliges Tier ist, und, natürlich, Osiris bewahre, Krokodile zu fangen. Und für den Pharao ist die beste Art, sich als Gott zu fühlen, sich als großes, riesengroßes Krokodil vorzustellen.
Es gibt große Krokodile, die Nilkrokodile erreichen bis zu 6 Meter Länge, obwohl das selten ist. Reptilien zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr ganzes Leben lang wachsen, und manche Krokodile leben etwa 60 Jahre, und sie haben, im Großen und Ganzen, die Möglichkeit zu wachsen. Ein großes, beeindruckendes Krokodil kann einem im Nil also durchaus begegnen.
Aber der Höchste sagt: „Ich aber werde Haken in deine Wangen stoßen, und Ich werde alle Fische deines Nils an deine Schuppen kleben.“ Das Volk Ägyptens sind in diesem Fall die Nilfische. Sie alle werden nach dem Willen des Höchsten an den Schuppen des Krokodils kleben bleiben. (Das Krokodil hat natürlich keine Schuppen wie ein Fisch, aber seine ganze Haut ist mit Hornschuppen bedeckt.) Das heißt, zusammen mit dem Pharao wird die ganze ägyptische Bevölkerung gefangen werden.
וּנְטַשְׁתִּיךָ הַמִּדְבָּרָה אוֹתְךָ וְאֵת כָּל־דְּגַת יְאֹרֶיךָ עַל־פְּנֵי הַשָּׂדֶה תִּפּוֹל לֹא תֵאָסֵף וְלֹא תִקָּבֵץ לְחַיַּת הָאָרֶץ וּלְעוֹף הַשָּׁמַיִם נְתַתִּיךָ לְאָכְלָה׃
untaschtícha hammidbára otechá we'ét kol-degát je'orécha al-pené hassadé tippól lo te'asséf weló tikkawéz lechaját ha'árez ul'óf haschamájim netattícha le'ochlá
5 Und Ich werde dich in die Wüste schleudern, dich und alle Fische in deinem Nil. All das wird auf das Feld fallen, und es wird nicht gesammelt werden, und es wird nicht weggeholt werden, und dem Tier der Erde und dem Vogel des Himmels werde Ich dich zur Speise geben.
Feld ist in diesem Fall nicht unbedingt ein Feld, das jemand pflügt, nicht irgendeine landwirtschaftliche Nutzfläche. Feld – das heißt wilder Ort. Zum Beispiel heißen wilde Tiere chaját hassadé, wildes Getier, das Tier des Feldes.
Und es wird nicht gesammelt werden, und es wird nicht weggeholt werden – das heißt, niemand wird sich darum kümmern, das Krokodil oder die Fische zurück in den Nil zu bringen.
וְיָדְעוּ כָּל־יֹשְׁבֵי מִצְרַיִם כִּי אֲנִי יְהוָה יַעַן הֱיוֹתָם מִשְׁעֶנֶת קָנֶה לְבֵית יִשְׂרָאֵל׃
wejade'ú kol-joschewé mizrájim ki aní adonáj já'an hejotám misch'énet kané lewét jisraél
6 Und alle Bewohner Ägyptens werden erkennen, dass Ich der HERR bin, dafür, dass sie eine Stütze aus Schilfrohr für das Haus Israel waren.
Wir lesen schon im Buch Schemot, im 14. Kapitel, der Höchste sagt, dass das, was Er mit dem Pharao tut, eines der Ziele – Erziehungsarbeit an Ägypten ist, damit alle Ägypter erkennen, dass Er der HERR ist. Wieder Heiligung durch das Volk Israel, vielleicht auch Heiligung durch das, was in Ägypten geschieht. Und hier sagt der Höchste, dass Ägypten dafür bestraft wird, dass es eine Stütze, ein Schilfhalm für das Volk Israel ist.
Von Ägypten als Schilfhalm spricht der Gesandte des assyrischen Königs, Rawschake, im zweiten Buch Melachim (18,21): „Siehe, du verlässt dich auf diese Stütze, auf dieses geknickte Rohr – Ägypten? Wenn sich jemand darauf stützt, dringt es ihm in die Handfläche und durchbohrt sie! So ist Paro, der König von Ägypten, für alle, die sich auf ihn verlassen.“
Das ist ein Bild, das auch bei Jeschajahu in Bezug auf den König von Ägypten erwähnt wird: Wenn sich ein Mensch auf ein Schilfrohr stützt, kann das Schilfrohr entweder brechen – und der Mensch fällt hin, oder das Schilfrohr kann splittern – und dann dringt der scharfe Teil des Stängels dem Menschen in die Hand. Das heißt, irgendwelche Bündnisse, irgendwelche Verbindungen mit dem Haus des Pharao einzugehen – das ist nicht gut und nicht gesund, denn er ist keine so starke Stütze für das Haus Israel.
Und hier wiederholen sich im Grunde dieselben Worte, die Rawschake im Buch Melachim und bei Jeschajahu sagt.
בְּתָפְשָׂם בְּךָ בַכַּפך (בַכַּף) תֵּרוֹץ וּבָקַעְתָּ לָהֶם כָּל־כָּתֵף וּבְהִשָּׁעֲנָם עָלֶיךָ תִּשָּׁבֵר וְהַעֲמַדְתָּ לָהֶם כָּל־מָתְנָיִם׃
betofsám bechá wakkáf teróz uwaka'tá lahém kol-katéf uwhischa'anám alécha tischawér weha'amadtá lahém kol-motnájim
7 Wenn sie dich mit der Handfläche packen werden, wirst du splittern und sie bis zum Unterarm durchbohren, und wenn sie sich auf dich stützen werden, dann wirst du zerbrechen und sie dazu bringen, die Hüfte zu knicken, zu beugen. Du bist eine schlechte Stütze für Israel, Pharao.“
לָכֵן כֹּה אָמַר אֲדֹנָי יְהוִה הִנְנִי מֵבִיא עָלַיִךְ חָרֶב וְהִכְרַתִּי מִמֵּךְ אָדָם וּבְהֵמָה׃
lachén ko amár adonáj elohím hinení mewí alájich chárew wehichrattí mimméch adám uwhemá
8 Darum spricht so der Gebieter, der HERR: „Siehe, Ich bringe ein Schwert über dich und vernichte bei dir sowohl Mensch als auch Vieh,
וְהָיְתָה אֶרֶץ־מִצְרַיִם לִשְׁמָמָה וְחָרְבָּה וְיָדְעוּ כִּי־אֲנִי יְהוָה יַעַן אָמַר יְאֹר לִי וַאֲנִי עָשִׂיתִי׃
wehajetá erez-mizrajim lischmamá wechorbá wejade'ú ki-aní adonáj já'an amár je'ór li wa'aní assíti
9. Und das ägyptische Land wird leer und zerstört sein. Und sie werden erkennen, dass Ich der HERR bin. Und das dafür, dass er gesagt hat: „Mir gehört der Nil, und ich habe ihn für mich geschaffen.“
„Ich werde dir eine Lektion erteilen dafür, dass du gemeint hast, der Nil sei deiner, dafür, dass du verkündet hast, du seist ein Gott, fähig, den Nil zu erschaffen, dass du ihn beherrschst, von ihm lebst; dich selbst, das Krokodil, und alles, was du für dein Universum gehalten hast, das alles werde Ich zerstören, um zu zeigen, Wer der HERR ist.“
לָכֵן הִנְנִי אֵלֶיךָ וְאֶל־יְאֹרֶיךָ וְנָתַתִּי אֶת־אֶרֶץ מִצְרַיִם לְחָרְבוֹת חֹרֶב שְׁמָמָה מִמִּגְדֹּל סְוֵנֵה וְעַד־גְּבוּל כּוּשׁ׃
lachén hinení elécha we'el-je'orécha wenatattí et-érez mizrájim lechorwót chórew schemamá mimmigdól sewené we'ad-gewúl kusch
10 Darum, siehe, Ich bin gegen dich und gegen deinen Nil, und Ich mache das Land Ägypten zur Ruine, Zerstörung und Verwüstung vom Turm in Richtung Sewejne (heute ist das der Ort, an dem sich der Assuan-Staudamm befindet) und bis zu den Grenzen Äthiopiens.
Der Turm – das ist ein Ort, der im Buch Schemot erwähnt wird, am Anfang des 14. Kapitels, von wo aus die Israeliten den Auszug aus Ägypten begannen.
וְנָתַתִּי אֶת־אֶרֶץ מִצְרַיִם שְׁמָמָה בְּתוֹךְ אֲרָצוֹת נְשַׁמּוֹת וְעָרֶיהָ בְּתוֹךְ עָרִים מָחֳרָבוֹת תִּהְיֶיןָ שְׁמָמָה אַרְבָּעִים שָׁנָה וַהֲפִצֹתִי אֶת־מִצְרַיִם בַּגּוֹיִם וְזֵרִיתִים בָּאֲרָצוֹת׃
wenatattí et-eréz mizrájim schemamá betóch arazót neschammót we'aréha betóch arím machorawót tihjéna schemamá arba'ím schaná wahafizotí et-mizrájim baggojím weseritím ba'arazót
12 Und Ich mache das ägyptische Land zur Verwüstung wie alle verwüsteten Länder, und seine Städte werden unter den zerstörten Städten sein, und es wird dort Verwüstung sein vierzig Jahre. Ich zerstreue Ägypten unter die Völker und verstreue sie in die Länder.“
40 Jahre, 40 Tage – das ist eine sehr wichtige symbolische Zahl, die mit Reinigung verbunden ist, deshalb führt Jecheskel sie hier nicht einfach so an. Und vielleicht geht es hier nicht um Mathematik, sondern um Symbolik. 40 Jahre – das ist das Leben einer Generation, und wir sehen das am Beispiel des Generationenwechsels in der Wüste. 40 – das ist eine sehr bedeutende, wichtige Frist, die eine ausgeprägte symbolische Bedeutung hat.
כִּי כֹּה אָמַר אֲדֹנָי יְהוִה מִקֵּץ אַרְבָּעִים שָׁנָה אֲקַבֵּץ אֶת־מִצְרַיִם מִן־הָעַמִּים אֲשֶׁר־נָפֹצוּ שָׁמָּה׃
ki ko amár adonáj elohím mikkéz arba'ím schaná akabbéz et-mizrájim min-ha'ammím ascher-nafózu schámma
13 Denn so hat der Gebieter, der HERR, gesagt: „Nach Ablauf von vierzig Jahren werde Ich die Ägypter sammeln aus den Orten, wohin Ich sie zerstreut habe.“
Diese Strafe wird für Ägypten nicht ewig sein. Und hier sagt der Höchste, dass auch in Bezug auf Ägypten, sogar in Bezug auf Ägypten, das hier einer Strafe unterzogen wird, der Höchste Seinen Plan hat und Seine Gnade hat. Und der Höchste sagt: „Ich werde sie zerstreuen, Ich werde sie sammeln.“ Das ist wieder ein Zeugnis der Heiligkeit des Höchsten.
וְשַׁבְתִּי אֶת־שְׁבוּת מִצְרַיִם וַהֲשִׁבֹתִי אֹתָם אֶרֶץ פַּתְרוֹס עַל־אֶרֶץ מְכוּרָתָם וְהָיוּ שָׁם מַמְלָכָה שְׁפָלָה׃
weschawtí et-schewút mizrájim wahaschiwotí otám érez patrós al-érez mechuratám weháju scham mamlachá schefalá
14 Und Ich bringe die Ansässigkeit Ägyptens in Ägypten zurück, Ich bringe sie zurück in das Land Patros, in das Land ihres Ursprungs, und sie werden dort ein erniedrigtes Königreich sein.
Das Land Patros bedeutet, aus dem Ägyptischen übersetzt, das Land, das im Süden liegt. Der Höchste sagt: „Ich werde sie in die südlichen Gegenden zurückbringen“, das heißt: „Ich werde sie in die ureigensten ägyptischen Gebiete zurückbringen.“
Und sie werden dort ein erniedrigtes Königreich sein – das heißt, der Höchste sagt so: „Ich werde das Königreich Ägyptens zurückbringen. Ägypten wird wieder Ägypten sein, wird wieder ein Land sein, aber es wird nicht mehr eine so fortschrittliche, führende Macht sein, sondern wird, in moderner Sprache gesagt, ein Land der Dritten Welt sein.“
מִן־הַמַּמְלָכוֹת תִּהְיֶה שְׁפָלָה וְלֹא־תִתְנַשֵּׂא עוֹד עַל־הַגּוֹיִם וְהִמְעַטְתִּים לְבִלְתִּי רְדוֹת בַּגּוֹיִם׃
min-hammamlachót tihjé schefalá welo-titnassé od al-haggojím wehim'attím lewiltí redót baggojím
15 Es wird erniedrigt sein im Verhältnis zu den anderen Königreichen und wird sich nicht mehr über die anderen Völker erheben. Ich werde sie verringern, sie klein machen, damit sie nicht über die Völker herrschen können.
וְלֹא יִהְיֶה־עוֹד לְבֵית יִשְׂרָאֵל לְמִבְטָח מַזְכִּיר עָוֹן בִּפְנוֹתָם אַחֲרֵיהֶם וְיָדְעוּ כִּי אֲנִי אֲדֹנָי יְהוִה׃
weló jihje-ód lewét jisraél lemiwtách maskír awón bifnotám acharehém wejade'ú ki aní adonáj elohím
16 Und es wird nicht mehr eine Stütze für das Haus Israel sein, die sie an die Sünde erinnern und sie dazu bringen würde, auf die Vergangenheit zurückzublicken. Und sie werden erkennen, dass Ich der Gebieter, der HERR, bin.“
Israel wird nicht auf die Vergangenheit zurückblicken und denken: „Sollten wir es nicht noch einmal versuchen, vielleicht den alten Weg gehen?“ Ägypten wird nicht mehr den früheren Eindruck machen und wird nicht mehr locken und verführen, mit ihm einen Bund zu schließen.
„Und sie werden erkennen, dass Ich der Gebieter, der HERR, bin“ – das festigt wieder das Wissen darum, dass die Welt einen Hausherrn hat, dass es den HERRN gibt. Er ist der König, und auf Ihn muss man sich stützen.
Es gibt den Begriff Geopolitik (das Wort geo – Erde) – irdische Politik. Aber der Höchste schlägt hier, sagen wir so, Himmelspolitik statt Geopolitik vor. Und Israel wird aufhören, sich auf irgendwelche regionalen Mächte zu stützen, und wird erfahren, erkennen, anerkennen, dass es einen Einzigen König auf der Erde gibt.
Viele Jahre später wird Jecheskel noch eine Prophezeiung über Ägypten erhalten.
וַיְהִי בְּעֶשְׂרִים וָשֶׁבַע שָׁנָה בָּרִאשׁוֹן בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ הָיָה דְבַר־יְהוָה אֵלַי לֵאמֹר׃
wajhí be'esrím waschéwa schaná barischón be'echád lachódesch hajá dewar-adonáj eláj lemor
17 Und es war – im siebenundzwanzigsten Jahr, im ersten Monat, am ersten Tag des Monats (das heißt am ersten Tag des Monats Nissan), und es war das Wort des HERRN zu mir, sprechend:
Das siebenundzwanzigste Jahr – das ist das Jahr 570 v. Chr. – das späteste Datum im Buch Jecheskel.
בֶּן־אָדָם נְבוּכַדְרֶאצַּר מֶלֶךְ־בָּבֶל הֶעֱבִיד אֶת־חֵילוֹ עֲבֹדָה גְדֹלָה אֶל־צֹר כָּל־רֹאשׁ מֻקְרָח וְכָל־כָּתֵף מְרוּטָה וְשָׂכָר לֹא־הָיָה לוֹ וּלְחֵילוֹ מִצֹּר עַל־הָעֲבֹדָה אֲשֶׁר־עָבַד עָלֶיהָ׃
ben-adám newuchadrezzár melech-bawél he'ewíd et-cheló awodá gedolá el-zór kol-rósch mukrách wechol-katéf merutá wessachár lo-hája lo ulcheló mizzór al-ha'awodá ascher-awád aléha
18 „Menschensohn! Newuchadnezar, der König von Babylon, hat sein Heer mit schwerer Arbeit geplagt, auf jedem Kopf hat er eine Glatze gescheuert, und jede Schulter ist wundgerieben, und es gab keinen Lohn für ihn und sein Heer von Zor für die gegen ihn geleistete Arbeit.“
Die Menschen trugen irgendeine Ausrüstung auf den Schultern, und natürlich wurden die Schultern müde und rieben sich wund. Das ist interessant auf Bildern zu sehen, die Menschen verschiedener Stände im Römischen Reich oder in Babylon darstellen, wenn bei manchen der Umhang über beide Schultern geworfen ist und bei manchen (bei den Sklaven) – nur über eine. Der Sklave trägt irgendeine Last, irgendwelche Lasten auf der unbedeckten Schulter, damit sich die Kleidung nicht abnutzt, denn Haut ist billiger als Kleidung. Das zeigt, dass die Lasten entsprechend sowohl die Umhänge als auch die Kleidung abnutzten, und die Haut litt Schaden. Hier wird also ein solches Beispiel angeführt wie die wundgeriebene Schulter.
Und es gab keinen Lohn für ihn und sein Heer von Zor für die gegen ihn geleistete Arbeit – das heißt, alle Erziehungsmaßnahmen, die Newuchadnezar gegen Zor angewandt hat, brachten ihm keinen Gewinn, keine Beute. Hier ist natürlich Sarkasmus. Zor hat Newuchadnezar nicht „bezahlt“, das heißt, Newuchadnezar belagerte Zor lange und qualvoll, quälte sich selbst, quälte sein Heer, bekam aber nicht das Gewünschte.
לָכֵן כֹּה אָמַר אֲדֹנָי יְהוִה הִנְנִי נֹתֵן לִנְבוּכַדְרֶאצַּר מֶלֶךְ־בָּבֶל אֶת־אֶרֶץ מִצְרָיִם וְנָשָׂא הֲמֹנָהּ וְשָׁלַל שְׁלָלָהּ וּבָזַז בִּזָּהּ וְהָיְתָה שָׂכָר לְחֵילוֹ׃
lachén ko amár adonáj elohím hinení notén linwuchadrezzár melech-bawél et-érez mizrájim wenassá hamoná weschalál schelalá uwasás bissá wehajetá sachár lecheló
19 Darum hat so der Gebieter, der HERR, gesagt: „Siehe, Ich gebe Newuchadnezar, dem König von Babylon, das ägyptische Land, und er wird dort seinen Anteil bekommen, und wird seine Trophäen einsammeln, und wird es mit Plünderung plündern, und es wird der Lohn für sein Heer sein.
Das heißt, statt Zor wird der König von Babylon, Newuchadnezar, zusammen mit seiner Armee Ägypten zur Plünderung bekommen. Und er wird es restlos ausplündern: wird es plündern, wird es mit Verheerung verheeren, wird es mit Plünderung plündern, wird alle Trophäen davontragen, und das wird der Lohn für den König von Babylon sein.
Hier öffnet der Höchste wieder ein wenig Seine „Küche“, öffnet ein wenig, wie Er die Welt lenkt: Er sorgt sich sogar darum, Gerechtigkeit gegenüber König Newuchadnezar zu erweisen, der weit davon entfernt ist, dass man ihn zu den Gerechten zählen würde. Aber beim Höchsten ist alles im Gleichgewicht.
פְּעֻלָּתוֹ אֲשֶׁר־עָבַד בָּהּ נָתַתִּי לוֹ אֶת־אֶרֶץ מִצְרָיִם אֲשֶׁר עָשׂוּ לִי נְאֻם אֲדֹנָי יְהוִה׃
pe'ullató ascher-áwad ba natátti lo et-érez mizrájim aschér ássu li ne'úm adonáj elohím
20 Für die Arbeit, die er an Zor verrichtet hat, habe Ich ihm das ägyptische Land gegeben, die Mir Unheil angerichtet habenDieser Nebensatz steht auch im Russischen grammatisch unverbunden in der Mehrzahl; gemeint sind wohl die Ägypter. Er ist wörtlich übernommen.“, sagte der Gebieter, der HERR.
בַּיּוֹם הַהוּא אַצְמִיחַ קֶרֶן לְבֵית יִשְׂרָאֵל וּלְךָ אֶתֵּן פִּתְחוֹן־פֶּה בְּתוֹכָם וְיָדְעוּ כִּי־אֲנִי יְהוָה׃
bajom hahú azmíjach kéren lewét jisraél ulchá ettén pitchon-pé betochám wejade'ú ki-aní adonáj
21 „Und an jenem Tag lasse Ich dem Haus Israel ein Horn wachsen, und dir werde Ich geben, unter ihnen zu predigen, und sie werden erkennen, dass Ich der HERR bin!“
Das Wort kéren bedeutet Horn, es bedeutet auch Fonds, ein gewisses Füllhorn, eine gewisse Quelle des Segens und des Überflusses für das Haus Israel. Die Befreiung Israels, die Rückkehr Israels in das Land ist verbunden mit dem Gericht, das der Höchste an den Völkern vollziehen wird. Wie es der Höchste auch Awraham versprochen hat: „Ich werde auch über jenes Volk Gericht halten.“ Und an diesem Tag werden alle: sowohl die Völker als auch Israel und die Ägypter – alle werden erkennen, dass der HERR – Er Gott und König über die ganze Erde ist, und dadurch wird der HERR durch das Volk Israel geheiligt werden, durch die Rückkehr des Volkes Israel.
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